Shmashanakali Puja mit der elfsilbigen Vidya nach dem Brihat Tantrasara
Shmashanakali Puja mit der elfsilbigen Vidya nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, Kali angesichts von Vergänglichkeit und Tod zu verehren.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Shmashanakali Puja mit der elfsilbigen Vidya. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Hinweis zu dieser Form: Die Formel folgt der Lauterklärung P2-1410. Es handelt sich um eine traditionsgebundene nächtliche Puja; die besonderen Opfer- und Ortsvorschriften stehen im Quellentext.
Vorbereitung und Materialien
Ein sauberer Sitz, ein geeigneter Verehrungsträger, Wassergefäße, Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise. Wenn die Quelle ein Yantra nennt, wird dessen konkrete Anordnung vor Beginn vorbereitet. Besondere Gaben stehen bei der betreffenden Handlung.
Für die unten ausgeführte vollständige Gabenfolge zusätzlich: Gewand, Schmuck, Badewasser, Mundspülwasser und Madhuparka aus Ghī, Joghurt und Honig. Ein rein geistiger Ersatz einer materiellen Gabe ist als solcher zu verstehen und wird nicht als wortgleiche äußere Durchführung ausgegeben.
Richte die Gaben vor Beginn so ein, dass während der Verehrung nichts gesucht werden muss. Bestimme den verwendeten Mantra und den Verehrungsträger. Die Materialanordnung ist eine redaktionelle Durchführungshilfe; verbindliche Sondergaben stehen bei den Einzelbelegen.
Durchführung
1. Sammeln und den Vorsatz fassen
Setze dich aufrecht vor den Verehrungsplatz, erinnere dich an den Guru und richte deine Absicht auf die in diesem Artikel genannte Gottheit. Fasse den Vorsatz in klaren eigenen Worten. Die anschließend verwendete Mantraform wird für die ganze Durchführung beibehalten.
2. Grundmantra
aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ
Aim Hrim Shrim Klim, o Kali, Aim Hrim Shrim Klim.
3. Innere Vorbereitung und Nyasa
Ausgeschriebene Hand- und Körperfolge
Führe zuerst den Handnyasa, anschließend den Körpernyasa in der Tabellenreihenfolge aus. Die ausgeschriebene Folge setzt die Gliederregel aus P2-1413 und P2-0082–0083 um. Die Ortsnamen in der Tabelle geben zugleich die Bedeutung der Zuordnungsformeln an; die Abschlusslaute bleiben Ritualausrufe.
| Nr. | Handstelle | Handformel | Körperstelle | Körperformel |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Beide Daumen | aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
Herz | aiṃ hṛdayāya namaḥ |
| 2 | Beide Zeigefinger | hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
Kopf | hrīṃ śirase svāhā |
| 3 | Beide Mittelfinger | śrīṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
Haarschopf | śrīṃ śikhāyai vaṣaṭ |
| 4 | Beide Ringfinger | klīṃ anāmikābhyāṃ hūṃ |
Schutzpanzer | klīṃ kavacāya hūṃ |
| 5 | Beide kleinen Finger | kālike kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
Drei Augen | kālike netratrayāya vauṣaṭ |
| 6 | Handflächen und Handrücken | klīṃ śrīṃ hrīṃ aiṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
Waffe / Abgrenzung | klīṃ śrīṃ hrīṃ aiṃ astrāya phaṭ |
Vollziehe die morgendliche Vorbereitung und die für diese Mantraform vorgeschriebenen inneren Reinigungen. Setze die genannten Sitzkräfte im Herzlotus ein. Beim Sehernyasa werden Seher, Versmaß und Gottheit an Kopf, Mund und Herz zugeordnet. Führe danach den besonderen Hand- und Körpernyasa aus. Die folgenden Belege bestimmen die konkreten Namen, Laute und Zuordnungen; es wird keine fremde Gottheitsform eingesetzt.
