Dakshinamurti Samhita 108 inspirierende Verse und Mantras

Aus Yogawiki

Dakshinamurti Samhita – 108 inspirierende Verse und Mantras öffnet einen Zugang zur Sri Vidya über Atem, Hingabe und Erkenntnis. Die folgenden 108 ausgewählten Stellen führen von Tripura Sundari als göttlicher Mutter über Ajapa Japa zur Betrachtung des Bewusstseins. Zusammengehörige Verse bilden jeweils eine lesbare Einheit; die Auswahl umfasst daher mehr als 108 einzelne Sanskritverse.

Einige Worte lassen den Atem bewusster werden; andere wecken Hingabe oder laden zur stillen Frage nach dem Selbst ein. Nimm dir Zeit für die Stellen, die dich ansprechen. Du kannst eine Passage lesen, ihre Bedeutung bedenken und anschließend einige Atemzüge in Stille verweilen. So wird aus einer großen Textsammlung eine persönliche Begegnung mit einer ihrer Lehren.

Die Auswahl folgt fünf Themenkreisen. Die Übersetzungen bewahren auch schwierige Lesungen und den traditionsgebundenen Zusammenhang der Rituale. Fundstellen sowie die beiden begrenzten Auszüge sind in der Konkordanz verzeichnet. Die Mantras mit ihren jeweiligen Verwendungshinweisen stehen in einem eigenen Abschnitt.

Tripura Sundari, die göttliche Mutter der Shri-Vidya-Tradition.

Zur Ausgabe: Einführung und deutsche Übersetzung · Sanskrit IAST · Sanskrit Devanagari · Verse und Mantras

108 inspirierende Verse und Textstellen

Tripura und die göttliche Mutter

1. Ich verehre das Herz des erhabenen Schatzes der Shri, dessen Wesen die fünf Throne sind, die Frucht der Wunschranken, dessen Kräfte in den fünf Juwelen aufleuchten. Um Glückseligkeit zu erlangen, verehre ich die Stätte des höchsten Brahman: Sie erfreut die vier Heiligtümer, birgt die vier Überlieferungslinien und ist von ewiger Freude erfüllt.

2. Der Herr sprach: Diese Wirklichkeit, die alles in sich umfasst, ist Tripura, die höchste Herrin. Von vier Lakshmi-Gestalten verehrt, ist sie die erhabenste Wunscherfüllerin.

3. Meditiere dann über die schöne Shri, vor der sich alle Götter verneigen, glänzend wie Gold und mit himmlischen Juwelen geschmückt. [Das Gold-Epitheton ist orthographisch gestört.] Zwei weiß leuchtende Elefanten übergießen sie immer wieder mit Unsterblichkeitsnektar, auch mit einem Strom von Perlen und Juwelen, Geliebte. Ihre Krone ist mit vielen Edelsteinen besetzt; sie trägt reines feines Gewand. Der Weise vergegenwärtige sich die Lotusäugige im Herzen, wo auch Padmanabha ihrer gedenkt. [Die Satzverbindung ist nicht eindeutig.] Nach dieser Meditation verehre stets die vierarmige, dreiäugige Göttin: Sie hält zwei Lotusblüten und zeigt die Gesten des Gewährens und der Furchtlosigkeit.

4. Rufe in der Mitte die Göttin an und meditiere über die Spenderin aller Fülle: in einer Halle mit einem Boden, der wie frisches Gold glänzt, und mit Juwelenmosaik, inmitten eines großen Wunschbaumwaldes, auf einem vorzüglichen Juwelenthron, herrlich auf dem Lotussitz, mit edelsteinbesetzten Fußreifen, mit einer strahlenden Juwelenkrone und Edelsteinohrringen, geschmückt mit vielfältigem Schmuck aus unzähligen Juwelen, sechsarmig, mondgesichtig, zwei Lotusblüten, Schlinge, Stachelstock, Bogen und Pfeile tragend, von Botinnen umgeben, die schöne Wedel, Juwelenspiegel, goldene Betelschalen und Schmuckkästchen in den Händen halten.

5. Shri Vidya, höchstes Licht, höchste ungeteilte Gottheit, Ajapa und Matrika heißen die fünf Schätze.

6. Der Pranava ist als Bewusstseinskraft zu erkennen; durch Maya besitzt sie die Gestalt des Raumes. Im Wort Hamsa ist sie unmittelbar das Wesen des Selbst, Herrin der Götter.

7. Die drei Bindus darin bestehen aus Schöpfung, Erhaltung und Auflösung. Durch Bindu und Nada gebiert sie; als Vama hat sie die Gestalt Brahmas.

8. Durch den zweiten Bindu bewahrt sie die drei Welten. Als Jyeshtha ist sie die zu Vishnu gehörige Maya, die ursprüngliche, vom Sattva geprägte Kraft, Geliebte.

9. Durch den dritten Bindu verschlingt sie alles, von Tamas umhüllt: Das ist Raudri. Im dreifachen Bindu bringt Ambika hervor, Göttin.

10. Der Herr sprach: Nun erkläre ich die höchste ungeteilte Gottheit, große Göttin. Schon durch das Gedenken an sie wird der Leib zu Bewusstsein und Glückseligkeit. [Der erste Bestandteil des Ausdrucks ist orthographisch gestört.]

11. Mit Gnade beginnend, aus Bindu, Nada und Kala bestehend, ist diese höchste ungeteilte Göttin ihrem Wesen nach das höchste Brahman.

12. Sie trägt weiße Gewänder, weiße Kränze und weiße Salbung, zeigt die Erkenntnisgeste und wird von Scharen der Meister des Yoga verehrt.

13. Der Herr sprach: Nun erkläre ich Matrika, die Mutter der Welt, große Herrin: von A bis Ksha die Gottheit, deren Glieder die Laute sind.

14. Diese Göttin Lalita lässt großes Wohlergehen wachsen. Nyasa, Verehrung und alles Weitere sind wie bei Tripureshi auszuführen.

15. Ich erkläre ihre Meditation zur Vollendung der Übenden: Sie gleicht tausend aufgehenden Sonnen; ihre Rubinkrone leuchtet. Edelsteinohrringe, Perlenketten, Anhänger, Armreifen und Juwelenfußreifen schmücken sie. Rot sind ihr Gewand und ihre Salbung. Schlinge, Stachelstock, Buch und Gebetskette trägt sie. Meditiere über die an allen Gliedern Schöne zur Erlangung aller Fülle.

