Tara Sandhya nach dem Brihat Tantrasara
Tara Sandhya nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, Tara durch die Darbringung des Sonnenwassers und die Rückführung ins Herz zu verehren.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Tara Sandhya. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Vorbereitung und Materialien
Wasser, ein Wassergefäß, ein Gefäß für die Arghya-Gabe und die im Einzelbeleg genannten Duftstoffe oder Blüten.
Vorsatz: Formuliere vor Beginn bewusst die Absicht dieser Durchführung. Ein kurzer deutscher Vorsatz genügt als redaktionelle Orientierung: Du vollziehst dieses Ritual in Hingabe an die genannte Gottheit beziehungsweise zur beschriebenen Weihe. Eine traditionelle Sanskrit-Sankalpa-Formel wird nur dort rezitiert, wo sie in der eigenen Überlieferung vollständig bestimmt ist.
Durchführung
Bereite das Wasser vor, vollziehe die vorgeschriebenen Reinigungen und Nyasas, bringe der Sonne Arghya dar und richte die Rezitation auf die Gottheit im Sonnenkreis. Führe die Gegenwart am Ende wieder in das Herz.
Mantra und seine Anwendung
Handlung und Bedeutung (P2-0041):
Bei Tārā und anderen Vidyās besteht diese Besonderheit: Nach dem Sonnen-Arghya mit hrīṃ haṃsaḥ gebe man Sandelholz, Arka- und Aparājitā-Blüten in ein Kupfergefäß oder anderes Gefäß und bringe Arghya dar: „Der im Kreis der aufgehenden Sonne weilenden, als ewiges Bewusstsein aufgegangenen ehrwürdigen Ekajaṭā, svāhā.“ Danach rezitiere man die Gāyatrī. So im Nīlatantra: Die Formel enthält „der im Kreis der aufgehenden Sonne Weilenden“ und „der als ewiges Bewusstsein Aufgegangenen, svāhā“. Beim Kālikā-Mantra dagegen setzt man Kālikā an die Stelle des Wortes Ekajaṭā.
Sanskrit zur Handlung:
tārādau tu:
hrīṃ haṃsaḥ iti sūryārghyaṃ dattvā, tāmrādipātre
candanārkakusumāparājitā - puṣpāṇi nikṣipya,
udyadādityamaṇḍalavartinyai nityacaitanyoditāyai śrīmadekajaṭāyai
svāhā ityarghyaṃ dattvā, gāyatrīṃ japediti viśeṣaḥ |
taduktaṃ nīlatantre:
udyadādityamaṇḍalavarttinyai ca samuddharet |
nityacaitanyoditāyai svāheti ca manuḥ smṛtaḥ |
anyatra kālikāmantre ekajaṭāpadasthāne kālikāpadaprayogaḥ
|| 41 ||
Handlungen, Gaben und Abschluss
Handlung und Bedeutung (P2-0042):
Danach vergegenwärtige man die Gottheit im Sonnenkreis, rezitiere den Grundmantra nach Vermögen, führe die Gottheit mit der Saṃhāra-Mudrā ins eigene Herz, verneige sich vor der heiligen Wasserstätte und betrete den Verehrungsort. Damit endet die Badevorschrift.
Sanskrit zur Handlung:
tataḥ sūryamaṇḍale devatāṃ vibhāvya mūlamantraṃ yathāśakti
japtvā, saṃhāramudrayā devatāṃ svahṛdayamānīya, tīrtha
namaskṛtya, yāgasthānamāviśediti snānavidhiḥ
|| 42 ||
Abschluss
Beende die im gewählten Verfahren vorgeschriebene letzte Handlung, sammle dich und verneige dich innerlich vor Guru und Gottheit. Wo der Quellentext eine besondere Übergabe, Entlassung oder Abschlussformel nennt, ist diese maßgeblich. Der kurze Moment stiller Dankbarkeit ist eine redaktionelle Praxisanregung.
Ergänzte Ausführung der Rückverweise
Gayatri zur vorgeschriebenen Wiederholung
An der Stelle der Gayatri-Wiederholung verwende diese zugehörige Formel aus P2-0035:
tārāyai vidmahe mahogrāyai dhīmahi tanno devī pracodayāt
Tara möchten wir erkennen; über die sehr Furchtbare meditieren wir. Möge die Göttin uns dazu anregen.
Ergänzte Ausführung der Rückverweise
Grundmantra der gewählten Ekajata-Form
Die Arghya-Anrufung P2-0041 nennt Ekajata. Für diese Form wird nach der Unterscheidung P2-1158 die Tara-Folge ohne vorangestelltes Om verwendet:
hrīṃ strīṃ hūṃ phaṭ
Lajja, Vadhu und Kurca werden in P2-1159 als hrīṃ, strīṃ und hūṃ erläutert. Die Bijas sind Mantralaute. Die mit Om beginnende Nila-Sarasvati-Form wird nicht hinzugenommen.
