Shatyayana Gayatri Upanishad

Aus Yogawiki

Die Shatyayana Gayatri Upanishad (Sanskrit: शाट्यायनी गायत्रस्योपनिषत्, Śāṭyāyanī Gāyatrasya Upaniṣad), genauer die Śāṭyāyanī-Upanishad des Gāyatra, ist die kurze Schlusslehre in den Abschnitten 4.27–4.28 des Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa, das auch als Talavakāra Āraṇyaka überliefert wird. Sie gehört zur Jaiminīya- oder Talavakāra-Schule des Sāmaveda. Der Text entfaltet neun komplementäre Paare und deutet anschließend die drei Versfüße einer um Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ erweiterten Sāvitrī.

Datei:Gayatri Devi.jpg
Gāyatrī steht in der späteren Tradition für die lichtvolle Kraft des vedischen Mantras. Die Shatyayana Gayatri Upanishad selbst spricht vor allem von Savitṛ und Sāvitrī.

Die verbreitete moderne Kurzbezeichnung „Shatyayana Gayatri Upanishad“ darf nicht mit der viel jüngeren Śāṭyāyanīya-Upanishad über den vaishnavitischen Entsagungsweg verwechselt werden. Der hier behandelte Text ist spätvedische Prosa und endet mit dem ausdrücklichen Abschluss des Upaniṣad-Brāhmaṇa. Er umfasst vollständig JUB 4.27 mit 17 nummerierten Einheiten und JUB 4.28 mit sechs Einheiten.

Im ersten Abschnitt fragt die Shatyayana Gayatri Upanishad immer wieder: kas savitā, kā sāvitrī – „Was ist Savitṛ, was ist Sāvitrī?“ Die Antwort besteht nicht in einer einzelnen Götterdefinition. Feuer und Erde, Varuna und Wasser, Wind und Raum, Opfer und Metren, Donner und Blitz, Sonne und Himmel, Mond und Gestirne, Geist und Rede sowie Mann und Frau werden als untrennbare Ursprungspaare beschrieben. Je zwei yonis, zwei Quellen oder Mutterschöße, bilden ein mithuna, ein Paar.

Der zweite Abschnitt verbindet diese Paarlehre mit der Sāvitrī. Die drei großen Aussprachen Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ werden den drei Versfüßen vorangestellt. Feuer, Sonne und Mond erscheinen als bhargas, als Lichtglanz; Opfer und geschlechtliches Hervorbringen veranschaulichen die Kraft des pracodayāt, des Antreibens. Die verheißene Frucht ist das Überschreiten des punarmṛtyu, des Wieder-Todes, und die salokatā mit Sāvitrī.

Die hier gebotene IAST-Fassung folgt Hanns Oertels Edition von 1896, abgeglichen mit der Devanagari-Ausgabe von Rāmadeva aus dem Jahr 1921 und der elektronischen TITUS-Fassung. Vedische Akzentzeichen werden zugunsten der Lesbarkeit weggelassen. Die deutsche Übersetzung wurde für diesen Artikel neu erstellt. Jede der 23 Texteinheiten erhält unmittelbar eine eigene Übersetzung und eine vollständige Wort-für-Wort-Erläuterung.

Shatyayana Gayatri Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die Zählung folgt JUB 4.27–4.28. Die IAST-Zeichen geben den zusammengezogenen vedischen Prosatext wieder. In den Worterklärungen werden wichtige Sandhi-Formen auf ihre Grundform zurückgeführt.

Abschnitt 4.27 – Die neun Savitri-Paare

4.27.1 – Agni und Erde
kas savitā
kā sāvitrī
agnir eva savitā
pṛthivī sāvitrī ||4.27.1||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Agni ist Savitṛ; die Erde ist Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ beziehungsweise im Sandhi kas – wer oder was; savitā – Savitṛ, der Antreiber und Beleber; – wer oder was, feminine Frageform; sāvitrī – Sāvitrī, das zu Savitṛ Gehörende beziehungsweise seine weiblich gefasste Entsprechung; agniḥAgni, Feuer; eva – eben, wahrlich; savitā – Savitṛ; pṛthivī – Erde; sāvitrī – Sāvitrī. Die Form kas vor s ist der äußere Sandhi von kaḥ.

4.27.2 – Das erste Paar
sa yatrāgnis tat pṛthivī yatra vā pṛthivī tad agniḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.2||

Übersetzung: Wo Agni ist, dort ist die Erde; und wo die Erde ist, dort ist Agni. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ beziehungsweise sa – dieser, so verhält es sich; yatra – wo; agniḥ beziehungsweise im Sandhi agniḥ → agnis – Agni; tat – dort, das; pṛthivī – Erde; yatra – wo; – oder, andererseits; pṛthivī – Erde; tat – dort; agniḥ – Agni; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge, Mutterschöße, Quellen, Dual von yoni; tat – dies; ekam – eines, ein einziges; mithunam – Paar, verbundene Zweiheit.

4.27.3 – Varuna und die Wasser
kas savitā
kā sāvitrī
varuṇa eva savitā
āpas sāvitrī ||4.27.3||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Varuna ist Savitṛ; die Wasser sind Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; varuṇaḥVaruna, der vedische Gott der umfassenden Ordnung und der Wasser; eva – eben; savitā – Savitṛ; āpaḥ beziehungsweise vor s āpas – die Wasser, ein grammatischer Plural; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.4 – Das zweite Paar
sa yatra varuṇas tad āpo yatra vāpas tad varuṇaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.4||

