Ganga Puja nach dem Brihat Tantrasara
Ganga Puja nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, Ganga als läuternde göttliche Gegenwart zu verehren.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Ganga Puja. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Vorbereitung und Materialien
Ein sauberer Sitz, ein geeigneter Verehrungsträger, Wassergefäße, Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise. Wenn die Quelle ein Yantra nennt, wird dessen konkrete Anordnung vor Beginn vorbereitet. Besondere Gaben stehen bei der betreffenden Handlung.
Für die hier ausgeführte Gabenfolge zusätzlich: Gewand, Schmuck, Badewasser, Mundspülwasser, Kranz, kühles Wasser und das im Text genannte Lager. Die sechzehn Gaben sind unten einzeln aufgeführt.
Richte die Gaben vor Beginn so ein, dass während der Verehrung nichts gesucht werden muss. Bestimme den verwendeten Mantra und den Verehrungsträger. Die Materialanordnung ist eine redaktionelle Durchführungshilfe; verbindliche Sondergaben stehen bei den Einzelbelegen.
Durchführung
1. Sammeln und den Vorsatz fassen
Setze dich aufrecht vor den Verehrungsplatz, erinnere dich an den Guru und richte deine Absicht auf die in diesem Artikel genannte Gottheit. Fasse den Vorsatz in klaren eigenen Worten. Die anschließend verwendete Mantraform wird für die ganze Durchführung beibehalten.
2. Grundmantra
oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā
Om Hrim Shrim, der Ganga sei diese Darbringung geweiht.
3. Innere Vorbereitung und Nyasa
Vollziehe die morgendliche Vorbereitung und die erlernte innere Reinigung. Der eigene Abschnitt schreibt keine besondere Seher-, Hand- oder Körpernyasa-Folge vor; daran schließt das unten beschriebene Dhyana an.
Der eigene Ausschnitt schreibt keinen vollständigen besonderen Nyasa aus. Für diese Form wird daher keine neue Nyasa-Reihe erfunden.
4. Dhyana und innere Darbringung
Vergegenwärtige die Gottheit nach dem folgenden Dhyana. Nimm Farbe, Gestalt, Haltung, Attribute und Sitz als zusammengehöriges Bild wahr. Sprich den Dhyana-Text und verweile in der Vorstellung. Bringe danach die Gaben zunächst innerlich dar, wie es die Quelle vor der äußeren Verehrung vorsieht.
Beleg P6-0003:
viṣabījaṃ praṇavaḥ māyā hrīṃ, viṣṇupriyā śrīṃ |
dhyānaṃ yathā-kriyāyogasāre :
dadarśa purato gaṅgāṃ dvibhūjāṃ makarāsanām |
kundenduśaṅkhadhavalāṃ sarvābharaṇabhūṣitām
|| 3 ||
Viṣa-Bīja ist Praṇava [Oṃ], Māyā ist hrīṃ, Viṣṇupriyā ist śrīṃ. Die Meditation im Kriyāyogasāra: „Er sah Gaṅgā vor sich, zweiarmig, auf einem Makara sitzend, weiß wie Kunda, Mond und Muschelhorn, mit allem Schmuck geschmückt.“
Die weiteren Dhyana-Belege im Quellenteil werden vor Beginn als überlieferte Varianten unterschieden. Für diese Durchführung bleibt es bei dem oben gewählten Meditationsbild.
5. Den Sitz verehren und die Gottheit anrufen
Bereite das Arghya vor und verehre den äußeren Sitz mit den für diese Gottheit bezeichneten Kräften. Wenn ein Yantra verwendet wird, halte die im Einzelbeleg genannten Ebenen und Richtungen auseinander. Stelle die Gottheit im Zentrum vor und rufe sie mit dem Grundmantra an.
