Mrityunjaya Puja Paddhati

Aus Yogawiki

Mrityunjaya Puja Paddhati (Sanskrit: mṛtyuñjayapūjāpaddhati), auch Mṛtyuñjaya Pūjā Paddhati, Mahamrityunjaya Puja Paddhati oder Mrityunjaya-Puja-Paddhati, ist ein handschriftlich überliefertes Ritualmanual zur Verehrung von Mṛtyuñjaya, der den Tod überwindenden Form Śivas.

Die Muktabodha-Ausgabe M00554 beruht auf dem Manuskript NGMCP 1642, Reel A 455/14 und wird ausdrücklich als Ritual manual beschrieben. Die Handschrift wurde von Mark S. G. Dyczkowski ausgewählt und vom Muktabodha-Team unter der Leitung von Anirban Dash elektronisch erfasst.

Die Quelle ist stark beschädigt. Viele Formeln sind nur als Anfangswörter notiert, andere enthalten Lücken oder schwer verständliche ritualtechnische Kurzformen. Gerade deshalb ist in diesem Artikel der Sanskrittext in IAST die wichtigste Ebene. Jeder größere Ritualabschnitt wird nach dem Schema dargestellt:

Handlung → Sanskrittext (IAST) → deutsche Übersetzung → Erläuterung.

Es wird nichts aus anderen Editionen in den Sanskritgrundtext hineinkorrigiert oder ergänzt.

Shiva-Lingam-Pūjā bei Yoga Vidya. Die Mrityunjaya Puja Paddhati gehört in die Welt ritualisierter Shiva-Verehrung mit Snāna, Nyāsa, Āvāhana, Pūjā, Japa und Stotra.

Mṛtyuñjaya – der Bezwinger des Todes

Mṛtyuñjaya bedeutet „Sieger über den Tod“ oder „Bezwinger des Todes“. Der Name bezeichnet Shiva in seiner todüberwindenden, heilenden und befreienden Gestalt. Die Paddhati nennt ihn im Dhyāna ausdrücklich Mahāmṛtyuñjaya und Amṛteśvara-Bhairava: Herr des Amṛta, des Nektars der Unsterblichkeit, und zugleich Bhairava.

Das Yogawiki unterscheidet zwischen dem bekannten vedischen Maha Mrityunjaya Mantra und Mṛtyuñjaya-Bīja-Mantras. Die vorliegende Handschrift gehört zu einer komplexeren tantrisch-rituellen Tradition: Sie verbindet Mṛtyuñjaya mit Nyāsa, Bhūtaśuddhi, Kalās, Dhyāna, Pūjā, Bali, Japa und einem ganzen Kreis von Begleitgottheiten.

Das bekannte Om-Tryambakam-Mantra ist heute die verbreitetste Mṛtyuñjaya-Formel. Die vorliegende Paddhati überliefert jedoch einen wesentlich umfangreicheren Ritualkomplex.

Wie dieses Puja-Handbuch zu benutzen ist

Die Handschrift ist kein modernes Lehrbuch. Sie ist eine knappe Gedächtnisstütze für Ritualkundige. Häufig steht nur der Anfang eines vedischen Mantras. Wo etwa oṃ gaṇānāṃ tvā oder oṃ sahasraśīrṣā notiert ist, setzt die Quelle voraus, dass der vollständige Text bekannt ist.

Darum unterscheidet dieses Handbuch drei Ebenen:

  • Sicher erhalten: wird wörtlich in IAST wiedergegeben.
  • Beschädigt: bleibt mit Sternchen, Fragezeichen oder Fragmenten sichtbar.
  • Ritualfunktion: wird auf Deutsch erklärt, ohne den fehlenden Sanskrittext zu erfinden.

Für eine tatsächliche traditionelle Durchführung sind ein qualifizierter Guru, Dīkṣā bzw. rituelle Einweisung und eine verlässliche vollständige Paddhati sinnvoll.

Gesamtübersicht der Puja

  1. Guru, Nyāsa und Tīrtha-Reinigung
  2. Āvāhana und Snāna
  3. Pañcāmṛta-Snāna
  4. Sūrya-Pūjā
  5. Viṣṇu-Pūjā
  6. Rudra-orientierte Vorbereitung
  7. Mūla-Mṛtyuñjaya-Pūjā
  8. Praṇava-Verehrung
  9. Bhūtaśuddhi
  10. Kalā-Nyāsa
  11. Ātmapūjā
  12. Dhyāna des Mahāmṛtyuñjaya
  13. Dhyāna-Puṣpa
  14. Ṣaḍaṅga, Āvāhana, Dhūpa, Dīpa und Naivedya
  15. Bali, Japa und Stotra
  16. Heramba-Pūjā
  17. Garuḍa, Kumāra, Vṛṣabha und Umā-Maheśvara
  18. weitere vedische Arcana
  19. Abhiṣeka des Yajamāna
  20. Śanaiścara-Schutzabschnitt


Puja-Handbuch: vollständige erhaltene Ritualfolge

Wichtiger Gebrauchshinweis
Dieses Handbuch folgt der Handschrift vollständig und quellengetreu. Wo der Text beschädigt ist, bleibt die Lücke sichtbar. Die Paddhati setzt traditionelle Einweisung voraus; sie ist daher ein Studien- und Rekonstruktionshandbuch, keine frei ergänzte moderne Ritualanleitung.

Vorbereitung, Guru, Nyāsa und Tīrtha-Mantras

Handlung – Manuskriptseite 1a
Vorbereitung, Guru, Nyāsa und Tīrtha-Mantras.

