Siddhilakshmi Vidhana

Aus Yogawiki

Siddhilakshmi Vidhana (Sanskrit: सिद्धलक्ष्मीविधान siddhilakṣmīvidhāna n.), auch Siddhilakṣmī Vidhāna, ist ein tantrisches Ritual- und Mantrahandbuch zu einer machtvollen Śākta-Vidyā. Der Text bezeichnet die Göttin ausdrücklich als Trailokyavijayā und verbindet die Vidyā später mit Pratyaṅgirā und Mahākālī.

Der Text ist keine durchgehende klassische Pūjā-Paddhati mit einer vollständigen Folge von Āvāhana, Pādya, Arghya, Dhūpa, Dīpa, Naivedya und Visarjana. Sein Schwerpunkt liegt vielmehr auf:

  • der Offenbarung der Siddhilakṣmī-/Trailokyavijayā-Vidyā,
  • Mantra-Prastāra und Bīja-Konstruktion,
  • Guru-Übertragung und Geheimhaltung,
  • Dhyāna der Göttin,
  • Japa und Akṣamālā,
  • verschiedenen traditionellen Kriyās,
  • und einem abschließenden Navabīja-/Navakoṣṭha-System.
Siddhilakṣmī erscheint im Text als machtvolle Śākta-Göttin in einem Umfeld von Mahākālī, Pratyaṅgirā, Caṇḍā-Formen und Bhairava-Tradition.

Wie dieses Handbuch zu benutzen ist
Der folgende Mittelteil macht den erhaltenen Text als Ritualhandbuch lesbar. Jeder sichere Schritt enthält soweit möglich:

  • Handlung,
  • Sanskrit in Umschrift,
  • Deutsche Übersetzung,
  • Erläuterung.

Beschädigte Mantra-Chiffren werden nicht rekonstruiert. Passagen zu Stambhana, Uccāṭana, Vaśīkaraṇa oder schädigenden Kriyās werden historisch dokumentiert, aber nicht als moderne Handlungsanweisung aufbereitet.

Siddhilakshmi Vidhana als Puja- und Mantra-Handbuch

1. Einleitender Agni-Stambhana-Nachtrag

Quellenhinweis
Noch vor dem eigentlichen Dialog steht ein kurzer, offenbar vorangestellter Prayoga.

Sanskrit
oṃ namo bhagavati gaṅgi | kāli kāli mahākāli hrīṃ svāhā |
...
oṃ stambhanī ... mahāstambhanī ... hūṃ phaṭ ... ||
agnistambhanamantraḥ || ati gopa prayogaḥ ||

Deutsche Übersetzung
Anrufung der Göttin Gaṅgī/Kālī/Mahākālī und eines „Agni-Stambhana-Mantras“. Der Text bezeichnet dies ausdrücklich als sehr geheime Anwendung.

Erläuterung
Dieser Abschnitt steht isoliert vor dem Hauptdialog. Er wird nicht als regulärer Bestandteil einer täglichen Siddhilakṣmī-Pūjā behandelt.

2. Die Devi bittet um die Trailokyavijaya-Vidya

Sanskrit
śrīdevyuvāca ||
śrutaṃ mayā maheśāna mantra tantrādi vistaram |
tvatprasādāt sureśāna sarvaṃ tadavadhāritam ||
idānīṃ śrotumicchāmi trailokyavijayaṃ ... ||
sādhakānāṃ hitārthāya samāsena vada prabho |

Deutsche Übersetzung
Die Göttin sagt: „Ich habe durch deine Gnade die ausführlichen Lehren über Mantra und Tantra gehört. Nun möchte ich von der Trailokyavijayā hören. Erkläre sie kurz zum Wohl der Sādhakas.“

Erläuterung
Damit beginnt der eigentliche Lehrdialog.

3. Bhairava-Dhyana der Göttin

Handlung
Bhairava beschreibt zuerst die furchterregende Gestalt der Göttin.

Sanskrit
caṇḍāṃ ... daṃṣṭriṇīṃ bhīmavaktrāṃ |
... raktanetrāṃ ... nīlajīmūtavarṇām |
hūṃ hūṃ hūṃkāranādāti bhuvanavijayāṃ krodharūpāṃ namāmi ||

Deutsche Übersetzung
Ich verehre die schreckliche, zahnbewehrte, furchterregende Göttin mit roten Augen, dunkel wie eine Gewitterwolke, deren Hūṃ-Ruf die Welten durchdringt, die in der Gestalt des göttlichen Zorns erscheint und die Welten überwindet.

Erläuterung
Die Göttin wird nicht als milde Lakṣmī-Form dargestellt, sondern als hochgradig raudra, als machtvolle Śakti der Überwindung.

Die Dhyāna-Beschreibung Siddhilakṣmīs ist ausgesprochen raudra und steht ikonographisch der Welt Kālīs und Caṇḍikās nahe.

4. Wesen und Wirkung der Trailokyavijaya

Sanskrit
trailokyavijayā devī ... |
duṣṭa...damanī bhayadāridranāśinī |
sarvālakṣmīpraśamanī kuhakādivināśinī ||
cintāmaṇī ca sā jñeyā sukhasaubhāgyadāyikā |
bhuktimuktipradā devī ... ||

Deutsche Übersetzung
Die Göttin Trailokyavijayā wird als Bezwingerin feindlicher Kräfte, als Vernichterin von Angst und Armut, als Auflöserin von Alakṣmī und Täuschung, als Cintāmaṇi und als Schenkerin von Glück, Saubhāgya, Bhukti und Mukti beschrieben.

Erläuterung
Der Text verbindet weltliche Schutz- und Wohlstandsziele mit dem höchsten Ziel der Befreiung.

5. Vorbereitung des Ritualortes

Handlung
Ein geeigneter Ort wird vorbereitet und mit Kula-Substanzen ausgestattet.

Sanskrit
suśume bhūpradeśe tu kuladravyaiḥ prapūrite |
tatraikāṃ pūjayet kanyāṃ suśīlāṃ śubhalakṣaṇām ||

Deutsche Übersetzung
An einem guten Ort, erfüllt mit Kula-Substanzen, soll eine tugendhafte und glückverheißende Kumārī verehrt werden.

Erläuterung
Dies ist eine der wenigen eindeutig pūjāartigen Handlungen des Textes.

6. Kumari-Puja

Handlung
Eine junge, als rein und glückverheißend beschriebene Kumārī wird verehrt.

Sanskrit
tatraikāṃ pūjayet kanyāṃ suśīlāṃ śubhalakṣaṇām ||

Deutsche Übersetzung
„Dort soll man eine tugendhafte, mit glückverheißenden Merkmalen versehene Jungfrau verehren.“

Erläuterung
Der Text nennt an dieser Stelle keine detaillierte Upacāra-Liste; deshalb wird keine solche ergänzt.

7. Guru-Ajna und Mantra-Prastara

Handlung
Die Erlaubnis der Guru-Tradition wird eingeholt und der Mantra-Prastāra entfaltet.

Sanskrit
ājñāṃ prārthya vidhānajñaḥ ... susamāhitaḥ |
pūrvokta khaḍgaprastārān proddhared vidhinā priye ||

Deutsche Übersetzung
Nachdem die Erlaubnis erbeten wurde, soll der kundige und gesammelte Praktizierende den zuvor gelehrten Khaḍga-Prastāra ordnungsgemäß entfalten.

Erläuterung
Der Text setzt hier Vorwissen voraus. Der Khaḍga-Prastāra selbst wird nicht vollständig erklärt.

8. Konstruktion der Vidya aus Bija- und Gottheitschiffren

Handlung
Die Vidyā wird nicht einfach ausgeschrieben, sondern aus zahlreichen Gottheits-, Pīṭha- und Lautchiffren zusammengesetzt.

Sanskrit
tārakaṃ pūrvam uddhṛtya vāgbhavaṃ tadanantaram |
yakṣiṇī raudrī ... māheśvaryā samanvitam ||
...
kubjikā ... oḍyāṇaṃ ... ḍākinī ... kaumārī ... ||

Deutsche Übersetzung
Zuerst wird Tāraka, danach Vāgbhava genommen; weitere Silben werden durch Yakṣiṇī, Raudrī, Māheśvarī, Kubjikā, Oḍyāṇa, Ḍākinī, Kaumārī und andere Bezeichnungen chiffriert.

Erläuterung
Die Quelle bewahrt eine hochgradig esoterische Mantra-Codierung. Eine moderne Rekonstruktion wäre philologisch unsicher und wird daher unterlassen.

9. Die sechs Mantra-Khanda

Handlung
Der Text entfaltet den Mantra in mehreren Abschnitten beziehungsweise Khaṇḍas.

Sanskrit
prathamaṃ kathitaṃ priye ||
...
tṛtīyakhaṇḍam ākhyātaṃ ... ||
...
khaṇḍaṃ caturtham ākhyātam ... ||
...
khaṇḍaṃ pañca samuddhṛtam ||
...
ṣaṣṭhakhaṇḍam udāhṛtam ||

Deutsche Übersetzung
Die Vidyā wird in mehrere Mantra-Abschnitte zerlegt und schrittweise aufgebaut.

Erläuterung
Die genaue Lautfolge ist an mehreren Stellen beschädigt und wird nicht synthetisch zusammengesetzt.

10. Geheimhaltung der Vidya

Sanskrit
nākhyeyaṃ yasya kasyāpi yad icchet siddhim uttamām |
aparīkṣya na dātavyaṃ ... ||
vijñāpya gurupādaṃ tu pūjayitvā prayatnataḥ |
praṇamya ca prasannātmā gṛhṇīyān nānyathā priye ||

Deutsche Übersetzung
Wer höchste Siddhi wünscht, soll diese Vidyā nicht irgendwem mitteilen. Sie soll nicht ungeprüft weitergegeben werden. Nach Verehrung der Füße des Gurus und ehrfürchtiger Verneigung soll sie empfangen werden – nicht anders.

Erläuterung
Die Quelle versteht die Vidyā ausdrücklich als initiatorisches Geheimwissen.

11. Phalashruti der Übertragung

Sanskrit
paṭhanāt siddhidaṃ bhadre sakṛduccāraṇād api ||
sarvatīrtheṣu saṃsnātaḥ sarvayajñeṣu dīkṣitaḥ |
sakṛdāvartanād devi satyaṃ satyaṃ labhet varam ||

Deutsche Übersetzung
Der Text erklärt, schon Rezitation und einmalige Wiederholung könnten Siddhi und die Frucht großer religiöser Handlungen schenken.

Erläuterung
Dies sind traditionelle Phalaśruti-Aussagen, keine empirischen Wirkversprechen.

12. Grosses Dhyana der Siddhilakshmi / Trailokyavijaya

Handlung
Nun folgt die ausführlichste Meditation der Schrift.

Sanskrit
haryakṣasthā mahāraudrā ... |
daṃṣṭrā karālinī bhīmā ... ||
lalajjihvā lelihānā ... |
meghagambhīranirghoṣā ṣaḍvaktrā vikṛtānanā ||
...
aṣṭādaśabhujā devī ... ||

Deutsche Übersetzung
Die Göttin erscheint als Mahāraudrā, furchterregend, mit großen Zähnen, hervorzüngelnd, von tiefer Donnerstimme, sechs Gesichtern und achtzehn Armen.

