Bagalamukhi Puja mit der zweiten Vidya nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Bagalamukhi Puja mit der zweiten Vidya nach dem Brihat Tantrasara erschließt eine einzelne Ritualform aus dem Brihat Tantrasara. Diese Anleitung dient dazu, Bagalamukhi in der gesonderten vierarmigen Gestalt zu verehren.

Die äußere Handlung und die innere Hinwendung gehören zusammen: Jede bewusst dargebrachte Gabe kann Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und die Erinnerung an das Göttliche vertiefen. Die historischen Wirkungsangaben des Werkes bleiben als Aussagen der Überlieferung kenntlich.

Zweck und Voraussetzungen

Die Anleitung setzt Vertrautheit mit Puja, Sanskritaussprache und den hier ausdrücklich genannten Nyasa- und Mudra-Verfahren voraus. Besondere Mantraformen werden innerhalb ihrer Überlieferung praktiziert.

Gewählte Form: Bagalamukhi Puja mit der zweiten Vidya. Andere Grundmantras sind eigenständige Formen; sie werden nicht zusätzlich in diese Durchführung eingefügt.

Hinweis zu dieser Form: Redaktionelle Ausschreibung der Wortfolge P2-1421. Gegenüber der ersten Form steht vināśaya statt nāśaya. Die Quelle nennt 34 statt 36 Silben; dieser Unterschied ist mit der geringen Wortlautabweichung nicht ohne Weiteres vereinbar und bleibt ein Textproblem.

Vorbereitung und Materialien

Ein sauberer Sitz, ein geeigneter Verehrungsträger, Wassergefäße, Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Lampe und Speise. Wenn die Quelle ein Yantra nennt, wird dessen konkrete Anordnung vor Beginn vorbereitet. Besondere Gaben stehen bei der betreffenden Handlung.

Für die unten ausgeführte vollständige Gabenfolge zusätzlich: Gewand, Schmuck, Badewasser, Mundspülwasser und Madhuparka aus Ghī, Joghurt und Honig. Ein rein geistiger Ersatz einer materiellen Gabe ist als solcher zu verstehen und wird nicht als wortgleiche äußere Durchführung ausgegeben.

Richte die Gaben vor Beginn so ein, dass während der Verehrung nichts gesucht werden muss. Bestimme den verwendeten Mantra und den Verehrungsträger. Die Materialanordnung ist eine redaktionelle Durchführungshilfe; verbindliche Sondergaben stehen bei den Einzelbelegen.

Durchführung

1. Sammeln und den Vorsatz fassen

Setze dich aufrecht vor den Verehrungsplatz, erinnere dich an den Guru und richte deine Absicht auf die in diesem Artikel genannte Gottheit. Fasse den Vorsatz in klaren eigenen Worten. Die anschließend verwendete Mantraform wird für die ganze Durchführung beibehalten.

2. Grundmantra

oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā

Om Hlim, Bagalamukhi: Halte Rede und Mund aller Übeltäter an, binde ihre Zunge, vernichte ihre Einsicht; Hlim Om svaha.

3. Innere Vorbereitung und Nyasa

Für den Hand- und Körpernyasa gilt die ausdrücklich ausgeschriebene Wortgliederung P2-1423. Sie enthält die doppelte kīlaya-Anrufung und vināśaya. Diese Nyasa-Gliederung wird nicht rückwirkend in den oben gewählten Grundmantra eingetragen.


Ausgeschriebene Hand- und Körperfolge

Führe zuerst den Handnyasa, anschließend den Körpernyasa in der Tabellenreihenfolge aus. Die ausgeschriebene Folge setzt die Gliederregel aus P2-1423 und P2-0082–0083 um. Die Ortsnamen in der Tabelle geben zugleich die Bedeutung der Zuordnungsformeln an; die Abschlusslaute bleiben Ritualausrufe.

Nr. Handstelle Handformel Körperstelle Körperformel
1 Beide Daumen oṃ hlīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ
Herz oṃ hlīṃ hṛdayāya namaḥ
2 Beide Zeigefinger bagalāmukhi tarjanībhyāṃ svāhā
Kopf bagalāmukhi śirase svāhā
3 Beide Mittelfinger sarvaduṣṭānāṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ
Haarschopf sarvaduṣṭānāṃ śikhāyai vaṣaṭ
4 Beide Ringfinger vācaṃ mukhaṃ stambhaya anāmikābhyāṃ huṃ
Schutzpanzer vācaṃ mukhaṃ stambhaya kavacāya huṃ
5 Beide kleinen Finger jihvāṃ kīlaya kīlaya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ
Drei Augen jihvāṃ kīlaya kīlaya netratrayāya vauṣaṭ
6 Handflächen und Handrücken buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ
Waffe / Abgrenzung buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā astrāya phaṭ


Vollziehe die morgendliche Vorbereitung und die für diese Mantraform vorgeschriebenen inneren Reinigungen. Setze die genannten Sitzkräfte im Herzlotus ein. Beim Sehernyasa werden Seher, Versmaß und Gottheit an Kopf, Mund und Herz zugeordnet. Führe danach den besonderen Hand- und Körpernyasa aus. Die folgenden Belege bestimmen die konkreten Namen, Laute und Zuordnungen; es wird keine fremde Gottheitsform eingesetzt.

Beleg P2-1422:
anayoḥ pūjā:
prātaḥkṛtyādi prāṇāyāmāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
yathā:
śirasi nārada-ṛṣaye namaḥ, mukhe tṛṣṭupchandase namaḥ, hṛdi
bagalāmukhyai devatāyai namaḥ, guhye hlīṃ bījāya namaḥ, pādayoḥ
svāhā śaktaye namaḥ |
nārado'sya ṛṣimūrdhni tṛṣṭupchandaśca tanmukhe |
śrībagalāmukhīṃ devīṃ hṛdaye vinyasettataḥ |
hlīṃ bījaṃ guhyadeśe tu svāhāśaktistu pādayoḥ
|| 67 ||

Die Verehrung dieser beiden: Nach den Morgenhandlungen und allem bis zur Atemregelung führe man den Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen aus: am Kopf „Verehrung dem Seher Nārada!“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Triṣṭubh!“, im Herzen „Verehrung der Gottheit Bagalāmukhī!“, im Genitalbereich „Hlīṃ, Verehrung dem Bīja!“, an den Füßen „Svāhā, Verehrung der Śakti!“ „Nārada ist der Seher dieses [Mantras] am Kopf; Triṣṭubh ist das Versmaß am Mund. Dann setze man die Göttin Śrī Bagalāmukhī im Herzen ein, das Bīja hlīṃ im Genitalbereich und die Śakti svāhā an den Füßen.“

Beleg P2-1423:
tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ hlīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ nama, bagalāmukhi tarjanībhyāṃ svāhā,
sarvaduṣṭānāṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, vācaṃ mukhaṃ stambhaya
anāmikābhyāṃ huṃ, jihvāṃ kīlaya kīlaya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ,
buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca divyatantre:
yugmabāṇeṣusaptāhiśeṣārṇaśca manudbhavaiḥ |
karaśākhāsu talayoḥ karāṅganyāsamācaret
|| 68 ||

Dann Hand- und Körper-Nyāsa: „Oṃ hlīṃ, Verehrung den beiden Daumen! Bagalāmukhi, den beiden Zeigefingern, svāhā! Sarvaduṣṭānāṃ, den beiden Mittelfingern, vaṣaṭ! Vācaṃ mukhaṃ stambhaya, den beiden Ringfingern, hūṃ! Jihvāṃ kīlaya kīlaya, den beiden kleinen Fingern, vauṣaṭ! Buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā, den Handflächen und Handrücken, phaṭ!“ Ebenso am Herzen und den weiteren Körperstellen. [Die Wortabschnitte bedeuten der Reihe nach: „O Bagalāmukhī“; „aller Übeltäter“; „lähme Rede und Mund“; „nagel die Zunge fest, nagel sie fest“; „vernichte die Einsicht“.] So auch im Divyatantra: „Mit den aus dem Mantra stammenden Silbenabschnitten von zwei, fünf, fünf, sieben, [ahi-śeṣa] Silben führe man den Hand- und Körper-Nyāsa an Fingern und Handflächen aus.“ [Die verschlüsselte Zahlenfolge yugmabāṇeṣusaptāhiśeṣārṇa ist teilweise unklar.]

