Brihajjabala Upanishad

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Die Brihajjabala Upanishad (Sanskrit: बृहज्जाबालोपनिषत्, IAST: Bṛhajjābālopaniṣat) ist eine shivaistische Upanishad des Atharvaveda. In acht Brahmanas, hier Lehrabschnitten, verbindet sie die Verehrung Shivas mit Bhasma, heiliger Asche, dem dreifachen Stirnzeichen Tripundra und Rudraksha. Kalagnirudra unterweist Bhusunda; später treten Janaka, Yajnavalkya, Paippalada und Sanatkumara auf.

Ihr Thema ist die Verwandlung von äußerem Ritual in eine Erinnerung an Erkenntnis, Vergänglichkeit und Befreiung. Zugleich enthält sie ausführliche Ritualvorschriften und starke Heilsversprechen. Sie ist von der kürzeren Jabala Upanishad, der Jabali Upanishad und der Bhasmajabala Upanishad zu unterscheiden.

Shiva steht in der Brihajjabala für die Kraft, Bindung im Feuer der Erkenntnis aufzulösen.

Brihajjabala Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Textgrundlage ist die Sanskrit-Documents-Fassung mit acht Brahmanas. Offensichtliche Übertragungsfehler der Schrift und Umschrift wurden berichtigt; inhaltlich unklare Stellen bleiben mit einer Textanmerkung kenntlich. Die Quellenlage dieser Fassung erlaubt dort keine vorgetäuschte Wortlaut-Sicherheit. Die vorangestellte Meditationsstrophe, Friedensgebete und Abschnittsschlüsse sind mit wiedergegeben. Zahlen mit Buchstaben kennzeichnen lediglich die Aufteilung längerer Prosastellen; die Versfolge bleibt erhalten.

Auf jede Sanskrit-Einheit folgen ihre deutsche Übersetzung und Worterklärung. Zusammensetzungen werden zur Erklärung aufgelöst; der fortlaufende Sanskrittext wahrt den Sandhi. Die Heils- und Machtzusagen sowie soziale Wertungen werden als Aussagen dieses historischen Textes übersetzt.

Überlieferte Eingangsstrophe
yajjñānāgniḥ svātiriktabhramaṃ bhasma karoti tat |
bṛhajjābālanigamaśirovedyamahaṃ mahaḥ ||

Ich bin jenes Licht, dessen Erkenntnisfeuer die Täuschung von etwas außerhalb seiner selbst zu Asche macht und das durch die Brihajjabala, den Gipfel der Offenbarung, erkannt wird.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yat-jñāna-agniḥ – dessen Erkenntnisfeuer; sva-atirikta-bhramam – Täuschung von etwas außerhalb seiner selbst; bhasma karoti – macht zu Asche; tat – jenes; bṛhat-jābāla-nigama-śiras-vedyam – durch die Brihajjabala als Gipfel der Offenbarung erkennbar; aham – ich bin; mahaḥ – Licht.

Textanmerkung: Diese vorangestellte Meditationsstrophe gehört zum Rahmen der verwendeten Sammlung.

Shanti-Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ – mit festen; aṅgaiḥ – Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren.

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Erstes und zweites Brahmana – Ursprung und innere Bedeutung

1 – Wasser und Prajapati
oṃ āpo vā idamasatsalilameva | sa prajāpatirekaḥ puṣkaraparṇe
samabhavat |
tasyāntarmanasi kāmaḥ samavartata idaṃ sṛjeyamiti |
tasmādyatpuruṣo
manasābhigacchati | tadvācā vadati | tatkarmaṇā karoti |

Om. Dieses war zunächst Wasser, das noch nicht als Welt Bestehende, nur Flut. Prajapati allein entstand auf einem Lotusblatt. In seinem Inneren, im Geist, regte sich der Wunsch: „Ich möchte dieses erschaffen.“ Was ein Mensch im Geist anstrebt, das spricht er aus; was er ausspricht, das vollzieht er durch Handeln.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; āpaḥ – Wasser; – wahrlich; idam – dieses; asat – noch nicht als Welt bestehend; salilam eva – nur Flut; saḥ prajāpatiḥ ekaḥ – Prajapati allein; puṣkara-parṇe – auf einem Lotusblatt; samabhavat – entstand; tasya antaḥ-manasi – in seinem inneren Geist; kāmaḥ samavartata – Wunsch regte sich; idam sṛjeyam – ich möchte dieses erschaffen; iti – so; tasmāt – deshalb; yat puruṣaḥ manasā abhigacchati – was ein Mensch geistig anstrebt; tat vācā vadati – das spricht er aus; tat karmaṇā karoti – das vollzieht er durch Handeln.

1 – Der ursprüngliche Wunsch
tadeṣābhyanūktā |
kāmastadagre samavartatādhi | manaso retaḥ prathamaṃ yadāsīt |
sato bandhumasati niravindan | hṛdi pratīṣyā kavayo
manīṣeti |

Darüber ist diese Strophe gesprochen: „Wunsch regte sich zu Anfang über ihm, der erste Same des Geistes. Die Seher fanden durch Einsicht, im Herzen forschend, die Verbindung des Seienden im Nichtseienden.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat eṣā abhyanūktā – darüber ist diese Strophe gesprochen; kāmaḥ – Wunsch; tat agre – zu Anfang über jenem; samavartata – regte sich; adhi – darüber; manasaḥ retaḥ – Same des Geistes; prathamam – erster; yat āsīt – der war; sataḥ bandhum – Verbindung des Seienden; asati – im Nichtseienden; niravindan – fanden; hṛdi – im Herzen; pratīṣya – forschend; kavayaḥ – Seher; manīṣā – durch Einsicht; iti – so.

Textanmerkung: Dies greift Rigveda 10.129.4 auf. Die Wortgestalt entspricht der hier zitierten Überlieferung.

1 – Wunsch und Askese
upainaṃ tadupanamati | yatkāmo bhavati | ya evaṃ veda | sa
tapo'tapyata |
sa tapastaptvā |

Wer so weiß, dem nähert sich das, was er wünscht. Er übte Askese; nachdem er Askese geübt hatte, [folgt die Unterweisung].

Wort-für-Wort-Übersetzung: upa enam tat upanamati – jenes nähert sich ihm; yat-kāmaḥ bhavati – was er wünscht; yaḥ evam veda – wer so weiß; saḥ tapaḥ atapyata – er übte Askese; saḥ tapaḥ taptvā – nachdem er Askese geübt hatte.

Textanmerkung: Der Übergang zur Bhusunda-Erzählung ist in der Vorlage abgebrochen. Die Klammer bezeichnet nur den erzählerischen Anschluss, keinen ergänzten Sanskritsatz.

1 – Bhusundas Bitte
sa etaṃ bhusuṇḍaḥ kālāgnirudramagamadāgatya bho
vibhūtermāhātmyaṃ brūhīti tatheti pratyavocadbhusuṇḍaṃ
vakṣyamāṇaṃ kimiti
vibhūtirudrākṣayormāhātmyaṃ babhāṇeti ādāveva paippalādena
sahoktamiti
tatphalaśrutiriti tasyordhvaṃ kiṃ vadāmeti |
bṛhajjābālābhidhāṃ muktiśrutiṃ
mamopadeśaṃ kuruṣveti | oṃ tadeti |

Bhusunda ging zu Kalagnirudra und bat: „Herr, erläutere die Größe der heiligen Asche.“ Dieser antwortete: „So sei es.“ Auf die Frage, was zu erklären sei, nannte er die Größe von Asche und Rudraksha. „Das wurde anfangs bereits mit Paippalada besprochen, ebenso die Verheißung ihrer Frucht. Was sollen wir darüber hinaus sagen?“ – „Unterweise mich in der befreienden Offenbarung namens Brihajjabala!“ – „Om, so sei es.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ bhusuṇḍaḥ – Bhusunda; kālāgnirudram agamat – ging zu Kalagnirudra; āgatya – hingelangt; bho – Herr; vibhūteḥ māhātmyam – Größe der heiligen Asche; brūhi – erkläre; tathā iti pratyavocat – antwortete: so sei es; vakṣyamāṇam kim – was zu sagen sei; vibhūti-rudrākṣayoḥ – von Asche und Rudraksha; babhāṇa – sprach; ādau eva – schon anfangs; paippalādena saha – mit Paippalada; uktam – besprochen; tat-phala-śrutiḥ – Verheißung ihrer Frucht; tasya ūrdhvam – darüber hinaus; kim vadāma – was sollen wir sagen; bṛhat-jābāla-abhidhām – Brihajjabala genannt; mukti-śrutim – befreiende Offenbarung; mama upadeśam kuruṣva – unterweise mich; oṃ tat iti – Om, so sei es.

1 – Die fünf Ursprünge, 1
sadyojātātpṛthivī |
tasyāḥ syānnivṛttiḥ |
tasyāḥ kapilavarṇānandā | tadgomayena vibhūtirjātā |

Aus Sadyojata entstand Erde, daraus Nivritti, daraus die gelbbraune Kuh Nanda. Aus ihrem Dung entstand Vibhuti.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sadyojātāt – aus Sadyojata; pṛthivī – Erde; nivṛttiḥ – Nivritti, Rückkehr; kapila-varṇā – gelbbraun; nandā – Nanda; vibhūtiḥ – Vibhuti; tasyāḥ – aus ihr, ihrer; tasmāt – aus diesem; tat-gomayena – aus ihrem Dung; jātam – entstanden.

Textanmerkung: Die fünf Kühe und Kräfte bilden eine symbolische Entsprechungsreihe der fünf Shiva-Gesichter.

1 – Die fünf Ursprünge, 2
vāmadevādudakam |
tasmātpratiṣṭhā | tasyāḥ kṛṣṇavarṇābhadrā | tadgomayena
bhasitaṃ jātam |

Aus Vamadeva entstand Wasser, daraus Pratishtha, daraus die schwarze Kuh Bhadra. Aus ihrem Dung entstand Bhasita.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāmadevāt – aus Vamadeva; udakam – Wasser; pratiṣṭhā – Pratishtha, Festigkeit; kṛṣṇa-varṇā – schwarz; bhadrā – Bhadra; bhasitam – Bhasita; tasyāḥ – aus ihr, ihrer; tasmāt – aus diesem; tat-gomayena – aus ihrem Dung; jātam – entstanden.

1 – Die fünf Ursprünge, 3
aghorādvahniḥ | tasmādvidyā | tasyā raktavarṇā surabhiḥ |
tadgomayena bhasma jātam |

Aus Aghora entstand Feuer, daraus Vidya, daraus die rote Kuh Surabhi. Aus ihrem Dung entstand Bhasma.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aghorāt – aus Aghora; vahniḥ – Feuer; vidyā – Vidya, Erkenntnis; rakta-varṇā – rot; surabhiḥ – Surabhi; bhasma – Bhasma; tasyāḥ – aus ihr, ihrer; tasmāt – aus diesem; tat-gomayena – aus ihrem Dung; jātam – entstanden.

1 – Die fünf Ursprünge, 4
tatpuruṣādvāyuḥ | tasmācchāntiḥ | tasyāḥ śvetavarṇā
suśīlā | tasyā
gomayena kṣāraṃ jātam |

Aus Tatpurusha entstand Wind, daraus Shanti, daraus die weiße Kuh Sushila. Aus ihrem Dung entstand Kshara.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatpuruṣāt – aus Tatpurusha; vāyuḥ – Wind; śāntiḥ – Shanti, Frieden; śveta-varṇā – weiß; suśīlā – Sushila; kṣāram – Kshara; tasyāḥ – aus ihr, ihrer; tasmāt – aus diesem; tat-gomayena – aus ihrem Dung; jātam – entstanden.

1 – Die fünf Ursprünge, 5
īśānādākāśam |
tasmācchāntyatītā |
tasyāścitravarṇā sumanāḥ | tadgomayena rakṣā jātā |

Aus Ishana entstand Raum, daraus Shantyatita, daraus die bunte Kuh Sumana. Aus ihrem Dung entstand Raksha.

Wort-für-Wort-Übersetzung: īśānāt – aus Ishana; ākāśam – Raum; śāntyatītā – Shantyatita, jenseits des Friedens; citra-varṇā – bunt; sumanāḥ – Sumana; rakṣā – Raksha; tasyāḥ – aus ihr, ihrer; tasmāt – aus diesem; tat-gomayena – aus ihrem Dung; jātam – entstanden.

1 – Die fünf Namen der Asche
vibhūtirbhasitaṃ bhasma
kṣāraṃ rakṣeti bhasmano bhavanti pañca nāmāni |
pañcabhirnāmabhirbhṛśamaiśvaryakāraṇādbhūtiḥ | bhasma
sarvāghabhakṣaṇāt |
bhāsanādbhasitam | kṣāraṇādāpadāṃ kṣāram |
bhūtapretapiśācabrahmarākṣasāpasmārabhavabhītibhyo'bhirakṣaṇa
adrakṣeti ||

Vibhuti, Bhasita, Bhasma, Kshara und Raksha sind die fünf Namen der Asche. Sie heißt Bhuti, weil sie große Herrlichkeit bewirkt; Bhasma, weil sie alles Unheilsame verzehrt; Bhasita, weil sie erhellt; Kshara, weil sie Bedrängnisse auflöst; Raksha, weil sie vor Geistern, Verstorbenengeistern, Pishachas, Brahmarakshasas, Anfällen und der Furcht vor dem Dasein schützt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vibhūtiḥ – Herrlichkeit, heilige Asche; bhasitam – Bhasita; bhasma – Bhasma; kṣāram – Kshara; rakṣā – Schutz; iti – so; bhasmanaḥ pañca nāmāni – die fünf Namen der Asche; bhavanti – sind; pañcabhiḥ nāmabhiḥ – mit fünf Namen; bhṛśam – sehr, groß; aiśvarya-kāraṇāt – weil sie Herrlichkeit bewirkt; bhūtiḥ – Bhuti; sarva-agha-bhakṣaṇāt – weil sie alles Unheilsame verzehrt; bhāsanāt – weil sie erhellt; āpadām kṣāraṇāt – weil sie Bedrängnisse auflöst; bhūta-preta-piśāca-brahmarākṣasa – verschiedene Geistwesen; apasmāra – Anfälle, Bewusstseinsverlust; bhava-bhītibhyaḥ – vor Daseinsfurcht; abhirakṣaṇāt – wegen des Beschützens.

Textanmerkung: Die Namen werden religiös gedeutet. Die Aussagen über Schutz sind Wirkungsversprechen des Textes, keine medizinischen Wirksamkeitsnachweise.

Abschluss des ersten Brahmana
prathamaṃ brāhmaṇam || 1 ||

Erstes Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: prathamam – erstes; brāhmaṇam – Brahmana, Lehrabschnitt.

2 – Frage nach dem Aschebad
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudramagnīṣomātmakaṃ bhasmasnānavidhiṃ
papraccha |

Darauf fragte Bhusunda Kalagnirudra nach der Ordnung des Aschebades, dessen Wesen Agni und Soma ist.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; bhusuṇḍaḥ – Bhusunda; kālāgnirudram – Kalagnirudra; agni-soma-ātmakam – Agni und Soma als Wesen habend; bhasma-snāna-vidhim – Ordnung des Aschebades; papraccha – fragte.

2 – Das eine Feuer
agniryathaiko bhuvanaṃ praviṣṭo rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo babhūva |
ekaṃ bhasma sarvabhūtāntarātmā rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo
bahiśca ||

Wie das eine Feuer, in die Welt eingetreten, sich jeder Gestalt entsprechend zeigt, so die eine Asche: inneres Selbst aller Wesen, jeder Gestalt entsprechend und auch außerhalb.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agniḥ – Feuer; yathā – wie; ekaḥ – eines; bhuvanam praviṣṭaḥ – in die Welt eingetreten; rūpam rūpam prati-rūpaḥ – jeder Gestalt entsprechend; babhūva – wurde; ekam bhasma – eine Asche; sarva-bhūta-antarātmā – inneres Selbst aller Wesen; bahiḥ ca – auch außerhalb.

Textanmerkung: Der erste Halbvers erinnert an Katha Upanishad 2.2.9. Der zweite überträgt dessen Bild auf die Asche.

2.1
agnīṣomātmakaṃ viśvamityagnirācakṣate |
raudrī ghorā yā taijasī tanūḥ | somaḥ śaktyamṛtamayaḥ
śaktikarī tanūḥ |
amṛtaṃ yatpratiṣṭhā sā tejovidyākalā svayam |
sthūlasūkṣmeṣu bhūteṣu sa eva rasatejasī || 1 ||

„Die Welt besteht aus Agni und Soma“, so erklärt Agni. Die furchtbare, feurige Gestalt gehört Rudra. Soma ist die aus dem Nektar der Shakti bestehende, Kraft verleihende Gestalt. Das Unsterbliche ist ihre Grundlage; sie ist selbst die Licht- und Erkenntniskraft. In groben und feinen Wesen erscheint dies als Saft und Feuerkraft.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agni-soma-ātmakam viśvam – die Welt aus Agni und Soma; iti agniḥ ācakṣate – so erklärt Agni; raudrī – Rudra zugehörig; ghorā – furchtbar; taijasī tanūḥ – feurige Gestalt; somaḥ – Soma; śakti-amṛta-mayaḥ – aus Shaktis Nektar bestehend; śakti-karī tanūḥ – Kraft verleihende Gestalt; amṛtam – Unsterbliches, Nektar; yat pratiṣṭhā – was die Grundlage ist; – sie; tejas-vidyā-kalā – Licht- und Erkenntniskraft; svayam – selbst; sthūla-sūkṣmeṣu bhūteṣu – in groben und feinen Wesen; saḥ eva – eben dies; rasa-tejasī – Saft und Feuerkraft.

2.2
dvividhā tejaso vṛttiḥ sūryātmā cānalātmikā |
tathaiva rasaśaktiśca somātmā cānalātmikā || 2 ||

Zweifach ist das Wirken der Feuerkraft: als Sonne und als Feuer. Ebenso ist die Saftkraft zweifach: als Soma und als Feuer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dvi-vidhā – zweifach; tejasaḥ vṛttiḥ – Wirken der Feuerkraft; sūrya-ātmā – sonnenartig; ca – und; anala-ātmikā – feuerartig; tathā eva – ebenso; rasa-śaktiḥ – Saftkraft; soma-ātmā – somaartig.

Textanmerkung: Die Vorlage wiederholt anala, „Feuer“, auch bei der Saftkraft. Häufig wäre hier Wasser zu erwarten; ohne eindeutigen Textzeugen wird diese schwierige Lesung nicht stillschweigend ersetzt.

2.3
vaidyudādimayaṃ tejo madhurādimayo rasaḥ |
tejorasavibhedaistu vṛttametaccarācaram || 3 ||

Feuerkraft erscheint als Blitz und anderes, Saft als Süße und anderes. Durch die verschiedenen Formen von Feuerkraft und Saft besteht diese bewegliche und unbewegliche Welt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vaidyuta-ādi-mayam – aus Blitz und Weiterem bestehend; tejaḥ – Feuerkraft; madhura-ādi-mayaḥ – aus Süße und Weiterem bestehend; rasaḥ – Saft, Geschmack; tejas-rasa-vibhedaiḥ – durch verschiedene Formen von Feuerkraft und Saft; vṛttam – bestehend; etat carācaram – dieses Bewegliche und Unbewegliche.

2.4
agneramṛtaniṣpattiramṛtenāgniredhate |
ata eva haviḥ kḷptamagnīṣomātmakaṃ jagat || 4 ||

Aus Feuer geht der Nektar hervor; durch Nektar wächst das Feuer. Deshalb ist die Opfergabe bereitet: Die Welt besteht aus Agni und Soma.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agneḥ – aus Feuer; amṛta-niṣpattiḥ – Entstehung des Nektars; amṛtena – durch Nektar; agniḥ edhate – Feuer wächst; ataḥ eva – eben deshalb; haviḥ kḷptam – Opfergabe bereitet; agni-soma-ātmakam jagat – Welt aus Agni und Soma.

2.5
ūrdhvaśaktimayaṃ soma adhośaktimayo'nalaḥ |
tābhyāṃ sampuṭitastasmācchaśvadviśvamidaṃ jagat || 5 ||

Soma besteht aus der oberen Kraft, das Feuer aus der unteren Kraft. Von beiden umschlossen besteht daher fortwährend dieses ganze Weltall.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ūrdhva-śakti-mayam – aus oberer Kraft bestehend; somaḥ – Soma; adhaḥ-śakti-mayaḥ – aus unterer Kraft bestehend; analaḥ – Feuer; tābhyām – von beiden; sampuṭitaḥ – umschlossen; tasmāt – deshalb; śaśvat – fortwährend; viśvam idam jagat – dieses ganze Weltall.

2.6
agnerūrdhvaṃ bhavatyeṣā yāvatsaumyaṃ parāmṛtam |
yāvadagnyātmakaṃ saumyamamṛtaṃ visṛtyadhaḥ || 6 ||

Vom Feuer steigt diese Kraft empor, bis zum höchsten somaartigen Nektar. Der somaartige Nektar strömt hinab, bis er das Feuerartige erreicht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agneḥ – vom Feuer; ūrdhvam – aufwärts; bhavati – geht, wird; eṣā – diese Kraft; yāvat – bis; saumyam – somaartig; param amṛtam – höchster Nektar; yāvat – bis; agni-ātmakam – Feuerartiges; saumyam amṛtam – somaartiger Nektar; visṛtya – ausströmend; adhaḥ – abwärts.

Textanmerkung: Der zweite Halbvers ist elliptisch; „erreicht“ ergänzt im Deutschen die räumliche Beziehung der beiden yāvat-Sätze.

2.7
ata eva hi kālāgniradhastācchaktirūrdhvagā |
yāvadādahanaścordhvamadhastātpāvanaṃ bhavet || 7 ||

Deshalb befindet sich das Zeitfeuer unten, die Shakti geht nach oben. Soweit das Brennen nach oben reicht, wirkt unten die Reinigung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ataḥ eva hi – eben deshalb; kāla-agniḥ – Zeitfeuer; adhastāt – unten; śaktiḥ ūrdhva-gā – Shakti aufwärtsgehend; yāvat – soweit; ādahanaḥ – Brennen; ca – und; ūrdhvam – nach oben; adhastāt pāvanam – Reinigung unten; bhavet – wirke.

Textanmerkung: Pāvanam lautet die verwendete Überlieferung. Parallele shaivische Texte sprechen an dieser Stelle vom Überfluten; die beiden Lesarten werden nicht vermischt.

2.8
ādhāraśaktyāvadhṛtaḥ kālāgnirayamūrdhvagaḥ |
tathaiva nimnagaḥ somaḥ śivaśaktipadāspadaḥ || 8 ||

Von der tragenden Kraft gehalten, steigt dieses Zeitfeuer auf. Ebenso fließt Soma hinab, gegründet im Bereich von Shiva und Shakti.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ādhāra-śaktyā – von der tragenden Kraft; avadhṛtaḥ – gehalten; kāla-agniḥ ayam – dieses Zeitfeuer; ūrdhva-gaḥ – aufsteigend; tathā eva – ebenso; nimna-gaḥ – abwärtsfließend; somaḥ – Soma; śiva-śakti-pada-āspadaḥ – im Bereich von Shiva und Shakti gegründet.

2.9
śivaścordhvamayaḥ śaktirūrdhvaśaktimayaḥ śivaḥ |
taditthaṃ śivaśaktibhyāṃ nāvyāptamiha kiṃcana || 9 ||

Shiva ist von aufwärtsgerichtetem Wesen; Shakti ist aufwärtsgerichtet, und Shiva ist von Shakti erfüllt. So gibt es hier nichts, das nicht von Shiva und Shakti durchdrungen wäre.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śivaḥ – Shiva; ca – und; ūrdhva-mayaḥ – von aufwärtsgerichtetem Wesen; śaktiḥ – Shakti; ūrdhva – aufwärts; śakti-mayaḥ – von Shakti erfüllt; tat ittham – so also; śiva-śaktibhyām – von Shiva und Shakti; na avyāptam – nicht undurchdrungen; iha – hier; kiñcana – irgendetwas.

Textanmerkung: Die erste Zeile ist syntaktisch beschädigt beziehungsweise stark verdichtet. Der sichere Kern ist die im zweiten Halbvers ausgesprochene Allgegenwart von Shiva und Shakti. Die Auflösung der ersten Zeile bleibt eine vorsichtige Lesedeutung.

2.10
asakṛccāgninā dagdhaṃ jagattadbhasmasātkṛtam |
agnervīryamidaṃ prāhustadvīryaṃ bhasma yattataḥ || 10 ||

Wiederholt wird die Welt vom Feuer verbrannt und zu Asche gemacht. Diese Asche nennt man die Kraft des Feuers, denn sie geht aus jener Kraft hervor.

Wort-für-Wort-Übersetzung: asakṛt – wiederholt; ca – und; agninā dagdham – vom Feuer verbrannt; jagat – Welt; tat bhasmasāt kṛtam – zu Asche gemacht; agneḥ vīryam – Kraft des Feuers; idam prāhuḥ – dies nennt man; tat vīryam – diese Kraft; bhasma – Asche; yat tataḥ – weil sie daraus hervorgeht.

2.11
yaścetthaṃ bhasmasadbhāvaṃ jñātvābhisnāti bhasmanā |
agnirityādibhirmantrairdagdhapāpaḥ sa ucyate || 11 ||

Wer so das wahre Wesen der Asche erkennt und sich mit Asche badet, unter den Mantras „Agni …“ und den weiteren, dessen Unheilsames gilt als verbrannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ – wer; ca ittham – so; bhasma-sat-bhāvam – wahres Wesen der Asche; jñātvā – erkennend; abhisnāti bhasmanā – badet sich mit Asche; agniḥ iti ādibhiḥ mantraiḥ – mit den Mantras beginnend „Agni“; dagdha-pāpaḥ – mit verbranntem Unheilsamen; saḥ ucyate – der wird genannt.

2.12
agnervīryaṃ ca tadbhasma somenāplāvitaṃ punaḥ |
ayogayuktyā prakṛteradhikārāya kalpate || 12 ||

Diese Asche, die Kraft des Feuers, wird wiederum von Soma überflutet. Ohne die Verbindung des Yoga dient sie der Herrschaft der Natur.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agneḥ vīryam – Kraft des Feuers; ca – und; tat bhasma – diese Asche; somena āplāvitam – von Soma überflutet; punaḥ – wiederum; a-yoga-yuktyā – ohne Yoga-Verbindung; prakṛteḥ adhikārāya – zur Herrschaft der Natur; kalpate – dient.

2.13
yogayuktyā tu tadbhasma plāvyamānaṃ samantataḥ |
śāktenāmṛtavarṣeṇa hyadhikārānnivartate || 13 ||

Wird diese Asche aber durch Yoga-Verbindung ringsum mit dem Nektarregen der Shakti überflutet, entzieht sie sich jener Herrschaft.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yoga-yuktyā – durch Yoga-Verbindung; tu – aber; tat bhasma – diese Asche; plāvyamānam – überflutet werdend; samantataḥ – ringsum; śāktena amṛta-varṣeṇa – mit Shaktis Nektarregen; hi – gewiss; adhikārāt nivartate – zieht sich aus der Herrschaft zurück.

2.14
ato mṛtyuñjayāyetthamamṛtaplāvanaṃ satām |
śivaśaktyamṛtasparśe labdha eva kuto mṛtiḥ || 14 ||

Deshalb dient dieses Nektarbad den Guten zum Sieg über den Tod. Wo die Berührung des Nektars von Shiva und Shakti erlangt ist, woher sollte dort Tod kommen?

Wort-für-Wort-Übersetzung: ataḥ – deshalb; mṛtyuṃjayāya – zum Sieg über den Tod; ittham – so; amṛta-plāvanam – Nektarüberflutung; satām – der Guten; śiva-śakti-amṛta-sparśe labdhe – bei erlangter Nektarberührung von Shiva und Shakti; eva – eben; kutaḥ mṛtiḥ – woher Tod.

2.15
yo veda gahanaṃ guhyaṃ pāvanaṃ ca tathoditam |
agnīṣomapuṭaṃ kṛtvā na sa bhūyo'bhijāyate || 15 ||

Wer die so erklärte tiefe, geheime und reinigende Lehre kennt und sich von Agni und Soma umschließen lässt, wird nicht wieder geboren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ veda – wer kennt; gahanam – tief; guhyam – geheim; pāvanam – reinigend; ca – und; tathā uditam – so erklärt; agni-soma-puṭam kṛtvā – die Umschließung durch Agni und Soma vollziehend; na saḥ bhūyaḥ abhijāyate – der wird nicht wieder geboren.

2.16
śivāgninā tanuṃ dagdhvā śaktisomāmṛtena yaḥ |
plāvayedyogamārgeṇa so'mṛtatvāya kalpate so'mṛtatvāya kalpata
iti || 16 ||

Wer auf dem Yogaweg den Körper im Shiva-Feuer verbrennt und mit dem Nektar von Shakti-Soma überflutet, wird zur Unsterblichkeit befähigt, zur Unsterblichkeit befähigt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śiva-agninā – mit Shiva-Feuer; tanum dagdhvā – den Körper verbrannt habend; śakti-soma-amṛtena – mit dem Nektar von Shakti-Soma; yaḥ plāvayet – wer überflutet; yoga-mārgeṇa – auf dem Yogaweg; saḥ amṛtatvāya kalpate – der wird zur Unsterblichkeit befähigt; iti – so.

Textanmerkung: Das Brennen und Überfluten bezeichnet hier eine innere Yoga-Betrachtung. Die Schlusswiederholung ist um das in der Vorlage ausgefallene tat in amṛtatvāya berichtigt.

Abschluss des zweiten Brahmana
dvitīyaṃ brāhmaṇam || 2 ||

Zweites Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dvitīyam – zweites; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

Drittes und viertes Brahmana – Asche und Tripundra

3 – Auswahl des Ausgangsstoffs
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudraṃ vibhūtiyogamanubrūhīti hovāca
vikaṭāṅgāmunmattāṃ mahākhalāṃ malināmaśivādicihnānvitāṃ
punardhenuṃ kṛśāṅgāṃ vatsahīnāmaśāntāmadughdhadohinīṃ
nirindriyāṃ jagdhatṛṇāṃ keśacelāsthibhakṣiṇīṃ sandhinīṃ
navaprasūtāṃ rogārtāṃ gāṃ vihāya
praśastagomayamāharedgomayaṃ svasthaṃ grāhyaṃ śubhe sthāne vā
patitamaparityajyāta ūrdhvaṃ mardayedgavyena gomayagrahaṇaṃ kapilā
vā dhavalā vā alābhe tadanyā gauḥ syāddoṣavarjitā
kapilāgorbhasmoktaṃ labdhaṃ gobhasma no cedanyagokṣāraṃ yatra
kvāpi sthitaṃ ca yattanna hi dhāryaṃ saṃskārasahitaṃ
dhāryam |

Darauf bat Bhusunda Kalagnirudra: „Erkläre die Anwendung der Vibhuti.“ Man soll geeigneten Kuhdung nehmen und dabei Kühe mit missgebildeten Gliedern, wahnsinnige, besonders wilde, unreine, mit unheilvollen Zeichen versehene, wiederholt kalbende, magere, kalblose, unruhige, nicht melkbare, schwache, verdorbenes Futter oder Haare, Stoff und Knochen fressende, in einem Übergang der Trächtigkeit stehende, frisch abgekalbte und kranke Kühe ausschließen. Geeigneter Dung, auch an einer reinen Stelle gefallener, soll mit einem Kuhprodukt geknetet werden. Die Kuh sei gelbbraun oder weiß; fehlt eine solche, darf es eine andere fehlerfreie Kuh sein. Asche einer gelbbraunen Kuh wird besonders genannt. Ist sie nicht vorhanden, nehme man Asche einer anderen Kuh. Beliebig vorgefundene Kuhasche soll man nicht tragen; zu tragen ist rituell zubereitete Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; bhusuṇḍaḥ – Bhusunda; kālāgnirudram – Kalagnirudra; vibhūti-yogam – Anwendung der Vibhuti; anubrūhi – erkläre; iti hovāca – so sagte er; vikaṭa-aṅgām – missgebildet; unmattām – wahnsinnig; mahā-khalām – sehr wild; malinām – unrein; aśiva-ādi-cihna-anvitām – mit unheilvollen Zeichen; punar-dhenum – wiederholt kalbend; kṛśa-aṅgām – mager; vatsa-hīnām – kalblos; aśāntām – unruhig; adugdha-dohinīm – nicht melkbar; nirindriyām – kraftlos; jagdha-tṛṇām – Gras gefressen habend, hier schwierige Futterangabe; keśa-cela-asthi-bhakṣiṇīm – Haare, Stoff und Knochen fressend; sandhinīm – in einem Übergang der Trächtigkeit stehend; nava-prasūtām – frisch abgekalbt; roga-ārtām – krank; gām vihāya – solche Kuh ausschließend; praśasta-gomayam āharet – man hole geeigneten Kuhdung; svastham – einwandfrei; grāhyam – zu nehmen; śubhe sthāne patitam – an einer reinen Stelle gefallen; aparityajya – nicht verwerfend; ataḥ ūrdhvam – danach; mardayet – man knete; gavyena – mit Kuhprodukt; gomaya-grahaṇam – Aufnehmen des Kuhdungs; kapilā – gelbbraun; dhavalā – weiß; alābhe – bei Nichtvorhandensein; tat-anyā gauḥ – andere Kuh; doṣa-varjitā – fehlerfrei; kapilā-goḥ bhasma – Asche einer gelbbraunen Kuh; uktam – genannt; labdham – erhalten; no cet – wenn nicht; anya-go-kṣāram – Asche einer anderen Kuh; yatra kva api sthitam – irgendwo befindlich; na hi dhāryam – nicht zu tragen; saṃskāra-sahitam – rituell zubereitet; dhāryam – zu tragen.

Textanmerkung: Die Futterangabe jagdha-tṛṇām und einige Tierbeschreibungen sind nicht eindeutig überliefert. Die Übersetzung bezeichnet die rituelle Auswahlregel, keine veterinärmedizinische Empfehlung.

3.1
tatraite ślokā bhavanti |
vidyāśaktiḥ samastānāṃ śaktirityabhidhīyate |
guṇatrayāśrayā vidyā sā vidyā ca tadāśrayā || 1 ||

Hierzu die Strophen: Vidya ist die Kraft aller Kräfte. Die Erkenntniskraft ruht auf den drei Gunas, und diese Erkenntnis ist deren Grundlage.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatra ete ślokāḥ bhavanti – hierzu gibt es diese Strophen; vidyā-śaktiḥ – Erkenntniskraft; samastānām śaktiḥ – Kraft aller; iti abhidhīyate – wird so genannt; guṇa-traya-āśrayā – auf den drei Gunas ruhend; vidyā – Erkenntnis; – sie; ca – und; tat-āśrayā – deren Grundlage.

3.2
guṇatrayamidaṃ dhenurvidyābhūdgomayaṃ śubham |
mūtraṃ copaniṣatproktaṃ kuryādbhasma tataḥ param || 2 ||

Die drei Gunas sind die Kuh; Vidya ist der heilige Kuhdung. Der Urin wird als Upanishad bezeichnet. Daraus bereite man die höchste Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: guṇa-trayam idam – diese drei Gunas; dhenuḥ – Kuh; vidyā abhūt – Vidya wurde; gomayam śubham – heiliger Kuhdung; mūtram – Urin; ca – und; upaniṣat proktam – als Upanishad bezeichnet; kuryāt – man bereite; bhasma – Asche; tataḥ – daraus; param – höchste.

Textanmerkung: Die Vorlage lässt die Versnummer 2 aus; sie ist hier aus der Reihenfolge ergänzt. Die Gleichsetzungen gehören zur rituellen Symbolsprache.

3.3
vatsastu smṛtayaścāsya tatsambhūtaṃ tu gomayam |
āgāva iti mantreṇa dhenuṃ tatrābhimantrayet || 3 ||

Das Kalb sind die Smritis, und der Dung geht daraus hervor. Mit dem Mantra „ā gāvaḥ“ spreche man die Kuh an.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vatsaḥ – Kalb; tu – aber; smṛtayaḥ – Smritis, Überlieferungen; ca – und; asya – dieses; tat-sambhūtam – daraus entstanden; gomayam – Kuhdung; ā gāvaḥ iti mantreṇa – mit dem Mantraanfang ā gāvaḥ; dhenum – Kuh; tatra – dabei; abhimantrayet – man spreche rituell an.

3.4
gāvo bhaga gāvo iti prāśayettarpaṇaṃ jalam |
upoṣya ca caturdaśyāṃ śukle kṛṣṇe'thavā vratī || 4 ||

Mit „gāvo bhaga, gāvaḥ“ gebe man ihr nährendes Wasser zu trinken. Der Gelübdetreue faste am vierzehnten Tag der hellen oder dunklen Monatshälfte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: gāvaḥ bhagaḥ gāvaḥ – Mantraanfang über die Kühe; iti – so; prāśayet – man lasse trinken; tarpaṇam jalam – nährendes Wasser; upoṣya – gefastet habend; ca – und; caturdaśyām – am vierzehnten Tag; śukle – in der hellen Hälfte; kṛṣṇe athavā – oder in der dunklen; vratī – Gelübdetreuer.

3.5
paredyuḥ prātarutthāya śucirbhūtvā samāhitaḥ |
kṛtasnāno dhautavastraḥ payordhaṃ ca sṛjecca gām || 5 ||

Am folgenden Morgen stehe er auf, werde rein und gesammelt, bade, trage gewaschene Kleidung und lasse die Kuh zum Melken frei.

Wort-für-Wort-Übersetzung: paredyuḥ – am folgenden Tag; prātaḥ – am Morgen; utthāya – aufstehend; śuciḥ bhūtvā – rein werdend; samāhitaḥ – gesammelt; kṛta-snānaḥ – gebadet; dhauta-vastraḥ – mit gewaschener Kleidung; payordham – unsichere Lesung, wohl auf das Melken bezogen; ca – und; sṛjet gām – lasse die Kuh frei.

Textanmerkung: Payordham ist nicht sicher zu erklären. „Zum Melken“ gibt den naheliegenden Zusammenhang wieder, nicht eine gesicherte Wortgleichung.

3.6
utthāpya gāṃ prayatnena gāyatryā mūtramāharet |
sauvarṇe rājate tāmre dhārayenmṛṇmaye ghaṭe || 6 ||

Er bringe die Kuh behutsam zum Aufstehen und sammle unter der Gayatri ihren Urin in einem goldenen, silbernen, kupfernen oder tönernen Gefäß.

Wort-für-Wort-Übersetzung: utthāpya gām – die Kuh aufstehen lassend; prayatnena – behutsam, sorgfältig; gāyatryā – mit der Gayatri; mūtram āharet – man sammle Urin; sauvarṇe – in goldenem; rājate – in silbernem; tāmre – in kupfernem; dhārayet – man bewahre; mṛṇmaye ghaṭe – in tönernem Gefäß.

3.7
pauṣkare'tha palāśe vā pātre gośṛṅga eva vā |
ādadhīta hi gomūtraṃ gandhadvāreti gomayam || 7 ||

Oder er bewahre den Kuhurin in einem Lotus- oder Palasha-Blattgefäß oder in einem Kuhhorn. Den Kuhdung nehme er unter „gandhadvārām“ auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pauṣkare – in einem Lotusblattgefäß; atha – oder; palāśe vā pātre – in einem Palasha-Gefäß; go-śṛṅge eva vā – oder in einem Kuhhorn; ādadhīta – man bewahre; hi – eben; go-mūtram – Kuhurin; gandha-dvārā iti – mit dem Mantraanfang gandhadvārām; go-mayam – Kuhdung.

