Mantrika Upanishad
Die Mantrika Upanishad (Sanskrit: मन्त्रिकोपनिषत् अथवा चूलिकोपनिषत्, mantrikopaniṣat athavā cūlikopaniṣat) gehört zur Gruppe der Samanya Vedanta Upanishad und wird in der Muktika-Liste dem Shukla Yajurveda zugeordnet. Im Mittelpunkt steht der eine bewusste Herr hinter Prakriti, Gunas und den vierundzwanzig Prinzipien. Ihr Sanskrittext ist in unterschiedlichen Handschriften und Druckausgaben nicht immer gleich gegliedert; die folgende Ausgabe folgt der vollständig überlieferten Sanskrit-Documents-Fassung und nennt die verwendete Textgrundlage.
Inhaltlich behandelt die Schrift vor allem Weltbaum und ungeborenes Prinzip; genießendes und bezeugendes Selbst; Erlösung durch die Schau des Einen. Sie verbindet die Autorität der Upanishaden mit dem jeweiligen geistigen Milieu ihrer Überlieferung. Darum sollte sie zugleich aufmerksam, traditionssensibel und mit philosophischem Unterscheidungsvermögen gelesen werden.

Für heutige Übende ist entscheidend, dass Yoga hier nicht auf Körperübungen verkürzt wird. Studium, ethische Läuterung, Meditation, Hingabe und Selbsterkenntnis bilden einen Zusammenhang. Historische Ritualvorschriften oder außergewöhnliche Wirkungsbehauptungen werden in diesem Artikel als Quelleninhalt erklärt; sie sind nicht automatisch moderne Übungs- oder Heilversprechen.
Mantrika Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung
Die Mantrika Upanishad enthält zwanzig kurze Lehrverse. Jeder Vers wird hier einzeln übersetzt. Die Bildsprache ist teilweise bewusst rätselhaft und verbindet ältere vedische Symbole, Sankhya-Zählungen und Vedanta; unsichere Bildwörter werden deshalb nicht künstlich auf eine einzige Bedeutung festgelegt.
Eröffnungsvers und Shanti Mantra Mantrika Upanishad
svāvidyādvayatatkāryāpahnavajñānabhāsuram |
mantrikopaniṣadvedyaṃ rāmacandramahaṃ bhaje ||
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
Ich verehre Rama als das strahlende Bewusstsein, das die Unwissenheit, die Vorstellung von Zweiheit und deren Wirkungen aufhebt und durch die Mantrika Upanishad erkannt wird. Om. Das ist Fülle, dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor; nimmt man Fülle von der Fülle, bleibt Fülle allein. Frieden, Frieden, Frieden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: avidyā – Unwissenheit; dvaya – Zweiheit; tat-kārya – deren Wirkung; apahnava-jñāna – Erkenntnis, die sie aufhebt; bhāsuram – strahlend; pūrṇam – Fülle, Vollständigkeit; udacyate – geht hervor; avaśiṣyate – bleibt zurück; śāntiḥ – Frieden.
1. Vers Mantrika Upanishad – Der reine Hamsa
oṃ aṣṭapādaṃ śuciṃ haṃsaṃ trisūtramaṇumavyayam |
trivartmānaṃ tejaso'haṃ sarvataḥpaśyan na paśyati || 1 ||
Den achtfüßigen reinen Hamsa, mit drei Fäden verbunden, fein und unvergänglich, zu dem drei Wege führen – ihn sieht der gewöhnliche Blick nicht, obwohl er überall gegenwärtig ist.
Wort-für-Wort-Erläuterung: aṣṭa-pādam – achtfüßig; śucim – rein; haṃsam – Hamsa; tri-sūtram – mit drei Fäden verbunden; aṇum – fein, subtil; avyayam – unvergänglich; tri-vartmānam – drei Wege besitzend; sarvataḥ paśyan – überall sehend; na paśyati – wird doch nicht gesehen.
2. Vers Mantrika Upanishad – Nirguna im Bereich der Gunas
bhūtasaṃmohane kāle bhinne tamasi vaikhare |
antaḥ paśyanti sattvasthā nirguṇaṃ guṇagahvare || 2 ||
Wenn die Wesen durch Unwissenheit verwirrt sind und die Dunkelheit schließlich durch Erkenntnis aufgebrochen wird, schauen diejenigen, die in Sattva gegründet sind, im Innern das Nirguna, das eigenschaftslose Absolute, mitten im Bereich der Gunas.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūta-saṃmohane – bei der Verwirrung der Wesen; tamasi bhinne – wenn die Dunkelheit durchbrochen ist; antaḥ paśyanti – sie schauen im Innern; sattva-sthāḥ – in Sattva gegründet; nirguṇam – das Eigenschaftslose; guṇa-gahvare – in der Tiefe/im Bereich der Gunas.
3. Vers Mantrika Upanishad – Das schwer zu schauende Absolute und Maya
aśakyaḥ so'nyathā draṣṭuṃ dhyāyamānaḥ kumārakaiḥ |
vikārajananīmajñāmaṣṭarūpāmajāṃ dhruvām || 3 ||
Dieses Absolute ist auf andere Weise kaum zu schauen; Weise wie die Kumaras kontemplieren es. Zugleich wird die ungeborene, beständige, achtgestaltige Maya genannt – unwissend und die Mutter der Veränderungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: aśakyaḥ draṣṭum – schwer/unmöglich zu sehen; dhyāyamānaḥ – meditiert, kontempliert; kumārakaiḥ – von den Kumaras; vikāra-jananīm – Erzeugerin der Veränderungen; ajñām – unwissend; aṣṭa-rūpām – achtgestaltig; ajām – ungeboren; dhruvām – beständig.
