Der Neue Mensch

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Der Neue Mensch ist der Titel eines Buches von Bernd Wedemeyer-Kolwe mit dem Untertitel: Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik.

Inhaltsverzeichnis des Buches "Der Neue Mensch"

Vorwort. 9

I. Einleitung
1. Thema und Fragestellung. 11
2. Aspekte zur Methodik. 15
3. Vorgehensweise und Gliederung. 21
II. Der Neue Mensch
1 RHYTHMUS. 25
1.1 Aspekte zur Entwicklung. 25
1.2 Organisation und Klientel. 33
1.2.1 Kaiserreich. 33
1.2.2 Weimarer Republik. 42
1.2.2.1 Bünde. 42
1.2.2.2 Übergreifende Zusammenschlüsse. 52
1.2.2.3 Klientel, Kosten und Ausbildung. 57
1.3 Körperpraktiken. 65
1.3.1 Kaiserreich. 65
1.3.2 Weimarer Republik. 84
1.4 Der Neue Mensch im Rhythmus. 104
1.5 Ausblick. 118
2 REINKARNATION. 129
2.1 Zur Asienrezeption im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. 129
2.2 Yoga. 138
2.3 Mazdaznan. 153
2.4 Neugeist. 164
2.5 Runengymnastik. 174
2.6 Zusammenfassung. 188
3 LICHT UND LUFT. 190
3.1 Aspekte zur Entwicklung. 190
3.2 Organisation und Klientel. 199
3.2.1 Kaiserreich. 199
3.2.1.1 Bünde. 199
3.2.1.2 Der Verein für Körperkultur und die Sportluftbäder. 211
3.2.2 Weimarer Republik. 219
3.2.2.1 Vereine und Bünde. 219
3.2.2.2 Überregionale und internationale Verbände. 227
3.2.2.3 Siedlungen, Schulen und Ferienheime. 233
3.3 Körperpraktiken. 241
3.3.1 Kaiserreich. 241
3.3.2 Weimarer Republik. 251
3.4 Der Neue Mensch in Licht und Luft. 263
3.5 Ausblick. 281
4. KRAFT UND SCHÖNHEIT. 290
4.1 Aspekte zur Entwicklung. 290
4.2 Organisation und Klientel. 301
4.2.1 Schulen und Institute. 301
4.2.2 Kurse, Geräteversand und Heimtraining. 320
4.3 Körperpraktiken. 332
4.3.1 Schulen und Institute. 332
4.3.2 Kurse und Heimtraining. 340
4.3.3 Diätetik. 354
4.3.4 Muskelkonkurrenzen. 360
4.4 Der Neue Mensch in Kraft und Schönheit. 374
4.5 Zusammenfassung. 386
III. "Neue Menschen" ins "Dritte Reich"? 389
1.1 Organisation und Körperpraktiken. 389
1.2 Körper- und Daseinskonzepte. 413
IV. Zusammenfassende Ergebnisse. 423
V. Quellen und Literatur. 433
Archive und Privatsammlungen. 433
Gedruckte Quellen: Zeitschriften. 436
Gedruckte Quellen: Monographien und Aufsätze. 442
Literatur. 465
Personenregister. 501
Organisationsregister. 512

Vorwort zum Buch "Der Neue Mensch

Vorwort


Diese Studie wurde im Sommersemester 2002 von der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen als Habilitationsschrift angenommen; das Verfahren wurde im selben Semester mit der Erteilung der Venia Legendi für Sportgeschichte als Teilgebiet der Sportwissenschaft abgeschlossen. Das Manuskript wurde im Jahre 2003 für den Druck gekürzt und überarbeitet, wobei die Korrekturvorschläge der Habilitationskommission berücksichtigt wurden.