Erläuterung
Die im Text beschriebene Göttin entspricht nicht der üblichen milden Lakṣmī-Ikonographie, sondern erscheint als stark raudra geprägte tantrische Schutz- und Transformationsgöttin.

13. Waffen und Attribute

Sanskrit
... śaraṃ rathāṅgamudgaraṃ |
triśūlaṃ ... khaṭvāṅgaṃ kartarī dakṣiṇe kare |
... śarāsanaṃ gadāṅkuśam |
pāśaṃ ghaṇṭā tarjanī ca muṇḍaṃ vāmakare kramāt ||

Deutsche Übersetzung
Genannt werden unter anderem Pfeil, Cakra, Keule, Triśūla, Khaṭvāṅga, Schere, Bogen, Gadā, Aṅkuśa, Pāśa, Glocke und ein abgeschlagener Kopf.

14. Zentrale Meditation

Sanskrit
itthaṃ dhyāyet mahādevīṃ trailokyavijayāṃ śivām |
bhuktidā muktidā vidyā jayadā ... siddhidā ||

Deutsche Übersetzung
So soll man die große Göttin Trailokyavijayā meditieren. Diese Vidyā schenkt Bhukti und Mukti, Sieg und Siddhi.

Erläuterung
Dies ist der eigentliche Dhyāna-Kern des Textes.

Die im Siddhilakṣmī Vidhāna beschriebene Göttin ist eine raudra Śakti mit zahlreichen Waffen und einer ausgesprochen Bhairavī-artigen Erscheinung.

15. Verbindung mit Pratyangira und Mahakali

Sanskrit
pratyaṅgirā mahākālī smaraṇāt sādhakasya tu ||

Deutsche Übersetzung
Der Text verbindet die Vidyā ausdrücklich mit Pratyaṅgirā und Mahākālī.

Erläuterung
Damit wird Siddhilakṣmī in ein breites Śākta-Bhairava-Feld eingeordnet.

16. Smarana und innere Gegenwart

Sanskrit
kevalasmaraṇād devi sarvakāryārthasādhinī |
...
hṛccakrapadmakuhare satataṃ pravirājate ||

Deutsche Übersetzung
Durch bloße Erinnerung, sagt der Text, wirkt die Göttin in allen Anliegen; sie strahlt beständig in der Höhle des Herzlotus.

Erläuterung
Diese Passage erlaubt eine deutlich innerlichere spirituelle Lesart: Siddhilakṣmī wird im Herz-Cakra gegenwärtig.

17. Japa mit Akshamala – allgemeines Prinzip

Handlung
Verschiedene Akṣamālās und Visualisationsfarben werden für unterschiedliche rituelle Ziele genannt.

Erläuterung
Die Quelle unterscheidet rote, weiße, gelbe, dunkle und rauchfarbene Visualisationen. Einige werden mit Vaśīkaraṇa, Uccāṭana oder Stambhana verbunden. Diese historischen Kriyā-Zuordnungen werden hier nicht als praktische Schritt-für-Schritt-Anweisung ausgearbeitet.

18. Shantika- und Paushtika-Japa

Handlung
Für friedvolle und stärkende Ziele wird eine weiße Visualisation beschrieben.

Sanskrit
dhyātavyaṃ śuklavarṇañca sphāṭikañ cākṣamālikā |
śāntikaṃ pauṣṭikaṃ caiva japāc ca kurute dhruvam ||

Deutsche Übersetzung
Man soll die Göttin weiß meditieren und eine Kristall-Akṣamālā verwenden; der Japa wird mit Śānti und Pauṣṭika verbunden.

Erläuterung
Dies ist die am ehesten unmittelbar spirituell anschlussfähige Japa-Anweisung des Textes.

19. Apayayana und Amrita-Meditation

Sanskrit
saṃpūrṇacandramadhye tu sravantam amṛtaṃ priye |
cintayitvā japed devi mauktikaṃ cākṣamālikām ||

Deutsche Übersetzung
Im vollen Mond soll strömender Nektar meditiert werden; dabei wird mit einer Perlen-Akṣamālā Japa ausgeführt.

Erläuterung
Der Text verbindet dies mit Āpyāyana, Stärkung und Erfüllung.

20. Rudraksha und Laya

Sanskrit
cintayitvā layasthāne japed rudrākṣamālikām |
... śivasāyujyaṃ ... ||

Deutsche Übersetzung
Im Zustand der inneren Auflösung soll mit einer Rudrākṣa-Mālā rezitiert werden; der Text verbindet dies mit Vereinigung mit Śiva.

Erläuterung
Hier tritt die befreiungsorientierte Seite der Vidyā besonders deutlich hervor.

21. Lob des Japa

Sanskrit
aho mantrasya māhātmyaṃ japamānasya nityaśaḥ |
vināpi layayogena yogīndrāṇāṃ samo bhavet ||

Deutsche Übersetzung
Wie groß ist die Macht dieses Mantras! Wer ihn beständig rezitiert, wird dem Text zufolge selbst ohne besonderen Laya-Yoga den großen Yogins vergleichbar.

Das Navabīja-System verbindet Laut, Tattva und Göttinnenkraft in einem neunteiligen Maṇḍala.

22. Navabīja-Vidhana

Handlung
Im letzten Hauptabschnitt wird ein System von neun Bījas mit neun Göttinnen beziehungsweise Tattvas entfaltet.

Sanskrit
idānīṃ ... navabījavidhānataḥ |
kathayāmi varārohe karmakoṣaṃ suniścitam ||

Deutsche Übersetzung
„Nun erkläre ich dir, o Schöne, nach dem Verfahren der neun Bījas den festgelegten Karmakośa.“

23. Neun Göttinnen / Tattva-Zuordnungen

Sanskrit
... aiṃ caṇḍikā ... hrīṃ sadāśivaḥ |
... caṇḍavatī ... |
... caṇḍā ... kulanāyikā ||
... caṇḍogrā ... |
pracaṇḍā ... |
prakṛtau rudracaṇḍā hrūṃ ... ||

Deutsche Übersetzung
Die neun Bīja-Positionen werden verschiedenen Caṇḍā-Formen und Tattvas zugeordnet.

Erläuterung
Der genaue Wortlaut ist teilweise beschädigt, doch der Aufbau eines Neuner-Rasters ist klar.

24. Navakoshtha-Mandala

Handlung
Ein Raster aus neun Feldern wird konstruiert.

Sanskrit
pūrvāparagatā rekhā caturaḥ caturopāri |
dakṣiṇād uttaraṃ kṛtvā navakoṣṭhaṃ bhavet sphuṭam ||
madhyād īśāntakoṣṭheṣu navatattvākṣaraṃ likhet ||

Deutsche Übersetzung
Durch Linien von Ost nach West und von Süd nach Nord entsteht ein klares Neun-Felder-Raster. In die Felder werden die neun Tattva-Silben geschrieben.

Erläuterung
Dies ist der deutlichste yantraartige Teil des Textes.

25. Karmische Zuordnungen

Handlung
Die Felder werden mit unterschiedlichen traditionellen Kriyās verbunden.

Erläuterung
Der Text nennt auch Vaśya, Dveṣaṇa und weitere operative Anwendungen. Diese werden als historische Tantrapraxis dokumentiert, nicht als moderne Anleitung.

26. Abschließende Geheimhaltung

Sanskrit
na kathanīyam idaṃ yatra kutracit ||

Deutsche Übersetzung
„Dies soll nicht wahllos irgendwo weitergegeben werden.“

Erläuterung
Der Schluss bekräftigt nochmals den initiatorischen Charakter der Vidyā.

27. Kolophon

Sanskrit
bhairavaśrotasi vidyāpīṭhe śiracchede jayadrathayāmale mahātantre ...
siddhalakṣmīvidhānaṃ ṣaṭtriṃśatimaḥ paṭalaḥ ||

Deutsche Übersetzung
Damit endet im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraccheda-Teil des Jayadrathayāmala-Mahātantra der sechsunddreißigste Paṭala: das Siddhalakṣmī-Vidhāna.

Erläuterung
Der Text ordnet sich damit ausdrücklich in den Jayadrathayāmala-Komplex ein.

Zusammenfassende deutsche Übersetzung

Das Siddhilakṣmī Vidhāna ist weniger eine vollständige Tempel-Pūjā als ein tantrisches Vidyā- und Mantrahandbuch.

Im Zentrum steht eine machtvolle Göttin, die Trailokyavijayā genannt wird und zugleich Züge von Mahāraudrī, Pratyaṅgirā und Mahākālī trägt. Ihre Funktion ist Schutz, Überwindung von Hindernissen, Beseitigung von Alakṣmī und Furcht sowie – auf höherer Ebene – Bhukti und Mukti.

Die eigentliche rituelle Vorbereitung umfasst einen geeigneten Ort, Kula-Substanzen, Kumārī-Pūjā, Guru-Erlaubnis und die Entfaltung des Mantra-Prastāra.

Der zentrale Mantra wird nicht offen ausgeschrieben. Er wird in mehreren Khaṇḍas aus Bīja-, Gottheits-, Pīṭha- und Lautchiffren zusammengesetzt. Damit zeigt der Text deutlich den esoterischen Charakter seiner Überlieferung.

Besonders eindrucksvoll ist das Dhyāna: Die Göttin ist sechsfachgesichtig, achtzehnarmig, dunkel und raudra, trägt zahlreiche Waffen und erscheint als Trailokyavijayā Śivā.

Neben machtbezogenen Kriyās enthält die Schrift auch deutlich spirituelle Elemente: die Verehrung des Gurus, die Gegenwart der Göttin im Herzlotus, weiße Śānti-Meditation, Mond-Amṛta, Rudrākṣa-Japa und die Ausrichtung auf Śiva-Sāyujya.

Der Schluss entfaltet ein Navabīja-System in einem Neun-Felder-Maṇḍala. Der Kolophon identifiziert den Text als 36. Paṭala des Siddhalakṣmī-Vidhāna im Jayadrathayāmala-Komplex.

Für eine heutige spirituelle Praxis ist daher besonders der innere Kern wertvoll: Guru-Bhakti, Dhyāna, Herzmeditation, Śānti-Japa und die Verbindung der Vidyā mit Bhukti und Mukti.

Wichtigste Mantras und Bija-Lehren

Die Handschrift enthält zahlreiche chiffrierte Mantra-Bestandteile. Nur eindeutig lesbare und spirituell unproblematische Formeln werden hier hervorgehoben.

Mahakali-Anrufung aus dem Vorspann
oṃ namo bhagavati ... kāli kāli mahākāli hrīṃ svāhā

Übersetzung: Verehrung der Bhagavatī – Kālī, Kālī, Mahākālī – hrīṃ svāhā.

Hum
hūṃ
हूं

Erläuterung: Hūṃ erscheint wiederholt als kraftvolles Schutz- und Bhairava-Bīja.

Hrim
hrīṃ
ह्रीं

Erläuterung: Hrīṃ gehört zu den zentralen Śākta-Bījas und erscheint mehrfach in der Mantra-Konstruktion.

