Johann Gottfried Herder

Aus Yogawiki
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Johann Gottfried von Herder, geadelt 1802, (* 25. August 1744 in Mohrungen, Preußen; † 18. Dezember 1803 in Weimar, Sachsen-Weimar) war ein deutscher Dichter, Übersetzer, Theologe sowie Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik. Johann Gottfried Herder hielt indische Kunst, Kultur und Literatur in hoher Wertschätzung. Johann Gottfried Herder war damit geistesgeschichtlich einer der Wegbereiter des Yoga in Europa.

Johann Gottfried Herder gemalt von Gerhard Kügelgen, um 1800

Johann Gottfried Herder war einer der einflussreichsten Schriftsteller und Denker deutscher Sprache im Zeitalter der Aufklärung und zählt mit Christoph Martin Wieland, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller zum klassischen Viergestirn von Weimar.

Johann Gottfried Herder, Yoga und Indische Kultur

Johann Gottfried Herder kannte Indien nur aus Schriftzeugnissen. Er leitete die Indienbegeisterung der Romantik in Deutschland ein. Er verband eine Idealisierung der fremden Kultur mit einer Zivilisationskritik und einer frühen Kritik des Kolonialismus.

Johann Gottfried Herder über die Inder

Johann Gottfried Herder schreibt im Buch "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit":

Mitten im Schoß der höchsten Gebürge liegt das Königreich Kaschmire, verborgen wie ein Paradies der Welt. Fruchtbare und schöne Hügel sind mit höhern und höhern Bergen umschlossen, deren letzte sich, mit ewigem Schnee bedeckt, zu den Wolken erheben. Hier rinnen schöne Bäche und Ströme; das Erdreich schmückt sich mit gesunden Kräutern und Früchten; Inseln und Gärten stehen im erquickenden Grün; mit Viehweiden ist alles überdeckt; giftige und wilde Tiere sind aus diesem Paradiese verbannet. Man könnte, wie Bernier sagt, diese die unschuldigen Berge nennen, auf denen Milch und Honig fließt, und die Menschengattung daselbst ist der Natur nicht unwert. Die Kaschmiren werden für die geistreichsten und witzigsten Indier gehalten, zur Poesie und Wissenschaft, zu Hantierungen und Künsten gleich geschickt, die wohlgebildetsten Menschen und ihre Weiber oft Muster der Schönheit.

Wie glücklich könnte Indostan sein, wenn nicht Menschenhände sich vereinigt hätten, den Garten der Natur zu verwüsten und die unschuldigste der Menschengestalten mit Aberglauben und Unterdrückung zu quälen. Die Hindus sind der sanftmütigste Stamm der Menschen. Kein Lebendiges beleidigen sie gern; sie ehren, was Leben bringt, und nähren sich mit der unschuldigsten Speise, der Milch, dem Reis, den Baumfrüchten, den gesunden Kräutern, die ihnen ihr Mutterland darbeut. »Ihre Gestalt«, sagt ein neuer Reisender, »ist gerade, schlank und schön, ihre Glieder fein proportioniert, ihre Finger lang und zarttastend, ihr Gesicht offen und gefällig, die Züge desselben sind bei dem weiblichen Geschlecht die zartesten Linien der Schönheit, bei dem männlichen einer männlich-sanften Seele. Ihr Gang und ihr ganzes Tragen des Körpers ist im höchsten Grad anmutig und reizend.« Die Beine und Schenkel, die in allen nordöstlichen Ländern litten oder affenartig verkürzt waren, verlängern sich hier und tragen eine sprießende Menschenschönheit. Selbst die mogolische Bildung, die sich mit diesem Geschlecht vermählte, hat sich in Würde und Freundlichkeit verwandelt. Und wie die Leibesgestalt ist auch die ursprüngliche Gestalt ihres Geistes, ja, sofern man sie ohne den Druck des Aberglaubens oder der Sklaverei betrachtet, ihre Lebensweise. Mäßigkeit und Ruhe, ein sanftes Gefühl und eine stille Tiefe der Seele bezeichnen ihre Arbeit und ihren Genuß, ihre Sittenlehre und Mythologie, ihre Künste und selbst ihre Duldsamkeit unter dem äußersten Joch der Menschheit. Glückliche Lämmer, warum konntet ihr nicht auf eurer Aue der Natur ungestört und sorglos weiden?

Aus: Johann Gottfried Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, Zweiter Teil, Sechstes Buch, Organisation des Erdstrichs schöngebildeter Völker

Der Indier setzt seine Glückseligkeit in leidenschaftlose Ruhe, in einen unzerstörbaren Genuß der Heiterkeit und Freude; er atmet Wohllust; er schwimmt in einem Meer süßer Träume und erquickender Gerüche; unsere Üppigkeit hingegen, um deren willen wir alle Weltteile beunruhigen und berauben, was will, was suchet sie? Neue und scharfe Gewürze für eine gestumpfte Zunge, fremde Früchte und Speisen, die wir in einem überfüllenden Gemisch oft nicht einmal kosten, berauschende Getränke, die uns Ruhe und Geist rauben; was nur erdacht werden kann, unsre Natur aufregend zu zerstören, ist das tägliche große Ziel unsres Lebens. Dadurch unterscheiden sich Stände; dadurch beglücken sich Nationen.

Aus: Johann Gottfried Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, Zweiter Teil, Achtes Buch, 1. Die Sinnlichkeit unsres Geschlechts verändert sich.

Im oberen Abschnitt beschreibt Johann Gottfried Herder das Wesen des Yoga: Die Entwicklung von leidenschaftsloses Ruhe, Gelassenheit und Heiterkeit