Tara Purascharana Abschluss nach dem Brihat Tantrasara
Tara Purascharana Abschluss nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um die große Tara-Rezitationsverpflichtung mit ihren Ergänzungshandlungen abzuschließen.
Umfang und Überlieferung
Die Mahashankha-Mala aus menschlichem Stirnknochen wird als historischer Quellenbestandteil dokumentiert. Die besondere Japa-Verpflichtung ist von einer einzelnen täglichen Puja zu unterscheiden.
Durchführung
- Vervollständige zuerst die übernommene Gesamtzahl des Tara Japa; die Hauptangabe lautet 100.000.
- Führe das Feueropfer von einem Zehntel mit den im Text genannten dunklen Lotusblüten aus. Die Verse P2-1235 und P2-1236 sind doppelt überliefert und werden als Doppelbeleg bewahrt.
- Vollziehe Tarpana, Abhisheka und Bewirtung nach den jeweils absteigenden Anteilen der Quellenfolge. Beim Tarpana wird die Göttin ins Wasser gerufen und mit Wassergaben verehrt.
- Bei der Begießung vergegenwärtige dich in der rituellen Identifikation als Göttin. Verwende die in P2-1238 überlieferte Formel; ihre ungewöhnliche Lesung varini bleibt markiert.
Sanskrit und deutsche Übersetzung
P2-1229 · 77
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca evaṃ kṛtvā haviṣyāśī japellakṣamananyadhīḥ |
tathā:
rahasyamālāmādāya lakṣamekaṃ sadā japet
|| 77 ||
Die vorbereitende Praxis besteht aus 100.000 Wiederholungen. So heißt es: Nachdem man so verfahren hat, wiederhole man 100.000-mal mit ungeteilter Aufmerksamkeit, Opferkost essend. Ebenso: Man nehme die geheime Gebetskette und wiederhole stets 100.000-mal.
P2-1230 · 78
rahasyamālā yathā:
akasmādvihitā siddhirmahāśaṅkhākhyamālayā |
pañcāśanmaṇibhirmālā nirmitā sarvasiddhidā |
tathā:
kāntena racitā siddhirmahāśaṅkhākhyamālayā |
mahāśaṅkhābhāve sphāṭikī mālā karttavyā |
tathā ca:
mahāśaṅkhe'pyaśaktaścet sphāṭikīmālayā japet
|| 78 ||
Die geheime Gebetskette: Mit der Mahāśaṅkha genannten Gebetskette wird die Vollendung unvermittelt bewirkt. Eine aus fünfzig Perlen gefertigte Kette gewährt sämtliche Vollkommenheiten. Ebenso: Die Vollendung wird vom Geliebten mit der Mahāśaṅkha genannten Kette bewirkt. Fehlt Mahāśaṅkha, soll eine Bergkristallkette verwendet werden. So heißt es: Wenn man zu Mahāśaṅkha nicht fähig ist, wiederhole man mit einer Bergkristallkette.
P2-1231 · 79
mahāśaṅkhastu tantrāntare:
nṛlalāṭāsthikhaṇḍena racitā japamālikā |
mahāśaṅkhamayīmālā tārāvidyājapepriyā |
kerṇanetrāntarasthāsthi mahāśaṅkhaḥ prakīrtitaḥ |
tulasīgomayaspṛṣṭaṃ tathā gaṅgodekena ca |
aspṛśyaṃ tacca jānīyāt śālagrāmaśilādibhiḥ |
tārāmantreṣu kullukājñānamāvaśyakam |
tathā ca matsyasūkte:
kullukāṃ yo na jānāti mahāmantraṃ japennaraḥ |
pañcatvaṃ jāyate tasya athavā vātulo bhavet
|| 79 ||
Mahāśaṅkha wird in einem anderen Tantra erklärt: Eine Gebetskette aus Stücken menschlichen Stirnknochens ist die Mahāśaṅkha-Kette, beliebt bei der Wiederholung der Tārā-Vidyā. Der Knochen zwischen Ohr und Auge heißt Mahāśaṅkha. Man muss wissen, dass er Tulsi, Kuhdung und Gaṅgā-Wasser sowie Śālagrāma-Steine und die übrigen [heiligen Gegenstände] nicht berühren darf. Bei den Tārā-Mantras ist die Kenntnis der Kullukā notwendig. So im Matsyasūkta: Ein Mensch, der den großen Mantra wiederholt, ohne Kullukā zu kennen, stirbt oder wird wahnsinnig.