3.8
abhūmipātaṃ gṛhṇīyātpātre pūrvodite gṛhī |
gomayaṃ śodhayedvidvānśrīrme bhajatumantrataḥ || 8 ||

Der Haushälter nehme den Dung, bevor er den Boden berührt, in das zuvor genannte Gefäß. Der Kundige reinige ihn mit dem Mantra „śrīr me bhajatu“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: abhūmi-pātam – noch nicht auf den Boden gefallen; gṛhṇīyāt – man nehme; pātre pūrva-udite – in das zuvor genannte Gefäß; gṛhī – Haushälter; go-mayam – Kuhdung; śodhayet – man reinige; vidvān – Kundiger; śrīḥ me bhajatu – „Glück möge mir zuteilwerden“, Mantraanfang; mantrataḥ – durch den Mantra.

3.9
alakṣmīrma iti mantreṇa gomayaṃ dhānyavarjitam |
saṃtvāsiṃcāmi mantreṇa gomaye kṣipet || 9 ||

Mit „alakṣmīr me“ entferne man Körner aus dem Kuhdung; mit „saṃ tvā siñcāmi“ gebe man die Flüssigkeit hinzu.

Wort-für-Wort-Übersetzung: alakṣmīḥ me iti mantreṇa – mit dem Mantraanfang alakṣmīr me; go-mayam – Kuhdung; dhānya-varjitam – von Körnern befreit; saṃ tvā siñcāmi – „ich begieße dich“, Mantraanfang; mantreṇa – mit dem Mantra; go-maye – in den Kuhdung; kṣipet – man gebe.

3.10
pañcānāṃ tviti mantreṇa piṇḍānāṃ ca caturdaśa |
kuryātsaṃśodhya kiraṇaiḥ saurakairāharettataḥ || 10 ||

Mit dem Mantra „pañcānāṃ tvā“ forme man vierzehn Ballen, lasse sie durch Sonnenstrahlen trocknen und sammle sie ein.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañcānām tu iti mantreṇa – mit dem zitierten Mantraanfang; piṇḍānām caturdaśa – vierzehn Ballen; kuryāt – man forme; saṃśodhya – gereinigt, hier getrocknet habend; kiraṇaiḥ saurakaiḥ – durch Sonnenstrahlen; āharet – man sammle; tataḥ – danach.

3.11
nidadhyādatha pūrvoktapātre gomayapiṇḍakān |
svagṛhyoktavidhānena pratiṣṭhāpyāgnimījayet || 11 ||

Dann lege man die Dungballen in das zuvor genannte Gefäß, errichte das Feuer nach der Ordnung der eigenen Grihya-Tradition und verehre es.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nidadhyāt – man lege; atha – dann; pūrva-ukta-pātre – in das zuvor genannte Gefäß; go-maya-piṇḍakān – Dungballen; sva-gṛhya-ukta-vidhānena – nach der Ordnung der eigenen Grihya-Tradition; pratiṣṭhāpya agnim – das Feuer errichtend; ījayet – man verehre.

3.12
piṇḍāṃśca nikṣipettatra ādyantaṃ praṇavena tu |
ṣaḍakṣarasya sūktasya vyākṛtasya tathākṣaraiḥ || 12 ||

Man gebe die Ballen hinein, jeweils mit Om am Anfang und Ende, und mit den einzeln ausgesprochenen Silben des sechssilbigen heiligen Spruchs.

Wort-für-Wort-Übersetzung: piṇḍān – Ballen; ca – und; nikṣipet tatra – man gebe hinein; ādi-antam – am Anfang und Ende; praṇavena – mit Om; tu – eben; ṣaṭ-akṣarasya – des sechssilbigen; sūktasya – heiligen Spruchs; vyākṛtasya – auseinandergelegt; tathā – ebenso; akṣaraiḥ – mit den Silben.

3.13
svāhānte juhuyāttatra varṇadevāya piṇḍakān |
āghārāvājyabhāgau ca prakṣipedvyāhṛtīḥ sudhīḥ || 13 ||

Mit Svaha am Ende opfere man dort die Ballen der Lautgottheit. Der Einsichtige bringe die beiden Aghara-Güsse, die beiden Butteranteile und die Vyahritis dar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svāhā-ante – mit Svaha am Ende; juhuyāt – man opfere; tatra – dort; varṇa-devāya – der Lautgottheit; piṇḍakān – Ballen; āghārau – zwei Aghara-Güsse; ājya-bhāgau – zwei Butteranteile; ca – und; prakṣipet – man bringe dar; vyāhṛtīḥ – Vyahritis, heilige Weltenausrufe; sudhīḥ – Einsichtiger.

3.14
tato nidhanapataye trayoviṃśajjuhoti ca |
hotavyāḥ pañca brahmāṇi namo hiraṇyabāhave || 14 ||

Dann opfert er dreiundzwanzigmal mit „nidhanapataye“. Die fünf Brahman-Mantras und „namo hiraṇyabāhave“ sind ebenfalls als Opferformeln zu verwenden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ – dann; nidhanapataye – „dem Herrn des Endes“, Mantraanfang; trayoviṃśat – dreiundzwanzig; juhoti – er opfert; ca – und; hotavyāḥ – als Opferformeln zu verwenden; pañca brahmāṇi – fünf Brahman-Mantras; namaḥ hiraṇya-bāhave – „Verehrung dem Goldarmigen“, Mantraanfang.

3.15
iti sarvāhutirhutvā caturthyantaiśca mantrakaiḥ |
ṛtaṃsatyaṃ kadrudrāya yasya vakaṅkatīti ca || 15 ||

Nachdem diese Gesamtgabe dargebracht ist, opfere man mit den im Dativ endenden Formeln, mit „ṛtaṃ satyam“, „kad rudrāya“ und „yasya vaikaṅkatī“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – so; sarva-āhutiḥ – Gesamtgabe; hutvā – dargebracht habend; caturthī-antaiḥ – im Dativ endend; ca – und; mantrakaiḥ – mit Mantras; ṛtam satyam – Mantraanfang „Rechtes, Wahres“; kad rudrāya – Mantraanfang an Rudra; yasya vaikaṅkatī – Mantraanfang.

Textanmerkung: Die letzte Formel ist in der Vorlage als yasya vakaṅkatīti entstellt; die Worterklärung zeigt den erkennbaren Mantraanfang. Der Grundtext schreibt diese fremden Mantras nicht vollständig aus.

3.16
etaiśca juhuyādvidvānanājñātatrayaṃ tathā |
vyāhṛtīratha hutvā ca tataḥ sviṣṭakṛtaṃ hunet || 16 ||

Mit diesen opfere der Kundige, ebenso mit den drei „anājñāta“-Formeln. Nach den Vyahritis bringe er die Gabe an Svishtakrit dar.

Wort-für-Wort-Übersetzung: etaiḥ – mit diesen; ca – und; juhuyāt – man opfere; vidvān – Kundiger; anājñāta-trayam – drei anājñāta-Formeln; tathā – ebenso; vyāhṛtīḥ hutvā – nach der Darbringung der Vyahritis; atha tataḥ – dann; sviṣṭakṛtam hunet – man opfere an Svishtakrit, den Vollender des rechten Opfers.

3.17
homaśeṣaṃ tu nirvartya pūrṇapātrodakaṃ tathā |
pūrṇamasīti yajuṣā jalenānyena bṛṃhayet || 17 ||

Nachdem das übrige Feueropfer vollzogen ist, vermehre man das Wasser des vollen Gefäßes mit weiterem Wasser unter dem Yajus „pūrṇam asi“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: homa-śeṣam – Rest des Feueropfers; tu – aber; nirvartya – vollzogen habend; pūrṇa-pātra-udakam – Wasser des vollen Gefäßes; tathā – ebenso; pūrṇam asi – „du bist voll“, Mantraanfang; yajuṣā – mit der Yajusformel; jalena anyena – mit weiterem Wasser; bṛṃhayet – man vermehre.

3.18
brāhmaṇeṣvamṛtamiti tajjalaṃ śirasi kṣipet |
prācyāmiti diśāṃ liṅgairdikṣu toyaṃ vinikṣipet || 18 ||

Mit „brāhmaṇeṣv amṛtam“ sprenge man das Wasser auf den Kopf. Unter den die Richtungen bezeichnenden Formeln, beginnend „prācyām“, sprenge man Wasser in die Richtungen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brāhmaṇeṣu amṛtam – „Unsterbliches unter den Brahmanen“, Mantraanfang; iti – so; tat jalam – dieses Wasser; śirasi kṣipet – man sprenge auf den Kopf; prācyām iti – Mantraanfang „in der östlichen“; diśām liṅgaiḥ – mit Kennzeichen der Richtungen; dikṣu – in die Richtungen; toyam vinikṣipet – man sprenge Wasser.

3.19
brahmaṇe dakṣiṇāṃ dattvā śāntyai pulakamāharet |
āhariṣyāmi devānāṃ sarveṣāṃ karmaguptaye || 19 ||

Dem Brahman-Priester gebe man die Opfergabe und hole zur Beruhigung Spelzen: „Ich werde sie herbeiholen, um das Werk aller Götter zu bewahren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmaṇe – dem Brahman-Priester; dakṣiṇām dattvā – Opfergabe gegeben habend; śāntyai – zur Beruhigung; pulakam āharet – man hole Spelzen; āhariṣyāmi – ich werde herbeiholen; devānām sarveṣām – aller Götter; karma-guptaye – zur Bewahrung des Werkes.

3.20
jātavedasamenaṃ tvāṃ pulakaiśchādayāmyaham |
mantreṇānena taṃ vahniṃ pulakaiśchādayettataḥ || 20 ||

Dich, dieses alles kennende Feuer, bedecke ich mit Spelzen.“ Mit diesem Mantra bedecke man darauf das Feuer mit Spelzen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jātavedasam – alles kennendes Feuer; enam tvām – dich, dieses; pulakaiḥ – mit Spelzen; chādayāmi aham – ich bedecke; mantreṇa anena – mit diesem Mantra; tam vahnim – das Feuer; pulakaiḥ chādayet – man bedecke mit Spelzen; tataḥ – danach.

3.21
tridinaṃ jvalanasthityai chādanaṃ pulakaiḥ smṛtam |
brāhmaṇānbhojayedbhaktyā svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ || 21 ||

Die Bedeckung mit Spelzen soll das Glimmen drei Tage erhalten. Man bewirte die Brahmanen mit Hingabe und esse selbst schweigend.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tridinam – drei Tage; jvalana-sthityai – zum Erhalten des Glimmens; chādanam – Bedeckung; pulakaiḥ – mit Spelzen; smṛtam – überliefert; brāhmaṇān bhojayet – man bewirte die Brahmanen; bhaktyā – mit Hingabe; svayam bhuñjīta – man esse selbst; vāk-yataḥ – die Rede zurückhaltend.

3.22
bhasmādhikyamabhīpsustu adhikaṃ gomayaṃ haret |
dinatrayeṇa yadi vā ekasmindivase'thavā || 22 ||

Wer mehr Asche wünscht, nehme mehr Kuhdung, sei es innerhalb von drei Tagen oder an einem einzigen Tag.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhasma-ādhikyam – mehr Asche; abhīpsuḥ – wünschend; tu – aber; adhikam go-mayam – mehr Kuhdung; haret – man nehme; dina-trayeṇa – innerhalb dreier Tage; yadi vā – sei es; ekasmin divase athavā – oder an einem einzigen Tag.

3.23
tṛtīye vā caturthe vā prātaḥ snātvā sitāmbaraḥ |
śuklayajñopavītī ca śuklamālyānulepanaḥ || 23 ||

Am dritten oder vierten Morgen bade er, trage weiße Kleidung, eine weiße heilige Schnur, weiße Girlanden und helle Salben;

Wort-für-Wort-Übersetzung: tṛtīye vā caturthe vā – am dritten oder vierten; prātaḥ – am Morgen; snātvā – gebadet habend; sita-ambaraḥ – weiß gekleidet; śukla-yajña-upavītī – mit weißer heiliger Schnur; ca – und; śukla-mālya-anulepanaḥ – mit weißen Girlanden und Salben.

3.24
śukladanto bhasmadigdho mantreṇānena mantravit |
oṃ tadbrahmeti coccārya paulakaṃ bhasma saṃtyajet || 24 ||

mit gereinigten Zähnen, mit Asche bestrichen, spreche der Mantrakundige „oṃ tad brahma“ und entferne die Spelzenasche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śukla-dantaḥ – mit weißen, gereinigten Zähnen; bhasma-digdhaḥ – mit Asche bestrichen; mantreṇa anena – mit diesem Mantra; mantra-vit – Mantrakundiger; oṃ tat brahma – „Om, das ist Brahman“; uccārya – aussprechend; paulakam bhasma – Spelzenasche; saṃtyajet – man entferne.

3.25
tatra cāvāhanamukhānupacārāṃstu ṣoḍaśa |
kuryādvyāhṛtibhistvevaṃ tato'gnimupasaṃharet || 25 ||

Er vollziehe dort die sechzehn Darbringungen, beginnend mit der Einladung, zusammen mit den Vyahritis; dann verabschiede er das Feuer.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatra – dort; ca – und; āvāhana-mukhān – mit der Einladung beginnend; upacārān ṣoḍaśa – sechzehn Darbringungen; kuryāt – man vollziehe; vyāhṛtibhiḥ – mit Vyahritis; tu evam – so; tataḥ – dann; agnim upasaṃharet – man verabschiede das Feuer.

3.26
agnirbhasmeti mantreṇa gṛhṇīyādbhasma cottaram |
agnirityādimantreṇa pramṛjya ca tataḥ param || 26 ||

Mit „agnir bhasma“ nehme er die übrige Asche auf und reinige sie dann unter den Mantras „agniḥ“ und den weiteren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agniḥ bhasma – „Feuer ist Asche“, Mantraanfang; iti mantreṇa – mit diesem Mantra; gṛhṇīyāt – man nehme; bhasma uttaram – die übrige Asche; ca – und; agniḥ iti ādi-mantreṇa – mit den Mantras beginnend agniḥ; pramṛjya – reinigend; tataḥ param – danach.

3.27
saṃyojya gandhasalilaiḥ kapilāmūtrakeṇa vā |
candrakuṅkumakāśmīramuśiraṃ candanaṃ tathā || 27 ||

Man mische sie mit duftendem Wasser oder mit Urin einer gelbbraunen Kuh. Kampfer, Kumkuma, kaschmirischer Safran, Ushira und Sandelholz

Wort-für-Wort-Übersetzung: saṃyojya – vermischend; gandha-salilaiḥ – mit duftendem Wasser; kapilā-mūtrakeṇa vā – oder mit Urin einer gelbbraunen Kuh; candra – Kampfer; kuṅkuma – Kumkuma; kāśmīra – kaschmirischer Safran; uśīram – Ushira, Vetiver; candanam – Sandelholz; tathā – ebenso.

3.28
agarutritayaṃ caiva cūrṇayitvā tu sūkṣmataḥ |
kṣipedbhasmani taccūrṇamomiti brahmamantrataḥ || 28 ||

sowie drei Arten von Agaru zermahle man sehr fein und gebe dieses Pulver unter dem Brahman-Mantra Om in die Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: agaru-tritayam – drei Arten von Agaru, Adlerholz; ca eva – auch; cūrṇayitvā – zermahlend; tu sūkṣmataḥ – sehr fein; kṣipet – man gebe; bhasmani – in die Asche; tat cūrṇam – dieses Pulver; oṃ iti – Om; brahma-mantrataḥ – mit dem Brahman-Mantra.

3.29
praṇavenāharedvidvānbṛhato vaṭakānatha |
aṇoraṇīyaniti hi mantreṇa ca vicakṣaṇaḥ || 29 ||

Mit Om forme der Kundige große Kügelchen und mit „aṇor aṇīyān“ kleinere.

Wort-für-Wort-Übersetzung: praṇavena – mit Om; āharet – man nehme, forme; vidvān – Kundiger; bṛhataḥ vaṭakān – große Kügelchen; atha – dann; aṇoḥ aṇīyān – „kleiner als das Kleine“, Mantraanfang; iti hi mantreṇa – mit diesem Mantra; ca – und; vicakṣaṇaḥ – Einsichtiger.

Textanmerkung: Das Adjektiv „kleinere“ ist aus dem zweiten Mantra und dem Gegensatz zu bṛhataḥ ergänzt; im Sanskrit steht es nicht noch einmal ausdrücklich.

3.30
itthaṃ bhasma susampādya śuṣkamādaya mantravit |
praṇavena vimṛjyātha saptapraṇavamantritam || 30 ||

Nachdem die Asche so gut bereitet ist, nehme der Mantrakundige die trockene Asche, zerreibe sie mit Om und weihe sie mit sieben Om-Lauten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ittham – so; bhasma susampādya – Asche gut bereitet habend; śuṣkam ādāya – die trockene nehmend; mantra-vit – Mantrakundiger; praṇavena vimṛjya – mit Om zerreibend; atha – dann; sapta-praṇava-mantritam – mit sieben Om-Lauten geweiht.

3.31
īśāneti śirodeśe mukhaṃ tatpuruṣeṇa tu |
urudeśamaghoreṇa guhyaṃ vāmena mantrayet || 31 ||

Mit „īśāna“ weihe er den Kopfbereich, mit Tatpurusha das Gesicht, mit Aghora den Schenkelbereich und mit Vama den verborgenen Körperbereich.

Wort-für-Wort-Übersetzung: īśāna iti – mit dem Ishana-Mantra; śiro-deśe – am Kopfbereich; mukham – Gesicht; tatpuruṣeṇa – mit Tatpurusha; tu – aber; uru-deśam – Schenkelbereich; aghoreṇa – mit Aghora; guhyam – verborgener Körperbereich; vāmena – mit Vama; mantrayet – man weihe durch Mantra.

Textanmerkung: Uru-deśam steht hier für den Schenkelbereich; in anderen Abschnitten wird der Aghora-Mantra dem Herzen zugeordnet. Diese Abweichung bleibt sichtbar.

3.32
sadyojātena vai pādānsarvāṅgaṃ praṇavena tu |
tata uddhūlya sarvāṅgamāpādatalamastakam || 32 ||

Mit Sadyojata die Füße, mit Om den ganzen Körper. Dann bestäube er den gesamten Körper von den Fußsohlen bis zum Scheitel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sadyojātena – mit Sadyojata; vai – gewiss; pādān – Füße; sarva-aṅgam – ganzer Körper; praṇavena – mit Om; tu – aber; tataḥ – dann; uddhūlya – bestäubend; sarva-aṅgam – ganzer Körper; ā-pāda-tala-mastakam – von Fußsohle bis Scheitel.

3.33
ācamya vasanaṃ dhautaṃ tataścaitatpradhārayet |
punarācamya karma svaṃ kartumarhasi sattama || 33 ||

Nach dem rituellen Wasserschlürfen ziehe er gewaschene Kleidung an. Nach erneutem Wasserschlürfen kannst du, Bester, deine eigene heilige Pflicht vollziehen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ācamya – rituell Wasser geschlürft habend; vasanam dhautam – gewaschene Kleidung; tataḥ – dann; etat pradhārayet – man ziehe diese an; punaḥ ācamya – erneut rituell Wasser schlürfend; karma svam – eigene heilige Pflicht; kartum arhasi – du kannst vollziehen; sattama – Bester.

3.34
atha caturvidhaṃ bhasma kalpam |
prathamamanukalpam | dvitīyamupakalpam |
upopakalpaṃ tṛtīyam | akalpaṃ caturtham |
agnihotraṃ samudbhūtaṃ virajānalajamanukalpam |
vane śuṣkaṃ śakṛtsaṃgṛhya kalpoktavidhinā
kalpitamupakalpaṃ syāt |
araṇye śuṣkagomayaṃ cūrṇīkṛtya gomūtraiḥ piṇḍīkṛtya
yathākalpaṃ saṃskṛtamupopakalpam | śivālayasthamakalpaṃ
śatakalpaṃ ca |
itthaṃ caturvidhaṃ bhasma pāpaṃ nikṛntayenmokṣaṃ dadātīti
bhagavānkālāgnirudraḥ || 34 ||

Nun gibt es vier Zubereitungen der Asche: erstens Anukalpa, zweitens Upakalpa, drittens Upopakalpa, viertens Akalpa. Anukalpa entsteht aus dem Agnihotra- oder Viraja-Feuer. Sammelt man im Wald trockenen Dung und bereitet ihn nach der Ritualvorschrift, heißt dies Upakalpa. Zermahlt man trockenen Walddung, formt ihn mit Kuhurin zu Ballen und bereitet ihn vorschriftsmäßig, heißt dies Upopakalpa. Asche aus einem Shiva-Tempel heißt Akalpa, auch Shatakalpa. Diese vier Arten Asche durchtrennen das Unheilsame und schenken Befreiung, so der erhabene Kalagnirudra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – nun; catur-vidham bhasma-kalpam – vierfache Aschezubereitung; prathamam anukalpam – erstens Anukalpa; dvitīyam upakalpam – zweitens Upakalpa; upopakalpam tṛtīyam – drittens Upopakalpa; akalpam caturtham – viertens Akalpa; agnihotra-samudbhūtam – aus Agnihotra entstanden; viraja-anala-jam – aus Viraja-Feuer entstanden; vane śuṣkam śakṛt – im Wald trockener Dung; saṃgṛhya – sammelnd; kalpa-ukta-vidhinā – nach Ritualvorschrift; kalpitam – bereitet; syāt – heißt; araṇye – im Wald; śuṣka-gomayam cūrṇīkṛtya – trockenen Kuhdung zermahlend; gomūtraiḥ piṇḍīkṛtya – mit Kuhurin zu Ballen formend; yathākalpam saṃskṛtam – vorschriftsmäßig bereitet; śivālaya-stham – im Shiva-Tempel befindlich; śata-kalpam – Shatakalpa, wörtlich hundertfache Zubereitung; ca – und; ittham – so; pāpam nikṛntayet – durchtrenne das Unheilsame; mokṣam dadāti – schenkt Befreiung; iti bhagavān kālāgnirudraḥ – so der erhabene Kalagnirudra.

Textanmerkung: Shatakalpa steht zusätzlich in der Vorlage, ohne dass damit eine fünfte Art eingeführt wird; der genaue Bezug ist unklar.

Abschluss des dritten Brahmana
iti tṛtīyaṃ brāhmaṇam || 3 ||

Hier endet das dritte Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; tṛtīyam – drittes; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

4 – Die beiden Aschebäder
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudraṃ bhasmasnānavidhiṃ brūhīti
hovācātha praṇavena vimṛjyātha
saptapraṇavenābhimantritamāgamena tu tenaiva digbandhanaṃ
kārayetpunarapi tenāstramantreṇāṅgāni
mūrdhādīnyuddhūlayenmalasnānamidamīśānādyaiḥ
pañcabhirmantraistanuṃ kramāddhūlayet |
īśāneti śirodeśaṃ mukhaṃ tatpuruṣeṇa tu | ūrudeśamaghoreṇa
guhyakaṃ vāmadevataḥ |
sadyojātena vai pādau sarvāṅgaṃ praṇavena tu | āpādatalamastakaṃ
sarvāṅgaṃ tata uddhūlācamya
vasanaṃ dhautaṃ śvetaṃ pradhārayedvidhisnānamidam ||

Bhusunda bat Kalagnirudra: „Erkläre die Ordnung des Aschebades.“ Man zerreibe die Asche mit Om und weihe sie siebenmal mit Om. Nach der Agama-Ordnung schütze man damit die Himmelsrichtungen und bestäube unter dem Waffenmantra Kopf und übrige Glieder: Dies ist das reinigende Bad. Dann bestäube man den Körper der Reihe nach mit den fünf Mantras: den Kopf mit Ishana, das Gesicht mit Tatpurusha, die Schenkel mit Aghora, den verborgenen Bereich mit Vamadeva, die Füße mit Sadyojata und den ganzen Körper mit Om. Nachdem der Körper von den Fußsohlen bis zum Scheitel bestäubt ist, schlürfe man rituell Wasser und ziehe gewaschene weiße Kleidung an. Dies ist das vorgeschriebene Bad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; bhusuṇḍaḥ – Bhusunda; kālāgnirudram – Kalagnirudra; bhasma-snāna-vidhim brūhi – erkläre die Ordnung des Aschebades; iti hovāca – so sagte er; praṇavena vimṛjya – mit Om zerreibend; sapta-praṇavena abhimantritam – mit sieben Om-Lauten geweiht; āgamena – nach Agama; tena eva – mit eben diesem; dik-bandhanam kārayet – man schütze die Richtungen; punaḥ api – wiederum; astra-mantreṇa – mit dem Waffenmantra; aṅgāni mūrdha-ādīni – Kopf und weitere Glieder; uddhūlayet – man bestäube; mala-snānam idam – dies ist das reinigende Bad; īśāna-ādyaiḥ pañcabhiḥ mantraiḥ – mit den fünf Mantras beginnend Ishana; tanum – Körper; kramāt – der Reihe nach; śiro-deśam – Kopfbereich; mukham – Gesicht; tatpuruṣeṇa – mit Tatpurusha; ūru-deśam – Schenkelbereich; aghoreṇa – mit Aghora; guhyakam – verborgener Bereich; vāmadevataḥ – mit Vamadeva; sadyojātena – mit Sadyojata; pādau – Füße; sarva-aṅgam – ganzer Körper; ā-pāda-tala-mastakam – von Fußsohle bis Scheitel; ācamya – rituell Wasser schlürfend; vasanam dhautam śvetam – gewaschene weiße Kleidung; pradhārayet – man ziehe an; vidhi-snānam idam – dies ist das vorgeschriebene Bad.

4.1
tatra ślokā bhavanti |
bhasmamuṣṭiṃ samādāya saṃhitāmantramantritām |
mastakātpādaparyantaṃ malasnānaṃ puroditam || 1 ||

Hierzu die Strophen: Eine Handvoll Asche, mit dem Samhita-Mantra geweiht, werde vom Kopf bis zu den Füßen aufgetragen. Dies wurde zuvor das reinigende Bad genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatra ślokāḥ bhavanti – hierzu gibt es Strophen; bhasma-muṣṭim – eine Handvoll Asche; samādāya – nehmend; saṃhitā-mantra-mantritām – mit dem Samhita-Mantra geweiht; mastakāt pāda-paryantam – vom Kopf bis zu den Füßen; mala-snānam – reinigendes Bad; purā uditam – zuvor genannt.

4.2
tanmantreṇaiva kartavyaṃ vidhisnānaṃ samācaret |
īśāne pañcadhā bhasma vikirenmūrdhni yatnataḥ || 2 ||

Das vorgeschriebene Bad vollziehe man mit dem dafür bestimmten Mantra. Mit Ishana streue man sorgfältig fünfmal Asche auf den Scheitel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat-mantreṇa eva – mit eben diesem Mantra; kartavyam – zu tun; vidhi-snānam – vorgeschriebenes Bad; samācaret – man vollziehe; īśāne – mit Ishana; pañcadhā – fünfmal; bhasma – Asche; vikiret – man streue; mūrdhni – auf den Scheitel; yatnataḥ – sorgfältig.

4.3
mukhe caturthavaktreṇa aghoreṇāṣṭadhā hṛdi |
vāmena guhyadeśe tu tridaśasthānabhedataḥ || 3 ||

Auf das Gesicht mit dem Mantra des vierten Antlitzes, auf das Herz achtmal mit Aghora, auf den verborgenen Bereich mit Vama, entsprechend der Unterscheidung der dreißig Stellen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mukhe – auf das Gesicht; caturtha-vaktreṇa – mit dem Mantra des vierten Antlitzes; aghoreṇa – mit Aghora; aṣṭadhā – achtmal; hṛdi – am Herzen; vāmena – mit Vama; guhya-deśe – im verborgenen Bereich; tu – aber; tridaśa-sthāna-bhedataḥ – nach Unterscheidung der dreißig Stellen.

Textanmerkung: Tridaśa bedeutet wörtlich „dreißig“ und kann auch Götter bezeichnen. Der Bezug ist unklar; die Angabe ist nicht mit der späteren Liste von 32 Stellen gleichzusetzen.

4.4
aṣṭāvantena sādhyena pādāvuddhūlya yatnataḥ |
sarvāṅgoddhūlanaṃ kāryaṃ rājanyasya yathāvidhi || 4 ||

Mit der achtfachen Sadhya-Formel bestäube man sorgfältig die Füße. Beim Kshatriya ist der ganze Körper nach der vorgeschriebenen Ordnung zu bestäuben,

Wort-für-Wort-Übersetzung: aṣṭāvantena – achtfach, unsichere Form; sādhyena – mit Sadhya, unsichere Mantrabezeichnung; pādau uddhūlya – die Füße bestäubend; yatnataḥ – sorgfältig; sarva-aṅga-uddhūlanam – Bestäubung des ganzen Körpers; kāryam – zu vollziehen; rājanyasya – beim Kshatriya; yathāvidhi – nach Vorschrift.

Textanmerkung: Aṣṭāvantena sādhyena ist nicht zuverlässig überliefert; möglicherweise ist Sadyojata gemeint. Die Übersetzung belässt die überlieferte Bezeichnung erkennbar.

4.5
mukhaṃ vinā ca tatsarvamuddhūlya kramayogataḥ |
sandhyādvaye niśīthe ca tathā pūrvāvasānayoḥ || 5 ||

jedoch ohne das Gesicht und in richtiger Reihenfolge: zu den beiden Dämmerungen, um Mitternacht sowie zu Beginn und Abschluss [der rituellen Verrichtung].

Wort-für-Wort-Übersetzung: mukham vinā – ohne das Gesicht; ca – und; tat sarvam – das Ganze; uddhūlya – bestäubend; krama-yogataḥ – in richtiger Reihenfolge; sandhyā-dvaye – zu den beiden Dämmerungen; niśīthe – um Mitternacht; tathā – ebenso; pūrva-avasānayoḥ – zu Beginn und Abschluss.

Textanmerkung: Was mit „Beginn und Abschluss“ gemeint ist, wird im Sanskrit nicht ausdrücklich ergänzt.

4.6
suptvā bhuktvā payaḥ pītvā kṛtvā cāvaśyakādikam |
striyaṃ napuṃsakaṃ gṛdhraṃ biḍālaṃ bakamūṣikam || 6 ||

Nach Schlaf, Essen, Trinken und den notwendigen Körperverrichtungen, nach Berührung einer Frau, eines Napumsaka, eines Geiers, einer Katze, eines Reihers oder einer Maus

Wort-für-Wort-Übersetzung: suptvā – nach dem Schlafen; bhuktvā – nach dem Essen; payaḥ pītvā – nach dem Trinken von Wasser oder Milch; kṛtvā āvaśyaka-ādikam – nach notwendigen Körperverrichtungen; striyam – eine Frau; napuṃsakam – einen Napumsaka, historische Geschlechtskategorie; gṛdhram – Geier; biḍālam – Katze; baka-mūṣikam – Reiher und Maus.

Textanmerkung: Dies ist eine historische Reinheitsregel. Sie begründet keine heutige Abwertung von Frauen oder Menschen anderer Geschlechtsidentitäten.

4.7
spṛṣṭvā tathāvidhānanyānbhasmasnānaṃ samācaret |
devāgniguruvṛddhānāṃ samīpe'ntyajadarśane || 7 ||

und anderen dieser Art vollziehe man ein Aschebad. In der Nähe von Gottheit, Feuer, Lehrer und Älteren sowie beim Anblick eines Antyaja

Wort-für-Wort-Übersetzung: spṛṣṭvā – berührt habend; tathāvidhān anyān – andere dieser Art; bhasma-snānam samācaret – man vollziehe ein Aschebad; deva-agni-guru-vṛddhānām samīpe – in der Nähe von Gottheit, Feuer, Lehrer und Älteren; antyaja-darśane – beim Anblick eines nach damaliger Ordnung Ausgeschlossenen.

4.8
aśuddhabhūtale mārge kuryānoddhūlanaṃ vratī |
śaṅkhatoyena mūlena bhasmanā miśraṇaṃ bhavet || 8 ||

und auf unreinem Boden oder auf dem Weg vollziehe der Gelübdetreue keine Bestäubung. Die Asche werde mit Wasser aus einem Muschelhorn unter dem Grundmantra vermischt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: aśuddha-bhūtale – auf unreinem Boden; mārge – auf dem Weg; kuryāt na uddhūlanam – man vollziehe keine Bestäubung; vratī – Gelübdetreuer; śaṅkha-toyena – mit Wasser aus einem Muschelhorn; mūlena – mit dem Grundmantra; bhasmanā miśraṇam – Vermischung mit Asche; bhavet – geschehe.

4.9
yojitaṃ candanenaiva vāriṇā bhasmasaṃyutam |
candanena samālimpejjñānadaṃ cūrṇameva tat || 9 ||

Mit Sandelholz und Wasser vermengt, trage man die Asche als Sandelpaste auf. Dieses Pulver wird als erkenntnisspendend bezeichnet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yojitam – vermischt; candanena – mit Sandelholz; eva – eben; vāriṇā – mit Wasser; bhasma-saṃyutam – mit Asche verbunden; candanena samālimpet – man trage als Sandelpaste auf; jñāna-dam – Erkenntnis schenkend; cūrṇam eva tat – eben dieses Pulver.

4 – Wasser beim Auftragen
madhyāhnātprāgjalairyuktaṃ toyaṃ tadanuvarjayet ||

Vor Mittag verwende man die Asche mit Wasser; danach lasse man Wasser weg.

Wort-für-Wort-Übersetzung: madhyāhnāt prāk – vor Mittag; jalaiḥ yuktam – mit Wasser vermischt; toyam – Wasser; tat anu – danach; varjayet – man lasse weg.

4 – Frage nach Tripundra
atha bhusuṇḍo bhagavantaṃ kālāgnirudraṃ tripuṇḍravidhiṃ
papraccha ||

tatraite ślokā bhavanti |

Darauf fragte Bhusunda den erhabenen Kalagnirudra nach der Ordnung des Tripundra. Hierzu diese Strophen:

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; bhusuṇḍaḥ – Bhusunda; bhagavantam kālāgnirudram – den erhabenen Kalagnirudra; tripuṇḍra-vidhim – Ordnung des Tripundra; papraccha – fragte; tatra ete ślokāḥ bhavanti – hierzu gibt es diese Strophen.

4.10
tripuṇḍraṃ kārayetpaścādbrahmaviṣṇuśivātmakam |
madhyāṅgulibhirādāya tisṛbhirmūlamantrataḥ || 10 ||

Danach lege man den Tripundra an, dessen Wesen Brahma, Vishnu und Shiva ist. Man nehme die Asche mit den drei mittleren Fingern unter dem Grundmantra auf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tripuṇḍram kārayet – man lege Tripundra an; paścāt – danach; brahma-viṣṇu-śiva-ātmakam – Brahma, Vishnu und Shiva als Wesen habend; madhya-aṅgulibhiḥ tisṛbhiḥ – mit den drei mittleren Fingern; ādāya – aufnehmend; mūla-mantrataḥ – unter dem Grundmantra.

4.11
anāmāmadhyamāṅguṣṭhairathavā syāttripuṇḍrakam |
uddhūlayenmukhaṃ vipraḥ kṣatriyastacchirodinam || 11 ||

Oder man zeichne den Tripundra mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen. Der Brahmane bestäube sein Gesicht; beim Kshatriya wird der Kopfbereich genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anāmā-madhyama-aṅguṣṭhaiḥ – mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen; athavā – oder; syāt tripuṇḍrakam – entstehe der Tripundra; uddhūlayet mukham – man bestäube das Gesicht; vipraḥ – Brahmane; kṣatriyaḥ – Kshatriya; tat-śirodinam – beschädigte Lesung mit śiras, Kopf.

Textanmerkung: Der Schluss tacchirodinam ist nicht sinnvoll vollständig auflösbar. Die deutsche Wiedergabe benennt nur den erkennbaren Bezug.

4.12
dvātriṃśasthānake cārdhaṃ ṣoḍaśasthānake'pi vā |
aṣṭasthāne tathā caiva pañcasthāne'pi yojayet || 12 ||

Man trage ihn an zweiunddreißig Stellen auf, oder an deren Hälfte, sechzehn Stellen, oder an acht oder fünf Stellen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dvātriṃśat-sthānake – an zweiunddreißig Stellen; ca – und; ardham – die Hälfte; ṣoḍaśa-sthānake api vā – oder auch an sechzehn Stellen; aṣṭa-sthāne – an acht Stellen; tathā ca eva – ebenso; pañca-sthāne api – auch an fünf Stellen; yojayet – man trage auf.

4.13
uttamāṅge lalāṭe ca karṇayornetrayostathā |
nāsāvaktre gale caivamaṃsadvayamataḥ param || 13 ||

Am Scheitel und an der Stirn, an beiden Ohren und Augen, an Nase, Mund und Hals, dann an beiden Schultern,

Wort-für-Wort-Übersetzung: uttama-aṅge – am Scheitel; lalāṭe – an der Stirn; karṇayoḥ – an beiden Ohren; netrayoḥ – an beiden Augen; tathā – ebenso; nāsā-vaktre – an Nase und Mund; gale – am Hals; ca eva – und; aṃsa-dvayam – beide Schultern; ataḥ param – danach.

4.14
kūrpare maṇibandhe ca hṛdaye pārśvayordvayoḥ |
nābhau guhyadvaye caivamūrvoḥ sphigbimbajānunī || 14 ||

an Ellenbogen und Handgelenken, am Herzen, an beiden Seiten, am Nabel, an den zwei verborgenen Stellen, an Schenkeln, Gesäßhälften und Knien,

Wort-für-Wort-Übersetzung: kūrpare – am Ellenbogen; maṇibandhe – am Handgelenk; ca – und; hṛdaye – am Herzen; pārśvayoḥ dvayoḥ – an beiden Seiten; nābhau – am Nabel; guhya-dvaye – an den zwei verborgenen Stellen; ūrvoḥ – an beiden Schenkeln; sphik-bimba – Gesäßhälften; jānunī – beide Knie.

4.15
jaṅghādvaye ca pādau ca dvātriṃśatsthānamuttamam |
aṣṭamūrtyaṣṭavidyeśāndikpālānvasubhiḥ saha || 15 ||

an beiden Unterschenkeln und Füßen: Dies sind die vorzüglichen zweiunddreißig Stellen. Dabei verehre man die acht Gestalten, acht Herren der Erkenntnis, Richtungswächter und Vasus.

Wort-für-Wort-Übersetzung: jaṅghā-dvaye – an beiden Unterschenkeln; pādau – beide Füße; ca – und; dvātriṃśat-sthānam – die zweiunddreißig Stellen; uttamam – vorzüglich; aṣṭa-mūrti – acht Gestalten; aṣṭa-vidyā-īśān – acht Herren der Erkenntnis; dik-pālān – Richtungswächter; vasubhiḥ saha – zusammen mit den Vasus.

4.16
dharo dhruvaśca somaśca kṛpaścaivānilo'nalaḥ |
pratyūpaśca prabhāsaśca vasavo'ṣṭāvitīritāḥ || 16 ||

Dhara, Dhruva, Soma, Kripa, Anila, Anala, Pratyupa und Prabhasa werden als die acht Vasus genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: dharaḥ – Dhara; dhruvaḥ – Dhruva; somaḥ – Soma; kṛpaḥ – Kripa; ca eva – und; anilaḥ – Anila; analaḥ – Anala; pratyūpaḥ – Pratyupa; prabhāsaḥ – Prabhasa; vasavaḥ aṣṭau – acht Vasus; iti īritāḥ – so genannt.

