Bhuta Shuddhi nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Bhuta Shuddhi nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, die leiblichen Elemente in ihrem göttlichen Ursprung zu sammeln.

Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.

Zweck und Voraussetzungen

Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.

Gewählte Form: Bhuta Shuddhi. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.

Hinweis zu dieser Form: Die historischen Atemverhältnisse sind Bestandteil der beschriebenen Unterweisung. Die Quelle verlangt eine erlernte Atemführung; aus ihrer Zählung wird keine allgemeine Übungsdauer abgeleitet.

Vorbereitung und Materialien

Ein ungestörter Sitz und die bereits erlernte Atem- und Visualisierungspraxis. Für diese innere Handlung werden keine zusätzlichen äußeren Opferstoffe angesetzt.

Vorsatz: Formuliere vor Beginn bewusst die Absicht dieser Durchführung. Ein kurzer deutscher Vorsatz genügt als redaktionelle Orientierung: Du vollziehst dieses Ritual in Hingabe an die genannte Gottheit beziehungsweise zur beschriebenen Weihe. Eine traditionelle Sanskrit-Sankalpa-Formel wird nur dort rezitiert, wo sie in der eigenen Überlieferung vollständig bestimmt ist.

Durchführung

Für die Grundfolge gelten P2-0043–0045 und die Wiedereinsetzung P2-0052. P2-0046 und die folgenden Zitate erläutern abweichende Quellenfassungen; diese werden nicht als zusätzliche Atemdurchgänge an die Grundfolge angehängt.

Richte dich auf die im Text beschriebenen Zentren aus. Vollziehe die Auflösung und Wiederentfaltung der Elemente in der angegebenen Reihenfolge; schließe mit der Rückkehr der göttlichen Lebenskraft ins Herz.

Grundmantra

so'ham

Ich bin Das.

Sprich diese Form vollständig; die einzelnen Bijas werden nicht durch ihre deutschen Erklärungen ersetzt. Wo der Quellentext den Mantra durch Lautnamen bildet, ist die ausgeschriebene Form eine redaktionelle Auflösung dieser Angaben.

Handlungen, Gaben und Abschluss

Handlung und Bedeutung (P2-0043):
Dann vollziehe man die in der Einweihungsordnung beschriebenen Handlungen von der Einsetzung des allgemeinen Arghya bis zum Niedersetzen auf dem Sitz. Links: „Oṃ. Den Gurus sei Verehrung; oṃ, den höchsten Gurus; oṃ, den überhöchsten Gurus.“ Rechts: „Oṃ. Gaṇeśa sei Verehrung.“ Am Scheitel nach dem Grundmantra: „Der [genannten] Gottheit sei Verehrung.“ So im Gautamīya: Mit gefalteten Händen verehre man links die drei Guru-Stufen, Guru, Parama-Guru und Parāpara-Guru, rechts Gaṇeśa, am Scheitel vergegenwärtige man die Gottheit. Danach reinige man mit phaṭ, Duftstoff und Blüten die Hände, klatsche dreimal aufsteigend, verschließe durch Fingerschnippen die zehn Richtungen, vergegenwärtige mit raṃ und einem Wasserstrom einen Feuerwall und vollziehe Elementreinigung.

Sanskrit zur Handlung:
tataḥ sāmānyārghyaṃ sthāpanādyasanopaveśanāntaṃ
dīkṣāpaddhatyuktaṃ karma samāpya vāme oṃ gurubhyo namaḥ, oṃ
paramagurubhyo namaḥ, oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
dakṣiṇe oṃ gaṇeśāya namaḥ |
mūrdhni mūlamuccārya amuktadevatāyai namaḥ |
tathā ca gautamīye:
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā vāme gurutrayaṃ yajet |
guruñca paramādiñca parāparaguruntathā |
dakṣapārśva gaṇeśañca mūrdhni devaṃ vibhāvayet |
tataḥ paḍitimantreṇa gandhapuṣpābhyāṃ karau saṃśodhya
ūrdhvordhvaṃ tālatrayaṃ dattvā, choṭikābhirdaśadigbandhanaṃ
kṛtvā, ramiti jaladhārayā vahniprākāraṃ vicintya bhūtaśuddhiṃ
kuryāt
|| 43 ||

Nyasa und Mantra-Zuordnungen

Handlung und Bedeutung (P2-0044):
Dazu: Man halte die beiden Hände mit den Handflächen nach oben im Schoß. Mit so'ham verbinde man das im Herzen weilende, wie eine Lampenflamme gestaltete individuelle Selbst zusammen mit der im Mūlādhāra befindlichen Kula-Kuṇḍalinī durch die Suṣumṇā hindurch mit dem höchsten Selbst im Zentrum des nach unten geöffneten tausendblättrigen Lotus am Kopf, nachdem die sechs Cakras Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und Ājñā durchbrochen wurden. Dort vergegenwärtige man als aufgelöst die vierundzwanzig Tattvas: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum; Geruch, Geschmack, [Form ist in der Liste ausgefallen], Berührung, Klang; Nase, Zunge, Auge, Haut, Ohr; Rede, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan; Prakṛti, Denken, Einsicht und Ichbewusstsein. Man vergegenwärtige im linken Nasenloch das rauchfarbene Luft-Bīja yaṃ und fülle den Körper durch sechzehn Wiederholungen mit Atem. Beide Nasenlöcher verschlossen, halte man den Atem unter vierundsechzig Wiederholungen an, trockne den Körper samt dem schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite aus und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen rechts aus. Danach meditiere man im rechten Nasenloch über das rote Feuer-Bīja raṃ, fülle den Körper unter sechzehn Wiederholungen mit Atem, verschließe beide Nasenlöcher und halte unter vierundsechzig Wiederholungen an. Mit dem Feuer im Mūlādhāra verbrenne man Körper und schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen links den Atem mit der Asche aus. [Die Elementliste und einzelne Worttrennungen sind in der Vorlage beschädigt; sie werden nicht als fehlerfrei ausgegeben.]