Die allgemeine Anrufungsformel P1-0536 wird nach dem Grundmantra an die gewählte Gottheit gerichtet:
ihāgaccha ihāgaccha | iha tiṣṭha iha tiṣṭha | iha sannidhehi iha sannidhehi | iha sannirudhyasva ||
„Komm hierher, komm hierher. Bleibe hier, bleibe hier. Sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig. Verweile hier gesammelt.“
Begleite die Anrufung mit den unterwiesenen Mudras. Die besondere Vorschrift der Gottheit bestimmt die anschließende Einsetzung der Lebenskraft. Die im Beleg zugleich erwähnten späteren Schritte werden an ihrem Platz in der folgenden Reihenfolge ausgeführt.
6. Gaben bis zu den Blüten und die Umkreisverehrung
Bringe die im Einzelritual genannten Gaben bis einschließlich der Blüten dar. Bei sechzehn Upacaras sind die dort genannten Gaben vollständig einzubeziehen. Wo fünf Blumenhandvoll vorgeschrieben sind, bringe sie mit dem Grundmantra an Scheitel, Herz, Grundlage, Füßen und der gesamten vorgestellten Gestalt dar. Erst anschließend folgt der bezeichnete Umkreis. Diese fünf Zuordnungen folgen P2-0104.
Die sechzehnteilige Ganga-Folge P6-0004–0007 ist hier ausgeschrieben. Die anschließenden Einzelrituale verweisen mit „wie zuvor“ auf diese Verehrungsordnung. Führe diese Reihe einmal vollständig aus; die allgemeine Fünferübersicht ersetzt sie nicht.
| Reihenfolge und Gabe | Handlung | Rezitation |
|---|---|---|
| 1. Sitz | Biete der vorgestellten Gottheit ihren Sitz an. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 2. Fußwasser | Reiche eine kleine Wassergabe an den vorgestellten Füßen dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 3. Arghya | Bringe das vorbereitete Ehrenwasser dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 4. Badewasser | Vollziehe das im Ritual vorgesehene Bad am geeigneten Träger beziehungsweise die mentale Entsprechung. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 5. Salbung | Bringe die für den Träger geeignete Salbung dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 6. Räucherwerk | Führe das Räuchergefäß vor der Gottheit. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 7. Licht | Bringe die brennende Lampe dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 8. Speise | Stelle die vorbereitete Speise vor die Gottheit. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 9. Betel | Reiche die entsprechende Gabe dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 10. Kühles Wasser | Bringe eine frische Wassergabe dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 11. Gewand | Reiche das Gewand dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 12. Schmuck | Biete den Schmuck an. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 13. Kranz | Lege den Kranz am vorgesehenen Platz nieder. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 14. Duftstoff | Bringe den Duftstoff dar. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 15. Mundspülwasser | Biete Wasser zum Mundspülen an. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
| 16. Lager | Biete der Gottheit das im Text genannte schöne Lager an. | oṃ hrīṃ śrīṃ gaṅgāyai svāhā |
Deutsche Bedeutung der bei jeder Gabe wiederholten Formel: Om Hrim Shrim, der Ganga sei diese Darbringung geweiht.
Im eigenen Ausschnitt ist keine besondere Namens- und Richtungsfolge des Umkreises ausgeschrieben. Eine solche Folge wird hier nicht ergänzt.
7. Die Gabenfolge abschließen
Räucherwerk, Licht und Speise sind in der oben genannten Folge bereits enthalten. Wiederhole diese Gaben nicht allein wegen der Gliederung dieses Artikels. Verneige dich nach der Darbringung und preise die Gottheit, wie P6-0007 es vorgibt.
8. Japa, Darbringung und Abschluss
Setze dich nach den äußeren Gaben gesammelt hin und wiederhole den Grundmantra dieser Form. Wenn die besondere Paddhati keine Sitzungszahl nennt, nennt die allgemeine Ordnung 100 oder 1008 Wiederholungen (P2-0111). Eine Purascharana-Gesamtzahl ist davon zu unterscheiden.