Textanmerkung: Kripa und Pratyupa sind die Lesungen dieser Fassung. Andere Vasu-Listen bieten andere Namen; sie werden hier nicht eingesetzt.

4.17
eteṣāṃ nāmamantreṇa tripuṇḍrāndhārayedbudhaḥ |
vidadhyātṣoḍaśasthāne tripuṇḍraṃ tu samāhitaḥ || 17 ||

Mit den Namensmantras dieser Gottheiten trage der Einsichtige die Tripundra-Zeichen. Gesammelt kann er den Tripundra auch an sechzehn Stellen anlegen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: eteṣām nāma-mantreṇa – mit ihren Namensmantras; tripuṇḍrān dhārayet – man trage die Tripundras; budhaḥ – Einsichtiger; vidadhyāt – man lege an; ṣoḍaśa-sthāne – an sechzehn Stellen; tripuṇḍram – Tripundra; tu – aber; samāhitaḥ – gesammelt.

4.18
śīrṣake ca lalāṭe ca karṇe kaṇṭheṃ'sakadvaye |
kūrpare maṇibandhe ca hṛdaye nābhipārśvayoḥ || 18 ||

Am Kopf und an der Stirn, an den Ohren, am Hals und an beiden Schultern, an Ellenbogen und Handgelenken, am Herzen, am Nabel und an den Seiten,

Wort-für-Wort-Übersetzung: śīrṣake – am Kopf; lalāṭe – an der Stirn; ca – und; karṇe – am Ohr; kaṇṭhe – am Hals; aṃsaka-dvaye – an beiden Schultern; kūrpare – am Ellenbogen; maṇibandhe – am Handgelenk; hṛdaye – am Herzen; nābhi-pārśvayoḥ – am Nabel und den Seiten.

Textanmerkung: Die Aufzählung lässt sich nicht ohne weiteres auf genau sechzehn Stellen bringen; die Übersetzung bewahrt die überlieferten Körperbezeichnungen.

4.19
pṛṣṭhe caikaṃ pratisthānaṃ japettatrādhidevatāḥ |
śivaṃ śaktiṃ ca sādākhyamīśaṃ vidyākhyameva ca || 19 ||

und einmal am Rücken. An jeder Stelle wiederhole man den Namen der zugehörigen Gottheit: Shiva, Shakti, Sadakhya, Isha und Vidya

Wort-für-Wort-Übersetzung: pṛṣṭhe – am Rücken; ca ekam – und einmal; prati-sthānam – an jeder Stelle; japet – man wiederhole; tatra adhidevatāḥ – die dortigen Gottheiten; śivam – Shiva; śaktim – Shakti; sādākhyam – Sadakhya; īśam – Isha; vidyā-ākhyam – Vidya genannt; eva ca – ebenso.

4.20
vāmādinavaśaktīśca etāḥ ṣoḍaśa devatāḥ |
nāsatyo dasrakaścaiva aśvinau dvau samīritau || 20 ||

sowie die neun Shaktis, beginnend mit Vama. Dies sind die sechzehn Gottheiten; Nasatya und Dasra werden als die beiden Ashvins genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāma-ādi-nava-śaktīḥ – neun Shaktis beginnend mit Vama; ca – und; etāḥ ṣoḍaśa devatāḥ – diese sechzehn Gottheiten; nāsatyaḥ – Nasatya; dasrakaḥ – Dasra; aśvinau dvau – die beiden Ashvins; samīritau – genannt.

4.21
athavā mūrdhnyalīke ca karṇayoḥ śvasane tathā |
bāhudvaye ca hṛdaye nābhyāmūrvoryuge tathā || 21 ||

Oder an Scheitel und Stirn, an beiden Ohren, am Atemweg, an beiden Armen, am Herzen, am Nabel und an beiden Schenkeln,

Wort-für-Wort-Übersetzung: athavā – oder; mūrdhni – am Scheitel; alīke – an der Stirn; ca – und; karṇayoḥ – an beiden Ohren; śvasane – am Atemweg; tathā – ebenso; bāhu-dvaye – an beiden Armen; hṛdaye – am Herzen; nābhyām – am Nabel; ūrvoḥ yuge – an beiden Schenkeln.

4.22
jānudvaye ca padayoḥ pṛṣṭhabhāge ca ṣoḍaśa |
śivaścendraśca rudrārkau vighneśo viṣṇureva ca || 22 ||

an beiden Knien und Füßen und am Rücken: sechzehn Stellen. Shiva, Indra, Rudra, Arka, Vighnesha und Vishnu,

Wort-für-Wort-Übersetzung: jānu-dvaye – an beiden Knien; padayoḥ – an beiden Füßen; pṛṣṭha-bhāge – am Rücken; ca – und; ṣoḍaśa – sechzehn; śivaḥ – Shiva; indraḥ – Indra; rudra-arkau – Rudra und Arka, Sonne; vighneśaḥ – Vighnesha; viṣṇuḥ eva ca – und Vishnu.

4.23
śrīścaiva hṛdayeśaśca tathā nābhau prajāpatiḥ |
nāgaśca nāgakanyāśca ubhe ca ṛṣikanyake || 23 ||

Shri und der Herr des Herzens, am Nabel Prajapati, ferner Naga, Nagamädchen und die beiden Rishi-Töchter,

Wort-für-Wort-Übersetzung: śrīḥ – Shri; ca eva – und; hṛdaya-īśaḥ – Herr des Herzens; tathā – ebenso; nābhau prajāpatiḥ – Prajapati am Nabel; nāgaḥ – Naga; nāga-kanyāḥ – Nagamädchen; ubhe ṛṣi-kanyake – beide Rishi-Töchter.

4.24
pādayośca samudrāśca tīrthāḥ pṛṣṭhe'pi ca sthitāḥ |
evaṃ vā ṣoḍaśasthānamaṣṭasthānamathocyate || 24 ||

an den Füßen die Meere und am Rücken die heiligen Badeplätze: So lautet diese sechzehnfache Zuordnung. Nun werden die acht Stellen genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pādayoḥ – an den Füßen; samudrāḥ – Meere; ca – und; tīrthāḥ – heilige Badeplätze; pṛṣṭhe api – auch am Rücken; sthitāḥ – befindlich; evam vā – oder so; ṣoḍaśa-sthānam – sechzehn Stellen; aṣṭa-sthānam – acht Stellen; atha ucyate – werden nun genannt.

4.25
gurusthānaṃ lalāṭaṃ ca karṇadvayamanantaram |
aṃsayugmaṃ ca hṛdayaṃ nābhirityaṣṭamaṃ bhavet || 25 ||

Der Sitz des Gurus, die Stirn, danach beide Ohren, beide Schultern, das Herz und als achtes der Nabel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: guru-sthānam – Sitz des Gurus; lalāṭam – Stirn; ca – und; karṇa-dvayam – beide Ohren; anantaram – danach; aṃsa-yugmam – beide Schultern; hṛdayam – Herz; nābhiḥ – Nabel; iti – so; aṣṭamam bhavet – sei die achte Stelle.

4.26
brahmā ca ṛṣayaḥ sapta devatāśca prakīrtitāḥ |
athavā mastakaṃ bāhū hṛdayaṃ nābhireva ca || 26 ||

Brahma und die sieben Rishis werden als ihre Gottheiten genannt. Oder man wähle Kopf, beide Arme, Herz und Nabel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahmā – Brahma; ca – und; ṛṣayaḥ sapta – sieben Rishis; devatāḥ – Gottheiten; prakīrtitāḥ – genannt; athavā – oder; mastakam – Kopf; bāhū – beide Arme; hṛdayam – Herz; nābhiḥ eva ca – und Nabel.

4.27
pañcasthānānyamūnyāhurbhasmatattvavido janāḥ |
yathāsambhavataḥ kuryāddeśakālādyapekṣayā || 27 ||

Diese nennen die Kenner des Aschewesens die fünf Stellen. Man verfahre nach Möglichkeit und unter Berücksichtigung von Ort, Zeit und Umständen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pañca-sthānāni – fünf Stellen; amūni – diese; āhuḥ – sie nennen; bhasma-tattva-vidaḥ janāḥ – Kenner des Aschewesens; yathā-sambhavataḥ – nach Möglichkeit; kuryāt – man handle; deśa-kāla-ādi-apekṣayā – unter Berücksichtigung von Ort, Zeit und Umständen.

4.28
uddhūlane'pyaśaktaścettripuṇḍrādīni kārayet |
lalāṭe hṛdaye nābhau gale ca maṇibandhayoḥ || 28 ||

Wer zur vollständigen Bestäubung nicht imstande ist, lege wenigstens Tripundra-Zeichen an: an Stirn, Herz, Nabel, Hals und beiden Handgelenken,

Wort-für-Wort-Übersetzung: uddhūlane api aśaktaḥ cet – wenn zur Bestäubung nicht imstande; tripuṇḍra-ādīni kārayet – man lege Tripundra und ähnliche Zeichen an; lalāṭe – an der Stirn; hṛdaye – am Herzen; nābhau – am Nabel; gale – am Hals; ca – und; maṇibandhayoḥ – an beiden Handgelenken.

4 – Weitere Stellen
bāhumadhye bāhumūle pṛṣṭhe caiva ca śīrṣake ||

in der Mitte und am Ansatz der Arme, am Rücken und am Kopf.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bāhu-madhye – in der Armmitte; bāhu-mūle – am Armansatz; pṛṣṭhe – am Rücken; ca eva – und; śīrṣake – am Kopf.

4 – Gottheiten an den Körperstellen
lalāṭe brahmaṇe namaḥ | hṛdaye havyavāhanāya namaḥ |
nābhau skandāya namaḥ | gale viṣṇave namaḥ |
madhye prabhañjanāya namaḥ | maṇibandhe vasubhyo namaḥ |
pṛṣṭhe haraye namaḥ | kukudi śambhave namaḥ |
śirasi paramātmane namaḥ | ityādisthāneṣu tripuṇḍraṃ
dhārayet ||

An der Stirn: „Verehrung Brahma“; am Herzen: „Verehrung dem Träger der Opfergabe“; am Nabel: „Verehrung Skanda“; am Hals: „Verehrung Vishnu“; in der Mitte: „Verehrung dem Sturmwind“; an den Handgelenken: „Verehrung den Vasus“; am Rücken: „Verehrung Hari“; am oberen Rücken: „Verehrung Shambhu“; am Kopf: „Verehrung dem höchsten Selbst“. An diesen und weiteren Stellen trage man den Tripundra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: lalāṭe – an der Stirn; brahmaṇe namaḥ – Verehrung Brahma; hṛdaye – am Herzen; havya-vāhanāya namaḥ – Verehrung dem Opferträger, Agni; nābhau – am Nabel; skandāya namaḥ – Verehrung Skanda; gale – am Hals; viṣṇave namaḥ – Verehrung Vishnu; madhye – in der Mitte; prabhañjanāya namaḥ – Verehrung dem Sturmwind; maṇibandhe – am Handgelenk; vasubhyaḥ namaḥ – Verehrung den Vasus; pṛṣṭhe – am Rücken; haraye namaḥ – Verehrung Hari; kukudi – am oberen Rücken; śambhave namaḥ – Verehrung Shambhu; śirasi – am Kopf; parama-ātmane namaḥ – Verehrung dem höchsten Selbst; iti-ādi-sthāneṣu – an diesen und weiteren Stellen; tripuṇḍram dhārayet – man trage Tripundra.

4.29
trinetraṃ triguṇādhāraṃ trayāṇāṃ janakaṃ prabhum |
smarannamaḥ śivāyeti lalāṭe tattripuṇḍrakam || 29 ||

Des dreiäugigen Herrn gedenkend, der die drei Gunas trägt und die Drei hervorbringt, zeichne man auf die Stirn den Tripundra unter „namaḥ śivāya“.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tri-netram – dreiäugig; tri-guṇa-ādhāram – Träger der drei Gunas; trayāṇām janakam – Hervorbringer der Drei; prabhum – Herrn; smaran – gedenkend; namaḥ śivāya iti – unter „Verehrung Shiva“; lalāṭe – auf der Stirn; tat tripuṇḍrakam – dieser Tripundra.

4.30
kūrparādhaḥ pitṛbhyāṃ tu īśānābhyāṃ tathopari |
īśābhyāṃ nama ityuktvā pārśvayośca tripuṇḍrakam || 30 ||

Unterhalb der Ellenbogen gelte die Verehrung den beiden Vätern, oberhalb den beiden Ishanas; mit „Verehrung den beiden Herren“ zeichne man den Tripundra an den Seiten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kūrpara-adhaḥ – unterhalb der Ellenbogen; pitṛbhyām – den beiden Vätern; tu – aber; īśānābhyām – den beiden Ishanas; tathā upari – ebenso oberhalb; īśābhyām namaḥ – Verehrung den beiden Herren; iti uktvā – so sprechend; pārśvayoḥ – an beiden Seiten; ca – und; tripuṇḍrakam – Tripundra.

4.31
svacchābhyāṃ nama ityuktvā dhārayettatprakoṣṭhayoḥ |
bhīmāyeti tathā pṛṣṭhe śivāyeti ca pārśvayoḥ || 31 ||

Mit „Verehrung den beiden Reinen“ trage man ihn an den Unterarmen auf, mit „Bhimaya“ am Rücken und mit „Shivaya“ an den Seiten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: svacchābhyām namaḥ – Verehrung den beiden Reinen; iti uktvā – so sprechend; dhārayet – man trage auf; tat – dieses; prakoṣṭhayoḥ – an beiden Unterarmen; bhīmāya iti – mit „Bhima“; tathā – ebenso; pṛṣṭhe – am Rücken; śivāya iti – mit „Shiva“; ca – und; pārśvayoḥ – an beiden Seiten.

4.32
nīlakaṇṭhāya śirasi kṣipetsarvātmane namaḥ |
pāpaṃ nāśayate kṛtsnamapi janmāntarārjitam || 32 ||

Am Kopf trage man sie mit „Nilakanthaya“ und „Verehrung dem Selbst von allem“ auf. Sie vernichtet alles Unheilsame, auch das in einem früheren Leben erworbene.

Wort-für-Wort-Übersetzung: nīlakaṇṭhāya – dem Blaukehligen; śirasi – am Kopf; kṣipet – man trage auf; sarva-ātmane namaḥ – Verehrung dem Selbst von allem; pāpam – Unheilsames; nāśayate – vernichtet; kṛtsnam – alles; api – auch; janma-antara-arjitam – in einem früheren Leben erworben.

4.33
kaṇṭhopari kṛtaṃ pāpaṃ naṣṭaṃ syāttatra dhāraṇāt |
karṇe tu dhāraṇātkarṇarogādikṛtapātakam || 33 ||

Durch das Tragen oberhalb des Halses werde das dort begangene Unheilsame zerstört; durch das Tragen an den Ohren das mit Ohrenleiden und Weiterem verbundene Übel.

Wort-für-Wort-Übersetzung: kaṇṭha-upari – oberhalb des Halses; kṛtam pāpam – begangenes Unheilsames; naṣṭam syāt – werde zerstört; tatra dhāraṇāt – durch das Tragen dort; karṇe tu dhāraṇāt – durch das Tragen am Ohr; karṇa-roga-ādi-kṛta-pātakam – mit Ohrenleiden und Weiterem verbundenes Übel.

Textanmerkung: Diese historische Heilszusage verbindet körperliche Beschwerden und religiös verstandenes Unheil.

4.34
bāhvorbāhukṛtaṃ pāpaṃ vakṣaḥsu manasā kṛtam |
nābhyāṃ śiśnakṛtaṃ pāpaṃ pṛṣṭhe gudakṛtaṃ tathā || 34 ||

An den Armen das mit den Armen begangene Unheilsame, an der Brust das im Geist begangene, am Nabel das mit dem Geschlechtsorgan begangene, am Rücken das mit dem After begangene;

Wort-für-Wort-Übersetzung: bāhvoḥ – an beiden Armen; bāhu-kṛtam pāpam – mit den Armen begangenes Unheilsames; vakṣaḥsu – an der Brust; manasā kṛtam – mit dem Geist begangen; nābhyām – am Nabel; śiśna-kṛtam pāpam – mit dem Geschlechtsorgan begangenes Unheilsames; pṛṣṭhe – am Rücken; guda-kṛtam – mit dem After begangen; tathā – ebenso.

4.35
pārśvayordhāraṇātpāpaṃ parastryāliṅganādikam |
tadbhasmadhāraṇaṃ kuryātsarvatraiva tripuṇḍrakam || 35 ||

durch das Tragen an den Seiten das Unheilsame aus dem Umarmen der Frau eines anderen und dergleichen. Daher trage man die Asche überall als Tripundra.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pārśvayoḥ dhāraṇāt – durch das Tragen an beiden Seiten; pāpam – Unheilsames; para-strī-āliṅgana-ādikam – Umarmen der Frau eines anderen und Ähnliches; tat-bhasma-dhāraṇam kuryāt – man vollziehe das Tragen dieser Asche; sarvatra eva – überall; tripuṇḍrakam – Tripundra.

4.36
brahmaviṣṇumaheśānāṃ trayyagnīnāṃ ca dhāraṇam |
guṇalokatrayāṇāṃ ca dhāraṇaṃ tena vai śrutam || 36 ||

Damit werden, wie die Offenbarung lehrt, Brahma, Vishnu und Mahesha getragen, ebenso die drei Feuer, die drei Gunas und die drei Welten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: brahma-viṣṇu-maheśānām – von Brahma, Vishnu und Mahesha; trayī-agnīnām – der drei Feuer; ca – und; dhāraṇam – Tragen; guṇa-loka-trayāṇām – der drei Gunas und drei Welten; dhāraṇam – Tragen; tena – durch dieses; vai – gewiss; śrutam – in der Offenbarung gelehrt.

Abschluss des vierten Brahmana
iti caturthaṃ brāhmaṇam || 4 ||

Hier endet das vierte Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; caturtham – viertes; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

Fünftes und sechstes Brahmana – Lobpreis und Erzählungen

5.1
mānastokena mantreṇa mantritaṃ bhasma dhārayet |
ūrdhvapuṇḍraṃ bhavetsāmaṃ madhyapuṇḍraṃ triyāyuṣam || 1 ||

Man trage Asche, die mit dem Mantra „mā nas toke“ besprochen ist. Das obere Zeichen stehe zum Saman, das mittlere zum „triyāyuṣam“ in Beziehung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mā naḥ toke iti mantreṇa – mit dem Mantra beginnend „Nicht an unserem Nachwuchs“; mantritam – besprochen; bhasma – Asche; dhārayet – man trage; ūrdhva-puṇḍram – oberes Zeichen; bhavet – sei; sāmam – Saman, Gesang; madhya-puṇḍram – mittleres Zeichen; triyāyuṣam – Mantra des dreifachen Lebens.

Textanmerkung: Die knappe Zuordnung sāmaṃ ist nicht eindeutig. Ūrdhvapuṇḍra kann andernorts ein senkrechtes Stirnzeichen bezeichnen; hier steht das Wort innerhalb einer Tripundra-Anweisung.

5.2
triyāyuṣāṇi kurute lalāṭe ca bhujadvaye |
nābhau śirasi hṛtpārśve brāhmaṇāḥ kṣatriyāstathā || 2 ||

Brahmanen und Kshatriyas bringen die Zeichen unter den Triyayusha-Mantras an Stirn, beiden Armen, Nabel, Kopf, Herz und Seiten an.

Wort-für-Wort-Übersetzung: triyāyuṣāṇi – Triyayusha-Mantras beziehungsweise die damit angelegten Zeichen; kurute – bringt an; lalāṭe – an der Stirn; ca – und; bhuja-dvaye – an beiden Armen; nābhau – am Nabel; śirasi – am Kopf; hṛt-pārśve – an Herz und Seiten; brāhmaṇāḥ – Brahmanen; kṣatriyāḥ tathā – ebenso Kshatriyas.

5.3
traivarṇikānāṃ sarveṣāmagnihotrasamudbhavam |
idaṃ mukhyaṃ gṛhasthānāṃ virajānalajaṃ bhavet || 3 ||

Für alle Angehörigen der drei oberen Varnas ist die aus dem Agnihotra entstandene Asche die vorzügliche; für Hausväter wird die im Viraja-Feuer entstandene genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: traivarṇikānām sarveṣām – für alle Angehörigen der drei Varnas; agnihotra-samudbhavam – aus dem Agnihotra entstanden; idam mukhyam – dies ist vorzüglich; gṛhasthānām – für Hausväter; viraja-anala-jam – im Viraja-Feuer entstanden; bhavet – sei.

5.4
virajānalajaṃ caiva dhāryaṃ proktaṃ maharṣibhiḥ |
aupāsanasamutpannaṃ gṛhasthānāṃ viśeṣataḥ || 4 ||

Die großen Rishis lehren, man solle die im Viraja-Feuer entstandene Asche tragen; für Hausväter besonders die aus dem häuslichen Opferfeuer entstandene.

Wort-für-Wort-Übersetzung: viraja-anala-jam – im Viraja-Feuer entstanden; ca eva – auch; dhāryam – zu tragen; proktam – gelehrt; maharṣibhiḥ – von großen Rishis; aupāsana-samutpannam – aus dem häuslichen Opferfeuer entstanden; gṛhasthānām – für Hausväter; viśeṣataḥ – besonders.

5.5
samidagnisamutpannaṃ dhāryaṃ vai brahmacāriṇā |
śūdrāṇāṃ śrotriyāgārapacanāgnisamudbhavam || 5 ||

Der Brahmacharin trage die aus seinem Brennholzopfer entstandene Asche; für Shudras ist die Asche aus dem Kochfeuer im Haus eines vedakundigen Brahmanen bestimmt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: samid-agni-samutpannam – aus dem Feuer des Brennholzopfers entstanden; dhāryam – zu tragen; vai – gewiss; brahmacāriṇā – vom Brahmacharin; śūdrāṇām – für Shudras; śrotriya-āgāra – Haus eines Vedakundigen; pacana-agni-samudbhavam – aus dem Kochfeuer entstanden.

5.6
anyeṣāmapi sarveṣāṃ dhāryaṃ caivānalodbhavam |
yatīnāṃ jñānadaṃ proktaṃ vanasthānāṃ viraktidam || 6 ||

Auch alle anderen sollen aus Feuer entstandene Asche tragen. Für Entsagende gilt sie als erkenntnisverleihend, für Waldbewohner als leidenschaftslos machend.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anyeṣām api sarveṣām – auch für alle anderen; dhāryam – zu tragen; ca eva – auch; anala-udbhavam – aus Feuer entstanden; yatīnām – für Entsagende; jñāna-dam – erkenntnisverleihend; proktam – genannt; vanasthānām – für Waldbewohner; virakti-dam – Leidenschaftslosigkeit verleihend.

5 – Weitere Arten der Asche
ativarṇāśramāṇāṃ tu śmaśānāgnisamudbhavam |
sarveṣāṃ devālayasthaṃ bhasma śivāgnijaṃ śivayoginām |
śivālayasthaṃ talliṅgaliptaṃ vā mantrasaṃskāradagdhaṃ vā ||

Für Menschen jenseits von Varna und Ashrama die aus dem Feuer des Verbrennungsplatzes entstandene; für alle die im Tempel befindliche; für Shiva-Yogis die aus dem Shiva-Feuer entstandene. Sie sei im Shiva-Tempel vorhanden, vom dortigen Linga genommen oder nach einer Mantra-Weihe verbrannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ativarṇa-āśramāṇām – für Menschen jenseits von Varna und Ashrama; śmaśāna-agni-samudbhavam – aus dem Feuer des Verbrennungsplatzes entstanden; sarveṣām – für alle; devālaya-stham – im Tempel befindlich; bhasma – Asche; śiva-agni-jam – aus dem Shiva-Feuer entstanden; śiva-yoginām – für Shiva-Yogis; śivālaya-stham – im Shiva-Tempel befindlich; tat-liṅga-liptam – am dortigen Linga haftend; – oder; mantra-saṃskāra-dagdham – nach einer Mantra-Weihe verbrannt.

5 – Einleitung zum Lobpreis
tatraite ślokā bhavanti |

Hierzu gibt es folgende Strophen:

Wort-für-Wort-Übersetzung: tatra – hierzu; ete – diese; ślokāḥ – Strophen; bhavanti – gibt es.

5.7
tenādhītaṃ śrutaṃ tena tena sarvamanuṣṭhitam |
yena vipreṇa śirasi tripuṇḍraṃ bhasmanā dhṛtam || 7 ||

Der Brahmane, der mit Asche einen Tripundra auf seinem Kopf trägt, hat damit studiert, gehört und alles vollzogen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tena – von ihm, dadurch; adhītam – studiert; śrutam – gehört; sarvam anuṣṭhitam – alles vollzogen; yena vipreṇa – von welchem Brahmanen; śirasi – am Kopf; tripuṇḍram – Tripundra; bhasmanā – mit Asche; dhṛtam – getragen.

5.8
tyaktavarṇāśramācāro luptasarvakriyo'pi yaḥ |
sakṛttiryaktripuṇḍrāṅkadhāraṇātso'pi pūjyate || 8 ||

Auch wer die Verhaltensordnung von Varna und Ashrama verlassen und sämtliche Riten aufgegeben hat, wird verehrt, wenn er auch nur einmal das Zeichen der drei waagerechten Linien trägt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tyakta-varṇa-āśrama-ācāraḥ – der die Verhaltensordnung von Varna und Ashrama verlassen hat; lupta-sarva-kriyaḥ – der alle Riten aufgegeben hat; api yaḥ – auch wer; sakṛt – einmal; tiryak-tripuṇḍra-aṅka-dhāraṇāt – durch Tragen des waagerechten Tripundra-Zeichens; saḥ api – auch er; pūjyate – wird verehrt.

5.9
ye bhasmadhāraṇaṃ tyaktvā karma kurvanti mānavāḥ |
teṣāṃ nāsti vinirmokṣaḥ saṃsārājjanmakoṭibhiḥ || 9 ||

Menschen, die ihre Werke ohne das Tragen der Asche vollziehen, werden nach dieser Aussage auch in Millionen von Geburten nicht aus dem Samsara befreit.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ye mānavāḥ – welche Menschen; bhasma-dhāraṇam tyaktvā – das Tragen der Asche aufgebend; karma kurvanti – Werke vollziehen; teṣām – für sie; na asti – gibt es nicht; vinirmokṣaḥ – Befreiung; saṃsārāt – aus Samsara; janma-koṭibhiḥ – in Millionen von Geburten.

Textanmerkung: Der Text formuliert hier den Ausschließlichkeitsanspruch seiner eigenen Ritualtradition.

5.10
mahāpātakayuktānāṃ pūrvajanmārjitāgasām |
tripuṇḍroddhūlanadveṣo jāyate sudṛḍhaṃ budhāḥ || 10 ||

Ihr Einsichtigen! Bei Menschen, die mit schweren Vergehen und in früheren Geburten erworbener Schuld belastet sind, entsteht starke Abneigung gegen Tripundra und Aschebestäubung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mahā-pātaka-yuktānām – bei mit schweren Vergehen Belasteten; pūrva-janma-arjita-āgasām – bei Menschen mit früher erworbener Schuld; tripuṇḍra-uddhūlana-dveṣaḥ – Abneigung gegen Tripundra und Aschebestäubung; jāyate – entsteht; sudṛḍham – sehr fest; budhāḥ – ihr Einsichtigen.

5.11
yeṣāṃ kopo bhavedbrahmaṃllalāṭe bhasmadarśanāt |
teṣāmutpattisāṅkaryamanumeyaṃ vipaścitā || 11 ||

O Brahmane, bei Menschen, die beim Anblick von Asche auf der Stirn zornig werden, soll der Verständige eine Vermischung ihrer Abstammung vermuten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yeṣām – bei welchen; kopaḥ bhavet – Zorn entsteht; brahman – o Brahmane; lalāṭe – auf der Stirn; bhasma-darśanāt – beim Anblick der Asche; teṣām – bei ihnen; utpatti-sāṅkaryam – Vermischung der Abstammung; anumeyam – zu vermuten; vipaścitā – vom Verständigen.

Textanmerkung: Diese herabsetzende Zuschreibung ist historische Standespolemik; sie ist kein begründetes Urteil über Menschen und keine heutige Handlungsempfehlung.

5.12
yeṣāṃ nāsti mune śraddhā śraute bhasmani sarvadā |
garbhādhānādisaṃskārasteṣāṃ nāstīti niścayaḥ || 12 ||

O Weiser, bei denen, die niemals Vertrauen zur durch die Offenbarung gelehrten Asche haben, seien auch die mit der Empfängnisweihe beginnenden Sakramente nicht vorhanden: So lautet die Behauptung.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yeṣām – bei welchen; na asti – gibt es nicht; mune – o Weiser; śraddhā – Vertrauen; śraute bhasmani – zur offenbarungsgemäßen Asche; sarvadā – stets; garbhādhāna-ādi-saṃskāraḥ – Sakramente beginnend mit der Empfängnisweihe; teṣām na asti – bei ihnen nicht vorhanden; iti niścayaḥ – so die feste Behauptung.

5.13
ye bhasmadhāriṇaṃ dṛṣṭvā narāḥ kurvanti tāḍanam |
teṣāṃ caṇḍālato janma brahmannūhyaṃ vipaścitā || 13 ||

O Brahmane, bei Menschen, die einen Ascheträger sehen und ihn schlagen, soll der Verständige eine Geburt unter Chandalas annehmen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ye narāḥ – welche Menschen; bhasma-dhāriṇam dṛṣṭvā – einen Ascheträger sehend; tāḍanam kurvanti – schlagen; teṣām – bei ihnen; caṇḍālataḥ janma – Geburt unter Chandalas; brahman – o Brahmane; ūhyam – anzunehmen; vipaścitā – vom Verständigen.

Textanmerkung: Caṇḍāla ist hier eine polemisch abgewertete soziale Gruppe. Die Aussage über Abstammung folgt nicht aus dem beschriebenen Verhalten.

5.14
yeṣāṃ krodho bhavedbhasmadhāraṇe tatpramāṇake |
te mahāpātakairyuktā iti śāstrasya niścayaḥ || 14 ||

Wer sich über das Aschetragen und seine Belegstellen erzürnt, sei mit schweren Vergehen belastet: So urteilt diese Schrift.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yeṣām krodhaḥ bhavet – bei welchen Zorn entsteht; bhasma-dhāraṇe – über das Aschetragen; tat-pramāṇake – über dessen Belegstellen; te – jene; mahā-pātakaiḥ yuktāḥ – mit schweren Vergehen belastet; iti śāstrasya niścayaḥ – so das Urteil der Schrift.

5.15
tripuṇḍrakaṃ ye vinindanti nindanti śivameva te |
dhārayanti ca ye bhaktyā dhārayanti śivaṃ ca te || 15 ||

Wer den Tripundra schmäht, schmäht Shiva selbst. Wer ihn mit Hingabe trägt, trägt Shiva.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tripuṇḍrakam – Tripundra; ye vinindanti – die schmähen; nindanti śivam eva – schmähen Shiva selbst; te – jene; dhārayanti – tragen; ca ye bhaktyā – und die mit Hingabe; śivam – Shiva; ca te – auch jene.

5.16
dhigbhasmarahitaṃ bhālaṃ dhiggrāmamaśivālayam |
dhiganīśārcanaṃ janma dhigvidyāmaśivāśrayām || 16 ||

Wehe der Stirn ohne Asche, wehe dem Dorf ohne Shiva-Tempel, wehe dem Leben ohne Verehrung des Herrn, wehe dem Wissen ohne Zuflucht zu Shiva!

Wort-für-Wort-Übersetzung: dhik – wehe, Schande über; bhasma-rahitam bhālam – Stirn ohne Asche; grāmam aśivālayam – Dorf ohne Shiva-Tempel; anīśa-arcanam janma – Leben ohne Verehrung des Herrn; vidyām aśiva-āśrayām – Wissen ohne Zuflucht zu Shiva.

5.17
rudrāgneryatparaṃ vīryaṃ tadbhasma parikīrtitam |
tasmātsarveṣu kāleṣu vīryavānbhasmasaṃyutaḥ || 17 ||

Asche heißt die höchste Kraft des Rudra-Feuers. Darum gilt, wer mit Asche verbunden ist, zu allen Zeiten als kraftvoll.

Wort-für-Wort-Übersetzung: rudra-agneḥ – des Rudra-Feuers; yat param vīryam – was die höchste Kraft ist; tat bhasma parikīrtitam – das wird Asche genannt; tasmāt – darum; sarveṣu kāleṣu – zu allen Zeiten; vīryavān – kraftvoll; bhasma-saṃyutaḥ – mit Asche verbunden.

5.18
bhasmaniṣṭhasya dahyante doṣā bhasmāgnisaṅgamāt |
bhasmasnānaviśuddhātmā bhasmaniṣṭha iti smṛtaḥ || 18 ||

Die Fehler dessen, der in der Asche fest gegründet ist, verbrennen durch die Verbindung mit dem Aschefeuer. Wer sein Selbst durch das Aschebad gereinigt hat, wird in der Asche fest gegründet genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhasma-niṣṭhasya – des in der Asche fest Gegründeten; dahyante – verbrennen; doṣāḥ – Fehler; bhasma-agni-saṅgamāt – durch Verbindung mit dem Aschefeuer; bhasma-snāna-viśuddha-ātmā – dessen Selbst durch das Aschebad gereinigt ist; bhasma-niṣṭhaḥ iti smṛtaḥ – wird in der Asche fest gegründet genannt.

5.19
bhasmasaṃdigdhasarvāṅgo bhasmadīptatripuṇḍrakaḥ |
bhasmaśāyī ca puruṣo bhasmaniṣṭha iti smṛtaḥ || 19 ||

Ein Mensch, dessen ganzer Körper mit Asche bestrichen ist, dessen Tripundra durch Asche leuchtet und der auf Asche schläft, wird in der Asche fest gegründet genannt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhasma-saṃdigdha-sarva-aṅgaḥ – am ganzen Körper mit Asche bestrichen; bhasma-dīpta-tripuṇḍrakaḥ – mit durch Asche leuchtendem Tripundra; bhasma-śāyī – auf Asche schlafend; ca – und; puruṣaḥ – Mensch; bhasma-niṣṭhaḥ iti smṛtaḥ – wird in der Asche fest gegründet genannt.

Abschluss des fünften Brahmana
iti pañcamaṃ brāhmaṇam || 5 ||

Hier endet das fünfte Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; pañcamam – fünftes; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

6 – Karunas Geschichte, 1
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudraṃ nāmapañcakasya māhātmyaṃ
brūhīti hovāca | atha vasiṣṭhavaṃśajasya śatabhāryāsametasya
dhanañjayasya brāhmaṇasya jyeṣṭhabhāryāputraḥ karuṇa iti nāma
tasya śucismitā bhāryā |

Darauf sagte Bhusunda zu Kalagnirudra: „Erkläre die Größe der fünf Namen!“ Der Brahmane Dhananjaya aus dem Geschlecht Vasishthas hatte hundert Frauen. Der Sohn seiner ältesten Frau hieß Karuna; seine Frau war Shucismita.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; bhusuṇḍaḥ – Bhusunda; kālāgnirudram – zu Kalagnirudra; nāma-pañcakasya māhātmyam – Größe der fünf Namen; brūhi – erkläre; iti ha uvāca – so sagte er; vasiṣṭha-vaṃśa-jasya – aus Vasishthas Geschlecht; śata-bhāryā-sametasya – mit hundert Frauen; dhanañjayasya brāhmaṇasya – des Brahmanen Dhananjaya; jyeṣṭha-bhāryā-putraḥ – Sohn der ältesten Frau; karuṇaḥ iti nāma – namens Karuna; tasya śucismitā bhāryā – seine Frau Shucismita.

6 – Karunas Geschichte, 2
asau karuṇo bhrātṛvairamasahamāno
bhavānītaṭasthaṃ nṛsiṃhamagamat | tatra
devasamīpe'nyenopāyanārthaṃ
samarpitaṃ jambīraphalaṃ gṛhītvājighrattadā tatrasthā
aśapanpāpa
makṣiko bhava varṣāṇāṃ śatamiti |

Dieser Karuna konnte die Feindschaft seiner Brüder nicht ertragen und ging zum Nrisimha-Heiligtum am Ufer der Bhavani. Dort nahm er eine Zitronenfrucht, die ein anderer dem Gott als Gabe dargebracht hatte, und roch daran. Die dort Anwesenden verfluchten ihn: „Du Frevler, werde für hundert Jahre eine Fliege!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: asau karuṇaḥ – dieser Karuna; bhrātṛ-vairam asahamānaḥ – die Feindschaft der Brüder nicht ertragend; bhavānī-taṭa-stham – am Ufer der Bhavani befindlich; nṛsiṃham agamat – ging zu Nrisimha; tatra deva-samīpe – dort beim Gott; anyena – von einem anderen; upāyana-artham – als Gabe; samarpitam – dargebracht; jambīra-phalam – Zitronenfrucht; gṛhītvā – nehmend; ājighrat – roch; tadā tatra-sthāḥ – dann die dort Anwesenden; aśapan – verfluchten; pāpa – du Frevler; makṣikaḥ bhava – werde eine Fliege; varṣāṇām śatam – hundert Jahre.

6 – Karunas Geschichte, 3
so'pi śāpamādāya makṣikaḥ
sansvaceṣṭitaṃ tasyai nivedya māṃ rakṣeti svabhāryāmavadattadā
makṣiko'bhavattamevaṃ jñātvā jñātayastailamadhye hyamārayantsā
mṛtaṃ patimādāyārundhatīmagamadbho śucismite
śokenālamarundhatyāhāmuṃ
jīvayāmyadya vibhūtimādāyeti eṣāgnihotrajaṃ bhasma ||

Von dem Fluch getroffen, berichtete er seiner Frau als Fliege von seinem Tun und sagte: „Beschütze mich!“ So war er eine Fliege geworden. Als die Verwandten ihn erkannten, töteten sie ihn in Öl. Sie nahm ihren toten Gatten und ging zu Arundhati. Arundhati sagte: „Shucismita, genug der Trauer! Mit Vibhuti will ich ihn heute wiederbeleben.“ Dies ist die aus dem Agnihotra entstandene Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: saḥ api – auch er; śāpam ādāya – den Fluch aufnehmend; makṣikaḥ san – als Fliege; sva-ceṣṭitam – sein Tun; tasyai nivedya – ihr berichtend; mām rakṣa – beschütze mich; sva-bhāryām avadat – sagte seiner Frau; jñātvā – erkennend; jñātayaḥ – Verwandte; taila-madhye – im Öl; amārayan – töteten; – sie; mṛtam patim ādāya – den toten Gatten nehmend; arundhatīm agamat – ging zu Arundhati; śokena alam – genug der Trauer; amum jīvayāmi adya – diesen belebe ich heute; vibhūtim ādāya – Vibhuti nehmend; eṣā agnihotra-jam bhasma – dies ist Agnihotra-Asche.

6.1
mṛtyuñjayena mantreṇa mṛtajantau tadākṣipat |
mandavāyustadā jajñe vyajanena śucismite || 1 ||

Mit dem Mrityunjaya-Mantra warf sie die Asche auf das tote Wesen. Durch den Fächer entstand ein sanfter Luftzug, o Shucismita.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mṛtyuñjayena mantreṇa – mit dem den Tod überwindenden Mantra; mṛta-jantau – auf das tote Wesen; tat ākṣipat – warf sie dieses; manda-vāyuḥ – sanfter Luftzug; tadā jajñe – entstand dann; vyajanena – durch den Fächer; śucismite – o Shucismita.

