Ishvara Pratyabhijna Karika: Unterschied zwischen den Versionen
K Textersetzung - „==Siehe auch==“ durch „link=https://www.yoga-vidya.de/service/spenden/ ==Siehe auch==“ |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
'''Ishvara Pratyabhijna Karika''' ( | '''Ishvara Pratyabhijna Karika''' (Sanskrit ईश्वरप्रत्यभिज्ञाकारिका, IAST ''Īśvarapratyabhijñākārikā''), auch '''Ishvarapratyabhijnakarika''' oder '''Isvarapratyabhijnakarika''', bedeutet „Lehrverse über das Wiedererkennen des Herrn“. Das Werk des kaschmirischen Philosophen [[Utpaladeva]] gehört zu den Grundschriften der [[Pratyabhijna]], der Lehre vom Wiedererkennen im nichtdualistischen [[Kashmirischer Shivaismus|kaschmirischen Shivaismus]]. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass das eigene [[Bewusstsein]] seinem tiefsten Wesen nach mit [[Shiva]], dem universalen erkennenden und handelnden Prinzip, eins ist. Der Text begründet diese Lehre durch eine Untersuchung von Wahrnehmung, Erinnerung, Sprache, Tätigkeit und Freiheit.<ref name="grundtext">Utpaladeva: ''Īśvarapratyabhijñākārikā'' mit eigener ''Vṛtti''. [https://gretil.sub.uni-goettingen.de/gretil/1_sanskr/6_sastra/3_phil/saiva/utipk_au.htm GRETIL: Sanskrittext, Eingabe von Somadeva Vasudeva]. Nach den Angaben der Datei auf Grundlage der Ausgabe von Madhusudan Kaul Shastri, Srinagar 1921, Kashmir Series of Texts and Studies 34, revidiert nach Raffaele Torella, Rom 1994, Serie Orientale Roma 71. Die Versangaben dieses Artikels beziehen sich auf diese Textfolge.</ref> | ||
[[Datei:Shiva.jpg|thumb|Shiva steht im Mittelpunkt der Ishvara Pratyabhijna Karika als universales Bewusstsein und freie schöpferische Kraft. Utpaladevas Untersuchung führt von alltäglicher Erkenntnis zum Wiedererkennen dieses Grundes.]] | |||
Die Schrift umfasst in der hier zugrunde gelegten Fassung '''190 Verse in vier Hauptteilen'''. Sie beginnt mit Utpaladevas Wunsch, anderen Menschen die Erkenntnis zu erschließen, die er selbst durch seine Hinwendung zu [[Maheshvara]] gewonnen hat. Am Ende bezeichnet er das Wiedererkennen als einen gut gangbaren Weg zur Vollendung. Zwischen diesen beiden Aussagen entwickelt er eine anspruchsvolle philosophische Argumentation. Die eigene kurze Erläuterung des Autors, die ''Vritti'', begleitet den Text in der Überlieferung.<ref name="grundtext" /> | |||
Dieser Artikel enthält den '''vollständigen nummerierten Karika-Grundtext''': zuerst jeden Vers in IAST mit unmittelbar anschließender eigener deutscher Übersetzung, danach denselben Text vollständig in Devanagari. Die umfangreicheren Kommentare sind nicht Bestandteil dieser Vollübersetzung. Die Bilder und ergänzenden Yoga-Videos veranschaulichen verwandte Themen; sie sind keine überlieferten Illustrationen des Werkes. | |||
[[Datei:Spenden-Logo_Yoga-Wiki.jpg|link=https://www.yoga-vidya.de/service/spenden/]] | [[Datei:Spenden-Logo_Yoga-Wiki.jpg|link=https://www.yoga-vidya.de/service/spenden/]] | ||
==Siehe auch== | ==Name und Schreibweise== | ||
*[[trika]] | |||
Als Artikeltitel wird '''Ishvara Pratyabhijna Karika''' verwendet. Unter dieser gut lesbaren Schreibweise besteht bereits ein Eintrag im Yoga Wiki. Die Zusammenschreibung '''Ishvarapratyabhijnakarika''' entspricht eher der Gestalt des Sanskritkompositums; die vereinfachte Form '''Isvarapratyabhijnakarika''' ist eine weitere Suchform. Eine statistische Rangfolge der weltweiten Verbreitung dieser Schreibweisen wird damit nicht behauptet.<ref name="wikititel">[https://wiki.yoga-vidya.de/Ishvara_Pratyabhijna_Karika Yoga Wiki: Ishvara Pratyabhijna Karika]. Herangezogen für den bestehenden Artikeltitel. Für die Abstammung Utpaladevas ist dagegen die Selbstaussage in Vers 4.18 maßgebend.</ref> | |||
''Īśvara'' bedeutet Herr oder Herrscher und bezeichnet hier das höchste göttliche Selbst. ''Pratyabhijñā'' bedeutet Wiedererkennen: etwas als das erkennen, was es bereits ist. ''Kārikā'' ist ein in Versen formulierter Lehrsatz. Der Titel lässt sich daher auch mit „Lehrverse über die Wiedererkenntnis des göttlichen Selbst“ wiedergeben. | |||
Wiedererkennen bedeutet in diesem Zusammenhang mehr als das Erinnern an einen Namen. Gemeint ist die Einsicht in die Identität des unmittelbar erfahrenen Selbst mit dem universalen [[Ishvara]]. Der Text fragt nicht erst, ob überhaupt Bewusstsein vorhanden ist. Er untersucht, was im Erkennen und Handeln bereits vorausgesetzt wird und weshalb dessen volle Bedeutung gewöhnlich unbemerkt bleibt. | |||
==Utpaladeva und die Überlieferung== | |||
===Verfasser und Entstehungszeit=== | |||
[[Utpaladeva]] wirkte im Kaschmir des 10. Jahrhunderts. Genaue Lebensdaten werden unterschiedlich angesetzt; eine ungefähre historische Einordnung ist hier sachgerechter als ein als sicher ausgegebenes Geburtsjahr. Die kritische Ausgabe Raffaele Torellas stellt das Werk als grundlegende philosophische Darstellung der Pratyabhijna und des [[Trika]] vor.<ref name="torella">Raffaele Torella: ''The Īśvarapratyabhijñākārikā of Utpaladeva with the Author’s Vṛtti. Critical Edition and Annotated Translation''. Rom 1994; spätere Ausgabe bei Motilal Banarsidass. [https://www.mlbd.in/products/the-isvarapratyabhijnakarika-of-utpaladeva-critical-edition-and-annoted-translation-raffaele-torella-9788120818675-8120818679 Verlagsbeschreibung], ISBN 9788120818675.</ref> | |||
Im Schlussvers 4.18 nennt sich der Autor '''Utpala, Sohn des Udayakara'''. Sein Lehrer war [[Somananda]], auf dessen [[Shivadristi]] Vers 4.16 zurückverweist; Utpaladevas eigene Vritti nennt Somananda dort ausdrücklich. Vater und Lehrer sind daher zu unterscheiden. Die Zuschreibung, Utpaladeva sei Somanandas Sohn, widerspricht seiner eigenen Schlussangabe.<ref name="grundtext" /> | |||
===Grundtext und Kommentare=== | |||
Die ''Karika'' ist die knappe Versschrift. Die ''Vritti'' entfaltet deren Gedankengang in Prosa und erklärt unter anderem, wann eine gegnerische Auffassung vorgetragen wird. Für die Lektüre ist diese Unterscheidung wesentlich: Ein Einwand gegen ein dauerhaftes Selbst ist nicht automatisch Utpaladevas abschließende Lehre. | |||
Zur späteren Auslegung gehört [[Abhinavagupta]]s ''Ishvara Pratyabhijna Vimarshini''. Die Kommentare zeigen, dass die kurzen Verse schon innerhalb der Tradition eine ausführliche Erklärung verlangten.<ref name="vimarshini">Abhinavagupta: ''Īśvarapratyabhijñāvimarśinī''. [https://gretil.sub.uni-goettingen.de/gretil/1_sanskr/6_sastra/3_phil/saiva/abhiprvu.htm GRETIL: Sanskrittext der Vimarshini mit Bhaskari].</ref> Die vorliegende deutsche Fassung übersetzt den Karika-Grundtext; sie übernimmt keine moderne Übersetzung vollständig und ersetzt keinen historisch-kritischen Kommentar. | |||
==Aufbau des Werkes== | |||
{| class="wikitable" | |||
! Hauptteil !! Sanskritname !! Umfang dieser Fassung !! Schwerpunkt | |||
|- | |||
| 1 || ''Jñānādhikāra'' || 8 Abschnitte, 88 Verse || Erkenntnis, Erinnerung, bewusstes Sich-Erfassen und Einheit des erkennenden Subjekts. | |||
|- | |||
| 2 || ''Kriyādhikāra'' || 4 Abschnitte, 53 Verse || Tätigkeit, Zeit, Beziehungen, gültige Erkenntnis und Ursächlichkeit. | |||
|- | |||
| 3 || ''Āgamādhikāra'' || 2 Abschnitte, 31 Verse || Einordnung in die tantrische Offenbarungslehre: Tattvas, Begrenzung, Befreiung und Bewusstseinszustände. | |||
|- | |||
| 4 || ''Tattvasaṃgrahādhikāra'' || 18 Verse || Zusammenfassung und Bedeutung des Wiedererkennens. | |||
|} | |||
Die ersten drei Hauptteile werden als Hauptteil.Abschnitt.Vers zitiert, etwa '''1.5.13'''. Im vierten Hauptteil verwendet die Textgrundlage nur Hauptteil.Vers, etwa '''4.18'''. Diese Zählung bleibt erhalten. Mehrere Sätze erstrecken sich über aufeinanderfolgende Verse; die deutsche Wiedergabe bewahrt diesen Zusammenhang. | |||
==Zentrale Lehren== | |||
===Das erkennende Selbst=== | |||
[[Datei:Galaxy Universum Planeten Farben.jpg|thumb|Das Weltall als thematische Illustration universalen Zusammenhangs. Die Aussage vom Bewusstsein als Grund der Welt ist in diesem Werk eine philosophische und religiöse Lehre.]] | |||
Utpaladevas Ausgangspunkt ist das [[Selbst]] als Erkennender und Handelnder. Wer das Selbst beweisen oder bestreiten möchte, erkennt und handelt bereits. Der Text richtet die Aufmerksamkeit deshalb auf das, was jeder solchen Untersuchung vorausliegt: das bewusste Vermögen, Erscheinungen zu erfahren und aufeinander zu beziehen (1.1.2–1.1.5). | |||
Dabei ist mit dem universalen Selbst nicht bloß die persönliche Lebensgeschichte gemeint. Das begrenzte „Ich bin dieser Körper“ wird in 1.6.4–1.6.5 ausdrücklich als eine besondere, unterscheidende Selbstauffassung behandelt. Die universale Ichheit ist nach Utpaladeva der Grund, in dem auch diese begrenzte Auffassung erscheinen kann. | |||
===Erinnerung und Zusammenhang=== | |||
Eine Erinnerung sagt nicht nur etwas über ein vergangenes Ding, sondern enthält die Beziehung „Ich habe erfahren“. Im dritten und vierten Abschnitt des ersten Hauptteils fragt Utpaladeva, wie diese Verbindung möglich wäre, wenn jede Erkenntnis vollständig von allen anderen getrennt bliebe. | |||
Seine Antwort lautet: Verschiedene Bewusstseinsakte sind in einem erkennenden Subjekt verbunden. Dieses ermöglicht nicht nur [[Erinnerung]], sondern auch Vergleich, Urteil und die Korrektur einer Täuschung. Die bekannte Verwechslung einer Muschelschale mit Silber dient als Beispiel: Die spätere Erkenntnis muss sich auf die frühere beziehen können, um sie als irrig zu erkennen (1.7.6–1.7.13). | |||
===Prakasha und Vimarsha=== | |||
''Prakāśa'' bezeichnet das Leuchten oder Erscheinen des Bewusstseins; ''Vimarśa'' dessen bewusstes Sich-Erfassen. Utpaladeva verbindet beide. Ein bloßes Aufnehmen von Formen, das nichts von sich selbst weiß, wäre nach seinem Vergleich einem Kristall ähnlich und noch kein lebendiges Bewusstsein (1.5.11). | |||
[[Datei:Spirituelles Herz Anahata Chakra Hrid Chakra Herz Chakra.jpg|thumb|Das spirituelle Herz als Bild für die innere Mitte. „Herz“ bezeichnet in Vers 1.5.14 den wesentlichen Gehalt des Höchsten; eine Gleichsetzung mit einem einzelnen Körperchakra wäre eine zusätzliche Deutung.]] | |||
In 1.5.13–1.5.14 wird dieses Sich-Erfassen mit höchster Sprache, Freiheit und dem Herzen des Höchsten verbunden. [[Shakti]] ist so kein nachträglich hinzugefügtes Vermögen eines ansonsten unbeweglichen Bewusstseins. Die Kraft zu erkennen und hervorzubringen gehört zu dessen Wesen. | |||
===Sprache, Unterscheidung und Freiheit=== | |||
[[Datei:Matrika-Chakra.jpg|thumb|Der Matrika-Kreis illustriert die Bedeutung der Laute in tantrischen Traditionen. Die Ishvara Pratyabhijna Karika untersucht insbesondere das Verhältnis von Sprache, bewusster Bestimmung und Ichheit.]] | |||
Die begriffliche Bestimmung „Topf“ grenzt den Topf von anderem ab. Solche Unterscheidung heißt hier ''Vikalpa''. Sie ermöglicht den gewöhnlichen Umgang mit Dingen, ist aber nicht die einzige Form bewussten Erfassens. Das ursprüngliche Selbstbewusstsein setzt nach 1.6.1–1.6.3 keinen außerhalb des Bewusstseins liegenden Gegenpol voraus. | |||
''Svātantrya'', Freiheit, bezeichnet die Fähigkeit des Bewusstseins, sich in unterschiedlichen Formen zu zeigen. Die Begriffe „innerlich“ und „äußerlich“ werden dabei auf die Beziehung zum erkennenden Subjekt bezogen (1.8.7–1.8.8). Utpaladevas Lehre hebt die Welt nicht einfach als bedeutungsloses Nichts auf; sie deutet ihre Erscheinung und Wirksamkeit als Entfaltung der göttlichen Freiheit. | |||
===Handlung, Zeit und Ursächlichkeit=== | |||
Im zweiten Hauptteil wird Tätigkeit als zusammenhängendes Geschehen untersucht. Eine Handlung besteht aus mehreren Momenten und gilt dennoch als eine Handlung. Entsprechend müssen auch Ursache und Wirkung aufeinander bezogen werden können. | |||
Utpaladeva erklärt diesen Zusammenhang aus dem Bewusstsein. Zeitliche Folge entsteht durch das Auftreten und Zurücktreten von Erscheinungen; räumliche Folge durch die Verschiedenheit ihrer Gestalten (2.1.3–2.1.5). Die Beispiele von Töpfer, Ton, Samen und Keim führen zu seiner These, dass im letzten Sinne die schöpferische Freiheit des Erkennenden Ursächlichkeit ermöglicht. Aussagen über unmittelbare Hervorbringungen von Yogis in 2.4.10 gehören zum traditionellen metaphysischen Argument des Werkes. | |||
===Tattvas, Unreinheiten und Befreiung=== | |||
Der dritte Hauptteil verbindet die philosophische Untersuchung mit der Lehre von den [[Tattva|Tattvas]], den Wirklichkeitsstufen des tantrischen Weltbildes. Er behandelt [[Sadashiva]], [[Ishvara]], [[Shuddha Vidya|Shuddhavidya]], [[Maya]] und die begrenzte Erfahrungswelt. Erkenntnis und Handlung bleiben dabei aufeinander bezogen. | |||
Die drei ''Malas'', Begrenzungen oder Unreinheiten, werden als Einschränkung der ursprünglichen Fülle erläutert: ''Anava'' betrifft den Verlust der Einheit von voller Bewusstheit und Freiheit; ''Mayiya'' das Erscheinen getrennter Gegenstände; ''Karma'' die Bindung an Handlungsfolgen. Befreiung bedeutet das Wiedererkennen der göttlichen Natur des Selbst (3.2.2–3.2.5). Der Ausdruck „Unreinheit“ bezeichnet hier eine metaphysische Begrenzung. | |||
[[Datei:Chakra Meditation Pranayama.jpg|thumb|Meditation und Prana als ergänzende Yogathemen. Die Verse 3.2.19–3.2.20 verbinden Bewusstseinszustände mit Formen der Lebenskraft; sie geben keine vollständige Pranayama-Übungsfolge.]] | |||
===Wiedererkennen im gewöhnlichen Leben=== | |||
Der Schluss des Werkes betont, dass die Einsicht auch inmitten begrifflicher Tätigkeit bestehen kann. Wer die Erscheinungen als Entfaltung des universalen Selbst erkennt, verliert diese Erkenntnis nicht notwendig beim Denken (4.12). Gebundene und Befreite können dieselbe Gegenstandswelt erfahren; verschieden ist die Auffassung ihres Verhältnisses zum Selbst (4.13). | |||
Das Gleichnis des unerkannten Geliebten in 4.17 veranschaulicht diesen Punkt: Anwesenheit allein genügt nicht, solange die Identität unerkannt bleibt. So soll die Lehre keine neue göttliche Wirklichkeit herstellen, sondern das bereits Gegenwärtige erschließen. | |||
==Beziehungen zu anderen Schriften== | |||
Die [[Shivadristi]] Somanandas ist der im Schluss ausdrücklich genannte Ausgangspunkt. Mit [[Shiva Sutra]] und [[Spandakarika]] teilt die Ishvara Pratyabhijna Karika die Frage nach Bewusstsein und göttlicher Kraft, entfaltet sie aber in einer ausgedehnten argumentativen Form. Der Titel [[Pratyabhijnahridaya]] bezeichnet ein anderes Werk innerhalb der Wiedererkennenslehre; er ist kein alternativer Titel der 190 Verse Utpaladevas. | |||
[[Malinivijayottara Tantra]], [[Paratrimsika]] und weitere tantrische Texte bilden ein Vergleichsfeld für die im dritten Hauptteil vorausgesetzte Offenbarungslehre. Für eine genaue Lektüre bleibt zwischen einem philosophischen Lehrwerk, einem Kommentar und einer rituellen Offenbarungsschrift zu unterscheiden. | |||
Mit den [[Upanishaden]] lässt sich insbesondere die Frage nach dem Selbst vergleichen. Eine pauschale Gleichsetzung der Pratyabhijna mit jeder Form von [[Vedanta]] würde jedoch die besondere Bedeutung von Freiheit, Sprache, Handlung und göttlicher [[Shakti]] in Utpaladevas Argumentation verdecken. | |||
==Anregungen für Studium und Meditation== | |||
Die folgenden Anregungen übertragen Themen des Werkes auf heutiges [[Svadhyaya]] und [[Meditation]]. Sie sind redaktionelle Empfehlungen und keine zusätzlichen Verse Utpaladevas. | |||
'''1. Lies eine zusammenhängende Argumentation.'''<br> | |||
Nimm beispielsweise 1.3.1–1.3.7 gemeinsam vor. Notiere, welches Problem gestellt wird und welche Antwort der Text entwickelt. Prüfe besonders, ob gerade ein Einwand oder eine Erwiderung spricht. | |||
'''2. Untersuche eine einfache Erinnerung.'''<br> | |||
Erinnere dich an eine alltägliche Wahrnehmung. Beachte neben dem erinnerten Gegenstand auch den Bezug „Ich habe das gesehen“. Diese Betrachtung macht die Frage des Textes anschaulich, ohne ihre philosophische Antwort vorwegzunehmen. | |||
'''3. Achte auf Erleben und Benennen.'''<br> | |||
Betrachte einen vertrauten Gegenstand und beobachte, wie Benennungen und Vergleiche hinzutreten. Frage anschließend, wie Wahrnehmung und bewusste Bestimmung zusammenwirken. Es geht um aufmerksames Verstehen, nicht um ein gewaltsames Unterdrücken von Gedanken. | |||
'''4. Verbinde Studium mit stiller Sammlung.'''<br> | |||
Lies 1.5.11–1.5.14 langsam und sitze anschließend einige Minuten ruhig. Die Verse laden dazu ein, Bewusstsein als lebendiges Gewahrsein zu betrachten. Eine einfache [[Herzmeditation]] kann die Sammlung begleiten. | |||
'''5. Prüfe die Bedeutung im Handeln.'''<br> | |||
Beobachte bei einer alltäglichen Tätigkeit das Zusammenspiel von Absicht, Aufmerksamkeit und Ausführung. Verbinde die Betrachtung der Einheit mit Rücksicht, genauer Wahrnehmung und verantwortlichem Handeln gegenüber anderen. | |||
[[Datei:Meditation Licht Herz Anahata Chakra strahlen.jpg|thumb|Herzmeditation als heutige Begleitung des Schriftstudiums. Die innere Sammlung kann helfen, philosophische Aussagen ruhig und aufmerksam zu betrachten.]] | |||
==Ergänzende Videos== | |||
Diese Yoga-Vidya-Meditationen ergänzen die Themen [[Bewusstsein]], [[Prana]] und innere Sammlung. Sie sind keine Verskommentare zur Ishvara Pratyabhijna Karika und vermitteln nicht deren vollständige philosophische Argumentation. | |||
'''Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev''' | |||
{{#ev:youtube|bC1zJIRf7as}} | |||
'''Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev''' | |||
{{#ev:youtube|us1Pt1DDXrE}} | |||
'''Drei-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev''' | |||
{{#ev:youtube|8YVHxtxSyb8}} | |||
'''Aktiviere deine Chakren und meditiere mit Sukadev''' | |||
{{#ev:youtube|RorDc-UwnfA}} | |||
==Textgrundlage und Übersetzung== | |||
Die Sanskrit-Lesefassung folgt dem oben bezeichneten GRETIL-Text der Karika. Die dort zwischen den Versen stehende ''Vritti'' wurde für den Gedankengang berücksichtigt, aber nicht als Bestandteil der Verse übernommen. Die deutsche Übersetzung ist eine eigene, sinngemäße Übertragung des Sanskritgrundtextes. Zum Verständnis ergänzte Ausdrücke und Sprecherzuordnungen stehen überwiegend in eckigen Klammern. | |||
''Prakāśa'' wird je nach Zusammenhang mit Leuchten oder Erscheinen, ''Vimarśa'' mit bewusstem Erfassen, ''Pramātṛ'' mit Erkennender oder erkennendes Subjekt und ''Svātantrya'' mit Freiheit wiedergegeben. ''Jaḍa'' bedeutet hier unbewusst oder nicht empfindungsfähig, nicht einfach unbeweglich. ''Ābhāsa'' bezeichnet eine Erscheinung; das Wort bedeutet nicht an jeder Stelle Täuschung. | |||
Die Abschnitte des ersten Hauptteils enthalten philosophische Gegenpositionen. Eckige Hinweise wie „Einwand“ und „Antwort“ dienen der Orientierung und gehören nicht zum Sanskritvers. Versübergreifende Sätze werden nicht künstlich zu voneinander unabhängigen Aussagen umgeformt. Die Übersetzung ist eine zusammenhängende deutsche Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition. | |||
===Lesungen und redaktionelle Bereinigung=== | |||
Die elektronischen Trennzeichen zwischen den Versvierteln wurden in Halbverse umgeformt; durch Zeilenumbruch getrennte Wörter wurden verbunden. Einzelne Schreibfehler wurden grammatisch bereinigt. Die folgende Übersicht legt diese Eingriffe offen. Sie ersetzt keinen vollständigen Handschriftenapparat. | |||
{| class="wikitable" | |||
! Vers !! Elektronische Ausgangsform !! Lesefassung | |||
|- | |||
| 1.2.6 || ''smṛitisiddhau'' || ''smṛtisiddhau'' | |||
|- | |||
| 1.3.4 || ''saṃkārāpekṣā'' || ''saṃskārāpekṣā'' | |||
|- | |||
| 1.4.8 || ''pamātari'' || ''pramātari'' | |||
|- | |||
| 1.5.9 || ''punarābhāsad'' || ''punarābhāsād'' | |||
|- | |||
| 1.5.17 || ''asyānayatātmanaḥ'' || ''asyānyatātmanaḥ'' | |||
|- | |||
| 1.5.17 || ''ahaṃmṛśyatayāivāsya'' || ''ahaṃmṛśyatayaivāsya'' | |||
|- | |||
| 2.3.9 || ''deśādikādhyakṣantarabhinne'' || ''deśādikādhyakṣāntarabhinne'' | |||
|- | |||
| 2.4.5 || ''apapāditā'' || ''upapāditā'' | |||
|- | |||
| 2.4.14 || ''jāḍānāṃ'' || ''jaḍānāṃ'' | |||
|- | |||
| 1.2.6 || ''viśeṣatah'' || ''viśeṣataḥ'' | |||
|- | |||
| 1.2.8 || ''prakāsatā'' || ''prakāśatā'' | |||
|- | |||
| 4.9 || ''ajñatayā'' || ''ajñātayā'' | |||
|- | |||
| 4.9 || ''śāktyā'' || ''śaktyā'' | |||
|- | |||
| 4.10 || ''svaviśrāntyuparodhāyācalayā'' || ''svaviśrāntyuparodhāya calayā'' | |||
|} | |||
Die Berichtigungen in 4.9 und die Worttrennung in 4.10 werden zusätzlich durch die entsprechende Sanskritfassung bei Gabriel Pradipaka gestützt. Andere dort vorhandene Lesungsvarianten, etwa am Ende von 4.10 und in 4.15, wurden nicht pauschal übernommen.<ref name="parallel">[https://www.sanskrit-trikashaivism.com/en/scriptures-trika-scriptures-iishvarapratyabhijnaakaarikaas/1003 Gabriel Pradipaka: Sanskritfassung der Ishvara Pratyabhijna Karika], zum Vergleich insbesondere 3.2.20 und 4.9–4.10. Das Kompositum in 3.2.20 wird dort ausdrücklich als unterschiedlich deutbar bezeichnet.</ref> | |||
In '''3.2.15''' stammen die eckigen Klammern um das ergänzte ''ṃ'' aus der elektronischen Textgrundlage. In '''3.2.20''' bleibt die genaue Gliederung des Kompositums ''vijñānākalamantreśa'' auslegungsbedürftig; die Übersetzung nennt die darin gelesenen Stufen, ohne eine eindeutige Zuordnung aller Glieder zu behaupten. In '''4.14''' kann ''paramākṣara'' sowohl auf das höchste Unvergängliche als auch auf die höchste Lautgestalt bezogen werden; im Haupttext steht die erste Möglichkeit. An diesen Stellen ist eine erläuternde Lesefassung von einer abschließenden philologischen Entscheidung zu unterscheiden. | |||
==Vollständiger Grundtext in IAST mit deutscher Übersetzung== | |||
===1.1 – Einleitung=== | |||
'''1.1.1'''<br> | |||
kathaṃ cid āsādya maheśvarasya dāsyaṃ janasyāpy upakāram icchan |<br> | |||
samastasaṃpatsamavāptihetuṃ tatpratyabhijñām upapādayāmi || 1.1.1 ||<br> | |||
Nachdem ich auf irgendeine Weise in den Dienst Maheshvaras gelangt bin, möchte ich auch den Menschen helfen. Deshalb begründe ich das Wiedererkennen seiner selbst, den Weg zur Erlangung aller Vollkommenheit.<br> | |||
'''1.1.2'''<br> | |||
kartari jñātari svātmany ādisiddhe maheśvare |<br> | |||
ajaḍātmā niṣedhaṃ vā siddhiṃ vā vidadhīta kaḥ || 1.1.2 ||<br> | |||
Wer, der selbst Bewusstsein besitzt, könnte das eigene Selbst – den ursprünglich feststehenden Maheshvara, den Handelnden und Erkennenden – widerlegen oder erst beweisen?<br> | |||
'''1.1.3'''<br> | |||
kiṃ tu mohavaśād asmin dṛṣṭe 'py anupalakṣite |<br> | |||
śaktyāviṣkaraṇeneyaṃ pratyabhijñopadarśyate || 1.1.3 ||<br> | |||
Weil dieses Selbst unter dem Einfluss der Verblendung zwar erfahren, aber nicht erkannt wird, wird hier sein Wiedererkennen durch das Offenlegen seiner Kräfte gezeigt.<br> | |||
'''1.1.4'''<br> | |||
tathā hi jaḍabhūtānāṃ pratiṣṭhā jīvadāśrayā |<br> | |||
jñānaṃ kriyā ca bhūtānāṃ jīvatāṃ jīvanaṃ matam || 1.1.4 ||<br> | |||
Denn der Bestand der unbewussten Dinge beruht auf einem lebendigen Träger. Erkennen und Handeln gelten als das Leben der lebenden Wesen.<br> | |||
'''1.1.5'''<br> | |||
tatra jñānaṃ svataḥsiddhaṃ kriyā kāyāśritā satī |<br> | |||
parair apy upalakṣyeta tayānyajñānam ūhyate || 1.1.5 ||<br> | |||
Dabei ist Erkenntnis durch sich selbst erwiesen. Die am Körper erscheinende Tätigkeit kann auch von anderen wahrgenommen werden; aus ihr erschließt man deren Erkenntnis.<br> | |||
===1.2 – Einwände und Gegenpositionen=== | |||
'''1.2.1'''<br> | |||
nanu svalakṣaṇābhāsaṃ jñānam ekaṃ paraṃ punaḥ |<br> | |||
sābhilāpaṃ vikalpākhyaṃ bahudhā nāpi tad dvayam || 1.2.1 ||<br> | |||
[Einwand:] Es gibt einerseits Erkenntnis, in der ein unverwechselbares Einzelnes erscheint, andererseits die vielfältige, mit Sprache verbundene Erkenntnis, die begriffliche Vorstellung heißt. Keine von beiden [gehört einem dauernden Selbst].<br> | |||
'''1.2.2'''<br> | |||
nityasya kasya cid draṣṭus tasyātrānavabhāsataḥ |<br> | |||
ahaṃpratītir apy eṣā śarīrādyavasāyinī || 1.2.2 ||<br> | |||
Denn ein solcher ewiger Seher erscheint in ihnen nicht. Auch die Vorstellung „Ich“ bestimmt lediglich den Körper und dergleichen.<br> | |||
'''1.2.3'''<br> | |||
athānubhavavidhvaṃse smṛtis tadanurodhinī |<br> | |||
kathaṃ bhaven na nityaḥ syād ātmā yady anubhāvakaḥ || 1.2.3 ||<br> | |||
[Gegeneinwand:] Wie könnte nach dem Vergehen der Wahrnehmung eine ihr entsprechende Erinnerung entstehen, wenn nicht ein beständiges Selbst ihr erfahrender Träger wäre?<br> | |||
'''1.2.4'''<br> | |||
satyāpy ātmani dṛṅnāśāt taddvārā dṛṣṭavastuṣu |<br> | |||
smṛtiḥ kenātha yatraivānubhavas tatpadaiva sā || 1.2.4 ||<br> | |||
[Antwort des Gegners:] Auch bei Annahme eines Selbst ist die Wahrnehmung vergangen. Wodurch soll dann Erinnerung an die durch sie gesehenen Dinge entstehen? [Erwiderung:] Sie hat denselben Gegenstandsbereich wie die frühere Erfahrung.<br> | |||
'''1.2.5'''<br> | |||
yato hi pūrvānubhavasaṃskārāt smṛtisaṃbhavaḥ |<br> | |||
yady evam antargaḍunā ko 'rthaḥ syāt sthāyinātmanā || 1.2.5 ||<br> | |||
[Der Gegner:] Erinnerung entsteht nämlich aus der Prägung durch die frühere Erfahrung. Wenn es sich so verhält, wozu dient dann ein beständiges Selbst, dieser überflüssige innere Zusatz?<br> | |||
'''1.2.6'''<br> | |||
tato bhinneṣu dharmeṣu tatsvarūpāviśeṣataḥ |<br> | |||
saṃskārāt smṛtisiddhau syāt smartā draṣṭeva kalpitaḥ || 1.2.6 ||<br> | |||
Wenn die Erinnerung aus einer Prägung hervorgeht, ohne dass ein Selbst die Beschaffenheit der voneinander verschiedenen Bewusstseinsereignisse verändert, wäre der Erinnernde ebenso wie der Sehende bloß hinzugedacht.<br> | |||
'''1.2.7'''<br> | |||
jñānaṃ ca citsvarūpaṃ cet tad anityaṃ kim ātmavat |<br> | |||
athāpi jaḍam etasya katham arthaprakāśatā || 1.2.7 ||<br> | |||
[Prüfung einer weiteren Position:] Wenn Erkenntnis ihrem Wesen nach Bewusstsein ist, weshalb ist sie dann vergänglich, anders als das Selbst? Ist sie hingegen unbewusst, wie könnte sie einen Gegenstand erhellen?<br> | |||
'''1.2.8'''<br> | |||
athārthasya yathā rūpaṃ dhatte buddhis tathātmanaḥ |<br> | |||
caitanyam ajaḍā saivaṃ jāḍye nārthaprakāśatā || 1.2.8 ||<br> | |||
[Mögliche Antwort:] Wie die Erkenntnisfähigkeit die Form des Gegenstandes annimmt, so nimmt sie das Bewusstsein des Selbst an; dadurch wäre sie bewusst. [Erwiderung:] Solange sie unbewusst ist, kann sie den Gegenstand nicht erhellen.<br> | |||
'''1.2.9'''<br> | |||
kriyāpy arthasya kāyādes tattaddeśādijātatā |<br> | |||
nānyādṛṣṭer na sāpy ekā kramikaikasya cocitā || 1.2.9 ||<br> | |||
[Einwand gegen beständige Täterschaft:] Auch die Tätigkeit eines Körpers oder eines anderen Dinges ist nur dessen Entstehen an diesem oder jenem Ort. Eine weitere Tätigkeit wird nicht wahrgenommen. Auch jene ist keine Einheit, und eine zeitlich aufeinanderfolgende Tätigkeit passt nicht zu einem einzigen [unveränderlichen Träger].<br> | |||
'''1.2.10'''<br> | |||
tatra tatra sthite tat tad bhavatīty eva dṛśyate |<br> | |||
nānyan nānyo 'sti saṃbandhaḥ kāryakāraṇabhāvataḥ || 1.2.10 ||<br> | |||
Man sieht lediglich: Wenn dieses jeweils vorhanden ist, entsteht jenes. Es gibt nichts Weiteres und auch keine andere Beziehung als das Verhältnis von Wirkung und Ursache.<br> | |||
'''1.2.11'''<br> | |||
dviṣṭhasyānekarūpatvāt siddhasyānyānapekṣaṇāt |<br> | |||
pāratantryādyayogāc ca tena kartāpi kalpitaḥ || 1.2.11 ||<br> | |||
Eine Beziehung zwischen zweien müsste mehrere Gestalten haben; bereits bestehende Dinge bedürfen keines anderen, und Abhängigkeit und dergleichen lassen sich so nicht begründen. Deshalb ist auch ein Handelnder bloß hinzugedacht.<br> | |||
===1.3 – Erwiderung: Zusammenhang der Erkenntnisse=== | |||
'''1.3.1'''<br> | |||
satyaṃ kiṃ tu smṛtijñānaṃ pūrvānubhavasaṃskṛteḥ |<br> | |||
jātam apy ātmaniṣṭhaṃ tan nādyānubhavavedakam || 1.3.1 ||<br> | |||