Beleg P2-1412:
pūjākramaḥ:
prātaḥkṛtyādi praṇāyāmāyāntaṃ karma kṛtvā ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi bhṛgu-ṛṣaye namaḥ, mukhe nivṛcchandase namaḥ, hṛdi
śmaśānakālikāyai devatāyai namaḥ, guhye vāgbījāya namaḥ,
pādayoḥ hrīṃ śaktaye namaḥ, sarvāṅge kāmabījakīlakāya namaḥ
|| 57 ||
Das Verfahren der Verehrung: Nach den Morgenhandlungen und allem bis zur Atemregelung führe man den Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen aus: am Kopf „Verehrung dem Seher Bhṛgu!“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Nivṛt!“, im Herzen „Verehrung der Gottheit Śmaśānakālikā!“, im Genitalbereich „Verehrung dem Vāk-Bīja!“, an den Füßen „Hrīṃ, Verehrung der Śakti!“, am gesamten Körper „Verehrung dem Kāma-Bīja als Kīlaka!“
Beleg P2-1413:
tataḥ karāṅganyāsau:
aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā, śrīṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, klīṃ anāmikābhyāṃ hūṃ, kālike
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
klīṃ, ādivāgbhavāntaṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ | evaṃ
hṛdayādiṣu
|| 58 ||
Dann Hand- und Körper-Nyāsa: „Aiṃ, Verehrung den beiden Daumen! Hrīṃ, den beiden Zeigefingern, svāhā! Śrīṃ, den beiden Mittelfingern, vaṣaṭ! Klīṃ, den beiden Ringfingern, hūṃ! Kālike, den beiden kleinen Fingern, vauṣaṭ!“ Dann die Folge von klīṃ bis zum anfänglichen Vāgbhava-Bīja an Handflächen und Handrücken, mit phaṭ. Ebenso an Herz und den weiteren Körperstellen.
4. Dhyana und innere Darbringung
Vergegenwärtige die Gottheit nach dem folgenden Dhyana. Nimm Farbe, Gestalt, Haltung, Attribute und Sitz als zusammengehöriges Bild wahr. Sprich den Dhyana-Text und verweile in der Vorstellung. Bringe danach die Gaben zunächst innerlich dar, wie es die Quelle vor der äußeren Verehrung vorsieht.
Beleg P2-1414:
tato dhyānam:
añjanādrinibhāṃ devīṃ śmaśānālayavāsinīm |
raktanetrāṃ muktakeśīṃ śuddhamāṃsātibhairavām |
piṅgākṣīṃ vāmahastena madyapūrṇaṃ samāṃsakam |
sadyaḥkṛttaśiro dakṣahastena dadhatīṃ śivām |
smitavaktrāṃ sadā cāmamāṃsacarvaṇatatparām |
nānālaṅkārabhūṣāṅgīṃ nagnāṃ mattāṃ sadāsavaiḥ
|| 59 ||
Dann die Meditation: „Die Göttin gleicht einem Berg aus schwarzer Augensalbe und wohnt auf dem Verbrennungsplatz. Sie hat rote Augen, offenes Haar und ist durch reines Fleisch überaus furchtbar. Sie ist gelbäugig; in der linken Hand hält sie [ein Gefäß] voller Alkohol mit Fleisch, in der rechten einen frisch abgetrennten Kopf. Die Heilbringende hat ein lächelndes Gesicht und ist stets damit beschäftigt, rohes Fleisch zu kauen. Ihre Glieder sind mit vielfältigem Schmuck geschmückt; sie ist nackt und stets von alkoholischen Getränken berauscht.“ [Die Angabe śuddhamāṃsa, „reines Fleisch“, bleibt in dieser Form ungewöhnlich.]
5. Den Sitz verehren und die Gottheit anrufen
Bereite das Arghya vor und verehre den äußeren Sitz mit den für diese Gottheit bezeichneten Kräften. Wenn ein Yantra verwendet wird, halte die im Einzelbeleg genannten Ebenen und Richtungen auseinander. Stelle die Gottheit im Zentrum vor und rufe sie mit dem Grundmantra an.
Beleg P2-1411:
(śmaśānakālī
yantram citra 41)
asyāyantram:
padmamaṣṭadalaṃ vṛttaṃ tadvāhye dharaṇītalam |
caturdvārasamāyuktaṃ madhye mūlaṃ samālikhet |
daleṣvaṣṭasu vilikhet kavargādyaṣṭavargakam |
dharaṇyāṃ vilekhedādyaṃ catuṣkañca catuṣkake |
pūrvādi - uttarāntañca madhye devīṃ prapūjayet
|| 56 ||
[Śmaśānakālī-Yantra, Abbildung 41.] Ihr Yantra: „Ein achtblättriger Lotus, ein Kreis und außerhalb das Erdquadrat mit vier Toren; in die Mitte schreibe man das Grundmantra. Auf die acht Blätter schreibe man die acht Lautgruppen, beginnend mit der ka-Gruppe. In die vier Teile des Erdquadrats schreibe man die ersten vier [Bījas], beginnend mit Osten und endend im Norden. In der Mitte verehre man die Göttin.“
Die allgemeine Anrufungsformel P1-0536 wird nach dem Grundmantra an die gewählte Gottheit gerichtet:
ihāgaccha ihāgaccha | iha tiṣṭha iha tiṣṭha | iha sannidhehi iha sannidhehi | iha sannirudhyasva ||
„Komm hierher, komm hierher. Bleibe hier, bleibe hier. Sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig. Verweile hier gesammelt.“
Begleite die Anrufung mit den unterwiesenen Mudras. Die besondere Vorschrift der Gottheit bestimmt die anschließende Einsetzung der Lebenskraft. Die im Beleg zugleich erwähnten späteren Schritte werden an ihrem Platz in der folgenden Reihenfolge ausgeführt.
