Shri Chakra Sadhanam
Shri Chakra Sadhanam (Sanskrit: श्रीचक्रसाधनम् śrīcakrasādhanam n.), „Praxis des Shri Chakra“, ist eine kurze tantrische Handschrift über rituelle Anwendungen des Śrīcakra. Die Muktabodha-Fassung basiert auf Manuskript 1300k des Raghunath Temple in Jammu und umfasst zehn Blätter. Sie wurde am 6. April 2024 als diplomatische Transkription erfasst.
Wichtig für die Einordnung: Dieses Shri Chakra Sadhanam ist keine allgemeine Darstellung der klassischen Śrīvidyā-Navāvaraṇa-Pūjā. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf magisch-rituellen Anwendungen des Śrīcakra: Vaśīkaraṇa, Ākarṣaṇa, Kṣobhaṇa, Stambhana, Uccāṭana, Schutz, Reinigung sowie verschiedene Siddhis. Das Manuskript bewahrt damit eine andere Schicht tantrischer Śrīcakra-Praxis als beispielsweise das Yogini Hridaya, das die metaphysische und innere Bedeutung des Śrīcakra ausführlich entfaltet.


Einführung und Textgestalt
Die Quelle nennt als Titel ausdrücklich śrīcakrasādhanam und bezeichnet sie als Tantra. Das Manuskript umfasst zehn patra, also zehn Blätter. Der Text beginnt mit:
oṃ śrīgaṇeśāya namaḥ
ॐ श्रीगणेशाय नमः ।
„Om. Verehrung dem ehrwürdigen Gaṇeśa.“
Unmittelbar danach heißt es atha śrīcakrasādhanavidhiḥ – „nun die Methode der Śrīcakra-Sādhana“. Der Text beruft sich dabei auf den Jñānārṇava.
Die Muktabodha-Fassung ist ausdrücklich eine diplomatische Transkription. Das bedeutet: Zusammenschreibungen, unsichere Wortgrenzen, Schreibfehler und ungewöhnliche Lesarten der Handschrift werden weitgehend bewahrt. Der vorliegende Artikel korrigiert diese nicht stillschweigend anhand anderer Quellen.
Hinweis zu problematischen Ritualen
Ein erheblicher Teil der Handschrift beschreibt Praktiken zur Beeinflussung, Unterwerfung, Vertreibung oder Schädigung anderer. Auch giftige Pflanzen wie Dhattūra werden erwähnt. Diese Stellen werden als historische Tantra-Überlieferung dokumentiert. Sie sind keine moderne Handlungsanweisung. Zwang, Vergiftung, Manipulation und Schädigung anderer widersprechen Ahimsa, persönlicher Autonomie und geltendem Recht.
Sicherheitshinweis zu toxischen und schädigenden Passagen
Die Handschrift erwähnt unter anderem Dhattūra sowie Māraṇa-, Uccāṭana-, Vidveṣa-, Stambhana-, Ākarṣaṇa- und Vaśīkaraṇa-Anwendungen. Diese Angaben werden ausschließlich als historische Quelleninhalte wiedergegeben. Konkrete Dosierungen, Zubereitungen oder operative Schritte zur Vergiftung, Schädigung, Nötigung oder Manipulation anderer werden nicht als Praxisanleitung herausgearbeitet.
Vollständiger deutscher Text
Anrufung und Beginn – Blatt 1a
Om. Verehrung dem ehrwürdigen Gaṇeśa.
Nun folgt die Methode der Śrīcakra-Sādhana. Der Text beruft sich dabei auf den Jñānārṇava und spricht die Göttin als „Schöne an allen Gliedern“ an: Höre die höchste Methode des Śrīcakra. Schon durch ihre Erkenntnis werde man – so die traditionelle Aussage – mit der schöpferischen und auflösenden Macht Sadāśivas verbunden.
Wo das Śrīcakra nach dieser Ordnung verehrt werde, sollen sich nach der Sprache des Textes Menschen, Orte und Umstände dem Willen des Sādhaka fügen. Städte, Länder und Personengruppen werden in der typischen Sprache des Vaśīkaraṇa als „unter Einfluss kommend“ beschrieben. Frauen erscheinen in mehreren Passagen als Ziel solcher Beeinflussung. Diese Aussagen werden hier als historische Ritualsprache dokumentiert; sie sind keine ethisch legitime moderne Anleitung zur Manipulation anderer.
Blatt 1b – Zeichnung des Cakrarāja
Mit Substanzen wie Gorocanā soll der „König der Cakras“ gezeichnet werden, äußerst schön und ansprechend. In seiner Mitte wird eine leuchtende Gestalt zusammen mit dem Namen der Zielperson vorgestellt. Das große Bīja der Mūlavidyā, insbesondere das sogenannte Kāmarāja-Kūṭa, wird nach der bereits vorausgesetzten Methode in die Darstellung eingefügt.
Der Text behauptet, dass dadurch selbst eine weit entfernte und zuvor nie gesehene Frau – ausdrücklich wird auch eine Königstochter genannt – zum Sādhaka hingezogen werden könne. Diese Behauptung gehört zur magisch-kaulischen Vorstellungswelt der Handschrift und wird nicht als reale oder zulässige Methode der Einflussnahme verstanden.
Blatt 2a – Selbstvisualisierung und rote Upacaras
Der Sādhaka stellt sich im Zentrum des Cakra als rötlich leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen vor. Auch die Zielperson wird in einer bestimmten inneren Beziehung visualisiert. Durch diesen Krama-Yoga soll der Übende nach dem Text eine Gestalt von Kāma beziehungsweise Kandarpa annehmen: schön, anziehend und auf die Welt wirkend.
Das Cakra wird mit roten Upacāras und Mudrās verehrt. Der Name dessen, der im Cakra eingetragen ist, soll dadurch an den Sādhaka gebunden werden – selbst wenn es sich um einen Reichen oder König handelt.
Blatt 2a–2b – Akarsana und Mahakamakala
Für die Anziehung einer nicht gesehenen Frau nennt der Text Yoni-Mudrā und weitere magische Mittel. Aufgezählt werden in mythologischer Steigerung Frauen aus menschlichen, königlichen, nāga-, apsaras-, khecarī-, asura-, vidyādhara- und ṛṣi-bezogenen Bereichen.
Durch Mahā-Kāmakalā-Dhyāna sollen – in der rhetorischen Überhöhung des Textes – Frauen der himmlischen, irdischen und unterirdischen Welten erregt oder angezogen werden. Solche Passagen spiegeln eine historische tantrische Kontroll- und Attraktionsmagie; sie sind keine heutige Empfehlung und setzen keinesfalls Zustimmung außer Kraft.
Blatt 2b–3a – Tilaka und Gegenstände als Träger von Vashikarana
Der Text nennt eine Tilaka-Mischung aus Gorocanā, Kuṅkuma und Sandelholz in bestimmten Verhältnissen. Nach Mantra-Wiederholung wird ihr eine „die drei Welten bezaubernde“ Wirkung zugeschrieben.