Sanskrit zur Handlung:
tadyathā:
svāṃke uttāno karau kṛtvā so'hamiti hṛdayasthaṃ jīvāmtānaṃ
dīpakalikākāraṃ mūlādhārasthitakulakuṇḍalinyā saha
suṣumnāvarmanā mūlādhāra - svādhiṣṭhānamaṇipūrakānāhata -
viśuddhājñākhyaṣaṭcakrāṇi bhittvā,
śiro'vasthitādhomukhasahasradalakamalakarṇikāntargataparamātmāni
saṃyojya, tatraiva pṛthivyapte jīvāyvākāśa - gandha - rasa - sparśa -
śabda - nāsikā - jīhvā - cakṣustvak - śrotra - vākpāṇi - pāda -
pāyūpastha - prakṛtimanobuddhya'haṃkārarūpa - caturviṃśati -
tattvāni vilīnāni vibhāvya, yamiti vāyubījaṃ dhūmravarṇaṃ
vāmanāsāpuṭe vicintya, tasya ṣoḍaśavārajapena vāyunā
dehamāpūryaṃ nāsāpuṭau dhṛtvā, tasyacatuḥṣaṣṭivāra japena
kumbhakaṃ kṛtvā, vāmakuṣisthi - kṛṣṇavarṇapāpapuruṣeṇa saha
dehaṃ saṃśoṣya tasya dvātriṃśadvārajape dakṣiṇanāsayā vāyu.y
recayet |
tato dakṣiṇanāsāpuṭe ramiti vahnibījaṃ raktavarṇa dhyātvā, tasya
ṣoḍaśavārajapena vāyunā dehamāpūryaṃ, nāsāpuṭau dhṛtvā,
tasya catuḥṣaṣṭivārajapena kumbhakaṃ kṛtvā, vāmakukṣistha -
kṛṣṇavarṇapāpapuruṣeṇa saha dehaṃ mūlādhārasthita vahninā
dagdhvā, tasya dvātriṃśadvārajapena vāmanāsayā bhasmanā saha
vāyuṃ recayet
|| 44 ||

Handlung und Bedeutung (P2-0045):
Man meditiere links über das weiße Mond-Bīja ṭhaṃ, führe durch sechzehn Wiederholungen den Mond zur Stirn und verschließe beide Nasenlöcher. Unter vierundsechzig Wiederholungen des Wasser-Bījas vaṃ bilde man den gesamten Körper aus dem vom Stirnmond herabfließenden Nektar, dessen Wesen die Mātṛkā-Buchstaben sind, neu. Unter zweiunddreißig Wiederholungen des Erd-Bījas laṃ vergegenwärtige man den Körper als fest und atme rechts aus. Oder man verwende entsprechende Mātrā-Zeiteinheiten. So im Gautamīya: Der Lehrer verbinde durch die Suṣumṇā mit so'ham [das Selbst] im Sahasrāra, dem Ort Śivas, mit dem höchsten Selbst. Dann [verwende er] das rauchfarbene Luft-Bīja, mit ṣaḍvindu gezeichnet [beschädigte Zeichenangabe]; durch Iḍā atme er sechzehn Mātrās ein, halte durch Suṣumṇā vierundsechzig Mātrās an und atme durch Piṅgalā zweiunddreißig Mātrās aus. Dann atme er durch diese ein und denke an die dunkle Luftkraft. Das rote Feuer-Bīja, dreieckig und mit Svastika versehen, nehme er beim sechzehn-Mātrā-Einatmen; unter vierundsechzig Mātrās Atemanhalten verbrenne er den Sündenmenschen in der linken Seite, schwarz wie Augenschminke. Dessen Kopf ist Brahmanentötung, beide Arme Golddiebstahl, Herz Alkoholtrinken, beide Hüftseiten Verkehr mit der Frau des Gurus, beide Füße Gemeinschaft mit solchen Tätern, Glieder und Nebenglieder schwere Verfehlungen, Haare kleinere Verfehlungen; Bart und Augen sind rot. Er trägt Schwert und Schild und ist zornig: So denke man ihn im Bauch. Mit dem aus dem Mūlādhāra aufsteigenden Feuer verbrenne man ihn. Nach vollständiger Verbrennung atme man unter zweiunddreißig Mātrās die Asche durch Iḍā aus. In der linken Nāḍī das Mond-Bīja, leuchtend wie Jasmin und Myriaden Monde; unter sechzehn Mātrās verbinde man es mit dem Stirnmond. Unter vierundsechzig Mātrās durch Suṣumṇā meditiere man über das Wasser-Bīja und eine nektarhafte Schöpfung in Gestalt der fünfzig Buchstaben. Daraus vergegenwärtige man den Körper und festige ihn im Geist mit laṃ bei zweiunddreißig Mātrās durch Piṅgalā. Durch denselben Weg bringe man das individuelle Selbst und die Tattvas mit dem Haṃsa-Mantra zurück und setze sie an ihren eigenen Ort. Nach dieser Elementreinigung vollziehe man Mātṛkā-Nyāsa. Dann führe man mit dem Bīja haṃsa das Selbst ins Herz und setze Kula-Kuṇḍalinī sowie Erde und die übrigen Elemente an ihren jeweiligen Ort.

Sanskrit zur Handlung:
ṭhamiticandrabījaṃ śuklavarṇaṃ vāmanāsikāyāṃ dhyātvā, tasya
ṣoḍaśavārajapena lalāṭe candraṃ nītvā nāsāpuṭau dhṛtvā, vamiti
varuṇabījasya catuḥṣaṣṭivārajapena
tasmāllalāṭacandrādgalitasudhayā mātṛkāvarṇātmikayā
samastadehaṃ virarcya, lamiti pṛthvibījasya dvātriṃśadvārajapena
dehaṃ sudṛḍhaṃ vicintya, akṣiṇena vāyuṃ recayet |
mātrāsaṃkhyayā vā |
taduktaṃ gautamīye |
suṣumnāvartmanā so'hamiti mantreṇa yojayet |
sahasrāre śivasthāne paramātmani deśikaḥ |
dhūrmavarṇaṃ tato vāyubījaṃ ṣaḍvindulāñchitam |
pūrayediḍayā vāyuṃ sudhīḥ ṣoḍaśamātrayā |
mātrayā tu catuḥṣaṭyā kumbhayecca suṣumnayā |
dvātriṃśanmātrayā mantro recayetpiṅgalākhyayā |
pūrayedanayā caiva sañcintya nīlamārutam |
raktavarṇaṃ vahnibījaṃ trikoṇaṃ svastikānvitam |
tena pūrakayogena mātrayā ṣoḍaśākhyayā |
catuḥṣaṣṭyā mātrayā ca nirdahetkumbhakena tu |
vāmapārśvasthitaṃ pāpapuruṣaṃ kajjalaprabham |
brahmahatyāśiraskañca svarṇasteya bhujadvayam |
surāpānahṛdā yuktaṃ gurutalpakaṭidvayam |
tatsaṃsargi - padadvandvamaṅga - pratyaṅga - pātakam |
upapātakaromāṇaṃ raktaśmaśru vilocanam |
khaḍgacarmadharaṃ kruddhamevaṃ kukṣauvicintayet |
mūlādhārotthitenaiva vahninā nirdahecca tam |
evaṃ saṃdahya parito dvātriṃśanmātrayā tataḥ |
bhasmanā sahitaṃ mantro recayediḍayā punaḥ |
vāmanāḍyāṃ candrabījaṃ kundendvayutasaprabham |
bhālendurāje saṃyojya tataḥ ṣoḍaśamātrayā |
ṣuṣumnayā catuḥṣaṣṭimātrayā toyabījakam |
dhyātvāmṛtamayīṃ sṛṣṭiṃ pañcāśadvarṇarūpiṇīm |
tayā dehaṃ vicintyaivaṃ manasā piṅgalādhvanā |
dvātriṃśanmātrayā maṃtrī laṃ bījena dṛḍhaṃ nayet |
svasthāne haṃsamantreṇa punastenaiva vartmanā |
jīvaṃ tattvāni cānīya svasthāne sthāpayettataḥ |
iti kṛtvā bhūtaśuddhiṃ mātṛkānyāsamācaret ||
tataḥ haṃsa iti bījaṃ svahṛdayamānīya kulakuṇḍalinīṃ pṛthivyādīni
yathāsthāne sthāpayet
|| 44 ka ||

