Sancita karma

Sancita karma (Sanskrit: सञ्चितकर्मन् sañcitakarman n.) = das aufgespeicherte bzw. 'angehäufte' (sañcita) Karma
Der Sanskrit-Ausdruck „Sancita karma“ (auch „Sanchita Karma“ geschrieben) bezeichnet die gesamte Summe deiner vergangenen Handlungen, Gedanken und Absichten aus all deinen früheren Leben – sozusagen den „gespeicherten Vorrat“ an Karma, der noch nicht zur Wirkung gekommen ist. Stell dir vor, dein Karma wäre wie ein riesiges Lagerhaus: Alles, was du jemals getan, gesagt oder gedacht hast, lagert dort als unsichtbare, aber wirksame Potenziale. Dieses gespeicherte Karma wartet darauf, unter geeigneten Bedingungen in deinem gegenwärtigen oder in zukünftigen Leben als Erfahrung, Schicksal oder Herausforderung aufzutauchen.
In der yogischen und hinduistischen Lehre wird Sancita Karma von zwei anderen Karma-Formen unterschieden: „Prarabdha Karma“ (das bereits begonnene, reifende Karma, das du im aktuellen Leben durchlebst) und „Agami Karma“ (das neue Karma, das du jetzt erschaffst). Dein Sancita Karma ist wie ein ungeheuer großer, schlummernder Berg, aus dem sich immer wieder ein Teil als Prarabdha Karma ablöst und dir in diesem Leben begegnet. Gleichzeitig kannst du durch bewusstes Handeln, Meditation und spirituelle Praxis verhindern, dass neues Agami Karma den Berg weiter anschwellen lässt.
Im Yoga, besonders im Jnana Yoga (Weg der Erkenntnis) und im Bhakti Yoga (Weg der Hingabe), geht es nicht nur darum, gutes Karma zu sammeln, sondern letztlich darum, das gesamte Sancita Karma zu „verbrennen“ – also die Bindung an die Früchte deiner Handlungen zu lösen. Wenn du wirklich erkennst, dass du nicht der Handelnde bist, sondern das reine Bewusstsein (Purusha), dann verlieren alle gespeicherten Eindrücke ihre Macht über dich. Die Yoga-Sutras von Patanjali beschreiben diesen Prozess als das Auslöschen der „Kleshas“ (Leiden verursachenden Muster) und der „Vasanas“ (tief sitzenden Neigungen), die im Sancita Karma schlummern.
Für dich als Übenden heißt das: Du musst dich nicht von der unvorstellbaren Menge deines Sancita Karma erdrücken lassen. Jeder bewusste Atemzug, jede achtsame Asana, jede Meditation ist eine Gelegenheit, ein Stück dieses alten Vorrats zu transformieren. Du arbeitest nicht gegen dein Karma, sondern mit ihm.