Authentic Movement

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Authentic Movement ist eine expressive, improvisierte Bewegungspraxis mit geschlossenen Augen, die Teilnehmern einer Gruppe eine Art freier Assoziation des Körpers erlaubt und die Achtsamkeit des eigenen inneren Beobachters schult. Dabei wird die Grundlage für heilsame Erfahrungen und für die Weiterentwicklung des Bewusstseins geschaffen. Authentic Movement bedeutet auch, dass der ganzheitliche Bewegungsprozess von einem äußeren Beobachter gesehen und begleitet wird. Authentic Movement geht zurück auf das von Mary Starks Whitehouse in den 1950er Jahren entwickelte „movement in depth“ (Bewegung in der Tiefe).

Geschichte

Mary Starks Whitehouse (1911 – 1979) war eine Schülerin der berühmten Ausdruckstänzerinnen Martha Graham und Mary Wigman (auch Choreografinnen und Vertreterinnen des Modern Dance sowie Begründerinnen der Tanztherapie). Mit dem tiefenpsycho-analytischen und -therapeutischen Gedankengut C. G. Jungs (Archetypenlehre, Dimension des kollektiven Unbewussten) arbeitete sie als Psychotherapeutin unter Einbeziehung von Tanz und Bewegung mit ihren Klienten in den „Sitzungen“ oder eher während der Bewegungs und Beobachtungssessions.

Aus den Ausdrucksbewegungen entwickelte sie die Bewegungstanztherapie. Sie integrierte Jungs Prinzipien der „Aktiven Imagination“ und ihr Tanzwissen zu experimenteller Psychotherapie im Gruppenprozess, bei der die Teilnehmenden sich in spontanen Bewegungsausdruck ausprobieren konnten. Dieser Prozess ist heute bekannt unter AM, "Authentic Movement". So ist Authentic Movement eine Form der Tanztherapie.

Heute gibt es eine große Bandbreite an Anwendungsbereichen und verschiedenen Möglichkeiten, mit Authentic Movement zu arbeiten: in Psychotherapie und Psychosomatik, in der Kunst (vor allem im Tanz- und Theater-Bereich), als spiritueller Übungsweg, als Integrationsprozess in der Körperarbeit oder als Beitrag in anderen Zusammenhängen, z.B. bei der Prophylaxe von Burnout.

Janet Adler, eine Schülerin von Mary Whitehouse, erweitert bis heute eine Strömung der authentischen Bewegung zu einer westlichen im Körper verankerten Bewusstseinsschulung der „Discipline of Authentic Movement“. Die Discipline of Authentic Movement erforscht das Zusammenwirken von Individuum, Gemeinschaft und spiritueller Praxis mit einer Haltung von Mitgefühl, Toleranz und Demut dem Leben gegenüber durch die Ausrichtung auf die verkörperte Entwicklung des inneren Zeugen und damit einhergehender direkter und energetischer Erfahrungen.

Achtsamkeitstraining und Bewusstseinsentwicklung

Der Kern des Prozesses Authentic Movement ist die Entwicklung von Bewusstsein: Bewegung, aus inneren Impulsen heraus geboren, entfaltet sich im und durch den Körper, wird mit Achtsamkeit gesehen und ins Bewusstsein integriert. Diese Entwicklung umfasst die Entfaltung der Persönlichkeit, vor allem zu Anfang, sowie achtsames Gewahrsein für transpersonale und direkte Erfahrungen, die frei von festgelegten religiösen oder philosophischen Anschauungen verstanden werden.

Die Grundform des Weges Authentic Movement hat ihr Hauptaugenmerk auf der Persönlichkeit mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Sie ist ein wesentlicher und wiederkehrender Aspekt bei der Entfaltung weiterer Formen des Übungsweges: der Arbeit mit gruppenspezifischen und arche-typischen Themen sowie der Aufmerksamkeit für spirituelle, transpersonale Erfahrungen.

Es gibt zudem viele individuelle Partner- und Gruppenerfahrungen, um den Kontext zu eröffnen durch das innere Fühlen und Ganzkörpererfahrungen, Prozesse auszulösen. Bei Partnerübungen im Authentic Movement kann eine Übung z.B sein, dass der äußere Zeuge die Bewegungen der Tänzerin zeitnah spiegelt oder eine Bewegung aufnimmt und diese einfriert (freezing).