4. Vers Mantrika Upanishad – Maya unter der Lenkung des Herrn
dhyāyate'dhyāsitā tena tanyate preryate punaḥ |
sūyate puruṣārthaṃ ca tenaivādhiṣṭhitaṃ jagat || 4 ||
Durch ihn getragen wird Maya entfaltet und immer wieder angetrieben; sie bringt die Erfahrungswelt für die Zwecke des Menschen hervor. Die Welt steht dabei unter der tragenden Gegenwart eben jenes höchsten Prinzips.
Wort-für-Wort-Erläuterung: adhyāsitā tena – von ihm getragen/überlagert; tanyate – wird ausgebreitet; preryate – wird angetrieben; punaḥ – wieder; sūyate – bringt hervor; puruṣārtham – für den Zweck des Purusha/Menschen; tena eva adhiṣṭhitam jagat – die Welt ist gerade durch ihn getragen/beherrscht.
5. Vers Mantrika Upanishad – Die dreifarbige kosmische Mutter
gauranādyantavatī sā janitrī bhūtabhāvinī |
sitāsitā ca raktā ca sarvakāmadudhā vibhoḥ || 5 ||
Diese kosmische Mutter erscheint ohne erkennbaren Anfang und Ende, lässt die Wesen werden und wird als weiß, schwarz und rot beschrieben. Für den allgegenwärtigen Herrn ist sie gleichsam die Kraft, aus der die Vielfalt der Wünsche und Erfahrungen hervorgeht.
Wort-für-Wort-Erläuterung: gaur – Kuh, hier Bild der kosmischen Natur; anādi-antavatī – ohne Anfang und Ende; janitrī – Gebärerin, Mutter; bhūta-bhāvinī – die Wesen hervorbringend; sitā – weiß; asitā – schwarz; raktā – rot; sarva-kāma-duhā – alle Wünsche „melkend“/gewährend; vibhoḥ – des allgegenwärtigen Herrn.
6. Vers Mantrika Upanishad – Gebundenheit und Freiheit gegenüber Maya
pibantyenāmaviṣayāmavijñātāṃ kumārakāḥ |
ekastu pibate devaḥ svacchando'tra vaśānugaḥ || 6 ||
Die unreifen beziehungsweise unwissenden Wesen nehmen diese schwer erkennbare Maya in sich auf, ohne ihr Wesen zu kennen. Der eine göttliche Herr hingegen steht frei zu ihr und gebraucht sie, ohne von ihr beherrscht zu werden.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pibanti enām – sie trinken/nehmen sie auf; aviṣayām – nicht gewöhnlich objektivierbar; avijñātām – unerkannt; kumārakāḥ – die Unreifen/Jungen; ekaḥ devaḥ – der eine Gott; svacchandaḥ – frei aus eigenem Willen; vaśānugaḥ – unter Kontrolle/der eigenen Lenkung folgend.
7. Vers Mantrika Upanishad – Erfahrung, Meditation und Handlung
dhyānakriyābhyāṃ bhagavānbhuṅkte'sau prasahadvibhuḥ |
sarvasādhāraṇīṃ dogdhrīṃ pīyamānāṃ tu yajvamiḥ || 7 ||
Der allgegenwärtige Herr erfährt und lenkt diese universale, alle versorgende Kraft durch Meditation und Handlung. Die Opfernden nehmen von ihr wie von einer Kuh, die für alle Milch gibt.
Wort-für-Wort-Erläuterung: dhyāna-kriyābhyām – durch Meditation und Handlung; bhagavān – der Herr; bhuṅkte – erfährt, genießt; vibhuḥ – der Allgegenwärtige; sarva-sādhāraṇīm – allen gemeinsam; dogdhrīm – die Milchgebende; yajvabhiḥ – von den Opfernden.
8. Vers Mantrika Upanishad – Die zwei Vögel
paśyantyasyāṃ mahātmānaḥ suvarṇaṃ pippalāśanam |
udāsīnaṃ dhruvaṃ haṃsaṃ snātakādhvaryavo jaguḥ || 8 ||
Die großen Seelen schauen in ihr das Bild der zwei Vögel: den goldenen, der von der Pippala-Frucht isst, und den beständigen Hamsa, der unbeteiligt bleibt. So besingen ihn die in der Veda-Tradition Geschulten.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mahātmānaḥ – große Seelen; suvarṇam – den goldenen; pippala-aśanam – die Pippala-Frucht essend; udāsīnam – unbeteiligt, als Zeuge; dhruvam – beständig; haṃsam – Hamsa; jaguḥ – sie besangen.
9. Vers Mantrika Upanishad – Zeugnis von Rig- und Samaveda
śaṃsantamanuśaṃsanti bahvṛcāḥ śāstrakovidāḥ |
rathantaraṃ bṛhatsāma saptavaidhaistu gīyate || 9 ||
Die Kenner der zahlreichen Rigveda-Hymnen preisen dieses höchste Prinzip; auch in den großen Saman-Gesängen wie Rathantara und Brihat wird es in verschiedener Weise besungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bahvṛcāḥ – Kenner vieler Rig-Hymnen; śāstra-kovidāḥ – in den Lehren kundig; anuśaṃsanti – preisen; rathantaram – Rathantara-Saman; bṛhat-sāma – Brihat-Saman; gīyate – wird gesungen.