Übersetzung: Wo Varuna ist, dort sind die Wasser; und wo die Wasser sind, dort ist Varuna. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; varuṇaḥ / varuṇas – Varuna; tat / tad – dort; āpaḥ / āpaḥ → āpo – die Wasser; yatra – wo; – oder, andererseits; āpaḥ / vāpas – die Wasser, im Sandhi mit ; tat / tad – dort; varuṇaḥ – Varuna; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge oder Mutterschöße; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.5 – Vayu und der Raum
kas savitā
kā sāvitrī
vāyur eva savitā
ākāśas sāvitrī ||4.27.5||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Vayu ist Savitṛ; der Raum ist Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; vāyuḥ beziehungsweise vor einem Vokal vāyurVayu, Wind und Lebenshauch; eva – eben; savitā – Savitṛ; ākāśaḥ beziehungsweise vor s ākāśas – Raum, Luftraum; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.6 – Das dritte Paar
sa yatra vāyus tad ākāśo yatra vākāśas tad vāyuḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.6||

Übersetzung: Wo Vayu ist, dort ist der Raum; und wo der Raum ist, dort ist Vayu. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; vāyuḥ / vāyus – Vayu; tat / tad – dort; ākāśaḥ / ākāśo – Raum, mit visarga-Sandhi vor y; yatra – wo; – oder, andererseits; ākāśaḥ / vākāśas – Raum, nach Verbindung mit und vor t; tat / tad – dort; vāyuḥ – Vayu; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.7 – Opfer und Metren
kas savitā
kā sāvitrī
yajña eva savitā
chandāṃsi sāvitrī ||4.27.7||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Das Opfer ist Savitṛ; die Metren sind Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; yajñaḥYajna, Opfer, geheiligte Opferhandlung; eva – eben; savitā – Savitṛ; chandāṃsi – die vedischen Metren, Plural von chandas; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.8 – Das vierte Paar
sa yatra yajñas tac chandāṃsi yatra vā chandāṃsi tad yajñaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.8||

Übersetzung: Wo das Opfer ist, dort sind die Metren; und wo die Metren sind, dort ist das Opfer. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; yajñaḥ / yajñas – Opfer; tat / tac – dort, vor ch zu tac verändert; chandāṃsi – Metren; yatra – wo; – oder, andererseits; chandāṃsi – Metren; tat / tad – dort; yajñaḥ – Opfer; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.9 – Donner und Blitz
kas savitā
kā sāvitrī
stanayitnur eva savitā
vidyut sāvitrī ||4.27.9||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Donner ist Savitṛ; der Blitz ist Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; stanayitnuḥ beziehungsweise vor Vokal stanayitnur – Donner, der Donnernde; eva – eben; savitā – Savitṛ; vidyut – Blitz; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.10 – Das fünfte Paar
sa yatra stanayitnus tad vidyud yatra vā vidyut tat stanayitnuḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.10||

Übersetzung: Wo der Donner ist, dort ist der Blitz; und wo der Blitz ist, dort ist der Donner. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; stanayitnuḥ / stanayitnus – Donner; tat / tad – dort; vidyut / vidyud – Blitz, vor stimmhaftem y mit stimmhaftem Auslaut; yatra – wo; – oder; vidyut – Blitz; tat – dort; stanayitnuḥ – Donner; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.11 – Sonne und Himmel
kas savitā
kā sāvitrī
āditya eva savitā
dyauḥ sāvitrī ||4.27.11||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Aditya, die Sonne, ist Savitṛ; der Himmel ist Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; ādityaḥAditya, hier die Sonne; eva – eben; savitā – Savitṛ; dyauḥ – Himmel, der lichte Himmelsraum; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.12 – Das sechste Paar
sa yatrādityas tad dyaur yatra vā dyaus tad ādityaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.12||

Übersetzung: Wo Aditya ist, dort ist der Himmel; und wo der Himmel ist, dort ist Aditya. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; ādityaḥ / ādityas – Aditya, Sonne; tat / tad – dort; dyauḥ / dyaur – Himmel, vor y mit r-Sandhi; yatra – wo; – oder; dyauḥ / dyaus – Himmel, vor t; tat / tad – dort; ādityaḥ – Aditya; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.13 – Mond und Gestirne
kas savitā
kā sāvitrī
candra eva savitā
nakṣatrāṇi sāvitrī ||4.27.13||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Mond ist Savitṛ; die Gestirne sind Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; candraḥ – der Mond, wörtlich auch der Glänzende; eva – eben; savitā – Savitṛ; nakṣatrāṇi – Sterne, Gestirne oder Mondhäuser; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.14 – Das siebte Paar
sa yatra candras tan nakṣatrāṇi yatra vā nakṣatrāṇi tac candraḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.14||

Übersetzung: Wo der Mond ist, dort sind die Gestirne; und wo die Gestirne sind, dort ist der Mond. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; candraḥ / candras – Mond; tat / tan – dort, vor n lautlich zu tan; nakṣatrāṇi – Gestirne oder Mondhäuser; yatra – wo; – oder; nakṣatrāṇi – Gestirne; tat / tac – dort, vor c zu tac; candraḥ – Mond; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.15 – Geist und Rede
kas savitā
kā sāvitrī
mana eva savitā
vāk sāvitrī ||4.27.15||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Geist ist Savitṛ; die Rede ist Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; manaḥ beziehungsweise vor Vokal mana – Geist, Denken; eva – eben; savitā – Savitṛ; vāk – Rede, Sprache; sāvitrī – Sāvitrī.

4.27.16 – Das achte Paar
sa yatra manas tad vāg yatra vā vāk tan manaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.16||

Übersetzung: Wo der Geist ist, dort ist die Rede; und wo die Rede ist, dort ist der Geist. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; manaḥ / manas – Geist; tat / tad – dort; vāk / vāg – Rede, vor y mit stimmhaftem Auslaut; yatra – wo; – oder; vāk – Rede; tat / tan – dort, vor m zu tan; manaḥ – Geist; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar.