[Utpaladevas Erwiderung:] Gewiss; doch eine Erinnerungserkenntnis, selbst wenn sie aus der Prägung durch eine frühere Erfahrung entsteht, bleibt auf sich selbst beschränkt und erkennt nicht schon deshalb die ursprüngliche Erfahrung.<br> | |||
'''1.3.2'''<br> | |||
dṛksvābhāsaiva nānyena vedyā rūpadṛśeva dṛk |<br> | |||
rase saṃskārajatvaṃ tu tattulyatvaṃ na tadgatiḥ || 1.3.2 ||<br> | |||
Eine Erkenntnis leuchtet nur sich selbst auf und wird nicht durch eine andere erkannt, so wie eine Farbwahrnehmung keine Geschmackswahrnehmung erkennt. Aus einer Prägung entstanden zu sein bedeutet Ähnlichkeit mit der früheren Erkenntnis, nicht deren Erfassung.<br> | |||
'''1.3.3'''<br> | |||
athātadviṣayatve 'pi smṛtes tadavasāyataḥ |<br> | |||
dṛṣṭālambanatā bhrāntyā tad etad asamañjasam || 1.3.3 ||<br> | |||
[Einwand:] Obwohl Erinnerung die frühere Erfahrung nicht zum Gegenstand hat, bezieht sie sich durch ihre Bestimmung irrtümlich auf das früher Gesehene. [Antwort:] Diese Erklärung ist unstimmig.<br> | |||
'''1.3.4'''<br> | |||
smṛtitaiva kathaṃ tāvad bhrānteś cārthasthitiḥ katham |<br> | |||
pūrvānubhavasaṃskārāpekṣā ca kim itīṣyate || 1.3.4 ||<br> | |||
Wie wäre das überhaupt Erinnerung? Wie könnte aus einem Irrtum der Gegenstand feststehen? Und weshalb wird dann eine Abhängigkeit von der Prägung durch die frühere Erfahrung angenommen?<br> | |||
'''1.3.5'''<br> | |||
bhrāntitve cāvasāyasya na jaḍād viṣayasthitiḥ |<br> | |||
tato 'jāḍye nijollekhaniṣṭhān nārthasthitis tataḥ || 1.3.5 ||<br> | |||
Ist diese Bestimmung irrtümlich, kann ein unbewusster Vorgang den Gegenstand nicht begründen. Ist sie bewusst, bleibt sie [nach jener Voraussetzung] auf ihre eigene Vorstellung beschränkt; auch so begründet sie den früheren Gegenstand nicht.<br> | |||
'''1.3.6'''<br> | |||
evam anyonyabhinnānām aparasparavedinām |<br> | |||
jñānānām anusaṃdhānajanmā naśyej janasthitiḥ || 1.3.6 ||<br> | |||
Auf diese Weise würde die Lebensordnung der Menschen zugrunde gehen, die aus dem Verknüpfen von Erkenntnissen entsteht, obwohl diese [nach der gegnerischen Annahme] voneinander verschieden sind und nichts voneinander wissen,<br> | |||
'''1.3.7'''<br> | |||
na ced antaḥkṛtānantaviśvarūpo maheśvaraḥ |<br> | |||
syād ekaś cidvapur jñānasmṛtyapohanaśaktimān || 1.3.7 ||<br> | |||
wenn es nicht den einen Maheshvara gäbe: Bewusstsein seiner Gestalt nach, die unendlichen Formen des Weltalls in sich bergend und mit den Kräften des Erkennens, Erinnerns und Unterscheidens ausgestattet.<br> | |||
===1.4 – Erinnerung und erkennendes Selbst=== | |||
'''1.4.1'''<br> | |||
sa hi pūrvānubhūtārthopalabdhā parato 'pi san |<br> | |||
vimṛśan sa iti svairī smaratīty apadiśyate || 1.4.1 ||<br> | |||
Er ist es, der den früher erfahrenen Gegenstand auch später noch erkennt. Wenn er aus eigener Freiheit „das ist jener“ erfasst, nennt man dies Erinnern.<br> | |||
'''1.4.2'''<br> | |||
bhāsayec ca svakāle 'rthāt pūrvābhāsitam āmṛśan |<br> | |||
svalakṣaṇaṃ ghaṭābhāsamātreṇāthākhilātmanā || 1.4.2 ||<br> | |||
Indem er das früher Erscheinende aufgreift, lässt er das einzelne Ding zur gegenwärtigen Zeit wieder erscheinen – entweder nur als Erscheinung eines Topfes oder mit seiner vollständigen Besonderheit.<br> | |||
'''1.4.3'''<br> | |||
na ca yuktaṃ smṛter bhede smaryamāṇasya bhāsanam |<br> | |||
tenaikyaṃ bhinnakālānāṃ saṃvidāṃ veditaiṣa saḥ || 1.4.3 ||<br> | |||
Wäre das Erinnerte von der Erinnerung völlig getrennt, könnte es in ihr nicht erscheinen. Deshalb ist dieser Erkennende die Einheit der zu verschiedenen Zeiten auftretenden Bewusstseinsakte.<br> | |||
'''1.4.4'''<br> | |||
naiva hy anubhavo bhāti smṛtau pūrvo 'rthavat pṛthak |<br> | |||
prāg anvabhūvam aham ity ātmārohaṇabhāsanāt || 1.4.4 ||<br> | |||
Denn die frühere Erfahrung erscheint in der Erinnerung nicht wie ein Gegenstand gesondert. Sie erscheint als in das Selbst aufgenommen: „Ich habe früher erfahren.“<br> | |||
'''1.4.5'''<br> | |||
yoginām api bhāsante na dṛśo darśanāntare |<br> | |||
svasaṃvidekamānās tā bhānti meyapade 'pi vā || 1.4.5 ||<br> | |||
Auch Yogis sehen Erkenntnisse nicht in einer anderen Erkenntnis. Diese haben allein ihr Selbstbewusstsein als Erkenntnismittel; selbst wenn sie an der Stelle eines Gegenstandes erscheinen, leuchten sie auf diese Weise.<br> | |||
'''1.4.6'''<br> | |||
smaryate yad dṛg āsīn me saivam ity api bhedataḥ |<br> | |||
tad vyākaraṇam evāsyā mayā dṛṣṭam iti smṛteḥ || 1.4.6 ||<br> | |||
Wenn man sich unterscheidend erinnert: „Meine damalige Wahrnehmung war so“, ist dies lediglich eine Entfaltung der Erinnerung „Ich habe gesehen“.<br> | |||
'''1.4.7'''<br> | |||
yā ca paśyāmy aham imaṃ ghaṭo 'yam iti vāvasā |<br> | |||
manyate samavetaṃ sāpy avasātari darśanam || 1.4.7 ||<br> | |||
Auch eine Bestimmung wie „Ich sehe diesen“ oder „Dies ist ein Topf“ setzt die Wahrnehmung als im bestimmenden Subjekt enthalten voraus.<br> | |||
'''1.4.8'''<br> | |||
tan mayā dṛśyate dṛṣṭo 'yaṃ sa ity āmṛśaty api |<br> | |||
grāhyagrāhakatābhinnāv arthau bhātaḥ pramātari || 1.4.8 ||<br> | |||
Deshalb erscheinen auch beim Erfassen „Das wird von mir gesehen“, „Das habe ich gesehen“, „dieser“ oder „jener“ die beiden als Gegenstand und Erfasser unterschiedenen Seiten im erkennenden Subjekt.<br> | |||
===1.5 – Erscheinen, Sich-Erfassen und Freiheit=== | |||
'''1.5.1'''<br> | |||
vartamānāvabhāsānāṃ bhāvānām avabhāsanam |<br> | |||
antaḥsthitavatām eva ghaṭate bahir ātmanā || 1.5.1 ||<br> | |||
Dass die gegenwärtig erscheinenden Dinge in äußerer Gestalt aufleuchten, ist nur möglich, wenn sie im Inneren [des Bewusstseins] bestehen.<br> | |||
'''1.5.2'''<br> | |||
prāgivārtho 'prakāśaḥ syāt prakāśātmatayā vinā |<br> | |||
na ca prakāśo bhinnaḥ syād ātmārthasya prakāśatā || 1.5.2 ||<br> | |||
Ohne das Wesen des Leuchtens zu besitzen, bliebe der Gegenstand unbeleuchtet wie zuvor. Das Leuchten kann nicht von ihm getrennt sein: Das Erscheinen ist das eigene Wesen des Gegenstandes.<br> | |||
'''1.5.3'''<br> | |||
bhinne prakāśe cābhinne saṃkaro viṣayasya tat |<br> | |||
prakāśātmā prakāśyo 'rtho nāprakāśaś ca siddhyati || 1.5.3 ||<br> | |||
Wäre das Leuchten vom Gegenstand verschieden und in sich unterschiedslos, würden die Gegenstände durcheinandergeraten. Daher besteht der erscheinende Gegenstand als Leuchten; ein gänzlich nicht erscheinender Gegenstand lässt sich nicht begründen.<br> | |||
'''1.5.4'''<br> | |||
tattadākasmikābhāso bāhyaṃ ced anumāpayet |<br> | |||
na hy abhinnasya bodhasya vicitrābhāsahetutā || 1.5.4 ||<br> | |||
[Einwand:] Das jeweils unvermittelt auftretende Erscheinen lässt auf etwas Äußeres schließen. Denn das unterschiedslose Bewusstsein kann nicht Ursache der vielfältigen Erscheinungen sein.<br> | |||
'''1.5.5'''<br> | |||
na vāsanāprabodho 'tra vicitro hetutām iyāt |<br> | |||
tasyāpi tatprabodhasya vaicitrye kim nibandhanam || 1.5.5 ||<br> | |||
Auch das unterschiedliche Erwachen latenter Eindrücke kann hier nicht als Ursache dienen. Worauf beruht denn seinerseits die Verschiedenheit ihres Erwachens?<br> | |||
'''1.5.6'''<br> | |||
syād etad avabhāseṣu teṣv evāvasite sati |<br> | |||
vyavahāre kim anyena bāhyenānupapattinā || 1.5.6 ||<br> | |||
[Antwort:] Wenn sich das gesamte praktische Leben innerhalb eben dieser Erscheinungen vollzieht, wozu bedarf es eines weiteren, äußeren Gegenstandes, dessen Annahme Schwierigkeiten bereitet?<br> | |||
'''1.5.7'''<br> | |||
cidātmaiva hi devo 'ntaḥsthitam icchāvaśād bahiḥ |<br> | |||
yogīva nirupādānam arthajātaṃ prakāśayet || 1.5.7 ||<br> | |||
Der Gott, dessen Wesen Bewusstsein ist, lässt allein durch seinen Willen die in ihm bestehende Vielheit der Gegenstände äußerlich erscheinen – wie ein Yogi, ohne einen äußeren Werkstoff zu benötigen.<br> | |||
'''1.5.8'''<br> | |||
anumānam anābhātapūrve naiveṣṭam indriyam |<br> | |||
ābhātam eva bījāder ābhāsād dhetuvastunaḥ || 1.5.8 ||<br> | |||
Eine Schlussfolgerung auf etwas, das zuvor überhaupt nie erschienen ist, wird nicht zugestanden. Auch das Sinnesvermögen ist [als etwas Ursächliches] bereits erschienen, weil verursachende Dinge wie Samen erschienen sind.<br> | |||
'''1.5.9'''<br> | |||
ābhāsaḥ punarābhāsād bāhyasyāsīt kathaṃ cana |<br> | |||
arthasya naiva tenāsya siddhir nāpy anumānataḥ || 1.5.9 ||<br> | |||
Ein vom Erscheinen ausgeschlossener äußerer Gegenstand ist niemals auf irgendeine Weise erschienen. Deshalb lässt er sich auch nicht durch eine Schlussfolgerung nachweisen.<br> | |||
'''1.5.10'''<br> | |||
svāminaś cātmasaṃsthasya bhāvajātasya bhāsanam |<br> | |||
asty eva na vinā tasmād icchāmarśaḥ pravartate || 1.5.10 ||<br> | |||
Für den Herrn gibt es durchaus ein Erscheinen der in ihm bestehenden Gesamtheit der Dinge. Ohne dieses könnte sich sein bewusstes Wollen nicht vollziehen.<br> | |||
'''1.5.11'''<br> | |||
svabhāvam avabhāsasya vimarśaṃ vidur anyathā |<br> | |||
prakāśo 'rthoparakto 'pi sphaṭikādijaḍopamaḥ || 1.5.11 ||<br> | |||
Als Wesen des Erscheinens gilt dessen bewusstes Sich-Erfassen. Andernfalls wäre das Leuchten, auch wenn es durch Gegenstände gefärbt wird, einem unbewussten Kristall oder Ähnlichem gleich.<br> | |||
'''1.5.12'''<br> | |||
ātmāta eva caitanyaṃ citkriyā citikartṛtā |<br> | |||
tātparyeṇoditas tena jaḍāt sa hi vilakṣaṇaḥ || 1.5.12 ||<br> | |||
Eben deshalb wird das Selbst im eigentlichen Sinne als Bewusstheit, als Tätigkeit des Bewusstseins und als dessen Täterschaft bezeichnet: Dadurch unterscheidet es sich vom Unbewussten.<br> | |||
'''1.5.13'''<br> | |||
citiḥ pratyavamarśātmā parā vāk svarasoditā |<br> | |||
svātantryam etan mukhyaṃ tad aiśvaryaṃ paramātmanaḥ || 1.5.13 ||<br> | |||
Bewusstsein ist seinem Wesen nach bewusstes Sich-Erfassen; es ist die höchste Sprache, die aus sich selbst hervortritt. Dies ist die Freiheit im ursprünglichen Sinne, die Herrschermacht des höchsten Selbst.<br> | |||
'''1.5.14'''<br> | |||
sā sphurattā mahāsattā deśakālāviśeṣinī |<br> | |||
saiṣā sāratayā proktā hṛdayaṃ parameṣṭhinaḥ || 1.5.14 ||<br> | |||
Sie ist lebendiges Aufleuchten, das große Sein, das durch Ort und Zeit nicht eingeschränkt wird. Weil sie den innersten Gehalt bildet, wird sie das Herz des Höchsten genannt.<br> | |||
'''1.5.15'''<br> | |||
ātmānam ata evāyaṃ jñeyīkuryāt pṛthaksthiti |<br> | |||
jñeyaṃ na tu tadaunmukhyāt khaṇḍyetāsya svatantratā || 1.5.15 ||<br> | |||
Deshalb kann er sich selbst zum erkennbaren Gegenstand machen. Wäre das Erkennbare unabhängig von ihm vorhanden, würde seine Freiheit durch die notwendige Hinwendung zu diesem eingeschränkt.<br> | |||
'''1.5.16'''<br> | |||
svātantryāmuktātmānaṃ svātantryād advayātmanaḥ |<br> | |||
prabhur īśādisaṃkalpair nirmāya vyavahārayet || 1.5.16 ||<br> | |||
Aus Freiheit bringt der Herr, dessen Wesen nichtdual ist, ein seiner Freiheit beraubtes Selbst hervor und lässt es mit Vorstellungen wie „Herr“ und dergleichen am Weltgeschehen teilnehmen.<br> | |||
'''1.5.17'''<br> | |||
nāhantādiparāmarśabhedād asyānyatātmanaḥ |<br> | |||
ahaṃmṛśyatayaivāsya sṛṣtes tiṅvācyakarmavat || 1.5.17 ||<br> | |||
Durch verschiedene Selbstauffassungen wie „Ich“ wird dieses Selbst nicht zu etwas anderem. Denn auch seine Hervorbringung geschieht als etwas, das als „Ich“ erfasst wird – wie das durch eine Verbalendung bezeichnete Handeln.<br> | |||
'''1.5.18'''<br> | |||
māyāśaktyā vibhoḥ saiva bhinnasaṃvedyagocarā |<br> | |||
kathitā jñānasaṃkalpādhyavasāyādināmabhiḥ || 1.5.18 ||<br> | |||
Dieselbe [Kraft] des Allgegenwärtigen richtet sich durch seine Maya-Kraft auf voneinander unterschiedene Gegenstände. Dann wird sie mit Namen wie Erkenntnis, Vorstellung und bestimmendes Urteil bezeichnet.<br> | |||
'''1.5.19'''<br> | |||
sākṣātkārakṣaṇe 'py asti vimarśaḥ katham anyathā |<br> | |||
dhāvanādy upapadyeta pratisaṃdhānavarjitam || 1.5.19 ||<br> | |||
Selbst im Augenblick unmittelbarer Wahrnehmung ist bewusstes Erfassen vorhanden. Wie wäre sonst beispielsweise ein Laufen möglich, bei dem ein ausdrückliches nachträgliches Verknüpfen fehlt?<br> | |||
'''1.5.20'''<br> | |||
ghaṭo 'yam ity adhyavasā nāmarūpātirekiṇī |<br> | |||
pareśaśaktir ātmeva bhāsate na tv idantayā || 1.5.20 ||<br> | |||
Die Bestimmung „Dies ist ein Topf“ geht über Name und Gestalt hinaus. Als Kraft des höchsten Herrn erscheint sie wie das Selbst und nicht als ein „Dies“.<br> | |||
'''1.5.21'''<br> | |||
kevalaṃ bhinnasamvedyadeśakālānurodhataḥ |<br> | |||
jñānasmṛtyavasāyādi sakramaṃ pratibhāsate || 1.5.21 ||<br> | |||
Nur aufgrund ihrer Ausrichtung auf getrennte Gegenstände, Orte und Zeiten erscheint sie als zeitliche Folge von Erkenntnis, Erinnerung, bestimmendem Urteil und dergleichen.<br> | |||
===1.6 – Ichbewusstsein und begriffliche Vorstellung=== | |||
'''1.6.1'''<br> | |||
ahaṃpratyavamarśo yaḥ prakāśātmāpi vāgvapuḥ |<br> | |||
nāsau vikalpaḥ sa hy ukto dvayākṣepī viniścayaḥ || 1.6.1 ||<br> | |||
Das bewusste Erfassen „Ich“ ist, obwohl es Leuchten und Sprache zu seinem Wesen hat, keine begriffliche Unterscheidung. Denn diese wurde als Bestimmung erklärt, die zwei Gegensätze voraussetzt.<br> | |||
'''1.6.2'''<br> | |||
bhinnayor avabhāso hi syād ghaṭāghaṭayor dvayoḥ |<br> | |||
prakāśasyeva nānyasya bhedinas tv avabhāsanam || 1.6.2 ||<br> | |||
Bei Topf und Nicht-Topf können zwei voneinander verschiedene Erscheinungen auftreten. Beim Leuchten hingegen erscheint kein davon verschiedenes anderes.<br> | |||
'''1.6.3'''<br> | |||
tadatatpratibhābhājā mātraivātadvyapohanāt |<br> | |||
tanniścayanamukto hi vikalpo ghaṭa ity ayam || 1.6.3 ||<br> | |||
Die als „Topf“ bezeichnete begriffliche Bestimmung besteht darin, dass ein Subjekt, dem dieses und anderes erscheinen, das Andere ausschließt und dadurch dieses festlegt.<br> | |||
'''1.6.4'''<br> | |||
cittattvaṃ māyayā hitvā bhinna evāvabhāti yaḥ |<br> | |||
dehe buddhāv atha prāṇe kalpite nabhasīva vā || 1.6.4 ||<br> | |||
Was hingegen durch Maya sein Bewusstseinswesen verlässt und als getrennt erscheint – im Körper, in der Erkenntnisfähigkeit, im Lebensatem oder in einer vorgestellten Leere wie dem Raum –,<br> | |||
'''1.6.5'''<br> | |||
pramātṛtvenāham iti vimarśo 'nyavyapohanāt |<br> | |||
vikalpa eva sa parapratiyogy avabhāsajaḥ || 1.6.5 ||<br> | |||
dessen Selbstauffassung „Ich“ als erkennendes Subjekt ist eine begriffliche Bestimmung, weil sie anderes ausschließt. Sie entsteht aus einer Erscheinung, die einem anderen gegenübersteht.<br> | |||
'''1.6.6'''<br> | |||
kādācitkāvabhāse yā pūrvābhāsādiyojanā |<br> | |||
saṃskārāt kalpanā proktā sāpi bhinnāvabhāsini || 1.6.6 ||<br> | |||
Wird etwas nur zeitweilig Erscheinendes aufgrund einer Prägung mit einer früheren Erscheinung und dergleichen verbunden, nennt man dies begriffliche Konstruktion. Auch diese betrifft getrennt Erscheinendes.<br> | |||
'''1.6.7'''<br> | |||
tad evaṃ vyavahāre 'pi prabhur dehādim āviśan |<br> | |||
bhāntam evānta arthaugham icchayā bhāsayed bahiḥ || 1.6.7 ||<br> | |||
So tritt der Herr auch im alltäglichen Umgang in Körper und dergleichen ein und lässt die in ihm bereits erscheinende Gegenstandswelt nach seinem Willen äußerlich aufleuchten.<br> | |||
'''1.6.8'''<br> | |||
evaṃ smṛtau vikalpe vāpy apohanaparāyaṇe |<br> | |||
jñāne vāpy antarābhāsaḥ sthita eveti niścitam || 1.6.8 ||<br> | |||
Damit steht fest: In Erinnerung, in der auf Ausschluss gerichteten begrifflichen Vorstellung und auch in unmittelbarer Erkenntnis ist stets eine innere Erscheinung vorhanden.<br> | |||
'''1.6.9'''<br> | |||
kiṃ tu naisargiko jñāne bahirābhāsanātmani |<br> | |||
pūrvānubhavarūpas tu sthitaḥ sa smaraṇādiṣu || 1.6.9 ||<br> | |||
In der Erkenntnis, deren Wesen das äußere Erscheinen ist, ist sie ursprünglich gegeben; in Erinnerung und ähnlichen Vorgängen besteht sie in der Gestalt einer früheren Erfahrung.<br> | |||
'''1.6.10'''<br> | |||
sa naisargika evāsti vikalpe svairacāriṇi |<br> | |||
yathābhimatasaṃsthānābhāsanād buddhigocare || 1.6.10 ||<br> | |||
Auch in der frei umherschweifenden Vorstellung ist sie ursprünglich vorhanden, da im Bereich der Erkenntnisfähigkeit Gestalten nach Belieben erscheinen.<br> | |||
'''1.6.11'''<br> | |||
ata eva yathābhīṣṭasamullekhāvabhāsanāt |<br> | |||
jñānakriye sphuṭe eva siddhe sarvasya jīvataḥ || 1.6.11 ||<br> | |||
Eben weil die bewusste Vorstellung nach Wunsch erscheint, sind bei jedem lebenden Wesen Erkennen und Handeln klar und unmittelbar erwiesen.<br> | |||
===1.7 – Einheit des Erkennenden und gültige Erkenntnis=== | |||
'''1.7.1'''<br> | |||
yā caiṣā pratibhā tattatpadārthakramarūṣitā |<br> | |||
akramānantacidrūpaḥ pramātā sa maheśvaraḥ || 1.7.1 ||<br> | |||
Dieses Aufleuchten, das von der Abfolge der jeweiligen Gegenstände geprägt erscheint, ist der Erkennende selbst: Maheshvara, dessen Wesen unendliches, keiner Abfolge unterworfenes Bewusstsein ist.<br> | |||
'''1.7.2'''<br> | |||
tattadvibhinnasaṃvittimukhair ekapramātari |<br> | |||
pratitiṣṭhatsu bhāveṣu jñāteyam upapadyate || 1.7.2 ||<br> | |||
Erkenntnis der Dinge wird möglich, indem sie durch ihre verschiedenen Bewusstseinsakte in dem einen erkennenden Subjekt Bestand gewinnen.<br> | |||
'''1.7.3'''<br> | |||
deśakālakramajuṣām arthānāṃ svasamāpinām |<br> | |||
sakṛdābhāsasādhyo 'sāv anyathā kaḥ samanvayaḥ || 1.7.3 ||<br> | |||
Wie könnten Gegenstände, die räumlicher und zeitlicher Folge unterliegen und jeweils auf sich beschränkt sind, anders zusammenhängen als durch ihr gemeinsames Erscheinen?<br> | |||
'''1.7.4'''<br> | |||
pratyakṣānupalambhānāṃ tattadbhinnāṃśapātinām |<br> | |||
kāryakāraṇatāsiddhihetutaikapramātṛjā || 1.7.4 ||<br> | |||
Dass Wahrnehmungen und Nichtwahrnehmungen, die jeweils verschiedene Seiten erfassen, das Verhältnis von Ursache und Wirkung feststellen können, beruht auf dem einen erkennenden Subjekt.<br> | |||
'''1.7.5'''<br> | |||
smṛtau yaiva svasaṃvittiḥ pramāṇaṃ svātmasaṃbhave |<br> | |||
pūrvānubhavasadbhāve sādhanaṃ saiva nāparam || 1.7.5 ||<br> | |||
Dasselbe Selbstbewusstsein, das in der Erinnerung ihre eigene Existenz verbürgt, ist auch das Erkenntnismittel für das Vorhandensein der früheren Erfahrung; kein anderes ist dafür erforderlich.<br> | |||
'''1.7.6'''<br> | |||
bādhyabādhakabhāvo 'pi svātmaniṣṭhāvirodhinām |<br> | |||
jñānānām udiyād ekapramātṛpariniṣṭhiteḥ || 1.7.6 ||<br> | |||
Auch das Verhältnis von widerlegter und widerlegender Erkenntnis könnte bei Erkenntnissen, die für sich genommen einander nicht widersprechen, nur dadurch entstehen, dass beide in einem einzigen erkennenden Subjekt gründen.<br> | |||
'''1.7.7'''<br> | |||
viviktabhūtalajñānaṃ ghaṭābhāvamatir yathā |<br> | |||
tathā cecchuktikājñānaṃ rūpyajñānāpramātvavit || 1.7.7 ||<br> | |||
[Einwand:] Wie die Erkenntnis eines leeren Bodens bereits Erkenntnis des Nichtvorhandenseins eines Topfes ist, so erkennt auch die Wahrnehmung einer Muschelschale die Ungültigkeit der zuvor entstandenen Silbererkenntnis.<br> | |||
'''1.7.8'''<br> | |||
naivaṃ śuddhasthalajñānāt siddhyet tasyāghaṭātmanā |<br> | |||
na tūpalabdhiyogyasyāpy atrābhāvo ghaṭātmanaḥ || 1.7.8 ||<br> | |||
[Antwort:] So ist es nicht. Aus der Erkenntnis des bloßen Bodens ergibt sich, dass dieser kein Topf ist; daraus ergibt sich noch nicht das Nichtvorhandensein eines Topfes an dieser Stelle, selbst wenn er dort wahrnehmbar wäre.<br> | |||
'''1.7.9'''<br> | |||
viviktaṃ bhūtalaṃ śaśvad bhāvānāṃ svātmaniṣṭhiteḥ |<br> | |||
tat kathaṃ jātu tajjñānaṃ bhinnasyābhāvasādhanam || 1.7.9 ||<br> | |||
Weil die Dinge jeweils in sich selbst bestehen, ist der Boden jederzeit vom Topf verschieden. Wie könnte dann die Erkenntnis des Bodens gelegentlich das Nichtvorhandensein eines anderen Dinges beweisen?<br> | |||
'''1.7.10'''<br> | |||
kim tv ālokacayo 'ndhasya sparśo voṣṇādiko mṛduḥ |<br> | |||
tatrāsti sādhayet tasya svajñānam aghaṭātmatām || 1.7.10 ||<br> | |||
Vielmehr ist dort ein Lichtgefüge vorhanden oder für einen Blinden eine sanfte, warme oder andere Berührung. Deren jeweilige Erkenntnis mag beweisen, dass diese selbst kein Topf sind.<br> | |||
'''1.7.11'''<br> | |||
piśācaḥ syād anāloko 'py ālokābhyantare yathā |<br> | |||
adṛśyo bhūtalasyānta na niṣedhyaḥ sa sarvathā || 1.7.11 ||<br> | |||
Wie ein lichtloser Geistwesen-Spuk mitten im Licht vorhanden sein könnte, so ist etwas Unsichtbares am Boden dadurch keineswegs vollständig ausgeschlossen.<br> | |||
'''1.7.12'''<br> | |||
evaṃ rūpyavidābhāvarūpā śuktimatir bhavet |<br> | |||
na tv ādyarajatajñapteḥ syād aprāmāṇyavedikā || 1.7.12 ||<br> | |||
Entsprechend könnte die Muschelerkenntnis lediglich das Fehlen einer Silbererkenntnis darstellen; sie würde noch nicht erkennen lassen, dass die frühere Silbererkenntnis ungültig war.<br> | |||
'''1.7.13'''<br> | |||
dharmyasiddher api bhaved bādhā naivānumānataḥ |<br> | |||
svasaṃvedanasiddhā tu yuktā saikapramātṛjā || 1.7.13 ||<br> | |||
Auch durch Schlussfolgerung ließe sich diese Widerlegung nicht leisten, weil bereits ihr Gegenstand nicht feststeht. Wohl aber ist sie als durch Selbstbewusstsein erwiesen verständlich, wenn sie aus dem einen erkennenden Subjekt hervorgeht.<br> | |||
'''1.7.14'''<br> | |||
ittham atyarthabhinnārthāvabhāsakhacite vibhau |<br> | |||
samalo vimalo vāpi vyavahāro 'nubhūyate || 1.7.14 ||<br> | |||
So wird der alltägliche Umgang, ob mit Unreinheit behaftet oder rein, in dem Allgegenwärtigen erfahren, der von Erscheinungen äußerst unterschiedlicher Gegenstände durchsetzt ist.<br> | |||
===1.8 – Innerlichkeit und Äußerlichkeit=== | |||
'''1.8.1'''<br> | |||
tātkālikākṣasāmakṣyasāpekṣāḥ kevalaṃ kva cit |<br> | |||
ābhāsā anyathānyatra tv andhāndhatamasādiṣu || 1.8.1 ||<br> | |||
Nur in manchen Fällen hängen Erscheinungen von einem gegenwärtigen Kontakt mit den Sinnen ab. Anders verhält es sich in anderen Fällen, etwa bei Blinden oder in völliger Finsternis.<br> | |||
'''1.8.2'''<br> | |||
viśeṣo 'rthāvabhāsasya sattāyāṃ na punaḥ kva cit |<br> | |||
vikalpeṣu bhaved bhāvibhavadbhūtārthagāmiṣu || 1.8.2 ||<br> | |||
Darin liegt ein Unterschied im Erscheinen der Gegenstände, nicht aber im Sein [der Erscheinung]. Das gilt auch für Vorstellungen, die sich auf künftige, gegenwärtige oder vergangene Gegenstände richten.<br> | |||
'''1.8.3'''<br> | |||
sukhādiṣu ca saukhyādihetuṣv api ca vastuṣu |<br> | |||
avabhāsasya sadbhāve 'py atītatvāt tathā sthitiḥ || 1.8.3 ||<br> | |||
Bei Lust und ähnlichen Zuständen sowie bei Dingen, die Lust hervorrufen, besteht zwar eine Erscheinung; wenn sie jedoch als vergangen erscheinen, bleibt ihr Zustand entsprechend bestimmt.<br> | |||
'''1.8.4'''<br> | |||
gāḍham ullikhyamāne tu vikalpena sukhādike |<br> | |||
tathā sthitis tathaiva syāt sphuṭam asyopalakṣaṇāt || 1.8.4 ||<br> | |||
Wird Lust oder Ähnliches durch Vorstellung hingegen intensiv vergegenwärtigt, tritt ein entsprechender Zustand tatsächlich ein, weil sie deutlich erfahren wird.<br> | |||
'''1.8.5'''<br> | |||
bhāvābhāvāvabhāsānāṃ bāhyatopādhir iṣyate |<br> | |||
nātmā sattā tatas teṣām āntarāṇāṃ satāṃ sadā || 1.8.5 ||<br> | |||
Äußerlichkeit gilt bei Erscheinungen des Vorhandenseins und Nichtvorhandenseins als zusätzliche Bestimmung, nicht als ihr Wesen. Deshalb besitzen sie als innere Erscheinungen stets Sein.<br> | |||
'''1.8.6'''<br> | |||
āntaratvāt pramātraikye naiṣāṃ bhedanibandhanā |<br> | |||
arthakriyāpi bāhyatve sā bhinnābhāsabhedataḥ || 1.8.6 ||<br> | |||
Da sie innerlich mit dem erkennenden Subjekt eins sind, fehlt dort eine auf Trennung beruhende Wirksamkeit. Bei äußerem Erscheinen entsteht diese entsprechend der Verschiedenheit der getrennten Erscheinungen.<br> | |||
'''1.8.7'''<br> | |||
cinmayatve 'vabhāsānām anta eva sthitiḥ sadā |<br> | |||
māyayā bhāsamānānāṃ bāhyatvād bahir apy asau || 1.8.7 ||<br> | |||
Weil die Erscheinungen aus Bewusstsein bestehen, bleiben sie stets im Inneren. Weil sie durch Maya als äußerlich erscheinen, besteht ihre Gegenwart zugleich auch draußen.<br> | |||
'''1.8.8'''<br> | |||
vikalpe yo 'yam ullekhaḥ so 'pi bāhyaḥ pṛthakprathaḥ |<br> | |||
pramātraikātmyam āntaryaṃ tato bhedo hi bāhyatā || 1.8.8 ||<br> | |||
Auch die in einer Vorstellung entworfene Gestalt ist insofern äußerlich, als sie gesondert erscheint. Innerlichkeit ist Einheit mit dem erkennenden Subjekt; Verschiedenheit von ihm ist Äußerlichkeit.<br> | |||
'''1.8.9'''<br> | |||
ullekhasya sukhādeś ca prakāśo bahir ātmanā |<br> | |||
icchāto bhartur adhyakṣarūpo 'kṣādibhuvāṃ yathā || 1.8.9 ||<br> | |||
Dass eine Vorstellung, Lust und dergleichen als etwas Äußeres erscheinen, hat durch den Willen des Herrn die Form unmittelbarer Wahrnehmung, ebenso wie das Erscheinen der durch die Sinne hervorgebrachten Gegenstände.<br> | |||
'''1.8.10'''<br> | |||
tadaikyena vinā na syāt saṃvidāṃ lokapaddhatiḥ |<br> | |||
prakāśaikyāt tad ekatvaṃ mātaikaḥ sa iti sthitam || 1.8.10 ||<br> | |||
Ohne die Einheit dieser Bewusstseinsakte wäre der Gang des menschlichen Lebens unmöglich. Ihre Einheit beruht auf der Einheit des Leuchtens. Damit steht fest, dass der Erkennende einer ist.<br> | |||
'''1.8.11'''<br> | |||
sa eva vimṛśattvena niyatena maheśvaraḥ |<br> | |||
vimarśa eva devasya śuddhe jñānakriye yataḥ || 1.8.11 ||<br> | |||
Eben dieser ist Maheshvara, weil ihm notwendig das bewusste Sich-Erfassen zukommt. Denn das bewusste Erfassen selbst ist das reine Erkennen und Handeln des Gottes.<br> | |||
===2.1 – Handlung, Raum und Zeit=== | |||
'''2.1.1'''<br> | |||
ata eva yad apy uktaṃ kriyā naikasya sakramā |<br> | |||
eketyādi pratikṣiptaṃ tad ekasya samarthanāt || 2.1.1 ||<br> | |||
Damit ist auch der frühere Einwand widerlegt, eine einheitliche Tätigkeit könne nicht einem einzigen Träger zukommen und zugleich zeitlich aufeinanderfolgen; denn der eine Träger ist begründet worden.<br> | |||
'''2.1.2'''<br> | |||
sakramatvaṃ ca laukikyāḥ kriyāyāḥ kālaśaktitaḥ |<br> | |||
ghaṭate na tu śāśvatyāḥ prābhavyāḥ syāt prabhor iva || 2.1.2 ||<br> | |||
Die zeitliche Folge weltlicher Tätigkeit wird durch die Zeitkraft möglich. Der ewigen, herrscherlichen Tätigkeit kommt hingegen ebenso wenig eine zeitliche Folge zu wie dem Herrn selbst.<br> | |||
'''2.1.3'''<br> | |||
kālaḥ sūryādisaṃcāras tattatpuṣpādijanma vā |<br> | |||
śītoṣṇe vātha tallakṣyaḥ krama eva sa tattvataḥ || 2.1.3 ||<br> | |||
Zeit mag man als Bewegung der Sonne und dergleichen, als jeweiliges Entstehen von Blüten oder als Kälte und Wärme auffassen. Ihrem Wesen nach ist sie jedoch die dadurch angezeigte Folge.<br> | |||
'''2.1.4'''<br> | |||
kramo bhedāśrayo bhedo 'py ābhāsasadasattvataḥ |<br> | |||
ābhāsasadasattve tu citrābhāsakṛtaḥ prabhoḥ || 2.1.4 ||<br> | |||
Folge beruht auf Unterschied, und Unterschied wiederum auf dem Vorhandensein oder Fehlen einer Erscheinung. Dieses Vorhandensein und Fehlen geht vom Herrn aus, der vielfältige Erscheinungen hervorbringt.<br> | |||
'''2.1.5'''<br> | |||
mūrtivaicitryato deśakramam ābhāsayaty asau |<br> | |||
kriyāvaicitryanirbhāsāt kālakramam apīśvaraḥ || 2.1.5 ||<br> | |||
Durch die Mannigfaltigkeit der Gestalten lässt er räumliche Folge erscheinen; durch die Mannigfaltigkeit der Tätigkeiten lässt Ishvara auch zeitliche Folge aufleuchten.<br> | |||
'''2.1.6'''<br> | |||
sarvatrābhāsabhedo 'pi bhavet kālakramākaraḥ |<br> | |||
vicchinnabhāsaḥ śūnyāder mātur bhātasya no sakṛt || 2.1.6 ||<br> | |||
Jeder Unterschied von Erscheinungen kann zur Quelle zeitlicher Folge werden: für ein Subjekt, das als Leere oder dergleichen mit unterbrochenem Leuchten erscheint, nicht aber für das auf einmal leuchtende [unbegrenzte Bewusstsein].<br> | |||
'''2.1.7'''<br> | |||
deśakramo 'pi bhāveṣu bhāti mātur mitātmanaḥ |<br> | |||
svātmeva svātmanā pūrṇā bhāvā bhānty amitasya tu || 2.1.7 ||<br> | |||
Auch räumliche Folge erscheint in den Dingen für ein Subjekt, dessen Selbst begrenzt ist. Dem Unbegrenzten hingegen erscheinen die Dinge wie sein eigenes Selbst, durch dieses Selbst ganz erfüllt.<br> | |||