Aim
aiṃ
ऐं

Erläuterung: Aiṃ wird im Navabīja-Abschnitt ausdrücklich einer Caṇḍikā-/Tattva-Zuordnung verbunden.

Navabīja-Lehre
Der Schlussabschnitt ordnet mehrere Bījas – darunter aiṃ, hrīṃ, trūṃ, krūṃ, drūṃ, prūṃ, kṣrūṃ und hrūṃ – verschiedenen Caṇḍā-Formen und Tattvas zu. Da einzelne Lesungen beschädigt sind, wird keine rekonstruierte Gesamtformel behauptet.

Quellenstand der Sanskritteile
Die Sanskritblöcke sind keine normalisierte Neuedition. Beschädigte Wörter, ungewöhnliche Schreibungen, Fragezeichen, Wiederholungszeichen und editorische Symbole der Vorlage bleiben erhalten. Die zahlreichen Mantra-Chiffren werden nicht aus Paralleltraditionen ergänzt oder „verbessert“.

Vollständiger Sanskrittext in Umschrift

Hinweis zur Quelle
Der folgende Text gibt die vollständige bereitgestellte Umschrift wieder. Seitenmarker, Sprecherwechsel, beschädigte Stellen und editorische Zeichen bleiben sichtbar. Jede Sanskritzeile endet mit `
`.

p. 1) 1 oṃ namo bhagavati gaṃgi | kāli kāli mahākāli hrīṁ svāhā |
jāpya 12 maṇḍukavaso | jalūkā | vadiramūlaṃ | haste pāde lepayet |
oṃ stambhanī 2 agni 2 hūṃ 2 mahāstambhanī 2 agni staṃbhanī 2 hūṃ phaṭ 3 |
hanūmantakaro ājñā hūṃ phaṭ 2 | agnistambhanamantraḥ || ati gopa prayogaḥ ||
p. 1a) 1 śrīdevyuvāca ||
śrutaṃ mayā maheśāna mantra tantrādi vistaraṃ |
tvatprasādāt sureśāna sarvaṃ tadavadhāritaṃ ||
idānīṃ śrotumicchāmi trailokyavijayaṃ gatā? ||
yathā jānāmi vīreśa nissaṃdigdhaṃ yathā bhavet ||
sādhakānāṃ hitārthāya samāsena vada prabho |
sarvasiddhipradā devī surāsura namaskṛtā || tha ||
śrībhairava uvāca ||
caṇḍāñcaṇḍāduhāsāghanarasitarapāṃ daṃṣṭriṇīṃ bhīmavaktrāṃ
nirmāsāṃ rakta netrāṃ bhṛkuṭita bhrukuṭīṃ rakta medāvaliptāṃ ||
nirmāṃsāghogha ghaṇṭhāṃ raṇaruṇitatarāṃ nīlajīmūtavarṇāṃ
hūṃ hūṃ hūṃkāra nādāti bhuvanavijayāṃ krodharūpāṃ namāmi ||
śṛṇu devyavadhānena nissaṃdigdhaṃ vadāmite |
trailokya vijayā devī śatrupakṣa kṣaya"nkarī ||
duṣṭakhākhodadamanī bhayadāridranāśinī |
sarvālakṣmī praśamanī kuhakādi vināśinī ||
cintāmaṇī ca sājñeyā sukhasaubhāgyadāyikā |
p. 1b) bhuktimukti pradā devī prastāreṇodvarāmite ||
susume bhūpradeśe tu kuladravyai prapurite |
tatraikāṃ pūjayet kanyāṃ suśīlā śubhalakṣaṇāṃ ||
ājñāṃ prārthyavidhānajñaścumbakassusamāhitaḥ |
pūrvokta khaḍgaprastārānproddharedvidhinā priye ||
prastārenādhṛtā mantrā suśuddhaṃ jāyate naghe |
tasmāt prastāra madhyā tu proddhariṣyāmi sāmprataṃ ||
tārakaṃ pūrvamuddhṛtya vāgbhavaṃ tadanantaraṃ |
yakṣiṇī raudri mārūḍhaṃ māheśvaryā samaṃnvitaṃ ||
indubindu kalākrāntaṃ tritīyaṃ bījamudhṛtaṃ |
kubjikāmitra oḍyāṇaṃ ṣaṣṭhaṃ caiva pulindikā ||
ḍākinī yakṣiṇī caiva vahni kaumāri saṃyutaṃ |
kalāśekharasaṃbhinnaṃ saptākṣaramudīritaṃ ||
mātaṅgī kevalaṃ vāmā bhīṣaṇena samāyutaṃ |
kubjikā pūrṇapīṭhantu sākinī ca samuddharet |
mitrīśa ruruṇā krāntaṃ ṣaṣṭhīśaṃ bindusaṃyutaṃ |
lākinī khiṃkhinī raudrī kū *? sthaṃ? rurubheditaṃ ||
bhedayet parameśāni ruruṇā ratnasundarī |
kubji māheśvarī yuktaṃ vāmā sākinikaṃ pṛthak ||
p. 2a) oḍyāṇaṃ (oḍīśaṃ) mitranāthañca raudrī kapālinā yutaṃ |
vāmā ca yakṣiṇī caiva dvitīyā osamāyutaṃ ||
raudrī saṃsthaṃ pūrṇapīṭhaṃ raudrī (ruru) kaumāri saṃyutaṃ |
kapāliśa samākrāntaṃ pulindīśa samuddharet ||
ambikā rūḍhayakṣī tu rurubhedita sadvidhā |
kathitaṃ devadeveśi tato raudrī tu kevalaṃ ||
hānta ṇānta samārūḍhaṃ pādi ekārabheditaṃ |
yāntasthaṇānta me bhinnaṃ rephāntasthantu hāntagaṃ ||
ruruṇā bhedayecchubhru dvidhībhūtaṃ samuddharet |
hānta vāntantu pāśena bhedita nisvaneti ca ||
māvasthahānta caṇḍasthaṃ dvirabhyāsaṃntu suvrate |
vidyu jihveti ca padaṃ ṣādhamādhastha caṇḍagaṃ ||
ūnapaṃcāśavarṇantu prodhṛtaṃ vīramātari |
dvidhā bhūtantu taṃ kṛtvā prathamaṃ kathitaṃ priye ||
pādi ruruyutaṃ kuryā hādhagaṃ bhādha āyutaṃ |
saṃhāramūrcchitaṃ kṛtvā proddharedvarṇamuttamaṃ ||
korddhakapālinā krānta sādhajādha dvidhā kuru |
goṇasā bharaṇe ceti gādhamādhasthagaṃ ruruḥ ||
dvirabhyāsa kṛtāṭopaṃ proddharet suraśāayike ||
p. 2b) savamalādhāriṇi padaṃ ṇādhare harā svaraḥ |
saṃhāramūrcchitaṃ kuryā vinā viduṃ tadeva hi |
kevalaṃ hādi rādiñca tryakṣarantu dviruccaret ||
mahāraudrī padaṃ caiva sārdreti ca padaṃ likhet |
gajavarmaṃ kṛtaścaiva chadeti ca padoddharet ||
vijṛṃbheti dvirabhyāsaṃ proddhared vīravandite |
nṛtya nṛtyā śilatā ca dhāriṇīti pada kuru ||
ūnaṣaṣṭhistu varṇāvidvikhaṇḍaṃ samudāhṛtaṃ |
bhṛkuṭita taṭāṭopa padaṃ? viṣamakṛtānaneti ca ||?
mahāraktavasāmedo padaṃ viliptagātra ca |
kahayugmaṃ hasayugmaṃ kruddhayugmaṃ samuddharet ||
nīlajīmūtavarṇe ca naramālā kṛtā punaḥ |
bharaṇe visphura dvidhā tathā ghaṃṭāravā padaṃ ||
kīrṇadeheti ca padaṃ vasāmāṃsa priyeti ca |
cādha ruru yutaṃ vāmā tadadhasthañca eyutaṃ ||
dvidhābhūtaṃ varārohe ūnānītyakṣara priye |
tritīya khaṇḍamākhyātaṃ catuṣkaṃ? śṛṇu sāṃprataṃ ||
sādhaṭhādhatadūrddhañca dorddhañca kevaloddharet |
iyukta nāgalokaṃ ca bhāntamambikasaṃsthitaṃ ||
ekāramūrcchitaṃ kṛtvā raudra rūpeti coddharet |
p. 3a) kahavarṇasamudhṛtya pārthivāsanasaṃsthitaṃ ||
charumapyadhasaṃbhiṃnaṃ susaṃhāraṃ dvirakṣaraṃ |
nādaṃ binduṃ mṛgā"nkañca sūryasomāgnir āyutaṃ ||
brāhmībindusamāyuktaṃ aurakaṃ irahaṃ likhet |
kṛntakṛnteti ca padaṃ ākarṣayadviruddharet ||
dhuneti ca dvirabhyāsaṃ sūnyayugmaṃ samuddharet |
pūrvamekārasaṃyuktaṃ kharamadhyasthapānujaṃ ||
aindrī bījena cākrāntaṃ binduyuktaṃ surārcitaṃ |
vijṛmbhaṇi padaṃ datvā catvāriṃso namakṣaraṃ ||
khaṇḍaṃ caturthamākhyātaṃ haradrumaṃ punarllikhet ||
vāmārūḍhantu khaḍgāgraṃ dvidhābhūtaṃ samuddharet ||
kaumārī binduyuktaṃ prāk dvitīyaṃ śṛṣṭisaṃyutaṃ |
krodharūpeti ca padaṃ prajvaleti dviruddharet ||
bhīma bhīṣaṇi caivānyadbhinda bhinda padaṃ punaḥ |
mahāmāye chinda chinda karālini kiṭi dvayaṃ ||
mahābhūtapadambhadre māteti ca punarllikhet |
kharvaduṣṭapadañcānyat nivāriṇi padaṃ tathā ||
dvepaṃcāsākṣaramidaṃ khaṇḍampañca samudhṛtaṃ |