Ich habe das Thema dieser Arbeit über die Jahre hinweg mit vielen Förderern, Kollegen und Freunden diskutiert, von ihnen erhielt ich etliche Anregungen, Kritiken und Ermunterungen. Der Sportwissenschaftler und Sporthistoriker Prof. Dr. Arnd Krüger (Göttingen) hat die Studie von Anfang an begleitet und gefördert; mit seiner wissenschaftlichen Neugier hat er es verstanden, mir immer wieder - und nicht immer bequeme - Anregungen und Denkaufgaben zu geben. Seine Großzügigkeit, sein persönlicher Einsatz und sein Interesse haben mich stets ermuntert und animiert. Mein akademischer Lehrer der Volkskunde, Prof. a.D. Dr. Helmut Möller (Göttingen), hat mich über all die Jahre meine volkskundlichen "Wurzeln" nicht vergessen lassen. Mit seiner Fachkompetenz und seinen Spezialkenntnissen hat er mich - auch bei entlegenen Fragestellungen - stets unterstützt; seine Hilfsbereitschaft, seine Liebenswürdigkeit und nicht zuletzt sein Humor gaben mir immer das Gefühl, mit meinen Anliegen willkommen zu sein. Der Historiker und große Kenner (nicht nur) der Lebensreformbewegung, Prof. Dr. Ulrich Linse (München), hat die Arbeit von Beginn an lebhaft verfolgt und mit mir immer wieder neue Quellen, Themen und Theorien diskutiert. Seinen persönlichen Initiativen und seiner freundschaftlichen Verbundenheit verdanke ich zahllose fruchtbare Hinweise und Begegnungen. Allen dreien sage ich hiermit herzlichen Dank.

Der Sporthistoriker Prof. Dr. Harald Braun (Bremen) und die Historikerin Prof. Dr. Christiane Eisenberg (Berlin) lasen das Manuskript und machten etliche Verbesserungsvorschläge. Die Germanistin Prof. Meike G. Werner, PhD (Nashville) las geduldig Teile der Arbeit, diskutierte mit mir die endlosen Aspekte des Themas und gab Hinweise auf Quellen und Archive; über sie lernte ich mit Jörg Fränzel nicht nur einen beeindruckenden Vertreter der praktischen Lebensreform kennen, sondern erhielt noch zusätzliche Einblicke in mein Thema, die mir sonst verwehrt geblieben wären. Der Germanist und Historiker Justus H. Ulbricht (Jena/Weimar) ließ mich großzügig an seiner umfassenden Fachkenntnis teilhaben und machte mich immer wieder auf völlig entlegene Archive und Literatur aufmerksam; sein Engagement und sein Elan gaben mir stets neue Anstöße. Der Historiker Dr. Andreas Schwab (Bern) ermöglichte mir ungewöhnliche und eindrucksvolle Zugänge zum "Berg der Wahrheit", der Jurist Dr. H.T. Hakl (Sinzheim) gab mir Einblick in unzugängliche Quellen und der Historiker PD Dr. Uwe Puschner (Berlin) und die Skandinavistin Prof. Dr. Stefanie von Schnurbein (Berlin) ließen mir etliche Hinweise zu thematischen Spezialaspekten und entlegener Literatur zugehen. Die Historikerin Dr. Sabiene Autsch (Siegen) begleitete mich mit unendlicher Geduld ein Stück meines Habilitationsverfahrens. Und der Göttinger sporthistorische Kreis um die beiden Sporthistoriker und Sportwissenschaftler Claus Grote (Göttingen) und Dr. Swantje Scharenberg (Mainz) unterstützte mich freundschaftlich und sachkompetent über viele Jahre hinweg.