Danach werden zahlreiche Gegenstände als Träger eines solchen Einflusses aufgezählt: Tāmbūla, Räucherwerk, Wasser, Blätter, Blumen, Früchte, Joghurt, Milch, Ghee, Pulver, Stoff, Kampfer, Moschus, Safran, Kardamom, Gewürznelke und weitere Dinge. Nach 108 Wiederholungen des Mantras und Übergabe an eine Person soll diese nach der traditionellen Behauptung unter den Einfluss des Sādhaka geraten.
Diese Anweisung wird ausschließlich als Quelleninhalt wiedergegeben. Sie soll nicht dazu benutzt werden, das Verhalten anderer ohne deren Wissen oder Zustimmung zu manipulieren.
Blatt 3b–4a – Bildmagie und Ksobhini-Mudra
An einem geheimen Ort soll eine anmutige, reich geschmückte weibliche Figur gezeichnet werden. An Stirn, Hals, Herz, Nabel und anderen Körperstellen werden Name, Mahāvidyā und bestimmte Lautzeichen eingetragen. Der Körper wird in der Vorstellung granatapfelblütenrot gedacht.
Der Sādhaka nimmt die Gestalt der Devī an, zeigt die Kṣobhiṇī-Mudrā und wiederholt das Mantra. Die Zielperson wird dann in einer Feuerstätte gedacht, die mit Mond- und Sonnenkalās verbunden ist. Der Text beschreibt sie als von Kāma-Pfeilen getroffen und ganz auf den Sādhaka ausgerichtet. Wieder handelt es sich um historische Attraktionsmagie, nicht um eine ethisch zulässige Praxis zur Beeinflussung realer Personen.
Blatt 4a–4b – Matrika, Schutz und Tragen des Cakra
Außerhalb des Cakra soll die gesamte Mātṛkā geschrieben werden. Als Träger werden Bhūrja-Rinde, Gold- oder Silberplatten genannt. Solchen mit Mātṛkā und Namen versehenen Cakras werden Schutz, besondere Ausstrahlung und sogar Unverletzlichkeits- oder Langlebigkeitswirkungen zugeschrieben.
Mit Gorocanā, Aguru und Kuṅkuma geschrieben und mit dem Namen einer Zielperson verschränkt, soll das Cakra Menschen und andere Wesen „unterwerfen“. Die Buchstaben des Namens werden dabei mit der Mātṛkā umgeben.
Ein weiterer Abschnitt verbindet das Cakra mit dem Kāmakūṭa der Mahātripurasundarī. Das so angefertigte Objekt soll in Gold gefasst und am Haarknoten oder linken Oberarm getragen werden. Ihm wird eine umfassende Vaśīkaraṇa-Wirkung zugeschrieben.
Blatt 5a–5b – Stadt, Reich und Welt im Cakra
Nicht nur einzelne Personen, auch Städte, Länder und größere Räume werden symbolisch in das Cakra eingeschrieben. Der Text nennt Kreuzwege und die vier Himmelsrichtungen. Dadurch soll nach seiner Behauptung Unruhe beziehungsweise Kṣobha in Personengruppen und feindlichen Städten erzeugt werden.
In einer besonders kosmischen Visualisierung wird die ganze Erde mit Bergen, Wäldern, Meeren und Königen innerhalb des Cakra vorgestellt. Wer dies sechs Monate meditiert, soll zum „Erreger“ beziehungsweise Beweger dieser Welt werden.
Der Blick des Sādhaka wird sodann mit Einfluss auf Frauen, Könige, soziale Gruppen und Tiere verbunden. Auch Schutz- und Heilbehauptungen erscheinen: Gift, Geister, Fieber und verschiedene Krankheiten sollen bereits durch seinen Blick verschwinden. Diese Aussagen sind religiös-magische Heilsversprechen der Quelle und keine medizinischen Tatsachen.
Blatt 5b–6a – Verehrung nach den Richtungen
Ein mit Sindūra verehrtes Cakra soll auch über große Entfernung anziehend wirken. Je nachdem, in welcher Himmels- oder Zwischenrichtung die Pūjā erfolgt, sollen Menschen der betreffenden Richtung mit ihren Familien angezogen werden.
Auf Bhūrjapatra wird mit Gorocanā, Aguru und Kuṅkuma ein Cakra gezeichnet und im Zentrum der Name einer Stadt, eines Landes oder Bezirks eingetragen. Nach ritueller Verehrung soll es symbolisch die entsprechende Region beeinflussen.
Alternativ wird das Cakra am Hals, Haarknoten oder Oberarm getragen. Die Handschrift schreibt auch dieser Form eine Macht zu, eine große Stadt „zu bewegen“.
Blatt 6a–6b – Schutz-Cakra und problematische Substanzen
Danach folgt eine Rezeptur mit Pflanzen- und Farbstoffen, darunter Dhattūra. Dhattūra ist giftig; die historische Erwähnung ist keinesfalls als Empfehlung zur Herstellung, Einnahme oder Anwendung solcher Mischungen zu verstehen.
Mit diesen Substanzen gezeichnet und mit einem Namen verbunden, soll das Cakra nach der Quelle vor wilden Tieren, Krankheit, Feinden, Dieben, astrologischen Gefahren, Śākinīs, Ḍākinīs und fremden Mantras schützen sowie „unzeitigen Tod“ abwehren.
Eine weitere Stelle beschreibt ein Dreiecks-Cakra mit Namen und roten Substanzen, das nach sieben Tagen eine Zielperson dienstbar machen solle. Auch dies ist historische Zwangsmagie und keine legitime Anwendung.
Blatt 7a – Stambhana und feindschädigende Anwendungen
Mit gelben Substanzen gezeichnet und mit gelben Blumen verehrt, soll das Cakra Gegner im Streit verstummen lassen. Der Name der Zielperson wird dabei eingetragen.
Danach folgt eine deutlich feindschädigende Anwendung: Mit einem dunkelblauen Pflanzenstoff und dem Namen des Gegners soll ein Cakra hergestellt und in Verbindung mit Feuer gebracht werden, um einen Feind zu töten. Diese Passage wird bewusst nicht als praktische Anleitung ausgeschärft. Sie dokumentiert die Māraṇa-Schicht der Handschrift.
Blatt 7b – Uccatana, Vashikarana und Saubhagya
Es folgen weitere Ritualformen mit tierischen Ausscheidungen, Urin, Farbstoffen, Milch, Lākṣā und anderen Materialien. Ihnen werden Uccāṭana, Vaśīkaraṇa und Saubhāgya zugeschrieben.
Die Handschrift verbindet dabei das Eintragen des Zielnamens und das Platzieren beziehungsweise Tragen des Cakra mit Einfluss auf andere. Einige Anwendungen nennen Wasser als Medium und schreiben dem Trinken oder Baden damit eine Wirkung zu. Solche Aussagen werden als historische magische Technik dokumentiert, nicht als Empfehlung.
Blatt 8a – Reinigung schwerer Verfehlungen
Der Text wendet sich nun einer anderen Funktion des Cakra zu: der Reinigung. Śiva soll mit duftenden Blumen verehrt werden. Selbst schwer belastete Menschen sollen dadurch von Schuld frei werden.
