Aghorashiva Nityapuja
Aghorashiva Nityapuja – vollständiger Ablauf der täglichen persönlichen Shiva-Verehrung nach Aghoraśivas Kriyākramadyotikā, mit Mantras, deutschen Übersetzungen und gekennzeichneten Ergänzungen aus dem Kāmikāgama und weiteren Ritualquellen.
Diese Anleitung führt von der morgendlichen Vorbereitung über Sandhya, die Verehrung des Shiva-Surya, die innere Reinigung und den Aufbau des Mantrakörpers bis zur Lingapujā mit Kalā-Nyāsa und Āvaraṇa, zu Japa, Feueropfer, Bali und Caṇḍeśvara-Verehrung. Sie ist eine ausführliche Rekonstruktion für die Praxis. Sie ist keine kritische Edition und beansprucht nicht, jede Lesart, jede initiationsabhängige Variante und jede mündliche Ausführungsregel Aghoraśivas zweifelsfrei wiederherzustellen.
Wozu: Die tägliche Verehrung erneuert die Beziehung zu Shiva, reinigt und ordnet im Verständnis des Shaiva Siddhanta Körper, Sprache und Geist, erfüllt die mit der Unterweisung übernommenen Pflichten und richtet das Handeln auf Shivas Gnade und Befreiung aus. Die äußeren Gaben verwirklichen Gastfreundschaft gegenüber der göttlichen Gegenwart; die innere Verehrung lässt den Verehrenden seinen Körper als Mantrakörper verstehen. Das sind rituelle und theologische Zielsetzungen, keine garantierten äußeren Wirkungen.
Wer kann sie ausführen? Der historische Adressat ist der in die betreffenden Shaiva-Mantras eingeweihte und unterwiesene Praktizierende. Allgemeine Puja-Erfahrung und Sanskrit-Aussprache helfen beim Lesen und Handeln, ersetzen aber nicht die im Werk vorausgesetzte Diksha und Unterweisung in Mantra-Uccāra, Nyāsa und Mudrā. Das äußere Homa setzt eine eigene Befugnis voraus; Aghoraśiva unterscheidet ausdrücklich zwischen Befugten und Nichtbefugten. Diese Seite beschreibt die persönliche Ātmārtha-Pūjā; sie ermächtigt nicht zur öffentlichen Tempelliturgie oder zur Leitung von Initiationen.
Umfang: Ausgeführt wird ein zusammenhängender täglicher Ablauf aus Grundtext 1.3–1.66. Wo das Werk mehrere vollständige Alternativen erlaubt, wird eine gewählt und die Alternative erläutert. Das jährliche Pavitrārohaṇa, Einweihungen und Wunschrituale sind eigene Riten und werden nicht der täglichen Puja angehängt. Der tägliche Pavitra-Schritt gehört dagegen dazu.
Wie diese Anleitung und ihre Quellen zu lesen sind
K bezeichnet die IAST-Ausgabe der Kriyākramadyotikā mit Nirmalamaṇis Prabhā und einem weiteren Kommentar. Eine Einführung und die deutsche Übersetzung bietet Kriyakramadyotika. Angaben wie „K 1.37“ beziehen sich auf die redaktionellen Grundtext-Anker dieser Ausgabe, nicht auf ursprüngliche Versnummern. P bezeichnet die jeweils zugehörige Prabhā-Erklärung in derselben Sanskritausgabe. A bezeichnet den Kāmikāgama, Pūrvapāda, Kapitel 4 Arcanāvidhi; besonders A 4.94–117 ergänzt die Kalā-Mantras. S bezeichnet die Somaśambhupaddhati, Band I. M bezeichnet die kritische Ausgabe des Mataṅgapārameśvarāgama, aus der die vollständige Vyomavyāpin-Parallelfassung stammt. V bezeichnet das moderne Ritualhandbuch Śiva Pratiṣṭhā Kramam für die langen Brahmaformeln und ergänzende Variantenvergleiche. Bibliographie und offene Lesefragen stehen am Schluss.
Nicht jeder im Sanskrittext stehende Vers ist eine Rezitation: Ein Dhyāna kann eine Visualisierung beschreiben, und ein Lehrvers kann eine Handlung erklären. Hier werden solche Inhalte in konkrete deutsche Handlungen übersetzt. Die zu sprechenden Mantras und Gebete stehen fett. Wo eine beschreibende Anweisung „mit dem Herzmantra“ lautet, ist das entsprechende Mantra ausgeschrieben oder eindeutig innerhalb dieser Seite angegeben. Auf diese Weise muss man keine Sanskrit-Lehrverse rezitieren, um die nächste Handlung herauszufinden.
Formelkonvention: Bei namaḥ steht die Verehrung im Vordergrund; svāhā, svadhā, vaṣaṭ, vauṣaṭ und phaṭ sind rituelle Schlusslaute mit jeweils bestimmter Verwendung. Die deutschen Übertragungen geben ihre Funktion wieder. Keimsilben wie hāṃ, hauṃ und hrīṃ werden nicht durch erfundene deutsche Wörter ersetzt. Die Übersetzungen werden gelesen und verstanden, während im Ritual das Sanskrit gesprochen wird. Hier verwendete Worttrennungen verändern die Rezitation nicht; tat tvam und tattvam können je nach Wortzusammenhang Verschiedenes bedeuten.
Ausgeschriebene Praxisfassung: Zahlen, Handgriffe und räumliche Zuordnungen aus der Quelle bleiben erhalten. Praktische Einrichtungen wie getrennte Wasserschalen oder das nacheinander statt gleichzeitig ausgeführte Berühren beider Hände sind redaktionelle Erläuterungen. Ergänzte Mantraformen werden an der Stelle benannt. Eine beschädigte Stelle wird nicht allein durch einen plausibel klingenden Sanskritsatz zu einer gesicherten Überlieferung.
1. Ort, Materialien und Arbeitsweise
Richte das bewegliche persönliche Lingam auf einem sauberen Pīṭha mit Auffangschale ein. Für das eigentliche Abhisheka kann ein eigener Badeplatz nötig sein. Bewege das Lingam nach vollständigem Thronaufbau und Anrufung nicht erneut: K 1.33/P unterscheidet ausdrücklich zwischen dem vorausgehenden ausgiebigen Bad und der späteren Verehrung.
Stelle bereit:
- sauberen Sitz; Wasser für eigenes Achamana; getrennt gewöhnliches Opferwasser und eine Schale für das besondere Arghya; Löffel, Auffangschale, Badewasser und sauberes Tuch;
- Asche nach der eigenen Überlieferung, Sandelpaste, geeignete Blumen oder Blätter, ungebrochene Reiskörner, gegebenenfalls Dūrvā und Kuśa/Darbha;
- Weihrauch, Lampe mit Docht und geeignetem Brennstoff, Glocke, einfache gekochte oder frische vegetarische Speise, Trinkwasser als Gabe, gegebenenfalls Tāmbūla;
- Mala, ein Exemplar der verehrten Lehre, einen kleinen Platz für den Guru, für Ganapati und Mahalakshmi sowie eine Schale im Nordosten für abgenommene Opfergaben;
- für die Sonnenverehrung einen achtblättrigen Lotus, gezeichnet oder als geeignete Metallunterlage, eine Arghya-Schale und möglichst rote Blumen;
- für das Homa eine dafür geeignete Feuerstelle, kleine trockene Opferhölzer, Ghee, Sesam, Opferlöffel und Wasser; für Bali kleine Portionen gekochten Reises auf einer eigenen Unterlage.
Verwende nur Gegenstände und Flüssigkeiten, die für dein Lingam geeignet sind. Das aus dem Kommentar bekannte erweiterte Bad enthält auch Fett und Milchprodukte. Seine Durchführung hängt ausdrücklich von den verfügbaren Mitteln ab. Trinkwasser für eigenes Achamana bleibt frei von Sandel, Asche und Opferresten. Feueropfer werden an einer geeigneten, beaufsichtigten Feuerstelle ausgeführt.
Richtungen: „Osten“ usw. meint die tatsächlichen Himmelsrichtungen, nicht die rechte oder linke Buchseite. Bei Surya sitze nach Osten. Bei der Shiva-Puja sitze südlich des Lingams und blicke nach Norden; für das vorausgehende Bad nennt P zu 1.33 die Ostrichtung. Die Seiten des visualisierten göttlichen Körpers sind dessen eigene rechte und linke Seite. Bei einem runden Lingam werden Kopf, Gesichter und Glieder innerlich zugeordnet; es sollen keine Körperteile am Stein gesucht oder künstlich eingezeichnet werden.
Grundgeste jeder Blumenverehrung: Nimm eine Blüte, sprich das genannte Mantra, vergegenwärtige die genannte Gestalt und lege die Blüte an den zugeordneten Platz. Bei einem nur innerlich aufgebauten Thron genügt eine kleine Gabe an der entsprechenden Stelle des Pīṭha. Dieselbe Blüte wird nicht nach jeder Gabe wieder aufgenommen. Eine gedachte Gabe ist dort vorgesehen, wo der Text sie ausdrücklich innerlich beschreibt.
2. Grundmantras und wiederkehrende Handgriffe
Diese Formeln sind die Arbeitsgrundlage der gesamten Puja. Sie werden hier einmal zusammengeführt; ihre konkreten Anwendungen folgen im Ablauf. K 1.13, 1.29, 1.37–41 und 1.46/P.
| Bezeichnung | Mantra und Bedeutung |
|---|---|
| Mūla, Shiva-Mantra | oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ „Om. Verehrung Shiva.“ |
| Sitz | oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ „Om. Verehrung dem Sitz Shivas.“ |
| Gestalt | oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ „Om. Verehrung der Gestalt Shivas.“ |
| Īśāna | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ „Verehrung dem Haupt als Ishana.“ |
| Tatpuruṣa | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ „Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha.“ |
| Aghora | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ „Verehrung dem Herzen als Aghora.“ |
| Vāmadeva | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ „Verehrung dem verborgenen Körperbereich als Vamadeva.“ |
| Sadyojāta | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ „Verehrung der Gestalt als Sadyojata.“ |
| Vidyādeha | oṃ hāṃ hauṃ vidyādehāya namaḥ „Verehrung dem aus Erkenntnis bestehenden göttlichen Leib.“ |
| Augen | oṃ hauṃ netrebhyo namaḥ „Verehrung den göttlichen Augen.“ |
| Herz | oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ „Verehrung dem Herzen.“ |
| Haupt | oṃ hīṃ śirase namaḥ „Verehrung dem Haupt.“ |
| Scheitelbüschel | oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ „Verehrung dem Scheitelbüschel.“ |
| Schutzpanzer | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ „Verehrung dem Schutzpanzer.“ |
| Mantrawaffe | oṃ haḥ astrāya namaḥ „Verehrung der Mantrawaffe.“ |
Die Saṃhitā bezeichnet hier Mūla, die fünf Brahmamantras und die fünf Gliedmantras; Netra wird im Werk auch gesondert behandelt. Wenn ein Abschnitt ausdrücklich Netra verlangt, kommt es hinzu. P zu 1.6 bespricht die unterschiedlichen Verwendungen des Wortes Saṃhitā und entscheidet sich für Mūla–Brahma–Aṅga. Im Folgenden bedeutet „Saṃhitā rezitieren“ genau diese elf Formeln in der eben genannten Reihenfolge, nicht einen unbestimmten unbekannten Text.
Schutzform des Astra: oṃ haḥ astrāya phaṭ – „Om. Der Mantrawaffe: phaṭ.“ Bei der ausdrücklich verstärkten Form: oṃ haḥ astrāya huṃ phaṭ – dieselbe Anrufung mit den Schutzlauten huṃ phaṭ.
Nektarisierung: oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ – „Om. Shiva sei diese Weihe dargebracht.“ Stelle dir dabei einen lichten, nektargleichen Strom vor. Es geht um die rituelle Verwandlung der Gabe.
Vierfache Reinigung der Gaben: Schaue die Gabe mit dem Mūla-Mantra bewusst an; besprenge sie mit Arghya unter dem Astra-Mantra; berühre oder beklopfe sie symbolisch mit Kuśa unter Astra; umhülle sie unter Kavaca. Wo K zusätzlich Herzmantra, Dhenu und Nektarisierung anordnet, werden diese angefügt. Die genaue Reihenfolge beim besonderen Arghya und bei den gewöhnlichen Gaben ist unten einzeln angegeben.
Die benötigten Mudras
Die Definitionen der Anrufungsgesten folgen K 1.39–40/P; die Schutz- und Rücknahmegesten K 1.13, 1.15, 1.20 und 1.62/P. Mudras werden ruhig gezeigt, nicht verkrampft gehalten.
- Añjali/Namaskāra: Hände vor der Brust zusammenlegen. Bei Blumen-Anjali die Hände etwas wölben und die Blumen darin halten.
- Āvāhanī: Añjali bilden, die Daumen an die Ringfinger-Gelenke beziehungsweise deren Wurzel führen. Damit die Gegenwart einladen.
- Sthāpanī: Dieselbe Geste abwärts wenden: die eingeladene Gegenwart auf ihrem Sitz vergegenwärtigen.
- Sannidhānī: Zwei nebeneinander aneinanderliegende Fäuste bilden, die Daumen aufrichten: die Nähe und Zugewandtheit vergegenwärtigen.
- Niṣṭhurā/Sannirodhanī: Die Daumen in dieselben Fäuste einschließen: um das Bleiben während der Verehrung bitten.
- Aṅkuśa: Rechte Faust mit hakenförmig gebogenem Zeigefinger; die geistige Herbeiziehung anzeigen.
- Dhenu/Amṛtamudrā: Finger beider Hände gegeneinander führen; kleinen Finger jeweils mit gegenüberliegendem Ringfinger, Zeigefinger mit gegenüberliegendem Mittelfinger an den Spitzen verbinden. Die vier verbundenen Paare nach unten wenden und einen Nektarstrom in der Gabe vorstellen. Die Daumen bleiben frei. Diese Fingerverbindungen langsam vor der Puja einüben.
- Mahāmudrā: Einander zugewandte Hände vor dem Körper von unten nach oben führen und die durchgehende Gegenwart des Mantrakörpers vorstellen.
- Udbhava: Den kleinen Finger einziehen, den Zeigefinger ausstrecken, die übrigen Finger etwas beugen; die hervorgehende und dargebrachte Gabe vergegenwärtigen.
- Saṃhāra: Die Finger vom kleinen Finger bis zum Zeigefinger nacheinander zur Daumenwurzel einziehen; dabei die zuvor ausgebreitete Gegenwart in ihren Ursprung zurücknehmen.
- Nārāca: Kleine Blüten an den Daumenspitzen mit den Zeigefingern fortschieben; dabei die Gottheiten des Kreises als lichtartig von ihren äußeren Plätzen aufsteigend vorstellen. Nicht auf Personen schnippen.
- Divya: Blüten zwischen Daumen und Ringfinger halten und damit eine dreieckige Bahn beschreiben; dabei die zurückgeführten Mantragestalten in der Hauptgestalt vereinigen. Die Dreiecksform wird durch das im Mudrā-Anhang von S zitierte Mudrālakṣaṇa geklärt.
Für die Sonnenpuja kommen Visphurā (mit dem Daumen nacheinander die Fingerspitzen vom kleinen Finger bis zum Zeigefinger berühren), Padma (Hände zur offenen Lotusform, Daumen als Mitte), Goviṣāṇa (rechte Faust, Zeige- und Mittelfinger ausstrecken) und Trāsinī (mit ausgestrecktem rechten Zeigefinger die linke Handfläche leicht berühren) hinzu. Bimba: Die Hände zusammenführen, die Ringfinger beugen und ihre Spitzen verbinden. Dies folgt der Beschreibung im Mudrā-Anhang von S; die Kommentare zu K überliefern auch andere Fingerlagen.
Pañcamukhī: Sie ist das Siegel der fünf Gesichter. Die digitale Prabhā-Beschreibung ist in der Fingerführung schwierig. Als belegte Parallelform nach Ajitāgama 26.34b–36b, wiedergegeben im Mudrā-Anhang von S I: Hände Rücken an Rücken, Finger kreuzen; jeden Daumen mit dem gegenüberliegenden kleinen Finger, jeden Mittelfinger mit dem gegenüberliegenden Zeigefinger an den Spitzen verbinden; Ringfinger aufrichten. Die eigene unterwiesene Form ist beizubehalten. Weitere in K geforderte Gesten werden anhand der im Mudrā-Anhang von S zitierten älteren Beschreibungen erläutert:
- Kālakārṇī/Kālakāṇṭhī: Beide Fäuste mit der Handflächenseite nach oben halten. Nur die Daumenspitzen beider Hände verbinden; die übrigen Finger beider Hände berühren einander nicht (Ajitāgama 26.10b–11a).
- Liṅga: Den linken Daumen nach unten in die rechte Faust führen. Den rechten Daumen zwischen linkem Daumen und Zeigefinger aufrichten. Mit den übrigen linken Fingern die rechte Faust umfassen (Mudrālakṣaṇa).
- Manoratha: Die kleinen Finger, Ringfinger und Mittelfinger beider Hände ineinander verschränken. Die Zeigefinger nach vorn strecken und ihre Spitzen verbinden; jeder Daumen berührt die Wurzel des Zeigefingers derselben Hand. Diese Beschreibung ist auch in P zu K 1.42 enthalten.
- Triśūla: Handflächen zusammenführen. Kleine Finger, Mittelfinger und Daumen ausgestreckt paarweise aneinanderlegen. Zeige- und Ringfinger zu den jeweiligen Handrücken zurückbeugen; nur so weit, wie es ohne Druck möglich ist (Mudrālakṣaṇa).
- Makara: Hände zusammenführen. Zeigefinger leicht zum Körper beugen, ihre Spitzen verbinden. Die ausgestreckten Daumen an die Zeigefingerspitzen führen. Die kleinen Finger zwischen Zeigefinger und Daumen einziehen; sie stellen die Zähne des Makara dar (Mudrālakṣaṇa).
- Sruk/Sruṅ: Kleine Finger ineinanderhaken, Ringfinger kreuzen. Darüber die Mittelfinger ausstrecken und an den Spitzen verbinden; Zeigefinger und Daumen auf die Rückseiten der Mittelfinger legen. Hier wird der Wortlaut der im Mudrā-Anhang zitierten Beschreibung gewählt; seine dortige photographische Darstellung stimmt nicht in jedem Detail damit überein.
Diese Parallelbeschreibungen machen die Gesten nachvollziehbar; eine abweichend empfangene Form der eigenen Linie wird damit nicht aufgehoben.
3. Morgendliche Vorbereitung, Bad und Asche
Quelle: K 1.3–1.12. Erwache rechtzeitig vor der Morgendämmerung, sammle dich und denke an Shiva im Herzlotus oder im Dvādaśānta, dem inneren Bezugspunkt zwölf Fingerbreit über dem Kopf. Sprich einige Male oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ – „Om. Verehrung Shiva.“ Reinige den Körper und den Mund und lege saubere Kleidung an.
Das Werk kennt mehrere rituelle Bäder; sie sind Alternativen, nicht sechs nacheinander abzuarbeitende Bäder. Die ausführliche Wasserbad-Variante setzt einen geeigneten Badeort, Erde und Kuśa voraus. Die folgende Hauptfolge verwendet körperliche Reinigung, anschließend das im Werk eigenständig beschriebene Aschenbad und die mantrische Reinigung. So wird keine historische Flussbadhandlung stillschweigend mit einem Badezimmer gleichgesetzt.
Aschenbad, K 1.10: Gib geeignete rituelle Asche in die Hand, weihe sie mit der Saṃhitā aus Abschnitt 2. Stelle dir die Reinigung vom Kopf bis zu den Füßen vor und sprich oṃ haḥ astrāya phaṭ. Trage die Asche mit den fünf Brahmamantras auf: Īśāna am Kopf, Tatpuruṣa am Gesicht, Aghora am Herzen, Vāmadeva am unteren Rumpf, Sadyojāta an Füßen beziehungsweise am übrigen Körper. Die Formeln sind in Abschnitt 2 vollständig ausgeschrieben. Die Tripuṇḍra-Linien werden nach der eigenen Unterweisung angelegt; die Quelle behandelt verschiedene Ortszahlen, die nicht sämtlich gleichzeitig erforderlich sind.
Inneres Bad, K 1.11: Stelle dir aus dem höchsten Lichtpunkt einen Nektarstrom vor, der den ganzen Körper erfüllt. Sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ – „Om. Shiva sei diese Weihe dargebracht.“ Auch dies ist im Werk eine eigene Badform, keine Erfindung dieser Redaktion.
4. Shaiva-Achamana: drei Schlucke zur rituellen Sammlung
Zweck: Vorbereitung auf die Verehrung und erneute Sammlung zwischen Ritualabschnitten. Die drei Wassergaben beziehen sich auf Atma-, Vidya- und Shiva-Tattva. Der Prabhā-Kommentar verbindet die Schlussformel svadhā hier auch mit Reinigung der Sprache.
Wer: Unterwiesene Praktizierende der entsprechenden Shaiva-Praxis. Die Anleitung ist ein vollständiger kleiner Vorbereitungsschritt; sie ersetzt weder körperliche Reinigung noch die gesamte Puja-Vorbereitung.
Bereitlegen: Trinkwasser in einem kleinen Gefäß, einen Löffel und eine getrennte Auffangschale für das Spülen. Kein mit Duftstoffen versetztes Arghya-Wasser trinken. Diese Trennung der Gefäße ist eine praktische Einrichtung der Anleitung.
Quelle: Grundtext 1.7 und Prabhā, Druckseiten 44–47.