'''2.1.8'''<br> | |||
kiṃ tu nirmāṇaśaktiḥ sāpy evaṃ viduṣa īśituḥ |<br> | |||
tathā vijñātṛvijñeyabhedo yad avabhāsyate || 2.1.8 ||<br> | |||
Doch auch dies ist die Gestaltungskraft des Herrn, der auf diese Weise erkennt: dass nämlich ein Unterschied zwischen Erkennendem und Erkanntem sichtbar wird.<br> | |||
===2.2 – Beziehung und begriffliche Erkenntnis=== | |||
'''2.2.1'''<br> | |||
kriyāsaṃbandhasāmānyadravyadikkālabuddhayaḥ |<br> | |||
satyāḥ sthairyopayogābhyām ekānekāśrayā matāḥ || 2.2.1 ||<br> | |||
Die Begriffe von Tätigkeit, Beziehung, Allgemeinem, Substanz, Richtung und Zeit gelten als wahr, weil sie Bestand und praktische Bedeutung haben. Sie stützen sich auf Einheit und Vielheit.<br> | |||
'''2.2.2'''<br> | |||
tatraikam āntaraṃ tattvaṃ tad evendriyavedyatām |<br> | |||
saṃprāpyānekatāṃ yāti deśakālasvabhāvataḥ || 2.2.2 ||<br> | |||
Dabei ist die innere Wirklichkeit eine. Eben diese gelangt zur Wahrnehmbarkeit durch die Sinne und nimmt aufgrund von Ort, Zeit und eigener Beschaffenheit Vielheit an.<br> | |||
'''2.2.3'''<br> | |||
taddvayālambanā etā mano 'nuvyavasāyi sat |<br> | |||
karoti mātṛvyāpāramayīḥ karmādikalpanāḥ || 2.2.3 ||<br> | |||
Auf diese beiden Seiten gestützt, vollzieht der Geist ein nachgehendes Bestimmen und bildet Vorstellungen von Handlung und dergleichen; diese bestehen in der Tätigkeit des erkennenden Subjekts.<br> | |||
'''2.2.4'''<br> | |||
svātmaniṣṭhā viviktābhā bhāvā ekapramātari |<br> | |||
anyonyānvayarūpaikyayujaḥ saṃbandhadhīpadam || 2.2.4 ||<br> | |||
Die Dinge bestehen jeweils in sich und erscheinen gesondert. In dem einen erkennenden Subjekt besitzen sie jedoch eine Einheit wechselseitiger Verknüpfung und werden so zum Gegenstand des Beziehungsbegriffs.<br> | |||
'''2.2.5'''<br> | |||
jātidravyāvabhāsānām bahir apy ekarūpatām |<br> | |||
vyaktyekadeśabhedaṃ cāpy ālambante vikalpanāḥ || 2.2.5 ||<br> | |||
Die begrifflichen Vorstellungen erfassen bei Erscheinungen von Gattung und Substanz auch äußerlich eine einheitliche Gestalt sowie den Unterschied der einzelnen Exemplare beziehungsweise Teile.<br> | |||
'''2.2.6'''<br> | |||
kriyāvimarśaviṣayaḥ kārakāṇāṃ samanvayaḥ |<br> | |||
avadhyavadhimadbhāvānvayālambā digādidhīḥ || 2.2.6 ||<br> | |||
Die Zusammenordnung der an einer Handlung beteiligten Faktoren ist Gegenstand des bewussten Erfassens einer Tätigkeit. Der Begriff von Richtung und ähnliche Begriffe beruhen auf der Beziehung zwischen einem Bezugspunkt und dem darauf Bezogenen.<br> | |||
'''2.2.7'''<br> | |||
evam evarthasiddhiḥ syān mātur arthakriyārthinaḥ |<br> | |||
bhedābhedavatārthena tena na bhrāntir īdṛśī || 2.2.7 ||<br> | |||
Nur so kann das Subjekt, das eine praktische Wirkung sucht, seinen Zweck durch einen Gegenstand erreichen, der Unterschied und Einheit besitzt. Eine solche Erkenntnis ist deshalb kein Irrtum.<br> | |||
===2.3 – Erkenntnismittel und Gegenstandsbestimmung=== | |||
'''2.3.1'''<br> | |||
idam etādṛgityevaṃ yad vaśād vyavatiṣṭhate |<br> | |||
vastu pramāṇaṃ tat so 'pi svābhāso 'bhinavodayaḥ || 2.3.1 ||<br> | |||
Dasjenige, durch dessen Kraft ein Gegenstand als „dieser, so beschaffen“ feststeht, ist ein Erkenntnismittel. Auch dieses ist eine eigene, neu auftretende Erscheinung.<br> | |||
'''2.3.2'''<br> | |||
so 'ntas tathāvimarśātmā deśakālādyabhedini |<br> | |||
ekābhidhānaviṣaye mitir vastuny abādhitā || 2.3.2 ||<br> | |||
Dieses Erkennen hat innerlich die Gestalt einer entsprechenden bewussten Bestimmung. Es ist gültige Erkenntnis eines nicht widerlegten Gegenstandes, der hinsichtlich Ort, Zeit und dergleichen eine Einheit bildet und unter eine Bezeichnung fällt.<br> | |||
'''2.3.3'''<br> | |||
yathāruci yathārthitvaṃ yathāvyutpatti bhidyate |<br> | |||
ābhāso 'py artha ekasminn anusaṃdhānasādhite || 2.3.3 ||<br> | |||
Je nach Vorliebe, praktischem Bedürfnis und Kenntnis unterscheidet sich die Erscheinung, obwohl der Gegenstand durch zusammenfassendes Erkennen als einer feststeht.<br> | |||
'''2.3.4'''<br> | |||
dīrghavṛttordhvapuruṣadhūmacāndanatādibhiḥ |<br> | |||
yathābhāsā vibhidyante deśakālāvibhedinaḥ || 2.3.4 ||<br> | |||
So unterscheiden sich Erscheinungen als länglich, rund, aufrecht, als Mensch, als Rauch, als aus Sandelholz bestehend und dergleichen, obwohl Ort und Zeit sich nicht unterscheiden.<br> | |||
'''2.3.5'''<br> | |||
tathaiva sadghaṭadravyakāñcanojjvalatādayaḥ |<br> | |||
ābhāsabhedā bhinnārthakāriṇas te padaṃ dhvaneḥ || 2.3.5 ||<br> | |||
Ebenso gibt es Erscheinungsunterschiede wie Sein, Topfsein, Substanzsein, Goldensein und Glänzen. Sie ermöglichen verschiedene Wirkungen und bilden den Gegenstand sprachlicher Bezeichnung.<br> | |||
'''2.3.6'''<br> | |||
ābhāsabhedād vastūnāṃ niyatārthakriyā punaḥ |<br> | |||
sāmānādhikaraṇyena pratibhāsād abhedinām || 2.3.6 ||<br> | |||
Die bestimmte praktische Wirksamkeit der Dinge entsteht wiederum dadurch, dass verschiedene Erscheinungen, ohne getrennt zu sein, als auf denselben Träger bezogen erscheinen.<br> | |||
'''2.3.7'''<br> | |||
pṛthagdīpaprakāśānāṃ srotasāṃ sāgare yathā |<br> | |||
aviruddhāvabhāsānām ekakāryā tathaikyadhīḥ || 2.3.7 ||<br> | |||
Wie die Strahlen einzelner Lampen oder die Ströme im Meer zusammenwirken, so ergibt sich bei miteinander verträglichen Erscheinungen die Erkenntnis einer Einheit, die eine gemeinsame Wirkung hervorbringt.<br> | |||
'''2.3.8'''<br> | |||
tatrāviśiṣṭe vahnyādau kāryakāraṇatoṣṇatā |<br> | |||
tattacchabdārthatādyātmā pramāṇād ekato mataḥ || 2.3.8 ||<br> | |||
Bei Feuer und Ähnlichem, zunächst ohne weitere Besonderung erfasst, werden aus einem einzigen Erkenntnismittel Eigenschaften wie bestimmtes Verursachen und Verursachtwerden, Wärme sowie die Bedeutung des jeweiligen Wortes erkannt.<br> | |||
'''2.3.9'''<br> | |||
sā tu deśādikādhyakṣāntarabhinne svalakṣaṇe |<br> | |||
tātkālikī pravṛttiḥ syād arthino 'py anumānataḥ || 2.3.9 ||<br> | |||
Das gegenwärtige Tätigwerden eines Menschen mit einem bestimmten Ziel richtet sich jedoch auf ein Einzelding, das durch weitere Wahrnehmungen von Ort und dergleichen unterschieden ist – auch dann, wenn der Anstoß aus einer Schlussfolgerung stammt.<br> | |||
'''2.3.10'''<br> | |||
dūrāntikatayārthānāṃ parokṣādhyakṣatātmanā |<br> | |||
bāhyāntaratayā doṣair vyañjakasyānyathāpi vā || 2.3.10 ||<br> | |||
Ob die Dinge fern oder nah, mittelbar oder unmittelbar, äußerlich oder innerlich erscheinen, ob Mängel des offenbarenden Mittels oder andere Umstände vorliegen,<br> | |||
'''2.3.11'''<br> | |||
bhinnāvabhāsacchāyānām api mukhyāvabhāsataḥ |<br> | |||
ekapratyavamarśākhyād ekatvam anivāritam || 2.3.11 ||<br> | |||
ihre Einheit bleibt trotz solcher unterschiedlichen Schattierungen des Erscheinens unbestritten, sofern ihre maßgebende Erscheinung dieselbe ist: ein einziges bewusstes Erfassen.<br> | |||
'''2.3.12'''<br> | |||
arthakriyāpi sahajā nārthānām īśvarecchayā |<br> | |||
niyatā sā hi tenāsyā nākriyāto 'nyatā bhavet || 2.3.12 ||<br> | |||
Auch praktische Wirksamkeit ist den Dingen nicht von Natur aus eigen; sie wird durch Ishvaras Willen festgelegt. Deshalb wird ein Gegenstand durch das Fehlen dieser Wirkung nicht schon zu etwas anderem.<br> | |||
'''2.3.13'''<br> | |||
rajataikavimarśe 'pi śuktau na rajatasthitiḥ |<br> | |||
upādhideśāsaṃvādād dvicandre 'pi nabho 'nyathā || 2.3.13 ||<br> | |||
Obwohl Muschelschale und Silber unter derselben Bestimmung „Silber“ erfasst werden können, besteht in der Muschelschale kein Silber, weil die örtlichen Bedingungen nicht übereinstimmen. Auch beim Sehen eines doppelten Mondes entspricht die Stelle am Himmel nicht dem Erscheinenden.<br> | |||
'''2.3.14'''<br> | |||
guṇaiḥ śabdādibhir bhedo jātyādibhir abhinnatā |<br> | |||
bhāvānām ittham ekatra pramātary upapadyate || 2.3.14 ||<br> | |||
So sind Verschiedenheit der Dinge aufgrund von Eigenschaften wie Klang und ihre Einheit aufgrund von Gattung und dergleichen innerhalb eines einzigen erkennenden Subjekts verständlich,<br> | |||
'''2.3.15'''<br> | |||
viśvavaicitryacitrasya samabhittitalopame |<br> | |||
viruddhābhāvasaṃsparśe paramārthasatīśvare || 2.3.15 ||<br> | |||
in Ishvara, dem wahrhaft Seienden, der vom widersprechenden Nichtsein unberührt bleibt und dem ebenen Malgrund des vielfältigen Weltbildes gleicht.<br> | |||
'''2.3.16'''<br> | |||
pramātari purāṇe tu sarvadā bhātavigrahe |<br> | |||
kiṃ pramāṇaṃ navābhāsaḥ sarvapramitibhāgini || 2.3.16 ||<br> | |||
Welches Erkenntnismittel, das doch eine neue Erscheinung ist, sollte den ursprünglichen Erkennenden begründen, dessen Gestalt immer aufleuchtet und der an jeder Erkenntnis teilhat?<br> | |||
'''2.3.17'''<br> | |||
apravartitapūrvo 'tra kevalaṃ mūḍhatāvaśāt |<br> | |||
śaktiprakāśeneśādivyavahāraḥ pravartyate || 2.3.17 ||<br> | |||
Lediglich ein zuvor aus Verblendung unterbliebener Umgang mit ihm als „Herr“ und dergleichen wird durch das Offenlegen seiner Kräfte in Gang gesetzt.<br> | |||
===2.4 – Tätigkeit und Ursächlichkeit=== | |||
'''2.4.1'''<br> | |||
eṣa cānantaśaktitvād evam ābhāsayaty amūn |<br> | |||
bhāvān icchāvaśād eṣā kriyā nirmātṛtāsya sā || 2.4.1 ||<br> | |||
Weil er unendliche Kraft besitzt, lässt er diese Dinge nach seinem Willen so erscheinen. Das ist seine Tätigkeit, seine schöpferische Täterschaft.<br> | |||
'''2.4.2'''<br> | |||
jaḍasya tu na sā śaktiḥ sattā yad asataḥ sataḥ |<br> | |||
kartṛkarmatvatattvaiva kāryakāraṇatā tataḥ || 2.4.2 ||<br> | |||
Ein Unbewusstes besitzt hingegen nicht die Kraft, ein nicht bestehendes Ding ins Sein zu bringen. Daher besteht das Verhältnis von Ursache und Wirkung seinem Wesen nach im Verhältnis zwischen Handelndem und Hervorgebrachtem.<br> | |||
'''2.4.3'''<br> | |||
yad asat tad asadyuktā nāsataḥ satsvarūpatā |<br> | |||
sato 'pi na punaḥ sattālābhenārtho 'tha cocyate || 2.4.3 ||<br> | |||
[Einwand:] Was nicht ist, ist nicht; einem Nichtseienden kann kein Seiendes als Wesen zukommen. Was bereits ist, bedarf seinerseits keines erneuten Seinsgewinns. [Antwort:] Darauf ist zu sagen:<br> | |||
'''2.4.4'''<br> | |||
kāryakāraṇatā loke sāntarviparivartinaḥ |<br> | |||
ubhayendriyavedyatvaṃ tasya kasyāpi śaktitaḥ || 2.4.4 ||<br> | |||
Was man in der Welt Ursache und Wirkung nennt, besteht darin, dass etwas im Inneren Gegenwärtiges durch eine bestimmte Kraft dem inneren wie dem äußeren Sinnesvermögen zugänglich wird.<br> | |||
'''2.4.5'''<br> | |||
evam ekā kriyā saiṣā sakramāntarbahiḥsthitiḥ |<br> | |||
ekasyaivobhayākārasahiṣṇor upapāditā || 2.4.5 ||<br> | |||
So ist diese eine Tätigkeit begründet: das aufeinanderfolgende innere und äußere Bestehen eines einzigen Trägers, der beide Gestalten annehmen kann.<br> | |||
'''2.4.6'''<br> | |||
bahis tasyaiva tatkāryaṃ yad anta yad apekṣayā |<br> | |||
pramātrapekṣayā coktā dvayī bāhyāntarasthitiḥ || 2.4.6 ||<br> | |||
Was gegenüber seinem inneren Bestehen äußerlich wird, ist die Wirkung eben dieses Trägers. Auch das zweifache innere und äußere Bestehen wird in Bezug auf den Erkennenden ausgesagt.<br> | |||
'''2.4.7'''<br> | |||
mātaiva kāraṇaṃ tena sa cābhāsadvayasthitau |<br> | |||
kāryasya sthita evaikas tad ekasya kriyoditā || 2.4.7 ||<br> | |||
Deshalb ist der Erkennende selbst die Ursache. Er bleibt während der beiden Erscheinungszustände der Wirkung ein und derselbe; daher wurde die Tätigkeit einem einzigen Träger zugeschrieben.<br> | |||
'''2.4.8'''<br> | |||
ata evāṅkure 'pīṣṭo nimittaṃ parameśvaraḥ |<br> | |||
tad anyasyāpi bījāder hetutā nopapadyate || 2.4.8 ||<br> | |||
Aus demselben Grund gilt auch beim Keim der höchste Herr als bewirkende Ursache. Eine davon unabhängige Ursächlichkeit des Samens oder eines anderen Dinges lässt sich nicht begründen.<br> | |||
'''2.4.9'''<br> | |||
tathā hi kumbhakāro 'sāv aiśvaryaiva vyavasthayā |<br> | |||
tattanmṛdādisaṃskārakrameṇa janayed ghaṭam || 2.4.9 ||<br> | |||
So bringt der Töpfer aufgrund eben dieser herrscherlichen Ordnung den Topf durch eine bestimmte Folge von Bearbeitungen des Tons und weiterer Mittel hervor.<br> | |||
'''2.4.10'''<br> | |||
yoginām api mṛdbīje vinaivecchāvaśena tat |<br> | |||
ghaṭādi jāyate tattatsthirasvārthakriyākaram || 2.4.10 ||<br> | |||
Bei Yogis dagegen entsteht nach ihrem Willen auch ohne Ton oder Samen ein Topf oder dergleichen, der jeweils seine beständige, eigene praktische Wirkung besitzt.<br> | |||
'''2.4.11'''<br> | |||
yoginirmāṇatābhāve pramāṇāntaraniścite |<br> | |||
kāryaṃ hetuḥ svabhāvo vāta evotpattimūlajaḥ || 2.4.11 ||<br> | |||
Ist durch ein anderes Erkenntnismittel ausgeschlossen, dass etwas die Hervorbringung eines Yogis ist, kann eine Wirkung oder eine wesentliche Eigenschaft als Schlussgrund dienen, gerade weil sie in einer entsprechenden Entstehung gründet.<br> | |||
'''2.4.12'''<br> | |||
bhūyas tattatpramātrekavahnyābhāsādito bhavet |<br> | |||
parokṣād apy adhipater dhūmābhāsādi nūtanam || 2.4.12 ||<br> | |||
Aus der Erscheinung des einen Feuers und dergleichen, die einem jeweiligen erkennenden Subjekt angehört, kann vom Herrn her eine neue Erscheinung wie Rauch entstehen, auch wenn [das Feuer] nicht unmittelbar wahrgenommen wird.<br> | |||
'''2.4.13'''<br> | |||
kāryam avyabhicāryasya liṅgam anyapramātṛgāt |<br> | |||
tadābhāsas tadābhāsād eva tv adhipateḥ paraḥ || 2.4.13 ||<br> | |||
Eine Wirkung ist ein zuverlässiges Kennzeichen ihrer Ursache, auch wenn diese einem anderen erkennenden Subjekt gegenwärtig ist. Die eine Erscheinung geht dabei gerade aus der entsprechenden Erscheinung des Herrn hervor.<br> | |||
'''2.4.14'''<br> | |||
asmin satīdam astīti kāryakāraṇatāpi yā |<br> | |||
sāpy apekṣāvihīnānāṃ jaḍānāṃ nopapadyate || 2.4.14 ||<br> | |||
Auch das mit „Wenn dieses vorhanden ist, ist jenes vorhanden“ bezeichnete Verhältnis von Ursache und Wirkung lässt sich bei unbewussten Dingen, die keine Beziehung aufeinander besitzen, nicht erklären.<br> | |||
'''2.4.15'''<br> | |||
na hi svātmaikaniṣṭhānām anusandhānavarjinām |<br> | |||
sadasattāpade 'py eṣa saptamyarthaḥ prakalpyate || 2.4.15 ||<br> | |||
Denn bei Dingen, die nur in sich selbst bestehen und keine Verknüpfung leisten, lässt sich dieser Sinn des Lokativs nicht einmal hinsichtlich Vorhandensein und Nichtvorhandensein ansetzen.<br> | |||
'''2.4.16'''<br> | |||
ata eva vibhaktyarthaḥ pramātrekasamāśrayaḥ |<br> | |||
kriyākārakabhāvākhyo yukto bhāvasamanvayaḥ || 2.4.16 ||<br> | |||
Deshalb ist die durch die Kasus ausgedrückte Zusammenordnung der Dinge als Handlung und Handlungsfaktoren verständlich, sofern sie in einem einzigen erkennenden Subjekt gründet.<br> | |||
'''2.4.17'''<br> | |||
parasparasvabhāvatve kāryakāraṇayor api |<br> | |||
ekatvam eva bhede hi naivānyonyasvarūpatā || 2.4.17 ||<br> | |||
Wenn Ursache und Wirkung jeweils das Wesen der anderen besitzen sollen, wären sie damit gerade eins. Sind sie wirklich getrennt, kann keines das Wesen des anderen sein.<br> | |||
'''2.4.18'''<br> | |||
ekātmano vibhedaś ca kriyā kālakramānugā |<br> | |||
tathā syāt kartṛtaivaivaṃ tathāpariṇamat tayā || 2.4.18 ||<br> | |||
Die zeitlicher Folge unterliegende Differenzierung eines einzigen Selbst ist hingegen Tätigkeit. Insofern dieses sich auf solche Weise gestaltet, ist dies eben seine Täterschaft.<br> | |||
'''2.4.19'''<br> | |||
na ca yuktaṃ jaḍasyaivaṃ bhedābhedavirodhataḥ |<br> | |||
ābhāsabhedād ekatra cidātmani tu yujyate || 2.4.19 ||<br> | |||
Bei etwas Unbewusstem ist dies wegen des Widerspruchs zwischen Unterschied und Nichtunterschied nicht verständlich. Bei dem einen Bewusstsein ist es jedoch aufgrund verschiedener Erscheinungen möglich.<br> | |||
'''2.4.20'''<br> | |||
vāstave 'pi cidekatve na syād ābhāsabhinnayoḥ |<br> | |||
cikīrṣālakṣaṇaikatvaparāmarśaṃ vinā kriyā || 2.4.20 ||<br> | |||
Selbst wenn das Bewusstsein tatsächlich eines ist, entsteht bei zwei verschiedenen Erscheinungen keine Tätigkeit ohne ein bewusstes Erfassen ihrer Einheit in der Gestalt des Handlungswunsches.<br> | |||
'''2.4.21'''<br> | |||
itthaṃ tathā ghaṭapaṭādyābhāsajagadātmanā |<br> | |||
tiṣṭhāsor evam icchaiva hetutā kartṛtā kriyā || 2.4.21 ||<br> | |||
So ist bei demjenigen, der als Welt der Erscheinungen von Töpfen, Stoffen und anderem bestehen will, eben dieses Wollen Ursächlichkeit, Täterschaft und Tätigkeit.<br> | |||
===3.1 – Wirklichkeitsstufen=== | |||
'''3.1.1'''<br> | |||
evam antarbahirvṛttiḥ kriyā kālakramānugā |<br> | |||
mātur eva tadanyonyāviyukte jñānakarmaṇī || 3.1.1 ||<br> | |||
So gehört die Tätigkeit, die sich nach innen und außen vollzieht und der zeitlichen Folge unterliegt, allein dem Erkennenden. Erkenntnis und Handlung sind deshalb untrennbar miteinander verbunden.<br> | |||
'''3.1.2'''<br> | |||
kiṃ tv āntaradaśodrekāt sādākhyaṃ tattvam āditaḥ |<br> | |||
bahirbhāvaparatve tu parataḥ pārameśvaram || 3.1.2 ||<br> | |||
Überwiegt zunächst der innere Zustand, heißt die Wirklichkeitsstufe Sadashiva; richtet sich die Bewegung danach vorwiegend nach außen, heißt sie die zu Ishvara gehörende Stufe.<br> | |||
'''3.1.3'''<br> | |||
īśvaro bahir unmeṣo nimeṣo 'ntaḥ sadāśivaḥ |<br> | |||
sāmānādhikaraṇyaṃ ca sadvidyāhamidaṃdhiyoḥ || 3.1.3 ||<br> | |||
Ishvara ist das Sich-Öffnen nach außen, Sadashiva das Sich-Schließen nach innen. Die wahre Erkenntnis besteht darin, dass die Auffassungen „Ich“ und „Dies“ denselben Träger haben.<br> | |||
'''3.1.4'''<br> | |||
idaṃbhāvopapannānāṃ vedyabhūmim upeyuṣām |<br> | |||
bhāvānāṃ bodhasāratvād yathāvastvavalokanāt || 3.1.4 ||<br> | |||
Denn die Dinge, die als „Dies“ erscheinen und in den Bereich des Erkennbaren eingetreten sind, haben Bewusstsein als ihren innersten Gehalt. So werden sie ihrem wirklichen Wesen gemäß geschaut.<br> | |||
'''3.1.5'''<br> | |||
atrāparatvam bhāvānām anātmatvena bhāsanāt |<br> | |||
paratāhantayācchādāt parāparadaśā hi sā || 3.1.5 ||<br> | |||
Das Niedrigere liegt dabei darin, dass die Dinge als Nicht-Selbst erscheinen; das Höhere darin, dass sie von der Ichheit umfasst werden. Dieser Zustand ist daher zugleich höher und niedriger.<br> | |||
'''3.1.6'''<br> | |||
bhedadhīr eva bhāveṣu kartur bodhātmano 'pi yā |<br> | |||
māyāśakty eva sā vidyety anye vidyeśvarā yathā || 3.1.6 ||<br> | |||
Andere nennen gerade die unterscheidende Erkenntnis der Dinge bei einem Handelnden, dessen Wesen Bewusstsein ist, Vidya. Auch diese ist Maya-Kraft, wie bei den Vidyeshvaras.<br> | |||
'''3.1.7'''<br> | |||
tasyaiśvaryasvabhāvasya paśubhāve prakāśikā |<br> | |||
vidyāśaktiḥ tirodhānakarī māyābhidhā punaḥ || 3.1.7 ||<br> | |||
Die Vidya-Kraft offenbart dem gebundenen Wesen sein eigentlich herrscherliches Wesen. Die dieses Wesen verhüllende Kraft hingegen trägt den Namen Maya.<br> | |||
'''3.1.8'''<br> | |||
bhede tv ekarase bhāte 'haṃtayānātmanīkṣite |<br> | |||
śūnye buddhe śarīre vā māyāśaktir vijṛmbhate || 3.1.8 ||<br> | |||
Wenn ausschließlich Trennung erscheint und das Nicht-Selbst – Leere, Erkenntnisfähigkeit oder Körper – als „Ich“ angesehen wird, entfaltet sich die Maya-Kraft.<br> | |||
'''3.1.9'''<br> | |||
yaś ca pramātā śūnyādiḥ prameye vyatirekiṇi |<br> | |||
mātā sa meyaḥ san kālādikapañcakaveṣṭitaḥ || 3.1.9 ||<br> | |||
Das Subjekt, das sich als Leere oder Ähnliches gegenüber einem getrennten Erkenntnisgegenstand versteht, ist selbst ein erkennbares Etwas und von den fünf Begrenzungen, beginnend mit der Zeit, umhüllt.<br> | |||
'''3.1.10'''<br> | |||
trayoviṃśatidhā meyaṃ yat kāryakaraṇātmakam |<br> | |||
tasyāvibhāgarūpy ekaṃ pradhānaṃ mūlakāraṇam || 3.1.10 ||<br> | |||
Der erkennbare Bereich aus Wirkungen und Erkenntnis- beziehungsweise Handlungsorganen umfasst dreiundzwanzig Arten. Seine eine, noch ungeschiedene Gestalt ist Pradhana, die ursprüngliche Ursache.<br> | |||
'''3.1.11'''<br> | |||
trayodaśavidhā cātra bāhyāntaḥkaraṇāvalī |<br> | |||
kāryavargaś ca daśadhā sthūlasūkṣmatvabhedataḥ || 3.1.11 ||<br> | |||
Dabei gibt es dreizehn äußere und innere Vermögen. Die Gruppe ihrer Gegenstände umfasst zehn Arten, unterschieden in grobe und feine.<br> | |||
===3.2 – Begrenzung, Befreiung und Bewusstseinszustände=== | |||
'''3.2.1'''<br> | |||
tatraitan mātṛtāmātrasthitau rudro 'dhidaivatam |<br> | |||
bhinnaprameyaprasare brahmaviṣṇū vyavasthitau || 3.2.1 ||<br> | |||
Wenn nur dieses Subjektsein bestehen bleibt, ist Rudra die zugeordnete Gottheit. Bei der Entfaltung der getrennten Gegenstandswelt haben Brahma und Vishnu ihren jeweiligen Platz.<br> | |||
'''3.2.2'''<br> | |||
eṣa pramātā māyāndhaḥ saṃsārī karmabandhanaḥ |<br> | |||
vidyābhijñāpitaiśvaryaś cidghano mukta ucyate || 3.2.2 ||<br> | |||
Dieses durch Maya verblendete Subjekt wandert im Samsara und ist durch Karma gebunden. Wird ihm durch Vidya seine Herrschermacht erkennbar, heißt es als ungeteiltes Bewusstsein ein Befreiter.<br> | |||
'''3.2.3'''<br> | |||
svāṅgarūpeṣu bhāveṣu pramātā kathyate patiḥ |<br> | |||
māyāto bhediṣu kleśakarmādikaluṣaḥ paśuḥ || 3.2.3 ||<br> | |||
Erkennt der Erkennende die Dinge als seine eigenen Glieder, heißt er Herr. Erscheinen sie durch Maya getrennt, ist er das durch leidvolle Verstrickungen, Karma und anderes getrübte gebundene Wesen.<br> | |||
'''3.2.4'''<br> | |||
svātantryahānir bodhasya svātantryasyāpy abodhatā |<br> | |||
dvidhāṇavaṃ malam idaṃ svasvarūpāpahānitaḥ || 3.2.4 ||<br> | |||
Der Verlust der Freiheit des Bewusstseins und das Fehlen von Bewusstheit bei vorhandener Freiheit: Dies sind die beiden Formen der Anava-Unreinheit, weil dabei das eigene eigentliche Wesen verloren geht.<br> | |||
'''3.2.5'''<br> | |||
bhinnavedyaprathātraiva māyākhyaṃ janmabhogadam |<br> | |||
kartary abodhe kārmaṃ tu māyāśaktyaiva tat trayam || 3.2.5 ||<br> | |||
Das Erscheinen getrennter Erkenntnisgegenstände innerhalb dieses Zustandes heißt Maya-Unreinheit. Die karmaartige Unreinheit beim Handelnden ohne [volle] Bewusstheit bringt Geburt und Erfahrung hervor. Alle drei beruhen auf der Maya-Kraft.<br> | |||
'''3.2.6'''<br> | |||
śuddhabodhātmakatve 'pi yeṣāṃ nottamakartṛtā |<br> | |||
nirmitāḥ svātmano bhinnā bhartrā te kartṛtātyayāt || 3.2.6 ||<br> | |||
Diejenigen, die zwar reines Bewusstsein sind, denen jedoch die höchste Täterschaft fehlt, hat der Herr als von sich getrennt hervorgebracht, indem ihre Täterschaft aufgehoben wurde.<br> | |||
'''3.2.7'''<br> | |||
bodhaikalakṣaṇaikye 'pi teṣām anyonyabhinnatā |<br> | |||
tatheśvarecchābhedena te ca vijñānakevalāḥ || 3.2.7 ||<br> | |||
Obwohl sie hinsichtlich ihres einzigen Kennzeichens, des Bewusstseins, eins sind, unterscheiden sie sich voneinander entsprechend den Unterschieden in Ishvaras Willen. Sie heißen Vijnanakevalas.<br> | |||
'''3.2.8'''<br> | |||
śūnyādyabodharūpās tu kartāraḥ pralayākalāḥ |<br> | |||
teṣāṃ kārmo malo 'py asti māyīyas tu vikalpitaḥ || 3.2.8 ||<br> | |||
Die Handelnden hingegen, die als Leere oder Ähnliches die Gestalt fehlender Bewusstheit besitzen, heißen Pralayakalas. Bei ihnen besteht auch die karmaartige Unreinheit; hinsichtlich der Maya-Unreinheit sind unterschiedliche Fälle möglich.<br> | |||
'''3.2.9'''<br> | |||
bodhānām api kartṛtvajuṣāṃ kārmamalakṣatau |<br> | |||
bhinnavedyajuṣāṃ māyāmalo vidyeśvarāś ca te || 3.2.9 ||<br> | |||
Bei bewussten Wesen, die Täterschaft besitzen, deren karmaartige Unreinheit geschwunden ist, denen aber getrennte Gegenstände erscheinen, besteht die Maya-Unreinheit. Sie heißen Vidyeshvaras.<br> | |||
'''3.2.10'''<br> | |||
devādīnāṃ ca sarveṣāṃ bhavināṃ trividhaṃ malam |<br> | |||
tatrāpi kārmam evaikam mukhyaṃ saṃsārakāraṇam || 3.2.10 ||<br> | |||
Bei allen im Werden befindlichen Wesen, Göttern und anderen, besteht die dreifache Unreinheit. Unter ihnen ist insbesondere die karmaartige Unreinheit die hauptsächliche Ursache des Samsara.<br> | |||
'''3.2.11'''<br> | |||
kalodbalitam etac ca cittattvaṃ kartṛtāmayam |<br> | |||
acidrūpasya śūnyāder mitaṃ guṇatayā sthitam || 3.2.11 ||<br> | |||
Dieses durch Kalā gestärkte Bewusstseinsprinzip, das in Täterschaft besteht, ist begrenzt und der unbewussten Leere oder Ähnlichem als untergeordnete Eigenschaft zugeordnet.<br> | |||
'''3.2.12'''<br> | |||
mukhyatvaṃ kartṛtāyāś ca bodhasya ca cidātmanaḥ |<br> | |||
śūnyādau tadguṇe jñānaṃ tatsamāveśalakṣaṇam || 3.2.12 ||<br> | |||
Wenn hingegen Täterschaft und Bewusstheit des Bewusstseins selbst die Hauptstellung einnehmen und Leere und dergleichen ihnen untergeordnet sind, ist Erkenntnis durch das Eintauchen in dieses Bewusstsein gekennzeichnet.<br> | |||
'''3.2.13'''<br> | |||
śūnye buddhyādyabhāvātmany ahantākartṛtāpade |<br> | |||
asphuṭārūpasaṃskāramātriṇi jñeyaśūnyatā || 3.2.13 ||<br> | |||
In der Leere, die im Fehlen von Erkenntnisfähigkeit und dergleichen besteht und den Ort von Ichheit und Täterschaft bildet, bleiben nur undeutliche, gestaltlose Prägungen zurück; dort herrscht Leere an erkennbaren Gegenständen.<br> | |||
'''3.2.14'''<br> | |||
sākṣāṇām āntarī vṛttiḥ prāṇādiprerikā matā |<br> | |||
jīvanākhyāthavā prāṇe 'hantā puryaṣṭakātmikā || 3.2.14 ||<br> | |||
Die innere Tätigkeit mitsamt den Sinnen gilt als antreibende Kraft von Prana und den übrigen Lebensfunktionen und heißt Leben. Anders ausgedrückt: Die Ichheit im Prana hat die Gestalt des achtgliedrigen feinen Körpers.<br> | |||
'''3.2.15'''<br> | |||
tāvan mātrasthitau proktaṃ sauṣupta[ṃ] pralayopamam |<br> | |||
savedyam apavedyaṃ ca māyāmalayutāyutam || 3.2.15 ||<br> | |||
Das Verweilen allein auf dieser Stufe heißt Tiefschlaf, der Auflösung vergleichbar. Er ist mit oder ohne Gegenstandsbezug und dementsprechend mit oder ohne Maya-Unreinheit.<br> | |||
'''3.2.16'''<br> | |||
manomātrapathe 'py akṣaviṣayatvena vibhramāt |<br> | |||
spaṣṭāvabhāsā bhāvānāṃ sṛṣṭiḥ svapnapadaṃ matam || 3.2.16 ||<br> | |||
Die deutliche Hervorbringung von Dingen, die nur im Bereich des Geistes liegen, aber irrtümlich als Sinnesgegenstände erscheinen, gilt als Traumzustand.<br> | |||
'''3.2.17'''<br> | |||
sarvākṣagocaratvena yā tu bāhyatayā sthirā |<br> | |||
sṛṣṭiḥ sādhāraṇī sarvapramātṝṇāṃ sa jāgaraḥ || 3.2.17 ||<br> | |||
Die Hervorbringung dagegen, die als äußerliche, beständige Welt allen Sinnen zugänglich ist und allen erkennenden Subjekten gemeinsam zukommt, ist das Wachen.<br> | |||
'''3.2.18'''<br> | |||
heyā trayīyaṃ prāṇādeḥ prādhānyāt kartṛtāguṇe |<br> | |||
taddhānopacayaprāyasukhaduḥkhādiyogataḥ || 3.2.18 ||<br> | |||
Diese drei Zustände sind zu überwinden, sofern in ihnen Prana und dergleichen vorherrschen und die Täterschaft untergeordnet bleibt; denn sie sind mit Lust, Schmerz und anderen Zuständen verbunden, die überwiegend auf dem Anwachsen und Schwinden der Freiheit beruhen.<br> | |||
'''3.2.19'''<br> | |||
prāṇāpānamayaḥ prāṇaḥ pratyekaṃ suptajāgratoḥ |<br> | |||
tacchedātmā samānākhyaḥ sauṣupte viṣuvatsv iva || 3.2.19 ||<br> | |||
Im Schlaf beziehungsweise Traum und im Wachen besteht die Lebenskraft als Prana und Apana. Im Tiefschlaf heißt sie Samana, weil die Unterscheidung beider unterbrochen ist, vergleichbar dem Gleichgewicht bei den Tagundnachtgleichen.<br> | |||
'''3.2.20'''<br> | |||
madhyordhvagāmyudānākhyas turyago hutabhuṅmayaḥ |<br> | |||
vijñānākalamantreśo vyāno viśvātmakaḥ paraḥ || 3.2.20 ||<br> | |||
Im vierten Zustand heißt sie Udana: Sie geht in der Mitte aufwärts und ist von feuriger Art. Die höhere, das Weltall umfassende Kraft heißt Vyana; [in diesem Zusammenhang stehen die Stufen] Vijnanakala, Mantra und Isha.<br> | |||
===4 – Zusammenfassung=== | |||
'''4.1'''<br> | |||
svātmaiva sarvajantūnām eka eva maheśvaraḥ |<br> | |||
viśvarūpo 'ham idam ity akhaṇḍāmarśabṛṃhitaḥ || 4.1 ||<br> | |||
Das eigene Selbst aller Lebewesen ist der eine Maheshvara. Er hat das Weltall zur Gestalt und entfaltet sich im ungeteilten bewussten Erfassen „Ich bin dies“.<br> | |||
'''4.2'''<br> | |||
tatra svasṛṣṭedaṃbhāge buddhyādigrāhakātmanā |<br> | |||
ahaṃkāraparāmarśapadam nītam anena tat || 4.2 ||<br> | |||
