Guruverehrung am Morgen nach dem Brihat Tantrasara
Guruverehrung am Morgen nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, den Tag in Dankbarkeit gegenüber dem Guru und in Erinnerung an die göttliche Gegenwart zu beginnen.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Guruverehrung am Morgen. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Vorbereitung und Materialien
Ein sauberer Sitz genügt für die hier beschriebene innere Verehrung. Äußere Gaben sind für diesen Abschnitt nicht eigens vorgeschrieben.
Vorsatz: Formuliere vor Beginn bewusst die Absicht dieser Durchführung. Ein kurzer deutscher Vorsatz genügt als redaktionelle Orientierung: Du vollziehst dieses Ritual in Hingabe an die genannte Gottheit beziehungsweise zur beschriebenen Weihe. Eine traditionelle Sanskrit-Sankalpa-Formel wird nur dort rezitiert, wo sie in der eigenen Überlieferung vollständig bestimmt ist.
Durchführung
Sitze nach dem Erwachen aufrecht. Vergegenwärtige den Guru oberhalb des Scheitels, bringe die inneren Gaben dar und vollziehe anschließend die im Text beschriebene Kundalini-Erinnerung.
Mantra und seine Anwendung
Handlung und Bedeutung (P2-0001):
Nun die allgemeine Ordnung der Verehrung. Man stehe in der Brahma-Stunde auf, sei vom Schlaf frei und lege die Nachtkleidung ab. Auf dem Kopf, im Zentrum des tausendblättrigen Lotus, vergegenwärtige man den weißen Guru mit zwei Armen, mit Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit, weißen Blumenkränzen und Salben, selbstleuchtend und begleitet von der links bei ihm weilenden tiefroten, ebenfalls selbstleuchtenden Śakti. Man verehre ihn mit geistigen Darbringungen und verneige sich: „Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der jenen Zustand gezeigt hat, von dem die bewegte und unbewegte Welt in Gestalt eines ungeteilten Kreises durchdrungen ist. Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der dem durch die Dunkelheit der Unwissenheit Erblindeten mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe das Auge geöffnet hat.“ Danach vergegenwärtige man die Grund-Vidyā vom Wurzelort bis zur Brahma-Öffnung, die Grund-Vidyā als Kuṇḍalinī. So im Yoginīhṛdaya: Die Vidyā hat Kuṇḍalinīs Gestalt und durchbricht die drei Kreise.
Sanskrit zur Handlung:
atha sāmānyapūjāpaddhatiḥ
tatra brāhmyemuhūrte utthāya muktasvāpaḥ rātrivāsastyaktvā śirasi
sahasradalakamalakarṇikā sthitaṃ śvetavarṇa guruṃ dvibhujaṃ
varābhayakaraṃ śvetamālyānulepanaṃ svaprakāśarūpaṃ
svavāmasthitasuraktaśaktyā svaprakāśarūpayā sahitaṃ vibhāvya
mānasopacārairārādhya namaskuryāt |
yathā:
akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ vyāptaṃ yena carācaram |
tatpadaṃ darśitaṃ yena tasmai śrī gurave namaḥ |
ajñānatimirāndhasya jñānāñjanaśalākayā |
cakṣurunmīlitaṃ yena tasmai śrī guruve namaḥ |
tato mūlādibrahmarandhrāntaṃ mūlavidyāṃ vibhāvayet |
mūlavidyāṃ kuṇḍalinīm ||
tathā ca yoginīhṛdaye:
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī
|| 1 ||
Anschließende Kundalini-Praxis
Handlung und Bedeutung (P2-0002):
Auch anderswo: Man meditiere über die feine Kuṇḍalinī, die im Mūlādhāra wohnt, die Gestalt der erwählten Gottheit besitzt, dreieinhalb Windungen bildet, wie zehn Millionen Blitze leuchtet und den Svayambhū-Liṅga umschlingt. Der Übende erwecke diese große Göttin mit dem Lebensmantra; fest sitzend vergegenwärtige er sie während des Atems als Glanz der aufgehenden Sonne. Mit gesammeltem Geist denke er zur Befriedung alles Unheilvollen an Śiva und den von ihrer Lichtfülle durchdrungenen eigenen Körper. [Der Satzanschluss yāvacchvāsam und die Form śarīramai sind beschädigt beziehungsweise verkürzt.]