16. Als Herrin der Vidya der nördlichen Überlieferung gewährt sie Lebensfülle und Befreiung. Bandhuka-Blüten erfreuen sie; mit ihnen wird sie verehrt. Sie leuchtet wie die Bandhuka-Blüte, ruht auf fünf Schädeln, trägt eine Juwelenkrone mit glänzender Mondsichel und einen Schädelkranz. Sie ist dreiäugig, rot gekleidet, mit hohen vollen Brüsten; sie trägt Buch und Gebetskette und zeigt Gewähren und Furchtlosigkeit.

17. Der Herr sprach: Ich verkünde die Siddhavidya, die schon durch das Gedenken Vollendung schenkt, stets Wünsche und Nahrung gewährt und alle Fülle verleiht.

18. Shri Vidya, Siddhavidya, Matangi, Bhuvaneshvari und Varahi heißen die fünf Juwelen.

19. Meditiere über Siddhavidya im großen Milchozean, auf der Juweleninsel, in einem leuchtenden Gebäude mit glänzendem Wall, auf einem Thron, von Wunschbäumen prächtig umgeben. Sie leuchtet wie die aufgehende Sonne und trägt ein vielfarbig strahlendes Gewand. Sie trägt den Mond im Haar, ist dem Nahrungspenden hingegeben und mit Juwelen geschmückt. Ihre schweren Brüste gleichen goldenen Krügen. Die zweiarmige höchste Herrin erfreut sich an Rudras Tanz. Sie zeigt Gewähren und Furchtlosigkeit und ist stets dem Nahrungspenden hingegeben.

20. Sie ist die Königin aller Vidyas und gewährt Befreiung und Zielerreichung. Der erhabene Matanga ist ihr Seher, Gayatri ihr Versmaß.

21. Die höchste Herrin Matangi als Klanggestalt ist die Gottheit. Kama-Bija und Vagbhava [sind] Bija und Shakti;

22. Meditiere über die schlanke Matangini, den rechten Fuß auf einen Lotus gesetzt, herrlich im Klang ihrer tönenden Vina, mit schwingenden Ohrringen, mit schön leuchtenden Zahnreihen, heilvoll, an allen Gliedern schön, mit Kadamba-Blütenketten geschmückt und ins Vina-Spiel vertieft. Meditiere zur Erfüllung aller Ziele über die Dunkelfarbige mit Muschelarmreifen. Nun erkläre ich ihr Yantra: Dreieck, Fünfeck,

23. Schön sitzt sie auf einem weißen Lotus, leuchtet wie Mond und Kunda-Blüte, ist überaus freundlich und segenspendend, mit vielen Juwelen geschmückt. Unzählige Perlen zieren sie; sie lässt Nektar strömen und zeigt Gewähren und Furchtlosigkeit. Vergegenwärtige dir die Mehrerin des Wohlergehens.

24. Sie ist Herrin der drei Welten ihres Gebots und gebietet über Brahma und [beschädigte weitere Bezeichnung]. Ihre schönen Glieder bestehen aus den Buchstaben von A bis Ksha. Vom Wurzelzentrum bis zur Scheitelöffnung ist sie wie ein feiner Lotusfaden; sie leuchtet wie die aufgehende Sonne und gleicht einer Hibiskusblüte.

25. Im leuchtenden Mond ihres Gesichts glänzt ein kreisförmiger Perlenschmuck an der Nase. Die Süße ihres Lächelns übertrifft den strahlenden Genuss der Brahman-Erkenntnis.

26. Sie strahlt in allem Schmuck und ist mit sämtlichen Zierden versehen: die höchste Göttin, deren Wesen alle Götter und alle Mantras sind. Sie besteht aus allen heiligen Orten und allen Lehrschriften; die Göttin, deren Wesen alle heiligen Orte sind, ist die Grundlage von allem. Sie bringt jedes Glück hervor und ist die Schöne allen Glücks. So meditiere man über die große Göttin inmitten des Kadamba-Waldes.

27. Die Allwissende, die Allmächtige, die alle Herrlichkeit als Frucht gewährt, die aus allem Wissen bestehende Göttin und die Vernichterin aller Krankheiten … … die Grundlage von allem, die alle Verfehlung nimmt, die Göttin, die ganz Seligkeit ist, und die Verkörperung allen Schutzes … … als zehnte die Spenderin aller ersehnten Früchte, höchste Herrin.


Ajapa, Hamsa und der Atem

28. Der Herr sprach: Dir, Makellose, erkläre ich die Verehrung der Ajapa. Schon durch ihre Erkenntnis ist der Lehrer das höchste Brahman selbst.

29. Jeden Tag wiederholt der Mensch das höchste Hamsa, höchste Herrin. Durch Verblendung gebunden, erkennt er es nicht; so wird ihm keine Befreiung zuteil.

30. Durch die Gnade des ehrwürdigen Guru wird es erkannt, Göttin. Dann wird es als Aus- und Einatmen wiederholt, und die Bindung schwindet.

31. Beim Aus- und Einatmen [erklingen] die beiden Laute Ham und Sa. Deshalb heißt der Lebensatem Hamsa; er besteht in der Gestalt des Selbst.

32. Sechzig Atemzüge bilden einen Prana; sechs Pranas gelten als eine Nadika. Sechzig Nadikas bilden Tag und Nacht: So wird die Zahl der Wiederholungen des Ajapa-Mantras bestimmt. Einundzwanzigtausendsechshundertmal täglich wiederholt [der Mensch] im Lebensatem die höchste, immer glückselige Kraft, Herrin.

33. Mit dem Entstehen beginnt diese Wiederholung; der Tod ist ihre Darbringung. Ohne [absichtliches] Wiederholen geschieht für den Mantraübenden die Wiederholung. Daher heißt sie Ajapa, die die Fessel des Werdens zerschneidet. Durch die Gnade des ehrwürdigen Guru wird sie erlangt, Göttin, nicht anders, Geliebte.

34. Im tausendblättrigen Lotus, der wie Kampfer leuchtet, in der Scheitelöffnung, erkenne das Wesen des Nada, höchste Herrin.

35. Bringe den in diesen sieben Chakras Gegenwärtigen die während eines Tages und einer Nacht geschehende Wiederholung dar, Geliebte.