10. Vers Mantrika Upanishad – Atharvaveda und Brahman
mantropaniṣadaṃ brahma padakramasamanvitam |
paṭhanti bhārgavā hyete hyatharvāṇo bhṛgūttamāḥ || 10 ||
Auch die Bhargavas und Atharvans rezitieren Brahman in der Form von Mantra und Upanishad, mit den überlieferten Wort- und Rezitationsordnungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: mantra-upaniṣadam brahma – Brahman als Mantra und Upanishad; pada-krama-samanvitam – mit Pada- und Krama-Rezitation verbunden; paṭhanti – sie rezitieren; bhārgavāḥ – Nachkommen/Schule des Bhrigu; atharvāṇaḥ – Atharvans; bhṛgu-uttamāḥ – die besten aus der Bhrigu-Tradition.
11. Vers Mantrika Upanishad – Verschiedene Namen und Bilder
sabrahmacārivṛttiśca stambho'tha phalitastathā |
anaḍvānrohitocchiṣṭaḥ paśyanto bahuvistaram || 11 ||
Die Überlieferung schaut dasselbe Wirkliche unter zahlreichen Bildern und Bezeichnungen – als Lebensform des Brahmacharin, als tragende Säule, als fruchttragende Kraft und in weiteren symbolischen Gestalten. Die Vielfalt der Namen soll nicht über die eine zugrunde liegende Wirklichkeit hinwegtäuschen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahmacāri-vṛttiḥ – Lebensweise des Brahmacharin; stambhaḥ – Säule, tragendes Prinzip; phalitaḥ – fruchttragend; anaḍvān – Zugochse/Stier; rohita – der Rötliche, vedischer Symbolname; ucchiṣṭa – das Übriggebliebene/Überragende, Atharvaveda-Begriff; bahu-vistaram – vielfältig ausgebreitet.
12. Vers Mantrika Upanishad – Zeit, Prana und Rudra-Namen
kālaḥ prāṇaśca bhagavānmṛtyuḥ śarvo maheśvaraḥ |
ugro bhavaśca rudraśca sasuraḥ sāsurastathā || 12 ||
Es wird Zeit genannt, Prana, der Erhabene, Tod, Sharva, Maheshvara, Ugra, Bhava und Rudra – gegenwärtig im Bereich der Götter wie auch der Asuras.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kālaḥ – Zeit; prāṇaḥ – Lebenshauch; bhagavān – der Erhabene; mṛtyuḥ – Tod; śarvaḥ, maheśvaraḥ, ugraḥ, bhavaḥ, rudraḥ – Namen des Göttlichen, besonders Rudras/Shivas; sa-suraḥ sa-asuraḥ – mit Göttern und Asuras beziehungsweise in beiden Bereichen gegenwärtig.
13. Vers Mantrika Upanishad – Prajapati, Viraj und Purusha
prajāpatirvirāṭ caiva puruṣaḥ salilameva ca |
stūyate mantrasaṃstutyairatharvaviditairvibhuḥ || 13 ||
Dasselbe allgegenwärtige Prinzip wird als Prajapati, Viraj, Purusha und als Urwasser bezeichnet und durch die den Atharvans bekannten Mantras gepriesen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: prajāpatiḥ – Herr der Geschöpfe; virāṭ – kosmische Gestalt; puruṣaḥ – Purusha; salilam – Wasser, Urwasser; stūyate – wird gepriesen; mantra-saṃstutyaiḥ – durch Mantra-Lobpreisungen; atharva-viditaiḥ – den Atharvans bekannt; vibhuḥ – der Allgegenwärtige.
14. Vers Mantrika Upanishad – Das 26. oder 27. Prinzip
taṃ ṣaḍviṃśaka ityete saptaviṃśaṃ tathāpare |
puruṣaṃ nirguṇaṃ sāṅkhyamatharvaśiraso viduḥ || 14 ||
Einige nennen diesen Purusha das sechsundzwanzigste, andere das siebenundzwanzigste Prinzip. Kenner der Sankhya-Zählungen und der Atharva-Überlieferung erkennen ihn als Nirguna, jenseits der gezählten Naturprinzipien.
Wort-für-Wort-Erläuterung: ṣaḍ-viṃśakam – das sechsundzwanzigste; sapta-viṃśam – das siebenundzwanzigste; puruṣam – Purusha; nirguṇam – ohne Gunas; sāṅkhyam – im Zusammenhang mit Sankhya/Zählung; viduḥ – sie erkennen, wissen.
15. Vers Mantrika Upanishad – Manifest und unmanifest
caturviṃśatisaṃkhyātaṃ vyaktamavyaktameva ca |
advaitaṃ dvaitamityāhustridhā taṃ pañcadhā tathā || 15 ||
Die Naturprinzipien werden als vierundzwanzig gezählt, als manifest und unmanifest beschrieben. Je nach Lehrstandpunkt wird das Wirkliche nichtdual, dual, dreifach oder fünffach erklärt – die Begriffe sind verschiedene Zugänge zum selben Gegenstand der Erkenntnis.
