Shatyayaniya Upanishad

Aus Yogawiki

Die Shatyayaniya Upanishad entfaltet eine auf Vishnu ausgerichtete Lehre von Sannyasa, Sammlung und religiöser Lebensführung. Sie wird dem Shukla Yajurveda zugeordnet. Anders als manche anderen Entsagungstexte misst sie bestimmten äußeren Kennzeichen weiterhin Bedeutung bei und verbindet sie mit innerer Disziplin. Der Sanskritname lautet शाट्यायनीयोपनिषत् (śāṭyāyanīyopaniṣat).

Sammlung und das Studium der Upanishaden ergänzen sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis.

Sanskrittext mit Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Zur Textgestalt: Diese deutsche Studienübersetzung folgt der unten verlinkten Sanskritfassung. Die nummerierten Abschnitte der Vorlage werden einzeln behandelt. An der Stelle „cittameva“ wurde die sinnwidrige Lesung „vittameva“ anhand des Zusammenhangs und der Parallelstelle in der Maitreya Upanishad berichtigt. Merkverse, Friedensgebete und Kolophone werden als eigene Textbestandteile kenntlich gemacht. In der Worterklärung sind Sandhi-Verbindungen und Zusammensetzungen nach Möglichkeit aufgelöst. Offenkundige Schreib- und Trennfehler sind berichtigt; sinnrelevante Unsicherheiten werden angegeben. Die Devanagari- und IAST-Volltexte geben denselben redaktionellen Sanskritstand wieder.

Vorangestellter Merkvers

śāṭyāyanībrahmavidyākhaṇḍākārasukhākṛti |
yativṛndahṛdāgāraṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||

Ich verehre den Stand Ramachandras, der in den Herzen der Entsagenden wohnt und dessen ungeteilte Glücksgestalt durch die Brahman-Lehre der Shatyayani offenbart wird.

Wort für Wort: śāṭyāyanī-brahmavidyā – Brahman-Lehre der Shatyayani; akhaṇḍa-ākāra-sukha-ākṛti – ungeteilte Gestalt des Glücks; yati-vṛnda-hṛt-āgāram – Wohnstätte in den Herzen der Entsagenden; rāmacandra-padam – Stand Ramachandras; bhaje – ich verehre.

Shanti-Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Wort für Wort: oṃ – Om; pūrṇam – Fülle, vollständig; adaḥ – jenes; idam – dieses; pūrṇāt – aus der Fülle; udacyate – geht hervor; pūrṇasya – der Fülle; pūrṇam ādāya – die Fülle genommen habend; eva – allein, wahrlich; avaśiṣyate – bleibt zurück.

Friedensruf

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort für Wort: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Anrufung

hariḥ oṃ ||

Hari. Om.

Wort für Wort: hariḥ – Hari, Name des Göttlichen; oṃ – Om.

1. Geist, Bindung und Befreiung

mana eva manuṣyāṇāṃ kāraṇaṃ bandhamokṣayoḥ |
bandhāya viṣayāsaktaṃ muktyai nirviṣayaṃ smṛtam || 1 ||

Der Geist allein verursacht Bindung und Befreiung der Menschen. An Sinnesgegenstände geheftet, führt er zur Bindung; frei von Gegenstandsbegehren gilt er als Mittel zur Befreiung.

Wort für Wort: manaḥ eva – Geist allein; manuṣyāṇām – der Menschen; kāraṇam – Ursache; bandha-mokṣayoḥ – von Bindung und Befreiung; bandhāya – zur Bindung; viṣaya-āsaktam – an Gegenständen haftend; muktyai – zur Befreiung; nirviṣayam – ohne Gegenstandsbindung; smṛtam – gilt als.

2. Die Richtung der Aufmerksamkeit

samāsaktaṃ sadā cittaṃ jantorviṣayagocare |
yadyevaṃ brahmaṇi syāttatko na mucyeta bandhanāt || 2 ||

Wäre der Geist eines Menschen so fest auf Brahman gerichtet, wie er gewöhnlich an Sinnesgegenständen hängt, wer würde dann nicht von Bindung frei?

Wort für Wort: samāsaktam – fest anhaftend; sadā – stets; cittam – Geist; jantoḥ – des Lebewesens; viṣaya-gocare – im Bereich der Sinnesgegenstände; yadi evam brahmaṇi syāt – wenn er so auf Brahman gerichtet wäre; kaḥ na mucyeta – wer würde nicht befreit; bandhanāt – von Bindung.

3. Die Reinigung des Geistes

cittameva hi saṃsārastatprayatnena śodhayet |
yaccittastanmayo bhavati guhyametatsanātanam || 3 ||

Der Geist selbst ist Samsara; darum soll man ihn mit Sorgfalt reinigen. Wie der Geist eines Menschen beschaffen ist, so wird er selbst. Dies ist das uralte Geheimnis.

Wort für Wort: cittam eva – der Geist allein; hi – denn; saṃsāraḥ – Kreislauf des Werdens; tat prayatnena śodhayet – ihn soll man mit Mühe reinigen; yat-cittaḥ – von welcher Geistesbeschaffenheit; tat-mayaḥ bhavati – so wird man; guhyam etat – dies ist das Geheimnis; sanātanam – uralt, ewig. Die überlieferte elektronische Lesart „vittam“ wurde nach der Parallelstelle in Maitreya zu „cittam“ berichtigt.

4. Erkenntnis Vasudevas

nāvedavinmanute taṃ bṛhantaṃ nābrahmavitparamaṃ praiti dhāma |
viṣṇukrāntaṃ vāsudevaṃ vijānanvipro vipratvaṃ gacchate tattvadarśī || 4 ||

Ohne Kenntnis des Veda denkt man das Große nicht; ohne Brahman-Erkenntnis erreicht man die höchste Wohnstatt nicht. Wer Vasudeva, den alles durchschreitenden Vishnu, erkennt und die Wahrheit schaut, verwirklicht wahres Brahmanentum.

Wort für Wort: na aveda-vit – kein Veda-Unkundiger; manute – erkennt, denkt; tam bṛhantam – jenes Große; na abrahma-vit – kein Brahman-Unkundiger; paramam dhāma praiti – erreicht höchste Wohnstatt; viṣṇu-krāntam – von Vishnu durchschritten; vāsudevam vijānan – Vasudeva erkennend; vipraḥ – Brahmane; vipratvam gacchate – gelangt zum Brahmanentum; tattva-darśī – Wahrheit schauend.

5. Voraussetzungen des Studiums

athāha yatparamaṃ brahma sanātanaṃ ye śrotriyā akāmahatā adhīyuḥ |
śānto dānta uparatistitikṣuhuryo'nūcāno hyabhijajñau samānaḥ || 5 ||

Das höchste, ewige Brahman studieren Veda-Kenner, die von Begehren nicht getroffen sind. Wer ruhig, selbstbeherrscht, zurückgezogen, geduldig und gelehrt ist, erkennt das Gleichbleibende.

Wort für Wort: at paramam brahma – jenes höchste Brahman; sanātanam – ewig; śrotriyāḥ – Veda-Kenner; akāma-hatāḥ – von Begehren nicht verletzt; adhīyuḥ – studieren; śāntaḥ – ruhig; dāntaḥ – beherrscht; uparatiḥ – zurückgezogen; titikṣuḥ – geduldig; anūcānaḥ – gelehrt; abhijajñau – erkannte; samānaḥ – gleichbleibend.

6. Der letzte Lebensstand

tyakteṣaṇo hyanṛṇastaṃ viditvā maunī vasedāśrame yatra kutra |
athāśramaṃ caramaṃ sampraviśya yathopapattiṃ pañcamātrāṃ dadhānaḥ || 6 ||

Wer Wünsche aufgegeben hat, schuldenfrei geworden ist und es erkannt hat, lebe schweigsam in einem geeigneten Lebensstand. Im letzten Lebensstand trage er nach Möglichkeit die fünf Ausstattungsstücke.

Wort für Wort: tyakta-eṣaṇaḥ – Wünsche aufgegeben; anṛṇaḥ – schuldenfrei; tam viditvā – es erkannt habend; maunī vaset – lebe schweigsam; āśrame yatra kutra – in welchem Lebensstand auch immer; caramam sampraviśya – den letzten betreten; yathā-upapattim – nach Möglichkeit; pañca-mātrām dadhānaḥ – fünf Ausstattungsstücke tragend.

7. Die äußeren Zeichen

tridaṇḍamupavītaṃ ca vāsaḥ kaupīnaveṣṭanam |
śikyaṃ pavitramityetadvibhṛyādyāvadāyuṣam || 7 ||

Dreifachstab, Opferfaden, Kleidung samt Lendentuch, Trageschlinge und Reinigungsfilter soll er sein Leben lang tragen.

Wort für Wort: tridaṇḍam – Dreifachstab; upavītam – Opferfaden; vāsaḥ kaupīna-veṣṭanam – Gewand und Lendentuch; śikyam – Trageschlinge; pavitram – Reinigungsfilter; etat vibhṛyāt – dies soll er tragen; yāvat-āyuṣam – lebenslang.

8. Die fünf Ausstattungsstücke

pañcaitāstu yatermātrāstā mātrā brahmaṇe śrutāḥ |
na tyajedyāvadutkrāntirante'pi nikhanetsaha || 8 ||

Diese fünf gehören dem Entsagenden und sind als auf Brahman bezogen überliefert. Bis zum Fortgang aus dem Leben soll er sie nicht ablegen; am Ende begrabe man sie mit ihm.

Wort für Wort: pañca etāḥ – diese fünf; yateḥ mātrāḥ – Ausstattungsstücke des Entsagenden; brahmaṇe śrutāḥ – für Brahman überliefert; na tyajet – soll nicht ablegen; yāvat utkrāntiḥ – bis zum Fortgang; ante api – auch am Ende; nikhanet saha – begrabe man zusammen mit ihm.

9. Sichtbare und unsichtbare Zeichen

viṣṇuliṅgaṃ dvidhā proktaṃ vyaktamavyaktameva ca |
tayorekamapi tyaktvā patatyeva na saṃśayaḥ || 9 ||

Vishnus Kennzeichen gelten als zweifach: sichtbar und unsichtbar. Wer eines davon aufgibt, fällt nach der Lehre des Textes vom Weg ab.

Wort für Wort: viṣṇu-liṅgam – Kennzeichen Vishnus; dvidhā proktam – zweifach genannt; vyaktam – sichtbar; avyaktam – unsichtbar; tayoḥ ekam api – selbst eines von beiden; tyaktvā – aufgegeben; patati eva – fällt gewiss; na saṃśayaḥ – kein Zweifel.