Sanskrittext (IAST)
) śrīgūbhyo namaḥ || pithupādegulividhi || mṛtyuñjayana nyāsayāya |
kegolatane mūlamantrana vāpāsa || devapikāya || ohoyāghaḍacāśalaṃkhathane ||
veda || oṃ ājighra || oṃ pañcanadya || oṃ imamme || oṃ sitāsite || oṃ upahvare || oṃ ye
tīrthāni ||
triyāñjali mūlena || japalpe

Deutsche Übersetzung
Die Pūjā beginnt mit Guru-Verehrung und Mṛtyuñjaya-Nyāsa. Danach folgen Anweisungen zum Mūlamantra und mehrere vedische Tīrtha- bzw. Wasser-Mantra-Anfänge. Die Quelle ist bereits in der ersten Zeile beschädigt.

Erläuterung
Hier wird der rituelle Raum eröffnet. Der Text setzt voraus, dass der Priester die vollständigen vedischen Mantras kennt; die Handschrift notiert vielfach nur deren Anfang.

Āvāhana, Dhenumudrā und Pañcāmṛta-Snāna

Handlung – Manuskriptseite 1b
Āvāhana, Dhenumudrā und Pañcāmṛta-Snāna.

Sanskrittext (IAST)
mūlena 3 || āvāhanādi dhenumudrā || hohoyādyalacāśacoṅa laṃkhana
devasnānayācake || oṃ svastinomimītā || oṃ kanikrada || pañcāmṛtasnāna || veda || oṃ
payapṛthi || dadhikrāpno || oṃ tejosi || oṃ madhuvvātā || oṃ namaḥ śa * * * || oṃ
āśuśiśā || oṃ yajjāgrato || oṃ sahasraśrī

Deutsche Übersetzung
Mit dem Mūlamantra wird weitergearbeitet. Es folgen Āvāhana, Dhenumudrā und das Bad der Gottheit. Das Pañcāmṛta-Snāna wird ausdrücklich genannt. Mehrere vedische Mantra-Anfänge begleiten die Waschung.

Erläuterung
Die Gottheit wird eingeladen und rituell gebadet. Pañcāmṛta bezeichnet die fünf Nektarsubstanzen der klassischen Pūjā. Wo nur ein Mantra-Anfang erhalten ist, wird hier nichts ergänzt.

Wiederholung des Snāna-Komplexes

Handlung – Manuskriptseite 2a
Wiederholung des Snāna-Komplexes.

Sanskrittext (IAST)

  • * * ohoyāgharacāśacoṅa laṃkhana devasnāna * * || (oṃ svastino mimītā

|| oṃ kaṇikrada || pañcāmṛtasnāna || veda || oṃ payapṛthivyāṃ || oṃ dadhikrāpno || oṃ
tejosi || oṃ madhūrvvātā || oṃ namaḥ śambhavāya || oṃ āśuśiśāno || oṃ yajjāgrato
|| oṃ sahasraśī ||)

Deutsche Übersetzung
Die Handschrift wiederholt Teile des Bades und des Pañcāmṛta-Snāna: unter anderem die Anfänge svasti no mimītā, kaṇikrada, payaḥ pṛthivyām, dadhikrāpṇo, tejo'si, madhur vātā, namaḥ śambhavāya, āśuḥ śiśānaḥ, yaj jāgrato und sahasraśī....

Erläuterung
Diese Wiederholung wird beibehalten, weil sie Teil der Quelle ist. In einer Ritualhandschrift können Wiederholungen auf unterschiedliche Waschphasen oder auf eine Abschrift aus mehreren Vorlagen zurückgehen.

Arghya, Śaṅkha, Pavitra und weitere Reinigung

Handlung – Manuskriptseite 2b
Arghya, Śaṅkha, Pavitra und weitere Reinigung.

Sanskrittext (IAST)
oṃ svastina indro || oṃ viṣṇorarāta || oṃ namaḥ śambhavā || ohoyākholāna || oṃ
ye tīrthāni || ohosā arghāna || oṃ avabhṛta || lūṁ yākhvalāna || oṃ varuṇasyotaṃ ||
śaṃkha * * || oṃ pavitreṣṭho || oṃ tasyato || oṃ śrīścate || oṃ dyo
śā * * * oṃ vibhrāta || oṃ namaste || oṃ vaya ṭhaṃ 8 || oṃ sva

Deutsche Übersetzung
Es folgen weitere vedische Formeln zu Segen, Viṣṇu, Śambhu, Tīrthas, Avabhṛtha, Varuṇa, Śaṅkha und Pavitra. Mehrere Stellen sind zerstört.

Erläuterung
Dieser Abschnitt gehört weiterhin zur äußeren Reinigung und zur Weihe von Wasser und Gefäßen. Die beschädigten Sequenzen werden nicht zu vollständigen Mantras rekonstruiert.

Guru-Verehrung und Übergang zur Sūrya-Pūjā

Handlung – Manuskriptseite 3a
Guru-Verehrung und Übergang zur Sūrya-Pūjā.

Sanskrittext (IAST)
śrī gurave 5 | devatha * * * saṃtaya || ceta || yadadyaga || * * hā * || a * * || oṃ *
kṣaṃ nama || * * || oṃ jave * śa || jāno || oṃ * * * * ta || yu * || oṃ * phalanī || devayā
deguliyāṅahaya || kotosasa sūryya || sūryyapūjā || tritatvenācamya || thāpūjā
jalasā sūryyārghamāla

Deutsche Übersetzung
Der Guru wird erneut angerufen. Nach weiteren fragmentarischen Formeln kündigt die Quelle ausdrücklich die sūryyapūjā an.

Erläuterung
Die Sonne wird als vorbereitende Gottheit verehrt. In vielen Paddhatis dient Sūrya-Pūjā der Reinigung, Lichtanrufung und Einordnung des Rituals in die kosmische Ordnung.

Sūrya-Pūjā

Handlung – Manuskriptseite 3b
Sūrya-Pūjā.