Schritt 1: Platz nehmen und die Hand vorbereiten
Setze dich mit Blick nach Osten oder Norden hin. Der Quelltext nennt einen unbedeckten Kopf und zusammengebundenes Haar. Betrachte das saubere Wasser. Spüle die rechte Hand über der Auffangschale ab. Gib eine kleine Menge Trinkwasser in die leicht gewölbte rechte Hand; Daumen und kleiner Finger bleiben abgespreizt. Getrunken wird über den Handrand am Daumenballen, das im Kommentar erklärte Brahmatirtha.
Schritt 2: Erster Schluck
Tun: Halte das Wasser in der rechten Hand, sprich die Formel und nimm einen kleinen, stillen Schluck über den Daumenballen. Spüle anschließend die Hand und nimm neues Wasser.
Sprechen: oṃ hāṃ ātmatattvāya svadhā
Bedeutung: „Om. Dem Atma-Tattva, der Ebene der individuellen Seele und ihres Erfahrungsbereichs, sei diese Gabe geweiht.“ Hāṃ bleibt als Bija unübersetzt.
Schritt 3: Zweiter Schluck
Tun: Nimm in gleicher Weise den zweiten kleinen Schluck; spüle danach die Hand und nimm frisches Wasser.
Sprechen: oṃ hīṃ vidyātattvāya svadhā
Bedeutung: „Om. Dem Vidya-Tattva, der Ebene der Erkenntnis, sei diese Gabe geweiht.“
Schritt 4: Dritter Schluck
Tun: Nimm den dritten kleinen Schluck und spüle die Hand.
Sprechen: oṃ hūṃ śivatattvāya svadhā
Bedeutung: „Om. Dem Shiva-Tattva, der Ebene Shivas, sei diese Gabe geweiht.“
Schritt 5: Lippen und Sinnesöffnungen berühren
Tun: Streiche mit dem Daumenballen zweimal über die geschlossenen Lippen. Sprich dazu das Astramantra. Streiche anschließend einmal mit der Handfläche abwärts über den Mundbereich.
Sprechen: oṃ haḥ astrāya phaṭ
Bedeutung: „Om. Der schützenden Mantrawaffe: phaṭ.“ Phaṭ ist der abschneidende Schutzlaut, keine gewöhnliche Wortbedeutung.
Tun: Verbinde Daumen und Ringfinger der rechten Hand. Berühre behutsam nacheinander Mund, rechte und linke Nasenseite, den Bereich vor rechtem und linkem Auge, rechtes und linkes Ohr, Nabel, Herz, rechte und linke Schulter und Kopf. An Augen und Ohren genügt eine äußere leichte Berührung; nicht in die Öffnungen greifen. Sprich bei jeder Berührung das Herzmantra. Die Wiederholung bei jeder Stelle ist die ausgeschriebene praktische Umsetzung der Anweisung „mit dem Herzmantra berühren“.
Sprechen: oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung dem Herzen“, hier dem Herzglied des göttlichen Mantrakörpers.
Abschluss: Lege die Hände kurz ruhig ab. Gehe erst dann zur nächsten Handlung über.
5. Kara- und Anga-Nyasa: Hände und Körper weihen
Zweck: Die Hände werden zu bewussten Werkzeugen der Verehrung; im Körper werden die Mantragestalten Shivas vergegenwärtigt. Nyasa bedeutet hier das rituelle Setzen der Mantras durch Berührung und Vorstellung. Die Kriyakramadyotika nennt die Verbindung von Hand- und Körpernyasa Sakalikarana.
Wer: Für Praktizierende mit Unterweisung in diesen Mantras. Dies ist keine medizinische oder körperliche Veränderung, sondern eine rituelle Vergegenwärtigung.
Bereitlegen: Nur einen sauberen Sitz. Führe zuvor Achamana aus. Weder Asche noch Wasser müssen während jeder Berührung verwendet werden.
Quelle: Grundtext 1.13 und Prabhā, Druckseiten 61–69; zum Wortlaut einzelner Formeln zusätzlich 1.37–1.38 und 1.46. Die Fingerzuordnungen unten folgen der Erläuterung des Prabhā-Kommentars. Unterschiedliche Körperorte von Grundtext und Kommentar sind unten benannt.
Schritt 1: Die Hände reinigen
Tun: Strecke die Hände vor dir aus. Vergegenwärtige zuerst die rechte Handfläche, dann ihren Rücken, anschließend die linke Handfläche und ihren Rücken als vom Licht des Schutzmantras gereinigt, jeweils bis zum Handgelenk. Sprich die folgende Formel zu jedem der vier Bereiche.
Sprechen: oṃ haḥ astrāya phaṭ
Bedeutung: „Om. Der schützenden Mantrawaffe: phaṭ.“
Tun: Stelle dir nun beide Hände als von einem klaren, nektargleichen Strom erfüllt vor. Sprich:
Sprechen: oṃ hauṃ śaktaye vauṣaṭ
Bedeutung: „Om. Der göttlichen Kraft sei diese Weihe dargebracht.“ Hauṃ und vauṣaṭ bleiben rituelle Laute.
Schritt 2: Sitz und Gestalt in die Handflächen setzen
Tun: Berühre jede Handfläche mit dem zugehörigen Daumen. Sprich bei jeder Hand zunächst die erste, dann die zweite Formel. Stelle dir einen lichten Sitz und darauf Shivas Lichtgestalt vor.
Sprechen: oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung dem Sitz Shivas.“
Sprechen: oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung der Gestalt Shivas.“ Die Bija-Folge wird unübersetzt rezitiert.
Schritt 3: Die fünf Brahmamantras an den Fingern setzen
Führe die Zuordnung an beiden Händen aus. Man kann jeweils denselben Finger rechts und links nacheinander berühren und dabei die Formel wiederholen; diese zeitliche Aufteilung dient der leichteren Ausführung.
| Tun | Sprechen | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| Den Daumen mit dem Zeigefinger berühren. | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ | „Verehrung dem Haupt als Ishana.“ |
| Den Zeigefinger mit dem Daumen berühren. | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | „Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha.“ |
| Den Mittelfinger mit dem Daumen berühren. | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | „Verehrung dem Herzen als Aghora.“ |
| Den Ringfinger mit dem Daumen berühren. | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | „Verehrung dem verborgenen Körperbereich als Vamadeva.“ |
| Den kleinen Finger mit dem Daumen berühren. | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | „Verehrung der Gestalt als Sadyojata.“ |
Lesung: Das zweifelhafte vāmadevaktrāya? in 1.13 wird hier durch das im selben Werk klar belegte vāmadevaguhyāya aus 1.37 und 1.46 ersetzt. Hoṃ für Ishana folgt 1.13 und 1.46; 1.37 hat abweichend hāṃ.
Schritt 4: Lichtgestalt, Augen und Shiva-Mantra
Tun: Berühre beide Handflächen wieder mit ihren Daumen.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ vidyādehāya namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung dem aus Erkenntnis bestehenden göttlichen Leib.“
Tun: Berühre jede Handfläche mit den drei mittleren Fingern der anderen Hand, also mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger gemeinsam.
Sprechen: oṃ hauṃ netrebhyo namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung den göttlichen Augen.“
Tun: Berühre die Mitte beider Handflächen mit den Daumen und stelle dir Shiva als die ganze Hand durchdringend vor.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ
Bedeutung: „Om. Verehrung Shiva.“
Lesung: Vidyādehāya folgt 1.38; an der entsprechenden Stelle von 1.13 steht vidyādevāya. Die ausgeschriebene Shiva-Formel ist im Prabhā-Kommentar zu 1.6 und 1.23 belegt.
Schritt 5: Die fünf Gliedmantras an die Finger setzen
Berühre an jeder Hand nacheinander die folgenden Finger. Benutze dazu den Daumen; den Daumen selbst berühre mit dem Zeigefinger.
| Finger | Sprechen | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| Kleiner Finger | oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ | „Verehrung dem Herzen.“ |
| Ringfinger | oṃ hīṃ śirase namaḥ | „Verehrung dem Haupt.“ |
| Mittelfinger | oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ | „Verehrung dem Scheitelbüschel“, dem oberen Schutzglied. |
| Zeigefinger | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ | „Verehrung dem Schutzpanzer.“ |
| Daumen | oṃ haḥ astrāya namaḥ | „Verehrung der Mantrawaffe.“ |
Tun: Umkreise die Hände mit dem rechten Zeigefinger und denke sie in einen Schutzmantel gehüllt. Sprich oṃ haiṃ kavacāya namaḥ – „Verehrung dem Schutzpanzer.“ Füge die Hände zusammen und sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ – „Om. Shiva sei diese Weihe dargebracht.“ Vergegenwärtige alle gesetzten Mantras als in Shiva vereint.
Schritt 6: Sitz und Gestalt im Herzen setzen
Tun: Verbinde rechten Daumen und Ringfinger und berühre das Herz. Sprich nacheinander:
oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ – „Verehrung dem Sitz Shivas.“
oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ – „Verehrung der Gestalt Shivas.“
Schritt 7: Fünf Körperstellen berühren
| Tun | Sprechen | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| Bilde eine lockere rechte Faust und berühre mit dem Daumen den Scheitel. | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ | „Verehrung dem Haupt als Ishana.“ |
| Verbinde Daumen und Zeigefinger und berühre den Gesichtsbereich. | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | „Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha.“ |
| Verbinde Daumen und Mittelfinger und berühre das Herz. | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | „Verehrung dem Herzen als Aghora.“ |
| Verbinde Daumen und Ringfinger und berühre den Nabel. | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | „Verehrung dem verborgenen Körperbereich als Vamadeva.“ |
| Verbinde Daumen und kleinen Finger und berühre die Knie. | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | „Verehrung der Gestalt als Sadyojata.“ |
Zur Ausführung: Nabel und Knie folgen ausdrücklich dem Prabhā-Kommentar. Der Grundtext nennt an diesen Stellen den verborgenen Bereich und die Füße. Die folgende Ausführung bleibt bei den Zuordnungen des Kommentars.
Schritt 8: Augen, Herz und Schutzglieder
Tun: Berühre mit Daumen und Ringfinger das Herz und sprich oṃ hāṃ hauṃ vidyādehāya namaḥ – „Verehrung dem Erkenntnisleib.“ Führe Zeige-, Mittel- und Ringfinger gemeinsam behutsam vor rechtes Auge, linkes Auge und Stirnmitte; sprich jeweils oṃ hauṃ netrebhyo namaḥ – „Verehrung den göttlichen Augen.“ Berühre erneut mit Daumen und Ringfinger das Herz und sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ – „Verehrung Shiva.“
Setze nun die Schutzglieder:
- Herz mit Daumen und kleinem Finger: oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ – „Verehrung dem Herzen.“
- Kopf mit Daumen und Ringfinger: oṃ hīṃ śirase namaḥ – „Verehrung dem Haupt.“
- Scheitelbereich mit Daumen und Mittelfinger: oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ – „Verehrung dem Scheitelbüschel.“
- Mit beiden Zeigefingern einen umhüllenden Verlauf vom Halsbereich zur Brustmitte anzeigen: oṃ haiṃ kavacāya namaḥ – „Verehrung dem Schutzpanzer.“
- Mit dem Ringfinger der jeweils anderen Hand jede Handfläche berühren: oṃ haḥ astrāya namaḥ – „Verehrung der Mantrawaffe.“
Schritt 9: Schutz und Einheit
Tun: Schlage mit den vier rechten Fingern, ohne den Daumen, dreimal leicht in die linke Handfläche. Sprich dabei oṃ haḥ astrāya phaṭ. Zeige danach mit einer Schnippbewegung die Richtungen ringsum sowie oben und unten an; sprich zu jeder Richtung dieselbe Schutzformel. Vergegenwärtige den Raum als geschützt. Umkreise mit dem rechten Zeigefinger deinen Körperraum und sprich oṃ haiṃ kavacāya namaḥ.
Tun: Führe beide Hände mit einander zugewandten Handflächen vor dem Körper vom Fußbereich aufwärts bis zum Kopf. Diese im Kommentar beschriebene Mahamudra bringt die Einheit des Mantrakörpers zum Ausdruck. Eine bequeme, angedeutete Bewegung genügt für diese erläuternde Ausführung.
Sprechen: oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ
Bedeutung: „Om. Shiva sei diese Weihe dargebracht.“
Bleibe einen Augenblick still sitzen. Hände, Atem und Aufmerksamkeit sind nun auf die Verehrung gerichtet.
6. Pranayama, heiliges Wasser und vollständiger Sandhya-Kern
Quelle: K 1.14–1.19. K 1.14 schreibt Pranayama mit der Mantra-Saṃhitā vor. Verwende den in deiner Unterweisung erhaltenen Atemrhythmus; die Zeile selbst legt kein allgemeines Sekundenverhältnis fest. Verbinde Einatmen, Halten und Ausatmen mit der inneren Saṃhitā-Rezitation. Ein erzwungenes langes Anhalten ist keine Ergänzung des Textes.
6.1 Shiva-Tirtha herstellen
Fülle eine Schale mit sauberem Wasser. Vergegenwärtige im Stirnzentrum einen Lichtpunkt. Ziehe dessen Nektar mit Aṅkuśa geistig ins Wasser und sprich oṃ hāṃ hṛdayāya vauṣaṭ – „Om. Dem göttlichen Herzen sei diese Weihe dargebracht.“ Weihe das Wasser mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ; schütze es mit oṃ haḥ astrāya phaṭ, umhülle es mit oṃ haiṃ kavacāya namaḥ und zeige Dhenu mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ.
6.2 Tageszeit, Marjana und Aghamarshana
Morgens wird Sandhyā als rote Brahmī, mittags als helle Vaiṣṇavī, abends als dunkle Rudrī vergegenwärtigt (K 1.16). Die initiationsabhängigen subtilen Formen aus 1.17 werden nach der eigenen Unterweisung verwendet. Diese Wahl ersetzt nicht die folgende Wassersequenz.
Gib mit rechts Wasser in die linke Hand, rezitiere die Saṃhitā einmal und besprenge deinen Kopf mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ. Für die Kumbha-Geste Daumen kreuzen, ihre Spitzen an die gegenüberliegenden Zeigefingerwurzeln legen und die Handflächen zu einer kleinen Schale schließen. Diese Parallelbeschreibung folgt dem im Mudrā-Anhang von S I zitierten Mudrālakṣaṇa.
Gib wiederum mit der Saṃhitā geweihtes Wasser über Kuśa in die linke Hand, fange die herabtropfenden Tropfen mit rechts auf und besprenge damit den Kopf. Rezitiere dabei die elf Saṃhitā-Formeln, jeweils mit vauṣaṭ anstelle von namaḥ. Das ist die im Grundtext ausdrücklich verlangte Änderung der Endung.
Halte das restliche Wasser in der rechten Hand. Stelle dir beim Einatmen links seine reinigende Kraft vor; lasse beim Ausatmen rechts Unreinheit wie dunklen Rauch hinausgehen. Wirf das Wasser nach unten an einen geeigneten Auffangplatz, innerlich auf einen feurigen Vajra-Stein, mit oṃ haḥ astrāya huṃ phaṭ. Es wird kein Wasser durch die Nase eingezogen: Das Ein- und Ausströmen ist im Text eine Vorstellung. Führe nochmals Achamana und Sakalīkaraṇa aus Abschnitt 4–5 aus, umhülle dich unter oṃ haiṃ kavacāya namaḥ mit einigen Tropfen Wasser.
6.3 Gayatri-Arghya und Japa
Vergegenwärtige Sadāśiva in der Sonnenscheibe oder die goldene dreiaugige vierarmige Gayatri mit Segenshand, Schutzhand, Mala und Wassergefäß. Gib dreimal mit beiden gewölbten Händen Wasser dar; sprich bei jeder Gabe:
oṃ tanmaheśāya vidmahe vāgviśuddhāya dhīmahi | tan naḥ śivaḥ pracodayāt ||
„Om. Mögen wir jenen großen Herrn erkennen. Über den in der Rede vollkommen Reinen meditieren wir. Möge Shiva uns anregen und führen.“
Rezitiere dasselbe Mantra anschließend zehnmal (K erlaubt auch siebenmal). Gib danach nochmals dreimal Wasser, jeweils mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā – „Om. Shiva sei diese Gabe dargebracht.“ Damit wird das Japa übergeben.
6.4 Tarpana
Gib zuerst zu jeder der elf Saṃhitā-Formeln eine kleine Wassergabe; ersetze dabei namaḥ durch svāhā. Führe anschließend die folgende vollständige Sammelform des Tarpana aus K 1.18 aus. Das Werk bietet sie selbst als Alternative zu einer längeren Namensliste an; sie ist keine redaktionelle Streichung der Ahnenverehrung.
| Handlung | Mantra | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|
| Wasser über die Fingerspitzen, Kuśa gerade halten. | oṃ hāṃ sarvebhyo mantrebhyaḥ svāhā | Allen Mantras sei diese Gabe dargebracht. |
| Ebenso. | oṃ hāṃ sarvebhyo devebhyaḥ svāhā | Allen Gottheiten sei diese Gabe dargebracht. |
| Wasser über die Fingergelenke; die gegebenenfalls getragene Opferschnur hängt um den Hals. | oṃ hāṃ sarvebhya ṛṣibhyo namaḥ | Verehrung allen Rishis. |
| Wasser über die Wurzeln der kleinen Finger. | oṃ hāṃ sarvebhyo manuṣyebhyo vaṣaṭ | Allen Menschen sei diese Gabe geweiht. |
| Wasser über die zusammengefügten Handwurzeln. | oṃ hāṃ sarvebhyo bhūtebhyo vauṣaṭ | Allen Wesen/Elementen sei diese Weihe dargebracht. |
| Sesamwasser über den Bereich zwischen Daumen und Zeigefinger; Opferschnur, sofern getragen, über die rechte Schulter, Kuśa gebogen. | oṃ hāṃ sarvebhyaḥ pitṛbhyaḥ svadhā | Allen Vätern/Ahnen sei die Ahnengabe geweiht. |
| Ebenso. | oṃ hāṃ sarvābhyo mātṛbhyaḥ svadhā | Allen Müttern sei die Ahnengabe geweiht. |
| Ebenso. | oṃ hāṃ sarvebhyo jñātibhyaḥ svadhā | Allen Angehörigen sei die Ahnengabe geweiht. |
| Ebenso. | oṃ hāṃ sarvebhya ācāryebhyaḥ svadhā | Allen Lehrern sei die Ahnengabe geweiht. |
Lege Kuśa und restliches Wasser mit oṃ haḥ astrāya huṃ phaṭ beiseite. Bringe eine gegebenenfalls getragene Opferschnur in die gewöhnliche Lage zurück. Gib Ganapati und Ambika Wasser: oṃ hāṃ gaṇapataye svāhā – „Ganapati sei diese Gabe dargebracht“; oṃ hāṃ ambikāyai svāhā – „Ambika sei diese Gabe dargebracht“. Hier sind die im Grundtext nur nach ihrem Empfänger bezeichneten Formeln nach dem dortigen Tarpana-Muster ausgeschrieben.
Führe Achamana und Sakalīkaraṇa aus. Nimm das im Wasser vergegenwärtigte Tirtha unter Saṃhāra innerlich zurück. Dafür nennt K den Hrasvaprāsāda; seine Einzelsilbe und Aussprache gehören zur empfangenen Mantraform. In dieser Praxisfassung wird hauṃ verwendet. „Kurz“ bezeichnet nach P zu K 1.6 die Ausdehnung nur bis zum Bindu (bindvantavyāptika), nicht eine beliebige Verkürzung des Vokals; die spätere Uccāra über die oberen Stufen wird hier nicht vollzogen. Die Quelle verlangt keine Ausschüttung des gesamten brauchbaren Wassers.
Rezitiere Mūla anschließend nach der eigenen Vorgabe 100, 50, 25 oder 10 Mal; K nennt diese Wahlmöglichkeiten. Übergib das Japa mit Wasser und oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā. Vedische Savitri und Upasthāna kommen für entsprechend berechtigte Personen nach ihrer eigenen vedischen Schule hinzu; sie sind kein einheitlicher, für jeden gleicher Sanskritblock dieser Shaiva-Paddhati.
7. Shiva-Surya-Puja
Quelle: K 1.20–1.21/P. Sitze nach Osten. Verehrt wird die Sonne als Shiva-Surya; ihre Verehrung bildet einen eigenen abgeschlossenen Ritus vor dem Eintritt zur Shiva-Puja.
7.1 Hände und Körper als Sonnen-Mantrakörper
Reinige Handflächen und Handrücken unter oṃ raḥ astrāya phaṭ – „Om. Der Sonnen-Mantrawaffe: phaṭ.“ Überströme sie innerlich mit oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya vauṣaṭ – „Om. Surya sei diese Weihe dargebracht.“ Setze danach die folgenden Mantras an beiden Händen. Die rechte/linke Wiederholung wird jeweils vollständig gesprochen.
| Handnyasa | Mantra und Übersetzung | Anschließender Körpernyasa |
|---|---|---|
| Daumen, mit dem Zeigefinger berühren | oṃ aṃ hṛdayāya namaḥ „Verehrung dem Herzen.“ |
Herz |
| Kleiner Finger, mit dem Daumen | oṃ aṃ arkāya śirase namaḥ „Verehrung dem Haupt als Arka, Sonne.“ |
Kopf |
| Ringfinger, mit dem Daumen | oṃ aṃ bhūrbhuvaḥsvar oṃ jvālinīśikhāyai namaḥ „Om, Erde, Zwischenraum und Himmel; Verehrung dem flammenden Scheitelbüschel.“ |
Scheitel |
| Mittelfinger, mit dem Daumen | oṃ aṃ hrūṃ kavacāya namaḥ „Verehrung dem Schutzpanzer.“ |
Hals bis Brustmitte umhüllen |
| Handflächen, mit dem Mittelfinger | oṃ bhāṃ bhānunetrābhyāṃ namaḥ „Verehrung den beiden Augen des Strahlenden.“ |
Beide Augen |
| Zeigefinger, mit dem Daumen | oṃ raḥ astrāya phaṭ „Der Mantrawaffe: phaṭ.“ |
Handflächen |
Lesung: Die Augenformel schwankt innerhalb K 1.20 zwischen hāṃ und bhāṃ; diese Fassung verwendet durchgehend das dort bei Suryas Augen ausdrücklich geschriebene bhāṃ. Die Darśanārghya-Zeile hat srāṃ statt hrāṃ; für diese zusammenhängende Rezitation wird das im selben Abschnitt klar genannte Mūla hrāṃ hrīṃ saḥ verwendet. Das ist eine redaktionelle Lesentscheidung.