6.2
udatiṣṭhattadā janturbhasmano'sya prabhāvataḥ |
tato varṣaśate pūrṇe jñātireko hyamārayat || 2 ||

Durch die Kraft dieser Asche erhob sich das Wesen. Als danach die hundert Jahre vollendet waren, tötete es ein Verwandter.

Wort-für-Wort-Übersetzung: udatiṣṭhat – erhob sich; tadā – dann; jantuḥ – Wesen; bhasmanaḥ asya prabhāvataḥ – durch die Kraft dieser Asche; tataḥ – danach; varṣa-śate pūrṇe – nach Vollendung von hundert Jahren; jñātiḥ ekaḥ – ein Verwandter; hi – gewiss; amārayat – tötete.

6.3
bhasmaiva jīvayāmāsa kāśyāṃ pañca tadābhavan |
devānapi tathābhūtānmāmapyetādṛśaṃ purā || 3 ||

Asche allein erweckte es wieder zum Leben. In Kashi waren damals fünf geworden; ebenso die Götter in solchem Zustand und einst auch mich in einem solchen Zustand.

Wort-für-Wort-Übersetzung: bhasma eva – Asche allein; jīvayāmāsa – erweckte zum Leben; kāśyām – in Kashi; pañca tadā abhavan – damals waren fünf geworden; devān api – auch die Götter; tathā-bhūtān – in solchem Zustand; mām api – auch mich; etādṛśam – in einem solchen Zustand; purā – einst.

Textanmerkung: Der Satz ist ohne einen im Text fehlenden Zusammenhang nicht verständlich. Besonders pañca und der Sprecherwechsel bleiben unklar; die Übersetzung bewahrt die überlieferten Fragmente.

6.4
tasmāttu bhasmanāṃ jantuṃ jīvayāmi tadānaghe |
ityevamuktvā bhagavāndadhīciḥ samajāyata || 4 ||

„Darum belebe ich nun das Wesen mit Asche, o Makellose.“ Als dies so gesprochen war, erschien der erhabene Dadhici.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tasmāt tu – darum; bhasmanā – mit Asche; jantum – Wesen; jīvayāmi – belebe ich; tadā – nun; anaghe – o Makellose; iti evam uktvā – nachdem so gesprochen war; bhagavān dadhīciḥ – der erhabene Dadhici; samajāyata – erschien.

Textanmerkung: Die Lesung bhasmanāṃ ist grammatisch beschädigt; bhasmanā ist die naheliegende instrumentale Auflösung. Der erzählerische Übergang zu Dadhici bleibt unsicher.

6 – Rückkehr
svarūpaṃ ca tato gatvā svamāśramapadaṃ yayāviti ||

Darauf erlangte er seine eigene Gestalt wieder und ging in seine Einsiedelei.

Wort-für-Wort-Übersetzung: sva-rūpam – seine eigene Gestalt; ca tataḥ gatvā – darauf wiedererlangend; sva-āśrama-padam – Ort seiner Einsiedelei; yayau – ging; iti – so.

Textanmerkung: Das Subjekt ist in dieser Überlieferung nicht eindeutig bezeichnet.

6 – Die Götter bei Durvasas
idānīmasya bhasmanaḥ sarvāghabhakṣaṇasāmarthyaṃ
vidhatta ityāha | śrīgautamavivāhakāle tāmahalyāṃ
dṛṣṭvā sarve devāḥ kāmāturā abhavan tadā
naṣṭajñānā durvāsasaṃ gatvā papracchustaddoṣaṃ
śamayiṣyāmītyuvāca tataḥ śatarudreṇa mantreṇa
mantritaṃ bhasma vai purā mayāpi dattaṃ brahmahatyādi śāntam |

Nun sagte er: „Erkläre die Fähigkeit dieser Asche, alles Unheilsame zu verzehren.“ Bei Gautamas Hochzeit sahen alle Götter Ahalya und wurden von Begierde ergriffen. Ihres klaren Wissens beraubt, gingen sie zu Durvasas und fragten ihn. Er sprach: „Ich werde diesen Fehler beruhigen. Schon früher gab auch ich mit dem Shatarudra-Mantra besprochene Asche; dadurch wurde selbst Brahmanentötung und Ähnliches getilgt.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: idānīm – nun; asya bhasmanaḥ – dieser Asche; sarva-agha-bhakṣaṇa-sāmarthyam – Fähigkeit, alles Unheilsame zu verzehren; vidhatta – erkläre; iti āha – so sagte er; śrī-gautama-vivāha-kāle – bei Gautamas Hochzeit; tām ahalyām dṛṣṭvā – Ahalya sehend; sarve devāḥ – alle Götter; kāma-āturāḥ abhavan – wurden von Begierde ergriffen; naṣṭa-jñānāḥ – des klaren Wissens beraubt; durvāsasam gatvā – zu Durvasas gehend; papracchuḥ – fragten; tat-doṣam śamayiṣyāmi – ich werde diesen Fehler beruhigen; śatarudreṇa mantreṇa – mit dem Shatarudra-Mantra; mantritam bhasma – besprochene Asche; purā mayā api dattam – früher auch von mir gegeben; brahma-hatyā-ādi śāntam – Brahmanentötung und Ähnliches getilgt.

6.5
ityevamuktvā durvāsā dattavānbhasma cottamam |
jātā madvacanātsarve yūyaṃ te'dhikatejasaḥ || 5 ||

So sprach Durvasas und gab die vorzügliche Asche: „Durch mein Wort seid ihr alle zu überaus Leuchtenden geworden.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti evam uktvā – so gesprochen habend; durvāsāḥ – Durvasas; dattavān – gab; bhasma ca uttamam – vorzügliche Asche; jātāḥ – geworden; mat-vacanāt – durch mein Wort; sarve yūyam – ihr alle; te adhika-tejasaḥ – überaus leuchtend.

6.6
śatarudreṇa mantreṇa bhasmoddhūlitavigrahāḥ |
nirdhūtarajasaḥ sarve tatkṣaṇācca vayaṃ mune || 6 ||

Mit dem Shatarudra-Mantra bestäubten wir unsere Körper mit Asche. Im selben Augenblick waren wir alle von Leidenschaft gereinigt, o Weiser.

Wort-für-Wort-Übersetzung: śatarudreṇa mantreṇa – mit dem Shatarudra-Mantra; bhasma-uddhūlita-vigrahāḥ – mit Asche bestäubten Körpers; nirdhūta-rajasaḥ – von Leidenschaft gereinigt; sarve – alle; tat-kṣaṇāt – im selben Augenblick; ca vayam – und wir; mune – o Weiser.

6 – Staunen
āścaryametajjānīmo bhasmasāmarthyamīdṛśam |

Wir erkennen dieses Wunder: So groß ist die Kraft der Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: āścaryam etat – dieses Wunder; jānīmaḥ – wir erkennen; bhasma-sāmarthyam – Kraft der Asche; īdṛśam – derartig.

6 – Hari und Hara
asya bhasmanaḥ śaktimanyāṃ śṛṇu |
etadeva hariśaṅkarayorjñānapradam |
brahmahatyādi pāpanāśakam |
mahāvibhūtidamiti śivavakṣasi sthitaṃ nakhenādāya
praṇavenābhimantrya gāyatryā pañcākṣareṇābhimantrya
harirmastakagātreṣu samarpayet | tathā hṛdi dhyāyasveti
harimuktvā haraḥ svahṛdi dhyātvā dṛṣṭo dṛṣṭa iti
śivamāha |

Höre von einer weiteren Kraft dieser Asche. Sie verleiht Hari und Shankara Erkenntnis, vernichtet Unheilsames wie Brahmanentötung und gewährt große Herrlichkeit. Hari nehme mit dem Fingernagel Asche von Shivas Brust, bespreche sie mit Om, der Gayatri und dem fünfsilbigen Mantra und trage sie auf Kopf und Glieder auf. Hara sprach zu Hari: „Meditiere ebenso im Herzen!“ Nachdem er in seinem eigenen Herzen meditiert hatte, sagte er zu Shiva: „Er ist gesehen, er ist gesehen!“

Wort-für-Wort-Übersetzung: asya bhasmanaḥ – dieser Asche; śaktim anyām – eine andere Kraft; śṛṇu – höre; etat eva – eben diese; hari-śaṅkarayoḥ – für Hari und Shankara; jñāna-pradam – erkenntnisverleihend; brahma-hatyā-ādi-pāpa-nāśakam – Unheilsames wie Brahmanentötung vernichtend; mahā-vibhūti-dam – große Herrlichkeit verleihend; śiva-vakṣasi sthitam – auf Shivas Brust befindlich; nakhena ādāya – mit dem Fingernagel nehmend; praṇavena abhimantrya – mit Om besprechend; gāyatryā – mit der Gayatri; pañca-akṣareṇa – mit dem fünfsilbigen Mantra; hariḥ – Hari; mastaka-gātreṣu samarpayet – auf Kopf und Glieder auftragen; tathā hṛdi dhyāyasva – meditiere ebenso im Herzen; harim uktvā – zu Hari sagend; haraḥ – Hara; sva-hṛdi dhyātvā – im eigenen Herzen meditierend; dṛṣṭaḥ – er ist gesehen; śivam āha – sagte zu Shiva.

Textanmerkung: Die Sanskritfassung wechselt hier unklar zwischen Hari und Hara als Subjekt. Der Ablauf legt Hari als den Meditierenden nahe; die Übersetzung markiert ihn nicht durch einen zusätzlich eingesetzten Eigennamen.

6.7
tato bhasma bhakṣayeti harimāha harastataḥ |
bhakṣayiṣye śivaṃ bhasma snātvāhaṃ bhasmanā purā || 7 ||

Dann sagte Hara zu Hari: „Iss Asche!“ – „Ich werde die glückverheißende Asche essen, nachdem ich zuvor mit Asche gebadet habe.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ – dann; bhasma bhakṣaya – iss Asche; iti harim āha haraḥ – so sagte Hara zu Hari; bhakṣayiṣye – ich werde essen; śivam bhasma – glückverheißende Asche; snātvā – gebadet habend; aham – ich; bhasmanā – mit Asche; purā – zuvor.

Textanmerkung: Die Erzählung schildert eine historische Ritualvorstellung; die Einnahme von Asche ist keine Empfehlung dieses Artikels.

6.8
pṛṣṭeśvaraṃ bhaktigamyaṃ bhasmābhakṣayadacyutaḥ |
tatrāścaryamatīvāsītpratibimbasamadyutiḥ || 8 ||

Nachdem Acyuta den durch Hingabe zugänglichen Herrn gefragt hatte, aß er Asche. Dabei geschah ein großes Wunder: Er hatte den Glanz eines Spiegelbildes.

Wort-für-Wort-Übersetzung: pṛṣṭa-īśvaram – den Herrn gefragt habend; bhakti-gamyam – durch Hingabe zugänglich; bhasma abhākṣayat – aß Asche; acyutaḥ – Acyuta, Vishnu; tatra – dabei; āścaryam atīva āsīt – geschah ein großes Wunder; pratibimba-sama-dyutiḥ – mit einem Spiegelbild gleichem Glanz.

Textanmerkung: Pṛṣṭeśvaram und die Verbform sind sprachlich auffällig; die Wiedergabe folgt ihrem erkennbaren Sinn.

6.9
vāsudevaḥ śuddhamuktāphalavarṇo'bhavatkṣaṇāt |
tadāprabhṛti śuklābho vāsudevaḥ prasannavān || 9 ||

Vasudeva nahm augenblicklich die Farbe einer reinen Perle an. Von da an war Vasudeva hell strahlend und heiter.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vāsudevaḥ – Vasudeva; śuddha-muktā-phala-varṇaḥ – von der Farbe einer reinen Perle; abhavat – wurde; kṣaṇāt – augenblicklich; tadā-prabhṛti – von da an; śukla-ābhaḥ – hell strahlend; prasannavān – heiter.

6.10
na śakyaṃ bhasmano jñānaṃ prabhāvaṃ te kuto vibho |
namaste'stu namaste'stu tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ || 10 ||

„Schon die Asche lässt sich nicht ganz erkennen; wie sollte ich erst deine Macht erkennen, Allgegenwärtiger? Verehrung dir, Verehrung dir! Bei dir suche ich Zuflucht.

Wort-für-Wort-Übersetzung: na śakyam – es ist nicht möglich; bhasmanaḥ jñānam – Erkenntnis der Asche; prabhāvam te – deine Macht; kutaḥ – wie erst; vibho – o Allgegenwärtiger; namaḥ te astu – Verehrung sei dir; tvām aham śaraṇam gataḥ – ich habe bei dir Zuflucht gesucht.

6.11
tvatpādayugale śambho bhaktirastu sadā mama |
bhasmadhāraṇasampanno mama bhakto bhaviṣyati || 11 ||

Möge ich stets Hingabe zu deinen beiden Füßen haben, Shambhu!“ – „Wer mit dem Tragen der Asche ausgestattet ist, wird mein Verehrer sein.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: tvat-pāda-yugale – zu deinen beiden Füßen; śambho – o Shambhu; bhaktiḥ astu – Hingabe möge sein; sadā – stets; mama – mein; bhasma-dhāraṇa-sampannaḥ – mit dem Tragen der Asche ausgestattet; mama bhaktaḥ – mein Verehrer; bhaviṣyati – wird sein.

6.12a – Göttliche Entsprechungen
ata evaiṣā bhūtirbhūtikarītyuktā | asya purastādvasava
āsanrudrā dakṣiṇata ādityāḥ paścādviśvedevā
uttarato brahmaviṣṇumaheśvarā yābhyāṃ sūryācandramasau
pārśvayostadetadṛcābhyuktam |

Eben deshalb heißt diese Bhuti „Wohlergehen schaffend“. Vor ihr waren die Vasus, rechts die Rudras, hinten die Adityas, nördlich die Vishvedevas; Brahma, Vishnu und Maheshvara sowie Sonne und Mond an den Seiten. Dies ist durch folgenden Rigvers ausgedrückt:

Wort-für-Wort-Übersetzung: ataḥ eva – eben deshalb; eṣā bhūtiḥ – diese Bhuti, Asche; bhūti-karī – Gedeihen schaffend; iti uktā – so genannt; asya purastāt – vor diesem; vasavaḥ āsan – waren die Vasus; rudrāḥ dakṣiṇataḥ – Rudras rechts, südlich; ādityāḥ paścāt – Adityas hinten, westlich; viśve-devāḥ uttarataḥ – Vishvedevas nördlich; brahma-viṣṇu-maheśvarāḥ – Brahma, Vishnu und Maheshvara; sūryā-candramasau – Sonne und Mond; pārśvayoḥ – an den Seiten; tat etat ṛcā abhyuktam – dies ist durch einen Rigvers ausgedrückt.

Textanmerkung: Der Satzteil yābhyāṃ hat keinen eindeutigen Anschluss; die räumliche Zuordnung bleibt an dieser Stelle lückenhaft.

6.12b – Der unvergängliche Grund der Verse
ṛco akṣare parame vyoman yasmindevā adhiviśve niṣeduḥ |
yastanna veda kimṛcā kariṣyati ya ittadvidusta ime samāsate |

Im Unvergänglichen des Rigverses, im höchsten Raum, in dem alle Götter ihren Sitz genommen haben: Wer dieses nicht kennt, was wird er mit dem Rigvers tun? Die aber dieses kennen, sie sitzen hier vereint.

Wort-für-Wort-Übersetzung: ṛcaḥ – des Rigverses; akṣare – im Unvergänglichen; parame vyoman – im höchsten Raum; yasmin – in welchem; devāḥ adhi viśve niṣeduḥ – alle Götter ihren Sitz genommen haben; yaḥ tat na veda – wer dieses nicht kennt; kim ṛcā kariṣyati – was wird er mit dem Rigvers tun; ye it tat viduḥ – die eben dieses kennen; te ime samāsate – sie sitzen hier vereint.

Textanmerkung: Zitat aus Rigveda 1.164.39; akṣara bedeutet sowohl „unvergänglich“ als auch „Silbe“.

6.12c – Frucht der Erkenntnis
ya etadbṛhajjābālaṃ sārvakāmikaṃ mokṣadvāramṛṅmayaṃ
yajurmayaṃ sāmamayaṃ brahmamayamamṛtamayaṃ bhavati |
ya etadbṛhajjābālaṃ bālo vā veda sa mahānbhavati |
sa guruḥ sarveṣāṃ mantrāṇāmupadeṣṭā bhavati |

Wer diese Brihajjabala kennt, die alle Wünsche erfüllt und das Tor zur Befreiung ist, wird von Rig-, Yajur- und Samaversen, von Brahman und Unsterblichkeit erfüllt. Wer diese Brihajjabala kennt, sei er auch ein Kind, wird groß. Er wird zum Guru, zum Unterweiser aller Mantras.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ etat bṛhajjābālam – wer diese Brihajjabala; sārva-kāmikam – alle Wünsche erfüllend; mokṣa-dvāram – Tor zur Befreiung; ṛṅ-mayam – von Rigversen erfüllt; yajur-mayam – von Yajusformeln erfüllt; sāma-mayam – von Samagesängen erfüllt; brahma-mayam – von Brahman erfüllt; amṛta-mayam – von Unsterblichkeit erfüllt; bhavati – wird; bālaḥ vā – auch ein Kind; veda – kennt; saḥ mahān bhavati – wird groß; saḥ guruḥ – wird Guru; sarveṣām mantrāṇām upadeṣṭā – Unterweiser aller Mantras.

Textanmerkung: Im ersten Satz fehlt in der Vorlage ein ausdrückliches veda; der nächste Satz verdeutlicht den Zusammenhang.

6.12d – Gabe an den Lehrer
mṛtyutārakaṃ guruṇā labdhaṃ kaṇṭhe bāhau śikhāyāṃ
vā badhnīta | saptadvīpavatī bhūbhirdakṣiṇārthaṃ nāvakalpate |
tasmācchraddhayā yāṃ kāñcidgāṃ dadyātsā dakṣiṇā bhavati || 12 ||

Das vom Guru empfangene, über den Tod hinüberführende [Zeichen] binde man um Hals, Arm oder Haarbüschel. Selbst die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten reicht als Lehrergabe nicht aus. Deshalb schenke man im Vertrauen irgendeine Kuh; diese wird zur Lehrergabe.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mṛtyu-tārakam – über den Tod hinüberführend; guruṇā labdham – vom Guru empfangen; kaṇṭhe – am Hals; bāhau – am Arm; śikhāyām vā – oder am Haarbüschel; badhnīta – man binde; sapta-dvīpavatī bhūḥ – Erde mit sieben Inselkontinenten; dakṣiṇā-artham – als Lehrergabe; na avakalpate – reicht nicht aus; tasmāt – deshalb; śraddhayā – im Vertrauen; yām kāñcit gām dadyāt – man schenke irgendeine Kuh; sā dakṣiṇā bhavati – diese wird zur Lehrergabe.

Textanmerkung: Der Gegenstand des Bindens wird nicht eigens benannt; „Zeichen“ ist eine als solche gekennzeichnete Ergänzung.

Abschluss des sechsten Brahmana
iti ṣaṣṭhaṃ brāhmaṇam || 6 ||

Hier endet das sechste Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; ṣaṣṭham – sechstes; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

Siebentes und achtes Brahmana – Unterweisung und Verheißung

7.1
atha janako vaideho yājñavalkyamupasametyovāca bhagavān tripuṇḍravidhiṃ no brūhīti sa hovāca sadyojātādipañcabrahmamantraiḥ parigṛhyāgniriti bhasmetyabhimantrya mānastoka iti samuddhṛtya triyāyuṣamiti jalena sammṛjya tryambakamiti śirolalāṭavakṣaḥskandheṣu dhṛtvā pūto bhavati mokṣī bhavati | śatarudreṇa yatphalamavapnoti tatphalamaśnute sa eṣa bhasmajyotiriti vai yājñavalkyaḥ || 1 ||

Janaka von Videha trat zu Yajnavalkya und sagte: „Erhabener, erkläre uns die Ordnung des Tripundra!“ Er antwortete: „Man nehme die Asche unter den fünf Brahma-Mantras, beginnend mit Sadyojata, bespreche sie mit ‚Feuer ist Asche‘, hebe sie unter ‚mā nas toke‘ auf, vermische sie unter ‚triyāyuṣam‘ mit Wasser und trage sie unter ‚tryambakam‘ auf Kopf, Stirn, Brust und Schultern auf. So wird man rein und zur Befreiung gelangend. Man erlangt dieselbe Frucht wie durch das Shatarudra. Das ist das Licht der Asche.“ So sprach Yajnavalkya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; janakaḥ vaidehaḥ – Janaka von Videha; yājñavalkyam upasamītya – zu Yajnavalkya tretend; uvāca – sagte; bhagavan – Erhabener; tripuṇḍra-vidhim naḥ brūhi – erkläre uns die Ordnung des Tripundra; saḥ ha uvāca – er antwortete; sadyojāta-ādi-pañca-brahma-mantraiḥ – mit den fünf Brahma-Mantras beginnend Sadyojata; parigṛhya – aufnehmend; agniḥ iti bhasma – Feuer ist Asche; abhimantrya – besprechend; mā naḥ tokaḥ iti – unter dem Mantra mā nas toke; samuddhṛtya – aufhebend; triyāyuṣam iti – unter triyāyuṣam; jalena sammṛjya – mit Wasser vermischend; tryambakam iti – unter tryambakam; śiro-lalāṭa-vakṣaḥ-skandheṣu – an Kopf, Stirn, Brust und Schultern; dhṛtvā – aufgetragen habend; pūtaḥ bhavati – wird rein; mokṣī bhavati – gelangt zur Befreiung; śatarudreṇa – durch Shatarudra; yat phalam avāpnoti – welche Frucht man erlangt; tat phalam aśnute – diese Frucht empfängt man; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ – das ist das Licht der Asche; iti vai yājñavalkyaḥ – so Yajnavalkya.

7.2
janako ha vaidehaḥ sa hovāca yājñavalkyaṃ bhasmadhāraṇātkiṃ phalamaśnuta iti sa hovāca tadbhasmadhāraṇādeva muktirbhavati tadbhasmadhāraṇādeva śivasāyujyamavāpnoti na sa punarāvartate na sa punarāvartate sa eṣa bhasmajyotiriti vai yājñavalkyaḥ || 2 ||

Janaka von Videha fragte Yajnavalkya: „Welche Frucht empfängt man durch das Tragen der Asche?“ Er antwortete: „Durch dieses Aschetragen allein erfolgt Befreiung; durch dieses Aschetragen allein erlangt man Vereinigung mit Shiva. Man kehrt nicht wieder, man kehrt nicht wieder. Das ist das Licht der Asche.“ So sprach Yajnavalkya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: janakaḥ vaidehaḥ – Janaka von Videha; uvāca yājñavalkyam – sprach zu Yajnavalkya; bhasma-dhāraṇāt – durch Aschetragen; kim phalam aśnute – welche Frucht empfängt man; saḥ ha uvāca – er antwortete; tat-bhasma-dhāraṇāt eva – durch dieses Aschetragen allein; muktiḥ bhavati – erfolgt Befreiung; śiva-sāyujyam avāpnoti – erlangt Vereinigung mit Shiva; na saḥ punaḥ āvartate – er kehrt nicht wieder; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ – das ist das Licht der Asche; iti vai yājñavalkyaḥ – so Yajnavalkya.

7.3
janako ha vaidehaḥ sa hovāca yājñavalkyaṃ bhasmadhāraṇātkiṃ phalamaśnute na veti tatra paramahaṃsānāmasaṃvartakaāruṇiśvetaketudurvāsaṛbhunidāghajaḍabharatadattātreyaraivatakabhusuṇḍaprabhṛtayo vibhūtidhāraṇādevamuktāḥ syuḥ sa eṣa bhasmajyotiriti vai yājñavalkyaḥ || 3 ||

Janaka von Videha fragte Yajnavalkya: „Empfängt man durch das Tragen der Asche eine Frucht oder nicht?“ Darauf: „Unter den Paramahamsas wurden Samvartaka, Aruni, Shvetaketu, Durvasas, Ribhu, Nidagha, Jadabharata, Dattatreya, Raivataka, Bhusunda und andere allein durch das Tragen der Vibhuti befreit. Das ist das Licht der Asche.“ So sprach Yajnavalkya.

Wort-für-Wort-Übersetzung: janakaḥ vaidehaḥ – Janaka von Videha; uvāca yājñavalkyam – sprach zu Yajnavalkya; bhasma-dhāraṇāt – durch Aschetragen; kim phalam aśnute na vā – empfängt man eine Frucht oder nicht; tatra – darauf; paramahaṃsānām – unter den Paramahamsas; saṃvartaka-āruṇi-śvetaketu-durvāsas – Samvartaka, Aruni, Shvetaketu, Durvasas; ṛbhu-nidāgha-jaḍabharata-dattātreya – Ribhu, Nidagha, Jadabharata, Dattatreya; raivataka-bhusuṇḍa-prabhṛtayaḥ – Raivataka, Bhusunda und andere; vibhūti-dhāraṇāt eva – durch Vibhuti-Tragen allein; muktāḥ syuḥ – seien befreit; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ – das ist das Licht der Asche; iti vai yājñavalkyaḥ – so Yajnavalkya.

Textanmerkung: Die Anfangsverbindung paramahaṃsānāmasaṃvartaka ist orthographisch auffällig; der geläufige Name Samvartaka wird als solcher wiedergegeben.

7.4
janako ha vaidehaḥ sa hovāca yājñavalkya bhasmasnānena kiṃ jāyata iti yasya kasyaciccharīre yāvanto romakūpāstāvanti liṅgāni bhūtvā tiṣṭhanti brāhmaṇo vā kṣatriyo vā vaiśyo vā śūdro vā tadbhasmadhāraṇādetacchabdasya rūpaṃ yasyāṃ tasyāṃ hyevāvatiṣṭhate || 4 ||

Janaka von Videha fragte: „Yajnavalkya, was entsteht durch das Aschebad?“ – „So viele Haaröffnungen sich an jemandes Körper befinden, so viele Lingas entstehen und bleiben dort. Ob Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra: Durch dieses Aschetragen besteht die Gestalt dessen, was dieses Wort bezeichnet, jeweils dort.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: janakaḥ vaidehaḥ – Janaka von Videha; uvāca – sagte; yājñavalkya – Yajnavalkya; bhasma-snānena kim jāyate – was entsteht durch das Aschebad; yasya kasyacit śarīre – an jemandes Körper; yāvantaḥ roma-kūpāḥ – so viele Haaröffnungen; tāvanti liṅgāni – so viele Lingas; bhūtvā tiṣṭhanti – entstehen und bleiben; brāhmaṇaḥ vā – ob Brahmane; kṣatriyaḥ vā – oder Kshatriya; vaiśyaḥ vā – oder Vaishya; śūdraḥ vā – oder Shudra; tat-bhasma-dhāraṇāt – durch dieses Aschetragen; etat-śabdasya rūpam – Gestalt dessen, was dieses Wort bezeichnet; yasyām tasyām – jeweils dort; hi eva avatiṣṭhate – bleibt bestehen.

Textanmerkung: Der Schluss ist grammatisch unvollständig: Das feminine Bezugswort für yasyāṃ tasyāṃ fehlt. Eine eindeutige zusätzliche Deutung wird daher nicht eingesetzt.

7.5
janako ha vaidehaḥ sa hovāca paippalādena saha prajāpatilokaṃ jagāma taṃ gatvovāca bho prajāpate tripuṇḍrasya māhātmyaṃ brūhīti taṃ prajāpatirabravīdyathaiveśvarasya māhātmyaṃ tathaiva tripuṇḍrasyeti || 5 ||

Janaka von Videha ging mit Paippalada in Prajapatis Welt. Dort sprach er: „Prajapati, erkläre die Größe des Tripundra!“ Prajapati antwortete ihm: „Wie die Größe Ishvaras, so ist auch die des Tripundra.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: janakaḥ vaidehaḥ – Janaka von Videha; paippalādena saha – mit Paippalada; prajāpati-lokam jagāma – ging in Prajapatis Welt; tam gatvā – dorthin gelangt; uvāca – sagte; bho prajāpate – o Prajapati; tripuṇḍrasya māhātmyam brūhi – erkläre die Größe des Tripundra; tam prajāpatiḥ abravīt – Prajapati antwortete ihm; yathā eva īśvarasya māhātmyam – wie die Größe Ishvaras; tathā eva tripuṇḍrasya – so auch die des Tripundra.

7.6
atha paippalādo vaikuṇṭhaṃ jagāma taṃ gatvovāca bho viṣṇo tripuṇḍrasya māhātmyaṃ brūhīti yathaiveśvarasya māhātmyaṃ tathaiva tripuṇḍrakasyeti viṣṇurāha || 6 ||

Darauf ging Paippalada nach Vaikuntha. Dort sprach er: „Vishnu, erkläre die Größe des Tripundra!“ Vishnu antwortete: „Wie die Größe Ishvaras, so ist auch die des Tripundra.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; paippalādaḥ – Paippalada; vaikuṇṭham jagāma – ging nach Vaikuntha; tam gatvā – dorthin gelangt; uvāca – sagte; bho viṣṇo – o Vishnu; tripuṇḍrasya māhātmyam brūhi – erkläre die Größe des Tripundra; yathā eva īśvarasya māhātmyam – wie die Größe Ishvaras; tathā eva tripuṇḍrakasya – so auch die des Tripundra; iti viṣṇuḥ āha – so antwortete Vishnu.

7.7a – Paippaladas Bitte
atha paippalādaḥ kālāgnirudraṃ parisametyovācādhīhi bhagavan tripuṇḍrasya vidhimiti tripuṇḍrasya vidhirmayā vaktuṃ na śakya iti satyamiti hovāca |

Darauf trat Paippalada zu Kalagnirudra und bat: „Erhabener, unterweise mich in der Ordnung des Tripundra!“ Er antwortete: „Die Ordnung des Tripundra vermag ich nicht [erschöpfend] auszusprechen. Das ist wahr.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; paippalādaḥ – Paippalada; kālāgnirudram parisametya – zu Kalagnirudra tretend; uvāca – sagte; adhīhi bhagavan – unterweise mich, Erhabener; tripuṇḍrasya vidhim – Ordnung des Tripundra; mayā vaktum na śakyaḥ – von mir nicht auszusprechen; iti satyam – das ist wahr; iti ha uvāca – so antwortete er.

7.7b – Asche und Befreiung
atha bhasmacchannaḥ saṃsārānmucyate bhasmaśayyāśayānastacchabdagocaraḥ śivasāyujyamavāpnoti na sa punarāvartate rudrādhyāyī sannamṛtatvaṃ ca gacchati sa eṣa bhasmajyotirvibhūtidhāraṇādbrahmaikatvaṃ ca gacchati

Wer mit Asche bedeckt ist, wird aus Samsara befreit. Wer auf einem Aschebett liegt, wird zum Gegenstand jenes Wortes und erlangt Vereinigung mit Shiva. Er kehrt nicht wieder. Als Rezitator des Rudra-Abschnitts gelangt er zur Unsterblichkeit. Das ist das Licht der Asche. Durch das Tragen der Vibhuti gelangt er zur Einheit mit Brahman.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – weiter; bhasma-cchannaḥ – mit Asche bedeckt; saṃsārāt mucyate – wird aus Samsara befreit; bhasma-śayyā-śayānaḥ – auf einem Aschebett liegend; tat-śabda-gocaraḥ – Gegenstand jenes Wortes; śiva-sāyujyam avāpnoti – erlangt Vereinigung mit Shiva; na saḥ punaḥ āvartate – er kehrt nicht wieder; rudra-adhyāyī san – als Rezitator des Rudra-Abschnitts; amṛtatvam ca gacchati – gelangt zur Unsterblichkeit; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ – das ist das Licht der Asche; vibhūti-dhāraṇāt – durch Vibhuti-Tragen; brahma-ekatvam ca gacchati – gelangt zur Einheit mit Brahman.

Textanmerkung: „Jenes Wort“ wird nicht ausdrücklich identifiziert; im Zusammenhang liegt tat, die Bezeichnung des höchsten Brahman, nahe.

7.7c – Heilige Badeplätze
vibhūtidhāraṇādeva sarveṣu tīrtheṣu snāto bhavati vibhūtidhāraṇādvārāṇasyāṃ snānena yatphalamavāpnoti tatphalamaśnute sa eṣa bhasmajyotir

Allein durch das Tragen der Vibhuti gilt er als an allen heiligen Badeplätzen gebadet. Durch das Tragen der Vibhuti empfängt er dieselbe Frucht, die man durch das Baden in Varanasi erlangt. Das ist das Licht der Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: vibhūti-dhāraṇāt eva – allein durch Vibhuti-Tragen; sarveṣu tīrtheṣu – an allen heiligen Badeplätzen; snātaḥ bhavati – gilt als gebadet; vārāṇasyām snānena – durch Baden in Varanasi; yat phalam avāpnoti – welche Frucht man erlangt; tat phalam aśnute – diese Frucht empfängt man; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ – das ist das Licht der Asche.

7.7d – Die drei Linien
yasya kasyaciccharīre tripuṇḍrasya lakṣma vartate prathamā prajāpatirdvitīyā viṣṇustṛtīyā sadāśiva iti sa eṣa bhasmajyotiriti sa eṣa bhasmajyotiriti || 7 ||

An wessen Körper sich das Tripundra-Zeichen befindet: Die erste Linie ist Prajapati, die zweite Vishnu, die dritte Sadashiva. Das ist das Licht der Asche; das ist das Licht der Asche.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yasya kasyacit śarīre – an wessen Körper; tripuṇḍrasya lakṣma – Tripundra-Zeichen; vartate – sich befindet; prathamā – die erste; prajāpatiḥ – Prajapati; dvitīyā – die zweite; viṣṇuḥ – Vishnu; tṛtīyā – die dritte; sadāśivaḥ – Sadashiva; iti – so; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ – das ist das Licht der Asche.

7.8a – Ursprung der Rudrakshas
atha kālāgnirudraṃ bhagavantaṃ sanatkumāraḥ papracchādhīhi bhagavanrudrākṣadhāraṇavidhiṃ sa hovāca rudrasya nayanādutpannā rudrākṣā iti loke khyāyante sadāśivaḥ saṃhārakāle saṃhāraṃ kṛtvā saṃhārākṣaṃ mukulīkaroti tannayanājjātā rudrākṣā iti hovāca tasmādrudrākṣatvamiti

Darauf fragte Sanatkumara den erhabenen Kalagnirudra: „Herr, lehre die Ordnung des Tragens von Rudrakshas!“ Er sprach: „Weil sie aus Rudras Auge entstanden, heißen sie in der Welt Rudrakshas. Nachdem Sadashiva zur Zeit der Auflösung die Auflösung vollzogen hat, schließt er sein vernichtendes Auge. Aus diesem Auge entstehen die Rudrakshas. Daher ihr Name Rudraksha.“

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – darauf; kālāgnirudram bhagavantam – den erhabenen Kalagnirudra; sanatkumāraḥ papraccha – Sanatkumara fragte; adhīhi bhagavan – lehre, Herr; rudrākṣa-dhāraṇa-vidhim – Ordnung des Rudraksha-Tragens; saḥ ha uvāca – er sprach; rudrasya nayanāt utpannāḥ – aus Rudras Auge entstanden; rudrākṣāḥ iti loke khyāyante – heißen in der Welt Rudrakshas; sadāśivaḥ – Sadashiva; saṃhāra-kāle – zur Zeit der Auflösung; saṃhāram kṛtvā – Auflösung vollzogen habend; saṃhāra-akṣam mukulīkaroti – schließt sein vernichtendes Auge; tat-nayanāt jātāḥ – aus diesem Auge entstanden; tasmāt rudrākṣatvam – daher ihr Name Rudraksha.

7.8b – Verheißungen des Rudraksha-Tragens
tadrudrākṣe vāgviṣaye kṛte daśagopradānena yatphalamavāpnoti tatphalamaśnute sa eṣa bhasmajyotī rudrākṣa iti tadrudrākṣaṃ kareṇa spṛṣṭvā dhāraṇamātreṇa dvisahasragopradānaphalaṃ bhavati | tadrudrākṣe ekādaśarudratvaṃ ca gacchati | tadrudrākṣe śirasi dhāryamāṇe koṭigopradānaphalaṃ bhavati | eteṣāṃ sthānānāṃ karṇayoḥ phalaṃ vaktuṃ na śakyamiti hovāca |

Schon indem Rudraksha zum Gegenstand der Rede wird, empfängt man die Frucht einer Gabe von zehn Kühen. Dieses Licht der Asche ist Rudraksha. Berührt man Rudraksha mit der Hand und trägt es, erhält man die Frucht einer Gabe von zweitausend Kühen. Durch Rudraksha gelangt man zum Wesen der elf Rudras. Trägt man Rudraksha am Kopf, empfängt man die Frucht einer Gabe von zehn Millionen Kühen. Die Frucht des Tragens an den Ohren lässt sich unter diesen Stellen nicht aussprechen, sagte er.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat-rudrākṣe vāg-viṣaye kṛte – wenn Rudraksha zum Redegegenstand gemacht wird; daśa-go-pradānena – durch Gabe von zehn Kühen; yat phalam avāpnoti – welche Frucht man erlangt; tat phalam aśnute – diese Frucht empfängt man; saḥ eṣaḥ bhasma-jyotiḥ rudrākṣaḥ – dieses Aschelicht ist Rudraksha; kareṇa spṛṣṭvā – mit der Hand berührend; dhāraṇa-mātreṇa – allein durch Tragen; dvi-sahasra-go-pradāna-phalam – Frucht der Gabe zweitausend Kühe; bhavati – entsteht; ekādaśa-rudratvam ca gacchati – gelangt zum Wesen der elf Rudras; śirasi dhāryamāṇe – am Kopf getragen; koṭi-go-pradāna-phalam – Frucht der Gabe von zehn Millionen Kühen; eteṣām sthānānām – unter diesen Stellen; karṇayoḥ phalam – Frucht an den Ohren; vaktum na śakyam – nicht auszusprechen; iti ha uvāca – so sagte er.

7.8c – Anzahl der Rudrakshas
mūrdhni catvāriṃśacchikhāyāmekaṃ trayaṃ vā śrotrayordvādaśa karṇe dvātriṃśadbāhvoḥ ṣoḍaśa ṣoḍaśa dvādaśa dvādaśa maṇibandhayoḥ ṣaṭ ṣaḍaṅguṣṭhayos

Vierzig am Kopf, eine oder drei am Haarbüschel, zwölf an den Ohren, zweiunddreißig am Ohr, je sechzehn an den Armen, je zwölf an den Handgelenken und je sechs an den Daumen.

Wort-für-Wort-Übersetzung: mūrdhni catvāriṃśat – vierzig am Kopf; śikhāyām ekam trayam vā – eine oder drei am Haarbüschel; śrotrayoḥ dvādaśa – zwölf an den Ohren; karṇe dvātriṃśat – zweiunddreißig am Ohr; bāhvoḥ ṣoḍaśa ṣoḍaśa – je sechzehn an den Armen; dvādaśa dvādaśa maṇibandhayoḥ – je zwölf an den Handgelenken; ṣaṭ ṣaṭ aṅguṣṭhayoḥ – je sechs an den Daumen.

Textanmerkung: Die doppelte Ohrangabe ist auffällig. Häufig erwartet man zweiunddreißig am Hals; hier steht jedoch karṇe, nicht kaṇṭhe. Eine unbelegte Ersetzung wird nicht vorgenommen.