Sanskrittext (IAST)
nityayāmumāla || nyāsa sūryyayā lakhahāyake || arghapātrapūjā
|| ṣaḍaṅgaṇa || āvāhanādi || padmamudrā || ā * * pūjā || āsanatane || sūryyaske
|| triyāñjali || 3 || gāyatrī?? || ādityādi || ṣaḍaṅgaṇa || āvāhanādi bali || oṃ * * * *
bhyā baliṃ gṛhna 2 svāhā dhūpa dīpa idaṃ naivedyaṃ

Deutsche Übersetzung
Genannt werden Ācamana, Sūrya-Nyāsa, Arghya-Pātra-Pūjā, Ṣaḍaṅga, Āvāhana, Padmamudrā, Ātmapūjā, Āsana, dreifache Añjali, Gāyatrī, Āditya-Verehrung, Dhūpa, Dīpa, Naivedya und Bali.

Erläuterung
Dies ist eine relativ klar erkennbare, vollständige Pūjā-Sequenz. Die Paddhati arbeitet mit der typischen Folge von Vorbereitung, Anrufung, Verehrung, Opfergaben und Abschluss.

Abschluss der Sūrya-Pūjā

Handlung – Manuskriptseite 4a
Abschluss der Sūrya-Pūjā.

Sanskrittext (IAST)

  • * * jāpa || hrāṁ svāhā || 10 || stotra ||

oṃ nama śrīsūryyā * * * bhārātī || pāpohaṃ || atra gandhādi || śrīsuryyārca * *

  • dhe tatsarvvaparipūrṇamastu ||

atha viṣṇupūjā ||
ācamya || gurunamaskāra || oṃ vāsedevamukhāmbhoja || nyāsa || viṣṇuyā ||
arghapātrapūjā ṣaḍaṃgana viṣṇuye ||

Deutsche Übersetzung
Ein Japa mit hrāṃ svāhā wird zehnmal genannt; danach folgen Stotra, weitere Sūrya-Formeln und eine Abschlussbitte, dass die Verehrung vollständig sein möge.

Erläuterung
Die Sūrya-Pūjā wird durch Japa und Stotra abgeschlossen, bevor die nächste vorbereitende Gottheit verehrt wird.

Beginn der Viṣṇu-Pūjā und Türhüter

Handlung – Manuskriptseite 4b
Beginn der Viṣṇu-Pūjā und Türhüter.

Sanskrittext (IAST)
āvāhanādi śaṃkhamudrā || ātmapūjā || paṭicāsadvārataṃne || oṃ
gaṇapataye 2 ḥ || oṃ gurubhyo 2 ḥ || oṃ nandine 2 ḥ || oṃ bhṛṃgi * * ḥ || oṃ
dvārapālāya 2 ḥ || oṃ kṣetrapālāya 2 || āvāhanādi || āsanataṃ ne viṣṇūska

Deutsche Übersetzung
Die Quelle beginnt ausdrücklich mit atha viṣṇupūjā. Es folgen Ācamana, Guru-Namaskāra, Viṣṇu-Nyāsa, Arghya-Pātra-Pūjā und Ṣaḍaṅga. Danach werden Gaṇapati, die Gurus, Nandin, Bhṛṅgin, Dvārapāla und Kṣetrapāla verehrt.

Erläuterung
Viṣṇu wird in den vorbereitenden Ritualkreis aufgenommen. Die Tür- und Feldhüter schützen den sakralen Raum.

Viṣṇu-Pūjā: Hauptverehrung und Bali

Handlung – Manuskriptseite 5a
Viṣṇu-Pūjā: Hauptverehrung und Bali.

Sanskrittext (IAST)
śrīgu * le viṣṇuyā || gāyatrī brahmāsaṃ || keśa * * dipūjā
|| ṣaḍaṃganapūjā || āvāhanādi || dhūpo 2 ḥ || dīpo 2 ḥ | idaṃ naivedyaṃ
namaḥ || paścimadosa balitaya trideva || oṃ hrīṁ viṣvakasena || oṃ hrīṁ hsauṁ jayāvaha
|| oṃ śauṁ hrīṁ aiṁ haraṇa

Deutsche Übersetzung
Es folgen Viṣṇu-Gāyatrī, Keśava- und Ṣaḍaṅga-Pūjā, Āvāhana, Dhūpa, Dīpa und Naivedya. Danach werden Bali und mehrere Bīja-Formeln genannt.

Erläuterung
Der Viṣṇu-Abschnitt folgt dem vollständigen Pūjā-Muster. Einige Bīja-Folgen sind klar, andere nur teilweise erhalten.

Viṣṇu-Japa, Stotra und Übergang zur Śiva-Verehrung

Handlung – Manuskriptseite 5b
Viṣṇu-Japa, Stotra und Übergang zur Śiva-Verehrung.

Sanskrittext (IAST)
karaṇe || japastotra || oṃ namo bhagavate vāsudevāya || namostvanantāya ||
pāpohaṃ || atra gaṃndhādi || vaiṣṇavārccana vidhe || tato netrapūjā || ācamya ||
nyāsa mūlana || arghapā * * * || ṣaḍaṃgana || ātmapūjā || āsa

Deutsche Übersetzung
Die Formel oṃ namo bhagavate vāsudevāya steht ausdrücklich im Text. Danach folgen Stotra und Abschluss der Viṣṇu-Verehrung. Anschließend beginnt eine weitere, teilweise beschädigte Nyāsa- und Pūjā-Sequenz.

Erläuterung
Die bekannte Vāsudeva-Formel ist eine der eindeutig überlieferten vollständigen Mantraformeln dieser Handschrift.

Rudra-orientierte Vorpūjā und Übergang zur Mṛtyuñjaya-Pūjā

Handlung – Manuskriptseite 6a
Rudra-orientierte Vorpūjā und Übergang zur Mṛtyuñjaya-Pūjā.

