Yehudi Menuhin

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Yehudi Menuhin (voller Name: Baron Menuhin of Stoke d’Abernon) ist einer der bedeutendsten Violinisten des 20. Jahrhunderts. Er wurde am 22. April 1916 in New York geboren und verstarb am 21. März 1999 in Berlin. Yehudi Menuhin war ein Kosmopolit und wechselte mehrmals seine Staatbürgerschaft. Er wurde als US-Amerikaner geboren, war ab 1970 Schweizer und nahm ab 1985 die britische Staatsbürgerschaft an. Neben der Geige war er auch ein Virtuose auf der Bratsche und erfolgreich als Dirigent. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher. Für seine Verdienste wurde er von der Queen in den Ritterstand aufgenommen und erhielt zahlreiche Ehrungen und Preise.

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„First and foremost, yoga made its contribution to my quest to understand consciously the mechanics of violin playing, a quest which by 1951 had long been one of the themes of my life.” (“Zuallererst hat Yoga mir bei meiner Suche geholfen, bewusst die Mechanik des Geigenspiels zu verstehen; eine Suche, die 1951 begann und für lange Zeit eines der Hauptthemen meines Lebens war.”; Quelle: Iyengar Biography)

Das Wunderkind Menuhin

Bruno Walter und Yehudi Menuhin (Bundesarchiv Bild 102-12786)

Bereits seit frühester Kindheit liebte Menuhin Musik und wuchs sehr behütet auf bei seiner Familie auf. Als er sechs Jahre alt war, kaufte seine Großmutter ihm seine erste Violine. Yehudi nahm Unterricht und zeigte schon sehr früh sein großes Talent. Bereits kurze Zeit später, im Alter von sieben Jahren, gab er seine ersten Konzerte. Das Ausnahmetalent wurde von zahlreichen Lehrern und Mäzenen gefördert; einer seiner wichtigsten Lehrer war Louis Persinger. Als Persinger von San Francisco nach New York umzog, folgten ihm die Menuhins in die Stadt an der US-amerikanischen Ostküste. Sie wollten Yehudi weiter durch den ausgezeichneten Unterricht fördern. Schließlich konnte er ab 1925/26 an der renommierten Juilliard School studieren. Eine formelle Schulausbildung hatte Menuhin bis dahin nie erhalten. Im gleichen Jahr zogen die Menuhins erneut um, nach Paris, damit ihr Zögling bei verschiedenen Lehrern weiter lernen konnte. Während dieser Zeit gab er bereits zahleiche Konzerte. Die steile Karriere des „Wunderkindes“ gipfelte in einer Welttournee im Jahr 1935/36. Bis dahin hatte Yehudi Menuhin wenig von der Welt um ihn herum wahrgenommen. Er beschrieb seine Kindheit und Jugend „ wie unter einer Glasglocke“ (vgl. Spiegel), denn seine Eltern und Großeltern übernahmen vollständig die Organisation seines Alltagslebens. Yehudi sollte so viel Zeit wie möglich zum Geigenspiel haben. Über die Jahre hinweg überschlugen sich die Kritiker mit Lob, selbst Albert Einstein soll zum 13-Jährigen Yehudi beim Besuch eines Konzerts gesagt haben: "Lieber Yehudi, heute hast Du wieder bewiesen, dass es einen Gott im Himmel gibt" (Spiegel).

Der Zusammenbruch

Nach dieser intensiven Zeit der Konzerte, Tourneen und des Unterrichts nahm sich Menuhin eine 1,5-jährige Auszeit. Seine Eltern wollten ihn kurz vor seiner Volljährigkeit, dem 21. Geburtstag, als erwachsenen Mann in die Welt schicken. Ab diesem Zeitpunkt sollte er für sich selbst verantwortlich sein, die Glasglocke zerbrach. Menuhin hatte es kommen sehen, das Wunderkind-Phänomen brach in sich zusammen. In den Ohren der Kritiker klang der Violinist zu dieser Zeit uninspiriert. Die Begeisterung ihm gegenüber flaute stetig ab. Der erst zwanzigjährige Menuhin sah sich nicht mehr in der Lage, Geige zu spielen. Nach dieser Ruhephase konnte er nicht mehr an seine alten Erfolge anknüpfen und hatte seelische Verletzungen vom ständigen Erwartungsdruck ihm gegenüber zurückbehalten. Er fühlte sich von Druck und Verantwortung überfordert. Zu diesem Zeitpunkt konnte Menuhin die Geige nicht einmal mehr halten, es war zu schmerzhaft für ihn, sowohl körperlich wie emotional. Der Musiker hatte in seinen jüngeren Jahren unbewusst seine Virtuosität vor den Augen der Erwachsenen bewiesen. Nun musste er den Weg zu einem bewussten Umgang mit seinem musikalischen Talent finden, sich unabhängig von der Meinung anderer machen und neu lernen, sich auszudrücken.