Innerhalb des von ihm geschaffenen Bereichs des „Dies“ macht er einen Teil zur Gestalt eines Erfassers, als Erkenntnisfähigkeit und dergleichen, und erhebt ihn zum Bezugspunkt des ichbildenden Selbstverständnisses.<br> | |||
'''4.3'''<br> | |||
svasvarūpāparijñānamayo 'nekaḥ pumān mataḥ |<br> | |||
tatra sṛṣṭau kriyānandau bhogo duḥkhasukhātmakaḥ || 4.3 ||<br> | |||
Als viele einzelne Personen gilt das Nicht-Erkennen des eigenen Wesens. In dieser Hervorbringung werden Tätigkeit und Glückseligkeit zur Erfahrung in Gestalt von Schmerz und Lust.<br> | |||
'''4.4'''<br> | |||
svāṅgarūpeṣu bhāveṣu patyur jñānaṃ kriyā ca yā |<br> | |||
māyātṛtīye te eva paśoḥ sattvaṃ rajas tamaḥ || 4.4 ||<br> | |||
Erkenntnis und Tätigkeit des Herrn, die sich auf die Dinge als seine eigenen Glieder richten, werden zusammen mit Maya als Drittem beim gebundenen Wesen zu Sattva, Rajas und Tamas.<br> | |||
'''4.5'''<br> | |||
bhedasthitaḥ śāktimataḥ śaktitvaṃ nāpadiśyate |<br> | |||
eṣāṃ guṇānāṃ karaṇakāryatvapariṇāminām || 4.5 ||<br> | |||
Diese Eigenschaften, die sich zu Vermögen und deren Gegenständen umgestalten, werden nicht als Kräfte bezeichnet, weil sie als vom Kraftträger getrennt bestehen.<br> | |||
'''4.6'''<br> | |||
sattānandaḥ kriyā patyus tadabhāvo 'pi sā paśoh |<br> | |||
dvayātmā tad rajo duḥkhaṃ śleṣi sattvatamomayam || 4.6 ||<br> | |||
Beim Herrn ist Tätigkeit Seinsfreude; beim gebundenen Wesen umfasst sie auch deren Fehlen. So ist sie zweifach: Rajas beziehungsweise leidvolle Bewegung, die Sattva und Tamas in sich verbindet.<br> | |||
'''4.7'''<br> | |||
ye 'py asāmayikedantāparāmarśabhuvaḥ prabhoḥ |<br> | |||
te vimiśrā vibhinnāś ca tathā citrāvabhāsinaḥ || 4.7 ||<br> | |||
Auch die aus dem nicht auf sprachlicher Übereinkunft beruhenden Erfassen des „Dies“ durch den Herrn entstehenden Dinge erscheinen auf seine Weise vielfältig, teils miteinander verbunden, teils voneinander gesondert.<br> | |||
'''4.8'''<br> | |||
te tu bhinnāvabhāsārthāḥ prakalpyāḥ pratyagātmanaḥ |<br> | |||
tattadvibhinnasaṃjñābhiḥ smṛtyutprekṣādigocare || 4.8 ||<br> | |||
Diese als getrennt erscheinenden Gegenstände kann das individuelle Selbst unter ihren jeweils verschiedenen Bezeichnungen im Bereich von Erinnerung, freier Vorstellung und dergleichen begrifflich gestalten.<br> | |||
'''4.9'''<br> | |||
tasyāsādhāraṇī sṛṣṭir īśasṛṣṭyupajīvinī |<br> | |||
saiṣāpy ajñātayā satyaiveśaśaktyā tadātmanaḥ || 4.9 ||<br> | |||
Seine eigene, nicht allen gemeinsame Hervorbringung lebt von Ishvaras Schöpfung. Auch sie ist wirklich, denn sie geschieht durch die Kraft Ishvaras, dessen Wesen das individuelle Selbst besitzt, wenn auch unerkannt,<br> | |||
'''4.10'''<br> | |||
svaviśrāntyuparodhāya calayā prāṇarūpayā |<br> | |||
vikalpakriyayā tattadvarṇavaicitryarūpayā || 4.10 ||<br> | |||
durch die Tätigkeit des Vorstellens, die als Lebenskraft beweglich ist und die Vielfalt der jeweiligen Sprachlaute annimmt, wodurch das Ruhen im eigenen Selbst behindert wird.<br> | |||
'''4.11'''<br> | |||
sādhāraṇo 'nyathā caiśaḥ sargaḥ spaṣṭāvabhāsanāt |<br> | |||
vikalpahānaikāgryāt krameṇeśvaratāpadam || 4.11 ||<br> | |||
Die Schöpfung Ishvaras, ob allen gemeinsam oder nur einem Einzelnen erscheinend, leuchtet deutlich auf. Durch Sammlung auf das Loslassen begrifflicher Konstruktionen wird stufenweise der Zustand der Herrschermacht erreicht.<br> | |||
'''4.12'''<br> | |||
sarvo mamāyaṃ vibhava ityevaṃ parijānataḥ |<br> | |||
viśvātmano vikalpānāṃ prasare 'pi maheśatā || 4.12 ||<br> | |||
Für denjenigen, der als Selbst des Weltalls vollständig erkennt: „Dies alles ist meine eigene Entfaltung“, besteht die Maheshvara-Natur auch dann, wenn sich begriffliche Vorstellungen ausbreiten.<br> | |||
'''4.13'''<br> | |||
meyaṃ sādhāraṇaṃ muktaḥ svātmābhedena manyate |<br> | |||
maheśvaro yathā baddhaḥ puna atyantabhedavat || 4.13 ||<br> | |||
Der Befreite erkennt die gemeinsame Gegenstandswelt als nicht verschieden vom eigenen Selbst, wie Maheshvara. Der Gebundene dagegen erkennt sie als gänzlich verschieden.<br> | |||
'''4.14'''<br> | |||
sarvathā tv antarālīnānantatattvaughanirbharaḥ |<br> | |||
śivaḥ cidānandaghanaḥ paramākṣaravigrahaḥ || 4.14 ||<br> | |||
In jeder Hinsicht ist Shiva von der unendlichen Fülle der in ihm ruhenden Wirklichkeitsstufen erfüllt, eine Verdichtung von Bewusstsein und Glückseligkeit, dessen Gestalt das höchste Unvergängliche ist.<br> | |||
'''4.15'''<br> | |||
evam ātmānam etasya samyagjñānakriye tathā |<br> | |||
jānan yathepsitān paśyañ jānāti ca karoti ca || 4.15 ||<br> | |||
Wer auf diese Weise das Selbst und dessen Erkenntnis und Tätigkeit richtig erkennt, schaut die Dinge nach seinem Wunsch, erkennt und handelt.<br> | |||
'''4.16'''<br> | |||
iti prakaṭito mayā sughaṭa eṣa mārgo navo mahāgurubhir ucyate sma śivadṛṣṭiśāstre yathā |<br> | |||
tad atra nidadhat padaṃ bhuvanakartṛtām ātmano vibhāvya śivatāmayīm aniśam āviśan siddhyati || 4.16 ||<br> | |||
So habe ich diesen neuen, gut gangbaren Weg dargelegt, wie ihn der große Lehrer in der Schrift Shivadristi gelehrt hat. Wer hier Fuß fasst, die weltschöpferische Kraft des eigenen Selbst betrachtet und beständig in sie als Shiva-Natur eintritt, erlangt Vollendung.<br> | |||
'''4.17'''<br> | |||
tais tair apy upayācitair upanatas tanvyāḥ sthito 'py antike kānto lokasamāna evam aparijñāto na rantuṃ yathā |<br> | |||
lokasyaiṣa tathānavekṣitaguṇaḥ svātmāpi viśveśvaro naivālaṃ nijavaibhavāya tad iyaṃ tatpratyabhijñoditā || 4.17 ||<br> | |||
Wie ein Geliebter, der nach vielfachem Bitten gekommen ist und unmittelbar neben der Frau steht, ihr doch wie jeder andere erscheint und keine Liebesfreude ermöglicht, solange sie ihn nicht erkennt: So ermöglicht auch der eigene Herr des Weltalls, das Selbst, den Menschen nicht die Entfaltung ihrer eigenen Größe, solange seine Eigenschaften unbeachtet bleiben. Deshalb wurde dieses Wiedererkennen seiner selbst gelehrt.<br> | |||
'''4.18'''<br> | |||
janasyāyatnasiddhyartham udayākarasūnunā |<br> | |||
īśvarapratyabhijñeyam utpalenopapāditā || 4.18 ||<br> | |||
Damit die Menschen ohne Mühsal Vollendung erlangen, hat Utpala, der Sohn Udayakaras, dieses Wiedererkennen Ishvaras begründet.<br> | |||
==Vollständige Devanagari-Fassung== | |||
Diese Fassung gibt dieselben 190 Verse mit denselben dokumentierten Lesungen und derselben Nummerierung wieder. Sie ist die Schriftübertragung der oben verwendeten IAST-Lesefassung, kein eigenständiger Handschriftenzeuge. Die eckigen Klammern in 3.2.15 entsprechen denen der Textgrundlage. | |||
ईश्वरप्रत्यभिज्ञाकारिका | |||
===Devanagari 1.1 – Einleitung=== | |||
कथं चिद् आसाद्य महेश्वरस्य दास्यं जनस्याप्य् उपकारम् इच्छन् ।<br> | |||
समस्तसंपत्समवाप्तिहेतुं तत्प्रत्यभिज्ञाम् उपपादयामि ॥ 1.1.1 ॥<br> | |||
कर्तरि ज्ञातरि स्वात्मन्य् आदिसिद्धे महेश्वरे ।<br> | |||
अजडात्मा निषेधं वा सिद्धिं वा विदधीत कः ॥ 1.1.2 ॥<br> | |||
किं तु मोहवशाद् अस्मिन् दृष्टे ऽप्य् अनुपलक्षिते ।<br> | |||
शक्त्याविष्करणेनेयं प्रत्यभिज्ञोपदर्श्यते ॥ 1.1.3 ॥<br> | |||
तथा हि जडभूतानां प्रतिष्ठा जीवदाश्रया ।<br> | |||
ज्ञानं क्रिया च भूतानां जीवतां जीवनं मतम् ॥ 1.1.4 ॥<br> | |||
तत्र ज्ञानं स्वतःसिद्धं क्रिया कायाश्रिता सती ।<br> | |||
परैर् अप्य् उपलक्ष्येत तयान्यज्ञानम् ऊह्यते ॥ 1.1.5 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.2 – Einwände und Gegenpositionen=== | |||
ननु स्वलक्षणाभासं ज्ञानम् एकं परं पुनः ।<br> | |||
साभिलापं विकल्पाख्यं बहुधा नापि तद् द्वयम् ॥ 1.2.1 ॥<br> | |||
नित्यस्य कस्य चिद् द्रष्टुस् तस्यात्रानवभासतः ।<br> | |||
अहंप्रतीतिर् अप्य् एषा शरीराद्यवसायिनी ॥ 1.2.2 ॥<br> | |||
अथानुभवविध्वंसे स्मृतिस् तदनुरोधिनी ।<br> | |||
कथं भवेन् न नित्यः स्याद् आत्मा यद्य् अनुभावकः ॥ 1.2.3 ॥<br> | |||
सत्याप्य् आत्मनि दृङ्नाशात् तद्द्वारा दृष्टवस्तुषु ।<br> | |||
स्मृतिः केनाथ यत्रैवानुभवस् तत्पदैव सा ॥ 1.2.4 ॥<br> | |||
यतो हि पूर्वानुभवसंस्कारात् स्मृतिसंभवः ।<br> | |||
यद्य् एवम् अन्तर्गडुना को ऽर्थः स्यात् स्थायिनात्मना ॥ 1.2.5 ॥<br> | |||
ततो भिन्नेषु धर्मेषु तत्स्वरूपाविशेषतः ।<br> | |||
संस्कारात् स्मृतिसिद्धौ स्यात् स्मर्ता द्रष्टेव कल्पितः ॥ 1.2.6 ॥<br> | |||
ज्ञानं च चित्स्वरूपं चेत् तद् अनित्यं किम् आत्मवत् ।<br> | |||
अथापि जडम् एतस्य कथम् अर्थप्रकाशता ॥ 1.2.7 ॥<br> | |||
अथार्थस्य यथा रूपं धत्ते बुद्धिस् तथात्मनः ।<br> | |||
चैतन्यम् अजडा सैवं जाड्ये नार्थप्रकाशता ॥ 1.2.8 ॥<br> | |||
क्रियाप्य् अर्थस्य कायादेस् तत्तद्देशादिजातता ।<br> | |||
नान्यादृष्टेर् न साप्य् एका क्रमिकैकस्य चोचिता ॥ 1.2.9 ॥<br> | |||
तत्र तत्र स्थिते तत् तद् भवतीत्य् एव दृश्यते ।<br> | |||
नान्यन् नान्यो ऽस्ति संबन्धः कार्यकारणभावतः ॥ 1.2.10 ॥<br> | |||
द्विष्ठस्यानेकरूपत्वात् सिद्धस्यान्यानपेक्षणात् ।<br> | |||
पारतन्त्र्याद्ययोगाच् च तेन कर्तापि कल्पितः ॥ 1.2.11 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.3 – Erwiderung: Zusammenhang der Erkenntnisse=== | |||
सत्यं किं तु स्मृतिज्ञानं पूर्वानुभवसंस्कृतेः ।<br> | |||
जातम् अप्य् आत्मनिष्ठं तन् नाद्यानुभववेदकम् ॥ 1.3.1 ॥<br> | |||
दृक्स्वाभासैव नान्येन वेद्या रूपदृशेव दृक् ।<br> | |||
रसे संस्कारजत्वं तु तत्तुल्यत्वं न तद्गतिः ॥ 1.3.2 ॥<br> | |||
अथातद्विषयत्वे ऽपि स्मृतेस् तदवसायतः ।<br> | |||
दृष्टालम्बनता भ्रान्त्या तद् एतद् असमञ्जसम् ॥ 1.3.3 ॥<br> | |||
स्मृतितैव कथं तावद् भ्रान्तेश् चार्थस्थितिः कथम् ।<br> | |||
पूर्वानुभवसंस्कारापेक्षा च किम् इतीष्यते ॥ 1.3.4 ॥<br> | |||
भ्रान्तित्वे चावसायस्य न जडाद् विषयस्थितिः ।<br> | |||
ततो ऽजाड्ये निजोल्लेखनिष्ठान् नार्थस्थितिस् ततः ॥ 1.3.5 ॥<br> | |||
एवम् अन्योन्यभिन्नानाम् अपरस्परवेदिनाम् ।<br> | |||
ज्ञानानाम् अनुसंधानजन्मा नश्येज् जनस्थितिः ॥ 1.3.6 ॥<br> | |||
न चेद् अन्तःकृतानन्तविश्वरूपो महेश्वरः ।<br> | |||
स्याद् एकश् चिद्वपुर् ज्ञानस्मृत्यपोहनशक्तिमान् ॥ 1.3.7 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.4 – Erinnerung und erkennendes Selbst=== | |||
स हि पूर्वानुभूतार्थोपलब्धा परतो ऽपि सन् ।<br> | |||
विमृशन् स इति स्वैरी स्मरतीत्य् अपदिश्यते ॥ 1.4.1 ॥<br> | |||
भासयेच् च स्वकाले ऽर्थात् पूर्वाभासितम् आमृशन् ।<br> | |||
स्वलक्षणं घटाभासमात्रेणाथाखिलात्मना ॥ 1.4.2 ॥<br> | |||
न च युक्तं स्मृतेर् भेदे स्मर्यमाणस्य भासनम् ।<br> | |||
तेनैक्यं भिन्नकालानां संविदां वेदितैष सः ॥ 1.4.3 ॥<br> | |||
नैव ह्य् अनुभवो भाति स्मृतौ पूर्वो ऽर्थवत् पृथक् ।<br> | |||
प्राग् अन्वभूवम् अहम् इत्य् आत्मारोहणभासनात् ॥ 1.4.4 ॥<br> | |||
योगिनाम् अपि भासन्ते न दृशो दर्शनान्तरे ।<br> | |||
स्वसंविदेकमानास् ता भान्ति मेयपदे ऽपि वा ॥ 1.4.5 ॥<br> | |||
स्मर्यते यद् दृग् आसीन् मे सैवम् इत्य् अपि भेदतः ।<br> | |||
तद् व्याकरणम् एवास्या मया दृष्टम् इति स्मृतेः ॥ 1.4.6 ॥<br> | |||
या च पश्याम्य् अहम् इमं घटो ऽयम् इति वावसा ।<br> | |||
मन्यते समवेतं साप्य् अवसातरि दर्शनम् ॥ 1.4.7 ॥<br> | |||
तन् मया दृश्यते दृष्टो ऽयं स इत्य् आमृशत्य् अपि ।<br> | |||
ग्राह्यग्राहकताभिन्नाव् अर्थौ भातः प्रमातरि ॥ 1.4.8 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.5 – Erscheinen, Sich-Erfassen und Freiheit=== | |||
वर्तमानावभासानां भावानाम् अवभासनम् ।<br> | |||
अन्तःस्थितवताम् एव घटते बहिर् आत्मना ॥ 1.5.1 ॥<br> | |||
प्रागिवार्थो ऽप्रकाशः स्यात् प्रकाशात्मतया विना ।<br> | |||
न च प्रकाशो भिन्नः स्याद् आत्मार्थस्य प्रकाशता ॥ 1.5.2 ॥<br> | |||
भिन्ने प्रकाशे चाभिन्ने संकरो विषयस्य तत् ।<br> | |||
प्रकाशात्मा प्रकाश्यो ऽर्थो नाप्रकाशश् च सिद्ध्यति ॥ 1.5.3 ॥<br> | |||
तत्तदाकस्मिकाभासो बाह्यं चेद् अनुमापयेत् ।<br> | |||
न ह्य् अभिन्नस्य बोधस्य विचित्राभासहेतुता ॥ 1.5.4 ॥<br> | |||
न वासनाप्रबोधो ऽत्र विचित्रो हेतुताम् इयात् ।<br> | |||
तस्यापि तत्प्रबोधस्य वैचित्र्ये किम् निबन्धनम् ॥ 1.5.5 ॥<br> | |||
स्याद् एतद् अवभासेषु तेष्व् एवावसिते सति ।<br> | |||
व्यवहारे किम् अन्येन बाह्येनानुपपत्तिना ॥ 1.5.6 ॥<br> | |||
चिदात्मैव हि देवो ऽन्तःस्थितम् इच्छावशाद् बहिः ।<br> | |||
योगीव निरुपादानम् अर्थजातं प्रकाशयेत् ॥ 1.5.7 ॥<br> | |||
अनुमानम् अनाभातपूर्वे नैवेष्टम् इन्द्रियम् ।<br> | |||
आभातम् एव बीजादेर् आभासाद् धेतुवस्तुनः ॥ 1.5.8 ॥<br> | |||
आभासः पुनराभासाद् बाह्यस्यासीत् कथं चन ।<br> | |||
अर्थस्य नैव तेनास्य सिद्धिर् नाप्य् अनुमानतः ॥ 1.5.9 ॥<br> | |||
स्वामिनश् चात्मसंस्थस्य भावजातस्य भासनम् ।<br> | |||
अस्त्य् एव न विना तस्माद् इच्छामर्शः प्रवर्तते ॥ 1.5.10 ॥<br> | |||
स्वभावम् अवभासस्य विमर्शं विदुर् अन्यथा ।<br> | |||
प्रकाशो ऽर्थोपरक्तो ऽपि स्फटिकादिजडोपमः ॥ 1.5.11 ॥<br> | |||
आत्मात एव चैतन्यं चित्क्रिया चितिकर्तृता ।<br> | |||
तात्पर्येणोदितस् तेन जडात् स हि विलक्षणः ॥ 1.5.12 ॥<br> | |||
चितिः प्रत्यवमर्शात्मा परा वाक् स्वरसोदिता ।<br> | |||
स्वातन्त्र्यम् एतन् मुख्यं तद् ऐश्वर्यं परमात्मनः ॥ 1.5.13 ॥<br> | |||
सा स्फुरत्ता महासत्ता देशकालाविशेषिनी ।<br> | |||
सैषा सारतया प्रोक्ता हृदयं परमेष्ठिनः ॥ 1.5.14 ॥<br> | |||
आत्मानम् अत एवायं ज्ञेयीकुर्यात् पृथक्स्थिति ।<br> | |||
ज्ञेयं न तु तदौन्मुख्यात् खण्ड्येतास्य स्वतन्त्रता ॥ 1.5.15 ॥<br> | |||
स्वातन्त्र्यामुक्तात्मानं स्वातन्त्र्याद् अद्वयात्मनः ।<br> | |||
प्रभुर् ईशादिसंकल्पैर् निर्माय व्यवहारयेत् ॥ 1.5.16 ॥<br> | |||
नाहन्तादिपरामर्शभेदाद् अस्यान्यतात्मनः ।<br> | |||
अहंमृश्यतयैवास्य सृष्तेस् तिङ्वाच्यकर्मवत् ॥ 1.5.17 ॥<br> | |||
मायाशक्त्या विभोः सैव भिन्नसंवेद्यगोचरा ।<br> | |||
कथिता ज्ञानसंकल्पाध्यवसायादिनामभिः ॥ 1.5.18 ॥<br> | |||
साक्षात्कारक्षणे ऽप्य् अस्ति विमर्शः कथम् अन्यथा ।<br> | |||
धावनाद्य् उपपद्येत प्रतिसंधानवर्जितम् ॥ 1.5.19 ॥<br> | |||
घटो ऽयम् इत्य् अध्यवसा नामरूपातिरेकिणी ।<br> | |||
परेशशक्तिर् आत्मेव भासते न त्व् इदन्तया ॥ 1.5.20 ॥<br> | |||
केवलं भिन्नसम्वेद्यदेशकालानुरोधतः ।<br> | |||
ज्ञानस्मृत्यवसायादि सक्रमं प्रतिभासते ॥ 1.5.21 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.6 – Ichbewusstsein und begriffliche Vorstellung=== | |||
अहंप्रत्यवमर्शो यः प्रकाशात्मापि वाग्वपुः ।<br> | |||
नासौ विकल्पः स ह्य् उक्तो द्वयाक्षेपी विनिश्चयः ॥ 1.6.1 ॥<br> | |||
भिन्नयोर् अवभासो हि स्याद् घटाघटयोर् द्वयोः ।<br> | |||
प्रकाशस्येव नान्यस्य भेदिनस् त्व् अवभासनम् ॥ 1.6.2 ॥<br> | |||
तदतत्प्रतिभाभाजा मात्रैवातद्व्यपोहनात् ।<br> | |||
तन्निश्चयनमुक्तो हि विकल्पो घट इत्य् अयम् ॥ 1.6.3 ॥<br> | |||
चित्तत्त्वं मायया हित्वा भिन्न एवावभाति यः ।<br> | |||
देहे बुद्धाव् अथ प्राणे कल्पिते नभसीव वा ॥ 1.6.4 ॥<br> | |||
प्रमातृत्वेनाहम् इति विमर्शो ऽन्यव्यपोहनात् ।<br> | |||
विकल्प एव स परप्रतियोग्य् अवभासजः ॥ 1.6.5 ॥<br> | |||
कादाचित्कावभासे या पूर्वाभासादियोजना ।<br> | |||
संस्कारात् कल्पना प्रोक्ता सापि भिन्नावभासिनि ॥ 1.6.6 ॥<br> | |||
तद् एवं व्यवहारे ऽपि प्रभुर् देहादिम् आविशन् ।<br> | |||
भान्तम् एवान्त अर्थौघम् इच्छया भासयेद् बहिः ॥ 1.6.7 ॥<br> | |||
एवं स्मृतौ विकल्पे वाप्य् अपोहनपरायणे ।<br> | |||
ज्ञाने वाप्य् अन्तराभासः स्थित एवेति निश्चितम् ॥ 1.6.8 ॥<br> | |||
किं तु नैसर्गिको ज्ञाने बहिराभासनात्मनि ।<br> | |||
पूर्वानुभवरूपस् तु स्थितः स स्मरणादिषु ॥ 1.6.9 ॥<br> | |||
स नैसर्गिक एवास्ति विकल्पे स्वैरचारिणि ।<br> | |||
यथाभिमतसंस्थानाभासनाद् बुद्धिगोचरे ॥ 1.6.10 ॥<br> | |||
अत एव यथाभीष्टसमुल्लेखावभासनात् ।<br> | |||
ज्ञानक्रिये स्फुटे एव सिद्धे सर्वस्य जीवतः ॥ 1.6.11 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.7 – Einheit des Erkennenden und gültige Erkenntnis=== | |||
या चैषा प्रतिभा तत्तत्पदार्थक्रमरूषिता ।<br> | |||
अक्रमानन्तचिद्रूपः प्रमाता स महेश्वरः ॥ 1.7.1 ॥<br> | |||
तत्तद्विभिन्नसंवित्तिमुखैर् एकप्रमातरि ।<br> | |||
प्रतितिष्ठत्सु भावेषु ज्ञातेयम् उपपद्यते ॥ 1.7.2 ॥<br> | |||
देशकालक्रमजुषाम् अर्थानां स्वसमापिनाम् ।<br> | |||
सकृदाभाससाध्यो ऽसाव् अन्यथा कः समन्वयः ॥ 1.7.3 ॥<br> | |||
प्रत्यक्षानुपलम्भानां तत्तद्भिन्नांशपातिनाम् ।<br> | |||
कार्यकारणतासिद्धिहेतुतैकप्रमातृजा ॥ 1.7.4 ॥<br> | |||
स्मृतौ यैव स्वसंवित्तिः प्रमाणं स्वात्मसंभवे ।<br> | |||
पूर्वानुभवसद्भावे साधनं सैव नापरम् ॥ 1.7.5 ॥<br> | |||
बाध्यबाधकभावो ऽपि स्वात्मनिष्ठाविरोधिनाम् ।<br> | |||
ज्ञानानाम् उदियाद् एकप्रमातृपरिनिष्ठितेः ॥ 1.7.6 ॥<br> | |||
विविक्तभूतलज्ञानं घटाभावमतिर् यथा ।<br> | |||
तथा चेच्छुक्तिकाज्ञानं रूप्यज्ञानाप्रमात्ववित् ॥ 1.7.7 ॥<br> | |||
नैवं शुद्धस्थलज्ञानात् सिद्ध्येत् तस्याघटात्मना ।<br> | |||
न तूपलब्धियोग्यस्याप्य् अत्राभावो घटात्मनः ॥ 1.7.8 ॥<br> | |||
विविक्तं भूतलं शश्वद् भावानां स्वात्मनिष्ठितेः ।<br> | |||
तत् कथं जातु तज्ज्ञानं भिन्नस्याभावसाधनम् ॥ 1.7.9 ॥<br> | |||
किम् त्व् आलोकचयो ऽन्धस्य स्पर्शो वोष्णादिको मृदुः ।<br> | |||
तत्रास्ति साधयेत् तस्य स्वज्ञानम् अघटात्मताम् ॥ 1.7.10 ॥<br> | |||
पिशाचः स्याद् अनालोको ऽप्य् आलोकाभ्यन्तरे यथा ।<br> | |||
अदृश्यो भूतलस्यान्त न निषेध्यः स सर्वथा ॥ 1.7.11 ॥<br> | |||
एवं रूप्यविदाभावरूपा शुक्तिमतिर् भवेत् ।<br> | |||
न त्व् आद्यरजतज्ञप्तेः स्याद् अप्रामाण्यवेदिका ॥ 1.7.12 ॥<br> | |||
धर्म्यसिद्धेर् अपि भवेद् बाधा नैवानुमानतः ।<br> | |||
स्वसंवेदनसिद्धा तु युक्ता सैकप्रमातृजा ॥ 1.7.13 ॥<br> | |||
इत्थम् अत्यर्थभिन्नार्थावभासखचिते विभौ ।<br> | |||
समलो विमलो वापि व्यवहारो ऽनुभूयते ॥ 1.7.14 ॥<br> | |||
===Devanagari 1.8 – Innerlichkeit und Äußerlichkeit=== | |||
तात्कालिकाक्षसामक्ष्यसापेक्षाः केवलं क्व चित् ।<br> | |||
आभासा अन्यथान्यत्र त्व् अन्धान्धतमसादिषु ॥ 1.8.1 ॥<br> | |||
विशेषो ऽर्थावभासस्य सत्तायां न पुनः क्व चित् ।<br> | |||
विकल्पेषु भवेद् भाविभवद्भूतार्थगामिषु ॥ 1.8.2 ॥<br> | |||
सुखादिषु च सौख्यादिहेतुष्व् अपि च वस्तुषु ।<br> | |||
अवभासस्य सद्भावे ऽप्य् अतीतत्वात् तथा स्थितिः ॥ 1.8.3 ॥<br> | |||
गाढम् उल्लिख्यमाने तु विकल्पेन सुखादिके ।<br> | |||
तथा स्थितिस् तथैव स्यात् स्फुटम् अस्योपलक्षणात् ॥ 1.8.4 ॥<br> | |||
भावाभावावभासानां बाह्यतोपाधिर् इष्यते ।<br> | |||
नात्मा सत्ता ततस् तेषाम् आन्तराणां सतां सदा ॥ 1.8.5 ॥<br> | |||
आन्तरत्वात् प्रमात्रैक्ये नैषां भेदनिबन्धना ।<br> | |||
अर्थक्रियापि बाह्यत्वे सा भिन्नाभासभेदतः ॥ 1.8.6 ॥<br> | |||
चिन्मयत्वे ऽवभासानाम् अन्त एव स्थितिः सदा ।<br> | |||
मायया भासमानानां बाह्यत्वाद् बहिर् अप्य् असौ ॥ 1.8.7 ॥<br> | |||
विकल्पे यो ऽयम् उल्लेखः सो ऽपि बाह्यः पृथक्प्रथः ।<br> | |||
प्रमात्रैकात्म्यम् आन्तर्यं ततो भेदो हि बाह्यता ॥ 1.8.8 ॥<br> | |||
उल्लेखस्य सुखादेश् च प्रकाशो बहिर् आत्मना ।<br> | |||
इच्छातो भर्तुर् अध्यक्षरूपो ऽक्षादिभुवां यथा ॥ 1.8.9 ॥<br> | |||
तदैक्येन विना न स्यात् संविदां लोकपद्धतिः ।<br> | |||
प्रकाशैक्यात् तद् एकत्वं मातैकः स इति स्थितम् ॥ 1.8.10 ॥<br> | |||
स एव विमृशत्त्वेन नियतेन महेश्वरः ।<br> | |||
विमर्श एव देवस्य शुद्धे ज्ञानक्रिये यतः ॥ 1.8.11 ॥<br> | |||
===Devanagari 2.1 – Handlung, Raum und Zeit=== | |||
अत एव यद् अप्य् उक्तं क्रिया नैकस्य सक्रमा ।<br> | |||
एकेत्यादि प्रतिक्षिप्तं तद् एकस्य समर्थनात् ॥ 2.1.1 ॥<br> | |||
सक्रमत्वं च लौकिक्याः क्रियायाः कालशक्तितः ।<br> | |||
घटते न तु शाश्वत्याः प्राभव्याः स्यात् प्रभोर् इव ॥ 2.1.2 ॥<br> | |||
कालः सूर्यादिसंचारस् तत्तत्पुष्पादिजन्म वा ।<br> | |||
शीतोष्णे वाथ तल्लक्ष्यः क्रम एव स तत्त्वतः ॥ 2.1.3 ॥<br> | |||
क्रमो भेदाश्रयो भेदो ऽप्य् आभाससदसत्त्वतः ।<br> | |||
आभाससदसत्त्वे तु चित्राभासकृतः प्रभोः ॥ 2.1.4 ॥<br> | |||
मूर्तिवैचित्र्यतो देशक्रमम् आभासयत्य् असौ ।<br> | |||
क्रियावैचित्र्यनिर्भासात् कालक्रमम् अपीश्वरः ॥ 2.1.5 ॥<br> | |||
सर्वत्राभासभेदो ऽपि भवेत् कालक्रमाकरः ।<br> | |||
विच्छिन्नभासः शून्यादेर् मातुर् भातस्य नो सकृत् ॥ 2.1.6 ॥<br> | |||
देशक्रमो ऽपि भावेषु भाति मातुर् मितात्मनः ।<br> | |||
स्वात्मेव स्वात्मना पूर्णा भावा भान्त्य् अमितस्य तु ॥ 2.1.7 ॥<br> | |||
किं तु निर्माणशक्तिः साप्य् एवं विदुष ईशितुः ।<br> | |||
तथा विज्ञातृविज्ञेयभेदो यद् अवभास्यते ॥ 2.1.8 ॥<br> | |||
===Devanagari 2.2 – Beziehung und begriffliche Erkenntnis=== | |||
क्रियासंबन्धसामान्यद्रव्यदिक्कालबुद्धयः ।<br> | |||
सत्याः स्थैर्योपयोगाभ्याम् एकानेकाश्रया मताः ॥ 2.2.1 ॥<br> | |||
तत्रैकम् आन्तरं तत्त्वं तद् एवेन्द्रियवेद्यताम् ।<br> | |||
संप्राप्यानेकतां याति देशकालस्वभावतः ॥ 2.2.2 ॥<br> | |||
तद्द्वयालम्बना एता मनो ऽनुव्यवसायि सत् ।<br> | |||
करोति मातृव्यापारमयीः कर्मादिकल्पनाः ॥ 2.2.3 ॥<br> | |||
स्वात्मनिष्ठा विविक्ताभा भावा एकप्रमातरि ।<br> | |||
अन्योन्यान्वयरूपैक्ययुजः संबन्धधीपदम् ॥ 2.2.4 ॥<br> | |||
जातिद्रव्यावभासानाम् बहिर् अप्य् एकरूपताम् ।<br> | |||
व्यक्त्येकदेशभेदं चाप्य् आलम्बन्ते विकल्पनाः ॥ 2.2.5 ॥<br> | |||
क्रियाविमर्शविषयः कारकाणां समन्वयः ।<br> | |||
अवध्यवधिमद्भावान्वयालम्बा दिगादिधीः ॥ 2.2.6 ॥<br> | |||
एवम् एवर्थसिद्धिः स्यान् मातुर् अर्थक्रियार्थिनः ।<br> | |||
भेदाभेदवतार्थेन तेन न भ्रान्तिर् ईदृशी ॥ 2.2.7 ॥<br> | |||
===Devanagari 2.3 – Erkenntnismittel und Gegenstandsbestimmung=== | |||
इदम् एतादृगित्येवं यद् वशाद् व्यवतिष्ठते ।<br> | |||
वस्तु प्रमाणं तत् सो ऽपि स्वाभासो ऽभिनवोदयः ॥ 2.3.1 ॥<br> | |||
सो ऽन्तस् तथाविमर्शात्मा देशकालाद्यभेदिनि ।<br> | |||
एकाभिधानविषये मितिर् वस्तुन्य् अबाधिता ॥ 2.3.2 ॥<br> | |||
यथारुचि यथार्थित्वं यथाव्युत्पत्ति भिद्यते ।<br> | |||
आभासो ऽप्य् अर्थ एकस्मिन्न् अनुसंधानसाधिते ॥ 2.3.3 ॥<br> | |||
दीर्घवृत्तोर्ध्वपुरुषधूमचान्दनतादिभिः ।<br> | |||
यथाभासा विभिद्यन्ते देशकालाविभेदिनः ॥ 2.3.4 ॥<br> | |||
तथैव सद्घटद्रव्यकाञ्चनोज्ज्वलतादयः ।<br> | |||
आभासभेदा भिन्नार्थकारिणस् ते पदं ध्वनेः ॥ 2.3.5 ॥<br> | |||
आभासभेदाद् वस्तूनां नियतार्थक्रिया पुनः ।<br> | |||
सामानाधिकरण्येन प्रतिभासाद् अभेदिनाम् ॥ 2.3.6 ॥<br> | |||
पृथग्दीपप्रकाशानां स्रोतसां सागरे यथा ।<br> | |||
अविरुद्धावभासानाम् एककार्या तथैक्यधीः ॥ 2.3.7 ॥<br> | |||
तत्राविशिष्टे वह्न्यादौ कार्यकारणतोष्णता ।<br> | |||
तत्तच्छब्दार्थताद्यात्मा प्रमाणाद् एकतो मतः ॥ 2.3.8 ॥<br> | |||
सा तु देशादिकाध्यक्षान्तरभिन्ने स्वलक्षणे ।<br> | |||
तात्कालिकी प्रवृत्तिः स्याद् अर्थिनो ऽप्य् अनुमानतः ॥ 2.3.9 ॥<br> | |||
दूरान्तिकतयार्थानां परोक्षाध्यक्षतात्मना ।<br> | |||
बाह्यान्तरतया दोषैर् व्यञ्जकस्यान्यथापि वा ॥ 2.3.10 ॥<br> | |||
भिन्नावभासच्छायानाम् अपि मुख्यावभासतः ।<br> | |||
एकप्रत्यवमर्शाख्याद् एकत्वम् अनिवारितम् ॥ 2.3.11 ॥<br> | |||
अर्थक्रियापि सहजा नार्थानाम् ईश्वरेच्छया ।<br> | |||
नियता सा हि तेनास्या नाक्रियातो ऽन्यता भवेत् ॥ 2.3.12 ॥<br> | |||
रजतैकविमर्शे ऽपि शुक्तौ न रजतस्थितिः ।<br> | |||
उपाधिदेशासंवादाद् द्विचन्द्रे ऽपि नभो ऽन्यथा ॥ 2.3.13 ॥<br> | |||
गुणैः शब्दादिभिर् भेदो जात्यादिभिर् अभिन्नता ।<br> | |||
भावानाम् इत्थम् एकत्र प्रमातर्य् उपपद्यते ॥ 2.3.14 ॥<br> | |||
विश्ववैचित्र्यचित्रस्य समभित्तितलोपमे ।<br> | |||
विरुद्धाभावसंस्पर्शे परमार्थसतीश्वरे ॥ 2.3.15 ॥<br> | |||
प्रमातरि पुराणे तु सर्वदा भातविग्रहे ।<br> | |||
किं प्रमाणं नवाभासः सर्वप्रमितिभागिनि ॥ 2.3.16 ॥<br> | |||
अप्रवर्तितपूर्वो ऽत्र केवलं मूढतावशात् ।<br> | |||
शक्तिप्रकाशेनेशादिव्यवहारः प्रवर्त्यते ॥ 2.3.17 ॥<br> | |||
===Devanagari 2.4 – Tätigkeit und Ursächlichkeit=== | |||
एष चानन्तशक्तित्वाद् एवम् आभासयत्य् अमून् ।<br> | |||
भावान् इच्छावशाद् एषा क्रिया निर्मातृतास्य सा ॥ 2.4.1 ॥<br> | |||
जडस्य तु न सा शक्तिः सत्ता यद् असतः सतः ।<br> | |||
कर्तृकर्मत्वतत्त्वैव कार्यकारणता ततः ॥ 2.4.2 ॥<br> | |||
यद् असत् तद् असद्युक्ता नासतः सत्स्वरूपता ।<br> | |||
सतो ऽपि न पुनः सत्तालाभेनार्थो ऽथ चोच्यते ॥ 2.4.3 ॥<br> | |||
कार्यकारणता लोके सान्तर्विपरिवर्तिनः ।<br> | |||
उभयेन्द्रियवेद्यत्वं तस्य कस्यापि शक्तितः ॥ 2.4.4 ॥<br> | |||
एवम् एका क्रिया सैषा सक्रमान्तर्बहिःस्थितिः ।<br> | |||
एकस्यैवोभयाकारसहिष्णोर् उपपादिता ॥ 2.4.5 ॥<br> | |||
बहिस् तस्यैव तत्कार्यं यद् अन्त यद् अपेक्षया ।<br> | |||
प्रमात्रपेक्षया चोक्ता द्वयी बाह्यान्तरस्थितिः ॥ 2.4.6 ॥<br> | |||
मातैव कारणं तेन स चाभासद्वयस्थितौ ।<br> | |||
कार्यस्य स्थित एवैकस् तद् एकस्य क्रियोदिता ॥ 2.4.7 ॥<br> | |||
अत एवाङ्कुरे ऽपीष्टो निमित्तं परमेश्वरः ।<br> | |||
तद् अन्यस्यापि बीजादेर् हेतुता नोपपद्यते ॥ 2.4.8 ॥<br> | |||
तथा हि कुम्भकारो ऽसाव् ऐश्वर्यैव व्यवस्थया ।<br> | |||
तत्तन्मृदादिसंस्कारक्रमेण जनयेद् घटम् ॥ 2.4.9 ॥<br> | |||
योगिनाम् अपि मृद्बीजे विनैवेच्छावशेन तत् ।<br> | |||
घटादि जायते तत्तत्स्थिरस्वार्थक्रियाकरम् ॥ 2.4.10 ॥<br> | |||
योगिनिर्माणताभावे प्रमाणान्तरनिश्चिते ।<br> | |||
कार्यं हेतुः स्वभावो वात एवोत्पत्तिमूलजः ॥ 2.4.11 ॥<br> | |||
भूयस् तत्तत्प्रमात्रेकवह्न्याभासादितो भवेत् ।<br> | |||
परोक्षाद् अप्य् अधिपतेर् धूमाभासादि नूतनम् ॥ 2.4.12 ॥<br> | |||
कार्यम् अव्यभिचार्यस्य लिङ्गम् अन्यप्रमातृगात् ।<br> | |||
तदाभासस् तदाभासाद् एव त्व् अधिपतेः परः ॥ 2.4.13 ॥<br> | |||
अस्मिन् सतीदम् अस्तीति कार्यकारणतापि या ।<br> | |||
साप्य् अपेक्षाविहीनानां जडानां नोपपद्यते ॥ 2.4.14 ॥<br> | |||
न हि स्वात्मैकनिष्ठानाम् अनुसन्धानवर्जिनाम् ।<br> | |||
सदसत्तापदे ऽप्य् एष सप्तम्यर्थः प्रकल्प्यते ॥ 2.4.15 ॥<br> | |||
अत एव विभक्त्यर्थः प्रमात्रेकसमाश्रयः ।<br> | |||
क्रियाकारकभावाख्यो युक्तो भावसमन्वयः ॥ 2.4.16 ॥<br> | |||
परस्परस्वभावत्वे कार्यकारणयोर् अपि ।<br> | |||
एकत्वम् एव भेदे हि नैवान्योन्यस्वरूपता ॥ 2.4.17 ॥<br> | |||
एकात्मनो विभेदश् च क्रिया कालक्रमानुगा ।<br> | |||
तथा स्यात् कर्तृतैवैवं तथापरिणमत् तया ॥ 2.4.18 ॥<br> | |||
न च युक्तं जडस्यैवं भेदाभेदविरोधतः ।<br> | |||
आभासभेदाद् एकत्र चिदात्मनि तु युज्यते ॥ 2.4.19 ॥<br> | |||
वास्तवे ऽपि चिदेकत्वे न स्याद् आभासभिन्नयोः ।<br> | |||
चिकीर्षालक्षणैकत्वपरामर्शं विना क्रिया ॥ 2.4.20 ॥<br> | |||
इत्थं तथा घटपटाद्याभासजगदात्मना ।<br> | |||
तिष्ठासोर् एवम् इच्छैव हेतुता कर्तृता क्रिया ॥ 2.4.21 ॥<br> | |||
===Devanagari 3.1 – Wirklichkeitsstufen=== | |||
एवम् अन्तर्बहिर्वृत्तिः क्रिया कालक्रमानुगा ।<br> | |||
मातुर् एव तदन्योन्यावियुक्ते ज्ञानकर्मणी ॥ 3.1.1 ॥<br> | |||
किं त्व् आन्तरदशोद्रेकात् सादाख्यं तत्त्वम् आदितः ।<br> | |||
बहिर्भावपरत्वे तु परतः पारमेश्वरम् ॥ 3.1.2 ॥<br> | |||
ईश्वरो बहिर् उन्मेषो निमेषो ऽन्तः सदाशिवः ।<br> | |||
सामानाधिकरण्यं च सद्विद्याहमिदंधियोः ॥ 3.1.3 ॥<br> | |||
इदंभावोपपन्नानां वेद्यभूमिम् उपेयुषाम् ।<br> | |||
भावानां बोधसारत्वाद् यथावस्त्ववलोकनात् ॥ 3.1.4 ॥<br> | |||
अत्रापरत्वम् भावानाम् अनात्मत्वेन भासनात् ।<br> | |||
परताहन्तयाच्छादात् परापरदशा हि सा ॥ 3.1.5 ॥<br> | |||
भेदधीर् एव भावेषु कर्तुर् बोधात्मनो ऽपि या ।<br> | |||
मायाशक्त्य् एव सा विद्येत्य् अन्ये विद्येश्वरा यथा ॥ 3.1.6 ॥<br> | |||
तस्यैश्वर्यस्वभावस्य पशुभावे प्रकाशिका ।<br> | |||
विद्याशक्तिः तिरोधानकरी मायाभिधा पुनः ॥ 3.1.7 ॥<br> | |||
भेदे त्व् एकरसे भाते ऽहंतयानात्मनीक्षिते ।<br> | |||
शून्ये बुद्धे शरीरे वा मायाशक्तिर् विजृम्भते ॥ 3.1.8 ॥<br> | |||
यश् च प्रमाता शून्यादिः प्रमेये व्यतिरेकिणि ।<br> | |||
माता स मेयः सन् कालादिकपञ्चकवेष्टितः ॥ 3.1.9 ॥<br> | |||
त्रयोविंशतिधा मेयं यत् कार्यकरणात्मकम् ।<br> | |||
तस्याविभागरूप्य् एकं प्रधानं मूलकारणम् ॥ 3.1.10 ॥<br> | |||
त्रयोदशविधा चात्र बाह्यान्तःकरणावली ।<br> | |||
कार्यवर्गश् च दशधा स्थूलसूक्ष्मत्वभेदतः ॥ 3.1.11 ॥<br> | |||
===Devanagari 3.2 – Begrenzung, Befreiung und Bewusstseinszustände=== | |||
तत्रैतन् मातृतामात्रस्थितौ रुद्रो ऽधिदैवतम् ।<br> | |||
भिन्नप्रमेयप्रसरे ब्रह्मविष्णू व्यवस्थितौ ॥ 3.2.1 ॥<br> | |||
एष प्रमाता मायान्धः संसारी कर्मबन्धनः ।<br> | |||
विद्याभिज्ञापितैश्वर्यश् चिद्घनो मुक्त उच्यते ॥ 3.2.2 ॥<br> | |||
स्वाङ्गरूपेषु भावेषु प्रमाता कथ्यते पतिः ।<br> | |||
मायातो भेदिषु क्लेशकर्मादिकलुषः पशुः ॥ 3.2.3 ॥<br> | |||
स्वातन्त्र्यहानिर् बोधस्य स्वातन्त्र्यस्याप्य् अबोधता ।<br> | |||
द्विधाणवं मलम् इदं स्वस्वरूपापहानितः ॥ 3.2.4 ॥<br> | |||
भिन्नवेद्यप्रथात्रैव मायाख्यं जन्मभोगदम् ।<br> | |||
कर्तर्य् अबोधे कार्मं तु मायाशक्त्यैव तत् त्रयम् ॥ 3.2.5 ॥<br> | |||
शुद्धबोधात्मकत्वे ऽपि येषां नोत्तमकर्तृता ।<br> | |||
निर्मिताः स्वात्मनो भिन्ना भर्त्रा ते कर्तृतात्ययात् ॥ 3.2.6 ॥<br> | |||
बोधैकलक्षणैक्ये ऽपि तेषाम् अन्योन्यभिन्नता ।<br> | |||
तथेश्वरेच्छाभेदेन ते च विज्ञानकेवलाः ॥ 3.2.7 ॥<br> | |||
शून्याद्यबोधरूपास् तु कर्तारः प्रलयाकलाः ।<br> | |||
तेषां कार्मो मलो ऽप्य् अस्ति मायीयस् तु विकल्पितः ॥ 3.2.8 ॥<br> | |||
बोधानाम् अपि कर्तृत्वजुषां कार्ममलक्षतौ ।<br> | |||
भिन्नवेद्यजुषां मायामलो विद्येश्वराश् च ते ॥ 3.2.9 ॥<br> | |||
देवादीनां च सर्वेषां भविनां त्रिविधं मलम् ।<br> | |||
तत्रापि कार्मम् एवैकम् मुख्यं संसारकारणम् ॥ 3.2.10 ॥<br> | |||
कलोद्बलितम् एतच् च चित्तत्त्वं कर्तृतामयम् ।<br> | |||
अचिद्रूपस्य शून्यादेर् मितं गुणतया स्थितम् ॥ 3.2.11 ॥<br> | |||
मुख्यत्वं कर्तृतायाश् च बोधस्य च चिदात्मनः ।<br> | |||
शून्यादौ तद्गुणे ज्ञानं तत्समावेशलक्षणम् ॥ 3.2.12 ॥<br> | |||
शून्ये बुद्ध्याद्यभावात्मन्य् अहन्ताकर्तृतापदे ।<br> | |||
अस्फुटारूपसंस्कारमात्रिणि ज्ञेयशून्यता ॥ 3.2.13 ॥<br> | |||
साक्षाणाम् आन्तरी वृत्तिः प्राणादिप्रेरिका मता ।<br> | |||
जीवनाख्याथवा प्राणे ऽहन्ता पुर्यष्टकात्मिका ॥ 3.2.14 ॥<br> | |||
तावन् मात्रस्थितौ प्रोक्तं सौषुप्त[ं] प्रलयोपमम् ।<br> | |||
सवेद्यम् अपवेद्यं च मायामलयुतायुतम् ॥ 3.2.15 ॥<br> | |||
मनोमात्रपथे ऽप्य् अक्षविषयत्वेन विभ्रमात् ।<br> | |||
स्पष्टावभासा भावानां सृष्टिः स्वप्नपदं मतम् ॥ 3.2.16 ॥<br> | |||
सर्वाक्षगोचरत्वेन या तु बाह्यतया स्थिरा ।<br> | |||
सृष्टिः साधारणी सर्वप्रमातॄणां स जागरः ॥ 3.2.17 ॥<br> | |||
हेया त्रयीयं प्राणादेः प्राधान्यात् कर्तृतागुणे ।<br> | |||
तद्धानोपचयप्रायसुखदुःखादियोगतः ॥ 3.2.18 ॥<br> | |||
प्राणापानमयः प्राणः प्रत्येकं सुप्तजाग्रतोः ।<br> | |||
तच्छेदात्मा समानाख्यः सौषुप्ते विषुवत्स्व् इव ॥ 3.2.19 ॥<br> | |||
मध्योर्ध्वगाम्युदानाख्यस् तुर्यगो हुतभुङ्मयः ।<br> | |||
विज्ञानाकलमन्त्रेशो व्यानो विश्वात्मकः परः ॥ 3.2.20 ॥<br> | |||