4. Dhyana und innere Darbringung

Vergegenwärtige die Gottheit nach dem folgenden Dhyana. Nimm Farbe, Gestalt, Haltung, Attribute und Sitz als zusammengehöriges Bild wahr. Sprich den Dhyana-Text und verweile in der Vorstellung. Bringe danach die Gaben zunächst innerlich dar, wie es die Quelle vor der äußeren Verehrung vorsieht.

Beleg P2-1425:
tato dhyānam:
madhye sudhābdhimaṇimaṇḍaparatnavedīsiṃhāsanoparigatāṃ
paripītavarṇām |
pītāmbarābharaṇamālyavibhūṣitāṅgīṃ devīṃ smarāmi
dhṛtamudgaravairijihvām |
jihvāgramādāya kareṇa devīṃ vāmena śatrūnparipīḍayantīm,
gadābhighātena ca dakṣiṇena pītāmbarāḍhyāṃ dvibhujāṃ namāmi
|

Dann die Meditation: „Ich vergegenwärtige mir die Göttin, ganz gelb gefärbt, auf einem Thron auf einer Edelsteinterrasse in einem Juwelenpavillon mitten im Nektarmeer. Ihre Glieder sind mit gelben Gewändern, Schmuck und Girlanden geschmückt; sie hält einen Hammer und die Zunge des Feindes. Ich verneige mich vor der zweiarmigen Göttin in prächtigen gelben Gewändern, die mit der linken Hand die Zungenspitze ergreift und die Feinde durch den Keulenschlag ihrer Rechten quält.“

5. Den Sitz verehren und die Gottheit anrufen

Zugehörige Ausführung des Rückverweises

Die folgenden Belege erläutern den hier benötigten Rückverweis. Führe nur die darin für diese Stelle bezeichnete Handlung aus. Eigene Seherzuordnung, Grundmantra und besonderes Dhyana dieses Artikels bleiben maßgeblich; mitzitierte andere Ritualformen werden nicht zusätzlich ausgeführt.

P2-1426

Zuerst bereite man das Arghya: Man zeichne ein acht Fingerbreiten großes Viereck und verehre in den Ecken, beginnend mit Nordosten, und in den Richtungen, beginnend mit Osten, mit Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, rotem Sandelholz und Elefantenbrunstsekret unter dem Mantra „Glauṃ, Verehrung Gaṇapati!“ Mit diesem Sekret oder mit Honig fülle man das Arghya-Gefäß. Dann verehre man dreimal mit der Grund-Vidyā und vollziehe den Glieder-Nyāsa. Man zeige Dhenu- und Yoni-Mudrā und besprenge mit diesem Wasser sich selbst und die Gegenstände der Verehrung.

tatra prathamato'rghyasthāpanam |
yathā:
aṣṭāṃgulaṃ caturasra vidhāya īśānādikoṇeṣu pūrvādidikṣu ca
kusumākṣataraktacandanaiḥ glauṃ gaṇapataye namaḥ ityanena
gajadānena sampūjya tena madhunā vā arghyapātramāpūraye |
tato vāratrayaṃ mūlavidyayā sampūjyāṅgāni vinyaset |
tato dhenuyonimudrāṃ pradarśya tenodakenātmānaṃ
pūjopakaraṇañcābhyukṣayet
|| 71 ||

तत्र प्रथमतोऽर्घ्यस्थापनम् ।
यथा:
अष्टांगुलं चतुरस्र विधाय ईशानादिकोणेषु पूर्वादिदिक्षु च
कुसुमाक्षतरक्तचन्दनैः ग्लौं गणपतये नमः इत्यनेन
गजदानेन सम्पूज्य तेन मधुना वा अर्घ्यपात्रमापूरये ।
ततो वारत्रयं मूलविद्यया सम्पूज्याङ्गानि विन्यसेत् ।
ततो धेनुयोनिमुद्रां प्रदर्श्य तेनोदकेनात्मानं
पूजोपकरणञ्चाभ्युक्षयेत्
॥ ७१ ॥


Bereite das Arghya vor und verehre den äußeren Sitz mit den für diese Gottheit bezeichneten Kräften. Wenn ein Yantra verwendet wird, halte die im Einzelbeleg genannten Ebenen und Richtungen auseinander. Stelle die Gottheit im Zentrum vor und rufe sie mit dem Grundmantra an.

Beleg P2-1427:
asyā yantram:
tryasraṃ ṣaḍasraṃ vṛttamaṣṭadalapadmaṃ bhūpurānvitam
|| 72 ||

Ihr Yantra: Ein Dreieck, ein Sechseck, ein Kreis, ein achtblättriger Lotus, versehen mit einem Bhūpura, der äußeren quadratischen Einfriedung.

Beleg P2-1430:
(bagalāmukhī yantram citra 42)
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
pītāmbaradharo bhūtvā pūrvābhimukhasaṃsthitaḥ |
lakṣamekaṃ japenmamantraṃ haridrāgranthimālayā |
brahmacaryarato nityaṃ prayato dhyānatatparaḥ |
priyaṃgukusumenāpi pītapuṣpaiśca homayet
|| 74 ||

[Bagalāmukhī-Yantra, Abbildung 42.] Ihr Puraścaraṇa umfasst 100.000 Wiederholungen. Ferner: „In gelbe Gewänder gekleidet und nach Osten gewandt wiederhole man das Mantra 100.000-mal mit einer Gebetskette aus Kurkuma-Knoten. Stets dem Brahmacarya zugewandt, rein und ganz der Meditation hingegeben, bringe man mit Priyaṅgu-Blüten und gelben Blumen Feueropfer dar.“

Die allgemeine Anrufungsformel P1-0536 wird nach dem Grundmantra an die gewählte Gottheit gerichtet:

ihāgaccha ihāgaccha | iha tiṣṭha iha tiṣṭha | iha sannidhehi iha sannidhehi | iha sannirudhyasva ||

„Komm hierher, komm hierher. Bleibe hier, bleibe hier. Sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig. Verweile hier gesammelt.“

Begleite die Anrufung mit den unterwiesenen Mudras. Die besondere Vorschrift der Gottheit bestimmt die anschließende Einsetzung der Lebenskraft. Die im Beleg zugleich erwähnten späteren Schritte werden an ihrem Platz in der folgenden Reihenfolge ausgeführt.

6. Gaben bis zu den Blüten und die Umkreisverehrung

Vollständige Richtungshüterfolge

An der Stelle von „Indra und die übrigen“ verehre die Richtungshüter nach der ausdrücklich allgemeinen Reihe P2-0142. Jede Formel ehrt den genannten Herrn samt Waffe, Reittier und Gefolge.

Ort Vollständige Formel
Osten oṃ lāṃ indrāya devādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Südosten oṃ rāṃ agnaye tejodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Süden oṃ yāṃ yamāya pretādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Südwesten oṃ kṣāṃ nirṛtaye rakṣodhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Westen oṃ vāṃ varuṇāya jalādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Nordwesten oṃ yāṃ vāyave prāṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Norden oṃ sāṃ somāya tārādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
Nordosten oṃ hāṃ īśānāya gaṇādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
zwischen Osten und Nordosten oṃ āṃ brahmaṇe prajādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ
zwischen Südwesten und Westen oṃ hrīṃ anantāya nāgādhipataye sāyudhāya savāhanāya saparivārāya namaḥ

Die vorgeschriebene äußere Waffenreihe nach P2-0144 lautet vollständig:

Ort / Reihenfolge Darbringungsformel
Osten oṃ vajrāya namaḥ
Südosten oṃ śaktaye namaḥ
Süden oṃ daṇḍāya namaḥ
Südwesten oṃ khaḍgāya namaḥ
Westen oṃ pāśāya namaḥ
Nordwesten oṃ aṃkuśāya namaḥ
Norden oṃ gadāyai namaḥ
Nordosten oṃ śūlāya namaḥ
zwischen Osten und Nordosten oṃ padmāya namaḥ
zwischen Südwesten und Westen oṃ cakrāya namaḥ

Bringe die im Einzelritual genannten Gaben bis einschließlich der Blüten dar. Bei sechzehn Upacaras sind die dort genannten Gaben vollständig einzubeziehen. Wo fünf Blumenhandvoll vorgeschrieben sind, bringe sie mit dem Grundmantra an Scheitel, Herz, Grundlage, Füßen und der gesamten vorgestellten Gestalt dar. Erst anschließend folgt der bezeichnete Umkreis. Diese fünf Zuordnungen folgen P2-0104.