36. Die Gottheit ist das höchste Selbst; Hamsa beziehungsweise Ham heißt das Bija. Sa ist die Shakti, Soham der Verschluss; der Pranava ist die Wirklichkeit selbst.

37. oder Feuer und Mond bilden seine Flügel; der Pranava ist sein Kopf. Die drei Bindus [werden] Haarschopf und Augen [zugeordnet]; Nada heißt sein Gesicht. Shiva und Shakti bilden das Paar seiner Füße; die beiden Seiten [sind] Zeit und Feuer. Dieser höchste Hamsa ist alldurchdringend und voller Leuchten.

38. Die Ajapa genannte Gayatri ist in den drei Welten schwer zu erlangen. Wer die Ajapa beständig wiederholt, für den gibt es keine Wiedergeburt.

39. Einundzwanzigtausendsechshundertmal bewegt sich der Atem während eines Tages und einer Nacht. Diese Wiederholung verleiht Befreiung.

Atem und Soham als Zugang zur Sammlung.


Mantra, Guru und innere Verehrung

40. Mit den beiden Lauten des Rufes an die Gattin des Feuers heißt sie höchstes Licht, Geliebte. Der Mantraübende, der so ergründet, wird unmittelbar Brahman selbst.

41. Wer im Feuer der Erkenntnis mit den Matrika-Lauten als Opferstoff die Lautopfer durch diesen Mantra darbringt, gelangt in einem Augenblick zum Nirvana.

42. umgeben von einem Quadrat mit vier Toren; es schenkt Erkenntnis. Meditiere über die höchste Herrin in der Scheitelöffnung und rufe sie dort an.

43. Auf dem achtblättrigen Lotus verehre in den vier Hauptrichtungen, vorn beginnend, das Selbst, das innere Selbst, das höchste Selbst und das Erkenntnis-Selbst.

44. Nivritti, Pravritti, Vidya und Shanti verehre in den Zwischenrichtungen. Danach verehre Brahma und die übrigen.

45. Erfreue sie mit Duft, Blumen, Speisegaben und Trankspenden. Der Mantraübende wird zum Wesen der Erkenntnis; die Befreiung liegt in seiner Hand.

46. An Bauch und Gesicht lege die alles durchdringende Lautgestalt an. Durch diese Form des Nyasa wird der Mantraübende selbst zur Gestalt der Laute.

47. Meditiere über die mit der Gestalt der Laute Erfüllte: Die Vokale sind ihr Gesicht, die Ka- und Cha-Gruppen ihre schönen Arme, die beiden Ta-Gruppen ihre Lotusfüße. Die Pa-Gruppe bildet ihre schönen Seiten; [weitere Laute bilden] ihren glänzenden Bauch. Die Ya-Gruppe [bildet weitere Glieder; die Stelle ist beschädigt]. Ihre hohen Brüste sind voll. Ihre Hüften sind voll gerundet, ihre Augen hell, ihre Taille schlank. Weiße Kränze und weiße Salbung schmücken sie, eine Gebetskette ziert sie. [Sie trägt Zeichen des Schreibens; der Wortlaut ist gestört] und gewährt alle Segnungen. Nach dieser Meditation verehre der Einsichtige die Göttin.

48. Medha, Prajna, Prabha, Vidya, Dhi, Dhriti, Smriti, Buddhi und Vidyeshvari verehre, von Osten beginnend, in den Richtungen und der Mitte.

49. Mit Anugraha verbunden wird diese Vidya dreilautig. Ihr Seher ist Dakshinamurti; ihn lege auf den Kopf.

50. Das Shakti-Bija selbst ist ihre Kraft, das Kama-Bija ihr Verschluss. Diese Vidya verleiht die menschlichen Lebensziele.

51. Nachdem der Körper so durch Nyasa geordnet und der Atem geregelt wurde, Parvati, meditiere über die Göttin inmitten des Kadamba-Waldes. In einer Juwelenhalle im großen Wunschbaumwald sitzt sie auf einem Edelsteinthron im Schatten eines Perlenschirmes.

52. Reine Salbung und Kampfer verleihen ihr Schönheit. Links hält sie ein Buch und zeigt Furchtlosigkeit, rechts trägt sie eine Gebetskette und gewährt Segen. So meditiere über die Göttin, die die Fülle der Sprachkunst verleiht. Gesammelt wiederhole den Mantra hunderttausendmal für jeden seiner Laute.

53. Hell strahlt die große Lampe, die alle Finsternis vertreibt. Licht außen und innen: Nimm diese Lampe an.

54. Dies ist die Lichtformel. Höre auch die Formel des Lichtschwenkens, Geliebte: In diesem Mandala aller Chakras, du Brahman-Gestaltige, nimm dieses geschwenkte Licht an, Tripura, zu meiner Vollendung. Diese Formel folgt beim Lichtschwenken auf die Vidya.

55. Himmlische, sorgfältig bereitete Speise in einer goldenen Schale, fünffach und mit den sechs Geschmacksrichtungen versehen: Nimm sie an, höchste Herrin.

56. Bei der Opfergabe zeige der Mantraübende die Mudras in ihrer Reihenfolge. Preise die Göttin, verneige dich und vereinige sie wieder mit deinem Selbst.

57. Nachdem Guru und Gottheit durch die Prinzipien Selbst, Vidya und Shiva erfreut wurden, vollziehe der Mantraübende seine Handlungen von Freude erfüllt.

58. Oder meditiere in ihrer rechten Hand über einen goldenen Schöpflöffel und über ein mit Milchreis gefülltes, mit himmlischen Juwelen geschmücktes Gefäß in ihrer linken Hand. Nach dieser Meditation verehre vor ihr Rudra in der Fülle seines Tanzes.

59. Der Herr sprach: Nach dem morgendlichen Aufstehen vergegenwärtige dir einen strahlenden Lotus auf dem Kopf, darin den kampferhellen ehrwürdigen Guru als dein eigenes Wesen, freundlich, leuchtend und mit Frieden geschmückt, stets Gewähren und Furchtlosigkeit zeigend. Verneige dich und verehre ihn mit folgender [Formel].

60. Nach Vagbhava [sprich]: „Die Herrin der Rede mögen wir erkennen“; nach der zweiten Lautgruppe: „Über die Herrin des Begehrens meditieren wir“; nach der dritten: „Die Shakti möge [uns] anregen.“ Wiederhole entsprechend deinen Kräften, danach die Shri Vidya.