jayeti ca dvirabhyāsaṃ vijaye ceti dvauddharet ||
p. 3b) ūhamaṃcāpi kūṭastha phetkārī somadevatā |
dvirabhyāsa padaṃ bhadre devānāmapi durlabhaṃ ||
vānta kaumāri saṃyuktaṃ kalāsekharabhūṣitaṃ |
triruccāryā prayatnena nāgabhūtavisāpahaṃ ||
sarvakhārkho dadahanaṃ sarvaduṣṭanivāraṇaṃ |
sarvajvara hara devi duritārikṣayāvahaṃ ||
śavarīśantatodhṛtya khi"nkhinī cārddhamātrikā |
triguṇī kṛtya deveśi vahni bhāryā samāyutaṃ ||
dvāviṃśatyakṣaraṃ devi ṣaṣṭhakhaṇḍamudāhṛtaṃ |
rasakhaṇḍena deveśi varṇasakhyā śatatrayaṃ ||
nākhyeyaṃ yasya kasyāpi yadichetsiddhiruttamā |
aparīkṣana dātavyaṃ dante bhavati nisphalaṃ ||
svayaṃ grāhāna siddhisyā vighnaṃ cāsya pade pade |
vijñāpya guru pādantu pūjayitvā prayatnataḥ ||
praṇamya ca prasaṃnātmā gṛhnīyāt nānyathā priye |
paṭhanāt siddhidaṃ bhadre sakṛduccāraṇādapi ||
sarvatīrtheṣu saṃsnāta sarvayajñeṣu dīkṣitaḥ |
sakṛdā vartanāddevi satyaṃ satyaṃ labhet varaḥ ||
p. 4a) haryakṣasthā mahāraudrā nīlanāradasaṃnibhā |
daṃṣṭrā karālinī bhīmā piṅgastrā piṅgamūrddhvajā ||
lalajihvā lelihānā ghanāntasthā yathā taḍit |
meghagambhīranirghoṣā ṣaṭvaktrā vikṛtānanā ||
aṣṭādaśadṛśā raktā nimagnāstapanopamā |
śirājālāvṛtāntī vā nirmāṃsā bhṛkuṭīmukhā ||
goṇasā karaṇādrakṣā martyamālā vibhūṣitā |
jvālāmālā kulālolā sudusprekṣā surāsuraiḥ ||
aṣṭādaśabhujā devī dvīpi carmaparichadā |
dvipacarmaṃ maṇḍalāgraṃ śaraṃ rathāṅgamudgaraṃ ||
triśūlaṃmcaru khaṭvāṅgaṃ kartarī dakṣiṇe kare |
karicarmañca carmañca śarāsana gadāṃkuśaṃ ||
pāśaṃ ghaṇṭhā tarjanī ca muṇḍamvāmakare kramāt |
mahāsvanā ghaṇṭhamālā kāṃcī sthāne niveśitā ||
haste pāde ca vivṛtī kandhare ca mahāsvanā |
mahāraktavasāmedo vilepita kaḍe parā ||
ittha dhyāyet mahādevī trailokya vijayā śivā |
bhuktidā muktidā vidyā jayadā mukha siddhidā ||
nānayā sadṛśī vidyā triṣulokeṣu vidyate |
p. 4b) taṃ nāsti yaṃ na kurute trailokye sa carācare ||
eṣā dīptatarā ghorā nāsti yadyatna sādhayet |
pratyaṅgirā mahākālī smaranāt sādhakasya tu ||
na kālavelā niyamo na ca dhyāna japādikaṃ |
na vratanna tapaścāsya vidyate kuliśodari ||
sakṛdāvartanoddevi labhate cepsitaṃ phalaṃ |
sarvapāpapraśamanī sarvasaṃpadguṇāvahā ||
sarvānarthaprasamanī sarvaduṣṭavimardanī |
sarvaśa"nkaradoṣaghnī sarvadāridramardanī ||
sarvavyādhi praśamanī sarvopadravabhedinī |
sarvasaubhāgyajananī mahābhāgyāvarohinī ||
yataḥ prabhṛti karṇasthā vidyeyaṃ śubhadāyikā |
tataḥ prabhṛti sarvatra bhairave ca virājate ||
liṃgotpāṭādi pāpāṇi līlayā nāśayetpalaṃ |
mantrasiddhirbhavet tasya yasyaiyaṃ hṛdisaṃsthitā ||
yadā niṣṭhantu deveśi yaḥ samārabhate naraḥ |
la *? koṭiguṇaṃ samyak kasyaiva pratibodhayet ||
kevala smaraṇāddevi sarvakāryārthasādhinī |
chidyate naivakerāsi duṣṭayaṃtrārgalānditaḥ ||
p. 5a) smaraṇādevasuśroṇi drāvayet sacarācaraṃ |
vihvalo madanārtaśya sādhakā liṃganātsukā |
bhavatyevaṃ varārohā sarvayaṃtrāraṇī * *? ||
iyaṃ kāmāraṇī vidyā khyātā bhava vināśanī |
hṛccakra padma kuhare satataṃ pravirājate ||
spandāspanda kṛtagrāsī tadā caṇḍeśvarī smṛtā |
viccinta dhāmni dhuryā sā dhīryasya pravikāsinī ||
smaraṇādevaniyataṃ pāśajālatirohikā |
saptakoṭyastu maṃtrāṇāṃ masyādehādvinirgatā ||
pratimantrā koṭi koṭi saptakoṭeśvarīti sā ||
asyā prabhāvo vīryañca vyaktāvyakta parākramā ||
vaktu na śakṛte devi satyaṃ satyaṃ mahāmbike |
lesamātreṇa kathitaṃ bhūyakarmaṃ vadāmite ||
dhyātvā sadrakta varṇañca cedrumañcākṣamālikā |
vasye cākarṣaṇe devi raktacandanajenavā ||
saṃpūrṇacandramadhye tu śravantamamṛta priye |
cintayitvā japed devi mauktikaṃ cākṣamālikā ||
āpyāyanakaraṃ devi mṛtyuñjayati nānyathā |
dhyātavyaṃ kṛṣṇavarṇañca ariṣṭenākṣamālikā |
p. 5b) japtena nāśayet kṣipraṃ rakṣitaṃ tridaśerapi ||
dhūmravarṇaṃ viciṃtyeta japtenāgā"nkamālikā |
uccāṭanaṃ karotyevaṃ pūrvabījena saṃyutaṃ ||
dhyātavyaṃ śuklavarṇañca sphāṭikañcākṣamālikā |
śāntikaṃ pauṣṭikaṃ caiva japācca kurute dhruvaṃ ||
dhyātavyaṃ pītavarṇañca puṣparāgākṣamālika |
bījayuktaṃ japed devi staṃbhayanti na saṃśayaḥ ||
cintayitvā layasthāne japedrudrākṣamālikā |
kurvaṃti śivasā yojyaṃ satyaṃ satyaṃ varāṇane ||
sarvatīrthaphalaṃ devi saptajaptairna saṃśayaḥ |
sakṛtoccāra mātreṇa mahāpāpaṃ vyapohati ||
sarvayajñaphalaṃ ceṣṭe sarvadīkṣāphalaṃ labhet |
samayācāra luptasya śatajaptena śudhyati |
aho mantrasya māhātmyaṃ japamānasya nityasaḥ ||
vināpi layayogena yogīndrāṇāṃ samo bhavet || tha ||
idānīṃ puna *? vāhaṃ navabījavidhānataḥ |
kathayāmi varārohe karmakoṣaṃ suniścitaṃ ||
śivatatvāgradaṃḍā aiṃ caṇḍikā hrīṃ sadāśivaḥ |
p. 6a) iśvara caṇḍa rūpā bhrūvidyā caṇḍavatī ca trūṁ |
māyātatvādhipā krūṁ ca caṇḍā sā kulanāyikā ||
tato drūṃkāragā devī kalāyāṃ caṇḍanāyināyikā |
caṇḍogrā prūṃ niyatyākhye pracaṇḍā puruṣe ca kṣrūṃ ||
prakṛtau rudracaṇḍā hrūṃ madhyādīśāntakoṣṭake |
raktagaurā ruṇākṛṣṇā utpalā śukla dhūmra ca |
prītā japāṇḍarāvarṇā suśirādīśavarṇakā ||
saharakṣamalavayū śikhāśekharabhūṣitā |
navākṣaramidaṃ proktaṃ śrījayadrathayāmale ||
atraivaṃ kathitambhadre vāgbhavāccaṇḍikāntakaṃ |
pūrvāparagatārekhā caturaḥ caturopari |
dakṣiṇāduttaraṃ kṛtvā navakoṣṭaṃ bhavet sphuṭaṃ ||
madhyādīśāntakoṣṭheṣu navatatvākṣaraṃ likhet |
ugradaṇḍādito nyastvā pūjyakarmāriho bhavet ||
prakṛti sādākheśvaraśca vaśye vyutkrama dveṣaṇe |
iśavidyā ca māyā ca tathā caṇḍādi varaṇe ||
caṇḍāccaṇḍograke lakṣe viparītena vāraṇe |
niyati puṃsaprakṛti bhūtā veśe nyathā punaḥ ||
prakṛtī viddihopavarṇitā ||
p. 6b) yā vīrya bhāvavilayodayeśvarī |
ṣaṭkametadupavarṇitaṃ mayā kāli saṃjñā kamalaṃ sureśvari ||
viṃśati tridaśabhāgavicitritaṃ bhūrikanyaśatavasturājitaṃ |
śatārddhayuktamakṣaraṃ sureśvarī na kathanīyamidaṃ yatra kutracit || tha ||
bhairava śrotasi vidyāpīṭhe śiracchede jayadrathayāmale mahātantre caturviṃśati
Kolophon
sāhasre dvitīyaṣaṭke siddhalakṣmīvidhānaṃ ṣaṭtriṃśatimapaṭalaḥ || tha ||
saṃ 39 pauśaśu 5 || maṃgala mahāśrī || tha ||