Reihenfolge und Gabe Handlung Rezitation
1. Sitz Biete der vergegenwärtigten Gottheit ihren Sitz an. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
2. Willkommen Begrüße die Gottheit mit gefalteten Händen. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
3. Fußwasser Bringe eine kleine Wassergabe an den vorgestellten Füßen dar. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
4. Arghya Reiche das vorbereitete Ehrenwasser dar. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
5. Mundspülwasser Biete eine frische Wassergabe an. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
6. Madhuparka Bringe die Mischung aus Ghī, Joghurt und Honig dar; Zusammensetzung nach P1-0539. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
7. Erneutes Mundspülen Reiche nach dem Madhuparka nochmals Wasser dar. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
8. Bad Bringe das Badewasser dar; ein empfindliches Bild wird nicht mit ungeeigneten Flüssigkeiten übergossen. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
9. Gewand Reiche das vorgesehene Gewand dar. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
10. Schmuck Biete den Schmuck an. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
11. Duftstoff Bringe den Duftstoff dar. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
12. Blüten Lege die Blüten mit ihrer natürlichen Oberseite nach oben nieder. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā

Deutsche Bedeutung der bei jeder Gabe wiederholten Formel: Om Hlim, Bagalamukhi: Halte Rede und Mund aller Übeltäter an, binde ihre Zunge, vernichte ihre Einsicht; Hlim Om svaha. Die nachfolgenden vier Glieder sind Räucherwerk, Licht, Speise und Verneigung. Sie werden an den unten bezeichneten Stellen ausgeführt. Damit sind die sechzehn Gaben aus P2-0099 vollständig berücksichtigt.

Beleg P2-1424:
tato mūlānte ātmatattvavyāpinībagalāmukhī śrīpādukāṃ
pūjayāmi iti mūlādhāre |
mūlānte vidyātattvavyāpinībagalamukhī śrīpādukāṃ pūjayāmi iti
śirasi |
mūlānte sarvatattvavyāpinī bagalāmukhī śrīpādukāṃ pūjayāmi iti
sarvāṅge |
tathā ca:
mūrdhni bhāle dṛśoḥ śrotre gaṃḍayornasayoḥ punaḥ |
oṣṭhayormukhavṛtte ca dakṣiṇāṃse ca kūrpare |
maṇḍibandhe'ṃgulermūle gale ca kucayorhṛdi |
nābhau kaṭyāṃ guhyadeśe vāmāṃse kūrpare tathā |
maṇibandhe'ṃgulermūle tataśca vinyasetpunaḥ |
dakṣavāme corujānvorgulphe cāmgulimūlake |
krameṇa mantravarṇāṃstu nyasya dhyāyedyathāvidhi
|| 69 ||

Dann füge man dem Grundmantra im Mūlādhāra hinzu: „Ich verehre die ehrwürdigen Sandalen Bagalāmukhīs, die das Ātma-Tattva durchdringt.“ Am Kopf füge man hinzu: „Ich verehre die ehrwürdigen Sandalen Bagalāmukhīs, die das Vidyā-Tattva durchdringt.“ Am ganzen Körper füge man hinzu: „Ich verehre die ehrwürdigen Sandalen Bagalāmukhīs, die sämtliche Tattvas durchdringt.“ Ferner: „Am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, beiden Ohren, beiden Wangen und beiden Nasenseiten, beiden Lippen, am Umkreis des Mundes, an der rechten Schulter und am Ellenbogen, am Handgelenk, an den Fingerwurzeln, am Hals, an beiden Brüsten, im Herzen, am Nabel, an der Hüfte, im Genitalbereich, an der linken Schulter, am Ellenbogen, am Handgelenk und an den Fingerwurzeln; dann rechts und links an Oberschenkeln, Knien, Knöcheln und Zehenwurzeln: Nachdem man dort der Reihe nach die Mantrasilben eingesetzt hat, meditiere man vorschriftsgemäß.“

Beleg P2-1428:
tato
mūlamuccārya oṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ evaṃ
śaktipadmāsanāya namaḥ |
tataḥ pūrvavaddhyātvā pīṭhe āvāhya ṣaḍaṅgāni vinyaset |
tato mudrāḥ pradarśya, purataḥ ṣaḍaṅgena maṇḍalaṃ yajet |
tato mūlena mantrayitvā dhenuyonimudre pradarśya,
ātmavidyāśivaistattvairvindutrayaṃ mukhe kṣiptvā
tarjanyāṃguṣṭhayogena sāṅgāvaraṇāṃ bagalāmukhī tarpayet
|| 73 ||

Dann spreche man das Grundmantra und „Oṃ, Verehrung dem Lotussitz der tragenden Śakti!“; ebenso „Verehrung dem Śakti-Lotussitz!“ Man meditiere wie zuvor, rufe [die Göttin] auf dem Pīṭha herbei und setze die sechs Glieder ein. Dann zeige man die Mudrās und verehre vor sich das Maṇḍala mit den sechs Gliedern. Man bespreche [das Wasser] mit dem Grundmantra, zeige Dhenu- und Yoni-Mudrā und gebe drei Tropfen mit den Tattvas Ātma, Vidyā und Śiva in den Mund. Mit verbundenem Zeigefinger und Daumen befriedige man Bagalāmukhī samt ihren Gliedern und Umkreisgottheiten durch Tarpaṇa.

Beleg P2-1429:
tato yathāsambhavamupacāraiḥ sampūjyāvaraṇapūjāmārabhet |
ṣaṭkoṇeṣu pūrve oṃ subhagāyai namaḥ, evamagnikoṇe bhagasarpiṇyai,
īśāne bhagavahāyai, paścime bhagasiddhāyai, nair-ṛte
bhaganipātinyai, vāyau bhagamālinyai |
tato'ṣṭadalapatreṣu brāhmyadyāḥ pūjyāḥ patrāgreṣu |
oṃ jayāyai namaḥ evaṃ vijayāyai ajitāyai aparājitāyai stambhinyai
jambhinyai mohinyai ākarṣiṇyai |
tato dvāreṣu oṃ bhairavāya namaḥ |
tadbāhye indrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādikaṃ dattvā yathāśakti japaṃ vidhāya, triśūlamudrāṃ
pradarśya, puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, devyai yonimudrāṃ pradarśayet |
tato bhairavāya baliṃ dadyāt |
tato visarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 73ka ||

Dann verehre man mit den verfügbaren Gaben und beginne die Verehrung der Umkreisgottheiten. An den sechs Ecken: im Osten „Oṃ, Verehrung Subhagā!“; im Südosten Bhagasarpiṇī, im Nordosten Bhagavahā, im Westen Bhagasiddhā, im Südwesten Bhaganipātinī, im Nordwesten Bhagamālinī. Dann sind auf den acht Lotusblättern Brāhmī und die übrigen [Mütter] zu verehren; an den Blattspitzen „Oṃ, Verehrung Jayā!“ sowie Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Stambhinī, Jambhinī, Mohinī und Ākarṣiṇī. An den Toren „Oṃ, Verehrung Bhairava!“ Außerhalb verehre man Indra und die übrigen [Welthüter] sowie Vajra und die übrigen [Waffen]. Dann gebe man Räucherwerk und die weiteren Gaben, vollziehe Japa nach Vermögen, zeige die Dreizack-Mudrā, bringe drei Hände voll Blumen dar und zeige der Göttin die Yoni-Mudrā. Danach bringe man Bhairava ein Bali dar und vollende die Handlungen bis einschließlich der Entlassung.