Alternative Shakti-Fassung

Handlung und Bedeutung (P2-0046):
Eine Besonderheit für Śakti: Mit haṃsa verbindet man das individuelle Selbst und die übrigen Kräfte mit Paramaśiva, mit so'ham führt man sie zurück. So in einem anderen Tantra: Nach Aussprache von so'ham führe man das individuelle Selbst ins Herz.

Sanskrit zur Handlung:
viśeṣastu śaktiviṣaye:
haṃsa iti jīvādikaṃ paramaśive saṃyojya so'hamiti mantreṇa
svasthānamānayet |
tathā ca tantrāntare:
so'hamevaṃ samābhāsya jīvaṃ hṛdi samānayet
|| 45 ||

Mantra und seine Anwendung

Handlung und Bedeutung (P2-0048):
Im Śāradā: Man meditiere über das individuelle Selbst als Lichtkraft und verbinde es mit dem Namo-Mantra.

Sanskrit zur Handlung:
śāradāyām:
jīvaṃ tejomayaṃ dhyātvā namomantreṇa yojayet
|| 47 ||

Handlungen, Gaben und Abschluss

Handlung und Bedeutung (P2-0051):
Im Tripurāsārasamuccaya: Man verbinde dann das individuelle Selbst durch den schwer zugänglichen Weg der mittleren Nāḍī mit dem überaus feinen Śiva, der im Lotus wohnt. [Der angeführte Sanskritsatz ist ein Fragment.]

Sanskrit zur Handlung:
tripurāsārasamuccaye:
saṃyojya jīvamatha durgamamadhyanāḍīmārgeṇa puṣkaraniviṣṭaśive
susūkṣme
|| 50 ||

Mantra und seine Anwendung

Handlung und Bedeutung (P2-0052):
Danach spreche man āṃ so'ham, lege die Hand auf das Herz und vollziehe die Einsetzung der Lebenskräfte. Im Jñānārṇava: Durch diese Einsetzung setze man danach das individuelle Selbst in den Körper. Man spreche den „Mundkreis“-Laut und nehme dann haṃsa in umgekehrter Form, o höchste Herrin. Diese gilt als dreisilbige Vidyā. Dieser Lebens-Einsetzungsmantra lässt alle Handlungen gelingen. Nach diesem Verfahren, o Göttin, festige man den eigenen Körper. [Mukhavṛtta bezeichnet hier verschlüsselt einen Laut; die vorangehende ausgeschriebene Formel ist āṃ so'ham.]

Sanskrit zur Handlung:
tata āṃ so'haṃ iti paṭhitvā hṛdi hastaṃ dattvā prāṇapratiṣṭhāṃ
kuryāt ||
jñanārṇave:
prāṇapratiṣṭhayā paścājjīvaṃ dehe niyojayet |
mukhavṛttaṃ samuccāryaṃ haṃsastu viparītakam |
uddharetparameśāni vidyeyaṃ tryakṣarī matā |
prāṇapratiṣṭhāmantro'yaṃ sarvakarmāṇi sādhayet |
tenaiva vidhinā devi sthiro kuryānnijāṃ tanum
|| 51 ||

Abschluss

Beende die im gewählten Verfahren vorgeschriebene letzte Handlung, sammle dich und verneige dich innerlich vor Guru und Gottheit. Wo der Quellentext eine besondere Übergabe, Entlassung oder Abschlussformel nennt, ist diese maßgeblich. Der kurze Moment stiller Dankbarkeit ist eine redaktionelle Praxisanregung.

Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung

Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.

P2-0043 · Originalnummer 43

tataḥ sāmānyārghyaṃ sthāpanādyasanopaveśanāntaṃ
dīkṣāpaddhatyuktaṃ karma samāpya vāme oṃ gurubhyo namaḥ, oṃ
paramagurubhyo namaḥ, oṃ parāparagurubhyo namaḥ |
dakṣiṇe oṃ gaṇeśāya namaḥ |
mūrdhni mūlamuccārya amuktadevatāyai namaḥ |
tathā ca gautamīye:
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā vāme gurutrayaṃ yajet |
guruñca paramādiñca parāparaguruntathā |
dakṣapārśva gaṇeśañca mūrdhni devaṃ vibhāvayet |
tataḥ paḍitimantreṇa gandhapuṣpābhyāṃ karau saṃśodhya
ūrdhvordhvaṃ tālatrayaṃ dattvā, choṭikābhirdaśadigbandhanaṃ
kṛtvā, ramiti jaladhārayā vahniprākāraṃ vicintya bhūtaśuddhiṃ
kuryāt
|| 43 ||

Dann vollziehe man die in der Einweihungsordnung beschriebenen Handlungen von der Einsetzung des allgemeinen Arghya bis zum Niedersetzen auf dem Sitz. Links: „Oṃ. Den Gurus sei Verehrung; oṃ, den höchsten Gurus; oṃ, den überhöchsten Gurus.“ Rechts: „Oṃ. Gaṇeśa sei Verehrung.“ Am Scheitel nach dem Grundmantra: „Der [genannten] Gottheit sei Verehrung.“ So im Gautamīya: Mit gefalteten Händen verehre man links die drei Guru-Stufen, Guru, Parama-Guru und Parāpara-Guru, rechts Gaṇeśa, am Scheitel vergegenwärtige man die Gottheit. Danach reinige man mit phaṭ, Duftstoff und Blüten die Hände, klatsche dreimal aufsteigend, verschließe durch Fingerschnippen die zehn Richtungen, vergegenwärtige mit raṃ und einem Wasserstrom einen Feuerwall und vollziehe Elementreinigung.