Genannt werden außerdem Śamī, Dūrvā, Aśvattha-Blätter und Arka-Pflanzenteile. Einer einmonatigen Verehrung wird die Fähigkeit zugeschrieben, Verfehlungen aus sieben Geburten zu beseitigen.
Blatt 8a–8b – Richtungsabhängige Anwendungen
Je nach Blickrichtung und verwendeten Farben ordnet die Handschrift dem Cakra verschiedene Wirkungen zu. Östliche Ausrichtung wird erneut mit Stambhana verbunden, nördliche mit Anziehung beziehungsweise Beliebtheit, südliche mit aggressiveren Wirkungen.
Auch Feuer-, Rakṣasa-, Vāyu- und Śambhu-Richtungen werden genannt. In diesen Richtungen verehrt, soll das Cakra nach der Quelle Stambhana, Vidveṣa, Krankheitszufügung und Uccāṭana bewirken.
Diese rituelle Geographie ist religionsgeschichtlich relevant, doch feindschädigende Ziele werden hier nicht als ausführbare Praxis empfohlen.
Blatt 8b–9a – Milch, Urin, Öl und Feuer als Ritualmedien
Ein mit Gorocanā geschriebenes Cakra soll in Milch gelegt werden und umfassende Vaśīkaraṇa-Wirkung entfalten. In Urin platziert, wird ihm Uccāṭana zugeschrieben; in Öl Vidveṣa; im lodernden Feuer die Vernichtung eines Feindes.
Diese Aussagen zeigen besonders deutlich, dass die Handschrift kein allgemeines Meditationshandbuch zum Śrī Yantra ist, sondern ein Kompendium magisch-ritueller Anwendungen des Śrīcakra.
Blatt 9a – Matrika-Puja und Khecari-Siddhi
An einem abgeschiedenen Ort soll ein viergeteilter Bereich mit Sindūra gezeichnet und von außen bis zum Zentrum mit der Mātṛkā von A bis Kṣa versehen werden. Nach nächtlicher Pūjā entsprechend dem Kulācāra soll der Sādhaka nach der Behauptung des Textes Khecara beziehungsweise mit Khecarī-Siddhi verbunden werden.
Eine entsprechende Verehrung an einem Berg oder Baum wird mit außergewöhnlicher Langlebigkeit beziehungsweise Unsterblichkeit in Verbindung gebracht.
Blatt 9a–9b – Shmashana, Siddhis und Abschluss
Schließlich wird die Verehrung des Cakra auf dem Śmaśāna, dem Verbrennungsplatz, beschrieben. Ein standhafter Sādhaka soll nach der überlieferten Behauptung verschiedene Siddhis erlangen: Khaḍga-Siddhi, Vetāla-Siddhi, Guṭikā, Pādukā-, Jana-, Mana- und Dhātu-Siddhi sowie Mahāvīra-, Yakṣiṇī- und Ceṭaka-bezogene Vollendungen.
Die Handschrift endet mit der Feststellung: „Damit [endet] die Śrīcakra-Sādhana.“
Vollständiger Sanskrittext in Umschrift
Die folgende Fassung gibt die diplomatische Muktabodha-Umschrift vollständig wieder. Die Seitenmarkierungen pṛ0 1a, 1b usw. bleiben erhalten, weil sie die Handschriftenstruktur dokumentieren.
pṛ0 1a) oṃśrīgaṇeśāyanamaḥ athaśrīcakrasādhanavidhiḥ tatra
jñānārṇave śṛṇusarvāṃrgesubhageśrīcakravidhimuttamaṃ yasyavi
jñānamātreṇakarttāharttāsadāśivaḥ anenavidhināyatraśrīca
krakramasaṃyutaṃ pūjyatetatrasakalaṃvaśīkuryānnasaṃśayaḥ naga
raṃvaśamāyātideśamaṃḍalamadrite yoṣitaḥsakalāvaśyājva
latkālāgnipīḍitaḥ vidyāvimūḍhahṛdayāḥsādhakenyastamā
nasaḥ taddarśanenadeveśijāyaṃtesarvayoṣitaḥ gorocanādibhi
pṛ0 1ba) rdravyaiścakrarājaṃsamālikhet atīvasuṃdaraṃramyaṃtanmadhye
pratimāṃvarīṃ jvalaṃtīṃnāmasahitāṃmahāvījavidarbhitaṃ ma
hāvījaṃmūlavidyāyākāmarājakūṭaṃ vidarbhalakṣaṇaṃprāgevo
ktaṃ ciṃtayetutadādeviyojanānāṃsahasraśaḥ adṛṣṭapūrvāde
veśiśrutamātrāpidurlabhā rājakanyāthavāvānyābhayalajjā
vivarjitā āyātisādhakaṃsamyakmaṃtramūḍhāsatīpriye
cakramadhyagatobhūtvāsādhakaściṃtayedyadā udyatsūryasahasrā
pṛ0 2a) bhāmātmānamaruṇaṃtathā sādhyamapyahaṇībhūtaṃcitayetparame
śvari anenakramayogenasvayaṃkaṃdarparūpavān sarvasauṃdarya
subhagaḥsarvalokavaśaṃkaraḥ sarvaraktopacāraiścamudrāsahita
vigraha cakraṃprapūjayedyastuyasyanāmavidarbhitaṃ sabhaveddāsa
vaddevidhanāḍhyovāpibhūpatiḥ cakramadhyagataṃkuryānnāma
yasyāstuyoṣitaḥ adṛṣṭāyāmaheśāniyonimudrādharo
vudhaḥ haṭhādānayateśīghraṃpakṣiṇīṃrājakanyakāṃ nāgaka
pṛ0 2ba) nyāmapsarasaṃkhecarīṃcāsurāṃganī vidyādharīṃdivyarūpā
mṛṣikanyāmṛṣistriyaṃ madanodbhavasaṃtāpasphurajjaghanamaṃ
ḍalāṃ kāmavāṇaprabhinnātakaraṇāṃlolacakṣuṣaṃ mahākāma
kalādhyānayogāttusuravaṃdite kṣobhayetsvargabhūrlokapātā