7. Räucherwerk, Licht und Speise; Übersicht der fünf Gaben

Nach der Umkreisverehrung folgen Räucherwerk, Licht und Speise. Duftstoff und Blüten sind in der Tabelle zur Übersicht nochmals genannt und werden nicht deshalb ein zweites Mal verlangt. Wo die besondere Anweisung sechzehn oder weitere Gaben nennt, führe diese vollständig aus. Die gemeinsame Gruppe der fünf Gaben besteht nach P2-0100 aus Duftstoff, Blüten, Räucherwerk, Licht und Speise. P1-0540 schreibt vor, bei jeder Gabe den Grundmantra zu sprechen. Verwende dabei ausschließlich den oben bezeichneten Mantra dieser Ritualform.

Gabe Konkrete Handlung Rezitation und Bedeutung
Duftstoff Bringe den Duftstoff vor der Gottheit dar. Sprich oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
; die Gabe bedeutet: „Dir bringe ich diesen Duft dar.“
Blüten Lege die Blüten auf dem vorgesehenen Platz nieder, mit der natürlichen Oberseite nach oben. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
; danach, nach P1-0540: etāni puṣpāṇi vauṣaṭ
– „Diese Blüten, vaushat.“
Räucherwerk Lass die Glocke mit der linken Hand erklingen und führe das Räuchergefäß vor der Gottheit. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich diesen Duft des Räucherwerks dar.“
Licht Bringe die brennende Lampe vor der Gottheit bis zur Höhe ihres Blickes dar. oṃ hlīṃ bagalāmukhi sarvaduṣṭānāṃ vācaṃ mukhaṃ stambhaya jihvāṃ kīlaya buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā
; Bedeutung der Handlung: „Dir bringe ich dieses Licht dar.“
Speise Stelle die Speise vor die Gottheit. Besprenge sie mit phaṭ
, rezitiere den Grundmantra achtmal und vollziehe die unterwiesene Dhenu-Mudra. Reiche die Gabe mit dem Grundmantra dar.
phaṭ
ist der rituelle Abgrenzungslaut; der Grundmantra richtet die Gabe an die Gottheit. Die achtsfache Besprechung folgt P2-0106.

Die deutschen Sätze erläutern die Gaben; sie sind keine dem Brihat Tantrasara zugeschriebenen Sanskritverse. Die konkreten Mantra-Zusätze, die im Einzelritual stehen, haben Vorrang. Die einfachen Handhabungshinweise führen die Angaben P2-0100, P2-0103–0106 und P1-0540 aus.

8. Japa, Darbringung und Abschluss

Setze dich nach den äußeren Gaben gesammelt hin und wiederhole den Grundmantra dieser Form. Wenn die besondere Paddhati keine Sitzungszahl nennt, nennt die allgemeine Ordnung 100 oder 1008 Wiederholungen (P2-0111). Eine Purascharana-Gesamtzahl ist davon zu unterscheiden.

Bringe das vollzogene Japa der Gottheit dar. Die allgemeine Formel lautet in einer redaktionell geglätteten Lesefassung:

oṃ guhyātiguhyagoptrī tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me devi tvatprasādāt tvayi sthite ||

„Om. Du Hüterin des Allerverborgensten, nimm das von uns vollzogene Japa an. Möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, o Göttin, da du in mir gegenwärtig bist.“

Die Formen guhyāti-/gṛhāṇāsmat- sind gegenüber dem beschädigten Wortabstand der Vorlage grammatisch geglättet; der Sanskritwortlaut von P2-0111 bleibt als Beleg erhalten. Preist die betreffende Tradition die Gottheit mit einem eigenen Stotra, schließt sich dieses hier an. Verneige dich anschließend.

Führe die Umkreisgottheiten innerlich in die Hauptgottheit zurück. Sprich:

kṣamasva
„Verzeihe!“

Vollziehe die unterwiesene Samhara-Mudra, nimm den Duft der dargebrachten Blüte wahr und führe den Lichtglanz der Gottheit in den Lotus deines Herzens zurück (P2-0120). Verweile einen Augenblick in dieser Gegenwart. Die Quelle beschreibt damit die Rücknahme der rituellen Anrufung; die Verehrung wirkt als Erinnerung im Alltag weiter.

Quellenwortlaut in IAST und deutscher Übersetzung

Die folgenden Belege gehören ausschließlich zur bezeichneten Ritualform oder zu ausdrücklich benannten gemeinsamen Vorhandlungen. Die Kennungen P1/P2/P3/P6 mit vierstelliger Nummer sind redaktionelle Fundstellen der vorhandenen Werkfassung, keine neu erfundenen Versnummern. Die überlieferte Originalnummer steht jeweils daneben. Sanskritanweisungen beschreiben Handlungen; sie werden nicht insgesamt als Mantra rezitiert.

P2-1421 · Originalnummer 66

tantrāntare:
vahnihīnendrayuṅmāyā bagalāmukhi sarvayuk |
duṣṭānāṃ vācamityuktvā mukhaṃ stambhaya kīrtayet |
jihvāṃ kīlaya buddhintu vināśayapadaṃ vadet |
punarbījaṃ tatastāraṃ vahnijāyāvadhirbhavet |
tārādikā caturstriṃśadakṣarā bagalāmukhī |
ityapi mantrāntaram
|| 66 ||

In einem anderen Tantra: „Māyā ohne Feuer, mit Indra verbunden, bagalāmukhi, gefolgt von sarva; man spreche duṣṭānāṃ vācaṃ, dann mukhaṃ stambhaya; jihvāṃ kīlaya und buddhiṃ vināśaya. Danach erneut das Bīja, Tārā und als Abschluss die Gemahlin des Feuers. Die mit Tārā beginnende Bagalāmukhī-[Vidyā] hat vierunddreißig Silben.“ Auch dies ist ein anderes Mantra. [Die Anrufung bedeutet: „O Bagalāmukhī, lähme die Rede und den Mund aller Übeltäter! Nagel ihre Zunge fest! Vernichte ihre Einsicht!“; vināśaya ersetzt hier nāśaya.]

P2-1431 · Originalnummer 75

dvitīyamantre nyāsādikaṃ sarvaṃ pūrvavat |
dhyānastu:
gambhīrāñca madonmattāṃ svarṇakāntisamaprabhām |
caturbhujāṃ trinayanāṃ kamalāsanasaṃsthitām |
mudgaraṃ dakṣiṇe pāśaṃ vāme jihvāñca vajrakam |
pītāmbaradharāṃ devīṃ dṛḍhapīnapayodharām |
hemakuṇḍalabhūṣāñca pītacandrārddhaśekharām |
pītabhūṣaṇabhūṣāñca ratnasiṃhāsane sthitām
|| 75 ||

Beim zweiten Mantra sind Nyāsa und alles Weitere wie zuvor. Die Meditation: „[Man meditiere über] die erhabene, von Rausch erfüllte Göttin, die wie Gold strahlt; vierarmig, dreiäugig, auf einem Lotussitz. Rechts [hält sie] den Hammer, links die Schlinge, dazu eine Zunge und einen Donnerkeil. Sie trägt gelbe Gewänder und hat feste, volle Brüste; sie ist mit goldenen Ohrringen geschmückt, trägt eine gelbe Mondsichel als Kopfschmuck und gelben Schmuck und sitzt auf einem Edelsteinthron.“ [Die genaue Verteilung sämtlicher vier Gegenstände auf die Hände ist nur teilweise angegeben.]