P2-0044 · Originalnummer 44

tadyathā:
svāṃke uttāno karau kṛtvā so'hamiti hṛdayasthaṃ jīvāmtānaṃ
dīpakalikākāraṃ mūlādhārasthitakulakuṇḍalinyā saha
suṣumnāvarmanā mūlādhāra - svādhiṣṭhānamaṇipūrakānāhata -
viśuddhājñākhyaṣaṭcakrāṇi bhittvā,
śiro'vasthitādhomukhasahasradalakamalakarṇikāntargataparamātmāni
saṃyojya, tatraiva pṛthivyapte jīvāyvākāśa - gandha - rasa - sparśa -
śabda - nāsikā - jīhvā - cakṣustvak - śrotra - vākpāṇi - pāda -
pāyūpastha - prakṛtimanobuddhya'haṃkārarūpa - caturviṃśati -
tattvāni vilīnāni vibhāvya, yamiti vāyubījaṃ dhūmravarṇaṃ
vāmanāsāpuṭe vicintya, tasya ṣoḍaśavārajapena vāyunā
dehamāpūryaṃ nāsāpuṭau dhṛtvā, tasyacatuḥṣaṣṭivāra japena
kumbhakaṃ kṛtvā, vāmakuṣisthi - kṛṣṇavarṇapāpapuruṣeṇa saha
dehaṃ saṃśoṣya tasya dvātriṃśadvārajape dakṣiṇanāsayā vāyu.y
recayet |
tato dakṣiṇanāsāpuṭe ramiti vahnibījaṃ raktavarṇa dhyātvā, tasya
ṣoḍaśavārajapena vāyunā dehamāpūryaṃ, nāsāpuṭau dhṛtvā,
tasya catuḥṣaṣṭivārajapena kumbhakaṃ kṛtvā, vāmakukṣistha -
kṛṣṇavarṇapāpapuruṣeṇa saha dehaṃ mūlādhārasthita vahninā
dagdhvā, tasya dvātriṃśadvārajapena vāmanāsayā bhasmanā saha
vāyuṃ recayet
|| 44 ||

Dazu: Man halte die beiden Hände mit den Handflächen nach oben im Schoß. Mit so'ham verbinde man das im Herzen weilende, wie eine Lampenflamme gestaltete individuelle Selbst zusammen mit der im Mūlādhāra befindlichen Kula-Kuṇḍalinī durch die Suṣumṇā hindurch mit dem höchsten Selbst im Zentrum des nach unten geöffneten tausendblättrigen Lotus am Kopf, nachdem die sechs Cakras Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und Ājñā durchbrochen wurden. Dort vergegenwärtige man als aufgelöst die vierundzwanzig Tattvas: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum; Geruch, Geschmack, [Form ist in der Liste ausgefallen], Berührung, Klang; Nase, Zunge, Auge, Haut, Ohr; Rede, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan; Prakṛti, Denken, Einsicht und Ichbewusstsein. Man vergegenwärtige im linken Nasenloch das rauchfarbene Luft-Bīja yaṃ und fülle den Körper durch sechzehn Wiederholungen mit Atem. Beide Nasenlöcher verschlossen, halte man den Atem unter vierundsechzig Wiederholungen an, trockne den Körper samt dem schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite aus und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen rechts aus. Danach meditiere man im rechten Nasenloch über das rote Feuer-Bīja raṃ, fülle den Körper unter sechzehn Wiederholungen mit Atem, verschließe beide Nasenlöcher und halte unter vierundsechzig Wiederholungen an. Mit dem Feuer im Mūlādhāra verbrenne man Körper und schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen links den Atem mit der Asche aus. [Die Elementliste und einzelne Worttrennungen sind in der Vorlage beschädigt; sie werden nicht als fehlerfrei ausgegeben.]

P2-0045 · Originalnummer 44 ka

ṭhamiticandrabījaṃ śuklavarṇaṃ vāmanāsikāyāṃ dhyātvā, tasya
ṣoḍaśavārajapena lalāṭe candraṃ nītvā nāsāpuṭau dhṛtvā, vamiti
varuṇabījasya catuḥṣaṣṭivārajapena
tasmāllalāṭacandrādgalitasudhayā mātṛkāvarṇātmikayā
samastadehaṃ virarcya, lamiti pṛthvibījasya dvātriṃśadvārajapena
dehaṃ sudṛḍhaṃ vicintya, akṣiṇena vāyuṃ recayet |
mātrāsaṃkhyayā vā |
taduktaṃ gautamīye |
suṣumnāvartmanā so'hamiti mantreṇa yojayet |
sahasrāre śivasthāne paramātmani deśikaḥ |
dhūrmavarṇaṃ tato vāyubījaṃ ṣaḍvindulāñchitam |
pūrayediḍayā vāyuṃ sudhīḥ ṣoḍaśamātrayā |
mātrayā tu catuḥṣaṭyā kumbhayecca suṣumnayā |
dvātriṃśanmātrayā mantro recayetpiṅgalākhyayā |
pūrayedanayā caiva sañcintya nīlamārutam |
raktavarṇaṃ vahnibījaṃ trikoṇaṃ svastikānvitam |
tena pūrakayogena mātrayā ṣoḍaśākhyayā |
catuḥṣaṣṭyā mātrayā ca nirdahetkumbhakena tu |
vāmapārśvasthitaṃ pāpapuruṣaṃ kajjalaprabham |
brahmahatyāśiraskañca svarṇasteya bhujadvayam |
surāpānahṛdā yuktaṃ gurutalpakaṭidvayam |
tatsaṃsargi - padadvandvamaṅga - pratyaṅga - pātakam |
upapātakaromāṇaṃ raktaśmaśru vilocanam |
khaḍgacarmadharaṃ kruddhamevaṃ kukṣauvicintayet |
mūlādhārotthitenaiva vahninā nirdahecca tam |
evaṃ saṃdahya parito dvātriṃśanmātrayā tataḥ |
bhasmanā sahitaṃ mantro recayediḍayā punaḥ |
vāmanāḍyāṃ candrabījaṃ kundendvayutasaprabham |
bhālendurāje saṃyojya tataḥ ṣoḍaśamātrayā |
ṣuṣumnayā catuḥṣaṣṭimātrayā toyabījakam |
dhyātvāmṛtamayīṃ sṛṣṭiṃ pañcāśadvarṇarūpiṇīm |
tayā dehaṃ vicintyaivaṃ manasā piṅgalādhvanā |
dvātriṃśanmātrayā maṃtrī laṃ bījena dṛḍhaṃ nayet |
svasthāne haṃsamantreṇa punastenaiva vartmanā |
jīvaṃ tattvāni cānīya svasthāne sthāpayettataḥ |
iti kṛtvā bhūtaśuddhiṃ mātṛkānyāsamācaret ||
tataḥ haṃsa iti bījaṃ svahṛdayamānīya kulakuṇḍalinīṃ pṛthivyādīni
yathāsthāne sthāpayet
|| 44 ka ||

