Ärger Transformations-Atmung

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Ärger Transformations-Atmung: Eine von Sukadev populär gemachte Atemübung, um Alltagsärger in neue Energie zu transformieren. Es ist eine Variation des klassischen Murcha Kumbhaka Pranayama.

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Einführung in die Ärger-Transformationsatmung

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

Neben der Angst ist die zweite Sache, die einem natürlich die Gelassenheit rauben kann: Ärger, Zorn. Vom Kundalini Yoga Standpunkt aus ist Ärger, insbesondere Alltagsärger, nichts anderes als manifestierte Energie und bedeutet Energie-Erweckung. Und Energie-Erweckung ist doch eigentlich gut. Angenommen es ist später Nachmittag, eigentlich ist man müde, man kriegt nicht mehr ganz hin, die letzten E-Mails zu bearbeiten, die man sich klugerweise für den Nachmittag aufgehoben hat. Kreative Tätigkeiten setzt man ja besser auf den Vormittag, das gilt zumindest für die meisten Menschen, es sei denn, man ist der spätnachmittags kreative Mensch.

Irgendwo freut man sich, der Arbeitstag ist bald zu Ende. Und plötzlich liest man eine E-Mail, die unverschämt ist. Frage: Wie fühlt man sich? Wie ist das Energieniveau? Plötzlich hat man eine Kundalini-Erweckung. War man vorher noch müde, spürt man jetzt plötzlich, wie alle Fasern des Wesens durchdrungen sind von dieser Energie. Eigentlich hätte man jetzt große Lust, schnell hoch zu rennen und diesen Kollegen zur Rede zu stellen. Aber zunächst einmal, wenn man es objektiv und neutral betrachtet, ist es einfach nur Energie. Energie ist gut.

Vermutlich weißt du, was du zu tun hast, wenn du eine E-Mail bekommst, über die du dich ärgerst. Was darfst du unter keinen Umständen machen? Sofort antworten. Und wenn du antwortest ist es ganz wichtig, die Antowrt nicht abzuschicken. Du legst die E-Mails am besten in den Papierkorb oder irgendwo ab und hebst sie vielleicht als Beispiel auf, wie man niemals eine E-Mail beantworten darf. Also niemals eine E-Mail am gleichen Tag schreiben, wenn man sich über etwas geärgert hat. Diese Stürme der Entrüstung, die dort entstehen… Normalerweise funktioniert es nicht.

Was du stattdessen machen kannst, ist, dir wieder bewusst machen, dass Ärger auch wieder vom Kundalini Yoga Standpunkt her gesehen eine Energie-Aktivierung ist und vom evolutionsbiologischen Standpunkt ist es auch etwas sehr Sinnvolles, dass der Mensch, wenn er angegriffen wird, sofort Energie bekommt, mit der er sich zur Wehr setzen kann - dass, wenn er nicht berücksichtigt wird, von der Gruppe nicht ausreichend zu Essen bekommt oder ausgeschlossen wird, dass er Energie bekommt, um sich durchzusetzen. Oder wenn Ungerechtigkeit irgendwo herrscht, dass Menschen dagegen etwas tun. Deshalb hat die Natur diese Energiemanifestationen aktiviert, und so war das sinnvoll und ist auch jetzt sinnvoll.

Der erste Schritt wäre also, sich zunächst einmal darüber zu freuen. Wenn dich also das nächste Mal etwas ärgert, freue dich zunächst darüber. Und im zweiten Schritt ist natürlich wichtig, diese Aktivierung von Ärger nicht gleich auszudrücken. In unserer heutigen Gesellschaft sagt man: „Wer schreit, hat unrecht.“ Deshalb bewirkst du in den seltensten Fällen etwas Positives, wenn du gleich schreidt. Wenn du gleich eine Mail abschickst, dann kannst du einen Kunden verlieren, eine Abmahnung kriegen, das Verhältnis mit einem Kollegen dauerhaft stören, mit deinen Freunden in Probleme geraten, es kann eine Partnerschaftskrise geben usw. Hoffentlich ist es so, dass eine gute Partnerschaft so etwas aushält, wenn man mal sehr ärgerlich ist und so eine E-Mail verschickt. Oder auch wenn es mündlich ist, wenn du gleich voller Ärger antwortest, kannst du deinen Job verlieren, Kunden verlieren, Kundenbeziehung stören, Kollegenbeziehung stören usw. Und selbst, wenn das nicht so schlimm wird, wird deine Anliegen zumindest nicht ernstgenommen. In Deutschland gilt: „Wer schreit, hat unrecht.“