6. Gaben bis zu den Blüten und die Umkreisverehrung
Bringe die im Einzelritual genannten Gaben bis einschließlich der Blüten dar. Bei sechzehn Upacaras sind die dort genannten Gaben vollständig einzubeziehen. Wo fünf Blumenhandvoll vorgeschrieben sind, bringe sie mit dem Grundmantra an Scheitel, Herz, Grundlage, Füßen und der gesamten vorgestellten Gestalt dar. Erst anschließend folgt der bezeichnete Umkreis. Diese fünf Zuordnungen folgen P2-0104.
| Reihenfolge und Gabe | Handlung | Rezitation |
|---|---|---|
| 1. Sitz | Biete der vergegenwärtigten Gottheit ihren Sitz an. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 2. Willkommen | Begrüße die Gottheit mit gefalteten Händen. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 3. Fußwasser | Bringe eine kleine Wassergabe an den vorgestellten Füßen dar. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 4. Arghya | Reiche das vorbereitete Ehrenwasser dar. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 5. Mundspülwasser | Biete eine frische Wassergabe an. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 6. Madhuparka | Bringe die Mischung aus Ghī, Joghurt und Honig dar; Zusammensetzung nach P1-0539. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 7. Erneutes Mundspülen | Reiche nach dem Madhuparka nochmals Wasser dar. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 8. Bad | Bringe das Badewasser dar; ein empfindliches Bild wird nicht mit ungeeigneten Flüssigkeiten übergossen. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 9. Gewand | Reiche das vorgesehene Gewand dar. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 10. Schmuck | Biete den Schmuck an. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 11. Duftstoff | Bringe den Duftstoff dar. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
| 12. Blüten | Lege die Blüten mit ihrer natürlichen Oberseite nach oben nieder. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ |
Deutsche Bedeutung der bei jeder Gabe wiederholten Formel: Aim Hrim Shrim Klim, o Kali, Aim Hrim Shrim Klim. Die nachfolgenden vier Glieder sind Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung. Sie werden an den unten bezeichneten Stellen ausgeführt. Damit sind die sechzehn Gaben aus P2-0099 vollständig berücksichtigt.
Im eigenen Ausschnitt ist keine besondere Namens- und Richtungsfolge des Umkreises ausgeschrieben. Eine solche Folge wird hier nicht ergänzt.
7. Räucherwerk, Licht und Speise; Übersicht der fünf Gaben
Nach der Umkreisverehrung folgen Räucherwerk, Licht und Speise. Duftstoff und Blüten sind in der Tabelle zur Übersicht nochmals genannt und werden nicht deshalb ein zweites Mal verlangt. Wo die besondere Anweisung sechzehn oder weitere Gaben nennt, führe diese vollständig aus. Die gemeinsame Gruppe der fünf Gaben besteht nach P2-0100 aus Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise. P1-0540 schreibt vor, bei jeder Gabe den Grundmantra zu sprechen. Verwende dabei ausschließlich den oben bezeichneten Mantra dieser Ritualform.
| Gabe | Konkrete Handlung | Rezitation und Bedeutung |
|---|---|---|
| Duftstoff | Bringe den Duftstoff vor der Gottheit dar. | Sprich aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ ; die Gabe bedeutet: „Dir bringe ich diesen Duft dar.“ |
| Blüten | Lege die Blüten auf dem vorgesehenen Platz nieder, mit der natürlichen Oberseite nach oben. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ ; danach, nach P1-0540: etāni puṣpāṇi vauṣaṭ – „Diese Blüten, vaushat.“ |
| Räucherwerk | Lass die Glocke mit der linken Hand erklingen und führe das Räuchergefäß vor der Gottheit. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ ; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich diesen Duft des Räucherwerks dar.“ |
| Licht | Bringe die brennende Lampe vor der Gottheit bis zur Höhe ihres Blickes dar. | aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ kālike aiṃ hrīṃ śrīṃ klīṃ ; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich dieses Licht dar.“ |
| Speise | Stelle die Speise vor die Gottheit. Besprenge sie mit phaṭ , rezitiere den Grundmantra achtmal und vollziehe die unterwiesene Dhenu-Mudra. Reiche die Gabe mit dem Grundmantra dar. |
phaṭ ist der rituelle Abgrenzungslaut; der Grundmantra richtet die Gabe an die Gottheit. Die achtsfache Besprechung folgt P2-0106. |
Die deutschen Sätze erläutern die Gaben; sie sind keine dem Brihat Tantrasara zugeschriebenen Sanskritverse. Die konkreten Mantra-Zusätze, die im Einzelritual stehen, haben Vorrang. Die einfachen Handhabungshinweise führen die Angaben P2-0100, P2-0103–0106 und P1-0540 aus.