10. Der Dreifachstab

tridaṇḍaṃ vaiṣṇavaṃ liṅgaṃ viprāṇāṃ muktisādhanam |
nirvāṇaṃ sarvadharmāṇāmiti vedānuśāsanam || 10 ||

Der Dreifachstab ist das Zeichen Vishnus und für die Brahmanen ein Mittel der Befreiung, der Ruhe aller Pflichten. So lautet die Unterweisung des Veda.

Wort für Wort: tridaṇḍam – Dreifachstab; vaiṣṇavam liṅgam – Vishnu-Zeichen; viprāṇām – der Brahmanen; mukti-sādhanam – Befreiungsmittel; nirvāṇam sarva-dharmāṇām – Erlöschen aller Pflichten; iti veda-anuśāsanam – so die Veda-Unterweisung.

11. Vier Arten von Entsagenden

atha khalu saumya kuṭīcako bahūdako haṃsaḥ paramahaṃsa ityete parivrājakāścaturvidhā bhavanti |
sarva ete viṣṇuliṅginaḥ śikhinopavītinaḥ śuddhacittā ātmānamātmanā brahma bhāvayantaḥ śuddhacidrūpopāsanaratā japayamavanto niyamavantaḥ suśīlinaḥ puṇyaślokā bhavanti |
tadetadṛcābhyuktam |
kuṭīcako bahūdakaścāpi haṃsaḥ paramahaṃsa iva vṛttyā ca bhinnāḥ |
sarva ete viṣṇuliṅgaṃ dadhānā vṛttyā vyaktaṃ bahirantaśca nityam |
pañcayajñā vedaśiraḥpraviṣṭāḥ kriyāvanto'mī saṅgatā brahmavidyām |
tyaktvā vṛkṣaṃ vṛkṣamūlaṃ śritāsaḥ saṃnyastapuṣpā rasamevāśnuvānāḥ |
viṣṇukrīḍā viṣṇuratayo vimuktā viṣṇvātmakā viṣṇumevāpiyanti || 11 ||

Lieber, es gibt vier Arten wandernder Entsagender: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa und Paramahamsa. Alle tragen Vishnus Zeichen, Haarknoten und Opferfaden, sind reinen Geistes und betrachten durch das Selbst das Selbst als Brahman. Sie verehren reines Bewusstsein, üben Japa, Yamas und Niyamas und leben tugendhaft. Ein Vers erläutert: Die vier unterscheiden sich in ihrer Lebensweise, tragen aber stets innerlich und äußerlich Vishnus Zeichen. Mit fünf Opfern, im Sinn der Upanishaden handelnd, sind sie der Brahman-Erkenntnis verbunden. Sie lassen den Baum stehen und suchen seine Wurzel auf; die Blüten loslassend, genießen sie den Saft. Ihr Spiel und ihre Freude sind Vishnu; befreit und ihrem Wesen nach Vishnu, gehen sie in Vishnu ein.

Wort für Wort: saumya – Lieber; caturvidhāḥ – vierfach; kuṭīcaka-bahūdaka-haṃsa-paramahaṃsa – vier Entsagertypen; viṣṇu-liṅginaḥ – Vishnus Zeichen tragend; śikhinaḥ upavītinaḥ – mit Haarknoten und Opferfaden; śuddha-cittāḥ – reinen Geistes; ātmānam ātmanā brahma bhāvayantaḥ – durch das Selbst das Selbst als Brahman betrachtend; śuddha-cit-rūpa-upāsana-ratāḥ – Verehrung reinen Bewusstseins hingegeben; japa-yama-niyamavantaḥ – Rezitation und Disziplin übend; suśīlinaḥ – tugendhaft; puṇyaślokāḥ – ruhmvoll; ṛcā abhyuktam – in einem Vers gesagt; vṛttyā bhinnāḥ – in Lebensweise verschieden; bahiḥ antaḥ ca – außen und innen; pañca-yajñāḥ – fünf Opfer vollziehend; veda-śiraḥ-praviṣṭāḥ – in den Gipfel des Veda eingetreten; kriyāvantaḥ – tätig; saṅgatāḥ brahmavidyām – mit Brahman-Erkenntnis verbunden; vṛkṣa-mūlam śritāḥ – an der Baumwurzel Zuflucht suchend; saṃnyasta-puṣpāḥ – Blüten aufgegeben; rasam aśnuvānāḥ – den Saft genießend; viṣṇu-krīḍāḥ viṣṇu-ratayaḥ – Spiel und Freude in Vishnu; vimuktāḥ – befreit; viṣṇu-ātmakāḥ – von Vishnus Wesen; viṣṇum api yanti – gehen zu Vishnu.

12. Die tägliche Ordnung

trisandhyaṃ śaktitaḥ snānaṃ tarpaṇaṃ mārjanaṃ tathā |
upasthānaṃ pañcayajñānkuryādāmaraṇāntikam || 12 ||

Dreimal täglich vollziehe er nach seinen Kräften Bad, Wassergabe, Reinigung und Verehrung; die fünf Opfer halte er bis zum Lebensende aufrecht.

Wort für Wort: tri-sandhyam – an den drei Tagesübergängen; śaktitaḥ – nach Kraft; snānam – Bad; tarpaṇam – Wassergabe; mārjanam – Reinigung; upasthānam – verehrendes Dastehen; pañca-yajñān – fünf Opfer; kuryāt – vollziehe; ā-maraṇa-antikam – bis zum Tod.

13. Das Rezitationsopfer

daśabhiḥ praṇavaiḥ saptavyāhṛtibhiścatuṣpadā |
gāyatrījapayajñaśca trisandhyaṃ śirasā saha || 13 ||

Das Opfer der Gayatri-Rezitation wird dreimal täglich mit zehn Om, den sieben Vyahritis, der vierfüßigen Gayatri und ihrem Schluss vollzogen.

Wort für Wort: daśabhiḥ praṇavaiḥ – mit zehn Om; sapta-vyāhṛtibhiḥ – mit sieben heiligen Weltanrufen; catuṣpadā – mit der vierfüßigen; gāyatrī-japa-yajñaḥ – Opfer der Gayatri-Rezitation; tri-sandhyam – dreimal täglich; śirasā saha – zusammen mit dem Kopf- beziehungsweise Schlussmantra.

14. Yoga und Gewaltlosigkeit als Opfer

yogayajñaḥ sadaikāgrabhaktyā sevā harerguroḥ |
ahiṃsā tu tapoyajño vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ || 14 ||

Das Yoga-Opfer ist der Dienst an Hari und am Guru in ungeteilter Hingabe. Gewaltlosigkeit in Sprache, Gedanken und körperlichem Handeln ist das Opfer der Askese.

Wort für Wort: yoga-yajñaḥ – Yoga-Opfer; sadā ekāgra-bhaktyā – stets mit einspitziger Hingabe; sevā hareḥ guroḥ – Dienst an Hari und Guru; ahiṃsā – Nichtverletzen; tapaḥ-yajñaḥ – Opfer der Askese; vāk-manaḥ-kāya-karmabhiḥ – in Worten, Gedanken und Körperhandlungen.

15. Studium und innere Darbringung

nānopaniṣadabhyāsaḥ svādhyāyo yajña īritaḥ |
oṃityātmānamavyagro brahmaṇyagnā juhoti yat || 15 ||

Das fortgesetzte Studium verschiedener Upanishaden heißt Opfer des Selbststudiums. Wenn man unzerstreut mit Om das eigene Selbst ins Feuer Brahmans darbringt …

Wort für Wort: nānā-upaniṣad-abhyāsaḥ – Übung verschiedener Upanishaden; svādhyāyaḥ yajñaḥ īritaḥ – als Selbststudiumsopfer bezeichnet; oṃ iti – mit Om; ātmānam – das Selbst; avyagraḥ – unzerstreut; brahmaṇi agnau – im Feuer Brahmans; juhoti – opfert; yat – wenn.

16. Das Erkenntnisopfer

jñānayajñaḥ sa vijñeyaḥ sarvayajñottamottamaḥ |
jñānadaṇḍā jñānaśikhā jñānayajñopavītinaḥ || 16 ||

… ist dies als Erkenntnisopfer zu verstehen, das höchste aller Opfer. Erkenntnis ist ihr Stab, Erkenntnis ihr Haarknoten und Erkenntnis ihr Opferfaden.

Wort für Wort: jñāna-yajñaḥ – Erkenntnisopfer; sa vijñeyaḥ – als dieses zu verstehen; sarva-yajña-uttama-uttamaḥ – höchstes aller Opfer; jñāna-daṇḍāḥ – Erkenntnis als Stab; jñāna-śikhāḥ – Erkenntnis als Haarknoten; jñāna-yajñopavītinaḥ – Erkenntnis als Opferfaden tragend.

17. Das innere Brahmanentum

śikhā jñānamayī yasya upavītaṃ ca tanmayam |
brāhmaṇyaṃ sakalaṃ tasya iti vedānuśāsanam || 17 ||

Wessen Haarknoten aus Erkenntnis besteht und dessen Opferfaden ebenso, dessen Brahmanentum ist vollständig. So lautet die Veda-Unterweisung.

Wort für Wort: śikhā – Haarknoten; jñānamayī – aus Erkenntnis; yasya – wessen; upavītam – Opferfaden; tat-mayam – daraus bestehend; brāhmaṇyam sakalam tasya – dessen Brahmanentum ist vollständig; iti veda-anuśāsanam – so die Veda-Unterweisung.

18. Gelassenheit des Wandernden

atha khalu saumyeta parivrājakā yathā prādurbhavanti tathā bhavanti |
kāmakrodhalobhamohadambhadarpāsūyāmamatvāhaṅkārādīṃstitīrya mānāvamānau nindāstutī ca varjayitvā vṛkṣa iva tiṣṭhāset |
chidyamāno na brūyāt |
tadaivaṃ vidvāṃsa ihaivāmṛtā bhavanti |
tadetadṛcābhyuktam |
bandhuputramanumodayitvānavekṣyamāṇo dvandvasahaḥ praśāntaḥ |
prācīmudīciṃ vā nirvartayaṃścareta pātrī daṇḍī yugamātrāvalokī |
śikhī muṇḍī copavītī kuṭumbī yātrāmātraṃ pratigṛhṇanmanuṣyāt || 18 ||

Lieber, diese Entsagenden sind so, wie sie sich zeigen. Sie überschreiten Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Heuchelei, Stolz, Missgunst, Besitzgefühl und Ich-Anmaßung. Ehre und Schmach, Tadel und Lob lassen sie zurück und stehen fest wie ein Baum; selbst wenn sie verletzt werden, erwidern sie nichts. So werden die Wissenden schon hier unsterblich. Ein Vers sagt: Nach dem Einvernehmen mit Angehörigen und Kindern schaut er nicht zurück, trägt Gegensätze geduldig und zieht friedvoll nach Osten oder Norden. Mit Schale und Stab blickt er eine Jochlänge voraus. Mit Haarknoten und sonst geschorenem Kopf, mit Opferfaden und seiner kleinen Ausstattung nimmt er von Menschen nur den Lebensbedarf an.