Grundform und Praxis - Bewegungszeugen und Bewegende (witness and mover)

In der Grundform bilden die Hälfte der Gruppe einen Sitzkreis (witness), während die andere Hälfte sich einen Platz im Kreis sucht und mit geschlossenen Augen bewegt (mover). Dabei folgen die Bewegenden ihren im Moment vorhandenen Bewegungsimpulsen, Gefühlen, Gedanken oder Körperempfindungen. Die achtsame Präsenz der Bewegungszeugen kreiert einen sicheren Raum für die Bewegenden, sich ihrer inneren Welt zu öffnen. Die Bewegenden können sich dem Fluss der Impulse, die aus dem Inneren aufsteigen, hingeben und diese in Bewegung ausdrücken. Auf diese Art wird unbewusstes Material verkörpert, gefühlt und gesehen.

Jeder Bewegende (mover) hat einen Partner im Außenkreis, der sich mit gesammelter Aufmerksamkeit allen Bewegungen und Regungen des Partners widmet. Der Bewegungszeuge (witness) beachtet dabei genauso präzise, welche Gefühle, Körperempfindungen, Erinnerungen oder Bilder beim Sehen und Wahrnehmen der anderen in ihm selbst aufsteigen (the inner witness of the witness).

Die Idee bei dieser Art des Bezeugens ist, sich seiner eigenen Projektionen, Interpretationen, Gefühle oder Bewertungen als Zeuge bewusst zu werden und diese später im Austausch klar als seine eigenen zu benennen. Allein dieses klare Sehen und gesehen werden klärt die verschiedenen Standpunkte und wirkt heilsam.

Das Arbeiten in der Grundform wird möglich durch das wachsende Vertrauen der Beziehung zwischen zwei Personen mover (Sichbewegende, Tänzerin, Tänzer) und witness (Zeugin, Zeuge, emphatisch Beobachtende, Beobachter):

  • Am Beginn einer Grund-AM-Session starten die Teilnehmerinner in bequemer, selbst gewählter Position an einem Ort im Raum oder innerhalb des Außenkreises, den die Zeugen gebildet haben. Mit geschlossenen Augen erfühlen sie ihren inneren Körper-Geist-Prozess.
  • Der Sich-Bewegende ("mover", Tänzer) bewegt sich mit geschlossenen Augen in den leeren Raum hinein, ohne Pläne, ohne zu wissen, was auftauchen wird.
  • Er folgt den Impulsen aus seinem Inneren und lässt sich von der Weisheit des Körpers leiten, in der Gegenwart und Präsenz der anderen Person. Sie folgen jedem Impuls, ob mit expressiver Bewegung oder Tönen.
  • Es kann ebenso passieren, das der Tänzer still und bewegungslos bleibt. Dabei horcht er aufmerksam in sich oder lässt sich von Geräuschen der anderen anregen, die auch ein Stimulanz für mögliche Bewegung sein können.
  • So erlaubt Authentic Movement psychologische Prozesse in Gang zu bringen als kinästhetische Antworten auf Bewegung oder Klang.
  • Dabei werden die Bewegenden von einem Zeugen passiv beobachtet, ohne Beurteilung, Projektion oder Interpretation. Die Bewegungserfahrung wird durch die Zeugenschaft gehalten, getragen, geschützt und zusammengehalten). Auf diese Weise ist der Zeuge auch ein aktiv Beteiligter.
  • Der äußere Zeuge, sitzt mit offenen Augen am Rand des Raumes oder im Außenkreis und wird sich der eigenen inneren Erfahrungen gewahr, während er den Sich-Bewegenden anschaut.
  • Für beide, für "mover" und "witness", ist es wichtig, wie sie sich auf ihre Erfahrungen beziehen. Die Achtsamkeitspraxis wird tiefer und weiter, während der Bewegungszeit.
  • Nach der Bewegungszeit sprechen sie miteinander und suchen Worte, die ihr eigenes Erleben und ihre ganz persönliche Wahrheit ausdrücken. Beim Sprechen erweitert sich die Achtsamkeit und ermöglicht, Worte zu finden, die immer mehr die innere Erfahrung ganz direkt ausdrücken, frei von Projektionen oder Interpretationen, frei von Bewertungen, so dass "sharing" einfach njur "teilen, mitteilen" bedeutet.