4.27.17 – Mensch und Frau als neuntes Paar
kas savitā
kā sāvitrī
puruṣa eva savitā
strī sāvitrī
sa yatra puruṣas tat strī yatra vā strī tat puruṣaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.17||

Übersetzung: Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Mann ist Savitṛ; die Frau ist Sāvitrī. Wo der Mann ist, dort ist die Frau; und wo die Frau ist, dort ist der Mann. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ / kas – wer oder was; savitā – Savitṛ; – wer oder was, feminin; sāvitrī – Sāvitrī; puruṣaḥ beziehungsweise vor Vokal puruṣa – Mensch, hier Mann; eva – eben; savitā – Savitṛ; strī – Frau; sāvitrī – Sāvitrī; saḥ / sa – dieser, so; yatra – wo; puruṣaḥ / puruṣas – Mann; tat – dort; strī – Frau; yatra – wo; – oder; strī – Frau; tat – dort; puruṣaḥ – Mann; te – jene beiden; dve – zwei; yonī – Ursprünge oder Mutterschöße; tat / tad – dies; ekam – eines; mithunam – Paar. Puruṣa kann allgemein „Mensch“ heißen; im ausdrücklichen Paar mit strī bezeichnet es hier den männlichen Partner.

Abschnitt 4.28 – Die drei Füße der Savitri

4.28.1 – Der erste Versfuß der erweiterten Savitri
tasyā eṣa prathamaḥ pādo bhūs tat savitur vareṇyam iti
agnir vai vareṇyam
āpo vai vareṇyam
candramā vai vareṇyam ||4.28.1||

Übersetzung: Dies ist ihr erster Versfuß: „Bhūḥ – jenes Erwählenswerte Savitṛs.“ Agni ist wahrlich das Erwählenswerte; die Wasser sind das Erwählenswerte; der Mond ist das Erwählenswerte.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasyāḥ beziehungsweise vedisch tasyā – von ihr, der Sāvitrī; eṣaḥ – dieser; prathamaḥ – erste; pādaḥ / pādo – Versfuß; bhūḥ / bhūs – Bhūḥ, die erste große Aussprache, zugleich „Erde“; tat – jenes; savituḥ – des Savitṛ; vareṇyam – erwählenswert, vortrefflich, begehrenswert; iti – so lautet es; agniḥ – Agni; vai – wahrlich; vareṇyam – das Erwählenswerte; āpaḥ / āpo – die Wasser; vai – wahrlich; vareṇyam – das Erwählenswerte; candramāḥ / candramā – der Mond; vai – wahrlich; vareṇyam – das Erwählenswerte.

4.28.2 – Der zweite Versfuß aus Lichtglanz
tasyā eṣa dvitīyaḥ pādo bhargamayo bhuvo bhargo devasya dhīmahīti
agnir vai bhargaḥ
ādityo vai bhargaḥ
candramā vai bhargaḥ ||4.28.2||

Übersetzung: Dies ist ihr zweiter, aus Lichtglanz bestehender Versfuß: „Bhuvaḥ – über den Lichtglanz des Gottes meditieren wir.“ Agni ist wahrlich Lichtglanz; Aditya ist Lichtglanz; der Mond ist Lichtglanz.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasyāḥ / tasyā – von ihr, der Sāvitrī; eṣaḥ – dieser; dvitīyaḥ – zweite; pādaḥ / pādo – Versfuß; bharga-mayaḥ / bhargamayo – aus bhargas bestehend, von Lichtglanz erfüllt; bhuvaḥ / bhuvo – Bhuvaḥ, die zweite große Aussprache, im Sandhi vor bhargaḥ; bhargaḥ / bhargo – Lichtglanz, reinigende Strahlkraft; devasya – des Gottes; dhīmahi – wir nehmen meditierend in uns auf, wir betrachten; iti – so lautet es; agniḥ – Agni; vai – wahrlich; bhargaḥ – Lichtglanz; ādityaḥ / ādityo – Aditya, Sonne; vai – wahrlich; bhargaḥ – Lichtglanz; candramāḥ / candramā – Mond; vai – wahrlich; bhargaḥ – Lichtglanz.

4.28.3 – Der dritte Versfuß und die Schöpferkraft
tasyā eṣa tṛtīyaḥ pādaḥ svar dhiyo yo naḥ pracodayād iti
yajño vai pracodayati
strī ca vai puruṣaś ca prajanayataḥ ||4.28.3||

Übersetzung: Dies ist ihr dritter Versfuß: „Svaḥ – der unsere Einsichten antreiben möge.“ Das Opfer treibt wahrlich an; Frau und Mann bringen Nachkommenschaft hervor.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasyāḥ / tasyā – von ihr, der Sāvitrī; eṣaḥ – dieser; tṛtīyaḥ – dritte; pādaḥ – Versfuß; svaḥ / svar – Svaḥ, die dritte große Aussprache, hier vor dh mit r; dhiyaḥ / dhiyo – Gedanken, Einsichten, geistige Kräfte, Akkusativ Plural; yaḥ / yo – der, welcher; naḥ – unsere; pracodayāt – möge antreiben, anregen, inspirieren; iti – so lautet es; yajñaḥ / yajño – Opfer; vai – wahrlich; pracodayati – treibt an, setzt in Bewegung; strī – Frau; ca – und; vai – wahrlich; puruṣaḥ – Mann; ca – und; prajanayataḥ – die beiden zeugen oder bringen Nachkommenschaft hervor, Verb im Dual.

4.28.4 – Die ersten beiden Versfüße verbunden
bhūr bhuvas tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahīti
agnir vai bhargaḥ
ādityo vai bhargaḥ
candramā vai bhargaḥ ||4.28.4||

Übersetzung: „Bhūḥ, Bhuvaḥ – über jenen erwählenswerten Lichtglanz des Gottes Savitṛ meditieren wir.“ Agni ist wahrlich Lichtglanz; Aditya ist Lichtglanz; der Mond ist Lichtglanz.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūḥ / bhūr – Bhūḥ, Erde und erste große Aussprache; bhuvaḥ / bhuvas – Bhuvaḥ, Zwischenraum und zweite große Aussprache; tat – jenen; savituḥ – des Savitṛ; vareṇyam – erwählenswert, vortrefflich; bhargaḥ / bhargo – Lichtglanz, reinigende Strahlkraft; devasya – des Gottes; dhīmahi – wir meditieren darüber, nehmen es betrachtend in uns auf; iti – so; agniḥ – Agni; vai – wahrlich; bhargaḥ – Lichtglanz; ādityaḥ / ādityo – Aditya, Sonne; vai – wahrlich; bhargaḥ – Lichtglanz; candramāḥ / candramā – Mond; vai – wahrlich; bhargaḥ – Lichtglanz.