61. Zur Reinigung des Körpers vollziehe der Mantrakundige die Reinigung der Elemente. Mit dem Luftkeimlaut lasse er die mit Verfehlung verbundenen Körperbestandteile austrocknen. Mit dem Feuerkeimlaut verbrenne er sie mitsamt der Verfehlung. Dann belebe er den von Verfehlung freien Körper erneut, indem er ihn mit Unsterblichkeitsnektar erfüllt. Mit dem Wasserkeimlaut, Herrin der Götter, und mit dem Erdkeimlaut festige er ihn. Danach vollziehe er gehörig den Nyasa als schützende Bekleidung des Körpers.

62. Der Verständige setze die vollständige Shri Vidya im Herzen ein, Göttin: mit Blumen, mit dem Ringfinger oder auch im Geist.

63. „Ich verehre die Fußsandalen der Mutter allen Glücks“: Mit diesen Worten verehre der Verständige die Fußsandalen des höchsten Lichts.

64. Mit allen glückverheißenden Diensten, geistigen wie sichtbaren, mit Räucherwerk, Lichtern und schließlich Speisegaben verehre man sie und zeige erneut die Mudras. Nach abermaliger Labung verehre man die Nityas der Mondtage. Dabei verehre man diejenige, welche dem jeweiligen Mondtag entspricht.

65. Danach verehre man den eigenen Guru mit Gewändern, Schmuck, Kühen und Besitz, entsprechend dem eigenen Vermögen. Man verneige sich und betrachte ihn als Gestalt der Göttin. Ohne Vermögen vorzutäuschen oder zurückzuhalten lege man den heiligen Faden auf. Wo der Guru verehrt wird, trägt die Handlung Frucht.

66. „Göttin, mit allen Chakras und ihren Herrinnen verbunden, Neungestaltige: Nimm dieses Lichtopfer an, damit ich Vollendung erlange.“

67. Man wiederhole geistig, hörbar oder flüsternd. Geistige Aussprache gewährt die Frucht von zehn Millionen Wiederholungen, Göttin.

68. „Ich verehre das entzündete Feuer, den Kenner aller Geburten, den Opferverzehrer, goldfarben, makellos, hell entflammt und nach allen Seiten gewandt.“

69. Nachdem er sich selbst mit jenen Gurus verbunden hat, vergegenwärtige er alle Gurus, mit gehöriger Verneigung vor ihnen.

70. Man gebe ihm Damanaka, verneige sich und erfreue ihn. Danach begehe man mit den Angehörigen der Überlieferung freudig ein Wasserspiel. Man verteile Speise mit den sechs Geschmacksrichtungen. Wer als Kundiger so die Ordnung des Damanaka-Festes vollzieht, dessen jährliche Verehrung wird von der Shri Vidya getragen.


Turiya und die Reifung der Erkenntnis

71. Der Herr sprach: Die Wirklichkeit, die alles umfasst, wird Tripura genannt. Mit Sattva verbunden heißt diese Göttin Wachen.

72. Dann besitzt sie die Gestalt der Shakti und erschafft die drei Welten. Entstehen, Wachen, Erkenntnis und beständige Tätigkeit des Geistes [werden genannt]. Vier Kräfte sind dem Wachzustand zugeordnet. Dieselbe [Göttin], mit [Tamas; die Lesung ist verkürzt] verbunden, wird als Shiva-Gestalt bezeichnet.

73. Sterben, Vergessen, Ohnmacht und Schlaf sind von Tamas umhüllt; sie gelten als Kräfte des Tiefschlafes. Der Tiefschlaf hat Shiva-Gestalt. Die Göttin umfasst das Paar der Zustände; als Rajas besteht sie aus beiden. Die Verbindung von Sattva und Tamas heißt Rajas. [Der Versanfang und das letzte Wort sind gestört.]

74. Am Ende des Tiefschlafs und zu Beginn des Wachens liegt der von Rajas geprägte Traumzustand. Verlangen, Umherschweifen, Denken an Gegenstände und geistiges Erinnern bilden die vier Kräfte des Traumes. Die Göttin, deren Stand jenseits der Gunas liegt, wird Turya genannt.

75. Zu Beginn des Tiefschlafs und am Ende des Wachens ist ihr Kennzeichen reines Aufleuchten. Als das nach allen Zuständen Verbleibende ist Turya die [Kamala-]Kraft. [Die Bezeichnung der Kala ist nicht eindeutig.]

76. Frei von Sein und Nichtsein wird sie als jenseits der Gunas bezeichnet. Loslösung, Verlangen nach Befreiung und ein durch Ruhe und weitere [Tugenden] reiner Geist, dazu die Unterscheidung des Wirklichen vom Unwirklichen: Das sind die Kräfte der Turya. Durch ihre vollkommene Reifung wird Turya zur siebzehnten Kala.

77. Wie [zunächst herbe] Früchte, darunter die Banane, durch Reifung süßen Saft entwickeln, so entsteht, große Herrin, die siebzehnte Kala. [Der Anfang des Gleichnisses ist gestört.]

78. Die Mantras, die ausgesprochen werden, sind bezeichnende Mantras, Geliebte. Die Wirklichkeit ohne Aussprache betrachte man allein im Geist.

79. Durch Betrachtung in vollkommener Wesenseinheit [wird sie erkannt als] unmittelbar nur Brahman allein. Daher hat die große Vidya die Gestalt des Vierten, du Schönangesichtige.

80. Diese sechzehn Kräfte sind in den Lauten der Shri Vidya gegenwärtig. Die großen Mantras gehen aus ihnen hervor wie Funken aus einem großen Feuer.

81. Ebenso gehen die Matrika-Laute aus Vagbhava hervor, Geliebte. Deshalb wird ihr Bija Vagbhava, „aus der Rede entstanden“, genannt.

82. Durch diese aus Sprache bestehende [Kraft] bezaubert die Göttin die drei Welten mit allem Beweglichen und Unbeweglichen. Dann hat sie die Gestalt des Kameshi-Bijas. Als Mann und Frau aufleuchtend, [entfaltet sie] die Bindu-Matrika. Durch große Bezauberung bindet sie die drei Welten. [Die syntaktische Verbindung ist gestört.]