Der Augenblick wird authentisch, sobald der Mensch fähig ist, den intuitiven Impulsen zu erlauben, sich vollkommen frei auszudrücken, ohne intellektuelle Steuerung im Gegensatz zu Bewegungen, welche durch eine bewusste Entscheidung initiiert werden. Diese Unterscheidung ist scheinbar klar, in der Praxis jedoch eine Herausforderung. Zulassen statt Machen. Die Bewegenden achten einfach auf das, was sie fühlen auf einer sensorischen Ebene bis der Kern der Bewegungserfahrung das Gefühl von Bewegen und Bewegt-Werden ist.

Sharing (Austausch)

Im Anschluss an die festgelegte Bewegungszeit - das können 5 – 20 Minuten oder mehr sein - treten mover und witness in eine bewusste und integrierende Beziehung zu ihrem Erleben. Sie tauschen ihre jeweils gemachten Erfahrungen aus. Der Austausch kann verbal, durch Schreiben oder Malen gestaltet werden. Es redet zuerst der Mover und der Witness hört zu. Erfahrungen der eigenen Lebensgeschichte, des kollektiven Unbewussten oder transpersonale Phänomene können sich zeigen. Die Begleiter oder „Zeugen“ sind achtsam, wertfrei und offen und bilden so einen heilsamen Resonanzraum. So gelangen einige unserer unbewussten Anteile ins Bewusstsein und können ins Alltagsleben integriert werden. Während des gesamten Prozesses spielt die Gemeinschaft mit anderen eine besondere Rolle. Es kann auch zum Sharing (Austausch) in der gesamten Gruppe kommen.

Zielgruppe

Viele Menschen sehnen sich danach, genau so sein zu können, wie sie sich gerade fühlen, und so von anderen gesehen und angenommen zu werden, wie sie sind - auch wenn dies manchmal mit Unsicherheit verbunden ist. Für den Prozess Authentic Movement sind keine bestimmten Vorkenntnisse erforderlich. Wesentlich ist der Wunsch, sich tiefer auf sich selbst einzulassen sowie sich selbst und die vielen Dimensionen des Menschseins weiter kennenzulernen.

Authentic Movement ist eine Möglichkeit für alle, die sich durch den Körper bewusst und intensiv mit inneren Prozessen auseinandersetzen wollen. Dazu zählen besonders Menschen aus therapeutischen, künstlerischen und beratenden Berufen, aber auch alle, die ein starkes Interesse an Selbstentwicklung und Sinnfindung haben.

Authentic Movement und Buddhismus

Authentic Movement beinhaltet durchaus vergleichbare Elemente zu einigen Formen der buddhistischen Philosophie: die hohe Aufmerksamkeit, die dem Fühlen geschenkt wird, das wie "Vedana" in den meisten buddhistischen Praktiken das urteilsfreie Beobachten meint, sowie der Begriff "witness", Zeugenschaft, der im Buddhismus weit verbreitet ist. Er bezieht sich auf die Fähigkeit eines jeden Menschen, sich selbst wert- und urteilsfrei zu beobachten und anzunehmen. Es ist wie es ist, und es geschieht jetzt und hier, auch mit allem, was war und kommen wird.

Da der Buddhismus eine lange Geschichte in den USA hat und in den 1950ger Jahren Veröffentlichungen über Zen-Buddhismus und Mahayana Buddhismus herauskamen, wird vermutet, dass Mary Whitehouse in ihrer Bewegungsarbeit davon beeinflusst war. In diesem Licht kann Authentic Movement auch als eine Art von Bewegungsmeditation betrachtet werden. Mit vielen verschiedenen Herangehensweisen, Übungen und Praktiken, die zu der Grundform hinzukommen oder diese abwandeln. Authentic Movement wird nicht nur in therapeutischen Prozessen, sondern auch für spirituelle Gruppen interessant, die ihren unbewussten Geist ausdrücken möchten.

Weblinks

Seminare und Ausbildungen

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