Ajapa Puja nach dem Brihat Tantrasara
Ajapa Puja nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, die Einheit von Shiva und Shakti im eigenen Bewusstsein zu verehren.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Ajapa Puja. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Hinweis zu dieser Form: Die Grundform haṃsaḥ ist aus der Lauterklärung erschlossen. Diese Ajapa-Puja ist ein tantrisches Verehrungsritual mit Nyasa; die Quelle beschreibt hier keine bloße Atembeobachtung.
Vorbereitung und Materialien
Ein sauberer Sitz, ein geeigneter Verehrungsträger, Wassergefäße, Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise. Wenn die Quelle ein Yantra nennt, wird dessen konkrete Anordnung vor Beginn vorbereitet. Besondere Gaben stehen bei der betreffenden Handlung.
Für die unten ausgeführte vollständige Gabenfolge zusätzlich: Gewand, Schmuck, Badewasser, Mundspülwasser und Madhuparka aus Ghī, Joghurt und Honig. Ein rein geistiger Ersatz einer materiellen Gabe ist als solcher zu verstehen und wird nicht als wortgleiche äußere Durchführung ausgegeben.
Richte die Gaben vor Beginn so ein, dass während der Verehrung nichts gesucht werden muss. Bestimme den verwendeten Mantra und den Verehrungsträger. Die Materialanordnung ist eine redaktionelle Durchführungshilfe; verbindliche Sondergaben stehen bei den Einzelbelegen.
Durchführung
1. Sammeln und den Vorsatz fassen
Setze dich aufrecht vor den Verehrungsplatz, erinnere dich an den Guru und richte deine Absicht auf die in diesem Artikel genannte Gottheit. Fasse den Vorsatz in klaren eigenen Worten. Die anschließend verwendete Mantraform wird für die ganze Durchführung beibehalten.
2. Grundmantra
haṃsaḥ
Hamsa, der mystische Laut der Einheit von Shiva und Shakti.
3. Innere Vorbereitung und Nyasa
Grenze und besondere Kräfte des solaren Sitzes
Der Rückverweis führt über P2-0362 zum solaren Sitz P2-0344. Bei dessen Grundfolge aus P2-0068 ende mit der Sonnensphäre; Mond-, Feuer- und die folgenden allgemeinen Sphären werden hier nicht angehängt. Die besondere Neunerreihe lautet rāṃ, rīṃ, rūṃ, reṃ, raiṃ, roṃ, rauṃ, raṃ, raḥ. Dabei wird rūpaṃ bei Jaya nach der ausdrücklich beschriebenen Vokalbildungsregel desselben Abschnitts als rūṃ gelesen. Die Orts- und Namensfolge sowie der solare Sitzmantra stehen vollständig im Ergänzungsbeleg.
Ausgeschriebene Hand- und Körperfolge
Führe zuerst den Handnyasa, anschließend den Körpernyasa in der Tabellenreihenfolge aus. Die ausgeschriebene Folge setzt die Gliederregel aus P2-0370 und P2-0082–0083 um. Die Ortsnamen in der Tabelle geben zugleich die Bedeutung der Zuordnungsformeln an; die Abschlusslaute bleiben Ritualausrufe.
| Nr. | Handstelle | Handformel | Körperstelle | Körperformel |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Beide Daumen | hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
Herz | hsāṃ hṛdayāya namaḥ |
| 2 | Beide Zeigefinger | hsīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
Kopf | hsīṃ śirase svāhā |
| 3 | Beide Mittelfinger | hsūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
Haarschopf | hsūṃ śikhāyai vaṣaṭ |
| 4 | Beide Ringfinger | hsaiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
Schutzpanzer | hsaiṃ kavacāya huṃ |
| 5 | Beide kleinen Finger | hsauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
Drei Augen | hsauṃ netratrayāya vauṣaṭ |
| 6 | Handflächen und Handrücken | hsaḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
Waffe / Abgrenzung | hsaḥ astrāya phaṭ |
Vollziehe die morgendliche Vorbereitung und die für diese Mantraform vorgeschriebenen inneren Reinigungen. Setze die genannten Sitzkräfte im Herzlotus ein. Beim Sehernyasa werden Seher, Versmaß und Gottheit an Kopf, Mund und Herz zugeordnet. Führe danach den besonderen Hand- und Körpernyasa aus. Die folgenden Belege bestimmen die konkreten Namen, Laute und Zuordnungen; es wird keine fremde Gottheitsform eingesetzt.