latalayoṣitaḥ athatilakādivaśyaprayogaḥ rocanābhā
gamekaṃtubhāgamekaṃtukuṃkumaṃ athabhāgadvayaṃdevicaṃdanaṃmardaye
tsamaṃ ekattalikaṃkuryāttrailokyavaśakāriṇaṃ aṣṭottaraśatā
pṛ0 3a) vṛtyāmaṃtrayitvāvaśaṃnayet rājānaṃnagaraṃgrāmaṃyenayadyapradarśya
te maṃtriṇāparameśānitatsarvaṃtasyavaśyagaṃ tāṃvūlaṃdhūpamu
dakaṃpatraṃpuṣpaṃphalaṃdadhi dugdhaṃghṛtaṃcūrṇapatraṃvastraṃkarpūramevaca
kastūrīghusṛṇaṃcailālavaṃgaṃjātipatragaṃ phalaṃvācastuyadya
stusakalaṃparameśvari śatamaṣṭottaraṃjaptvāyasmaiyasmaiprayaccha
ti savaśyojāyatedevinātrakāryāvicāraṇā striyastusaka
lāvaśyādāsībhūtābhavaṃtihi haṭākarṣaṇametattukathitaṃnā
pṛ0 3ba) nyathābhavet athākarṣaṇaprayogaḥ rahasyesthānakemaṃtrī
likhedrovanayābhuvi cāruśrṛṃgāraveṣāḍhyāṃsarvābharaṇabhū
ṣitāṃ pratimāṃsuṃdarāṃgītāvilikhyasumanoharaṃ tadbhālakaṃ
ṭhahṛnnābhitattanmaṃḍalayoṣitāṃ janmanāmamahāvidyāmaṃku
śāṃtarvidarbhitāṃ sarvasaṃdhiṣudehasyamadanākṣaramālikhet
līnaṃḍāḍimapuṣpābhaṃciṃtayeddehasaṃdhiṣu tadāśābhimukho
bhūtvāsvayaṃdevīsvarūpakaḥ mudrāṃtatkṣobhiṇīṃvadhvāmaṃtramaṣṭa
pṛ0 4a) śataṃjapet niyojyadahanāgārecaṃdrasūryakalātmake tato
vikalasarvāṃgīkāmabāṇaiprapīḍitāṃ ananyamānasaṃprema
bhramamāṇāṃmadālasāṃ evamākarṣayennārīyojanānāṃśatā
api tathā mātṛkāṃvilikheccakravāhyataḥsakalāṃpriye
bhūrjapatresvarṇapatrairaupyapatretathāṃvare sovadhaḥsarvajaṃtūnāṃvyā
ghrādīnāṃviśeṣataḥ tathaivamātṛkāyuktāṃsusaṃjñāṃnāmamaṃḍi
tāṃ karpūrakuṃkumādyaistuajarāmaratāṃlabhet anenaivavidhāne
pṛ0 4ba) narocanāgurukuṃkumaiḥ likhitaṃcakrayogenasādhyanāmava
rānane vidarbhitaṃsvanāmnātuyasminkasmiṃnapisthitaṃ sthā
varaṃjaṃgamaṃvāpisakalaṃjanamaṃḍalaṃ vaśīkuryānmaheśāni
pādākrāṃtaṃnasaṃśayaḥ mahātripurasuṃdaryāḥkāmakūṭenabhā
svatā ekamevamavaṣṭabhyasādhyanāmākṣarāṇihi vahirapya
likhairvarṇaiḥmātṛkāyāḥpraveṣṭayet hemamadhyagatekuryāchi
khākhāyāṃvāmakebhuje dhārayedyatrakutrāpitrailokyavaśakāra
pṛ0 5a) kaṃ rājeṃdramapideveśivāsabhūtaṃkarotihi rājānovājinaḥ
sarvemahāduṣṭāmahotkaṭāḥ vyāghrāḥkesariṇomattāvaśyāsta
syabhavaṃtihi pūrvakrameṇanagaranāmasaṃdarbhyaśailaje madhyeca
tuḥpathevāpicaturdikṣunidhāpayet mahākṣobhoyoṣitāṃ
tubhajanānāṃmahatāmapi tathaivasarvaduṣṭānāṃpurasthānāṃca
jāyate etanmadhyagatāṃpṛthvīṃsaśailavanakānanaṃ jvalaṃti
sarvarājeṃdramaṃḍitāṃsāgarāṃbarāṃ māsaṣaṭkaṃciṃtayedyaḥsasaṃ
pṛ0 5ba) kṣobhakarobhavet kaṭākṣakṣetramātreṇanāryastasyavaśāḥ
priye rājānovrāhmaṇāvaiśyāḥśūdrāścapaśavojagat dṛ
ṣṭākarṣayatedevitrailaukyaṃsacarācaraṃ dṛṣṭāviṣaṃnāśayate
nātrakāryāvicāraṇā bhūtapretapiśācāṃścajvarāṃścāturthi
kādina śūlagulmādirogāṃścadṛṣṭānāśayatikṣaṇāt
etatsiṃdūrasubhagaṃrātrausaṃpūjitaṃpriye yojanānāṃśatādevi
samyagākarṣayetstriyaṃ yadādikṣuvidikṣevaṃsamyakdevipra
pṛ0 6a) pūjate tattadikṣusthitālokānvidiksthānapisuṃda
rī vaśamānayateśīghraṃsaputrayasavāṃdhavān bhūrjapatresa
mālikhyarocanāgurukuṃkumaiḥ tatmadhyenagaraṃdeśaṃmaṃḍalaṃ
khaṃḍamevava nāmnāvidarbhitaṃsvasyapūjayitvāyathāvi
dhi bhūmimadhyegataṃkṛtvātrailokyaṃvaśamānayet atha
vādhārayetkaṃṭheśikhāyāṃvāhumūlake yatrakutrasthitaṃ
bhadrekṣobhayennagaraṃmahatarkakṣīreṇasaṃyuktaṃdhatūrarasaṃ
pṛ0 6ba) tathā rocanākuṃkumaicaivalākṣālaktakasaṃyutaṃ kastūrī
dravasaṃyuktamekīkṛtyatataḥparaṃ cakrametatsamālikhyaya
syanāmnāmaheśvari tasyavyāghrahayavyādhiripusargagajādi
kaṃ coragrahājalāriṣṭhaṃśākinīḍākinībhayaṃ bhayaṃnavidya
tedeviparamaṃtrābhivārakaṃ nityaṃsamarcayeddevikālamṛtyuṃ
vināśayet athavāmadhyagāṃdevitrikoṇobhayamadhyagaṃ
adhastāṃnāmasaṃyuktaṃrocanākuṃkumānvitaṃ nidhāpayetsa
pṛ0 7a) ptāhāddāsavatkiṃkarobhavet pītadravyaiḥsamālikhyapī
tapuṣpaiḥsamarcayet pūrvāśābhimukhobhūtvāstaṃbhayetsarva
vādinaḥ sahasravadanodevimūkobhavatitatkṣaṇāt nāmnā
yasyasavāgmīhipāṣāṇivaniścalaḥ jāyatedevadeveśi
mahānīlīrasenatu nāmasaṃyojyavidhivatdakṣiṇāśā
mukhoyudhaḥ vahnaudagdhvāmaheśānimārayedvairiṇaṃpriye
mahiṣāścapurīṣābhyāṃsamamākṛṣyaśailaje gomūtreṇa
pṛ0 7ba) casaṃlikhyanāmasaṃdarbhyapūrvavat laṃvamānaṃtadākāśeśatrūccā
ṭanakārakaṃ mahānīlīrocanābhyāṃdugdhalākṣārasādibhiḥ