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P2-0041 · Originalnummer 41
tārādau tu:
hrīṃ haṃsaḥ iti sūryārghyaṃ dattvā, tāmrādipātre
candanārkakusumāparājitā - puṣpāṇi nikṣipya,
udyadādityamaṇḍalavartinyai nityacaitanyoditāyai śrīmadekajaṭāyai
svāhā ityarghyaṃ dattvā, gāyatrīṃ japediti viśeṣaḥ |
taduktaṃ nīlatantre:
udyadādityamaṇḍalavarttinyai ca samuddharet |
nityacaitanyoditāyai svāheti ca manuḥ smṛtaḥ |
anyatra kālikāmantre ekajaṭāpadasthāne kālikāpadaprayogaḥ
|| 41 ||
Bei Tārā und anderen Vidyās besteht diese Besonderheit: Nach dem Sonnen-Arghya mit hrīṃ haṃsaḥ gebe man Sandelholz, Arka- und Aparājitā-Blüten in ein Kupfergefäß oder anderes Gefäß und bringe Arghya dar: „Der im Kreis der aufgehenden Sonne weilenden, als ewiges Bewusstsein aufgegangenen ehrwürdigen Ekajaṭā, svāhā.“ Danach rezitiere man die Gāyatrī. So im Nīlatantra: Die Formel enthält „der im Kreis der aufgehenden Sonne Weilenden“ und „der als ewiges Bewusstsein Aufgegangenen, svāhā“. Beim Kālikā-Mantra dagegen setzt man Kālikā an die Stelle des Wortes Ekajaṭā.
P2-0042 · Originalnummer 42
tataḥ sūryamaṇḍale devatāṃ vibhāvya mūlamantraṃ yathāśakti
japtvā, saṃhāramudrayā devatāṃ svahṛdayamānīya, tīrtha
namaskṛtya, yāgasthānamāviśediti snānavidhiḥ
|| 42 ||
Danach vergegenwärtige man die Gottheit im Sonnenkreis, rezitiere den Grundmantra nach Vermögen, führe die Gottheit mit der Saṃhāra-Mudrā ins eigene Herz, verneige sich vor der heiligen Wasserstätte und betrete den Verehrungsort. Damit endet die Badevorschrift.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P2-0041
तारादौ तु:
ह्रीं हंसः इति सूर्यार्घ्यं दत्त्वा, ताम्रादिपात्रे
चन्दनार्ककुसुमापराजिता - पुष्पाणि निक्षिप्य,
उद्यदादित्यमण्डलवर्तिन्यै नित्यचैतन्योदितायै श्रीमदेकजटायै
स्वाहा इत्यर्घ्यं दत्त्वा, गायत्रीं जपेदिति विशेषः ।
तदुक्तं नीलतन्त्रे:
उद्यदादित्यमण्डलवर्त्तिन्यै च समुद्धरेत् ।
नित्यचैतन्योदितायै स्वाहेति च मनुः स्मृतः ।
अन्यत्र कालिकामन्त्रे एकजटापदस्थाने कालिकापदप्रयोगः
॥ ४१ ॥
P2-0042
ततः सूर्यमण्डले देवतां विभाव्य मूलमन्त्रं यथाशक्ति
जप्त्वा, संहारमुद्रया देवतां स्वहृदयमानीय, तीर्थ
नमस्कृत्य, यागस्थानमाविशेदिति स्नानविधिः
॥ ४२ ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P2-0041
Bei Tārā und anderen Vidyās besteht diese Besonderheit: Nach dem Sonnen-Arghya mit hrīṃ haṃsaḥ gebe man Sandelholz, Arka- und Aparājitā-Blüten in ein Kupfergefäß oder anderes Gefäß und bringe Arghya dar: „Der im Kreis der aufgehenden Sonne weilenden, als ewiges Bewusstsein aufgegangenen ehrwürdigen Ekajaṭā, svāhā.“ Danach rezitiere man die Gāyatrī. So im Nīlatantra: Die Formel enthält „der im Kreis der aufgehenden Sonne Weilenden“ und „der als ewiges Bewusstsein Aufgegangenen, svāhā“. Beim Kālikā-Mantra dagegen setzt man Kālikā an die Stelle des Wortes Ekajaṭā.
P2-0042
Danach vergegenwärtige man die Gottheit im Sonnenkreis, rezitiere den Grundmantra nach Vermögen, führe die Gottheit mit der Saṃhāra-Mudrā ins eigene Herz, verneige sich vor der heiligen Wasserstätte und betrete den Verehrungsort. Damit endet die Badevorschrift.
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Durga Puja
- Kali Puja
- Devi Archanam
- Durga Nityarchana Krama
- Shrichakra Navavarana Puja
- Mahalakshmi Puja Vidhi
- Lakshmi Puja
- Pushpanjali
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Guruverehrung am Morgen nach dem Brihat Tantrasara
- Shakti Sandhya nach dem Brihat Tantrasara
- Tantrisches Reinigungsbad nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.