Beleg P2-0369:
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi pūrvoktapīṭhamanvantaṃ samāpya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ |
mukhe gāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
ṛṣirbrahmā smṛto devi gāyatrīcchanda īritam |
devatā jagatāmādiḥ saṃproktā girijāpatiḥ
|| 60 ||
Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum zuvor beschriebenen Sitzmantra folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ“, am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit, dem ehrwürdigen Gemahl Girijās“. Im Nibandha heißt es: Göttin, Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Girijāpati, der Ursprung der Welten, die Gottheit.
Beleg P2-0370:
tataḥ karāṅgantāsau:
hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
hsāṃ ṣaḍdīrghayuktena kuryādaṅgakriyāṃ manoḥ
|| 61 ||
Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und entsprechend an Herz und weiteren Stellen. Im Nibandha heißt es: Mit hsāṃ, verbunden mit den sechs langen Vokalen, soll man die Gliederhandlung dieses Mantras vollziehen.
4. Dhyana und innere Darbringung
Vergegenwärtige die Gottheit nach dem folgenden Dhyana. Nimm Farbe, Gestalt, Haltung, Attribute und Sitz als zusammengehöriges Bild wahr. Sprich den Dhyana-Text und verweile in der Vorstellung. Bringe danach die Gaben zunächst innerlich dar, wie es die Quelle vor der äußeren Verehrung vorsieht.
Beleg P2-0371:
tato dhyānam:
udyadbhānusphuritataḍidākāramarddhāmbikeśaṃ, pāśābhītiṃ
varadaparaśuṃ sandadhānaṃ karābjaiḥ |
divyākalpairnavamaṇimayaiḥ śobhitaṃ viśvamūlaṃ, saumyāgneyaṃ
vapuravatu vaścandracūḍaṃ trinetram ||
Die Meditation: Möge euch der mondgekrönte, dreiaugige Körper beschützen, mild und feurig zugleich, Wurzel des Universums und mit himmlischem Schmuck aus neun Edelsteinen geziert. Er ist zur Hälfte Ambikā und zur Hälfte ihr Herr; seine Gestalt gleicht aufgehender Sonne und blitzendem Blitz. Mit seinen Lotushänden trägt er Schlinge und Beil und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung.
5. Den Sitz verehren und die Gottheit anrufen
Bereite das Arghya vor und verehre den äußeren Sitz mit den für diese Gottheit bezeichneten Kräften. Wenn ein Yantra verwendet wird, halte die im Einzelbeleg genannten Ebenen und Richtungen auseinander. Stelle die Gottheit im Zentrum vor und rufe sie mit dem Grundmantra an.
Die allgemeine Anrufungsformel P1-0536 wird nach dem Grundmantra an die gewählte Gottheit gerichtet:
ihāgaccha ihāgaccha | iha tiṣṭha iha tiṣṭha | iha sannidhehi iha sannidhehi | iha sannirudhyasva ||
„Komm hierher, komm hierher. Bleibe hier, bleibe hier. Sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig. Verweile hier gesammelt.“
Begleite die Anrufung mit den unterwiesenen Mudras. Die besondere Vorschrift der Gottheit bestimmt die anschließende Einsetzung der Lebenskraft. Die im Beleg zugleich erwähnten späteren Schritte werden an ihrem Platz in der folgenden Reihenfolge ausgeführt.
6. Gaben bis zu den Blüten und die Umkreisverehrung
Vollständige Richtungshüterfolge
An der Stelle von „Indra und die übrigen“ verehre die Richtungshüter nach der ausdrücklich allgemeinen Reihe P2-0142. Jede Formel ehrt den genannten Herrn samt Waffe, Reittier und Gefolge.