vilikhyadhārayenmaṃtrīsarvavarṇānvaśaṃtayet anenaivavidhāne
nasthāpayenīrasamadhyagaṃ tenodakenasaṃsrānaṃpītaṃtatsarvava
śyakṛt saubhāgyaṃjāyatetenapānīyenanasaṃśayaḥ etanmadhya
gatātenapṛthvīnagaraṃvāmalocane saptāhātkṣobhayetsatyaṃjvala
mānaṃviciṃtayetathavakṣyemaheśānimahāpātakanāśanaḥ
pṛ0 8a) śivāṃsaṃpūjayeddevisugaṃdhaiḥkusumaiḥpriye mahāpātakayu
ktātmātatkṣaṇātpātahābhavet śamīdūrvākurāśvatthapalla
vainathavārkajaiḥ māsenahaṃtikaluṣaṃsaptajanmakṛtaṃnaraḥ pūrvā
śābhimukhobhūtvāpītadravyaiḥsamarcayet (yasyasnāmākitaṃta
tramaṃtrahāniḥprajāyate agnirākṣase) pītasthānesamālikhya
staṃbhayetsarvavādinaḥ uttarābhimukhobhūtvāvaṃdanenasamāli
khet saṃpūjyavidhivadbhaktyāsarvayoṣimanoharaḥ vallabhojāya
pṛ0 8ba) tetāsāṃdāsīmivavaśaṃnayet yamāśābhimukhobhūtvācakraṃkṛ
ṣṇajadārcayet yasyanāmāṃkitaṃtatramaṃtrahāniḥprajāyate a
gnirākṣasavāyavyaśaṃbhukoṇeṣupūjitaṃ pūrvavatparameśānikra
meṇaparitoṣitaṃ staṃbhavidveṣagāvyādhiśatrūccāṭakaraṃparaṃ ro
canālikhitaṃcakraṃkṣīramadhyekṣipedvudhaḥ sarvavaśyakaraṃdevibha
vatyevanasaṃśayaḥ gomūtramadhyagaṃsamyakśatrūccāṭakaraṃparaṃtai
lasthaṃcakrarājaṃtaṃtadvidveṣāṃtakaraṃbhavet jvalajvalanamadhyasthaṃ
pṛ0 9a) śatrunāśakaraṃbhavet yadaikāṃtecaturbhāgesiṃdūrarajasālikhet
sarvavāhyatārabhyayāvanmadhyaṃmaheśvari akārādikṣakārāṃ
tāṃmātṛkāṃtatravinyaset pūjayedrātrisamayekulācārakrame
ṇatā sādhakaḥkhecarodevijāyatenātrasaṃśayaḥgirāvekatarau
tadvadarvayetkulamārgataḥajarāmaratāṃlavdhvāsukhībhavatimāṃ
trikaḥ smaśānepūjayecakraṃmahābhūtadinetuyaḥpūrvakrameṇavi
dhivatsādhakasthiramānasaḥ khaḍgasiddhiṃcavetālasiddhiṃcaguṭi
pṛ0 9ba) kāṃlabhet pādukāṃjanasiddhiṃcamanasiddhiṃcadhātudaṃ samahāvī
rasiddhiṃtuyakṣiṇīceṭakodbhavāṃ sarvaṃlabhatemaṃtrīnātrakāryāvi
cāraṇā itiśrīcakrasādhanaḥ
Vollständiger Sanskrittext in Devanagari
पृ० १अ) ओंश्रीगणेशायनमः अथश्रीचक्रसाधनविधिः तत्र
ज्ञानार्णवे शृणुसर्वांर्गेसुभगेश्रीचक्रविधिमुत्तमं यस्यवि
ज्ञानमात्रेणकर्त्ताहर्त्तासदाशिवः अनेनविधिनायत्रश्रीच
क्रक्रमसंयुतं पूज्यतेतत्रसकलंवशीकुर्यान्नसंशयः नग
रंवशमायातिदेशमंडलमद्रिते योषितःसकलावश्याज्व
लत्कालाग्निपीडितः विद्याविमूढहृदयाःसाधकेन्यस्तमा
नसः तद्दर्शनेनदेवेशिजायंतेसर्वयोषितः गोरोचनादिभि
पृ० १ब) र्द्रव्यैश्चक्रराजंसमालिखेत् अतीवसुंदरंरम्यंतन्मध्ये
प्रतिमांवरीं ज्वलंतींनामसहितांमहावीजविदर्भितं म
हावीजंमूलविद्यायाकामराजकूटं विदर्भलक्षणंप्रागेवो
क्तं चिंतयेतुतदादेवियोजनानांसहस्रशः अदृष्टपूर्वादे
वेशिश्रुतमात्रापिदुर्लभा राजकन्याथवावान्याभयलज्जा
विवर्जिता आयातिसाधकंसम्यक्मंत्रमूढासतीप्रिये
चक्रमध्यगतोभूत्वासाधकश्चिंतयेद्यदा उद्यत्सूर्यसहस्रा
पृ० २अ) भामात्मानमरुणंतथा साध्यमप्यहणीभूतंचितयेत्परमे
श्वरि अनेनक्रमयोगेनस्वयंकंदर्परूपवान् सर्वसौंदर्य
सुभगःसर्वलोकवशंकरः सर्वरक्तोपचारैश्चमुद्रासहित
विग्रह चक्रंप्रपूजयेद्यस्तुयस्यनामविदर्भितं सभवेद्दास
वद्देविधनाढ्योवापिभूपतिः चक्रमध्यगतंकुर्यान्नाम
यस्यास्तुयोषितः अदृष्टायामहेशानियोनिमुद्राधरो
वुधः हठादानयतेशीघ्रंपक्षिणींराजकन्यकां नागक
पृ० २ब) न्यामप्सरसंखेचरींचासुरांगनी विद्याधरींदिव्यरूपा
मृषिकन्यामृषिस्त्रियं मदनोद्भवसंतापस्फुरज्जघनमं
डलां कामवाणप्रभिन्नातकरणांलोलचक्षुषं महाकाम
कलाध्यानयोगात्तुसुरवंदिते क्षोभयेत्स्वर्गभूर्लोकपाता
लतलयोषितः अथतिलकादिवश्यप्रयोगः रोचनाभा
गमेकंतुभागमेकंतुकुंकुमं अथभागद्वयंदेविचंदनंमर्दये
त्समं एकत्तलिकंकुर्यात्त्रैलोक्यवशकारिणं अष्टोत्तरशता
पृ० ३अ) वृत्यामंत्रयित्वावशंनयेत् राजानंनगरंग्रामंयेनयद्यप्रदर्श्य
ते मंत्रिणापरमेशानितत्सर्वंतस्यवश्यगं तांवूलंधूपमु
दकंपत्रंपुष्पंफलंदधि दुग्धंघृतंचूर्णपत्रंवस्त्रंकर्पूरमेवच
कस्तूरीघुसृणंचैलालवंगंजातिपत्रगं फलंवाचस्तुयद्य
स्तुसकलंपरमेश्वरि शतमष्टोत्तरंजप्त्वायस्मैयस्मैप्रयच्छ
ति सवश्योजायतेदेविनात्रकार्याविचारणा स्त्रियस्तुसक
लावश्यादासीभूताभवंतिहि हटाकर्षणमेतत्तुकथितंना
पृ० ३ब) न्यथाभवेत् अथाकर्षणप्रयोगः रहस्येस्थानकेमंत्री
लिखेद्रोवनयाभुवि चारुश्रृंगारवेषाढ्यांसर्वाभरणभू
षितां प्रतिमांसुंदरांगीताविलिख्यसुमनोहरं तद्भालकं
ठहृन्नाभितत्तन्मंडलयोषितां जन्मनाममहाविद्यामंकु
शांतर्विदर्भितां सर्वसंधिषुदेहस्यमदनाक्षरमालिखेत्
लीनंडाडिमपुष्पाभंचिंतयेद्देहसंधिषु तदाशाभिमुखो
भूत्वास्वयंदेवीस्वरूपकः मुद्रांतत्क्षोभिणींवध्वामंत्रमष्ट
पृ० ४अ) शतंजपेत् नियोज्यदहनागारेचंद्रसूर्यकलात्मके ततो