===Devanagari 4 – Zusammenfassung=== | |||
स्वात्मैव सर्वजन्तूनाम् एक एव महेश्वरः ।<br> | |||
विश्वरूपो ऽहम् इदम् इत्य् अखण्डामर्शबृंहितः ॥ 4.1 ॥<br> | |||
तत्र स्वसृष्टेदंभागे बुद्ध्यादिग्राहकात्मना ।<br> | |||
अहंकारपरामर्शपदम् नीतम् अनेन तत् ॥ 4.2 ॥<br> | |||
स्वस्वरूपापरिज्ञानमयो ऽनेकः पुमान् मतः ।<br> | |||
तत्र सृष्टौ क्रियानन्दौ भोगो दुःखसुखात्मकः ॥ 4.3 ॥<br> | |||
स्वाङ्गरूपेषु भावेषु पत्युर् ज्ञानं क्रिया च या ।<br> | |||
मायातृतीये ते एव पशोः सत्त्वं रजस् तमः ॥ 4.4 ॥<br> | |||
भेदस्थितः शाक्तिमतः शक्तित्वं नापदिश्यते ।<br> | |||
एषां गुणानां करणकार्यत्वपरिणामिनाम् ॥ 4.5 ॥<br> | |||
सत्तानन्दः क्रिया पत्युस् तदभावो ऽपि सा पशोह् ।<br> | |||
द्वयात्मा तद् रजो दुःखं श्लेषि सत्त्वतमोमयम् ॥ 4.6 ॥<br> | |||
ये ऽप्य् असामयिकेदन्तापरामर्शभुवः प्रभोः ।<br> | |||
ते विमिश्रा विभिन्नाश् च तथा चित्रावभासिनः ॥ 4.7 ॥<br> | |||
ते तु भिन्नावभासार्थाः प्रकल्प्याः प्रत्यगात्मनः ।<br> | |||
तत्तद्विभिन्नसंज्ञाभिः स्मृत्युत्प्रेक्षादिगोचरे ॥ 4.8 ॥<br> | |||
तस्यासाधारणी सृष्टिर् ईशसृष्ट्युपजीविनी ।<br> | |||
सैषाप्य् अज्ञातया सत्यैवेशशक्त्या तदात्मनः ॥ 4.9 ॥<br> | |||
स्वविश्रान्त्युपरोधाय चलया प्राणरूपया ।<br> | |||
विकल्पक्रियया तत्तद्वर्णवैचित्र्यरूपया ॥ 4.10 ॥<br> | |||
साधारणो ऽन्यथा चैशः सर्गः स्पष्टावभासनात् ।<br> | |||
विकल्पहानैकाग्र्यात् क्रमेणेश्वरतापदम् ॥ 4.11 ॥<br> | |||
सर्वो ममायं विभव इत्येवं परिजानतः ।<br> | |||
विश्वात्मनो विकल्पानां प्रसरे ऽपि महेशता ॥ 4.12 ॥<br> | |||
मेयं साधारणं मुक्तः स्वात्माभेदेन मन्यते ।<br> | |||
महेश्वरो यथा बद्धः पुन अत्यन्तभेदवत् ॥ 4.13 ॥<br> | |||
सर्वथा त्व् अन्तरालीनानन्ततत्त्वौघनिर्भरः ।<br> | |||
शिवः चिदानन्दघनः परमाक्षरविग्रहः ॥ 4.14 ॥<br> | |||
एवम् आत्मानम् एतस्य सम्यग्ज्ञानक्रिये तथा ।<br> | |||
जानन् यथेप्सितान् पश्यञ् जानाति च करोति च ॥ 4.15 ॥<br> | |||
इति प्रकटितो मया सुघट एष मार्गो नवो महागुरुभिर् उच्यते स्म शिवदृष्टिशास्त्रे यथा ।<br> | |||
तद् अत्र निदधत् पदं भुवनकर्तृताम् आत्मनो विभाव्य शिवतामयीम् अनिशम् आविशन् सिद्ध्यति ॥ 4.16 ॥<br> | |||
तैस् तैर् अप्य् उपयाचितैर् उपनतस् तन्व्याः स्थितो ऽप्य् अन्तिके कान्तो लोकसमान एवम् अपरिज्ञातो न रन्तुं यथा ।<br> | |||
लोकस्यैष तथानवेक्षितगुणः स्वात्मापि विश्वेश्वरो नैवालं निजवैभवाय तद् इयं तत्प्रत्यभिज्ञोदिता ॥ 4.17 ॥<br> | |||
जनस्यायत्नसिद्ध्यर्थम् उदयाकरसूनुना ।<br> | |||
ईश्वरप्रत्यभिज्ञेयम् उत्पलेनोपपादिता ॥ 4.18 ॥<br> | |||
==Literatur== | |||
* Utpaladeva: ''Īśvarapratyabhijñākārikā'' und ''Vṛtti''. Herausgegeben von Madhusudan Kaul Shastri. Kashmir Series of Texts and Studies 34, Srinagar 1921. | |||
* Raffaele Torella: ''The Īśvarapratyabhijñākārikā of Utpaladeva with the Author’s Vṛtti. Critical Edition and Annotated Translation''. Serie Orientale Roma 71, Rom 1994. Spätere Ausgabe bei Motilal Banarsidass, ISBN 9788120818675. | |||
* Abhinavagupta: ''Īśvarapratyabhijñāvimarśinī''. Kommentar zur Karika Utpaladevas; Sanskritfassung auch über GRETIL zugänglich. | |||
* Somananda: ''Śivadṛṣṭi''. Das von Utpaladeva in 4.16 ausdrücklich genannte Lehrwerk seines Lehrers. | |||
==Siehe auch== | |||
* [[Utpaladeva]], [[Somananda]] und [[Abhinavagupta]] | |||
* [[Pratyabhijna]], [[Pratyabhijnahridaya]] und [[Shivadristi]] | |||
* [[Kashmirischer Shivaismus]], [[Trika]], [[Shiva]] und [[Shakti]] | |||
* [[Shiva Sutra]], [[Spandakarika]] und [[Vijnanabhairava Tantra]] | |||
* [[Paratrimsika]] und [[Malinivijayottara Tantra]] | |||
* [[Ishvara]], [[Maheshvara]], [[Bewusstsein]] und [[Selbst]] | |||
* [[Maya]], [[Tattva]], [[Karma]] und [[Moksha]] | |||
* [[Prana]], [[Meditation]] und [[Svadhyaya]] | |||
==Weblinks== | |||
* [https://gretil.sub.uni-goettingen.de/gretil/1_sanskr/6_sastra/3_phil/saiva/utipk_au.htm GRETIL: Utpaladevas Ishvara Pratyabhijna Karika mit eigener Vritti] | |||
* [https://gretil.sub.uni-goettingen.de/gretil/1_sanskr/6_sastra/3_phil/saiva/abhiprvu.htm GRETIL: Abhinavaguptas Ishvara Pratyabhijna Vimarshini] | |||
* [https://www.mlbd.in/products/the-isvarapratyabhijnakarika-of-utpaladeva-critical-edition-and-annoted-translation-raffaele-torella-9788120818675-8120818679 Motilal Banarsidass: Raffaele Torellas kritische Ausgabe und englische Übersetzung] | |||
* [https://www.sanskrit-trikashaivism.com/en/scriptures-trika-scriptures-iishvarapratyabhijnaakaarikaas/1003 Weitere Sanskrit-Lesefassung mit englischer Übersetzung von Gabriel Pradipaka] | |||
* [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation bei Yoga Vidya] | |||
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga: Grundlagen und Praxis] | |||
==Quellen und Anmerkungen== | |||
<references /> | |||
==Seminare== | |||
Diese Interessengebiete bieten Möglichkeiten zur Vertiefung von Schriftstudium, Meditation und yogischer Energiearbeit. Die Angebote sind thematisch verwandt; die Ishvara Pratyabhijna Karika ist nicht notwendig Gegenstand jedes einzelnen Seminars. | |||
'''[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/kundalini-yoga/ Kundalini Yoga]''' | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/kundalini-yoga/rssfeed.xml</rss> | |||
'''[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/ Indische Schriften]''' | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/indische-schriften/rssfeed.xml</rss> | |||
'''[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/chakras/ Chakras]''' | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/chakras/rssfeed.xml</rss> | |||
'''[https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/energiearbeit/ Energiearbeit]''' | |||
<rss max=4>https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/energiearbeit/rssfeed.xml</rss> | |||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Indische Schriften]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Tantra]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Shivaismus]] | ||
[[Kategorie:Philosophie]] | |||
[[Kategorie:Meditation]] | |||
[[Kategorie:Tantra Schriften]] | |||
Aktuelle Version vom 7. September 2026, 06:49 Uhr
Ishvara Pratyabhijna Karika (Sanskrit ईश्वरप्रत्यभिज्ञाकारिका, IAST Īśvarapratyabhijñākārikā), auch Ishvarapratyabhijnakarika oder Isvarapratyabhijnakarika, bedeutet „Lehrverse über das Wiedererkennen des Herrn“. Das Werk des kaschmirischen Philosophen Utpaladeva gehört zu den Grundschriften der Pratyabhijna, der Lehre vom Wiedererkennen im nichtdualistischen kaschmirischen Shivaismus. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass das eigene Bewusstsein seinem tiefsten Wesen nach mit Shiva, dem universalen erkennenden und handelnden Prinzip, eins ist. Der Text begründet diese Lehre durch eine Untersuchung von Wahrnehmung, Erinnerung, Sprache, Tätigkeit und Freiheit.[1]

Die Schrift umfasst in der hier zugrunde gelegten Fassung 190 Verse in vier Hauptteilen. Sie beginnt mit Utpaladevas Wunsch, anderen Menschen die Erkenntnis zu erschließen, die er selbst durch seine Hinwendung zu Maheshvara gewonnen hat. Am Ende bezeichnet er das Wiedererkennen als einen gut gangbaren Weg zur Vollendung. Zwischen diesen beiden Aussagen entwickelt er eine anspruchsvolle philosophische Argumentation. Die eigene kurze Erläuterung des Autors, die Vritti, begleitet den Text in der Überlieferung.[1]
Dieser Artikel enthält den vollständigen nummerierten Karika-Grundtext: zuerst jeden Vers in IAST mit unmittelbar anschließender eigener deutscher Übersetzung, danach denselben Text vollständig in Devanagari. Die umfangreicheren Kommentare sind nicht Bestandteil dieser Vollübersetzung. Die Bilder und ergänzenden Yoga-Videos veranschaulichen verwandte Themen; sie sind keine überlieferten Illustrationen des Werkes.
Name und Schreibweise
Als Artikeltitel wird Ishvara Pratyabhijna Karika verwendet. Unter dieser gut lesbaren Schreibweise besteht bereits ein Eintrag im Yoga Wiki. Die Zusammenschreibung Ishvarapratyabhijnakarika entspricht eher der Gestalt des Sanskritkompositums; die vereinfachte Form Isvarapratyabhijnakarika ist eine weitere Suchform. Eine statistische Rangfolge der weltweiten Verbreitung dieser Schreibweisen wird damit nicht behauptet.[2]
Īśvara bedeutet Herr oder Herrscher und bezeichnet hier das höchste göttliche Selbst. Pratyabhijñā bedeutet Wiedererkennen: etwas als das erkennen, was es bereits ist. Kārikā ist ein in Versen formulierter Lehrsatz. Der Titel lässt sich daher auch mit „Lehrverse über die Wiedererkenntnis des göttlichen Selbst“ wiedergeben.
Wiedererkennen bedeutet in diesem Zusammenhang mehr als das Erinnern an einen Namen. Gemeint ist die Einsicht in die Identität des unmittelbar erfahrenen Selbst mit dem universalen Ishvara. Der Text fragt nicht erst, ob überhaupt Bewusstsein vorhanden ist. Er untersucht, was im Erkennen und Handeln bereits vorausgesetzt wird und weshalb dessen volle Bedeutung gewöhnlich unbemerkt bleibt.
Utpaladeva und die Überlieferung
Verfasser und Entstehungszeit
Utpaladeva wirkte im Kaschmir des 10. Jahrhunderts. Genaue Lebensdaten werden unterschiedlich angesetzt; eine ungefähre historische Einordnung ist hier sachgerechter als ein als sicher ausgegebenes Geburtsjahr. Die kritische Ausgabe Raffaele Torellas stellt das Werk als grundlegende philosophische Darstellung der Pratyabhijna und des Trika vor.[3]
Im Schlussvers 4.18 nennt sich der Autor Utpala, Sohn des Udayakara. Sein Lehrer war Somananda, auf dessen Shivadristi Vers 4.16 zurückverweist; Utpaladevas eigene Vritti nennt Somananda dort ausdrücklich. Vater und Lehrer sind daher zu unterscheiden. Die Zuschreibung, Utpaladeva sei Somanandas Sohn, widerspricht seiner eigenen Schlussangabe.[1]
Grundtext und Kommentare
Die Karika ist die knappe Versschrift. Die Vritti entfaltet deren Gedankengang in Prosa und erklärt unter anderem, wann eine gegnerische Auffassung vorgetragen wird. Für die Lektüre ist diese Unterscheidung wesentlich: Ein Einwand gegen ein dauerhaftes Selbst ist nicht automatisch Utpaladevas abschließende Lehre.
Zur späteren Auslegung gehört Abhinavaguptas Ishvara Pratyabhijna Vimarshini. Die Kommentare zeigen, dass die kurzen Verse schon innerhalb der Tradition eine ausführliche Erklärung verlangten.[4] Die vorliegende deutsche Fassung übersetzt den Karika-Grundtext; sie übernimmt keine moderne Übersetzung vollständig und ersetzt keinen historisch-kritischen Kommentar.
Aufbau des Werkes
| Hauptteil | Sanskritname | Umfang dieser Fassung | Schwerpunkt |
|---|---|---|---|
| 1 | Jñānādhikāra | 8 Abschnitte, 88 Verse | Erkenntnis, Erinnerung, bewusstes Sich-Erfassen und Einheit des erkennenden Subjekts. |
| 2 | Kriyādhikāra | 4 Abschnitte, 53 Verse | Tätigkeit, Zeit, Beziehungen, gültige Erkenntnis und Ursächlichkeit. |
| 3 | Āgamādhikāra | 2 Abschnitte, 31 Verse | Einordnung in die tantrische Offenbarungslehre: Tattvas, Begrenzung, Befreiung und Bewusstseinszustände. |
| 4 | Tattvasaṃgrahādhikāra | 18 Verse | Zusammenfassung und Bedeutung des Wiedererkennens. |
Die ersten drei Hauptteile werden als Hauptteil.Abschnitt.Vers zitiert, etwa 1.5.13. Im vierten Hauptteil verwendet die Textgrundlage nur Hauptteil.Vers, etwa 4.18. Diese Zählung bleibt erhalten. Mehrere Sätze erstrecken sich über aufeinanderfolgende Verse; die deutsche Wiedergabe bewahrt diesen Zusammenhang.
Zentrale Lehren
Das erkennende Selbst

Utpaladevas Ausgangspunkt ist das Selbst als Erkennender und Handelnder. Wer das Selbst beweisen oder bestreiten möchte, erkennt und handelt bereits. Der Text richtet die Aufmerksamkeit deshalb auf das, was jeder solchen Untersuchung vorausliegt: das bewusste Vermögen, Erscheinungen zu erfahren und aufeinander zu beziehen (1.1.2–1.1.5).
Dabei ist mit dem universalen Selbst nicht bloß die persönliche Lebensgeschichte gemeint. Das begrenzte „Ich bin dieser Körper“ wird in 1.6.4–1.6.5 ausdrücklich als eine besondere, unterscheidende Selbstauffassung behandelt. Die universale Ichheit ist nach Utpaladeva der Grund, in dem auch diese begrenzte Auffassung erscheinen kann.
Erinnerung und Zusammenhang
Eine Erinnerung sagt nicht nur etwas über ein vergangenes Ding, sondern enthält die Beziehung „Ich habe erfahren“. Im dritten und vierten Abschnitt des ersten Hauptteils fragt Utpaladeva, wie diese Verbindung möglich wäre, wenn jede Erkenntnis vollständig von allen anderen getrennt bliebe.
Seine Antwort lautet: Verschiedene Bewusstseinsakte sind in einem erkennenden Subjekt verbunden. Dieses ermöglicht nicht nur Erinnerung, sondern auch Vergleich, Urteil und die Korrektur einer Täuschung. Die bekannte Verwechslung einer Muschelschale mit Silber dient als Beispiel: Die spätere Erkenntnis muss sich auf die frühere beziehen können, um sie als irrig zu erkennen (1.7.6–1.7.13).
Prakasha und Vimarsha
Prakāśa bezeichnet das Leuchten oder Erscheinen des Bewusstseins; Vimarśa dessen bewusstes Sich-Erfassen. Utpaladeva verbindet beide. Ein bloßes Aufnehmen von Formen, das nichts von sich selbst weiß, wäre nach seinem Vergleich einem Kristall ähnlich und noch kein lebendiges Bewusstsein (1.5.11).

In 1.5.13–1.5.14 wird dieses Sich-Erfassen mit höchster Sprache, Freiheit und dem Herzen des Höchsten verbunden. Shakti ist so kein nachträglich hinzugefügtes Vermögen eines ansonsten unbeweglichen Bewusstseins. Die Kraft zu erkennen und hervorzubringen gehört zu dessen Wesen.
Sprache, Unterscheidung und Freiheit

Die begriffliche Bestimmung „Topf“ grenzt den Topf von anderem ab. Solche Unterscheidung heißt hier Vikalpa. Sie ermöglicht den gewöhnlichen Umgang mit Dingen, ist aber nicht die einzige Form bewussten Erfassens. Das ursprüngliche Selbstbewusstsein setzt nach 1.6.1–1.6.3 keinen außerhalb des Bewusstseins liegenden Gegenpol voraus.
Svātantrya, Freiheit, bezeichnet die Fähigkeit des Bewusstseins, sich in unterschiedlichen Formen zu zeigen. Die Begriffe „innerlich“ und „äußerlich“ werden dabei auf die Beziehung zum erkennenden Subjekt bezogen (1.8.7–1.8.8). Utpaladevas Lehre hebt die Welt nicht einfach als bedeutungsloses Nichts auf; sie deutet ihre Erscheinung und Wirksamkeit als Entfaltung der göttlichen Freiheit.
Handlung, Zeit und Ursächlichkeit
Im zweiten Hauptteil wird Tätigkeit als zusammenhängendes Geschehen untersucht. Eine Handlung besteht aus mehreren Momenten und gilt dennoch als eine Handlung. Entsprechend müssen auch Ursache und Wirkung aufeinander bezogen werden können.
Utpaladeva erklärt diesen Zusammenhang aus dem Bewusstsein. Zeitliche Folge entsteht durch das Auftreten und Zurücktreten von Erscheinungen; räumliche Folge durch die Verschiedenheit ihrer Gestalten (2.1.3–2.1.5). Die Beispiele von Töpfer, Ton, Samen und Keim führen zu seiner These, dass im letzten Sinne die schöpferische Freiheit des Erkennenden Ursächlichkeit ermöglicht. Aussagen über unmittelbare Hervorbringungen von Yogis in 2.4.10 gehören zum traditionellen metaphysischen Argument des Werkes.
Tattvas, Unreinheiten und Befreiung
Der dritte Hauptteil verbindet die philosophische Untersuchung mit der Lehre von den Tattvas, den Wirklichkeitsstufen des tantrischen Weltbildes. Er behandelt Sadashiva, Ishvara, Shuddhavidya, Maya und die begrenzte Erfahrungswelt. Erkenntnis und Handlung bleiben dabei aufeinander bezogen.
Die drei Malas, Begrenzungen oder Unreinheiten, werden als Einschränkung der ursprünglichen Fülle erläutert: Anava betrifft den Verlust der Einheit von voller Bewusstheit und Freiheit; Mayiya das Erscheinen getrennter Gegenstände; Karma die Bindung an Handlungsfolgen. Befreiung bedeutet das Wiedererkennen der göttlichen Natur des Selbst (3.2.2–3.2.5). Der Ausdruck „Unreinheit“ bezeichnet hier eine metaphysische Begrenzung.

Wiedererkennen im gewöhnlichen Leben
Der Schluss des Werkes betont, dass die Einsicht auch inmitten begrifflicher Tätigkeit bestehen kann. Wer die Erscheinungen als Entfaltung des universalen Selbst erkennt, verliert diese Erkenntnis nicht notwendig beim Denken (4.12). Gebundene und Befreite können dieselbe Gegenstandswelt erfahren; verschieden ist die Auffassung ihres Verhältnisses zum Selbst (4.13).
Das Gleichnis des unerkannten Geliebten in 4.17 veranschaulicht diesen Punkt: Anwesenheit allein genügt nicht, solange die Identität unerkannt bleibt. So soll die Lehre keine neue göttliche Wirklichkeit herstellen, sondern das bereits Gegenwärtige erschließen.
Beziehungen zu anderen Schriften
Die Shivadristi Somanandas ist der im Schluss ausdrücklich genannte Ausgangspunkt. Mit Shiva Sutra und Spandakarika teilt die Ishvara Pratyabhijna Karika die Frage nach Bewusstsein und göttlicher Kraft, entfaltet sie aber in einer ausgedehnten argumentativen Form. Der Titel Pratyabhijnahridaya bezeichnet ein anderes Werk innerhalb der Wiedererkennenslehre; er ist kein alternativer Titel der 190 Verse Utpaladevas.
Malinivijayottara Tantra, Paratrimsika und weitere tantrische Texte bilden ein Vergleichsfeld für die im dritten Hauptteil vorausgesetzte Offenbarungslehre. Für eine genaue Lektüre bleibt zwischen einem philosophischen Lehrwerk, einem Kommentar und einer rituellen Offenbarungsschrift zu unterscheiden.
Mit den Upanishaden lässt sich insbesondere die Frage nach dem Selbst vergleichen. Eine pauschale Gleichsetzung der Pratyabhijna mit jeder Form von Vedanta würde jedoch die besondere Bedeutung von Freiheit, Sprache, Handlung und göttlicher Shakti in Utpaladevas Argumentation verdecken.
Anregungen für Studium und Meditation
Die folgenden Anregungen übertragen Themen des Werkes auf heutiges Svadhyaya und Meditation. Sie sind redaktionelle Empfehlungen und keine zusätzlichen Verse Utpaladevas.
1. Lies eine zusammenhängende Argumentation.
Nimm beispielsweise 1.3.1–1.3.7 gemeinsam vor. Notiere, welches Problem gestellt wird und welche Antwort der Text entwickelt. Prüfe besonders, ob gerade ein Einwand oder eine Erwiderung spricht.
2. Untersuche eine einfache Erinnerung.
Erinnere dich an eine alltägliche Wahrnehmung. Beachte neben dem erinnerten Gegenstand auch den Bezug „Ich habe das gesehen“. Diese Betrachtung macht die Frage des Textes anschaulich, ohne ihre philosophische Antwort vorwegzunehmen.
3. Achte auf Erleben und Benennen.
Betrachte einen vertrauten Gegenstand und beobachte, wie Benennungen und Vergleiche hinzutreten. Frage anschließend, wie Wahrnehmung und bewusste Bestimmung zusammenwirken. Es geht um aufmerksames Verstehen, nicht um ein gewaltsames Unterdrücken von Gedanken.
4. Verbinde Studium mit stiller Sammlung.
Lies 1.5.11–1.5.14 langsam und sitze anschließend einige Minuten ruhig. Die Verse laden dazu ein, Bewusstsein als lebendiges Gewahrsein zu betrachten. Eine einfache Herzmeditation kann die Sammlung begleiten.
5. Prüfe die Bedeutung im Handeln.
Beobachte bei einer alltäglichen Tätigkeit das Zusammenspiel von Absicht, Aufmerksamkeit und Ausführung. Verbinde die Betrachtung der Einheit mit Rücksicht, genauer Wahrnehmung und verantwortlichem Handeln gegenüber anderen.

Ergänzende Videos
Diese Yoga-Vidya-Meditationen ergänzen die Themen Bewusstsein, Prana und innere Sammlung. Sie sind keine Verskommentare zur Ishvara Pratyabhijna Karika und vermitteln nicht deren vollständige philosophische Argumentation.
Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Anahata-Chakra-Meditation mit Sukadev
Drei-Chakra-Energie-Meditation mit Sukadev
Aktiviere deine Chakren und meditiere mit Sukadev
Textgrundlage und Übersetzung
Die Sanskrit-Lesefassung folgt dem oben bezeichneten GRETIL-Text der Karika. Die dort zwischen den Versen stehende Vritti wurde für den Gedankengang berücksichtigt, aber nicht als Bestandteil der Verse übernommen. Die deutsche Übersetzung ist eine eigene, sinngemäße Übertragung des Sanskritgrundtextes. Zum Verständnis ergänzte Ausdrücke und Sprecherzuordnungen stehen überwiegend in eckigen Klammern.
Prakāśa wird je nach Zusammenhang mit Leuchten oder Erscheinen, Vimarśa mit bewusstem Erfassen, Pramātṛ mit Erkennender oder erkennendes Subjekt und Svātantrya mit Freiheit wiedergegeben. Jaḍa bedeutet hier unbewusst oder nicht empfindungsfähig, nicht einfach unbeweglich. Ābhāsa bezeichnet eine Erscheinung; das Wort bedeutet nicht an jeder Stelle Täuschung.
Die Abschnitte des ersten Hauptteils enthalten philosophische Gegenpositionen. Eckige Hinweise wie „Einwand“ und „Antwort“ dienen der Orientierung und gehören nicht zum Sanskritvers. Versübergreifende Sätze werden nicht künstlich zu voneinander unabhängigen Aussagen umgeformt. Die Übersetzung ist eine zusammenhängende deutsche Lesefassung, keine neue kritische Sanskritedition.
Lesungen und redaktionelle Bereinigung
Die elektronischen Trennzeichen zwischen den Versvierteln wurden in Halbverse umgeformt; durch Zeilenumbruch getrennte Wörter wurden verbunden. Einzelne Schreibfehler wurden grammatisch bereinigt. Die folgende Übersicht legt diese Eingriffe offen. Sie ersetzt keinen vollständigen Handschriftenapparat.
| Vers | Elektronische Ausgangsform | Lesefassung |
|---|---|---|
| 1.2.6 | smṛitisiddhau | smṛtisiddhau |
| 1.3.4 | saṃkārāpekṣā | saṃskārāpekṣā |
| 1.4.8 | pamātari | pramātari |
| 1.5.9 | punarābhāsad | punarābhāsād |
| 1.5.17 | asyānayatātmanaḥ | asyānyatātmanaḥ |
| 1.5.17 | ahaṃmṛśyatayāivāsya | ahaṃmṛśyatayaivāsya |
| 2.3.9 | deśādikādhyakṣantarabhinne | deśādikādhyakṣāntarabhinne |
| 2.4.5 | apapāditā | upapāditā |
| 2.4.14 | jāḍānāṃ | jaḍānāṃ |
| 1.2.6 | viśeṣatah | viśeṣataḥ |
| 1.2.8 | prakāsatā | prakāśatā |
| 4.9 | ajñatayā | ajñātayā |
| 4.9 | śāktyā | śaktyā |
| 4.10 | svaviśrāntyuparodhāyācalayā | svaviśrāntyuparodhāya calayā |
Die Berichtigungen in 4.9 und die Worttrennung in 4.10 werden zusätzlich durch die entsprechende Sanskritfassung bei Gabriel Pradipaka gestützt. Andere dort vorhandene Lesungsvarianten, etwa am Ende von 4.10 und in 4.15, wurden nicht pauschal übernommen.[5]
In 3.2.15 stammen die eckigen Klammern um das ergänzte ṃ aus der elektronischen Textgrundlage. In 3.2.20 bleibt die genaue Gliederung des Kompositums vijñānākalamantreśa auslegungsbedürftig; die Übersetzung nennt die darin gelesenen Stufen, ohne eine eindeutige Zuordnung aller Glieder zu behaupten. In 4.14 kann paramākṣara sowohl auf das höchste Unvergängliche als auch auf die höchste Lautgestalt bezogen werden; im Haupttext steht die erste Möglichkeit. An diesen Stellen ist eine erläuternde Lesefassung von einer abschließenden philologischen Entscheidung zu unterscheiden.
Vollständiger Grundtext in IAST mit deutscher Übersetzung
1.1 – Einleitung
1.1.1
kathaṃ cid āsādya maheśvarasya dāsyaṃ janasyāpy upakāram icchan |
samastasaṃpatsamavāptihetuṃ tatpratyabhijñām upapādayāmi || 1.1.1 ||
Nachdem ich auf irgendeine Weise in den Dienst Maheshvaras gelangt bin, möchte ich auch den Menschen helfen. Deshalb begründe ich das Wiedererkennen seiner selbst, den Weg zur Erlangung aller Vollkommenheit.
1.1.2
kartari jñātari svātmany ādisiddhe maheśvare |
ajaḍātmā niṣedhaṃ vā siddhiṃ vā vidadhīta kaḥ || 1.1.2 ||
Wer, der selbst Bewusstsein besitzt, könnte das eigene Selbst – den ursprünglich feststehenden Maheshvara, den Handelnden und Erkennenden – widerlegen oder erst beweisen?
1.1.3
kiṃ tu mohavaśād asmin dṛṣṭe 'py anupalakṣite |
śaktyāviṣkaraṇeneyaṃ pratyabhijñopadarśyate || 1.1.3 ||
Weil dieses Selbst unter dem Einfluss der Verblendung zwar erfahren, aber nicht erkannt wird, wird hier sein Wiedererkennen durch das Offenlegen seiner Kräfte gezeigt.
1.1.4
tathā hi jaḍabhūtānāṃ pratiṣṭhā jīvadāśrayā |
jñānaṃ kriyā ca bhūtānāṃ jīvatāṃ jīvanaṃ matam || 1.1.4 ||
Denn der Bestand der unbewussten Dinge beruht auf einem lebendigen Träger. Erkennen und Handeln gelten als das Leben der lebenden Wesen.
1.1.5
tatra jñānaṃ svataḥsiddhaṃ kriyā kāyāśritā satī |
parair apy upalakṣyeta tayānyajñānam ūhyate || 1.1.5 ||
Dabei ist Erkenntnis durch sich selbst erwiesen. Die am Körper erscheinende Tätigkeit kann auch von anderen wahrgenommen werden; aus ihr erschließt man deren Erkenntnis.
1.2 – Einwände und Gegenpositionen
1.2.1
nanu svalakṣaṇābhāsaṃ jñānam ekaṃ paraṃ punaḥ |
sābhilāpaṃ vikalpākhyaṃ bahudhā nāpi tad dvayam || 1.2.1 ||
[Einwand:] Es gibt einerseits Erkenntnis, in der ein unverwechselbares Einzelnes erscheint, andererseits die vielfältige, mit Sprache verbundene Erkenntnis, die begriffliche Vorstellung heißt. Keine von beiden [gehört einem dauernden Selbst].
1.2.2
nityasya kasya cid draṣṭus tasyātrānavabhāsataḥ |
ahaṃpratītir apy eṣā śarīrādyavasāyinī || 1.2.2 ||
Denn ein solcher ewiger Seher erscheint in ihnen nicht. Auch die Vorstellung „Ich“ bestimmt lediglich den Körper und dergleichen.
1.2.3
athānubhavavidhvaṃse smṛtis tadanurodhinī |
kathaṃ bhaven na nityaḥ syād ātmā yady anubhāvakaḥ || 1.2.3 ||
[Gegeneinwand:] Wie könnte nach dem Vergehen der Wahrnehmung eine ihr entsprechende Erinnerung entstehen, wenn nicht ein beständiges Selbst ihr erfahrender Träger wäre?
1.2.4
satyāpy ātmani dṛṅnāśāt taddvārā dṛṣṭavastuṣu |
smṛtiḥ kenātha yatraivānubhavas tatpadaiva sā || 1.2.4 ||
[Antwort des Gegners:] Auch bei Annahme eines Selbst ist die Wahrnehmung vergangen. Wodurch soll dann Erinnerung an die durch sie gesehenen Dinge entstehen? [Erwiderung:] Sie hat denselben Gegenstandsbereich wie die frühere Erfahrung.
1.2.5
yato hi pūrvānubhavasaṃskārāt smṛtisaṃbhavaḥ |
yady evam antargaḍunā ko 'rthaḥ syāt sthāyinātmanā || 1.2.5 ||
[Der Gegner:] Erinnerung entsteht nämlich aus der Prägung durch die frühere Erfahrung. Wenn es sich so verhält, wozu dient dann ein beständiges Selbst, dieser überflüssige innere Zusatz?
1.2.6
tato bhinneṣu dharmeṣu tatsvarūpāviśeṣataḥ |
saṃskārāt smṛtisiddhau syāt smartā draṣṭeva kalpitaḥ || 1.2.6 ||
Wenn die Erinnerung aus einer Prägung hervorgeht, ohne dass ein Selbst die Beschaffenheit der voneinander verschiedenen Bewusstseinsereignisse verändert, wäre der Erinnernde ebenso wie der Sehende bloß hinzugedacht.
1.2.7
jñānaṃ ca citsvarūpaṃ cet tad anityaṃ kim ātmavat |
athāpi jaḍam etasya katham arthaprakāśatā || 1.2.7 ||
[Prüfung einer weiteren Position:] Wenn Erkenntnis ihrem Wesen nach Bewusstsein ist, weshalb ist sie dann vergänglich, anders als das Selbst? Ist sie hingegen unbewusst, wie könnte sie einen Gegenstand erhellen?
1.2.8
athārthasya yathā rūpaṃ dhatte buddhis tathātmanaḥ |
caitanyam ajaḍā saivaṃ jāḍye nārthaprakāśatā || 1.2.8 ||
[Mögliche Antwort:] Wie die Erkenntnisfähigkeit die Form des Gegenstandes annimmt, so nimmt sie das Bewusstsein des Selbst an; dadurch wäre sie bewusst. [Erwiderung:] Solange sie unbewusst ist, kann sie den Gegenstand nicht erhellen.
1.2.9
kriyāpy arthasya kāyādes tattaddeśādijātatā |
nānyādṛṣṭer na sāpy ekā kramikaikasya cocitā || 1.2.9 ||
[Einwand gegen beständige Täterschaft:] Auch die Tätigkeit eines Körpers oder eines anderen Dinges ist nur dessen Entstehen an diesem oder jenem Ort. Eine weitere Tätigkeit wird nicht wahrgenommen. Auch jene ist keine Einheit, und eine zeitlich aufeinanderfolgende Tätigkeit passt nicht zu einem einzigen [unveränderlichen Träger].
1.2.10
tatra tatra sthite tat tad bhavatīty eva dṛśyate |
nānyan nānyo 'sti saṃbandhaḥ kāryakāraṇabhāvataḥ || 1.2.10 ||
Man sieht lediglich: Wenn dieses jeweils vorhanden ist, entsteht jenes. Es gibt nichts Weiteres und auch keine andere Beziehung als das Verhältnis von Wirkung und Ursache.
1.2.11
dviṣṭhasyānekarūpatvāt siddhasyānyānapekṣaṇāt |
pāratantryādyayogāc ca tena kartāpi kalpitaḥ || 1.2.11 ||
Eine Beziehung zwischen zweien müsste mehrere Gestalten haben; bereits bestehende Dinge bedürfen keines anderen, und Abhängigkeit und dergleichen lassen sich so nicht begründen. Deshalb ist auch ein Handelnder bloß hinzugedacht.
1.3 – Erwiderung: Zusammenhang der Erkenntnisse
1.3.1
satyaṃ kiṃ tu smṛtijñānaṃ pūrvānubhavasaṃskṛteḥ |
jātam apy ātmaniṣṭhaṃ tan nādyānubhavavedakam || 1.3.1 ||
[Utpaladevas Erwiderung:] Gewiss; doch eine Erinnerungserkenntnis, selbst wenn sie aus der Prägung durch eine frühere Erfahrung entsteht, bleibt auf sich selbst beschränkt und erkennt nicht schon deshalb die ursprüngliche Erfahrung.