| Ort | Vollständige Formel |
|---|---|
| Osten | oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Südosten | oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Süden | oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Südwesten | oṃ kṣāṃ nirṛtaye rakṣodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Westen | oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Nordwesten | oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Norden | oṃ sāṃ somāya tārādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| Nordosten | oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| zwischen Osten und Nordosten | oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
| zwischen Südwesten und Westen | oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ |
Die vorgeschriebene äußere Waffenreihe nach P2-0144 lautet vollständig:
| Ort / Reihenfolge | Darbringungsformel |
|---|---|
| Osten | oṃ vajrāya namaḥ |
| Südosten | oṃ śaktaye namaḥ |
| Süden | oṃ daṇḍāya namaḥ |
| Südwesten | oṃ khaḍgāya namaḥ |
| Westen | oṃ pāśāya namaḥ |
| Nordwesten | oṃ aṃkuśāya namaḥ |
| Norden | oṃ gadāyai namaḥ |
| Nordosten | oṃ śūlāya namaḥ |
| zwischen Osten und Nordosten | oṃ padmāya namaḥ |
| zwischen Südwesten und Westen | oṃ cakrāya namaḥ |
Bringe die im Einzelritual genannten Gaben bis einschließlich der Blüten dar. Bei sechzehn Upacaras sind die dort genannten Gaben vollständig einzubeziehen. Wo fünf Blumenhandvoll vorgeschrieben sind, bringe sie mit dem Grundmantra an Scheitel, Herz, Grundlage, Füßen und der gesamten vorgestellten Gestalt dar. Erst anschließend folgt der bezeichnete Umkreis. Diese fünf Zuordnungen folgen P2-0104.
| Reihenfolge und Gabe | Handlung | Rezitation |
|---|---|---|
| 1. Sitz | Biete der vergegenwärtigten Gottheit ihren Sitz an. | haṃsaḥ |
| 2. Willkommen | Begrüße die Gottheit mit gefalteten Händen. | haṃsaḥ |
| 3. Fußwasser | Bringe eine kleine Wassergabe an den vorgestellten Füßen dar. | haṃsaḥ |
| 4. Arghya | Reiche das vorbereitete Ehrenwasser dar. | haṃsaḥ |
| 5. Mundspülwasser | Biete eine frische Wassergabe an. | haṃsaḥ |
| 6. Madhuparka | Bringe die Mischung aus Ghī, Joghurt und Honig dar; Zusammensetzung nach P1-0539. | haṃsaḥ |
| 7. Erneutes Mundspülen | Reiche nach dem Madhuparka nochmals Wasser dar. | haṃsaḥ |
| 8. Bad | Bringe das Badewasser dar; ein empfindliches Bild wird nicht mit ungeeigneten Flüssigkeiten übergossen. | haṃsaḥ |
| 9. Gewand | Reiche das vorgesehene Gewand dar. | haṃsaḥ |
| 10. Schmuck | Biete den Schmuck an. | haṃsaḥ |
| 11. Duftstoff | Bringe den Duftstoff dar. | haṃsaḥ |
| 12. Blüten | Lege die Blüten mit ihrer natürlichen Oberseite nach oben nieder. | haṃsaḥ |
Deutsche Bedeutung der bei jeder Gabe wiederholten Formel: Hamsa, der mystische Laut der Einheit von Shiva und Shakti. Die nachfolgenden vier Glieder sind Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung. Sie werden an den unten bezeichneten Stellen ausgeführt. Damit sind die sechzehn Gaben aus P2-0099 vollständig berücksichtigt.
Beleg P2-0371:
tato dhyānam:
udyadbhānusphuritataḍidākāramarddhāmbikeśaṃ, pāśābhītiṃ
varadaparaśuṃ sandadhānaṃ karābjaiḥ |
divyākalpairnavamaṇimayaiḥ śobhitaṃ viśvamūlaṃ, saumyāgneyaṃ
vapuravatu vaścandracūḍaṃ trinetram ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā,
pūrvoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca hsāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā pūjayet |
digdaleṣu ṛtaṃ varaṃ vasuṃ naraṃ varaṃ vidigdaleṣu ṛtajā gojā -
abjadrijā pūjayet |
tathā ca nibandhe:
ṛtaṃ vasuṃ naravarau digdaleṣu vidikṣvatha |
arcayet ṛtajāṃ gojāmabjākhyāmadrijāṃ punaḥ |
tadvāhye indrādīn vajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 62 ||
Die Meditation: Möge euch der mondgekrönte, dreiaugige Körper beschützen, mild und feurig zugleich, Wurzel des Universums und mit himmlischem Schmuck aus neun Edelsteinen geziert. Er ist zur Hälfte Ambikā und zur Hälfte ihr Herr; seine Gestalt gleicht aufgehender Sonne und blitzendem Blitz. Mit seinen Lotushänden trägt er Schlinge und Beil und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, verehrt den zuvor beschriebenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hsāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man Ṛta, Vasu, Nara und Vara; auf den Zwischenrichtungsblättern Ṛtajā, Gojā, Abjā und Adrijā. Der Nibandha bestätigt diese Anordnung. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Prosa wiederholt vara und enthält eine zusätzliche Trennung; die viergliedrige Liste des Zitats klärt die Reihenfolge.]