Vollständiger Sanskrittext in Devanagari

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प्. १) १ ओं नमो भगवति गंगि | कालि कालि महाकालि ह्रीं स्वाहा |
जाप्य १२ मण्डुकवसो | जलूका | वदिरमूलं | हस्ते पादे लेपयेत् |
ओं स्तम्भनी २ अग्नि २ हूं २ महास्तम्भनी २ अग्नि स्तंभनी २ हूं फट् ३ |
हनूमन्तकरो आज्ञा हूं फट् २ | अग्निस्तम्भनमन्त्रः || अति गोप प्रयोगः ||
प्. १अ) १ श्रीदेव्युवाच ||
श्रुतं मया महेशान मन्त्र तन्त्रादि विस्तरं |
त्वत्प्रसादात् सुरेशान सर्वं तदवधारितं ||
इदानीं श्रोतुमिच्छामि त्रैलोक्यविजयं गता? ||
यथा जानामि वीरेश निस्संदिग्धं यथा भवेत् ||
साधकानां हितार्थाय समासेन वद प्रभो |
सर्वसिद्धिप्रदा देवी सुरासुर नमस्कृता || थ ||
श्रीभैरव उवाच ||
चण्डाञ्चण्डादुहासाघनरसितरपां दंष्ट्रिणीं भीमवक्त्रां
निर्मासां रक्त नेत्रां भृकुटित भ्रुकुटीं रक्त मेदावलिप्तां ||
निर्मांसाघोघ घण्ठां रणरुणिततरां नीलजीमूतवर्णां
हूं हूं हूंकार नादाति भुवनविजयां क्रोधरूपां नमामि ||
शृणु देव्यवधानेन निस्संदिग्धं वदामिते |
त्रैलोक्य विजया देवी शत्रुपक्ष क्षयऽऽन्करी ||
दुष्टखाखोददमनी भयदारिद्रनाशिनी |
सर्वालक्ष्मी प्रशमनी कुहकादि विनाशिनी ||
चिन्तामणी च साज्ञेया सुखसौभाग्यदायिका |
प्. १ब्) भुक्तिमुक्ति प्रदा देवी प्रस्तारेणोद्वरामिते ||
सुसुमे भूप्रदेशे तु कुलद्रव्यै प्रपुरिते |
तत्रैकां पूजयेत् कन्यां सुशीला शुभलक्षणां ||
आज्ञां प्रार्थ्यविधानज्ञश्चुम्बकस्सुसमाहितः |
पूर्वोक्त खड्गप्रस्तारान्प्रोद्धरेद्विधिना प्रिये ||
प्रस्तारेनाधृता मन्त्रा सुशुद्धं जायते नघे |
तस्मात् प्रस्तार मध्या तु प्रोद्धरिष्यामि साम्प्रतं ||
तारकं पूर्वमुद्धृत्य वाग्भवं तदनन्तरं |
यक्षिणी रौद्रि मारूढं माहेश्वर्या समंन्वितं ||
इन्दुबिन्दु कलाक्रान्तं त्रितीयं बीजमुधृतं |
कुब्जिकामित्र ओड्याणं षष्ठं चैव पुलिन्दिका ||
डाकिनी यक्षिणी चैव वह्नि कौमारि संयुतं |
कलाशेखरसंभिन्नं सप्ताक्षरमुदीरितं ||
मातऽऽन्गी केवलं वामा भीषणेन समायुतं |
कुब्जिका पूर्णपीठन्तु साकिनी च समुद्धरेत् |
मित्रीश रुरुणा क्रान्तं षष्ठीशं बिन्दुसंयुतं |
लाकिनी खिंखिनी रौद्री कू *? स्थं? रुरुभेदितं ||
भेदयेत् परमेशानि रुरुणा रत्नसुन्दरी |
कुब्जि माहेश्वरी युक्तं वामा साकिनिकं पृथक् ||
प्. २अ) ओड्याणं (ओडीशं) मित्रनाथञ्च रौद्री कपालिना युतं |
वामा च यक्षिणी चैव द्वितीया ओसमायुतं ||
रौद्री संस्थं पूर्णपीठं रौद्री (रुरु) कौमारि संयुतं |
कपालिश समाक्रान्तं पुलिन्दीश समुद्धरेत् ||
अम्बिका रूढयक्षी तु रुरुभेदित सद्विधा |
कथितं देवदेवेशि ततो रौद्री तु केवलं ||
हान्त णान्त समारूढं पादि एकारभेदितं |
यान्तस्थणान्त मे भिन्नं रेफान्तस्थन्तु हान्तगं ||
रुरुणा भेदयेच्छुभ्रु द्विधीभूतं समुद्धरेत् |
हान्त वान्तन्तु पाशेन भेदित निस्वनेति च ||
मावस्थहान्त चण्डस्थं द्विरभ्यासंन्तु सुव्रते |
विद्यु जिह्वेति च पदं षाधमाधस्थ चण्डगं ||
ऊनपंचाशवर्णन्तु प्रोधृतं वीरमातरि |
द्विधा भूतन्तु तं कृत्वा प्रथमं कथितं प्रिये ||
पादि रुरुयुतं कुर्या हाधगं भाध आयुतं |
संहारमूर्च्छितं कृत्वा प्रोद्धरेद्वर्णमुत्तमं ||
कोर्द्धकपालिना क्रान्त साधजाध द्विधा कुरु |
गोणसा भरणे चेति गाधमाधस्थगं रुरुः ||
द्विरभ्यास कृताटोपं प्रोद्धरेत् सुरशाअयिके ||
प्. २ब्) सवमलाधारिणि पदं णाधरे हरा स्वरः |
संहारमूर्च्छितं कुर्या विना विदुं तदेव हि |
केवलं हादि रादिञ्च त्र्यक्षरन्तु द्विरुच्चरेत् ||
महारौद्री पदं चैव सार्द्रेति च पदं लिखेत् |
गजवर्मं कृतश्चैव छदेति च पदोद्धरेत् ||
विजृंभेति द्विरभ्यासं प्रोद्धरेद् वीरवन्दिते |
नृत्य नृत्या शिलता च धारिणीति पद कुरु ||
ऊनषष्ठिस्तु वर्णाविद्विखण्डं समुदाहृतं |
भृकुटित तटाटोप पदं? विषमकृताननेति च ||?
महारक्तवसामेदो पदं विलिप्तगात्र च |
कहयुग्मं हसयुग्मं क्रुद्धयुग्मं समुद्धरेत् ||
नीलजीमूतवर्णे च नरमाला कृता पुनः |
भरणे विस्फुर द्विधा तथा घंटारवा पदं ||
कीर्णदेहेति च पदं वसामांस प्रियेति च |
चाध रुरु युतं वामा तदधस्थञ्च एयुतं ||
द्विधाभूतं वरारोहे ऊनानीत्यक्षर प्रिये |
त्रितीय खण्डमाख्यातं चतुष्कं? शृणु सांप्रतं ||
साधठाधतदूर्द्धञ्च दोर्द्धञ्च केवलोद्धरेत् |
इयुक्त नागलोकं च भान्तमम्बिकसंस्थितं ||
एकारमूर्च्छितं कृत्वा रौद्र रूपेति चोद्धरेत् |
प्. ३अ) कहवर्णसमुधृत्य पार्थिवासनसंस्थितं ||
छरुमप्यधसंभिंनं सुसंहारं द्विरक्षरं |
नादं बिन्दुं मृगाऽऽन्कञ्च सूर्यसोमाग्निर् आयुतं ||
ब्राह्मीबिन्दुसमायुक्तं औरकं इरहं लिखेत् |
कृन्तकृन्तेति च पदं आकर्षयद्विरुद्धरेत् ||
धुनेति च द्विरभ्यासं सून्ययुग्मं समुद्धरेत् |
पूर्वमेकारसंयुक्तं खरमध्यस्थपानुजं ||
ऐन्द्री बीजेन चाक्रान्तं बिन्दुयुक्तं सुरार्चितं |
विजृम्भणि पदं दत्वा चत्वारिंसो नमक्षरं ||
खण्डं चतुर्थमाख्यातं हरद्रुमं पुनर्ल्लिखेत् ||
वामारूढन्तु खड्गाग्रं द्विधाभूतं समुद्धरेत् ||
कौमारी बिन्दुयुक्तं प्राक् द्वितीयं शृष्टिसंयुतं |
क्रोधरूपेति च पदं प्रज्वलेति द्विरुद्धरेत् ||
भीम भीषणि चैवान्यद्भिन्द भिन्द पदं पुनः |
महामाये छिन्द छिन्द करालिनि किटि द्वयं ||
महाभूतपदम्भद्रे मातेति च पुनर्ल्लिखेत् |
खर्वदुष्टपदञ्चान्यत् निवारिणि पदं तथा ||
द्वेपंचासाक्षरमिदं खण्डम्पञ्च समुधृतं |
जयेति च द्विरभ्यासं विजये चेति द्वौद्धरेत् ||
प्. ३ब्) ऊहमंचापि कूटस्थ फेत्कारी सोमदेवता |
द्विरभ्यास पदं भद्रे देवानामपि दुर्लभं ||
वान्त कौमारि संयुक्तं कलासेखरभूषितं |
त्रिरुच्चार्या प्रयत्नेन नागभूतविसापहं ||
सर्वखार्खो ददहनं सर्वदुष्टनिवारणं |
सर्वज्वर हर देवि दुरितारिक्षयावहं ||
शवरीशन्ततोधृत्य खिऽऽन्खिनी चार्द्धमात्रिका |
त्रिगुणी कृत्य देवेशि वह्नि भार्या समायुतं ||
द्वाविंशत्यक्षरं देवि षष्ठखण्डमुदाहृतं |
रसखण्डेन देवेशि वर्णसख्या शतत्रयं ||
नाख्येयं यस्य कस्यापि यदिछेत्सिद्धिरुत्तमा |
अपरीक्षन दातव्यं दन्ते भवति निस्फलं ||
स्वयं ग्राहान सिद्धिस्या विघ्नं चास्य पदे पदे |
विज्ञाप्य गुरु पादन्तु पूजयित्वा प्रयत्नतः ||
प्रणम्य च प्रसंनात्मा गृह्नीयात् नान्यथा प्रिये |
पठनात् सिद्धिदं भद्रे सकृदुच्चारणादपि ||
सर्वतीर्थेषु संस्नात सर्वयज्ञेषु दीक्षितः |
सकृदा वर्तनाद्देवि सत्यं सत्यं लभेत् वरः ||
प्. ४अ) हर्यक्षस्था महारौद्रा नीलनारदसंनिभा |
दंष्ट्रा करालिनी भीमा पिऽऽन्गस्त्रा पिऽऽन्गमूर्द्ध्वजा ||
ललजिह्वा लेलिहाना घनान्तस्था यथा तडित् |
मेघगम्भीरनिर्घोषा षट्वक्त्रा विकृतानना ||
अष्टादशदृशा रक्ता निमग्नास्तपनोपमा |
शिराजालावृतान्ती वा निर्मांसा भृकुटीमुखा ||
गोणसा करणाद्रक्षा मर्त्यमाला विभूषिता |
ज्वालामाला कुलालोला सुदुस्प्रेक्षा सुरासुरैः ||
अष्टादशभुजा देवी द्वीपि चर्मपरिछदा |
द्विपचर्मं मण्डलाग्रं शरं रथाऽऽन्गमुद्गरं ||
त्रिशूलंम्चरु खट्वाऽऽन्गं कर्तरी दक्षिणे करे |
करिचर्मञ्च चर्मञ्च शरासन गदांकुशं ||
पाशं घण्ठा तर्जनी च मुण्डम्वामकरे क्रमात् |
महास्वना घण्ठमाला कांची स्थाने निवेशिता ||
हस्ते पादे च विवृती कन्धरे च महास्वना |
महारक्तवसामेदो विलेपित कडे परा ||
इत्थ ध्यायेत् महादेवी त्रैलोक्य विजया शिवा |
भुक्तिदा मुक्तिदा विद्या जयदा मुख सिद्धिदा ||
नानया सदृशी विद्या त्रिषुलोकेषु विद्यते |
प्. ४ब्) तं नास्ति यं न कुरुते त्रैलोक्ये स चराचरे ||
एषा दीप्ततरा घोरा नास्ति यद्यत्न साधयेत् |
प्रत्यऽऽन्गिरा महाकाली स्मरनात् साधकस्य तु ||
न कालवेला नियमो न च ध्यान जपादिकं |
न व्रतन्न तपश्चास्य विद्यते कुलिशोदरि ||
सकृदावर्तनोद्देवि लभते चेप्सितं फलं |
सर्वपापप्रशमनी सर्वसंपद्गुणावहा ||
सर्वानर्थप्रसमनी सर्वदुष्टविमर्दनी |
सर्वशऽऽन्करदोषघ्नी सर्वदारिद्रमर्दनी ||
सर्वव्याधि प्रशमनी सर्वोपद्रवभेदिनी |
सर्वसौभाग्यजननी महाभाग्यावरोहिनी ||
यतः प्रभृति कर्णस्था विद्येयं शुभदायिका |
ततः प्रभृति सर्वत्र भैरवे च विराजते ||
लिंगोत्पाटादि पापाणि लीलया नाशयेत्पलं |
मन्त्रसिद्धिर्भवेत् तस्य यस्यैयं हृदिसंस्थिता ||
यदा निष्ठन्तु देवेशि यः समारभते नरः |
ल *? कोटिगुणं सम्यक् कस्यैव प्रतिबोधयेत् ||
केवल स्मरणाद्देवि सर्वकार्यार्थसाधिनी |
छिद्यते नैवकेरासि दुष्टयंत्रार्गलान्दितः ||
प्. ५अ) स्मरणादेवसुश्रोणि द्रावयेत् सचराचरं |
विह्वलो मदनार्तश्य साधका लिंगनात्सुका |
भवत्येवं वरारोहा सर्वयंत्रारणी * *? ||
इयं कामारणी विद्या ख्याता भव विनाशनी |
हृच्चक्र पद्म कुहरे सततं प्रविराजते ||
स्पन्दास्पन्द कृतग्रासी तदा चण्डेश्वरी स्मृता |
विच्चिन्त धाम्नि धुर्या सा धीर्यस्य प्रविकासिनी ||
स्मरणादेवनियतं पाशजालतिरोहिका |
सप्तकोट्यस्तु मंत्राणां मस्यादेहाद्विनिर्गता ||
प्रतिमन्त्रा कोटि कोटि सप्तकोटेश्वरीति सा ||
अस्या प्रभावो वीर्यञ्च व्यक्ताव्यक्त पराक्रमा ||
वक्तु न शकृते देवि सत्यं सत्यं महाम्बिके |
लेसमात्रेण कथितं भूयकर्मं वदामिते ||
ध्यात्वा सद्रक्त वर्णञ्च चेद्रुमञ्चाक्षमालिका |
वस्ये चाकर्षणे देवि रक्तचन्दनजेनवा ||
संपूर्णचन्द्रमध्ये तु श्रवन्तममृत प्रिये |
चिन्तयित्वा जपेद् देवि मौक्तिकं चाक्षमालिका ||
आप्यायनकरं देवि मृत्युञ्जयति नान्यथा |
ध्यातव्यं कृष्णवर्णञ्च अरिष्टेनाक्षमालिका |
प्. ५ब्) जप्तेन नाशयेत् क्षिप्रं रक्षितं त्रिदशेरपि ||
धूम्रवर्णं विचिंत्येत जप्तेनागाऽऽन्कमालिका |
उच्चाटनं करोत्येवं पूर्वबीजेन संयुतं ||
ध्यातव्यं शुक्लवर्णञ्च स्फाटिकञ्चाक्षमालिका |
शान्तिकं पौष्टिकं चैव जपाच्च कुरुते ध्रुवं ||
ध्यातव्यं पीतवर्णञ्च पुष्परागाक्षमालिक |
बीजयुक्तं जपेद् देवि स्तंभयन्ति न संशयः ||
चिन्तयित्वा लयस्थाने जपेद्रुद्राक्षमालिका |
कुर्वंति शिवसा योज्यं सत्यं सत्यं वराणने ||
सर्वतीर्थफलं देवि सप्तजप्तैर्न संशयः |
सकृतोच्चार मात्रेण महापापं व्यपोहति ||
सर्वयज्ञफलं चेष्टे सर्वदीक्षाफलं लभेत् |
समयाचार लुप्तस्य शतजप्तेन शुध्यति |
अहो मन्त्रस्य माहात्म्यं जपमानस्य नित्यसः ||
विनापि लययोगेन योगीन्द्राणां समो भवेत् || थ ||
इदानीं पुन *? वाहं नवबीजविधानतः |
कथयामि वरारोहे कर्मकोषं सुनिश्चितं ||
शिवतत्वाग्रदंडा ऐं चण्डिका ह्रीं सदाशिवः |
प्. ६अ) इश्वर चण्ड रूपा भ्रूविद्या चण्डवती च त्रूं |
मायातत्वाधिपा क्रूं च चण्डा सा कुलनायिका ||
ततो द्रूंकारगा देवी कलायां चण्डनायिनायिका |
चण्डोग्रा प्रूं नियत्याख्ये प्रचण्डा पुरुषे च क्ष्रूं ||
प्रकृतौ रुद्रचण्डा ह्रूं मध्यादीशान्तकोष्टके |
रक्तगौरा रुणाकृष्णा उत्पला शुक्ल धूम्र च |
प्रीता जपाण्डरावर्णा सुशिरादीशवर्णका ||
सहरक्षमलवयू शिखाशेखरभूषिता |
नवाक्षरमिदं प्रोक्तं श्रीजयद्रथयामले ||
अत्रैवं कथितम्भद्रे वाग्भवाच्चण्डिकान्तकं |
पूर्वापरगतारेखा चतुरः चतुरोपरि |
दक्षिणादुत्तरं कृत्वा नवकोष्टं भवेत् स्फुटं ||
मध्यादीशान्तकोष्ठेषु नवतत्वाक्षरं लिखेत् |
उग्रदण्डादितो न्यस्त्वा पूज्यकर्मारिहो भवेत् ||
प्रकृति सादाखेश्वरश्च वश्ये व्युत्क्रम द्वेषणे |
इशविद्या च माया च तथा चण्डादि वरणे ||
चण्डाच्चण्डोग्रके लक्षे विपरीतेन वारणे |
नियति पुंसप्रकृति भूता वेशे न्यथा पुनः ||
प्रकृती विद्दिहोपवर्णिता ||
प्. ६ब्) या वीर्य भावविलयोदयेश्वरी |
षट्कमेतदुपवर्णितं मया कालि संज्ञा कमलं सुरेश्वरि ||
विंशति त्रिदशभागविचित्रितं भूरिकन्यशतवस्तुराजितं |
शतार्द्धयुक्तमक्षरं सुरेश्वरी न कथनीयमिदं यत्र कुत्रचित् || थ ||
भैरव श्रोतसि विद्यापीठे शिरच्छेदे जयद्रथयामले महातन्त्रे चतुर्विंशति
Kolophon
साहस्रे द्वितीयषट्के सिद्धलक्ष्मीविधानं षट्त्रिंशतिमपटलः || थ ||
सं ३९ पौशशु ५ || मंगल महाश्री || थ ||