Wort für Wort: kāma-krodha-lobha-moha – Begehren, Zorn, Gier, Verblendung; dambha-darpa-asūyā – Heuchelei, Stolz, Missgunst; mamatva-ahaṅkāra – Mein- und Ich-Anmaßung; titīrya – überschritten habend; māna-avamānau – Ehre und Schmach; nindā-stutī – Tadel und Lob; varjayitvā – abgelegt; vṛkṣaḥ iva tiṣṭhāset – stehe wie ein Baum; chidyamānaḥ na brūyāt – verletzt soll er nichts sagen; iha eva amṛtāḥ – schon hier unsterblich; bandhu-putram anumodayitvā – Angehörige und Sohn einverstanden gemacht; anavekṣyamāṇaḥ – ohne zurückzublicken; dvandva-sahaḥ – Gegensätze ertragend; praśāntaḥ – friedvoll; prācīm udīcīm vā – nach Osten oder Norden; pātrī daṇḍī – mit Schale und Stab; yuga-mātra-avalokī – eine Jochlänge vorausblickend; śikhī muṇḍī upavītī – mit Haarknoten, geschoren und mit Faden; kuṭumbī – mit kleiner Ausstattung; yātrā-mātram pratigṛhṇan – nur Lebensbedarf annehmend.

19. Speise und Kleidung

ayācitaṃ yācitaṃ vota bhaikṣaṃ mṛddārvalābūphalaparṇapātram |
kṣīṇaṃ kṣaumaṃ tṛṇaṃ kanthājine ca parṇamācchādanaṃ syādahataṃ vā vimuktaḥ || 19 ||

Ob ungebeten oder erbeten, Almosen genügen ihm. Als Gefäß dienen Erde, Holz, Kürbis, Fruchtschale oder Blätter; als Kleidung abgetragenes Leinen, Gras, Flickengewand, Fell, Blätter oder ungetragenes Tuch.

Wort für Wort: ayācitam yācitam vā – ungebeten oder erbeten; bhaikṣam – Almosen; mṛt-dāru-alābū-phala-parṇa-pātram – Gefäß aus Erde, Holz, Kürbis, Fruchtschale oder Blatt; kṣīṇam kṣaumam – abgetragenes Leinen; tṛṇam – Gras; kanthā-ajine – Flickengewand und Fell; parṇam – Blatt; ācchādanam – Bedeckung; ahatam vā – oder neues, ungetragenes Tuch; vimuktaḥ – der Freie.

20. Jahresrhythmus

ṛtusandhau muṇḍayenmuṇḍamātraṃ nādho nākṣaṃ jātu śikhāṃ na vāpayet |
caturo māsāndhruvaśīlataḥ syātsa yāvatsupto'ntarātmā puruṣo viśvarūpaḥ |
anyānathāṣṭau punarutthite'sminsvakarmalipsurviharedvā vasedvā || 20 ||

Beim Wechsel der Jahreszeit schere er nur den Kopf, niemals die unteren Körperpartien, Achseln oder den Haarknoten. Vier Monate bleibe er beständig an einem Ort, solange der allgestaltige innere Purusha schläft. In den übrigen acht Monaten, wenn dieser wieder erwacht ist, wandere oder verweile er seiner eigenen Aufgabe entsprechend.

Wort für Wort: ṛtu-sandhau – am Jahreszeitenwechsel; muṇḍayet muṇḍa-mātram – schere nur den Kopf; na adhaḥ na akṣam – nicht unten, nicht die Achsel; śikhām na vāpayet – schere nicht den Haarknoten; caturaḥ māsān – vier Monate; dhruva-śīlataḥ – beständig; yāvat suptaḥ – solange schlafend; antarātmā puruṣaḥ viśvarūpaḥ – innerer allgestaltiger Purusha; anyān aṣṭau – die übrigen acht; punaḥ utthite – wieder aufgestanden; sva-karma-lipsuḥ – die eigene Aufgabe erfüllen wollend; viharet vā vaset vā – wandere oder bleibe.

21. Ein friedvoller Aufenthalt

devāgnyagāre tarumūle guhāyāṃ vasedasaṅgo'lakṣitaśīlavṛttaḥ |
anindhano jyotirivopaśānto na codvijedudvijedyatra kutra || 21 ||

Im Tempel, Feuerhaus, unter einem Baum oder in einer Höhle lebe er ohne Anhaftung und ohne seine Lebensweise zur Schau zu stellen. Still wie ein Feuer ohne Brennstoff soll er nirgends erschrecken oder andere erschrecken.

Wort für Wort: deva-agni-agāre – Tempel oder Feuerhaus; taru-mūle – Baumwurzel; guhāyām – Höhle; vaset – lebe; asaṅgaḥ – ungebunden; alakṣita-śīla-vṛttaḥ – mit unauffälligem Wandel; anindhanaḥ jyotiḥ iva – wie Feuer ohne Brennstoff; upaśāntaḥ – still; na udvijet – soll nicht erschrecken; udvijet – hier in gestörter Fügung wohl: andere erschrecken; yatra kutra – irgendwo.

22. Die Frage nach dem Begehren

ātmānaṃ cedvijānīyādayamasmīti pūruṣaḥ |
kimicchankasya kāmāya śarīramanusaṃjvaret || 22 ||

Wenn ein Mensch das Selbst als „Dieses bin ich“ erkannt hat, welchen Wunsch und wessen Begehren sollte er noch verfolgen, sodass er um den Körper leidet?

Wort für Wort: ātmānam cet vijānīyāt – wenn er das Selbst erkennte; ayam asmi iti – dieses bin ich; pūruṣaḥ – Mensch; kim icchan – was wünschend; kasya kāmāya – um wessen Begehren; śarīram anusaṃjvaret – sollte er um den Körper leiden.

23. Wenige Worte, klare Erkenntnis

tameva dhīro vijñāya prajñāṃ kurvīta brāhmaṇaḥ |
nānudhyāyādbahūñchabdānvāco viglāpanaṃ hi tat || 23 ||

Der Weise erkenne allein dieses und festige seine Einsicht. Er denke nicht endlos über viele Worte nach, denn das ermüdet nur die Sprache.

Wort für Wort: tam eva – allein dieses; dhīraḥ vijñāya – der Weise erkannt habend; prajñām kurvīta – festige Einsicht; brāhmaṇaḥ – Brahmane; na anudhyāyāt bahūn śabdān – nicht über viele Worte nachsinnen; vācaḥ viglāpanam – Ermüdung der Sprache; hi tat – denn dies ist es.

24. Schlichtheit und Weisheit

bālyenaiva hi tiṣṭhāsennirvidya brahmavedanam |
brahmavidyā ca bālyaṃ ca nirvidya munirātmavān || 24 ||

Nachdem man bloße Gelehrsamkeit über Brahman durchschaut hat, lebe man in kindlicher Schlichtheit. Auch Wissen und Schlichtheit überschreitend, werde man ein im Selbst ruhender Weiser.

Wort für Wort: bālyena eva tiṣṭhāset – lebe in kindlicher Schlichtheit; nirvidya – durchschaut, hinter sich gelassen; brahma-vedanam – Brahman-Gelehrsamkeit; brahmavidyām ca bālyam ca – Wissen und Kindlichkeit; muniḥ – Weiser; ātmavān – im Selbst ruhend.

25. Das Ende des Begehrens

yadā sarve pramucyante kāmā ye'sya hṛdi śritāḥ |
atha martyo'mṛto bhavatyatra brahma samaśnute || 25 ||

Wenn alle im Herzen wohnenden Wünsche sich lösen, wird der Sterbliche unsterblich; schon hier erlangt er Brahman.

Wort für Wort: yadā – wenn; sarve pramucyante kāmāḥ – alle Wünsche sich lösen; ye asya hṛdi śritāḥ – die in seinem Herzen wohnen; atha – dann; martyaḥ amṛtaḥ bhavati – Sterblicher wird unsterblich; atra – hier; brahma samaśnute – erlangt Brahman.

26. Die Bindung an das Gelübde

atha khalu saumyedaṃ parivrājyaṃ naiṣṭhikamātmadharmaṃ yo vijahāti sa vīrahā bhavati |
sa brahmahā bhavati |
sa bhrūṇahā bhavati |
sa mahāpātakī bhavati |
ya imāṃ vaiṣṇavīṃ niṣṭhāṃ parityajyati |
sa steno bhavati |
sa gurutalpago bhavati |
sa mitradhrugbhavati |
sa kṛtaghno bhavati |
sa sarvasmāllokātpracyuto bhavati |
tadetadṛcābhyuktam |
stenaḥ surāpo gurutalpagāmī mitradhrugete niṣkṛteryānti śuddhim |
vyaktamavyaktaṃ vā vidhṛtaṃ viṣṇuliṅgaṃ tyajanna śuddhyedakhilairātmabhāsā || 26 ||

Lieber, wer diese endgültige Entsagung, die eigene ewige Ordnung, verlässt, wird im strengen Urteil des Textes einem Heldenmörder, Brahmanenmörder, Kindsmörder und schweren Sünder gleichgestellt. Wer den vishnuitischen Stand aufgibt, gilt als Dieb, Schänder des Lehrerbettes, Freundesverräter und Undankbarer, der aus allen Welten fällt. Der folgende Vers erklärt: Für Diebe, Trinker, Schänder des Lehrerbettes und Freundesverräter gibt es Sühne; für das Ablegen des inneren oder äußeren Vishnu-Zeichens wird sie hier verneint.