Man meditiere links über das weiße Mond-Bīja ṭhaṃ, führe durch sechzehn Wiederholungen den Mond zur Stirn und verschließe beide Nasenlöcher. Unter vierundsechzig Wiederholungen des Wasser-Bījas vaṃ bilde man den gesamten Körper aus dem vom Stirnmond herabfließenden Nektar, dessen Wesen die Mātṛkā-Buchstaben sind, neu. Unter zweiunddreißig Wiederholungen des Erd-Bījas laṃ vergegenwärtige man den Körper als fest und atme rechts aus. Oder man verwende entsprechende Mātrā-Zeiteinheiten. So im Gautamīya: Der Lehrer verbinde durch die Suṣumṇā mit so'ham [das Selbst] im Sahasrāra, dem Ort Śivas, mit dem höchsten Selbst. Dann [verwende er] das rauchfarbene Luft-Bīja, mit ṣaḍvindu gezeichnet [beschädigte Zeichenangabe]; durch Iḍā atme er sechzehn Mātrās ein, halte durch Suṣumṇā vierundsechzig Mātrās an und atme durch Piṅgalā zweiunddreißig Mātrās aus. Dann atme er durch diese ein und denke an die dunkle Luftkraft. Das rote Feuer-Bīja, dreieckig und mit Svastika versehen, nehme er beim sechzehn-Mātrā-Einatmen; unter vierundsechzig Mātrās Atemanhalten verbrenne er den Sündenmenschen in der linken Seite, schwarz wie Augenschminke. Dessen Kopf ist Brahmanentötung, beide Arme Golddiebstahl, Herz Alkoholtrinken, beide Hüftseiten Verkehr mit der Frau des Gurus, beide Füße Gemeinschaft mit solchen Tätern, Glieder und Nebenglieder schwere Verfehlungen, Haare kleinere Verfehlungen; Bart und Augen sind rot. Er trägt Schwert und Schild und ist zornig: So denke man ihn im Bauch. Mit dem aus dem Mūlādhāra aufsteigenden Feuer verbrenne man ihn. Nach vollständiger Verbrennung atme man unter zweiunddreißig Mātrās die Asche durch Iḍā aus. In der linken Nāḍī das Mond-Bīja, leuchtend wie Jasmin und Myriaden Monde; unter sechzehn Mātrās verbinde man es mit dem Stirnmond. Unter vierundsechzig Mātrās durch Suṣumṇā meditiere man über das Wasser-Bīja und eine nektarhafte Schöpfung in Gestalt der fünfzig Buchstaben. Daraus vergegenwärtige man den Körper und festige ihn im Geist mit laṃ bei zweiunddreißig Mātrās durch Piṅgalā. Durch denselben Weg bringe man das individuelle Selbst und die Tattvas mit dem Haṃsa-Mantra zurück und setze sie an ihren eigenen Ort. Nach dieser Elementreinigung vollziehe man Mātṛkā-Nyāsa. Dann führe man mit dem Bīja haṃsa das Selbst ins Herz und setze Kula-Kuṇḍalinī sowie Erde und die übrigen Elemente an ihren jeweiligen Ort.

P2-0046 · Originalnummer 45

viśeṣastu śaktiviṣaye:
haṃsa iti jīvādikaṃ paramaśive saṃyojya so'hamiti mantreṇa
svasthānamānayet |
tathā ca tantrāntare:
so'hamevaṃ samābhāsya jīvaṃ hṛdi samānayet
|| 45 ||

Eine Besonderheit für Śakti: Mit haṃsa verbindet man das individuelle Selbst und die übrigen Kräfte mit Paramaśiva, mit so'ham führt man sie zurück. So in einem anderen Tantra: Nach Aussprache von so'ham führe man das individuelle Selbst ins Herz.

P2-0047 · Originalnummer 46

śūdre tu viśeṣo vārāhītantre:
haṃsākhyaṃ na smaretśūdro bhūtaśūdho kadācana |
smaraṇānnarakaṃ yāti dīkṣā ca viphalā bhavet
|| 46 ||

Eine Besonderheit für Śūdras im Vārāhītantra: Ein Śūdra soll bei der Elementreinigung niemals haṃsa vergegenwärtigen; durch solches Vergegenwärtigen geht er in die Hölle und die Einweihung wird fruchtlos.

P2-0048 · Originalnummer 47

śāradāyām:
jīvaṃ tejomayaṃ dhyātvā namomantreṇa yojayet
|| 47 ||

Im Śāradā: Man meditiere über das individuelle Selbst als Lichtkraft und verbinde es mit dem Namo-Mantra.

P2-0049 · Originalnummer 48

bhūtaśuddhipadavyutpattimāha viśuddheśvare:
śarīrākārabhūtānāṃ yadviśodhanam |
avyayabrahmasaṃyogādbhūtaśuddhiriyaṃ mateti
|| 48 ||

Die Ableitung des Wortes Bhūtaśuddhi im Viśuddheśvara: Die Reinigung der Elemente, die die Gestalt des Körpers bilden, durch ihre Verbindung mit dem unvergänglichen Brahman gilt als Elementreinigung.

P2-0050 · Originalnummer 49

vārāhīye:
mūlādhārāttato jīvaṃ brahmamārgeṇa deśikaḥ |
haṃsena puṣkara sthāne paramātmani yojayet |
brahmamārgeṇa deśikaḥ |
haṃsena puṣkarasthāne paramātmani yojayet |
brahmamārgaḥ suṣumnā
|| 49 ||

Im Vārāhīya: Der Lehrer führe das individuelle Selbst vom Mūlādhāra durch den Brahman-Weg und verbinde es mit haṃsa am Lotusort mit dem höchsten Selbst. [Die Vorlage wiederholt „durch den Brahman-Weg … mit haṃsa … mit dem höchsten Selbst“.] Brahman-Weg bedeutet Suṣumṇā.