Bringe das vollzogene Japa der Gottheit dar. Die allgemeine Formel lautet in einer redaktionell geglätteten Lesefassung:
oṃ guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthite ||
„Om. Du Hüter des Allerverborgensten, nimm das von uns vollzogene Japa an. Möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, o Gott, da du in mir gegenwärtig bist.“
Die Formen guhyāti-/gṛhāṇāsmat- sind gegenüber dem beschädigten Wortabstand der Vorlage grammatisch geglättet; der Sanskritwortlaut von P2-0111 bleibt als Beleg erhalten. Preist die betreffende Tradition die Gottheit mit einem eigenen Stotra, schließt sich dieses hier an. Verneige dich anschließend.
Führe die Umkreisgottheiten innerlich in die Hauptgottheit zurück. Sprich:
kṣamasva
„Verzeihe!“
Vollziehe die unterwiesene Samhara-Mudra, nimm den Duft der dargebrachten Blüte wahr und führe den Lichtglanz der Gottheit in den Lotus deines Herzens zurück (P2-0120). Verweile einen Augenblick in dieser Gegenwart. Die Quelle beschreibt damit die Rücknahme der rituellen Anrufung; die Verehrung wirkt als Erinnerung im Alltag weiter.
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P6-0001 · Originalnummer 1
atha gaṅgāmantraḥ :
athātaḥ sampravakṣyāmi gaṅgāṃ bhuvanapāvanīm |
yathoktacintayā cintyāṃ bhogamokṣapradāyinīm
|| 1 ||
Nun das Gaṅgā-Mantra: „Jetzt erkläre ich Gaṅgā, die die Welt läutert, nach der genannten Vorstellung zu vergegenwärtigen, Genuss und Befreiung gewährend.“
P6-0002 · Originalnummer 2
brahmasaṃhitāyām :
viṣabījaṃ samuddhṛtya māyāṃ viṣṇupriyāṃ tataḥ |
gaṅgāpadaṃ ṅeyutāntaṃ vahnijāyāvadhirmanuḥ |
aṣṭākṣarī mahāvidyā gaṅgāyā bhuvi durlabhā
|| 2 ||
In der Brahmasaṃhitā: Man nimmt das Viṣa-Bīja, danach Māyā und Viṣṇupriyā, dann „gaṅgā“ im Dativ und die Gemahlin des Feuers [svāhā]. Dies ist Gaṅgās achtsilbige Mahāvidyā, auf Erden schwer zugänglich.
P6-0003 · Originalnummer 3
viṣabījaṃ praṇavaḥ māyā hrīṃ, viṣṇupriyā śrīṃ |
dhyānaṃ yathā-kriyāyogasāre :
dadarśa purato gaṅgāṃ dvibhūjāṃ makarāsanām |
kundenduśaṅkhadhavalāṃ sarvābharaṇabhūṣitām
|| 3 ||
Viṣa-Bīja ist Praṇava [Oṃ], Māyā ist hrīṃ, Viṣṇupriyā ist śrīṃ. Die Meditation im Kriyāyogasāra: „Er sah Gaṅgā vor sich, zweiarmig, auf einem Makara sitzend, weiß wie Kunda, Mond und Muschelhorn, mit allem Schmuck geschmückt.“
P6-0004 · Originalnummer 4
(anyada dhyānaṃ brahmavaivartādau draṣṭavyam) |
ityanenaiva dhyānena dhyātvā tripathagāṃ śubhām |
dattvā saṃpūjayedbrahmannupacārāṃśca ṣoḍaśa
|| 4 ||
[Eine weitere Meditation ist im Brahmavaivarta und anderen Werken nachzusehen.] Mit genau dieser Meditation vergegenwärtigt man die gute Dreifachfließende und verehrt sie, o Brahmane, mit sechzehn Darbringungen.