Wort für Wort: pārivrājyam naiṣṭhikam – endgültiger Entsagungsstand; ātma-dharmam – eigene wesentliche Ordnung; vijahāti – verlässt; vīra-hā brahma-hā bhrūṇa-hā – Helden-, Brahmanen-, Embryo- beziehungsweise Kindsmörder; mahā-pātakī – schwerer Sünder; vaiṣṇavīm niṣṭhām parityajati – vishnuitischen Stand aufgibt; stenaḥ – Dieb; gurutalpagaḥ – Schänder des Lehrerbettes; mitra-dhruk – Freundesverräter; kṛtaghnaḥ – Undankbarer; sarvasmāt lokāt pracyutaḥ – aus allen Welten gefallen; niṣkṛteḥ śuddhim yānti – durch Sühne gereinigt; vyaktam avyaktam vā viṣṇu-liṅgam – sichtbares oder unsichtbares Vishnu-Zeichen; tyajan na śuddhyet – wer es ablegt, werde nicht gereinigt; ātma-bhāsā – durch Selbstlicht, Schlussfügung unsicher.

27. Rückkehr in frühere Lebensstände

tyaktvā viṣṇorliṅgamantarbahirvā yaḥ svāśramaṃ sevate'nāśramaṃ vā |
pratyapattiṃ bhajate vātimūḍho naiṣāṃ gatiḥ kalpakoṭyāpi dṛṣṭā || 27 ||

Wer Vishnus inneres oder äußeres Zeichen aufgibt, in einen früheren Lebensstand zurückkehrt oder außerhalb jeder Ordnung lebt, dem wird hier selbst nach unzähligen Weltaltern kein befreiendes Ziel zugesprochen.

Wort für Wort: tyaktvā – aufgegeben; viṣṇoḥ liṅgam antar bahiḥ vā – Vishnus inneres oder äußeres Zeichen; svāśramam sevate – früherem Lebensstand folgt; anāśramam vā – oder keinem Lebensstand; pratyāpattim bhajate – zurückkehrt; ati-mūḍhaḥ – äußerst verblendet; na eṣām gatiḥ – für diese kein Ziel; kalpa-koṭyā api – selbst nach Millionen Weltaltern; dṛṣṭā – gesehen.

28. Der Befreiungsstand

tyaktvā sarvāśramāndhīro vasenmokṣāśrame ciram |
mokṣāśramātparibhraṣṭo na gatistasya vidyate || 28 ||

Der Weise lasse alle anderen Lebensstände zurück und verweile dauerhaft im Stand der Befreiung. Wer davon abfällt, hat nach dieser Lehre keinen weiteren Weg.

Wort für Wort: tyaktvā sarva-āśramān – alle Lebensstände aufgegeben; dhīraḥ – Weiser; vaset – verweile; mokṣa-āśrame – im Befreiungsstand; ciram – lange; paribhraṣṭaḥ – abgefallen; na gatiḥ tasya vidyate – für ihn gibt es keinen Weg.

29. Aufstieg und Abfall

pārivrājyaṃ gṛhītvā tu yaḥ svadharme na tiṣṭhati |
tamārūḍhacyutaṃ vidyāditi vedānuśāsanam || 29 ||

Wer die Entsagung angenommen hat und doch nicht in ihrer Ordnung bleibt, heißt einer, der nach dem Aufstieg gefallen ist. So lehrt der Veda.

Wort für Wort: pārivrājyam gṛhītvā – Entsagung angenommen; yaḥ sva-dharme na tiṣṭhati – wer nicht in eigener Ordnung bleibt; tam ārūḍha-cyutam vidyāt – diesen erkenne als nach dem Aufstieg Gefallenen; iti veda-anuśāsanam – so die Veda-Unterweisung.

30. Frucht der Treue

atha khalu saumyemaṃ sanātanamātmadharmaṃ vaiṣṇavīṃ niṣṭhāṃ labdhvā yastāmadūṣayanvartate sa vaśī bhavati |
sa puṇyaśloko bhavati |
sa lokajño bhavati |
sa vedāntajño bhavati |
sa brahmajño bhavati |
sa sarvajño bhavati |
sa svarāḍ bhavati |
sa paraṃ brahma bhagavantamāpnoti |
sa pitṝnsambandhino bāndhavānsuhṛdo mitrāṇi ca bhavāduttarayati |
tadetadṛcābhyuktam |
śataṃ kulānāṃ prathamaṃ babhūva tathā parāṇāṃ triśataṃ samagram |
ete bhavanti sukṛtasya loke yeṣaṃ kule saṃnyasatīha vidvān || 30 ||

Lieber, wer diese ewige Ordnung und vishnuitische Festigkeit erlangt und unversehrt bewahrt, wird selbstbeherrscht, geachtet, weltkundig, Vedanta-Kenner, Brahman-Kenner, allwissend und selbstherrlich. Er erreicht das höchste Brahman, den Herrn, und führt Ahnen, Verwandte, Angehörige, Wohlgesinnte und Freunde über das Werden hinaus. Der Vers verheißt hundert vorangegangenen und dreihundert folgenden Familienlinien Anteil an der Welt des verdienstvollen Entsagenden.

Wort für Wort: sanātanam ātma-dharmam – ewige eigene Ordnung; vaiṣṇavīm niṣṭhām labdhvā – vishnuitische Festigkeit erlangt; adūṣayan vartate – unbeschädigt bewahrt; vaśī – selbstbeherrscht; puṇyaślokaḥ – geachtet; lokajñaḥ – weltkundig; vedāntajñaḥ brahmajñaḥ sarvajñaḥ – Vedanta-, Brahman- und Allkenner; svarāṭ – selbstherrlich; param brahma bhagavantam āpnoti – erreicht höchstes Brahman, den Herrn; pitṝn sambandhinaḥ bāndhavān suhṛdaḥ mitrāṇi – Ahnen, Verwandte, Angehörige, Wohlgesinnte, Freunde; bhavāt uttārayati – führt über das Werden; śatam kulānām prathamam – hundert frühere Familienlinien; parāṇām triśatam – dreihundert spätere; sukṛtasya loke – in der Welt des Verdienstvollen.

31. Eine weitere Ahnenverheißung

triṃśatparāstriṃśadaparāṃstriṃśacca parataḥ parān |
uttarayati dharmiṣṭhaḥ parivrāḍiti vai śrutiḥ || 31 ||

Dreißig frühere, dreißig spätere und weitere dreißig fernerstehende Generationen führt der rechtschaffene Wanderasket hinüber – so lautet eine weitere Überlieferung.

Wort für Wort: triṃśat parāḥ – dreißig spätere; triṃśat aparān – dreißig frühere; triṃśat parataḥ parān – dreißig noch weiter entfernte; uttārayati – führt hinüber; dharmiṣṭhaḥ – rechtschaffenster; parivrāṭ – Wanderasket; iti vai śrutiḥ – so die Offenbarung.

32. Entsagung am Lebensende

saṃnyastamiti yo brūyātkaṇṭhasthaprāṇavānapi |
tāritāḥ pitarastena iti vedānuśāsanam || 32 ||

Selbst wer sagt „Ich habe entsagt“, während sein Lebenshauch schon in der Kehle steht, führt dadurch nach der Veda-Unterweisung seine Ahnen hinüber.

Wort für Wort: saṃnyastam iti – „entsagt ist“; yaḥ brūyāt – wer sagt; kaṇṭha-stha-prāṇavān api – selbst wenn der Lebenshauch in der Kehle steht; tāritāḥ pitaraḥ tena – durch ihn sind die Ahnen hinübergeführt; iti veda-anuśāsanam – so die Veda-Unterweisung.

33. Verantwortung für die Weitergabe

atha khalu saumyemaṃ sanātanamātmadharmaṃ vaiṣṇavīṃ niṣṭhāṃ nāsamāpya prabrūyāt |
nānūcānāya nānātmavide nāvītarāgāya nāviśuddhāya nānupasannāya nāprayatamānasāyeti ha smāhuḥ |
tadetadṛcābhyuktam |
vidyā ha vai brāhmaṇamājagāma gopāya māṃ śevadhiṣṭe'hamasmi |
asūyakāyānṛjave śaṭhāya mā mā brūyā vīryavatī tathā syām || 33 ||

Lieber, diese ewige innere Ordnung und vishnuitische Festigkeit soll man erst weitergeben, wenn man sie selbst vollendet hat: nicht an einen Unbelehrten, Selbst-Unkundigen, Leidenschaftlichen, Unreinen, nicht Herangetretenen oder Unachtsamen. Das Wissen selbst sprach einst zum Brahmanen: „Hüte mich; ich bin dein Schatz. Gib mich nicht einem Missgünstigen, Unaufrichtigen oder Hinterlistigen; so bleibe ich kraftvoll.“

Wort für Wort: na asamāpya prabrūyāt – nicht ohne Vollendung verkünden; ananūcānāya – dem Unbelehrten; anātmavide – dem Selbst-Unkundigen; avītarāgāya – dem Leidenschaftlichen; aviśuddhāya – dem Unreinen; anupasannāya – dem nicht herangetretenen Schüler; aprayata-mānasāya – dem ungeordneten Geist; vidyā brāhmaṇam ājagāma – Wissen kam zum Brahmanen; gopāya mām – hüte mich; śevadhiḥ te aham asmi – ich bin dein Schatz; asūyakāya – Missgünstigen; anṛjave – Unaufrichtigen; śaṭhāya – Hinterlistigen; mā mām brūyāḥ – verkünde mich nicht; vīryavatī syām – möge ich kraftvoll sein.

34. Der geeignete Empfänger

yameva vidyāśrutamapramattaṃ medhāvinaṃ brahmacaryopapannam |
asmā imāmupasannāya samyak parīkṣya dadyādvaiṣṇavīmātmaniṣṭhām || 34 ||

Diese vishnuitische Verankerung im Selbst gebe man einem Schüler, den man als gelehrt, aufmerksam, verständig und im Brahmacharya gefestigt erkannt hat, nachdem er richtig herangetreten und sorgfältig geprüft worden ist.

Wort für Wort: yam vidyā-śrutam – wen man als gelehrt kennt; apramattam – aufmerksam; medhāvinam – verständig; brahmacarya-upapannam – mit Brahmacharya versehen; asmai – ihm; imām – diese; upasannāya – dem Herangetretenen; samyak parīkṣya – gründlich geprüft habend; dadyāt – gebe man; vaiṣṇavīm ātma-niṣṭhām – vishnuitische Verankerung im Selbst.

35. Achtung vor dem Lehrer

adhyāpitā ye guruṃ nādriyante viprā vācā manasā karmaṇā vā |
yathaiva tena na gururbhojanīyastathaiva cānaṃ na bhunakti śrutaṃ tat || 35 ||

Wenn Unterwiesene ihren Lehrer weder mit Worten, Gedanken noch Taten achten, nährt das Gehörte sie nicht. Die mittlere Wendung über das Ernähren des Lehrers ist sprachlich beschädigt; sie verbindet Lernen mit erwiderter Fürsorge.

