Ekagrata

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Ekagrata (Sanskrit: एकाग्रता ekāgratā f.) wörtl.: "Einspitzigkeit", d.h. ausschließliches Auf-Eins-Gerichtetsein (des Geistes); einpünktige Konzentration, die Sammlung des Geistes (Chitta) auf einen Punkt. Ekagrata ist einer der fünf Zustände des Geistes. In der folgenden Niederschrift eines Vortragsvideos erklärt Sukadev auf verständliche Weise auch die anderen vier Geisteszustände und die Arten von Samadhi, die eintreten können, wenn der Geist völlig zur Ruhe gekommen ist.

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Sukadev über Ekagrata

Niederschrift eines Vortragsvideos von Sukadev über Ekagrata

Ekagrata – die Einpünktigkeit, der Zustand der vollständigen Konzentration. Wenn du Ekagra bist, also einpünktig bist, wird der Gemütszustand, in dem du dich befindest, als Ekagrata bezeichnet. Ekagrata ist der Gemütszustand der Einpünktigkeit, der Einspitzigkeit, der vollen Konzentration.

Im Yoga Sutra von Patanjali heißt es zu Beginn des ersten Kapitels, zweiter Vers: „Yogas Chitta Vritti Nirodhah. Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist.“ Nirodha – das Zur-Ruhe-Bringen oder auch das vollkommene Verlöschen der Gedanken im Geist. Und dann heißt es: „Tada Drashtuh Swarupe Vasthanam. Dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“ Dann ruhst du in deiner wahren Natur. So gilt Nirodhah als der Gemütszustand, wo der Geist in vollkommener Ruhe ist und du daher tief im inneren Frieden bist.

Es gibt aber noch vier weitere Gemütszustände. Es existieren insgesamt fünf verschiedene Gemütszustände: Der erste ist Mudha, träge, müde. Dazu kann man sich es leicht merken: Mudha ist träge und müde. Dann folgt Kshipta, zerstreut, irgendwo ständig in Bewegung, nicht konzentriert, tausend Gedanken, aber nichts richtig. Dann folgt als nächstes Vikshipta. Vikshipta heißt gesammelt oder sammelnd. Wenn der Geist dann wirklich gesammelt ist, dann kommt Ekagrata und das ist einpünktig. Aus Einpünktigkeit, Ekagrata, entsteht dann Nirodhah.

Nirodhah – vollkommenes Verlöschen der Gedanken, Brahman leuchtet auf, Gott leuchtet auf, die Seele ist erfahrbar. So ist es also wichtig zu verstehen, Ekagrata ist schon ein fortgeschrittener Gemütszustand. Im Sinne der acht Stufen des Yoga ist Ekagrata schon Dhyana. Vikshipta entspricht Dharana, der Konzentration. Ekagrata, Einpünktigkeit, ist Dhyana, tiefe Konzentration, die auch zu den ersten Samadhi-Stufen führt. Ekagrata umfasst also Dhyana und die unteren Samadhi-Stufen.

Wenn der Geist vollkommen ruhig wird, Nirodhah, dann bist du in Asamprajnata Samadhi oder in Nirbija Samadhi, auch Dharma Megha Samadhi genannt. Also, hier hörst du eine Menge Ausdrücke. Praktisch gesehen heißt es, dass du dich bemühst, dich immer wieder zu konzentrieren, mindestens zu Vikshipta zu kommen. Nicht dem Geist einfach freien Lauf zu lassen und zu tun, was er will, sondern du kannst dir vornehmen: „Ja, jetzt will ich mich konzentrieren, jetzt will ich das tun.“ Und es ist eine Art von Tapas, eine Art von Disziplin. Nicht einfach tun, was der Geist will, nicht einfach das tun, was dir in den Sinn kommt, sondern du kannst sagen: „Ja, lieber Geist, danke, dass du mir tausend Möglichkeiten anbietest, jetzt bitte sei ganz konzentriert dabei.“

Oft hilft es auch, dir bewusst zu machen, das ist deine Aufgabe, das liegt jetzt an. Also nicht nur sagen, „Ah, eigentlich will ich was ganz anderes, aber jetzt muss ich das machen“, sondern sage: „Ja, das liegt jetzt an, daher will ich das machen. Ich will es mit ganzem Herzen tun.“

Viele Menschen sind hilflos ihren Gemütszuständen ausgeliefert. Wenn irgendein Gemütszustand da ist, dann denken sie, „Ah, was kann ich denn machen“ und lamentieren. Stattdessen kannst du sagen: „Ja, ich bin Raja, ich bin Herr über meinen Gemütszustand, mindestens bis zu einem gewissen Grad. Und ich sage mir, ja, es mag jetzt sein, dass ich irgendwo in Trägheit bin, es mag sein, dass ich überhaupt nicht mag. Aber ich werde jetzt den Vikshipta-Zustand hervorrufen und werde mich um den Ekagrata-Zustand bemühen. Ich will ganz konzentriert sein.“ Es hilft auch, zu verstehen, dass Glück nicht daher rührt, dass du tust, was du willst, dass du das tust, was dein Geist dir eingibt, sondern Glück kommt, wenn dein Geist konzentriert ist, denn deine wahre Natur ist Glück und Freude, Wonne. Nicht umsonst sagen wir bei Yoga Vidya am Ende des Satsangs: „Anandoham. Ich bin Wonne.“ Das heißt: „Ich bin in Wahrheit Glück.“ Und wenn der Geist ruhig ist, dann erfährst du dieses Glück. So ist das Bemühen um Vikshipta ein Mittel, um glücklich zu sein. Und je häufiger du in Vikshipta bist, umso eher kommst du in Ekagrata. Und Ekagrata hilft dir, konzentrierter zu sein, einen stärkeren Geist zu haben, kreativer zu sein, mehr Energie zu haben und mehr Freude. Daher bemühe dich um Konzentration, bemühe dich immer wieder um Ekagrata. Ekagrata – Einpünktigkeit, voll konzentriert, Einspitzigkeit. Ekagrata – der Gemütszustand des Geistes, wo du voll konzentriert bist.

Siehe auch

Literatur

Seminare

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