P6-0005 · Originalnummer 5
āsanaṃ pādyamarghyañca snānīyañcānulepanam |
dhūpadīpau ca naivedyaṃ tāmbūlaṃ śītalaṃ jalam
|| 5 ||
Sitz, Fußwaschwasser, Arghya, Badewasser, Salbung, Räucherwerk und Lampe, Speisegabe, Betel und kühles Wasser …
P6-0006 · Originalnummer 6
vasanaṃ bhūṣaṇaṃ mālyaṃ gandhamācamanīyakam |
manoharaṃ sutalpañca deyānyetāni ṣoḍaśa
|| 6 ||
… Gewand, Schmuck, Kranz, Duftstoff, Mundspülwasser und ein reizvolles gutes Lager: Diese sechzehn sind zu geben.
P6-0007 · Originalnummer 7
dattvā bhaktyā ca praṇamet saṃstūya sampuṭāñjaliḥ |
sampūjyaivaṃ pakāreṇa bhogamokṣaphalaṃ labhet |
anyatsarvaṃ sāmānyapaddhatyuktavat
|| 7 ||
Nachdem man sie hingebungsvoll gegeben hat, verneigt man sich, preist [sie] und fügt die Hände schalenförmig zusammen. Wer auf diese Weise verehrt, erlangt die Frucht von Genuss und Befreiung. Alles Weitere folgt der allgemeinen Ritualordnung. [pakāreṇa ist beschädigt.]
Ausgeschriebene Belege zu den Rückverweisen
Diese Stellen liefern die im Hauptbeleg vorausgesetzten Zuordnungen und Handlungen. Das Grundmantra bleibt dasjenige der oben bezeichneten Ritualform; ein anderer Mantra im Vergleichsbeleg wird nicht zusätzlich übernommen.
P1-0536 · Originalnummer 40 · Rückverweis
tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||
Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.
P1-0540 · Originalnummer 44 · Rückverweis
tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||
Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.
P2-0100 · Originalnummer 95 · Rückverweis
athavā eṣāmapyabhāve pañcopacārān kalpayet |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcoparacārikā iti
|| 95 ||
Oder man soll, wenn auch diese Gaben fehlen, fünf Verehrungsgaben bereitstellen. Die Verehrung mit fünf Gaben reicht vom Duftstoff bis zur Speise: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise.
P2-0103 · Originalnummer 98 · Rückverweis
puṣpadāne tu viśeṣaḥ:
puṣpaṃ vā yadi vā patraṃ phale neṣṭhamadhomukham |
duḥkhadaṃ tatsamādhyātaṃ yathotpannaṃ tathārpaṇaṃ |
adhomukha phalaṃ neṣṭaṃ puṣpāñjalividhau na ca |
sarvasva dravyadāne'yaṃ kramaḥ |
ādau mūlaṃ tato dravyaṃ devatāyai tataḥ padam |
śrītattvacintāmaṇau:
hṛdvahnivallabhātoyamantraṃ pādyādiṣu kramāt |
namo vauṣaṭ gandhapuṣpe hṛdānyāni nivedayet |
mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
ityādinā syāt
|| 98 ||
Für das Darbringen von Blumen gilt eine besondere Regel: Eine Blume, ein Blatt oder eine Frucht soll nicht mit der Oberseite nach unten dargebracht werden. Eine solche Gabe gilt als leidbringend; man soll sie so darbringen, wie sie gewachsen ist. Eine nach unten gerichtete Frucht ist nicht erwünscht; bei der Handvoll Blumen, puṣpāñjali, gilt diese Einschränkung nicht. Für alle Gaben gilt folgende Reihenfolge: zuerst das Grundmantra, dann die Bezeichnung der Gabe, danach die Bezeichnung der Gottheit. Im Śrītattvacintāmaṇi heißt es: Für Fußwasser und die folgenden Wassergaben verwendet man der Reihe nach namaḥ, svāhā und das Wassermantra; für Duftstoff namaḥ, für Blumen vauṣaṭ, für die übrigen Gaben namaḥ. Nachdem man das Grundmantra ausgesprochen hat, sagt man beispielsweise: „Dieses Fußwasser für die Gottheit [Name], namaḥ.“ [„toyamantra“ bezeichnet hier das Wassermantra; dessen genaue Lautform wird an dieser Stelle nicht angegeben. Die erste Verszeile ist in ihrer Zuordnung verkürzt.]