Wenn du das gegenüber deinem Partner machst, angenommen, du hast so ein cholerisches Temperament, was macht ein Partner in einer guten Partnerschaft? Er hört weg, schaltet ab, wartet bis der Sturm vorbei ist, „meiner Liebsten ist eine Laus über die Leber gelaufen, warte ich erst mal ab, in einer Stunde ist sie wieder zurechnungsfähig“. Ist auch eine Strategie. Anders wäre es, wenn du nur einmal im Vierteljahr ärgerlich wirst, dann kann das unglaublich wirkungsvoll sein. Oder auch wenn du Chef bist und cholerisch, selbst dann, haben sich die Mitarbeiter irgendwann daran gewöhnt, „warten wir mal ab, bis er wieder ruhig ist, hat vielleicht Probleme zu Hause, hat vielleicht eine schwierige Partnerschaft oder hat mit den Kindern Probleme oder ist gerade besonders gefordert, Pflegefall in der Familie, muss ich irgendwie aushalten“.

Menschen haben ja so ihre Strategien. Damit ist einem aber nicht gedient, denn wenn man ärgerlich ist, hat man ja typischerweise ein Anliegen. Und dass es ignoriert wird, macht es auch nicht besser, und wenn man dann lauter schreit, macht es das auch nicht besser. Daher ist es besser erst mal, wie es so schön heißt, tief durchatmen. Tief durchatmen heißt übrigens TIEF durchatmen und tief ist hier unten. Die meisten Menschen, denen man sagt, "tief durchatmen", was machen sie? Hoch atmen. Übrigens, wenn man bisher noch nicht richtig ärgerlich ist, da muss man hier oben atmen. Im Sinne von Gemütsmodifikation, ihr wollt irgendwie ein bisschen ärgerlicher sein, könnt ihr auch mal ausprobieren. Aus einem leichten Ärger kriegt ihr so einen etwas stärkeren Ärger zustande.

Yoga heißt ja auch Freiheit. Im Raja Yoga ist eines der Ziele, die man hat Freiheit. Da kann es ja mal gut sein, dass man sagt, man will ein bisschen ärgerlicher sein. Das kann ja auch mal hilfreich sein. Dann kann man auch gelassener sein, man ist dem Ärger gar nicht so ausgeliefert, man kann ihn auch steigern, wenn man will, und man kann ihn umwandeln, wenn man will. Und wenn man ihn umwandelt, macht man das über tiefe Bauchatmung. Aber jetzt gibt es einen Unterschied zur Lampenfieber Transformations-Atmung.

Bei der Ärger Transformation-Atmung atmet man doppelt so langsam aus wie ein. Um das mal zu probieren, ist es hilfreich, aufzustehen. Diese Übung nennt sich auch Murcha, für diejenigen, die wissen wollen, wie diese Übungen heißen. Eine Übung zur Beruhigung des Geistes. Jetzt für die Ayurveda Experten unter euch, das ist eine Übung, um Pitta zu reduzieren und umzuwandeln in ruhige Energie. Pitta, für die Nicht-Ayurveda-Experten, ist das Feuer in einem. Das unruhige Feuer zu harmonisieren, dazu ist Murcha da. Diese Übung kann übrigens auch helfen, Entzündungsschmerz zu reduzieren, kann auch helfen, Kopfschmerzen zu reduzieren, kann auch helfen, Allergien zu reduzieren, auch Heuschnupfen usw. Insbesondere aber hilft sie, Ärger reduzieren. Was heißt das? Langsam einatmen und doppelt so langsam ausatmen.

Ärger-Transformationsatmung – praktische Übungsanleitung

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

Du kannst dich für diese Übung entweder hinsetzen oder aufstehen. Beide Haltungen sind geeignet, um Ärger oder Reizbarkeit umzuwandeln in positiv nutzbare Energie. Du kannst dir jetzt gerade auch wieder eine Situation vorstellen, in der du dich leicht ärgerst, so ein leichter Alltagsärger, der passieren kann. Und jetzt atmest du in den Bauch ein und dann sehr langsam wieder aus. Du kannst beispielsweise vier Sekunden lang einatmen - Om eins, Om zwei, Om drei, Om vier - und acht Sekunden lang ausatmen - Om eins, Om zwei, Om drei, Om vier, Om fünf, Om sechs, Om sieben, Om acht. Einatmen, Om eins, Om zwei, Om drei, Bauch hinaus, Om vier - ausatmen, ganz ausatmen, Om eins, Om zwei, Om drei, Om vier, Om fünf, Om sechs, Om sieben, Om acht.