4.28.5 – Sva und das Hervorbringen
svar dhiyo yo naḥ pracodayād iti
yajño vai pracodayati
strī ca vai puruṣaś ca prajanayataḥ ||4.28.5||

Übersetzung: „Svaḥ – der unsere Einsichten antreiben möge.“ Das Opfer treibt wahrlich an; Frau und Mann bringen Nachkommenschaft hervor.

Wort-für-Wort-Erläuterung: svaḥ / svar – Svaḥ, Himmel und dritte große Aussprache; dhiyaḥ / dhiyo – Gedanken, Einsichten, geistige Kräfte; yaḥ / yo – der, welcher; naḥ – unsere; pracodayāt – möge antreiben oder inspirieren; iti – so; yajñaḥ / yajño – Opfer; vai – wahrlich; pracodayati – treibt an, bewegt vorwärts; strī – Frau; ca – und; vai – wahrlich; puruṣaḥ – Mann; ca – und; prajanayataḥ – beide zeugen oder bringen hervor.

4.28.6 – Die Frucht des vollständigen Wissens
bhūr bhuvas tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi dhiyo yo naḥ pracodayād iti
yo vā etāṃ sāvitrīm evaṃ vedāpa punarmṛtyuṃ tarati
sāvitryā eva salokatāṃ jayati
sāvitryā eva salokatāṃ jayati ||4.28.6||

Übersetzung: „Bhūḥ, Bhuvaḥ – über jenen erwählenswerten Lichtglanz des Gottes Savitṛ meditieren wir; Svaḥ – der unsere Einsichten antreiben möge.“ Wer diese Sāvitrī auf solche Weise kennt, überschreitet den Wieder-Tod. Er gewinnt wahrlich das Wohnen in derselben Welt wie Sāvitrī. Er gewinnt wahrlich das Wohnen in derselben Welt wie Sāvitrī.

Wort-für-Wort-Erläuterung: bhūḥ / bhūr – Bhūḥ, Erde und erste große Aussprache; bhuvaḥ / bhuvas – Bhuvaḥ, Zwischenraum und zweite große Aussprache; tat – jenen; savituḥ – des Savitṛ; vareṇyam – erwählenswert, vortrefflich; bhargaḥ / bhargo – Lichtglanz, reinigende Strahlkraft; devasya – des Gottes; dhīmahi – wir meditieren, nehmen betrachtend in uns auf; dhiyaḥ / dhiyo – Gedanken, Einsichten; yaḥ / yo – der, welcher; naḥ – unsere; pracodayāt – möge antreiben, inspirieren; iti – so; yaḥ / yo – wer; vai / vā – wahrlich, gewiss; etām – diese; sāvitrīm – Sāvitrī, die Savitṛ-Formel; evam – auf diese Weise; veda – weiß, erkennt; apa – hinweg, darüber hinaus; punar-mṛtyum – Wieder-Tod, erneutes Sterben oder in der Ritualsprache der „zweite Tod“; tarati – überschreitet, setzt über; sāvitryā – mit Sāvitrī, durch Sāvitrī beziehungsweise der Sāvitrī; eva – eben, wahrlich; sa-lokatām – das Teilen derselben Welt, Weltgemeinschaft; jayati – gewinnt, erringt. Die letzte Aussage wird im Sanskrit feierlich zweimal wiederholt.

Datierung und Textgeschichte

Das Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa gehört zu den ältesten Upanishaden-nahen Prosatexten. Seine Hauptschichten werden meist in die späte vedische Zeit eingeordnet. Eine jahrgenaue Datierung ist nicht möglich; als vorsichtiger Rahmen werden häufig die Jahrhunderte um 800–500 v. Chr. genannt. Neuere Forschung beschreibt das Werk als Übergang zwischen der älteren Brāhmaṇa-Spekulation und den frühen Upanishaden. Diese Datierung des Gesamtwerks ist nicht automatisch eine exakte Datierung jedes einzelnen Abschnitts.

Gerade die letzten Teile des vierten Adhyāya besitzen eine komplizierte Textgeschichte. JUB 4.27–4.28 stehen nach der im Werk eingebetteten Kena Upanishad und gehören nach textkritischer Einschätzung zu später angefügten Schlussabschnitten. „Später“ bedeutet hier zunächst: später als der Kern des Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa. Auch diese beiden Kapitel bleiben jedoch ihrem Wortschatz, ihrer Prosaform und ihrer Denkweise nach in der vedischen Überlieferungswelt verwurzelt. Eine sichere absolute Datierung allein für die Shatyayana Gayatri Upanishad lässt sich aus den Handschriften nicht gewinnen.

Der Name Śāṭyāyanī Gāyatrasya Upaniṣad verweist auf die Śāṭyāyana-Tradition und das Gāyatra, den zur Gāyatrī gehörenden Sāmagesang. Die heute geläufige Form „Shatyayana Gayatri Upanishad“ ist eine vereinfachende Bezeichnung. Im älteren Kontext bedeutet gāyatra zunächst nicht die spätere Göttin Gayatri, sondern den Gāyatra-Gesang und das zugehörige metrisch-rituelle Wissensfeld. Sāvitrī ist die zu Savitṛ gehörende Formel; erst in der späteren Religionsgeschichte werden Gāyatrī, Sāvitrī und die Göttin stärker miteinander identifiziert.

Die Abschnitte 4.27–4.28 sind für die Textgeschichte des Gopatha Brāhmaṇa wichtig. Dessen Gayatri-Lehre in 1.1.31–38 greift Stoff und Formulierungen aus der Jaiminīya-Tradition auf, erweitert die Paarreihen und stellt sie in einen Lehrdialog. Die Gayatri Upanishad des Gopatha Brahmana ist deshalb eng verwandt, aber weder wortgleich noch mit der Shatyayana Gayatri Upanishad identisch.

