Martandabhairava Puja nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Martandabhairava Puja nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um Martandabhairava in seiner viergesichtigen Sonnenform zu verehren.

Voraussetzungen

Die Handlungsfolge ist dokumentiert; die im Text verschlüsselte oder beschädigte Grundvidya muss vor einer wortgetreuen Durchführung geklärt sein. Die hier ausgeschriebenen Teilformeln ersetzen diesen fehlenden Nachweis nicht.

Vorbereitung und Ritualmittel

Der solare Kultsitz, Wasser und Arghya-Gefäß, rote Blumen, Duftstoff, Räucherwerk, Lampe und Speise.

Umfang und Überlieferung

Die Lautverschlüsselung des Grundmantras bleibt ungeklärt.

Durchführung

  1. Führe Morgenhandlungen, Atemregelung und den solaren Pitha Nyasa aus. Verehre Prabhuta, Vimala, Sara, Samaradhya und Paramasukha sowie die neun Lichtkräfte; verwende das Sonnen-Sitzmantra P2-0344.
  2. Vollziehe den Rishi Nyasa und danach den für diese Mantraform belegten Hand-, Gestalten- und Körpernyasa. Lege die fünf Sonnengestalten zuerst auf die Finger und danach auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße. Meditiere die viergesichtige Gestalt, deren Hälfte die Gefährtin bildet.
  3. Die Meditation: Wir verehren Mārtaṇḍa, dessen eigener Glanz goldenem Lotus und Koralle gleicht. Seine Lotushände tragen den schönen Khaṭvāṅga, Bogen, Rad, Speer, Schlinge, Stachel, eine herrliche Gebetskette und Schädelschale. Seine vier lieblichen Gesichter besitzen leuchtende drei Augen. Seine geliebte Gefährtin bildet seine Hälfte; er trägt eine Edelsteinkrone und erstrahlt mit Halsketten. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, richtet man das Arghya ein. [„triyanayana“ ist beschädigt; „vedavaktra“ bezeichnet in der Zahlensprache vier Gesichter.]
  4. Rufe die Gottheit an, bringe die Gaben bis zu fünf Blumenhandvoll dar und verehre die ausdrücklich aufgezählten Umkreisgottheiten. Beende danach Räucherwerk, Licht, Speise und Entlassung.
  5. Für die gesonderte Purascharana nennt P2-0366 300.000 Japa und 30.000 Feueropfer mit geöffneten, mit den drei süßen Stoffen benetzten Lotussen. Die Grundvidya muss zuvor sicher bestimmt sein.

Formeln und Zuordnungen

Ausgeschriebener Hand- und Gliedernyasa

Die folgende Auflösung folgt P2-0363. Sie ergänzt die dort ausgeschriebene Anfangsformel nach der ausdrücklich genannten Fortsetzungsregel. Sprich bei jeder Berührung die vollständige Formel. Der Handnyasa folgt der Fingerreihe; anschließend folgt der Gliedernyasa. Bei Schutzpanzer und Waffe wird die erlernte Schutzgebärde ausgeführt. Die Bijas sind Keimsilben. Sie haben hier keine Satzübersetzung. Die nachfolgenden Wörter benennen die Finger beziehungsweise Körperstellen; namaḥ ist die Verehrung, svāhā und vaṣaṭ sind Weihe- und Darbringungsrufe, huṃ, vauṣaṭ und phaṭ die jeweiligen rituellen Abschlüsse.

Handnyasa

Berührung / Zuordnung Vollständige Formel
beide Daumen ṭhrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ
beide Zeigefinger ṭhrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā
beide Mittelfinger ṭhrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ
beide Ringfinger ṭhraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ
beide kleinen Finger ṭhrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ
Handflächen und Handrücken ṭhraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ

Gliedernyasa

Berührung / Zuordnung Vollständige Formel
Herz ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ
Kopf ṭhrīṃ śirase svāhā
Haarlocke / Scheitel ṭhrūṃ śikhāyai vaṣaṭ
Schutzpanzer ṭhraiṃ kavacāya huṃ
drei Augen ṭhrauṃ netratrayāya vauṣaṭ
Waffe / Schutzkreis ṭhraḥ astrāya phaṭ

Arghya-Gefäß

Für Shiva und Surya schließt P2-0590 die Muschel als Arghya-Gefäß ausdrücklich aus. Verwende hier ein anderes geeignetes Arghya-Gefäß. Der Nachweis steht im Abschnitt P2-0590 der Gesamtausgabe; dies ist eine Gefäßregel, kein zusätzlicher Ritus.