Ausgeschriebene Belege zu den Rückverweisen

Diese Stellen liefern die im Hauptbeleg vorausgesetzten Zuordnungen und Handlungen. Das Grundmantra bleibt dasjenige der oben bezeichneten Ritualform; ein anderer Mantra im Vergleichsbeleg wird nicht zusätzlich übernommen.

P2-1422 · Originalnummer 67 · Rückverweis

anayoḥ pūjā:
prātaḥkṛtyādi prāṇāyāmāntaṃ vidhāya ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt |
yathā:
śirasi nārada-ṛṣaye namaḥ, mukhe tṛṣṭupchandase namaḥ, hṛdi
bagalāmukhyai devatāyai namaḥ, guhye hlīṃ bījāya namaḥ, pādayoḥ
svāhā śaktaye namaḥ |
nārado'sya ṛṣimūrdhni tṛṣṭupchandaśca tanmukhe |
śrībagalāmukhīṃ devīṃ hṛdaye vinyasettataḥ |
hlīṃ bījaṃ guhyadeśe tu svāhāśaktistu pādayoḥ
|| 67 ||

Die Verehrung dieser beiden: Nach den Morgenhandlungen und allem bis zur Atemregelung führe man den Nyāsa des Sehers und der weiteren Zuordnungen aus: am Kopf „Verehrung dem Seher Nārada!“, am Mund „Verehrung dem Versmaß Triṣṭubh!“, im Herzen „Verehrung der Gottheit Bagalāmukhī!“, im Genitalbereich „Hlīṃ, Verehrung dem Bīja!“, an den Füßen „Svāhā, Verehrung der Śakti!“ „Nārada ist der Seher dieses [Mantras] am Kopf; Triṣṭubh ist das Versmaß am Mund. Dann setze man die Göttin Śrī Bagalāmukhī im Herzen ein, das Bīja hlīṃ im Genitalbereich und die Śakti svāhā an den Füßen.“

P2-1423 · Originalnummer 68 · Rückverweis

tataḥ karāṅganyāsau:
oṃ hlīṃ aṃguṣṭhābhyāṃ nama, bagalāmukhi tarjanībhyāṃ svāhā,
sarvaduṣṭānāṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ, vācaṃ mukhaṃ stambhaya
anāmikābhyāṃ huṃ, jihvāṃ kīlaya kīlaya kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ,
buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ hṛdayādiṣu |
tathā ca divyatantre:
yugmabāṇeṣusaptāhiśeṣārṇaśca manudbhavaiḥ |
karaśākhāsu talayoḥ karāṅganyāsamācaret
|| 68 ||

Dann Hand- und Körper-Nyāsa: „Oṃ hlīṃ, Verehrung den beiden Daumen! Bagalāmukhi, den beiden Zeigefingern, svāhā! Sarvaduṣṭānāṃ, den beiden Mittelfingern, vaṣaṭ! Vācaṃ mukhaṃ stambhaya, den beiden Ringfingern, hūṃ! Jihvāṃ kīlaya kīlaya, den beiden kleinen Fingern, vauṣaṭ! Buddhiṃ vināśaya hlīṃ oṃ svāhā, den Handflächen und Handrücken, phaṭ!“ Ebenso am Herzen und den weiteren Körperstellen. [Die Wortabschnitte bedeuten der Reihe nach: „O Bagalāmukhī“; „aller Übeltäter“; „lähme Rede und Mund“; „nagel die Zunge fest, nagel sie fest“; „vernichte die Einsicht“.] So auch im Divyatantra: „Mit den aus dem Mantra stammenden Silbenabschnitten von zwei, fünf, fünf, sieben, [ahi-śeṣa] Silben führe man den Hand- und Körper-Nyāsa an Fingern und Handflächen aus.“ [Die verschlüsselte Zahlenfolge yugmabāṇeṣusaptāhiśeṣārṇa ist teilweise unklar.]

P2-1424 · Originalnummer 69 · Rückverweis

tato mūlānte ātmatattvavyāpinībagalāmukhī śrīpādukāṃ
pūjayāmi iti mūlādhāre |
mūlānte vidyātattvavyāpinībagalamukhī śrīpādukāṃ pūjayāmi iti
śirasi |
mūlānte sarvatattvavyāpinī bagalāmukhī śrīpādukāṃ pūjayāmi iti
sarvāṅge |
tathā ca:
mūrdhni bhāle dṛśoḥ śrotre gaṃḍayornasayoḥ punaḥ |
oṣṭhayormukhavṛtte ca dakṣiṇāṃse ca kūrpare |
maṇḍibandhe'ṃgulermūle gale ca kucayorhṛdi |
nābhau kaṭyāṃ guhyadeśe vāmāṃse kūrpare tathā |
maṇibandhe'ṃgulermūle tataśca vinyasetpunaḥ |
dakṣavāme corujānvorgulphe cāmgulimūlake |
krameṇa mantravarṇāṃstu nyasya dhyāyedyathāvidhi
|| 69 ||

Dann füge man dem Grundmantra im Mūlādhāra hinzu: „Ich verehre die ehrwürdigen Sandalen Bagalāmukhīs, die das Ātma-Tattva durchdringt.“ Am Kopf füge man hinzu: „Ich verehre die ehrwürdigen Sandalen Bagalāmukhīs, die das Vidyā-Tattva durchdringt.“ Am ganzen Körper füge man hinzu: „Ich verehre die ehrwürdigen Sandalen Bagalāmukhīs, die sämtliche Tattvas durchdringt.“ Ferner: „Am Scheitel, an der Stirn, an beiden Augen, beiden Ohren, beiden Wangen und beiden Nasenseiten, beiden Lippen, am Umkreis des Mundes, an der rechten Schulter und am Ellenbogen, am Handgelenk, an den Fingerwurzeln, am Hals, an beiden Brüsten, im Herzen, am Nabel, an der Hüfte, im Genitalbereich, an der linken Schulter, am Ellenbogen, am Handgelenk und an den Fingerwurzeln; dann rechts und links an Oberschenkeln, Knien, Knöcheln und Zehenwurzeln: Nachdem man dort der Reihe nach die Mantrasilben eingesetzt hat, meditiere man vorschriftsgemäß.“

P2-1425 · Originalnummer 70 · Rückverweis

tato dhyānam:
madhye sudhābdhimaṇimaṇḍaparatnavedīsiṃhāsanoparigatāṃ
paripītavarṇām |
pītāmbarābharaṇamālyavibhūṣitāṅgīṃ devīṃ smarāmi
dhṛtamudgaravairijihvām |
jihvāgramādāya kareṇa devīṃ vāmena śatrūnparipīḍayantīm,
gadābhighātena ca dakṣiṇena pītāmbarāḍhyāṃ dvibhujāṃ namāmi
|
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya bahiḥpūjāmārabhet
|| 70 ||

Dann die Meditation: „Ich vergegenwärtige mir die Göttin, ganz gelb gefärbt, auf einem Thron auf einer Edelsteinterrasse in einem Juwelenpavillon mitten im Nektarmeer. Ihre Glieder sind mit gelben Gewändern, Schmuck und Girlanden geschmückt; sie hält einen Hammer und die Zunge des Feindes. Ich verneige mich vor der zweiarmigen Göttin in prächtigen gelben Gewändern, die mit der linken Hand die Zungenspitze ergreift und die Feinde durch den Keulenschlag ihrer Rechten quält.“ Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, beginne man die äußere Verehrung.

P2-1426 · Originalnummer 71 · Rückverweis

tatra prathamato'rghyasthāpanam |
yathā:
aṣṭāṃgulaṃ caturasra vidhāya īśānādikoṇeṣu pūrvādidikṣu ca
kusumākṣataraktacandanaiḥ glauṃ gaṇapataye namaḥ ityanena
gajadānena sampūjya tena madhunā vā arghyapātramāpūraye |
tato vāratrayaṃ mūlavidyayā sampūjyāṅgāni vinyaset |
tato dhenuyonimudrāṃ pradarśya tenodakenātmānaṃ
pūjopakaraṇañcābhyukṣayet
|| 71 ||

Zuerst bereite man das Arghya: Man zeichne ein acht Fingerbreiten großes Viereck und verehre in den Ecken, beginnend mit Nordosten, und in den Richtungen, beginnend mit Osten, mit Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, rotem Sandelholz und Elefantenbrunstsekret unter dem Mantra „Glauṃ, Verehrung Gaṇapati!“ Mit diesem Sekret oder mit Honig fülle man das Arghya-Gefäß. Dann verehre man dreimal mit der Grund-Vidyā und vollziehe den Glieder-Nyāsa. Man zeige Dhenu- und Yoni-Mudrā und besprenge mit diesem Wasser sich selbst und die Gegenstände der Verehrung.