Sanskrit zur Handlung:
anyatrāpi:
dhyāyetkuṇḍalinīṃ sūkṣmāṃ mūlādhāranivāsinīm |
tāmisṭa - devatārūpāṃ sārddhatrivalayānvitām |
koṭisaudāminībhāsāṃ svayambhuliṅgaveṣṭitām |
tāmutthāya mahādevīṃ prāṇamantreṇa sādhakaḥ |
udyaddinakaradyotāṃ yāvacchvāsaṃ dṛḍhāsanaḥ |
aśeṣāśubhaśāntyarthaṃ samāhitamanāḥ śivam |
tatprabhāpaṭalavyāptaṃ śarīramai cintayet
|| 2 ||
Andere Quellenfassung der inneren Praxis
Handlung und Bedeutung (P2-0003):
Die tägliche Verbindlichkeit erklärt das Gautamīya: Nun werde ich dir bei dieser Gelegenheit die Vorhandlungen nennen. Wer sie vollzieht, erlangt die Befugnis zu Mantra-, Yantra-Verehrung und ähnlichen Handlungen; ohne sie entsteht keine Vollendung, vielmehr geht man in die Hölle ein.
Sanskrit zur Handlung:
etatsya nityatvamāha gautamīye:
idānīṃ pūrvakṛtyañca prasaṅgātkathayāmi te |
yatkṛtvādhikāritāṃ yāti mantrayantrārcanādiṣu |
yena vinā na siddhḥ syānnarakañca prapadyate
|| 3 ||
Abschluss
Beende die im gewählten Verfahren vorgeschriebene letzte Handlung, sammle dich und verneige dich innerlich vor Guru und Gottheit. Wo der Quellentext eine besondere Übergabe, Entlassung oder Abschlussformel nennt, ist diese maßgeblich. Der kurze Moment stiller Dankbarkeit ist eine redaktionelle Praxisanregung.
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P2-0001 · Originalnummer 1
atha sāmānyapūjāpaddhatiḥ
tatra brāhmyemuhūrte utthāya muktasvāpaḥ rātrivāsastyaktvā śirasi
sahasradalakamalakarṇikā sthitaṃ śvetavarṇa guruṃ dvibhujaṃ
varābhayakaraṃ śvetamālyānulepanaṃ svaprakāśarūpaṃ
svavāmasthitasuraktaśaktyā svaprakāśarūpayā sahitaṃ vibhāvya
mānasopacārairārādhya namaskuryāt |
yathā:
akhaṇḍamaṇḍalākāraṃ vyāptaṃ yena carācaram |
tatpadaṃ darśitaṃ yena tasmai śrī gurave namaḥ |
ajñānatimirāndhasya jñānāñjanaśalākayā |
cakṣurunmīlitaṃ yena tasmai śrī guruve namaḥ |
tato mūlādibrahmarandhrāntaṃ mūlavidyāṃ vibhāvayet |
mūlavidyāṃ kuṇḍalinīm ||
tathā ca yoginīhṛdaye:
vidyā kuṇḍalinīrūpā maṇḍalatrayabhedinī
|| 1 ||
Nun die allgemeine Ordnung der Verehrung. Man stehe in der Brahma-Stunde auf, sei vom Schlaf frei und lege die Nachtkleidung ab. Auf dem Kopf, im Zentrum des tausendblättrigen Lotus, vergegenwärtige man den weißen Guru mit zwei Armen, mit Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit, weißen Blumenkränzen und Salben, selbstleuchtend und begleitet von der links bei ihm weilenden tiefroten, ebenfalls selbstleuchtenden Śakti. Man verehre ihn mit geistigen Darbringungen und verneige sich: „Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der jenen Zustand gezeigt hat, von dem die bewegte und unbewegte Welt in Gestalt eines ungeteilten Kreises durchdrungen ist. Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der dem durch die Dunkelheit der Unwissenheit Erblindeten mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe das Auge geöffnet hat.“ Danach vergegenwärtige man die Grund-Vidyā vom Wurzelort bis zur Brahma-Öffnung, die Grund-Vidyā als Kuṇḍalinī. So im Yoginīhṛdaya: Die Vidyā hat Kuṇḍalinīs Gestalt und durchbricht die drei Kreise.
P2-0002 · Originalnummer 2
anyatrāpi:
dhyāyetkuṇḍalinīṃ sūkṣmāṃ mūlādhāranivāsinīm |
tāmisṭa - devatārūpāṃ sārddhatrivalayānvitām |
koṭisaudāminībhāsāṃ svayambhuliṅgaveṣṭitām |
tāmutthāya mahādevīṃ prāṇamantreṇa sādhakaḥ |
udyaddinakaradyotāṃ yāvacchvāsaṃ dṛḍhāsanaḥ |
aśeṣāśubhaśāntyarthaṃ samāhitamanāḥ śivam |
tatprabhāpaṭalavyāptaṃ śarīramai cintayet
|| 2 ||
Auch anderswo: Man meditiere über die feine Kuṇḍalinī, die im Mūlādhāra wohnt, die Gestalt der erwählten Gottheit besitzt, dreieinhalb Windungen bildet, wie zehn Millionen Blitze leuchtet und den Svayambhū-Liṅga umschlingt. Der Übende erwecke diese große Göttin mit dem Lebensmantra; fest sitzend vergegenwärtige er sie während des Atems als Glanz der aufgehenden Sonne. Mit gesammeltem Geist denke er zur Befriedung alles Unheilvollen an Śiva und den von ihrer Lichtfülle durchdrungenen eigenen Körper. [Der Satzanschluss yāvacchvāsam und die Form śarīramai sind beschädigt beziehungsweise verkürzt.]