Sanskrittext (IAST)

  • * tryañjali taṃne || gāyatrī || oṃ juṁ saḥ amṛtī * * * sadyojātādipūjā

|| ṣaḍaṃga || āvāhanādi || * po 2 dīpo 2 idaṃ naivedyaṃ 2 || bali || dathupātasa
trideva || oṃ juṁ rudramātṛgaṇa || oṃ juṁ indra agni || jāpa || sohmāsaṃḍathehayāya || ||
mūla mṛtyuñjayapūjā || ācamya nyāsa || arghapātrapūjā || praṇavāsanāya
2 ḥ ||

Deutsche Übersetzung
Erkennbar sind Gāyatrī, oṃ juṃ saḥ, Sadyojāta-Pūjā, Ṣaḍaṅga, Āvāhana, Dhūpa, Dīpa, Naivedya sowie Bali an Rudra-Mātṛgaṇa, Indra und Agni. Danach steht ausdrücklich mūla mṛtyuñjayapūjā.

Erläuterung
Hier beginnt der Kern der Paddhati. Die vorangehenden Śiva- und Rudra-Formen bereiten die Hauptverehrung Mahāmṛtyuñjayas vor.

Mūla-Mṛtyuñjaya-Pūjā: Praṇava, Bhūtaśuddhi und Kalās

Handlung – Manuskriptseite 6b
Mūla-Mṛtyuñjaya-Pūjā: Praṇava, Bhūtaśuddhi und Kalās.

Sanskrittext (IAST)
praṇavamūrttaye 2 ḥ || praṇavāya 2 ḥ ||
dhātrī kṣīrārṇava padma candrabimbañca bhāsura |
paścātkālakalāyotthapīyūṣeṇañca siṃcayet ||
ṣaḍaṃga || āvāhanādi || dhenu mudrā || bhūtaśuddhiḥ || oṃ juṁ hloṁ nivṛttikalā ||
ādhā * * * juṁ ddhoṁ pratiṣṭhākalā || liṃge || oṃ juṁ hrāṁ vidyā

Deutsche Übersetzung
Nach Ācamana, Nyāsa und Arghya-Pātra-Pūjā werden Praṇava-Āsana, Praṇava-Mūrti und Praṇava verehrt. Eine Strophe nennt Erde, Milchozean, Lotus und Mondscheibe. Es folgen Ṣaḍaṅga, Āvāhana, Dhenumudrā und ausdrücklich Bhūtaśuddhi. Danach beginnt ein Kalā-Nyāsa.

Erläuterung
Dies ist der innere Übergang zur Hauptgottheit. Bhūtaśuddhi reinigt den subtilen Ritualkörper; die Kalās werden als Stufen göttlicher Manifestation am Körper verankert.

Kalā-Nyāsa und Ātmapūjā

Handlung – Manuskriptseite 7a
Kalā-Nyāsa und Ātmapūjā.

Sanskrittext (IAST)
śrīgurunābhau || oṃ juṁ hyaṁ śāntikalā || hṛdi || oṃ juṁ * * ntyātītakalā ||
lalāṭe || oṃ juṁ saḥ amṛ * śamahābhairavāya 2 ḥ || ātmapūjā || āsana ||
oṃ juṁ dharmmāya 2 ḥ || oṃ juṁ jñānāya 2 ḥ || oṃ juṁ vairāgyāya 2 ḥ || oṃ juṁ
aiśvaryyāya 2 ḥ || oṃ juṁ adharmmāya 2 ḥ ||

Deutsche Übersetzung
Erhalten sind Formeln zu Śānti-Kalā und einer weiteren beschädigten Kalā sowie eine Anrufung Mahābhairavas. Danach folgt Ātmapūjā mit Dharma, Jñāna, Vairāgya und Aiśvarya.

Erläuterung
Der Sādhaka heiligt den eigenen Körper und Geist. Die positiven Grundkräfte werden ausdrücklich verehrt; damit wird der Körper zum Sitz der Gottheit.

Gegenkräfte, Ādhāraśakti und Beginn des Dhyāna

Handlung – Manuskriptseite 7b
Gegenkräfte, Ādhāraśakti und Beginn des Dhyāna.

Sanskrittext (IAST)
oṃ juṁ ajñānāya 2 ḥ || oṃ juṁ avairāgyāya 2 ḥ || oṃ juṁ anaiśvaryyāya 2 ḥ ||
oṃ juṁ adhaśchandāya 2 ḥ || oṃ juṁ ūrddhachandāya 2 ḥ || oṃ juṁ
ādhāraśaktayetyādi || dhyā *
oṃ juṁ śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ kundu himasaṃnibhaṃ |

  • * * ktā ca hāreṣu śītacandanabhūṣitaṃ ||

soma * * * * dhyasthaṃ ekavaktraṃ trinocanaṃ |

Deutsche Übersetzung
Nun erscheinen Adharma, Ajñāna, Avairāgya und Anaiśvarya sowie weitere Ādhāra-Śakti-Formeln. Danach beginnt das Dhyāna: Mahāmṛtyuñjaya wird kristallklar und schneeweiß visualisiert.

Erläuterung
Die Paddhati ordnet positive und negative Grundkräfte in die rituelle Kosmologie ein. Danach richtet sich die Aufmerksamkeit vollständig auf die Gestalt Mṛtyuñjayas.

Dhyāna des Mahāmṛtyuñjaya

Handlung – Manuskriptseite 8
Dhyāna des Mahāmṛtyuñjaya.

Sanskrittext (IAST)
pūrṇacandrani * * * karaśaṃtamatopamaṃ ||
dakṣahasteṣu kalaśaṃ vāme ca candramaṇḍale |
vāmorū ca gatā devī ekavaktraṃ trilocanaṃ ||
śvetavarṇaṃ mahādīptaṃ varadābhayasāninī |
śaṃkhāṃbujadharā devīṃ sarvvakāmapradāyanī ||

Deutsche Übersetzung
Der Gott wird mit einem Gesicht und drei Augen beschrieben, mit Kalaśa und Mondscheibe. Auf seinem linken Oberschenkel befindet sich eine weiße, leuchtende Göttin mit einem Gesicht und drei Augen, Varada- und Abhaya-Gesten, Śaṅkha und Lotus.