P2-1232 · 80
māyātantre:
kullukāṃ dhārayecchīrṣe likhitvā bhūrjapatrake |
rājadvāre sabhāyāñca vijayī bhavati dhruvamiti
|| 80 ||
Im Māyātantra: Man schreibe die Kullukā auf Birkenrinde und trage sie am Kopf. Am Königshof und in der Versammlung wird man gewiss siegreich.
P2-1233 · 81
evamuktena japtvā tu taddasāṃśena homayet |
tarpaṇañcābhiṣekañca daśāṃśaṃ viprabhojanam
|| 81 ||
Nachdem man so nach der gegebenen Vorschrift wiederholt hat, opfere man ein Zehntel davon. Trankspende, Begießung und Brahmanenspeisung [erfolgen jeweils] mit einem Zehntel [der vorangehenden Zahl].
P2-1234 · 82
tarpayecca parāṃ devīṃ tatprakāra ihocyate
|| 82 ||
Man sättige die höchste Göttin; die Weise wird hier erklärt.
P2-1235 · 83
tathā ca siddhasārasvate:
evaṃ japaṃ purā kṛtvā daśāṃśamasitopalaiḥ |
ājyāktairjuhuyānmantri taddaśāṃśena tarpaṇam
|| 83 ||
So im Siddhasārasvata: Nachdem man zuerst so die Wiederholung vollzogen hat, opfere der Mantra-Kundige ein Zehntel mit dunklen Lotussen, die mit zerlassener Butter bestrichen sind; ein Zehntel davon [diene] der Trankspende.
P2-1236 · 84
tatraiva:
evaṃ japaṃ purā kṛtvā daśāṃśamasitopalaiḥ |
ājyāktairjuhuyānmantrī vilvairvā juhuyāttataḥ |
kālāgurudravopetairvimalairgandha vāribhiḥ |
tarpayecca parāṃ devīṃ tatprakāra ihocyate
|| 84 ||
Ebendort: Nachdem man zuerst so die Wiederholung vollzogen hat, opfere der Mantra-Kundige ein Zehntel mit dunklen Lotussen, die mit zerlassener Butter bestrichen sind, oder danach mit Bilva[-Blättern beziehungsweise Früchten; hier nicht unterschieden]. Mit reinem Duftwasser, versehen mit schwarzer Aloe-Flüssigkeit, sättige man die höchste Göttin. Die Weise wird hier erklärt.
P2-1237 · 85
jale cāvāhya vidhivat pādyādyairudakātmakaiḥ |
santarpya vidhivaddevīṃ parivārānpṛthakpṛthak
|| 85 ||
Man rufe sie vorschriftsmäßig ins Wasser herbei, sättige die Göttin mit Fußwaschwasser und den weiteren Gaben, die aus Wasser bestehen, und ihr Gefolge jeweils gesondert nach Vorschrift.
P2-1238 · 86
abhiṣeko yathā:
devībuddhyā svamātmānaṃ sampūjya sādhakottamaḥ |
vāriṇīṃ siñcayāmiti jalaṃ mūrdhni vinikṣipet
|| 86 ||
Die Begießung: Der beste Sādhaka verehre sich selbst mit dem Bewusstsein, die Göttin zu sein, und gieße mit „vāriṇīṃ siñcayāmi“ — Ich begieße Vāriṇī [so die Vorlage; vermutlich die Wassergestalt der Göttin] — Wasser auf den Kopf.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.