Umhülle die Hände mit dem Sonnen-Kavaca, füge sie zusammen und sprich oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya vauṣaṭ. Vollziehe den Körpernyasa aus der letzten Tabellenspalte: Herz, Haupt und Scheitel mit Daumen und Ringfinger; Kavaca mit den beiden Zeigefingern; Augen mit Zeige- und Mittelfinger; Astra auf den Handflächen. Schütze die zehn Richtungen mit oṃ raḥ astrāya phaṭ und durchziehe den ganzen Körper in Mahāmudrā mit dem Sonnen-Mūla. Stelle dich als vom Sonnenlicht durchdrungen vor.
7.2 Sonnen-Arghya und Lotusplatz
Gib Wasser und eine rote Blüte in eine möglichst kupferne Schale. Knie nieder, hebe sie bis in Kopfhöhe und gib das Wasser dar mit oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya namaḥ – „Om. Verehrung Surya.“ Rezitiere dasselbe Mantra einige Male. Blicke dabei nicht direkt in die Sonne; die innere Sonnenscheibe ist das Meditationsbild.
Reinige die Arghya-Schale mit oṃ raḥ astrāya phaṭ. Fülle Duftwasser ein und sprich oṃ khaṃ khaṣolkāya namaḥ – „Om. Verehrung der im Himmelsraum leuchtenden Sonnenflamme.“ Stelle dir den roten Stirnlichtpunkt als Ursprung eines Nektarstroms vor. Setze die sechs Sonnen-Gliedmantras und das Sonnen-Mūla ins Wasser; schütze mit Astra, umhülle mit Kavaca, nektarisiere mit Dhenu und Sonnen-Mūla. Besprenge Materialien, Körper und Lotusplatz unter dem Sonnen-Astra; lege mit derselben Formel eine Blüte zur Beseitigung von Hindernissen außerhalb des Platzes ab.
7.3 Tor, Helfer und Sonnenthron
Die folgenden Gaben erfolgen am Sonnenlotus; SE = Südosten, SW = Südwesten, NW = Nordwesten, NO = Nordosten.
| Platz/Handlung | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Rechte Torseite | oṃ aṃ daṇḍine namaḥ „Verehrung Dandin, dem Stabträger.“ |
| Linke Torseite | oṃ aṃ piṅgalāya namaḥ „Verehrung Pingala.“ |
| NO des Lotus | oṃ aṃ gaṇapataye namaḥ „Verehrung Ganapati.“ |
| SE des Lotus | oṃ aṃ gurubhyo namaḥ „Verehrung den Gurus.“ |
| Mitte: weißer Sitz | oṃ aṃ prabhūtāsanāya namaḥ „Verehrung dem machtvollen/voll entfalteten Sitz.“ |
| SE: weißer Löwe | oṃ aṃ vimalāya namaḥ „Verehrung dem Makellosen.“ |
| SW: roter Löwe | oṃ aṃ sārāya namaḥ „Verehrung dem Wesentlichen.“ |
| NW: gelber Löwe | oṃ aṃ ārādhyāya namaḥ „Verehrung dem zu Verehrenden.“ |
| NO: grüner Löwe | oṃ aṃ paramasukhāya namaḥ „Verehrung dem höchsten Glück.“ |
| Darüber: weißer Lotus | oṃ aṃ padmāya namaḥ „Verehrung dem Lotus.“ |
| Lotusplatz | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Osten | oṃ rāṃ dīptāyai namaḥ „Verehrung der Strahlenden.“ |
| SE | oṃ rīṃ sūkṣmāyai namaḥ „Verehrung der Feinen.“ |
| Süden | oṃ ruṃ rujāyai namaḥ „Verehrung Ruja.“ |
| SW | oṃ rūṃ bhadrāyai namaḥ „Verehrung der Glückverheißenden.“ |
| Westen | oṃ reṃ vibhūtyai namaḥ „Verehrung der Herrlichkeit.“ |
| NW | oṃ raiṃ vimalāyai namaḥ „Verehrung der Makellosen.“ |
| Norden | oṃ roṃ amoghāyai namaḥ „Verehrung der Unfehlbaren.“ |
| NO | oṃ rauṃ vidyutāyai namaḥ „Verehrung der Blitzenden.“ |
| Mitte, etwas NO | oṃ raḥ sarvatomukhyai namaḥ „Verehrung der nach allen Seiten Gewandten.“ |
Stelle die neun Kräfte als leuchtende Flammen oder rote, geschmückte Göttinnen mit Lotus und Fliegenwedel vor. Zeige Visphurā. Gib in der Mitte eine Blüte mit oṃ aṃ arkāsanāya namaḥ – „Verehrung dem Sitz der Sonne.“
7.4 Gestalt, Anrufung und Gaben
Stelle Surya auf weißem Lotus vor, rot wie die Granatapfelblüte, in einer runden strahlenden Scheibe, mit einem Gesicht, zwei Augen und zwei Händen, die langstielige weiße Lotusse an den Schultern halten; er trägt Rot.
Gib eine Blüte mit oṃ khaṃ khaṣolkāya sūryamūrtaye namaḥ – „Verehrung der Sonnengestalt, der im Himmel leuchtenden Flamme.“ Setze die Augen mit oṃ bhāṃ bhānunetrābhyāṃ namaḥ. Nimm Blumen in Añjali, vergegenwärtige das rote Licht aus deiner Stirn darin und sprich oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya namaḥ. Lege die Blumen in der Mitte ab. Zeige Āvāhanī, Sthāpanī, Sannidhānī und Niṣṭhurā; sprich zu jeder Geste oṃ khaṃ khaṣolkāya namaḥ. Diese Wiederholung ist die ausgeschriebene Anwendung der Grundtextanweisung „mit dem Upahṛdaya“.
Setze die sechs Sonnengliedmantras an der visualisierten Gestalt; verbinde alles mit dem Sonnen-Mūla zur Einheit. Astra schützt, Kavaca umhüllt, Dhenu nektarisiert, Mahāmudrā besiegelt die Einheit.
Gib nacheinander:
- Fußwasser: oṃ khaṃ khaṣolkāya namaḥ – „Verehrung Khasholka.“
- Mundwasser: oṃ khaṃ khaṣolkāya svadhā – „Khasholka sei diese erquickende Gabe geweiht.“
- Arghya am Haupt: oṃ khaṃ khaṣolkāya svāhā – „Khasholka sei diese Gabe dargebracht.“
- Blüten, Dūrvā und Reiskörner: oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya vauṣaṭ – „Surya sei diese Weihe dargebracht.“
Vollziehe ein kleines Bad beziehungsweise besprenge die Darstellung unter oṃ khaṃ khaṣolkāya namaḥ. Vergegenwärtige Salbung und vollständiges Bad; schmücke mit roter Blüte und Duft. Gib drei Blumen-Anjalis, jedes Mal oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya namaḥ, anschließend Arghya. Zeige Padma und Bimba.
7.5 Sonnenglieder und Planeten
Bitte innerlich um Erlaubnis, Suryas Glieder im Kreis zu verehren. Übertrage aus seinem Herz das Herzglied nach SE, aus dem Haupt das Hauptglied nach NO, das Scheitelglied nach SW, Kavaca nach NW, Netra vor Surya und Astra an die vier Hauptrichtungen. Gib an jedem Platz eine Blüte mit dem zugehörigen ausgeschriebenen Sonnenmantra aus 7.1. Stelle die Glieder rot, freundlich, geschmückt und zweiarmig mit Lotus und Segenshand vor; Astra erscheint blitzartig und wehrhaft. Zeige zu den ersten vier Dhenu, zu Netra Goviṣāṇa, zu Astra Trāsinī. Gib Arghya.
Verehre dann die acht übrigen Grahas an den Lotusspitzen:
| Platz | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Osten | oṃ saṃ somāya namaḥ „Verehrung Soma, dem Mond.“ |
| Süden | oṃ buṃ budhāya namaḥ „Verehrung Budha, Merkur.“ |
| Westen | oṃ bṛṃ bṛhaspataye namaḥ „Verehrung Brihaspati, Jupiter.“ |
| Norden | oṃ bhaṃ bhārgavāya namaḥ „Verehrung Bhargava, Venus.“ |
| SE | oṃ aṃ aṅgārakāya namaḥ „Verehrung Angaraka, Mars.“ |
| SW | oṃ śaṃ śanaiścarāya namaḥ „Verehrung Shanaishchara, Saturn.“ |
| NW | oṃ raṃ rāhave namaḥ „Verehrung Rahu.“ |
| NO | oṃ kaṃ ketave namaḥ „Verehrung Ketu.“ |
Soma ist weiß, Budha goldfarben, Brihaspati gelb, Bhargava milchweiß, Angaraka rot, Shani dunkelblau, Rahu schwarz, Ketu rauchfarben. Zeige Namaskāra, gib Arghya. Bringe Räucherwerk, Licht, Speise, Trinkwasser, Tāmbūla und, wo vorhanden, Spiegel, Schirm und Wedel dar. Sprich zu jeder Gabe oṃ khaṃ khaṣolkāya namaḥ; für die Speise kann die im Abschnitt verwendete Darbringungsendung svāhā gesprochen werden. Dazwischen Mundwasser mit svadhā und Arghya mit svāhā wie in 7.4.
7.6 Japa, Lob und Abschluss
Rezitiere oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya namaḥ nach Vermögen; als konkrete redaktionelle Zählwahl werden hier 100 Wiederholungen und danach je zehn Wiederholungen der sechs Sonnengliedmantras verwendet. K schreibt die Mūla-Zahl nicht fest, wohl aber ein Zehntel für die Glieder. Übergib das Sonnen-Japa mit Wasser und oṃ hrāṃ hrīṃ saḥ sūryāya svāhā; übergib anschließend auch das Glieder-Japa.
K enthält einen Sonnen-Lobvers, dessen letzte Zeilen digital beschädigt sind. Als eindeutig gekennzeichnete zusätzliche Rezitation kann an dieser Stelle der klassische Sonnenvers aus dem Navagraha-Stotra gesprochen werden:
japākusumasaṃkāśaṃ kāśyapeyaṃ mahādyutim | tamorim sarvapāpaghnaṃ praṇato'smi divākaram ||
„Ich verneige mich vor dem Tagesschöpfer, dem Nachkommen Kashyapas, der wie die Hibiskusblüte leuchtet, von großer Strahlkraft ist, der Finsternis Feind und Vernichter allen Übels.“ Dieser Ersatzvers ist nicht Aghoraśivas eigener Sonnen-Lobvers. Als quellentreue Alternative ohne Ergänzung kann dessen Meditationsinhalt aus 7.4 still vergegenwärtigt werden.
Verneige dich und gib das abschließende Arghya mit oṃ khaṃ khaṣolkāya svāhā. Sprich kṣamasva – „Verzeihe.“ Nimm die äußeren Glied- und Planetengestalten mit Nārāca und oṃ raḥ astrāya huṃ phaṭ zurück, vereinige sie unter oṃ khaṃ khaṣolkāya sūryamūrtaye namaḥ mit Surya und führe dessen Gegenwart mit dem Sonnen-Mūla in den Shiva-Surya des Herzens zurück.
Verehre im NO Tejaścaṇḍa, den Empfänger der Sonnen-Opferreste: oṃ aṃ tejaścaṇḍāya namaḥ – „Verehrung Tejashchanda.“ Gib ihm Arghya und die abgenommenen Blüten und Gaben. K 1.21 erlaubt seinen Abschluss hier oder zusammen mit der späteren Caṇḍa-Verehrung. Hier wird er zum Abschluss dieser Sonnenpuja verabschiedet. Wasche Hände und Füße, führe Achamana aus und wende dich dem Shiva-Platz zu.
8. Türverehrung und Eintritt in den Shiva-Raum
Quelle: K 1.22–1.25. Besprenge den Eingang mit gewöhnlichem Arghya unter oṃ haḥ astrāya phaṭ. Gib kleine Blüten an die folgenden Stellen. Rechts und links sind hier von deinem Standort vor dem Eingang aus zu verstehen; bei fehlendem baulichem Tor wird ein entsprechender Eingang am Puja-Platz innerlich vorgestellt.
| Stelle | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Oben rechts | oṃ hāṃ gaṇapataye namaḥ „Verehrung Ganapati.“ |
| Oben links | oṃ hāṃ sarasvatyai namaḥ „Verehrung Sarasvati.“ |
| Oben in der Mitte | oṃ hāṃ mahālakṣmyai namaḥ „Verehrung Mahalakshmi.“ |
| Rechter Pfosten | oṃ hāṃ nandine namaḥ „Verehrung Nandin.“ |
| Beim rechten Pfosten | oṃ hāṃ gaṅgāyai namaḥ „Verehrung Ganga.“ |
| Linker Pfosten | oṃ hāṃ mahākālāya namaḥ „Verehrung Mahakala.“ |
| Beim linken Pfosten | oṃ hāṃ yamunāyai namaḥ „Verehrung Yamuna.“ |
Schaue nach oben und sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ; denke die himmlischen Hindernisse als aufgelöst. Gib eine Blüte in den mittleren Raum mit oṃ aḥ astrāya phaṭ – „Om. Der Mantrawaffe: phaṭ.“ Hier steht in K 1.23 tatsächlich aḥ; die Stelle wird nicht stillschweigend in haḥ verwandelt. Stampfe dreimal leicht mit der Ferse und sprich oṃ huṃ phaṭ – die beiden Schutzlaute zur Beseitigung der erdgebundenen Hindernisse.
Tritt mit dem rechten Fuß ein, ohne auf die Schwelle zu treten, und weihe die Schwelle: oṃ haḥ astrāya dvārapālāya namaḥ – „Verehrung der Mantrawaffe als Hüter des Eingangs.“ Verehre im SW den Raumherrn mit oṃ hāṃ vāstvadhipataye brahmaṇe namaḥ – „Verehrung Brahma, dem Herrn des Wohn- und Ritualortes.“ Reinige die Gefäße mit Astra, fülle sie unter dem Herzmantra mit Wasser. Sitze südlich des Lingams nach Norden. Schütze den Raum mit Astra und Kavaca; beginne die innere Reinigung.
9. Bhutashuddhi: Auflösung und Neuaufbau
Quelle: K 1.26/P. Hier wird die ausführliche Element-Reinigungsfolge gewählt. Die im Werk ebenfalls gebotene Vorstellung des Körpers als zu verbrennender Baum ist eine Alternative und wird nicht zusätzlich verlangt.
9.1 Den inneren Weg öffnen und den Jiva zu Shiva führen
Führe zunächst den Handnyasa aus Abschnitt 5 aus. Stelle dir Suṣumṇā als hohlen Lichtweg vor: von den beiden großen Zehen zunächst zweifach zum unteren Rumpf, dann als einen Weg bis zur Kopföffnung, verbunden mit Iḍā und Piṅgalā. Die Lotusse sind zunächst abwärts gerichtet. Innen und außen fließt der Nektar der höchsten Shakti. In der Mitte leuchtet hūṃ als Zeichen des Jiva.
Atme nach deiner Unterweisung ein, sammle den Atem, führe ihn innerlich aufwärts. Sprich innerlich hūṃ phaṭ; denke die Lotusse nach oben geöffnet und die Knoten gelöst. Atme rechts aus. Sammle beim folgenden Einatmen den Jiva als feinen sternartigen Lichtpunkt im Herzlotus. Hebe ihn mit der Saṃhāra-Geste auf dem inneren Weg über die begrenzenden Ursachen hinaus zu Shiva im Dvādaśānta:
oṃ hūṃ hāṃ haṃ hāṃ hūṃ ātmane namaḥ
„Om. Verehrung dem Selbst.“ Die Bija-Folge wird unverändert gesprochen.
9.2 Die Tattvas in ihre Ursachen zurücknehmen
Vollziehe diese Folge innerlich; K gibt hierfür keinen zusätzlichen Satz von 36 einzeln zu rezitierenden Tattva-Mantras vor. Deshalb wird kein solcher Satz erfunden.
- Erde geht in Geruch, Wasser in Geschmack, Feuer in sichtbare Form, Luft in Berührung, Raum in Klang ein.
- Diese fünf subtilen Sinnesqualitäten gehen in den tamasischen Ahaṃkāra ein; Sprechen, Greifen, Gehen, Ausscheiden und Fortpflanzen in den rajasischen Ahaṃkāra; Hören, Tasten, Sehen, Schmecken, Riechen und Manas in den sattvischen Ahaṃkāra.
- Ahaṃkāra geht in Buddhi ein; Buddhi in die Guṇas; die Guṇas in Prakṛti.
- Prakṛti, Rāga und die begrenzte Vidyā gehen in Kalā ein. Puruṣa, Kāla, Niyati und Kalā werden in Māyā zurückgenommen.
- Die reinen Ebenen werden von Śuddhavidyā zu Īśvara, Sadāśiva, Shakti und Shiva zurückgeführt, zuletzt in den unerschütterten Bindu.
Die Vorlage springt zwischen der Auflösung der Māyā-Ebenen und der reinen Reihe, ohne hier jede philosophische Zwischenrelation auszuformulieren. Die Darstellung bewahrt diese Grenze. Sie ist keine Behauptung, die gebundene Seele werde durch einen vorgestellten Vorgang ontologisch vernichtet.
9.3 Fünf Element-Mandalas reinigen
Stelle jeweils das gesamte körperliche Feld unter dem genannten Elementbild vor. Die Zahl bezeichnet die in K geforderten Udghātas, die inneren Ausstoßungs- beziehungsweise Aufstiegsimpulse. Ihr Atemvollzug folgt der Unterweisung; die Zählung verlangt keine gewaltsamen Atemstöße.
Textstatus der Mantras: Nur die Nivṛtti-Formel ist in K vollständig ausgeschrieben. Die vier weiteren Formeln unten sind aus den unmittelbar folgenden Angaben zu Bija, Kalā und Wiederholungszahl parallel ergänzt. Die Ergänzung ist nachvollziehbar, bleibt aber eine Rekonstruktion der ausgeschriebenen Anwendung.
| Elementbild und Zuordnung | Mantra | Bedeutung und Vollzug |
|---|---|---|
| Erde: gelbes Quadrat, Vajra-Zeichen; Brahma, Sadyojata, Nivṛtti. | oṃ hlāṃ hlāṃ hlāṃ hlāṃ hlāṃ nivṛttikalāyai haḥ huṃ phaṭ | Der Kraft des Rückzugs, Nivritti, gilt die Anrufung. Fünf Impulse lösen Geruch, Geschmack, Form, Berührung und Klang; das Erdfeld wird von der gegensätzlichen Luft überformt. |
| Wasser: weißer Halbmond, Lotuszeichen; Vishnu, Vamadeva, Pratiṣṭhā. | oṃ hrīṃ hrīṃ hrīṃ hrīṃ pratiṣṭhākalāyai haḥ huṃ phaṭ | Der Kraft der Gründung, Pratishtha, gilt die Anrufung. Vier Impulse lösen Geschmack, Form, Berührung und Klang; Wasser wird vom entgegengesetzten Feuer überformt. |
| Feuer: rotes Dreieck, Svastika-Zeichen; Rudra, Aghora, Vidyā. | oṃ hrūṃ hrūṃ hrūṃ vidyākalāyai haḥ huṃ phaṭ | Der Kraft der Erkenntnis, Vidya, gilt die Anrufung. Drei Impulse lösen Form, Berührung und Klang; Feuer wird vom entgegengesetzten Wasser überformt. |
| Luft: schwarzes Sechseck mit sechs Punkten; Ishvara, Tatpurusha, Śānti. | oṃ hyaiṃ hyaiṃ śāntikalāyai haḥ huṃ phaṭ | Der Kraft des Friedens, Shanti, gilt die Anrufung. Zwei Impulse lösen Berührung und Klang; Luft wird von der entgegengesetzten Erde überformt. |
| Raum: kristallklare Weite mit Bindu und Shakti; Sadashiva, Ishana, Śāntyatītā. | oṃ hauṃ śāntyatītakalāyai haḥ huṃ phaṭ | Der Kraft jenseits des Friedens gilt die Anrufung. Ein Impuls löst die Klangqualität; begrenzter Raum geht in höchste, reine Weite ein. |
Stelle anschließend vor, dass das am großen Zeh aufsteigende Feuer des Astra die restlichen Unreinheiten verzehrt. Sprich oṃ haḥ astrāya phaṭ. Lasse dann vom abwärts gewandten höchsten Lotus Nektar in alle inneren Wege strömen und sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ.