विकलसर्वांगीकामबाणैप्रपीडितां अनन्यमानसंप्रेम
भ्रममाणांमदालसां एवमाकर्षयेन्नारीयोजनानांशता
अपि तथा मातृकांविलिखेच्चक्रवाह्यतःसकलांप्रिये
भूर्जपत्रेस्वर्णपत्रैरौप्यपत्रेतथांवरे सोवधःसर्वजंतूनांव्या
घ्रादीनांविशेषतः तथैवमातृकायुक्तांसुसंज्ञांनाममंडि
तां कर्पूरकुंकुमाद्यैस्तुअजरामरतांलभेत् अनेनैवविधाने
पृ० ४ब) नरोचनागुरुकुंकुमैः लिखितंचक्रयोगेनसाध्यनामव
रानने विदर्भितंस्वनाम्नातुयस्मिन्कस्मिंनपिस्थितं स्था
वरंजंगमंवापिसकलंजनमंडलं वशीकुर्यान्महेशानि
पादाक्रांतंनसंशयः महात्रिपुरसुंदर्याःकामकूटेनभा
स्वता एकमेवमवष्टभ्यसाध्यनामाक्षराणिहि वहिरप्य
लिखैर्वर्णैःमातृकायाःप्रवेष्टयेत् हेममध्यगतेकुर्याछि
खाखायांवामकेभुजे धारयेद्यत्रकुत्रापित्रैलोक्यवशकार
पृ० ५अ) कं राजेंद्रमपिदेवेशिवासभूतंकरोतिहि राजानोवाजिनः
सर्वेमहादुष्टामहोत्कटाः व्याघ्राःकेसरिणोमत्तावश्यास्त
स्यभवंतिहि पूर्वक्रमेणनगरनामसंदर्भ्यशैलजे मध्येच
तुःपथेवापिचतुर्दिक्षुनिधापयेत् महाक्षोभोयोषितां
तुभजनानांमहतामपि तथैवसर्वदुष्टानांपुरस्थानांच
जायते एतन्मध्यगतांपृथ्वींसशैलवनकाननं ज्वलंति
सर्वराजेंद्रमंडितांसागरांबरां मासषट्कंचिंतयेद्यःससं
पृ० ५ब) क्षोभकरोभवेत् कटाक्षक्षेत्रमात्रेणनार्यस्तस्यवशाः
प्रिये राजानोव्राह्मणावैश्याःशूद्राश्चपशवोजगत् दृ
ष्टाकर्षयतेदेवित्रैलौक्यंसचराचरं दृष्टाविषंनाशयते
नात्रकार्याविचारणा भूतप्रेतपिशाचांश्चज्वरांश्चातुर्थि
कादिन शूलगुल्मादिरोगांश्चदृष्टानाशयतिक्षणात्
एतत्सिंदूरसुभगंरात्रौसंपूजितंप्रिये योजनानांशतादेवि
सम्यगाकर्षयेत्स्त्रियं यदादिक्षुविदिक्षेवंसम्यक्देविप्र
पृ० ६अ) पूजते तत्तदिक्षुस्थितालोकान्विदिक्स्थानपिसुंद
री वशमानयतेशीघ्रंसपुत्रयसवांधवान् भूर्जपत्रेस
मालिख्यरोचनागुरुकुंकुमैः तत्मध्येनगरंदेशंमंडलं
खंडमेवव नाम्नाविदर्भितंस्वस्यपूजयित्वायथावि
धि भूमिमध्येगतंकृत्वात्रैलोक्यंवशमानयेत् अथ
वाधारयेत्कंठेशिखायांवाहुमूलके यत्रकुत्रस्थितं
भद्रेक्षोभयेन्नगरंमहतर्कक्षीरेणसंयुक्तंधतूररसं
पृ० ६ब) तथा रोचनाकुंकुमैचैवलाक्षालक्तकसंयुतं कस्तूरी
द्रवसंयुक्तमेकीकृत्यततःपरं चक्रमेतत्समालिख्यय
स्यनाम्नामहेश्वरि तस्यव्याघ्रहयव्याधिरिपुसर्गगजादि
कं चोरग्रहाजलारिष्ठंशाकिनीडाकिनीभयं भयंनविद्य
तेदेविपरमंत्राभिवारकं नित्यंसमर्चयेद्देविकालमृत्युं
विनाशयेत् अथवामध्यगांदेवित्रिकोणोभयमध्यगं
अधस्तांनामसंयुक्तंरोचनाकुंकुमान्वितं निधापयेत्स
पृ० ७अ) प्ताहाद्दासवत्किंकरोभवेत् पीतद्रव्यैःसमालिख्यपी
तपुष्पैःसमर्चयेत् पूर्वाशाभिमुखोभूत्वास्तंभयेत्सर्व
वादिनः सहस्रवदनोदेविमूकोभवतितत्क्षणात् नाम्ना
यस्यसवाग्मीहिपाषाणिवनिश्चलः जायतेदेवदेवेशि
महानीलीरसेनतु नामसंयोज्यविधिवत्दक्षिणाशा
मुखोयुधः वह्नौदग्ध्वामहेशानिमारयेद्वैरिणंप्रिये
महिषाश्चपुरीषाभ्यांसममाकृष्यशैलजे गोमूत्रेण
पृ० ७ब) चसंलिख्यनामसंदर्भ्यपूर्ववत् लंवमानंतदाकाशेशत्रूच्चा
टनकारकं महानीलीरोचनाभ्यांदुग्धलाक्षारसादिभिः
विलिख्यधारयेन्मंत्रीसर्ववर्णान्वशंतयेत् अनेनैवविधाने
नस्थापयेनीरसमध्यगं तेनोदकेनसंस्रानंपीतंतत्सर्वव
श्यकृत् सौभाग्यंजायतेतेनपानीयेननसंशयः एतन्मध्य
गतातेनपृथ्वीनगरंवामलोचने सप्ताहात्क्षोभयेत्सत्यंज्वल
मानंविचिंतयेतथवक्ष्येमहेशानिमहापातकनाशनः
पृ० ८अ) शिवांसंपूजयेद्देविसुगंधैःकुसुमैःप्रिये महापातकयु
क्तात्मातत्क्षणात्पातहाभवेत् शमीदूर्वाकुराश्वत्थपल्ल
वैनथवार्कजैः मासेनहंतिकलुषंसप्तजन्मकृतंनरः पूर्वा
शाभिमुखोभूत्वापीतद्रव्यैःसमर्चयेत् (यस्यस्नामाकितंत
त्रमंत्रहानिःप्रजायते अग्निराक्षसे) पीतस्थानेसमालिख्य
स्तंभयेत्सर्ववादिनः उत्तराभिमुखोभूत्वावंदनेनसमालि
खेत् संपूज्यविधिवद्भक्त्यासर्वयोषिमनोहरः वल्लभोजाय
पृ० ८ब) तेतासांदासीमिववशंनयेत् यमाशाभिमुखोभूत्वाचक्रंकृ
ष्णजदार्चयेत् यस्यनामांकितंतत्रमंत्रहानिःप्रजायते अ
ग्निराक्षसवायव्यशंभुकोणेषुपूजितं पूर्ववत्परमेशानिक्र
मेणपरितोषितं स्तंभविद्वेषगाव्याधिशत्रूच्चाटकरंपरं रो
चनालिखितंचक्रंक्षीरमध्येक्षिपेद्वुधः सर्ववश्यकरंदेविभ
वत्येवनसंशयः गोमूत्रमध्यगंसम्यक्शत्रूच्चाटकरंपरंतै
लस्थंचक्रराजंतंतद्विद्वेषांतकरंभवेत् ज्वलज्वलनमध्यस्थं
पृ० ९अ) शत्रुनाशकरंभवेत् यदैकांतेचतुर्भागेसिंदूररजसालिखेत्
सर्ववाह्यतारभ्ययावन्मध्यंमहेश्वरि अकारादिक्षकारां
तांमातृकांतत्रविन्यसेत् पूजयेद्रात्रिसमयेकुलाचारक्रमे
णता साधकःखेचरोदेविजायतेनात्रसंशयःगिरावेकतरौ
तद्वदर्वयेत्कुलमार्गतःअजरामरतांलव्ध्वासुखीभवतिमां
त्रिकः स्मशानेपूजयेचक्रंमहाभूतदिनेतुयःपूर्वक्रमेणवि
धिवत्साधकस्थिरमानसः खड्गसिद्धिंचवेतालसिद्धिंचगुटि
पृ० ९ब) कांलभेत् पादुकांजनसिद्धिंचमनसिद्धिंचधातुदं समहावी
रसिद्धिंतुयक्षिणीचेटकोद्भवां सर्वंलभतेमंत्रीनात्रकार्यावि