Erläuterung
Die Meditation verbindet Mṛtyuñjaya mit Amṛta, Mond, Reinheit und Śakti. Die Göttin ist nicht bloß Begleitfigur, sondern Teil der vollständigen Mṛtyuñjaya-Gestalt.

Dhyāna-Puṣpa und Hauptpūjā

Handlung – Manuskriptseite 9a
Dhyāna-Puṣpa und Hauptpūjā.

Sanskrittext (IAST)
mahāmṛtyuñjayaṃ devamamṛteśvarabhairavaṃ ||
evaṃ ca dhyāyamānohaṃ sarvvapāpakṣayāya ca ||
oṃ juṁ saḥ mṛtyuñjayāya dhyānapuṣpaṃ 2 ḥ ||
tryañjali || gāyatrī || oṃ * * amṛtīśāya || sadyojātādipūjā || brahmā * * pūjā ||
asitāṃgādipūjā || āvāhanādi ||

Deutsche Übersetzung
Die Gottheit wird ausdrücklich mahāmṛtyuñjaya und amṛteśvarabhairava genannt. Es folgt die Formel oṃ juṃ saḥ mṛtyuñjayāya dhyānapuṣpaṃ namaḥ, danach Añjali, Gāyatrī, Sadyojāta- und weitere Pūjās sowie Āvāhana.

Erläuterung
Die Meditation wird nun in die äußere Pūjā überführt. Besonders schön ist die Idee des dhyānapuṣpa: die Meditation selbst wird als Blume dargebracht.

Naivedya, Bali, Kubjikā, Japa und Stuti

Handlung – Manuskriptseite 9b
Naivedya, Bali, Kubjikā, Japa und Stuti.

Sanskrittext (IAST)

  • * * * dīpo 2 ḥ idaṃ naivedyaṃ 2 ḥ || dathupātasabali * * * rudramātṛgaṇa

|| oṃ juṁ indra agni || pūrvvapā * * ducinimājuyāmantrana || trideva || hakāra sakāra
sakāra hakāra || bali || aiṁ hsphrīṁ kubjikā || svapātasaṃ tvākamahābalina dhunake
|| dhūpa dīpa naivedya pratiṣṭhā || jāpa stuti ||

Deutsche Übersetzung
Dhūpa, Dīpa und Naivedya werden dargebracht. Danach folgen Bali, Rudra-Mātṛgaṇa, Indra und Agni sowie weitere fragmentarische Mantrafolgen. Eine Kubjikā-Formel mit aiṃ und weiteren Bījas ist erkennbar. Danach Japa und Stuti.

Erläuterung
Der Kernritus wird durch Opfergaben, Schutzkräfte, Japa und Lobpreis vervollständigt. Wegen der beschädigten Bīja-Sequenzen sollte keine moderne Standardform daraus konstruiert werden.

Śiva-Stotra, Veda-Arcana und Śānti

Handlung – Manuskriptseite 10a
Śiva-Stotra, Veda-Arcana und Śānti.

Sanskrittext (IAST)
oṃ naḥ śivāya || oṃkārabindu || śuddhaḥ śāntaḥ || namostute || pāpohaṃ ||
atra gandhādi || thanā vedārccana || oṃ ā kṛṣṇe || oṃ viṣṇorarāṭa || oṃ śrī'scate? oṃ
pāvakānaḥ || oṃ namaḥ * * vāya || oṃ i mande vā || oṃ śrīścate || vedārccana * * * *
tsarvaṃ paripūrṇamastu || nosiyā vedāṅā * * * * mṛtyuṃjaya sadāśiva |
sarvvapāpavināśāya sarvvaśānti namo namaḥ ||

Deutsche Übersetzung
Die Formel oṃ namaḥ śivāya ist deutlich erhalten. Danach folgen mehrere vedische Mantra-Anfänge. Am Ende wird Mṛtyuñjaya-Sadāśiva um Vernichtung aller Sünden und um umfassenden Frieden angerufen.

Erläuterung
Hier verbindet die Paddhati den tantrischen Mṛtyuñjaya-Ritus mit vedischer Arcana und einer abschließenden Śānti-Ausrichtung.

Heramba-Pūjā

Handlung – Manuskriptseite 10b
Heramba-Pūjā.

Sanskrittext (IAST)

  • * * || herambapūjā || laṃkhanahāya || oṃ deva * * * || ceta || oṃ yadadyaga ||

puṣpa || oṃ yāḥ phali * * || ācamya || nyāsa || arghapātrapūjā || ṣaḍaṃgeṇa ||
dhenu || ātmapūjā || balisane pātasaṃ || trideva || veda || oṃ gaṇānāṃtvā || oṃ
jātavedase || oṃ imā rudrāya ||

Deutsche Übersetzung
Nun beginnt ausdrücklich die Heramba-Pūjā. Nach vorbereitenden Mantras folgen Ācamana, Nyāsa, Arghya-Pātra-Pūjā, Ṣaḍaṅga, Dhenumudrā, Ātmapūjā und Bali. Vedische Anfänge an Gaṇapati, Agni und Rudra werden genannt.

Erläuterung
Heramba ist eine Form Gaṇeśas. Seine Verehrung dient der Beseitigung von Hindernissen und dem Schutz des Rituals.

Heramba-Bīja-Sequenzen

Handlung – Manuskriptseite 11a
Heramba-Bīja-Sequenzen.