9.4 Reiner Körper und Rückkehr
Im Herzen entsteht ein reiner Lotus mit Stiel, Blättern und Fruchtboden als Sitz der reinen Erkenntnis. Verbinde dies mit oṃ, in seinen drei Lautteilen a–u–m innerlich entfaltet. Stelle darauf die gereinigte Puryaṣṭaka, den subtilen individuellen Träger, mit dem vierfach betrachteten Pranava a–u–m–Bindu vor. Führe den in Shiva gesammelten Jiva beim Einatmen mit dem fünfteiligen Pranava a–u–m–Bindu–Nāda in diesen Herzlotus zurück. Diese Lautglieder sind Meditationsglieder des Om, keine fünf neu angehängten Wörter. Die Zuordnung erläutert K/P; die konkrete Uccāra-Technik bleibt unterweisungsabhängig.
Lasse den Shakti-Nektar den neu vergegenwärtigten Leib erfüllen: oṃ hauṃ śaktaye vauṣaṭ – „Om. Der göttlichen Kraft sei diese Weihe dargebracht.“ Führe anschließend den Körpernyasa aus Abschnitt 5 vollständig aus. Der gereinigte Körper ist nun das bewusste Instrument der Verehrung.
10. Innere Puja, inneres Homa und Sammlung
Quelle: K 1.27. Vergegenwärtige im Herzen den vollständigen Thron und Sadashiva, wie in Abschnitt 14–17 beschrieben. Führe dort innerlich dieselbe Folge von Sitz, Gestalt, Anrufung, Fußwasser, Mundwasser, Arghya, Duft, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise aus. Verwende mental die jeweiligen unten ausgeschriebenen Mantras. Die Anweisung, die nachfolgende äußere Folge vorher innerlich zu vollziehen, stammt aus K; beim ersten Lesen deshalb zunächst den ganzen Hauptteil kennenlernen.
Stelle im Nabel ein natürlich vorhandenes Opferfeuer vor. Verbinde dessen Erkenntnisfeuer über Suṣumṇā und Herz mit dem Dvādaśānta; es leuchtet wie viele Sonnen. Verehre Shiva darin. Ziehe beim Einatmen den Nektar aus dem Bindu herab und bringe ihn als inneres Ghee dar, mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā – „Om. Shiva sei diese Gabe dargebracht.“ K legt hier keine universelle Opferzahl fest. Widme die innere Puja und das innere Homa Shiva.
Meditiere sodann auf Ishvara im Bindu, als nach allen Seiten leuchtenden Sternpunkt. Bitte in eigenen Worten: „Ich möchte dich nun äußerlich verehren.“ Vergegenwärtige seine Zustimmung. Diese freie Bitte ist eine deutsche Umsetzung der Handlungsanweisung, kein angeblich überlieferter Sanskritvers.
11. Raum, besonderes Arghya, Gaben, Selbst und Mantras reinigen
Quelle: K 1.28–1.32.
Raum: Klatsche dreimal leicht in die linke Handfläche, schnippe in die Richtungen und sprich jeweils oṃ haḥ astrāya phaṭ. Stelle eine feurige Schutzmauer vor. Ziehe mit dem rechten Zeigefinger drei Kreise unter oṃ haiṃ kavacāya namaḥ und stelle schützende Umgrenzungen vor. Zeige Dhenu und sprich oṃ hāṃ hauṃ śaktaye namaḥ – „Om. Verehrung der göttlichen Kraft“; denke ein Lichtnetz über und unter dem Ort.
Besonderes Arghya: Reinige das Gefäß mit Astra. Fülle es mit sauberem Wasser unter oṃ hāṃ hṛdayāya vauṣaṭ. Gib Sandel, eine Blüte, Dūrvā und einige Reiskörner hinein. Setze nacheinander Sitz, Gestalt, die fünf Brahmamantras, Vidyādeha, Netra, Mūla, die fünf Gliedmantras und nochmals Mūla in das Wasser; sämtliche Formeln stehen in Abschnitt 2. Rezitiere die Saṃhitā, schütze mit Astra, umhülle mit Kavaca, zeige Dhenu und sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ. Besprenge dich selbst mit einigen Tropfen unter Astra.
Materialien: Besprenge Blumen und Gaben mit Astra. Besprenge sie anschließend mit Kavaca; weihe sie mit dem Herzmantra, umhülle nochmals mit Kavaca und nektarisiere mit Dhenu. Gib je einen Arghya-Tropfen und eine Blüte auch in die Badewassergefäße. Es genügt nicht, das Arghya herzustellen und die eigentlichen Gaben ungeweiht daneben stehen zu lassen.
Selbstverehrung: Lege eine Blüte auf deinen Sitz mit oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ; setze im Herzen oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ. Trage Sandel an der Stirn auf und lege mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ eine Blüte an deinen Kopf. Wahre von nun an das mit der Puja vereinbare Schweigen.
Mantrareinigung: K verlangt die Rezitation der mit Om beginnenden und mit Namaḥ endenden Mantras mit kurzem, langem und pluta-Om. Sprich deshalb den Mantrasatz aus Abschnitt 2 in drei Durchgängen; ändere nur die Dauer des einleitenden Om nach deiner Unterweisung, nicht die Bija-Vokale. Pluta bezeichnet die dreimorige Dehnung, nicht ein geschriebenes neues „oṃoṃoṃ“. Das ist die Mantrareinigung; sie kommt vor dem ausgiebigen Lingabad.
12. Nirmalya abnehmen und ausführliches Abhisheka
Quelle: K 1.33/P. Der vollständige Thron und die große Anrufung folgen erst danach.
12.1 Vorherige Verehrung würdigen
Verehre die bisherige Blumengabe mit der Shiva-Gayatri aus 6.3. Gib Arghya, Räucherwerk und Licht. Für das Arghya wird die Verbindung des Herz- und Mūla-Mantras so ausgeschrieben:
oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ | oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā ||
„Verehrung dem göttlichen Herzen. Shiva sei diese Gabe dargebracht.“ Sahṛdā mūlena, „mit dem durch das Herzmantra begleiteten Mūla“, wird hier als Folge zweier ganzer Formeln erläutert; abweichende gelernte Saṃpuṭa-Verbindungen bleiben möglich.
Berühre die fünf innerlich zugeordneten Häupter mit den fünf Brahmamantras in der Reihenfolge Sadyojata, Vamadeva, Aghora, Tatpurusha, Ishana. Nimm die alten Blüten mit oṃ haḥ astrāya phaṭ ab. Lege sie mit oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ in das saubere Gefäß im NO für Canda. Halte dabei eine frische Blüte bereit, damit das Lingam nicht völlig ohne Blumengabe bleibt. Reinige Lingam und Pīṭha mit Wasser unter Astra.
Bei einem beweglichen persönlichen Lingam: Stelle es jetzt an seinen Badeplatz. Verehre es vor dem Bad mit den folgenden acht Blüten. K/P erklärt gerade diesen kleineren Anrufungsumfang als zum Bad passend.
12.2 Ashtapushpika: acht Blüten
Gib für jede Zeile eine Blüte; denke den Sitz unter dem Lingam, die Gestalt im Lingam, Shiva in ihrer Mitte, dann die fünf Schutzglieder an deren Körperorten. Diese acht Gaben kehren später wieder; sie sind keine acht beliebigen Shiva-Namen.
| Gabe | Mantra und Bedeutung |
|---|---|
| 1 | oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ „Verehrung dem Sitz Shivas.“ |
| 2 | oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ „Verehrung der Gestalt Shivas.“ |
| 3 | oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ „Verehrung Shiva.“ |
| 4 | oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ „Verehrung dem Herzen.“ |
| 5 | oṃ hīṃ śirase namaḥ „Verehrung dem Haupt.“ |
| 6 | oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ „Verehrung dem Scheitelbüschel.“ |
| 7 | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ „Verehrung dem Schutzpanzer.“ |
| 8 | oṃ haḥ astrāya namaḥ „Verehrung der Mantrawaffe.“ |
Netra ist in dieser Acht ausdrücklich nicht enthalten. Gib Arghya und Räucherwerk; nimm die für den Badablauf störenden Blüten unter Astra ab und halte eine frische Kopfgabe bereit.
12.3 Die Bäder tatsächlich ausführen
Bade zuerst mit reinem Wasser unter oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ. Wenn Pañcāmṛta vorhanden ist, verwende es. P beschreibt eine Mischung aus Milch, Joghurt, Ghee, Zucker und Honig mit Duftwasser; eine Fruchtvariante fügt Banane, Jackfrucht und Mango hinzu. Es ist nicht erforderlich, beide Mischungen nacheinander zu verwenden.
P nennt außerdem eine aus dem Kāraṇāgama übernommene große Badfolge. Wenn diese erweiterte Ausführung gewählt wird, lautet sie:
- duftendes Öl zur Salbung;
- Pañcagavya nach der eigenen Überlieferung;
- Pañcāmṛta;
- Ghee;
- Milch;
- Joghurt;
- Honig;
- Zuckerrohrsaft;
- Fruchtsaft;
- Kokoswasser;
- Duftwasser;
- abschließendes klares Wasserbad.
Die Erwähnung des Pañcagavya dokumentiert eine traditionelle Badsubstanz; es wird hier weder zum Trinken angeboten noch improvisiert zusammengesetzt. K sagt ausdrücklich „wenn vorhanden“ und bindet die tägliche Puja nicht an alle zwölf Stoffe. Eine vollständige tägliche Ausführung mit Wasser und verfügbaren erlaubten Substanzen ist deshalb nicht schon eine gekürzte Thron- oder Mantraliturgie.
Bei jedem Badstoff: Sprich das Mūla-Mantra, gieße eine angemessene kleine Menge über das Lingam, spüle anschließend mit Wasser, bringe Räucherwerk und die acht Blüten aus 12.2 dar. Vor dem nächsten Bad entferne die störenden Blüten unter Astra. Lass eine frische Kopfgabe folgen. Entferne Öligkeit nötigenfalls schonend mit der im Kommentar genannten geeigneten Mehlpaste und spüle gründlich; der Werkstoff des Lingams bestimmt, ob dies möglich ist.
12.4 Mantrisches Schlussbad
Gieße klares, angenehm kühles, gegebenenfalls duftendes Wasser:
- Rezitiere oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ fünfmal, mit gleichmäßigem Wasserfluss.
- Rezitiere die fünf Brahmamantras aus Abschnitt 2, je einmal, und danach die fünf Gliedmantras; Netra kann als ausdrücklich gesondertes Augenmantra angeschlossen werden.
- Rezitiere den vollständigen Vyomavyāpin aus Abschnitt 30 mit der dort erklärten Schlussendung svāhā. Lasse dabei einen feinen Wasserstrom fließen. Eine perforierte Abhisheka-Schale verwirklicht die genannte Sahasradhārā, die Vielstrahldusche; eine neue tausendfache Mantrazählung ist damit nicht angeordnet.
- Ist ein ordnungsgemäß vorbereiteter Shiva-Kalasha vorhanden, verwende auch dessen Duftwasser. Ein bloß gefülltes Gefäß wird hier nicht als bereits konsekrierter Kalasha ausgegeben.
- Gib zuletzt Arghya-Wasser mit oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ. Trockne mit sauberem weißem Tuch unter oṃ haiṃ kavacāya namaḥ. Stelle das bewegliche Lingam auf den endgültigen Pīṭha.
Damit sind die fünf Reinigungen – Selbst, Ort, Materialien, Mantras und Lingam – abgeschlossen. Wende dich zur Hauptverehrung nach Norden.
13. Ganapati, Mahalakshmi und Guru-Linie
Quelle: K 1.34. Verehre am Pīṭha:
- im NW den nach Süden gewandten Ganapati: oṃ hāṃ gaṇapataye namaḥ – „Verehrung Ganapati“;
- im Norden die nach Süden gewandte Mahalakshmi, hier als Shiva-Shakti verstanden: oṃ hāṃ mahālakṣmyai namaḥ – „Verehrung Mahalakshmi“;
- im NO die Guru-Linie: oṃ hāṃ sadāśivādigurubhyo namaḥ – „Verehrung den Gurus, beginnend mit Sadashiva“.
Vergegenwärtige die sieben im Text genannten Gurus: Sadashiva, Ananta, Shrikantha, Ambika, Skanda, Vishnu und Brahma. Gib jedem der drei Verehrungsplätze Arghya, Sandel, Blumen, Räucherwerk und Licht unter der jeweils genannten Formel.
Bitte um Zustimmung, Shiva zu verehren. K enthält hierzu einen digital beschädigten Vers. Statt dessen Worte ungesichert zu ergänzen, wird hier seine klare Handlungsabsicht deutsch ausgesprochen: „Ganapati, Mahalakshmi und ehrwürdige Lehrer, gestattet mir, den Herrn der Welt mit den mir verfügbaren Mitteln zu verehren.“ Dies ist eine redaktionelle Gebetsfassung.
14. Der vollständige Mantrathron
Quelle: K 1.35. Baue den Thron innerlich von unten nach oben auf; lege zu jedem Mantra eine Blüte oder einige Blütenblätter am Pīṭha ab. Die folgenden Namen bezeichnen Schichten und Kräfte desselben Throns, nicht eine Reihe zusätzlicher äußerer Idole.
14.1 Unterlage, Ananta und die acht Träger
Unter dem Pīṭha stelle die tragende Shakti milchweiß vor, auf der Schildkrötenbasis, mit Schlinge, Haken, Schutz- und Segenshand. Darüber steigt Anantas Lotus von der Erde durch die kosmischen Ebenen auf; in ihm Ananta, rein und weiß.
| Schicht/Platz | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Unterste tragende Kraft | oṃ hāṃ ādhāraśaktaye namaḥ „Verehrung der tragenden göttlichen Kraft.“ |
| Darüber | oṃ hāṃ anantāsanāya namaḥ „Verehrung dem Sitz Anantas.“ |
| Darin | oṃ hāṃ anantāya namaḥ „Verehrung Ananta, dem Unendlichen.“ |
| SE, Löwenträger | oṃ hāṃ dharmāya namaḥ „Verehrung der rechten Ordnung.“ |
| SW, Löwenträger | oṃ hāṃ jñānāya namaḥ „Verehrung der Erkenntnis.“ |
| NW, Löwenträger | oṃ hāṃ vairāgyāya namaḥ „Verehrung der Leidenschaftslosigkeit.“ |
| NO, Löwenträger | oṃ hāṃ aiśvaryāya namaḥ „Verehrung der souveränen Kraft.“ |
| Osten, untergeordneter Träger | oṃ hāṃ adharmāya namaḥ „Verehrung dem als Träger eingeordneten Gegenprinzip der rechten Ordnung.“ |
| Süden | oṃ hāṃ ajñānāya namaḥ „Verehrung dem eingeordneten Prinzip der Unwissenheit.“ |
| Westen | oṃ hāṃ avairāgyāya namaḥ „Verehrung dem eingeordneten Prinzip der Verhaftung.“ |
| Norden | oṃ hāṃ anaiśvaryāya namaḥ „Verehrung dem eingeordneten Prinzip der Unfreiheit.“ |
Die letzten vier sind keine Aufforderung zu unrechtem Handeln: In der Thronvorstellung liegen auch begrenzende Kräfte unter Shivas Herrschaft. K beschreibt Löwen und weitere Trägergestalten als kosmische Stützen.
14.2 Bedeckungen und Lotus
Lege gedanklich eine rote untere und eine weiße obere Bedeckung auf. Die Formel der unteren ist digital beschädigt; oṃ hāṃ adhaśchādanāya namaḥ ist die hier kenntlich gemachte parallele Ergänzung zur oberen Formel. Der ungewöhnlich geschriebene Text der oberen wird orthographisch vereinheitlicht.
| Schicht | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Untere rote Decke – ergänzt | oṃ hāṃ adhaśchādanāya namaḥ „Verehrung der unteren Bedeckung.“ |
| Obere weiße Decke | oṃ hāṃ ūrdhvacchādanāya namaḥ „Verehrung der oberen Bedeckung.“ |
| Lotusknolle, rubinfarben | oṃ hāṃ kandāya namaḥ „Verehrung der Knolle.“ |
| Keim | oṃ hāṃ bījāya namaḥ „Verehrung dem Samen.“ |
| Spross, korallenfarben | oṃ hāṃ aṅkurāya namaḥ „Verehrung dem Spross.“ |
| Stiel, dunkelblau | oṃ hāṃ nālāya namaḥ „Verehrung dem Stiel.“ |
| Blätter, silbrig | oṃ hāṃ dalebhyo namaḥ „Verehrung den Lotusblättern.“ |
| Staubfäden, golden mit perlenartigen Spitzen | oṃ hāṃ kesarebhyo namaḥ „Verehrung den Staubfäden.“ |
| Goldener Fruchtboden | oṃ hāṃ karṇikāyai namaḥ „Verehrung dem Fruchtboden.“ |
| Samen auf dem Fruchtboden | oṃ hāṃ bījebhyo namaḥ „Verehrung den Samen.“ |
| Gesamter Lotus | oṃ hāṃ padmāya namaḥ „Verehrung dem Lotus.“ |
Die acht Lotusblätter stehen für acht Vidyeshvaras. Der Fruchtboden trägt im Text die Symbolik der fünfzig Lautkeime und vierundsechzig Staubfäden. Es sind an dieser Stelle keine fünfzig zusätzlichen Einzelmantras angeordnet.
14.3 Die neun Thron-Shaktis
Setze die acht Kräfte an die Staubfadenbereiche, von Osten über SE im Uhrzeigersinn, Manonmani in die Mitte, etwas nordöstlich. Die acht erscheinen sonnenrot, dreiäugig und vierarmig, mit Mondsichel, Haarkrone und Wedel, Schutz- und Segenshand; Manonmani ist milchweiß.
| Platz | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Osten | oṃ hāṃ vāmāyai namaḥ „Verehrung Vama.“ |
| SE | oṃ hāṃ jyeṣṭhāyai namaḥ „Verehrung der Ältesten.“ |
| Süden | oṃ hāṃ raudryai namaḥ „Verehrung Raudri, der Rudra-Kraft.“ |
| SW | oṃ hāṃ kālyai namaḥ „Verehrung Kali.“ |
| Westen | oṃ hāṃ kalavikaraṇyai namaḥ „Verehrung Kalavikarani.“ |
| NW | oṃ hāṃ balavikaraṇyai namaḥ „Verehrung Balavikarani.“ |
| Norden | oṃ hāṃ balapramathinyai namaḥ „Verehrung der Kraft, die Mächte zerschlägt.“ |
| NO | oṃ hāṃ sarvabhūtadamanyai namaḥ „Verehrung der Bezwingerin aller Wesen.“ |
| Mitte/NO | oṃ hāṃ manonmanyai namaḥ „Verehrung Manonmani, der über das gewöhnliche Denken Erhebenden.“ |
14.4 Vier Mandalas und ihre Herren
Die Kreise liegen ineinander beziehungsweise übereinander: Sonne an den Blattspitzen, Mond an den Staubfadenspitzen, Feuer am Fruchtbodenrand, Shakti im Zentrum. Betrachte Brahma gelb und viergesichtig, Vishnu dunkelblau mit Muschel, Diskus, Keule und Lotus, Rudra rot-feurig, dreiäugig und blaukehlig, Ishvara kristallhell mit Mond und Schlangenornamenten.
| Ebene | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Sonnenkreis | oṃ hāṃ sūryamaṇḍalāya namaḥ „Verehrung dem Sonnenkreis.“ |
| Sein Herr | oṃ hāṃ sūryamaṇḍalādhipataye brahmaṇe namaḥ „Verehrung Brahma, dem Herrn des Sonnenkreises.“ |
| Mondkreis | oṃ hāṃ somamaṇḍalāya namaḥ „Verehrung dem Mondkreis.“ |
| Sein Herr | oṃ hāṃ somamaṇḍalādhipataye viṣṇave namaḥ „Verehrung Vishnu, dem Herrn des Mondkreises.“ |
| Feuerkreis | oṃ hāṃ agnimaṇḍalāya namaḥ „Verehrung dem Feuerkreis.“ |
| Sein Herr | oṃ hāṃ agnimaṇḍalādhipataye rudrāya namaḥ „Verehrung Rudra, dem Herrn des Feuerkreises.“ |
| Shakti-Kreis | oṃ hāṃ śaktimaṇḍalāya namaḥ „Verehrung dem Shakti-Kreis.“ |
| Sein Herr | oṃ hāṃ śaktimaṇḍalādhipataye īśvarāya namaḥ „Verehrung Ishvara, dem Herrn des Shakti-Kreises.“ |
| Der ganze Thron | oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ „Verehrung dem Sitz Shivas.“ |
15. Lichtgestalt, fünf Brahmas und 38 Kalas
Quelle: K 1.36–1.38; ergänzend A 4.94–117. Stelle auf dem Thron einen noch ungeteilten aufrechten Lichtkörper vor und sprich oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ. Der sichtbare Stein ist Träger der Lichtgestalt.
Setze die fünf Brahmamantras aus Abschnitt 2: Ishana am Haupt, Tatpurusha an den Gesichtern, Aghora am Herzen, Vamadeva am verborgenen Bereich, Sadyojata an Füßen und übrigen Gliedern. Jetzt differenziere diese Gestalt durch die Kalas.
Wichtig zur Rekonstruktion: K nennt fünf Ishana-, vier Tatpurusha-, acht Aghora-, dreizehn Vamadeva- und acht Sadyojata-Kalas. Die Summe ist 38. Außerdem nennt K Avyaktā für das obere Gesicht; sie wird nicht als eine der vier gezählten Tatpurusha-Kalas behandelt. Die digitale Körperstellenliste ist besonders im Aghora/Vamadeva-Übergang beschädigt. Die folgende ausführbare Tabelle folgt deshalb für die Kalā-Verteilung und die Mantra-Zerlegung geschlossen der Parallelfolge A 4.94–117, nicht einer verschwiegenen Mischung. K-Lesarten wie dayā gegenüber rakṣā oder bhrāmaṇī gegenüber brāhmaṇī werden am Ende dokumentiert.
