Kalottara 108 Verse und Mantras

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Kalottara – ausgewählte Verse und Mantras: Diese Seite enthält 64 ausgewählte Versstellen aus dem Kalottara in deutscher Übersetzung. Im Mittelpunkt stehen Shiva, innere Verehrung, Atman, Sammlung und Samadhi. Die Auswahl ist eine Lesefolge zur Betrachtung; sie bildet keine vollständige rituelle Anleitung. Der Titel des Projekts „108 Verse und Mantras“ bezeichnet das Ausgabeschema, nicht die tatsächliche Zahl dieser Auswahl.

Die wenigen eckigen Klammern bewahren notwendige Ergänzungen und Unsicherheiten der Übersetzung. Die Verse stehen ohne einzelne Quellenüberschriften hintereinander. Ihre genaue Herkunft folgt gesammelt in der Konkordanz. Aussagen über Unsterblichkeit werden im spirituellen Horizont des Textes gelesen; sie sind kein Versprechen körperlicher Unsterblichkeit.

Sammlung im Herzen als heutiges Meditationsmotiv.

Innere Verehrung und Shivas Gegenwart

Man lasse den gewöhnlichen, naturgebundenen Zustand los und vergegenwärtige: „Ich bin Shiva.“ Nachdem du zuerst die Elemente gereinigt hast, vollziehe dann die innere Handlung.

Mit Teilen, ohne Teile und zugleich mit und ohne Teile: Erkenne die mit Teilen ausgestattete Gestalt als Maheshvara, die zugleich mit und ohne Teile als Sadashiva.

Die teillose Gestalt erkenne als Shiva. Der Verständige vergegenwärtige die drei Stätten. Nun werde ich die mit Teilen ausgestattete Gestalt erklären. Höre, o Sechsgesichtiger!

Shiva befindet sich an der ewigen Stätte: das höchste, immerwährende Brahman, teillos, makellos, friedvoll, ohne weltliche Entfaltung und ohne Kennzeichen,

dem begrifflichen Denken unzugänglich, ohne Stütze, frei von Vernichtung und Entstehung: reine Alleinheit, einzig und friedvoll, jenseits von Zurückweisen und Annehmen,

frei von „Es ist“ und „Es ist nicht“, feiner als das Feinste, das Höchste, frei von Vorstellungen, göttlich und nur durch eigenes Erfahren erkennbar: Shiva, der Herr.

Im Inneren des Leibes ist er gegenwärtig, unvergleichlich und frei von Übel: jenseits der Sinne, das höchste Prinzip, frei von sämtlichen begrenzenden Bedingungen.

Im Geist vergegenwärtige man stets den Gott Maheshvara im Herzlotus: mit Duftstoffen, Blumen und weiteren Gaben, mit Räucherwerk, Licht und Arghya,

mit Sauermilch, Milch, geklärter Butter, Honig und Speiseopfern. Allein durch die innere Vorstellung verehre der Verständige Mahesha.

Mit geistig vorgestellten Blumen und geistig vorgestelltem Räucherwerk, mit Speiseopfern, Arghya und Fußwaschwasser vollziehe man die Verehrung innerlich.

Alles verehre man ganz gesammelt allein im Geist. Dann vollziehe man Samadhi, Japa, Lobpreis und Umkreisung.

Die Grundlage der Sammlung

Heil und Segen! Ishvara sprach: Höre nun den achtgliedrigen Sparsha-Yoga, den ich erklären werde: Yama, Niyama, Asana und Pranayama,

Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Dies ist als die achtgliedrige Form erklärt; die Weisen kennen sie als Sparsha-Yoga.

Von Yama bis Pranayama bilden vier Glieder die äußere Praxis; von Pratyahara bis Samadhi wird die innere Praxis beschrieben.

Vritta, Utkutika, Gajasya und Gajakarnaka. Zwanzig Sitzhaltungen sind genannt; eine gewünschte übe man.

Die feste und angenehme Haltung wird Sukhasana genannt und in allen Tantras gepriesen. Wie [ein entstellt bezeichneter] Behälter auf einem Dreifuß richtig steht,

so [verweile man] lange im Samadhi, auf Bequemlichkeit gestützt. Deshalb übe man mit aller Sorgfalt die Sitzhaltung vollständig.