83. Deshalb ist dies der Verschluss, Göttin. Voll ihres segensreichen Vermögens bewahrt sie die ganze Welt; daher heißt sie Shakti.

84. So gewährt die Kraft der drei Lautgruppen umfassende Herrschaft. Als Lakshmi ist die Göttin dann in den drei Welten wach und wirksam.

85. Als Bhuvaneshvari sitzt sie geschmückt von der Schar der großen Schatzherrinnen. Mit diesen Schätzen erfüllt die Höchste die Wünsche.

86. Als Kameshvari erfüllt die Göttin stets die Wünsche. Auf dem großen Thron erhaben, durchdringt sie das All und besitzt die Gestalt des Alls. Auf dem großen Sitz von A, Ka und Tha hat sie die Gestalt der Laute Ha, La und Ksha. Dann ist sie die Göttin als Wunschranke, deren Blüten die Rede und deren Kraft Erkenntnis sind [Lesung gestört], stets Wohlergehen gewährend und mit dem Glanz der Juwelen geschmückt. In der Gnadenschöpfung für die Seelen leuchtet sie als Mutter der Welt auf. Durch die vier Heiligtümer [geehrt], wird sie von den vier Veden verehrt. Dann ist die Göttin die Trägerin der Herrschaft, die Stätte der Freude der Welten. Daher gewährt sie die Herrschaft über die drei Welten und hat das Wesen der Nityas.

87. Dies alles in sich enthaltend, besteht die heilvolle Tripura. Inmitten der Weltentfaltung ist sie allein von der Natur Brahmans. Deshalb ist die große Göttin die siebzehnte Kala, obwohl sie die Gestalt der sechzehn Laute besitzt und aus den sechzehn Nityas besteht.

Shri Yantra: Verehrung und innere Betrachtung.


Bewusstsein, Shri Chakra und Überlieferung

88. Durch Shiva ist die Göttin von der Natur der Leere und besteht in der Gestalt des Raumes. Sie trägt die Welt in ihrem eigenen bewusstseinsförmigen Selbst und ist die Wohnstatt aller Entfaltung.

89. Durch den Mond lässt sie [den Nektar] vom Wurzelbereich bis zur Stätte Brahmans schmelzen; alles überflutend bringt sie die Muttergestalt der Welt hervor.

90. Durch Manmatha hat sie Geistesgestalt und ist daher voller Leuchten. Sie entfaltet alles und heißt Mutterschoß des Alls. Durch die Tätigkeit des inneren Organs ist sie die innere Muttergestalt der Welt. Sie heißt innere Maya, durch die diese Welt getragen wird.

91. Deshalb ist die Höchste erdgestaltig, die Trägerin der Welt. Die höchste Shakti ist Bindu, die große Herrin Nada. In der Betrachtung liegt sie jenseits des Nada und außerhalb der Reichweite des Ergründens. So entsteht der Tripura-Mantra aus Lauten, die Brahman sind.

92. Diese Shri Vidya ist von mir verkündet worden; nicht einmal mit hundert Millionen Zungen und Mündern lässt sie sich beschreiben. Wie könnte ich sie mit meinen fünf Gesichtern vollständig schildern? Shri Vidya, die Königin aller Vidyas, lässt sich nicht erschöpfend preisen.

93. Mit sechzehn Lauten erfüllt, ist sie selbst die fünfzehnte Kala. Durch die Gnade des ehrwürdigen Guru erlangt, schenkt sie Gedeihen und Vollendung. Am Ende wird der Mantraübende zum leidlosen Brahman, nicht anders.

94. Auf eben diese Weise verehre man die fünf Fünfergruppen. Diese Wirklichkeit, deren Wesen alles ist, geht in der höchsten Wirklichkeit auf. Diese alles umfassende Wirklichkeit ist die Schöne allen Glücks. Durch die Vereinigung dreier Bindus besteht Tripura in dreifacher Gestalt.

95. Aus diesem Grund wird sie Tripura-Shakti genannt, Göttin. Bei den anderen gibt es diese drei Bindus Tripuras nicht, Ewige. Durch ihren Willen entsteht die Schöpfung und geht wieder in ihr auf. Man betrachte eben diese Göttin, die große Herrin, als das eigene Selbst.

96. Sonst darf die Gurureihe niemals verkürzt werden. Was vermögen die Strahlen für diejenigen, die ohne Überlieferungsfolge sind, auf bloßes Wissen stolz … … und von der verbindlichen Ordnung abgewichen? Wer die rituelle Folge ohne Guru ausführt, höchste Herrin … … erleidet großen Verlust, Göttin, daran besteht kein Zweifel. In drei Reihen sind die Gurus zur Erlangung der Vollendung zu verehren. Mit dem Guru-Mantra verehre man den eigenen Guru, Herrin der Götter.

97. Im allseligen Bereich, dessen Gestalt Nada ist und der über den Klang hinausgeht, ist die Yogini des höchsten und weiteren Geheimnisses, mit „höchst“ bezeichnet … … als Mahatripurasundari der drei Lautgruppen zu verehren. Man verehre die Shri Vidya, Göttin, als reines Bewusstsein und Gestalt des Brahman. Wieder bringe man Labungen dar und verehre sie mit Duft, Blumen und ungebrochenem Reis. Mit zahlreichen inneren wie sichtbaren Gaben verehre man die Göttin, Geliebte. Der Mantrakundige zeige die Mudras; ihre Göttinnen leuchten wie Bandhuka-Blüten …

98. Parvati sprach: Tripura, die höchste heilvolle Herrin, besteht aus allen Mantras und wurde als Bewusstsein beschrieben. Wie soll sie verehrt werden, Sadashiva?

99. Zur Beruhigung des Unheilvollen vergegenwärtige dir die vom Wurzelbereich zur Scheitelöffnung reichende, lotusfaserfeine [Kraft], schön wie die aufgehende Sonne.

100. Man berühre das Opferwasser und verehre es mit Duft, Blumen und weiteren Gaben. Man vergegenwärtige den durch die Augen hervortretenden Lichtbereich, der aus Bewusstsein und Seligkeit besteht. Damit besprenge man sämtliche übrigen Verehrungsgegenstände und sich selbst: Alles soll diese Gestalt annehmen, Geliebte.