Wie ausführen: Richte die Fingerspitzen oder eine Blüte auf den jeweiligen gedachten Teil der göttlichen Gestalt und sprich die ganze Zeilenformel einmal. Auf einem anatomisch nicht ausgeformten Lingam genügt die klare innere Zuordnung. Die folgenden Übersetzungen erklären die Mantra-Fragmente im Zusammenhang; grammatisch unvollständige Teilstücke sind absichtlich zerlegte Mantras, keine selbständigen Sanskritsätze. Die Shakti-Namen stehen zusätzlich in der ersten Spalte. A erlaubt ausdrücklich auch die Namen allein; hier wird die längere fragmentierte Mantraform gewählt. Die Namensformeln müssen daher nicht noch einmal angehängt werden.
15.1 Fünf Kalas Ishanas
| Kala und Ort | Vollständige Rezitationsform und Bedeutung |
|---|---|
| 1 Śaśinī – Scheitel | oṃ īśānaḥ sarvavidyānāṃ namaḥ „Verehrung dem Herrn aller Erkenntnisse.“ |
| 2 Aṅgadā – östliches Haupt | oṃ īśvaraḥ sarvabhūtānāṃ namaḥ „Verehrung dem Herrn aller Wesen.“ |
| 3 Iṣṭā – südliches Haupt | oṃ brahmaṇo’dhipatir brahma namaḥ „Verehrung dem Oberherrn Brahmans, dem Brahman.“ |
| 4 Marīci/Marīcikā – nördliches Haupt | oṃ śivo me’stu namaḥ „Möge er mir Shiva, heilvoll, sein; Verehrung.“ |
| 5 Jvālinī – westliches Haupt | oṃ sadāśivom namaḥ „Om. Verehrung Sadashiva.“ |
15.2 Vier Kalas Tatpurushas und das obere Gesicht
Vergegenwärtige zunächst Avyaktā, die Unmanifestierte, am oberen Gesicht und sprich oṃ. Dann:
| Kala und Ort | Vollständige Rezitationsform und Bedeutung |
|---|---|
| 6 Śānti – östliches Gesicht | oṃ tatpuruṣāya vidmahe namaḥ „Jenen Purusha möchten wir erkennen; Verehrung.“ |
| 7 Vidyā – südliches Gesicht | oṃ mahādevāya dhīmahi namaḥ „Über Mahadeva meditieren wir; Verehrung.“ |
| 8 Pratiṣṭhā – nördliches Gesicht | oṃ tan no rudra namaḥ „Jener Rudra möge uns [anregen]; Verehrung.“ |
| 9 Nivṛtti – westliches Gesicht | oṃ pracodayāt namaḥ „Er möge anregen und führen; Verehrung.“ |
15.3 Acht Kalas Aghoras
| Kala und Ort | Vollständige Rezitationsform und Bedeutung |
|---|---|
| 10 Tamā – Herz | oṃ aghorebhyo namaḥ „Verehrung den nicht-schrecklichen [Gestalten].“ |
| 11 Mohā – Kehle | oṃ atha ghorebhyo namaḥ „Und Verehrung den schrecklichen [Gestalten].“ |
| 12 Rakṣā – rechte Schulter | oṃ ghora namaḥ „Dem Schrecklichen [als Teil des folgenden Ausdrucks] Verehrung.“ |
| 13 Niṣṭhā – linke Schulter | oṃ ghoratarebhyo namaḥ „Verehrung den noch schrecklicheren [Gestalten].“ |
| 14 Mṛtyu – Nabel | oṃ sarvataḥ śarva namaḥ „Von allen Seiten, o Sharva: Verehrung.“ |
| 15 Māyā – Bauch | oṃ sarvebhyo namaḥ „Verehrung ihnen allen.“ |
| 16 Abhayā – Rücken | oṃ namas te rudra namaḥ „Verehrung dir, Rudra; Verehrung.“ |
| 17 Jarā – Brust | oṃ rūpebhyo namaḥ „Verehrung den Gestalten.“ |
Lesefassung: Die digitale Kāmika-Transliteration hat an der fünften/sechsten Stelle sarvatamassarva/śarvebhyo. Hier wird die aus dem ungeteilten Aghora-Mantra erkennbare Folge sarvataḥ śarva / sarvebhyo verwendet. Die Fragmentierung ghora / ghoratarebhyo ist dagegen bewusst erhalten. Wer die mit Shakti-Namen verbundene Linienfassung rezitiert, soll deren erlernte Worttrennung beibehalten.
15.4 Dreizehn Kalas Vamadevas
| Kala und Ort | Vollständige Rezitationsform und Bedeutung |
|---|---|
| 18 Rajā – verborgener Bereich | oṃ vāmadevāya namaḥ „Verehrung Vamadeva.“ |
| 19 Rakṣā – Geschlechtsorgan, innerlich | oṃ jyeṣṭhāya namaḥ „Verehrung dem Ältesten/Höchsten.“ |
| 20 Rati – rechter Oberschenkel | oṃ rudrāya namaḥ „Verehrung Rudra.“ |
| 21 Pālyā – linker Oberschenkel | oṃ kālāya namaḥ „Verehrung der Zeit beziehungsweise Kala.“ |
| 22 Kāmā – rechtes Knie | oṃ kala namaḥ „Verehrung dem Kala-Glied [des folgenden zusammengesetzten Namens].“ |
| 23 Saṃyaminī – linkes Knie | oṃ vikaraṇāya namaḥ „Verehrung dem Umgestaltenden.“ |
| 24 Kriyā – rechter Unterschenkel | oṃ bala namaḥ „Verehrung dem Kraft-Glied [des folgenden Namens].“ |
| 25 Buddhi – linker Unterschenkel | oṃ vikaraṇāya namaḥ „Verehrung dem Umgestaltenden.“ |
| 26 Kāryā – rechte Gesäßhälfte | oṃ bala namaḥ „Verehrung der Kraft.“ |
| 27 Dhātrī – linke Gesäßhälfte | oṃ pramathanāya namaḥ „Verehrung dem Bezwingenden.“ |
| 28 Brāhmaṇī – Taille | oṃ sarvabhūtadamanāya namaḥ „Verehrung dem Bezwinger aller Wesen.“ |
| 29 Mohinī – rechte Seite | oṃ mano namaḥ „Verehrung dem Geist-Glied [des folgenden Namens].“ |
| 30 Bhavā – linke Seite | oṃ unmanāya namaḥ „Verehrung dem über den Geist Erhebenden.“ |
Auch hier ist die Teilung rituell: kalavikaraṇāya, balavikaraṇāya, balapramathanāya und manonmanāya erscheinen in einzelne Nyāsa-Abschnitte zerlegt. Die Quelle enthält dabei kleine Textschwankungen. Ein bloßes Zusammenziehen der Worte würde die Zahl und Zuordnung der Kalas verändern.
15.5 Acht Kalas Sadyojatas
| Kala und Ort | Vollständige Rezitationsform und Bedeutung |
|---|---|
| 31 Siddhi – rechter Fuß | oṃ sadyojātaṃ prapadyāmi namaḥ „Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht; Verehrung.“ |
| 32 Ṛddhi – linker Fuß | oṃ sadyojātāya vai namaḥ „Wahrlich, Verehrung Sadyojata.“ |
| 33 Dyuti – rechte Hand | oṃ bhave namaḥ „In Werden und Geburt: Verehrung.“ |
| 34 Lakṣmī – linke Hand | oṃ abhave namaḥ „Im Nichtwerden: Verehrung.“ |
| 35 Medhā – Nasenspitze | oṃ nātibhave namaḥ „Nicht ins weitere Werden [führe mich]; Verehrung.“ |
| 36 Kānti – Kopf | oṃ bhajasva māṃ namaḥ „Nimm dich meiner an; Verehrung.“ |
| 37 Svadhā – rechter Arm | oṃ bhava namaḥ „Dem Werden [als Fragment des folgenden Namens]: Verehrung.“ |
| 38 Dhṛti – linker Arm | oṃ udbhavāya namaḥ „Verehrung dem Ursprung.“ |
Die Sadyojata-Zeile mit Medhā ist in den digitalen Umschriften besonders unstet. Hier wird das ungeteilte Mantra bhave bhave nātibhave bhajasva mām als Lesehilfe verwendet. Die Nyāsa-Liste bewahrt dennoch die im Kāmika bezeugte Folge bhave / abhave / nātibhave / bhajasva mām. Sie ist nicht als wortgenaue Rekonstruktion eines verlorenen Autographs Aghoraśivas auszugeben.
15.6 Der vollständige Erkenntnisleib
Stelle nun Sadashiva kristallhell auf dem Lotus vor, fünfgesichtig, mit je drei Augen, Mond im Haarknoten und einer Schlange als heiliger Schnur. Das obere Gesicht ist weiß, das östliche gelb, das südliche dunkel, das nördliche rot, das westliche weiß. K nennt mehrere vollständige Attributvarianten; diese Anleitung wählt die erste: rechts Lanze, Schwert, Dreizack, Khaṭvāṅga und Segenshand, links kleine Trommel, Zitrusfrucht, Schlange, Mala und blauer Lotus.
Sprich oṃ hāṃ hauṃ vidyādehāya namaḥ – „Verehrung dem Erkenntnisleib.“ Stelle diese blitzartig leuchtende Gesamtgestalt im Lingam vor. Sprich oṃ hauṃ netrebhyo namaḥ und vergegenwärtige die drei Augen jedes Gesichtes als Erkenntnis-, Willens- und Handlungskraft. Die göttliche Gestalt wird geistig entfaltet; sie ist nicht auf die Umrisse des Steins begrenzt.
16. Uccara und die eigentliche Anrufung
Quelle: K 1.39/P, Druckseiten 265–270. Nimm Blumen in beide Hände, halte Añjali am Herzen und sitze aufrecht. Die Rezitation wird nicht durch lautes Aufsagen der folgenden Fachbegriffe ersetzt: Die Begriffe beschreiben die innere Entfaltung des Prāsāda-Mantras.
16.1 Zwölfteiliger innerer Aufstieg
Rezitiere das Mūla oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ mit der empfangenen inneren Prāsāda-Uccāra. P erläutert zunächst ha als Lebenskeim vom Mūlādhāra bis zum Nabel. Daran schließen sich die zwölf Kalās an:
- au im Bereich Nabel–Herz;
- u im Bereich Herz–Kehle;
- m von der Kehle zur Gaumenöffnung;
- Bindu zwischen den Brauen;
- Ardhacandra an der Stirn;
- Nirodhikā darüber;
- Nāda darüber;
- Nādānta bis zur Kopföffnung;
- Shakti einen Fingerbreit darüber;
- Vyāpinī weitere drei Fingerbreiten;
- Samanā weitere vier Fingerbreiten;
- Unmanā weitere vier Fingerbreiten bis zum Dvādaśānta.
Der vorausgehende Lebenskeim ha wird hier nicht als dreizehnte Kalā gezählt. Nicht aus dieser Liste ein neues Mantra aus isolierten Wörtern bilden. K/P bietet eine anspruchsvolle Laut- und Bewusstseinsmeditation, deren exakte Lautdauer nicht allein aus der digitalen Prosa erschlossen werden kann. Die im Text verlangte Überschreitung von Brahma und weiteren Ursachen geschieht in diesem Aufstieg; die Verehrung richtet sich auf den allgegenwärtigen, ungeteilten, selbstleuchtenden Shiva.
16.2 Herabführung in Blumen und Lingam
Vergegenwärtige Shiva als Erkenntnis und Fülle jenseits begrenzter Gestalt. Hebe die Blumen-Anjali bis zum gedachten Dvādaśānta. Führe sie auf dem Schöpfungsweg zur Stirn zurück; aus sonnenhellem Licht wird mondklarer Nektarglanz. Denke Shivas Gegenwart beim Ausatmen durch den rechten Atemweg in die Blumen-Anjali am Herzen gelangt. Lege die Blumen auf das Lingam und sprich oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ. Zeige Āvāhanī; denke die Gegenwart durch das Haupt der visualisierten Gestalt in deren Herzlotus eingegangen.
Dies ist nach P keine Ortsveränderung eines anderswo abwesenden Gottes: Die überall vorhandene Gegenwart wird am gewählten Ort verehrbar und zugewandt vergegenwärtigt.
16.3 Festigung und Begrüßung
Zeige Sthāpanī, Sannidhānī und Niṣṭhurā, jeweils begleitet vom Herzmantra. Sprich:
svāgataṃ te mahādeva
„Willkommen dir, Mahadeva.“ Stelle dir die Antwort vor: vatsa svāgatam – „Mein Kind, sei willkommen.“
Dann:
svāmin sarvajagannātha yāvat pūjāvasānakam | tāvat saṃprītibhāvena liṅge’smin sannidhībhava ||
„Herr, Gebieter der ganzen Welt, sei bis zum Ende der Verehrung in liebevoller Zugewandtheit in diesem Lingam gegenwärtig.“
Gib das Begrüßungs-Arghya. Zeige die in deiner Linie gelehrten Kālakārṇī- und Liṅga-Mudrās, danach Namaskāra. Die Handstellungen sind in Abschnitt 2 anhand der Parallelquellen erläutert.
17. Schutzglieder und Gastgaben
Quelle: K 1.41–1.44. Setze mit den fünf Gliedmantras aus Abschnitt 2 Herz, Haupt, Scheitel, Kavaca und Astra an die entsprechenden Orte der Gottesgestalt. Sprich Mūla und stelle die Einheit von Gliedern und Träger vor. Astra schützt, Kavaca umhüllt; zeige Dhenu, dann Mahāmudrā mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ, zuletzt Pañcamukhī.
17.1 Fußwasser, Mundwasser, Arghya und Blumen
Die Verbindung sahṛdā wird wie in 12.1 als Herzformel und anschließendes Mūla ausgeschrieben. Gib kleine Wassermengen an den gedachten Ort beziehungsweise in die zugehörige Auffangschale:
| Handlung | Sprechen | Übersetzung |
|---|---|---|
| Fußwasser an die Füße | oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ | Verehrung dem göttlichen Herzen. Verehrung Shiva. |
| Mundwasser an die fünf Gesichter, insgesamt fünf kleine Gaben | oṃ hāṃ hauṃ śivāya svadhā | Verehrung dem göttlichen Herzen. Shiva sei diese erquickende Gabe geweiht. |
| Arghya an die fünf Häupter | oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā | Verehrung dem göttlichen Herzen. Shiva sei diese Gabe dargebracht. |
| Blumen, Dūrvā und Reiskörner | oṃ hāṃ hauṃ śivāya vauṣaṭ | Shiva sei diese Weihe dargebracht. |
| Räucherwerk | oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā | Verehrung dem göttlichen Herzen. Shiva sei diese Gabe dargebracht. |
Gib danach nochmals Mundwasser und Arghya mit den obigen Formeln.
17.2 Das Bad nach der Anrufung
Jetzt kein erneutes Umstellen des Lingams. Vergegenwärtige Salbung, Reinigung und Bad der göttlichen Gestalt. Gib einen Tropfen Arghya-Wasser als äußeres Zeichen auf das Lingam. K 1.43 nennt ausdrücklich den Arghya-Tropfen. Gib Fußwasser, Mundwasser und Arghya; trockne behutsam mit einem feinen Tuch unter Kavaca. Diese Stelle ist vom großen vorausgehenden Abhisheka zu unterscheiden.
17.3 Kleidung, Schmuck und drei Tattva-Gaben
Bringe Sandel, Reiskörner, Dūrvā und Blüten dar. Vergegenwärtige schöne Gewänder, Hüftbinde, heilige Schnur, Ohrringe und Schmuck; nicht vorhandener Schmuck wird hier ausdrücklich geistig angeboten. Gib anschließend drei Blumen-Anjalis:
oṃ hāṃ hauṃ ātmatattvādhipataye śivāya namaḥ
„Verehrung Shiva, dem Herrn des Atma-Tattva.“
oṃ hāṃ hauṃ vidyātattvādhipataye śivāya namaḥ
„Verehrung Shiva, dem Herrn des Vidya-Tattva.“
oṃ hāṃ hauṃ śivatattvādhipataye śivāya namaḥ
„Verehrung Shiva, dem Herrn des Shiva-Tattva.“
Die dritte Formel fehlt in der digitalen Zeile von K 1.44, obwohl drei Gaben verlangt werden. Sie wird aus der im Werk anderweitig belegten Dreierfolge ergänzt, nicht als dort vollständig erhaltener Wortlaut ausgegeben.
Schmücke mit einer Blumengirlande. Weihe die Glocke unter oṃ haḥ astrāya phaṭ, läute beim Darbringen von Räucherwerk und Licht und sprich jeweils Herz- und Mūla-Formel mit svāhā wie oben. Gib Mundwasser und Arghya. Zeige die Manoratha-Mudrā nach Abschnitt 2: drei Fingerpaare verschränken, Zeigefingerspitzen nach vorn verbinden, Daumen an die eigenen Zeigefingerwurzeln führen. Vergegenwärtige dabei Sadāśiva.
18. Layanga und die vollständige Ekavarana-Puja
Quelle: K 1.45–1.47/P. Verehre zunächst die fünf Brahmas und die fünf Glieder im Körper Shivas an den in Abschnitt 2/15 genannten Orten, je mit einer Blüte und dem betreffenden Mantra. Das ist die Layāṅga-Verehrung. Trage dein Anliegen vor und bitte, nun die Manifestationen ringsum verehren zu dürfen.
Diese tägliche Folge verwendet einen Verehrungskreis, Ekāvaraṇa. P begründet ausdrücklich, weshalb hier nicht die anderswo beschriebene Fünfkreis-Puja eingesetzt wird. Vollständigkeit bedeutet deshalb nicht, weitere Kreise, Yoginis oder beliebige 108 Namen anzuhängen.
18.1 Die Brahmas im Lotus
Gib Shiva zuerst eine Blüte mit Mūla. Stelle danach vor, dass die entsprechende Kraft aus Shivas Leib hervortritt, wie Licht von einer Lampe eine zweite Lampe entzündet, und sich am zugehörigen Lotusplatz zeigt. Lege je eine Blüte:
| Platz und Ausgang | Mantra | Visualisierung |
|---|---|---|
| NO; aus den Häuptern | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya namaḥ | Ishana: kristallhell, freundlich, dreiäugig, mit Mondsichel, Dreizack und Schutzhand. Bedeutung: Verehrung dem Haupt als Ishana. |
| Osten; aus den Gesichtern | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya namaḥ | Tatpurusha: golden, mit gelbem Gewand, Zitrusfrucht und Mala. Bedeutung: Verehrung dem Gesicht als Tatpurusha. |
| Süden; aus dem Herz | oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ | Aghora: dunkel wie eine Regenwolke, dreiäugig, mit Fängen, Schädelgirlande und acht Armen. Links Khatvanga, Schädelschale, Schild, Schlinge; rechts Dreizack, Axt, Schwert, Stab. Bedeutung: Verehrung dem Herzen als Aghora. |
| Norden; aus dem verborgenen Bereich | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya namaḥ | Vamadeva: rot, rot gekleidet und geschmückt, mit Schwert und Schild. Bedeutung: Verehrung dem verborgenen Bereich als Vamadeva. |
| Westen; aus Füßen und übrigen Gliedern | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye namaḥ | Sadyojata: weiß, jugendlich, lächelnd, mit drei Augen, Mondsichel, Schutz- und Segenshand. Bedeutung: Verehrung der Gestalt als Sadyojata. |
18.2 Netra und die Schutzglieder
| Platz | Mantra und Bedeutung | Visualisierung |
|---|---|---|
| Nördlich von Ishana im NO | oṃ hauṃ netrebhyo namaḥ „Verehrung den göttlichen Augen.“ |
Netra: rötliches Licht; Erkenntnis, Wille und Handlung. |
| SE | oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ „Verehrung dem Herzen.“ |
Mondhell. |
| NO, nördlich vom Netra-Platz | oṃ hīṃ śirase namaḥ „Verehrung dem Haupt.“ |
Goldfarben. |
| SW | oṃ hūṃ śikhāyai namaḥ „Verehrung dem Scheitelbüschel.“ |
Zinnoberrot. |
| NW | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ „Verehrung dem Schutzpanzer.“ |
Dunkel wie eine Biene. |
| Jeweils links neben den vier Brahmas an den Hauptrichtungen | oṃ haḥ astrāya namaḥ „Verehrung der Mantrawaffe.“ |
Astra: goldbraun leuchtend, wehrhaft mit Fängen. |
Stelle die Glieder auf Lotussen, Shiva zugewandt, mit Mond im Haarknoten, drei Augen und Schmuck vor. K erlaubt vierarmige Gestalten mit Shakti-Waffe, Dreizack, Schutz- und Segenshand oder eine einfachere zweiarmige Form. Hier wird die vierarmige Form gewählt. Die Quelle hat an einer Stelle hāṃ śirase; die durchgehende Formel hīṃ śirase folgt dem Hand- und Körpernyasa desselben Werkes.
18.3 Acht Handlungen für jede Manifestation
Vollziehe für jede der fünf Brahma-Gestalten, Netra und die Gliedgestalten:
- Āvāhanī: einladen;
- Sthāpanī: auf dem Sitz festigen;
- Sannidhānī: Nähe vergegenwärtigen;
- Niṣṭhurā: um Bleiben bitten;
- Fußwasser;
- Mundwasser;
- Arghya;
- Blumen.