Wort für Wort: adhyāpitāḥ – Unterwiesene; ye gurum na ādriyante – die den Lehrer nicht achten; vācā manasā karmaṇā vā – mit Wort, Geist oder Tat; guruḥ bhojanīyaḥ – Lehrer soll gespeist werden; na bhunakti – nährt nicht; śrutam tat – jenes Gehörte.

36. Der Guru und die Bewahrung des Wissens

gurureva paro dharmo gurureva parā gatiḥ |
ekākṣarapradātāraṃ yo guruṃ nābhinandati |
tasya śrutaṃ tathā jñānaṃ sravatyāmaghaṭāmbuvat || 36 ||

Der Guru ist die höchste Orientierung und der höchste Zugang zum Ziel. Wer einen Lehrer nicht würdigt, der ihm auch nur eine Silbe vermittelt hat, dessen Lernen und Wissen versickern wie Wasser aus einem ungebrannten Gefäß.

Wort für Wort: guruḥ eva – der Guru allein; paraḥ dharmaḥ – höchste Ordnung; parā gatiḥ – höchster Weg; eka-akṣara-pradātāram – Geber selbst einer Silbe; na abhinandati – würdigt nicht; tasya śrutam jñānam ca – dessen Lernen und Wissen; sravati – versickert; āma-ghaṭa-ambu-vat – wie Wasser aus ungebranntem Krug.

37. Hingabe an Gott und Guru

yasya deve parā bhaktiryathā deve tathā gurau |
sa brahmavitparaṃ preyāditi vedānuśāsanam || 37 ||

Wer höchste Hingabe an Gott und ebenso an den Guru besitzt, erkennt Brahman und gelangt zum Höchsten. So lautet die Unterweisung des Veda.

Wort für Wort: yasya deve parā bhaktiḥ – wessen Hingabe an Gott höchst ist; yathā deve tathā gurau – wie an Gott, so an den Guru; sa brahma-vit – dieser Brahman-Kenner; param preyāt – möge zum Höchsten gelangen; iti veda-anuśāsanam – so die Veda-Unterweisung.

Schlussformel

ityupaniṣat ||

So lautet die Upanishad.

Wort für Wort: iti – so; upaniṣat – Upanishad, geheime Unterweisung.

Shanti-Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Wort für Wort: oṃ – Om; pūrṇam – Fülle, vollständig; adaḥ – jenes; idam – dieses; pūrṇāt – aus der Fülle; udacyate – geht hervor; pūrṇasya – der Fülle; pūrṇam ādāya – die Fülle genommen habend; eva – allein, wahrlich; avaśiṣyate – bleibt zurück.

Friedensruf

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden. Hari. Om. Das ist die Wirklichkeit.

Wort für Wort: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal. hariḥ – Hari; tat – das; sat – seiend, Wirklichkeit.

Schlussvermerk

iti śāṭyāyanīyopaniṣatsamāptā ||

Hier endet die Shatyayaniya Upanishad.

Wort für Wort: iti – so, hiermit; śāṭyāyanīyopaniṣat – Shatyayaniya Upanishad; samāptā – beendet.

Datierung, Inhalt und Bedeutung

Überlieferung und Datierung

Die Shatyayaniya Upanishad gehört zur Sannyasa-Literatur und besitzt eine deutlich vishnuitische Ausrichtung. Diese Verbindung prägt ihre Aussagen über Verehrung, Kennzeichen und die Pflichten des Entsagenden. Eine sichere Datierung wird hier nicht aus der traditionellen Veda-Zuordnung abgeleitet. Dafür wären unabhängige Zeugnisse und der Vergleich mehrerer Textfassungen nötig.

Geist, Verehrung und Lebensführung

Am Anfang stehen Aussagen über den Geist als Ursache von Bindung und Befreiung. Erkenntnis und Loslösung verlangen eine gereinigte Ausrichtung. Die Gottesverehrung ist dabei kein beiläufiger Zusatz: Die Hinwendung zu Vishnu gehört zum dargestellten Weg. Der Text verbindet innere Sammlung mit konkreten Regeln des täglichen Lebens.

Weitere Abschnitte behandeln Stab, heilige Schnur, äußere Ordnung, Nahrung und die Pflichten eines Entsagenden. Die Haltung zu diesen Zeichen ist nicht mit jeder anderen Sannyasa Upanishad identisch. Wo etwa eine andere Schrift das Ablegen eines Zeichens fordert, kann diese Fassung dessen Beibehaltung oder angemessenen Gebrauch betonen. Diese Vielfalt sollte beim Vergleich sichtbar bleiben.

Die Vorschriften warnen vor einer bloß nominellen Entsagung. Äußere Lebensform, Verhalten und innere Absicht sollen einander entsprechen. Die abschließenden Verse und Aussagen über Erkenntnis sind deshalb im Zusammenhang mit der gesamten religiösen Disziplin zu lesen.

Bedeutung heute

Der Text bietet ein wichtiges Gegengewicht zu der Vorstellung, alle Entsagungsschriften verträten dieselben äußeren Regeln oder dieselbe philosophische Formulierung. Für heutige Praxis kann er anregen, die Bedeutung eigener Gewohnheiten und Symbole zu prüfen. Regelmäßigkeit, Hingabe, Selbstbeherrschung und Wahrhaftigkeit sind dabei zentrale Fragen. Die vorliegende Übersetzung glättet Unterschiede zu anderen Upanishaden nicht weg. Eine offenkundig verdorbene Lesung im Lehrsatz über den Geist wird als redaktionelle Korrektur kenntlich gemacht.

Vollständiger Text in Devanagari

शाट्यायनीब्रह्मविद्याखण्डाकारसुखाकृति ।
यतिवृन्दहृदागारं रामचन्द्रपदं भजे ॥

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

हरिः ॐ ॥

मन एव मनुष्याणां कारणं बन्धमोक्षयोः ।
बन्धाय विषयासक्तं मुक्त्यै निर्विषयं स्मृतम् ॥ १ ॥

समासक्तं सदा चित्तं जन्तोर्विषयगोचरे ।
यद्येवं ब्रह्मणि स्यात्तत्को न मुच्येत बन्धनात् ॥ २ ॥

चित्तमेव हि संसारस्तत्प्रयत्नेन शोधयेत् ।
यच्चित्तस्तन्मयो भवति गुह्यमेतत्सनातनम् ॥ ३ ॥

नावेदविन्मनुते तं बृहन्तं नाब्रह्मवित्परमं प्रैति धाम ।
विष्णुक्रान्तं वासुदेवं विजानन्विप्रो विप्रत्वं गच्छते तत्त्वदर्शी ॥ ४ ॥

अथाह यत्परमं ब्रह्म सनातनं ये श्रोत्रिया अकामहता अधीयुः ।
शान्तो दान्त उपरतिस्तितिक्षुहुर्योऽनूचानो ह्यभिजज्ञौ समानः ॥ ५ ॥

त्यक्तेषणो ह्यनृणस्तं विदित्वा मौनी वसेदाश्रमे यत्र कुत्र ।
अथाश्रमं चरमं सम्प्रविश्य यथोपपत्तिं पञ्चमात्रां दधानः ॥ ६ ॥

त्रिदण्डमुपवीतं च वासः कौपीनवेष्टनम् ।
शिक्यं पवित्रमित्येतद्विभृयाद्यावदायुषम् ॥ ७ ॥

पञ्चैतास्तु यतेर्मात्रास्ता मात्रा ब्रह्मणे श्रुताः ।
न त्यजेद्यावदुत्क्रान्तिरन्तेऽपि निखनेत्सह ॥ ८ ॥

विष्णुलिङ्गं द्विधा प्रोक्तं व्यक्तमव्यक्तमेव च ।
तयोरेकमपि त्यक्त्वा पतत्येव न संशयः ॥ ९ ॥

त्रिदण्डं वैष्णवं लिङ्गं विप्राणां मुक्तिसाधनम् ।
निर्वाणं सर्वधर्माणामिति वेदानुशासनम् ॥ १० ॥

अथ खलु सौम्य कुटीचको बहूदको हंसः परमहंस इत्येते परिव्राजकाश्चतुर्विधा भवन्ति ।
सर्व एते विष्णुलिङ्गिनः शिखिनोपवीतिनः शुद्धचित्ता आत्मानमात्मना ब्रह्म भावयन्तः शुद्धचिद्रूपोपासनरता जपयमवन्तो नियमवन्तः सुशीलिनः पुण्यश्लोका भवन्ति ।
तदेतदृचाभ्युक्तम् ।
कुटीचको बहूदकश्चापि हंसः परमहंस इव वृत्त्या च भिन्नाः ।
सर्व एते विष्णुलिङ्गं दधाना वृत्त्या व्यक्तं बहिरन्तश्च नित्यम् ।
पञ्चयज्ञा वेदशिरःप्रविष्टाः क्रियावन्तोऽमी सङ्गता ब्रह्मविद्याम् ।
त्यक्त्वा वृक्षं वृक्षमूलं श्रितासः संन्यस्तपुष्पा रसमेवाश्नुवानाः ।
विष्णुक्रीडा विष्णुरतयो विमुक्ता विष्ण्वात्मका विष्णुमेवापियन्ति ॥ ११ ॥

त्रिसन्ध्यं शक्तितः स्नानं तर्पणं मार्जनं तथा ।
उपस्थानं पञ्चयज्ञान्कुर्यादामरणान्तिकम् ॥ १२ ॥

दशभिः प्रणवैः सप्तव्याहृतिभिश्चतुष्पदा ।
गायत्रीजपयज्ञश्च त्रिसन्ध्यं शिरसा सह ॥ १३ ॥

योगयज्ञः सदैकाग्रभक्त्या सेवा हरेर्गुरोः ।
अहिंसा तु तपोयज्ञो वाङ्मनःकायकर्मभिः ॥ १४ ॥

नानोपनिषदभ्यासः स्वाध्यायो यज्ञ ईरितः ।
ओंइत्यात्मानमव्यग्रो ब्रह्मण्यग्ना जुहोति यत् ॥ १५ ॥

ज्ञानयज्ञः स विज्ञेयः सर्वयज्ञोत्तमोत्तमः ।
ज्ञानदण्डा ज्ञानशिखा ज्ञानयज्ञोपवीतिनः ॥ १६ ॥