चारणा इतिश्रीचक्रसाधनः
Zusammenfassende deutsche Übersetzung
Das Śrīcakrasādhanam der Muktabodha-Handschrift M00652 ist ein kurzes tantrisches Praxismanuskript von zehn Blättern. Es ist nicht mit einer allgemeinen Einführung in das bekannte Śrī Yantra oder mit einer vollständigen Śrīvidyā-Navāvaraṇa-Pūjā gleichzusetzen.
Der Text beginnt mit Gaṇeśa und beruft sich auf den Jñānārṇava. Das Śrīcakra erscheint hier vor allem als rituelles Instrument, in das Namen, Mātṛkā-Laute, Bījas und symbolische Gestalten eingetragen werden. Verwendet werden unter anderem rote, gelbe und dunkle Farben, verschiedene Pflanzen- und Duftstoffe und unterschiedliche Trägermaterialien wie Bhūrjapatra oder Metall.
Ein großer Teil des Manuskripts gehört zur klassischen tantrischen Anwendungssprache von Vaśīkaraṇa, Ākarṣaṇa, Kṣobhaṇa, Stambhana, Vidveṣa, Uccāṭana und Māraṇa. Dabei werden Personen, Städte und ganze Regionen als Ziele symbolischer Beeinflussung genannt. Diese Inhalte unterscheiden den Text deutlich von philosophisch-meditativen Śrīcakra-Werken wie dem Yoginīhṛdaya.
Zugleich besitzt das Werk andere Schichten: Schutz vor Gefahren, Abwehr von Krankheit und negativen Kräften, Reinigung von Verfehlungen, Mātṛkā-Pūjā, Kulācāra und Śmaśāna-Sādhana. Dem Cakra werden somit Schutz-, Attraktions-, Kontroll-, Reinigungs- und Siddhi-Funktionen zugeschrieben.
Spirituell bedeutsam ist die wiederkehrende Identifikation des Sādhaka mit der Devī. In einzelnen Visualisierungen soll er sich selbst als göttliche Gestalt und als rötlich leuchtendes Zentrum des Cakra erfahren. Hier berührt sich die magische Ebene mit einer tieferen tantrischen Grundidee: Der Praktizierende, das Cakra, die Mantra-Kraft und die Devī werden nicht als völlig voneinander getrennt gedacht.
Für heutige Aspiranten ist deshalb eine klare Unterscheidung wichtig. Das geometrische Śrīcakra kann als Symbol von Śakti, Kosmos und Bewusstsein meditiert werden. Die im Manuskript enthaltenen Zwangs-, Schädigungs- und Manipulationsrituale dagegen sind historische Quelleninhalte und keine ethisch vertretbare moderne Praxis.
Das Shri Chakra in diesem Text
Das Śrīcakra wird in dieser Handschrift weniger als philosophische Kosmographie mit neun Āvaraṇas erläutert als vielmehr als rituelles Trägerfeld. Wiederkehrende Elemente sind:
- das Zeichnen des Cakra mit farbigen und duftenden Substanzen;
- Eintragung eines Namens im Zentrum;
- Umfassung durch Mātṛkā-Buchstaben;
- Verbindung mit Bīja- und Kāmakūṭa-Strukturen;
- Verehrung mit roten, gelben oder anderen Upacāras;
- Tragen des Cakra am Körper oder Platzieren an bestimmten Orten;
- Nutzung verschiedener Richtungen für verschiedene ritualmagische Funktionen;
- Visualisierung des Sādhaka im Zentrum des Cakra.
Damit entspricht der Text in seiner Funktion eher einem kurzen Prayoga- beziehungsweise Sādhana-Text als einer systematischen theologischen Erklärung des Śrīcakra.
Beziehung zur klassischen Sri Vidya
Das Manuskript nennt ausdrücklich Mahātripurasundarī, Kāmakūṭa, Mātṛkā, Mahā-Kāmakalā und Kulācāra. Es gehört damit in einen weiteren śāktisch-tantrischen Kontext.
Dennoch sollte man den Text nicht einfach mit der vollständigen klassischen Śrīvidyā-Lehre gleichsetzen. Werke wie Yogini Hridaya, Nitya Shodashikarnava, Vamakeshvara Tantra, Varivasyarahasya oder Shri Vidyarnava Tantra entfalten wesentlich breitere Lehren über Devī, Mantra, Śrīcakra, Āvaraṇas, innere Verehrung und Befreiung.
Besonders das Yoginīhṛdaya entfaltet das Śrīcakra als Gestalt des höchsten Lichtes und ordnet seine Umfassungen Bewusstseins- und Śakti-Zusammenhängen zu. Das vorliegende Śrīcakrasādhanam konzentriert sich dagegen fast vollständig auf konkrete Prayogas.
Inspirierende und spirituell deutbare Stellen
Da das Manuskript überwiegend ritualmagisch ausgerichtet ist, gibt es nur wenige ausdrücklich kontemplative Passagen. Einige Gedanken lassen sich dennoch spirituell lesen.