Sprich zu den ersten vier Gesten das jeweilige Mantra aus den Tabellen mit namaḥ. Bei Fußwasser bleibt namaḥ, bei Mundwasser wird die Schlussendung svadhā, bei Arghya svāhā, bei Blumen vauṣaṭ. Beispiel für Ishana: oṃ hoṃ īśānamūrdhāya svadhā, oṃ hoṃ īśānamūrdhāya svāhā, oṃ hoṃ īśānamūrdhāya vauṣaṭ. Die deutsche Bedeutung bleibt „Verehrung/erquickende Gabe/Darbringung/Weihe für das Haupt als Ishana“. Diese Endungsanwendung folgt der Anweisung, die acht Saṃskāras wie bei Shiva zu vollziehen; die tabellarischen Stammformeln sind vollständig ausgeschrieben.
K erlaubt alternativ, die acht Handlungen für alle gemeinsam zu vergegenwärtigen und gemeinsam Arghya zu geben. Für diese ausführliche Fassung werden sie einzeln vollzogen. Ein eigenes erneutes Bad jeder Begleitgestalt ist nicht angeordnet.
Zeige für die fünf Brahmas der Reihe nach Dhenu, Padma, Triśūla, Makara und Sruk; für die Glieder Namaskāra. Die Handstellungen stehen in Abschnitt 2; bei den drei letzten Gesten wird die dort ausgewiesene Parallelbeschreibung verwendet.
Gib Shiva eine Blumen-Anjali mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ. Zeige Mahāmudrā und denke alle Manifestationen als mit Shiva wesenseins. Die äußeren Plätze bleiben bis zur späteren Rücknahme bestehen; dies ist noch nicht ihre Verabschiedung.
19. Speise, Wasser und tägliches Pavitra
Quelle: K 1.48–1.49. Bringe erneut Räucherwerk, Licht, Mundwasser und Arghya mit den Formeln aus 17.1 dar. Reinige die Speise und das Trinkwasser vierfach, wie in Abschnitt 2 und 11 beschrieben. Zeige Dhenu und denke die Gabe als nektargleich.
Stelle die Speise vor Shiva und sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā – „Om. Shiva sei diese Gabe dargebracht.“ Gib Trinkwasser mit derselben Formel. Biete danach den fünf Brahmas und den Gliedgestalten Speise unter ihren eigenen Formeln dar, jeweils mit der Endung svāhā. Es ist nach K ausdrücklich zulässig, ein gemeinsames Gefäß zu verwenden, wenn keine getrennten vorhanden sind. Vergegenwärtige dennoch alle Empfänger.
Gib Mundwasser, symbolisches Händereinigen, Tāmbūla beziehungsweise eine geeignete Mundduftgabe und Arghya. Für Mundwasser verwende oṃ hāṃ hauṃ śivāya svadhā, für die übrigen Gaben die Mūla-Darbringung mit svāhā. Bringe nochmals Blumen, Räucherwerk und Licht dar.
Nimm Blumen mit Dūrvā und Reiskörnern in Añjali und bringe das tägliche Pavitra dar:
oṃ hāṃ hauṃ sarvatattvādhipataye śivāya namaḥ
„Om. Verehrung Shiva, dem Herrn aller Tattvas.“
Dieser tägliche Schritt ist nicht das große jährliche Pavitrārohaṇa mit eigens hergestellten Fadengewinden. K 1.49 nennt hier die Blumen-Anjali.
20. Arati und königliche Ehren
Quelle: K 1.50. Reinige die Arati-Lampe vierfach. Sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā und führe das Licht dreimal in einer aufsteigenden kreisenden Darbringung vor der Gestalt. Setze die Lampe sicher ab. Gib Mundwasser und Arghya.
Bringe der Reihe nach Asche, Spiegel, Schirm, Fliegenwedel, weißes Tuch und Fächer dar. Wo die Gegenstände vorhanden sind, zeige sie tatsächlich; fehlt ein äußerer Gegenstand, ist seine mentale Darstellung hier eine praktische Anpassung, die nicht als Wortlaut von K ausgegeben wird. Sprich zu jeder Gabe oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ und benenne sie innerlich. Denke Shiva zufrieden, von Ananta und anderen gepriesen.
Gib drei Blumen-Anjalis mit dem Mūla und der erweiterten Prāsāda-Uccāra. Der Kommentar nennt sechzehn Kalas: Zu den zwölf Gliedern der zuvor erläuterten Uccāra treten zwischen Vyāpinī und Samanā die vier Glieder Vyomarūpā, Anantā, Anāthā, Anāśritā. Sie sind nicht mit den 38 Körper-Kalas zu verwechseln. Ihre genaue Klangdauer und subtile Lokalisierung wird im Kommentar auf weitere Lehrwerke verwiesen. Diese Anleitung benennt die Erweiterung, ersetzt ihre mündliche Einübung aber nicht durch ausgedachte Zeitwerte. Zeige Mahāmudrā und Pañcamukhī.
21. Japa und dreifache Hingabe
Quelle: K 1.51/P. Verehre die Mala am Herzen mit oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ. Halte eine Blüte in der linken Handfläche. Lege die Mala in der rechten Hand über den Ringfinger und bewege die Perlen mit dem Daumen; überschreite die Meru-Perle nicht, sondern wende die Zählrichtung. Rezitiere 108-mal:
oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ
„Om. Verehrung Shiva.“
K nennt anschließend die schützende Einfassung des vollzogenen Japa durch Astra–Kavaca–Hṛdaya und Hṛdaya–Kavaca–Astra. In der hier ausgeschriebenen Anwendung sprich:
oṃ haḥ astrāya namaḥ | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ | oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ ||
Vergegenwärtige dazwischen das ganze vollzogene Japa als Lichtgabe. Dann:
oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ | oṃ haiṃ kavacāya namaḥ | oṃ haḥ astrāya namaḥ ||
Die Bedeutungen sind „Verehrung der Mantrawaffe, dem Schutzpanzer, dem Herzen“, anschließend umgekehrt. Schütze mit Astra und umhülle mit Kavaca. Nimm etwas Arghya-Wasser in die rechte Hand, knie nieder und übergib mit Udbhava das Japa in Shivas vorgestellte Segenshand. Sprich nacheinander die drei Gebete, für Japa, Handlungen und dich selbst:
oṃ hāṃ guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam | siddhir bhavatu me yena tvatprasādāt tvayi sthite ||
„Du Hüter des Geheimsten der Geheimnisse, nimm das von uns vollzogene Japa an. Durch deine Gnade möge es mir, der ich in dir verweile, Vollendung bringen.“ Die letzte Wendung ist grammatisch nicht ganz glatt; sie wird hier nach ihrem rituellen Sinn wiedergegeben.
oṃ hāṃ yat kiṃcit karma he deva sadā sukṛtaduṣkṛtam | tan me śivapadasthasya bhuṅkṣva kṣapaya śaṅkara ||
„Was immer ich, o Gott, an Gutem oder Schlechtem getan habe: Nimm es an und tilge es für mich, der ich mich in Shivas Stätte begebe, o Shankara.“ Bhuṅkṣva ist die grammatisch normalisierte Lesung für das digital beschädigte bhukṣva.
oṃ hāṃ śivo dātā śivo bhoktā śivaḥ sarvam idaṃ jagat | śivo yajati sarvatra sa śivaḥ so’ham eva tu ||
„Shiva ist der Geber, Shiva der Empfangende; Shiva ist diese ganze Welt. Shiva verehrt überall; jener Shiva bin ich.“ Diese rituelle Identifikation wird im Rahmen der zuvor vollzogenen Reinigung und Mantra-Vergegenwärtigung verstanden.
Gib das Wasser in die Darbringungsschale. Rezitiere danach von den fünf Brahma- und fünf Gliedmantras je ein Zehntel der Hauptzahl. Da 108 nicht durch zehn teilbar ist, verwendet diese praktische Ausführung je elf Wiederholungen, ausdrücklich als aufgerundete Zählentscheidung; K selbst nennt an dieser Stelle nur daśāṃśa. Übergib auch diese Rezitationen. Die Quelle erlaubt anstelle der drei Gebete eine schlichtere Übergabe mit dem Herzmantra; hier wird die längere Fassung verwendet.
Wunschmantras: K 1.52 erlaubt nach gesonderter Bitte Gauri-, Mrityunjaya- oder Uma-Maheshvara-Praxis. Diese hängt von der empfangenen Mantra-Unterweisung und einem besonderen Anliegen ab. Sie ist kein verpflichtender Bestandteil jeder Nityapuja. Deshalb werden hier keine neu gewählten Wunschmantras unbemerkt in den täglichen Pflichtablauf eingefügt.
22. Persönlicher Guru und Vidyapitha
Quelle: K 1.53–1.54. Vergegenwärtige im SE von Shiva den eigenen Guru als Träger seiner Gegenwart. Gib einen Sitz mit oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ, die Gurugestalt mit oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ, lade Shiva in ihr mit Mūla ein. Diese Anwendung folgt der Quellanweisung, Sitz und Mūrti-Mantra hier für die Guru-Gestalt zu verwenden; sie ist keine zusätzliche neu erfundene Guru-Keimsilbe. Gib Fußwasser, Mundwasser, Arghya, Sandel und Blumen nach 17.1.
Sprich:
śrīmaddeśikapādebhyaḥ saśaktibhyo namo namaḥ | sadā śiṣṭātmacidvyaktikāraṇebhyo namo namaḥ ||
„Wieder und wieder Verehrung den Füßen des ehrwürdigen Lehrers und ihren Kräften; wieder und wieder Verehrung denen, die das Aufleuchten des Bewusstseins im geschulten Selbst bewirken.“ Die Kompositumsgrenze des zweiten Halbverses ist in der Vorlage nicht eindeutig; die Übersetzung gibt seine Lehrfunktion wieder.
Verehre westlich von Shiva das Vidyapitha, den Sitz der Lehre, und ein dort bereitgelegtes geeignetes Textzeugnis:
oṃ hāṃ yogapīṭhāya namaḥ – „Verehrung dem Yoga-Sitz.“
oṃ hāṃ hauṃ vidyāpīṭhāya namaḥ – „Verehrung dem Sitz der Erkenntnis.“
Sprich:
sakalājñānahaṃ viśvavijñānapradam īśvaram | vidyāpīṭhastham āhṛtya manovāgvigrahair namaḥ ||
„Mit Geist, Sprache und Leib verneige ich mich vor Ishvara, der auf dem Sitz der Erkenntnis vergegenwärtigt ist, alle Unwissenheit tilgt und umfassende Erkenntnis schenkt.“ Die Vorlage hat sakalājñānahaṃ; hier wird es als „alle Unwissenheit vernichtend“ verstanden.
23. Lobpreis, Umrundung und Niederwerfung
Quelle: K 1.55–1.57. Gib Shiva drei Blumen-Anjalis mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya namaḥ. K bietet mehrere Lobpreisungen zur Auswahl nach Vermögen an. Die folgende vollständige, im Text ausdrücklich dem Mataṅgapārameśvara zugeordnete Zweistrophen-Rezitation ist eine solche Auswahl; es besteht keine Quellvorschrift, sämtliche dort angeführten Stotras hintereinander zu sprechen.
jaya jaya parameśvarendumaule jaya jaya śiva sāmba śaṅkareśa |
jaya jaya mṛḍa bhīma kṛttivāso jaya jaya purakālajit prasīda ||
„Heil, Heil dir, höchster Herr mit dem Mond im Haar! Heil dir, Shiva, mit Ambika vereinter heilvoller Herr! Heil dir, du Gütiger und Furchtbarer, du im Fell Gewandeter! Heil dir, Bezwinger der Städte und der Zeit beziehungsweise des Todes! Sei gnädig.“
jaya jaya jagadekamātar īśe jaya jaya vinatātmapālaneśe |
jaya jaya karuṇāmṛtāmburāśe jaya jaya girije namaḥ prasīda ||
„Heil, Heil dir, einzige Mutter der Welt, o Herrin! Heil dir, Herrin, die die sich verneigenden Seelen beschützt! Heil dir, Ozean des Nektars des Mitgefühls! Heil dir, Tochter des Berges! Verehrung dir; sei gnädig.“
Umrunde den Verehrungsplatz dreimal ruhig im Uhrzeigersinn, soweit die bauliche und für das Lingam geltende Ordnung dies erlaubt. K verlangt dabei geräuschloses Schreiten. Lege dich zur vollständigen achtgliedrigen Niederwerfung beziehungsweise ihrer körperlich möglichen unterwiesenen Form nieder. Stehe gesammelt wieder auf.
24. Das tägliche Feueropfer
Quelle: K 1.59/P. Das folgende Nityāgnikārya ist bereits die von Aghoraśiva gebotene tägliche Form. P erläutert, dass darin mehrere Feuer-Lebensriten zusammengefasst werden; man muss nicht die umfangreiche Fest-Homa-Folge aus dem Pavitra-Kapitel zusätzlich ausführen.
24.1 Wer Homa vollzieht und welche Alternative gilt
Ist kein Homa-Adhikāra gegeben, erfolgt nach K die achtblütige Verehrung und der Abschluss ohne äußeres Feueropfer. Wer befugt ist, aber wegen fehlender Mittel kein Homa vollziehen kann, rezitiert als Ersatz das Zehnfache der vorgesehenen Hauptopferzahl des Mūla-Japa und übergibt es. Das sind zwei verschiedene Fälle. Bei der unten gewählten Hauptzahl 100 wären es 1000 Mūla-Rezitationen. Die Nichtbefugten werden nicht allein dadurch zu Feuerpriestern, dass sie diese Seite lesen.
Für das Homa bitte Shiva um Erlaubnis und nimm Arghya und Opfergeräte mit an die Feuerstelle. Die Gottheit auf dem Lingam bleibt verehrt; ihre Abschluss-Rücknahme kommt erst später.
24.2 Feuerplatz vorbereiten
Die Feuerstelle liegt nach K nicht im Süden, SW oder NW; P nennt insbesondere SE, NO oder Osten. Sitze nach Osten oder Norden. P beschreibt alternativ eine quadratische Sandunterlage etwa eine Elle breit und drei Fingerbreit hoch. Das ist eine historische Maßangabe, kein Ersatz für ein geeignetes feuerfestes Gefäß und einen geeigneten Aufstellort.
Betrachte die Grube unter dem Mūla-Mantra, besprenge und berühre sie mit Kuśa, sprich zur verstärkten Reinigung oṃ haḥ astrāya huṃ phaṭ. Grabe beziehungsweise lockere die vorgesehene Fläche, entferne Ungeeignetes, fülle auf, ebne, befeuchte, festige, kehre und glätte sie unter oṃ haiṃ kavacāya vauṣaṭ – „Dem schützenden Panzer sei diese Weihe dargebracht.“ Bei einem fertigen Homa-Gefäß werden diese Handlungen an der darin vorbereiteten Unterlage symbolisch ausgeführt; das ist eine praktische Anpassung.
Ziehe mit Kuśa unter Astra drei Linien nach Osten und eine nach Norden. Wenn du nach Norden sitzt, umgekehrt drei nach Norden und eine nach Osten. Besprenge mit Kavaca. Lege ein Darbha-Bündel als inneren Sitz mit oṃ hāṃ hṛdayāya namaḥ ein.
24.3 Vagishvari, Vagishvara und das Feuer
Verehre im Feuerplatz die göttlichen Eltern des Feuers:
oṃ hāṃ vāgīśvaryai namaḥ – „Verehrung Vagishvari, der Herrin der Sprache.“
oṃ hāṃ vāgīśvarāya namaḥ – „Verehrung Vagishvara, dem Herrn der Sprache.“
Stelle Vagishvari dunkel, freundlich, dreiäugig, geschmückt und schöpferisch empfänglich vor; Vagishvara an ihrer Seite. Gib Arghya. Die sexuelle Zeugungssymbolik dieses Abschnitts ist eine innere Vorstellung der Entstehung des Opferfeuers, keine Anweisung zu einer körperlichen Sexualhandlung.
Bringe sauberes Feuer in einem geeigneten Gefäß. Die Quelle verlangt, seinen kravyāda-Anteil, die verzehrende unreine Funktion, abzusondern. Diese Absonderung erfolgt in der konkreten Feuertradition unter Astra; ein brennendes Stück wird dabei nur an einen gesicherten geeigneten Platz gelegt. Reinige das für die Puja bestimmte Feuer durch Anschauen, Besprengen, symbolisches Berühren und Umhüllen.
Sprich oṃ hāṃ haṃ hāṃ vahnimūrtaye namaḥ – „Verehrung der Gestalt des Feuers.“ Nimm die Feuergegenwart innerlich mit Saṃhāra auf, ziehe sie beim Einatmen durch Iḍā zu dir, vereinige sie mit Nabel- und Bindu-Feuer. Führe sie beim Ausatmen durch Piṅgalā zurück ins bereitgehaltene Feuer und sprich:
oṃ hrūṃ vahnicaitanyāya namaḥ
„Om. Verehrung dem Bewusstsein des Feuers.“
Zeige Udbhava. Rezitiere die Saṃhitā. Vergegenwärtige das Feuer als Schöpferkraft des höchsten Herrn, die in Vagishvaris inneren Schoß eingeht. Setze das reale Feuer unter Mūla in die vorbereitete Feuerstelle und ordne das Brennmaterial. Biete der Göttin innerlich Gewand, Reinigung und Mundwasser mit dem Herzmantra an.
24.4 Fünf Anfangsopfer, Hüter und Name
Verehre die fünf Brahmas von Sadyojata bis Ishana mit ihren Mantras. Gib anschließend fünf kleine Ghee-Opfer, jedes mit:
oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā
„Om. Shiva sei diese Gabe dargebracht.“
P erklärt diese Verehrung als Zusammenfassung der fünf Saṃskāras, beginnend mit Garbhādhāna. Opferlöffel und Ghee werden für diese tägliche Form durch einmaliges Besprengen mit Arghya gereinigt; P fordert hier nicht noch einen vollständig gesonderten Geräte-Einweihungsritus.
Verehre die Hüter um das Feuer:
- Osten: oṃ hāṃ brahmaṇe namaḥ – „Verehrung Brahma.“
- Süden: oṃ hāṃ viṣṇave namaḥ – „Verehrung Vishnu.“
- Westen: oṃ hāṃ rudrāya namaḥ – „Verehrung Rudra.“
- Norden: oṃ hāṃ anantāya namaḥ – „Verehrung Ananta.“
Bitte sie um Schutz für das kindlich neu entstandene Feuer. Gib ihm seinen Namen:
oṃ hāṃ śivāgnis tvaṃ hutāśana
„Om. Du bist Shivas Feuer, o Opferverzehrer.“
Verabschiede die als Eltern verehrten Vagishvari und Vagishvara; ihre zeugende Aufgabe ist abgeschlossen.
24.5 Shiva im Feuer und Hauptopfer
Vergegenwärtige im Herzen des Feuers einen Lotus und verehre darauf Shiva mit Sitz, Gestalt, Brahmas, Gliedern und Gaben bis zum Pavitra nach den Abschnitten 14–19. Dies ist kein zweites physisches Lingabad im Feuer. Die Mantras und Plätze werden geistig gesetzt, Blumen und Arghya an einer sicheren Stelle dargebracht. Gib Speise hier in Form der geeigneten Feueropfer.
Bitte: bhagavaṃs tvāṃ tarpayāmi – „Herr, ich möchte dich sättigen.“ P nennt diese Bitte. Verbinde innerlich den verehrten Shiva und die Opfergabe durch einen Lichtweg, Nāḍīsandhāna. Beginne die Opferzählung.
K/P erlaubt 100, 50, 25, 20 oder 10 Hauptopfer je nach Vermögen. Diese Fassung verwendet 100 kleine Hauptopfer mit oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā. Bringe jeweils wenig Ghee oder die für deine Ausführung geeignete Sesam-Ghee-Gabe dar; bei jeder vollständigen Formel erfolgt eine Gabe.
Danach folgen je zehn Gaben für die fünf Brahmas und fünf Glieder, insgesamt 100 weitere kleine Gaben:
| Empfänger | Vollständiges Homa-Mantra | Bedeutung |
|---|---|---|
| Īśāna | oṃ hoṃ īśānamūrdhāya svāhā | Diese Gabe gilt dem Haupt als Ishana. |
| Tatpuruṣa | oṃ heṃ tatpuruṣavaktrāya svāhā | Diese Gabe gilt dem Gesicht als Tatpurusha. |
| Aghora | oṃ huṃ aghorahṛdayāya svāhā | Diese Gabe gilt dem Herzen als Aghora. |
| Vāmadeva | oṃ hiṃ vāmadevaguhyāya svāhā | Diese Gabe gilt dem verborgenen Körperbereich als Vamadeva. |
| Sadyojāta | oṃ haṃ sadyojātamūrtaye svāhā | Diese Gabe gilt der Gestalt als Sadyojata. |
| Herz | oṃ hāṃ hṛdayāya svāhā | Diese Gabe gilt dem Herzen. |
| Haupt | oṃ hīṃ śirase svāhā | Diese Gabe gilt dem Haupt. |
| Scheitelbüschel | oṃ hūṃ śikhāyai svāhā | Diese Gabe gilt dem Scheitelbüschel. |
| Schutzpanzer | oṃ haiṃ kavacāya svāhā | Diese Gabe gilt dem Schutzpanzer. |
| Mantrawaffe | oṃ haḥ astrāya svāhā | Diese Gabe gilt der Mantrawaffe. |
Die hier verwendete Saṃhitā-Zählung folgt P: Mūla, fünf Brahmas, fünf Glieder; Netra ist gesondert. Wenn die eigene überlieferte Homa-Fassung Netra zusätzlich vorsieht, lautet seine Formel oṃ hauṃ netrebhyaḥ svāhā – „Den göttlichen Augen sei diese Gabe dargebracht.“ Das wird hier nicht als eine in K 1.59 separat genannte Pflichtgabe behauptet.