शिखा ज्ञानमयी यस्य उपवीतं च तन्मयम् ।
ब्राह्मण्यं सकलं तस्य इति वेदानुशासनम् ॥ १७ ॥

अथ खलु सौम्येत परिव्राजका यथा प्रादुर्भवन्ति तथा भवन्ति ।
कामक्रोधलोभमोहदम्भदर्पासूयाममत्वाहङ्कारादींस्तितीर्य मानावमानौ निन्दास्तुती च वर्जयित्वा वृक्ष इव तिष्ठासेत् ।
छिद्यमानो न ब्रूयात् ।
तदैवं विद्वांस इहैवामृता भवन्ति ।
तदेतदृचाभ्युक्तम् ।
बन्धुपुत्रमनुमोदयित्वानवेक्ष्यमाणो द्वन्द्वसहः प्रशान्तः ।
प्राचीमुदीचिं वा निर्वर्तयंश्चरेत पात्री दण्डी युगमात्रावलोकी ।
शिखी मुण्डी चोपवीती कुटुम्बी यात्रामात्रं प्रतिगृह्णन्मनुष्यात् ॥ १८ ॥

अयाचितं याचितं वोत भैक्षं मृद्दार्वलाबूफलपर्णपात्रम् ।
क्षीणं क्षौमं तृणं कन्थाजिने च पर्णमाच्छादनं स्यादहतं वा विमुक्तः ॥ १९ ॥

ऋतुसन्धौ मुण्डयेन्मुण्डमात्रं नाधो नाक्षं जातु शिखां न वापयेत् ।
चतुरो मासान्ध्रुवशीलतः स्यात्स यावत्सुप्तोऽन्तरात्मा पुरुषो विश्वरूपः ।
अन्यानथाष्टौ पुनरुत्थितेऽस्मिन्स्वकर्मलिप्सुर्विहरेद्वा वसेद्वा ॥ २० ॥

देवाग्न्यगारे तरुमूले गुहायां वसेदसङ्गोऽलक्षितशीलवृत्तः ।
अनिन्धनो ज्योतिरिवोपशान्तो न चोद्विजेदुद्विजेद्यत्र कुत्र ॥ २१ ॥

आत्मानं चेद्विजानीयादयमस्मीति पूरुषः ।
किमिच्छन्कस्य कामाय शरीरमनुसंज्वरेत् ॥ २२ ॥

तमेव धीरो विज्ञाय प्रज्ञां कुर्वीत ब्राह्मणः ।
नानुध्यायाद्बहूञ्छब्दान्वाचो विग्लापनं हि तत् ॥ २३ ॥

बाल्येनैव हि तिष्ठासेन्निर्विद्य ब्रह्मवेदनम् ।
ब्रह्मविद्या च बाल्यं च निर्विद्य मुनिरात्मवान् ॥ २४ ॥

यदा सर्वे प्रमुच्यन्ते कामा येऽस्य हृदि श्रिताः ।
अथ मर्त्योऽमृतो भवत्यत्र ब्रह्म समश्नुते ॥ २५ ॥

अथ खलु सौम्येदं परिव्राज्यं नैष्ठिकमात्मधर्मं यो विजहाति स वीरहा भवति ।
स ब्रह्महा भवति ।
स भ्रूणहा भवति ।
स महापातकी भवति ।
य इमां वैष्णवीं निष्ठां परित्यज्यति ।
स स्तेनो भवति ।
स गुरुतल्पगो भवति ।
स मित्रध्रुग्भवति ।
स कृतघ्नो भवति ।
स सर्वस्माल्लोकात्प्रच्युतो भवति ।
तदेतदृचाभ्युक्तम् ।
स्तेनः सुरापो गुरुतल्पगामी मित्रध्रुगेते निष्कृतेर्यान्ति शुद्धिम् ।
व्यक्तमव्यक्तं वा विधृतं विष्णुलिङ्गं त्यजन्न शुद्ध्येदखिलैरात्मभासा ॥ २६ ॥

त्यक्त्वा विष्णोर्लिङ्गमन्तर्बहिर्वा यः स्वाश्रमं सेवतेऽनाश्रमं वा ।
प्रत्यपत्तिं भजते वातिमूढो नैषां गतिः कल्पकोट्यापि दृष्टा ॥ २७ ॥

त्यक्त्वा सर्वाश्रमान्धीरो वसेन्मोक्षाश्रमे चिरम् ।
मोक्षाश्रमात्परिभ्रष्टो न गतिस्तस्य विद्यते ॥ २८ ॥

पारिव्राज्यं गृहीत्वा तु यः स्वधर्मे न तिष्ठति ।
तमारूढच्युतं विद्यादिति वेदानुशासनम् ॥ २९ ॥

अथ खलु सौम्येमं सनातनमात्मधर्मं वैष्णवीं निष्ठां लब्ध्वा यस्तामदूषयन्वर्तते स वशी भवति ।
स पुण्यश्लोको भवति ।
स लोकज्ञो भवति ।
स वेदान्तज्ञो भवति ।
स ब्रह्मज्ञो भवति ।
स सर्वज्ञो भवति ।
स स्वराड् भवति ।
स परं ब्रह्म भगवन्तमाप्नोति ।
स पितॄन्सम्बन्धिनो बान्धवान्सुहृदो मित्राणि च भवादुत्तरयति ।
तदेतदृचाभ्युक्तम् ।
शतं कुलानां प्रथमं बभूव तथा पराणां त्रिशतं समग्रम् ।
एते भवन्ति सुकृतस्य लोके येषं कुले संन्यसतीह विद्वान् ॥ ३० ॥

त्रिंशत्परास्त्रिंशदपरांस्त्रिंशच्च परतः परान् ।
उत्तरयति धर्मिष्ठः परिव्राडिति वै श्रुतिः ॥ ३१ ॥

संन्यस्तमिति यो ब्रूयात्कण्ठस्थप्राणवानपि ।
तारिताः पितरस्तेन इति वेदानुशासनम् ॥ ३२ ॥

अथ खलु सौम्येमं सनातनमात्मधर्मं वैष्णवीं निष्ठां नासमाप्य प्रब्रूयात् ।
नानूचानाय नानात्मविदे नावीतरागाय नाविशुद्धाय नानुपसन्नाय नाप्रयतमानसायेति ह स्माहुः ।
तदेतदृचाभ्युक्तम् ।
विद्या ह वै ब्राह्मणमाजगाम गोपाय मां शेवधिष्टेऽहमस्मि ।
असूयकायानृजवे शठाय मा मा ब्रूया वीर्यवती तथा स्याम् ॥ ३३ ॥

यमेव विद्याश्रुतमप्रमत्तं मेधाविनं ब्रह्मचर्योपपन्नम् ।
अस्मा इमामुपसन्नाय सम्यक् परीक्ष्य दद्याद्वैष्णवीमात्मनिष्ठाम् ॥ ३४ ॥

अध्यापिता ये गुरुं नाद्रियन्ते विप्रा वाचा मनसा कर्मणा वा ।
यथैव तेन न गुरुर्भोजनीयस्तथैव चानं न भुनक्ति श्रुतं तत् ॥ ३५ ॥

गुरुरेव परो धर्मो गुरुरेव परा गतिः ।
एकाक्षरप्रदातारं यो गुरुं नाभिनन्दति ।
तस्य श्रुतं तथा ज्ञानं स्रवत्यामघटाम्बुवत् ॥ ३६ ॥

यस्य देवे परा भक्तिर्यथा देवे तथा गुरौ ।
स ब्रह्मवित्परं प्रेयादिति वेदानुशासनम् ॥ ३७ ॥

इत्युपनिषत् ॥

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
हरिः ॐ तत्सत् ॥

इति शाट्यायनीयोपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text in IAST

śāṭyāyanībrahmavidyākhaṇḍākārasukhākṛti |
yativṛndahṛdāgāraṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

hariḥ oṃ ||

mana eva manuṣyāṇāṃ kāraṇaṃ bandhamokṣayoḥ |
bandhāya viṣayāsaktaṃ muktyai nirviṣayaṃ smṛtam || 1 ||

samāsaktaṃ sadā cittaṃ jantorviṣayagocare |
yadyevaṃ brahmaṇi syāttatko na mucyeta bandhanāt || 2 ||

cittameva hi saṃsārastatprayatnena śodhayet |
yaccittastanmayo bhavati guhyametatsanātanam || 3 ||

nāvedavinmanute taṃ bṛhantaṃ nābrahmavitparamaṃ praiti dhāma |
viṣṇukrāntaṃ vāsudevaṃ vijānanvipro vipratvaṃ gacchate tattvadarśī || 4 ||

athāha yatparamaṃ brahma sanātanaṃ ye śrotriyā akāmahatā adhīyuḥ |
śānto dānta uparatistitikṣuhuryo'nūcāno hyabhijajñau samānaḥ || 5 ||

tyakteṣaṇo hyanṛṇastaṃ viditvā maunī vasedāśrame yatra kutra |
athāśramaṃ caramaṃ sampraviśya yathopapattiṃ pañcamātrāṃ dadhānaḥ || 6 ||

tridaṇḍamupavītaṃ ca vāsaḥ kaupīnaveṣṭanam |
śikyaṃ pavitramityetadvibhṛyādyāvadāyuṣam || 7 ||

pañcaitāstu yatermātrāstā mātrā brahmaṇe śrutāḥ |
na tyajedyāvadutkrāntirante'pi nikhanetsaha || 8 ||

viṣṇuliṅgaṃ dvidhā proktaṃ vyaktamavyaktameva ca |
tayorekamapi tyaktvā patatyeva na saṃśayaḥ || 9 ||

tridaṇḍaṃ vaiṣṇavaṃ liṅgaṃ viprāṇāṃ muktisādhanam |
nirvāṇaṃ sarvadharmāṇāmiti vedānuśāsanam || 10 ||

atha khalu saumya kuṭīcako bahūdako haṃsaḥ paramahaṃsa ityete parivrājakāścaturvidhā bhavanti |
sarva ete viṣṇuliṅginaḥ śikhinopavītinaḥ śuddhacittā ātmānamātmanā brahma bhāvayantaḥ śuddhacidrūpopāsanaratā japayamavanto niyamavantaḥ suśīlinaḥ puṇyaślokā bhavanti |
tadetadṛcābhyuktam |
kuṭīcako bahūdakaścāpi haṃsaḥ paramahaṃsa iva vṛttyā ca bhinnāḥ |
sarva ete viṣṇuliṅgaṃ dadhānā vṛttyā vyaktaṃ bahirantaśca nityam |
pañcayajñā vedaśiraḥpraviṣṭāḥ kriyāvanto'mī saṅgatā brahmavidyām |
tyaktvā vṛkṣaṃ vṛkṣamūlaṃ śritāsaḥ saṃnyastapuṣpā rasamevāśnuvānāḥ |
viṣṇukrīḍā viṣṇuratayo vimuktā viṣṇvātmakā viṣṇumevāpiyanti || 11 ||

trisandhyaṃ śaktitaḥ snānaṃ tarpaṇaṃ mārjanaṃ tathā |
upasthānaṃ pañcayajñānkuryādāmaraṇāntikam || 12 ||

daśabhiḥ praṇavaiḥ saptavyāhṛtibhiścatuṣpadā |
gāyatrījapayajñaśca trisandhyaṃ śirasā saha || 13 ||

yogayajñaḥ sadaikāgrabhaktyā sevā harerguroḥ |
ahiṃsā tu tapoyajño vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ || 14 ||

nānopaniṣadabhyāsaḥ svādhyāyo yajña īritaḥ |
oṃityātmānamavyagro brahmaṇyagnā juhoti yat || 15 ||

jñānayajñaḥ sa vijñeyaḥ sarvayajñottamottamaḥ |
jñānadaṇḍā jñānaśikhā jñānayajñopavītinaḥ || 16 ||

