Sanskrit Pronomen

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Ein Pronomen (Pl.: Pronomina) oder Fürwort ist ein Wort, das für (pro) ein Nomen bzw. Substantiv steht. Im Sanskrit gibt es folgende Arten von Pronomen:

  1. Personalpronomen (persönliches Fürwort)
  2. Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort)
  3. Relativpronomen (bezügliches Fürwort)
  4. Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort)
  5. Reflexivpronomen (rückbezügliches Fürwort)
  6. Reziprokpronomen (wechselseitiges Fürwort)
  7. Interrogativpronomen (fragendes Fürwort)
  8. Indefinitpronomen (unbestimmtes Fürwort)

Pronomen sind wie Nomen (Substantive oder Ajektive) deklinierbar.

Personalpronomen

Ein Personalpronomen bzw. persönliches Fürwort steht für eine Person (Purusha). Im Sanskrit gibt es außer der 1., 2. und 3. Person Singular (Einzahl, Ekavachana) und Plural (Mehrzahl, Bahuvachana) auch noch die des Duals (Dvivachana). Die 1. und 2. Person sind echte Personalpronomen. Die 3. Person wird vom Demonstrativpronomen Tad gebildet und unterscheidet sich nach den drei grammatischen Geschlechtern (Genus).

Nachfolgende Übersicht enthält alle Formen des Nominativs der 1., 2. und 3. Person Singular, Dual und Plural des Personalpronomens:

Person Geschlecht Singular Übersetzung Pronominalstamm Dual Übersetzung Stamm Plural Übersetzung Stamm
1. - aham ich Mad āvām wir beide(n) Ava vayam wir Asmad
2. - tvam du Tvad yuvām ihr beide(n) Yu yūyam ihr Yushmad
3. m. saḥ er Tad tau sie beide Tad te sie Tad
3. f. sie Tad te sie beide Tad tāḥ sie Tad
3. n. tat es Tad te sie beide Tad tāni sie Tad


Demonstrativpronomen

Ein Demonstrativpronomen bzw. hinweisendes Fürwort wird benutzt, um auf etwas hinzuweisen oder um etwas hervorzuheben. Im Sanskrit gibt das Demonstrativpronomen häufig Auskunft über die relative Nähe ("hier") oder Ferne ("dort") des bezeichneten Objekts (bzw. der Person) zum Sprecher. Demonstrativpronomen unterscheiden sich nach den drei grammatischen Geschlechtern (Genus). Manchmal kann ein Demonstrativpronomen auch als bestimmter Artikel ("der, die, das") ins Deutsche übersetzt werden.

Nachfolgende Übersicht enthält die Formen des Nominativs Singular, Dual und Plural der häufigsten Demonstrativpronomen des Sanskrit:

Tad

Pronominalstamm Geschlecht Singular Übersetzung Dual Übersetzung Plural Übersetzung siehe
tad m. saḥ der (da), jener tau die beiden (da), jene beiden te die (da), jene Tad
tad f. die (da), jene te die beiden (da), jene beiden tāḥ die (da), jene Tad
tad n. tat das (da), jenes te die beiden (da), jene beiden tāni die (da), jene Tad

Etad

Pronominalstamm Geschlecht Singular Übersetzung Dual Übersetzung Plural Übersetzung siehe
etad m. eṣaḥ dieser (hier) etau diese beiden (hier) ete diese (hier) Etad
etad f. eṣā diese (hier) ete diese beiden (hier) etāḥ diese (hier) Etad
etad n. etat dieses, das (hier) ete diese beiden (hier) etāni diese (hier) Etad

Idam

Pronominalstamm Geschlecht Singular Übersetzung Dual Übersetzung Plural Übersetzung siehe
idam m. ayam dieser (hier) imau diese beiden (hier) ime diese (hier) Ayam
idam f. iyam diese (hier) ime diese beiden (hier) imāḥ diese (hier) Iyam
idam n. idam dieses, das (hier) ime diese beiden (hier) imāni diese (hier) Idam

Adas

Pronominalstamm Geschlecht Singular Übersetzung Dual Übersetzung Plural Übersetzung siehe
adas m. asau der (da), jener amū die beiden (da), jene beiden amī die (da), jene Adas
adas f. asau die (da), jene amū die beiden (da), jene beiden amūḥ die (da), jene Adas
adas n. adas das (da), jenes amū die beiden (da), jene beiden amūni die (da), jene Adas


Relativpronomen

Ein Relativpronomen bzw. bezügliches Fürwort wird benutzt, um etwas bereits Erwähntes aufzugreifen und einen Relativsatz einzuleiten. Das Relativpronomen des Sanskrit ist Yad. Es wird analog zum Demonstrativpronomen Tad dekliniert.