Wort-für-Wort-Erläuterung: catur-viṃśati-saṃkhyātam – als vierundzwanzig gezählt; vyaktam – manifest; avyaktam – unmanifest; advaitam – nichtdual; dvaitam – dual; tridhā – dreifach; pañcadhā – fünffach; āhuḥ – sie nennen, lehren.
16. Vers Mantrika Upanishad – Das Eine in allem
brahmādyaṃ sthāvarāntaṃ ca paśyanti jñānacakṣuṣaḥ |
tamekameva paśyanti pariśubhraṃ vibhuṃ dvijāḥ || 16 ||
Mit dem Auge der Erkenntnis schauen die Weisen vom höchsten Brahma bis zum unbeweglichen Wesen das eine, vollkommen reine und alldurchdringende Wirkliche.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma-ādyam – mit Brahma beginnend; sthāvara-antam – bis zum Unbeweglichen; jñāna-cakṣuṣaḥ – mit dem Auge der Erkenntnis; tam ekam eva – eben dieses Eine; pariśubhram – vollkommen rein; vibhum – alldurchdringend; dvijāḥ – die Zweimalgeborenen/Weisen.
17. Vers Mantrika Upanishad – Alles ist in Brahman verwoben
yasminsarvamidaṃ protaṃ brahma sthāvarajaṅgamam |
tasminneva layaṃ yānti sravantyaḥ sāgare yathā || 17 ||
In jenem Brahman ist alles – Bewegliches und Unbewegliches – wie auf einen Faden gereiht. In eben dieses geht alles wieder ein, wie Flüsse im Meer aufgehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: yasmin – in welchem; sarvam idam protam – dieses Ganze ist aufgefädelt/eingewoben; sthāvara-jaṅgamam – Unbewegliches und Bewegliches; tasmin eva layaṃ yānti – in eben jenem gehen sie in Auflösung ein; sravantyaḥ – die Flüsse; sāgare yathā – wie im Meer.
18. Vers Mantrika Upanishad – Auflösung und erneutes Erscheinen
yasminbhāvāḥ pralīyante līnāścāvyaktatāṃ yayuḥ |
paśyanti vyaktatāṃ bhūyo jāyante budbudā iva || 18 ||
In ihm lösen sich die Erscheinungen auf und gehen in den unmanifesten Zustand ein; später erscheinen sie erneut, wie Blasen, die auf dem Wasser entstehen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: bhāvāḥ – Erscheinungen, Seinsformen; pralīyante – lösen sich auf; avyaktatām yayuḥ – gehen in Unmanifestheit ein; vyaktatām bhūyaḥ – erneut in Manifestheit; jāyante – entstehen; budbudāḥ iva – wie Blasen.
19. Vers Mantrika Upanishad – Der Kshetrajna als tragendes Bewusstsein
kṣetrajñādhiṣṭhitaṃ caiva kāraṇairvidyate punaḥ |
evaṃ sa bhagavāndevaṃ paśyantyanye punaḥ punaḥ || 19 ||
Die Welt der Ursachen und Wirkungen besteht unter der tragenden Gegenwart des Kshetrajna, des Kenners des Feldes. In dieser Weise schauen manche den göttlichen Herrn immer wieder in den Erscheinungen.
Wort-für-Wort-Erläuterung: kṣetrajña-adhiṣṭhitam – vom Kenner des Feldes getragen; kāraṇaiḥ – durch Ursachen; vidyate – besteht, wird erkannt; punaḥ – erneut; bhagavān devam – den erhabenen Gott; paśyanti – sie schauen.
20. Vers Mantrika Upanishad – Aufgehen im Unmanifesten
brahma brahmetyathāyānti ye vidurbrāhmaṇāstathā |
atraiva te layaṃ yānti līnāścāvyaktaśālinaḥ ||
līnāścāvyaktaśālina ityupaniṣat ||
Die Brahman-Kenner, die „Brahman, Brahman“ erkennen, gelangen zu eben diesem. In ihm gehen sie auf und ruhen im Unmanifesten. So lautet die Upanishad.
Wort-für-Wort-Erläuterung: brahma brahma iti – „Brahman, Brahman“; ye viduḥ – diejenigen, die erkennen; brāhmaṇāḥ – Brahman-Kenner; atra eva – gerade hier, in diesem; layaṃ yānti – gehen in Auflösung/Einheit ein; līnāḥ – aufgegangen; avyakta-śālinaḥ – im Unmanifesten ruhend; iti upaniṣat – so lautet die Upanishad.
Abschluss Mantrika Upanishad
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti mantrikopaniṣatsamāptā ||
Om. Das ist Fülle, dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor; nimmt man Fülle von der Fülle, bleibt Fülle allein. Frieden, Frieden, Frieden. Damit endet die Mantrika Upanishad.
Wort-für-Wort-Erläuterung: pūrṇam – Fülle; udacyate – geht hervor; ādāya – genommen habend; avaśiṣyate – bleibt; samāptā – beendet.
Mantrika Upanishad: Datierung, Inhalt und Bedeutung
Name, Einordnung und Überlieferung
Der Name bezeichnet die Lehre über der eine bewusste Herr hinter Prakriti, Gunas und den vierundzwanzig Prinzipien. Als Samanya Vedanta Upanishad verbindet die Schrift upanishadische Befreiungssprache mit Begriffen, Bildern und Praktiken ihrer besonderen Tradition. Die Zuordnung zum Shukla Yajurveda beruht vor allem auf dem Muktika-Kanon und den Kolophonen der späteren Sammlungen; sie bedeutet nicht zwingend, dass der gesamte Text schon zur ältesten Schicht dieses Veda gehörte.