Rishi-Zuordnung

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum beim vorherigen Mantra gelehrten Sitznyāsa vollzieht man den Sehernyāsa wie zuvor. (P2-0362).

Umkreisverehrung und Abschluss

Nach der zuvor beschriebenen Sitzverehrung bis zum Sitzmantra verehrt man auf dem Fruchtboden, im Osten beginnend, mit oṃ und namaḥ Uṣā, Prajñā, Prabhā und Sandhyā und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Im Nibandha heißt es: Auf dem mit Dīptā und den übrigen Kräften versehenen Sitz verehrt man auf dem Fruchtboden in den Richtungen, im Osten beginnend, Uṣā und die übrigen und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Dann verehrt man in den vier Hauptrichtungen Sūrya, Bhāskara, Bhānu und Ravi, in den Zwischenrichtungen Divākara. In Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten verehrt man mit „ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln; im Nordosten die drei Augen mit „ṭhrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“. In der Śāradā heißt es: Die vier, beginnend mit Sūrya, verehrt man in den Hauptrichtungen, den anderen in den Zwischenrichtungen. Die Gliederverehrung erfolgt wie zuvor; die Augen liegen im Nordosten und den weiteren Richtungen. Danach verehrt man wie zuvor die acht Planeten, beginnend mit Candra, und in der Erdumfassung die Weltenhüter. Der Nibandha bestätigt: außen die acht Planeten, danach die Weltenhüter. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Vorlage hat im Bestätigungszitat „vāye“; „außen“ ist aus dem Zusammenhang erschlossen.] (P2-0365).

Sanskrit und deutsche Übersetzung

P2-0360 · 51
mantrāntam
ākāśavahnipavanasatyāntārghīśavindumat |
mārttaṇḍabhairavaṃ nāma bījametadudāhṛtam |
puṭitaṃ vimbabījena sarvakāmaphalapradam
|| 51 ||

Ein anderes Mantra: Raum, Feuer, Wind, der Endlaut von Satya, Arghīśa und Bindu bilden das Bīja namens Mārtaṇḍabhairava. Von dem Bimbabīja umschlossen schenkt es die Früchte aller Wünsche. [Die Lautverschlüsselung wird als solche beibehalten; die konkrete vollständige Formel wird an dieser Stelle nicht ausgeschrieben.]


P2-0361 · 52
vimbabījamāha tantre:
ṭāntaṃ dahananetrendusahitaṃ tadudāhṛtam
|| 52 ||

Das Bimbabīja wird im Tantra beschrieben: der Endlaut der ṭa-Reihe, verbunden mit Feuer, Auge und Mondzeichen, wird so bezeichnet. [Der anschließende Nyāsa verwendet die Grundverbindung ṭhr.]


P2-0362 · 53
asya pūjāprayogaḥ:
prātaḥkṛtyādi pūrvamantrokta pīṭhanyāsāntaṃ karma vidhāya
pūrvavat-ṛṣyādinyāsaṃ kuryāt
|| 53 ||

Sein Verehrungsverfahren: Nach den morgendlichen Handlungen bis zum beim vorherigen Mantra gelehrten Sitznyāsa vollzieht man den Sehernyāsa wie zuvor.


P2-0363 · 54
tato mūrtinyāsaḥ:
ṭhraṃ sūryāya namo.āṃguṣṭhayoḥ |
ṭhriṃ bhāskārāya namastarjanyoḥ |
ṭhruṃ bhānave namo madhyamayoḥ |
ṭhreṃ ravaye namo'nāmikayoḥ |
ṭhroṃ divākarāya namaḥ kaniṣṭhayoḥ |
tataḥ śirasi vadane hṛdaye pādeṣutān tattadvījādikān nyaset |
tathā ca nibandhe:
pañcahrasvāḍhya bījena pañcamūrtīḥ pravinyaset |
aṃguṣṭhādikaniṣṭhāntamaṃgulīṣu kramādimāḥ ||
sūryastu bhāskaro bhānustato ravirdivākarau |
śirovadanahṛdguhya pādadeśeṣutān punaḥ ||
tataḥ karāṅganyāsaḥ:
ṭhrāṃ aṃguṣṭhābhyāṃ namaḥ |
ṭhrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā |
ṭhrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ |
ṭhraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ |
ṭhrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ |
ṭhraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ |
evaṃ ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi ||
tathā ca nibandhe:
vyāpakaṃ mūlabījena kurvīta tadantaram
|| 54 ||