P2-0051 · Originalnummer 50

tripurāsārasamuccaye:
saṃyojya jīvamatha durgamamadhyanāḍīmārgeṇa puṣkaraniviṣṭaśive
susūkṣme
|| 50 ||

Im Tripurāsārasamuccaya: Man verbinde dann das individuelle Selbst durch den schwer zugänglichen Weg der mittleren Nāḍī mit dem überaus feinen Śiva, der im Lotus wohnt. [Der angeführte Sanskritsatz ist ein Fragment.]

P2-0052 · Originalnummer 51

tata āṃ so'haṃ iti paṭhitvā hṛdi hastaṃ dattvā prāṇapratiṣṭhāṃ
kuryāt ||
jñanārṇave:
prāṇapratiṣṭhayā paścājjīvaṃ dehe niyojayet |
mukhavṛttaṃ samuccāryaṃ haṃsastu viparītakam |
uddharetparameśāni vidyeyaṃ tryakṣarī matā |
prāṇapratiṣṭhāmantro'yaṃ sarvakarmāṇi sādhayet |
tenaiva vidhinā devi sthiro kuryānnijāṃ tanum
|| 51 ||

Danach spreche man āṃ so'ham, lege die Hand auf das Herz und vollziehe die Einsetzung der Lebenskräfte. Im Jñānārṇava: Durch diese Einsetzung setze man danach das individuelle Selbst in den Körper. Man spreche den „Mundkreis“-Laut und nehme dann haṃsa in umgekehrter Form, o höchste Herrin. Diese gilt als dreisilbige Vidyā. Dieser Lebens-Einsetzungsmantra lässt alle Handlungen gelingen. Nach diesem Verfahren, o Göttin, festige man den eigenen Körper. [Mukhavṛtta bezeichnet hier verschlüsselt einen Laut; die vorangehende ausgeschriebene Formel ist āṃ so'ham.]

Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.

P2-0043

ततः सामान्यार्घ्यं स्थापनाद्यसनोपवेशनान्तं
दीक्षापद्धत्युक्तं कर्म समाप्य वामे ॐ गुरुभ्यो नमः, ॐ
परमगुरुभ्यो नमः, ॐ परापरगुरुभ्यो नमः ।
दक्षिणे ॐ गणेशाय नमः ।
मूर्ध्नि मूलमुच्चार्य अमुक्तदेवतायै नमः ।
तथा च गौतमीये:
कृताञ्जलिपुटो भूत्वा वामे गुरुत्रयं यजेत् ।
गुरुञ्च परमादिञ्च परापरगुरुन्तथा ।
दक्षपार्श्व गणेशञ्च मूर्ध्नि देवं विभावयेत् ।
ततः पडितिमन्त्रेण गन्धपुष्पाभ्यां करौ संशोध्य
ऊर्ध्वोर्ध्वं तालत्रयं दत्त्वा, छोटिकाभिर्दशदिग्बन्धनं
कृत्वा, रमिति जलधारया वह्निप्राकारं विचिन्त्य भूतशुद्धिं
कुर्यात्
॥ ४३ ॥

P2-0044

तद्यथा:
स्वांके उत्तानो करौ कृत्वा सोऽहमिति हृदयस्थं जीवाम्तानं
दीपकलिकाकारं मूलाधारस्थितकुलकुण्डलिन्या सह
सुषुम्नावर्मना मूलाधार - स्वाधिष्ठानमणिपूरकानाहत -
विशुद्धाज्ञाख्यषट्चक्राणि भित्त्वा,
शिरोऽवस्थिताधोमुखसहस्रदलकमलकर्णिकान्तर्गतपरमात्मानि
संयोज्य, तत्रैव पृथिव्यप्ते जीवाय्वाकाश - गन्ध - रस - स्पर्श -
शब्द - नासिका - जीह्वा - चक्षुस्त्वक् - श्रोत्र - वाक्पाणि - पाद -
पायूपस्थ - प्रकृतिमनोबुद्ध्यऽहंकाररूप - चतुर्विंशति -
तत्त्वानि विलीनानि विभाव्य, यमिति वायुबीजं धूम्रवर्णं
वामनासापुटे विचिन्त्य, तस्य षोडशवारजपेन वायुना
देहमापूर्यं नासापुटौ धृत्वा, तस्यचतुःषष्टिवार जपेन
कुम्भकं कृत्वा, वामकुषिस्थि - कृष्णवर्णपापपुरुषेण सह
देहं संशोष्य तस्य द्वात्रिंशद्वारजपे दक्षिणनासया वायु.य्
रेचयेत् ।
ततो दक्षिणनासापुटे रमिति वह्निबीजं रक्तवर्ण ध्यात्वा, तस्य
षोडशवारजपेन वायुना देहमापूर्यं, नासापुटौ धृत्वा,
तस्य चतुःषष्टिवारजपेन कुम्भकं कृत्वा, वामकुक्षिस्थ -
कृष्णवर्णपापपुरुषेण सह देहं मूलाधारस्थित वह्निना
दग्ध्वा, तस्य द्वात्रिंशद्वारजपेन वामनासया भस्मना सह
वायुं रेचयेत्
॥ ४४ ॥