7.8d – Tägliche Verehrung
tataḥ sandhyāṃ sakuśo'haraharupāsītāgnirjyotirityādibhiragnau juhuyāt || 8 ||

Darauf verehre man Tag für Tag die Übergangszeiten, mit Kusha-Gras versehen, und opfere ins Feuer unter den Formeln „agniḥ jyotiḥ“ und den folgenden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tataḥ – darauf; sandhyām – Übergangszeit, Dämmerungsandacht; sa-kuśaḥ – mit Kusha-Gras versehen; ahaḥ-ahaḥ – Tag für Tag; upāsīta – man verehre; agniḥ jyotiḥ iti-ādibhiḥ – mit „Feuer ist Licht“ und den folgenden Formeln; agnau juhuyāt – man opfere ins Feuer.

Abschluss des siebenten Brahmana
iti saptamaṃ brāhmaṇam || 7 ||

Hier endet das siebente Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; saptamam – siebentes; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

8.1
atha bṛhajjābālasya phalaṃ no brūhi bhagavanniti sa hovāca ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte so'gnipūto bhavati sa vāyupūto bhavati sa ādityapūto bhavati sa somapūto bhavati sa brahmapūto bhavati sa viṣṇupūto bhavati sa rudrapūto bhavati sa sarvapūto bhavati sa sarvapūto bhavati || 1 ||

„Erhabener, erkläre uns nun die Frucht der Brihajjabala!“ Er sprach: „Wer diese Brihajjabala täglich studiert, wird durch Agni gereinigt, durch Vayu gereinigt, durch Aditya gereinigt, durch Soma gereinigt, durch Brahma gereinigt, durch Vishnu gereinigt, durch Rudra gereinigt, durch alles gereinigt, durch alles gereinigt.

Wort-für-Wort-Übersetzung: atha – nun; bṛhajjābālasya phalam – Frucht der Brihajjabala; naḥ brūhi bhagavan – erkläre uns, Erhabener; saḥ ha uvāca – er sprach; yaḥ etat bṛhajjābālam nityam adhīte – wer diese Brihajjabala täglich studiert; saḥ – der; agni-pūtaḥ – durch Agni gereinigt; vāyu-pūtaḥ – durch Vayu gereinigt; āditya-pūtaḥ – durch Aditya gereinigt; soma-pūtaḥ – durch Soma gereinigt; brahma-pūtaḥ – durch Brahma gereinigt; viṣṇu-pūtaḥ – durch Vishnu gereinigt; rudra-pūtaḥ – durch Rudra gereinigt; sarva-pūtaḥ – durch alles gereinigt; bhavati – wird.

8.2
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte so'gniṃ stambhayati sa vāyuṃ stambhayati sa ādityaṃ stambhayati sa somaṃ stambhayati sa udakaṃ stambhayati sa sarvāndevānstambhayati sa sarvāngrahānstambhayati sa viṣaṃ stambhayati sa viṣaṃ stambhayati || 2 ||

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, hält Feuer an, hält Wind an, hält die Sonne an, hält den Mond an, hält Wasser an, hält alle Götter an, hält alle Planetenmächte an, hält Gift an, hält Gift an.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ etat bṛhajjābālam nityam adhīte – wer diese Brihajjabala täglich studiert; saḥ stambhayati – der hält an, hemmt; agnim – Feuer; vāyum – Wind; ādityam – Sonne; somam – Mond; udakam – Wasser; sarvān devān – alle Götter; sarvān grahān – alle Planetenmächte; viṣam – Gift.

Textanmerkung: Dies ist ein religiöser Machtlobpreis, keine Aussage über nachgewiesene physische Fähigkeiten.

8.3
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte sa mṛtyuṃ tarati sa pāpmānaṃ tarati sa brahmahatyāṃ tarati sa bhrūṇahatyāṃ tarati sa vīrahatyāṃ tarati sa sarvahatyāṃ tarati sa saṃsāraṃ tarati sa sarvaṃ tarati sa sarvaṃ tarati || 3 ||

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, überwindet den Tod, überwindet das Unheilsame, überwindet Brahmanentötung, überwindet die Tötung eines Ungeborenen, überwindet Heldentötung, überwindet jegliche Tötung, überwindet Samsara, überwindet alles, überwindet alles.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ etat bṛhajjābālam nityam adhīte – wer diese Brihajjabala täglich studiert; saḥ tarati – der überwindet; mṛtyum – Tod; pāpmānam – Unheilsames; brahma-hatyām – Brahmanentötung; bhrūṇa-hatyām – Tötung eines Ungeborenen; vīra-hatyām – Heldentötung; sarva-hatyām – jegliche Tötung; saṃsāram – Samsara; sarvam – alles.

8.4
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte sa bhūrlokaṃ jayati sa bhuvarlokaṃ jayati sa suvarlokaṃ jayati sa maharlokaṃ jayati sa tapolokaṃ jayati sa janolokaṃ jayati sa satyalokaṃ jayati sa sarvāṃllokāñjayati || 4 ||

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, gewinnt die Bhur-Welt, die Bhuvar-Welt, die Svar-Welt, die Mahar-Welt, die Tapo-Welt, die Jana-Welt, die Satya-Welt und alle Welten.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ etat bṛhajjābālam nityam adhīte – wer diese Brihajjabala täglich studiert; saḥ jayati – der gewinnt; bhūr-lokam – Bhur-Welt; bhuvar-lokam – Bhuvar-Welt; suvar-lokam – Svar-Welt; mahar-lokam – Mahar-Welt; tapo-lokam – Tapo-Welt; jano-lokam – Jana-Welt; satya-lokam – Satya-Welt; sarvān lokān – alle Welten.

8.5
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte sa ṛco'dhīte sa yajūṃṣyadhīte sa sāmānyadhīte so'tharvaṇamadhīte so'ṅgirasamadhīte sa śākhā adhīte sa kalpānadhīte sa nāraśaṃsīradhīte sa purāṇānyadhīte sa brahmapraṇavamadhīte sa brahmapraṇavamadhīte || 5 ||

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, studiert die Rigverse, die Yajusformeln, die Samagesänge, die Atharvan- und die Angiras-Überlieferung, die Vedaschulen, die Rituallehren, die Heldenlieder, die Puranas und den heiligen Laut Brahmans, den heiligen Laut Brahmans.

Wort-für-Wort-Übersetzung: yaḥ etat bṛhajjābālam nityam adhīte – wer diese Brihajjabala täglich studiert; saḥ adhīte – der studiert; ṛcaḥ – Rigverse; yajūṃṣi – Yajusformeln; sāmāni – Samagesänge; atharvaṇam – Atharvan-Überlieferung; aṅgirasam – Angiras-Überlieferung; śākhāḥ – Vedaschulen; kalpān – Rituallehren; nārāśaṃsīḥ – Heldenlieder; purāṇāni – Puranas; brahma-praṇavam – heiligen Laut Brahmans.

8.6a – Rang des Studiums
anupanītaśatamekamekenopanītena tatsamamupanītaśatamekam ekena gṛhasthena tatsamaṃ gṛhasthaśatamekam ekena vānaprasthena tatsamaṃ vānaprasthaśatamekam ekena yatinā tatsamaṃ yatīnāṃ tu śataṃ pūrṇamekam ekena rudrajāpakena tatsamaṃ rudrajāpakaśatamekam ekena atharvaśiraḥśikhādhyāpakena tatsamamatharvaśiraḥśākhādhyāpakaśatamekam ekena bṛhajjābālopaniṣadadhyāpakena tatsamaṃ

Hundert Menschen ohne Upanayana entsprechen einem Eingeweihten; hundert Eingeweihte einem Hausvater; hundert Hausväter einem Waldbewohner; hundert Waldbewohner einem Entsagenden; volle hundert Entsagende einem Rudra-Rezitator; hundert Rudra-Rezitatoren einem Lehrer von Atharvashiras und Atharvashikha; hundert solcher Lehrer einem Lehrer der Brihajjabala Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: anupanīta-śatam – hundert Menschen ohne Upanayana; ekam ekena – einem einzigen; upanītena – Eingeweihten; tat samam – dies entspricht; upanīta-śatam – hundert Eingeweihte; gṛhasthena – Hausvater; gṛhastha-śatam – hundert Hausväter; vānaprasthena – Waldbewohner; vānaprastha-śatam – hundert Waldbewohner; yatinā – Entsagenden; yatīnām śatam pūrṇam – volle hundert Entsagende; rudra-jāpakena – Rudra-Rezitator; rudra-jāpaka-śatam – hundert Rudra-Rezitatoren; atharvaśiraḥ-śikhā-adhyāpakena – Lehrer von Atharvashiras und Atharvashikha; adhyāpaka-śatam – hundert Lehrer; bṛhajjābāla-upaniṣad-adhyāpakena – Lehrer der Brihajjabala Upanishad.

Textanmerkung: Die zweite Nennung bietet śākhā statt śikhā. Der erkennbare Rückbezug auf die vorherige Gruppe wird in der Übersetzung beibehalten. Die Hierarchie dient dem Lobpreis der eigenen Schrift.

8.6b – Das höchste Ziel
tadvā etatparaṃ dhāma bṛhajjābālopaniṣajjapaśīlasya yatra na sūryastapati yatra na vāyurvāti yatra na candramā bhāti yatra na nakṣatrāṇi bhānti yatra nāgnirdahati yatra na mṛtyuḥ praviśati yatra na duḥkhāni praviśanti sadānandaṃ paramānandaṃ śāntaṃ śāśvataṃ sadāśivaṃ brahmādivanditaṃ yogidhyeyaṃ paraṃ padaṃ yatra gatvā na nivartante yoginastadetadṛcābhyuktam |

Das ist die höchste Stätte für den, der die Brihajjabala Upanishad regelmäßig rezitiert: Dort brennt die Sonne nicht, weht kein Wind, scheint kein Mond, leuchten keine Sterne, brennt kein Feuer; weder Tod noch Leiden treten dort ein. Es ist beständige Wonne, höchste Wonne, friedvoll, ewig, Sadashiva, von Brahma und den anderen verehrt, Gegenstand der Meditation der Yogis, die höchste Stätte. Wenn Yogis dorthin gelangt sind, kehren sie nicht wieder. Dies wird durch einen Rigvers ausgedrückt:

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat vai etat param dhāma – das ist die höchste Stätte; bṛhajjābāla-upaniṣat-japa-śīlasya – für den regelmäßigen Rezitator der Brihajjabala Upanishad; yatra – wo; na sūryaḥ tapati – die Sonne nicht brennt; na vāyuḥ vāti – kein Wind weht; na candramāḥ bhāti – kein Mond scheint; na nakṣatrāṇi bhānti – keine Sterne leuchten; na agniḥ dahati – kein Feuer brennt; na mṛtyuḥ praviśati – kein Tod eintritt; na duḥkhāni praviśanti – keine Leiden eintreten; sadā-ānandam – beständige Wonne; parama-ānandam – höchste Wonne; śāntam – friedvoll; śāśvatam – ewig; sadāśivam – Sadashiva; brahma-ādi-vanditam – von Brahma und anderen verehrt; yogi-dhyeyam – von Yogis zu meditieren; param padam – höchste Stätte; yatra gatvā na nivartante yoginaḥ – wohin Yogis gelangt nicht wiederkehren; tat etat ṛcā abhyuktam – dies ist durch einen Rigvers ausgedrückt.

8.6c – Vishnus höchste Stätte
tadviṣṇoḥ paramaṃ padaṃ sadā paśyanti sūrayaḥ | divīva cakṣurātatam ||

Vishnus höchste Stätte schauen die Seher immerdar, wie ein Auge, das sich am Himmel ausbreitet.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat viṣṇoḥ paramam padam – jene höchste Stätte Vishnus; sadā – immerdar; paśyanti – schauen; sūrayaḥ – Seher; divi iva – wie am Himmel; cakṣuḥ ātatam – ausgebreitetes Auge.

Textanmerkung: Rigveda 1.22.20. Die beschädigte Wiedergabe cakṣu--?--tam wurde nach dem vollständigen Rigvers zu cakṣurātatam wiederhergestellt.

8.6d – Die wachen Weisen
tadviprāso vipanyavo jāgṛvāṃsaḥ samindhate | viṣṇoryatparamaṃ padam ||

Die inspirierten, kundigen, wachen Weisen lassen sie aufleuchten: Vishnus höchste Stätte.

Wort-für-Wort-Übersetzung: tat – jene; viprāsaḥ – inspirierte Weise; vipanyavaḥ – kundig, preisend; jāgṛvāṃsaḥ – wach; samindhate – lassen aufleuchten; viṣṇoḥ yat paramam padam – was Vishnus höchste Stätte ist.

Textanmerkung: Rigveda 1.22.21.

8.6e – Schlusswort
oṃ satyamityupaniṣat || 6 ||

Om. Wahrheit! So lautet die Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; satyam – Wahrheit; iti upaniṣat – so die Upanishad.

Abschluss des achten Brahmana
ityaṣṭamaṃ brāhmaṇam || 8 ||

Hier endet das achte Brahmana.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; aṣṭamam – achtes; brāhmaṇam – Lehrabschnitt.

Schluss – Shanti-Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; bhadram – Heilsames; karṇebhiḥ – mit den Ohren; śṛṇuyāma – mögen wir hören; devāḥ – ihr Götter; paśyema – mögen wir sehen; akṣabhiḥ – mit den Augen; yajatrāḥ – ihr Verehrungswürdigen; sthiraiḥ – mit festen; aṅgaiḥ – Gliedern; tuṣṭuvāṃsaḥ – preisend; tanūbhiḥ – mit Körpern; vyaśema – mögen wir verbringen; deva-hitam – von den Göttern bestimmt; yat āyuḥ – die Lebenszeit; svasti – Wohlergehen; naḥ – uns; indraḥ – Indra; vṛddha-śravāḥ – von großem Ruhm; pūṣā – Pushan; viśva-vedāḥ – alles kennend; tārkṣyaḥ – Tarkshya; ariṣṭa-nemiḥ – mit unversehrtem Radkranz; bṛhaspatiḥ – Brihaspati; dadhātu – möge gewähren.

Schluss – Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort-für-Wort-Übersetzung: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Kolophon
ityatharvavedīya bṛhajjābālopaniṣatsamāptā ||

Hier endet die zum Atharvaveda gehörende Brihajjabala Upanishad.

Wort-für-Wort-Übersetzung: iti – hiermit; atharva-vedīya – zum Atharvaveda gehörend; bṛhajjābāla-upaniṣat – Brihajjabala Upanishad; samāptā – beendet.

Brihajjabala Upanishad – Datierung, Inhalt und Bedeutung

Datierung und Einordnung

Die Brihajjabala gehört zur späteren shivaistischen Upanishadenliteratur. Ein sicherer Autor und ein genaues Entstehungsjahr sind nicht überliefert. Ihre umfangreiche Ascheliturgie, die Lehre von den fünf Gesichtern Shivas, Rudraksha-Vorschriften und sektenspezifischen Heilszusagen sprechen für eine Entstehung im Umfeld ausgebildeter shivaistischer Ritualtraditionen. Daraus lässt sich jedoch kein verlässliches Einzeljahr gewinnen. Die Zuschreibung an den Atharvaveda bezeichnet ihre traditionelle vedische Einordnung, nicht ihre Gleichzeitigkeit mit dessen ältesten Hymnen. Im Kanon der Muktika Upanishad erscheint sie unter den 108 Upanishaden.

Der Name „große Jabala“ darf nicht dazu verleiten, sie als bloße Langfassung der Jabala Upanishad zu lesen. Die Jabala beschäftigt sich besonders mit Sannyasa und dem Verlassen der Lebensstände; die Brihajjabala entfaltet vor allem die religiöse Bedeutung der Asche. Beide stehen im weiteren Feld von Entsagung und Shiva-Verehrung, besitzen aber unterschiedliche Textgestalt und Schwerpunkte.

Aufbau der acht Brahmanas

Das erste Brahmana verbindet eine kosmogonische Einleitung mit fünf Ursprüngen und fünf Namen der Asche. Die fünf Gesichter Shivas, Elemente, Kräfte und symbolischen Kühe bilden Entsprechungsreihen. Die Namen Vibhuti, Bhasita, Bhasma, Kshara und Raksha werden nach den Wirkungen der Asche gedeutet: Herrlichkeit, Erhellung, Verzehren des Unheils, Auflösen der Bedrängnis und Schutz. Dies sind religiöse Namensdeutungen.

Das zweite Brahmana erschließt die Asche über Agni und Soma. Feuerkraft und nährender Saft, Shiva und Shakti werden als zusammengehörige Prinzipien betrachtet. Das äußere Aschebad gewinnt eine innere Bedeutung: Das Bindende soll im Erkenntnisfeuer verbrennen, das Bewusstsein soll zur Ruhe und Unsterblichkeit finden. Hier berührt die Ritualsprache die Lehre des Vedanta.

Das dritte und vierte Brahmana beschreiben Herstellung, Weihe und Auftragen der Asche. Mantras begleiten einzelne Handlungen; Körperstellen werden Gottheiten zugeordnet. Mehrere Aufzählungen und Verfahren stehen nebeneinander. Sie bilden keine überall identische Anleitung: Bereits der Text erlaubt eine Anpassung an Fähigkeit, Ort, Zeit und Umstände. Einige Zahlenreihen und Mantrabezeichnungen sind in der zugänglichen Überlieferung beschädigt. Gerade bei praktischen Einzelheiten ist daher eine verständige Anleitung in der jeweiligen Tradition hilfreich.

Im fünften Brahmana wird das Tragen der Asche nach Lebensständen und sozialen Gruppen geordnet. Der Lobpreis steigert sich zu einem Ausschließlichkeitsanspruch: Aschetragen soll alle Studien und Riten aufwiegen. Dabei werden Gegner des Brauchs mit abwertenden Aussagen über Abstammung und gesellschaftlichen Status belegt. Solche Polemik dokumentiert historische Grenzziehungen. Sie begründet keine Abwertung heutiger Menschen und gehört nicht zu den nachfolgenden Praxisempfehlungen.

Das sechste Brahmana erzählt von der wunderbaren Wiederbelebung Karunas, der Reinigung der Götter und einer Begegnung von Hari und Hara. Die Erzählungen preisen die Kraft der Asche; sie sind religiöse Wundererzählungen. Die erhaltene Fassung weist hier besonders deutliche Brüche in Handlung und Sprecherzuordnung auf. Die Textanmerkungen halten diese Brüche offen, statt sie durch erfundene Erzählteile zu schließen.

Das siebente Brahmana führt die Unterweisung in Gesprächen mit Janaka, Yajnavalkya und Paippalada fort. Asche und Tripundra werden zur Gegenwart von Prajapati, Vishnu und Sadashiva erklärt. Sanatkumara fragt nach Rudraksha: Die Samen werden aus Rudras Auge hergeleitet und mit Verheißungen des Tragens verbunden. Das achte Brahmana endet mit einer ausführlichen Phalashruti, dem Lob der Früchte des Studiums. Die höchste Stätte wird als friedvolle, immerwährende Wonne beschrieben.

Verhältnis zu anderen Schriften

Der Text nimmt ältere vedische Sprache ausdrücklich auf. Der Wunsch als erster Same des Geistes erinnert an Rigveda 10.129. Das Bild des einen Feuers knüpft an die Katha Upanishad an. Rigveda 1.164.39 fragt nach dem unvergänglichen Grund, ohne dessen Kenntnis die Verse ihren tiefsten Sinn nicht erschließen. Die Schlussverse über Vishnus höchste Stätte stammen aus Rigveda 1.22.20–21. So wird ein shivaistischer Ritualtext in eine umfassende vedische Sprache von Erkenntnis und höchstem Ziel eingebettet.

Die Kalagnirudra Upanishad, Bhasmajabala Upanishad und Rudrakshajabala Upanishad bieten verwandte Themen. Unterschiede in Zahl, Mantra und Vorgehensweise sollten als Unterschiede der Überlieferung wahrgenommen werden. Sie rechtfertigen kein stillschweigendes Zusammenmischen der Texte.

Bedeutung heute

Für einen ernsthaften Aspiranten kann Asche an die Vergänglichkeit des Körpers und das Loslassen von Ichbezogenheit erinnern. Ein äußeres Zeichen erfüllt seinen Sinn, wenn es die innere Haltung vertieft: Wahrhaftigkeit, Ahimsa, Mitgefühl, Viveka und beständige Gotteserinnerung. Im Geist Swami Sivanandas lässt sich diese Erinnerung mit Japa, Meditation und Seva verbinden.

Die traditionellen Angaben zur Einnahme von Asche, zu Wiederbelebung und Schutz vor Gift sind historische Ritual- und Wunderüberlieferung. Sie sind keine heutige Gesundheitsanleitung. Die spirituelle Anwendung liegt vor allem im bewussten Erinnern, im Reinigen der Absicht und im Erkennen des Selbst. Der Text ruft dazu auf, das Endliche im Licht des Unvergänglichen zu sehen; dieser Gedanke lässt sich unabhängig von einem vollständig übernommenen Ritualsystem üben.

Die Erinnerung an Vergänglichkeit kann Vairagya und eine klare Ausrichtung der Meditation fördern.

Video zur Vertiefung: Yoga, Samkhya und Vedanta

Der Vortrag erläutert philosophische Hintergründe der Yogatradition und ergänzt das Studium der Upanishad.

Vollständiger Text in Devanagari

Überlieferte Eingangsstrophe
यज्ज्ञानाग्निः स्वातिरिक्तभ्रमं भस्म करोति तत् ।
बृहज्जाबालनिगमशिरोवेद्यमहं महः ॥

Shanti-Mantra
ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवांसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥

Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

१ – Wasser und Prajapati
ॐ आपो वा इदमसत्सलिलमेव । स प्रजापतिरेकः पुष्करपर्णे
समभवत् ।
तस्यान्तर्मनसि कामः समवर्तत इदं सृजेयमिति ।
तस्माद्यत्पुरुषो
मनसाभिगच्छति । तद्वाचा वदति । तत्कर्मणा करोति ।

१ – Der ursprüngliche Wunsch
तदेषाभ्यनूक्ता ।
कामस्तदग्रे समवर्तताधि । मनसो रेतः प्रथमं यदासीत् ।
सतो बन्धुमसति निरविन्दन् । हृदि प्रतीष्या कवयो
मनीषेति ।

१ – Wunsch und Askese
उपैनं तदुपनमति । यत्कामो भवति । य एवं वेद । स
तपोऽतप्यत ।
स तपस्तप्त्वा ।

१ – Bhusundas Bitte
स एतं भुसुण्डः कालाग्निरुद्रमगमदागत्य भो
विभूतेर्माहात्म्यं ब्रूहीति तथेति प्रत्यवोचद्भुसुण्डं
वक्ष्यमाणं किमिति
विभूतिरुद्राक्षयोर्माहात्म्यं बभाणेति आदावेव पैप्पलादेन
सहोक्तमिति
तत्फलश्रुतिरिति तस्योर्ध्वं किं वदामेति ।
बृहज्जाबालाभिधां मुक्तिश्रुतिं
ममोपदेशं कुरुष्वेति । ॐ तदेति ।

१ – Die fünf Ursprünge, १
सद्योजातात्पृथिवी ।
तस्याः स्यान्निवृत्तिः ।
तस्याः कपिलवर्णानन्दा । तद्गोमयेन विभूतिर्जाता ।

१ – Die fünf Ursprünge, २
वामदेवादुदकम् ।
तस्मात्प्रतिष्ठा । तस्याः कृष्णवर्णाभद्रा । तद्गोमयेन
भसितं जातम् ।

१ – Die fünf Ursprünge, ३
अघोराद्वह्निः । तस्माद्विद्या । तस्या रक्तवर्णा सुरभिः ।
तद्गोमयेन भस्म जातम् ।

१ – Die fünf Ursprünge, ४
तत्पुरुषाद्वायुः । तस्माच्छान्तिः । तस्याः श्वेतवर्णा
सुशीला । तस्या
गोमयेन क्षारं जातम् ।

१ – Die fünf Ursprünge, ५
ईशानादाकाशम् ।
तस्माच्छान्त्यतीता ।
तस्याश्चित्रवर्णा सुमनाः । तद्गोमयेन रक्षा जाता ।

१ – Die fünf Namen der Asche
विभूतिर्भसितं भस्म
क्षारं रक्षेति भस्मनो भवन्ति पञ्च नामानि ।
पञ्चभिर्नामभिर्भृशमैश्वर्यकारणाद्भूतिः । भस्म
सर्वाघभक्षणात् ।
भासनाद्भसितम् । क्षारणादापदां क्षारम् ।
भूतप्रेतपिशाचब्रह्मराक्षसापस्मारभवभीतिभ्योऽभिरक्षण
अद्रक्षेति ॥

Abschluss des ersten Brahmana
प्रथमं ब्राह्मणम् ॥ १ ॥

२ – Frage nach dem Aschebad
अथ भुसुण्डः कालाग्निरुद्रमग्नीषोमात्मकं भस्मस्नानविधिं
पप्रच्छ ।

२ – Das eine Feuer
अग्निर्यथैको भुवनं प्रविष्टो रूपं रूपं प्रतिरूपो बभूव ।
एकं भस्म सर्वभूतान्तरात्मा रूपं रूपं प्रतिरूपो
बहिश्च ॥

२.१
अग्नीषोमात्मकं विश्वमित्यग्निराचक्षते ।
रौद्री घोरा या तैजसी तनूः । सोमः शक्त्यमृतमयः
शक्तिकरी तनूः ।
अमृतं यत्प्रतिष्ठा सा तेजोविद्याकला स्वयम् ।
स्थूलसूक्ष्मेषु भूतेषु स एव रसतेजसी ॥ १ ॥

२.२
द्विविधा तेजसो वृत्तिः सूर्यात्मा चानलात्मिका ।
तथैव रसशक्तिश्च सोमात्मा चानलात्मिका ॥ २ ॥

२.३
वैद्युदादिमयं तेजो मधुरादिमयो रसः ।
तेजोरसविभेदैस्तु वृत्तमेतच्चराचरम् ॥ ३ ॥

२.४
अग्नेरमृतनिष्पत्तिरमृतेनाग्निरेधते ।
अत एव हविः कॢप्तमग्नीषोमात्मकं जगत् ॥ ४ ॥

२.५
ऊर्ध्वशक्तिमयं सोम अधोशक्तिमयोऽनलः ।
ताभ्यां सम्पुटितस्तस्माच्छश्वद्विश्वमिदं जगत् ॥ ५ ॥

२.६
अग्नेरूर्ध्वं भवत्येषा यावत्सौम्यं परामृतम् ।
यावदग्न्यात्मकं सौम्यममृतं विसृत्यधः ॥ ६ ॥

२.७
अत एव हि कालाग्निरधस्ताच्छक्तिरूर्ध्वगा ।
यावदादहनश्चोर्ध्वमधस्तात्पावनं भवेत् ॥ ७ ॥

२.८
आधारशक्त्यावधृतः कालाग्निरयमूर्ध्वगः ।
तथैव निम्नगः सोमः शिवशक्तिपदास्पदः ॥ ८ ॥

२.९
शिवश्चोर्ध्वमयः शक्तिरूर्ध्वशक्तिमयः शिवः ।
तदित्थं शिवशक्तिभ्यां नाव्याप्तमिह किंचन ॥ ९ ॥

२.१०
असकृच्चाग्निना दग्धं जगत्तद्भस्मसात्कृतम् ।
अग्नेर्वीर्यमिदं प्राहुस्तद्वीर्यं भस्म यत्ततः ॥ १० ॥

२.११
यश्चेत्थं भस्मसद्भावं ज्ञात्वाभिस्नाति भस्मना ।
अग्निरित्यादिभिर्मन्त्रैर्दग्धपापः स उच्यते ॥ ११ ॥

२.१२
अग्नेर्वीर्यं च तद्भस्म सोमेनाप्लावितं पुनः ।
अयोगयुक्त्या प्रकृतेरधिकाराय कल्पते ॥ १२ ॥

२.१३
योगयुक्त्या तु तद्भस्म प्लाव्यमानं समन्ततः ।
शाक्तेनामृतवर्षेण ह्यधिकारान्निवर्तते ॥ १३ ॥

२.१४
अतो मृत्युञ्जयायेत्थममृतप्लावनं सताम् ।
शिवशक्त्यमृतस्पर्शे लब्ध एव कुतो मृतिः ॥ १४ ॥

२.१५
यो वेद गहनं गुह्यं पावनं च तथोदितम् ।
अग्नीषोमपुटं कृत्वा न स भूयोऽभिजायते ॥ १५ ॥

२.१६
शिवाग्निना तनुं दग्ध्वा शक्तिसोमामृतेन यः ।
प्लावयेद्योगमार्गेण सोऽमृतत्वाय कल्पते सोऽमृतत्वाय कल्पत
इति ॥ १६ ॥

Abschluss des zweiten Brahmana
द्वितीयं ब्राह्मणम् ॥ २ ॥

३ – Auswahl des Ausgangsstoffs
अथ भुसुण्डः कालाग्निरुद्रं विभूतियोगमनुब्रूहीति होवाच
विकटाङ्गामुन्मत्तां महाखलां मलिनामशिवादिचिह्नान्वितां
पुनर्धेनुं कृशाङ्गां वत्सहीनामशान्तामदुघ्धदोहिनीं
निरिन्द्रियां जग्धतृणां केशचेलास्थिभक्षिणीं सन्धिनीं
नवप्रसूतां रोगार्तां गां विहाय
प्रशस्तगोमयमाहरेद्गोमयं स्वस्थं ग्राह्यं शुभे स्थाने वा
पतितमपरित्यज्यात ऊर्ध्वं मर्दयेद्गव्येन गोमयग्रहणं कपिला
वा धवला वा अलाभे तदन्या गौः स्याद्दोषवर्जिता
कपिलागोर्भस्मोक्तं लब्धं गोभस्म नो चेदन्यगोक्षारं यत्र
क्वापि स्थितं च यत्तन्न हि धार्यं संस्कारसहितं
धार्यम् ।

३.१
तत्रैते श्लोका भवन्ति ।
विद्याशक्तिः समस्तानां शक्तिरित्यभिधीयते ।
गुणत्रयाश्रया विद्या सा विद्या च तदाश्रया ॥ १ ॥

३.२
गुणत्रयमिदं धेनुर्विद्याभूद्गोमयं शुभम् ।
मूत्रं चोपनिषत्प्रोक्तं कुर्याद्भस्म ततः परम् ॥ २ ॥

३.३
वत्सस्तु स्मृतयश्चास्य तत्सम्भूतं तु गोमयम् ।
आगाव इति मन्त्रेण धेनुं तत्राभिमन्त्रयेत् ॥ ३ ॥

३.४
गावो भग गावो इति प्राशयेत्तर्पणं जलम् ।
उपोष्य च चतुर्दश्यां शुक्ले कृष्णेऽथवा व्रती ॥ ४ ॥

३.५
परेद्युः प्रातरुत्थाय शुचिर्भूत्वा समाहितः ।
कृतस्नानो धौतवस्त्रः पयोर्धं च सृजेच्च गाम् ॥ ५ ॥

३.६
उत्थाप्य गां प्रयत्नेन गायत्र्या मूत्रमाहरेत् ।
सौवर्णे राजते ताम्रे धारयेन्मृण्मये घटे ॥ ६ ॥

३.७
पौष्करेऽथ पलाशे वा पात्रे गोशृङ्ग एव वा ।
आदधीत हि गोमूत्रं गन्धद्वारेति गोमयम् ॥ ७ ॥

३.८
अभूमिपातं गृह्णीयात्पात्रे पूर्वोदिते गृही ।
गोमयं शोधयेद्विद्वान्श्रीर्मे भजतुमन्त्रतः ॥ ८ ॥

३.९
अलक्ष्मीर्म इति मन्त्रेण गोमयं धान्यवर्जितम् ।
संत्वासिंचामि मन्त्रेण गोमये क्षिपेत् ॥ ९ ॥

३.१०
पञ्चानां त्विति मन्त्रेण पिण्डानां च चतुर्दश ।
कुर्यात्संशोध्य किरणैः सौरकैराहरेत्ततः ॥ १० ॥

३.११
निदध्यादथ पूर्वोक्तपात्रे गोमयपिण्डकान् ।
स्वगृह्योक्तविधानेन प्रतिष्ठाप्याग्निमीजयेत् ॥ ११ ॥

३.१२
पिण्डांश्च निक्षिपेत्तत्र आद्यन्तं प्रणवेन तु ।
षडक्षरस्य सूक्तस्य व्याकृतस्य तथाक्षरैः ॥ १२ ॥

३.१३
स्वाहान्ते जुहुयात्तत्र वर्णदेवाय पिण्डकान् ।
आघारावाज्यभागौ च प्रक्षिपेद्व्याहृतीः सुधीः ॥ १३ ॥

३.१४
ततो निधनपतये त्रयोविंशज्जुहोति च ।
होतव्याः पञ्च ब्रह्माणि नमो हिरण्यबाहवे ॥ १४ ॥

३.१५
इति सर्वाहुतिर्हुत्वा चतुर्थ्यन्तैश्च मन्त्रकैः ।
ऋतंसत्यं कद्रुद्राय यस्य वकङ्कतीति च ॥ १५ ॥

३.१६
एतैश्च जुहुयाद्विद्वाननाज्ञातत्रयं तथा ।
व्याहृतीरथ हुत्वा च ततः स्विष्टकृतं हुनेत् ॥ १६ ॥

३.१७
होमशेषं तु निर्वर्त्य पूर्णपात्रोदकं तथा ।
पूर्णमसीति यजुषा जलेनान्येन बृंहयेत् ॥ १७ ॥

३.१८
ब्राह्मणेष्वमृतमिति तज्जलं शिरसि क्षिपेत् ।
प्राच्यामिति दिशां लिङ्गैर्दिक्षु तोयं विनिक्षिपेत् ॥ १८ ॥

३.१९
ब्रह्मणे दक्षिणां दत्त्वा शान्त्यै पुलकमाहरेत् ।
आहरिष्यामि देवानां सर्वेषां कर्मगुप्तये ॥ १९ ॥

३.२०
जातवेदसमेनं त्वां पुलकैश्छादयाम्यहम् ।
मन्त्रेणानेन तं वह्निं पुलकैश्छादयेत्ततः ॥ २० ॥

३.२१
त्रिदिनं ज्वलनस्थित्यै छादनं पुलकैः स्मृतम् ।
ब्राह्मणान्भोजयेद्भक्त्या स्वयं भुञ्जीत वाग्यतः ॥ २१ ॥

३.२२
भस्माधिक्यमभीप्सुस्तु अधिकं गोमयं हरेत् ।
दिनत्रयेण यदि वा एकस्मिन्दिवसेऽथवा ॥ २२ ॥

३.२३
तृतीये वा चतुर्थे वा प्रातः स्नात्वा सिताम्बरः ।
शुक्लयज्ञोपवीती च शुक्लमाल्यानुलेपनः ॥ २३ ॥

३.२४
शुक्लदन्तो भस्मदिग्धो मन्त्रेणानेन मन्त्रवित् ।
ॐ तद्ब्रह्मेति चोच्चार्य पौलकं भस्म संत्यजेत् ॥ २४ ॥

३.२५
तत्र चावाहनमुखानुपचारांस्तु षोडश ।
कुर्याद्व्याहृतिभिस्त्वेवं ततोऽग्निमुपसंहरेत् ॥ २५ ॥

३.२६
अग्निर्भस्मेति मन्त्रेण गृह्णीयाद्भस्म चोत्तरम् ।
अग्निरित्यादिमन्त्रेण प्रमृज्य च ततः परम् ॥ २६ ॥

३.२७
संयोज्य गन्धसलिलैः कपिलामूत्रकेण वा ।
चन्द्रकुङ्कुमकाश्मीरमुशिरं चन्दनं तथा ॥ २७ ॥

३.२८
अगरुत्रितयं चैव चूर्णयित्वा तु सूक्ष्मतः ।
क्षिपेद्भस्मनि तच्चूर्णमोमिति ब्रह्ममन्त्रतः ॥ २८ ॥

३.२९
प्रणवेनाहरेद्विद्वान्बृहतो वटकानथ ।
अणोरणीयनिति हि मन्त्रेण च विचक्षणः ॥ २९ ॥

३.३०
इत्थं भस्म सुसम्पाद्य शुष्कमादय मन्त्रवित् ।
प्रणवेन विमृज्याथ सप्तप्रणवमन्त्रितम् ॥ ३० ॥

३.३१
ईशानेति शिरोदेशे मुखं तत्पुरुषेण तु ।
उरुदेशमघोरेण गुह्यं वामेन मन्त्रयेत् ॥ ३१ ॥

३.३२
सद्योजातेन वै पादान्सर्वाङ्गं प्रणवेन तु ।
तत उद्धूल्य सर्वाङ्गमापादतलमस्तकम् ॥ ३२ ॥

३.३३
आचम्य वसनं धौतं ततश्चैतत्प्रधारयेत् ।
पुनराचम्य कर्म स्वं कर्तुमर्हसि सत्तम ॥ ३३ ॥

३.३४
अथ चतुर्विधं भस्म कल्पम् ।
प्रथममनुकल्पम् । द्वितीयमुपकल्पम् ।
उपोपकल्पं तृतीयम् । अकल्पं चतुर्थम् ।
अग्निहोत्रं समुद्भूतं विरजानलजमनुकल्पम् ।
वने शुष्कं शकृत्संगृह्य कल्पोक्तविधिना
कल्पितमुपकल्पं स्यात् ।
अरण्ये शुष्कगोमयं चूर्णीकृत्य गोमूत्रैः पिण्डीकृत्य
यथाकल्पं संस्कृतमुपोपकल्पम् । शिवालयस्थमकल्पं
शतकल्पं च ।
इत्थं चतुर्विधं भस्म पापं निकृन्तयेन्मोक्षं ददातीति
भगवान्कालाग्निरुद्रः ॥ ३४ ॥

Abschluss des dritten Brahmana
इति तृतीयं ब्राह्मणम् ॥ ३ ॥

४ – Die beiden Aschebäder
अथ भुसुण्डः कालाग्निरुद्रं भस्मस्नानविधिं ब्रूहीति
होवाचाथ प्रणवेन विमृज्याथ
सप्तप्रणवेनाभिमन्त्रितमागमेन तु तेनैव दिग्बन्धनं
कारयेत्पुनरपि तेनास्त्रमन्त्रेणाङ्गानि
मूर्धादीन्युद्धूलयेन्मलस्नानमिदमीशानाद्यैः
पञ्चभिर्मन्त्रैस्तनुं क्रमाद्धूलयेत् ।
ईशानेति शिरोदेशं मुखं तत्पुरुषेण तु । ऊरुदेशमघोरेण
गुह्यकं वामदेवतः ।
सद्योजातेन वै पादौ सर्वाङ्गं प्रणवेन तु । आपादतलमस्तकं
सर्वाङ्गं तत उद्धूलाचम्य
वसनं धौतं श्वेतं प्रधारयेद्विधिस्नानमिदम् ॥

४.१
तत्र श्लोका भवन्ति ।
भस्ममुष्टिं समादाय संहितामन्त्रमन्त्रिताम् ।
मस्तकात्पादपर्यन्तं मलस्नानं पुरोदितम् ॥ १ ॥

४.२
तन्मन्त्रेणैव कर्तव्यं विधिस्नानं समाचरेत् ।
ईशाने पञ्चधा भस्म विकिरेन्मूर्ध्नि यत्नतः ॥ २ ॥

४.३
मुखे चतुर्थवक्त्रेण अघोरेणाष्टधा हृदि ।
वामेन गुह्यदेशे तु त्रिदशस्थानभेदतः ॥ ३ ॥