Auf weiche Erde lege man Kusha-Gras, darüber Decke und Fell. Darauf sitze man bequem, nach Osten oder Norden gewandt,

übermäßiges Essen und völliges Nichtessen gleichermaßen meidend, in einem zugfreien, sicheren Haus, frei von Würmern und Insekten.

Mit geradem Hals und Kopf, ohne die Zähne aufeinanderzupressen, sitze man mit dem Blick auf die Nasenspitze und schaue nicht in die verschiedenen Richtungen.

Durch Shivas Gnade, aus dem weiten Meer der Erkenntnis, tritt man in die Lotusmitte ein: in diese Prasada genannte Stätte Shivas.

In seiner Mitte ist eine feine Flamme, funkelnd wie ein Blitz. Sie nennt man Vidya-Shakti; jenseits davon ist der höchste Shiva.

Nachdem man dies der Reihe nach vergegenwärtigt hat, verweile man im Geist ganz von Shiva erfüllt und übe so, alle weiteren Regungen angehalten.

Ewig, rein, vollkommen erfüllt, glückselig, windlos und beständig, allwissend, dessen Entschluss wahr wird, Ursache sämtlicher Ursachen:

Man erlangt Shivas höchste Gestalt, die alle Bedrängnis vernichtet. So ist das Mittel zur Befreiung durch die Beherrschung aller Windbewegungen beschrieben.

Nachdem man den Gott nach Vorschrift verehrt hat, meditiere man stets unermüdlich über den Allwissenden, Allwirkenden, der überall Augen, Häupter und Gesichter hat.

Nachdem man das eigene Selbst mit allen Teilen versehen hat, meditiere man über den von Übel freien Shiva: die höchste göttliche Lichtgestalt, verbunden mit den Herren der acht Richtungen.

Nachdem man Prana so unter seine Herrschaft gebracht hat, übe man Dharana und die folgenden Glieder. Dharana ist das Anhalten der geistigen Regungen beim Shiva-Tattva und den weiteren Gegenständen.

Die ununterbrochene Fortdauer jener Ausrichtung ist Dhyana. Wenn allein dessen Gegenstand erscheint und die eigene Form gleichsam leer geworden ist, heißt dies Samadhi, der Yoga. [Für „Gegenstand“ wird eine naheliegende Lesung der beschädigten Wortform vorausgesetzt.]

Das Selbst jenseits seiner Begrenzungen

Eben dies ist der alldurchdringende, teillose, reine Shiva, jenseits von Bezeichnetem und Bezeichnung, frei von Zurückweisen und Annehmen.

Das ewige, alldurchdringende Brahman, Shivas nur selbst erfahrbare Stätte, Ursache sämtlicher Götter, jenseits von Unvergänglichem und Vergänglichem.

Ein Nicht-Yogi kennt es nicht, wie ein von Geburt Blinder einen Krug nicht [durch Sehen kennt]. Wie der Raum durch einen Krug begrenzt erscheint, so ist Jiva dem Raum gleich.

Ohne Ohr hört er, ohne Auge sieht er, ohne Prana lebt er, ohne Haut erfährt er Berührung.

Ohne Manas fasst er den Entschluss zur gesamten beweglichen und unbeweglichen Dreiwelt. Ohne Ahamkara, mein Kind, setzt er selbst das Ich.

Ohne Mahat [ist er] die Größe und die unvergängliche Gestalt des Bestehenden. Ohne Prakriti bringt Mahadeva die ganze Welt hervor.

Wenn du so das Leere im Zustand der Leere vergegenwärtigst und im Körper über die leere Stätte meditierst, wirst du frei, o Sechsgesichtiger.

Oben leer, unten leer, in der Mitte leer und frei von Übel; leerer Raum, leere Shakti und auch Leere des Nichtseins, o Guha.

Leere der Mütter beziehungsweise der Lautmutter, Leere des Bindu, Mahesha und Sadashiva, Brahma, Vishnu und Rudra: Alles vergegenwärtige man als leer.

Die Leere der sechsunddreißig Tattvas, die Leere von Träger und Getragenem, die Leere von Du und Ich: So vergegenwärtige man, dass nichts [als gesondertes Etwas] besteht.

Durch den selbst erfahrbaren Samadhi ist der höchste Gott Shiva zu erfassen. Dies ist der keimlose Samadhi, der sichtbar wird, o Sechsgesichtiger.