P2-0003 · Originalnummer 3
etatsya nityatvamāha gautamīye:
idānīṃ pūrvakṛtyañca prasaṅgātkathayāmi te |
yatkṛtvādhikāritāṃ yāti mantrayantrārcanādiṣu |
yena vinā na siddhḥ syānnarakañca prapadyate
|| 3 ||
Die tägliche Verbindlichkeit erklärt das Gautamīya: Nun werde ich dir bei dieser Gelegenheit die Vorhandlungen nennen. Wer sie vollzieht, erlangt die Befugnis zu Mantra-, Yantra-Verehrung und ähnlichen Handlungen; ohne sie entsteht keine Vollendung, vielmehr geht man in die Hölle ein.
P2-0004 · Originalnummer 4
yāmale ca:
prātaḥkṛtyamakṛtvā tu yo devīṃ bhaktito'rcayet |
niṣphalā tasya pūjā syācchaucahīnā yathā kriyā
|| 4 ||
Auch im Yāmala: Wer die Göttin hingebungsvoll verehrt, ohne die Morgenpflichten erfüllt zu haben, dessen Verehrung bleibt fruchtlos wie eine ohne Reinheit vollzogene Handlung.
P2-0005 · Originalnummer 5
lakṣmīkulārṇave'pi:
sandhyayā tu vihīno yo na dīkṣāphalamāpnuyāt |
iti vacanāttasyāvaśyakatvaṃ
|| 5 ||
Auch im Lakṣmīkulārṇava: Wer die Sandhyā unterlässt, erlangt nicht die Frucht der Einweihung. Aus dieser Aussage folgt ihre Notwendigkeit.
P2-0006 · Originalnummer 6
vaidikasandhyānantaraṃ tāntrikasandhyā karttavyā |
tadukm:
vaidikī tāntrikī sandhyā yathānukramayogataḥ
|| 6 ||
Nach der vedischen ist die tantrische Sandhyā zu vollziehen. So heißt es: „Vedische und tantrische Sandhyā, in der entsprechenden Reihenfolge.“
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P2-0001
अथ सामान्यपूजापद्धतिः
तत्र ब्राह्म्येमुहूर्ते उत्थाय मुक्तस्वापः रात्रिवासस्त्यक्त्वा शिरसि
सहस्रदलकमलकर्णिका स्थितं श्वेतवर्ण गुरुं द्विभुजं
वराभयकरं श्वेतमाल्यानुलेपनं स्वप्रकाशरूपं
स्ववामस्थितसुरक्तशक्त्या स्वप्रकाशरूपया सहितं विभाव्य
मानसोपचारैराराध्य नमस्कुर्यात् ।
यथा:
अखण्डमण्डलाकारं व्याप्तं येन चराचरम् ।
तत्पदं दर्शितं येन तस्मै श्री गुरवे नमः ।
अज्ञानतिमिरान्धस्य ज्ञानाञ्जनशलाकया ।
चक्षुरुन्मीलितं येन तस्मै श्री गुरुवे नमः ।
ततो मूलादिब्रह्मरन्ध्रान्तं मूलविद्यां विभावयेत् ।
मूलविद्यां कुण्डलिनीम् ॥
तथा च योगिनीहृदये:
विद्या कुण्डलिनीरूपा मण्डलत्रयभेदिनी
॥ १ ॥
P2-0002
अन्यत्रापि:
ध्यायेत्कुण्डलिनीं सूक्ष्मां मूलाधारनिवासिनीम् ।
तामिस्ट - देवतारूपां सार्द्धत्रिवलयान्विताम् ।
कोटिसौदामिनीभासां स्वयम्भुलिङ्गवेष्टिताम् ।
तामुत्थाय महादेवीं प्राणमन्त्रेण साधकः ।
उद्यद्दिनकरद्योतां यावच्छ्वासं दृढासनः ।
अशेषाशुभशान्त्यर्थं समाहितमनाः शिवम् ।
तत्प्रभापटलव्याप्तं शरीरमै चिन्तयेत्
॥ २ ॥
P2-0003
एतत्स्य नित्यत्वमाह गौतमीये:
इदानीं पूर्वकृत्यञ्च प्रसङ्गात्कथयामि ते ।
यत्कृत्वाधिकारितां याति मन्त्रयन्त्रार्चनादिषु ।
येन विना न सिद्ध्ः स्यान्नरकञ्च प्रपद्यते
॥ ३ ॥
P2-0004
यामले च:
प्रातःकृत्यमकृत्वा तु यो देवीं भक्तितोऽर्चयेत् ।
निष्फला तस्य पूजा स्याच्छौचहीना यथा क्रिया
॥ ४ ॥
P2-0005
लक्ष्मीकुलार्णवेऽपि:
सन्ध्यया तु विहीनो यो न दीक्षाफलमाप्नुयात् ।
इति वचनात्तस्यावश्यकत्वं
॥ ५ ॥
P2-0006
वैदिकसन्ध्यानन्तरं तान्त्रिकसन्ध्या कर्त्तव्या ।
तदुक्म्:
वैदिकी तान्त्रिकी सन्ध्या यथानुक्रमयोगतः
॥ ६ ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P2-0001