Die Überlieferung ist handschriftlich. Abschnitts- und Verszahlen können deshalb zwischen Ausgaben abweichen, besonders bei Prosateilen, Schlussformeln und eingeschobenen Mantras. Diese Ausgabe gibt den benutzten Text vollständig wieder und gliedert lange Prosa für Übersetzung und Worterklärung in redaktionelle Sinnabschnitte. Solche Zwischenüberschriften sind keine vorgetäuschten alten Verszahlen.
Datierung
Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert. Sprache, Systematisierung und Stellung im Muktika-Kanon sprechen für eine jüngere Upanishad, deren überlieferte Gestalt wahrscheinlich im ersten Jahrtausend n. Chr. oder im frühen Mittelalter gewachsen ist. Datierungen von Neben-Upanishaden sind grundsätzlich Näherungen: Ein alter Lehrgedanke, die erhaltene sprachliche Fassung und der Zeitpunkt der Aufnahme in eine Sammlung können verschiedenen Epochen angehören.
Aufbau und Inhalt
Der Text entfaltet Weltbaum und ungeborenes Prinzip; genießendes und bezeugendes Selbst; Erlösung durch die Schau des Einen. Seine Bewegung führt von sichtbaren Formen, kosmologischen Zuordnungen oder Regeln immer wieder zur Frage nach dem tragenden Bewusstsein. Selbst dort, wo Ritual, Gottheit oder Mantra im Vordergrund stehen, zielt die upanishadische Deutung auf eine Umwandlung des Erkennenden.
Für die Lektüre ist es hilfreich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: Erstens die wörtliche historische Vorschrift oder Erzählung, zweitens ihre symbolische und meditative Bedeutung und drittens die philosophische Aussage über Atman, Brahman und Befreiung. Nicht jede Passage beansprucht auf allen drei Ebenen dieselbe Art von Wahrheit.
Philosophische Kernlehre
Die zentrale Perspektive lautet: der eine bewusste Herr hinter Prakriti, Gunas und den vierundzwanzig Prinzipien. Die wechselnden Erfahrungen, Namen und Formen sind nicht das letzte Maß des Menschen. Freiheit entsteht, wenn Identifikation, Unwissenheit und zwanghafte Anhaftung durch klare Erkenntnis, Sammlung und eine gereifte Lebensführung durchschaut werden.
Diese Lehre darf nicht als bloße Behauptung „Alles ist eins“ missverstanden werden. Die Upanishaden verbinden Einsicht mit Disziplin: Der Geist soll wahrhaftig, ruhig und fein werden. Erst dann wird Nichtdualität zu gelebter Freiheit statt zu einem abstrakten Gedanken.

Beziehungen zu anderen Schriften
Thematisch steht die Mantrika Upanishad besonders neben Subala Upanishad, Sarvasara Upanishad, Niralamba Upanishad, Shukarahasya Upanishad, Vajrasuchi Upanishad, Atmabodha Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad. Gemeinsame Motive können wörtliche Übernahmen, geteilte mündliche Traditionen oder spätere Neuinterpretationen älterer Verse anzeigen. Ähnlichkeit allein beweist jedoch keine eindeutige chronologische Abhängigkeit.
Die Bhagavad Gita verbindet ebenfalls Erkenntnis, Hingabe und Handeln; das Yoga Sutra beschreibt die Sammlung des Geistes mit einer anderen systematischen Sprache. Ein Vergleich macht sichtbar, was allen Wegen gemeinsam ist und wo die Mantrika Upanishad einen eigenen Akzent setzt.
Bedeutung für die Tradition
Für die zugehörige Tradition legitimiert die Schrift Praxis nicht nur durch Vorschrift, sondern durch eine Sicht des Menschen und des Kosmos. Die im Text behandelten Themen – Weltbaum und ungeborenes Prinzip; genießendes und bezeugendes Selbst; Erlösung durch die Schau des Einen – erhalten dabei einen gemeinsamen inneren Bezug. Ritual und Symbol gewinnen ihren tiefsten Sinn, wenn sie Erinnerung, Sammlung, Selbsthingabe und Erkenntnis fördern.
Historisch war die Unterweisung häufig in eine Guru-Schüler-Beziehung eingebettet. Das gilt besonders für Bija-Mantras, Nyasa, Gelübde, intensive Atemmethoden oder weitreichende Formen der Entsagung. Die schriftliche Überlieferung bewahrt die Lehre; sie ersetzt nicht in jedem Fall die persönliche Anleitung.
Bedeutung für heutige Yoga Aspiranten
Der moderne Yoga Aspirant kann die Schrift fruchtbar lesen, ohne jedes vormoderne Weltbild wörtlich übernehmen zu müssen. Er kann fragen: Welche Form von Unwissenheit wird hier beschrieben? Welche Haltung reinigt den Geist? Wie werden Körper, Atem, Gefühl, Denken und Bewusstsein miteinander verbunden? Und woran zeigt sich Befreiung im Umgang mit anderen Menschen?