śikhā jñānamayī yasya upavītaṃ ca tanmayam |
brāhmaṇyaṃ sakalaṃ tasya iti vedānuśāsanam || 17 ||

atha khalu saumyeta parivrājakā yathā prādurbhavanti tathā bhavanti |
kāmakrodhalobhamohadambhadarpāsūyāmamatvāhaṅkārādīṃstitīrya mānāvamānau nindāstutī ca varjayitvā vṛkṣa iva tiṣṭhāset |
chidyamāno na brūyāt |
tadaivaṃ vidvāṃsa ihaivāmṛtā bhavanti |
tadetadṛcābhyuktam |
bandhuputramanumodayitvānavekṣyamāṇo dvandvasahaḥ praśāntaḥ |
prācīmudīciṃ vā nirvartayaṃścareta pātrī daṇḍī yugamātrāvalokī |
śikhī muṇḍī copavītī kuṭumbī yātrāmātraṃ pratigṛhṇanmanuṣyāt || 18 ||

ayācitaṃ yācitaṃ vota bhaikṣaṃ mṛddārvalābūphalaparṇapātram |
kṣīṇaṃ kṣaumaṃ tṛṇaṃ kanthājine ca parṇamācchādanaṃ syādahataṃ vā vimuktaḥ || 19 ||

ṛtusandhau muṇḍayenmuṇḍamātraṃ nādho nākṣaṃ jātu śikhāṃ na vāpayet |
caturo māsāndhruvaśīlataḥ syātsa yāvatsupto'ntarātmā puruṣo viśvarūpaḥ |
anyānathāṣṭau punarutthite'sminsvakarmalipsurviharedvā vasedvā || 20 ||

devāgnyagāre tarumūle guhāyāṃ vasedasaṅgo'lakṣitaśīlavṛttaḥ |
anindhano jyotirivopaśānto na codvijedudvijedyatra kutra || 21 ||

ātmānaṃ cedvijānīyādayamasmīti pūruṣaḥ |
kimicchankasya kāmāya śarīramanusaṃjvaret || 22 ||

tameva dhīro vijñāya prajñāṃ kurvīta brāhmaṇaḥ |
nānudhyāyādbahūñchabdānvāco viglāpanaṃ hi tat || 23 ||

bālyenaiva hi tiṣṭhāsennirvidya brahmavedanam |
brahmavidyā ca bālyaṃ ca nirvidya munirātmavān || 24 ||

yadā sarve pramucyante kāmā ye'sya hṛdi śritāḥ |
atha martyo'mṛto bhavatyatra brahma samaśnute || 25 ||

atha khalu saumyedaṃ parivrājyaṃ naiṣṭhikamātmadharmaṃ yo vijahāti sa vīrahā bhavati |
sa brahmahā bhavati |
sa bhrūṇahā bhavati |
sa mahāpātakī bhavati |
ya imāṃ vaiṣṇavīṃ niṣṭhāṃ parityajyati |
sa steno bhavati |
sa gurutalpago bhavati |
sa mitradhrugbhavati |
sa kṛtaghno bhavati |
sa sarvasmāllokātpracyuto bhavati |
tadetadṛcābhyuktam |
stenaḥ surāpo gurutalpagāmī mitradhrugete niṣkṛteryānti śuddhim |
vyaktamavyaktaṃ vā vidhṛtaṃ viṣṇuliṅgaṃ tyajanna śuddhyedakhilairātmabhāsā || 26 ||

tyaktvā viṣṇorliṅgamantarbahirvā yaḥ svāśramaṃ sevate'nāśramaṃ vā |
pratyapattiṃ bhajate vātimūḍho naiṣāṃ gatiḥ kalpakoṭyāpi dṛṣṭā || 27 ||

tyaktvā sarvāśramāndhīro vasenmokṣāśrame ciram |
mokṣāśramātparibhraṣṭo na gatistasya vidyate || 28 ||

pārivrājyaṃ gṛhītvā tu yaḥ svadharme na tiṣṭhati |
tamārūḍhacyutaṃ vidyāditi vedānuśāsanam || 29 ||

atha khalu saumyemaṃ sanātanamātmadharmaṃ vaiṣṇavīṃ niṣṭhāṃ labdhvā yastāmadūṣayanvartate sa vaśī bhavati |
sa puṇyaśloko bhavati |
sa lokajño bhavati |
sa vedāntajño bhavati |
sa brahmajño bhavati |
sa sarvajño bhavati |
sa svarāḍ bhavati |
sa paraṃ brahma bhagavantamāpnoti |
sa pitṝnsambandhino bāndhavānsuhṛdo mitrāṇi ca bhavāduttarayati |
tadetadṛcābhyuktam |
śataṃ kulānāṃ prathamaṃ babhūva tathā parāṇāṃ triśataṃ samagram |
ete bhavanti sukṛtasya loke yeṣaṃ kule saṃnyasatīha vidvān || 30 ||

triṃśatparāstriṃśadaparāṃstriṃśacca parataḥ parān |
uttarayati dharmiṣṭhaḥ parivrāḍiti vai śrutiḥ || 31 ||

saṃnyastamiti yo brūyātkaṇṭhasthaprāṇavānapi |
tāritāḥ pitarastena iti vedānuśāsanam || 32 ||

atha khalu saumyemaṃ sanātanamātmadharmaṃ vaiṣṇavīṃ niṣṭhāṃ nāsamāpya prabrūyāt |
nānūcānāya nānātmavide nāvītarāgāya nāviśuddhāya nānupasannāya nāprayatamānasāyeti ha smāhuḥ |
tadetadṛcābhyuktam |
vidyā ha vai brāhmaṇamājagāma gopāya māṃ śevadhiṣṭe'hamasmi |
asūyakāyānṛjave śaṭhāya mā mā brūyā vīryavatī tathā syām || 33 ||

yameva vidyāśrutamapramattaṃ medhāvinaṃ brahmacaryopapannam |
asmā imāmupasannāya samyak parīkṣya dadyādvaiṣṇavīmātmaniṣṭhām || 34 ||

adhyāpitā ye guruṃ nādriyante viprā vācā manasā karmaṇā vā |
yathaiva tena na gururbhojanīyastathaiva cānaṃ na bhunakti śrutaṃ tat || 35 ||

gurureva paro dharmo gurureva parā gatiḥ |
ekākṣarapradātāraṃ yo guruṃ nābhinandati |
tasya śrutaṃ tathā jñānaṃ sravatyāmaghaṭāmbuvat || 36 ||

yasya deve parā bhaktiryathā deve tathā gurau |
sa brahmavitparaṃ preyāditi vedānuśāsanam || 37 ||

ityupaniṣat ||

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||

iti śāṭyāyanīyopaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Vorangestellter Merkvers

Ich verehre den Stand Ramachandras, der in den Herzen der Entsagenden wohnt und dessen ungeteilte Glücksgestalt durch die Brahman-Lehre der Shatyayani offenbart wird.

Shanti-Mantra

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Anrufung

Hari. Om.

1. Geist, Bindung und Befreiung

Der Geist allein verursacht Bindung und Befreiung der Menschen. An Sinnesgegenstände geheftet, führt er zur Bindung; frei von Gegenstandsbegehren gilt er als Mittel zur Befreiung.

2. Die Richtung der Aufmerksamkeit

Wäre der Geist eines Menschen so fest auf Brahman gerichtet, wie er gewöhnlich an Sinnesgegenständen hängt, wer würde dann nicht von Bindung frei?

3. Die Reinigung des Geistes

Der Geist selbst ist Samsara; darum soll man ihn mit Sorgfalt reinigen. Wie der Geist eines Menschen beschaffen ist, so wird er selbst. Dies ist das uralte Geheimnis.

4. Erkenntnis Vasudevas

Ohne Kenntnis des Veda denkt man das Große nicht; ohne Brahman-Erkenntnis erreicht man die höchste Wohnstatt nicht. Wer Vasudeva, den alles durchschreitenden Vishnu, erkennt und die Wahrheit schaut, verwirklicht wahres Brahmanentum.

5. Voraussetzungen des Studiums

Das höchste, ewige Brahman studieren Veda-Kenner, die von Begehren nicht getroffen sind. Wer ruhig, selbstbeherrscht, zurückgezogen, geduldig und gelehrt ist, erkennt das Gleichbleibende.

6. Der letzte Lebensstand

Wer Wünsche aufgegeben hat, schuldenfrei geworden ist und es erkannt hat, lebe schweigsam in einem geeigneten Lebensstand. Im letzten Lebensstand trage er nach Möglichkeit die fünf Ausstattungsstücke.

7. Die äußeren Zeichen

Dreifachstab, Opferfaden, Kleidung samt Lendentuch, Trageschlinge und Reinigungsfilter soll er sein Leben lang tragen.

8. Die fünf Ausstattungsstücke

Diese fünf gehören dem Entsagenden und sind als auf Brahman bezogen überliefert. Bis zum Fortgang aus dem Leben soll er sie nicht ablegen; am Ende begrabe man sie mit ihm.

9. Sichtbare und unsichtbare Zeichen

Vishnus Kennzeichen gelten als zweifach: sichtbar und unsichtbar. Wer eines davon aufgibt, fällt nach der Lehre des Textes vom Weg ab.