Vollständige deutsche Übersetzung des erhaltenen Siddhilakshmi-Abschnitts

Vorbemerkung
Die folgende Übersetzung folgt dem gesamten erhaltenen Textbestand. Wo die diplomatische Sanskritüberlieferung beschädigt, ungrammatisch oder nur als Mantra-Buchstabenfolge verständlich ist, wird dies ausdrücklich kenntlich gemacht. Bīja-Mantras und technisch erzeugte Lautfolgen werden nicht frei „übersetzt“.

Einleitende Agni-Stambhana-Passage

Om, Verehrung der Bhagavatī Gaṅgī.

„Kālī, Kālī, Mahākālī, Hrīṃ Svāhā.“

Dies soll zwölfmal rezitiert werden.

Es werden Maṇḍūka-Vasa, Jalūkā und die Wurzel einer als vadira überlieferten Pflanze genannt; diese sollen an Händen und Füßen aufgetragen werden.

Mantra:

„Om Stambhanī, Stambhanī! Agni, Agni! Hūṃ, Hūṃ! Mahāstambhanī, Mahāstambhanī! Agni-Stambhanī, Agni-Stambhanī! Hūṃ Phaṭ!“

Dann:

„Auf Befehl Hanumants – Hūṃ Phaṭ.“

Dies ist der Agni-Stambhana-Mantra. Der Text bezeichnet den Prayoga als äußerst geheim.

Dialog zwischen Devī und Bhairava

Śrī Devī sprach:

„O Maheśāna, ich habe von dir die ausführliche Lehre über Mantra, Tantra und die weiteren Dinge gehört.

Durch deine Gnade, o Herr der Götter, habe ich all dies verstanden.

Nun möchte ich die Lehre von der Eroberung der drei Welten hören, damit ich sie, o Herr der Helden, ohne jeden Zweifel erkenne.

Zum Wohl der Sādhakas erkläre sie mir kurz, o Herr.

Jene Devī, die alle Siddhis gewährt und vor der sich Götter wie Asuras verneigen – lehre mich diese.“

Śrī Bhairava sprach:

„Ich verneige mich vor der zornvollen Göttin, der wild Lächelnden, der mit gewaltigem Donnern Ertönenden, der Fangzähnigen, der Furchtbaren von Antlitz, der Fleischlosen, der Rotäugigen, deren Brauen zusammengezogen sind, deren Leib mit Blut und Fett gesalbt ist, deren Körper von Fleisch entblößt ist, deren Glocken machtvoll erklingen, deren Klang im Kampf widerhallt, die dunkel ist wie eine schwere Regenwolke, deren Hūṃ-Hūṃ-Hūṃ-Ruf die Welten besiegt, und die selbst die Gestalt des Zornes ist.

Höre aufmerksam, o Devī. Ich werde dir ohne Zweifel erklären:

Die Göttin Trailokyavijayā – die Siegerin über die drei Welten – vernichtet die Partei der Feinde.

Sie bezwingt Übeltäter und zerstört Furcht und Armut.

Sie beruhigt alles Unglück und vernichtet Täuschung und Zauberei.

Sie ist als Cintāmaṇi zu erkennen und schenkt Glück und Saubhāgya.

Sie gewährt sowohl Bhukti – weltliche Erfüllung – als auch Mukti – Befreiung.

Nun werde ich dir ihren Prastāra erklären.“

Vorbereitung und Kumārī-Verehrung

An einem schönen und geeigneten Ort, reich mit Kula-Substanzen ausgestattet, soll man eine einzige Kumārī verehren, die einen guten Charakter und glückverheißende Merkmale besitzt.

Nachdem der kundige Ritualist die Erlaubnis erbeten hat und gesammelt ist, soll er entsprechend dem zuvor erklärten Khaḍga-Prastāra verfahren.

Die durch den Prastāra hervorgebrachten Mantras werden vollkommen gereinigt.

Deshalb werde ich nun die Mitte beziehungsweise das innere System dieses Prastāra erklären.

Mantra-Prastāra – erste Lautableitungen

Zuerst wird Tāraka hervorgeholt, danach Vāgbhava.

Dann folgen Yakṣiṇī und Raudrī, verbunden mit Māheśvarī.

Vom Mond und Bindu sowie von Kalā durchdrungen entsteht das dritte Bīja.

Danach werden Kubjikā, Mitra, Oḍyāṇa, Pulindikā, Ḍākinī und Yakṣiṇī genannt, verbunden mit Feuer und Kaumārī.

Mit Kalāśekhara verbunden wird eine siebensilbige Form erklärt.

Danach erscheinen Mātaṅgī, Vāmā, Bhīṣaṇa, Kubjikā, Pūrṇapīṭha, Śākinī, Mitrīśa und Ruru.

Es folgen weitere technische Lautverbindungen mit Ṣaṣṭhīśa und Bindu.

Die anschließenden Lautableitungen sind teilweise beschädigt. Genannt werden unter anderem:

Lākinī, Khiṃkhinī, Raudrī, Ruru, Ratnasundarī, Kubjī, Māheśvarī, Vāmā und Śākinī.

Danach folgen Oḍyāṇa beziehungsweise Oḍīśa, Mitranātha, Raudrī und Kapālin.

Vāmā und Yakṣiṇī werden verbunden; darauf folgt eine zweite Lautkombination.

Pūrṇapīṭha wird mit Raudrī beziehungsweise Ruru und Kaumārī verbunden.

Kapālīśa wird eingesetzt, danach Pulindīśa.