Der Gestaltennyāsa: „ṭhraṃ sūryāya namaḥ“ an den Daumen; „ṭhriṃ bhāskarāya namaḥ“ an den Zeigefingern; „ṭhruṃ bhānave namaḥ“ an den Mittelfingern; „ṭhreṃ ravaye namaḥ“ an den Ringfingern; „ṭhroṃ divākarāya namaḥ“ an den kleinen Fingern. Dann setzt man diese mit dem jeweiligen Bīja auf Kopf, Gesicht, Herz und Füße. Im Nibandha heißt es: Mit dem Bīja, das die fünf kurzen Vokale trägt, setzt man der Reihe nach die fünf Gestalten auf die Finger von den Daumen bis zu den kleinen Fingern: Sūrya, Bhāskara, Bhānu, Ravi und Divākara. Danach setzt man sie erneut auf Kopf, Gesicht, Herz, verborgene Stelle und Füße. [In der Prosa fehlt die verborgene Stelle; das Zitat nennt sie ausdrücklich.] Der Handnyāsa erfolgt mit ṭhrāṃ, ṭhrīṃ, ṭhrūṃ, ṭhraiṃ, ṭhrauṃ und ṭhraḥ an Daumen, Zeige-, Mittel-, Ring-, kleinen Fingern sowie Handflächen und Handrücken mit namaḥ, svāhā, vaṣaṭ, huṃ, vauṣaṭ und phaṭ. Ebenso am Herzen und den weiteren Gliedern, beginnend mit „ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ“. Der Nibandha schreibt anschließend den umfassenden Nyāsa mit dem Grundbīja vor.


P2-0364 · 55
tato dhāyanam:
hemāmbhoja pravālapratimanijaruciṃcārukhaṭṭāṅga cāpau cakraṃ
śaktiṃ sapāśaṃ sṛṇumatirucirāmakṣamālāṃ kapālam |
hastāmbhojairdadhānaṃ triyanayanavilasadvedavaktrābhirāmaṃ,
mārttaṇḍaṃ vallabhārddha maṇimayamukuṭaṃ hāradīptaṃ
bhajāmaḥ ||
evaṃ dhyātvā mānasaiḥ sampūjya arghyasthāpanaṃ kuryāt
|| 55 ||

Die Meditation: Wir verehren Mārtaṇḍa, dessen eigener Glanz goldenem Lotus und Koralle gleicht. Seine Lotushände tragen den schönen Khaṭvāṅga, Bogen, Rad, Speer, Schlinge, Stachel, eine herrliche Gebetskette und Schädelschale. Seine vier lieblichen Gesichter besitzen leuchtende drei Augen. Seine geliebte Gefährtin bildet seine Hälfte; er trägt eine Edelsteinkrone und erstrahlt mit Halsketten. Nachdem man so meditiert und mit geistigen Gaben verehrt hat, richtet man das Arghya ein. [„triyanayana“ ist beschädigt; „vedavaktra“ bezeichnet in der Zahlensprache vier Gesichter.]


P2-0365 · 56
tataḥ pūrvoktakrameṇa pīṭhamanvantaṃ sampūjya pūrvādiṣu
karṇikāyāṃ oṃ ūṣāyai namaḥ |
evaṃ prajñāyai prabhāyai sandhyāyai iti sampūjya mūrti mūlena
kalpayet |
tataḥ punardhyātvā āvāhanādipañcapuṣpāñjalidānaparyantaṃ
karma vidhāya āvaraṇapūjāmārabhet |
tathā ca nibandhe:
pīṭhe diptādibhiryukte karṇikāyāmuṣādikāḥ |
pūrvādidikṣu sampūjya mūrti mūlena kalpayet |
tataḥ pūrvādi dikṣu sūryaṃ bhāskaraṃ bhānuṃ raviñca pūjayet |
koṇeṣu divākaram |
tato'gninir-ṛtivāyavyīśānakoṇeṣu ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ ityādi |
īśāne ṭhrauṃ netratrayāya vauṣaṭ |
śāradāyām:
sūryādīn caturo dikṣu vidikṣvanyaṃ samarcayet |
aṅgapūjā yathā pūrvaṃ netramīśādidiggatamiti |
tataḥ pūrvavaccandrādi aṣṭagrahān sampūjya bhūgṛheṣu lokapālān
pūjayet |
tathā ca nibandhe:
grahānaṣṭau tathā vāye lokapālāṃstataḥ param |
tato dhūpādivisarjanāntaṃ karma samāpayet
|| 56 ||

