Maharaja

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Maharaja (Sanskrit: महाराज mahārāja m.) wörtl.: "großer (Maha) König (Raja)"; regierender Fürst; Landesherr, Herrscher eines Fürstentums; respektvolle Anrede eines Yoga-Meisters.

Sukadev über Maharaja

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Maharaja

Maharaja – großartiger König. Im alten Indien waren die Maharajas die Könige. Raja war ein König oder ein Fürst. In Indien gibt es jetzt nicht den Unterschied zwischen Herzog und Fürst und Großherzog und Graf usw. Jeder Herrscher eines Landes war automatisch ein Raja. Da gab es die kleineren Rajas und wenn sie ein größeres Territorium beherrscht haben, dann waren es die Maharajas. Die Engländer haben daraus ein perfides System gemacht, sie wurden die Kolonialherren, sie haben manche der alten Herrscher im Amt gelassen und haben sie dann mit großem Luxus praktisch beschäftigt. Sie haben ihnen eine große Apanage gegeben, und sie hatten eine Menge Geld, das sie zum Fenster rauswerfen konnten, tolle Kleider und große Edelsteine, riesen Paläste, die natürlich heute jetzt besonders schön sind. Und am schlimmsten, große Wildjagden und so wurden Tausende und Zigtausende von Elefanten, Löwen und Tiger usw. umgebracht.

Die Maharajas, damit sie Ruhe gegeben haben, wurden also praktisch systematisch beschäftigt mit Verschwendung und mit Großwildjagden, mit Feiern und Festlichkeiten. Das war die Art, wie die Engländer die Oberschicht ruhiggehalten hat. Und so wird Maharaja manchmal als Luxus bezeichnet und die Maharajas werden heute als verschwendungssüchtig angesehen. Das waren sie nicht immer. Letztlich blieb ihnen kaum etwas anderes übrig, denn wenn ein Maharaja dem entgegengestanden hat, dann haben die Engländer ihn letztlich abgesetzt oder ins Gefängnis gesteckt oder, wenn er sich dagegen gewehrt hat, letztlich ihn mit Krieg überzogen und umgebracht.

Indien war ja interessanterweise in den letzten 2000 Jahren etwa 15 Jahrhunderte lang die ökonomisch reichste Region der Welt. Die führende Wirtschaftsmacht war in den letzten 2000 bis 2500 Jahren zum größten Teil eben Indien. Es gab eine Zeit, da waren es die Chinesen. Die Inder waren es etwa von 0 bis 1300/1400, dann waren es die Chinesen 200 Jahre lang, und dann waren es die Inder, letztlich vom 16. Jahrhundert, bis die Engländer kamen. Ab 1800 bis 1900 waren es wieder die Chinesen, oder 1700 bis 1900. Und ab da waren es dann westliche Mächte. Ich sage das nur, dass du verstehst, das Elend, in das Indien im 19./20. Jahrhundert gekommen ist, das waren die Engländer. Die industrielle Revolution und die Entwicklung des Westens kamen auf Kosten von Indien, Indien wurde ausgebeutet und ins Elend gestürzt. Und daran haben auch die Maharajas ihren Anteil, die sich eben bestechen lassen haben.

Jetzt bin ich etwas abgeschweift in die Geschichte, aber ich werde oft genug gefragt: „Wenn Yoga so großartig ist, warum haben die Inder so viel gehungert? Wenn Yoga so großartig ist, warum gibt es das Kastensystem? Warum werden Frauen so schlecht behandelt?“ Da muss man wissen, das war alles früher nicht ganz so krass. Gut, Kastensystem ist immer schon etwas Schlimmes gewesen, aber es war in Indien nicht so schlimm, wie es letztlich die Engländer dann gemacht haben. Die Engländer waren nämlich froh, dass sie Indien teilen konnten, und sie brauchten sich nur mit ein paar Leuten zu beschäftigen.

Die Engländer hatten nur zu tun mit den Maharajas, mit den Führern der Kshatriya-Kaste und mit manchen der Brahmanen und mit ein paar der Kaufleute. Die anderen beachteten sie nicht und den oberen Schichten gaben sie alle Macht und sie sollten dann den Rest des Volkes unterdrücken. Die Engländer haben letztlich so ein perfides Herrschersystem geschaffen, unter denen die Inder bis heute leiden, auch wenn sie sich bemühen, es zu reduzieren. Genauso, die Unterdrückung der Frau haben die Inder über die Jahrhunderte lange Fremdherrschaft von moslemischen Herrschern bekommen.

Im alten Indien waren die indischen Frauen unter großem Respekt, es gab große indische Heilige, es gab Königinnen, es gibt viele Geschichten auch von Philosophen und es gab weibliche Rishis, weibliche Yoginis, weibliche Göttinnen usw. Und die Frauen wurden im alten Indien auch sehr freizügig dargestellt, barbusig, Schönheit und alles. All das hat sich geändert, die Moslems haben ja sogar die indischen Frauen gezwungen, Schleier zu tragen und gerade die Oberschicht hat sogar das ganze Gesicht verhüllt. Schritt für Schritt muss Indien wieder zurückkehren zu seinen Ursprüngen.

Der Titel „Maharaja“ wurde dann später auch als Ehrentitel verwendet. Also, wenn man in Indien jemanden besonderes respektvoll anreden will, sagt man, Maharaj. Viele der großen Meister werden als "Maharaj" bezeichnet. Wenn man zu seinem Guru spricht, dann kann man sagen, „Gurudev, geliebter Guru“ oder man kann sagen: „Maharaj, was willst du mir sagen?“ Raja heißt ja eigentlich Herrscher. So wie es Raja Yoga gibt, das ist der Herrscher-Yoga, du willst lernen, über deinen Geist zu herrschen.

Ein Maharaja ist also nicht nur jemand, der ein physisches Land beherrscht, sondern es ist durchaus passend, einen Meister als Maharaj anzusprechen, denn Maharaj heißt hier, der ein großer Herrscher ist, er hat die Herrschaft über seinen eigen Geist erlangt. Und das ist doch das Großartigste, was es überhaupt geben kann. So also, Maharaj, verschiedene Bedeutungen.

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