7. Räucherwerk, Licht und Speise; Übersicht der fünf Gaben
Nach der Umkreisverehrung folgen Räucherwerk, Licht und Speise. Duftstoff und Blüten sind in der Tabelle zur Übersicht nochmals genannt und werden nicht deshalb ein zweites Mal verlangt. Wo die besondere Anweisung sechzehn oder weitere Gaben nennt, führe diese vollständig aus. Die gemeinsame Gruppe der fünf Gaben besteht nach P2-0100 aus Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise. P1-0540 schreibt vor, bei jeder Gabe den Grundmantra zu sprechen. Verwende dabei ausschließlich den oben bezeichneten Mantra dieser Ritualform.
| Gabe | Konkrete Handlung | Rezitation und Bedeutung |
|---|---|---|
| Duftstoff | Bringe den Duftstoff vor der Gottheit dar. | Sprich haṃsaḥ ; die Gabe bedeutet: „Dir bringe ich diesen Duft dar.“ |
| Blüten | Lege die Blüten auf dem vorgesehenen Platz nieder, mit der natürlichen Oberseite nach oben. | haṃsaḥ ; danach, nach P1-0540: etāni puṣpāṇi vauṣaṭ – „Diese Blüten, vaushat.“ |
| Räucherwerk | Lass die Glocke mit der linken Hand erklingen und führe das Räuchergefäß vor der Gottheit. | haṃsaḥ ; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich diesen Duft des Räucherwerks dar.“ |
| Licht | Bringe die brennende Lampe vor der Gottheit bis zur Höhe ihres Blickes dar. | haṃsaḥ ; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich dieses Licht dar.“ |
| Speise | Stelle die Speise vor die Gottheit. Besprenge sie mit phaṭ , rezitiere den Grundmantra achtmal und vollziehe die unterwiesene Dhenu-Mudra. Reiche die Gabe mit dem Grundmantra dar. |
phaṭ ist der rituelle Abgrenzungslaut; der Grundmantra richtet die Gabe an die Gottheit. Die achtsfache Besprechung folgt P2-0106. |
Die deutschen Sätze erläutern die Gaben; sie sind keine dem Brihat Tantrasara zugeschriebenen Sanskritverse. Die konkreten Mantra-Zusätze, die im Einzelritual stehen, haben Vorrang. Die einfachen Handhabungshinweise führen die Angaben P2-0100, P2-0103–0106 und P1-0540 aus.
8. Japa, Darbringung und Abschluss
Setze dich nach den äußeren Gaben gesammelt hin und wiederhole den Grundmantra dieser Form. Wenn die besondere Paddhati keine Sitzungszahl nennt, nennt die allgemeine Ordnung 100 oder 1008 Wiederholungen (P2-0111). Eine Purascharana-Gesamtzahl ist davon zu unterscheiden.
Bringe das vollzogene Japa der Gottheit dar. Die allgemeine Formel lautet in einer redaktionell geglätteten Lesefassung:
oṃ guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthite ||
„Om. Du Hüter des Allerverborgensten, nimm das von uns vollzogene Japa an. Möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, o Gott, da du in mir gegenwärtig bist.“
Die Formen guhyāti-/gṛhāṇāsmat- sind gegenüber dem beschädigten Wortabstand der Vorlage grammatisch geglättet; der Sanskritwortlaut von P2-0111 bleibt als Beleg erhalten. Preist die betreffende Tradition die Gottheit mit einem eigenen Stotra, schließt sich dieses hier an. Verneige dich anschließend.
Führe die Umkreisgottheiten innerlich in die Hauptgottheit zurück. Sprich:
kṣamasva
„Verzeihe!“
Vollziehe die unterwiesene Samhara-Mudra, nimm den Duft der dargebrachten Blüte wahr und führe den Lichtglanz der Gottheit in den Lotus deines Herzens zurück (P2-0120). Verweile einen Augenblick in dieser Gegenwart. Die Quelle beschreibt damit die Rücknahme der rituellen Anrufung; die Verehrung wirkt als Erinnerung im Alltag weiter.
Purascharana: gesonderter Gesamtumfang
Die folgenden Zahlen betreffen die besondere Vollendungspraxis und sind kein zusätzliches Soll jeder einzelnen Puja. Sie werden zusammen mit dem Guru dem gewählten Mantra zugeordnet. Ein hier genanntes Feueropfer benötigt seine eigene vollständige Homa-Ordnung.