Hanns Oertel veröffentlichte 1896 erstmals eine vollständige gedruckte Edition mit englischer Übersetzung. Die Devanagari-Ausgabe von Rāmadeva folgte 1921. Die elektronische TITUS-Fassung beruht auf Oertel und wurde von Masato Fujii eingegeben sowie von Mieko Kajihara geprüft. Neuere Handschriftenforschung durch Masato Fujii hat gezeigt, wie vielschichtig die Überlieferung des gesamten Werkes ist. Der vorliegende Artikel bewahrt die Zählung 4.27–4.28, damit jede Aussage auf den Quellentext zurückgeführt werden kann.

Inhalt

Die Frage nach Savitri
Die wiederholte Frage kas savitā, kā sāvitrī ist eine meditative Untersuchungsform. Savitṛ ist grammatisch männlich, Sāvitrī weiblich. Statt beide nur mythologisch zu beschreiben, erkennt der Text ihre Wirksamkeit in komplementären Wirklichkeiten. Der „Antreiber“ und das von ihm Bewegte, der aktive und der tragende Pol, erscheinen gemeinsam.

Neun kosmische und menschliche Paare
Die Reihe beginnt mit Feuer und Erde sowie Varuna und den Wassern. Vayu und Raum verbinden Bewegung mit dem Feld, in dem Bewegung geschehen kann. Opfer und Metren zeigen, dass eine heilige Handlung ihre sprachliche Form benötigt. Donner und Blitz, Sonne und Himmel sowie Mond und Gestirne bilden beobachtbare Himmelsbeziehungen. Geist und Rede übertragen dasselbe Muster in den Menschen. Mann und Frau schließen die Reihe mit der Zeugungsgemeinschaft ab.

Zwei Ursprünge, ein Paar
Die Formel te dve yonī, tad ekaṃ mithunam sagt mehr als „zwei Dinge gehören zusammen“. Beide sind je ein Ursprung; dennoch bilden sie eine Einheit der Beziehung. Keine Seite wird einfach auf die andere reduziert. Die Shatyayana Gayatri Upanishad denkt Einheit nicht als Auslöschung der Verschiedenheit, sondern als fruchtbare Zusammengehörigkeit.

Die drei Versfüße
Abschnitt 4.28 fügt den drei Teilen der Sāvitrī die Aussprachen Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ hinzu. Der erste Fuß kreist um das vareṇyam, das Erwählenswerte. Der zweite wird als bhargamaya, aus Lichtglanz bestehend, erklärt. Der dritte entfaltet pracodayāt, das Anregen und Vorwärtsbewegen. Die kommentierenden Sätze deuten diese Wörter nicht lexikalisch im modernen Sinn, sondern durch vedische Entsprechungen.

Licht, Opfer und Hervorbringen
Agni, Sonne und Mond sind verschiedene Erscheinungsweisen des Lichtglanzes. Das Opfer „treibt an“, weil es Gaben, Worte und Handlungen in eine wirksame Ordnung bringt. Frau und Mann „bringen hervor“. Damit verbindet der Text kosmisches Licht, rituelle Wirksamkeit und Lebensentstehung.

Über den Wieder-Tod hinaus
Der Schluss verheißt dem Wissenden das Überschreiten des punarmṛtyu. In Brāhmaṇa- und früher Upanishaden-Sprache kann damit der Tod nach einem nur vorläufigen himmlischen Dasein gemeint sein, allgemeiner aber auch die Wiederkehr des Sterbens. Salokatā bedeutet das Gewinnen derselben Welt wie Sāvitrī. Der Text spricht hier in der Sprache vedischer Heilsverheißung und noch nicht in der vollständig ausgearbeiteten Terminologie späterer Vedanta-Systeme.

Bedeutung

Die Shatyayana Gayatri Upanishad dokumentiert einen wichtigen Schritt von der rituellen Rezitation zur kontemplativen Deutung. Das Mantra wird nicht nur gesprochen; seine Wörter werden zu Knotenpunkten eines kosmischen Netzes. Vareṇyam, bhargas und pracodayāt erhalten durch Feuer, Wasser, Mond, Sonne, Opfer und Zeugung einen Erfahrungsraum.

Philosophisch bedeutsam ist die relationale Ontologie der Paarformel. Wirklichkeit besteht nicht aus isolierten Substanzen. Feuer setzt Erde voraus, Wind Raum, Denken Sprache, Sprache Denken. Der Text beschreibt keine moderne Theorie gegenseitiger Abhängigkeit, doch er lehrt, dass die eine Seite nur in Beziehung zur anderen vollständig verstanden wird.

Auch das Verhältnis von Männlichem und Weiblichem muss historisch gelesen werden. Der Text ordnet die Paare grammatisch und kosmologisch Savitṛ beziehungsweise Sāvitrī zu. Daraus folgt keine zeitlose soziale Rangordnung. Entscheidend ist die beiderseitige Ursprungsfunktion: te dve yonī – beide sind Quellen. Erst ihre Verbindung ist ekaṃ mithunam, ein Paar.

Für die Geschichte des Gayatri-Mantras ist JUB 4.28 besonders wertvoll. Die Aussprachen Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ stehen bereits in enger Verbindung mit den drei Mantrateilen. Zugleich zeigt die Passage, dass die spätere, allgemein bekannte vollständige Form des Mantras eine lange Auslegungs- und Gebrauchsgeschichte besitzt.

Bedeutung der Shatyayana Gayatri Upanishad heute

Heute kann die Paarlehre zu einer aufmerksameren Wahrnehmung von Beziehungen anregen: Energie braucht einen Träger, Ausdruck einen inneren Gedanken, Handeln eine Form und Inspiration eine konkrete Verkörperung. Die alte Kosmologie muss dafür nicht naturwissenschaftlich umgedeutet werden. Ihr Wert liegt in der Übung, Zusammengehörigkeit zu sehen, ohne Unterschiede vorschnell aufzuheben.