8. Japa, Darbringung und Abschluss
Setze dich nach den äußeren Gaben gesammelt hin und wiederhole den Grundmantra dieser Form. Wenn die besondere Paddhati keine Sitzungszahl nennt, nennt die allgemeine Ordnung 100 oder 1008 Wiederholungen (P2-0111). Eine Purascharana-Gesamtzahl ist davon zu unterscheiden.
Bringe das vollzogene Japa der Gottheit dar. Die allgemeine Formel lautet in einer redaktionell geglätteten Lesefassung:
oṃ guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthite ||
„Om. Du Hüterin des Allerverborgensten, nimm das von uns vollzogene Japa an. Möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, o Göttin, da du in mir gegenwärtig bist.“
Die Formen guhyāti-/gṛhāṇāsmat- sind gegenüber dem beschädigten Wortabstand der Vorlage grammatisch geglättet; der Sanskritwortlaut von P2-0111 bleibt als Beleg erhalten. Preist die betreffende Tradition die Gottheit mit einem eigenen Stotra, schließt sich dieses hier an. Verneige dich anschließend.
Führe die Umkreisgottheiten innerlich in die Hauptgottheit zurück. Sprich:
kṣamasva
„Verzeihe!“
Vollziehe die unterwiesene Samhara-Mudra, nimm den Duft der dargebrachten Blüte wahr und führe den Lichtglanz der Gottheit in den Lotus deines Herzens zurück (P2-0120). Verweile einen Augenblick in dieser Gegenwart. Die Quelle beschreibt damit die Rücknahme der rituellen Anrufung; die Verehrung wirkt als Erinnerung im Alltag weiter.
Purascharana: gesonderter Gesamtumfang
Die folgenden Zahlen betreffen die besondere Vollendungspraxis und sind kein zusätzliches Soll jeder einzelnen Puja. Sie werden zusammen mit dem Guru dem gewählten Mantra zugeordnet. Ein hier genanntes Feueropfer benötigt seine eigene vollständige Homa-Ordnung.
P2-1417: Ihr Puraścaraṇa umfasst 1.100.000 Wiederholungen. Ferner: „Man wiederhole das Mantra je Silbe 100.000-mal und bringe ein Zehntel davon als Feueropfer dar.“
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P2-1410 · Originalnummer 55
atha śmaśānakālīmantraḥ
kālītantre:
vāṇīṃ māyāṃ tato lakṣmīṃ kāmabījamataḥ param |
kālike saṃpuṭatvena catuṣkaṃ bījamālikhet |
ekādaśārṇā deveśi caturvargapradāyinī
|| 55 ||
Nun das Śmaśānakālī-Mantra. Im Kālītantra: „Vāṇī, Māyā, danach Lakṣmī und das Kāma-Bīja; man schreibe kālike, umschlossen von diesen vier Bījas. O Herrin der Götter, die elfsilbige [Vidyā] verleiht die vier Lebensziele.“ [Die Anrufung kālike bedeutet „O Kālī!“]
P2-1411 · Originalnummer 56
(śmaśānakālī
yantram citra 41)
asyāyantram:
padmamaṣṭadalaṃ vṛttaṃ tadvāhye dharaṇītalam |
caturdvārasamāyuktaṃ madhye mūlaṃ samālikhet |
daleṣvaṣṭasu vilikhet kavargādyaṣṭavargakam |
dharaṇyāṃ vilekhedādyaṃ catuṣkañca catuṣkake |
pūrvādi - uttarāntañca madhye devīṃ prapūjayet
|| 56 ||
[Śmaśānakālī-Yantra, Abbildung 41.] Ihr Yantra: „Ein achtblättriger Lotus, ein Kreis und außerhalb das Erdquadrat mit vier Toren; in die Mitte schreibe man das Grundmantra. Auf die acht Blätter schreibe man die acht Lautgruppen, beginnend mit der ka-Gruppe. In die vier Teile des Erdquadrats schreibe man die ersten vier [Bījas], beginnend mit Osten und endend im Norden. In der Mitte verehre man die Göttin.“
P2-1412 · Originalnummer 57
pūjākramaḥ:
prātaḥkṛtyādi praṇāyāmāyāntaṃ karma kṛtvā ṛṣyādinyāsaṃ
kuryāt |
śirasi bhṛgu-ṛṣaye namaḥ, mukhe nivṛcchandase namaḥ, hṛdi
śmaśānakālikāyai devatāyai namaḥ, guhye vāgbījāya namaḥ,
pādayoḥ hrīṃ śaktaye namaḥ, sarvāṅge kāmabījakīlakāya namaḥ
|| 57 ||