P2-0372: Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen, mit einem Zehntel Feueropfer aus Milchreis mit geklärter Butter. Dazu heißt es: Der Mantrapraktizierende wiederholt das Mantra 1.200.000-mal und opfert ein Zehntel mit Milchreis und Butter; dadurch wird der Mensch ein Vollendeter.
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P2-0368 · Originalnummer 59
atha ajapāmantraḥ
viyadarddhendulalitaṃ tadādiḥ sargasaṃyutaḥ |
ajapākhyo manuḥ prokto dvyakṣaraḥ surapādapaḥ
|| 59 ||
Nun das Ajapāmantra: Der mit dem Halbmond geschmückte Raumlaut und der Anfangslaut der nachfolgenden Gruppe mit Ausstoß bilden das zweisilbige Mantra namens Ajapā, den himmlischen Wunschbaum. Gemeint ist haṃsaḥ. [Die verschlüsselte zweite Lautangabe „tadādiḥ“ ist knapp und nicht vollständig eindeutig.]
P2-0369 · Originalnummer 60
asya pūjā:
prātaḥkṛtyādi pūrvoktapīṭhamanvantaṃ samāpya ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi brahmaṇe ṛṣaye namaḥ |
mukhe gāyatrīcchandase namaḥ |
hṛdi śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
ṛṣirbrahmā smṛto devi gāyatrīcchanda īritam |
devatā jagatāmādiḥ saṃproktā girijāpatiḥ
|| 60 ||
Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum zuvor beschriebenen Sitzmantra folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ“, am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit, dem ehrwürdigen Gemahl Girijās“. Im Nibandha heißt es: Göttin, Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Girijāpati, der Ursprung der Welten, die Gottheit.
P2-0370 · Originalnummer 61
tataḥ karāṅgantāsau:
hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ ityādi |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca nibandhe:
hsāṃ ṣaḍdīrghayuktena kuryādaṅgakriyāṃ manoḥ
|| 61 ||
Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und entsprechend an Herz und weiteren Stellen. Im Nibandha heißt es: Mit hsāṃ, verbunden mit den sechs langen Vokalen, soll man die Gliederhandlung dieses Mantras vollziehen.
P2-0371 · Originalnummer 62
tato dhyānam:
udyadbhānusphuritataḍidākāramarddhāmbikeśaṃ, pāśābhītiṃ
varadaparaśuṃ sandadhānaṃ karābjaiḥ |
divyākalpairnavamaṇimayaiḥ śobhitaṃ viśvamūlaṃ, saumyāgneyaṃ
vapuravatu vaścandracūḍaṃ trinetram ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya śaṅkhasthāpanaṃ kṛtvā,
pūrvoktapīṭhapūjāṃ vidhāya punardhyātvā
āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
vidhāyāvaraṇapūjāmārabheta |
agninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu madhye dikṣu ca hsāṃ hṛdayāya
namaḥ ityādinā pūjayet |
digdaleṣu ṛtaṃ varaṃ vasuṃ naraṃ varaṃ vidigdaleṣu ṛtajā gojā -
abjadrijā pūjayet |
tathā ca nibandhe:
ṛtaṃ vasuṃ naravarau digdaleṣu vidikṣvatha |
arcayet ṛtajāṃ gojāmabjākhyāmadrijāṃ punaḥ |
tadvāhye indrādīn vajrādīṃśca prapūjayet |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 62 ||
Die Meditation: Möge euch der mondgekrönte, dreiaugige Körper beschützen, mild und feurig zugleich, Wurzel des Universums und mit himmlischem Schmuck aus neun Edelsteinen geziert. Er ist zur Hälfte Ambikā und zur Hälfte ihr Herr; seine Gestalt gleicht aufgehender Sonne und blitzendem Blitz. Mit seinen Lotushänden trägt er Schlinge und Beil und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, verehrt den zuvor beschriebenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hsāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man Ṛta, Vasu, Nara und Vara; auf den Zwischenrichtungsblättern Ṛtajā, Gojā, Abjā und Adrijā. Der Nibandha bestätigt diese Anordnung. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Prosa wiederholt vara und enthält eine zusätzliche Trennung; die viergliedrige Liste des Zitats klärt die Reihenfolge.]