Nachfolgende Übersicht enthält die Formen des Nominativs Singular, Dual und Plural:

Pronominalstamm Geschlecht Singular Übersetzung Dual Übersetzung Plural Übersetzung siehe
yad m. yaḥ der, welcher yau die beiden, welche ye die, welche Yad
yad f. die, welche ye die beiden, welche yāḥ die, welche Yad
yad n. yat das, welches ye die beiden, welche yāni die, welche Yad


Possessivpronomen

Ein Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort) zeigt ein Besitzverhältnis oder eine Zugehörigkeit an. Diese Funktion kann im Sanskrit, abgesehen vom eigentlichen Possessivpronomen, auch der Genitiv (Shashthi) des Personalpronomens oder ein komponierter Pronominalstamm übernehmen.

Nachfolgende Übersicht enthält die Stammformen des Singulars und Plurals der 1., 2. und 3. Person sowie den Genitiv des Personalpronomens und dessen enklitische Form (so vorhanden):

Person Zahl Possessivpronomen Pronominalstamm Genitiv Demonstrativpron. Enklitikum Übersetzung siehe
1. Singular madīya mad mama me mein(e) Mad, Madiya
2. Singular tvadīya tvad tava te dein(e) Tvad, Tvadiya
2. Singular bhavadīya* bhavad* bhavataḥ - dein(e) Bhavad, Bhavadiya
3. Singular tadīya tad tasya (m., n.) tasyāḥ (f.) - sein(e), ihr(e) Tad, Tadiya
1. Plural asmadīya asmad asmākam naḥ unser(e) Asmad, Asmadiya
2. Plural yuṣmadīya yuṣmad yuṣmākam vaḥ euer(e) Yushmad, Yushmadiya
2. Plural bhavadīya* bhavat* bhavatām - euer(e) Bhavat, Bhavadiya
3. Plural tadīya tad teṣām (m., n.) tāsām (f.) - ihr(e) Tad, Tadiya

*Anmerkung: Das Possessivpronomen bhavadīya bzw. bhavad steht in ehrerbietiger Ausdrucksweise.

Sva

Das Possessivpronomen sva (Sva) ist ursprünglich ein Reflexivpronomen ("sich"). Es bezeichnet, unabhängig von Person und Zahl, das "Eigene" und bedeutet je nach Zusammenhang: "mein (dein, sein, ihr, dessen, unser, eurer, deren) eigenes".


Reflexivpronomen

Ein Reflexivpronomen bzw. rückbezügliches Fürwort wird mit reflexiven ("sich benehmen") bzw. reziproken Verben ("sich finden") verwendet. Das deutsche "sich (selbst)" wird im Sanskrit mit ātman (Atman) wiedergegeben, was wörtlich "Selbst" bedeutet. Dabei steht ātman für alle Personen und erscheint je nach Zusammenhang in den sieben Fällen (Kasus, Vibhakti):

  • siṃha ātmanaṃ jale paśyati "Der Löwe (Simha) sieht (paś) sich selbst (Atman, Akk. Sg.) im Wasser (Jala)."


Reziprokpronomen

Ein Reziprokpronomen bzw. wechselseitiges Fürwort bedeutet soviel wie "einander, sich". Im Sanskrit erfüllen diese Funktion die Adverbien anyonya (Anyonya), paraspara (Paraspara), itaretara (Itaretara) und mithas (Mithas):


Interrogativpronomen

Ein Interrogativpronomen bzw. fragendes Fürwort leitet eine Frage (Prashna) ein. Das Interrogativpronomen des Sanskrit lautet ka ("wer, welcher" Ka, im Neutrum kim Kim). Es wird wie ein Adjektiv nach Fall (Kasus), Zahl (Numerus) und Geschlecht (Genus) dekliniert.