David L. Chapman (Seattle) schickte mir jahrelang mit freundschaftlicher Geduld und großem Aufwand schwer beschaffbare Literatur und seltene Quellen und beantwortete mir zahlreiche Fragen zur Geschichte des Bodybuildings. Christoph Knüppel (Herford) und Andreas Schmölling (Artern) gaben mir wertvolle Hinweise zu regionalhistorischen Aspekten der Lebensreform. Jörg Fränzel (Glüsingen) verschaffte mir überraschende Sichtweisen auf Reformpädagogik, Lebensreform und FKK. Und der 2001 verstorbene Konrad Schöne (Steina) unterstützte mich beim Aufsuchen regionaler Quellen zur Geschichte der Runengymnastik. Die Archive der Gymnastikschulen Schlaffhorst/Andersen (Bad Nenndorf) und Dore Jacobs (Essen) stellten freundlicherweise Materialien und Literatur zur Verfügung. Das Bundesarchiv Berlin und das Carl und Liselott Diem-Archiv (Köln) unterstützten mich unbürokratisch bei der Quellen- und Recherchearbeit. Das Niedersächsische Institut für Sportgeschichte Hoya (Marianne Helms und Ursel Martin) und das Sportmuseum Leipzig (Dr. Gerlinde Rohr) ließen mir bei meiner Quellenarbeit zur Geschichte des Kraftsports jede erdenkliche Unterstützung zukommen. Ihnen allen sage ich Dank.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ermöglichte mir mit einem Habilitandenstipendium eine unbeschwerte und produktive Zeit des Forschens und Schreibens und gewährte mir darüber hinaus noch einen Druckkostenzuschuß; ich bin mir bewußt, daß ein derartiger Ausnahmezustand fern von akademischen Pflichten und Zwängen ein besonderes Privileg ist, gestattet er doch eine selbstbestimmte und freie Arbeitsgestaltung, die im Berufsleben nicht alltäglich ist. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

Den größten Dank schulde ich meiner Frau Sibylle Kolwe. Ihr widme ich diese Arbeit.


Göttingen, im November 2003

Klappentext des Buches "Der Neue Mensch"

Ab der Zeit um 1900 etablierte sich im deutschsprachigen Raum eine Körperkulturbewegung, die bis 1933 neben der Turn- und Sportbewegung zu einer dritten Säule in den Leibesübungen werden sollte. Die Körperkulturbewegung formierte sich weitgehend vereinsfremd in Bünden, Zirkeln und Privatgruppen, in kommerziellen Sportschulen, Sportluftbädern und Sanatorien und in alternativen Siedlungen, Ferienheimen und Freizeitgeländen. Mit Freikörperkultur, Rhythmischer Gymnastik, Yoga und Bodybuilding praktizierte sie moderne Leibesübungen, die auf physische und psychische Fitness ausgerichtet waren. Ihre Körperbilder repräsentierten den modernen Menschen und seine Bedürfnisse nach Individualisierung, Sinnsuche und Spiritualität. Ihre Protagonisten und Anhänger bewegten sich damit in einem zeitgenössisch attraktiven Raum zwischen Körperkultur, Lebensreform und "neuer Religiosität".

Dieses Buch bietet erstmals eine umfassende Analyse dieses bislang völlig vernachlässigten Bereiches der Sport-, Körper- und Kulturgeschichte.

Informationen zum Buch "Der Neue Mensch"

Der neue Mensch
Körperkultur im Kaiserreich und in der Weimarer Republik
Autoren:
Bernd Wedemeyer-Kolwe
Verlag: Königshausen Neumann Weitere Titel dieses Verlages anzeigen
Erschienen: September 2004
Seiten: 520
Sprache: Deutsch
Maße: 235x155x40
Einband: Kartoniert / Broschiert
ISBN: 3826027728
EAN: 9783826027727

Rezension zum Buch "Der Neue Mensch"

Grundlage für diese wissenschaftliche Veröffentlichung war eine Studie zur Sportgeschichte, die 2002 von der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen als Habilitationsschrift angenommen wurde. Sie enthält eine umfangreiche Analyse der Körperkulturbewegung im deutschsprachigen Raum, zu der neben Freikörperkultur und Rhythmischer Gymnastik auch Yoga gehört. Diesem widmet der Autor nicht nur einen eigenen Abschnitt im Kapitel 'Reinkarnation', er berücksichtigt diesen zudem in verschiedenen Zusammenhängen wie Neugeist-Bewegung (New Thought Movement), Mazdaznan und Runengymnastik .

Der in Kassel geborene und im Göttinger Institut für Sportwissenschaft als Privatdozent für Sportgeschichte lehrende Autor zeigt und belegt, wie sich seit dem Kaiserreich (1871 - 1918) und jenseits der Vereinskultur von Sport und Turnen und in Folge des gewachsenen Interesses am Körper, seiner Formung und seiner Sinnstiftung eine starke Körperkulturbewegung formierte, die im Umfeld von Esoterik, Lebensreform, Neureligion und Reformpädagogik beheimatet war. Diese vielschichtige Körperkulturbewegung übte einen nachhaltigen kulturellen Einfluss auf das zeitgenössische Körperverständnis aus.