101. Nachdem der Körper so mit Nyasa versehen ist, meditiere man über das Mandala des Welteneis: Es offenbart Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum und das Wesen des Bewusstseins.

102. So ist der tausendblättrige Lotus mit den Stufen der Rede erfüllt. Darüber befindet sich das höchste Chakra, die Wohnstätte des höchsten Nektars. Es ist viereckig, mit sechzehn Blättern, glückverheißend mit vierundsechzig Blättern, mit hundert, tausend, zehntausend und hunderttausend Blättern … … und mit zehn Millionen Blättern, voller Schönheit und am Himmel leuchtend. In der Mitte seines Fruchtbodens, auf dem Sitz, vergegenwärtige man den Herrn des Chakras.

103. Dies wird als Mantraweg bezeichnet, Lotusäugige. So betrachte man das Shri Chakra als die sechs Wege durchlaufend. Im Fruchtboden liegt die höchste Wirklichkeit; daraus das unvergängliche Bewusstsein, daraus das höchste Selbst, daraus das Aufleuchten des Bindu …

104. Den einen Bindu stelle man sich als Gesicht vor, darunter das Brüstpaar; darunter betrachte man die nach unten gerichtete Hälfte. [Die Bezeichnung dieser letzten Form ist beschädigt.] So ist sie die Gestalt der Kamakala, unmittelbar die Gestalt der unvergänglichen Laute: Durch die drei Bindus und die halbe Maßeinheit ist sie allein die Buchstabenmutter des Alls.

105. Der beste Mantrakenner vergegenwärtige die Strahlen der höchsten Herrin. Mit der Khechari-Mudra führe er die Herrin des Shakti-Kreises, das höchste Bewusstsein … … durch die Gnade des Guru in sich selbst zusammen, in die Tiefe der Erkenntnis.

106. Mit dem Waffenmantra schrecke der Verständige alle Geister ab. Dann entzünde er das Feuer, nachdem er das Erkenntnisfeuer darin übertragen hat. Wie von einer Lampe eine andere entzündet wird, so übertrage der Mantrakenner das nach allen Seiten strahlende Feuer auf dem Atemweg durch den Yoni-Weg.

107. Daher ist die Kundalini-Shakti im Shakti-Kuta, große Herrin. Als drei Lautgruppen ist die Göttin Tripura die Spenderin aller Vollendungen. Vierundsechzig Zehnmillionen mächtiger Yoginis haben in diesem Chakra ihren Halt und verleihen den Guten stets Vollendung.

108. Wenn einer zu Bhairava geworden ist, besteht kein Zweifel an seiner Vollendung. Der von begrifflicher Trennung freie Mantrakenner ist unmittelbar Brahman, daran besteht kein Zweifel.

Konkordanz der 108 Verse

Die Ziffer vor dem Punkt bezeichnet in einfachen Verweisen den Patala. Innerhalb mehrfach neu beginnender Zählungen wird der Teilabschnitt genannt. Die philosophischen Verse stehen vor der Puja-Vorbereitung im Textblock mit dem Schlussvermerk Patala 25. Die Buchstaben a und b bei den Patalas unterscheiden doppelte Kapitelnummern; bei ausdrücklich begrenzten Auszügen bezeichnen sie den ersten Teil des Verses.

Auswahl Originalstelle
1 1.1; 1.2
2 1.6
3 1.15; 1.16; 1.17; 1.18
4 3.6; 3.7; 3.8; 3.9; 3.10
5 5.2
6 5.4
7 5.5
8 5.6
9 5.7
10 6.1
11 6.2
12 6.3
13 8.1
14 10, Lalita, 3
15 10, Lalita, 4; 10, Lalita, 5; 10, Lalita, 6
16 13.3; 13.4; 13.5
17 17.2
18 17.3
19 17.18; 17.19; 17.20; 17.21
20 18.7
21 18.8
22 18.[10; unnummeriert]; 18.11; 18.12
23 22b, Sarvamangala, 4; 22b, Sarvamangala, 5
24 28.27; 28.28
25 28.34
26 28.44; 28.45; 28.46
27 29.43–45a (Göttinnenliste)
28 7.1
29 7.2
30 7.3
31 7.4
32 7.5; 7.6
33 7.[7; unnummeriert]; 7.[8; unnummeriert]
34 7.17
35 7.18
36 7.20
37 7.29; 7.30
38 7.32
39 7.33
40 5.9
41 5.13
42 6.7
43 6.11
44 6.12
45 6.15
46 8.15
47 8.16; 8.17; 8.18; 8.19
48 8.24
49 9.4
50 9.6
51 9.17; 9.18
52 9.21; 9.22
53 9.56
54 9.57; 9.58
55 9.59
56 9.80
57 9.81
58 17.22; 17.23
59 25, Puja, 2; 25, Puja, 3
60 25, Puja, 25; 25, Puja, 26
61 27.20; 27.21; 27.22
62 27.52
63 28.18
64 28.49 – im Text unnummeriert; 28.50
65 33, Fadenfest, 20; 33, Fadenfest, 21
66 30a.6
67 30b.11
68 30b.61
69 32.13
70 33, Damanaka, 27; 33, Damanaka, 28
71 25, Bewusstseinslehre, [1; unnummeriert]
72 25, Bewusstseinslehre, 2; 25, Bewusstseinslehre, 3
73 25, Bewusstseinslehre, [4; unnummeriert]; 25, Bewusstseinslehre, 5
74 25, Bewusstseinslehre, 6; 25, Bewusstseinslehre, 7
75 25, Bewusstseinslehre, 8
76 25, Bewusstseinslehre, 9; 25, Bewusstseinslehre, 10
77 25, Bewusstseinslehre, 11
78 25, Bewusstseinslehre, 12
79 25, Bewusstseinslehre, 13
80 25, Bewusstseinslehre, 14
81 25, Bewusstseinslehre, 15
82 25, Bewusstseinslehre, 16; 25, Bewusstseinslehre, 17
83 25, Bewusstseinslehre, 18
84 25, Bewusstseinslehre, 19
85 25, Bewusstseinslehre, 20
86 25, Bewusstseinslehre, 21 (mit vorausgehender unnummerierter Fortsetzung); 25, Bewusstseinslehre, [22; unnummeriert]; 25, Bewusstseinslehre, 23
87 25, Bewusstseinslehre, [24; unnummeriert]; 25, Bewusstseinslehre, 25
88 26.2
89 26.3
90 26.4–5
91 26.6–7
92 26.68–69
93 26.70–71
94 28.19–20
95 28.23–24, einschließlich unnummerierter Fortsetzung nach 23
96 28.70–72, einschließlich unnummerierter Fortsetzung nach 69
97 29.71–73
98 25, Puja, 1
99 25, Puja, 11
100 27.16; 27.17
101 28.2
102 28.6; 28.7; 28.8
103 28.13; 28.14
104 28.21; 28.22
105 30a.13–14a (Rücknahme in das Selbst)
106 30b.57; 30b.58
107 31.62; 31.63
108 32.33