Der Sadhaka im Zentrum des Shri Chakra
cakramadhyagato bhūtvā sādhakaścintayedyadā |
udyatsūryasahasrābhāmātmānamaruṇaṃ tathā |
Sinngemäß: Der Sādhaka stellt sich im Zentrum des Cakra als rötlich leuchtend wie tausend aufgehende Sonnen vor.
Inspiration: Statt das Cakra nur als äußere Zeichnung zu betrachten, wird der Praktizierende selbst in dessen Mitte versetzt. In einer inneren Lesart kann dies bedeuten: Das heilige Diagramm wird im eigenen Bewusstsein lebendig.
Selbst als Gestalt der Devi
svayaṃ devīsvarūpakaḥ |
Sinngemäß: „Selbst von der Gestalt der Devī geworden.“
Inspiration: Eine grundlegende Tantra-Idee erscheint hier sehr knapp: Die Gottheit wird nicht nur außen angerufen. Der Sādhaka soll sich selbst als von Śakti durchdrungen erkennen.
Matrika von A bis Ksha
akārādikṣakārāntāṃ mātṛkāṃ tatra vinyaset |
Sinngemäß: „Dort soll die Mātṛkā von A bis Kṣa angeordnet werden.“
Inspiration: Die gesamte Sanskrit-Lautreihe wird zum symbolischen Leib der Śakti. Sprache und Bewusstsein werden im Cakra zusammengeführt.
Wichtigste Mantras und Lautprinzipien
Ganesha-Anrufung
oṃ śrīgaṇeśāya namaḥ
ॐ श्रीगणेशाय नमः ।
Bedeutung: „Om. Verehrung dem ehrwürdigen Gaṇeśa.“
Verwendung: Eröffnung der Handschrift.
Matrika
Die Quelle verweist mehrfach auf die vollständige Mātṛkā von A bis Kṣa. Sie wird nicht als einzelnes Rezitationsmantra, sondern als Gesamtheit der Lautkräfte verwendet.
Kāmakūṭa
Der Text nennt das kāmarājakūṭa beziehungsweise Kāmakūṭa der Mūlavidyā und später ausdrücklich den Kāmakūṭa der Mahātripurasundarī. Die konkrete Lautfolge wird in der vorliegenden Handschrift nicht vollständig ausgeschrieben. Daher wird hier keine Formel aus anderen Śrīvidyā-Texten ergänzt.
Bilder und Videos
Das Shri Chakra kann auch unabhängig von den ritualmagischen Anwendungen dieses Manuskripts als geometrische Meditationsgestalt betrachtet werden. Besonders hilfreich ist die Verbindung mit der inneren Śrīvidyā-Lehre des Yogini Hridaya.
Die Chakra-Energie-Meditation von Yoga Vidya kann als moderne meditative Ergänzung dienen. Sie ist keine Rekonstruktion der im Manuskript beschriebenen Prayogas.
Ein weiteres Yoga-Vidya-Video ergänzt die kontemplative Seite des Themas.
Verhältnis zu anderen Schriften
Besonders sinnvoll sind Querverbindungen zu:
- Yogini Hridaya – Śrīcakra als Gestalt des höchsten Lichtes;
- Nitya Shodashikarnava – Śrīvidyā, Cakra und innere Verehrung;
- Vamakeshvara Tantra – zentrale Śrīvidyā-Überlieferung;
- Shri Vidyarnava Tantra – umfangreiche Mantra- und Pūjā-Tradition;
- Varivasyarahasya – innere Bedeutung von Mantra und Śrīvidyā;
- Kama Kala Vilasa – Kāmakalā und Śrīcakra;
- Lalita Sahasranama – Lalitā und Śrīcakra;
- Saundarya Lahari – Devī, Śrīvidyā und Yantra;
- Kularnava Tantra – Kulācāra und Guru;
- Jnanarnava Tantra – vom Manuskript selbst ausdrücklich als Quelle genannt.
Bedeutung für heutige Yoga-Aspiranten
Für moderne Yoga- und Meditation-Aspiranten ist eine klare Unterscheidung hilfreich:
Die innere Symbolik des Shri Chakra kann sehr inspirierend sein. Der Bindu als Mitte, die Verschachtelung von Śiva und Śakti, die Mātṛkā-Laute und die Vorstellung des eigenen Bewusstseins im Zentrum können zu Meditation und Sammlung führen.
Die ritualmagischen Kontroll- und Schädigungspraktiken dieser Handschrift dagegen sollten historisch verstanden werden. Spirituelle Praxis gewinnt an Tiefe nicht durch Manipulation anderer, sondern durch Bewusstheit, Hingabe, Ahimsa, Selbstbeherrschung und Erkenntnis.
Abschließende Betrachtung
Das Shri Chakra Sadhanam ist gerade deshalb interessant, weil es einen wenig bekannten Aspekt der Śrīcakra-Tradition sichtbar macht. Das Shri Chakra war historisch nicht nur Meditationsdiagramm, kosmologische Karte und Zentrum der Lalitā-Verehrung. Es konnte auch als rituelles Machtinstrument für Schutz, Einfluss, Abwehr und Siddhi verstanden werden.
Für heutige Leser ist es wichtig, diese Schicht weder zu romantisieren noch zu verdrängen. Sie gehört zur Geschichte des Tantra. Zugleich lässt sich hinter den magischen Anwendungen eine tiefere Grundidee erkennen: Der Sādhaka soll sich selbst in das Cakra hineinversetzen, sich als Devī-Gestalt erfahren und die gesamte Mātṛkā im heiligen Diagramm versammeln.
So kann das historische Dokument – trotz seiner problematischen Vaśīkaraṇa- und Abhicāra-Passagen – auch zu einer Frage führen, die für Meditation unmittelbar relevant bleibt: Was geschieht, wenn das Śrīcakra nicht mehr nur vor uns liegt, sondern als Symbol des eigenen Bewusstseins erkannt wird?
Textgrundlage
Muktabodha Indological Research Institute, Katalognummer M00652, Manuskript 1300k des Raghunath Temple, Jammu, Jammu and Kashmir. Manuskripttitel: śrīcakrasādhanam; Umfang: zehn Blätter; Sachgebiet: Tantra. Die Datei wurde unter Aufsicht von Anirban Dash am 6. April 2024 als diplomatische Transkription erfasst. Ein Autor wird in den Metadaten nicht genannt; der Artikel nennt daher bewusst keinen Verfasser. Für Umschrift und Devanagari dieses Artikels wurden ausschließlich die beiden vom Nutzer bereitgestellten Muktabodha-Dateien verwendet.
Siehe auch
- Shri Yantra
- Sri Vidya
- Tripura Sundari
- Mahatripurasundari
- Lalita
- Shakti
- Devi
- Matrika
- Yantra
- Mantra
- Puja
- Kaula
- Kula
- Kamakala
- Yogini Hridaya
- Nitya Shodashikarnava
- Vamakeshvara Tantra
- Shri Vidyarnava Tantra
- Varivasyarahasya
- Kama Kala Vilasa
- Lalita Sahasranama
- Saundarya Lahari
- Kularnava Tantra
- Jnanarnava Tantra
- Meditation
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