24.6 Purnahuti, Asche und Rücknahme
Bringe eine Pūrṇāhuti, eine abschließende volle Gabe, dar. K verlangt sie, schreibt hier aber weder ein eigenes langes Pūrṇāhuti-Gebet noch eine universelle Stoffmischung aus. Diese Praxisfassung verwendet dafür eine angemessene Ghee-Schlussgabe unter oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā, ausdrücklich als ausgeschriebene Anwendung des Hauptmantras. Ein Kokosnuss-Paket oder ein aus einer anderen Tradition entnommenes langes Gebet wird nicht als Aghoraśivas Vorschrift eingeführt.
Verehre die Feuerasche vor der Verabschiedung Shivas. P nennt dazu einen im Shiva-Feuer verbrannten Darbha-Halm; verwende nur bereits vollständig abgekühlte Asche für die Stirnzeichnung. Bringe die acht Blüten aus 12.2 und das Abschieds-Arghya dar. Nimm die im Feuer ausgebreiteten Mantragestalten in die Hauptgestalt zurück und führe Shiva mit dem Mūla in deinen Herzlotus; P erläutert diese Rückführung ausdrücklich.
Gib anschließend vier Feueropfer:
oṃ bhūḥ svāhā – „Om. Der Erde sei die Gabe dargebracht.“
oṃ bhuvaḥ svāhā – „Om. Dem Zwischenraum sei die Gabe dargebracht.“
oṃ svaḥ svāhā – „Om. Dem Himmel sei die Gabe dargebracht.“
oṃ bhūr bhuvaḥ svaḥ svāhā – „Om. Erde, Zwischenraum und Himmel sei die Gabe dargebracht.“
Gib den vier Hütern je eine kleine Bali-Portion außerhalb des Feuers; ihre Formeln aus 24.4 enden dabei auf svāhā. Verneige dich vor dem Feuer und sprich:
hutaṃ bhuktvoparama
„Nimm das Geopferte an und komme zur Ruhe.“
Dann oṃ hrauṃ hrūṃ śivāgnaye namaḥ – „Om. Verehrung dem Shiva-Feuer.“ Nimm seine rituelle Gegenwart in das Erkenntnisfeuer des Herzens zurück. Verabschiede die Hüter in umgekehrter Folge: Ananta, Rudra, Vishnu, Brahma, jeweils unter ihrer Formel. Die rituelle Verabschiedung ist nicht mit dem physikalischen Erlöschen identisch; das reale Feuer bleibt beaufsichtigt, bis es sicher erloschen ist.
25. Innere und äußere Bali-Gaben
Quelle: K 1.60/P. P unterscheidet die beiden Empfängergruppen: die Rudra-Gruppe als Antarbali, die mit Indra beginnende Gruppe als Bahirbali. Beide werden mit wirklichen Reisspenden auf den folgenden Mandalas verehrt; die Bezeichnungen werden hier nicht mit einer bloßen Innenraum-/Außenraum-Grenze gleichgesetzt. Bereite rechts von dir zwei kleine Mandalas auf geeigneten Unterlagen vor. Verwende kleine Portionen gekochten, mit etwas Wasser befeuchteten Reises. Verehre zuerst mit der namaḥ-Formel; gib dann die Portion mit derselben Formel, deren Schlussendung du durch svāhā ersetzt. Die Namen und beide Endungen sind in den Tabellen vollständig angegeben.
25.1 Erstes Mandala
| Platz | Verehrung; danach Gabe | Übersetzung |
|---|---|---|
| Osten | oṃ hāṃ rudrebhyo namaḥ oṃ hāṃ rudrebhyo svāhā |
Verehrung den Rudras; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Süden | oṃ hāṃ mātṛbhyo namaḥ oṃ hāṃ mātṛbhyo svāhā |
Verehrung den Müttern; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Westen | oṃ hāṃ gaṇebhyo namaḥ oṃ hāṃ gaṇebhyo svāhā |
Verehrung den Scharen; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Norden | oṃ hāṃ yakṣebhyo namaḥ oṃ hāṃ yakṣebhyo svāhā |
Verehrung den Yakshas; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| NO | oṃ hāṃ gṛhebhyo namaḥ oṃ hāṃ gṛhebhyo svāhā |
Verehrung den Häusern beziehungsweise ihren Mächten; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| SE | oṃ hāṃ asurebhyo namaḥ oṃ hāṃ asurebhyo svāhā |
Verehrung den Asuras; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| SW | oṃ hāṃ rākṣasebhyo namaḥ oṃ hāṃ rākṣasebhyo svāhā |
Verehrung den Rakshasas; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| NW | oṃ hāṃ nāgebhyo namaḥ oṃ hāṃ nāgebhyo svāhā |
Verehrung den Nagas; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Inneres Feld, NO | oṃ hāṃ nakṣatrebhyo namaḥ oṃ hāṃ nakṣatrebhyo svāhā |
Verehrung den Mondstationen; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Inneres Feld, SE | oṃ hāṃ rāśibhyo namaḥ oṃ hāṃ rāśibhyo svāhā |
Verehrung den Tierkreiszeichen; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Inneres Feld, SW | oṃ hāṃ viśvebhyo namaḥ oṃ hāṃ viśvebhyo svāhā |
Verehrung den Vishve-Göttern; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Zwischen West und NW | oṃ hāṃ kṣetrapālāya namaḥ oṃ hāṃ kṣetrapālāya svāhā |
Verehrung dem Hüter des Feldes; ihnen/ihm sei diese Gabe dargebracht. |
Lesart: An der NO-Stelle steht in der gelieferten Datei gṛhebhyo; grahebhyo („den Planeten“) wäre eine naheliegende, aber an dieser Stelle nicht gesicherte Korrektur. Die Lesung wird hier bewusst nicht verschwiegen. Auch die Gruppenzuordnung viśvebhyo ist nur so weit übersetzt, wie das Wort sie trägt.
25.2 Zweites Mandala
| Platz | Verehrung; danach Gabe | Übersetzung |
|---|---|---|
| Osten | oṃ hāṃ indrāya namaḥ oṃ hāṃ indrāya svāhā |
Verehrung Indra; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| SE | oṃ hāṃ agnaye namaḥ oṃ hāṃ agnaye svāhā |
Verehrung Agni; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Süden | oṃ hāṃ yamāya namaḥ oṃ hāṃ yamāya svāhā |
Verehrung Yama; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| SW | oṃ hāṃ nirṛtaye namaḥ oṃ hāṃ nirṛtaye svāhā |
Verehrung Nirriti; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Westen | oṃ hāṃ varuṇāya namaḥ oṃ hāṃ varuṇāya svāhā |
Verehrung Varuna; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| NW | oṃ hāṃ vāyave namaḥ oṃ hāṃ vāyave svāhā |
Verehrung Vayu; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Norden | oṃ hāṃ kuberāya namaḥ oṃ hāṃ kuberāya svāhā |
Verehrung Kubera; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| NO | oṃ hāṃ īśānāya namaḥ oṃ hāṃ īśānāya svāhā |
Verehrung Ishana; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Zusätzlich im NO, obere Ebene | oṃ hāṃ brahmaṇe namaḥ oṃ hāṃ brahmaṇe svāhā |
Verehrung Brahma; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Zusätzlich im SW, untere Ebene | oṃ hāṃ viṣṇave namaḥ oṃ hāṃ viṣṇave svāhā |
Verehrung Vishnu; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
| Mitte | oṃ hāṃ nīlalohitāya namaḥ oṃ hāṃ nīlalohitāya svāhā |
Verehrung Nilalohita, dem Dunkelroten; ihm sei diese Gabe dargebracht. |
Gib anschließend außerhalb des inneren Ritualfelds drei weitere Portionen:
oṃ hāṃ vāyasādibhyaḥ samayabhedibhyaḥ svāhā
„Den Krähen und weiteren, die außerhalb beziehungsweise jenseits der rituellen Verpflichtung stehen, sei diese Gabe dargebracht.“ Der Ausdruck samayabhedin bedeutet wörtlich „Übertretende der Verpflichtung/Ordnung“; seine genaue Gruppierung in dieser Zeile bleibt erklärungsbedürftig.
oṃ hāṃ agnyādibhyaḥ svāhā
„Agni und den übrigen sei diese Gabe dargebracht.“
oṃ hāṃ sarvebhyo gṛhavāstudevebhyaḥ svāhā
„Allen Gottheiten des Hauses und seines Ortes sei diese Gabe dargebracht.“
Verabschiede die angerufenen Gruppen, nimm ihre Mantragestalten in das Herz zurück. Die Gaben werden an einem dafür bestimmten Ort belassen; keine unverträglichen Stoffe aus Lampen, Asche oder Duftmitteln untermischen.
25.3 Die vom Text angebotene gemeinsame Bali-Formel
Die folgende Rezitation ist in K eine Alternative zur ausführlichen Namensfolge, nicht ein zwingender zusätzlicher Ritus. Sie wird vollständig mitgeteilt, weil sie den Sinn des Bali verständlich macht:
oṃ hāṃ |
ye rudrā raudrakarmāṇo raudrasthānanivāsinaḥ |
saumyāś caiva tu ye kecit saumyasthānanivāsinaḥ ||
mātaro raudrarūpāś ca gaṇānām adhipāś ca ye |
vighnabhūtās tathā cānye digvidikṣu samāśritāḥ ||
sarve suprītamanasaḥ pratigṛhṇantv imāṃ balim |
siddhiṃ juṣantu naḥ kṣipraṃ bhayebhyaḥ pāntu māṃ sadā ||
„Die Rudras, deren Wirken gewaltig ist und die an furchtbaren Orten wohnen, ebenso alle Friedvollen, die an friedlichen Orten wohnen; die Mütter mit furchtbarer Gestalt und die Herren der Scharen sowie die anderen, die als Hindernisse in den Haupt- und Zwischenrichtungen wohnen: Mögen sie alle wohlgesinnt diese Bali-Gabe annehmen, uns bald Gelingen gewähren und mich stets vor Gefahren schützen.“
Die beschädigte Form pratigṛhva?nvi wurde zu pratigṛhṇantv berichtigt; dies ist eine offen ausgewiesene grammatische Rekonstruktion.
26. Die Frucht der gesamten Verehrung übergeben
Quelle: K 1.61. Gehe wieder vor Shiva, vergegenwärtige den geweihten Mantrakörper, nimm etwas Arghya-Wasser in die Hand und knie nieder. Sprich:
yat kṛtaṃ yat kariṣyāmi tat sarvaṃ sukṛtaṃ tava |
viśvagoptā tvam evātra nānyo nātho me śivaḥ ||
„Was ich getan habe und tun werde, all das Gute daran gehört dir. Du allein bist hier der Hüter der Welt; keinen anderen Herrn habe ich als Shiva.“ Die Schlusszeile folgt der gelieferten Fassung; sie ist sprachlich uneben. Die Übersetzung gibt die eindeutige Hingaberichtung wieder.
Sprich oṃ hāṃ hauṃ śivāya svāhā und gib das Wasser mit Udbhava in die Opferschale. Vergegenwärtige, dass die verdienstvolle Frucht von Puja, Japa und Homa in Shivas Segenshand gelegt wird. Dies umfasst auch das künftige Handeln; das Ritual wird nicht als Besitz einer persönlichen Leistung festgehalten.
27. Rücknahme des Kreises und Abschluss am Lingam
Quelle: K 1.62–1.63/P. Verehre Shiva mit den acht Blüten aus 12.2 und zeige Pañcamukhī. Verehre die fünf Brahmas nochmals von Sadyojata bis Ishana, dann Mūla; gib Arghya.
Verehre die Manifestationen des äußeren Kreises in umgekehrter Ordnung, beginnend bei Astra, zurück über Kavaca, Shikha, Shiras und Hridaya sowie Netra und die Brahma-Gestalten bis Ishana. Gib den jeweiligen Plätzen Abschieds-Arghya. Löse die ausgebreiteten Mantragestalten mit Nārāca unter oṃ haḥ astrāya phaṭ von ihren Plätzen; stelle sie wie aufblitzendes Licht vor. Vereinige sie mit Divya und oṃ hāṃ haṃ hāṃ śivamūrtaye namaḥ in der Hauptgestalt. Die Thronkräfte werden mit oṃ hāṃ śivāsanāya namaḥ in ihren Sitz zurückgenommen.
Verehre Mūla nochmals, gib Arghya und sprich kṣamasva – „Verzeihe.“ Dann:
svāmin kṣudreṇa dāsena malīmaśadhiyā mayā |
kadarthito’si yad bhaktileśāt prītaḥ kṣamasva tat ||
„Herr, wenn ich als geringer Diener mit noch unreinem Denken dir unzulänglich gedient habe, so sei über das wenige an Hingabe erfreut und verzeihe es.“
Erneuere für das bleibende Lingam Schutz, Umhüllung und Nektarisierung mit Astra, Kavaca und Mūla-Vauṣaṭ. Unterschied der Träger: Bei einem bleibenden geweihten Lingam wird die besondere rituelle Ausbreitung zurückgenommen; der Ort wird nicht als danach „gottlos“ betrachtet. Bei einer vorübergehenden Verehrung auf dem Sthaṇḍila wird die angerufene Gestalt vollständig in das Herz zurückgeführt. P unterscheidet solche Abschlussweisen ausdrücklich.
Verehre und verabschiede nun den eigenen Guru-Platz, Vidyapitha, die Guru-Linie, Mahalakshmi, Ganapati und die Torhüter jeweils mit den bereits genannten Mantras. Nimm ihre für diese Puja vergegenwärtigten Erscheinungen zurück.
28. Chandeshvara: Übergabe des Nirmalya
Quelle: K 1.64/P. Richte im NO einen sauberen Platz für Caṇḍeśvara ein. Die folgenden Mantras folgen der gelieferten Fassung; huṃ phaṇṇamaḥ wird als Sandhi-Verbindung huṃ phaṭ namaḥ getrennt. Der Name Dhvanicaṇḍeśvara ist so im digitalen Grundtext vorhanden; abweichende Lesungen Dhvanicanda/Dhyanicanda sind in anderen Wiedergaben dokumentiert. Es wird nicht behauptet, eine davon sei hier endgültig textkritisch entschieden.
Gib den Sitz und die Gestalt:
oṃ ca caṇḍāsanāya huṃ phaṭ namaḥ
„Om. Verehrung dem Sitz Chandas, mit den Schutzlauten huṃ phaṭ.“
oṃ caṇḍamūrtaye huṃ phaṭ namaḥ
„Om. Verehrung der Gestalt Chandas, huṃ phaṭ.“
Stelle Chanda aus Rudras Feuer hervorgegangen vor, schwarz wie Ruß, furchtbar, mit vier Gesichtern und vier Armen, zwölf roten Augen, Flammen aus dem Mund, Mond im Haarknoten, Schlangenornamenten und Schlangenschnur. Er trägt Dreizack, Axt, Mala und Wassergefäß, sitzt auf weißem Lotus und nimmt sich der hingebungsvoll Verehrenden an. Das ist die in K gegebene Gestalt; sie ist von anderen populären zweihändigen Chandeshvara-Bildern zu unterscheiden.
Setze seine Augen mit oṃ hāṃ caṇḍanetrebhyo huṃ phaṭ namaḥ – „Verehrung den Augen Chandas, huṃ phaṭ.“ Rufe ihn an mit:
oṃ dhvanicaṇḍeśvarāya huṃ phaṭ svāhā
„Om. Dhvanichandeshvara sei diese Gabe dargebracht, huṃ phaṭ.“
Zeige die vier Anrufungsgesten und setze seine fünf Glieder:
| Ort | Mantra und Übersetzung |
|---|---|
| Herz | oṃ caṇḍahṛdayāya huṃ phaṭ namaḥ „Verehrung dem Herzen Chandas.“ |
| Haupt | oṃ caṇḍaśirase huṃ phaṭ namaḥ „Verehrung dem Haupt Chandas.“ |
| Scheitel | oṃ caṇḍaśikhāyai huṃ phaṭ namaḥ „Verehrung dem Scheitelbüschel Chandas.“ |
| Schutzhülle | oṃ caṇḍakavacāya huṃ phaṭ namaḥ „Verehrung dem Schutzpanzer Chandas.“ |
| Hände | oṃ caṇḍāstrāya huṃ phaṭ namaḥ „Verehrung der Mantrawaffe Chandas.“ |
Gib Fußwasser, Mundwasser, Arghya, Duft, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise mit dem Chanda-Hauptmantra. Überreiche ihm die zuvor gesondert aufbewahrten Nirmalya-Gaben. Sprich:
lehyaśoṣyānnapānādi tāmbūlaṃ sragvilepanam |
nirmālyabhojanaṃ tubhyaṃ pradattaṃ tu śivājñayā ||
„Leck- und Saugspeisen, feste Speise und Trank, Betel, Girlanden und Salben – die verbleibende Opfergabe ist dir auf Shivas Anordnung übergeben.“ Die ungewöhnliche Quellenlesung śoṣya bleibt erhalten. P erläutert damit Kokoswasser und ähnliche saug- beziehungsweise trinkbare Gaben; sie wird deshalb hier nicht stillschweigend zu coṣya geändert.
Rezitiere sein Hauptmantra nach Vermögen; als praktische Zählwahl sind elfmal möglich, die Quelle selbst nennt keine feste Zahl. Übergib das Japa und sprich:
sarvam etat kriyākāṇḍaṃ mayā caṇḍa tavājñayā |
nyūnādhikaṃ kṛtaṃ mohāt paripūrṇaṃ tad astu me ||
„Chanda, all diese Ritualhandlungen habe ich auf deine Anordnung vollzogen. Was ich aus Verwirrung zu wenig oder zu viel getan habe, möge für mich zur Vollständigkeit gelangen.“
Gib Abschieds-Arghya. Nimm die fünf Glieder mit ihren Mantras zurück in Chandas Gestalt, diese mit dem Mūrti-Mantra in seine Gesamterscheinung und schließlich mit dem Hauptmantra, Einatmen und Saṃhāra in den Herzlotus. K erlaubt auch eine einfachere Verehrung allein mit Sitz-, Gestalt- und Hauptmantra; diese Seite hat die ausführlichere Variante beschrieben.
29. Reinigung, Aghora-Japa und Übergang in den Alltag
Quelle: K 1.65–1.66. Nimm die Mantras aus dem Arghya-Gefäß in den Herzlotus zurück. Räume die Opferreste ihrem jeweiligen Empfänger und Verwendungszweck entsprechend weg. Reinige und besprenge den Ritualplatz. K nennt traditionelle Bodenreinigung mit Gomaya; für einen heutigen Innenraum ist eine geeignete saubere Reinigung eine praktische Anpassung, keine wörtliche Wiederholung dieser historischen Einrichtung.
Wasche die Füße, vollziehe Achamana, erneuere die Aschenreinigung und Sakalīkaraṇa. Rezitiere abschließend Aghora einundzwanzigmal. K 1.66 nennt „Aghora“, ohne die gesamte Formel hier erneut abzuschreiben. Für die vorliegende tantrische Hauptfolge wird die bereits verwendete Form gewählt:
oṃ huṃ aghorahṛdayāya namaḥ
„Om. Verehrung dem Herzen als Aghora.“
Eine Linie, die hier den längeren Aghorebhyaḥ-Mantra rezitiert, verwendet ihre unterwiesene Form; dessen vollständiger Text und Übersetzung stehen in Abschnitt 31.3. Die beiden Formen werden nicht als beliebig identisch ausgegeben.
Bleibe einen Augenblick still. Bewahre die Ausrichtung auf Shiva in den folgenden Tätigkeiten. Das anschließende Tagesreglement des Werkes behandelt unter anderem Kuhverehrung, Speiseordnung, Studium und weitere Tageshandlungen. Die in K ausdrücklich abgeschlossene Shiva-Puja endet mit 1.66; das gesamte Tagesreglement ist ein größerer Textumfang als diese Nityapuja-Anleitung.
30. Vollständiger Vyomavyapin für das Abhisheka
Verwendung: Beim Schlussbad in 12.4 einen feinen Wasserstrom über das Lingam fließen lassen und die folgende Folge zusammenhängend rezitieren. Die Absätze dienen nur dem Lesen und der deutschen Übersetzung; es sind keine Auslassungen. Für das in K verlangte Abhisheka mit svāhā wird die Schlusswendung wie unter 30.10 angegeben verwendet.
Quellenwahl: K 1.33 nennt Vyomavyāpin, druckt ihn dort aber nicht aus. Diese Anleitung ergänzt ihn aus dem Mataṅgapārameśvarāgama, Kriyāpāda, Mantra-Synopse der Ausgabe N. R. Bhatt 1982, Druckseiten 25–26, PDF-Seiten 170–171. Die 81 Einträge der Synopse wurden am Seitenbild geprüft und hier in fortlaufende IAST-Rezitation übertragen. Die Synopse ist die vom Herausgeber zusammengestellte Darstellung des alten Mantratextes, kein zusätzlich nummerierter Originalvers. Die Reihenfolge und auffälligen Lesarten dieser Fassung werden erhalten.