Nachfolgende Übersicht enthält alle Formen des Nominativs des Singular, Dual und Plural des Interrogativpronomens ka:

Geschlecht Singular Übersetzung Dual Übersetzung Plural Übersetzung siehe
m. kaḥ wer, welcher kau welche beiden ke welche Ka
f. wer, welche ke welche beiden kāḥ welche Ka
n. kim was, welches ke welche beiden kāni welche Kim

Nachfolgende Übersicht enthält alle Kasusformen des Singular Maskulinum, Femininum und Neutrum des Interrogativpronomens ka (die männlichen und sächlichen Formen unterscheiden sich nur im Nominativ und Akkusativ, wo es abweichend kim lautet):

Fall (Kasus) Sanskritname Singular m. / n. Übersetzung Singular f. Übersetzung
1. Nominativ Prathama kaḥ / kim wer? welcher? was (für ein)? wer? welche?
2. Akkusativ Dvitiya kam / kim wen? welchen? was (für ein)? kām wen? welche?
3. Instrumental Tritiya kena mit wem? mit welchem? kayā mit wem? mit welcher?
4. Dativ Chaturthi kasmai wem? welchem? kasyai wem? welcher?
5. Ablativ Panchami kasmāt von wem? von welchem? kasyāḥ von wem? von welcher?
6. Genitiv Shashthi kasya wessen? welches? kasyāḥ wessen? welcher?
7. Lokativ Saptami kasmin bei wem? bei welchem? kasyām bei wem? bei welcher?

Kīdṛś

Im Sinne eines Interrogativpronomens wird auch das Adjektiv kīdṛś (kīdṛśa, kīdṛśī) "welche(r), was für ein(e)?" (Kidrish, Kidrisha, Kidrishi) verwendet.

Interrogativpronomen als Frageadverbien

Einige Interrogativpronomen könne auch im Sinne eines Frageadverbs (Interrogativadverb) gebraucht werden:

  • kim "warum, weshalb, woher, wozu?"
  • kasmāt "warum, weshalb, woher? "


Indefinitpronomen

Ein Indefinitpronomen bzw. unbestimmtes Fürwort wird benutzt, um etwas zu verallgemeinern. Hierzu zählen Wörter wie "jemand, niemand, alle" usw.

Api, Cana, Cid

Durch Anfügen der Partikeln api (Api), cana (Chana) und cid (Chid) an das (deklinierte) Interrogativpronomen ka (Ka) bzw. kim (Kim) entsteht ein Indefinitpronomen mit der Bedeutung "jemand", "irgendein", "ein gewisser". Dabei sind die Wohllautregeln des Sandhi zu beachten:

  • ko'pi "jemand" (m.)
  • kā cana "jemand" (f.)
  • kiñ cit "etwas" (n.)
  • ko'pi puruṣaḥ "irgendein Mann", "ein gewisser Mann"
  • kā cana strī "irgendeine Frau", "eine gewisse Frau"
  • kiñ cit kulam "irgendeine Familie", "eine gewisse Familie"

Nachfolgende Übersicht enthält alle Formen Nominativ Singular des Indefinitpronomens, abgeleitet vom Interrogativpronomen ka bzw. kim in Verbindung mit den Partikeln api, cana und cid:

Geschlecht Interrogativpronomen Indefinitpronomen mit api Indefinitpr. mit cana Indefinitpr. mit cid Übersetzung
m. kaḥ ko'pi kaś cana kaś cit irgend ein, ein gewisser
f. kāpi kā cana kā cit irgend eine, eine gewisse
n. kim kim api kiñ cana kiñ cit irgend ein, ein gewisses

Negation mit Na

Durch Voranstellen der Negativpartikel na (Na) werden Wörter wie "niemand, kein" gebildet:

  • na ko'pi "niemand, keiner" (m.)
  • na kā cana "niemand, keine" (f.)
  • na kiñ cit "nichts" (n.)
  • na ko'pi puruṣaḥ "kein (einziger) Mann" (m.)
  • na kā cana strī "keine (einzige) Frau" (f.)
  • na kiñ cit kulam "keine (einzige) Familie" (n.)

Sarva, Anya, Eka

Hier folgen noch einige weitere häufige Indefinitpronomen:

  • sarvaḥ (Nom. Sg. m.) "ein jeder"; sarve (Nom. Pl. m.) "alle"; sarvam (Nom. Sg. n.) "alles" (Sarva)
  • anyaḥ (Nom. Sg. m.) "ein anderer, der andere, mancher"; anye (Nom. Pl. m.) "andere, manche"; anyad (Nom. Sg. n.) "etwas anderes, manches" (Anya)
  • ekaḥ "ein, einer, der eine, jemand" (Nom. Sg. m.); eke (Nom. Pl. m.) "einige, die einen, manche"; ekam (Nom. Sg. n.) "eins, eines, das eine" (Eka)


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