Praktisch bedeutet dies: kurze Passagen regelmäßig studieren, zentrale Begriffe nachschlagen, die Lehre in stiller Meditation prüfen und ihre ethische Wirkung beobachten. Wachsende Geduld, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Freiheit von zwanghaftem Begehren sind verlässlichere Zeichen als Visionen, Titel oder außergewöhnliche Erlebnisse.
Bedeutung für Yogalehrer und spirituelle Begleiter
Für Yogalehrer ist die Mantrika Upanishad eine Erinnerung an sorgfältige Kontextualisierung. Ein Lehrer sollte zwischen Textaussage, traditioneller Kommentierung, persönlicher Erfahrung und überprüfbaren körperlichen Wirkungen unterscheiden. Er sollte schwierige soziale, medizinische oder sektarische Aussagen weder verschweigen noch unkritisch bestätigen.
Ein verantwortlicher Lehrer führt nicht in Abhängigkeit. Er hilft Lernenden, Schrift, Vernunft, Gewissen und eigene Erfahrung miteinander ins Gespräch zu bringen. Wo Übungen Risiken bergen oder eine Einweihung voraussetzen, gehören klare Grenzen zur spirituellen Redlichkeit.
Bleibende Botschaft
Die bleibende Einladung der Mantrika Upanishad besteht in der vertieften Auseinandersetzung mit ihrem Kernanliegen: der eine bewusste Herr hinter Prakriti, Gunas und den vierundzwanzig Prinzipien. Formen können verschieden sein; das Ziel ist eine Freiheit, die den ganzen Menschen verwandelt. Erkenntnis wird dann lebendig, wenn sie das Herz weitet, den Geist klärt und das tägliche Handeln wahrhaftiger macht.
Mantrika Upanishad – vollständiger Text in Devanagari
स्वाविद्याद्वयतत्कार्यापह्नवज्ञानभासुरम् ।
मन्त्रिकोपनिषद्वेद्यं रामचन्द्रमहं भजे ॥
ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
ॐ अष्टपादं शुचिं हंसं त्रिसूत्रमणुमव्ययम् ।
त्रिवर्त्मानं तेजसोऽहं सर्वतःपश्यन् न पश्यति ॥ १॥
भूतसंमोहने काले भिन्ने तमसि वैखरे ।
अन्तः पश्यन्ति सत्त्वस्था निर्गुणं गुणगह्वरे ॥ २॥
अशक्यः सोऽन्यथा द्रष्टुं ध्यायमानः कुमारकैः ।
विकारजननीमज्ञामष्टरूपामजां ध्रुवाम् ॥ ३॥
ध्यायतेऽध्यासिता तेन तन्यते प्रेर्यते पुनः ।
सूयते पुरुषार्थं च तेनैवाधिष्ठितं जगत् ॥ ४॥
गौरनाद्यन्तवती सा जनित्री भूतभाविनी ।
सितासिता च रक्ता च सर्वकामदुधा विभोः ॥ ५॥
पिबन्त्येनामविषयामविज्ञातां कुमारकाः ।
एकस्तु पिबते देवः स्वच्छन्दोऽत्र वशानुगः ॥ ६॥
ध्यानक्रियाभ्यां भगवान्भुङ्क्तेऽसौ प्रसहद्विभुः ।
सर्वसाधारणीं दोग्ध्रीं पीयमानां तु यज्वमिः ॥ ७॥
पश्यन्त्यस्यां महात्मानः सुवर्णं पिप्पलाशनम् ।
उदासीनं ध्रुवं हंसं स्नातकाध्वर्यवो जगुः ॥ ८॥
शंसन्तमनुशंसन्ति बह्वृचाः शास्त्रकोविदाः ।
रथन्तरं बृहत्साम सप्तवैधैस्तु गीयते ॥ ९॥
मन्त्रोपनिषदं ब्रह्म पदक्रमसमन्वितम् ।
पठन्ति भार्गवा ह्येते ह्यथर्वाणो भृगूत्तमाः ॥ १०॥
सब्रह्मचारिवृत्तिश्च स्तम्भोऽथ फलितस्तथा ।
अनड्वान्रोहितोच्छिष्टः पश्यन्तो बहुविस्तरम् ॥ ११॥
कालः प्राणश्च भगवान्मृत्युः शर्वो महेश्वरः ।
उग्रो भवश्च रुद्रश्च ससुरः सासुरस्तथा ॥ १२॥
प्रजापतिर्विराट् चैव पुरुषः सलिलमेव च ।
स्तूयते मन्त्रसंस्तुत्यैरथर्वविदितैर्विभुः ॥ १३॥
तं षड्विंशक इत्येते सप्तविंशं तथापरे ।
पुरुषं निर्गुणं साङ्ख्यमथर्वशिरसो विदुः ॥ १४॥
चतुर्विंशतिसंख्यातं व्यक्तमव्यक्तमेव च ।
अद्वैतं द्वैतमित्याहुस्त्रिधा तं पञ्चधा तथा ॥ १५॥
ब्रह्माद्यं स्थावरान्तं च पश्यन्ति ज्ञानचक्षुषः ।
तमेकमेव पश्यन्ति परिशुभ्रं विभुं द्विजाः ॥ १६॥
यस्मिन्सर्वमिदं प्रोतं ब्रह्म स्थावरजङ्गमम् ।
तस्मिन्नेव लयं यान्ति स्रवन्त्यः सागरे यथा ॥ १७॥
यस्मिन्भावाः प्रलीयन्ते लीनाश्चाव्यक्ततां ययुः ।