P2-0045

ठमितिचन्द्रबीजं शुक्लवर्णं वामनासिकायां ध्यात्वा, तस्य
षोडशवारजपेन ललाटे चन्द्रं नीत्वा नासापुटौ धृत्वा, वमिति
वरुणबीजस्य चतुःषष्टिवारजपेन
तस्माल्ललाटचन्द्राद्गलितसुधया मातृकावर्णात्मिकया
समस्तदेहं विरर्च्य, लमिति पृथ्विबीजस्य द्वात्रिंशद्वारजपेन
देहं सुदृढं विचिन्त्य, अक्षिणेन वायुं रेचयेत् ।
मात्रासंख्यया वा ।
तदुक्तं गौतमीये ।
सुषुम्नावर्त्मना सोऽहमिति मन्त्रेण योजयेत् ।
सहस्रारे शिवस्थाने परमात्मनि देशिकः ।
धूर्मवर्णं ततो वायुबीजं षड्विन्दुलाञ्छितम् ।
पूरयेदिडया वायुं सुधीः षोडशमात्रया ।
मात्रया तु चतुःषट्या कुम्भयेच्च सुषुम्नया ।
द्वात्रिंशन्मात्रया मन्त्रो रेचयेत्पिङ्गलाख्यया ।
पूरयेदनया चैव सञ्चिन्त्य नीलमारुतम् ।
रक्तवर्णं वह्निबीजं त्रिकोणं स्वस्तिकान्वितम् ।
तेन पूरकयोगेन मात्रया षोडशाख्यया ।
चतुःषष्ट्या मात्रया च निर्दहेत्कुम्भकेन तु ।
वामपार्श्वस्थितं पापपुरुषं कज्जलप्रभम् ।
ब्रह्महत्याशिरस्कञ्च स्वर्णस्तेय भुजद्वयम् ।
सुरापानहृदा युक्तं गुरुतल्पकटिद्वयम् ।
तत्संसर्गि - पदद्वन्द्वमङ्ग - प्रत्यङ्ग - पातकम् ।
उपपातकरोमाणं रक्तश्मश्रु विलोचनम् ।
खड्गचर्मधरं क्रुद्धमेवं कुक्षौविचिन्तयेत् ।
मूलाधारोत्थितेनैव वह्निना निर्दहेच्च तम् ।
एवं संदह्य परितो द्वात्रिंशन्मात्रया ततः ।
भस्मना सहितं मन्त्रो रेचयेदिडया पुनः ।
वामनाड्यां चन्द्रबीजं कुन्देन्द्वयुतसप्रभम् ।
भालेन्दुराजे संयोज्य ततः षोडशमात्रया ।
षुषुम्नया चतुःषष्टिमात्रया तोयबीजकम् ।
ध्यात्वामृतमयीं सृष्टिं पञ्चाशद्वर्णरूपिणीम् ।
तया देहं विचिन्त्यैवं मनसा पिङ्गलाध्वना ।
द्वात्रिंशन्मात्रया मंत्री लं बीजेन दृढं नयेत् ।
स्वस्थाने हंसमन्त्रेण पुनस्तेनैव वर्त्मना ।
जीवं तत्त्वानि चानीय स्वस्थाने स्थापयेत्ततः ।
इति कृत्वा भूतशुद्धिं मातृकान्यासमाचरेत् ॥
ततः हंस इति बीजं स्वहृदयमानीय कुलकुण्डलिनीं पृथिव्यादीनि
यथास्थाने स्थापयेत्
॥ ४४ क ॥

P2-0046

विशेषस्तु शक्तिविषये:
हंस इति जीवादिकं परमशिवे संयोज्य सोऽहमिति मन्त्रेण
स्वस्थानमानयेत् ।
तथा च तन्त्रान्तरे:
सोऽहमेवं समाभास्य जीवं हृदि समानयेत्
॥ ४५ ॥

P2-0047

शूद्रे तु विशेषो वाराहीतन्त्रे:
हंसाख्यं न स्मरेत्शूद्रो भूतशूधो कदाचन ।
स्मरणान्नरकं याति दीक्षा च विफला भवेत्
॥ ४६ ॥

P2-0048

शारदायाम्:
जीवं तेजोमयं ध्यात्वा नमोमन्त्रेण योजयेत्
॥ ४७ ॥

P2-0049

भूतशुद्धिपदव्युत्पत्तिमाह विशुद्धेश्वरे:
शरीराकारभूतानां यद्विशोधनम् ।
अव्ययब्रह्मसंयोगाद्भूतशुद्धिरियं मतेति
॥ ४८ ॥

P2-0050

वाराहीये:
मूलाधारात्ततो जीवं ब्रह्ममार्गेण देशिकः ।
हंसेन पुष्कर स्थाने परमात्मनि योजयेत् ।
ब्रह्ममार्गेण देशिकः ।
हंसेन पुष्करस्थाने परमात्मनि योजयेत् ।
ब्रह्ममार्गः सुषुम्ना
॥ ४९ ॥

P2-0051

त्रिपुरासारसमुच्चये:
संयोज्य जीवमथ दुर्गममध्यनाडीमार्गेण पुष्करनिविष्टशिवे
सुसूक्ष्मे
॥ ५० ॥

P2-0052

तत आं सोऽहं इति पठित्वा हृदि हस्तं दत्त्वा प्राणप्रतिष्ठां
कुर्यात् ॥
ज्ञनार्णवे:
प्राणप्रतिष्ठया पश्चाज्जीवं देहे नियोजयेत् ।
मुखवृत्तं समुच्चार्यं हंसस्तु विपरीतकम् ।
उद्धरेत्परमेशानि विद्येयं त्र्यक्षरी मता ।
प्राणप्रतिष्ठामन्त्रोऽयं सर्वकर्माणि साधयेत् ।
तेनैव विधिना देवि स्थिरो कुर्यान्निजां तनुम्
॥ ५१ ॥

Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts

P2-0043

Dann vollziehe man die in der Einweihungsordnung beschriebenen Handlungen von der Einsetzung des allgemeinen Arghya bis zum Niedersetzen auf dem Sitz. Links: „Oṃ. Den Gurus sei Verehrung; oṃ, den höchsten Gurus; oṃ, den überhöchsten Gurus.“ Rechts: „Oṃ. Gaṇeśa sei Verehrung.“ Am Scheitel nach dem Grundmantra: „Der [genannten] Gottheit sei Verehrung.“ So im Gautamīya: Mit gefalteten Händen verehre man links die drei Guru-Stufen, Guru, Parama-Guru und Parāpara-Guru, rechts Gaṇeśa, am Scheitel vergegenwärtige man die Gottheit. Danach reinige man mit phaṭ, Duftstoff und Blüten die Hände, klatsche dreimal aufsteigend, verschließe durch Fingerschnippen die zehn Richtungen, vergegenwärtige mit raṃ und einem Wasserstrom einen Feuerwall und vollziehe Elementreinigung.

P2-0044

Dazu: Man halte die beiden Hände mit den Handflächen nach oben im Schoß. Mit so'ham verbinde man das im Herzen weilende, wie eine Lampenflamme gestaltete individuelle Selbst zusammen mit der im Mūlādhāra befindlichen Kula-Kuṇḍalinī durch die Suṣumṇā hindurch mit dem höchsten Selbst im Zentrum des nach unten geöffneten tausendblättrigen Lotus am Kopf, nachdem die sechs Cakras Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha und Ājñā durchbrochen wurden. Dort vergegenwärtige man als aufgelöst die vierundzwanzig Tattvas: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum; Geruch, Geschmack, [Form ist in der Liste ausgefallen], Berührung, Klang; Nase, Zunge, Auge, Haut, Ohr; Rede, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Geschlechtsorgan; Prakṛti, Denken, Einsicht und Ichbewusstsein. Man vergegenwärtige im linken Nasenloch das rauchfarbene Luft-Bīja yaṃ und fülle den Körper durch sechzehn Wiederholungen mit Atem. Beide Nasenlöcher verschlossen, halte man den Atem unter vierundsechzig Wiederholungen an, trockne den Körper samt dem schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite aus und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen rechts aus. Danach meditiere man im rechten Nasenloch über das rote Feuer-Bīja raṃ, fülle den Körper unter sechzehn Wiederholungen mit Atem, verschließe beide Nasenlöcher und halte unter vierundsechzig Wiederholungen an. Mit dem Feuer im Mūlādhāra verbrenne man Körper und schwarzen Sündenmenschen in der linken Bauchseite und atme unter zweiunddreißig Wiederholungen links den Atem mit der Asche aus. [Die Elementliste und einzelne Worttrennungen sind in der Vorlage beschädigt; sie werden nicht als fehlerfrei ausgegeben.]