P2-0104 · Originalnummer 99 · Rückverweis
tato mūrddhahṛdguhyapādasarvāṅgakeṣu mūlena
pañcapuṣpāñjalīna dattvā tattatkalpoktāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tathā ca:
pañcapuṣpāñjalīn dattvā parivārārcanaṃ carediti bhaṭṭaḥ |
tato dhūpadīpau dadyāt
|| 99 ||
Dann bringt man mit dem Grundmantra fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der verborgenen Stelle, an den Füßen und am ganzen Körper. Anschließend vollzieht man die Verehrung der umgebenden Gottheiten nach dem betreffenden Ritualtext. Dazu sagt Bhaṭṭa: „Nachdem man fünf Handvoll Blumen gegeben hat, vollziehe man die Verehrung des Gefolges.“ Danach soll man Räucherwerk und Licht darbringen.
P2-0105 · Originalnummer 100 · Rückverweis
tadyathā:
jayadhvani - mantramātaḥ rvāheti puṣpākṣatairghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena tāṃ vādayan, tattanmantreṇa nīcairdhūpaṃ evaṃ
dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ dadyāt
|| 100 ||
Dies geschieht so: Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrt man die Glocke unter dem Mantra „jayadhvani-mantramātaḥ … svāhā“. Dann läutet man sie mit der linken Hand und bringt mit dem jeweiligen Mantra das Räucherwerk niedrig, das Licht dagegen bis zur Höhe der Augen dar. [Der Glockenmantrawortlaut ist durch „rvāheti“ beschädigt; „jayadhvani“ bedeutet Siegesklang, „mantramātaḥ“ Mutter der Mantras. Eine vollständige Lautform lässt sich hier nicht sicher herstellen.]
P2-0106 · Originalnummer 1 · Rückverweis
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, naivedyamānīya, phaḍiti
samprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
dhunumudrayā amṛtīkṛtya, mūlamuccārya naivedyaṃ dadyāt |
yattoyamadhyaṃpātrasya tadādāya nivedayet |
anyatoyairyadutsṛṣṭamarghyapātrasthitetaraiḥ |
na gṛhṇāti mahādevo dattaṃ vidhiśatairapi |
iti vacanādupārānarghyapātrasthalenotsṛjya dadyāt
|| 1 ||
Dann gibt man mit dem Grundmantra drei Handvoll Blumen, bringt die Speise herbei, besprengt sie mit „phaṭ“, schützt sie durch die Cakramudrā, wiederholt das Grundmantra achtmal über ihr, verwandelt sie mit der Dhenumudrā in Nektar und reicht sie unter Aussprechen des Grundmantras dar. Man soll das Wasser aus dem Arghyagefäß nehmen und damit die Gabe weihen. Wird sie mit anderem Wasser geweiht, das sich nicht im Arghyagefäß befindet, nimmt Mahādeva sie selbst bei hundert vorgeschriebenen Verfahren nicht an. Nach diesem Ausspruch soll man die Verehrungsgaben mit dem Wasser des Arghyagefäßes weihen und darbringen. [„dhunumudrayā“ und die abschließende Prosa sind fehlerhaft überliefert; die erkennbare Dhenumudrā und die Weihung mit Arghyawasser bestimmen den Sinn.]