Wichtige Mantras und Rezitationsformeln

Die Samhita vermittelt viele Mantras durch verschlüsselte Lautnamen, etwa „Feuer“, „Mond“, „linkes Auge“ oder „Vagbhava“. Eine solche Beschreibung ist nicht dasselbe wie eine vollständig ausgeschriebene Rezitationsformel. Wo die Lesung unsicher ist, wird hier kein vertrauter Standardmantra eingesetzt. Wortabstände, Großschreibung und Apostroph in den folgenden Kurzformeln dienen der Lesbarkeit; ihr Wortbestand wird nicht erweitert.

Allgemein zugängliche Anrufung und Atemformeln

IAST Devanagari Bedeutung und Textbezug
oṃ śrīgaṇeśāya namaḥ ओं श्रीगणेशाय नमः „Om, Verehrung dem ehrwürdigen Ganesha.“ Die Anrufung steht vor dem ersten Vers. Sie ist ein einfacher Ausdruck ehrfürchtiger Hinwendung zu Ganesha.
haṃsaḥ हंसः „Schwan“; im Ajapa-Kontext zugleich Bezeichnung des Atemmantras und des höchsten Selbst. Patala 7.2–4 und 7.28–33 entfalten diesen Zusammenhang. Die begriffliche Bedeutung und die innere Lautwahrnehmung des Atems sind zu unterscheiden.
so’haṃ सोहं „Ich bin Das.“ In der diplomatischen Umschrift steht sohaṃ ohne Worttrennungszeichen; vgl. 5.3, 5.11 und 7.20. Eine schlichte heutige Atembegleitung kann diese Formel aufnehmen, ohne damit die besonderen Nyasa-Vorschriften auszuführen.
oṃ ओं Om, der Pranava. Die ausgeschriebene Anrufung am Werkbeginn belegt den Laut; die Patalas 5–6 behandeln seine Bedeutung und seine rituellen Zuordnungen ausführlich. Der Laut besitzt keine erschöpfende wörtliche Übersetzung.

Wer eine einfache Atemmeditation wählt, lässt den Atem frei fließen. Die Samhita enthält außerdem Atemanhalten und besondere Körperauflegungen; diese werden durch die hier wiedergegebenen Kurzformeln nicht zur allgemeinen Selbstpraxis erklärt.

Formeln der Darbringung

Der Text unterscheidet am Ende der Shri-Chakra-Verehrung ausdrücklich zwischen Verehrung, Feueropfer und Trankspende (29.85). Die folgenden Ausdrücke sind belegte Formelbestandteile. Sie bilden für sich allein keine vollständige Shri-Chakra-Puja.

IAST Devanagari Bedeutung und Verwendung
pādukāṃ pūjayāmi पादुकां पूजयामि „Ich verehre die Sandale [beziehungsweise die verehrungswürdige Fußgegenwart].“ 29.85; ähnliche Verwendung 28.18. Der konkrete Adressat ergibt sich aus dem jeweiligen Ritualzusammenhang.
tarpayāmi तर्पयामि „Ich erquicke / erfreue durch eine Trankspende.“ 29.85; eine Darbringungsformel, kein unabhängig beschriebenes Erlösungsmantra.
svāhā स्वाहा Opferabschluss, insbesondere beim Homa; 29.85. Hier wird seine Funktion angegeben, keine vermeintlich eindeutige Wörterbuchübersetzung.

Die Lichtformel von 9.56 kann auch in deutscher Sprache betrachtet werden: „Hell strahlt die große Lampe, die alle Finsternis vertreibt. Licht außen und innen: Nimm diese Lampe an.“ Eine solche deutsche Besinnung ist von der traditionsgebundenen Ausführung der vollständigen Ritualformel zu unterscheiden.

Traditionell initiationsgebundene Bijas und Vidyas

Die folgenden Angaben dienen der Textdokumentation, nicht als selbstständige Praxisanweisung. Ein Bija ist nicht schon deshalb ein allgemein geeigneter Übungsmantra, weil seine Schreibung zugänglich ist. Die Anwendung hängt von der jeweiligen Vidya, Unterweisung und Ritualordnung ab.

Beleg oder Bezeichnung Dokumentation Einordnung
hrīṃ – ह्रीं In 9.16 ausdrücklich als Lautform erkennbar; auch im Kubjika-Abschnitt 12 als bezeichnete Lautgestalt genannt. Bija im tantrischen Mantrazusammenhang. Keine wörtliche Übersetzung und keine Ergänzung zu einem längeren Mantra.
klīṃ – क्लीं In 9.16 ausdrücklich geschrieben; im Kontext der fünf Liebeskräfte beziehungsweise Pfeilzuordnungen. Traditionell mit Kama und Anziehung verbunden. Die Textstelle ist keine allgemeine Empfehlung zur Beeinflussung anderer Menschen.
strīṃ – स्त्रीं In 9.16 als bezeichnete Lautform überliefert. Teil der dortigen komplexen Zuordnung; kein hier unabhängig gelehrtes Übungsmantra.
Dreilautige Tripura-Vidya Patala 9.2–6 erläutert Vagbhava, Kama- und Shakti-Bija; Dakshinamurti wird als Seher genannt. Die verschlüsselte Beschreibung wird nicht durch eine aus anderer Quelle bekannte Standardfolge ersetzt.
Panchadashi / Shodashi Patala 26 behandelt zahlreiche Shri-Vidya-Formen und verbindet in 26.70 die sechzehnlautige Vidya mit der fünfzehnten Kala. Die zahlreichen Lautgruppen und Varianten gehören zur überlieferten Mantralehre. Eine einzige rekonstruierte Folge würde den Textbefund verkürzen und Lesungsprobleme verdecken.
Nitya-Mantras Im zweiten mit 22 bezeichneten Patala werden die Nitya-Göttinnen und ihre Formeln behandelt. Teilweise ausführliche Lautanweisungen, wechselnde Verszählung und beschädigte Übergänge. Vollständiger vorhandener Sanskritwortlaut in den beiden Sanskritartikeln; keine Ergänzung fehlender Silben.
Bhairavi-Mantras Besonders Patalas 12–15: Sanjivini-, Tripura-, sechsteilige, Nitya- und weitere Bhairavi-Formen. Überwiegend verschlüsselte und aufeinander bezogene Lautbildungen. „Wie zuvor“ wird nicht durch eine ungesicherte ausgeschriebene Formel ersetzt.
Guru-Mantra Beginn der Puja-Vorbereitung im Textblock 25, besonders die Lautanweisungen vor Vers 10; ferner 28.72. Die eigene Guru-Verbindung ist Teil des Kontextes. Der beschädigte Lautaufbau wird nicht zu einer neuen vollständigen Formel rekonstruiert.