Ambikā und Yakṣī folgen, von Ruru durchdrungen.

Bhairava erklärt, dass danach Raudrī allein verwendet wird.

Die folgenden Verse beschreiben eine sehr technische Bīja-Konstruktion anhand von Endlauten wie Ha, Ṇa, Pa, Ya, Repha und weiteren Lauten. Die diplomatische Lesung ist stellenweise beschädigt. Sicher erkennbar ist, dass die Mantra-Form aus mehreren miteinander verschachtelten Bīja- und Gottheitsbezeichnungen konstruiert wird.

Es folgt die Anweisung, bestimmte Lautgruppen zweimal zu wiederholen.

Dann erscheint ausdrücklich die Formel „Vidyujjihvā“ – „Blitzzunge“.

Der Text sagt, dass so eine Folge von knapp neunundvierzig Buchstaben hervorgebracht werde.

Diese wird zweigeteilt; der erste Abschnitt wurde damit erklärt.

Zweiter Mantra-Khaṇḍa

Es folgen weitere technische Lautkonstruktionen.

Ruru wird mit einer bestimmten Lautgruppe verbunden; Saṃhāra wird hinzugefügt und ein weiterer höchster Buchstabe gebildet.

Kapālin wird einbezogen; weitere Lautgruppen werden zweigeteilt.

Mehrere beschädigte Bezeichnungen folgen.

Danach steht:

„Savāmalādhāriṇī“ – eine so bezeichnete Form wird genannt.

Eine weitere Form wird mit Saṃhāra verbunden, jedoch ohne Bindu.

Dann werden drei einzelne Lautgruppen zweimal rezitiert.

Es folgt ausdrücklich:

„Mahāraudrī“.

Danach wird eine weitere Formel mit einem als „Gajavarma“ bezeichneten Bestandteil aufgebaut.

Es folgt:

„Vijṛmbha! Vijṛmbha!“ – „Entfalte dich! Entfalte dich!“

Weiter:

„Nṛtya, nṛtya“ – „Tanze, tanze.“

Danach eine Form „Śilatā Dhāriṇī“ beziehungsweise ähnlich; die Lesung ist unsicher.

Der Text sagt, dass dieser Abschnitt knapp sechzig Buchstaben umfasse und als zweiter Khaṇḍa zu verstehen sei.

Dritter Khaṇḍa

Es folgen die Ausdrücke:

„Bhṛkuṭita“ – mit zusammengezogenen Brauen,

„Taṭāṭopa“ – stark aufwallend beziehungsweise machtvoll sich erhebend,

und:

„Viṣamakṛtānana“ – mit furchterregend verzerrtem Antlitz.

Danach:

„Mahārakta-vasā-medo-viliptāṅga“ – deren Körper mit viel Blut, Fett und Mark gesalbt ist.

Es folgen doppelt wiederholte Lautgruppen und Zornesformeln.

Die Göttin wird als dunkel wie eine Regenwolke beschrieben und mit einer Menschenschädel- beziehungsweise Menschenkopf-Girlande verbunden.

Weiter heißt es:

„Visphura, visphura“ – „Flamme auf, flamme auf!“

und:

„Ghaṇṭārava“ – Klang der Glocke.

Dann:

„Kīrṇadehā“ – eine Gestalt mit bedecktem beziehungsweise überstreutem Leib,

und:

„Vasāmāṃsapriyā“ – die Fett und Fleisch liebt.

Weitere Bīja-Verbindungen folgen.

Dieser dritte Abschnitt umfasst, so der Text, knapp achtzig Buchstaben.

Vierter Khaṇḍa

Nun wird der vierte Abschnitt erklärt.

Wieder werden verschiedene technische Lautbestandteile miteinander verbunden.

Nāgaloka wird genannt, ebenso Ambikā und Raudra-Rūpa.

Es folgen Nāda, Bindu, Mṛgāṅka sowie Sonne, Mond und Feuer.

Eine weitere Form wird mit Brāhmī und Bindu verbunden.

Dann erscheinen klare Befehlsformen:

„Kṛnta, kṛnta“ – „Schneide, schneide!“

„Ākarṣaya, ākarṣaya“ – „Ziehe heran, ziehe heran!“

„Dhuna, dhuna“ – „Schüttle, schüttle!“

Danach werden zwei Śūnya-Lautgruppen genannt.

Eine weitere Bīja-Verbindung wird mit Aindrī verbunden und mit Bindu versehen.

Dann:

„Vijṛmbhaṇi“ – „Entfalte dich!“

Der vierte Abschnitt umfasst etwa vierzig Buchstaben.

Fünfter Khaṇḍa

Danach beginnt der fünfte Abschnitt.

Es werden weitere Bīja-Verbindungen mit Vāmā, Khaḍga und Kaumārī aufgebaut.

Darauf folgen klare Mantra-Wörter:

„Krodharūpe“ – „O du von zornvoller Gestalt!“

„Prajvala, prajvala“ – „Flamme auf, flamme auf!“

„Bhīma, Bhīṣaṇi“ – „O Furchtbare, o Schreckliche!“

„Bhinda, bhinda“ – „Spalte, spalte!“

„Mahāmāye“ – „O große Māyā!“

„Chinda, chinda“ – „Schneide, schneide!“

„Karālini“ – „O Furchterregende!“

Danach folgt eine doppelte kiṭi-Lautfolge.

Es folgen:

„Mahābhūta“, „Mātā“, eine weitere beschädigte Form, „Duṣṭa“, und „Nivāriṇī“ – „die Abwehrende“.

Dieser fünfte Abschnitt umfasst zweiundfünfzig Buchstaben.

Sechster Khaṇḍa

Es folgen:

„Jaya, jaya“ – „Sieg, Sieg!“

„Vijaye, vijaye“ – „O Siegreiche, o Siegreiche!“

Eine weitere Kūṭa- und Phetkārī-Form wird genannt.

Eine mit Kaumārī und Kalāśekhara verbundene Lautfolge soll dreimal sorgfältig rezitiert werden.

Sie wird bezeichnet als:

Beseitigerin von Nāgas, Bhūtas und Gift,

Verbrennerin beziehungsweise Vernichterin feindlicher Kräfte,

Abwehrerin aller Übeltäter,

Beseitigerin aller Fieber,

und Zerstörerin von Unheil und Feinden.

Danach wird eine Śabarīśa-Form mit Khiṃkhinī und einer halben Mātrā genannt.

Diese wird dreifach gemacht und mit der „Gemahlin des Feuers“, also Svāhā, verbunden.

Der sechste Abschnitt umfasst zweiundzwanzig Buchstaben.

Mit allen sechs Khaṇḍas zusammen beträgt die Zahl der Buchstaben dreihundert.

Geheimhaltung und Guru-Übertragung

Diese Lehre soll nicht beliebigen Menschen mitgeteilt werden, wenn höchste Siddhi gewünscht wird.

Wird sie ungeprüft weitergegeben, bleibt sie wirkungslos.

Wer sie eigenmächtig an sich nimmt, ohne die richtige Übertragung, dem entstehen Hindernisse auf Schritt und Tritt.

Man soll vielmehr die Füße des Guru anrufen, ihn sorgfältig verehren und sich vor ihm verneigen.

Mit heiterem und hingebungsvollem Geist soll man die Lehre empfangen – nicht anders.

Schon durch das Lesen soll sie Siddhi verleihen, ja selbst durch einmaliges Aussprechen.

Wer sie einmal vollständig rezitiert, wird im übertragenen Sinn so angesehen, als hätte er in allen Tīrthas gebadet und an allen Yajñas und Dīkṣās teilgenommen.

Der Text bekräftigt dies mit den Worten:

„Wahrlich, wahrlich.“

Dhyāna der Trailokyavijayā / Siddhilakṣmī

Nun folgt die große Meditation der Göttin.

Sie ist Mahāraudrā – die große Schreckliche.

Ihre Farbe ist dunkel und blau, ähnlich einer tiefen Regenwolke.

Sie besitzt furchterregende Fangzähne.

Ihr Antlitz ist schrecklich.

Ihre Augen beziehungsweise Wimpern werden als rötlich-braun beschrieben, ebenso ihr Haar.

Ihre Zunge hängt heraus und bewegt sich leckend.

Sie erscheint wie ein Blitz inmitten einer dichten Wolke.

Ihre Stimme beziehungsweise ihr Klang ist tief wie Donner.

Sie hat sechs Gesichter, alle von ungewöhnlicher und furchterregender Gestalt.

Sie besitzt achtzehn Augen, die rot leuchten wie die Sonne.

Ihr Körper erscheint von einem Netz von Adern überzogen; sie ist mager beziehungsweise fleischlos und zieht die Brauen zusammen.

Sie trägt eine Girlande aus menschlichen Köpfen beziehungsweise Körperteilen.

Flammengirlanden umgeben sie.

Selbst Götter und Asuras können sie kaum anschauen.

Die Göttin besitzt achtzehn Arme.

Sie trägt ein Fell, das als Leoparden- beziehungsweise Tierhaut beschrieben wird.

In ihren rechten Händen hält sie nach der überlieferten Reihenfolge:

eine Tierhaut, ein Maṇḍala-artiges Instrument beziehungsweise eine Waffe, Pfeil, Rathāṅga beziehungsweise Rad, Mudgara, Triśūla, eine weitere Waffe, Khaṭvāṅga, und Kartarī.

In den linken Händen hält sie:

Elefantenhaut, eine weitere Haut, Bogen, Gadā, Aṅkuśa, Pāśa, Glocke, Tarjanī-Geste und ein abgeschlagenes Haupt.

Eine große klingende Glockengirlande befindet sich an ihrer Hüfte.

Auch an Händen, Füßen und Hals erklingen machtvolle Schmuckstücke beziehungsweise Glocken.

Ihr Körper ist mit Blut, Fett und Mark gesalbt.

So soll man Mahādevī Trailokyavijayā Śivā meditieren.

Sie schenkt Bhukti.

Sie schenkt Mukti.

Sie ist Vidyā.

Sie schenkt Sieg.

Sie schenkt Siddhi.

Es gibt, so erklärt der Text, in den drei Welten keine Vidyā, die ihr gleicht.

Lobpreis der Vidyā

Es gibt nichts im Beweglichen und Unbeweglichen, was diese Göttin nicht zu bewirken vermöchte – so lautet die traditionelle Verheißung.

Sie ist äußerst leuchtend und zugleich furchtbar.

Sie wird als Pratyaṅgirā und Mahākālī bezeichnet.

Der Text behauptet, dass für den Sādhaka schon ihre Erinnerung wirksam sei.

Für sie gebe es keine feste Vorschrift bezüglich Kāla oder Velā.

Auch Dhyāna, Japa, Vrata und Tapas seien nicht zwingend notwendig.

Schon durch eine einzige vollständige Rezitation erlange man die gewünschte Frucht.

Sie beruhigt alle Sünden.

Sie bringt alle Arten von Wohlstand und Tugend hervor.

Sie beseitigt alle Unheilsfolgen.

Sie zerschmettert alle Übeltäter.

Sie vernichtet alle schädlichen beziehungsweise ungünstigen Einflüsse.

Sie zerstört Armut.