Das Verfahren der Verehrung: Nach den Morgenhandlungen und allem bis zur Atemregelung führe man den Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen aus: am Kopf „Verehrung dem Seher Bhṛgu!“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Nivṛt!“, im Herzen „Verehrung der Gottheit Śmaśānakālikā!“, im Genitalbereich „Verehrung dem Vāk-Bīja!“, an den Füßen „Hrīṃ, Verehrung der Śakti!“, am gesamten Körper „Verehrung dem Kāma-Bīja als Kīlaka!“
P2-1413 · Originalnummer 58
tataḥ karāṅganyāsau:
aiṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ, hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā, śrīṃ
madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, klīṃ anāmikābhyāṃ hūṃ, kālike
kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
klīṃ, ādivāgbhavāntaṃ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ | evaṃ
hṛdayādiṣu
|| 58 ||
Dann Hand- und Körper-Nyāsa: „Aiṃ, Verehrung den beiden Daumen! Hrīṃ, den beiden Zeigefingern, svāhā! Śrīṃ, den beiden Mittelfingern, vaṣaṭ! Klīṃ, den beiden Ringfingern, hūṃ! Kālike, den beiden kleinen Fingern, vauṣaṭ!“ Dann die Folge von klīṃ bis zum anfänglichen Vāgbhava-Bīja an Handflächen und Handrücken, mit phaṭ. Ebenso an Herz und den weiteren Körperstellen.
P2-1414 · Originalnummer 59
tato dhyānam:
añjanādrinibhāṃ devīṃ śmaśānālayavāsinīm |
raktanetrāṃ muktakeśīṃ śuddhamāṃsātibhairavām |
piṅgākṣīṃ vāmahastena madyapūrṇaṃ samāṃsakam |
sadyaḥkṛttaśiro dakṣahastena dadhatīṃ śivām |
smitavaktrāṃ sadā cāmamāṃsacarvaṇatatparām |
nānālaṅkārabhūṣāṅgīṃ nagnāṃ mattāṃ sadāsavaiḥ
|| 59 ||
Dann die Meditation: „Die Göttin gleicht einem Berg aus schwarzer Augensalbe und wohnt auf dem Verbrennungsplatz. Sie hat rote Augen, offenes Haar und ist durch reines Fleisch überaus furchtbar. Sie ist gelbäugig; in der linken Hand hält sie [ein Gefäß] voller Alkohol mit Fleisch, in der rechten einen frisch abgetrennten Kopf. Die Heilbringende hat ein lächelndes Gesicht und ist stets damit beschäftigt, rohes Fleisch zu kauen. Ihre Glieder sind mit vielfältigem Schmuck geschmückt; sie ist nackt und stets von alkoholischen Getränken berauscht.“ [Die Angabe śuddhamāṃsa, „reines Fleisch“, bleibt in dieser Form ungewöhnlich.]
P2-1415 · Originalnummer 60
evaṃ dhyātvā japeddevīṃ śmaśāne tu viśeṣataḥ |
gṛhe vāpi gṛhastho'pi matsyamāṃsasubhojanaiḥ |
nagno bhūtvā mahāpūjāṃ kuryādrātrau viśeṣataḥ
|| 60 ||
„Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [das Mantra] der Göttin besonders auf dem Verbrennungsplatz. Auch ein Haushalter [kann dies] zu Hause mit guten Speisen aus Fisch und Fleisch [ausführen]. Nackt geworden vollziehe man besonders nachts die große Verehrung.“
P2-1416 · Originalnummer 61
pūjanantu:
dhyātvā mānasaiḥ sampūjyārghyasthāpanaṃ kuryāt | punardhyātvā
pañcopacāraiḥ sampūjya, patreṣu brāhmyādikāḥ pūjayet |
tadvahirasitāṅgādibhairavān pūjayet
|| 61 ||
Die Verehrung: Man meditiere, verehre mit geistigen Gaben und bereite das Arghya. Man meditiere erneut und verehre mit fünf Gaben; auf den Blütenblättern verehre man Brāhmī und die übrigen [Mütter]. Außerhalb davon verehre man die Bhairavas, beginnend mit Asitāṅga.
P2-1417 · Originalnummer 62
asyāḥ puraścaraṇaṃ ekādaśalakṣajapaḥ |
tathā ca:
varṇalakṣaṃ japenmantraṃ taddaśāṃśena homayet
|| 62 ||
Ihr Puraścaraṇa umfasst 1.100.000 Wiederholungen. Ferner: „Man wiederhole das Mantra je Silbe 100.000-mal und bringe ein Zehntel davon als Feueropfer dar.“
Ausgeschriebene Belege zu den Rückverweisen
Diese Stellen liefern die im Hauptbeleg vorausgesetzten Zuordnungen und Handlungen. Das Grundmantra bleibt dasjenige der oben bezeichneten Ritualform; ein anderer Mantra im Vergleichsbeleg wird nicht zusätzlich übernommen.