Sanskrittext (IAST)
oṃ ghṛtaṃ ghṛta || oṃ namo varuṇāya || oṃ asaṃkhyātā ||
āsana || tryañjali || aiṁ kroṁ gluṁ hrīṁ gluṁ kloṁ hrīṁ namaḥ 3 || hrīṁ gluṁ cañcalādevī
śaktisahitāya * || bali || glāṁ glīṁ glūṁ gleṁḥ glauṁ haṁ 9 herambāya sa 9 * * * * devī ||
ṣaḍaṃga || āvāhanādi || gajamudrā

Deutsche Übersetzung
Die Quelle gibt eine Folge mit aiṃ kroṃ gluṃ hrīṃ gluṃ kloṃ hrīṃ namaḥ sowie eine weitere Heramba-Bīja-Folge. Danach folgen Ṣaḍaṅga und Āvāhana.

Erläuterung
Diese Formeln werden exakt nach der Handschrift wiedergegeben. Da die Überlieferung beschädigt ist, werden sie nicht normalisiert oder als universell gültige Heramba-Mantras ausgegeben.

Garuḍa, Sūrya, Viṣṇu und Kumāra

Handlung – Manuskriptseite 11b
Garuḍa, Sūrya, Viṣṇu und Kumāra.

Sanskrittext (IAST)

  • * * * sa || vaiṣṇavanyāsa || tryañjalicchāya lakṣmī * * * hmaṃ 3 || garuḍa

|| oṃ hrīṁ gaṛuḍātmane 2 ḥ || āvāhanādi || thāthuvāpāsa || sūryyanyāsa ||
tryañjali || viṣṇunyāsa || anantaske tryañjali || āvāhanādi || kumāraske tryañjali ||
oṃ kuṁ kumārāya 2 ḥ || vṛṣabhayā

Deutsche Übersetzung
Es folgen Vaiṣṇava-Nyāsa, Garuḍa, Sūrya, Viṣṇu und Kumāra. Erhalten sind unter anderem oṃ hrīṃ garuḍātmane namaḥ und oṃ kuṃ kumārāya namaḥ.

Erläuterung
Die Paddhati umgibt Mṛtyuñjaya mit einem weiten Schutzkreis verschiedener Gottheiten.

Vṛṣabha, Umā-Maheśvara und Mṛtyuñjaya-Nyāsa

Handlung – Manuskriptseite 12a
Vṛṣabha, Umā-Maheśvara und Mṛtyuñjaya-Nyāsa.

Sanskrittext (IAST)
tryañjali || oṃ vṛṣabhāya 2 ḥ || umāmaheśvaraske tryañjali ||
mahāmṛtyuñjayanyāsa || mṛtyuñjayana tryañjalicchāya || paṭṭasa tryañjali mṛ *
ñjayana || dvārasa tryañjali || kṣetramūlana * * * balina dhūnake || dhūpa dīpa
naivedya ||

Deutsche Übersetzung
Vṛṣabha wird mit oṃ vṛṣabhāya namaḥ verehrt. Danach folgen Umā-Maheśvara und erneut Mahāmṛtyuñjaya-Nyāsa sowie mehrere Añjali-Handlungen, Tür- und Kṣetra-Verehrung.

Erläuterung
Der Stier Vṛṣabha und das Paar Umā-Maheśvara verankern den Ritus deutlich im Śiva-Kontext.

Weitere Stotras und Veda-Mantras

Handlung – Manuskriptseite 12b
Weitere Stotras und Veda-Mantras.

Sanskrittext (IAST)

  • * * tra || gauraṃ tryakṣa || namostvanantāya || * * śāntaḥ || yathā bāṇa ||

atra gandhādi || pādārccana || oṃ gaṇānāṃ tvā || oṃ dyāṃ māle || oṃ viṣṇorarāṭa
|| oṃ pāvakānaḥ || oṃ idaṃ viṣṇu || oṃ sahasraśīrṣā || oṃ suparṇosi ||

Deutsche Übersetzung
Die Quelle nennt weitere Stotra-Anfänge sowie vedische Formeln wie oṃ gaṇānāṃ tvā, oṃ viṣṇor arāṭ, oṃ idaṃ viṣṇuḥ, oṃ sahasraśīrṣā und oṃ suparṇo'si.

Erläuterung
Diese Incipits verweisen auf vollständige vedische Texte, die der Ritualkundige offenbar auswendig oder aus einem separaten Veda-Text kannte.

Weitere vedische Arcana

Handlung – Manuskriptseite 13a
Weitere vedische Arcana.

Sanskrittext (IAST)
oṃ ākṛṣṇe || oṃ tanmitrasya || oṃ yatra bāṇā || oṃ āśuḥ śiśā || oṃ namaḥ
śaṃ || oṃ dyāṃ māle || oṃ vayaḥ soma || oṃ atastvaṃ deva || vedārccana || * nā
aṃgāravāralā kuhnuyāvidhi || baline ghā * * * devataya vedera saha || herambasa
āsa

Deutsche Übersetzung
Es folgen weitere vedische Mantra-Anfänge, darunter oṃ ākṛṣṇe, oṃ tan mitrasya, oṃ āśuḥ śiśā..., oṃ namaḥ śaṃ... und andere. Ein Teil der Passage ist stark beschädigt.

Erläuterung
Die vedische Arcana wird fortgesetzt. Wegen des fragmentarischen Zustands werden die Mantras nicht ergänzt.

Bali, Japa und Stotra

Handlung – Manuskriptseite 13b
Bali, Japa und Stotra.

Sanskrittext (IAST)

  • * * ñjali | bali ṣaḍaṃga || āvāhanādi || gaja * * || mahābalina dhunake ||

dhūpa dīpa jāpastotra || pāṭhayāya || stotra || atra gaṃgādi || vedārccana || oṃ
gaṇānāṃ tvā || oṃ dyāṃ mmāle || balithoya || sūryyādina tryañjali jāpa stotra ||
thāpūjā julasā yajamāna na tryañjali

Deutsche Übersetzung
Erneut werden Bali, Ṣaḍaṅga, Āvāhana, Gajamudrā, Dhūpa, Dīpa, Japa und Stotra genannt. Danach folgen weitere Handlungen mit Sūrya und dem Yajamāna.