Für das Studium stehen Dakshinamurti Samhita Sanskrit IAST und Dakshinamurti Samhita Sanskrit Devanagari nebeneinander zur Verfügung. Sie bewahren auch schwierige Formeln. Das bloße Nebeneinander beider Schriftfassungen macht eine unsichere Lesung jedoch nicht automatisch sicher: Beide gehören zur selben diplomatischen Textgrundlage.

Vom Lesen zur eigenen Besinnung

Einem Gedanken Raum geben. Wähle eine zusammenhängende Stelle, etwa zum Atem, zum inneren Licht oder zur göttlichen Mutter. Lies sie langsam ein zweites Mal. Was berührt dich daran? Lass die Antwort zunächst einfach sein: Vielleicht wächst Dankbarkeit, vielleicht entsteht eine Frage, vielleicht wird es für einen Moment stiller.

Mit dem Atem verweilen. Nach den Ajapa-Versen kannst du den natürlichen Atem wahrnehmen. Lass ihn frei fließen und spüre, wie das Einatmen kommt und das Ausatmen geht. Diese einfache heutige Besinnung greift das Thema des Textes auf; die besonderen Nyasas und Atemregelungen haben ihren eigenen Unterweisungskontext.

Hingabe im Alltag ausdrücken. Eine Blume, ein dankbarer Gedanke oder das Teilen einer Mahlzeit können eine gelesene Passage begleiten. Das Werk selbst endet mit Verehrung, gemeinschaftlicher Freude und Speiseverteilung (33, Damanaka, 26–28). Daraus lässt sich für heute die Anregung gewinnen, geistige Inspiration durch eine freundliche Handlung weiterzugeben.

Erkenntnis reifen lassen. Die Bewusstseinslehre spricht von Ruhe, Unterscheidung und Befreiungssehnsucht. Du darfst eine tiefgründige Stelle über längere Zeit betrachten und Fragen mit einem vertrauenswürdigen Lehrer besprechen. Hingabe und Erkenntnis können sich dabei gegenseitig vertiefen. Yoga und Meditation geben dieser Beschäftigung einen Platz im eigenen Leben.

Lernen, eigene Erfahrung und verantwortliche Unterweisung.

Textgrundlage und Hinweise zur Übersetzung

Textgrundlage ist die diplomatische Transkription des Muktabodha Indological Research Institute, Katalog M00625, nach Manuskript 1633K des Dharmartha Trust am Raghunath-Tempel in Jammu. Verwendet werden die entsprechenden IAST- und Devanagari-Fassungen, Revisionsstand 29. November 2023. Die Transkription nennt Anirban Dash als Leiter der Texterfassung und 83 Manuskriptblätter. Die Angabe „saṃ 1950“ gehört zur Handschrift; sie wird hier weder ungeprüft in ein christliches Jahr umgerechnet noch als Entstehungsdatum des Werkes ausgegeben.

Die Vorlage reicht bis zum Schlussvermerk des 33. Patala, enthält jedoch 34 ausdrücklich mit Patala bezeichnete Abschlüsse. Die Nummern 19, 22 und 30 stehen jeweils zweimal; 23 und 24 fehlen als solche in den Kapitelkolophonen. Die Buchstaben a und b dienen ausschließlich der eindeutigen Orientierung in diesen Doppelzählungen. Die Bewusstseinslehre folgt auf den Nitya-Abschnitt und geht der erneut mit Vers 1 beginnenden Puja-Vorbereitung voran; beide stehen vor dem Schlussvermerk von Patala 25. Eine Gleichsetzung dieser Abschnitte mit rekonstruierten Patalas 23 und 24 wird nicht vorausgesetzt.

Verszählungen beginnen mehrfach innerhalb eines Patala neu, springen oder wiederholen sich. Überlieferte Zahlen, eingeklammerte Stellen und Unsicherheitszeichen bleiben erhalten. Blattmarkierungen und technische Dateiköpfe werden in der Lesefassung weggelassen; manuskriptbedingte Zeilenumbrüche innerhalb von Wörtern werden verbunden. An klar zweigliedrigen Texteinheiten dienen ergänzte Versstriche und Zeilenwechsel der Lesbarkeit. Unsicher segmentierbare längere Passagen bleiben ohne erfundene metrische Gliederung. Auffällige Lesungen werden nicht zu vermeintlich fehlerfreiem Sanskrit umgeschrieben. Es handelt sich nicht um eine neue kritische Edition.

Rechtehinweis: Muktabodha weist die E-Texte als Creative Commons BY-NC 4.0 aus. Herkunft und nichtkommerzielle Lizenzbedingungen sind bei einer Weiterverwendung zu berücksichtigen; diese Ausgabe erklärt die Vorlage nicht für gemeinfrei.

Quellen und weiterführende Lektüre

  • Muktabodha Indological Research Institute: Dakṣiṇāmūrtisaṃhitā, M00625, diplomatische Transkription, Revision vom 29. November 2023.
  • Handschrift 1633K. Nachweis der Handschrift; keine vollständige Neukollation dieser Ausgabe.
  • Kama Kala Vilasa, Varivasyarahasya und Yogini Hridaya zur vergleichenden Beschäftigung mit Shri Vidya; diese Werke ersetzen nicht die eigene Textgrundlage der Dakshinamurti Samhita.

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