Es gibt andere Fassungen und Zählungen, auch eine in Aghoraśivas Überlieferungsumfeld verwendete Aufteilung in 94 Padas. Deshalb ist diese vollständige Mataṅga-Parallelfassung nicht mit einer abschließend gesicherten Rekonstruktion jeder von Aghoraśiva vorausgesetzten Silbe gleichzusetzen. Der ebenfalls eingesehene moderne Śiva Pratiṣṭhā Kramam enthält deutlich abweichende und teils fehlerhafte Lesungen; er wird für diesen Langtext nicht zur Hauptgrundlage gemacht.
30.1 Raumdurchdringende Gegenwart – Padas 1–13
oṃ vyomavyāpine vyomarūpāya sarvavyāpine śivāya anantāya anāthāya anāśritāya dhruvāya śāśvatāya yogapīṭhasaṃsthitāya nityaṃ yogine dhyānāhārāya |
„Om. Dem den Raum Durchdringenden, dessen Gestalt der Raum ist, dem alles Durchdringenden, Shiva; dem Unendlichen, der keinen Herrn über sich hat, der sich auf nichts anderes stützt, dem Beständigen, Ewigen, auf dem Yoga-Sitz Ruhenden, dem immerwährenden Yogi, dessen Nahrung Meditation ist.“
30.2 Shiva und sein fünfteiliger Mantrakörper – Padas 14–22
oṃ namaḥ śivāya sarvaprabhave śivāya īśānamūrdhāya tatpuruṣavaktrāya aghorahṛdayāya vāmadevaguhyāya sadyojātamūrtaye oṃ namo namaḥ |
„Om. Verehrung Shiva, dem Ursprung von allem, Shiva, dessen Haupt Ishana, dessen Gesicht Tatpurusha, dessen Herz Aghora, dessen verborgener Bereich Vamadeva und dessen Gestalt Sadyojata ist. Om. Verehrung, Verehrung.“
30.3 Geheimnis, Auflösung und Licht – Padas 23–29
guhyātiguhyāya goptre nidhanāya sarvavidyādhipāya jyotīrūpāya parameśvaraparāya acetana acetana |
„Dem Geheimsten des Geheimen, dem Hüter, dem Auflösungsgrund, dem Herrn aller Erkenntnisse, dem Lichtgestaltigen, dem über Parameshvara Hinausliegenden; du jenseits des gewöhnlichen Erkennens, du jenseits des gewöhnlichen Erkennens.“
Lesart und Deutung: Die geprüfte Synopse hat tatsächlich nidhanāya und zweimal acetana. Andere Fassungen haben anidhanāya („dem Endlosen“) oder acetanācetana. Acetana bedeutet im gewöhnlichen Sanskrit „unbewusst/nicht erkennend“; die Übersetzung hier ist eine theologische Deutung der Anrufung, keine Behauptung, das Wort bedeute lexikalisch „reines Bewusstsein“.
30.4 Formlosigkeit und Leuchten – Padas 30–40
vyomin vyomin vyāpin vyāpin arūpin arūpin prathama prathama tejas tejaḥ jyotir jyotiḥ arūpa anagne adhūma abhasma anāde |
„Du Raumweiter, Raumweiter; Durchdringender, Durchdringender; Formloser, Formloser; Erster, Erster; Glanz, Glanz; Licht, Licht; Formloser, ohne Feuer, ohne Rauch, ohne Asche, Anfangloser.“
Die wiederholten Anreden werden wirklich wiederholt. Sie werden nicht auf ein einziges Wort verkürzt.
30.5 Lautkeime und Welten – Padas 41–45
nā nā nā dhū dhū dhū oṃ bhūḥ oṃ bhuvaḥ oṃ svaḥ |
„Nā, nā, nā; dhū, dhū, dhū – rituelle Lautfolgen. Om, Erde; Om, Zwischenraum; Om, Himmel.“ Für die Lautfolgen wird keine sichere lexikalische deutsche Übersetzung vorgetäuscht. Die geprüfte Mataṅga-Fassung hat je drei Wiederholungen.
30.6 Namen des höchsten Herrn – Padas 46–56
anidhana nidhana nidhanodbhava śiva sarva paramātman maheśvara mahādeva sadbhāveśvara mahātejaḥ yogādhipate |
„Endloser, Ende, Ursprung der Auflösung; Shiva, All, höchstes Selbst, großer Herr, großer Gott, Herr des wahren Seins, großer Glanz, Herr des Yoga.“ Die Synopse hat hier sarva, später ausdrücklich śarva; beide werden nicht gleichgeschrieben.
30.7 Bitte um Lösung und Gegenwart – Padas 57–64
muñca muñca prathama prathama śarva śarva bhava bhava bhavodbhava sarvabhūtasukhaprada sarvasānnidhyakara brahmaviṣṇurudrapara |
„Löse, löse! Erster, Erster! Sharva, Sharva! Bhava, Bhava, Ursprung des Werdens! Du schenkst allen Wesen Wohlsein, bewirkst alle Gegenwart und bist jenseits von Brahma, Vishnu und Rudra.“
Die hier zweite Wiederholung prathama prathama entspricht der geprüften Synopse. Die verbreitete Variante pramatha pramatha wird nicht stillschweigend eingesetzt.
30.8 Jenseits der Verehrung und dennoch gegenwärtig – Padas 65–68
anarcita anarcita asaṃstuta asaṃstuta pūrvasthita pūrvasthita sākṣin sākṣin |
„Unverehrter, Unverehrter; Ungepriesener, Ungepriesener; von zuvor Bestehender, von zuvor Bestehender; Zeuge, Zeuge.“ Die verneinenden Namen können im Zusammenhang als Hinweis auf das durch Verehrung und Lob nicht erschöpfbare Wesen verstanden werden; wörtlich bleibt die Verneinung stehen.
30.9 Die letzten Anrufungen – Padas 69–77
turu turu pataṅga pataṅga piṅga piṅga jñāna jñāna śabda śabda sūkṣma sūkṣma śiva śarva sarvada |
„Turu, turu – ritueller Anruf; du Fliegender beziehungsweise Sonnenhafter, du Sonnenhafter; Goldbrauner, Goldbrauner; Erkenntnis, Erkenntnis; Klang, Klang; Feiner, Feiner; Shiva, Sharva, Allgeber.“ Die lautbezogene Bedeutung von turu ist hier nicht abschließend bestimmt.
30.10 Abschluss – Padas 78–81 und Abhisheka-Endung
oṃ namo namaḥ oṃ śivāya namo namaḥ oṃ ||
„Om. Verehrung, Verehrung. Om. Shiva Verehrung, Verehrung. Om.“
Für das Bad in dieser Anleitung schließe die ganze Rezitation mit svāhā ab, also:
oṃ namo namaḥ oṃ śivāya namo namaḥ oṃ svāhā ||
„Om. Verehrung, Verehrung. Om. Shiva Verehrung, Verehrung. Om, dargebracht sei die Gabe.“ Die Schlussanfügung ist die Umsetzung von K 1.33 svāhāntavyomavyāpin; sie wird nicht als Teil der unveränderten 81-Pada-Synopse gezählt. Schließe das Bad danach mit dem in 12.4 beschriebenen Arghya-Tropfen und Trocknen ab.
31. Die fünf längeren Brahmamantras und eine vedische Ergänzung
Die tantrischen Bija-Formeln aus Abschnitt 2 bleiben die Hauptmantras dieser Puja. Die folgenden längeren Formeln machen die Herkunft der in Abschnitt 15 zerlegten Kalā-Rezitationen verständlich und können im Rahmen der eigenen Unterweisung beim Abhisheka oder als gesonderte Rezitation verwendet werden. Die längere vedische Fassung und die Kalā-Zerlegung stimmen nicht in jeder Silbe und Wiederholung überein. Besonders śreṣṭhāya und das zusätzliche balāya der langen Vamadeva-Fassung sind kein Grund, die 13 Kalas nachträglich anders zu zählen.
Textgrundlage: Kāmika 4.94–117 für die ritualisierte Zerlegung; für die zusammenhängende längere Fassung Abgleich mit den Invocations im Śiva Pratiṣṭhā Kramam, S. 9–10. Die folgenden IAST-Texte sind ohne vedische Tonakzente. Für vedisches Singen wird eine Akzentfassung und die entsprechende Unterweisung benötigt; die unakzentierte Fassung dient der verständlichen Leserezitation und dem Vergleich.
31.1 Ishana
oṃ īśānaḥ sarvavidyānām īśvaraḥ sarvabhūtānāṃ brahmādhipatir brahmaṇo’dhipatir brahmā śivo me astu sadāśivom ||
„Om. Herr aller Erkenntnisse, Herr aller Wesen, Gebieter über Brahma, Herr des Brahman, Brahma: Möge er mir Shiva, heilvoll, sein – Sadashiva, Om.“ Die mehrfache Brahma/Brahman-Anrufung lässt unterschiedliche theologische Deutungen zu; die Übersetzung hält die Wortfolge sichtbar.
31.2 Tatpurusha
oṃ tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tan no rudraḥ pracodayāt ||
„Om. Jenen Purusha möchten wir erkennen. Über den großen Gott meditieren wir. Möge Rudra uns anregen und führen.“
Diese Formel ist von der in K 1.18 verwendeten tanmaheśāya … vāgviśuddhāya … śivaḥ-Gayatri zu unterscheiden; im Sandhya-Hauptablauf bleibt die dort bezeugte Form stehen.
31.3 Aghora
oṃ aghorebhyo’tha ghorebhyo ghoraghoratarebhyaḥ | sarvebhyaḥ sarvaśarvebhyo namas te astu rudrarūpebhyaḥ ||
„Om. Den nicht-schrecklichen, dann den schrecklichen und den schrecklichsten Gestalten, allen, sämtlichen Sharva-Gestalten: Dir und den Rudra-Gestalten sei Verehrung.“ Die zusammengesetzten Wortgruppen werden in verschiedenen Rezitations- und Nyāsa-Fassungen unterschiedlich getrennt. Hier folgt die ungeteilte Fassung der genannten modernen Ritualwiedergabe des alten Mantras.
31.4 Vamadeva
oṃ vāmadevāya namo jyeṣṭhāya namaḥ śreṣṭhāya namo rudrāya namaḥ kālāya namaḥ kalavikaraṇāya namo balavikaraṇāya namo balāya namo balapramathanāya namaḥ sarvabhūtadamanāya namo manonmanāya namaḥ ||
„Om. Verehrung Vamadeva; Verehrung dem Ältesten, dem Besten, Rudra, der Zeit, dem Verwandler der Kräfte beziehungsweise Teile, dem Verwandler der Stärke, der Stärke selbst, dem Bezwinger der Stärke, dem Bezwinger aller Wesen und dem über den Geist Hinausführenden.“ Die Namen Kalavikaraṇa und Manonmana besitzen traditionsabhängige Auslegungen; hier wird ihre bildhafte Grundrichtung wiedergegeben.
31.5 Sadyojata
oṃ sadyojātaṃ prapadyāmi sadyojātāya vai namo namaḥ | bhave bhave nātibhave bhavasva māṃ bhavodbhavāya namaḥ ||
„Om. Zu Sadyojata nehme ich Zuflucht. Wahrlich, Verehrung, Verehrung Sadyojata. In jeder Geburt, über das weitere Werden hinaus, sei für mich gegenwärtig. Verehrung dem Ursprung des Werdens.“
Lesart: Die hier benutzte zusammenhängende Quelle hat bhavasva mām; die bekannte Variante bhajasva mām bedeutet „Nimm dich meiner an“. In der Kalā-Tabelle wurde diese zweite, dort ebenfalls überlieferte Lesefassung verwendet. Die Differenz bleibt ausgewiesen.
31.6 Tryambaka-Mantra als freiwillige zusätzliche Rezitation
Der vedische Tryambaka-Vers kann, wenn in der eigenen Puja üblich, beim Wasser-Abhisheka oder als eigenes anschließendes Japa gesprochen werden. Er ersetzt nicht automatisch das in K 1.52 vorausgesetzte, eigens empfangene tantrische Mrityunjaya-Mantra. Text: Ṛgveda 7.59.12; auch in der geprüften Rudram-Rezitationssammlung enthalten.
oṃ tryambakaṃ yajāmahe sugandhiṃ puṣṭivardhanam |
urvārukam iva bandhanān mṛtyor mukṣīya māmṛtāt ||
„Om. Wir verehren den Dreiäugigen, den Wohlriechenden, der Gedeihen mehrt. Wie eine reife Gurkenfrucht von ihrer Bindung möge ich vom Tod gelöst werden, nicht aber von der Unsterblichkeit.“ Bei māmṛtāt ist die Trennung mā amṛtāt: „nicht von der Unsterblichkeit“.
Handlung: Lass während einer vollständigen Rezitation einen feinen Wasserstrom fließen; beende danach die zusätzliche Gabe. Für ein eigenes Japa wähle die mit der Unterweisung vereinbarte Zahl. K ordnet für diesen vedischen Zusatz hier keine allgemeine Zahl an.
31.7 Rudram, Chamakam und weitere Langrezitationen
Eine vollständige Namakam-/Chamakam-Rezitation kann zu einem weiter ausgebauten vedischen Rudrābhiṣeka gehören. Sie ist in K 1.33 jedoch nicht als zwingende 11-plus-11-Anuvāka-Folge ausgeschrieben. Diese Anleitung macht daraus deshalb keine zusätzliche Pflichtstufe der Aghoraśiva-Nityapuja. Das geprüfte Rezitationsheft mit beiden Texten und Tonzeichen ist unter den Quellen verlinkt. Seine 22 Anuvakas sind hier nicht vollständig übersetzt und abgedruckt. Der vollständig aufgenommene spezifische Langmantra dieses rekonstruierten Abhisheka ist Vyomavyāpin; auch die fünf langen Brahmaformeln stehen vollständig oben. Eine Ausgabe mit sämtlichen möglichen vedischen Erweiterungen wäre ein eigener erweiterter Rudrābhiṣeka-Anhang, nicht eine in der vorliegenden Quelle eindeutig festgelegte tägliche Pflichtfolge.
32. Quellen, Lesefragen und Reichweite
Benutzte Quellen
- K/P – Aghoraśiva, Kriyākramadyotikā mit Nirmalamaṇis Prabhā: die bereitgestellte Datei Kriyakramadyotika_Sanskrit_IAST_MediaWiki.txt, insbesondere Grundtext 1.3–1.66. Die Datei enthält auch einen weiteren Kommentar und führt für die Druckgrundlage Chidambaram 1927 an. Die Zuschreibung einzelner Erläuterungen wird im Text jeweils als Grundtext oder Kommentar kenntlich gemacht. Vergleichbar zugänglich: Sanskrittext auf Wikisource. Die elektronische Vorlage nennt Muktabodha als Herkunft und CC BY-NC 4.0; ihre Herkunft ist bei einer Weiterveröffentlichung dieser daraus erarbeiteten Fassung anzugeben.
- A – Kāmikāgama, Pūrvapāda, Kapitel 4 Arcanāvidhi: Sanskrit mit englischer Übersetzung von S. P. Sabharathnam Sivacharyar, Himalayan Academy/Kauai Adheenam. Für die Kalas wurden besonders die Sanskritverse 4.94–117 und ihre Zuordnungen herangezogen. Digitale Ausgabe. Die deutschen Mantraübersetzungen dieser Seite sind eigenständig formuliert; die moderne englische Übersetzung wird nicht als deutscher Text übernommen.
- S – Somaśambhupaddhati, Band I: Sanskrit, französische Übersetzung und Anmerkungen Hélène Brunner-Lachaux, Institut Français de Pondichéry, 1963, PIFI 25.1. Abgleich besonders S. 178–180 zur göttlichen Gestalt und Kalā-Zählung, Appendix I, S. 323–325 zum Sakalīkaraṇa, sowie der Mudrā-Anhang mit seinen zitierten älteren Quellen. Verlagsnachweis; Digitalisat. Die Hauptfolge bleibt die Kriyākramadyotikā.
- M – Mataṅgapārameśvarāgama: Kriyāpāda, Yogapāda et Caryāpāda, mit dem überlieferten Kommentar Bhaṭṭa Rāmakaṇṭhas; kritische Edition N. R. Bhatt, Institut Français d’Indologie, Pondichéry 1982, PIFI 65. Für Abschnitt 30 wurden die Sanskrit-Mantra-Synopse auf S. 25–26, PDF 170–171, und die variantenerörternden Tabellen der Einleitung konsultiert. Verlagsnachweis; Digitalisat. Die 81-Pada-Fassung wird ausdrücklich als Parallelfassung verwendet.
- V – Śiva Pratiṣṭhā Kramam: Ritualhandbuch auf der Ressourcenseite des Australian Council of Hindu Clergy, geführt unter den Prayogas von Pandit Sri Ram Sivan/Ramanuja Achari. Herangezogen wurden die langen Brahmaformeln, S. 9–10, und zum Variantenvergleich Vyomavyāpin, S. 42–43. Das Gesamtwerk ist eine Pratiṣṭhā-Anleitung und wird hier nicht als Aghoraśivas tägliche Paddhati ausgegeben. Ressourcenseite; PDF.
- Vedische Zusatzrezitationen: Śrī Rudram und Chamakam, IAST mit vedischen Akzenten, Satzfassung Oktober 2007. Die genaue Übertragung des vedischen Tonfalls setzt die entsprechende Rezitationsunterweisung voraus.
- Sonnen-Zusatzvers: Navagraha-Stotra, erster Vers, japākusumasaṃkāśam. Er ist in 7.6 als Zusatz beziehungsweise Ersatz für die beschädigte Sonnen-Stotra-Zeile kenntlich gemacht. Sanskrit Documents, Navagraha-Texte.
Wesentliche Lesentscheidungen
- Īśāna hoṃ/hāṃ: Im Hauptablauf hoṃ nach K 1.13 und 1.46; die abweichende Zeile in 1.37 wird nicht zur allgemeinen Regel gemacht.
- Vāmadeva und Vidyādeha: vāmadevaguhyāya und vidyādehāya nach den klaren Parallelstellen desselben Werkes.
- Sonnenmantras: Die Wurzelform hrāṃ hrīṃ saḥ und Augenform bhāṃ vereinheitlichen innerhalb K 1.20 schwankende Lesungen. Die Abweichungen sind im Sonnenabschnitt angegeben.
- Bhūtaśuddhi: Vier nur verkürzt bezeichnete Kalā-Formeln sind nach dem ausdrücklich gegebenen Nivṛtti-Muster ausgeschrieben. Das ist eine Ergänzung, kein neu entdecktes wörtliches Zitat.
- 38 Kalas: Die Hauptgruppen und ihr Platz im Ablauf kommen aus K; die ausführbare Fragmentfolge folgt A. K hat unter anderem dayā statt A rakṣā, schwankendes bhaya/abhayā, bhrāmaṇī statt brāhmaṇī und beschädigte Körperstellen im mittleren Teil. Avyaktā wird zusätzlich am oberen Gesicht vergegenwärtigt, ohne die Grundsumme von 38 umzudefinieren.
- Dritte Tattva-Gabe: Die im digitalen Abschnitt 1.44 fehlende dritte Formel ist als Ergänzung der geforderten Dreizahl gekennzeichnet.
- Vyomavyāpin: Vollständige, am Scan geprüfte Mataṅga-Fassung; keine Behauptung vollständiger Silbenidentität mit Aghoraśivas vorausgesetzter Fassung. Die abweichenden Formen nidhanāya, acetana acetana, prathama prathama und der Schluss bleiben sichtbar.
- Caṇḍeśvara: Die Namenslesung bleibt offen; die Sandhi-Trennung huṃ phaṭ namaḥ ist ausgewiesen. Die ungewöhnliche Speisenlesung śoṣya bleibt nach der ausdrücklichen Erklärung von P erhalten.
- Uccāra und Mudrās: Die inneren Stufen werden benannt und, soweit die Quellen tragen, praktisch erläutert. Eine eigenständige textliche Anleitung kann die empfangene Lauttechnik und ihre subtilen Zeitwerte nicht vollständig rekonstruieren. Diese Grenze ist konkret benannt, nicht als pauschaler Vorbehalt über das gesamte Ritual gelegt.
Was vollständig beschrieben ist und was offen bleibt
Die Seite enthält einen durchgehenden Ablauf der persönlichen täglichen Puja: Vorbereitung, Achamana, Kara- und Aṅga-Nyāsa, Sandhya mit Tarpana, Shiva-Surya, Türverehrung, Bhūtaśuddhi, innere Puja, fünf Reinigungen, Abhisheka, vollständigen Thron, Kalā-Rekonstruktion, Anrufung, Upacaras, Ekāvaraṇa, Naivedya, Pavitra, Arati, Japa, Guru und Schrift, Stotra, tägliches Homa, beide Bali-Mandalas, Hingabe, Rücknahme, Caṇḍeśvara und Schluss-Japa.
Die Formeln dieses gewählten Ablaufs stehen auf dieser Seite; einige wiederkehrende Mantras werden über eindeutige interne Abschnittsverweise wiederverwendet. Wo die Quelle die Endung ausdrücklich ändern lässt, ist dies als regelhafte Anwendung erklärt. Der Ablauf enthält keine Lücke, die durch eine unbenannte „übliche Puja“ ersetzt wird. Offen bleiben einzelne textkritische Lesungen, die exakte initiationsabhängige Uccāra-Ausführung und die Frage, welche Vyomavyāpin-Variante eine bestimmte Aghoraśiva-Linie verwendet. Deshalb lautet die zutreffende Bezeichnung: umfangreiche quellenbasierte Rekonstruktion der vollständigen Ritualfolge, nicht „philologisch endgültige Vollrekonstruktion aller Überlieferungen“.