Erläuterung
Dieser Abschnitt gehört zum erweiterten Abschluss- und Schutzkomplex der Pūjā.

Abhiṣeka des Yajamāna und Übergang zu Śanaiścara

Handlung – Manuskriptseite 14a
Abhiṣeka des Yajamāna und Übergang zu Śanaiścara.

Sanskrittext (IAST)
cchāyake || dhūpa dīpa jāpa stotra || vedārccana || devatucake ||
yajamānayātā abhiṣeka svānaviya || devasucuke || nyāsalikāya || * lako
tryalichāya || thvate pityuyānitya * * vidhiḥ || śanaiścarapāṭhavidhiḥ ||

Deutsche Übersetzung
Die Handschrift erwähnt einen Abhiṣeka des Yajamāna. Danach erscheint ausdrücklich śanaiścarapāṭhavidhiḥ.

Erläuterung
Der Ritus weitet sich vom Kultbild auf den Auftraggeber bzw. Teilnehmer aus und geht anschließend in einen gesonderten Śanaiścara-Schutzabschnitt über.

Śanaiścara-Pūjā

Handlung – Manuskriptseite 14b
Śanaiścara-Pūjā.

Sanskrittext (IAST)

  • * candana yajñopavīta puṣpataya || vedana || * sa || arghapātrapūjā ||

ātmapūjā || balisa tridevataya || veda || oṃ gaṇānāṃ tvā 5 || āsana ||
ādhāraśaktaya ityādi || gṛdhrāsanāya 2 ḥ || tryañjali bali || ṣaḍaṃga ||
āvāhanādi ||
oṃ śrā śri śru śmlvryū śaniścaramahābhairavāya namaḥ || ???

Deutsche Übersetzung
Es folgen Sandelholz, Yajñopavīta, Blumen, Arghya-Pātra-Pūjā, Ātmapūjā, Bali, vedische Formeln, Ādhāraśakti und Gṛdhrāsana. Danach wird eine Śanaiścara-Mahābhairava-Formel vorbereitet.

Erläuterung
Śanaiścara wird als zusätzliche Schutz- und Befriedungsgottheit in den Gesamtkomplex aufgenommen.

Śanaiścara-Mahābhairava, Bali und Abschluss

Handlung – Manuskriptseite 15
Śanaiścara-Mahābhairava, Bali und Abschluss.

Sanskrittext (IAST)
mudrā || oṃ śanno devī || oṃ yamena dattaṃ || cekanaluya || oṃ prajāpate || bali
|| oṃ aghore hrāṁ paramaghore ghorāmukhi vama 2 piva 2 ru 2 rajamurttaye baliṃ
gṛhna 2 svāhā || mahābalina dhunake || dhūpa dīpa jāpastotra || pāṭhayāya ||
stotra || oṃ dyauḥ śāntaiḥ || balithvaya || thvate śanaiścara pāṭhaḥ samāptaḥ ||
śubhaṃ ||

Deutsche Übersetzung
Die Quelle enthält eine stark beschädigte Bīja-Formel an Śanaiścara-Mahābhairava, danach Mudrā, weitere vedische Formeln und ein Aghora-/Paramaghora-Bali-Mantra. Es folgen Dhūpa, Dīpa, Japa und Stotra. Der Abschnitt endet mit śanaiścara pāṭhaḥ samāptaḥ | śubhaṃ.

Erläuterung
Das Manuskript endet mit dem Śanaiścara-Abschnitt. Ein eigener Schlusskolophon für die gesamte Mṛtyuñjaya-Paddhati ist in der elektronischen Quelle nicht erhalten.


Das Dhyāna des Mahāmṛtyuñjaya

Der spirituelle Mittelpunkt der Handschrift ist das Dhyāna. Trotz einiger Lücken ist die Grundgestalt gut erkennbar: Mṛtyuñjaya ist weiß wie Kristall, Kunda-Blüte und Schnee, dreiäugig und vom Mond geprägt. Er hält einen Kalaśa; auf seiner linken Seite erscheint die Göttin, ebenfalls weiß und dreiäugig, mit Varada- und Abhaya-Geste, Śaṅkha und Lotus.

Sanskrittext (IAST)
oṃ juṁ śuddhasphaṭikasaṃkāśaṃ kundu himasaṃnibhaṃ |

  • * * ktā ca hāreṣu śītacandanabhūṣitaṃ ||

soma * * * * dhyasthaṃ ekavaktraṃ trinocanaṃ |
pūrṇacandrani * * * karaśaṃtamatopamaṃ ||
dakṣahasteṣu kalaśaṃ vāme ca candramaṇḍale |
vāmorū ca gatā devī ekavaktraṃ trilocanaṃ ||
śvetavarṇaṃ mahādīptaṃ varadābhayasāninī |
śaṃkhāṃbujadharā devīṃ sarvvakāmapradāyanī ||
mahāmṛtyuñjayaṃ devamamṛteśvarabhairavaṃ ||
evaṃ ca dhyāyamānohaṃ sarvvapāpakṣayāya ca ||

Deutsche Übersetzung
„Om. [Ich meditiere ihn] rein und strahlend wie Kristall, weiß wie Kunda-Blüte und Schnee ... mit kühlendem Sandel geschmückt ... mit einem Gesicht und drei Augen ... In den rechten Händen hält er einen Kalaśa, links erscheint die Mondscheibe. Auf seinem linken Oberschenkel befindet sich die Göttin, ebenfalls mit einem Gesicht und drei Augen. Sie ist weiß, von großer Leuchtkraft, zeigt Gabe und Furchtlosigkeit und trägt Muschel und Lotus. [Ich meditiere] den Gott Mahāmṛtyuñjaya, Amṛteśvara-Bhairava. So meditiere ich zur Auflösung aller Pāpas.“

Erläuterung
Die Verbindung von Kalaśa, Mond und Amṛta ist für Mṛtyuñjaya zentral. Die Überwindung des Todes wird nicht bloß als Verlängerung des Lebens verstanden, sondern symbolisch als Zugang zum Amṛta und zu einer Wirklichkeit jenseits gewöhnlicher Vergänglichkeit.