P1-0536 · Originalnummer 40 · Rückverweis
tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||
Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.
P1-0540 · Originalnummer 44 · Rückverweis
tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||
Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.
P2-0100 · Originalnummer 95 · Rückverweis
athavā eṣāmapyabhāve pañcopacārān kalpayet |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcoparacārikā iti
|| 95 ||
Oder man soll, wenn auch diese Gaben fehlen, fünf Verehrungsgaben bereitstellen. Die Verehrung mit fünf Gaben reicht vom Duftstoff bis zur Speise: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise.
P2-0103 · Originalnummer 98 · Rückverweis
puṣpadāne tu viśeṣaḥ:
puṣpaṃ vā yadi vā patraṃ phale neṣṭhamadhomukham |
duḥkhadaṃ tatsamādhyātaṃ yathotpannaṃ tathārpaṇaṃ |
adhomukha phalaṃ neṣṭaṃ puṣpāñjalividhau na ca |
sarvasva dravyadāne'yaṃ kramaḥ |
ādau mūlaṃ tato dravyaṃ devatāyai tataḥ padam |
śrītattvacintāmaṇau:
hṛdvahnivallabhātoyamantraṃ pādyādiṣu kramāt |
namo vauṣaṭ gandhapuṣpe hṛdānyāni nivedayet |
mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
ityādinā syāt
|| 98 ||
Für das Darbringen von Blumen gilt eine besondere Regel: Eine Blume, ein Blatt oder eine Frucht soll nicht mit der Oberseite nach unten dargebracht werden. Eine solche Gabe gilt als leidbringend; man soll sie so darbringen, wie sie gewachsen ist. Eine nach unten gerichtete Frucht ist nicht erwünscht; bei der Handvoll Blumen, puṣpāñjali, gilt diese Einschränkung nicht. Für alle Gaben gilt folgende Reihenfolge: zuerst das Grundmantra, dann die Bezeichnung der Gabe, danach die Bezeichnung der Gottheit. Im Śrītattvacintāmaṇi heißt es: Für Fußwasser und die folgenden Wassergaben verwendet man der Reihe nach namaḥ, svāhā und das Wassermantra; für Duftstoff namaḥ, für Blumen vauṣaṭ, für die übrigen Gaben namaḥ. Nachdem man das Grundmantra ausgesprochen hat, sagt man beispielsweise: „Dieses Fußwasser für die Gottheit [Name], namaḥ.“ [„toyamantra“ bezeichnet hier das Wassermantra; dessen genaue Lautform wird an dieser Stelle nicht angegeben. Die erste Verszeile ist in ihrer Zuordnung verkürzt.]
P2-0104 · Originalnummer 99 · Rückverweis
tato mūrddhahṛdguhyapādasarvāṅgakeṣu mūlena
pañcapuṣpāñjalīna dattvā tattatkalpoktāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tathā ca:
pañcapuṣpāñjalīn dattvā parivārārcanaṃ carediti bhaṭṭaḥ |
tato dhūpadīpau dadyāt
|| 99 ||
Dann bringt man mit dem Grundmantra fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der verborgenen Stelle, an den Füßen und am ganzen Körper. Anschließend vollzieht man die Verehrung der umgebenden Gottheiten nach dem betreffenden Ritualtext. Dazu sagt Bhaṭṭa: „Nachdem man fünf Handvoll Blumen gegeben hat, vollziehe man die Verehrung des Gefolges.“ Danach soll man Räucherwerk und Licht darbringen.
P2-0105 · Originalnummer 100 · Rückverweis
tadyathā:
jayadhvani - mantramātaḥ rvāheti puṣpākṣatairghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena tāṃ vādayan, tattanmantreṇa nīcairdhūpaṃ evaṃ
dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ dadyāt
|| 100 ||
Dies geschieht so: Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrt man die Glocke unter dem Mantra „jayadhvani-mantramātaḥ … svāhā“. Dann läutet man sie mit der linken Hand und bringt mit dem jeweiligen Mantra das Räucherwerk niedrig, das Licht dagegen bis zur Höhe der Augen dar. [Der Glockenmantrawortlaut ist durch „rvāheti“ beschädigt; „jayadhvani“ bedeutet Siegesklang, „mantramātaḥ“ Mutter der Mantras. Eine vollständige Lautform lässt sich hier nicht sicher herstellen.]