P2-0372 · Originalnummer 63
asya puraścaraṇaṃ dvādaśalakṣajapaḥ |
ghṛtayuktapāyasena daśāṃśahomaḥ |
tathā ca:
bhānulakṣaṃ japenmantraṃ pāyasena sasarpiṣā |
daśāṃśaṃ juhuyānmantrī tataḥ siddho bhavennaraḥ
|| 63 ||
Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen, mit einem Zehntel Feueropfer aus Milchreis mit geklärter Butter. Dazu heißt es: Der Mantrapraktizierende wiederholt das Mantra 1.200.000-mal und opfert ein Zehntel mit Milchreis und Butter; dadurch wird der Mensch ein Vollendeter.
Ausgeschriebene Belege zu den Rückverweisen
Diese Stellen liefern die im Hauptbeleg vorausgesetzten Zuordnungen und Handlungen. Das Grundmantra bleibt dasjenige der oben bezeichneten Ritualform; ein anderer Mantra im Vergleichsbeleg wird nicht zusätzlich übernommen.
P1-0536 · Originalnummer 40 · Rückverweis
tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||
Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.
P1-0540 · Originalnummer 44 · Rückverweis
tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||
Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.
P2-0100 · Originalnummer 95 · Rückverweis
athavā eṣāmapyabhāve pañcopacārān kalpayet |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcoparacārikā iti
|| 95 ||
Oder man soll, wenn auch diese Gaben fehlen, fünf Verehrungsgaben bereitstellen. Die Verehrung mit fünf Gaben reicht vom Duftstoff bis zur Speise: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise.
P2-0103 · Originalnummer 98 · Rückverweis
puṣpadāne tu viśeṣaḥ:
puṣpaṃ vā yadi vā patraṃ phale neṣṭhamadhomukham |
duḥkhadaṃ tatsamādhyātaṃ yathotpannaṃ tathārpaṇaṃ |
adhomukha phalaṃ neṣṭaṃ puṣpāñjalividhau na ca |
sarvasva dravyadāne'yaṃ kramaḥ |
ādau mūlaṃ tato dravyaṃ devatāyai tataḥ padam |
śrītattvacintāmaṇau:
hṛdvahnivallabhātoyamantraṃ pādyādiṣu kramāt |
namo vauṣaṭ gandhapuṣpe hṛdānyāni nivedayet |
mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
ityādinā syāt
|| 98 ||
Für das Darbringen von Blumen gilt eine besondere Regel: Eine Blume, ein Blatt oder eine Frucht soll nicht mit der Oberseite nach unten dargebracht werden. Eine solche Gabe gilt als leidbringend; man soll sie so darbringen, wie sie gewachsen ist. Eine nach unten gerichtete Frucht ist nicht erwünscht; bei der Handvoll Blumen, puṣpāñjali, gilt diese Einschränkung nicht. Für alle Gaben gilt folgende Reihenfolge: zuerst das Grundmantra, dann die Bezeichnung der Gabe, danach die Bezeichnung der Gottheit. Im Śrītattvacintāmaṇi heißt es: Für Fußwasser und die folgenden Wassergaben verwendet man der Reihe nach namaḥ, svāhā und das Wassermantra; für Duftstoff namaḥ, für Blumen vauṣaṭ, für die übrigen Gaben namaḥ. Nachdem man das Grundmantra ausgesprochen hat, sagt man beispielsweise: „Dieses Fußwasser für die Gottheit [Name], namaḥ.“ [„toyamantra“ bezeichnet hier das Wassermantra; dessen genaue Lautform wird an dieser Stelle nicht angegeben. Die erste Verszeile ist in ihrer Zuordnung verkürzt.]
P2-0104 · Originalnummer 99 · Rückverweis
tato mūrddhahṛdguhyapādasarvāṅgakeṣu mūlena
pañcapuṣpāñjalīna dattvā tattatkalpoktāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tathā ca:
pañcapuṣpāñjalīn dattvā parivārārcanaṃ carediti bhaṭṭaḥ |
tato dhūpadīpau dadyāt
|| 99 ||
Dann bringt man mit dem Grundmantra fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der verborgenen Stelle, an den Füßen und am ganzen Körper. Anschließend vollzieht man die Verehrung der umgebenden Gottheiten nach dem betreffenden Ritualtext. Dazu sagt Bhaṭṭa: „Nachdem man fünf Handvoll Blumen gegeben hat, vollziehe man die Verehrung des Gefolges.“ Danach soll man Räucherwerk und Licht darbringen.