Für eine Mantra-Praxis erinnert die Shatyayana Gayatri Upanishad daran, dass richtige Aussprache, Bedeutung und innere Ausrichtung zusammengehören. Dhīmahi bezeichnet ein gemeinsames meditatives Aufnehmen; pracodayāt richtet den Blick auf die Umwandlung der Einsicht in lebendige Bewegung. Eine bloß mechanische Wiederholung wird dadurch um Studium und Kontemplation ergänzt.

Der Text kann außerdem ökologisch resonieren: Feuer und Erde, Wind und Raum, Mond und Gestirne erscheinen nicht als vereinzelte Objekte. Eine solche Lektüre ist eine heutige Anwendung, nicht die wörtliche historische Aussage des Textes. Sie kann dennoch helfen, Abhängigkeit, Gegenseitigkeit und Verantwortung bewusster zu erfahren.

Die Heilsverheißung vom Überschreiten des Wieder-Todes sollte nicht als überprüfbare biologische Zusage missverstanden werden. Spirituell gelesen bezeichnet sie die Überwindung einer Existenzweise, die immer wieder in Unbewusstheit, Angst und Verengung zurückfällt. Die ursprüngliche vedische Bedeutung von punarmṛtyu bleibt dabei als eigener historischer Horizont zu respektieren.

Vollständiger Text in Devanagari

जैमिनीयोपनिषद्ब्राह्मण ४.२७

४.२७.१
कस्सविता । का सावित्री । अग्निरेव सविता । पृथिवी सावित्री ॥ १ ॥

४.२७.२
स यत्राग्निस्तत्पृथिवी यत्र वा पृथिवी तदग्निः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ २ ॥

४.२७.३
कस्सविता । का सावित्री । वरुण एव सविता । आपस्सावित्री ॥ ३ ॥

४.२७.४
स यत्र वरुणस्तदापो यत्र वापस्तद्वरुणः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ ४ ॥

४.२७.५
कस्सविता । का सावित्री । वायुरेव सविता । आकाशस्सावित्री ॥ ५ ॥

४.२७.६
स यत्र वायुस्तदाकाशो यत्र वाकाशस्तद्वायुः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ ६ ॥

४.२७.७
कस्सविता । का सावित्री । यज्ञ एव सविता । छन्दांसि सावित्री ॥ ७ ॥

४.२७.८
स यत्र यज्ञस्तच्छन्दांसि यत्र वा छन्दांसि तद्यज्ञः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ ८ ॥

४.२७.९
कस्सविता । का सावित्री । स्तनयित्नुरेव सविता । विद्युत्सावित्री ॥ ९ ॥

४.२७.१०
स यत्र स्तनयित्नुस्तद्विद्युद्यत्र वा विद्युत्तत्स्तनयित्नुः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ १० ॥

४.२७.११
कस्सविता । का सावित्री । आदित्य एव सविता । द्यौस्सावित्री ॥ ११ ॥

४.२७.१२
स यत्रादित्यस्तद्द्यौर्यत्र वा द्यौस्तदादित्यः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ १२ ॥

४.२७.१३
कस्सविता । का सावित्री । चन्द्र एव सविता । नक्षत्राणि सावित्री ॥ १३ ॥

४.२७.१४
स यत्र चन्द्रस्तन्नक्षत्राणि यत्र वा नक्षत्राणि तच्चन्द्रः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ १४ ॥

४.२७.१५
कस्सविता । का सावित्री । मन एव सविता । वाक्सावित्री ॥ १५ ॥

४.२७.१६
स यत्र मनस्तद्वाग्यत्र वा वाक्तन्मनः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ १६ ॥

४.२७.१७
कस्सविता । का सावित्री । पुरुष एव सविता । स्त्री सावित्री । स यत्र पुरुषस्तत्स्त्री यत्र वा स्त्री तत्पुरुषः । ते द्वे योनी । तदेकं मिथुनम् ॥ १७ ॥

जैमिनीयोपनिषद्ब्राह्मण ४.२८

४.२८.१
तस्या एष प्रथमः पादो भूस्तत्सवितुर्वरेण्यमिति । अग्निर्वै वरेण्यम् । आपो वै वरेण्यम् । चन्द्रमा वै वरेण्यम् ॥ १ ॥

४.२८.२
तस्या एष द्वितीयः पादो भर्गमयो भुवो भर्गो देवस्य धीमहीति । अग्निर्वै भर्गः । आदित्यो वै भर्गः । चन्द्रमा वै भर्गः ॥ २ ॥

४.२८.३
तस्या एष तृतीयः पादः स्वर्धियो यो नः प्रचोदयादिति । यज्ञो वै प्रचोदयति । स्त्री च वै पुरुषश्च प्रजनयतः ॥ ३ ॥

४.२८.४
भूर्भुवस्तत्सवितुर्वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहीति । अग्निर्वै भर्गः । आदित्यो वै भर्गः । चन्द्रमा वै भर्गः ॥ ४ ॥

४.२८.५
स्वर्धियो यो नः प्रचोदयादिति । यज्ञो वै प्रचोदयति । स्त्री च वै पुरुषश्च प्रजनयतः ॥ ५ ॥

४.२८.६
भूर्भुवस्तत्सवितुर्वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि धियो यो नः प्रचोदयादिति । यो वा एतां सावित्रीमेवं वेदाप पुनर्मृत्युं तरति । सावित्र्यैव सलोकतां जयति । सावित्र्यैव सलोकतां जयति ॥ ६ ॥