P2-1229 · 77
अस्य पुरश्चरणं लक्षजपः ।
तथा च एवं कृत्वा हविष्याशी जपेल्लक्षमनन्यधीः ।
तथा:
रहस्यमालामादाय लक्षमेकं सदा जपेत्
॥ ७७ ॥
P2-1230 · 78
रहस्यमाला यथा:
अकस्माद्विहिता सिद्धिर्महाशङ्खाख्यमालया ।
पञ्चाशन्मणिभिर्माला निर्मिता सर्वसिद्धिदा ।
तथा:
कान्तेन रचिता सिद्धिर्महाशङ्खाख्यमालया ।
महाशङ्खाभावे स्फाटिकी माला कर्त्तव्या ।
तथा च:
महाशङ्खेऽप्यशक्तश्चेत् स्फाटिकीमालया जपेत्
॥ ७८ ॥
P2-1231 · 79
महाशङ्खस्तु तन्त्रान्तरे:
नृललाटास्थिखण्डेन रचिता जपमालिका ।
महाशङ्खमयीमाला ताराविद्याजपेप्रिया ।
केर्णनेत्रान्तरस्थास्थि महाशङ्खः प्रकीर्तितः ।
तुलसीगोमयस्पृष्टं तथा गङ्गोदेकेन च ।
अस्पृश्यं तच्च जानीयात् शालग्रामशिलादिभिः ।
तारामन्त्रेषु कुल्लुकाज्ञानमावश्यकम् ।
तथा च मत्स्यसूक्ते:
कुल्लुकां यो न जानाति महामन्त्रं जपेन्नरः ।
पञ्चत्वं जायते तस्य अथवा वातुलो भवेत्
॥ ७९ ॥
P2-1232 · 80
मायातन्त्रे:
कुल्लुकां धारयेच्छीर्षे लिखित्वा भूर्जपत्रके ।
राजद्वारे सभायाञ्च विजयी भवति ध्रुवमिति
॥ ८० ॥
P2-1233 · 81
एवमुक्तेन जप्त्वा तु तद्दसांशेन होमयेत् ।
तर्पणञ्चाभिषेकञ्च दशांशं विप्रभोजनम्
॥ ८१ ॥
P2-1234 · 82
तर्पयेच्च परां देवीं तत्प्रकार इहोच्यते
॥ ८२ ॥
P2-1235 · 83
तथा च सिद्धसारस्वते:
एवं जपं पुरा कृत्वा दशांशमसितोपलैः ।
आज्याक्तैर्जुहुयान्मन्त्रि तद्दशांशेन तर्पणम्
॥ ८३ ॥
P2-1236 · 84
तत्रैव:
एवं जपं पुरा कृत्वा दशांशमसितोपलैः ।
आज्याक्तैर्जुहुयान्मन्त्री विल्वैर्वा जुहुयात्ततः ।
कालागुरुद्रवोपेतैर्विमलैर्गन्ध वारिभिः ।
तर्पयेच्च परां देवीं तत्प्रकार इहोच्यते
॥ ८४ ॥
P2-1237 · 85
जले चावाह्य विधिवत् पाद्याद्यैरुदकात्मकैः ।
सन्तर्प्य विधिवद्देवीं परिवारान्पृथक्पृथक्
॥ ८५ ॥
P2-1238 · 86
अभिषेको यथा:
देवीबुद्ध्या स्वमात्मानं सम्पूज्य साधकोत्तमः ।
वारिणीं सिञ्चयामिति जलं मूर्ध्नि विनिक्षिपेत्
॥ ८६ ॥
Quellen und Textstand
- Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
- Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
- Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
- Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-1229–P2-1238
Siehe auch
- Brihat Tantrasara Ritualartikel Übersicht
- Tara Puja nach der Phetkari-Ordnung im Brihat Tantrasara
- Tarini Puja nach dem Tarini-Kalpa im Brihat Tantrasara
- Tara Purascharana von Sonnenaufgang zu Sonnenaufgang nach dem Brihat Tantrasara
- Tara Purascharana von Chaturthi bis Navami nach dem Brihat Tantrasara
- Tara Purascharana von Ashtami zu Ashtami nach dem Brihat Tantrasara
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