P2-0105 · Originalnummer 100 · Rückverweis
tadyathā:
jayadhvani - mantramātaḥ rvāheti puṣpākṣatairghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena tāṃ vādayan, tattanmantreṇa nīcairdhūpaṃ evaṃ
dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ dadyāt
|| 100 ||
Dies geschieht so: Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrt man die Glocke unter dem Mantra „jayadhvani-mantramātaḥ … svāhā“. Dann läutet man sie mit der linken Hand und bringt mit dem jeweiligen Mantra das Räucherwerk niedrig, das Licht dagegen bis zur Höhe der Augen dar. [Der Glockenmantrawortlaut ist durch „rvāheti“ beschädigt; „jayadhvani“ bedeutet Siegesklang, „mantramātaḥ“ Mutter der Mantras. Eine vollständige Lautform lässt sich hier nicht sicher herstellen.]
P2-0106 · Originalnummer 1 · Rückverweis
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, naivedyamānīya, phaḍiti
samprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
dhunumudrayā amṛtīkṛtya, mūlamuccārya naivedyaṃ dadyāt |
yattoyamadhyaṃpātrasya tadādāya nivedayet |
anyatoyairyadutsṛṣṭamarghyapātrasthitetaraiḥ |
na gṛhṇāti mahādevo dattaṃ vidhiśatairapi |
iti vacanādupārānarghyapātrasthalenotsṛjya dadyāt
|| 1 ||
Dann gibt man mit dem Grundmantra drei Handvoll Blumen, bringt die Speise herbei, besprengt sie mit „phaṭ“, schützt sie durch die Cakramudrā, wiederholt das Grundmantra achtmal über ihr, verwandelt sie mit der Dhenumudrā in Nektar und reicht sie unter Aussprechen des Grundmantras dar. Man soll das Wasser aus dem Arghyagefäß nehmen und damit die Gabe weihen. Wird sie mit anderem Wasser geweiht, das sich nicht im Arghyagefäß befindet, nimmt Mahādeva sie selbst bei hundert vorgeschriebenen Verfahren nicht an. Nach diesem Ausspruch soll man die Verehrungsgaben mit dem Wasser des Arghyagefäßes weihen und darbringen. [„dhunumudrayā“ und die abschließende Prosa sind fehlerhaft überliefert; die erkennbare Dhenumudrā und die Weihung mit Arghyawasser bestimmen den Sinn.]
P2-0111 · Originalnummer 6 · Rückverweis
tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||
Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]
P2-0120 · Originalnummer 15 · Rückverweis
tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||
Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P2-0368
अथ अजपामन्त्रः
वियदर्द्धेन्दुललितं तदादिः सर्गसंयुतः ।
अजपाख्यो मनुः प्रोक्तो द्व्यक्षरः सुरपादपः
॥ ५९ ॥
P2-0369
अस्य पूजा:
प्रातःकृत्यादि पूर्वोक्तपीठमन्वन्तं समाप्य ऋष्यादिन्यासं
कुर्यात् ।
शिरसि ब्रह्मणे ऋषये नमः ।
मुखे गायत्रीच्छन्दसे नमः ।
हृदि श्रीगिरिजापतये देवतायै नमः ।
तथा च निबन्धे:
ऋषिर्ब्रह्मा स्मृतो देवि गायत्रीच्छन्द ईरितम् ।
देवता जगतामादिः संप्रोक्ता गिरिजापतिः
॥ ६० ॥
P2-0370
ततः कराङ्गन्तासौ:
ह्सां अंगुष्ठाभ्यां नमः इत्यादि ।
एवं हृदयादिषु ।
तथा च निबन्धे:
ह्सां षड्दीर्घयुक्तेन कुर्यादङ्गक्रियां मनोः
॥ ६१ ॥
P2-0371
ततो ध्यानम्:
उद्यद्भानुस्फुरिततडिदाकारमर्द्धाम्बिकेशं, पाशाभीतिं
वरदपरशुं सन्दधानं कराब्जैः ।
दिव्याकल्पैर्नवमणिमयैः शोभितं विश्वमूलं, सौम्याग्नेयं
वपुरवतु वश्चन्द्रचूडं त्रिनेत्रम् ॥
एवं ध्यात्वा मानसैः सम्पूज्य शङ्खस्थापनं कृत्वा,
पूर्वोक्तपीठपूजां विधाय पुनर्ध्यात्वा
आवाहनादिपञ्चपुष्पाञ्जलिदानपर्यन्तं
विधायावरणपूजामारभेत ।
अग्निनिर्-ऋतिवायव्यीशानकोणेषु मध्ये दिक्षु च ह्सां हृदयाय
नमः इत्यादिना पूजयेत् ।
दिग्दलेषु ऋतं वरं वसुं नरं वरं विदिग्दलेषु ऋतजा गोजा -
अब्जद्रिजा पूजयेत् ।
तथा च निबन्धे:
ऋतं वसुं नरवरौ दिग्दलेषु विदिक्ष्वथ ।