In der Körpermitte ist das höchste Brahman, außen und innen gegenwärtig, stets wie Duft in Blumen und Öl im Sesam,

wie Butter in Sauermilch, wie Licht und Feuer im Holz. Durch die Gnade des Wortes aus dem Mund des Guru wird es erlangt, o nach allen Seiten Gewandter.

Bhavayoga und der eine Geschmack

Für ihn gibt es keinen festgelegten Mondtag, kein Tierkreiszeichen oder Mondhaus, keine besondere Regel oder Fastenvorschrift; weder Zeit noch Ort noch Sitzhaltungen [sind bestimmend], o Sechsgesichtiger.

In der Grundlage, an der Wurzel des Knotens, [vergegenwärtige man] den den Raum durchdringenden höchsten Shiva, das höchste Lichtprinzip, in dem alles verwoben ruht.

Den Feldkenner lasse man dort eintreten und lege Shiva in den Feldkenner. Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr.

In seiner Mitte ist Shiva, mein Kind, das vorzügliche achtundzwanzigste Prinzip: allwissend, alldurchdringend, friedvoll, für Yogis erreichbar, das Höhere und Nicht-Höhere,

frei von Vorstellungen, friedvoll, ohne unterscheidende Gedanken und makellos. Allein durch diese Meditation, mein Kind, gelange man zur Befreiung, die frei von Übel ist.

Man lasse den gewöhnlichen, naturgebundenen Zustand los und vergegenwärtige allein Shiva. Oder man ruhe im Zustand des einen Geschmacks; deshalb heißt dies Samadhi.

In seine Mitte versetze das Selbst und ihn stets in das Selbst. Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr.

Nachdem man den Geist körperlos gemacht hat, denke man an nichts mehr. Im Yoga des einen Geschmacks übe man stets voller Freude.

Herz, Guru und Samadhi

Ishvara sprach: Im Herzlotus vergegenwärtige man den Herrn des Amrita. Im Herzen aller Menschen wohnt der Feldkenner.

Mit der achtfachen feinen Hülle verbunden geht er abwärts und aufwärts. Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch,

Manas, Ahamkara und Buddhi heißen Puryashtaka, die achtfache Stadt, der feine Leib des Feldkenners.

Purusha ist Herr der vierundzwanzig Prinzipien; Gelehrte nennen ihn in allen Schriften den fünfundzwanzigsten.

Sich selbst als Shiva vergegenwärtigen: dies heißt Samadhi. Den gewöhnlichen Naturzustand loslassen und erkennen: „Ich bin Shiva.“

Durch den Yoga des gleichen Geschmacks, der ungeteilten Einheit, entsteht Samadhi. Frei von eigener begrenzter Gestalt gedacht, ist man stets Shiva.

Man erlangt Freiheit von Alter und Tod, wahrlich, Sechsgesichtiger. Shiva kennt weder Tod noch Geburt noch Alter.

Dem Übenden werde dies zur beständigen Meditation: Er ist unmittelbar Shiva, frei von Alter und Tod.

Durch Herabkunft von Shivas Kraft, mit Vertrauen und Hingabe und durch die Gnade der Guru-Hingabe entsteht eigene Erfahrung.

Vollendung von Japa, Dharana, Meditation und Samadhi erlangt man durch die Gnade des Guru.

Dort gibt es weder Yama noch Niyama noch Asana, weder Pranayama noch Pratyahara.

In Wahrheit gibt es dort weder Meditation, Dharana noch Samadhi, weder Ausatmen, Einatmen noch Atemhalten.

Auch die Gesamtheit der sogenannten Lebenskräfte besteht dort nicht, wahrlich. Nur die eine höchste Wirklichkeit ist die Stütze.

Die Wirklichkeit des gleichen Geschmacks ist Samadhi in der einen Wirklichkeit: Shiva allein ist die ganze bewegliche und unbewegliche Welt.

Mantras und Rezitationsformeln

Die folgenden beiden Formeln sind im erhaltenen Sanskrit ausdrücklich ausgeschrieben. Es werden keine fehlenden Keimsilben ergänzt. Die Schreibweise folgt der Vorlage; insbesondere wird der Rudra-Gayatri hier kein zusätzliches Om vorangestellt.

Anrufung Shivas

oṃ namaśśivāya

„Om, Verneigung vor Shiva.“ Diese vollständige kurze Anrufung steht innerhalb der längeren Vyomavyapin-Formel in Kapitel 28, im Textblock vor der Versnummer 29. Nur die in sich klare Anrufung wird hier herausgelöst; die teilweise beschädigte Gesamtformel wird nicht zur Rezitation vervollständigt.