P2-0106 · Originalnummer 1 · Rückverweis
tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, naivedyamānīya, phaḍiti
samprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
dhunumudrayā amṛtīkṛtya, mūlamuccārya naivedyaṃ dadyāt |
yattoyamadhyaṃpātrasya tadādāya nivedayet |
anyatoyairyadutsṛṣṭamarghyapātrasthitetaraiḥ |
na gṛhṇāti mahādevo dattaṃ vidhiśatairapi |
iti vacanādupārānarghyapātrasthalenotsṛjya dadyāt
|| 1 ||
Dann gibt man mit dem Grundmantra drei Handvoll Blumen, bringt die Speise herbei, besprengt sie mit „phaṭ“, schützt sie durch die Cakramudrā, wiederholt das Grundmantra achtmal über ihr, verwandelt sie mit der Dhenumudrā in Nektar und reicht sie unter Aussprechen des Grundmantras dar. Man soll das Wasser aus dem Arghyagefäß nehmen und damit die Gabe weihen. Wird sie mit anderem Wasser geweiht, das sich nicht im Arghyagefäß befindet, nimmt Mahādeva sie selbst bei hundert vorgeschriebenen Verfahren nicht an. Nach diesem Ausspruch soll man die Verehrungsgaben mit dem Wasser des Arghyagefäßes weihen und darbringen. [„dhunumudrayā“ und die abschließende Prosa sind fehlerhaft überliefert; die erkennbare Dhenumudrā und die Weihung mit Arghyawasser bestimmen den Sinn.]
P2-0111 · Originalnummer 6 · Rückverweis
tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||
Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]
P2-0120 · Originalnummer 15 · Rückverweis
tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||
Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P2-1410
अथ श्मशानकालीमन्त्रः
कालीतन्त्रे:
वाणीं मायां ततो लक्ष्मीं कामबीजमतः परम् ।
कालिके संपुटत्वेन चतुष्कं बीजमालिखेत् ।
एकादशार्णा देवेशि चतुर्वर्गप्रदायिनी
॥ ५५ ॥
P2-1411
(श्मशानकाली
यन्त्रम् चित्र ४१)
अस्यायन्त्रम्:
पद्ममष्टदलं वृत्तं तद्वाह्ये धरणीतलम् ।
चतुर्द्वारसमायुक्तं मध्ये मूलं समालिखेत् ।
दलेष्वष्टसु विलिखेत् कवर्गाद्यष्टवर्गकम् ।
धरण्यां विलेखेदाद्यं चतुष्कञ्च चतुष्कके ।
पूर्वादि - उत्तरान्तञ्च मध्ये देवीं प्रपूजयेत्
॥ ५६ ॥
P2-1412
पूजाक्रमः:
प्रातःकृत्यादि प्रणायामायान्तं कर्म कृत्वा ऋष्यादिन्यासं
कुर्यात् ।
शिरसि भृगु-ऋषये नमः, मुखे निवृच्छन्दसे नमः, हृदि
श्मशानकालिकायै देवतायै नमः, गुह्ये वाग्बीजाय नमः,
पादयोः ह्रीं शक्तये नमः, सर्वाङ्गे कामबीजकीलकाय नमः
॥ ५७ ॥
P2-1413
ततः कराङ्गन्यासौ:
ऐं अंगुष्ठाभ्यां नमः, ह्रीं तर्जनीभ्यां स्वाहा, श्रीं
मध्यमाभ्यां वषट्, क्लीं अनामिकाभ्यां हूं, कालिके
कनिष्ठाभ्यां वौषट् ।
क्लीं, आदिवाग्भवान्तं करतलपृष्ठाभ्यां फट् । एवं
हृदयादिषु
॥ ५८ ॥
P2-1414
ततो ध्यानम्:
अञ्जनाद्रिनिभां देवीं श्मशानालयवासिनीम् ।
रक्तनेत्रां मुक्तकेशीं शुद्धमांसातिभैरवाम् ।
पिङ्गाक्षीं वामहस्तेन मद्यपूर्णं समांसकम् ।
सद्यःकृत्तशिरो दक्षहस्तेन दधतीं शिवाम् ।
स्मितवक्त्रां सदा चाममांसचर्वणतत्पराम् ।
नानालङ्कारभूषाङ्गीं नग्नां मत्तां सदासवैः
॥ ५९ ॥
P2-1415
एवं ध्यात्वा जपेद्देवीं श्मशाने तु विशेषतः ।
गृहे वापि गृहस्थोऽपि मत्स्यमांससुभोजनैः ।
नग्नो भूत्वा महापूजां कुर्याद्रात्रौ विशेषतः
॥ ६० ॥
P2-1416
पूजनन्तु:
ध्यात्वा मानसैः सम्पूज्यार्घ्यस्थापनं कुर्यात् । पुनर्ध्यात्वा
पञ्चोपचारैः सम्पूज्य, पत्रेषु ब्राह्म्यादिकाः पूजयेत् ।
तद्वहिरसिताङ्गादिभैरवान् पूजयेत्
॥ ६१ ॥
P2-1417
अस्याः पुरश्चरणं एकादशलक्षजपः ।
तथा च:
वर्णलक्षं जपेन्मन्त्रं तद्दशांशेन होमयेत्
॥ ६२ ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P2-1410