Meditierender Shiva. In der Mṛtyuñjaya-Verehrung wird Shiva als todüberwindende, amṛtahafte und friedvolle Gestalt visualisiert.

Besonders wichtige erhaltene Mantras

Die folgenden Formeln sind in der Handschrift klar genug erhalten, um sie als eigenständige Formeln hervorzuheben.

oṃ namaḥ śivāya
Verwendung: Śiva-Stotra bzw. Śiva-Verehrung.
Bedeutung: „Om, Verehrung Śiva.“

oṃ namo bhagavate vāsudevāya
Verwendung: Viṣṇu-Pūjā.
Bedeutung: „Om, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva.“

oṃ juṃ saḥ mṛtyuñjayāya dhyānapuṣpaṃ namaḥ
Verwendung: Darbringung der Meditationsblume an Mṛtyuñjaya.
Bedeutung: „Om juṃ saḥ, Verehrung Mṛtyuñjaya; [dies ist] die Blume der Meditation.“

oṃ hrīṃ garuḍātmane namaḥ
Verwendung: Garuḍa-Verehrung im Schutzkreis der Pūjā.

oṃ kuṃ kumārāya namaḥ
Verwendung: Verehrung Kumāras.

oṃ vṛṣabhāya namaḥ
Verwendung: Verehrung Vṛṣabhas, des Stieres Śivas.

Beschädigte Bīja-Formeln
Mehrere weitere Bīja-Sequenzen – insbesondere zu Heramba, Kubjikā und Śanaiścara-Mahābhairava – sind nur fragmentarisch erhalten. Sie werden im vollständigen IAST-Text dokumentiert, aber nicht zu vermeintlich „richtigen“ Mantras ergänzt.

Das bekannte Maha Mrityunjaya Mantra und diese Handschrift

Das heute weithin bekannte vedische Mantra

oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam ...

ist im vorliegenden Manuskript nicht als vollständige zusammenhängende Formel ausgeschrieben. Die Handschrift arbeitet stattdessen mit Mṛtyuñjaya-Bījas, Dhyāna, Nyāsa und zahlreichen vedischen Mantra-Anfängen.

Für das Verständnis der heutigen Praxis ist die Unterscheidung wichtig: Das Maha Mrityunjaya Mantra kann unabhängig als vedischer Mantra rezitiert werden; die hier dokumentierte Mṛtyuñjaya Pūjā Paddhati ist dagegen ein umfassender Ritualkomplex.

Zur ergänzenden Rezitationspraxis:

Zur Shiva-Pūjā als ritueller Verehrungsform:

Spirituelle Bedeutung der Puja

Auch wenn viele technische Einzelheiten der Handschrift beschädigt sind, ist die spirituelle Bewegung gut erkennbar.

Zunächst wird der äußere und innere Raum gereinigt. Dann werden Guru, Sonne, Viṣṇu und Schutzgottheiten verehrt. Es folgt Bhūtaśuddhi – die innere Läuterung – und anschließend die Vergegenwärtigung der göttlichen Kalās im eigenen Körper.

Erst dann wird Mahāmṛtyuñjaya vollständig meditiert. Die Pūjā führt also von äußerer Reinigung zu innerer Transformation und von dort zur Gegenwart Śivas.

Besonders inspirierend ist das Dhyāna-Puṣpa: Meditation wird selbst zur Blume. Die tiefste Gabe ist nicht nur eine äußere Substanz, sondern gesammeltes Bewusstsein.

Für Yoga und Meditation kann diese Grundbewegung auch unabhängig von der vollständigen historischen Ritualtechnik verstanden werden: Reinigung, Sammlung, Gottesvergegenwärtigung, Mantra, Hingabe und Frieden.

Abschluss

Die Mrityunjaya Puja Paddhati ist ein seltenes Dokument einer komplexen Śiva-Pūjā. Sie zeigt, dass Mṛtyuñjaya-Verehrung weit mehr umfassen kann als die Rezitation eines einzelnen Mantras.

Im Zentrum steht Mahāmṛtyuñjaya als Amṛteśvara-Bhairava: der Gott, der mit Amṛta, Licht, Mond, Reinheit und der Überwindung der Todesbindung verbunden ist.

Gerade wegen des beschädigten Zustands der Handschrift ist philologische Zurückhaltung entscheidend. Dieses Handbuch bewahrt deshalb den Sanskrittext so genau wie möglich und erklärt, was sicher erkennbar ist, ohne die Lücken durch moderne Fantasie zu schließen.

Textgrundlage
Grundlage dieses Artikels ist die vom Nutzer bereitgestellte Muktabodha-Datei M00554, Mṛtyuñjayapūjāpaddhati, Manuskript NGMCP 1642, Reel A 455/14. Muktabodha bezeichnet sie als Ritualmanual. Das Manuskript wurde von Mark S. G. Dyczkowski ausgewählt und vom Muktabodha-Team unter Leitung von Anirban Dash erfasst.

Die bereitgestellte Devanagari-Datei ist technisch schwer beschädigt und für eine unabhängige Lesartenkontrolle nicht zuverlässig nutzbar. Deshalb wird in diesem Artikel der IAST-Text als maßgeblicher lesbarer Primärtext behandelt. Es wird keine scheinbar sichere Devanagari-Fassung aus einer beschädigten Quelle vorgetäuscht.

Siehe auch

Seminare

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