पश्यन्ति व्यक्ततां भूयो जायन्ते बुद्बुदा इव ॥ १८॥
क्षेत्रज्ञाधिष्ठितं चैव कारणैर्विद्यते पुनः ।
एवं स भगवान्देवं पश्यन्त्यन्ये पुनः पुनः ॥ १९॥
ब्रह्म ब्रह्मेत्यथायान्ति ये विदुर्ब्राह्मणास्तथा ।
अत्रैव ते लयं यान्ति लीनाश्चाव्यक्तशालिनः ॥
लीनाश्चाव्यक्तशालिन इत्युपनिषत् ॥
ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
इति मन्त्रिकोपनिषत्समाप्ता ॥
चूलिकोपनिषद्
Mantrika Upanishad – vollständiger Text in IAST
svāvidyādvayatatkāryāpahnavajñānabhāsuram |
mantrikopaniṣadvedyaṃ rāmacandramahaṃ bhaje ||
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
oṃ aṣṭapādaṃ śuciṃ haṃsaṃ trisūtramaṇumavyayam |
trivartmānaṃ tejaso'haṃ sarvataḥpaśyan na paśyati || 1 ||
bhūtasaṃmohane kāle bhinne tamasi vaikhare |
antaḥ paśyanti sattvasthā nirguṇaṃ guṇagahvare || 2 ||
aśakyaḥ so'nyathā draṣṭuṃ dhyāyamānaḥ kumārakaiḥ |
vikārajananīmajñāmaṣṭarūpāmajāṃ dhruvām || 3 ||
dhyāyate'dhyāsitā tena tanyate preryate punaḥ |
sūyate puruṣārthaṃ ca tenaivādhiṣṭhitaṃ jagat || 4 ||
gauranādyantavatī sā janitrī bhūtabhāvinī |
sitāsitā ca raktā ca sarvakāmadudhā vibhoḥ || 5 ||
pibantyenāmaviṣayāmavijñātāṃ kumārakāḥ |
ekastu pibate devaḥ svacchando'tra vaśānugaḥ || 6 ||
dhyānakriyābhyāṃ bhagavānbhuṅkte'sau prasahadvibhuḥ |
sarvasādhāraṇīṃ dogdhrīṃ pīyamānāṃ tu yajvamiḥ || 7 ||
paśyantyasyāṃ mahātmānaḥ suvarṇaṃ pippalāśanam |
udāsīnaṃ dhruvaṃ haṃsaṃ snātakādhvaryavo jaguḥ || 8 ||
śaṃsantamanuśaṃsanti bahvṛcāḥ śāstrakovidāḥ |
rathantaraṃ bṛhatsāma saptavaidhaistu gīyate || 9 ||
mantropaniṣadaṃ brahma padakramasamanvitam |
paṭhanti bhārgavā hyete hyatharvāṇo bhṛgūttamāḥ || 10 ||
sabrahmacārivṛttiśca stambho'tha phalitastathā |
anaḍvānrohitocchiṣṭaḥ paśyanto bahuvistaram || 11 ||
kālaḥ prāṇaśca bhagavānmṛtyuḥ śarvo maheśvaraḥ |
ugro bhavaśca rudraśca sasuraḥ sāsurastathā || 12 ||
prajāpatirvirāṭ caiva puruṣaḥ salilameva ca |
stūyate mantrasaṃstutyairatharvaviditairvibhuḥ || 13 ||
taṃ ṣaḍviṃśaka ityete saptaviṃśaṃ tathāpare |
puruṣaṃ nirguṇaṃ sāṅkhyamatharvaśiraso viduḥ || 14 ||
caturviṃśatisaṃkhyātaṃ vyaktamavyaktameva ca |
advaitaṃ dvaitamityāhustridhā taṃ pañcadhā tathā || 15 ||
brahmādyaṃ sthāvarāntaṃ ca paśyanti jñānacakṣuṣaḥ |
tamekameva paśyanti pariśubhraṃ vibhuṃ dvijāḥ || 16 ||
yasminsarvamidaṃ protaṃ brahma sthāvarajaṅgamam |
tasminneva layaṃ yānti sravantyaḥ sāgare yathā || 17 ||
yasminbhāvāḥ pralīyante līnāścāvyaktatāṃ yayuḥ |
paśyanti vyaktatāṃ bhūyo jāyante budbudā iva || 18 ||
kṣetrajñādhiṣṭhitaṃ caiva kāraṇairvidyate punaḥ |
evaṃ sa bhagavāndevaṃ paśyantyanye punaḥ punaḥ || 19 ||
brahma brahmetyathāyānti ye vidurbrāhmaṇāstathā |
atraiva te layaṃ yānti līnāścāvyaktaśālinaḥ ||
līnāścāvyaktaśālina ityupaniṣat ||
oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
iti mantrikopaniṣatsamāptā ||
cūlikopaniṣad
Mantrika Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung
1. Der reine, subtile und unvergängliche Hamsa ist überall gegenwärtig, wird vom gewöhnlichen Blick aber nicht erkannt.
2. Wenn die Dunkelheit der Unwissenheit durchbrochen wird, schauen in Sattva gegründete Weise das eigenschaftslose Absolute mitten im Bereich der Gunas.
3. Das Absolute ist nur durch tiefe Kontemplation zu erkennen; zugleich erscheint Maya als ungeborene, achtgestaltige Mutter der Veränderungen.