समापनः
द्वादशोऽनुवाकः समाप्तः । इत्युपनिषद्ब्राह्मणं समाप्तम् ॥

Vollständiger Text in IAST

Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa 4.27

kas savitā
kā sāvitrī
agnir eva savitā
pṛthivī sāvitrī ||4.27.1||

sa yatrāgnis tat pṛthivī yatra vā pṛthivī tad agniḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.2||

kas savitā
kā sāvitrī
varuṇa eva savitā
āpas sāvitrī ||4.27.3||

sa yatra varuṇas tad āpo yatra vāpas tad varuṇaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.4||

kas savitā
kā sāvitrī
vāyur eva savitā
ākāśas sāvitrī ||4.27.5||

sa yatra vāyus tad ākāśo yatra vākāśas tad vāyuḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.6||

kas savitā
kā sāvitrī
yajña eva savitā
chandāṃsi sāvitrī ||4.27.7||

sa yatra yajñas tac chandāṃsi yatra vā chandāṃsi tad yajñaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.8||

kas savitā
kā sāvitrī
stanayitnur eva savitā
vidyut sāvitrī ||4.27.9||

sa yatra stanayitnus tad vidyud yatra vā vidyut tat stanayitnuḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.10||

kas savitā
kā sāvitrī
āditya eva savitā
dyauḥ sāvitrī ||4.27.11||

sa yatrādityas tad dyaur yatra vā dyaus tad ādityaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.12||

kas savitā
kā sāvitrī
candra eva savitā
nakṣatrāṇi sāvitrī ||4.27.13||

sa yatra candras tan nakṣatrāṇi yatra vā nakṣatrāṇi tac candraḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.14||

kas savitā
kā sāvitrī
mana eva savitā
vāk sāvitrī ||4.27.15||

sa yatra manas tad vāg yatra vā vāk tan manaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.16||

kas savitā
kā sāvitrī
puruṣa eva savitā
strī sāvitrī
sa yatra puruṣas tat strī yatra vā strī tat puruṣaḥ
te dve yonī
tad ekaṃ mithunam ||4.27.17||

Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa 4.28

tasyā eṣa prathamaḥ pādo bhūs tat savitur vareṇyam iti
agnir vai vareṇyam
āpo vai vareṇyam
candramā vai vareṇyam ||4.28.1||

tasyā eṣa dvitīyaḥ pādo bhargamayo bhuvo bhargo devasya dhīmahīti
agnir vai bhargaḥ
ādityo vai bhargaḥ
candramā vai bhargaḥ ||4.28.2||

tasyā eṣa tṛtīyaḥ pādaḥ svar dhiyo yo naḥ pracodayād iti
yajño vai pracodayati
strī ca vai puruṣaś ca prajanayataḥ ||4.28.3||

bhūr bhuvas tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahīti
agnir vai bhargaḥ
ādityo vai bhargaḥ
candramā vai bhargaḥ ||4.28.4||

svar dhiyo yo naḥ pracodayād iti
yajño vai pracodayati
strī ca vai puruṣaś ca prajanayataḥ ||4.28.5||

bhūr bhuvas tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi dhiyo yo naḥ pracodayād iti
yo vā etāṃ sāvitrīm evaṃ vedāpa punarmṛtyuṃ tarati
sāvitryā eva salokatāṃ jayati
sāvitryā eva salokatāṃ jayati ||4.28.6||

Samāpana
dvādaśo 'nuvākaḥ samāptaḥ | ity upaniṣadbrāhmaṇaṃ samāptam ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa 4.27

4.27.1 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Agni ist Savitṛ; die Erde ist Sāvitrī.

4.27.2 Wo Agni ist, dort ist die Erde; und wo die Erde ist, dort ist Agni. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.3 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Varuna ist Savitṛ; die Wasser sind Sāvitrī.

4.27.4 Wo Varuna ist, dort sind die Wasser; und wo die Wasser sind, dort ist Varuna. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.5 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Vayu ist Savitṛ; der Raum ist Sāvitrī.

4.27.6 Wo Vayu ist, dort ist der Raum; und wo der Raum ist, dort ist Vayu. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.7 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Das Opfer ist Savitṛ; die Metren sind Sāvitrī.

4.27.8 Wo das Opfer ist, dort sind die Metren; und wo die Metren sind, dort ist das Opfer. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.9 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Donner ist Savitṛ; der Blitz ist Sāvitrī.

4.27.10 Wo der Donner ist, dort ist der Blitz; und wo der Blitz ist, dort ist der Donner. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.11 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Aditya, die Sonne, ist Savitṛ; der Himmel ist Sāvitrī.

4.27.12 Wo Aditya ist, dort ist der Himmel; und wo der Himmel ist, dort ist Aditya. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.13 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Mond ist Savitṛ; die Gestirne sind Sāvitrī.

4.27.14 Wo der Mond ist, dort sind die Gestirne; und wo die Gestirne sind, dort ist der Mond. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.15 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Geist ist Savitṛ; die Rede ist Sāvitrī.

4.27.16 Wo der Geist ist, dort ist die Rede; und wo die Rede ist, dort ist der Geist. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

4.27.17 Was ist Savitṛ? Was ist Sāvitrī? Der Mann ist Savitṛ; die Frau ist Sāvitrī. Wo der Mann ist, dort ist die Frau; und wo die Frau ist, dort ist der Mann. Jene beiden sind zwei Ursprünge; dies ist ein einziges Paar.

Jaiminīya Upaniṣad Brāhmaṇa 4.28

4.28.1 Dies ist ihr erster Versfuß: „Bhūḥ – jenes Erwählenswerte Savitṛs.“ Agni ist wahrlich das Erwählenswerte; die Wasser sind das Erwählenswerte; der Mond ist das Erwählenswerte.

4.28.2 Dies ist ihr zweiter, aus Lichtglanz bestehender Versfuß: „Bhuvaḥ – über den Lichtglanz des Gottes meditieren wir.“ Agni ist wahrlich Lichtglanz; Aditya ist Lichtglanz; der Mond ist Lichtglanz.

4.28.3 Dies ist ihr dritter Versfuß: „Svaḥ – der unsere Einsichten antreiben möge.“ Das Opfer treibt wahrlich an; Frau und Mann bringen Nachkommenschaft hervor.