अर्चयेत् ऋतजां गोजामब्जाख्यामद्रिजां पुनः ।
तद्वाह्ये इन्द्रादीन् वज्रादींश्च प्रपूजयेत् ।
ततो धूपादिविसर्जनान्तं कर्म समापयेत्
॥ ६२ ॥
P2-0372
अस्य पुरश्चरणं द्वादशलक्षजपः ।
घृतयुक्तपायसेन दशांशहोमः ।
तथा च:
भानुलक्षं जपेन्मन्त्रं पायसेन ससर्पिषा ।
दशांशं जुहुयान्मन्त्री ततः सिद्धो भवेन्नरः
॥ ६३ ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P2-0368
Nun das Ajapāmantra: Der mit dem Halbmond geschmückte Raumlaut und der Anfangslaut der nachfolgenden Gruppe mit Ausstoß bilden das zweisilbige Mantra namens Ajapā, den himmlischen Wunschbaum. Gemeint ist haṃsaḥ. [Die verschlüsselte zweite Lautangabe „tadādiḥ“ ist knapp und nicht vollständig eindeutig.]
P2-0369
Seine Verehrung: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum zuvor beschriebenen Sitzmantra folgt der Sehernyāsa. Auf dem Kopf „brahmaṇe ṛṣaye namaḥ“, am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“, am Herzen „śrīgirijāpataye devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit, dem ehrwürdigen Gemahl Girijās“. Im Nibandha heißt es: Göttin, Brahmā ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Girijāpati, der Ursprung der Welten, die Gottheit.
P2-0370
Hand- und Gliedernyāsa beginnen mit „hsāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ“ und entsprechend an Herz und weiteren Stellen. Im Nibandha heißt es: Mit hsāṃ, verbunden mit den sechs langen Vokalen, soll man die Gliederhandlung dieses Mantras vollziehen.
P2-0371
Die Meditation: Möge euch der mondgekrönte, dreiaugige Körper beschützen, mild und feurig zugleich, Wurzel des Universums und mit himmlischem Schmuck aus neun Edelsteinen geziert. Er ist zur Hälfte Ambikā und zur Hälfte ihr Herr; seine Gestalt gleicht aufgehender Sonne und blitzendem Blitz. Mit seinen Lotushänden trägt er Schlinge und Beil und zeigt Furchtlosigkeit und Gewährung. Nach dieser Meditation verehrt man mit geistigen Gaben, stellt die Muschel auf, verehrt den zuvor beschriebenen Sitz, meditiert erneut und vollzieht die Handlungen von der Anrufung bis zu den fünf Handvoll Blumen. Bei der Umkreisverehrung in Südosten, Südwesten, Nordwesten, Nordosten, in der Mitte und in den Richtungen verwendet man „hsāṃ hṛdayāya namaḥ“ und die weiteren Formeln. Auf den Hauptrichtungsblättern verehrt man Ṛta, Vasu, Nara und Vara; auf den Zwischenrichtungsblättern Ṛtajā, Gojā, Abjā und Adrijā. Der Nibandha bestätigt diese Anordnung. Außen verehrt man Indra und die übrigen Richtungshüter sowie Donnerkeil und die übrigen Waffen. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Prosa wiederholt vara und enthält eine zusätzliche Trennung; die viergliedrige Liste des Zitats klärt die Reihenfolge.]
P2-0372
Das Puraścaraṇa beträgt zwölf Lakh, also 1.200.000 Wiederholungen, mit einem Zehntel Feueropfer aus Milchreis mit geklärter Butter. Dazu heißt es: Der Mantrapraktizierende wiederholt das Mantra 1.200.000-mal und opfert ein Zehntel mit Milchreis und Butter; dadurch wird der Mensch ein Vollendeter.
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Shiva Puja
- Shiva Manasa Puja
- Mahabhairava Puja
- Mrityunjaya Puja Paddhati
- Subrahmanya Puja
- Aghorashiva Nityapuja
- Pushpanjali
- Arati
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Mala Weihe mit den fünf Shiva-Mantras nach dem Brihat Tantrasara
- Ganga Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Kartikeya Puja nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.