1.3.2
dṛksvābhāsaiva nānyena vedyā rūpadṛśeva dṛk |
rase saṃskārajatvaṃ tu tattulyatvaṃ na tadgatiḥ || 1.3.2 ||
Eine Erkenntnis leuchtet nur sich selbst auf und wird nicht durch eine andere erkannt, so wie eine Farbwahrnehmung keine Geschmackswahrnehmung erkennt. Aus einer Prägung entstanden zu sein bedeutet Ähnlichkeit mit der früheren Erkenntnis, nicht deren Erfassung.
1.3.3
athātadviṣayatve 'pi smṛtes tadavasāyataḥ |
dṛṣṭālambanatā bhrāntyā tad etad asamañjasam || 1.3.3 ||
[Einwand:] Obwohl Erinnerung die frühere Erfahrung nicht zum Gegenstand hat, bezieht sie sich durch ihre Bestimmung irrtümlich auf das früher Gesehene. [Antwort:] Diese Erklärung ist unstimmig.
1.3.4
smṛtitaiva kathaṃ tāvad bhrānteś cārthasthitiḥ katham |
pūrvānubhavasaṃskārāpekṣā ca kim itīṣyate || 1.3.4 ||
Wie wäre das überhaupt Erinnerung? Wie könnte aus einem Irrtum der Gegenstand feststehen? Und weshalb wird dann eine Abhängigkeit von der Prägung durch die frühere Erfahrung angenommen?
1.3.5
bhrāntitve cāvasāyasya na jaḍād viṣayasthitiḥ |
tato 'jāḍye nijollekhaniṣṭhān nārthasthitis tataḥ || 1.3.5 ||
Ist diese Bestimmung irrtümlich, kann ein unbewusster Vorgang den Gegenstand nicht begründen. Ist sie bewusst, bleibt sie [nach jener Voraussetzung] auf ihre eigene Vorstellung beschränkt; auch so begründet sie den früheren Gegenstand nicht.
1.3.6
evam anyonyabhinnānām aparasparavedinām |
jñānānām anusaṃdhānajanmā naśyej janasthitiḥ || 1.3.6 ||
Auf diese Weise würde die Lebensordnung der Menschen zugrunde gehen, die aus dem Verknüpfen von Erkenntnissen entsteht, obwohl diese [nach der gegnerischen Annahme] voneinander verschieden sind und nichts voneinander wissen,
1.3.7
na ced antaḥkṛtānantaviśvarūpo maheśvaraḥ |
syād ekaś cidvapur jñānasmṛtyapohanaśaktimān || 1.3.7 ||
wenn es nicht den einen Maheshvara gäbe: Bewusstsein seiner Gestalt nach, die unendlichen Formen des Weltalls in sich bergend und mit den Kräften des Erkennens, Erinnerns und Unterscheidens ausgestattet.
1.4 – Erinnerung und erkennendes Selbst
1.4.1
sa hi pūrvānubhūtārthopalabdhā parato 'pi san |
vimṛśan sa iti svairī smaratīty apadiśyate || 1.4.1 ||
Er ist es, der den früher erfahrenen Gegenstand auch später noch erkennt. Wenn er aus eigener Freiheit „das ist jener“ erfasst, nennt man dies Erinnern.
1.4.2
bhāsayec ca svakāle 'rthāt pūrvābhāsitam āmṛśan |
svalakṣaṇaṃ ghaṭābhāsamātreṇāthākhilātmanā || 1.4.2 ||
Indem er das früher Erscheinende aufgreift, lässt er das einzelne Ding zur gegenwärtigen Zeit wieder erscheinen – entweder nur als Erscheinung eines Topfes oder mit seiner vollständigen Besonderheit.
1.4.3
na ca yuktaṃ smṛter bhede smaryamāṇasya bhāsanam |
tenaikyaṃ bhinnakālānāṃ saṃvidāṃ veditaiṣa saḥ || 1.4.3 ||
Wäre das Erinnerte von der Erinnerung völlig getrennt, könnte es in ihr nicht erscheinen. Deshalb ist dieser Erkennende die Einheit der zu verschiedenen Zeiten auftretenden Bewusstseinsakte.
1.4.4
naiva hy anubhavo bhāti smṛtau pūrvo 'rthavat pṛthak |
prāg anvabhūvam aham ity ātmārohaṇabhāsanāt || 1.4.4 ||
Denn die frühere Erfahrung erscheint in der Erinnerung nicht wie ein Gegenstand gesondert. Sie erscheint als in das Selbst aufgenommen: „Ich habe früher erfahren.“
1.4.5
yoginām api bhāsante na dṛśo darśanāntare |
svasaṃvidekamānās tā bhānti meyapade 'pi vā || 1.4.5 ||
Auch Yogis sehen Erkenntnisse nicht in einer anderen Erkenntnis. Diese haben allein ihr Selbstbewusstsein als Erkenntnismittel; selbst wenn sie an der Stelle eines Gegenstandes erscheinen, leuchten sie auf diese Weise.
1.4.6
smaryate yad dṛg āsīn me saivam ity api bhedataḥ |
tad vyākaraṇam evāsyā mayā dṛṣṭam iti smṛteḥ || 1.4.6 ||
Wenn man sich unterscheidend erinnert: „Meine damalige Wahrnehmung war so“, ist dies lediglich eine Entfaltung der Erinnerung „Ich habe gesehen“.
1.4.7
yā ca paśyāmy aham imaṃ ghaṭo 'yam iti vāvasā |
manyate samavetaṃ sāpy avasātari darśanam || 1.4.7 ||
Auch eine Bestimmung wie „Ich sehe diesen“ oder „Dies ist ein Topf“ setzt die Wahrnehmung als im bestimmenden Subjekt enthalten voraus.
1.4.8
tan mayā dṛśyate dṛṣṭo 'yaṃ sa ity āmṛśaty api |
grāhyagrāhakatābhinnāv arthau bhātaḥ pramātari || 1.4.8 ||
Deshalb erscheinen auch beim Erfassen „Das wird von mir gesehen“, „Das habe ich gesehen“, „dieser“ oder „jener“ die beiden als Gegenstand und Erfasser unterschiedenen Seiten im erkennenden Subjekt.
1.5 – Erscheinen, Sich-Erfassen und Freiheit
1.5.1
vartamānāvabhāsānāṃ bhāvānām avabhāsanam |
antaḥsthitavatām eva ghaṭate bahir ātmanā || 1.5.1 ||
Dass die gegenwärtig erscheinenden Dinge in äußerer Gestalt aufleuchten, ist nur möglich, wenn sie im Inneren [des Bewusstseins] bestehen.
1.5.2
prāgivārtho 'prakāśaḥ syāt prakāśātmatayā vinā |
na ca prakāśo bhinnaḥ syād ātmārthasya prakāśatā || 1.5.2 ||
Ohne das Wesen des Leuchtens zu besitzen, bliebe der Gegenstand unbeleuchtet wie zuvor. Das Leuchten kann nicht von ihm getrennt sein: Das Erscheinen ist das eigene Wesen des Gegenstandes.
1.5.3
bhinne prakāśe cābhinne saṃkaro viṣayasya tat |
prakāśātmā prakāśyo 'rtho nāprakāśaś ca siddhyati || 1.5.3 ||
Wäre das Leuchten vom Gegenstand verschieden und in sich unterschiedslos, würden die Gegenstände durcheinandergeraten. Daher besteht der erscheinende Gegenstand als Leuchten; ein gänzlich nicht erscheinender Gegenstand lässt sich nicht begründen.
1.5.4
tattadākasmikābhāso bāhyaṃ ced anumāpayet |
na hy abhinnasya bodhasya vicitrābhāsahetutā || 1.5.4 ||
[Einwand:] Das jeweils unvermittelt auftretende Erscheinen lässt auf etwas Äußeres schließen. Denn das unterschiedslose Bewusstsein kann nicht Ursache der vielfältigen Erscheinungen sein.
1.5.5
na vāsanāprabodho 'tra vicitro hetutām iyāt |
tasyāpi tatprabodhasya vaicitrye kim nibandhanam || 1.5.5 ||
Auch das unterschiedliche Erwachen latenter Eindrücke kann hier nicht als Ursache dienen. Worauf beruht denn seinerseits die Verschiedenheit ihres Erwachens?
1.5.6
syād etad avabhāseṣu teṣv evāvasite sati |
vyavahāre kim anyena bāhyenānupapattinā || 1.5.6 ||
[Antwort:] Wenn sich das gesamte praktische Leben innerhalb eben dieser Erscheinungen vollzieht, wozu bedarf es eines weiteren, äußeren Gegenstandes, dessen Annahme Schwierigkeiten bereitet?
1.5.7
cidātmaiva hi devo 'ntaḥsthitam icchāvaśād bahiḥ |
yogīva nirupādānam arthajātaṃ prakāśayet || 1.5.7 ||
Der Gott, dessen Wesen Bewusstsein ist, lässt allein durch seinen Willen die in ihm bestehende Vielheit der Gegenstände äußerlich erscheinen – wie ein Yogi, ohne einen äußeren Werkstoff zu benötigen.
1.5.8
anumānam anābhātapūrve naiveṣṭam indriyam |
ābhātam eva bījāder ābhāsād dhetuvastunaḥ || 1.5.8 ||
Eine Schlussfolgerung auf etwas, das zuvor überhaupt nie erschienen ist, wird nicht zugestanden. Auch das Sinnesvermögen ist [als etwas Ursächliches] bereits erschienen, weil verursachende Dinge wie Samen erschienen sind.
1.5.9
ābhāsaḥ punarābhāsād bāhyasyāsīt kathaṃ cana |
arthasya naiva tenāsya siddhir nāpy anumānataḥ || 1.5.9 ||
Ein vom Erscheinen ausgeschlossener äußerer Gegenstand ist niemals auf irgendeine Weise erschienen. Deshalb lässt er sich auch nicht durch eine Schlussfolgerung nachweisen.
1.5.10
svāminaś cātmasaṃsthasya bhāvajātasya bhāsanam |
asty eva na vinā tasmād icchāmarśaḥ pravartate || 1.5.10 ||
Für den Herrn gibt es durchaus ein Erscheinen der in ihm bestehenden Gesamtheit der Dinge. Ohne dieses könnte sich sein bewusstes Wollen nicht vollziehen.
1.5.11
svabhāvam avabhāsasya vimarśaṃ vidur anyathā |
prakāśo 'rthoparakto 'pi sphaṭikādijaḍopamaḥ || 1.5.11 ||
Als Wesen des Erscheinens gilt dessen bewusstes Sich-Erfassen. Andernfalls wäre das Leuchten, auch wenn es durch Gegenstände gefärbt wird, einem unbewussten Kristall oder Ähnlichem gleich.
1.5.12
ātmāta eva caitanyaṃ citkriyā citikartṛtā |
tātparyeṇoditas tena jaḍāt sa hi vilakṣaṇaḥ || 1.5.12 ||
Eben deshalb wird das Selbst im eigentlichen Sinne als Bewusstheit, als Tätigkeit des Bewusstseins und als dessen Täterschaft bezeichnet: Dadurch unterscheidet es sich vom Unbewussten.
1.5.13
citiḥ pratyavamarśātmā parā vāk svarasoditā |
svātantryam etan mukhyaṃ tad aiśvaryaṃ paramātmanaḥ || 1.5.13 ||
Bewusstsein ist seinem Wesen nach bewusstes Sich-Erfassen; es ist die höchste Sprache, die aus sich selbst hervortritt. Dies ist die Freiheit im ursprünglichen Sinne, die Herrschermacht des höchsten Selbst.
1.5.14
sā sphurattā mahāsattā deśakālāviśeṣinī |
saiṣā sāratayā proktā hṛdayaṃ parameṣṭhinaḥ || 1.5.14 ||
Sie ist lebendiges Aufleuchten, das große Sein, das durch Ort und Zeit nicht eingeschränkt wird. Weil sie den innersten Gehalt bildet, wird sie das Herz des Höchsten genannt.
1.5.15
ātmānam ata evāyaṃ jñeyīkuryāt pṛthaksthiti |
jñeyaṃ na tu tadaunmukhyāt khaṇḍyetāsya svatantratā || 1.5.15 ||
Deshalb kann er sich selbst zum erkennbaren Gegenstand machen. Wäre das Erkennbare unabhängig von ihm vorhanden, würde seine Freiheit durch die notwendige Hinwendung zu diesem eingeschränkt.
1.5.16
svātantryāmuktātmānaṃ svātantryād advayātmanaḥ |
prabhur īśādisaṃkalpair nirmāya vyavahārayet || 1.5.16 ||
Aus Freiheit bringt der Herr, dessen Wesen nichtdual ist, ein seiner Freiheit beraubtes Selbst hervor und lässt es mit Vorstellungen wie „Herr“ und dergleichen am Weltgeschehen teilnehmen.
1.5.17
nāhantādiparāmarśabhedād asyānyatātmanaḥ |
ahaṃmṛśyatayaivāsya sṛṣtes tiṅvācyakarmavat || 1.5.17 ||
Durch verschiedene Selbstauffassungen wie „Ich“ wird dieses Selbst nicht zu etwas anderem. Denn auch seine Hervorbringung geschieht als etwas, das als „Ich“ erfasst wird – wie das durch eine Verbalendung bezeichnete Handeln.
1.5.18
māyāśaktyā vibhoḥ saiva bhinnasaṃvedyagocarā |
kathitā jñānasaṃkalpādhyavasāyādināmabhiḥ || 1.5.18 ||
Dieselbe [Kraft] des Allgegenwärtigen richtet sich durch seine Maya-Kraft auf voneinander unterschiedene Gegenstände. Dann wird sie mit Namen wie Erkenntnis, Vorstellung und bestimmendes Urteil bezeichnet.
1.5.19
sākṣātkārakṣaṇe 'py asti vimarśaḥ katham anyathā |
dhāvanādy upapadyeta pratisaṃdhānavarjitam || 1.5.19 ||
Selbst im Augenblick unmittelbarer Wahrnehmung ist bewusstes Erfassen vorhanden. Wie wäre sonst beispielsweise ein Laufen möglich, bei dem ein ausdrückliches nachträgliches Verknüpfen fehlt?
1.5.20
ghaṭo 'yam ity adhyavasā nāmarūpātirekiṇī |
pareśaśaktir ātmeva bhāsate na tv idantayā || 1.5.20 ||
Die Bestimmung „Dies ist ein Topf“ geht über Name und Gestalt hinaus. Als Kraft des höchsten Herrn erscheint sie wie das Selbst und nicht als ein „Dies“.
1.5.21
kevalaṃ bhinnasamvedyadeśakālānurodhataḥ |
jñānasmṛtyavasāyādi sakramaṃ pratibhāsate || 1.5.21 ||
Nur aufgrund ihrer Ausrichtung auf getrennte Gegenstände, Orte und Zeiten erscheint sie als zeitliche Folge von Erkenntnis, Erinnerung, bestimmendem Urteil und dergleichen.
1.6 – Ichbewusstsein und begriffliche Vorstellung
1.6.1
ahaṃpratyavamarśo yaḥ prakāśātmāpi vāgvapuḥ |
nāsau vikalpaḥ sa hy ukto dvayākṣepī viniścayaḥ || 1.6.1 ||
Das bewusste Erfassen „Ich“ ist, obwohl es Leuchten und Sprache zu seinem Wesen hat, keine begriffliche Unterscheidung. Denn diese wurde als Bestimmung erklärt, die zwei Gegensätze voraussetzt.
1.6.2
bhinnayor avabhāso hi syād ghaṭāghaṭayor dvayoḥ |
prakāśasyeva nānyasya bhedinas tv avabhāsanam || 1.6.2 ||
Bei Topf und Nicht-Topf können zwei voneinander verschiedene Erscheinungen auftreten. Beim Leuchten hingegen erscheint kein davon verschiedenes anderes.
1.6.3
tadatatpratibhābhājā mātraivātadvyapohanāt |
tanniścayanamukto hi vikalpo ghaṭa ity ayam || 1.6.3 ||
Die als „Topf“ bezeichnete begriffliche Bestimmung besteht darin, dass ein Subjekt, dem dieses und anderes erscheinen, das Andere ausschließt und dadurch dieses festlegt.
1.6.4
cittattvaṃ māyayā hitvā bhinna evāvabhāti yaḥ |
dehe buddhāv atha prāṇe kalpite nabhasīva vā || 1.6.4 ||
Was hingegen durch Maya sein Bewusstseinswesen verlässt und als getrennt erscheint – im Körper, in der Erkenntnisfähigkeit, im Lebensatem oder in einer vorgestellten Leere wie dem Raum –,
1.6.5
pramātṛtvenāham iti vimarśo 'nyavyapohanāt |
vikalpa eva sa parapratiyogy avabhāsajaḥ || 1.6.5 ||
dessen Selbstauffassung „Ich“ als erkennendes Subjekt ist eine begriffliche Bestimmung, weil sie anderes ausschließt. Sie entsteht aus einer Erscheinung, die einem anderen gegenübersteht.
1.6.6
kādācitkāvabhāse yā pūrvābhāsādiyojanā |
saṃskārāt kalpanā proktā sāpi bhinnāvabhāsini || 1.6.6 ||
Wird etwas nur zeitweilig Erscheinendes aufgrund einer Prägung mit einer früheren Erscheinung und dergleichen verbunden, nennt man dies begriffliche Konstruktion. Auch diese betrifft getrennt Erscheinendes.
1.6.7
tad evaṃ vyavahāre 'pi prabhur dehādim āviśan |
bhāntam evānta arthaugham icchayā bhāsayed bahiḥ || 1.6.7 ||
So tritt der Herr auch im alltäglichen Umgang in Körper und dergleichen ein und lässt die in ihm bereits erscheinende Gegenstandswelt nach seinem Willen äußerlich aufleuchten.
1.6.8
evaṃ smṛtau vikalpe vāpy apohanaparāyaṇe |
jñāne vāpy antarābhāsaḥ sthita eveti niścitam || 1.6.8 ||
Damit steht fest: In Erinnerung, in der auf Ausschluss gerichteten begrifflichen Vorstellung und auch in unmittelbarer Erkenntnis ist stets eine innere Erscheinung vorhanden.
1.6.9
kiṃ tu naisargiko jñāne bahirābhāsanātmani |
pūrvānubhavarūpas tu sthitaḥ sa smaraṇādiṣu || 1.6.9 ||
In der Erkenntnis, deren Wesen das äußere Erscheinen ist, ist sie ursprünglich gegeben; in Erinnerung und ähnlichen Vorgängen besteht sie in der Gestalt einer früheren Erfahrung.
1.6.10
sa naisargika evāsti vikalpe svairacāriṇi |
yathābhimatasaṃsthānābhāsanād buddhigocare || 1.6.10 ||
Auch in der frei umherschweifenden Vorstellung ist sie ursprünglich vorhanden, da im Bereich der Erkenntnisfähigkeit Gestalten nach Belieben erscheinen.
1.6.11
ata eva yathābhīṣṭasamullekhāvabhāsanāt |
jñānakriye sphuṭe eva siddhe sarvasya jīvataḥ || 1.6.11 ||
Eben weil die bewusste Vorstellung nach Wunsch erscheint, sind bei jedem lebenden Wesen Erkennen und Handeln klar und unmittelbar erwiesen.
1.7 – Einheit des Erkennenden und gültige Erkenntnis
1.7.1
yā caiṣā pratibhā tattatpadārthakramarūṣitā |
akramānantacidrūpaḥ pramātā sa maheśvaraḥ || 1.7.1 ||
Dieses Aufleuchten, das von der Abfolge der jeweiligen Gegenstände geprägt erscheint, ist der Erkennende selbst: Maheshvara, dessen Wesen unendliches, keiner Abfolge unterworfenes Bewusstsein ist.
1.7.2
tattadvibhinnasaṃvittimukhair ekapramātari |
pratitiṣṭhatsu bhāveṣu jñāteyam upapadyate || 1.7.2 ||
Erkenntnis der Dinge wird möglich, indem sie durch ihre verschiedenen Bewusstseinsakte in dem einen erkennenden Subjekt Bestand gewinnen.
1.7.3
deśakālakramajuṣām arthānāṃ svasamāpinām |
sakṛdābhāsasādhyo 'sāv anyathā kaḥ samanvayaḥ || 1.7.3 ||
Wie könnten Gegenstände, die räumlicher und zeitlicher Folge unterliegen und jeweils auf sich beschränkt sind, anders zusammenhängen als durch ihr gemeinsames Erscheinen?
1.7.4
pratyakṣānupalambhānāṃ tattadbhinnāṃśapātinām |
kāryakāraṇatāsiddhihetutaikapramātṛjā || 1.7.4 ||
Dass Wahrnehmungen und Nichtwahrnehmungen, die jeweils verschiedene Seiten erfassen, das Verhältnis von Ursache und Wirkung feststellen können, beruht auf dem einen erkennenden Subjekt.
1.7.5
smṛtau yaiva svasaṃvittiḥ pramāṇaṃ svātmasaṃbhave |
pūrvānubhavasadbhāve sādhanaṃ saiva nāparam || 1.7.5 ||
Dasselbe Selbstbewusstsein, das in der Erinnerung ihre eigene Existenz verbürgt, ist auch das Erkenntnismittel für das Vorhandensein der früheren Erfahrung; kein anderes ist dafür erforderlich.
1.7.6
bādhyabādhakabhāvo 'pi svātmaniṣṭhāvirodhinām |
jñānānām udiyād ekapramātṛpariniṣṭhiteḥ || 1.7.6 ||
Auch das Verhältnis von widerlegter und widerlegender Erkenntnis könnte bei Erkenntnissen, die für sich genommen einander nicht widersprechen, nur dadurch entstehen, dass beide in einem einzigen erkennenden Subjekt gründen.
1.7.7
viviktabhūtalajñānaṃ ghaṭābhāvamatir yathā |
tathā cecchuktikājñānaṃ rūpyajñānāpramātvavit || 1.7.7 ||
[Einwand:] Wie die Erkenntnis eines leeren Bodens bereits Erkenntnis des Nichtvorhandenseins eines Topfes ist, so erkennt auch die Wahrnehmung einer Muschelschale die Ungültigkeit der zuvor entstandenen Silbererkenntnis.
1.7.8
naivaṃ śuddhasthalajñānāt siddhyet tasyāghaṭātmanā |
na tūpalabdhiyogyasyāpy atrābhāvo ghaṭātmanaḥ || 1.7.8 ||
[Antwort:] So ist es nicht. Aus der Erkenntnis des bloßen Bodens ergibt sich, dass dieser kein Topf ist; daraus ergibt sich noch nicht das Nichtvorhandensein eines Topfes an dieser Stelle, selbst wenn er dort wahrnehmbar wäre.
1.7.9
viviktaṃ bhūtalaṃ śaśvad bhāvānāṃ svātmaniṣṭhiteḥ |
tat kathaṃ jātu tajjñānaṃ bhinnasyābhāvasādhanam || 1.7.9 ||
Weil die Dinge jeweils in sich selbst bestehen, ist der Boden jederzeit vom Topf verschieden. Wie könnte dann die Erkenntnis des Bodens gelegentlich das Nichtvorhandensein eines anderen Dinges beweisen?
1.7.10
kim tv ālokacayo 'ndhasya sparśo voṣṇādiko mṛduḥ |
tatrāsti sādhayet tasya svajñānam aghaṭātmatām || 1.7.10 ||
Vielmehr ist dort ein Lichtgefüge vorhanden oder für einen Blinden eine sanfte, warme oder andere Berührung. Deren jeweilige Erkenntnis mag beweisen, dass diese selbst kein Topf sind.
1.7.11
piśācaḥ syād anāloko 'py ālokābhyantare yathā |
adṛśyo bhūtalasyānta na niṣedhyaḥ sa sarvathā || 1.7.11 ||
Wie ein lichtloser Geistwesen-Spuk mitten im Licht vorhanden sein könnte, so ist etwas Unsichtbares am Boden dadurch keineswegs vollständig ausgeschlossen.
1.7.12
evaṃ rūpyavidābhāvarūpā śuktimatir bhavet |
na tv ādyarajatajñapteḥ syād aprāmāṇyavedikā || 1.7.12 ||
Entsprechend könnte die Muschelerkenntnis lediglich das Fehlen einer Silbererkenntnis darstellen; sie würde noch nicht erkennen lassen, dass die frühere Silbererkenntnis ungültig war.
1.7.13
dharmyasiddher api bhaved bādhā naivānumānataḥ |
svasaṃvedanasiddhā tu yuktā saikapramātṛjā || 1.7.13 ||
Auch durch Schlussfolgerung ließe sich diese Widerlegung nicht leisten, weil bereits ihr Gegenstand nicht feststeht. Wohl aber ist sie als durch Selbstbewusstsein erwiesen verständlich, wenn sie aus dem einen erkennenden Subjekt hervorgeht.
1.7.14
ittham atyarthabhinnārthāvabhāsakhacite vibhau |
samalo vimalo vāpi vyavahāro 'nubhūyate || 1.7.14 ||
So wird der alltägliche Umgang, ob mit Unreinheit behaftet oder rein, in dem Allgegenwärtigen erfahren, der von Erscheinungen äußerst unterschiedlicher Gegenstände durchsetzt ist.
1.8 – Innerlichkeit und Äußerlichkeit
1.8.1
tātkālikākṣasāmakṣyasāpekṣāḥ kevalaṃ kva cit |
ābhāsā anyathānyatra tv andhāndhatamasādiṣu || 1.8.1 ||
Nur in manchen Fällen hängen Erscheinungen von einem gegenwärtigen Kontakt mit den Sinnen ab. Anders verhält es sich in anderen Fällen, etwa bei Blinden oder in völliger Finsternis.
1.8.2
viśeṣo 'rthāvabhāsasya sattāyāṃ na punaḥ kva cit |
vikalpeṣu bhaved bhāvibhavadbhūtārthagāmiṣu || 1.8.2 ||
Darin liegt ein Unterschied im Erscheinen der Gegenstände, nicht aber im Sein [der Erscheinung]. Das gilt auch für Vorstellungen, die sich auf künftige, gegenwärtige oder vergangene Gegenstände richten.
1.8.3
sukhādiṣu ca saukhyādihetuṣv api ca vastuṣu |
avabhāsasya sadbhāve 'py atītatvāt tathā sthitiḥ || 1.8.3 ||
Bei Lust und ähnlichen Zuständen sowie bei Dingen, die Lust hervorrufen, besteht zwar eine Erscheinung; wenn sie jedoch als vergangen erscheinen, bleibt ihr Zustand entsprechend bestimmt.
1.8.4
gāḍham ullikhyamāne tu vikalpena sukhādike |
tathā sthitis tathaiva syāt sphuṭam asyopalakṣaṇāt || 1.8.4 ||
Wird Lust oder Ähnliches durch Vorstellung hingegen intensiv vergegenwärtigt, tritt ein entsprechender Zustand tatsächlich ein, weil sie deutlich erfahren wird.
1.8.5
bhāvābhāvāvabhāsānāṃ bāhyatopādhir iṣyate |
nātmā sattā tatas teṣām āntarāṇāṃ satāṃ sadā || 1.8.5 ||
Äußerlichkeit gilt bei Erscheinungen des Vorhandenseins und Nichtvorhandenseins als zusätzliche Bestimmung, nicht als ihr Wesen. Deshalb besitzen sie als innere Erscheinungen stets Sein.
1.8.6
āntaratvāt pramātraikye naiṣāṃ bhedanibandhanā |
arthakriyāpi bāhyatve sā bhinnābhāsabhedataḥ || 1.8.6 ||
Da sie innerlich mit dem erkennenden Subjekt eins sind, fehlt dort eine auf Trennung beruhende Wirksamkeit. Bei äußerem Erscheinen entsteht diese entsprechend der Verschiedenheit der getrennten Erscheinungen.
1.8.7
cinmayatve 'vabhāsānām anta eva sthitiḥ sadā |
māyayā bhāsamānānāṃ bāhyatvād bahir apy asau || 1.8.7 ||
Weil die Erscheinungen aus Bewusstsein bestehen, bleiben sie stets im Inneren. Weil sie durch Maya als äußerlich erscheinen, besteht ihre Gegenwart zugleich auch draußen.
1.8.8
vikalpe yo 'yam ullekhaḥ so 'pi bāhyaḥ pṛthakprathaḥ |
pramātraikātmyam āntaryaṃ tato bhedo hi bāhyatā || 1.8.8 ||
Auch die in einer Vorstellung entworfene Gestalt ist insofern äußerlich, als sie gesondert erscheint. Innerlichkeit ist Einheit mit dem erkennenden Subjekt; Verschiedenheit von ihm ist Äußerlichkeit.
1.8.9
ullekhasya sukhādeś ca prakāśo bahir ātmanā |
icchāto bhartur adhyakṣarūpo 'kṣādibhuvāṃ yathā || 1.8.9 ||
Dass eine Vorstellung, Lust und dergleichen als etwas Äußeres erscheinen, hat durch den Willen des Herrn die Form unmittelbarer Wahrnehmung, ebenso wie das Erscheinen der durch die Sinne hervorgebrachten Gegenstände.
1.8.10
tadaikyena vinā na syāt saṃvidāṃ lokapaddhatiḥ |
prakāśaikyāt tad ekatvaṃ mātaikaḥ sa iti sthitam || 1.8.10 ||
Ohne die Einheit dieser Bewusstseinsakte wäre der Gang des menschlichen Lebens unmöglich. Ihre Einheit beruht auf der Einheit des Leuchtens. Damit steht fest, dass der Erkennende einer ist.
1.8.11
sa eva vimṛśattvena niyatena maheśvaraḥ |
vimarśa eva devasya śuddhe jñānakriye yataḥ || 1.8.11 ||
Eben dieser ist Maheshvara, weil ihm notwendig das bewusste Sich-Erfassen zukommt. Denn das bewusste Erfassen selbst ist das reine Erkennen und Handeln des Gottes.
2.1 – Handlung, Raum und Zeit
2.1.1
ata eva yad apy uktaṃ kriyā naikasya sakramā |
eketyādi pratikṣiptaṃ tad ekasya samarthanāt || 2.1.1 ||
Damit ist auch der frühere Einwand widerlegt, eine einheitliche Tätigkeit könne nicht einem einzigen Träger zukommen und zugleich zeitlich aufeinanderfolgen; denn der eine Träger ist begründet worden.
2.1.2
sakramatvaṃ ca laukikyāḥ kriyāyāḥ kālaśaktitaḥ |
ghaṭate na tu śāśvatyāḥ prābhavyāḥ syāt prabhor iva || 2.1.2 ||
Die zeitliche Folge weltlicher Tätigkeit wird durch die Zeitkraft möglich. Der ewigen, herrscherlichen Tätigkeit kommt hingegen ebenso wenig eine zeitliche Folge zu wie dem Herrn selbst.
2.1.3
kālaḥ sūryādisaṃcāras tattatpuṣpādijanma vā |
śītoṣṇe vātha tallakṣyaḥ krama eva sa tattvataḥ || 2.1.3 ||
Zeit mag man als Bewegung der Sonne und dergleichen, als jeweiliges Entstehen von Blüten oder als Kälte und Wärme auffassen. Ihrem Wesen nach ist sie jedoch die dadurch angezeigte Folge.
2.1.4
kramo bhedāśrayo bhedo 'py ābhāsasadasattvataḥ |
ābhāsasadasattve tu citrābhāsakṛtaḥ prabhoḥ || 2.1.4 ||
Folge beruht auf Unterschied, und Unterschied wiederum auf dem Vorhandensein oder Fehlen einer Erscheinung. Dieses Vorhandensein und Fehlen geht vom Herrn aus, der vielfältige Erscheinungen hervorbringt.
2.1.5
mūrtivaicitryato deśakramam ābhāsayaty asau |
kriyāvaicitryanirbhāsāt kālakramam apīśvaraḥ || 2.1.5 ||
Durch die Mannigfaltigkeit der Gestalten lässt er räumliche Folge erscheinen; durch die Mannigfaltigkeit der Tätigkeiten lässt Ishvara auch zeitliche Folge aufleuchten.
2.1.6
sarvatrābhāsabhedo 'pi bhavet kālakramākaraḥ |
vicchinnabhāsaḥ śūnyāder mātur bhātasya no sakṛt || 2.1.6 ||
Jeder Unterschied von Erscheinungen kann zur Quelle zeitlicher Folge werden: für ein Subjekt, das als Leere oder dergleichen mit unterbrochenem Leuchten erscheint, nicht aber für das auf einmal leuchtende [unbegrenzte Bewusstsein].
2.1.7
deśakramo 'pi bhāveṣu bhāti mātur mitātmanaḥ |
svātmeva svātmanā pūrṇā bhāvā bhānty amitasya tu || 2.1.7 ||
Auch räumliche Folge erscheint in den Dingen für ein Subjekt, dessen Selbst begrenzt ist. Dem Unbegrenzten hingegen erscheinen die Dinge wie sein eigenes Selbst, durch dieses Selbst ganz erfüllt.
2.1.8
kiṃ tu nirmāṇaśaktiḥ sāpy evaṃ viduṣa īśituḥ |
tathā vijñātṛvijñeyabhedo yad avabhāsyate || 2.1.8 ||
Doch auch dies ist die Gestaltungskraft des Herrn, der auf diese Weise erkennt: dass nämlich ein Unterschied zwischen Erkennendem und Erkanntem sichtbar wird.
2.2 – Beziehung und begriffliche Erkenntnis
2.2.1
kriyāsaṃbandhasāmānyadravyadikkālabuddhayaḥ |
satyāḥ sthairyopayogābhyām ekānekāśrayā matāḥ || 2.2.1 ||
Die Begriffe von Tätigkeit, Beziehung, Allgemeinem, Substanz, Richtung und Zeit gelten als wahr, weil sie Bestand und praktische Bedeutung haben. Sie stützen sich auf Einheit und Vielheit.
2.2.2
tatraikam āntaraṃ tattvaṃ tad evendriyavedyatām |
saṃprāpyānekatāṃ yāti deśakālasvabhāvataḥ || 2.2.2 ||
Dabei ist die innere Wirklichkeit eine. Eben diese gelangt zur Wahrnehmbarkeit durch die Sinne und nimmt aufgrund von Ort, Zeit und eigener Beschaffenheit Vielheit an.
2.2.3
taddvayālambanā etā mano 'nuvyavasāyi sat |
karoti mātṛvyāpāramayīḥ karmādikalpanāḥ || 2.2.3 ||
Auf diese beiden Seiten gestützt, vollzieht der Geist ein nachgehendes Bestimmen und bildet Vorstellungen von Handlung und dergleichen; diese bestehen in der Tätigkeit des erkennenden Subjekts.
2.2.4
svātmaniṣṭhā viviktābhā bhāvā ekapramātari |
anyonyānvayarūpaikyayujaḥ saṃbandhadhīpadam || 2.2.4 ||
Die Dinge bestehen jeweils in sich und erscheinen gesondert. In dem einen erkennenden Subjekt besitzen sie jedoch eine Einheit wechselseitiger Verknüpfung und werden so zum Gegenstand des Beziehungsbegriffs.
2.2.5
jātidravyāvabhāsānām bahir apy ekarūpatām |
vyaktyekadeśabhedaṃ cāpy ālambante vikalpanāḥ || 2.2.5 ||
Die begrifflichen Vorstellungen erfassen bei Erscheinungen von Gattung und Substanz auch äußerlich eine einheitliche Gestalt sowie den Unterschied der einzelnen Exemplare beziehungsweise Teile.
2.2.6
kriyāvimarśaviṣayaḥ kārakāṇāṃ samanvayaḥ |
avadhyavadhimadbhāvānvayālambā digādidhīḥ || 2.2.6 ||
Die Zusammenordnung der an einer Handlung beteiligten Faktoren ist Gegenstand des bewussten Erfassens einer Tätigkeit. Der Begriff von Richtung und ähnliche Begriffe beruhen auf der Beziehung zwischen einem Bezugspunkt und dem darauf Bezogenen.
2.2.7
evam evarthasiddhiḥ syān mātur arthakriyārthinaḥ |
bhedābhedavatārthena tena na bhrāntir īdṛśī || 2.2.7 ||
Nur so kann das Subjekt, das eine praktische Wirkung sucht, seinen Zweck durch einen Gegenstand erreichen, der Unterschied und Einheit besitzt. Eine solche Erkenntnis ist deshalb kein Irrtum.
2.3 – Erkenntnismittel und Gegenstandsbestimmung
2.3.1
idam etādṛgityevaṃ yad vaśād vyavatiṣṭhate |
vastu pramāṇaṃ tat so 'pi svābhāso 'bhinavodayaḥ || 2.3.1 ||
Dasjenige, durch dessen Kraft ein Gegenstand als „dieser, so beschaffen“ feststeht, ist ein Erkenntnismittel. Auch dieses ist eine eigene, neu auftretende Erscheinung.
2.3.2
so 'ntas tathāvimarśātmā deśakālādyabhedini |
ekābhidhānaviṣaye mitir vastuny abādhitā || 2.3.2 ||
Dieses Erkennen hat innerlich die Gestalt einer entsprechenden bewussten Bestimmung. Es ist gültige Erkenntnis eines nicht widerlegten Gegenstandes, der hinsichtlich Ort, Zeit und dergleichen eine Einheit bildet und unter eine Bezeichnung fällt.
2.3.3
yathāruci yathārthitvaṃ yathāvyutpatti bhidyate |
ābhāso 'py artha ekasminn anusaṃdhānasādhite || 2.3.3 ||
Je nach Vorliebe, praktischem Bedürfnis und Kenntnis unterscheidet sich die Erscheinung, obwohl der Gegenstand durch zusammenfassendes Erkennen als einer feststeht.
2.3.4
dīrghavṛttordhvapuruṣadhūmacāndanatādibhiḥ |
yathābhāsā vibhidyante deśakālāvibhedinaḥ || 2.3.4 ||
So unterscheiden sich Erscheinungen als länglich, rund, aufrecht, als Mensch, als Rauch, als aus Sandelholz bestehend und dergleichen, obwohl Ort und Zeit sich nicht unterscheiden.
2.3.5
tathaiva sadghaṭadravyakāñcanojjvalatādayaḥ |
ābhāsabhedā bhinnārthakāriṇas te padaṃ dhvaneḥ || 2.3.5 ||
Ebenso gibt es Erscheinungsunterschiede wie Sein, Topfsein, Substanzsein, Goldensein und Glänzen. Sie ermöglichen verschiedene Wirkungen und bilden den Gegenstand sprachlicher Bezeichnung.
2.3.6
ābhāsabhedād vastūnāṃ niyatārthakriyā punaḥ |
sāmānādhikaraṇyena pratibhāsād abhedinām || 2.3.6 ||
Die bestimmte praktische Wirksamkeit der Dinge entsteht wiederum dadurch, dass verschiedene Erscheinungen, ohne getrennt zu sein, als auf denselben Träger bezogen erscheinen.
2.3.7
pṛthagdīpaprakāśānāṃ srotasāṃ sāgare yathā |
aviruddhāvabhāsānām ekakāryā tathaikyadhīḥ || 2.3.7 ||
Wie die Strahlen einzelner Lampen oder die Ströme im Meer zusammenwirken, so ergibt sich bei miteinander verträglichen Erscheinungen die Erkenntnis einer Einheit, die eine gemeinsame Wirkung hervorbringt.
2.3.8
tatrāviśiṣṭe vahnyādau kāryakāraṇatoṣṇatā |
tattacchabdārthatādyātmā pramāṇād ekato mataḥ || 2.3.8 ||
Bei Feuer und Ähnlichem, zunächst ohne weitere Besonderung erfasst, werden aus einem einzigen Erkenntnismittel Eigenschaften wie bestimmtes Verursachen und Verursachtwerden, Wärme sowie die Bedeutung des jeweiligen Wortes erkannt.