4. Maya entfaltet die Erfahrungswelt, steht aber unter der tragenden Gegenwart des höchsten Prinzips.
5. Die kosmische Mutter erscheint in den drei Grundfarben weiß, schwarz und rot und bringt die Vielfalt der Erfahrungen hervor.
6. Unwissende Wesen stehen unter Mayas Einfluss; der göttliche Herr bleibt ihr gegenüber frei.
7. Meditation und Handlung erscheinen als Weisen, in denen die universale Kraft erfahren und gelenkt wird.
8. Das Bild der zwei Vögel unterscheidet den erfahrenden Jiva vom unbeteiligten, beständigen Zeugen.
9. Rig- und Samaveda-Traditionen preisen dieselbe Wirklichkeit in verschiedenen Gesängen.
10. Auch die Atharva-Tradition rezitiert Brahman in Mantra- und Upanishad-Form.
11. Dasselbe Wirkliche erscheint unter vielen vedischen Bildern und Namen.
12. Es wird als Zeit, Prana, Tod, Sharva, Maheshvara, Ugra, Bhava und Rudra bezeichnet.
13. Es wird ebenso Prajapati, Viraj, Purusha und Urwasser genannt.
14. Jenseits der gezählten Naturprinzipien steht der nirgunische Purusha.
15. Verschiedene Schulen beschreiben Wirklichkeit als manifest/unmanifest, nichtdual, dual oder in anderen Zählungen.
16. Das Auge der Erkenntnis sieht vom höchsten bis zum niedrigsten Wesen überall das eine reine, alldurchdringende Prinzip.
17. Alles Bewegliche und Unbewegliche ist in Brahman verwoben und kehrt in Brahman zurück wie Flüsse ins Meer.
18. Erscheinungen gehen ins Unmanifestierte ein und treten wieder hervor wie Blasen auf dem Wasser.
19. Der Kshetrajna, der Kenner des Feldes, ist das tragende Bewusstsein hinter Ursachen und Erscheinungen.
20. Brahman-Kenner gehen in eben jenem Unmanifesten auf, das sie als Brahman erkannt haben.
Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Mantrika Upanishad für ernsthafte Aspiranten
1. Mache die zentrale Lehre zur täglichen Kontemplation.
Die Mantrika Upanishad richtet den Blick auf der eine bewusste Herr hinter Prakriti, Gunas und den vierundzwanzig Prinzipien. Lies einen kurzen Abschnitt langsam, fasse ihn in einem eigenen Satz zusammen und bleibe danach einige Minuten in der Stille.
2. Studiere Begriffe, aber bleibe nicht bei Begriffen stehen.
Führe ein kleines Studienheft zu Atman, Brahman, Maya und Moksha. Prüfe danach in der Meditation, worauf die Begriffe in deiner Erfahrung verweisen.
3. Übe Sakshi Bhava im Alltag.
Beobachte Gedanken, Gefühle und Rollen als wechselnde Inhalte des Bewusstseins. Das schafft Abstand, ohne Verantwortung zu vermeiden.
4. Verbinde Erkenntnis mit Ethik.
Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Maß und Mitgefühl sind keine Nebensache. Sie machen den Geist klar genug für tiefere Einsicht.
5. Lies vergleichend und mit offenem Urteil.
Vergleiche die Aussagen mit älteren Upanishaden, der Bhagavad Gita und lebendiger Lehrerfahrung. Unterscheide poetische Symbolik, historische Weltbilder und unmittelbar prüfbare Praxis.
Literatur und Quellen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda. Leipzig 1905. Vergleichsübersetzung für die von Deussen aufgenommenen Texte.
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads. Madras 1914.
- T. R. Srinivasa Ayyangar und weitere Übersetzer: Ausgaben der Samanya-, Shaiva-, Shakta-, Vaishnava- und Sannyasa-Upanishaden auf Grundlage des Kommentars von Upanishad Brahma Yogin, Adyar Library.
- Patrick Olivelle: Saṃnyāsa Upaniṣads: Hindu Scriptures on Asceticism and Renunciation. Oxford University Press, 1992. Besonders relevant für die Sannyasa-Texte.
- Sanskrit Documents – elektronische Sanskritausgaben.
- Mantrika Upanishad – verwendete Devanagari-Textgrundlage
- 108 Upanishads – englische Vergleichsübersetzungen nach Veda-Gruppen
- Paul Deussen: Sechzig Upanishad's des Veda – Digitalisat
- K. Narayanasvami Aiyar: Thirty Minor Upanishads – Digitalisat
- Upanishaden – kostenloses Online-Buch von Swami Krishnananda
- Klassische Upanishaden – Die Weisheit des Yoga
Redaktioneller Hinweis: Die deutsche Fassung wurde für diesen Artikel neu formuliert und mit den genannten Vergleichsübersetzungen abgeglichen. Bei Komposita fasst die Wort-für-Wort-Erläuterung eng verbundene Wörter teilweise als Sinngruppe zusammen. Die Ausgabe ist eine Studien- und Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.
Siehe auch
- Subala Upanishad, Sarvasara Upanishad, Niralamba Upanishad, Shukarahasya Upanishad, Vajrasuchi Upanishad, Atmabodha Upanishad, Kaushitaki Brahmana Upanishad
- Upanishaden
- Vedanta
- Jnana Yoga
- Meditation
- Moksha
- Guru
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