Nun das Śmaśānakālī-Mantra. Im Kālītantra: „Vāṇī, Māyā, danach Lakṣmī und das Kāma-Bīja; man schreibe kālike, umschlossen von diesen vier Bījas. O Herrin der Götter, die elfsilbige [Vidyā] verleiht die vier Lebensziele.“ [Die Anrufung kālike bedeutet „O Kālī!“]
P2-1411
[Śmaśānakālī-Yantra, Abbildung 41.] Ihr Yantra: „Ein achtblättriger Lotus, ein Kreis und außerhalb das Erdquadrat mit vier Toren; in die Mitte schreibe man das Grundmantra. Auf die acht Blätter schreibe man die acht Lautgruppen, beginnend mit der ka-Gruppe. In die vier Teile des Erdquadrats schreibe man die ersten vier [Bījas], beginnend mit Osten und endend im Norden. In der Mitte verehre man die Göttin.“
P2-1412
Das Verfahren der Verehrung: Nach den Morgenhandlungen und allem bis zur Atemregelung führe man den Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen aus: am Kopf „Verehrung dem Seher Bhṛgu!“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Nivṛt!“, im Herzen „Verehrung der Gottheit Śmaśānakālikā!“, im Genitalbereich „Verehrung dem Vāk-Bīja!“, an den Füßen „Hrīṃ, Verehrung der Śakti!“, am gesamten Körper „Verehrung dem Kāma-Bīja als Kīlaka!“
P2-1413
Dann Hand- und Körper-Nyāsa: „Aiṃ, Verehrung den beiden Daumen! Hrīṃ, den beiden Zeigefingern, svāhā! Śrīṃ, den beiden Mittelfingern, vaṣaṭ! Klīṃ, den beiden Ringfingern, hūṃ! Kālike, den beiden kleinen Fingern, vauṣaṭ!“ Dann die Folge von klīṃ bis zum anfänglichen Vāgbhava-Bīja an Handflächen und Handrücken, mit phaṭ. Ebenso an Herz und den weiteren Körperstellen.
P2-1414
Dann die Meditation: „Die Göttin gleicht einem Berg aus schwarzer Augensalbe und wohnt auf dem Verbrennungsplatz. Sie hat rote Augen, offenes Haar und ist durch reines Fleisch überaus furchtbar. Sie ist gelbäugig; in der linken Hand hält sie [ein Gefäß] voller Alkohol mit Fleisch, in der rechten einen frisch abgetrennten Kopf. Die Heilbringende hat ein lächelndes Gesicht und ist stets damit beschäftigt, rohes Fleisch zu kauen. Ihre Glieder sind mit vielfältigem Schmuck geschmückt; sie ist nackt und stets von alkoholischen Getränken berauscht.“ [Die Angabe śuddhamāṃsa, „reines Fleisch“, bleibt in dieser Form ungewöhnlich.]
P2-1415
„Nachdem man so meditiert hat, wiederhole man [das Mantra] der Göttin besonders auf dem Verbrennungsplatz. Auch ein Haushalter [kann dies] zu Hause mit guten Speisen aus Fisch und Fleisch [ausführen]. Nackt geworden vollziehe man besonders nachts die große Verehrung.“
P2-1416
Die Verehrung: Man meditiere, verehre mit geistigen Gaben und bereite das Arghya. Man meditiere erneut und verehre mit fünf Gaben; auf den Blütenblättern verehre man Brāhmī und die übrigen [Mütter]. Außerhalb davon verehre man die Bhairavas, beginnend mit Asitāṅga.
P2-1417
Ihr Puraścaraṇa umfasst 1.100.000 Wiederholungen. Ferner: „Man wiederhole das Mantra je Silbe 100.000-mal und bringe ein Zehntel davon als Feueropfer dar.“
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Durga Puja
- Kali Puja
- Devi Archanam
- Durga Nityarchana Krama
- Shrichakra Navavarana Puja
- Mahalakshmi Puja Vidhi
- Lakshmi Puja
- Pushpanjali
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Dhanada Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Shmashanakali Puja mit Klim Kalikayai Namah nach dem Brihat Tantrasara
- Bagalamukhi Puja mit der ersten Vidya nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.