2.3.9
sā tu deśādikādhyakṣāntarabhinne svalakṣaṇe |
tātkālikī pravṛttiḥ syād arthino 'py anumānataḥ || 2.3.9 ||
Das gegenwärtige Tätigwerden eines Menschen mit einem bestimmten Ziel richtet sich jedoch auf ein Einzelding, das durch weitere Wahrnehmungen von Ort und dergleichen unterschieden ist – auch dann, wenn der Anstoß aus einer Schlussfolgerung stammt.
2.3.10
dūrāntikatayārthānāṃ parokṣādhyakṣatātmanā |
bāhyāntaratayā doṣair vyañjakasyānyathāpi vā || 2.3.10 ||
Ob die Dinge fern oder nah, mittelbar oder unmittelbar, äußerlich oder innerlich erscheinen, ob Mängel des offenbarenden Mittels oder andere Umstände vorliegen,
2.3.11
bhinnāvabhāsacchāyānām api mukhyāvabhāsataḥ |
ekapratyavamarśākhyād ekatvam anivāritam || 2.3.11 ||
ihre Einheit bleibt trotz solcher unterschiedlichen Schattierungen des Erscheinens unbestritten, sofern ihre maßgebende Erscheinung dieselbe ist: ein einziges bewusstes Erfassen.
2.3.12
arthakriyāpi sahajā nārthānām īśvarecchayā |
niyatā sā hi tenāsyā nākriyāto 'nyatā bhavet || 2.3.12 ||
Auch praktische Wirksamkeit ist den Dingen nicht von Natur aus eigen; sie wird durch Ishvaras Willen festgelegt. Deshalb wird ein Gegenstand durch das Fehlen dieser Wirkung nicht schon zu etwas anderem.
2.3.13
rajataikavimarśe 'pi śuktau na rajatasthitiḥ |
upādhideśāsaṃvādād dvicandre 'pi nabho 'nyathā || 2.3.13 ||
Obwohl Muschelschale und Silber unter derselben Bestimmung „Silber“ erfasst werden können, besteht in der Muschelschale kein Silber, weil die örtlichen Bedingungen nicht übereinstimmen. Auch beim Sehen eines doppelten Mondes entspricht die Stelle am Himmel nicht dem Erscheinenden.
2.3.14
guṇaiḥ śabdādibhir bhedo jātyādibhir abhinnatā |
bhāvānām ittham ekatra pramātary upapadyate || 2.3.14 ||
So sind Verschiedenheit der Dinge aufgrund von Eigenschaften wie Klang und ihre Einheit aufgrund von Gattung und dergleichen innerhalb eines einzigen erkennenden Subjekts verständlich,
2.3.15
viśvavaicitryacitrasya samabhittitalopame |
viruddhābhāvasaṃsparśe paramārthasatīśvare || 2.3.15 ||
in Ishvara, dem wahrhaft Seienden, der vom widersprechenden Nichtsein unberührt bleibt und dem ebenen Malgrund des vielfältigen Weltbildes gleicht.
2.3.16
pramātari purāṇe tu sarvadā bhātavigrahe |
kiṃ pramāṇaṃ navābhāsaḥ sarvapramitibhāgini || 2.3.16 ||
Welches Erkenntnismittel, das doch eine neue Erscheinung ist, sollte den ursprünglichen Erkennenden begründen, dessen Gestalt immer aufleuchtet und der an jeder Erkenntnis teilhat?
2.3.17
apravartitapūrvo 'tra kevalaṃ mūḍhatāvaśāt |
śaktiprakāśeneśādivyavahāraḥ pravartyate || 2.3.17 ||
Lediglich ein zuvor aus Verblendung unterbliebener Umgang mit ihm als „Herr“ und dergleichen wird durch das Offenlegen seiner Kräfte in Gang gesetzt.
2.4 – Tätigkeit und Ursächlichkeit
2.4.1
eṣa cānantaśaktitvād evam ābhāsayaty amūn |
bhāvān icchāvaśād eṣā kriyā nirmātṛtāsya sā || 2.4.1 ||
Weil er unendliche Kraft besitzt, lässt er diese Dinge nach seinem Willen so erscheinen. Das ist seine Tätigkeit, seine schöpferische Täterschaft.
2.4.2
jaḍasya tu na sā śaktiḥ sattā yad asataḥ sataḥ |
kartṛkarmatvatattvaiva kāryakāraṇatā tataḥ || 2.4.2 ||
Ein Unbewusstes besitzt hingegen nicht die Kraft, ein nicht bestehendes Ding ins Sein zu bringen. Daher besteht das Verhältnis von Ursache und Wirkung seinem Wesen nach im Verhältnis zwischen Handelndem und Hervorgebrachtem.
2.4.3
yad asat tad asadyuktā nāsataḥ satsvarūpatā |
sato 'pi na punaḥ sattālābhenārtho 'tha cocyate || 2.4.3 ||
[Einwand:] Was nicht ist, ist nicht; einem Nichtseienden kann kein Seiendes als Wesen zukommen. Was bereits ist, bedarf seinerseits keines erneuten Seinsgewinns. [Antwort:] Darauf ist zu sagen:
2.4.4
kāryakāraṇatā loke sāntarviparivartinaḥ |
ubhayendriyavedyatvaṃ tasya kasyāpi śaktitaḥ || 2.4.4 ||
Was man in der Welt Ursache und Wirkung nennt, besteht darin, dass etwas im Inneren Gegenwärtiges durch eine bestimmte Kraft dem inneren wie dem äußeren Sinnesvermögen zugänglich wird.
2.4.5
evam ekā kriyā saiṣā sakramāntarbahiḥsthitiḥ |
ekasyaivobhayākārasahiṣṇor upapāditā || 2.4.5 ||
So ist diese eine Tätigkeit begründet: das aufeinanderfolgende innere und äußere Bestehen eines einzigen Trägers, der beide Gestalten annehmen kann.
2.4.6
bahis tasyaiva tatkāryaṃ yad anta yad apekṣayā |
pramātrapekṣayā coktā dvayī bāhyāntarasthitiḥ || 2.4.6 ||
Was gegenüber seinem inneren Bestehen äußerlich wird, ist die Wirkung eben dieses Trägers. Auch das zweifache innere und äußere Bestehen wird in Bezug auf den Erkennenden ausgesagt.
2.4.7
mātaiva kāraṇaṃ tena sa cābhāsadvayasthitau |
kāryasya sthita evaikas tad ekasya kriyoditā || 2.4.7 ||
Deshalb ist der Erkennende selbst die Ursache. Er bleibt während der beiden Erscheinungszustände der Wirkung ein und derselbe; daher wurde die Tätigkeit einem einzigen Träger zugeschrieben.
2.4.8
ata evāṅkure 'pīṣṭo nimittaṃ parameśvaraḥ |
tad anyasyāpi bījāder hetutā nopapadyate || 2.4.8 ||
Aus demselben Grund gilt auch beim Keim der höchste Herr als bewirkende Ursache. Eine davon unabhängige Ursächlichkeit des Samens oder eines anderen Dinges lässt sich nicht begründen.
2.4.9
tathā hi kumbhakāro 'sāv aiśvaryaiva vyavasthayā |
tattanmṛdādisaṃskārakrameṇa janayed ghaṭam || 2.4.9 ||
So bringt der Töpfer aufgrund eben dieser herrscherlichen Ordnung den Topf durch eine bestimmte Folge von Bearbeitungen des Tons und weiterer Mittel hervor.
2.4.10
yoginām api mṛdbīje vinaivecchāvaśena tat |
ghaṭādi jāyate tattatsthirasvārthakriyākaram || 2.4.10 ||
Bei Yogis dagegen entsteht nach ihrem Willen auch ohne Ton oder Samen ein Topf oder dergleichen, der jeweils seine beständige, eigene praktische Wirkung besitzt.
2.4.11
yoginirmāṇatābhāve pramāṇāntaraniścite |
kāryaṃ hetuḥ svabhāvo vāta evotpattimūlajaḥ || 2.4.11 ||
Ist durch ein anderes Erkenntnismittel ausgeschlossen, dass etwas die Hervorbringung eines Yogis ist, kann eine Wirkung oder eine wesentliche Eigenschaft als Schlussgrund dienen, gerade weil sie in einer entsprechenden Entstehung gründet.
2.4.12
bhūyas tattatpramātrekavahnyābhāsādito bhavet |
parokṣād apy adhipater dhūmābhāsādi nūtanam || 2.4.12 ||
Aus der Erscheinung des einen Feuers und dergleichen, die einem jeweiligen erkennenden Subjekt angehört, kann vom Herrn her eine neue Erscheinung wie Rauch entstehen, auch wenn [das Feuer] nicht unmittelbar wahrgenommen wird.
2.4.13
kāryam avyabhicāryasya liṅgam anyapramātṛgāt |
tadābhāsas tadābhāsād eva tv adhipateḥ paraḥ || 2.4.13 ||
Eine Wirkung ist ein zuverlässiges Kennzeichen ihrer Ursache, auch wenn diese einem anderen erkennenden Subjekt gegenwärtig ist. Die eine Erscheinung geht dabei gerade aus der entsprechenden Erscheinung des Herrn hervor.
2.4.14
asmin satīdam astīti kāryakāraṇatāpi yā |
sāpy apekṣāvihīnānāṃ jaḍānāṃ nopapadyate || 2.4.14 ||
Auch das mit „Wenn dieses vorhanden ist, ist jenes vorhanden“ bezeichnete Verhältnis von Ursache und Wirkung lässt sich bei unbewussten Dingen, die keine Beziehung aufeinander besitzen, nicht erklären.
2.4.15
na hi svātmaikaniṣṭhānām anusandhānavarjinām |
sadasattāpade 'py eṣa saptamyarthaḥ prakalpyate || 2.4.15 ||
Denn bei Dingen, die nur in sich selbst bestehen und keine Verknüpfung leisten, lässt sich dieser Sinn des Lokativs nicht einmal hinsichtlich Vorhandensein und Nichtvorhandensein ansetzen.
2.4.16
ata eva vibhaktyarthaḥ pramātrekasamāśrayaḥ |
kriyākārakabhāvākhyo yukto bhāvasamanvayaḥ || 2.4.16 ||
Deshalb ist die durch die Kasus ausgedrückte Zusammenordnung der Dinge als Handlung und Handlungsfaktoren verständlich, sofern sie in einem einzigen erkennenden Subjekt gründet.
2.4.17
parasparasvabhāvatve kāryakāraṇayor api |
ekatvam eva bhede hi naivānyonyasvarūpatā || 2.4.17 ||
Wenn Ursache und Wirkung jeweils das Wesen der anderen besitzen sollen, wären sie damit gerade eins. Sind sie wirklich getrennt, kann keines das Wesen des anderen sein.
2.4.18
ekātmano vibhedaś ca kriyā kālakramānugā |
tathā syāt kartṛtaivaivaṃ tathāpariṇamat tayā || 2.4.18 ||
Die zeitlicher Folge unterliegende Differenzierung eines einzigen Selbst ist hingegen Tätigkeit. Insofern dieses sich auf solche Weise gestaltet, ist dies eben seine Täterschaft.
2.4.19
na ca yuktaṃ jaḍasyaivaṃ bhedābhedavirodhataḥ |
ābhāsabhedād ekatra cidātmani tu yujyate || 2.4.19 ||
Bei etwas Unbewusstem ist dies wegen des Widerspruchs zwischen Unterschied und Nichtunterschied nicht verständlich. Bei dem einen Bewusstsein ist es jedoch aufgrund verschiedener Erscheinungen möglich.
2.4.20
vāstave 'pi cidekatve na syād ābhāsabhinnayoḥ |
cikīrṣālakṣaṇaikatvaparāmarśaṃ vinā kriyā || 2.4.20 ||
Selbst wenn das Bewusstsein tatsächlich eines ist, entsteht bei zwei verschiedenen Erscheinungen keine Tätigkeit ohne ein bewusstes Erfassen ihrer Einheit in der Gestalt des Handlungswunsches.
2.4.21
itthaṃ tathā ghaṭapaṭādyābhāsajagadātmanā |
tiṣṭhāsor evam icchaiva hetutā kartṛtā kriyā || 2.4.21 ||
So ist bei demjenigen, der als Welt der Erscheinungen von Töpfen, Stoffen und anderem bestehen will, eben dieses Wollen Ursächlichkeit, Täterschaft und Tätigkeit.
3.1 – Wirklichkeitsstufen
3.1.1
evam antarbahirvṛttiḥ kriyā kālakramānugā |
mātur eva tadanyonyāviyukte jñānakarmaṇī || 3.1.1 ||
So gehört die Tätigkeit, die sich nach innen und außen vollzieht und der zeitlichen Folge unterliegt, allein dem Erkennenden. Erkenntnis und Handlung sind deshalb untrennbar miteinander verbunden.
3.1.2
kiṃ tv āntaradaśodrekāt sādākhyaṃ tattvam āditaḥ |
bahirbhāvaparatve tu parataḥ pārameśvaram || 3.1.2 ||
Überwiegt zunächst der innere Zustand, heißt die Wirklichkeitsstufe Sadashiva; richtet sich die Bewegung danach vorwiegend nach außen, heißt sie die zu Ishvara gehörende Stufe.
3.1.3
īśvaro bahir unmeṣo nimeṣo 'ntaḥ sadāśivaḥ |
sāmānādhikaraṇyaṃ ca sadvidyāhamidaṃdhiyoḥ || 3.1.3 ||
Ishvara ist das Sich-Öffnen nach außen, Sadashiva das Sich-Schließen nach innen. Die wahre Erkenntnis besteht darin, dass die Auffassungen „Ich“ und „Dies“ denselben Träger haben.
3.1.4
idaṃbhāvopapannānāṃ vedyabhūmim upeyuṣām |
bhāvānāṃ bodhasāratvād yathāvastvavalokanāt || 3.1.4 ||
Denn die Dinge, die als „Dies“ erscheinen und in den Bereich des Erkennbaren eingetreten sind, haben Bewusstsein als ihren innersten Gehalt. So werden sie ihrem wirklichen Wesen gemäß geschaut.
3.1.5
atrāparatvam bhāvānām anātmatvena bhāsanāt |
paratāhantayācchādāt parāparadaśā hi sā || 3.1.5 ||
Das Niedrigere liegt dabei darin, dass die Dinge als Nicht-Selbst erscheinen; das Höhere darin, dass sie von der Ichheit umfasst werden. Dieser Zustand ist daher zugleich höher und niedriger.
3.1.6
bhedadhīr eva bhāveṣu kartur bodhātmano 'pi yā |
māyāśakty eva sā vidyety anye vidyeśvarā yathā || 3.1.6 ||
Andere nennen gerade die unterscheidende Erkenntnis der Dinge bei einem Handelnden, dessen Wesen Bewusstsein ist, Vidya. Auch diese ist Maya-Kraft, wie bei den Vidyeshvaras.
3.1.7
tasyaiśvaryasvabhāvasya paśubhāve prakāśikā |
vidyāśaktiḥ tirodhānakarī māyābhidhā punaḥ || 3.1.7 ||
Die Vidya-Kraft offenbart dem gebundenen Wesen sein eigentlich herrscherliches Wesen. Die dieses Wesen verhüllende Kraft hingegen trägt den Namen Maya.
3.1.8
bhede tv ekarase bhāte 'haṃtayānātmanīkṣite |
śūnye buddhe śarīre vā māyāśaktir vijṛmbhate || 3.1.8 ||
Wenn ausschließlich Trennung erscheint und das Nicht-Selbst – Leere, Erkenntnisfähigkeit oder Körper – als „Ich“ angesehen wird, entfaltet sich die Maya-Kraft.
3.1.9
yaś ca pramātā śūnyādiḥ prameye vyatirekiṇi |
mātā sa meyaḥ san kālādikapañcakaveṣṭitaḥ || 3.1.9 ||
Das Subjekt, das sich als Leere oder Ähnliches gegenüber einem getrennten Erkenntnisgegenstand versteht, ist selbst ein erkennbares Etwas und von den fünf Begrenzungen, beginnend mit der Zeit, umhüllt.
3.1.10
trayoviṃśatidhā meyaṃ yat kāryakaraṇātmakam |
tasyāvibhāgarūpy ekaṃ pradhānaṃ mūlakāraṇam || 3.1.10 ||
Der erkennbare Bereich aus Wirkungen und Erkenntnis- beziehungsweise Handlungsorganen umfasst dreiundzwanzig Arten. Seine eine, noch ungeschiedene Gestalt ist Pradhana, die ursprüngliche Ursache.
3.1.11
trayodaśavidhā cātra bāhyāntaḥkaraṇāvalī |
kāryavargaś ca daśadhā sthūlasūkṣmatvabhedataḥ || 3.1.11 ||
Dabei gibt es dreizehn äußere und innere Vermögen. Die Gruppe ihrer Gegenstände umfasst zehn Arten, unterschieden in grobe und feine.
3.2 – Begrenzung, Befreiung und Bewusstseinszustände
3.2.1
tatraitan mātṛtāmātrasthitau rudro 'dhidaivatam |
bhinnaprameyaprasare brahmaviṣṇū vyavasthitau || 3.2.1 ||
Wenn nur dieses Subjektsein bestehen bleibt, ist Rudra die zugeordnete Gottheit. Bei der Entfaltung der getrennten Gegenstandswelt haben Brahma und Vishnu ihren jeweiligen Platz.
3.2.2
eṣa pramātā māyāndhaḥ saṃsārī karmabandhanaḥ |
vidyābhijñāpitaiśvaryaś cidghano mukta ucyate || 3.2.2 ||
Dieses durch Maya verblendete Subjekt wandert im Samsara und ist durch Karma gebunden. Wird ihm durch Vidya seine Herrschermacht erkennbar, heißt es als ungeteiltes Bewusstsein ein Befreiter.
3.2.3
svāṅgarūpeṣu bhāveṣu pramātā kathyate patiḥ |
māyāto bhediṣu kleśakarmādikaluṣaḥ paśuḥ || 3.2.3 ||
Erkennt der Erkennende die Dinge als seine eigenen Glieder, heißt er Herr. Erscheinen sie durch Maya getrennt, ist er das durch leidvolle Verstrickungen, Karma und anderes getrübte gebundene Wesen.
3.2.4
svātantryahānir bodhasya svātantryasyāpy abodhatā |
dvidhāṇavaṃ malam idaṃ svasvarūpāpahānitaḥ || 3.2.4 ||
Der Verlust der Freiheit des Bewusstseins und das Fehlen von Bewusstheit bei vorhandener Freiheit: Dies sind die beiden Formen der Anava-Unreinheit, weil dabei das eigene eigentliche Wesen verloren geht.
3.2.5
bhinnavedyaprathātraiva māyākhyaṃ janmabhogadam |
kartary abodhe kārmaṃ tu māyāśaktyaiva tat trayam || 3.2.5 ||
Das Erscheinen getrennter Erkenntnisgegenstände innerhalb dieses Zustandes heißt Maya-Unreinheit. Die karmaartige Unreinheit beim Handelnden ohne [volle] Bewusstheit bringt Geburt und Erfahrung hervor. Alle drei beruhen auf der Maya-Kraft.
3.2.6
śuddhabodhātmakatve 'pi yeṣāṃ nottamakartṛtā |
nirmitāḥ svātmano bhinnā bhartrā te kartṛtātyayāt || 3.2.6 ||
Diejenigen, die zwar reines Bewusstsein sind, denen jedoch die höchste Täterschaft fehlt, hat der Herr als von sich getrennt hervorgebracht, indem ihre Täterschaft aufgehoben wurde.
3.2.7
bodhaikalakṣaṇaikye 'pi teṣām anyonyabhinnatā |
tatheśvarecchābhedena te ca vijñānakevalāḥ || 3.2.7 ||
Obwohl sie hinsichtlich ihres einzigen Kennzeichens, des Bewusstseins, eins sind, unterscheiden sie sich voneinander entsprechend den Unterschieden in Ishvaras Willen. Sie heißen Vijnanakevalas.
3.2.8
śūnyādyabodharūpās tu kartāraḥ pralayākalāḥ |
teṣāṃ kārmo malo 'py asti māyīyas tu vikalpitaḥ || 3.2.8 ||
Die Handelnden hingegen, die als Leere oder Ähnliches die Gestalt fehlender Bewusstheit besitzen, heißen Pralayakalas. Bei ihnen besteht auch die karmaartige Unreinheit; hinsichtlich der Maya-Unreinheit sind unterschiedliche Fälle möglich.
3.2.9
bodhānām api kartṛtvajuṣāṃ kārmamalakṣatau |
bhinnavedyajuṣāṃ māyāmalo vidyeśvarāś ca te || 3.2.9 ||
Bei bewussten Wesen, die Täterschaft besitzen, deren karmaartige Unreinheit geschwunden ist, denen aber getrennte Gegenstände erscheinen, besteht die Maya-Unreinheit. Sie heißen Vidyeshvaras.
3.2.10
devādīnāṃ ca sarveṣāṃ bhavināṃ trividhaṃ malam |
tatrāpi kārmam evaikam mukhyaṃ saṃsārakāraṇam || 3.2.10 ||
Bei allen im Werden befindlichen Wesen, Göttern und anderen, besteht die dreifache Unreinheit. Unter ihnen ist insbesondere die karmaartige Unreinheit die hauptsächliche Ursache des Samsara.
3.2.11
kalodbalitam etac ca cittattvaṃ kartṛtāmayam |
acidrūpasya śūnyāder mitaṃ guṇatayā sthitam || 3.2.11 ||
Dieses durch Kalā gestärkte Bewusstseinsprinzip, das in Täterschaft besteht, ist begrenzt und der unbewussten Leere oder Ähnlichem als untergeordnete Eigenschaft zugeordnet.
3.2.12
mukhyatvaṃ kartṛtāyāś ca bodhasya ca cidātmanaḥ |
śūnyādau tadguṇe jñānaṃ tatsamāveśalakṣaṇam || 3.2.12 ||
Wenn hingegen Täterschaft und Bewusstheit des Bewusstseins selbst die Hauptstellung einnehmen und Leere und dergleichen ihnen untergeordnet sind, ist Erkenntnis durch das Eintauchen in dieses Bewusstsein gekennzeichnet.
3.2.13
śūnye buddhyādyabhāvātmany ahantākartṛtāpade |
asphuṭārūpasaṃskāramātriṇi jñeyaśūnyatā || 3.2.13 ||
In der Leere, die im Fehlen von Erkenntnisfähigkeit und dergleichen besteht und den Ort von Ichheit und Täterschaft bildet, bleiben nur undeutliche, gestaltlose Prägungen zurück; dort herrscht Leere an erkennbaren Gegenständen.
3.2.14
sākṣāṇām āntarī vṛttiḥ prāṇādiprerikā matā |
jīvanākhyāthavā prāṇe 'hantā puryaṣṭakātmikā || 3.2.14 ||
Die innere Tätigkeit mitsamt den Sinnen gilt als antreibende Kraft von Prana und den übrigen Lebensfunktionen und heißt Leben. Anders ausgedrückt: Die Ichheit im Prana hat die Gestalt des achtgliedrigen feinen Körpers.
3.2.15
tāvan mātrasthitau proktaṃ sauṣupta[ṃ] pralayopamam |
savedyam apavedyaṃ ca māyāmalayutāyutam || 3.2.15 ||
Das Verweilen allein auf dieser Stufe heißt Tiefschlaf, der Auflösung vergleichbar. Er ist mit oder ohne Gegenstandsbezug und dementsprechend mit oder ohne Maya-Unreinheit.
3.2.16
manomātrapathe 'py akṣaviṣayatvena vibhramāt |
spaṣṭāvabhāsā bhāvānāṃ sṛṣṭiḥ svapnapadaṃ matam || 3.2.16 ||
Die deutliche Hervorbringung von Dingen, die nur im Bereich des Geistes liegen, aber irrtümlich als Sinnesgegenstände erscheinen, gilt als Traumzustand.
3.2.17
sarvākṣagocaratvena yā tu bāhyatayā sthirā |
sṛṣṭiḥ sādhāraṇī sarvapramātṝṇāṃ sa jāgaraḥ || 3.2.17 ||
Die Hervorbringung dagegen, die als äußerliche, beständige Welt allen Sinnen zugänglich ist und allen erkennenden Subjekten gemeinsam zukommt, ist das Wachen.
3.2.18
heyā trayīyaṃ prāṇādeḥ prādhānyāt kartṛtāguṇe |
taddhānopacayaprāyasukhaduḥkhādiyogataḥ || 3.2.18 ||
Diese drei Zustände sind zu überwinden, sofern in ihnen Prana und dergleichen vorherrschen und die Täterschaft untergeordnet bleibt; denn sie sind mit Lust, Schmerz und anderen Zuständen verbunden, die überwiegend auf dem Anwachsen und Schwinden der Freiheit beruhen.
3.2.19
prāṇāpānamayaḥ prāṇaḥ pratyekaṃ suptajāgratoḥ |
tacchedātmā samānākhyaḥ sauṣupte viṣuvatsv iva || 3.2.19 ||
Im Schlaf beziehungsweise Traum und im Wachen besteht die Lebenskraft als Prana und Apana. Im Tiefschlaf heißt sie Samana, weil die Unterscheidung beider unterbrochen ist, vergleichbar dem Gleichgewicht bei den Tagundnachtgleichen.
3.2.20
madhyordhvagāmyudānākhyas turyago hutabhuṅmayaḥ |
vijñānākalamantreśo vyāno viśvātmakaḥ paraḥ || 3.2.20 ||
Im vierten Zustand heißt sie Udana: Sie geht in der Mitte aufwärts und ist von feuriger Art. Die höhere, das Weltall umfassende Kraft heißt Vyana; [in diesem Zusammenhang stehen die Stufen] Vijnanakala, Mantra und Isha.
4 – Zusammenfassung
4.1
svātmaiva sarvajantūnām eka eva maheśvaraḥ |
viśvarūpo 'ham idam ity akhaṇḍāmarśabṛṃhitaḥ || 4.1 ||
Das eigene Selbst aller Lebewesen ist der eine Maheshvara. Er hat das Weltall zur Gestalt und entfaltet sich im ungeteilten bewussten Erfassen „Ich bin dies“.
4.2
tatra svasṛṣṭedaṃbhāge buddhyādigrāhakātmanā |
ahaṃkāraparāmarśapadam nītam anena tat || 4.2 ||
Innerhalb des von ihm geschaffenen Bereichs des „Dies“ macht er einen Teil zur Gestalt eines Erfassers, als Erkenntnisfähigkeit und dergleichen, und erhebt ihn zum Bezugspunkt des ichbildenden Selbstverständnisses.
4.3
svasvarūpāparijñānamayo 'nekaḥ pumān mataḥ |
tatra sṛṣṭau kriyānandau bhogo duḥkhasukhātmakaḥ || 4.3 ||
Als viele einzelne Personen gilt das Nicht-Erkennen des eigenen Wesens. In dieser Hervorbringung werden Tätigkeit und Glückseligkeit zur Erfahrung in Gestalt von Schmerz und Lust.
4.4
svāṅgarūpeṣu bhāveṣu patyur jñānaṃ kriyā ca yā |
māyātṛtīye te eva paśoḥ sattvaṃ rajas tamaḥ || 4.4 ||
Erkenntnis und Tätigkeit des Herrn, die sich auf die Dinge als seine eigenen Glieder richten, werden zusammen mit Maya als Drittem beim gebundenen Wesen zu Sattva, Rajas und Tamas.
4.5
bhedasthitaḥ śāktimataḥ śaktitvaṃ nāpadiśyate |
eṣāṃ guṇānāṃ karaṇakāryatvapariṇāminām || 4.5 ||
Diese Eigenschaften, die sich zu Vermögen und deren Gegenständen umgestalten, werden nicht als Kräfte bezeichnet, weil sie als vom Kraftträger getrennt bestehen.
4.6
sattānandaḥ kriyā patyus tadabhāvo 'pi sā paśoh |
dvayātmā tad rajo duḥkhaṃ śleṣi sattvatamomayam || 4.6 ||
Beim Herrn ist Tätigkeit Seinsfreude; beim gebundenen Wesen umfasst sie auch deren Fehlen. So ist sie zweifach: Rajas beziehungsweise leidvolle Bewegung, die Sattva und Tamas in sich verbindet.
4.7
ye 'py asāmayikedantāparāmarśabhuvaḥ prabhoḥ |
te vimiśrā vibhinnāś ca tathā citrāvabhāsinaḥ || 4.7 ||
Auch die aus dem nicht auf sprachlicher Übereinkunft beruhenden Erfassen des „Dies“ durch den Herrn entstehenden Dinge erscheinen auf seine Weise vielfältig, teils miteinander verbunden, teils voneinander gesondert.
4.8
te tu bhinnāvabhāsārthāḥ prakalpyāḥ pratyagātmanaḥ |
tattadvibhinnasaṃjñābhiḥ smṛtyutprekṣādigocare || 4.8 ||
Diese als getrennt erscheinenden Gegenstände kann das individuelle Selbst unter ihren jeweils verschiedenen Bezeichnungen im Bereich von Erinnerung, freier Vorstellung und dergleichen begrifflich gestalten.
4.9
tasyāsādhāraṇī sṛṣṭir īśasṛṣṭyupajīvinī |
saiṣāpy ajñātayā satyaiveśaśaktyā tadātmanaḥ || 4.9 ||
Seine eigene, nicht allen gemeinsame Hervorbringung lebt von Ishvaras Schöpfung. Auch sie ist wirklich, denn sie geschieht durch die Kraft Ishvaras, dessen Wesen das individuelle Selbst besitzt, wenn auch unerkannt,
4.10
svaviśrāntyuparodhāya calayā prāṇarūpayā |
vikalpakriyayā tattadvarṇavaicitryarūpayā || 4.10 ||
durch die Tätigkeit des Vorstellens, die als Lebenskraft beweglich ist und die Vielfalt der jeweiligen Sprachlaute annimmt, wodurch das Ruhen im eigenen Selbst behindert wird.
4.11
sādhāraṇo 'nyathā caiśaḥ sargaḥ spaṣṭāvabhāsanāt |
vikalpahānaikāgryāt krameṇeśvaratāpadam || 4.11 ||
Die Schöpfung Ishvaras, ob allen gemeinsam oder nur einem Einzelnen erscheinend, leuchtet deutlich auf. Durch Sammlung auf das Loslassen begrifflicher Konstruktionen wird stufenweise der Zustand der Herrschermacht erreicht.
4.12
sarvo mamāyaṃ vibhava ityevaṃ parijānataḥ |
viśvātmano vikalpānāṃ prasare 'pi maheśatā || 4.12 ||
Für denjenigen, der als Selbst des Weltalls vollständig erkennt: „Dies alles ist meine eigene Entfaltung“, besteht die Maheshvara-Natur auch dann, wenn sich begriffliche Vorstellungen ausbreiten.
4.13
meyaṃ sādhāraṇaṃ muktaḥ svātmābhedena manyate |
maheśvaro yathā baddhaḥ puna atyantabhedavat || 4.13 ||
Der Befreite erkennt die gemeinsame Gegenstandswelt als nicht verschieden vom eigenen Selbst, wie Maheshvara. Der Gebundene dagegen erkennt sie als gänzlich verschieden.
4.14
sarvathā tv antarālīnānantatattvaughanirbharaḥ |
śivaḥ cidānandaghanaḥ paramākṣaravigrahaḥ || 4.14 ||
In jeder Hinsicht ist Shiva von der unendlichen Fülle der in ihm ruhenden Wirklichkeitsstufen erfüllt, eine Verdichtung von Bewusstsein und Glückseligkeit, dessen Gestalt das höchste Unvergängliche ist.
4.15
evam ātmānam etasya samyagjñānakriye tathā |
jānan yathepsitān paśyañ jānāti ca karoti ca || 4.15 ||
Wer auf diese Weise das Selbst und dessen Erkenntnis und Tätigkeit richtig erkennt, schaut die Dinge nach seinem Wunsch, erkennt und handelt.
4.16
iti prakaṭito mayā sughaṭa eṣa mārgo navo mahāgurubhir ucyate sma śivadṛṣṭiśāstre yathā |
tad atra nidadhat padaṃ bhuvanakartṛtām ātmano vibhāvya śivatāmayīm aniśam āviśan siddhyati || 4.16 ||
So habe ich diesen neuen, gut gangbaren Weg dargelegt, wie ihn der große Lehrer in der Schrift Shivadristi gelehrt hat. Wer hier Fuß fasst, die weltschöpferische Kraft des eigenen Selbst betrachtet und beständig in sie als Shiva-Natur eintritt, erlangt Vollendung.
4.17
tais tair apy upayācitair upanatas tanvyāḥ sthito 'py antike kānto lokasamāna evam aparijñāto na rantuṃ yathā |
lokasyaiṣa tathānavekṣitaguṇaḥ svātmāpi viśveśvaro naivālaṃ nijavaibhavāya tad iyaṃ tatpratyabhijñoditā || 4.17 ||
Wie ein Geliebter, der nach vielfachem Bitten gekommen ist und unmittelbar neben der Frau steht, ihr doch wie jeder andere erscheint und keine Liebesfreude ermöglicht, solange sie ihn nicht erkennt: So ermöglicht auch der eigene Herr des Weltalls, das Selbst, den Menschen nicht die Entfaltung ihrer eigenen Größe, solange seine Eigenschaften unbeachtet bleiben. Deshalb wurde dieses Wiedererkennen seiner selbst gelehrt.
4.18
janasyāyatnasiddhyartham udayākarasūnunā |
īśvarapratyabhijñeyam utpalenopapāditā || 4.18 ||
Damit die Menschen ohne Mühsal Vollendung erlangen, hat Utpala, der Sohn Udayakaras, dieses Wiedererkennen Ishvaras begründet.
Vollständige Devanagari-Fassung
Diese Fassung gibt dieselben 190 Verse mit denselben dokumentierten Lesungen und derselben Nummerierung wieder. Sie ist die Schriftübertragung der oben verwendeten IAST-Lesefassung, kein eigenständiger Handschriftenzeuge. Die eckigen Klammern in 3.2.15 entsprechen denen der Textgrundlage.