४.४
अष्टावन्तेन साध्येन पादावुद्धूल्य यत्नतः ।
सर्वाङ्गोद्धूलनं कार्यं राजन्यस्य यथाविधि ॥ ४ ॥

४.५
मुखं विना च तत्सर्वमुद्धूल्य क्रमयोगतः ।
सन्ध्याद्वये निशीथे च तथा पूर्वावसानयोः ॥ ५ ॥

४.६
सुप्त्वा भुक्त्वा पयः पीत्वा कृत्वा चावश्यकादिकम् ।
स्त्रियं नपुंसकं गृध्रं बिडालं बकमूषिकम् ॥ ६ ॥

४.७
स्पृष्ट्वा तथाविधानन्यान्भस्मस्नानं समाचरेत् ।
देवाग्निगुरुवृद्धानां समीपेऽन्त्यजदर्शने ॥ ७ ॥

४.८
अशुद्धभूतले मार्गे कुर्यानोद्धूलनं व्रती ।
शङ्खतोयेन मूलेन भस्मना मिश्रणं भवेत् ॥ ८ ॥

४.९
योजितं चन्दनेनैव वारिणा भस्मसंयुतम् ।
चन्दनेन समालिम्पेज्ज्ञानदं चूर्णमेव तत् ॥ ९ ॥

४ – Wasser beim Auftragen
मध्याह्नात्प्राग्जलैर्युक्तं तोयं तदनुवर्जयेत् ॥

४ – Frage nach Tripundra
अथ भुसुण्डो भगवन्तं कालाग्निरुद्रं त्रिपुण्ड्रविधिं
पप्रच्छ ॥

तत्रैते श्लोका भवन्ति ।

४.१०
त्रिपुण्ड्रं कारयेत्पश्चाद्ब्रह्मविष्णुशिवात्मकम् ।
मध्याङ्गुलिभिरादाय तिसृभिर्मूलमन्त्रतः ॥ १० ॥

४.११
अनामामध्यमाङ्गुष्ठैरथवा स्यात्त्रिपुण्ड्रकम् ।
उद्धूलयेन्मुखं विप्रः क्षत्रियस्तच्छिरोदिनम् ॥ ११ ॥

४.१२
द्वात्रिंशस्थानके चार्धं षोडशस्थानकेऽपि वा ।
अष्टस्थाने तथा चैव पञ्चस्थानेऽपि योजयेत् ॥ १२ ॥

४.१३
उत्तमाङ्गे ललाटे च कर्णयोर्नेत्रयोस्तथा ।
नासावक्त्रे गले चैवमंसद्वयमतः परम् ॥ १३ ॥

४.१४
कूर्परे मणिबन्धे च हृदये पार्श्वयोर्द्वयोः ।
नाभौ गुह्यद्वये चैवमूर्वोः स्फिग्बिम्बजानुनी ॥ १४ ॥

४.१५
जङ्घाद्वये च पादौ च द्वात्रिंशत्स्थानमुत्तमम् ।
अष्टमूर्त्यष्टविद्येशान्दिक्पालान्वसुभिः सह ॥ १५ ॥

४.१६
धरो ध्रुवश्च सोमश्च कृपश्चैवानिलोऽनलः ।
प्रत्यूपश्च प्रभासश्च वसवोऽष्टावितीरिताः ॥ १६ ॥

४.१७
एतेषां नाममन्त्रेण त्रिपुण्ड्रान्धारयेद्बुधः ।
विदध्यात्षोडशस्थाने त्रिपुण्ड्रं तु समाहितः ॥ १७ ॥

४.१८
शीर्षके च ललाटे च कर्णे कण्ठेंऽसकद्वये ।
कूर्परे मणिबन्धे च हृदये नाभिपार्श्वयोः ॥ १८ ॥

४.१९
पृष्ठे चैकं प्रतिस्थानं जपेत्तत्राधिदेवताः ।
शिवं शक्तिं च सादाख्यमीशं विद्याख्यमेव च ॥ १९ ॥

४.२०
वामादिनवशक्तीश्च एताः षोडश देवताः ।
नासत्यो दस्रकश्चैव अश्विनौ द्वौ समीरितौ ॥ २० ॥

४.२१
अथवा मूर्ध्न्यलीके च कर्णयोः श्वसने तथा ।
बाहुद्वये च हृदये नाभ्यामूर्वोर्युगे तथा ॥ २१ ॥

४.२२
जानुद्वये च पदयोः पृष्ठभागे च षोडश ।
शिवश्चेन्द्रश्च रुद्रार्कौ विघ्नेशो विष्णुरेव च ॥ २२ ॥

४.२३
श्रीश्चैव हृदयेशश्च तथा नाभौ प्रजापतिः ।
नागश्च नागकन्याश्च उभे च ऋषिकन्यके ॥ २३ ॥

४.२४
पादयोश्च समुद्राश्च तीर्थाः पृष्ठेऽपि च स्थिताः ।
एवं वा षोडशस्थानमष्टस्थानमथोच्यते ॥ २४ ॥

४.२५
गुरुस्थानं ललाटं च कर्णद्वयमनन्तरम् ।
अंसयुग्मं च हृदयं नाभिरित्यष्टमं भवेत् ॥ २५ ॥

४.२६
ब्रह्मा च ऋषयः सप्त देवताश्च प्रकीर्तिताः ।
अथवा मस्तकं बाहू हृदयं नाभिरेव च ॥ २६ ॥

४.२७
पञ्चस्थानान्यमून्याहुर्भस्मतत्त्वविदो जनाः ।
यथासम्भवतः कुर्याद्देशकालाद्यपेक्षया ॥ २७ ॥

४.२८
उद्धूलनेऽप्यशक्तश्चेत्त्रिपुण्ड्रादीनि कारयेत् ।
ललाटे हृदये नाभौ गले च मणिबन्धयोः ॥ २८ ॥

४ – Weitere Stellen
बाहुमध्ये बाहुमूले पृष्ठे चैव च शीर्षके ॥

४ – Gottheiten an den Körperstellen
ललाटे ब्रह्मणे नमः । हृदये हव्यवाहनाय नमः ।
नाभौ स्कन्दाय नमः । गले विष्णवे नमः ।
मध्ये प्रभञ्जनाय नमः । मणिबन्धे वसुभ्यो नमः ।
पृष्ठे हरये नमः । कुकुदि शम्भवे नमः ।
शिरसि परमात्मने नमः । इत्यादिस्थानेषु त्रिपुण्ड्रं
धारयेत् ॥

४.२९
त्रिनेत्रं त्रिगुणाधारं त्रयाणां जनकं प्रभुम् ।
स्मरन्नमः शिवायेति ललाटे तत्त्रिपुण्ड्रकम् ॥ २९ ॥

४.३०
कूर्पराधः पितृभ्यां तु ईशानाभ्यां तथोपरि ।
ईशाभ्यां नम इत्युक्त्वा पार्श्वयोश्च त्रिपुण्ड्रकम् ॥ ३० ॥

४.३१
स्वच्छाभ्यां नम इत्युक्त्वा धारयेत्तत्प्रकोष्ठयोः ।
भीमायेति तथा पृष्ठे शिवायेति च पार्श्वयोः ॥ ३१ ॥

४.३२
नीलकण्ठाय शिरसि क्षिपेत्सर्वात्मने नमः ।
पापं नाशयते कृत्स्नमपि जन्मान्तरार्जितम् ॥ ३२ ॥

४.३३
कण्ठोपरि कृतं पापं नष्टं स्यात्तत्र धारणात् ।
कर्णे तु धारणात्कर्णरोगादिकृतपातकम् ॥ ३३ ॥

४.३४
बाह्वोर्बाहुकृतं पापं वक्षःसु मनसा कृतम् ।
नाभ्यां शिश्नकृतं पापं पृष्ठे गुदकृतं तथा ॥ ३४ ॥

४.३५
पार्श्वयोर्धारणात्पापं परस्त्र्यालिङ्गनादिकम् ।
तद्भस्मधारणं कुर्यात्सर्वत्रैव त्रिपुण्ड्रकम् ॥ ३५ ॥

४.३६
ब्रह्मविष्णुमहेशानां त्रय्यग्नीनां च धारणम् ।
गुणलोकत्रयाणां च धारणं तेन वै श्रुतम् ॥ ३६ ॥

Abschluss des vierten Brahmana
इति चतुर्थं ब्राह्मणम् ॥ ४ ॥

५.१
मानस्तोकेन मन्त्रेण मन्त्रितं भस्म धारयेत् ।
ऊर्ध्वपुण्ड्रं भवेत्सामं मध्यपुण्ड्रं त्रियायुषम् ॥ १ ॥

५.२
त्रियायुषाणि कुरुते ललाटे च भुजद्वये ।
नाभौ शिरसि हृत्पार्श्वे ब्राह्मणाः क्षत्रियास्तथा ॥ २ ॥

५.३
त्रैवर्णिकानां सर्वेषामग्निहोत्रसमुद्भवम् ।
इदं मुख्यं गृहस्थानां विरजानलजं भवेत् ॥ ३ ॥

५.४
विरजानलजं चैव धार्यं प्रोक्तं महर्षिभिः ।
औपासनसमुत्पन्नं गृहस्थानां विशेषतः ॥ ४ ॥

५.५
समिदग्निसमुत्पन्नं धार्यं वै ब्रह्मचारिणा ।
शूद्राणां श्रोत्रियागारपचनाग्निसमुद्भवम् ॥ ५ ॥

५.६
अन्येषामपि सर्वेषां धार्यं चैवानलोद्भवम् ।
यतीनां ज्ञानदं प्रोक्तं वनस्थानां विरक्तिदम् ॥ ६ ॥

५ – Weitere Arten der Asche
अतिवर्णाश्रमाणां तु श्मशानाग्निसमुद्भवम् ।
सर्वेषां देवालयस्थं भस्म शिवाग्निजं शिवयोगिनाम् ।
शिवालयस्थं तल्लिङ्गलिप्तं वा मन्त्रसंस्कारदग्धं वा ॥

५ – Einleitung zum Lobpreis
तत्रैते श्लोका भवन्ति ।

५.७
तेनाधीतं श्रुतं तेन तेन सर्वमनुष्ठितम् ।
येन विप्रेण शिरसि त्रिपुण्ड्रं भस्मना धृतम् ॥ ७ ॥

५.८
त्यक्तवर्णाश्रमाचारो लुप्तसर्वक्रियोऽपि यः ।
सकृत्तिर्यक्त्रिपुण्ड्राङ्कधारणात्सोऽपि पूज्यते ॥ ८ ॥

५.९
ये भस्मधारणं त्यक्त्वा कर्म कुर्वन्ति मानवाः ।
तेषां नास्ति विनिर्मोक्षः संसाराज्जन्मकोटिभिः ॥ ९ ॥

५.१०
महापातकयुक्तानां पूर्वजन्मार्जितागसाम् ।
त्रिपुण्ड्रोद्धूलनद्वेषो जायते सुदृढं बुधाः ॥ १० ॥

५.११
येषां कोपो भवेद्ब्रह्मंल्ललाटे भस्मदर्शनात् ।
तेषामुत्पत्तिसाङ्कर्यमनुमेयं विपश्चिता ॥ ११ ॥

५.१२
येषां नास्ति मुने श्रद्धा श्रौते भस्मनि सर्वदा ।
गर्भाधानादिसंस्कारस्तेषां नास्तीति निश्चयः ॥ १२ ॥

५.१३
ये भस्मधारिणं दृष्ट्वा नराः कुर्वन्ति ताडनम् ।
तेषां चण्डालतो जन्म ब्रह्मन्नूह्यं विपश्चिता ॥ १३ ॥

५.१४
येषां क्रोधो भवेद्भस्मधारणे तत्प्रमाणके ।
ते महापातकैर्युक्ता इति शास्त्रस्य निश्चयः ॥ १४ ॥

५.१५
त्रिपुण्ड्रकं ये विनिन्दन्ति निन्दन्ति शिवमेव ते ।
धारयन्ति च ये भक्त्या धारयन्ति शिवं च ते ॥ १५ ॥

५.१६
धिग्भस्मरहितं भालं धिग्ग्राममशिवालयम् ।
धिगनीशार्चनं जन्म धिग्विद्यामशिवाश्रयाम् ॥ १६ ॥

५.१७
रुद्राग्नेर्यत्परं वीर्यं तद्भस्म परिकीर्तितम् ।
तस्मात्सर्वेषु कालेषु वीर्यवान्भस्मसंयुतः ॥ १७ ॥

५.१८
भस्मनिष्ठस्य दह्यन्ते दोषा भस्माग्निसङ्गमात् ।
भस्मस्नानविशुद्धात्मा भस्मनिष्ठ इति स्मृतः ॥ १८ ॥

५.१९
भस्मसंदिग्धसर्वाङ्गो भस्मदीप्तत्रिपुण्ड्रकः ।
भस्मशायी च पुरुषो भस्मनिष्ठ इति स्मृतः ॥ १९ ॥

Abschluss des fünften Brahmana
इति पञ्चमं ब्राह्मणम् ॥ ५ ॥

६ – Karunas Geschichte, १
अथ भुसुण्डः कालाग्निरुद्रं नामपञ्चकस्य माहात्म्यं
ब्रूहीति होवाच । अथ वसिष्ठवंशजस्य शतभार्यासमेतस्य
धनञ्जयस्य ब्राह्मणस्य ज्येष्ठभार्यापुत्रः करुण इति नाम
तस्य शुचिस्मिता भार्या ।

६ – Karunas Geschichte, २
असौ करुणो भ्रातृवैरमसहमानो
भवानीतटस्थं नृसिंहमगमत् । तत्र
देवसमीपेऽन्येनोपायनार्थं
समर्पितं जम्बीरफलं गृहीत्वाजिघ्रत्तदा तत्रस्था
अशपन्पाप
मक्षिको भव वर्षाणां शतमिति ।

६ – Karunas Geschichte, ३
सोऽपि शापमादाय मक्षिकः
सन्स्वचेष्टितं तस्यै निवेद्य मां रक्षेति स्वभार्यामवदत्तदा
मक्षिकोऽभवत्तमेवं ज्ञात्वा ज्ञातयस्तैलमध्ये ह्यमारयन्त्सा
मृतं पतिमादायारुन्धतीमगमद्भो शुचिस्मिते
शोकेनालमरुन्धत्याहामुं
जीवयाम्यद्य विभूतिमादायेति एषाग्निहोत्रजं भस्म ॥

६.१
मृत्युञ्जयेन मन्त्रेण मृतजन्तौ तदाक्षिपत् ।
मन्दवायुस्तदा जज्ञे व्यजनेन शुचिस्मिते ॥ १ ॥

६.२
उदतिष्ठत्तदा जन्तुर्भस्मनोऽस्य प्रभावतः ।
ततो वर्षशते पूर्णे ज्ञातिरेको ह्यमारयत् ॥ २ ॥

६.३
भस्मैव जीवयामास काश्यां पञ्च तदाभवन् ।
देवानपि तथाभूतान्मामप्येतादृशं पुरा ॥ ३ ॥

६.४
तस्मात्तु भस्मनां जन्तुं जीवयामि तदानघे ।
इत्येवमुक्त्वा भगवान्दधीचिः समजायत ॥ ४ ॥

६ – Rückkehr
स्वरूपं च ततो गत्वा स्वमाश्रमपदं ययाविति ॥

६ – Die Götter bei Durvasas
इदानीमस्य भस्मनः सर्वाघभक्षणसामर्थ्यं
विधत्त इत्याह । श्रीगौतमविवाहकाले तामहल्यां
दृष्ट्वा सर्वे देवाः कामातुरा अभवन् तदा
नष्टज्ञाना दुर्वाससं गत्वा पप्रच्छुस्तद्दोषं
शमयिष्यामीत्युवाच ततः शतरुद्रेण मन्त्रेण
मन्त्रितं भस्म वै पुरा मयापि दत्तं ब्रह्महत्यादि शान्तम् ।

६.५
इत्येवमुक्त्वा दुर्वासा दत्तवान्भस्म चोत्तमम् ।
जाता मद्वचनात्सर्वे यूयं तेऽधिकतेजसः ॥ ५ ॥

६.६
शतरुद्रेण मन्त्रेण भस्मोद्धूलितविग्रहाः ।
निर्धूतरजसः सर्वे तत्क्षणाच्च वयं मुने ॥ ६ ॥

६ – Staunen
आश्चर्यमेतज्जानीमो भस्मसामर्थ्यमीदृशम् ।

६ – Hari und Hara
अस्य भस्मनः शक्तिमन्यां शृणु ।
एतदेव हरिशङ्करयोर्ज्ञानप्रदम् ।
ब्रह्महत्यादि पापनाशकम् ।
महाविभूतिदमिति शिववक्षसि स्थितं नखेनादाय
प्रणवेनाभिमन्त्र्य गायत्र्या पञ्चाक्षरेणाभिमन्त्र्य
हरिर्मस्तकगात्रेषु समर्पयेत् । तथा हृदि ध्यायस्वेति
हरिमुक्त्वा हरः स्वहृदि ध्यात्वा दृष्टो दृष्ट इति
शिवमाह ।

६.७
ततो भस्म भक्षयेति हरिमाह हरस्ततः ।
भक्षयिष्ये शिवं भस्म स्नात्वाहं भस्मना पुरा ॥ ७ ॥

६.८
पृष्टेश्वरं भक्तिगम्यं भस्माभक्षयदच्युतः ।
तत्राश्चर्यमतीवासीत्प्रतिबिम्बसमद्युतिः ॥ ८ ॥

६.९
वासुदेवः शुद्धमुक्ताफलवर्णोऽभवत्क्षणात् ।
तदाप्रभृति शुक्लाभो वासुदेवः प्रसन्नवान् ॥ ९ ॥

६.१०
न शक्यं भस्मनो ज्ञानं प्रभावं ते कुतो विभो ।
नमस्तेऽस्तु नमस्तेऽस्तु त्वामहं शरणं गतः ॥ १० ॥

६.११
त्वत्पादयुगले शम्भो भक्तिरस्तु सदा मम ।
भस्मधारणसम्पन्नो मम भक्तो भविष्यति ॥ ११ ॥

६.१२a – Göttliche Entsprechungen
अत एवैषा भूतिर्भूतिकरीत्युक्ता । अस्य पुरस्ताद्वसव
आसन्रुद्रा दक्षिणत आदित्याः पश्चाद्विश्वेदेवा
उत्तरतो ब्रह्मविष्णुमहेश्वरा याभ्यां सूर्याचन्द्रमसौ
पार्श्वयोस्तदेतदृचाभ्युक्तम् ।

६.१२b – Der unvergängliche Grund der Verse
ऋचो अक्षरे परमे व्योमन् यस्मिन्देवा अधिविश्वे निषेदुः ।
यस्तन्न वेद किमृचा करिष्यति य इत्तद्विदुस्त इमे समासते ।

६.१२c – Frucht der Erkenntnis
य एतद्बृहज्जाबालं सार्वकामिकं मोक्षद्वारमृङ्मयं
यजुर्मयं साममयं ब्रह्ममयममृतमयं भवति ।
य एतद्बृहज्जाबालं बालो वा वेद स महान्भवति ।
स गुरुः सर्वेषां मन्त्राणामुपदेष्टा भवति ।

६.१२d – Gabe an den Lehrer
मृत्युतारकं गुरुणा लब्धं कण्ठे बाहौ शिखायां
वा बध्नीत । सप्तद्वीपवती भूभिर्दक्षिणार्थं नावकल्पते ।
तस्माच्छ्रद्धया यां काञ्चिद्गां दद्यात्सा दक्षिणा भवति ॥ १२ ॥

Abschluss des sechsten Brahmana
इति षष्ठं ब्राह्मणम् ॥ ६ ॥

७.१
अथ जनको वैदेहो याज्ञवल्क्यमुपसमेत्योवाच भगवान् त्रिपुण्ड्रविधिं नो ब्रूहीति स होवाच सद्योजातादिपञ्चब्रह्ममन्त्रैः परिगृह्याग्निरिति भस्मेत्यभिमन्त्र्य मानस्तोक इति समुद्धृत्य त्रियायुषमिति जलेन सम्मृज्य त्र्यम्बकमिति शिरोललाटवक्षःस्कन्धेषु धृत्वा पूतो भवति मोक्षी भवति । शतरुद्रेण यत्फलमवप्नोति तत्फलमश्नुते स एष भस्मज्योतिरिति वै याज्ञवल्क्यः ॥ १ ॥

७.२
जनको ह वैदेहः स होवाच याज्ञवल्क्यं भस्मधारणात्किं फलमश्नुत इति स होवाच तद्भस्मधारणादेव मुक्तिर्भवति तद्भस्मधारणादेव शिवसायुज्यमवाप्नोति न स पुनरावर्तते न स पुनरावर्तते स एष भस्मज्योतिरिति वै याज्ञवल्क्यः ॥ २ ॥

७.३
जनको ह वैदेहः स होवाच याज्ञवल्क्यं भस्मधारणात्किं फलमश्नुते न वेति तत्र परमहंसानामसंवर्तकआरुणिश्वेतकेतुदुर्वासऋभुनिदाघजडभरतदत्तात्रेयरैवतकभुसुण्डप्रभृतयो विभूतिधारणादेवमुक्ताः स्युः स एष भस्मज्योतिरिति वै याज्ञवल्क्यः ॥ ३ ॥

७.४
जनको ह वैदेहः स होवाच याज्ञवल्क्य भस्मस्नानेन किं जायत इति यस्य कस्यचिच्छरीरे यावन्तो रोमकूपास्तावन्ति लिङ्गानि भूत्वा तिष्ठन्ति ब्राह्मणो वा क्षत्रियो वा वैश्यो वा शूद्रो वा तद्भस्मधारणादेतच्छब्दस्य रूपं यस्यां तस्यां ह्येवावतिष्ठते ॥ ४ ॥

७.५
जनको ह वैदेहः स होवाच पैप्पलादेन सह प्रजापतिलोकं जगाम तं गत्वोवाच भो प्रजापते त्रिपुण्ड्रस्य माहात्म्यं ब्रूहीति तं प्रजापतिरब्रवीद्यथैवेश्वरस्य माहात्म्यं तथैव त्रिपुण्ड्रस्येति ॥ ५ ॥

७.६
अथ पैप्पलादो वैकुण्ठं जगाम तं गत्वोवाच भो विष्णो त्रिपुण्ड्रस्य माहात्म्यं ब्रूहीति यथैवेश्वरस्य माहात्म्यं तथैव त्रिपुण्ड्रकस्येति विष्णुराह ॥ ६ ॥

७.७a – Paippaladas Bitte
अथ पैप्पलादः कालाग्निरुद्रं परिसमेत्योवाचाधीहि भगवन् त्रिपुण्ड्रस्य विधिमिति त्रिपुण्ड्रस्य विधिर्मया वक्तुं न शक्य इति सत्यमिति होवाच ।

७.७b – Asche und Befreiung
अथ भस्मच्छन्नः संसारान्मुच्यते भस्मशय्याशयानस्तच्छब्दगोचरः शिवसायुज्यमवाप्नोति न स पुनरावर्तते रुद्राध्यायी सन्नमृतत्वं च गच्छति स एष भस्मज्योतिर्विभूतिधारणाद्ब्रह्मैकत्वं च गच्छति

७.७c – Heilige Badeplätze
विभूतिधारणादेव सर्वेषु तीर्थेषु स्नातो भवति विभूतिधारणाद्वाराणस्यां स्नानेन यत्फलमवाप्नोति तत्फलमश्नुते स एष भस्मज्योतिर्

७.७d – Die drei Linien
यस्य कस्यचिच्छरीरे त्रिपुण्ड्रस्य लक्ष्म वर्तते प्रथमा प्रजापतिर्द्वितीया विष्णुस्तृतीया सदाशिव इति स एष भस्मज्योतिरिति स एष भस्मज्योतिरिति ॥ ७ ॥

७.८a – Ursprung der Rudrakshas
अथ कालाग्निरुद्रं भगवन्तं सनत्कुमारः पप्रच्छाधीहि भगवन्रुद्राक्षधारणविधिं स होवाच रुद्रस्य नयनादुत्पन्ना रुद्राक्षा इति लोके ख्यायन्ते सदाशिवः संहारकाले संहारं कृत्वा संहाराक्षं मुकुलीकरोति तन्नयनाज्जाता रुद्राक्षा इति होवाच तस्माद्रुद्राक्षत्वमिति

७.८b – Verheißungen des Rudraksha-Tragens
तद्रुद्राक्षे वाग्विषये कृते दशगोप्रदानेन यत्फलमवाप्नोति तत्फलमश्नुते स एष भस्मज्योती रुद्राक्ष इति तद्रुद्राक्षं करेण स्पृष्ट्वा धारणमात्रेण द्विसहस्रगोप्रदानफलं भवति । तद्रुद्राक्षे एकादशरुद्रत्वं च गच्छति । तद्रुद्राक्षे शिरसि धार्यमाणे कोटिगोप्रदानफलं भवति । एतेषां स्थानानां कर्णयोः फलं वक्तुं न शक्यमिति होवाच ।

७.८c – Anzahl der Rudrakshas
मूर्ध्नि चत्वारिंशच्छिखायामेकं त्रयं वा श्रोत्रयोर्द्वादश कर्णे द्वात्रिंशद्बाह्वोः षोडश षोडश द्वादश द्वादश मणिबन्धयोः षट् षडङ्गुष्ठयोस्

७.८d – Tägliche Verehrung
ततः सन्ध्यां सकुशोऽहरहरुपासीताग्निर्ज्योतिरित्यादिभिरग्नौ जुहुयात् ॥ ८ ॥

Abschluss des siebenten Brahmana
इति सप्तमं ब्राह्मणम् ॥ ७ ॥

८.१
अथ बृहज्जाबालस्य फलं नो ब्रूहि भगवन्निति स होवाच य एतद्बृहज्जाबालं नित्यमधीते सोऽग्निपूतो भवति स वायुपूतो भवति स आदित्यपूतो भवति स सोमपूतो भवति स ब्रह्मपूतो भवति स विष्णुपूतो भवति स रुद्रपूतो भवति स सर्वपूतो भवति स सर्वपूतो भवति ॥ १ ॥

८.२
य एतद्बृहज्जाबालं नित्यमधीते सोऽग्निं स्तम्भयति स वायुं स्तम्भयति स आदित्यं स्तम्भयति स सोमं स्तम्भयति स उदकं स्तम्भयति स सर्वान्देवान्स्तम्भयति स सर्वान्ग्रहान्स्तम्भयति स विषं स्तम्भयति स विषं स्तम्भयति ॥ २ ॥

८.३
य एतद्बृहज्जाबालं नित्यमधीते स मृत्युं तरति स पाप्मानं तरति स ब्रह्महत्यां तरति स भ्रूणहत्यां तरति स वीरहत्यां तरति स सर्वहत्यां तरति स संसारं तरति स सर्वं तरति स सर्वं तरति ॥ ३ ॥

८.४
य एतद्बृहज्जाबालं नित्यमधीते स भूर्लोकं जयति स भुवर्लोकं जयति स सुवर्लोकं जयति स महर्लोकं जयति स तपोलोकं जयति स जनोलोकं जयति स सत्यलोकं जयति स सर्वांल्लोकाञ्जयति ॥ ४ ॥

८.५
य एतद्बृहज्जाबालं नित्यमधीते स ऋचोऽधीते स यजूंष्यधीते स सामान्यधीते सोऽथर्वणमधीते सोऽङ्गिरसमधीते स शाखा अधीते स कल्पानधीते स नारशंसीरधीते स पुराणान्यधीते स ब्रह्मप्रणवमधीते स ब्रह्मप्रणवमधीते ॥ ५ ॥

८.६a – Rang des Studiums
अनुपनीतशतमेकमेकेनोपनीतेन तत्सममुपनीतशतमेकम् एकेन गृहस्थेन तत्समं गृहस्थशतमेकम् एकेन वानप्रस्थेन तत्समं वानप्रस्थशतमेकम् एकेन यतिना तत्समं यतीनां तु शतं पूर्णमेकम् एकेन रुद्रजापकेन तत्समं रुद्रजापकशतमेकम् एकेन अथर्वशिरःशिखाध्यापकेन तत्सममथर्वशिरःशाखाध्यापकशतमेकम् एकेन बृहज्जाबालोपनिषदध्यापकेन तत्समं

८.६b – Das höchste Ziel
तद्वा एतत्परं धाम बृहज्जाबालोपनिषज्जपशीलस्य यत्र न सूर्यस्तपति यत्र न वायुर्वाति यत्र न चन्द्रमा भाति यत्र न नक्षत्राणि भान्ति यत्र नाग्निर्दहति यत्र न मृत्युः प्रविशति यत्र न दुःखानि प्रविशन्ति सदानन्दं परमानन्दं शान्तं शाश्वतं सदाशिवं ब्रह्मादिवन्दितं योगिध्येयं परं पदं यत्र गत्वा न निवर्तन्ते योगिनस्तदेतदृचाभ्युक्तम् ।

८.६c – Vishnus höchste Stätte
तद्विष्णोः परमं पदं सदा पश्यन्ति सूरयः । दिवीव चक्षुराततम् ॥

८.६d – Die wachen Weisen
तद्विप्रासो विपन्यवो जागृवांसः समिन्धते । विष्णोर्यत्परमं पदम् ॥

८.६e – Schlusswort
ॐ सत्यमित्युपनिषत् ॥ ६ ॥

Abschluss des achten Brahmana
इत्यष्टमं ब्राह्मणम् ॥ ८ ॥

Schluss – Shanti-Mantra
ॐ भद्रं कर्णेभिः शृणुयाम देवाः ।
भद्रं पश्येमाक्षभिर्यजत्राः ।
स्थिरैरङ्गैस्तुष्टुवांसस्तनूभिः ।
व्यशेम देवहितं यदायुः ।
स्वस्ति न इन्द्रो वृद्धश्रवाः ।
स्वस्ति नः पूषा विश्ववेदाः ।
स्वस्ति नस्तार्क्ष्यो अरिष्टनेमिः ।
स्वस्ति नो बृहस्पतिर्दधातु ॥

Schluss – Friedensruf
ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

Kolophon
इत्यथर्ववेदीय बृहज्जाबालोपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text in IAST

Überlieferte Eingangsstrophe
yajjñānāgniḥ svātiriktabhramaṃ bhasma karoti tat |
bṛhajjābālanigamaśirovedyamahaṃ mahaḥ ||

Shanti-Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

1 – Wasser und Prajapati
oṃ āpo vā idamasatsalilameva | sa prajāpatirekaḥ puṣkaraparṇe
samabhavat |
tasyāntarmanasi kāmaḥ samavartata idaṃ sṛjeyamiti |
tasmādyatpuruṣo
manasābhigacchati | tadvācā vadati | tatkarmaṇā karoti |

1 – Der ursprüngliche Wunsch
tadeṣābhyanūktā |
kāmastadagre samavartatādhi | manaso retaḥ prathamaṃ yadāsīt |
sato bandhumasati niravindan | hṛdi pratīṣyā kavayo
manīṣeti |

1 – Wunsch und Askese
upainaṃ tadupanamati | yatkāmo bhavati | ya evaṃ veda | sa
tapo'tapyata |
sa tapastaptvā |

1 – Bhusundas Bitte
sa etaṃ bhusuṇḍaḥ kālāgnirudramagamadāgatya bho
vibhūtermāhātmyaṃ brūhīti tatheti pratyavocadbhusuṇḍaṃ
vakṣyamāṇaṃ kimiti
vibhūtirudrākṣayormāhātmyaṃ babhāṇeti ādāveva paippalādena
sahoktamiti
tatphalaśrutiriti tasyordhvaṃ kiṃ vadāmeti |
bṛhajjābālābhidhāṃ muktiśrutiṃ
mamopadeśaṃ kuruṣveti | oṃ tadeti |

1 – Die fünf Ursprünge, 1
sadyojātātpṛthivī |
tasyāḥ syānnivṛttiḥ |
tasyāḥ kapilavarṇānandā | tadgomayena vibhūtirjātā |

1 – Die fünf Ursprünge, 2
vāmadevādudakam |
tasmātpratiṣṭhā | tasyāḥ kṛṣṇavarṇābhadrā | tadgomayena
bhasitaṃ jātam |

1 – Die fünf Ursprünge, 3
aghorādvahniḥ | tasmādvidyā | tasyā raktavarṇā surabhiḥ |
tadgomayena bhasma jātam |

1 – Die fünf Ursprünge, 4
tatpuruṣādvāyuḥ | tasmācchāntiḥ | tasyāḥ śvetavarṇā
suśīlā | tasyā
gomayena kṣāraṃ jātam |

1 – Die fünf Ursprünge, 5
īśānādākāśam |
tasmācchāntyatītā |
tasyāścitravarṇā sumanāḥ | tadgomayena rakṣā jātā |

1 – Die fünf Namen der Asche
vibhūtirbhasitaṃ bhasma
kṣāraṃ rakṣeti bhasmano bhavanti pañca nāmāni |
pañcabhirnāmabhirbhṛśamaiśvaryakāraṇādbhūtiḥ | bhasma
sarvāghabhakṣaṇāt |
bhāsanādbhasitam | kṣāraṇādāpadāṃ kṣāram |
bhūtapretapiśācabrahmarākṣasāpasmārabhavabhītibhyo'bhirakṣaṇa
adrakṣeti ||

Abschluss des ersten Brahmana
prathamaṃ brāhmaṇam || 1 ||

2 – Frage nach dem Aschebad
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudramagnīṣomātmakaṃ bhasmasnānavidhiṃ
papraccha |

2 – Das eine Feuer
agniryathaiko bhuvanaṃ praviṣṭo rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo babhūva |
ekaṃ bhasma sarvabhūtāntarātmā rūpaṃ rūpaṃ pratirūpo
bahiśca ||

2.1
agnīṣomātmakaṃ viśvamityagnirācakṣate |
raudrī ghorā yā taijasī tanūḥ | somaḥ śaktyamṛtamayaḥ
śaktikarī tanūḥ |
amṛtaṃ yatpratiṣṭhā sā tejovidyākalā svayam |
sthūlasūkṣmeṣu bhūteṣu sa eva rasatejasī || 1 ||

2.2
dvividhā tejaso vṛttiḥ sūryātmā cānalātmikā |
tathaiva rasaśaktiśca somātmā cānalātmikā || 2 ||

2.3
vaidyudādimayaṃ tejo madhurādimayo rasaḥ |
tejorasavibhedaistu vṛttametaccarācaram || 3 ||

2.4
agneramṛtaniṣpattiramṛtenāgniredhate |
ata eva haviḥ kḷptamagnīṣomātmakaṃ jagat || 4 ||

2.5
ūrdhvaśaktimayaṃ soma adhośaktimayo'nalaḥ |
tābhyāṃ sampuṭitastasmācchaśvadviśvamidaṃ jagat || 5 ||

2.6
agnerūrdhvaṃ bhavatyeṣā yāvatsaumyaṃ parāmṛtam |
yāvadagnyātmakaṃ saumyamamṛtaṃ visṛtyadhaḥ || 6 ||

2.7
ata eva hi kālāgniradhastācchaktirūrdhvagā |
yāvadādahanaścordhvamadhastātpāvanaṃ bhavet || 7 ||

2.8
ādhāraśaktyāvadhṛtaḥ kālāgnirayamūrdhvagaḥ |
tathaiva nimnagaḥ somaḥ śivaśaktipadāspadaḥ || 8 ||

2.9
śivaścordhvamayaḥ śaktirūrdhvaśaktimayaḥ śivaḥ |
taditthaṃ śivaśaktibhyāṃ nāvyāptamiha kiṃcana || 9 ||

2.10
asakṛccāgninā dagdhaṃ jagattadbhasmasātkṛtam |
agnervīryamidaṃ prāhustadvīryaṃ bhasma yattataḥ || 10 ||

2.11
yaścetthaṃ bhasmasadbhāvaṃ jñātvābhisnāti bhasmanā |
agnirityādibhirmantrairdagdhapāpaḥ sa ucyate || 11 ||

2.12
agnervīryaṃ ca tadbhasma somenāplāvitaṃ punaḥ |
ayogayuktyā prakṛteradhikārāya kalpate || 12 ||

2.13
yogayuktyā tu tadbhasma plāvyamānaṃ samantataḥ |
śāktenāmṛtavarṣeṇa hyadhikārānnivartate || 13 ||

2.14
ato mṛtyuñjayāyetthamamṛtaplāvanaṃ satām |
śivaśaktyamṛtasparśe labdha eva kuto mṛtiḥ || 14 ||

2.15
yo veda gahanaṃ guhyaṃ pāvanaṃ ca tathoditam |
agnīṣomapuṭaṃ kṛtvā na sa bhūyo'bhijāyate || 15 ||

2.16
śivāgninā tanuṃ dagdhvā śaktisomāmṛtena yaḥ |
plāvayedyogamārgeṇa so'mṛtatvāya kalpate so'mṛtatvāya kalpata
iti || 16 ||

Abschluss des zweiten Brahmana
dvitīyaṃ brāhmaṇam || 2 ||

3 – Auswahl des Ausgangsstoffs
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudraṃ vibhūtiyogamanubrūhīti hovāca
vikaṭāṅgāmunmattāṃ mahākhalāṃ malināmaśivādicihnānvitāṃ
punardhenuṃ kṛśāṅgāṃ vatsahīnāmaśāntāmadughdhadohinīṃ
nirindriyāṃ jagdhatṛṇāṃ keśacelāsthibhakṣiṇīṃ sandhinīṃ
navaprasūtāṃ rogārtāṃ gāṃ vihāya
praśastagomayamāharedgomayaṃ svasthaṃ grāhyaṃ śubhe sthāne vā
patitamaparityajyāta ūrdhvaṃ mardayedgavyena gomayagrahaṇaṃ kapilā
vā dhavalā vā alābhe tadanyā gauḥ syāddoṣavarjitā
kapilāgorbhasmoktaṃ labdhaṃ gobhasma no cedanyagokṣāraṃ yatra
kvāpi sthitaṃ ca yattanna hi dhāryaṃ saṃskārasahitaṃ
dhāryam |

3.1
tatraite ślokā bhavanti |
vidyāśaktiḥ samastānāṃ śaktirityabhidhīyate |
guṇatrayāśrayā vidyā sā vidyā ca tadāśrayā || 1 ||

3.2
guṇatrayamidaṃ dhenurvidyābhūdgomayaṃ śubham |
mūtraṃ copaniṣatproktaṃ kuryādbhasma tataḥ param || 2 ||

3.3
vatsastu smṛtayaścāsya tatsambhūtaṃ tu gomayam |
āgāva iti mantreṇa dhenuṃ tatrābhimantrayet || 3 ||

3.4
gāvo bhaga gāvo iti prāśayettarpaṇaṃ jalam |
upoṣya ca caturdaśyāṃ śukle kṛṣṇe'thavā vratī || 4 ||

3.5
paredyuḥ prātarutthāya śucirbhūtvā samāhitaḥ |
kṛtasnāno dhautavastraḥ payordhaṃ ca sṛjecca gām || 5 ||

3.6
utthāpya gāṃ prayatnena gāyatryā mūtramāharet |
sauvarṇe rājate tāmre dhārayenmṛṇmaye ghaṭe || 6 ||

3.7
pauṣkare'tha palāśe vā pātre gośṛṅga eva vā |
ādadhīta hi gomūtraṃ gandhadvāreti gomayam || 7 ||

3.8
abhūmipātaṃ gṛhṇīyātpātre pūrvodite gṛhī |
gomayaṃ śodhayedvidvānśrīrme bhajatumantrataḥ || 8 ||