Rudra-Gayatri

tatpuruṣāya vidmahe mahādevāya dhīmahi | tannorudraḥ pracodayāt |

„Tatpurusha wollen wir erkennen; über Mahadeva meditieren wir. Möge Rudra uns dazu anregen.“ Die Formel steht in Kapitel 28, Vers 31; der vorausgehende Vers bezeichnet sie ausdrücklich als Rudra-Gayatri. Tatpurusha, Mahadeva und Rudra sind hier Anrufungen des göttlichen Herrn. Die Schreibverbindung „tannorudraḥ“ bleibt wie in der Quelle erhalten.

Quellen und Hinweise

Muktabodha Indological Research Institute: kālottara / kālottarāgama, Katalog M00248, Revision 0 vom 5. Februar 2012. Laut Dateikopf nach IFP/EFEO-Transkript T0059, seinerseits nach GOML Madras R 14343. Dateneingabe unter Leitung von Mark S. G. Dyczkowski. Grundlage dieser Ausgabe sind die bereitgestellten Dateien kAlottara-M00248-IAST.txt und kAlottara-M00248-DEV.txt. Lizenzangabe der Quelle: CC BY-NC 4.0. Die deutsche Übersetzung und die redaktionellen Texte sind Neubearbeitungen auf dieser Grundlage.

Die Auswahl folgt der deutschen Übersetzung im Hauptartikel. Sie ist nach Themen geordnet; die Verse behalten innerhalb der einzelnen ausgewählten Folgen ihre Reihenfolge. Getrennte Absätze entsprechen jeweils einer ausgewählten nummerierten Texteinheit. Einige Sätze reichen deshalb über einen Absatz hinaus. Die beiden Rezitationsformeln zählen nicht zu den 64 ausgewählten Versstellen.

Konkordanz der ausgewählten Verse

Die Nummer links zählt die Absätze der fünf Leseteile von oben nach unten. S65 und S66 bezeichnen die redaktionell gekennzeichneten Schlussabschnitte. Bei der auffälligen Nummer 57 im Kapitel 67 wird zusätzlich die laufende Position angegeben.

Reihenfolge der Auswahl Abschnitt Originalnummer
1 Kapitel 7 18
2 Kapitel 7 28
3 Kapitel 7 29
4 Kapitel 7 47
5 Kapitel 7 48
6 Kapitel 7 49
7 Kapitel 7 50
8 Kapitel 7 53
9 Kapitel 7 54
10 Kapitel 7 60
11 Kapitel 7 69
12 Kapitel 25 1
13 Kapitel 25 2
14 Kapitel 25 3
15 Kapitel 25 10
16 Kapitel 25 11
17 Kapitel 25 12
18 Kapitel 25 15
19 Kapitel 25 16
20 Kapitel 25 17
21 Kapitel 24 2
22 Kapitel 24 9
23 Kapitel 24 10
24 Kapitel 24 16
25 Kapitel 24 17
26 Kapitel 24 27
27 Kapitel 24 28
28 Kapitel 24 33
29 Kapitel 24 34
30 Kapitel 26 38
31 Kapitel 26 39
32 Kapitel 26 41
33 Kapitel 26 42
34 Kapitel 26 45
35 Kapitel 26 46
36 Kapitel 26 50
37 Kapitel 26 51
38 Kapitel 26 52
39 Kapitel 26 53
40 Kapitel 26 54
41 Kapitel 26 55
42 Kapitel 26 56
43 Kapitel 27 2
44 Kapitel 27 8
45 Kapitel 27 9
46 Kapitel 27 22
47 Kapitel 27 23
48 Kapitel 27 35
49 Kapitel 27 70
50 Kapitel 27 75
51 Kapitel 67 1
52 Kapitel 67 2
53 Kapitel 67 3
54 Kapitel 67 4
55 Kapitel 67 57 (erstes Vorkommen; laufende Position 51)
56 Kapitel 67 53
57 Kapitel 67 56
58 Kapitel 67 57 (zweites Vorkommen; laufende Position 57)
59 Schlussabschnitt S65 24
60 Schlussabschnitt S65 25
61 Schlussabschnitt S66 41
62 Schlussabschnitt S66 42
63 Schlussabschnitt S66 43
64 Schlussabschnitt S66 44