So kannst du ein paar Mal atmen. Es kommt übrigens nicht auf das genaue Verhältnis an, es kommt nur darauf an, dass die Ausatmung ein gutes Stück langsamer ist als die Einatmung. Das kann man jetzt auch noch verbinden mit eben dieser gleichen Visualisierung wie vorher. Einatmen, Licht strömt hinein in den Bauch, und dann ausatmen, Licht vom Bauch über das Herz zu dem Menschen, man kann dabei auch lächeln, wenn man will. Man muss aber gar nicht zu dem Menschen hin atmen, man kann auch einfach wieder die Energie nach oben oder auch in alle Richtungen ausatmen.

Mein Tipp: Übe das in den nächsten Tagen mal besonders bewusst. Wann immer dich jemand reizt oder leicht ärgert, freue dich darüber, denn dann hast du eine gute Gelegenheit, den Ärger Transformations-Atmung zu üben. Und du wirst feststellen, du bekommst viel mehr Energie, und du kannst dich jedes Mal freuen, wenn du leicht von jemandem gereizt wirst. Du hast immer mehr Kraft und kannst beschwingt durch die Gegend gehen oder einfach beschwingt stehen oder sitzen.

Ärger-Transformationsatmung – weitere Erläuterungen

Niederschrift eines Podcasts (2014) von Sukadev

Nun noch ein paar Anmerkungen zu Ärger und Gereiztheit im Alltag und wie sehr du dich darüber freuen kannst, denn du hast mit der Ärger Transformations-Atmung ein machtvolles Instrument in der Hand, aus Alltagsärger neue Kraft zu bekommen. Das ist eine einfache und hoch wirksame Übung für Alltagsärger. Das wirkt jetzt nicht unbedingt und ist vielleicht auch nicht unbedingt angemessen, wenn du wirklich großen Ärger hast. Man könnte sagen, ein bisschen wirkt sie auch, aber sie wäre nicht die einzige Strategie und es ist auch nicht immer notwendig, den Ärger auch wirklich weg zu atmen.

Angenommen, du bekommst die Kündigung wegen einer Verleumdungskampagne, jetzt einfach nur vier Sekunden einatmen und acht Sekunden ausatmen, zehnmal, wird vermutlich nicht ausreichen und der richtige Umgang mit solchen Situationen ist natürlich mehr als nur Atmung. Aber für kleinen Alltagsärger ist es sehr hilfreich, und dann kannst du nämlich auch feststellen, ob der Anlass es wert ist, anschließend etwas zu machen. Und dann kannst du auch etwas machen. Also angenommen, du bist in irgend so einem Meeting und irgendein Kollege greift dich gerade an, der redet aber glücklicherweise erst noch weiter und ihr könnt dann zehnmal tief durchatmen. Danach hast du die Kraft, dass das, was du dann sagst sitzt. Und du kannst es auch relativ souverän rüberbringen - relativ. Man muss auch nicht vollständig souverän sein, wenn man vorher angegriffen wurde - aber relativ souverän.

Man kann aber auch feststellen, es rentiert sich gar nicht. Der andere hat sich selbst dadurch lächerlich gemacht, dass er das gesagt hat, und das ist allen bewusst geworden. Man braucht gar nicht zu reagieren, aber man ist dem anderen dankbar: „Er hat mir jetzt Energie geschenkt. Er hat mein Prana aktiviert. Ich habe die Gelegenheit gehabt, tief zu atmen, jetzt kann ich ja was ganz anderes sagen, oder ich gehe jetzt einfach fröhlich beschwingt in die Pause danach.“ Das funktioniert tatsächlich. Das kannst du ausprobieren.

Das kannst du künftig immer, zumindest bei kleinem Ärger ausführen, und wenn er sich nicht zu schnell hintereinander anhäuft, kannst du den Leuten dankbar sein, die dein Prana erwecken. Du hast dir ein paar Runden Kapalabhati gespart. Umgekehrt wäre es nämlich, wenn man den Ärger nicht umwandelt, und er kommt zu häufig, dann irgendwann kippt er um, und man ist dann müde und geschafft.

Siehe auch

Literatur

Seminare

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