Bernd Wedemeyer-Kolwe analysiert die Praktiken und Theorien der z.T. kommerziell orientierten, z.T. im kulturellen Untergrund agierenden Bewegung vom späten 19. Jahrhundert bis zum Ende der Weimarer Republik, wobei ein zusätzlicher Ausblick noch die Zeit des Nationalsozialismus umfasst. Systematisch untersucht er die originären Organisationsstrukturen und Querverbindungen sowie die personellen und inhaltlichen Bezüge zu verwandten Bewegungen. Er beschreibt konkrete Körperpraktiken und die kulturelle Rezeption der z. T. Sinn stiftenden und z. T. sich an östlichen Religionen orientierende Körperkulturbewegung.

Im Abschnitt über Yoga (S. 138 ff.) schreibt Bernd Wedemeyer-Kolwe gleich zu Beginn, dass Yoga 'als diejenige Körperpraktik angesehen werden kann, mit der die Genese der in diesem Kontext befindlichen Körperübungen begann'.

Diese Fokussierung auf das rein Physische prägt die gesamte Darstellung des Yoga, die insbesondere an der Dissertation "Yoga in Deutschland" von Christan Fuchs und an "Yoga auf dem Weg nach Westen" von Karl Baier anknüpft. Beide Bezugsquellen werden vom Autor als unzulänglich abgewertet und bei Christian Fuchs wird als Beruf lediglich Yogalehrer angegeben, die akademische Qualifikation (Indologe und Religionswissenschaftler) bleibt unerwähnt. Der eigene Versuch, den Beginn des institutionalisierten Yoga in Deutschland wesentlich früher als Christian Fuchs anzusetzen, nämlich zu Beginn der 1920er Jahre, überzeugt nicht, da die Belege dafür entweder fehlen oder als einziger Hinweis jeweils Anzeigen in "Die Weiße Fahne", "Zeitblätter für Verinnerlichung und Vergeistigung", dem "Mitteilungsorgan des Mitteleuropäischen Neugeist-Bundes", genannt werden. Im Fall von Prof. Friedrich Weber-Robine und der von ihm 1924 angeblich gegründeten Einrichtung "Deutsche Yoga-Hochschule" sind zudem erhebliche Zweifel angebracht, denn im Landesarchiv Berlin liegen zum einen mehrere Dokumente, aus denen hervor geht, dass gegen Weber-Robine mehrfach prozessiert wurde (in den Klagen und Urteilen ging es um Betrug durch Gründung von Scheinfirmen und Vereinen sowie Veruntreuung entsprechender Einnahmen) zum anderen befasst sich keine seiner 21 Buchveröffentlichungen mit Yoga, vielmehr geht es darin beispielsweise um "Volk ohne Gaststätten" oder um "Das Lampenfieber, sein Wesen und seine Vernichtung".

Nicht immer ist Wedemeier-Kolwe also in seinen Ausführungen überzeugend, dennoch erfasst er gut die vielschichtigen Erscheinungen der damaligen Yogaszene sowie deren Peripherie und bringt den LeserInnen nicht nur die Yogarezeption im Kaiserreich und während der Weimarer Republik nahe, sondern vermittelt auch den damaligen Zeitgeist sowie das gesellschaftliche und kulturhistorische Umfeld.

Dr. Bernd Wedemeyer-Kolwe zeigt mit diesem Buch, dass auch wissenschaftliche Fachliteratur spannend und faszinierend sein kann. Das liegt u.a. an einer klaren Gliederung, einem immensen Recherche-Aufwand und daraus resultierend zahlreichen Quellen, Querverweisen und konkreten Beispielen, die trotz ihrer Fülle überschaubar bleiben, was auch an den separat aufgeführten Quellen- und Literaturangaben sowie einem separaten Personen- und Organisationsregister liegt.

Mathias Tietke, Deutsches Yoga-Forum