P2-0045

Man meditiere links über das weiße Mond-Bīja ṭhaṃ, führe durch sechzehn Wiederholungen den Mond zur Stirn und verschließe beide Nasenlöcher. Unter vierundsechzig Wiederholungen des Wasser-Bījas vaṃ bilde man den gesamten Körper aus dem vom Stirnmond herabfließenden Nektar, dessen Wesen die Mātṛkā-Buchstaben sind, neu. Unter zweiunddreißig Wiederholungen des Erd-Bījas laṃ vergegenwärtige man den Körper als fest und atme rechts aus. Oder man verwende entsprechende Mātrā-Zeiteinheiten. So im Gautamīya: Der Lehrer verbinde durch die Suṣumṇā mit so'ham [das Selbst] im Sahasrāra, dem Ort Śivas, mit dem höchsten Selbst. Dann [verwende er] das rauchfarbene Luft-Bīja, mit ṣaḍvindu gezeichnet [beschädigte Zeichenangabe]; durch Iḍā atme er sechzehn Mātrās ein, halte durch Suṣumṇā vierundsechzig Mātrās an und atme durch Piṅgalā zweiunddreißig Mātrās aus. Dann atme er durch diese ein und denke an die dunkle Luftkraft. Das rote Feuer-Bīja, dreieckig und mit Svastika versehen, nehme er beim sechzehn-Mātrā-Einatmen; unter vierundsechzig Mātrās Atemanhalten verbrenne er den Sündenmenschen in der linken Seite, schwarz wie Augenschminke. Dessen Kopf ist Brahmanentötung, beide Arme Golddiebstahl, Herz Alkoholtrinken, beide Hüftseiten Verkehr mit der Frau des Gurus, beide Füße Gemeinschaft mit solchen Tätern, Glieder und Nebenglieder schwere Verfehlungen, Haare kleinere Verfehlungen; Bart und Augen sind rot. Er trägt Schwert und Schild und ist zornig: So denke man ihn im Bauch. Mit dem aus dem Mūlādhāra aufsteigenden Feuer verbrenne man ihn. Nach vollständiger Verbrennung atme man unter zweiunddreißig Mātrās die Asche durch Iḍā aus. In der linken Nāḍī das Mond-Bīja, leuchtend wie Jasmin und Myriaden Monde; unter sechzehn Mātrās verbinde man es mit dem Stirnmond. Unter vierundsechzig Mātrās durch Suṣumṇā meditiere man über das Wasser-Bīja und eine nektarhafte Schöpfung in Gestalt der fünfzig Buchstaben. Daraus vergegenwärtige man den Körper und festige ihn im Geist mit laṃ bei zweiunddreißig Mātrās durch Piṅgalā. Durch denselben Weg bringe man das individuelle Selbst und die Tattvas mit dem Haṃsa-Mantra zurück und setze sie an ihren eigenen Ort. Nach dieser Elementreinigung vollziehe man Mātṛkā-Nyāsa. Dann führe man mit dem Bīja haṃsa das Selbst ins Herz und setze Kula-Kuṇḍalinī sowie Erde und die übrigen Elemente an ihren jeweiligen Ort.

P2-0046

Eine Besonderheit für Śakti: Mit haṃsa verbindet man das individuelle Selbst und die übrigen Kräfte mit Paramaśiva, mit so'ham führt man sie zurück. So in einem anderen Tantra: Nach Aussprache von so'ham führe man das individuelle Selbst ins Herz.

P2-0047

Eine Besonderheit für Śūdras im Vārāhītantra: Ein Śūdra soll bei der Elementreinigung niemals haṃsa vergegenwärtigen; durch solches Vergegenwärtigen geht er in die Hölle und die Einweihung wird fruchtlos.

P2-0048

Im Śāradā: Man meditiere über das individuelle Selbst als Lichtkraft und verbinde es mit dem Namo-Mantra.

P2-0049

Die Ableitung des Wortes Bhūtaśuddhi im Viśuddheśvara: Die Reinigung der Elemente, die die Gestalt des Körpers bilden, durch ihre Verbindung mit dem unvergänglichen Brahman gilt als Elementreinigung.

P2-0050

Im Vārāhīya: Der Lehrer führe das individuelle Selbst vom Mūlādhāra durch den Brahman-Weg und verbinde es mit haṃsa am Lotusort mit dem höchsten Selbst. [Die Vorlage wiederholt „durch den Brahman-Weg … mit haṃsa … mit dem höchsten Selbst“.] Brahman-Weg bedeutet Suṣumṇā.

P2-0051

Im Tripurāsārasamuccaya: Man verbinde dann das individuelle Selbst durch den schwer zugänglichen Weg der mittleren Nāḍī mit dem überaus feinen Śiva, der im Lotus wohnt. [Der angeführte Sanskritsatz ist ein Fragment.]

P2-0052

Danach spreche man āṃ so'ham, lege die Hand auf das Herz und vollziehe die Einsetzung der Lebenskräfte. Im Jñānārṇava: Durch diese Einsetzung setze man danach das individuelle Selbst in den Körper. Man spreche den „Mundkreis“-Laut und nehme dann haṃsa in umgekehrter Form, o höchste Herrin. Diese gilt als dreisilbige Vidyā. Dieser Lebens-Einsetzungsmantra lässt alle Handlungen gelingen. Nach diesem Verfahren, o Göttin, festige man den eigenen Körper. [Mukhavṛtta bezeichnet hier verschlüsselt einen Laut; die vorangehende ausgeschriebene Formel ist āṃ so'ham.]

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Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:

Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:

Quellen und redaktionelle Einordnung

Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.

Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.

Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.

Die Verehrung im Alltag weitertragen

Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.