P2-1427 · Originalnummer 72 · Rückverweis

asyā yantram:
tryasraṃ ṣaḍasraṃ vṛttamaṣṭadalapadmaṃ bhūpurānvitam
|| 72 ||

Ihr Yantra: Ein Dreieck, ein Sechseck, ein Kreis, ein achtblättriger Lotus, versehen mit einem Bhūpura, der äußeren quadratischen Einfriedung.

P2-1428 · Originalnummer 73 · Rückverweis

tato
mūlamuccārya oṃ ādhāraśaktikamalāsanāya namaḥ evaṃ
śaktipadmāsanāya namaḥ |
tataḥ pūrvavaddhyātvā pīṭhe āvāhya ṣaḍaṅgāni vinyaset |
tato mudrāḥ pradarśya, purataḥ ṣaḍaṅgena maṇḍalaṃ yajet |
tato mūlena mantrayitvā dhenuyonimudre pradarśya,
ātmavidyāśivaistattvairvindutrayaṃ mukhe kṣiptvā
tarjanyāṃguṣṭhayogena sāṅgāvaraṇāṃ bagalāmukhī tarpayet
|| 73 ||

Dann spreche man das Grundmantra und „Oṃ, Verehrung dem Lotussitz der tragenden Śakti!“; ebenso „Verehrung dem Śakti-Lotussitz!“ Man meditiere wie zuvor, rufe [die Göttin] auf dem Pīṭha herbei und setze die sechs Glieder ein. Dann zeige man die Mudrās und verehre vor sich das Maṇḍala mit den sechs Gliedern. Man bespreche [das Wasser] mit dem Grundmantra, zeige Dhenu- und Yoni-Mudrā und gebe drei Tropfen mit den Tattvas Ātma, Vidyā und Śiva in den Mund. Mit verbundenem Zeigefinger und Daumen befriedige man Bagalāmukhī samt ihren Gliedern und Umkreisgottheiten durch Tarpaṇa.

P2-1429 · Originalnummer 73ka · Rückverweis

tato yathāsambhavamupacāraiḥ sampūjyāvaraṇapūjāmārabhet |
ṣaṭkoṇeṣu pūrve oṃ subhagāyai namaḥ, evamagnikoṇe bhagasarpiṇyai,
īśāne bhagavahāyai, paścime bhagasiddhāyai, nair-ṛte
bhaganipātinyai, vāyau bhagamālinyai |
tato'ṣṭadalapatreṣu brāhmyadyāḥ pūjyāḥ patrāgreṣu |
oṃ jayāyai namaḥ evaṃ vijayāyai ajitāyai aparājitāyai stambhinyai
jambhinyai mohinyai ākarṣiṇyai |
tato dvāreṣu oṃ bhairavāya namaḥ |
tadbāhye indrādīnvajrādīṃśca pūjayet |
tato dhūpādikaṃ dattvā yathāśakti japaṃ vidhāya, triśūlamudrāṃ
pradarśya, puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, devyai yonimudrāṃ pradarśayet |
tato bhairavāya baliṃ dadyāt |
tato visarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 73ka ||

Dann verehre man mit den verfügbaren Gaben und beginne die Verehrung der Umkreisgottheiten. An den sechs Ecken: im Osten „Oṃ, Verehrung Subhagā!“; im Südosten Bhagasarpiṇī, im Nordosten Bhagavahā, im Westen Bhagasiddhā, im Südwesten Bhaganipātinī, im Nordwesten Bhagamālinī. Dann sind auf den acht Lotusblättern Brāhmī und die übrigen [Mütter] zu verehren; an den Blattspitzen „Oṃ, Verehrung Jayā!“ sowie Vijayā, Ajitā, Aparājitā, Stambhinī, Jambhinī, Mohinī und Ākarṣiṇī. An den Toren „Oṃ, Verehrung Bhairava!“ Außerhalb verehre man Indra und die übrigen [Welthüter] sowie Vajra und die übrigen [Waffen]. Dann gebe man Räucherwerk und die weiteren Gaben, vollziehe Japa nach Vermögen, zeige die Dreizack-Mudrā, bringe drei Hände voll Blumen dar und zeige der Göttin die Yoni-Mudrā. Danach bringe man Bhairava ein Bali dar und vollende die Handlungen bis einschließlich der Entlassung.

P2-1430 · Originalnummer 74 · Rückverweis

(bagalāmukhī yantram citra 42)
asya puraścaraṇaṃ lakṣajapaḥ |
tathā ca:
pītāmbaradharo bhūtvā pūrvābhimukhasaṃsthitaḥ |
lakṣamekaṃ japenmamantraṃ haridrāgranthimālayā |
brahmacaryarato nityaṃ prayato dhyānatatparaḥ |
priyaṃgukusumenāpi pītapuṣpaiśca homayet
|| 74 ||

[Bagalāmukhī-Yantra, Abbildung 42.] Ihr Puraścaraṇa umfasst 100.000 Wiederholungen. Ferner: „In gelbe Gewänder gekleidet und nach Osten gewandt wiederhole man das Mantra 100.000-mal mit einer Gebetskette aus Kurkuma-Knoten. Stets dem Brahmacarya zugewandt, rein und ganz der Meditation hingegeben, bringe man mit Priyaṅgu-Blüten und gelben Blumen Feueropfer dar.“

P1-0536 · Originalnummer 40 · Rückverweis

tasā0 4
athā : mūlamantramuccaran amuka ihāgaccha ihāgaccha iha
tiṣṭha iha tiṣṭha iha sannidhehi iha sannidhehi iha sannirudhyasva
ityāvāhanādikaṃ kṛtvā, huṃ ityavaguṇṭhya, devatāṅge
ṣaḍaṅganyāsaṃ kṛtvā, vamiti dhenumudrayā amṛtīkṛtya,
paramīkaraṇamudrayā paramīkuryāt | tataḥ prāṇapratiṣṭhāṃ
kṛtvā ṣoḍaśopacāraiḥ pūjayet || 39 ka ||
yathā : mūlamuccārya idamāsanaṃ amukadevatāyai namaḥ,
amukadeva svāgatante iti svāgatam | tato mūlamuccārya etatpādyaṃ
amukadevatāyai namaḥ iti pādāmbuje dadyāt |
etatśyāmādūrvābjaviṣṇukrāntābhirītam | arghyaṃ
amukadevatāyai svāhā iti
gandhapuṣpākṣatayavakuśāgratilasarṣapadūrvātmakamarghyaṃ
śirasi dadyāt | vaiṣṇave tu arghyādikrameṇaiva deyamiti vadanti | tato
mūlamuccārya idamācamanīyaṃ amukadevatāyai svadhā iti
jātīlavaṅgakakkolātmakamācamanīyaṃ vadane dadyāt |
svadhāmantreṇa vadane dadyādācamanīyakaṃ ityatrasudhāpāṭhaṃ
kurvantaḥ sudhāśabdasyāmṛtavācakatvādamṛtavācakaśabdādya
jalavācakatvādidamācamanīyaṃ vamiti vadanti
|| 40 ||