3.9
alakṣmīrma iti mantreṇa gomayaṃ dhānyavarjitam |
saṃtvāsiṃcāmi mantreṇa gomaye kṣipet || 9 ||

3.10
pañcānāṃ tviti mantreṇa piṇḍānāṃ ca caturdaśa |
kuryātsaṃśodhya kiraṇaiḥ saurakairāharettataḥ || 10 ||

3.11
nidadhyādatha pūrvoktapātre gomayapiṇḍakān |
svagṛhyoktavidhānena pratiṣṭhāpyāgnimījayet || 11 ||

3.12
piṇḍāṃśca nikṣipettatra ādyantaṃ praṇavena tu |
ṣaḍakṣarasya sūktasya vyākṛtasya tathākṣaraiḥ || 12 ||

3.13
svāhānte juhuyāttatra varṇadevāya piṇḍakān |
āghārāvājyabhāgau ca prakṣipedvyāhṛtīḥ sudhīḥ || 13 ||

3.14
tato nidhanapataye trayoviṃśajjuhoti ca |
hotavyāḥ pañca brahmāṇi namo hiraṇyabāhave || 14 ||

3.15
iti sarvāhutirhutvā caturthyantaiśca mantrakaiḥ |
ṛtaṃsatyaṃ kadrudrāya yasya vakaṅkatīti ca || 15 ||

3.16
etaiśca juhuyādvidvānanājñātatrayaṃ tathā |
vyāhṛtīratha hutvā ca tataḥ sviṣṭakṛtaṃ hunet || 16 ||

3.17
homaśeṣaṃ tu nirvartya pūrṇapātrodakaṃ tathā |
pūrṇamasīti yajuṣā jalenānyena bṛṃhayet || 17 ||

3.18
brāhmaṇeṣvamṛtamiti tajjalaṃ śirasi kṣipet |
prācyāmiti diśāṃ liṅgairdikṣu toyaṃ vinikṣipet || 18 ||

3.19
brahmaṇe dakṣiṇāṃ dattvā śāntyai pulakamāharet |
āhariṣyāmi devānāṃ sarveṣāṃ karmaguptaye || 19 ||

3.20
jātavedasamenaṃ tvāṃ pulakaiśchādayāmyaham |
mantreṇānena taṃ vahniṃ pulakaiśchādayettataḥ || 20 ||

3.21
tridinaṃ jvalanasthityai chādanaṃ pulakaiḥ smṛtam |
brāhmaṇānbhojayedbhaktyā svayaṃ bhuñjīta vāgyataḥ || 21 ||

3.22
bhasmādhikyamabhīpsustu adhikaṃ gomayaṃ haret |
dinatrayeṇa yadi vā ekasmindivase'thavā || 22 ||

3.23
tṛtīye vā caturthe vā prātaḥ snātvā sitāmbaraḥ |
śuklayajñopavītī ca śuklamālyānulepanaḥ || 23 ||

3.24
śukladanto bhasmadigdho mantreṇānena mantravit |
oṃ tadbrahmeti coccārya paulakaṃ bhasma saṃtyajet || 24 ||

3.25
tatra cāvāhanamukhānupacārāṃstu ṣoḍaśa |
kuryādvyāhṛtibhistvevaṃ tato'gnimupasaṃharet || 25 ||

3.26
agnirbhasmeti mantreṇa gṛhṇīyādbhasma cottaram |
agnirityādimantreṇa pramṛjya ca tataḥ param || 26 ||

3.27
saṃyojya gandhasalilaiḥ kapilāmūtrakeṇa vā |
candrakuṅkumakāśmīramuśiraṃ candanaṃ tathā || 27 ||

3.28
agarutritayaṃ caiva cūrṇayitvā tu sūkṣmataḥ |
kṣipedbhasmani taccūrṇamomiti brahmamantrataḥ || 28 ||

3.29
praṇavenāharedvidvānbṛhato vaṭakānatha |
aṇoraṇīyaniti hi mantreṇa ca vicakṣaṇaḥ || 29 ||

3.30
itthaṃ bhasma susampādya śuṣkamādaya mantravit |
praṇavena vimṛjyātha saptapraṇavamantritam || 30 ||

3.31
īśāneti śirodeśe mukhaṃ tatpuruṣeṇa tu |
urudeśamaghoreṇa guhyaṃ vāmena mantrayet || 31 ||

3.32
sadyojātena vai pādānsarvāṅgaṃ praṇavena tu |
tata uddhūlya sarvāṅgamāpādatalamastakam || 32 ||

3.33
ācamya vasanaṃ dhautaṃ tataścaitatpradhārayet |
punarācamya karma svaṃ kartumarhasi sattama || 33 ||

3.34
atha caturvidhaṃ bhasma kalpam |
prathamamanukalpam | dvitīyamupakalpam |
upopakalpaṃ tṛtīyam | akalpaṃ caturtham |
agnihotraṃ samudbhūtaṃ virajānalajamanukalpam |
vane śuṣkaṃ śakṛtsaṃgṛhya kalpoktavidhinā
kalpitamupakalpaṃ syāt |
araṇye śuṣkagomayaṃ cūrṇīkṛtya gomūtraiḥ piṇḍīkṛtya
yathākalpaṃ saṃskṛtamupopakalpam | śivālayasthamakalpaṃ
śatakalpaṃ ca |
itthaṃ caturvidhaṃ bhasma pāpaṃ nikṛntayenmokṣaṃ dadātīti
bhagavānkālāgnirudraḥ || 34 ||

Abschluss des dritten Brahmana
iti tṛtīyaṃ brāhmaṇam || 3 ||

4 – Die beiden Aschebäder
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudraṃ bhasmasnānavidhiṃ brūhīti
hovācātha praṇavena vimṛjyātha
saptapraṇavenābhimantritamāgamena tu tenaiva digbandhanaṃ
kārayetpunarapi tenāstramantreṇāṅgāni
mūrdhādīnyuddhūlayenmalasnānamidamīśānādyaiḥ
pañcabhirmantraistanuṃ kramāddhūlayet |
īśāneti śirodeśaṃ mukhaṃ tatpuruṣeṇa tu | ūrudeśamaghoreṇa
guhyakaṃ vāmadevataḥ |
sadyojātena vai pādau sarvāṅgaṃ praṇavena tu | āpādatalamastakaṃ
sarvāṅgaṃ tata uddhūlācamya
vasanaṃ dhautaṃ śvetaṃ pradhārayedvidhisnānamidam ||

4.1
tatra ślokā bhavanti |
bhasmamuṣṭiṃ samādāya saṃhitāmantramantritām |
mastakātpādaparyantaṃ malasnānaṃ puroditam || 1 ||

4.2
tanmantreṇaiva kartavyaṃ vidhisnānaṃ samācaret |
īśāne pañcadhā bhasma vikirenmūrdhni yatnataḥ || 2 ||

4.3
mukhe caturthavaktreṇa aghoreṇāṣṭadhā hṛdi |
vāmena guhyadeśe tu tridaśasthānabhedataḥ || 3 ||

4.4
aṣṭāvantena sādhyena pādāvuddhūlya yatnataḥ |
sarvāṅgoddhūlanaṃ kāryaṃ rājanyasya yathāvidhi || 4 ||

4.5
mukhaṃ vinā ca tatsarvamuddhūlya kramayogataḥ |
sandhyādvaye niśīthe ca tathā pūrvāvasānayoḥ || 5 ||

4.6
suptvā bhuktvā payaḥ pītvā kṛtvā cāvaśyakādikam |
striyaṃ napuṃsakaṃ gṛdhraṃ biḍālaṃ bakamūṣikam || 6 ||

4.7
spṛṣṭvā tathāvidhānanyānbhasmasnānaṃ samācaret |
devāgniguruvṛddhānāṃ samīpe'ntyajadarśane || 7 ||

4.8
aśuddhabhūtale mārge kuryānoddhūlanaṃ vratī |
śaṅkhatoyena mūlena bhasmanā miśraṇaṃ bhavet || 8 ||

4.9
yojitaṃ candanenaiva vāriṇā bhasmasaṃyutam |
candanena samālimpejjñānadaṃ cūrṇameva tat || 9 ||

4 – Wasser beim Auftragen
madhyāhnātprāgjalairyuktaṃ toyaṃ tadanuvarjayet ||

4 – Frage nach Tripundra
atha bhusuṇḍo bhagavantaṃ kālāgnirudraṃ tripuṇḍravidhiṃ
papraccha ||

tatraite ślokā bhavanti |

4.10
tripuṇḍraṃ kārayetpaścādbrahmaviṣṇuśivātmakam |
madhyāṅgulibhirādāya tisṛbhirmūlamantrataḥ || 10 ||

4.11
anāmāmadhyamāṅguṣṭhairathavā syāttripuṇḍrakam |
uddhūlayenmukhaṃ vipraḥ kṣatriyastacchirodinam || 11 ||

4.12
dvātriṃśasthānake cārdhaṃ ṣoḍaśasthānake'pi vā |
aṣṭasthāne tathā caiva pañcasthāne'pi yojayet || 12 ||

4.13
uttamāṅge lalāṭe ca karṇayornetrayostathā |
nāsāvaktre gale caivamaṃsadvayamataḥ param || 13 ||

4.14
kūrpare maṇibandhe ca hṛdaye pārśvayordvayoḥ |
nābhau guhyadvaye caivamūrvoḥ sphigbimbajānunī || 14 ||

4.15
jaṅghādvaye ca pādau ca dvātriṃśatsthānamuttamam |
aṣṭamūrtyaṣṭavidyeśāndikpālānvasubhiḥ saha || 15 ||

4.16
dharo dhruvaśca somaśca kṛpaścaivānilo'nalaḥ |
pratyūpaśca prabhāsaśca vasavo'ṣṭāvitīritāḥ || 16 ||

4.17
eteṣāṃ nāmamantreṇa tripuṇḍrāndhārayedbudhaḥ |
vidadhyātṣoḍaśasthāne tripuṇḍraṃ tu samāhitaḥ || 17 ||

4.18
śīrṣake ca lalāṭe ca karṇe kaṇṭheṃ'sakadvaye |
kūrpare maṇibandhe ca hṛdaye nābhipārśvayoḥ || 18 ||

4.19
pṛṣṭhe caikaṃ pratisthānaṃ japettatrādhidevatāḥ |
śivaṃ śaktiṃ ca sādākhyamīśaṃ vidyākhyameva ca || 19 ||

4.20
vāmādinavaśaktīśca etāḥ ṣoḍaśa devatāḥ |
nāsatyo dasrakaścaiva aśvinau dvau samīritau || 20 ||

4.21
athavā mūrdhnyalīke ca karṇayoḥ śvasane tathā |
bāhudvaye ca hṛdaye nābhyāmūrvoryuge tathā || 21 ||

4.22
jānudvaye ca padayoḥ pṛṣṭhabhāge ca ṣoḍaśa |
śivaścendraśca rudrārkau vighneśo viṣṇureva ca || 22 ||

4.23
śrīścaiva hṛdayeśaśca tathā nābhau prajāpatiḥ |
nāgaśca nāgakanyāśca ubhe ca ṛṣikanyake || 23 ||

4.24
pādayośca samudrāśca tīrthāḥ pṛṣṭhe'pi ca sthitāḥ |
evaṃ vā ṣoḍaśasthānamaṣṭasthānamathocyate || 24 ||

4.25
gurusthānaṃ lalāṭaṃ ca karṇadvayamanantaram |
aṃsayugmaṃ ca hṛdayaṃ nābhirityaṣṭamaṃ bhavet || 25 ||

4.26
brahmā ca ṛṣayaḥ sapta devatāśca prakīrtitāḥ |
athavā mastakaṃ bāhū hṛdayaṃ nābhireva ca || 26 ||

4.27
pañcasthānānyamūnyāhurbhasmatattvavido janāḥ |
yathāsambhavataḥ kuryāddeśakālādyapekṣayā || 27 ||

4.28
uddhūlane'pyaśaktaścettripuṇḍrādīni kārayet |
lalāṭe hṛdaye nābhau gale ca maṇibandhayoḥ || 28 ||

4 – Weitere Stellen
bāhumadhye bāhumūle pṛṣṭhe caiva ca śīrṣake ||

4 – Gottheiten an den Körperstellen
lalāṭe brahmaṇe namaḥ | hṛdaye havyavāhanāya namaḥ |
nābhau skandāya namaḥ | gale viṣṇave namaḥ |
madhye prabhañjanāya namaḥ | maṇibandhe vasubhyo namaḥ |
pṛṣṭhe haraye namaḥ | kukudi śambhave namaḥ |
śirasi paramātmane namaḥ | ityādisthāneṣu tripuṇḍraṃ
dhārayet ||

4.29
trinetraṃ triguṇādhāraṃ trayāṇāṃ janakaṃ prabhum |
smarannamaḥ śivāyeti lalāṭe tattripuṇḍrakam || 29 ||

4.30
kūrparādhaḥ pitṛbhyāṃ tu īśānābhyāṃ tathopari |
īśābhyāṃ nama ityuktvā pārśvayośca tripuṇḍrakam || 30 ||

4.31
svacchābhyāṃ nama ityuktvā dhārayettatprakoṣṭhayoḥ |
bhīmāyeti tathā pṛṣṭhe śivāyeti ca pārśvayoḥ || 31 ||

4.32
nīlakaṇṭhāya śirasi kṣipetsarvātmane namaḥ |
pāpaṃ nāśayate kṛtsnamapi janmāntarārjitam || 32 ||

4.33
kaṇṭhopari kṛtaṃ pāpaṃ naṣṭaṃ syāttatra dhāraṇāt |
karṇe tu dhāraṇātkarṇarogādikṛtapātakam || 33 ||

4.34
bāhvorbāhukṛtaṃ pāpaṃ vakṣaḥsu manasā kṛtam |
nābhyāṃ śiśnakṛtaṃ pāpaṃ pṛṣṭhe gudakṛtaṃ tathā || 34 ||

4.35
pārśvayordhāraṇātpāpaṃ parastryāliṅganādikam |
tadbhasmadhāraṇaṃ kuryātsarvatraiva tripuṇḍrakam || 35 ||

4.36
brahmaviṣṇumaheśānāṃ trayyagnīnāṃ ca dhāraṇam |
guṇalokatrayāṇāṃ ca dhāraṇaṃ tena vai śrutam || 36 ||

Abschluss des vierten Brahmana
iti caturthaṃ brāhmaṇam || 4 ||

5.1
mānastokena mantreṇa mantritaṃ bhasma dhārayet |
ūrdhvapuṇḍraṃ bhavetsāmaṃ madhyapuṇḍraṃ triyāyuṣam || 1 ||

5.2
triyāyuṣāṇi kurute lalāṭe ca bhujadvaye |
nābhau śirasi hṛtpārśve brāhmaṇāḥ kṣatriyāstathā || 2 ||

5.3
traivarṇikānāṃ sarveṣāmagnihotrasamudbhavam |
idaṃ mukhyaṃ gṛhasthānāṃ virajānalajaṃ bhavet || 3 ||

5.4
virajānalajaṃ caiva dhāryaṃ proktaṃ maharṣibhiḥ |
aupāsanasamutpannaṃ gṛhasthānāṃ viśeṣataḥ || 4 ||

5.5
samidagnisamutpannaṃ dhāryaṃ vai brahmacāriṇā |
śūdrāṇāṃ śrotriyāgārapacanāgnisamudbhavam || 5 ||

5.6
anyeṣāmapi sarveṣāṃ dhāryaṃ caivānalodbhavam |
yatīnāṃ jñānadaṃ proktaṃ vanasthānāṃ viraktidam || 6 ||

5 – Weitere Arten der Asche
ativarṇāśramāṇāṃ tu śmaśānāgnisamudbhavam |
sarveṣāṃ devālayasthaṃ bhasma śivāgnijaṃ śivayoginām |
śivālayasthaṃ talliṅgaliptaṃ vā mantrasaṃskāradagdhaṃ vā ||

5 – Einleitung zum Lobpreis
tatraite ślokā bhavanti |

5.7
tenādhītaṃ śrutaṃ tena tena sarvamanuṣṭhitam |
yena vipreṇa śirasi tripuṇḍraṃ bhasmanā dhṛtam || 7 ||

5.8
tyaktavarṇāśramācāro luptasarvakriyo'pi yaḥ |
sakṛttiryaktripuṇḍrāṅkadhāraṇātso'pi pūjyate || 8 ||

5.9
ye bhasmadhāraṇaṃ tyaktvā karma kurvanti mānavāḥ |
teṣāṃ nāsti vinirmokṣaḥ saṃsārājjanmakoṭibhiḥ || 9 ||

5.10
mahāpātakayuktānāṃ pūrvajanmārjitāgasām |
tripuṇḍroddhūlanadveṣo jāyate sudṛḍhaṃ budhāḥ || 10 ||

5.11
yeṣāṃ kopo bhavedbrahmaṃllalāṭe bhasmadarśanāt |
teṣāmutpattisāṅkaryamanumeyaṃ vipaścitā || 11 ||

5.12
yeṣāṃ nāsti mune śraddhā śraute bhasmani sarvadā |
garbhādhānādisaṃskārasteṣāṃ nāstīti niścayaḥ || 12 ||

5.13
ye bhasmadhāriṇaṃ dṛṣṭvā narāḥ kurvanti tāḍanam |
teṣāṃ caṇḍālato janma brahmannūhyaṃ vipaścitā || 13 ||

5.14
yeṣāṃ krodho bhavedbhasmadhāraṇe tatpramāṇake |
te mahāpātakairyuktā iti śāstrasya niścayaḥ || 14 ||

5.15
tripuṇḍrakaṃ ye vinindanti nindanti śivameva te |
dhārayanti ca ye bhaktyā dhārayanti śivaṃ ca te || 15 ||

5.16
dhigbhasmarahitaṃ bhālaṃ dhiggrāmamaśivālayam |
dhiganīśārcanaṃ janma dhigvidyāmaśivāśrayām || 16 ||

5.17
rudrāgneryatparaṃ vīryaṃ tadbhasma parikīrtitam |
tasmātsarveṣu kāleṣu vīryavānbhasmasaṃyutaḥ || 17 ||

5.18
bhasmaniṣṭhasya dahyante doṣā bhasmāgnisaṅgamāt |
bhasmasnānaviśuddhātmā bhasmaniṣṭha iti smṛtaḥ || 18 ||

5.19
bhasmasaṃdigdhasarvāṅgo bhasmadīptatripuṇḍrakaḥ |
bhasmaśāyī ca puruṣo bhasmaniṣṭha iti smṛtaḥ || 19 ||

Abschluss des fünften Brahmana
iti pañcamaṃ brāhmaṇam || 5 ||

6 – Karunas Geschichte, 1
atha bhusuṇḍaḥ kālāgnirudraṃ nāmapañcakasya māhātmyaṃ
brūhīti hovāca | atha vasiṣṭhavaṃśajasya śatabhāryāsametasya
dhanañjayasya brāhmaṇasya jyeṣṭhabhāryāputraḥ karuṇa iti nāma
tasya śucismitā bhāryā |

6 – Karunas Geschichte, 2
asau karuṇo bhrātṛvairamasahamāno
bhavānītaṭasthaṃ nṛsiṃhamagamat | tatra
devasamīpe'nyenopāyanārthaṃ
samarpitaṃ jambīraphalaṃ gṛhītvājighrattadā tatrasthā
aśapanpāpa
makṣiko bhava varṣāṇāṃ śatamiti |

6 – Karunas Geschichte, 3
so'pi śāpamādāya makṣikaḥ
sansvaceṣṭitaṃ tasyai nivedya māṃ rakṣeti svabhāryāmavadattadā
makṣiko'bhavattamevaṃ jñātvā jñātayastailamadhye hyamārayantsā
mṛtaṃ patimādāyārundhatīmagamadbho śucismite
śokenālamarundhatyāhāmuṃ
jīvayāmyadya vibhūtimādāyeti eṣāgnihotrajaṃ bhasma ||

6.1
mṛtyuñjayena mantreṇa mṛtajantau tadākṣipat |
mandavāyustadā jajñe vyajanena śucismite || 1 ||

6.2
udatiṣṭhattadā janturbhasmano'sya prabhāvataḥ |
tato varṣaśate pūrṇe jñātireko hyamārayat || 2 ||

6.3
bhasmaiva jīvayāmāsa kāśyāṃ pañca tadābhavan |
devānapi tathābhūtānmāmapyetādṛśaṃ purā || 3 ||

6.4
tasmāttu bhasmanāṃ jantuṃ jīvayāmi tadānaghe |
ityevamuktvā bhagavāndadhīciḥ samajāyata || 4 ||

6 – Rückkehr
svarūpaṃ ca tato gatvā svamāśramapadaṃ yayāviti ||

6 – Die Götter bei Durvasas
idānīmasya bhasmanaḥ sarvāghabhakṣaṇasāmarthyaṃ
vidhatta ityāha | śrīgautamavivāhakāle tāmahalyāṃ
dṛṣṭvā sarve devāḥ kāmāturā abhavan tadā
naṣṭajñānā durvāsasaṃ gatvā papracchustaddoṣaṃ
śamayiṣyāmītyuvāca tataḥ śatarudreṇa mantreṇa
mantritaṃ bhasma vai purā mayāpi dattaṃ brahmahatyādi śāntam |

6.5
ityevamuktvā durvāsā dattavānbhasma cottamam |
jātā madvacanātsarve yūyaṃ te'dhikatejasaḥ || 5 ||

6.6
śatarudreṇa mantreṇa bhasmoddhūlitavigrahāḥ |
nirdhūtarajasaḥ sarve tatkṣaṇācca vayaṃ mune || 6 ||

6 – Staunen
āścaryametajjānīmo bhasmasāmarthyamīdṛśam |

6 – Hari und Hara
asya bhasmanaḥ śaktimanyāṃ śṛṇu |
etadeva hariśaṅkarayorjñānapradam |
brahmahatyādi pāpanāśakam |
mahāvibhūtidamiti śivavakṣasi sthitaṃ nakhenādāya
praṇavenābhimantrya gāyatryā pañcākṣareṇābhimantrya
harirmastakagātreṣu samarpayet | tathā hṛdi dhyāyasveti
harimuktvā haraḥ svahṛdi dhyātvā dṛṣṭo dṛṣṭa iti
śivamāha |

6.7
tato bhasma bhakṣayeti harimāha harastataḥ |
bhakṣayiṣye śivaṃ bhasma snātvāhaṃ bhasmanā purā || 7 ||

6.8
pṛṣṭeśvaraṃ bhaktigamyaṃ bhasmābhakṣayadacyutaḥ |
tatrāścaryamatīvāsītpratibimbasamadyutiḥ || 8 ||

6.9
vāsudevaḥ śuddhamuktāphalavarṇo'bhavatkṣaṇāt |
tadāprabhṛti śuklābho vāsudevaḥ prasannavān || 9 ||

6.10
na śakyaṃ bhasmano jñānaṃ prabhāvaṃ te kuto vibho |
namaste'stu namaste'stu tvāmahaṃ śaraṇaṃ gataḥ || 10 ||

6.11
tvatpādayugale śambho bhaktirastu sadā mama |
bhasmadhāraṇasampanno mama bhakto bhaviṣyati || 11 ||

6.12a – Göttliche Entsprechungen
ata evaiṣā bhūtirbhūtikarītyuktā | asya purastādvasava
āsanrudrā dakṣiṇata ādityāḥ paścādviśvedevā
uttarato brahmaviṣṇumaheśvarā yābhyāṃ sūryācandramasau
pārśvayostadetadṛcābhyuktam |

6.12b – Der unvergängliche Grund der Verse
ṛco akṣare parame vyoman yasmindevā adhiviśve niṣeduḥ |
yastanna veda kimṛcā kariṣyati ya ittadvidusta ime samāsate |

6.12c – Frucht der Erkenntnis
ya etadbṛhajjābālaṃ sārvakāmikaṃ mokṣadvāramṛṅmayaṃ
yajurmayaṃ sāmamayaṃ brahmamayamamṛtamayaṃ bhavati |
ya etadbṛhajjābālaṃ bālo vā veda sa mahānbhavati |
sa guruḥ sarveṣāṃ mantrāṇāmupadeṣṭā bhavati |

6.12d – Gabe an den Lehrer
mṛtyutārakaṃ guruṇā labdhaṃ kaṇṭhe bāhau śikhāyāṃ
vā badhnīta | saptadvīpavatī bhūbhirdakṣiṇārthaṃ nāvakalpate |
tasmācchraddhayā yāṃ kāñcidgāṃ dadyātsā dakṣiṇā bhavati || 12 ||

Abschluss des sechsten Brahmana
iti ṣaṣṭhaṃ brāhmaṇam || 6 ||

7.1
atha janako vaideho yājñavalkyamupasametyovāca bhagavān tripuṇḍravidhiṃ no brūhīti sa hovāca sadyojātādipañcabrahmamantraiḥ parigṛhyāgniriti bhasmetyabhimantrya mānastoka iti samuddhṛtya triyāyuṣamiti jalena sammṛjya tryambakamiti śirolalāṭavakṣaḥskandheṣu dhṛtvā pūto bhavati mokṣī bhavati | śatarudreṇa yatphalamavapnoti tatphalamaśnute sa eṣa bhasmajyotiriti vai yājñavalkyaḥ || 1 ||

7.2
janako ha vaidehaḥ sa hovāca yājñavalkyaṃ bhasmadhāraṇātkiṃ phalamaśnuta iti sa hovāca tadbhasmadhāraṇādeva muktirbhavati tadbhasmadhāraṇādeva śivasāyujyamavāpnoti na sa punarāvartate na sa punarāvartate sa eṣa bhasmajyotiriti vai yājñavalkyaḥ || 2 ||

7.3
janako ha vaidehaḥ sa hovāca yājñavalkyaṃ bhasmadhāraṇātkiṃ phalamaśnute na veti tatra paramahaṃsānāmasaṃvartakaāruṇiśvetaketudurvāsaṛbhunidāghajaḍabharatadattātreyaraivatakabhusuṇḍaprabhṛtayo vibhūtidhāraṇādevamuktāḥ syuḥ sa eṣa bhasmajyotiriti vai yājñavalkyaḥ || 3 ||

7.4
janako ha vaidehaḥ sa hovāca yājñavalkya bhasmasnānena kiṃ jāyata iti yasya kasyaciccharīre yāvanto romakūpāstāvanti liṅgāni bhūtvā tiṣṭhanti brāhmaṇo vā kṣatriyo vā vaiśyo vā śūdro vā tadbhasmadhāraṇādetacchabdasya rūpaṃ yasyāṃ tasyāṃ hyevāvatiṣṭhate || 4 ||

7.5
janako ha vaidehaḥ sa hovāca paippalādena saha prajāpatilokaṃ jagāma taṃ gatvovāca bho prajāpate tripuṇḍrasya māhātmyaṃ brūhīti taṃ prajāpatirabravīdyathaiveśvarasya māhātmyaṃ tathaiva tripuṇḍrasyeti || 5 ||

7.6
atha paippalādo vaikuṇṭhaṃ jagāma taṃ gatvovāca bho viṣṇo tripuṇḍrasya māhātmyaṃ brūhīti yathaiveśvarasya māhātmyaṃ tathaiva tripuṇḍrakasyeti viṣṇurāha || 6 ||

7.7a – Paippaladas Bitte
atha paippalādaḥ kālāgnirudraṃ parisametyovācādhīhi bhagavan tripuṇḍrasya vidhimiti tripuṇḍrasya vidhirmayā vaktuṃ na śakya iti satyamiti hovāca |

7.7b – Asche und Befreiung
atha bhasmacchannaḥ saṃsārānmucyate bhasmaśayyāśayānastacchabdagocaraḥ śivasāyujyamavāpnoti na sa punarāvartate rudrādhyāyī sannamṛtatvaṃ ca gacchati sa eṣa bhasmajyotirvibhūtidhāraṇādbrahmaikatvaṃ ca gacchati

7.7c – Heilige Badeplätze
vibhūtidhāraṇādeva sarveṣu tīrtheṣu snāto bhavati vibhūtidhāraṇādvārāṇasyāṃ snānena yatphalamavāpnoti tatphalamaśnute sa eṣa bhasmajyotir

7.7d – Die drei Linien
yasya kasyaciccharīre tripuṇḍrasya lakṣma vartate prathamā prajāpatirdvitīyā viṣṇustṛtīyā sadāśiva iti sa eṣa bhasmajyotiriti sa eṣa bhasmajyotiriti || 7 ||

7.8a – Ursprung der Rudrakshas
atha kālāgnirudraṃ bhagavantaṃ sanatkumāraḥ papracchādhīhi bhagavanrudrākṣadhāraṇavidhiṃ sa hovāca rudrasya nayanādutpannā rudrākṣā iti loke khyāyante sadāśivaḥ saṃhārakāle saṃhāraṃ kṛtvā saṃhārākṣaṃ mukulīkaroti tannayanājjātā rudrākṣā iti hovāca tasmādrudrākṣatvamiti

7.8b – Verheißungen des Rudraksha-Tragens
tadrudrākṣe vāgviṣaye kṛte daśagopradānena yatphalamavāpnoti tatphalamaśnute sa eṣa bhasmajyotī rudrākṣa iti tadrudrākṣaṃ kareṇa spṛṣṭvā dhāraṇamātreṇa dvisahasragopradānaphalaṃ bhavati | tadrudrākṣe ekādaśarudratvaṃ ca gacchati | tadrudrākṣe śirasi dhāryamāṇe koṭigopradānaphalaṃ bhavati | eteṣāṃ sthānānāṃ karṇayoḥ phalaṃ vaktuṃ na śakyamiti hovāca |

7.8c – Anzahl der Rudrakshas
mūrdhni catvāriṃśacchikhāyāmekaṃ trayaṃ vā śrotrayordvādaśa karṇe dvātriṃśadbāhvoḥ ṣoḍaśa ṣoḍaśa dvādaśa dvādaśa maṇibandhayoḥ ṣaṭ ṣaḍaṅguṣṭhayos

7.8d – Tägliche Verehrung
tataḥ sandhyāṃ sakuśo'haraharupāsītāgnirjyotirityādibhiragnau juhuyāt || 8 ||

Abschluss des siebenten Brahmana
iti saptamaṃ brāhmaṇam || 7 ||

8.1
atha bṛhajjābālasya phalaṃ no brūhi bhagavanniti sa hovāca ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte so'gnipūto bhavati sa vāyupūto bhavati sa ādityapūto bhavati sa somapūto bhavati sa brahmapūto bhavati sa viṣṇupūto bhavati sa rudrapūto bhavati sa sarvapūto bhavati sa sarvapūto bhavati || 1 ||

8.2
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte so'gniṃ stambhayati sa vāyuṃ stambhayati sa ādityaṃ stambhayati sa somaṃ stambhayati sa udakaṃ stambhayati sa sarvāndevānstambhayati sa sarvāngrahānstambhayati sa viṣaṃ stambhayati sa viṣaṃ stambhayati || 2 ||

8.3
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte sa mṛtyuṃ tarati sa pāpmānaṃ tarati sa brahmahatyāṃ tarati sa bhrūṇahatyāṃ tarati sa vīrahatyāṃ tarati sa sarvahatyāṃ tarati sa saṃsāraṃ tarati sa sarvaṃ tarati sa sarvaṃ tarati || 3 ||

8.4
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte sa bhūrlokaṃ jayati sa bhuvarlokaṃ jayati sa suvarlokaṃ jayati sa maharlokaṃ jayati sa tapolokaṃ jayati sa janolokaṃ jayati sa satyalokaṃ jayati sa sarvāṃllokāñjayati || 4 ||

8.5
ya etadbṛhajjābālaṃ nityamadhīte sa ṛco'dhīte sa yajūṃṣyadhīte sa sāmānyadhīte so'tharvaṇamadhīte so'ṅgirasamadhīte sa śākhā adhīte sa kalpānadhīte sa nāraśaṃsīradhīte sa purāṇānyadhīte sa brahmapraṇavamadhīte sa brahmapraṇavamadhīte || 5 ||

8.6a – Rang des Studiums
anupanītaśatamekamekenopanītena tatsamamupanītaśatamekam ekena gṛhasthena tatsamaṃ gṛhasthaśatamekam ekena vānaprasthena tatsamaṃ vānaprasthaśatamekam ekena yatinā tatsamaṃ yatīnāṃ tu śataṃ pūrṇamekam ekena rudrajāpakena tatsamaṃ rudrajāpakaśatamekam ekena atharvaśiraḥśikhādhyāpakena tatsamamatharvaśiraḥśākhādhyāpakaśatamekam ekena bṛhajjābālopaniṣadadhyāpakena tatsamaṃ

8.6b – Das höchste Ziel
tadvā etatparaṃ dhāma bṛhajjābālopaniṣajjapaśīlasya yatra na sūryastapati yatra na vāyurvāti yatra na candramā bhāti yatra na nakṣatrāṇi bhānti yatra nāgnirdahati yatra na mṛtyuḥ praviśati yatra na duḥkhāni praviśanti sadānandaṃ paramānandaṃ śāntaṃ śāśvataṃ sadāśivaṃ brahmādivanditaṃ yogidhyeyaṃ paraṃ padaṃ yatra gatvā na nivartante yoginastadetadṛcābhyuktam |

8.6c – Vishnus höchste Stätte
tadviṣṇoḥ paramaṃ padaṃ sadā paśyanti sūrayaḥ | divīva cakṣurātatam ||

8.6d – Die wachen Weisen
tadviprāso vipanyavo jāgṛvāṃsaḥ samindhate | viṣṇoryatparamaṃ padam ||

8.6e – Schlusswort
oṃ satyamityupaniṣat || 6 ||

Abschluss des achten Brahmana
ityaṣṭamaṃ brāhmaṇam || 8 ||

Schluss – Shanti-Mantra
oṃ bhadraṃ karṇebhiḥ śṛṇuyāma devāḥ |
bhadraṃ paśyemākṣabhiryajatrāḥ |
sthirairaṅgaistuṣṭuvāṃsastanūbhiḥ |
vyaśema devahitaṃ yadāyuḥ |
svasti na indro vṛddhaśravāḥ |
svasti naḥ pūṣā viśvavedāḥ |
svasti nastārkṣyo ariṣṭanemiḥ |
svasti no bṛhaspatirdadhātu ||

Schluss – Friedensruf
oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Kolophon
ityatharvavedīya bṛhajjābālopaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Überlieferte Eingangsstrophe

Ich bin jenes Licht, dessen Erkenntnisfeuer die Täuschung von etwas außerhalb seiner selbst zu Asche macht und das durch die Brihajjabala, den Gipfel der Offenbarung, erkannt wird.

Shanti-Mantra

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

1 – Wasser und Prajapati

Om. Dieses war zunächst Wasser, das noch nicht als Welt Bestehende, nur Flut. Prajapati allein entstand auf einem Lotusblatt. In seinem Inneren, im Geist, regte sich der Wunsch: „Ich möchte dieses erschaffen.“ Was ein Mensch im Geist anstrebt, das spricht er aus; was er ausspricht, das vollzieht er durch Handeln.

1 – Der ursprüngliche Wunsch

Darüber ist diese Strophe gesprochen: „Wunsch regte sich zu Anfang über ihm, der erste Same des Geistes. Die Seher fanden durch Einsicht, im Herzen forschend, die Verbindung des Seienden im Nichtseienden.“

1 – Wunsch und Askese

Wer so weiß, dem nähert sich das, was er wünscht. Er übte Askese; nachdem er Askese geübt hatte, [folgt die Unterweisung].

1 – Bhusundas Bitte

Bhusunda ging zu Kalagnirudra und bat: „Herr, erläutere die Größe der heiligen Asche.“ Dieser antwortete: „So sei es.“ Auf die Frage, was zu erklären sei, nannte er die Größe von Asche und Rudraksha. „Das wurde anfangs bereits mit Paippalada besprochen, ebenso die Verheißung ihrer Frucht. Was sollen wir darüber hinaus sagen?“ – „Unterweise mich in der befreienden Offenbarung namens Brihajjabala!“ – „Om, so sei es.“

1 – Die fünf Ursprünge, 1

Aus Sadyojata entstand Erde, daraus Nivritti, daraus die gelbbraune Kuh Nanda. Aus ihrem Dung entstand Vibhuti.

1 – Die fünf Ursprünge, 2

Aus Vamadeva entstand Wasser, daraus Pratishtha, daraus die schwarze Kuh Bhadra. Aus ihrem Dung entstand Bhasita.

1 – Die fünf Ursprünge, 3

Aus Aghora entstand Feuer, daraus Vidya, daraus die rote Kuh Surabhi. Aus ihrem Dung entstand Bhasma.

1 – Die fünf Ursprünge, 4

Aus Tatpurusha entstand Wind, daraus Shanti, daraus die weiße Kuh Sushila. Aus ihrem Dung entstand Kshara.

1 – Die fünf Ursprünge, 5

Aus Ishana entstand Raum, daraus Shantyatita, daraus die bunte Kuh Sumana. Aus ihrem Dung entstand Raksha.

1 – Die fünf Namen der Asche

Vibhuti, Bhasita, Bhasma, Kshara und Raksha sind die fünf Namen der Asche. Sie heißt Bhuti, weil sie große Herrlichkeit bewirkt; Bhasma, weil sie alles Unheilsame verzehrt; Bhasita, weil sie erhellt; Kshara, weil sie Bedrängnisse auflöst; Raksha, weil sie vor Geistern, Verstorbenengeistern, Pishachas, Brahmarakshasas, Anfällen und der Furcht vor dem Dasein schützt.

Abschluss des ersten Brahmana

Erstes Brahmana.

2 – Frage nach dem Aschebad

Darauf fragte Bhusunda Kalagnirudra nach der Ordnung des Aschebades, dessen Wesen Agni und Soma ist.

2 – Das eine Feuer

Wie das eine Feuer, in die Welt eingetreten, sich jeder Gestalt entsprechend zeigt, so die eine Asche: inneres Selbst aller Wesen, jeder Gestalt entsprechend und auch außerhalb.

2.1

„Die Welt besteht aus Agni und Soma“, so erklärt Agni. Die furchtbare, feurige Gestalt gehört Rudra. Soma ist die aus dem Nektar der Shakti bestehende, Kraft verleihende Gestalt. Das Unsterbliche ist ihre Grundlage; sie ist selbst die Licht- und Erkenntniskraft. In groben und feinen Wesen erscheint dies als Saft und Feuerkraft.

2.2

Zweifach ist das Wirken der Feuerkraft: als Sonne und als Feuer. Ebenso ist die Saftkraft zweifach: als Soma und als Feuer.

2.3

Feuerkraft erscheint als Blitz und anderes, Saft als Süße und anderes. Durch die verschiedenen Formen von Feuerkraft und Saft besteht diese bewegliche und unbewegliche Welt.

2.4

Aus Feuer geht der Nektar hervor; durch Nektar wächst das Feuer. Deshalb ist die Opfergabe bereitet: Die Welt besteht aus Agni und Soma.

2.5

Soma besteht aus der oberen Kraft, das Feuer aus der unteren Kraft. Von beiden umschlossen besteht daher fortwährend dieses ganze Weltall.

2.6

Vom Feuer steigt diese Kraft empor, bis zum höchsten somaartigen Nektar. Der somaartige Nektar strömt hinab, bis er das Feuerartige erreicht.

2.7

Deshalb befindet sich das Zeitfeuer unten, die Shakti geht nach oben. Soweit das Brennen nach oben reicht, wirkt unten die Reinigung.

2.8

Von der tragenden Kraft gehalten, steigt dieses Zeitfeuer auf. Ebenso fließt Soma hinab, gegründet im Bereich von Shiva und Shakti.