Nach der zuvor beschriebenen Sitzverehrung bis zum Sitzmantra verehrt man auf dem Fruchtboden, im Osten beginnend, mit oṃ und namaḥ Uṣā, Prajñā, Prabhā und Sandhyā und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Man meditiert erneut, vollzieht Anrufung und die weiteren Handlungen bis zu den fünf Handvoll Blumen und beginnt die Umkreisverehrung. Im Nibandha heißt es: Auf dem mit Dīptā und den übrigen Kräften versehenen Sitz verehrt man auf dem Fruchtboden in den Richtungen, im Osten beginnend, Uṣā und die übrigen und bildet mit dem Grundmantra die Gestalt. Dann verehrt man in den vier Hauptrichtungen Sūrya, Bhāskara, Bhānu und Ravi, in den Zwischenrichtungen Divākara. In Südosten, Südwesten, Nordwesten und Nordosten verehrt man mit „ṭhrāṃ hṛdayāya namaḥ“ und den weiteren Formeln; im Nordosten die drei Augen mit „ṭhrauṃ netratrayāya vauṣaṭ“. In der Śāradā heißt es: Die vier, beginnend mit Sūrya, verehrt man in den Hauptrichtungen, den anderen in den Zwischenrichtungen. Die Gliederverehrung erfolgt wie zuvor; die Augen liegen im Nordosten und den weiteren Richtungen. Danach verehrt man wie zuvor die acht Planeten, beginnend mit Candra, und in der Erdumfassung die Weltenhüter. Der Nibandha bestätigt: außen die acht Planeten, danach die Weltenhüter. Dann vollendet man die Handlungen vom Räucherwerk bis zur Entlassung. [Die Vorlage hat im Bestätigungszitat „vāye“; „außen“ ist aus dem Zusammenhang erschlossen.]


P2-0366 · 57
asya puraścaraṇajapo lakṣatrayasaṃkhyaḥ |
trimadhuropetaiḥ padmairdaśāṃśahomaḥ |
tathā ca:
lakṣatrayaṃ japenmantraṃ vimbabījapuṭīkṛtam |
dakṣāṃśaṃ kamalaiḥ phullairjuhuyānmadhurokṣitaiḥ
|| 57 ||

Das Puraścaraṇajapa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Ein Zehntel wird mit Lotussen geopfert, die mit den drei süßen Stoffen versehen sind. Dazu heißt es: Man wiederholt das vom Bimbabīja umschlossene Mantra 300.000-mal und opfert ein Zehntel mit geöffneten, süß besprengten Lotussen.


P2-0367 · 58
imaṃ mantraṃ japenmarttyaḥ kāntiṃ putrān dhanaṃ dyutim |
vāksiddhimatulāṃ lakṣmīṃ saubhāgyamapi sādhayet
|| 58 ||

Ein Mensch, der dieses Mantra wiederholt, erlangt Schönheit, Söhne, Vermögen, Glanz, vollendete Wirksamkeit der Sprache, unvergleichlichen Wohlstand und Glück.


Ergänzungen zu ausdrücklichen Rückverweisen

Die folgenden Stellen erläutern die im Ablauf vorausgesetzten Mantras oder Teilhandlungen. Sie bilden hier keine zusätzliche, vollständig zu wiederholende Puja.

P2-0344 · 34
asya pūjā:
sāmānyapūjāpaddhatyukta prātaḥkṛtyādiprāṇāyāmāntaṃ
vidhāya pīṭhanyāsaṃ kuryāt |
tatra viśeṣaḥ:
svahṛdayasya pūrvādidikṣu madhye ca prabhūtaṃ vimalaṃ sāraṃ
samārādhyaṃ paramasukhaṃ vinyasya ādhāraśaktyādi aṃ
sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ ityantaṃ nyaset |
tathā ca nibandhe:
pīṭhe kḷpte prathamaṃ dikṣu madhye ca saṃyajet |
prabhūtaṃ vimalaṃ sāraṃ samārādhyamanantaram |
paramādisukhaṃ pīṭhaṃ svavidyāntaṃ prakalpayet |
tataḥ keśareṣu madhye ca rāṃ dīptāyai namaḥ, rīṃ sūkṣmāyai
namaḥ, rūpaṃ jayāyai, reṃ bhadrāyai, raiṃ vibhūtyai, roṃ
vimalāyai, rauṃ amoghāyai, raṃ vidyutāyai, raḥ sarvatomukhyai namaḥ
|
taduktaṃ nibandhe:
dīptā sūkṣmā jayā bhadrā vibhūtirvimalā punaḥ |
amoghā vidyutā sarvatomukhī pīṭhaśaktayaḥ |
dīptadīpaśikhākārā bījanyāsaṃ vidyuḥ kramāt |
aklīvahrasvatritayasvarānvindvagnisaṃyutān || tadupari oṃ
brahmaviṣṇuśivātmakāya saurāya yogapīṭhāya namaḥ |
tathā ca śāradāyām:
vadetpadaṃ caturthyantaṃ brahmaviṣṇu śivātmakam |
saurāya yogapīṭhāya namaḥ padamanantaram ||
pīṭhamantro'yamākhyāto dineśasya jagatpateḥ
|| 34 ||

