Gayatri Meditation am Morgen nach dem Brihat Tantrasara
Gayatri Meditation am Morgen nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, Gayatri in der Gestalt Brahmis am Morgen zu vergegenwärtigen.
Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.
Zweck und Voraussetzungen
Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.
Gewählte Form: Gayatri Meditation am Morgen. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.
Vorbereitung und Materialien
Ein ruhiger Sitz. Das einmalige Sprechen und die anschließende stille Sammlung sind redaktionelle Durchführungshilfen; der einzelne Dhyana-Beleg nennt keine feste Sitzungsdauer.
Vorsatz: Formuliere vor Beginn bewusst die Absicht dieser Durchführung. Ein kurzer deutscher Vorsatz genügt als redaktionelle Orientierung: Du vollziehst dieses Ritual in Hingabe an die genannte Gottheit beziehungsweise zur beschriebenen Weihe. Eine traditionelle Sanskrit-Sankalpa-Formel wird nur dort rezitiert, wo sie in der eigenen Überlieferung vollständig bestimmt ist.
Durchführung
Nimm einen ruhigen Sitz ein. Vergegenwärtige die Gottheit mit den im Dhyana beschriebenen Farben, Attributen und ihrem Sitz. Sprich den Dhyana-Vers einmal und vertiefe dich anschließend in das Meditationsbild.
Dhyana: Die Gottheit vergegenwärtigen
Handlung und Bedeutung (P2-0036):
Die Meditation lautet: Am Morgen vergegenwärtige man Brāhmī, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit Buch und Gebetskette in den Händen, in ein schwarzes Antilopenfell gekleidet; man meditiere über sie im sternenbesetzten Himmel. Am Mittag die dunkelgefärbte, vierarmige Göttin mit Muschel und Diskus in den strahlenden Händen, mit Keule und Lotus, auf einem Sonnensitz ruhend.
Sanskrit zur Handlung:
dhyānantu:
prātaḥ, udyadādityasaṅkāśāṃ pustakākṣakarāṃ smaret |
kṛṣṇājinadharāṃ brāhmīṃ dhyāyettārakite'mbare ||
madhyāhne:
śyāmavarṇā caturbāhuṃ śaṅkhacakralasatkarām |
gadāpadmadharāṃ devīṃ sūryāsana - kṛtāśrayām
|| 36 ||
Abschluss
Beende die im gewählten Verfahren vorgeschriebene letzte Handlung, sammle dich und verneige dich innerlich vor Guru und Gottheit. Wo der Quellentext eine besondere Übergabe, Entlassung oder Abschlussformel nennt, ist diese maßgeblich. Der kurze Moment stiller Dankbarkeit ist eine redaktionelle Praxisanregung.
Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung
Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.
P2-0036 · Originalnummer 36
dhyānantu:
prātaḥ, udyadādityasaṅkāśāṃ pustakākṣakarāṃ smaret |
kṛṣṇājinadharāṃ brāhmīṃ dhyāyettārakite'mbare ||
madhyāhne:
śyāmavarṇā caturbāhuṃ śaṅkhacakralasatkarām |
gadāpadmadharāṃ devīṃ sūryāsana - kṛtāśrayām
|| 36 ||
Die Meditation lautet: Am Morgen vergegenwärtige man Brāhmī, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit Buch und Gebetskette in den Händen, in ein schwarzes Antilopenfell gekleidet; man meditiere über sie im sternenbesetzten Himmel. Am Mittag die dunkelgefärbte, vierarmige Göttin mit Muschel und Diskus in den strahlenden Händen, mit Keule und Lotus, auf einem Sonnensitz ruhend.
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.
P2-0036
ध्यानन्तु:
प्रातः, उद्यदादित्यसङ्काशां पुस्तकाक्षकरां स्मरेत् ।
कृष्णाजिनधरां ब्राह्मीं ध्यायेत्तारकितेऽम्बरे ॥
मध्याह्ने:
श्यामवर्णा चतुर्बाहुं शङ्खचक्रलसत्कराम् ।
गदापद्मधरां देवीं सूर्यासन - कृताश्रयाम्
॥ ३६ ॥
Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts
P2-0036
Die Meditation lautet: Am Morgen vergegenwärtige man Brāhmī, leuchtend wie die aufgehende Sonne, mit Buch und Gebetskette in den Händen, in ein schwarzes Antilopenfell gekleidet; man meditiere über sie im sternenbesetzten Himmel. Am Mittag die dunkelgefärbte, vierarmige Göttin mit Muschel und Diskus in den strahlenden Händen, mit Keule und Lotus, auf einem Sonnensitz ruhend.
Verwandte Rituale
Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:
- Große Yoga Vidya Puja
- Panchayatana Puja
- Shiva Manasa Puja
- Ganesha Puja
- Krishna Puja
- Durga Puja
- Pushpanjali
- Arati
Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:
- Guruverehrung am Morgen nach dem Brihat Tantrasara
- Shakti Sandhya nach dem Brihat Tantrasara
- Tantrisches Reinigungsbad nach dem Brihat Tantrasara
Quellen und redaktionelle Einordnung
Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.
Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.
Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.
Die Verehrung im Alltag weitertragen
Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.