Nun: Unter Rezitation des Grundmantras rufe man die Gottheit: „O [Name], komm hierher, komm hierher; bleibe hier, bleibe hier; sei hier gegenwärtig, sei hier gegenwärtig; halte dich hier fest.“ Mit huṃ verhülle man, vollziehe den sechsgliedrigen Nyāsa an der Gottheit, mache mit vaṃ und Dhenu-Mudrā nektarhaft und erhebe mit der Paramīkaraṇa-Mudrā zur höchsten Gegenwart. Danach setze man die Lebenskräfte ein und verehre mit sechzehn Darbringungen. [„tasā0 4“ ist ein Druckvermerk; eingeschobene Originalnummer 39 ka.] Nach dem Grundmantra: „Dieser Sitz ist für die [genannte] Gottheit, Verehrung“; als Willkommensgruß „O [Gottheit], willkommen“. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Fußwasser ist für die [Gottheit], Verehrung“ und an ihren Lotusfüßen darbringen; es enthält Śyāmā, Dūrvā, Lotus und Viṣṇukrāntā. „Dieses Arghya ist für die [Gottheit], svāhā“ und auf ihrem Kopf darbringen; es besteht aus Duftstoff, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern, Gerste, Kuśa-Spitzen, Sesam, Senf und Dūrvā. Im vaiṣṇavischen Bereich sagen manche, Arghya sei als Erstes zu geben. Dann nach dem Grundmantra „Dieses Mundwasser ist für die [Gottheit], svadhā“ und in ihrem Mund darbringen; es besteht aus Jātī, Gewürznelke und Kakkola. Manche lesen statt „mit dem Svadhā-Mantra das Mundwasser in den Mund geben“ sudhā und sagen, weil sudhā Unsterblichkeitsnektar und dessen Bezeichnung wiederum Wasser bedeute, laute die Formel „Dieses Mundwasser – vaṃ“.

P1-0540 · Originalnummer 44 · Rückverweis

tato
mantrapuṭitamātṛkāvarṇena tattannyāsasthānāni pūjayitvā etāni
puṣpāṇi vauṣaṭ iti | sarvatra dāne mūlamantroccāraṇam
|| 44 ||

Danach verehre man die jeweiligen Nyāsa-Stellen mit den vom Mantra umhüllten Mātṛkā-Buchstaben und spreche „Diese Blüten, vauṣaṭ“. Bei sämtlichen Darbringungen ist der Grundmantra auszusprechen.

P2-0100 · Originalnummer 95 · Rückverweis

athavā eṣāmapyabhāve pañcopacārān kalpayet |
gandhādayo naivedyāntā pūjā pañcoparacārikā iti
|| 95 ||

Oder man soll, wenn auch diese Gaben fehlen, fünf Verehrungsgaben bereitstellen. Die Verehrung mit fünf Gaben reicht vom Duftstoff bis zur Speise: Duftstoff, Blumen, Räucherwerk, Licht und Speise.

P2-0103 · Originalnummer 98 · Rückverweis

puṣpadāne tu viśeṣaḥ:
puṣpaṃ vā yadi vā patraṃ phale neṣṭhamadhomukham |
duḥkhadaṃ tatsamādhyātaṃ yathotpannaṃ tathārpaṇaṃ |
adhomukha phalaṃ neṣṭaṃ puṣpāñjalividhau na ca |
sarvasva dravyadāne'yaṃ kramaḥ |
ādau mūlaṃ tato dravyaṃ devatāyai tataḥ padam |
śrītattvacintāmaṇau:
hṛdvahnivallabhātoyamantraṃ pādyādiṣu kramāt |
namo vauṣaṭ gandhapuṣpe hṛdānyāni nivedayet |
mūlamuccārya etatpādyaṃ amukadevatāyai namaḥ |
ityādinā syāt
|| 98 ||

Für das Darbringen von Blumen gilt eine besondere Regel: Eine Blume, ein Blatt oder eine Frucht soll nicht mit der Oberseite nach unten dargebracht werden. Eine solche Gabe gilt als leidbringend; man soll sie so darbringen, wie sie gewachsen ist. Eine nach unten gerichtete Frucht ist nicht erwünscht; bei der Handvoll Blumen, puṣpāñjali, gilt diese Einschränkung nicht. Für alle Gaben gilt folgende Reihenfolge: zuerst das Grundmantra, dann die Bezeichnung der Gabe, danach die Bezeichnung der Gottheit. Im Śrītattvacintāmaṇi heißt es: Für Fußwasser und die folgenden Wassergaben verwendet man der Reihe nach namaḥ, svāhā und das Wassermantra; für Duftstoff namaḥ, für Blumen vauṣaṭ, für die übrigen Gaben namaḥ. Nachdem man das Grundmantra ausgesprochen hat, sagt man beispielsweise: „Dieses Fußwasser für die Gottheit [Name], namaḥ.“ [„toyamantra“ bezeichnet hier das Wassermantra; dessen genaue Lautform wird an dieser Stelle nicht angegeben. Die erste Verszeile ist in ihrer Zuordnung verkürzt.]

P2-0104 · Originalnummer 99 · Rückverweis

tato mūrddhahṛdguhyapādasarvāṅgakeṣu mūlena
pañcapuṣpāñjalīna dattvā tattatkalpoktāvaraṇapūjāṃ kuryāt |
tathā ca:
pañcapuṣpāñjalīn dattvā parivārārcanaṃ carediti bhaṭṭaḥ |
tato dhūpadīpau dadyāt
|| 99 ||

Dann bringt man mit dem Grundmantra fünf Handvoll Blumen dar: am Scheitel, am Herzen, an der verborgenen Stelle, an den Füßen und am ganzen Körper. Anschließend vollzieht man die Verehrung der umgebenden Gottheiten nach dem betreffenden Ritualtext. Dazu sagt Bhaṭṭa: „Nachdem man fünf Handvoll Blumen gegeben hat, vollziehe man die Verehrung des Gefolges.“ Danach soll man Räucherwerk und Licht darbringen.

P2-0105 · Originalnummer 100 · Rückverweis

tadyathā:
jayadhvani - mantramātaḥ rvāheti puṣpākṣatairghaṇṭāṃ sampūjya,
vāmahastena tāṃ vādayan, tattanmantreṇa nīcairdhūpaṃ evaṃ
dṛṣṭiparyantaṃ dīpaṃ dadyāt
|| 100 ||

Dies geschieht so: Mit Blumen und ungebrochenen Reiskörnern verehrt man die Glocke unter dem Mantra „jayadhvani-mantramātaḥ … svāhā“. Dann läutet man sie mit der linken Hand und bringt mit dem jeweiligen Mantra das Räucherwerk niedrig, das Licht dagegen bis zur Höhe der Augen dar. [Der Glockenmantrawortlaut ist durch „rvāheti“ beschädigt; „jayadhvani“ bedeutet Siegesklang, „mantramātaḥ“ Mutter der Mantras. Eine vollständige Lautform lässt sich hier nicht sicher herstellen.]

P2-0106 · Originalnummer 1 · Rückverweis

tato mūlena puṣpāñjalitrayaṃ dattvā, naivedyamānīya, phaḍiti
samprokṣya, cakramudrayā abhirakṣya, tadupari mūlamaṣṭadhā japtvā
dhunumudrayā amṛtīkṛtya, mūlamuccārya naivedyaṃ dadyāt |
yattoyamadhyaṃpātrasya tadādāya nivedayet |
anyatoyairyadutsṛṣṭamarghyapātrasthitetaraiḥ |
na gṛhṇāti mahādevo dattaṃ vidhiśatairapi |
iti vacanādupārānarghyapātrasthalenotsṛjya dadyāt
|| 1 ||

Dann gibt man mit dem Grundmantra drei Handvoll Blumen, bringt die Speise herbei, besprengt sie mit „phaṭ“, schützt sie durch die Cakramudrā, wiederholt das Grundmantra achtmal über ihr, verwandelt sie mit der Dhenumudrā in Nektar und reicht sie unter Aussprechen des Grundmantras dar. Man soll das Wasser aus dem Arghyagefäß nehmen und damit die Gabe weihen. Wird sie mit anderem Wasser geweiht, das sich nicht im Arghyagefäß befindet, nimmt Mahādeva sie selbst bei hundert vorgeschriebenen Verfahren nicht an. Nach diesem Ausspruch soll man die Verehrungsgaben mit dem Wasser des Arghyagefäßes weihen und darbringen. [„dhunumudrayā“ und die abschließende Prosa sind fehlerhaft überliefert; die erkennbare Dhenumudrā und die Weihung mit Arghyawasser bestimmen den Sinn.]