2.9

Shiva ist von aufwärtsgerichtetem Wesen; Shakti ist aufwärtsgerichtet, und Shiva ist von Shakti erfüllt. So gibt es hier nichts, das nicht von Shiva und Shakti durchdrungen wäre.

2.10

Wiederholt wird die Welt vom Feuer verbrannt und zu Asche gemacht. Diese Asche nennt man die Kraft des Feuers, denn sie geht aus jener Kraft hervor.

2.11

Wer so das wahre Wesen der Asche erkennt und sich mit Asche badet, unter den Mantras „Agni …“ und den weiteren, dessen Unheilsames gilt als verbrannt.

2.12

Diese Asche, die Kraft des Feuers, wird wiederum von Soma überflutet. Ohne die Verbindung des Yoga dient sie der Herrschaft der Natur.

2.13

Wird diese Asche aber durch Yoga-Verbindung ringsum mit dem Nektarregen der Shakti überflutet, entzieht sie sich jener Herrschaft.

2.14

Deshalb dient dieses Nektarbad den Guten zum Sieg über den Tod. Wo die Berührung des Nektars von Shiva und Shakti erlangt ist, woher sollte dort Tod kommen?

2.15

Wer die so erklärte tiefe, geheime und reinigende Lehre kennt und sich von Agni und Soma umschließen lässt, wird nicht wieder geboren.

2.16

Wer auf dem Yogaweg den Körper im Shiva-Feuer verbrennt und mit dem Nektar von Shakti-Soma überflutet, wird zur Unsterblichkeit befähigt, zur Unsterblichkeit befähigt.

Abschluss des zweiten Brahmana

Zweites Brahmana.

3 – Auswahl des Ausgangsstoffs

Darauf bat Bhusunda Kalagnirudra: „Erkläre die Anwendung der Vibhuti.“ Man soll geeigneten Kuhdung nehmen und dabei Kühe mit missgebildeten Gliedern, wahnsinnige, besonders wilde, unreine, mit unheilvollen Zeichen versehene, wiederholt kalbende, magere, kalblose, unruhige, nicht melkbare, schwache, verdorbenes Futter oder Haare, Stoff und Knochen fressende, in einem Übergang der Trächtigkeit stehende, frisch abgekalbte und kranke Kühe ausschließen. Geeigneter Dung, auch an einer reinen Stelle gefallener, soll mit einem Kuhprodukt geknetet werden. Die Kuh sei gelbbraun oder weiß; fehlt eine solche, darf es eine andere fehlerfreie Kuh sein. Asche einer gelbbraunen Kuh wird besonders genannt. Ist sie nicht vorhanden, nehme man Asche einer anderen Kuh. Beliebig vorgefundene Kuhasche soll man nicht tragen; zu tragen ist rituell zubereitete Asche.

3.1

Hierzu die Strophen: Vidya ist die Kraft aller Kräfte. Die Erkenntniskraft ruht auf den drei Gunas, und diese Erkenntnis ist deren Grundlage.

3.2

Die drei Gunas sind die Kuh; Vidya ist der heilige Kuhdung. Der Urin wird als Upanishad bezeichnet. Daraus bereite man die höchste Asche.

3.3

Das Kalb sind die Smritis, und der Dung geht daraus hervor. Mit dem Mantra „ā gāvaḥ“ spreche man die Kuh an.

3.4

Mit „gāvo bhaga, gāvaḥ“ gebe man ihr nährendes Wasser zu trinken. Der Gelübdetreue faste am vierzehnten Tag der hellen oder dunklen Monatshälfte.

3.5

Am folgenden Morgen stehe er auf, werde rein und gesammelt, bade, trage gewaschene Kleidung und lasse die Kuh zum Melken frei.

3.6

Er bringe die Kuh behutsam zum Aufstehen und sammle unter der Gayatri ihren Urin in einem goldenen, silbernen, kupfernen oder tönernen Gefäß.

3.7

Oder er bewahre den Kuhurin in einem Lotus- oder Palasha-Blattgefäß oder in einem Kuhhorn. Den Kuhdung nehme er unter „gandhadvārām“ auf.

3.8

Der Haushälter nehme den Dung, bevor er den Boden berührt, in das zuvor genannte Gefäß. Der Kundige reinige ihn mit dem Mantra „śrīr me bhajatu“.

3.9

Mit „alakṣmīr me“ entferne man Körner aus dem Kuhdung; mit „saṃ tvā siñcāmi“ gebe man die Flüssigkeit hinzu.

3.10

Mit dem Mantra „pañcānāṃ tvā“ forme man vierzehn Ballen, lasse sie durch Sonnenstrahlen trocknen und sammle sie ein.

3.11

Dann lege man die Dungballen in das zuvor genannte Gefäß, errichte das Feuer nach der Ordnung der eigenen Grihya-Tradition und verehre es.

3.12

Man gebe die Ballen hinein, jeweils mit Om am Anfang und Ende, und mit den einzeln ausgesprochenen Silben des sechssilbigen heiligen Spruchs.

3.13

Mit Svaha am Ende opfere man dort die Ballen der Lautgottheit. Der Einsichtige bringe die beiden Aghara-Güsse, die beiden Butteranteile und die Vyahritis dar.

3.14

Dann opfert er dreiundzwanzigmal mit „nidhanapataye“. Die fünf Brahman-Mantras und „namo hiraṇyabāhave“ sind ebenfalls als Opferformeln zu verwenden.

3.15

Nachdem diese Gesamtgabe dargebracht ist, opfere man mit den im Dativ endenden Formeln, mit „ṛtaṃ satyam“, „kad rudrāya“ und „yasya vaikaṅkatī“.

3.16

Mit diesen opfere der Kundige, ebenso mit den drei „anājñāta“-Formeln. Nach den Vyahritis bringe er die Gabe an Svishtakrit dar.

3.17

Nachdem das übrige Feueropfer vollzogen ist, vermehre man das Wasser des vollen Gefäßes mit weiterem Wasser unter dem Yajus „pūrṇam asi“.

3.18

Mit „brāhmaṇeṣv amṛtam“ sprenge man das Wasser auf den Kopf. Unter den die Richtungen bezeichnenden Formeln, beginnend „prācyām“, sprenge man Wasser in die Richtungen.

3.19

Dem Brahman-Priester gebe man die Opfergabe und hole zur Beruhigung Spelzen: „Ich werde sie herbeiholen, um das Werk aller Götter zu bewahren.

3.20

Dich, dieses alles kennende Feuer, bedecke ich mit Spelzen.“ Mit diesem Mantra bedecke man darauf das Feuer mit Spelzen.

3.21

Die Bedeckung mit Spelzen soll das Glimmen drei Tage erhalten. Man bewirte die Brahmanen mit Hingabe und esse selbst schweigend.

3.22

Wer mehr Asche wünscht, nehme mehr Kuhdung, sei es innerhalb von drei Tagen oder an einem einzigen Tag.

3.23

Am dritten oder vierten Morgen bade er, trage weiße Kleidung, eine weiße heilige Schnur, weiße Girlanden und helle Salben;

3.24

mit gereinigten Zähnen, mit Asche bestrichen, spreche der Mantrakundige „oṃ tad brahma“ und entferne die Spelzenasche.

3.25

Er vollziehe dort die sechzehn Darbringungen, beginnend mit der Einladung, zusammen mit den Vyahritis; dann verabschiede er das Feuer.

3.26

Mit „agnir bhasma“ nehme er die übrige Asche auf und reinige sie dann unter den Mantras „agniḥ“ und den weiteren.

3.27

Man mische sie mit duftendem Wasser oder mit Urin einer gelbbraunen Kuh. Kampfer, Kumkuma, kaschmirischer Safran, Ushira und Sandelholz

3.28

sowie drei Arten von Agaru zermahle man sehr fein und gebe dieses Pulver unter dem Brahman-Mantra Om in die Asche.

3.29

Mit Om forme der Kundige große Kügelchen und mit „aṇor aṇīyān“ kleinere.

3.30

Nachdem die Asche so gut bereitet ist, nehme der Mantrakundige die trockene Asche, zerreibe sie mit Om und weihe sie mit sieben Om-Lauten.

3.31

Mit „īśāna“ weihe er den Kopfbereich, mit Tatpurusha das Gesicht, mit Aghora den Schenkelbereich und mit Vama den verborgenen Körperbereich.

3.32

Mit Sadyojata die Füße, mit Om den ganzen Körper. Dann bestäube er den gesamten Körper von den Fußsohlen bis zum Scheitel.

3.33

Nach dem rituellen Wasserschlürfen ziehe er gewaschene Kleidung an. Nach erneutem Wasserschlürfen kannst du, Bester, deine eigene heilige Pflicht vollziehen.

3.34

Nun gibt es vier Zubereitungen der Asche: erstens Anukalpa, zweitens Upakalpa, drittens Upopakalpa, viertens Akalpa. Anukalpa entsteht aus dem Agnihotra- oder Viraja-Feuer. Sammelt man im Wald trockenen Dung und bereitet ihn nach der Ritualvorschrift, heißt dies Upakalpa. Zermahlt man trockenen Walddung, formt ihn mit Kuhurin zu Ballen und bereitet ihn vorschriftsmäßig, heißt dies Upopakalpa. Asche aus einem Shiva-Tempel heißt Akalpa, auch Shatakalpa. Diese vier Arten Asche durchtrennen das Unheilsame und schenken Befreiung, so der erhabene Kalagnirudra.

Abschluss des dritten Brahmana

Hier endet das dritte Brahmana.

4 – Die beiden Aschebäder

Bhusunda bat Kalagnirudra: „Erkläre die Ordnung des Aschebades.“ Man zerreibe die Asche mit Om und weihe sie siebenmal mit Om. Nach der Agama-Ordnung schütze man damit die Himmelsrichtungen und bestäube unter dem Waffenmantra Kopf und übrige Glieder: Dies ist das reinigende Bad. Dann bestäube man den Körper der Reihe nach mit den fünf Mantras: den Kopf mit Ishana, das Gesicht mit Tatpurusha, die Schenkel mit Aghora, den verborgenen Bereich mit Vamadeva, die Füße mit Sadyojata und den ganzen Körper mit Om. Nachdem der Körper von den Fußsohlen bis zum Scheitel bestäubt ist, schlürfe man rituell Wasser und ziehe gewaschene weiße Kleidung an. Dies ist das vorgeschriebene Bad.

4.1

Hierzu die Strophen: Eine Handvoll Asche, mit dem Samhita-Mantra geweiht, werde vom Kopf bis zu den Füßen aufgetragen. Dies wurde zuvor das reinigende Bad genannt.

4.2

Das vorgeschriebene Bad vollziehe man mit dem dafür bestimmten Mantra. Mit Ishana streue man sorgfältig fünfmal Asche auf den Scheitel.

4.3

Auf das Gesicht mit dem Mantra des vierten Antlitzes, auf das Herz achtmal mit Aghora, auf den verborgenen Bereich mit Vama, entsprechend der Unterscheidung der dreißig Stellen.

4.4

Mit der achtfachen Sadhya-Formel bestäube man sorgfältig die Füße. Beim Kshatriya ist der ganze Körper nach der vorgeschriebenen Ordnung zu bestäuben,

4.5

jedoch ohne das Gesicht und in richtiger Reihenfolge: zu den beiden Dämmerungen, um Mitternacht sowie zu Beginn und Abschluss [der rituellen Verrichtung].

4.6

Nach Schlaf, Essen, Trinken und den notwendigen Körperverrichtungen, nach Berührung einer Frau, eines Napumsaka, eines Geiers, einer Katze, eines Reihers oder einer Maus

4.7

und anderen dieser Art vollziehe man ein Aschebad. In der Nähe von Gottheit, Feuer, Lehrer und Älteren sowie beim Anblick eines Antyaja

4.8

und auf unreinem Boden oder auf dem Weg vollziehe der Gelübdetreue keine Bestäubung. Die Asche werde mit Wasser aus einem Muschelhorn unter dem Grundmantra vermischt.

4.9

Mit Sandelholz und Wasser vermengt, trage man die Asche als Sandelpaste auf. Dieses Pulver wird als erkenntnisspendend bezeichnet.

4 – Wasser beim Auftragen

Vor Mittag verwende man die Asche mit Wasser; danach lasse man Wasser weg.

4 – Frage nach Tripundra

Darauf fragte Bhusunda den erhabenen Kalagnirudra nach der Ordnung des Tripundra. Hierzu diese Strophen:

4.10

Danach lege man den Tripundra an, dessen Wesen Brahma, Vishnu und Shiva ist. Man nehme die Asche mit den drei mittleren Fingern unter dem Grundmantra auf.

4.11

Oder man zeichne den Tripundra mit Ringfinger, Mittelfinger und Daumen. Der Brahmane bestäube sein Gesicht; beim Kshatriya wird der Kopfbereich genannt.

4.12

Man trage ihn an zweiunddreißig Stellen auf, oder an deren Hälfte, sechzehn Stellen, oder an acht oder fünf Stellen.

4.13

Am Scheitel und an der Stirn, an beiden Ohren und Augen, an Nase, Mund und Hals, dann an beiden Schultern,

4.14

an Ellenbogen und Handgelenken, am Herzen, an beiden Seiten, am Nabel, an den zwei verborgenen Stellen, an Schenkeln, Gesäßhälften und Knien,

4.15

an beiden Unterschenkeln und Füßen: Dies sind die vorzüglichen zweiunddreißig Stellen. Dabei verehre man die acht Gestalten, acht Herren der Erkenntnis, Richtungswächter und Vasus.

4.16

Dhara, Dhruva, Soma, Kripa, Anila, Anala, Pratyupa und Prabhasa werden als die acht Vasus genannt.

4.17

Mit den Namensmantras dieser Gottheiten trage der Einsichtige die Tripundra-Zeichen. Gesammelt kann er den Tripundra auch an sechzehn Stellen anlegen.

4.18

Am Kopf und an der Stirn, an den Ohren, am Hals und an beiden Schultern, an Ellenbogen und Handgelenken, am Herzen, am Nabel und an den Seiten,

4.19

und einmal am Rücken. An jeder Stelle wiederhole man den Namen der zugehörigen Gottheit: Shiva, Shakti, Sadakhya, Isha und Vidya

4.20

sowie die neun Shaktis, beginnend mit Vama. Dies sind die sechzehn Gottheiten; Nasatya und Dasra werden als die beiden Ashvins genannt.

4.21

Oder an Scheitel und Stirn, an beiden Ohren, am Atemweg, an beiden Armen, am Herzen, am Nabel und an beiden Schenkeln,

4.22

an beiden Knien und Füßen und am Rücken: sechzehn Stellen. Shiva, Indra, Rudra, Arka, Vighnesha und Vishnu,

4.23

Shri und der Herr des Herzens, am Nabel Prajapati, ferner Naga, Nagamädchen und die beiden Rishi-Töchter,

4.24

an den Füßen die Meere und am Rücken die heiligen Badeplätze: So lautet diese sechzehnfache Zuordnung. Nun werden die acht Stellen genannt.

4.25

Der Sitz des Gurus, die Stirn, danach beide Ohren, beide Schultern, das Herz und als achtes der Nabel.

4.26

Brahma und die sieben Rishis werden als ihre Gottheiten genannt. Oder man wähle Kopf, beide Arme, Herz und Nabel.

4.27

Diese nennen die Kenner des Aschewesens die fünf Stellen. Man verfahre nach Möglichkeit und unter Berücksichtigung von Ort, Zeit und Umständen.

4.28

Wer zur vollständigen Bestäubung nicht imstande ist, lege wenigstens Tripundra-Zeichen an: an Stirn, Herz, Nabel, Hals und beiden Handgelenken,

4 – Weitere Stellen

in der Mitte und am Ansatz der Arme, am Rücken und am Kopf.

4 – Gottheiten an den Körperstellen

An der Stirn: „Verehrung Brahma“; am Herzen: „Verehrung dem Träger der Opfergabe“; am Nabel: „Verehrung Skanda“; am Hals: „Verehrung Vishnu“; in der Mitte: „Verehrung dem Sturmwind“; an den Handgelenken: „Verehrung den Vasus“; am Rücken: „Verehrung Hari“; am oberen Rücken: „Verehrung Shambhu“; am Kopf: „Verehrung dem höchsten Selbst“. An diesen und weiteren Stellen trage man den Tripundra.

4.29

Des dreiäugigen Herrn gedenkend, der die drei Gunas trägt und die Drei hervorbringt, zeichne man auf die Stirn den Tripundra unter „namaḥ śivāya“.

4.30

Unterhalb der Ellenbogen gelte die Verehrung den beiden Vätern, oberhalb den beiden Ishanas; mit „Verehrung den beiden Herren“ zeichne man den Tripundra an den Seiten.

4.31

Mit „Verehrung den beiden Reinen“ trage man ihn an den Unterarmen auf, mit „Bhimaya“ am Rücken und mit „Shivaya“ an den Seiten.

4.32

Am Kopf trage man sie mit „Nilakanthaya“ und „Verehrung dem Selbst von allem“ auf. Sie vernichtet alles Unheilsame, auch das in einem früheren Leben erworbene.

4.33

Durch das Tragen oberhalb des Halses werde das dort begangene Unheilsame zerstört; durch das Tragen an den Ohren das mit Ohrenleiden und Weiterem verbundene Übel.

4.34

An den Armen das mit den Armen begangene Unheilsame, an der Brust das im Geist begangene, am Nabel das mit dem Geschlechtsorgan begangene, am Rücken das mit dem After begangene;

4.35

durch das Tragen an den Seiten das Unheilsame aus dem Umarmen der Frau eines anderen und dergleichen. Daher trage man die Asche überall als Tripundra.

4.36

Damit werden, wie die Offenbarung lehrt, Brahma, Vishnu und Mahesha getragen, ebenso die drei Feuer, die drei Gunas und die drei Welten.

Abschluss des vierten Brahmana

Hier endet das vierte Brahmana.

5.1

Man trage Asche, die mit dem Mantra „mā nas toke“ besprochen ist. Das obere Zeichen stehe zum Saman, das mittlere zum „triyāyuṣam“ in Beziehung.

5.2

Brahmanen und Kshatriyas bringen die Zeichen unter den Triyayusha-Mantras an Stirn, beiden Armen, Nabel, Kopf, Herz und Seiten an.

5.3

Für alle Angehörigen der drei oberen Varnas ist die aus dem Agnihotra entstandene Asche die vorzügliche; für Hausväter wird die im Viraja-Feuer entstandene genannt.

5.4

Die großen Rishis lehren, man solle die im Viraja-Feuer entstandene Asche tragen; für Hausväter besonders die aus dem häuslichen Opferfeuer entstandene.

5.5

Der Brahmacharin trage die aus seinem Brennholzopfer entstandene Asche; für Shudras ist die Asche aus dem Kochfeuer im Haus eines vedakundigen Brahmanen bestimmt.

5.6

Auch alle anderen sollen aus Feuer entstandene Asche tragen. Für Entsagende gilt sie als erkenntnisverleihend, für Waldbewohner als leidenschaftslos machend.

5 – Weitere Arten der Asche

Für Menschen jenseits von Varna und Ashrama die aus dem Feuer des Verbrennungsplatzes entstandene; für alle die im Tempel befindliche; für Shiva-Yogis die aus dem Shiva-Feuer entstandene. Sie sei im Shiva-Tempel vorhanden, vom dortigen Linga genommen oder nach einer Mantra-Weihe verbrannt.

5 – Einleitung zum Lobpreis

Hierzu gibt es folgende Strophen:

5.7

Der Brahmane, der mit Asche einen Tripundra auf seinem Kopf trägt, hat damit studiert, gehört und alles vollzogen.

5.8

Auch wer die Verhaltensordnung von Varna und Ashrama verlassen und sämtliche Riten aufgegeben hat, wird verehrt, wenn er auch nur einmal das Zeichen der drei waagerechten Linien trägt.

5.9

Menschen, die ihre Werke ohne das Tragen der Asche vollziehen, werden nach dieser Aussage auch in Millionen von Geburten nicht aus dem Samsara befreit.

5.10

Ihr Einsichtigen! Bei Menschen, die mit schweren Vergehen und in früheren Geburten erworbener Schuld belastet sind, entsteht starke Abneigung gegen Tripundra und Aschebestäubung.

5.11

O Brahmane, bei Menschen, die beim Anblick von Asche auf der Stirn zornig werden, soll der Verständige eine Vermischung ihrer Abstammung vermuten.

5.12

O Weiser, bei denen, die niemals Vertrauen zur durch die Offenbarung gelehrten Asche haben, seien auch die mit der Empfängnisweihe beginnenden Sakramente nicht vorhanden: So lautet die Behauptung.

5.13

O Brahmane, bei Menschen, die einen Ascheträger sehen und ihn schlagen, soll der Verständige eine Geburt unter Chandalas annehmen.

5.14

Wer sich über das Aschetragen und seine Belegstellen erzürnt, sei mit schweren Vergehen belastet: So urteilt diese Schrift.

5.15

Wer den Tripundra schmäht, schmäht Shiva selbst. Wer ihn mit Hingabe trägt, trägt Shiva.

5.16

Wehe der Stirn ohne Asche, wehe dem Dorf ohne Shiva-Tempel, wehe dem Leben ohne Verehrung des Herrn, wehe dem Wissen ohne Zuflucht zu Shiva!

5.17

Asche heißt die höchste Kraft des Rudra-Feuers. Darum gilt, wer mit Asche verbunden ist, zu allen Zeiten als kraftvoll.

5.18

Die Fehler dessen, der in der Asche fest gegründet ist, verbrennen durch die Verbindung mit dem Aschefeuer. Wer sein Selbst durch das Aschebad gereinigt hat, wird in der Asche fest gegründet genannt.

5.19

Ein Mensch, dessen ganzer Körper mit Asche bestrichen ist, dessen Tripundra durch Asche leuchtet und der auf Asche schläft, wird in der Asche fest gegründet genannt.

Abschluss des fünften Brahmana

Hier endet das fünfte Brahmana.

6 – Karunas Geschichte, 1

Darauf sagte Bhusunda zu Kalagnirudra: „Erkläre die Größe der fünf Namen!“ Der Brahmane Dhananjaya aus dem Geschlecht Vasishthas hatte hundert Frauen. Der Sohn seiner ältesten Frau hieß Karuna; seine Frau war Shucismita.

6 – Karunas Geschichte, 2

Dieser Karuna konnte die Feindschaft seiner Brüder nicht ertragen und ging zum Nrisimha-Heiligtum am Ufer der Bhavani. Dort nahm er eine Zitronenfrucht, die ein anderer dem Gott als Gabe dargebracht hatte, und roch daran. Die dort Anwesenden verfluchten ihn: „Du Frevler, werde für hundert Jahre eine Fliege!“

6 – Karunas Geschichte, 3

Von dem Fluch getroffen, berichtete er seiner Frau als Fliege von seinem Tun und sagte: „Beschütze mich!“ So war er eine Fliege geworden. Als die Verwandten ihn erkannten, töteten sie ihn in Öl. Sie nahm ihren toten Gatten und ging zu Arundhati. Arundhati sagte: „Shucismita, genug der Trauer! Mit Vibhuti will ich ihn heute wiederbeleben.“ Dies ist die aus dem Agnihotra entstandene Asche.

6.1

Mit dem Mrityunjaya-Mantra warf sie die Asche auf das tote Wesen. Durch den Fächer entstand ein sanfter Luftzug, o Shucismita.

6.2

Durch die Kraft dieser Asche erhob sich das Wesen. Als danach die hundert Jahre vollendet waren, tötete es ein Verwandter.

6.3

Asche allein erweckte es wieder zum Leben. In Kashi waren damals fünf geworden; ebenso die Götter in solchem Zustand und einst auch mich in einem solchen Zustand.

6.4

„Darum belebe ich nun das Wesen mit Asche, o Makellose.“ Als dies so gesprochen war, erschien der erhabene Dadhici.

6 – Rückkehr

Darauf erlangte er seine eigene Gestalt wieder und ging in seine Einsiedelei.

6 – Die Götter bei Durvasas

Nun sagte er: „Erkläre die Fähigkeit dieser Asche, alles Unheilsame zu verzehren.“ Bei Gautamas Hochzeit sahen alle Götter Ahalya und wurden von Begierde ergriffen. Ihres klaren Wissens beraubt, gingen sie zu Durvasas und fragten ihn. Er sprach: „Ich werde diesen Fehler beruhigen. Schon früher gab auch ich mit dem Shatarudra-Mantra besprochene Asche; dadurch wurde selbst Brahmanentötung und Ähnliches getilgt.“

6.5

So sprach Durvasas und gab die vorzügliche Asche: „Durch mein Wort seid ihr alle zu überaus Leuchtenden geworden.“

6.6

Mit dem Shatarudra-Mantra bestäubten wir unsere Körper mit Asche. Im selben Augenblick waren wir alle von Leidenschaft gereinigt, o Weiser.

6 – Staunen

Wir erkennen dieses Wunder: So groß ist die Kraft der Asche.

6 – Hari und Hara

Höre von einer weiteren Kraft dieser Asche. Sie verleiht Hari und Shankara Erkenntnis, vernichtet Unheilsames wie Brahmanentötung und gewährt große Herrlichkeit. Hari nehme mit dem Fingernagel Asche von Shivas Brust, bespreche sie mit Om, der Gayatri und dem fünfsilbigen Mantra und trage sie auf Kopf und Glieder auf. Hara sprach zu Hari: „Meditiere ebenso im Herzen!“ Nachdem er in seinem eigenen Herzen meditiert hatte, sagte er zu Shiva: „Er ist gesehen, er ist gesehen!“

6.7

Dann sagte Hara zu Hari: „Iss Asche!“ – „Ich werde die glückverheißende Asche essen, nachdem ich zuvor mit Asche gebadet habe.“

6.8

Nachdem Acyuta den durch Hingabe zugänglichen Herrn gefragt hatte, aß er Asche. Dabei geschah ein großes Wunder: Er hatte den Glanz eines Spiegelbildes.

6.9

Vasudeva nahm augenblicklich die Farbe einer reinen Perle an. Von da an war Vasudeva hell strahlend und heiter.

6.10

„Schon die Asche lässt sich nicht ganz erkennen; wie sollte ich erst deine Macht erkennen, Allgegenwärtiger? Verehrung dir, Verehrung dir! Bei dir suche ich Zuflucht.

6.11

Möge ich stets Hingabe zu deinen beiden Füßen haben, Shambhu!“ – „Wer mit dem Tragen der Asche ausgestattet ist, wird mein Verehrer sein.“

6.12a – Göttliche Entsprechungen

Eben deshalb heißt diese Bhuti „Wohlergehen schaffend“. Vor ihr waren die Vasus, rechts die Rudras, hinten die Adityas, nördlich die Vishvedevas; Brahma, Vishnu und Maheshvara sowie Sonne und Mond an den Seiten. Dies ist durch folgenden Rigvers ausgedrückt:

6.12b – Der unvergängliche Grund der Verse

Im Unvergänglichen des Rigverses, im höchsten Raum, in dem alle Götter ihren Sitz genommen haben: Wer dieses nicht kennt, was wird er mit dem Rigvers tun? Die aber dieses kennen, sie sitzen hier vereint.

6.12c – Frucht der Erkenntnis

Wer diese Brihajjabala kennt, die alle Wünsche erfüllt und das Tor zur Befreiung ist, wird von Rig-, Yajur- und Samaversen, von Brahman und Unsterblichkeit erfüllt. Wer diese Brihajjabala kennt, sei er auch ein Kind, wird groß. Er wird zum Guru, zum Unterweiser aller Mantras.

6.12d – Gabe an den Lehrer

Das vom Guru empfangene, über den Tod hinüberführende [Zeichen] binde man um Hals, Arm oder Haarbüschel. Selbst die Erde mit ihren sieben Inselkontinenten reicht als Lehrergabe nicht aus. Deshalb schenke man im Vertrauen irgendeine Kuh; diese wird zur Lehrergabe.

Abschluss des sechsten Brahmana

Hier endet das sechste Brahmana.

7.1

Janaka von Videha trat zu Yajnavalkya und sagte: „Erhabener, erkläre uns die Ordnung des Tripundra!“ Er antwortete: „Man nehme die Asche unter den fünf Brahma-Mantras, beginnend mit Sadyojata, bespreche sie mit ‚Feuer ist Asche‘, hebe sie unter ‚mā nas toke‘ auf, vermische sie unter ‚triyāyuṣam‘ mit Wasser und trage sie unter ‚tryambakam‘ auf Kopf, Stirn, Brust und Schultern auf. So wird man rein und zur Befreiung gelangend. Man erlangt dieselbe Frucht wie durch das Shatarudra. Das ist das Licht der Asche.“ So sprach Yajnavalkya.

7.2

Janaka von Videha fragte Yajnavalkya: „Welche Frucht empfängt man durch das Tragen der Asche?“ Er antwortete: „Durch dieses Aschetragen allein erfolgt Befreiung; durch dieses Aschetragen allein erlangt man Vereinigung mit Shiva. Man kehrt nicht wieder, man kehrt nicht wieder. Das ist das Licht der Asche.“ So sprach Yajnavalkya.

7.3

Janaka von Videha fragte Yajnavalkya: „Empfängt man durch das Tragen der Asche eine Frucht oder nicht?“ Darauf: „Unter den Paramahamsas wurden Samvartaka, Aruni, Shvetaketu, Durvasas, Ribhu, Nidagha, Jadabharata, Dattatreya, Raivataka, Bhusunda und andere allein durch das Tragen der Vibhuti befreit. Das ist das Licht der Asche.“ So sprach Yajnavalkya.

7.4

Janaka von Videha fragte: „Yajnavalkya, was entsteht durch das Aschebad?“ – „So viele Haaröffnungen sich an jemandes Körper befinden, so viele Lingas entstehen und bleiben dort. Ob Brahmane, Kshatriya, Vaishya oder Shudra: Durch dieses Aschetragen besteht die Gestalt dessen, was dieses Wort bezeichnet, jeweils dort.“

7.5

Janaka von Videha ging mit Paippalada in Prajapatis Welt. Dort sprach er: „Prajapati, erkläre die Größe des Tripundra!“ Prajapati antwortete ihm: „Wie die Größe Ishvaras, so ist auch die des Tripundra.“

7.6

Darauf ging Paippalada nach Vaikuntha. Dort sprach er: „Vishnu, erkläre die Größe des Tripundra!“ Vishnu antwortete: „Wie die Größe Ishvaras, so ist auch die des Tripundra.“

7.7a – Paippaladas Bitte

Darauf trat Paippalada zu Kalagnirudra und bat: „Erhabener, unterweise mich in der Ordnung des Tripundra!“ Er antwortete: „Die Ordnung des Tripundra vermag ich nicht [erschöpfend] auszusprechen. Das ist wahr.“

7.7b – Asche und Befreiung

Wer mit Asche bedeckt ist, wird aus Samsara befreit. Wer auf einem Aschebett liegt, wird zum Gegenstand jenes Wortes und erlangt Vereinigung mit Shiva. Er kehrt nicht wieder. Als Rezitator des Rudra-Abschnitts gelangt er zur Unsterblichkeit. Das ist das Licht der Asche. Durch das Tragen der Vibhuti gelangt er zur Einheit mit Brahman.

7.7c – Heilige Badeplätze

Allein durch das Tragen der Vibhuti gilt er als an allen heiligen Badeplätzen gebadet. Durch das Tragen der Vibhuti empfängt er dieselbe Frucht, die man durch das Baden in Varanasi erlangt. Das ist das Licht der Asche.

7.7d – Die drei Linien

An wessen Körper sich das Tripundra-Zeichen befindet: Die erste Linie ist Prajapati, die zweite Vishnu, die dritte Sadashiva. Das ist das Licht der Asche; das ist das Licht der Asche.

7.8a – Ursprung der Rudrakshas

Darauf fragte Sanatkumara den erhabenen Kalagnirudra: „Herr, lehre die Ordnung des Tragens von Rudrakshas!“ Er sprach: „Weil sie aus Rudras Auge entstanden, heißen sie in der Welt Rudrakshas. Nachdem Sadashiva zur Zeit der Auflösung die Auflösung vollzogen hat, schließt er sein vernichtendes Auge. Aus diesem Auge entstehen die Rudrakshas. Daher ihr Name Rudraksha.“

7.8b – Verheißungen des Rudraksha-Tragens

Schon indem Rudraksha zum Gegenstand der Rede wird, empfängt man die Frucht einer Gabe von zehn Kühen. Dieses Licht der Asche ist Rudraksha. Berührt man Rudraksha mit der Hand und trägt es, erhält man die Frucht einer Gabe von zweitausend Kühen. Durch Rudraksha gelangt man zum Wesen der elf Rudras. Trägt man Rudraksha am Kopf, empfängt man die Frucht einer Gabe von zehn Millionen Kühen. Die Frucht des Tragens an den Ohren lässt sich unter diesen Stellen nicht aussprechen, sagte er.

7.8c – Anzahl der Rudrakshas

Vierzig am Kopf, eine oder drei am Haarbüschel, zwölf an den Ohren, zweiunddreißig am Ohr, je sechzehn an den Armen, je zwölf an den Handgelenken und je sechs an den Daumen.

7.8d – Tägliche Verehrung

Darauf verehre man Tag für Tag die Übergangszeiten, mit Kusha-Gras versehen, und opfere ins Feuer unter den Formeln „agniḥ jyotiḥ“ und den folgenden.

Abschluss des siebenten Brahmana

Hier endet das siebente Brahmana.

8.1

„Erhabener, erkläre uns nun die Frucht der Brihajjabala!“ Er sprach: „Wer diese Brihajjabala täglich studiert, wird durch Agni gereinigt, durch Vayu gereinigt, durch Aditya gereinigt, durch Soma gereinigt, durch Brahma gereinigt, durch Vishnu gereinigt, durch Rudra gereinigt, durch alles gereinigt, durch alles gereinigt.

8.2

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, hält Feuer an, hält Wind an, hält die Sonne an, hält den Mond an, hält Wasser an, hält alle Götter an, hält alle Planetenmächte an, hält Gift an, hält Gift an.

8.3

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, überwindet den Tod, überwindet das Unheilsame, überwindet Brahmanentötung, überwindet die Tötung eines Ungeborenen, überwindet Heldentötung, überwindet jegliche Tötung, überwindet Samsara, überwindet alles, überwindet alles.

8.4

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, gewinnt die Bhur-Welt, die Bhuvar-Welt, die Svar-Welt, die Mahar-Welt, die Tapo-Welt, die Jana-Welt, die Satya-Welt und alle Welten.

8.5

Wer diese Brihajjabala täglich studiert, studiert die Rigverse, die Yajusformeln, die Samagesänge, die Atharvan- und die Angiras-Überlieferung, die Vedaschulen, die Rituallehren, die Heldenlieder, die Puranas und den heiligen Laut Brahmans, den heiligen Laut Brahmans.

8.6a – Rang des Studiums

Hundert Menschen ohne Upanayana entsprechen einem Eingeweihten; hundert Eingeweihte einem Hausvater; hundert Hausväter einem Waldbewohner; hundert Waldbewohner einem Entsagenden; volle hundert Entsagende einem Rudra-Rezitator; hundert Rudra-Rezitatoren einem Lehrer von Atharvashiras und Atharvashikha; hundert solcher Lehrer einem Lehrer der Brihajjabala Upanishad.

8.6b – Das höchste Ziel

Das ist die höchste Stätte für den, der die Brihajjabala Upanishad regelmäßig rezitiert: Dort brennt die Sonne nicht, weht kein Wind, scheint kein Mond, leuchten keine Sterne, brennt kein Feuer; weder Tod noch Leiden treten dort ein. Es ist beständige Wonne, höchste Wonne, friedvoll, ewig, Sadashiva, von Brahma und den anderen verehrt, Gegenstand der Meditation der Yogis, die höchste Stätte. Wenn Yogis dorthin gelangt sind, kehren sie nicht wieder. Dies wird durch einen Rigvers ausgedrückt:

8.6c – Vishnus höchste Stätte

Vishnus höchste Stätte schauen die Seher immerdar, wie ein Auge, das sich am Himmel ausbreitet.

8.6d – Die wachen Weisen

Die inspirierten, kundigen, wachen Weisen lassen sie aufleuchten: Vishnus höchste Stätte.

8.6e – Schlusswort

Om. Wahrheit! So lautet die Upanishad.

Abschluss des achten Brahmana

Hier endet das achte Brahmana.

Schluss – Shanti-Mantra

Om. Ihr Götter, mögen wir mit den Ohren Heilsames hören; ihr Verehrungswürdigen, mögen wir mit den Augen Heilsames sehen. Mit festen Gliedern und Körpern euch preisend, mögen wir die uns von den Göttern zugedachte Lebenszeit verbringen. Möge Indra von großem Ruhm uns Wohlergehen schenken; möge Pushan, der alles kennt, uns Wohlergehen schenken; möge Tarkshya mit unversehrtem Radkranz uns Wohlergehen schenken; möge Brihaspati uns Wohlergehen gewähren.

Schluss – Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Kolophon

Hier endet die zum Atharvaveda gehörende Brihajjabala Upanishad.

Fünf Empfehlungen für die spirituelle Praxis

  1. Erinnere dich an die Vergänglichkeit. Betrachte Asche als Zeichen dafür, dass Körper, Besitz und Rollen vergehen. Frage in der Meditation nach dem, was diese Veränderungen wahrnimmt.
  2. Verbinde das Zeichen mit einer Haltung. Wenn du Vibhuti in deiner Tradition verwendest, verbinde das Auftragen mit Wahrhaftigkeit, Ahimsa und dem Entschluss zu selbstlosem Handeln.
  3. Lass Erkenntnis die Anhaftung verbrennen. Beobachte einen wiederkehrenden Anspruch deines Ichs und prüfe ihn mit Viveka. Pflege zugleich Geduld mit dir und anderen.
  4. Übe regelmäßig und deinen Möglichkeiten entsprechend. Die Schrift berücksichtigt Ort, Zeit und Fähigkeit. Eine aufmerksame tägliche Japa- und Meditationspraxis kann eine tragfähige Grundlage sein.
  5. Verbinde Hingabe mit Respekt. Verehre Shiva auch durch Seva und die Achtung anderer spiritueller Wege. Übernimm die historischen Herabsetzungen anderer Menschen nicht als Maßstab deiner Praxis.

Quellen und Literatur

  • Sanskrit Documents: Bṛhajjābālopaniṣat, Sanskrittext in acht Brahmanas, Grundlage dieser Wiedergabe.
  • Wikisource: Bṛhajjābālopaniṣat, Vergleichswiedergabe; sie überliefert ebenfalls mehrere der bezeichneten schwierigen Stellen.
  • Shaivam: Holy Ash, shivaistische Darstellung mit Textauszügen.
  • Rigveda 10.129.4, 1.164.39 und 1.22.20–21; Katha Upanishad 2.2.9, zu den aufgenommenen Versen.
  • Berichtigt wurden offensichtliche Schrift- und Übertragungsfehler, darunter tripuṇḍraka, prajāpatiloka, bṛhaspatirdadhātu und cakṣurātatam. Inhaltlich unsichere Lesungen und Satzanschlüsse werden jeweils erläutert.
  • Deutsche Übersetzung und Worterklärungen wurden für diesen Artikel aus dem Sanskrit erarbeitet.

Siehe auch

Ähnliche Upanishaden: Jabala Upanishad, Jabali Upanishad, Bhasmajabala Upanishad, Kalagnirudra Upanishad, Rudrakshajabala Upanishad, Atharvashiras Upanishad, Atharvashikha Upanishad, Shvetashvatara Upanishad.

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