P2-0111 · Originalnummer 6 · Rückverweis
tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||
Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]
P2-0120 · Originalnummer 15 · Rückverweis
tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||
Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P6-0001
अथ गङ्गामन्त्रः :
अथातः सम्प्रवक्ष्यामि गङ्गां भुवनपावनीम् ।
यथोक्तचिन्तया चिन्त्यां भोगमोक्षप्रदायिनीम्
॥ १ ॥
P6-0002
ब्रह्मसंहितायाम् :
विषबीजं समुद्धृत्य मायां विष्णुप्रियां ततः ।
गङ्गापदं ङेयुतान्तं वह्निजायावधिर्मनुः ।
अष्टाक्षरी महाविद्या गङ्गाया भुवि दुर्लभा
॥ २ ॥
P6-0003
विषबीजं प्रणवः माया ह्रीं, विष्णुप्रिया श्रीं ।
ध्यानं यथा-क्रियायोगसारे :
ददर्श पुरतो गङ्गां द्विभूजां मकरासनाम् ।
कुन्देन्दुशङ्खधवलां सर्वाभरणभूषिताम्
॥ ३ ॥
P6-0004
(अन्यद ध्यानं ब्रह्मवैवर्तादौ द्रष्टव्यम्) ।
इत्यनेनैव ध्यानेन ध्यात्वा त्रिपथगां शुभाम् ।
दत्त्वा संपूजयेद्ब्रह्मन्नुपचारांश्च षोडश
॥ ४ ॥
P6-0005
आसनं पाद्यमर्घ्यञ्च स्नानीयञ्चानुलेपनम् ।
धूपदीपौ च नैवेद्यं ताम्बूलं शीतलं जलम्
॥ ५ ॥
P6-0006
वसनं भूषणं माल्यं गन्धमाचमनीयकम् ।
मनोहरं सुतल्पञ्च देयान्येतानि षोडश
॥ ६ ॥
P6-0007
दत्त्वा भक्त्या च प्रणमेत् संस्तूय सम्पुटाञ्जलिः ।
सम्पूज्यैवं पकारेण भोगमोक्षफलं लभेत् ।
अन्यत्सर्वं सामान्यपद्धत्युक्तवत्
॥ ७ ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P6-0001
Nun das Gaṅgā-Mantra: „Jetzt erkläre ich Gaṅgā, die die Welt läutert, nach der genannten Vorstellung zu vergegenwärtigen, Genuss und Befreiung gewährend.“
P6-0002
In der Brahmasaṃhitā: Man nimmt das Viṣa-Bīja, danach Māyā und Viṣṇupriyā, dann „gaṅgā“ im Dativ und die Gemahlin des Feuers [svāhā]. Dies ist Gaṅgās achtsilbige Mahāvidyā, auf Erden schwer zugänglich.
P6-0003
Viṣa-Bīja ist Praṇava [Oṃ], Māyā ist hrīṃ, Viṣṇupriyā ist śrīṃ. Die Meditation im Kriyāyogasāra: „Er sah Gaṅgā vor sich, zweiarmig, auf einem Makara sitzend, weiß wie Kunda, Mond und Muschelhorn, mit allem Schmuck geschmückt.“
P6-0004
[Eine weitere Meditation ist im Brahmavaivarta und anderen Werken nachzusehen.] Mit genau dieser Meditation vergegenwärtigt man die gute Dreifachfließende und verehrt sie, o Brahmane, mit sechzehn Darbringungen.
P6-0005
Sitz, Fußwaschwasser, Arghya, Badewasser, Salbung, Räucherwerk und Lampe, Speisegabe, Betel und kühles Wasser …
P6-0006
… Gewand, Schmuck, Kranz, Duftstoff, Mundspülwasser und ein reizvolles gutes Lager: Diese sechzehn sind zu geben.
P6-0007
Nachdem man sie hingebungsvoll gegeben hat, verneigt man sich, preist [sie] und fügt die Hände schalenförmig zusammen. Wer auf diese Weise verehrt, erlangt die Frucht von Genuss und Befreiung. Alles Weitere folgt der allgemeinen Ritualordnung. [pakāreṇa ist beschädigt.]
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Shiva Puja
- Shiva Manasa Puja
- Mahabhairava Puja
- Mrityunjaya Puja Paddhati
- Subrahmanya Puja
- Aghorashiva Nityapuja
- Pushpanjali
- Arati
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Kartikeya Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Shashthi Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Manasa Puja nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.