ईश्वरप्रत्यभिज्ञाकारिका
Devanagari 1.1 – Einleitung
कथं चिद् आसाद्य महेश्वरस्य दास्यं जनस्याप्य् उपकारम् इच्छन् ।
समस्तसंपत्समवाप्तिहेतुं तत्प्रत्यभिज्ञाम् उपपादयामि ॥ 1.1.1 ॥
कर्तरि ज्ञातरि स्वात्मन्य् आदिसिद्धे महेश्वरे ।
अजडात्मा निषेधं वा सिद्धिं वा विदधीत कः ॥ 1.1.2 ॥
किं तु मोहवशाद् अस्मिन् दृष्टे ऽप्य् अनुपलक्षिते ।
शक्त्याविष्करणेनेयं प्रत्यभिज्ञोपदर्श्यते ॥ 1.1.3 ॥
तथा हि जडभूतानां प्रतिष्ठा जीवदाश्रया ।
ज्ञानं क्रिया च भूतानां जीवतां जीवनं मतम् ॥ 1.1.4 ॥
तत्र ज्ञानं स्वतःसिद्धं क्रिया कायाश्रिता सती ।
परैर् अप्य् उपलक्ष्येत तयान्यज्ञानम् ऊह्यते ॥ 1.1.5 ॥
Devanagari 1.2 – Einwände und Gegenpositionen
ननु स्वलक्षणाभासं ज्ञानम् एकं परं पुनः ।
साभिलापं विकल्पाख्यं बहुधा नापि तद् द्वयम् ॥ 1.2.1 ॥
नित्यस्य कस्य चिद् द्रष्टुस् तस्यात्रानवभासतः ।
अहंप्रतीतिर् अप्य् एषा शरीराद्यवसायिनी ॥ 1.2.2 ॥
अथानुभवविध्वंसे स्मृतिस् तदनुरोधिनी ।
कथं भवेन् न नित्यः स्याद् आत्मा यद्य् अनुभावकः ॥ 1.2.3 ॥
सत्याप्य् आत्मनि दृङ्नाशात् तद्द्वारा दृष्टवस्तुषु ।
स्मृतिः केनाथ यत्रैवानुभवस् तत्पदैव सा ॥ 1.2.4 ॥
यतो हि पूर्वानुभवसंस्कारात् स्मृतिसंभवः ।
यद्य् एवम् अन्तर्गडुना को ऽर्थः स्यात् स्थायिनात्मना ॥ 1.2.5 ॥
ततो भिन्नेषु धर्मेषु तत्स्वरूपाविशेषतः ।
संस्कारात् स्मृतिसिद्धौ स्यात् स्मर्ता द्रष्टेव कल्पितः ॥ 1.2.6 ॥
ज्ञानं च चित्स्वरूपं चेत् तद् अनित्यं किम् आत्मवत् ।
अथापि जडम् एतस्य कथम् अर्थप्रकाशता ॥ 1.2.7 ॥
अथार्थस्य यथा रूपं धत्ते बुद्धिस् तथात्मनः ।
चैतन्यम् अजडा सैवं जाड्ये नार्थप्रकाशता ॥ 1.2.8 ॥
क्रियाप्य् अर्थस्य कायादेस् तत्तद्देशादिजातता ।
नान्यादृष्टेर् न साप्य् एका क्रमिकैकस्य चोचिता ॥ 1.2.9 ॥
तत्र तत्र स्थिते तत् तद् भवतीत्य् एव दृश्यते ।
नान्यन् नान्यो ऽस्ति संबन्धः कार्यकारणभावतः ॥ 1.2.10 ॥
द्विष्ठस्यानेकरूपत्वात् सिद्धस्यान्यानपेक्षणात् ।
पारतन्त्र्याद्ययोगाच् च तेन कर्तापि कल्पितः ॥ 1.2.11 ॥
Devanagari 1.3 – Erwiderung: Zusammenhang der Erkenntnisse
सत्यं किं तु स्मृतिज्ञानं पूर्वानुभवसंस्कृतेः ।
जातम् अप्य् आत्मनिष्ठं तन् नाद्यानुभववेदकम् ॥ 1.3.1 ॥
दृक्स्वाभासैव नान्येन वेद्या रूपदृशेव दृक् ।
रसे संस्कारजत्वं तु तत्तुल्यत्वं न तद्गतिः ॥ 1.3.2 ॥
अथातद्विषयत्वे ऽपि स्मृतेस् तदवसायतः ।
दृष्टालम्बनता भ्रान्त्या तद् एतद् असमञ्जसम् ॥ 1.3.3 ॥
स्मृतितैव कथं तावद् भ्रान्तेश् चार्थस्थितिः कथम् ।
पूर्वानुभवसंस्कारापेक्षा च किम् इतीष्यते ॥ 1.3.4 ॥
भ्रान्तित्वे चावसायस्य न जडाद् विषयस्थितिः ।
ततो ऽजाड्ये निजोल्लेखनिष्ठान् नार्थस्थितिस् ततः ॥ 1.3.5 ॥
एवम् अन्योन्यभिन्नानाम् अपरस्परवेदिनाम् ।
ज्ञानानाम् अनुसंधानजन्मा नश्येज् जनस्थितिः ॥ 1.3.6 ॥
न चेद् अन्तःकृतानन्तविश्वरूपो महेश्वरः ।
स्याद् एकश् चिद्वपुर् ज्ञानस्मृत्यपोहनशक्तिमान् ॥ 1.3.7 ॥
Devanagari 1.4 – Erinnerung und erkennendes Selbst
स हि पूर्वानुभूतार्थोपलब्धा परतो ऽपि सन् ।
विमृशन् स इति स्वैरी स्मरतीत्य् अपदिश्यते ॥ 1.4.1 ॥
भासयेच् च स्वकाले ऽर्थात् पूर्वाभासितम् आमृशन् ।
स्वलक्षणं घटाभासमात्रेणाथाखिलात्मना ॥ 1.4.2 ॥
न च युक्तं स्मृतेर् भेदे स्मर्यमाणस्य भासनम् ।
तेनैक्यं भिन्नकालानां संविदां वेदितैष सः ॥ 1.4.3 ॥
नैव ह्य् अनुभवो भाति स्मृतौ पूर्वो ऽर्थवत् पृथक् ।
प्राग् अन्वभूवम् अहम् इत्य् आत्मारोहणभासनात् ॥ 1.4.4 ॥
योगिनाम् अपि भासन्ते न दृशो दर्शनान्तरे ।
स्वसंविदेकमानास् ता भान्ति मेयपदे ऽपि वा ॥ 1.4.5 ॥
स्मर्यते यद् दृग् आसीन् मे सैवम् इत्य् अपि भेदतः ।
तद् व्याकरणम् एवास्या मया दृष्टम् इति स्मृतेः ॥ 1.4.6 ॥
या च पश्याम्य् अहम् इमं घटो ऽयम् इति वावसा ।
मन्यते समवेतं साप्य् अवसातरि दर्शनम् ॥ 1.4.7 ॥
तन् मया दृश्यते दृष्टो ऽयं स इत्य् आमृशत्य् अपि ।
ग्राह्यग्राहकताभिन्नाव् अर्थौ भातः प्रमातरि ॥ 1.4.8 ॥
Devanagari 1.5 – Erscheinen, Sich-Erfassen und Freiheit
वर्तमानावभासानां भावानाम् अवभासनम् ।
अन्तःस्थितवताम् एव घटते बहिर् आत्मना ॥ 1.5.1 ॥
प्रागिवार्थो ऽप्रकाशः स्यात् प्रकाशात्मतया विना ।
न च प्रकाशो भिन्नः स्याद् आत्मार्थस्य प्रकाशता ॥ 1.5.2 ॥
भिन्ने प्रकाशे चाभिन्ने संकरो विषयस्य तत् ।
प्रकाशात्मा प्रकाश्यो ऽर्थो नाप्रकाशश् च सिद्ध्यति ॥ 1.5.3 ॥
तत्तदाकस्मिकाभासो बाह्यं चेद् अनुमापयेत् ।
न ह्य् अभिन्नस्य बोधस्य विचित्राभासहेतुता ॥ 1.5.4 ॥
न वासनाप्रबोधो ऽत्र विचित्रो हेतुताम् इयात् ।
तस्यापि तत्प्रबोधस्य वैचित्र्ये किम् निबन्धनम् ॥ 1.5.5 ॥
स्याद् एतद् अवभासेषु तेष्व् एवावसिते सति ।
व्यवहारे किम् अन्येन बाह्येनानुपपत्तिना ॥ 1.5.6 ॥
चिदात्मैव हि देवो ऽन्तःस्थितम् इच्छावशाद् बहिः ।
योगीव निरुपादानम् अर्थजातं प्रकाशयेत् ॥ 1.5.7 ॥
अनुमानम् अनाभातपूर्वे नैवेष्टम् इन्द्रियम् ।
आभातम् एव बीजादेर् आभासाद् धेतुवस्तुनः ॥ 1.5.8 ॥
आभासः पुनराभासाद् बाह्यस्यासीत् कथं चन ।
अर्थस्य नैव तेनास्य सिद्धिर् नाप्य् अनुमानतः ॥ 1.5.9 ॥
स्वामिनश् चात्मसंस्थस्य भावजातस्य भासनम् ।
अस्त्य् एव न विना तस्माद् इच्छामर्शः प्रवर्तते ॥ 1.5.10 ॥
स्वभावम् अवभासस्य विमर्शं विदुर् अन्यथा ।
प्रकाशो ऽर्थोपरक्तो ऽपि स्फटिकादिजडोपमः ॥ 1.5.11 ॥
आत्मात एव चैतन्यं चित्क्रिया चितिकर्तृता ।
तात्पर्येणोदितस् तेन जडात् स हि विलक्षणः ॥ 1.5.12 ॥
चितिः प्रत्यवमर्शात्मा परा वाक् स्वरसोदिता ।
स्वातन्त्र्यम् एतन् मुख्यं तद् ऐश्वर्यं परमात्मनः ॥ 1.5.13 ॥
सा स्फुरत्ता महासत्ता देशकालाविशेषिनी ।
सैषा सारतया प्रोक्ता हृदयं परमेष्ठिनः ॥ 1.5.14 ॥
आत्मानम् अत एवायं ज्ञेयीकुर्यात् पृथक्स्थिति ।
ज्ञेयं न तु तदौन्मुख्यात् खण्ड्येतास्य स्वतन्त्रता ॥ 1.5.15 ॥
स्वातन्त्र्यामुक्तात्मानं स्वातन्त्र्याद् अद्वयात्मनः ।
प्रभुर् ईशादिसंकल्पैर् निर्माय व्यवहारयेत् ॥ 1.5.16 ॥
नाहन्तादिपरामर्शभेदाद् अस्यान्यतात्मनः ।
अहंमृश्यतयैवास्य सृष्तेस् तिङ्वाच्यकर्मवत् ॥ 1.5.17 ॥
मायाशक्त्या विभोः सैव भिन्नसंवेद्यगोचरा ।
कथिता ज्ञानसंकल्पाध्यवसायादिनामभिः ॥ 1.5.18 ॥
साक्षात्कारक्षणे ऽप्य् अस्ति विमर्शः कथम् अन्यथा ।
धावनाद्य् उपपद्येत प्रतिसंधानवर्जितम् ॥ 1.5.19 ॥
घटो ऽयम् इत्य् अध्यवसा नामरूपातिरेकिणी ।
परेशशक्तिर् आत्मेव भासते न त्व् इदन्तया ॥ 1.5.20 ॥
केवलं भिन्नसम्वेद्यदेशकालानुरोधतः ।
ज्ञानस्मृत्यवसायादि सक्रमं प्रतिभासते ॥ 1.5.21 ॥
Devanagari 1.6 – Ichbewusstsein und begriffliche Vorstellung
अहंप्रत्यवमर्शो यः प्रकाशात्मापि वाग्वपुः ।
नासौ विकल्पः स ह्य् उक्तो द्वयाक्षेपी विनिश्चयः ॥ 1.6.1 ॥
भिन्नयोर् अवभासो हि स्याद् घटाघटयोर् द्वयोः ।
प्रकाशस्येव नान्यस्य भेदिनस् त्व् अवभासनम् ॥ 1.6.2 ॥
तदतत्प्रतिभाभाजा मात्रैवातद्व्यपोहनात् ।
तन्निश्चयनमुक्तो हि विकल्पो घट इत्य् अयम् ॥ 1.6.3 ॥
चित्तत्त्वं मायया हित्वा भिन्न एवावभाति यः ।
देहे बुद्धाव् अथ प्राणे कल्पिते नभसीव वा ॥ 1.6.4 ॥
प्रमातृत्वेनाहम् इति विमर्शो ऽन्यव्यपोहनात् ।
विकल्प एव स परप्रतियोग्य् अवभासजः ॥ 1.6.5 ॥
कादाचित्कावभासे या पूर्वाभासादियोजना ।
संस्कारात् कल्पना प्रोक्ता सापि भिन्नावभासिनि ॥ 1.6.6 ॥
तद् एवं व्यवहारे ऽपि प्रभुर् देहादिम् आविशन् ।
भान्तम् एवान्त अर्थौघम् इच्छया भासयेद् बहिः ॥ 1.6.7 ॥
एवं स्मृतौ विकल्पे वाप्य् अपोहनपरायणे ।
ज्ञाने वाप्य् अन्तराभासः स्थित एवेति निश्चितम् ॥ 1.6.8 ॥
किं तु नैसर्गिको ज्ञाने बहिराभासनात्मनि ।
पूर्वानुभवरूपस् तु स्थितः स स्मरणादिषु ॥ 1.6.9 ॥
स नैसर्गिक एवास्ति विकल्पे स्वैरचारिणि ।
यथाभिमतसंस्थानाभासनाद् बुद्धिगोचरे ॥ 1.6.10 ॥
अत एव यथाभीष्टसमुल्लेखावभासनात् ।
ज्ञानक्रिये स्फुटे एव सिद्धे सर्वस्य जीवतः ॥ 1.6.11 ॥
Devanagari 1.7 – Einheit des Erkennenden und gültige Erkenntnis
या चैषा प्रतिभा तत्तत्पदार्थक्रमरूषिता ।
अक्रमानन्तचिद्रूपः प्रमाता स महेश्वरः ॥ 1.7.1 ॥
तत्तद्विभिन्नसंवित्तिमुखैर् एकप्रमातरि ।
प्रतितिष्ठत्सु भावेषु ज्ञातेयम् उपपद्यते ॥ 1.7.2 ॥
देशकालक्रमजुषाम् अर्थानां स्वसमापिनाम् ।
सकृदाभाससाध्यो ऽसाव् अन्यथा कः समन्वयः ॥ 1.7.3 ॥
प्रत्यक्षानुपलम्भानां तत्तद्भिन्नांशपातिनाम् ।
कार्यकारणतासिद्धिहेतुतैकप्रमातृजा ॥ 1.7.4 ॥
स्मृतौ यैव स्वसंवित्तिः प्रमाणं स्वात्मसंभवे ।
पूर्वानुभवसद्भावे साधनं सैव नापरम् ॥ 1.7.5 ॥
बाध्यबाधकभावो ऽपि स्वात्मनिष्ठाविरोधिनाम् ।
ज्ञानानाम् उदियाद् एकप्रमातृपरिनिष्ठितेः ॥ 1.7.6 ॥
विविक्तभूतलज्ञानं घटाभावमतिर् यथा ।
तथा चेच्छुक्तिकाज्ञानं रूप्यज्ञानाप्रमात्ववित् ॥ 1.7.7 ॥
नैवं शुद्धस्थलज्ञानात् सिद्ध्येत् तस्याघटात्मना ।
न तूपलब्धियोग्यस्याप्य् अत्राभावो घटात्मनः ॥ 1.7.8 ॥
विविक्तं भूतलं शश्वद् भावानां स्वात्मनिष्ठितेः ।
तत् कथं जातु तज्ज्ञानं भिन्नस्याभावसाधनम् ॥ 1.7.9 ॥
किम् त्व् आलोकचयो ऽन्धस्य स्पर्शो वोष्णादिको मृदुः ।
तत्रास्ति साधयेत् तस्य स्वज्ञानम् अघटात्मताम् ॥ 1.7.10 ॥
पिशाचः स्याद् अनालोको ऽप्य् आलोकाभ्यन्तरे यथा ।
अदृश्यो भूतलस्यान्त न निषेध्यः स सर्वथा ॥ 1.7.11 ॥
एवं रूप्यविदाभावरूपा शुक्तिमतिर् भवेत् ।
न त्व् आद्यरजतज्ञप्तेः स्याद् अप्रामाण्यवेदिका ॥ 1.7.12 ॥
धर्म्यसिद्धेर् अपि भवेद् बाधा नैवानुमानतः ।
स्वसंवेदनसिद्धा तु युक्ता सैकप्रमातृजा ॥ 1.7.13 ॥
इत्थम् अत्यर्थभिन्नार्थावभासखचिते विभौ ।
समलो विमलो वापि व्यवहारो ऽनुभूयते ॥ 1.7.14 ॥
Devanagari 1.8 – Innerlichkeit und Äußerlichkeit
तात्कालिकाक्षसामक्ष्यसापेक्षाः केवलं क्व चित् ।
आभासा अन्यथान्यत्र त्व् अन्धान्धतमसादिषु ॥ 1.8.1 ॥
विशेषो ऽर्थावभासस्य सत्तायां न पुनः क्व चित् ।
विकल्पेषु भवेद् भाविभवद्भूतार्थगामिषु ॥ 1.8.2 ॥
सुखादिषु च सौख्यादिहेतुष्व् अपि च वस्तुषु ।
अवभासस्य सद्भावे ऽप्य् अतीतत्वात् तथा स्थितिः ॥ 1.8.3 ॥
गाढम् उल्लिख्यमाने तु विकल्पेन सुखादिके ।
तथा स्थितिस् तथैव स्यात् स्फुटम् अस्योपलक्षणात् ॥ 1.8.4 ॥
भावाभावावभासानां बाह्यतोपाधिर् इष्यते ।
नात्मा सत्ता ततस् तेषाम् आन्तराणां सतां सदा ॥ 1.8.5 ॥
आन्तरत्वात् प्रमात्रैक्ये नैषां भेदनिबन्धना ।
अर्थक्रियापि बाह्यत्वे सा भिन्नाभासभेदतः ॥ 1.8.6 ॥
चिन्मयत्वे ऽवभासानाम् अन्त एव स्थितिः सदा ।
मायया भासमानानां बाह्यत्वाद् बहिर् अप्य् असौ ॥ 1.8.7 ॥
विकल्पे यो ऽयम् उल्लेखः सो ऽपि बाह्यः पृथक्प्रथः ।
प्रमात्रैकात्म्यम् आन्तर्यं ततो भेदो हि बाह्यता ॥ 1.8.8 ॥
उल्लेखस्य सुखादेश् च प्रकाशो बहिर् आत्मना ।
इच्छातो भर्तुर् अध्यक्षरूपो ऽक्षादिभुवां यथा ॥ 1.8.9 ॥
तदैक्येन विना न स्यात् संविदां लोकपद्धतिः ।
प्रकाशैक्यात् तद् एकत्वं मातैकः स इति स्थितम् ॥ 1.8.10 ॥
स एव विमृशत्त्वेन नियतेन महेश्वरः ।
विमर्श एव देवस्य शुद्धे ज्ञानक्रिये यतः ॥ 1.8.11 ॥
Devanagari 2.1 – Handlung, Raum und Zeit
अत एव यद् अप्य् उक्तं क्रिया नैकस्य सक्रमा ।
एकेत्यादि प्रतिक्षिप्तं तद् एकस्य समर्थनात् ॥ 2.1.1 ॥
सक्रमत्वं च लौकिक्याः क्रियायाः कालशक्तितः ।
घटते न तु शाश्वत्याः प्राभव्याः स्यात् प्रभोर् इव ॥ 2.1.2 ॥
कालः सूर्यादिसंचारस् तत्तत्पुष्पादिजन्म वा ।
शीतोष्णे वाथ तल्लक्ष्यः क्रम एव स तत्त्वतः ॥ 2.1.3 ॥
क्रमो भेदाश्रयो भेदो ऽप्य् आभाससदसत्त्वतः ।
आभाससदसत्त्वे तु चित्राभासकृतः प्रभोः ॥ 2.1.4 ॥
मूर्तिवैचित्र्यतो देशक्रमम् आभासयत्य् असौ ।
क्रियावैचित्र्यनिर्भासात् कालक्रमम् अपीश्वरः ॥ 2.1.5 ॥
सर्वत्राभासभेदो ऽपि भवेत् कालक्रमाकरः ।
विच्छिन्नभासः शून्यादेर् मातुर् भातस्य नो सकृत् ॥ 2.1.6 ॥
देशक्रमो ऽपि भावेषु भाति मातुर् मितात्मनः ।
स्वात्मेव स्वात्मना पूर्णा भावा भान्त्य् अमितस्य तु ॥ 2.1.7 ॥
किं तु निर्माणशक्तिः साप्य् एवं विदुष ईशितुः ।
तथा विज्ञातृविज्ञेयभेदो यद् अवभास्यते ॥ 2.1.8 ॥
Devanagari 2.2 – Beziehung und begriffliche Erkenntnis
क्रियासंबन्धसामान्यद्रव्यदिक्कालबुद्धयः ।
सत्याः स्थैर्योपयोगाभ्याम् एकानेकाश्रया मताः ॥ 2.2.1 ॥
तत्रैकम् आन्तरं तत्त्वं तद् एवेन्द्रियवेद्यताम् ।
संप्राप्यानेकतां याति देशकालस्वभावतः ॥ 2.2.2 ॥
तद्द्वयालम्बना एता मनो ऽनुव्यवसायि सत् ।
करोति मातृव्यापारमयीः कर्मादिकल्पनाः ॥ 2.2.3 ॥
स्वात्मनिष्ठा विविक्ताभा भावा एकप्रमातरि ।
अन्योन्यान्वयरूपैक्ययुजः संबन्धधीपदम् ॥ 2.2.4 ॥
जातिद्रव्यावभासानाम् बहिर् अप्य् एकरूपताम् ।
व्यक्त्येकदेशभेदं चाप्य् आलम्बन्ते विकल्पनाः ॥ 2.2.5 ॥
क्रियाविमर्शविषयः कारकाणां समन्वयः ।
अवध्यवधिमद्भावान्वयालम्बा दिगादिधीः ॥ 2.2.6 ॥
एवम् एवर्थसिद्धिः स्यान् मातुर् अर्थक्रियार्थिनः ।
भेदाभेदवतार्थेन तेन न भ्रान्तिर् ईदृशी ॥ 2.2.7 ॥
Devanagari 2.3 – Erkenntnismittel und Gegenstandsbestimmung
इदम् एतादृगित्येवं यद् वशाद् व्यवतिष्ठते ।
वस्तु प्रमाणं तत् सो ऽपि स्वाभासो ऽभिनवोदयः ॥ 2.3.1 ॥
सो ऽन्तस् तथाविमर्शात्मा देशकालाद्यभेदिनि ।
एकाभिधानविषये मितिर् वस्तुन्य् अबाधिता ॥ 2.3.2 ॥
यथारुचि यथार्थित्वं यथाव्युत्पत्ति भिद्यते ।
आभासो ऽप्य् अर्थ एकस्मिन्न् अनुसंधानसाधिते ॥ 2.3.3 ॥
दीर्घवृत्तोर्ध्वपुरुषधूमचान्दनतादिभिः ।
यथाभासा विभिद्यन्ते देशकालाविभेदिनः ॥ 2.3.4 ॥
तथैव सद्घटद्रव्यकाञ्चनोज्ज्वलतादयः ।
आभासभेदा भिन्नार्थकारिणस् ते पदं ध्वनेः ॥ 2.3.5 ॥
आभासभेदाद् वस्तूनां नियतार्थक्रिया पुनः ।
सामानाधिकरण्येन प्रतिभासाद् अभेदिनाम् ॥ 2.3.6 ॥
पृथग्दीपप्रकाशानां स्रोतसां सागरे यथा ।
अविरुद्धावभासानाम् एककार्या तथैक्यधीः ॥ 2.3.7 ॥
तत्राविशिष्टे वह्न्यादौ कार्यकारणतोष्णता ।
तत्तच्छब्दार्थताद्यात्मा प्रमाणाद् एकतो मतः ॥ 2.3.8 ॥
सा तु देशादिकाध्यक्षान्तरभिन्ने स्वलक्षणे ।
तात्कालिकी प्रवृत्तिः स्याद् अर्थिनो ऽप्य् अनुमानतः ॥ 2.3.9 ॥
दूरान्तिकतयार्थानां परोक्षाध्यक्षतात्मना ।
बाह्यान्तरतया दोषैर् व्यञ्जकस्यान्यथापि वा ॥ 2.3.10 ॥
भिन्नावभासच्छायानाम् अपि मुख्यावभासतः ।
एकप्रत्यवमर्शाख्याद् एकत्वम् अनिवारितम् ॥ 2.3.11 ॥
अर्थक्रियापि सहजा नार्थानाम् ईश्वरेच्छया ।
नियता सा हि तेनास्या नाक्रियातो ऽन्यता भवेत् ॥ 2.3.12 ॥
रजतैकविमर्शे ऽपि शुक्तौ न रजतस्थितिः ।
उपाधिदेशासंवादाद् द्विचन्द्रे ऽपि नभो ऽन्यथा ॥ 2.3.13 ॥
गुणैः शब्दादिभिर् भेदो जात्यादिभिर् अभिन्नता ।
भावानाम् इत्थम् एकत्र प्रमातर्य् उपपद्यते ॥ 2.3.14 ॥
विश्ववैचित्र्यचित्रस्य समभित्तितलोपमे ।
विरुद्धाभावसंस्पर्शे परमार्थसतीश्वरे ॥ 2.3.15 ॥
प्रमातरि पुराणे तु सर्वदा भातविग्रहे ।
किं प्रमाणं नवाभासः सर्वप्रमितिभागिनि ॥ 2.3.16 ॥
अप्रवर्तितपूर्वो ऽत्र केवलं मूढतावशात् ।
शक्तिप्रकाशेनेशादिव्यवहारः प्रवर्त्यते ॥ 2.3.17 ॥
Devanagari 2.4 – Tätigkeit und Ursächlichkeit
एष चानन्तशक्तित्वाद् एवम् आभासयत्य् अमून् ।
भावान् इच्छावशाद् एषा क्रिया निर्मातृतास्य सा ॥ 2.4.1 ॥
जडस्य तु न सा शक्तिः सत्ता यद् असतः सतः ।
कर्तृकर्मत्वतत्त्वैव कार्यकारणता ततः ॥ 2.4.2 ॥
यद् असत् तद् असद्युक्ता नासतः सत्स्वरूपता ।
सतो ऽपि न पुनः सत्तालाभेनार्थो ऽथ चोच्यते ॥ 2.4.3 ॥
कार्यकारणता लोके सान्तर्विपरिवर्तिनः ।
उभयेन्द्रियवेद्यत्वं तस्य कस्यापि शक्तितः ॥ 2.4.4 ॥
एवम् एका क्रिया सैषा सक्रमान्तर्बहिःस्थितिः ।
एकस्यैवोभयाकारसहिष्णोर् उपपादिता ॥ 2.4.5 ॥
बहिस् तस्यैव तत्कार्यं यद् अन्त यद् अपेक्षया ।
प्रमात्रपेक्षया चोक्ता द्वयी बाह्यान्तरस्थितिः ॥ 2.4.6 ॥
मातैव कारणं तेन स चाभासद्वयस्थितौ ।
कार्यस्य स्थित एवैकस् तद् एकस्य क्रियोदिता ॥ 2.4.7 ॥
अत एवाङ्कुरे ऽपीष्टो निमित्तं परमेश्वरः ।
तद् अन्यस्यापि बीजादेर् हेतुता नोपपद्यते ॥ 2.4.8 ॥
तथा हि कुम्भकारो ऽसाव् ऐश्वर्यैव व्यवस्थया ।
तत्तन्मृदादिसंस्कारक्रमेण जनयेद् घटम् ॥ 2.4.9 ॥
योगिनाम् अपि मृद्बीजे विनैवेच्छावशेन तत् ।
घटादि जायते तत्तत्स्थिरस्वार्थक्रियाकरम् ॥ 2.4.10 ॥
योगिनिर्माणताभावे प्रमाणान्तरनिश्चिते ।
कार्यं हेतुः स्वभावो वात एवोत्पत्तिमूलजः ॥ 2.4.11 ॥
भूयस् तत्तत्प्रमात्रेकवह्न्याभासादितो भवेत् ।
परोक्षाद् अप्य् अधिपतेर् धूमाभासादि नूतनम् ॥ 2.4.12 ॥
कार्यम् अव्यभिचार्यस्य लिङ्गम् अन्यप्रमातृगात् ।
तदाभासस् तदाभासाद् एव त्व् अधिपतेः परः ॥ 2.4.13 ॥
अस्मिन् सतीदम् अस्तीति कार्यकारणतापि या ।
साप्य् अपेक्षाविहीनानां जडानां नोपपद्यते ॥ 2.4.14 ॥
न हि स्वात्मैकनिष्ठानाम् अनुसन्धानवर्जिनाम् ।
सदसत्तापदे ऽप्य् एष सप्तम्यर्थः प्रकल्प्यते ॥ 2.4.15 ॥
अत एव विभक्त्यर्थः प्रमात्रेकसमाश्रयः ।
क्रियाकारकभावाख्यो युक्तो भावसमन्वयः ॥ 2.4.16 ॥
परस्परस्वभावत्वे कार्यकारणयोर् अपि ।
एकत्वम् एव भेदे हि नैवान्योन्यस्वरूपता ॥ 2.4.17 ॥
एकात्मनो विभेदश् च क्रिया कालक्रमानुगा ।
तथा स्यात् कर्तृतैवैवं तथापरिणमत् तया ॥ 2.4.18 ॥
न च युक्तं जडस्यैवं भेदाभेदविरोधतः ।
आभासभेदाद् एकत्र चिदात्मनि तु युज्यते ॥ 2.4.19 ॥
वास्तवे ऽपि चिदेकत्वे न स्याद् आभासभिन्नयोः ।
चिकीर्षालक्षणैकत्वपरामर्शं विना क्रिया ॥ 2.4.20 ॥
इत्थं तथा घटपटाद्याभासजगदात्मना ।
तिष्ठासोर् एवम् इच्छैव हेतुता कर्तृता क्रिया ॥ 2.4.21 ॥
Devanagari 3.1 – Wirklichkeitsstufen
एवम् अन्तर्बहिर्वृत्तिः क्रिया कालक्रमानुगा ।
मातुर् एव तदन्योन्यावियुक्ते ज्ञानकर्मणी ॥ 3.1.1 ॥
किं त्व् आन्तरदशोद्रेकात् सादाख्यं तत्त्वम् आदितः ।
बहिर्भावपरत्वे तु परतः पारमेश्वरम् ॥ 3.1.2 ॥
ईश्वरो बहिर् उन्मेषो निमेषो ऽन्तः सदाशिवः ।
सामानाधिकरण्यं च सद्विद्याहमिदंधियोः ॥ 3.1.3 ॥
इदंभावोपपन्नानां वेद्यभूमिम् उपेयुषाम् ।
भावानां बोधसारत्वाद् यथावस्त्ववलोकनात् ॥ 3.1.4 ॥
अत्रापरत्वम् भावानाम् अनात्मत्वेन भासनात् ।
परताहन्तयाच्छादात् परापरदशा हि सा ॥ 3.1.5 ॥
भेदधीर् एव भावेषु कर्तुर् बोधात्मनो ऽपि या ।
मायाशक्त्य् एव सा विद्येत्य् अन्ये विद्येश्वरा यथा ॥ 3.1.6 ॥
तस्यैश्वर्यस्वभावस्य पशुभावे प्रकाशिका ।
विद्याशक्तिः तिरोधानकरी मायाभिधा पुनः ॥ 3.1.7 ॥
भेदे त्व् एकरसे भाते ऽहंतयानात्मनीक्षिते ।
शून्ये बुद्धे शरीरे वा मायाशक्तिर् विजृम्भते ॥ 3.1.8 ॥
यश् च प्रमाता शून्यादिः प्रमेये व्यतिरेकिणि ।
माता स मेयः सन् कालादिकपञ्चकवेष्टितः ॥ 3.1.9 ॥
त्रयोविंशतिधा मेयं यत् कार्यकरणात्मकम् ।
तस्याविभागरूप्य् एकं प्रधानं मूलकारणम् ॥ 3.1.10 ॥
त्रयोदशविधा चात्र बाह्यान्तःकरणावली ।
कार्यवर्गश् च दशधा स्थूलसूक्ष्मत्वभेदतः ॥ 3.1.11 ॥
Devanagari 3.2 – Begrenzung, Befreiung und Bewusstseinszustände
तत्रैतन् मातृतामात्रस्थितौ रुद्रो ऽधिदैवतम् ।
भिन्नप्रमेयप्रसरे ब्रह्मविष्णू व्यवस्थितौ ॥ 3.2.1 ॥
एष प्रमाता मायान्धः संसारी कर्मबन्धनः ।
विद्याभिज्ञापितैश्वर्यश् चिद्घनो मुक्त उच्यते ॥ 3.2.2 ॥
स्वाङ्गरूपेषु भावेषु प्रमाता कथ्यते पतिः ।
मायातो भेदिषु क्लेशकर्मादिकलुषः पशुः ॥ 3.2.3 ॥
स्वातन्त्र्यहानिर् बोधस्य स्वातन्त्र्यस्याप्य् अबोधता ।
द्विधाणवं मलम् इदं स्वस्वरूपापहानितः ॥ 3.2.4 ॥
भिन्नवेद्यप्रथात्रैव मायाख्यं जन्मभोगदम् ।
कर्तर्य् अबोधे कार्मं तु मायाशक्त्यैव तत् त्रयम् ॥ 3.2.5 ॥
शुद्धबोधात्मकत्वे ऽपि येषां नोत्तमकर्तृता ।
निर्मिताः स्वात्मनो भिन्ना भर्त्रा ते कर्तृतात्ययात् ॥ 3.2.6 ॥
बोधैकलक्षणैक्ये ऽपि तेषाम् अन्योन्यभिन्नता ।
तथेश्वरेच्छाभेदेन ते च विज्ञानकेवलाः ॥ 3.2.7 ॥
शून्याद्यबोधरूपास् तु कर्तारः प्रलयाकलाः ।
तेषां कार्मो मलो ऽप्य् अस्ति मायीयस् तु विकल्पितः ॥ 3.2.8 ॥
बोधानाम् अपि कर्तृत्वजुषां कार्ममलक्षतौ ।
भिन्नवेद्यजुषां मायामलो विद्येश्वराश् च ते ॥ 3.2.9 ॥
देवादीनां च सर्वेषां भविनां त्रिविधं मलम् ।
तत्रापि कार्मम् एवैकम् मुख्यं संसारकारणम् ॥ 3.2.10 ॥
कलोद्बलितम् एतच् च चित्तत्त्वं कर्तृतामयम् ।
अचिद्रूपस्य शून्यादेर् मितं गुणतया स्थितम् ॥ 3.2.11 ॥
मुख्यत्वं कर्तृतायाश् च बोधस्य च चिदात्मनः ।
शून्यादौ तद्गुणे ज्ञानं तत्समावेशलक्षणम् ॥ 3.2.12 ॥
शून्ये बुद्ध्याद्यभावात्मन्य् अहन्ताकर्तृतापदे ।
अस्फुटारूपसंस्कारमात्रिणि ज्ञेयशून्यता ॥ 3.2.13 ॥
साक्षाणाम् आन्तरी वृत्तिः प्राणादिप्रेरिका मता ।
जीवनाख्याथवा प्राणे ऽहन्ता पुर्यष्टकात्मिका ॥ 3.2.14 ॥
तावन् मात्रस्थितौ प्रोक्तं सौषुप्त[ं] प्रलयोपमम् ।
सवेद्यम् अपवेद्यं च मायामलयुतायुतम् ॥ 3.2.15 ॥
मनोमात्रपथे ऽप्य् अक्षविषयत्वेन विभ्रमात् ।
स्पष्टावभासा भावानां सृष्टिः स्वप्नपदं मतम् ॥ 3.2.16 ॥
सर्वाक्षगोचरत्वेन या तु बाह्यतया स्थिरा ।
सृष्टिः साधारणी सर्वप्रमातॄणां स जागरः ॥ 3.2.17 ॥
हेया त्रयीयं प्राणादेः प्राधान्यात् कर्तृतागुणे ।
तद्धानोपचयप्रायसुखदुःखादियोगतः ॥ 3.2.18 ॥
प्राणापानमयः प्राणः प्रत्येकं सुप्तजाग्रतोः ।
तच्छेदात्मा समानाख्यः सौषुप्ते विषुवत्स्व् इव ॥ 3.2.19 ॥
मध्योर्ध्वगाम्युदानाख्यस् तुर्यगो हुतभुङ्मयः ।
विज्ञानाकलमन्त्रेशो व्यानो विश्वात्मकः परः ॥ 3.2.20 ॥
Devanagari 4 – Zusammenfassung
स्वात्मैव सर्वजन्तूनाम् एक एव महेश्वरः ।
विश्वरूपो ऽहम् इदम् इत्य् अखण्डामर्शबृंहितः ॥ 4.1 ॥
तत्र स्वसृष्टेदंभागे बुद्ध्यादिग्राहकात्मना ।
अहंकारपरामर्शपदम् नीतम् अनेन तत् ॥ 4.2 ॥
स्वस्वरूपापरिज्ञानमयो ऽनेकः पुमान् मतः ।
तत्र सृष्टौ क्रियानन्दौ भोगो दुःखसुखात्मकः ॥ 4.3 ॥
स्वाङ्गरूपेषु भावेषु पत्युर् ज्ञानं क्रिया च या ।
मायातृतीये ते एव पशोः सत्त्वं रजस् तमः ॥ 4.4 ॥
भेदस्थितः शाक्तिमतः शक्तित्वं नापदिश्यते ।
एषां गुणानां करणकार्यत्वपरिणामिनाम् ॥ 4.5 ॥
सत्तानन्दः क्रिया पत्युस् तदभावो ऽपि सा पशोह् ।
द्वयात्मा तद् रजो दुःखं श्लेषि सत्त्वतमोमयम् ॥ 4.6 ॥
ये ऽप्य् असामयिकेदन्तापरामर्शभुवः प्रभोः ।
ते विमिश्रा विभिन्नाश् च तथा चित्रावभासिनः ॥ 4.7 ॥
ते तु भिन्नावभासार्थाः प्रकल्प्याः प्रत्यगात्मनः ।
तत्तद्विभिन्नसंज्ञाभिः स्मृत्युत्प्रेक्षादिगोचरे ॥ 4.8 ॥
तस्यासाधारणी सृष्टिर् ईशसृष्ट्युपजीविनी ।
सैषाप्य् अज्ञातया सत्यैवेशशक्त्या तदात्मनः ॥ 4.9 ॥
स्वविश्रान्त्युपरोधाय चलया प्राणरूपया ।
विकल्पक्रियया तत्तद्वर्णवैचित्र्यरूपया ॥ 4.10 ॥
साधारणो ऽन्यथा चैशः सर्गः स्पष्टावभासनात् ।
विकल्पहानैकाग्र्यात् क्रमेणेश्वरतापदम् ॥ 4.11 ॥
सर्वो ममायं विभव इत्येवं परिजानतः ।
विश्वात्मनो विकल्पानां प्रसरे ऽपि महेशता ॥ 4.12 ॥
मेयं साधारणं मुक्तः स्वात्माभेदेन मन्यते ।
महेश्वरो यथा बद्धः पुन अत्यन्तभेदवत् ॥ 4.13 ॥
सर्वथा त्व् अन्तरालीनानन्ततत्त्वौघनिर्भरः ।
शिवः चिदानन्दघनः परमाक्षरविग्रहः ॥ 4.14 ॥
एवम् आत्मानम् एतस्य सम्यग्ज्ञानक्रिये तथा ।
जानन् यथेप्सितान् पश्यञ् जानाति च करोति च ॥ 4.15 ॥
इति प्रकटितो मया सुघट एष मार्गो नवो महागुरुभिर् उच्यते स्म शिवदृष्टिशास्त्रे यथा ।
तद् अत्र निदधत् पदं भुवनकर्तृताम् आत्मनो विभाव्य शिवतामयीम् अनिशम् आविशन् सिद्ध्यति ॥ 4.16 ॥
तैस् तैर् अप्य् उपयाचितैर् उपनतस् तन्व्याः स्थितो ऽप्य् अन्तिके कान्तो लोकसमान एवम् अपरिज्ञातो न रन्तुं यथा ।
लोकस्यैष तथानवेक्षितगुणः स्वात्मापि विश्वेश्वरो नैवालं निजवैभवाय तद् इयं तत्प्रत्यभिज्ञोदिता ॥ 4.17 ॥
जनस्यायत्नसिद्ध्यर्थम् उदयाकरसूनुना ।
ईश्वरप्रत्यभिज्ञेयम् उत्पलेनोपपादिता ॥ 4.18 ॥
Literatur
- Utpaladeva: Īśvarapratyabhijñākārikā und Vṛtti. Herausgegeben von Madhusudan Kaul Shastri. Kashmir Series of Texts and Studies 34, Srinagar 1921.
- Raffaele Torella: The Īśvarapratyabhijñākārikā of Utpaladeva with the Author’s Vṛtti. Critical Edition and Annotated Translation. Serie Orientale Roma 71, Rom 1994. Spätere Ausgabe bei Motilal Banarsidass, ISBN 9788120818675.
- Abhinavagupta: Īśvarapratyabhijñāvimarśinī. Kommentar zur Karika Utpaladevas; Sanskritfassung auch über GRETIL zugänglich.
- Somananda: Śivadṛṣṭi. Das von Utpaladeva in 4.16 ausdrücklich genannte Lehrwerk seines Lehrers.
Siehe auch
- Utpaladeva, Somananda und Abhinavagupta
- Pratyabhijna, Pratyabhijnahridaya und Shivadristi
- Kashmirischer Shivaismus, Trika, Shiva und Shakti
- Shiva Sutra, Spandakarika und Vijnanabhairava Tantra
- Paratrimsika und Malinivijayottara Tantra
- Ishvara, Maheshvara, Bewusstsein und Selbst
- Maya, Tattva, Karma und Moksha
- Prana, Meditation und Svadhyaya
Weblinks
- GRETIL: Utpaladevas Ishvara Pratyabhijna Karika mit eigener Vritti
- GRETIL: Abhinavaguptas Ishvara Pratyabhijna Vimarshini
- Motilal Banarsidass: Raffaele Torellas kritische Ausgabe und englische Übersetzung
- Weitere Sanskrit-Lesefassung mit englischer Übersetzung von Gabriel Pradipaka
- Meditation bei Yoga Vidya
- Yoga: Grundlagen und Praxis
Quellen und Anmerkungen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Utpaladeva: Īśvarapratyabhijñākārikā mit eigener Vṛtti. GRETIL: Sanskrittext, Eingabe von Somadeva Vasudeva. Nach den Angaben der Datei auf Grundlage der Ausgabe von Madhusudan Kaul Shastri, Srinagar 1921, Kashmir Series of Texts and Studies 34, revidiert nach Raffaele Torella, Rom 1994, Serie Orientale Roma 71. Die Versangaben dieses Artikels beziehen sich auf diese Textfolge.
- ↑ Yoga Wiki: Ishvara Pratyabhijna Karika. Herangezogen für den bestehenden Artikeltitel. Für die Abstammung Utpaladevas ist dagegen die Selbstaussage in Vers 4.18 maßgebend.
- ↑ Raffaele Torella: The Īśvarapratyabhijñākārikā of Utpaladeva with the Author’s Vṛtti. Critical Edition and Annotated Translation. Rom 1994; spätere Ausgabe bei Motilal Banarsidass. Verlagsbeschreibung, ISBN 9788120818675.
- ↑ Abhinavagupta: Īśvarapratyabhijñāvimarśinī. GRETIL: Sanskrittext der Vimarshini mit Bhaskari.
- ↑ Gabriel Pradipaka: Sanskritfassung der Ishvara Pratyabhijna Karika, zum Vergleich insbesondere 3.2.20 und 4.9–4.10. Das Kompositum in 3.2.20 wird dort ausdrücklich als unterschiedlich deutbar bezeichnet.
Seminare
Diese Interessengebiete bieten Möglichkeiten zur Vertiefung von Schriftstudium, Meditation und yogischer Energiearbeit. Die Angebote sind thematisch verwandt; die Ishvara Pratyabhijna Karika ist nicht notwendig Gegenstand jedes einzelnen Seminars.
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Viveka Wilde, Chandrashekara Witt
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Raja Yoga 2
Die Yoga Sutras von Patanjali sind die Grundlage des Raja Yoga. In diesem Raja Yoga Seminar behandeln wir das 2. Kapitel der Yoga Sutras von Pantanjali.…- Karuna M Wapke, Sukadev Bretz
- 26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung
Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…- Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski
- 16.10.2026 - 25.10.2026 Chakra-Kur - Reinigung der Chakras
Für die Reinigung der Chakras konzentrierst du dich unter Anleitung jeden Tag auf ein anderes Chakra. Die tägliche Meditation, Yoga Asanas und Pranyam…- Vani Devi Beldzik
- 09.10.2026 - 11.10.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe
Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…- Viveka Wilde, Chandrashekara Witt
- 11.10.2026 - 16.10.2026 Energietrainer Ausbildung
Lerne in dieser Energietrainer Ausbildung deine Energie zu regenerieren und zu erhöhen. Wir brauchen heute alle mehr Energie denn je für die vielfält…- Beate Menkarski