Yoga als Weg aus der Schaffenskrise

Nach dem zweiten Weltkrieg orientierte er sich neu und arbeitete mit Musikern und Dirigenten zusammen. In dieser Zeit kam Yehudi Menuhin auch zum ersten Mal mit Yoga in Berührung. Er war fasziniert von diesem Weg für Körper, Geist und Seele. Für Menuhin begann ein Prozess, sich das Geigespielen neu anzueignen. Die Beherrschung des Streichinstruments erfordert die harmonische Einheit von Bewegung, Körper und Instrument. Yoga schien für Yehudi Menuhin das perfekte Werkzeug, seinen Körper und damit auch sein Violinspiel bewusst neu zu erfahren. Von 1951 an nahm Menuhin Einzelunterricht bei B.K.S. Iyengar, der zu einem engen Freund wurde. Sie lernten sich während einer Konzerttour durch Indien kennen.

Iyengar brachte Menuhin in eine 50-minütige Entspannung und nach Jahren der Schlaflosigkeit fand Menuhin endlich wieder innere Ruhe. Die Yogapraxis linderte stressbedingte Beschwerden wie Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit. Menuhin litt auch unter verschiedenen körperlichen Stresssymptomen wie Muskelschmerzen, die durch das Praktizieren von Asanas allmählich verschwanden. Menuhin übte enthusiastisch Asanas und Pranayama. Shirshasana, den Kopfstand, praktiziere er sogar bei einem festlichen Dinner vor den Augen des damaligen Ministerpräsidenten Jaharwal Nehru.

Innerhalb weniger Monate war Menuhin beschwerdefrei. Yehudi Menuhin ging sogar so weit zu sagen, dass die tägliche Hatha-Yoga-Praxis wichtiger für ihn war als das Üben seines Instruments. Menuhin verfasste mehrere Vorworte für Iyengars Bücher, u.a. auch für eines der bekanntesten Werke über Hatha Yoga überhaupt: „Licht auf Yoga“. Mit der wiedergewonnen Ruhe und der neuen Beziehung zu seinem Körper konnte Menuhin sich wieder auf eine bewusstere Art dem Geigenspiel nähern. In dieser Zeit gelang Menuhin das Come-Back. Er nannte Iyengar „seinen besten Geigenlehrer“.

B.K.S. Iyengar wird in Europa bekannt

Für Iyengar öffnete sich durch die Freundschaft zu Yehudi Menuhin das Tor zu Europa. Ab 1954 kam der Yogameister für sechs Wochen nach Gstaad in der Schweiz, um hier mit Menuhin intensiv als dessen persönlicher Yogalehrer zu praktizieren. Iyengar reiste weiter durch Europa, um Yoga zu unterrichten. Durch Menuhin lernte er bekannte Musiker kennen, wie Pablo Casals, Rudolf Serkin, Jacqueline du Pré und Vanda Scaravelli. Einige von ihnen, wie Vanda Scaravelli, wurden langjährige Schüler von Iyengar. Heute gibt es zahlreiche Yogaschulen in der Tradition des Iyengar Yogas. Viele westliche Schüler fühlen sich von der klaren und präzisen Unterrichtstechnik angesprochen. Der Einfluss, den Iyengar auf die Entwicklung des modernen Yoga hatte, kann kaum unterschätzt werden.

Menuhins Vermächtnis

Menuhin machte seine erste Tonaufnahme im Alter von 13 Jahren im November 1929 und seine letzte 1982 im Alter von fast 83 Jahren. Menuhin hatte eine der längsten Musikerkarrieren überhaupt. Das Jubiläumskonzert der Berliner Philharmonie 1982 dirigierte er mit seinen Füßen aus dem Kopfstand. Aus dem einstigen Wunderkind wurde ein Künstler, der seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz an die Nachwelt weitergab. Ihm zu Ehren wurde die Menuhin Stiftung gegründet, die sich an der gleichnamigen Musikschule der Förderung musikalischer Talente verschrieben hat. An der „International Menuhin Music Academy“ in Gstaad ist Iyengar Yoga ein fester Bestandteil des Stundenplans. Insbesondere Kinder aus sozialen Brennpunkten sollen hier eine Möglichkeit haben, sich in ihrer Kreativität zu entfalten. Menuhins Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Yehudi Menuhin starb im Alter von 83 Jahren in Berlin.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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