4.28.4 „Bhūḥ, Bhuvaḥ – über jenen erwählenswerten Lichtglanz des Gottes Savitṛ meditieren wir.“ Agni ist wahrlich Lichtglanz; Aditya ist Lichtglanz; der Mond ist Lichtglanz.

4.28.5 „Svaḥ – der unsere Einsichten antreiben möge.“ Das Opfer treibt wahrlich an; Frau und Mann bringen Nachkommenschaft hervor.

4.28.6 „Bhūḥ, Bhuvaḥ – über jenen erwählenswerten Lichtglanz des Gottes Savitṛ meditieren wir; Svaḥ – der unsere Einsichten antreiben möge.“ Wer diese Sāvitrī auf solche Weise kennt, überschreitet den Wieder-Tod. Er gewinnt wahrlich das Wohnen in derselben Welt wie Sāvitrī. Er gewinnt wahrlich das Wohnen in derselben Welt wie Sāvitrī.

Schlussvermerk: Der zwölfte Anuvaka ist beendet. Damit ist das Upanishad-Brāhmaṇa beendet.

5 Empfehlungen aus der Shatyayana Gayatri Upanishad für ernsthafte spirituelle Aspiranten

  • Verbinde Rezitation und Bedeutung. Sprich die Sāvitrī nicht nur auswendig, sondern vergegenwärtige dir vareṇyam, bhargas, dhīmahi und pracodayāt. Eine korrekte Aussprache ersetzt nicht die innere Betrachtung; beide ergänzen sich.
  • Erforsche zusammengehörige Pole. Beobachte im Alltag, wie Atem und Raum, Gedanke und Sprache, Energie und Form einander bedingen. Vermeide dabei, die historischen Paare des Textes schematisch auf jede moderne Lebensfrage zu übertragen.
  • Lass Einsicht zur Handlung werden. Frage nach einer Meditation: Was soll durch diese Einsicht tatsächlich pracodita, angeregt und in eine heilsame Richtung bewegt werden?
  • Meditiere über Licht ohne Flucht vor der Welt. Agni, Sonne und Mond zeigen Licht in unterschiedlichen Formen. Suche Klarheit im Körper, in der Natur, im Denken und im ethischen Handeln, nicht nur in abstrakten Vorstellungen.
  • Übe mit Demut gegenüber der Überlieferung. Die Shatyayana Gayatri Upanishad ist ein alter, sprachlich besonderer Text. Nutze Übersetzungen als Hilfen, lerne wichtige Sanskritbegriffe und unterscheide belegte Aussage, traditionelle Deutung und persönliche Anwendung.

Video

Ein Vortrag und eine Rezitation können die eigene Praxis unterstützen. Für die philologische Arbeit am Text bleiben jedoch Sanskritausgabe, Übersetzung und Wortanalyse maßgeblich.

Literatur und Quellen

  • Hanns Oertel: The Jaiminīya or Talavakāra Upaniṣad Brāhmaṇa: Text, Translation, and Notes. In: Journal of the American Oriental Society 16 (1896), S. 79–260; JUB 4.27–4.28 auf S. 223–225. Digitalisat als PDF.
  • Rāmadeva (Hrsg.): Jaiminīyopaniṣad-Brāhmaṇam. Lahore 1921, JUB 4.27–4.28, S. 152–154 der Sanskritausgabe. Digitalisat im Internet Archive.
  • Masato Fujii und Mieko Kajihara: Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa, elektronische TITUS-Fassung auf Grundlage Oertels.
  • Masato Fujii: The Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa: A Study of the Earliest Upaniṣad, Belonging to the Jaiminīya Sāmaveda. Helsinki 2004.
  • Masato Fujii: The Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa. Kritische Edition, für die Veröffentlichung vorbereitet von Asko Parpola und Mieko Kajihara, Brill 2026.
  • Pravina M. Shah: Gāyatrī: Mantra and Mother of the Vedas. A Philological-Historical Study. Dissertation, insbesondere zur Überlieferung von JUB 4.27–4.28 und Gopatha Brāhmaṇa 1.1.31–38.
  • Vedic Heritage Portal: Jaiminīyopaniṣad Brāhmaṇa.
  • Wilfried Huchzermeyer: Die heiligen Schriften Indiens – Geschichte der Sanskrit-Literatur.

Siehe auch

Weblinks

Seminare

Mantras und Musik

06.10.2026 - 06.10.2026 Mantra-Konzert

Aleah Gandarvika & Friends
18:45-19:45 Uhr
Aleah Gandarvika
09.10.2026 - 11.10.2026 Harmonium Lernseminar

Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Nora Aouda

Sanskrit und Devanagari

06.01.2027 - 15.12.2027 Jahresgruppe Sanskrit - Lektüre der AMRITA SIDDHI 2 - online

Termine: 16x mittwochs: 06.01., 27.01., 17.02., 10.03., 31.03., 21.04., 12.05., 02.06., 23.06., 14.07., 08.09., 29.09., 20.10., 10.11., 01.12., 15.12.20…
Dr phil Oliver Hahn
09.04.2027 - 11.04.2027 Sanskrit Intensivwochenende

Du bist fasziniert vom Klang des Sanskrit und der tiefgehenden Wirkung der Wörter dieser uralten Sprache? Hast bereits Übersetzungen von Mantras oder …
Dr phil Oliver Hahn

Jnana Yoga und Philosophie

15.11.2026 - 20.11.2026 Aus der Tiefe des Herzens antworten

In diesem Praxisseminar beschreiten wir den Weg fundamentalen Gewahrseins durch intuitive Antworten aus dem Herzen. Antworten, die sich aus unserem wah…
Michael Büchel, Roswitha Breitkopf
29.11.2026 - 06.12.2026 Spirituelle Sterbebegleiter Ausbildung

Immer mehr Menschen wollen sich aktiv und offen mit Sterben und Tod beschäftigen und dabei zu einem neuen spirituellen Verständnis von Vergänglichkei…
Sukhavati Kusch