P2-0111 · Originalnummer 6 · Rückverweis

tato'ṣṭottarasahasraṃ śataṃ vā japtvā oṃ guhyatiguhyāgoptā tvaṃ
gṛhaṇasmatkṛtaṃ japam |
siddhirbhavatu me deva tvatprasādāttvayi sthite |
anyatra goptrī devīti viśeṣaḥ |
iti japaṃ samarpyaṃ stutvā natvā'ṣṭāṅgapramāṇaṃ kuryāt
|| 6 ||

Dann wiederholt man das Mantra eintausendachtmal oder hundertmal und spricht: „Oṃ. Du bist der Hüter des Allerverborgensten. Nimm das von uns vollzogene Japa an. Gott, möge mir durch deine Gnade Vollendung zuteilwerden, da du in mir gegenwärtig bist.“ Bei einer Göttin lautet die besondere Form „Hüterin“ und „Göttin“. Nachdem man so das Japa dargebracht hat, preist man die Gottheit, verneigt sich und vollzieht die Verneigung mit acht Gliedern. [Die Vorlage schreibt am Schluss „pramāṇaṃ“; gemeint ist nach der unmittelbar folgenden Erklärung praṇāma, Verneigung.]

P2-0120 · Originalnummer 15 · Rückverweis

tato devatāṅge āvaraṇadevatā nilāpya, kṣamasveti visarjanaṃ kṛtvā,
saṃhāramudrayā tattejaḥ puṣpaiḥ sārddhamāghrāya
svahṛdayamānayet |
(puraścaraṇacandrikāyām:
kṣamasveti vadanmūmantreṇa vyāpakaṃ triśa iti
vacanātvisarjanāntaraṃ vyāpakaṃ kuryāt |)
tathā ca:
nidhāya devatāṃ paścātsvīyahṛtsarasīruhe |
suṣumnāvartmanā puṣpamāghrāyodvāsayettataḥ
|| 15 ||

Dann lässt man die umgebenden Gottheiten im Körper der Hauptgottheit aufgehen, entlässt sie mit „Verzeihe!“ und atmet mit der Saṃhāramudrā ihren Lichtglanz zusammen mit dem Duft der Blumen ein, um ihn in das eigene Herz zu führen. In der Puraścaraṇacandrikā heißt es: „Während man ‚Verzeihe!‘ sagt, vollziehe man mit dem Grundmantra dreimal den umfassenden Nyāsa.“ Nach diesem Ausspruch soll man nach der Entlassung den umfassenden Nyāsa ausführen. Weiter heißt es: Nachdem man die Gottheit in den Lotus des eigenen Herzens eingesetzt hat, atmet man den Blumenduft durch den Weg der Suṣumnā ein und vollzieht dann die Entlassung.

Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung stammt aus der gesicherten Vorlage und ist aus IAST abgeleitet. Sie ist kein unabhängiger Textzeuge. Ritualgrenzen innerhalb einer Einheit wurden in beiden Schriftfassungen an derselben Einleitungsformel getrennt; der ungeteilte Beleg bleibt im Quellenarchiv erhalten.

P2-1421

तन्त्रान्तरे:
वह्निहीनेन्द्रयुङ्माया बगलामुखि सर्वयुक् ।
दुष्टानां वाचमित्युक्त्वा मुखं स्तम्भय कीर्तयेत् ।
जिह्वां कीलय बुद्धिन्तु विनाशयपदं वदेत् ।
पुनर्बीजं ततस्तारं वह्निजायावधिर्भवेत् ।
तारादिका चतुर्स्त्रिंशदक्षरा बगलामुखी ।
इत्यपि मन्त्रान्तरम्
॥ ६६ ॥

P2-1431

द्वितीयमन्त्रे न्यासादिकं सर्वं पूर्ववत् ।
ध्यानस्तु:
गम्भीराञ्च मदोन्मत्तां स्वर्णकान्तिसमप्रभाम् ।
चतुर्भुजां त्रिनयनां कमलासनसंस्थिताम् ।
मुद्गरं दक्षिणे पाशं वामे जिह्वाञ्च वज्रकम् ।
पीताम्बरधरां देवीं दृढपीनपयोधराम् ।
हेमकुण्डलभूषाञ्च पीतचन्द्रार्द्धशेखराम् ।
पीतभूषणभूषाञ्च रत्नसिंहासने स्थिताम्
॥ ७५ ॥

Deutsche Übersetzung des Ritualabschnitts

P2-1421

In einem anderen Tantra: „Māyā ohne Feuer, mit Indra verbunden, bagalāmukhi, gefolgt von sarva; man spreche duṣṭānāṃ vācaṃ, dann mukhaṃ stambhaya; jihvāṃ kīlaya und buddhiṃ vināśaya. Danach erneut das Bīja, Tārā und als Abschluss die Gemahlin des Feuers. Die mit Tārā beginnende Bagalāmukhī-[Vidyā] hat vierunddreißig Silben.“ Auch dies ist ein anderes Mantra. [Die Anrufung bedeutet: „O Bagalāmukhī, lähme die Rede und den Mund aller Übeltäter! Nagel ihre Zunge fest! Vernichte ihre Einsicht!“; vināśaya ersetzt hier nāśaya.]

P2-1431

Beim zweiten Mantra sind Nyāsa und alles Weitere wie zuvor. Die Meditation: „[Man meditiere über] die erhabene, von Rausch erfüllte Göttin, die wie Gold strahlt; vierarmig, dreiäugig, auf einem Lotussitz. Rechts [hält sie] den Hammer, links die Schlinge, dazu eine Zunge und einen Donnerkeil. Sie trägt gelbe Gewänder und hat feste, volle Brüste; sie ist mit goldenen Ohrringen geschmückt, trägt eine gelbe Mondsichel als Kopfschmuck und gelben Schmuck und sitzt auf einem Edelsteinthron.“ [Die genaue Verteilung sämtlicher vier Gegenstände auf die Hände ist nur teilweise angegeben.]

Verwandte Rituale

Diese bereits im Yoga-Vidya-Wiki verzeichneten Rituale vertiefen verwandte Formen der Verehrung:

Weitere Einzelanleitungen dieser Ausgabe:

Quellen und redaktionelle Einordnung

Textgrundlage ist der in dieser Ausgabe gesicherte Ritualauszug des Brihat Tantrasara von Krishnananda Agamavagisha. Sanskrit und deutsche Übersetzung wurden aus der vorhandenen Fassung übernommen und der einzelnen Ritualform zugeordnet. Die praktische Gliederung und die ausdrücklich genannten Durchführungshilfen sind redaktionelle Ergänzungen. Eine neue unabhängige Kollation sämtlicher Sanskritlesungen wurde nicht vorgenommen.

Die allgemeinen Darbringungs- und Abschlussbelege stammen aus P1-0536–0540 sowie P2-0100–0120. Sie werden nur in dem dort bezeichneten Umfang herangezogen. Besondere Mantravorschriften, Gaben, Zahlen und Rückverweise der jeweiligen Gottheit haben Vorrang.

Die Querverweise zu bereits vorhandenen Ritualseiten wurden mit der Kategorie Puja und den daraus erreichbaren Seiten abgeglichen. Tantra Rituale bietet die ergänzende Übersicht.

Die Verehrung im Alltag weitertragen

Nimm die Erinnerung an die verehrte Gegenwart mit in dein Handeln. Die Gabe einer Blüte, die Wiederholung eines Mantras und eine bewusste Verneigung können daran erinnern, auch im Umgang mit anderen aufmerksam, wahrhaftig und gütig zu sein. Diese Anregung begleitet die überlieferte Praxis; sie ist kein zusätzliches Ritual.