Sie lindert Krankheiten.

Sie zerstreut Bedrängnisse.

Sie bringt Saubhāgya hervor.

Sie führt zu Mahābhāgya, großem Glück und hoher Segenskraft.

Von dem Augenblick an, in dem diese Vidyā im Ohr verankert beziehungsweise empfangen wurde, wird sie als glückbringend beschrieben.

Von da an erstrahlt sie überall als Bhairavī.

Der Text schreibt ihr zu, selbst schwere Verfehlungen spielerisch zu vernichten.

Bei demjenigen, in dessen Herzen diese Vidyā wohnt, entsteht Mantra-Siddhi.

Wer eine besondere Niṣṭhā beziehungsweise feste Praxis beginnt, soll durch sie vielfach verstärkte Wirkung erlangen; die betreffende Zeile ist teilweise beschädigt.

Schon durch bloße Erinnerung verwirklicht sie nach Aussage des Textes alle Aufgaben.

Kein gegnerisches Yantra und keine Verriegelung vermögen sie aufzuhalten.

Durch bloße Erinnerung, o Schönhüftige, soll sie alles Bewegliche und Unbewegliche in Bewegung setzen beziehungsweise anziehen.

Es folgen weitere stark erotisch beziehungsweise kaulisch gefärbte Wirkungsaussagen; einzelne Wörter sind beschädigt.

Diese Vidyā wird als Kāma-araṇī – als Reibholz beziehungsweise Quelle der Begehrenskraft – bezeichnet und zugleich als Vernichterin des Werdens.

Sie erstrahlt unablässig in der Höhlung des Lotus des Herz-Cakras.

Wenn sie Spanda und Aspanda, Bewegung und Nichtbewegung, verschlingt, wird sie als Caṇḍeśvarī bezeichnet.

Sie gilt als höchste Kraft des Bewusstseins, in der die Dhī – die Erkenntniskraft – aufleuchtet.

Schon durch Erinnerung lässt sie das Netz der Fesseln verschwinden.

Sieben Koṭis von Mantras seien aus ihrem Körper hervorgegangen.

Jeder einzelne Mantra wiederum entfalte zahllose weitere Mantras; daher wird sie als Herrin von sieben Koṭis bezeichnet.

Ihre Macht, ihre Kraft und ihre offenbare wie nichtoffenbare Wirksamkeit können, so sagt Bhairava, nicht vollständig ausgesprochen werden.

„Wahrlich, wahrlich, o große Mutter.“

Nur ein kleiner Teil ihrer Herrlichkeit sei bisher erklärt worden; nun werde ihr weiteres Karma beschrieben.

Farb-, Mālā- und Wirkungszuordnungen

Für Vaśya- und Ākarṣaṇa-Handlungen soll die Göttin rot visualisiert werden.

Dabei wird eine rote beziehungsweise Ruddy-Mālā genannt, alternativ eine aus rotem Sandelholz.

Für Āpyāyana, Stärkung und Lebensförderung soll die Göttin inmitten des Vollmondes als Nektar verströmend meditiert werden.

Dabei verwendet man eine Mālā aus Perlen.

Der Text sagt, dies sei lebensfördernd und mit Mṛtyuñjaya-Kraft verbunden.

Für destruktive beziehungsweise feindbezogene Rituale soll die Göttin schwarz visualisiert werden; eine dunkle Mālā wird genannt.

Der Text behauptet, dass dadurch sogar ein von den Göttern geschütztes Ziel vernichtet werden könne.

Für Uccāṭana soll sie rauchfarben visualisiert werden; eine entsprechende Mālā wird genannt.

Für Śāntika und Pauṣṭika soll sie weiß visualisiert werden; die Mālā besteht aus Kristall.

Für Stambhana soll sie gelb visualisiert werden; genannt wird eine Puṣparāga-Mālā.

Wer sie im Laya-Ort meditiert, soll mit einer Rudrākṣa-Mālā rezitieren.

Der Text sagt, dies führe zur Vereinigung mit Shiva.

Sieben Rezitationen sollen die Frucht aller Tīrthas geben.

Schon einmaliges Aussprechen soll große Sünden beseitigen.

Man erlange die Frucht aller Yajñas und aller Dīkṣās.

Wer gegen den Samayācāra verstoßen hat, soll durch hundert Rezitationen gereinigt werden.

Dann ruft der Text aus:

„O, welch große Macht besitzt dieser Mantra, wenn er beständig rezitiert wird!“

Auch ohne Laya-Yoga werde der Praktizierende dadurch den großen Yogis gleich – so lautet die traditionelle Behauptung.

Neun Bījas und ihre Tattva-Zuordnung

Nun sagt Bhairava:

„Jetzt werde ich dir erneut, o Schönhüftige, anhand der neun Bījas den sicher bestimmten Schatz der rituellen Anwendungen erklären.“

Es folgt eine Reihe von neun Bīja- und Tattva-Zuordnungen.

Genannt werden:

Śivatattva, Caṇḍikā, Sadāśiva, Īśvara, Caṇḍarūpā, Bhrūvidyā, Caṇḍavatī, Māyātattva, Caṇḍā, Kulanāyikā, Caṇḍanāyikā, Caṇḍogrā, Niyati, Pracaṇḍā, Puruṣa, Rudracaṇḍā.

Die Lautfolgen lauten unter anderem:

Aiṃ, Hrīṃ, Trūṃ, Krūṃ, Drūṃ, Prūṃ, Kṣrūṃ, Hrūṃ,

sowie eine weitere technische Form.

Die zugehörigen Farben werden als rot, hell beziehungsweise weißlich, rötlich, schwarz, lotusfarben, weiß und rauchfarben beschrieben; die genaue Reihenfolge ist in der Handschrift nicht überall eindeutig.

Die neun Bījas werden mit einer längeren Lautfolge verbunden, die auf śikhāśekhara verweist.

Der Text sagt ausdrücklich:

„Dieser neunsilbige Mantra ist im Śrī Jayadratha Yāmala gelehrt.“

Neunfeld-Yantra beziehungsweise Koṣṭha-Anordnung

Nun wird eine graphische Anordnung beschrieben.

Von Osten nach Westen und von Süden nach Norden werden jeweils vier Linien gezogen.

Dadurch entsteht deutlich ein Feld aus neun Koṣṭhas.

In diese neun Felder werden die neun Tattva-Buchstaben geschrieben.

Beginnend mit Ugradaṇḍā werden sie eingesetzt.

Je nach beabsichtigtem Karma wird die Reihenfolge verändert.

Für Vaśya werden Prakṛti, Sadāśiva beziehungsweise Īśvara und weitere Tattvas in einer bestimmten Reihenfolge gesetzt.

Für Dveṣa beziehungsweise Vidveṣa wird die Reihenfolge umgekehrt.

Für Schutz beziehungsweise Vāraṇa werden Caṇḍā- und Caṇḍogrā-Gruppen entsprechend angeordnet.

Weitere Zuordnungen betreffen Niyati, Puruṣa und Prakṛti.

Die letzten Zeilen dieser technischen Anordnung sind teilweise beschädigt.

Abschluss des Siddhilakṣmī-Vidhāna

Bhairava sagt sinngemäß:

„Dieses sechsfache beziehungsweise sechs Khaṇḍas umfassende System habe ich dir erklärt, o Kāli, o Herrin der Götter.“

Der Text nennt eine komplexe Buchstaben- und Zahlenstruktur mit insgesamt mehreren hundert Lautbestandteilen.

Er warnt nochmals:

„Diese Lehre soll nicht an beliebiger Stelle und nicht beliebigen Menschen mitgeteilt werden.“

Damit endet im Bhairava-Strom, im Vidyāpīṭha, im Śiraccheda-Abschnitt des großen Jayadratha-Yāmala, im zweiten Ṣaṭka des Sāhasra, der sechsunddreißigste Paṭala über die Ordnung der Siddhilakṣmī.

Der abschließende Schreibervermerk nennt ein Datum beziehungsweise eine Zeitangabe und endet mit:

„Maṅgala – großes Heil und Glück.“

Abschluss

Das Siddhilakṣmī Vidhāna ist ein ungewöhnliches Zeugnis tantrischer Göttinnenverehrung. Der Name „Lakṣmī“ darf hier nicht an eine ausschließlich sanfte Glücksgöttin denken lassen. Siddhilakṣmī erscheint vielmehr als raudra Śakti, als Trailokyavijayā und als Kraft der Überwindung.

Das Werk verbindet Kumārī-Pūjā, Guru-Übertragung, geheime Mantra-Prastāras, Dhyāna, Japa, Akṣamālā und ein Navabīja-Maṇḍala.

Für Yoga-Aspiranten kann besonders der innere Aspekt fruchtbar sein: Die Göttin wird im Herzlotus vergegenwärtigt, der Japa wird mit Śānti und innerer Stärkung verbunden, und die höchste Frucht wird als Mukti beziehungsweise Śiva-Sāyujya verstanden. Meditation kann helfen, diese tiefere Ebene von den historischen machtbezogenen Kriyās zu unterscheiden.

Historischer und ethischer Hinweis
Der Text enthält auch Stambhana, Vaśīkaraṇa, Uccāṭana, Dveṣaṇa und andere klassische tantrische Kriyās. Diese werden als historische Bestandteile der Quelle dokumentiert. Der Artikel macht daraus keine moderne Anleitung zur Manipulation oder Schädigung anderer Menschen.

Textgrundlage
Der Artikel folgt den bereitgestellten Muktabodha-Dateien M00572 mit dem Titel siddhilakṣmīvidhāna. Als Handschriftengrundlage wird NGMCP 4/304, Reel A 59/14 genannt; die Quelle bezeichnet den Text ausdrücklich als Ritualmanual.

Der Kolophon nennt den Abschnitt ausdrücklich siddhalakṣmīvidhānaṃ ṣaṭtriṃśatimaḥ paṭalaḥ und ordnet ihn dem Jayadrathayāmala-Mahātantra im Bhairava-Strom, Vidyāpīṭha und Śiraccheda zu.

Abschlussprüfung
Für diese Endfassung wurden Einleitung, Handbuchteil, Umschrift und Devanagari nochmals mit den bereitgestellten Dateien M00572 abgeglichen. Der vorangestellte Agni-Stambhana-Prayoga bleibt als separater Vorspann gekennzeichnet; der eigentliche Siddhilakṣmī-/Trailokyavijayā-Dialog beginnt mit śrīdevyuvāca. Mantra-Prastāra und Khaṇḍa-Konstruktionen werden nicht spekulativ rekonstruiert. Der Kolophon des 36. Paṭala bleibt quellentreu wiedergegeben.

Siehe auch

Seminare

Meditation
Die Herzmeditation, Śānti-Ausrichtung und Dhyāna-Praxis des Siddhilakṣmī Vidhāna können im Kontext von Meditation vertieft werden.

04.11.2026 - 16.12.2026 Meditation Sieben Wochen mit Körperwahrnehmung, Atem, Stille und Herzensgebet - Online Kursreihe

Termine: 7x mittwochs: 4.11., 11.11., 18.11., 25.11., 2.12., 9.12., 16.12.2026
jeweils 19:30 bis 20:30 Uhr

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