Nun die allgemeine Ordnung der Verehrung. Man stehe in der Brahma-Stunde auf, sei vom Schlaf frei und lege die Nachtkleidung ab. Auf dem Kopf, im Zentrum des tausendblättrigen Lotus, vergegenwärtige man den weißen Guru mit zwei Armen, mit Gesten der Wunschgewährung und Furchtlosigkeit, weißen Blumenkränzen und Salben, selbstleuchtend und begleitet von der links bei ihm weilenden tiefroten, ebenfalls selbstleuchtenden Śakti. Man verehre ihn mit geistigen Darbringungen und verneige sich: „Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der jenen Zustand gezeigt hat, von dem die bewegte und unbewegte Welt in Gestalt eines ungeteilten Kreises durchdrungen ist. Dem ehrwürdigen Guru sei Verehrung, der dem durch die Dunkelheit der Unwissenheit Erblindeten mit dem Stäbchen der Erkenntnissalbe das Auge geöffnet hat.“ Danach vergegenwärtige man die Grund-Vidyā vom Wurzelort bis zur Brahma-Öffnung, die Grund-Vidyā als Kuṇḍalinī. So im Yoginīhṛdaya: Die Vidyā hat Kuṇḍalinīs Gestalt und durchbricht die drei Kreise.
P2-0002
Auch anderswo: Man meditiere über die feine Kuṇḍalinī, die im Mūlādhāra wohnt, die Gestalt der erwählten Gottheit besitzt, dreieinhalb Windungen bildet, wie zehn Millionen Blitze leuchtet und den Svayambhū-Liṅga umschlingt. Der Übende erwecke diese große Göttin mit dem Lebensmantra; fest sitzend vergegenwärtige er sie während des Atems als Glanz der aufgehenden Sonne. Mit gesammeltem Geist denke er zur Befriedung alles Unheilvollen an Śiva und den von ihrer Lichtfülle durchdrungenen eigenen Körper. [Der Satzanschluss yāvacchvāsam und die Form śarīramai sind beschädigt beziehungsweise verkürzt.]
P2-0003
Die tägliche Verbindlichkeit erklärt das Gautamīya: Nun werde ich dir bei dieser Gelegenheit die Vorhandlungen nennen. Wer sie vollzieht, erlangt die Befugnis zu Mantra-, Yantra-Verehrung und ähnlichen Handlungen; ohne sie entsteht keine Vollendung, vielmehr geht man in die Hölle ein.
P2-0004
Auch im Yāmala: Wer die Göttin hingebungsvoll verehrt, ohne die Morgenpflichten erfüllt zu haben, dessen Verehrung bleibt fruchtlos wie eine ohne Reinheit vollzogene Handlung.
P2-0005
Auch im Lakṣmīkulārṇava: Wer die Sandhyā unterlässt, erlangt nicht die Frucht der Einweihung. Aus dieser Aussage folgt ihre Notwendigkeit.
P2-0006
Nach der vedischen ist die tantrische Sandhyā zu vollziehen. So heißt es: „Vedische und tantrische Sandhyā, in der entsprechenden Reihenfolge.“
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Sivananda Guru Paduka Puja
- Sivananda Puja
- Sivananda Archanam
- Panchayatana Puja
- Große Yoga Vidya Puja
- Guru Stotra
- Pushpanjali
- Arati
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Shakti Sandhya nach dem Brihat Tantrasara
- Tantrisches Reinigungsbad nach dem Brihat Tantrasara
- Gayatri Meditation am Morgen nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.