10. Der Dreifachstab

Der Dreifachstab ist das Zeichen Vishnus und für die Brahmanen ein Mittel der Befreiung, der Ruhe aller Pflichten. So lautet die Unterweisung des Veda.

11. Vier Arten von Entsagenden

Lieber, es gibt vier Arten wandernder Entsagender: Kutichaka, Bahudaka, Hamsa und Paramahamsa. Alle tragen Vishnus Zeichen, Haarknoten und Opferfaden, sind reinen Geistes und betrachten durch das Selbst das Selbst als Brahman. Sie verehren reines Bewusstsein, üben Japa, Yamas und Niyamas und leben tugendhaft. Ein Vers erläutert: Die vier unterscheiden sich in ihrer Lebensweise, tragen aber stets innerlich und äußerlich Vishnus Zeichen. Mit fünf Opfern, im Sinn der Upanishaden handelnd, sind sie der Brahman-Erkenntnis verbunden. Sie lassen den Baum stehen und suchen seine Wurzel auf; die Blüten loslassend, genießen sie den Saft. Ihr Spiel und ihre Freude sind Vishnu; befreit und ihrem Wesen nach Vishnu, gehen sie in Vishnu ein.

12. Die tägliche Ordnung

Dreimal täglich vollziehe er nach seinen Kräften Bad, Wassergabe, Reinigung und Verehrung; die fünf Opfer halte er bis zum Lebensende aufrecht.

13. Das Rezitationsopfer

Das Opfer der Gayatri-Rezitation wird dreimal täglich mit zehn Om, den sieben Vyahritis, der vierfüßigen Gayatri und ihrem Schluss vollzogen.

14. Yoga und Gewaltlosigkeit als Opfer

Das Yoga-Opfer ist der Dienst an Hari und am Guru in ungeteilter Hingabe. Gewaltlosigkeit in Sprache, Gedanken und körperlichem Handeln ist das Opfer der Askese.

15. Studium und innere Darbringung

Das fortgesetzte Studium verschiedener Upanishaden heißt Opfer des Selbststudiums. Wenn man unzerstreut mit Om das eigene Selbst ins Feuer Brahmans darbringt …

16. Das Erkenntnisopfer

… ist dies als Erkenntnisopfer zu verstehen, das höchste aller Opfer. Erkenntnis ist ihr Stab, Erkenntnis ihr Haarknoten und Erkenntnis ihr Opferfaden.

17. Das innere Brahmanentum

Wessen Haarknoten aus Erkenntnis besteht und dessen Opferfaden ebenso, dessen Brahmanentum ist vollständig. So lautet die Veda-Unterweisung.

18. Gelassenheit des Wandernden

Lieber, diese Entsagenden sind so, wie sie sich zeigen. Sie überschreiten Begehren, Zorn, Gier, Verblendung, Heuchelei, Stolz, Missgunst, Besitzgefühl und Ich-Anmaßung. Ehre und Schmach, Tadel und Lob lassen sie zurück und stehen fest wie ein Baum; selbst wenn sie verletzt werden, erwidern sie nichts. So werden die Wissenden schon hier unsterblich. Ein Vers sagt: Nach dem Einvernehmen mit Angehörigen und Kindern schaut er nicht zurück, trägt Gegensätze geduldig und zieht friedvoll nach Osten oder Norden. Mit Schale und Stab blickt er eine Jochlänge voraus. Mit Haarknoten und sonst geschorenem Kopf, mit Opferfaden und seiner kleinen Ausstattung nimmt er von Menschen nur den Lebensbedarf an.

19. Speise und Kleidung

Ob ungebeten oder erbeten, Almosen genügen ihm. Als Gefäß dienen Erde, Holz, Kürbis, Fruchtschale oder Blätter; als Kleidung abgetragenes Leinen, Gras, Flickengewand, Fell, Blätter oder ungetragenes Tuch.

20. Jahresrhythmus

Beim Wechsel der Jahreszeit schere er nur den Kopf, niemals die unteren Körperpartien, Achseln oder den Haarknoten. Vier Monate bleibe er beständig an einem Ort, solange der allgestaltige innere Purusha schläft. In den übrigen acht Monaten, wenn dieser wieder erwacht ist, wandere oder verweile er seiner eigenen Aufgabe entsprechend.

21. Ein friedvoller Aufenthalt

Im Tempel, Feuerhaus, unter einem Baum oder in einer Höhle lebe er ohne Anhaftung und ohne seine Lebensweise zur Schau zu stellen. Still wie ein Feuer ohne Brennstoff soll er nirgends erschrecken oder andere erschrecken.

22. Die Frage nach dem Begehren

Wenn ein Mensch das Selbst als „Dieses bin ich“ erkannt hat, welchen Wunsch und wessen Begehren sollte er noch verfolgen, sodass er um den Körper leidet?

23. Wenige Worte, klare Erkenntnis

Der Weise erkenne allein dieses und festige seine Einsicht. Er denke nicht endlos über viele Worte nach, denn das ermüdet nur die Sprache.

24. Schlichtheit und Weisheit

Nachdem man bloße Gelehrsamkeit über Brahman durchschaut hat, lebe man in kindlicher Schlichtheit. Auch Wissen und Schlichtheit überschreitend, werde man ein im Selbst ruhender Weiser.

25. Das Ende des Begehrens

Wenn alle im Herzen wohnenden Wünsche sich lösen, wird der Sterbliche unsterblich; schon hier erlangt er Brahman.

26. Die Bindung an das Gelübde

Lieber, wer diese endgültige Entsagung, die eigene ewige Ordnung, verlässt, wird im strengen Urteil des Textes einem Heldenmörder, Brahmanenmörder, Kindsmörder und schweren Sünder gleichgestellt. Wer den vishnuitischen Stand aufgibt, gilt als Dieb, Schänder des Lehrerbettes, Freundesverräter und Undankbarer, der aus allen Welten fällt. Der folgende Vers erklärt: Für Diebe, Trinker, Schänder des Lehrerbettes und Freundesverräter gibt es Sühne; für das Ablegen des inneren oder äußeren Vishnu-Zeichens wird sie hier verneint.

27. Rückkehr in frühere Lebensstände

Wer Vishnus inneres oder äußeres Zeichen aufgibt, in einen früheren Lebensstand zurückkehrt oder außerhalb jeder Ordnung lebt, dem wird hier selbst nach unzähligen Weltaltern kein befreiendes Ziel zugesprochen.

28. Der Befreiungsstand

Der Weise lasse alle anderen Lebensstände zurück und verweile dauerhaft im Stand der Befreiung. Wer davon abfällt, hat nach dieser Lehre keinen weiteren Weg.

29. Aufstieg und Abfall

Wer die Entsagung angenommen hat und doch nicht in ihrer Ordnung bleibt, heißt einer, der nach dem Aufstieg gefallen ist. So lehrt der Veda.

30. Frucht der Treue

Lieber, wer diese ewige Ordnung und vishnuitische Festigkeit erlangt und unversehrt bewahrt, wird selbstbeherrscht, geachtet, weltkundig, Vedanta-Kenner, Brahman-Kenner, allwissend und selbstherrlich. Er erreicht das höchste Brahman, den Herrn, und führt Ahnen, Verwandte, Angehörige, Wohlgesinnte und Freunde über das Werden hinaus. Der Vers verheißt hundert vorangegangenen und dreihundert folgenden Familienlinien Anteil an der Welt des verdienstvollen Entsagenden.

31. Eine weitere Ahnenverheißung

Dreißig frühere, dreißig spätere und weitere dreißig fernerstehende Generationen führt der rechtschaffene Wanderasket hinüber – so lautet eine weitere Überlieferung.

32. Entsagung am Lebensende

Selbst wer sagt „Ich habe entsagt“, während sein Lebenshauch schon in der Kehle steht, führt dadurch nach der Veda-Unterweisung seine Ahnen hinüber.

33. Verantwortung für die Weitergabe

Lieber, diese ewige innere Ordnung und vishnuitische Festigkeit soll man erst weitergeben, wenn man sie selbst vollendet hat: nicht an einen Unbelehrten, Selbst-Unkundigen, Leidenschaftlichen, Unreinen, nicht Herangetretenen oder Unachtsamen. Das Wissen selbst sprach einst zum Brahmanen: „Hüte mich; ich bin dein Schatz. Gib mich nicht einem Missgünstigen, Unaufrichtigen oder Hinterlistigen; so bleibe ich kraftvoll.“

34. Der geeignete Empfänger

Diese vishnuitische Verankerung im Selbst gebe man einem Schüler, den man als gelehrt, aufmerksam, verständig und im Brahmacharya gefestigt erkannt hat, nachdem er richtig herangetreten und sorgfältig geprüft worden ist.

35. Achtung vor dem Lehrer

Wenn Unterwiesene ihren Lehrer weder mit Worten, Gedanken noch Taten achten, nährt das Gehörte sie nicht. Die mittlere Wendung über das Ernähren des Lehrers ist sprachlich beschädigt; sie verbindet Lernen mit erwiderter Fürsorge.

36. Der Guru und die Bewahrung des Wissens

Der Guru ist die höchste Orientierung und der höchste Zugang zum Ziel. Wer einen Lehrer nicht würdigt, der ihm auch nur eine Silbe vermittelt hat, dessen Lernen und Wissen versickern wie Wasser aus einem ungebrannten Gefäß.

37. Hingabe an Gott und Guru

Wer höchste Hingabe an Gott und ebenso an den Guru besitzt, erkennt Brahman und gelangt zum Höchsten. So lautet die Unterweisung des Veda.

Schlussformel

So lautet die Upanishad.

Shanti-Mantra

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden. Hari. Om. Das ist die Wirklichkeit.

Schlussvermerk

Hier endet die Shatyayaniya Upanishad.

Anregungen für die spirituelle Praxis

  • Verbinde Vishnu-Verehrung mit beständiger, ehrlicher Lebensführung.
  • Prüfe, ob äußere Zeichen deine innere Ausrichtung tatsächlich unterstützen.
  • Betrachte den Geist und seine Anhaftungen regelmäßig in der Meditation.
  • Lies verschiedene Sannyasa Upanishaden vergleichend und beachte ihre Unterschiede.

Quellen und Textgrundlage

  • Die deutsche Studienübersetzung und die Worterklärungen dieser Fassung wurden neu für diesen Artikel ausgearbeitet. Es handelt sich nicht um die Übernahme einer bestehenden deutschen Übersetzung und nicht um eine kritische Handschriftenedition.

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Weblinks

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