Seine Verehrung: Nach den im allgemeinen Pūjāverfahren beschriebenen morgendlichen Handlungen bis zur Atemregelung vollzieht man den Sitznyāsa. Die Besonderheit: In den im Osten beginnenden Richtungen des eigenen Herzens und in der Mitte setzt man Prabhūta, Vimala, Sāra, Samārādhya und Paramasukha ein. Danach folgt die Reihe, beginnend mit Ādhāraśakti, bis „aṃ sūryamaṇḍalāya dvādaśakalātmane namaḥ – Verehrung der Sonnensphäre, deren Wesen die zwölf Kräfte sind“. Im Nibandha heißt es: Zuerst verehrt man auf dem gebildeten Sitz in den Richtungen und der Mitte Prabhūta, Vimala, Sāra, Samārādhya und Paramasukha; man bildet den Sitz bis zur eigenen Vidyā. Dann setzt man auf die Staubfäden und in die Mitte, jeweils mit namaḥ: rāṃ Dīptā, rīṃ Sūkṣmā, „rūpaṃ“ Jayā, reṃ Bhadrā, raiṃ Vibhūti, roṃ Vimalā, rauṃ Amoghā, raṃ Vidyutā und raḥ Sarvatomukhī. Der Nibandha nennt diese neun Sitzkräfte und beschreibt sie in Gestalt strahlender Lampenflammen. Ihre Bījas bestehen der Reihe nach aus den Vokalen unter Auslassung der neutralen und drei kurzen, verbunden mit Bindu und Feuerlaut. Darüber: „oṃ brahmaviṣṇuśivātmakāya saurāya yogapīṭhāya namaḥ – Verehrung dem solaren Yogasitz, dessen Wesen Brahmā, Viṣṇu und Śiva sind“. Die Śāradā erklärt dieselbe Wortfolge und nennt sie das Sitzmantra des Tagesherrn, des Herrn der Welt. [Bei Jayā steht rūpaṃ statt des nach der Reihe erwartbaren rūṃ.]


P2-0345 · 35
tataḥ ṛṣyādinyāsaḥ:
śirasi devabhāga-ṛṣaye namaḥ, mukhe gāyatrīcchandase namaḥ, hṛdi
ādityāya devatāyai namaḥ |
tathā ca nibandhe:
devabhāgo muniḥprokto gāyatrīcchanda īritam |
ādityo devatā prokto dṛṣṭādṛṣṭaphalapradaḥ
|| 35 ||

Der Sehernyāsa: auf dem Kopf „devabhāgaṛṣaye namaḥ – Verehrung dem Seher Devabhāga“; am Mund „gāyatrīchandase namaḥ“; am Herzen „ādityāya devatāyai namaḥ – Verehrung der Gottheit Āditya“. Im Nibandha heißt es: Devabhāga ist der Seher, Gāyatrī das Versmaß und Āditya die Gottheit, die sichtbare und unsichtbare Früchte schenkt.


Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.

P2-0360 · 51
मन्त्रान्तम्
आकाशवह्निपवनसत्यान्तार्घीशविन्दुमत् ।
मार्त्तण्डभैरवं नाम बीजमेतदुदाहृतम् ।
पुटितं विम्बबीजेन सर्वकामफलप्रदम्
॥ ५१ ॥

P2-0361 · 52
विम्बबीजमाह तन्त्रे:
टान्तं दहननेत्रेन्दुसहितं तदुदाहृतम्
॥ ५२ ॥

P2-0362 · 53
अस्य पूजाप्रयोगः:
प्रातःकृत्यादि पूर्वमन्त्रोक्त पीठन्यासान्तं कर्म विधाय
पूर्ववत्-ऋष्यादिन्यासं कुर्यात्
॥ ५३ ॥

P2-0363 · 54
ततो मूर्तिन्यासः:
ठ्रं सूर्याय नमो.आंगुष्ठयोः ।
ठ्रिं भास्काराय नमस्तर्जन्योः ।
ठ्रुं भानवे नमो मध्यमयोः ।
ठ्रें रवये नमोऽनामिकयोः ।
ठ्रों दिवाकराय नमः कनिष्ठयोः ।
ततः शिरसि वदने हृदये पादेषुतान् तत्तद्वीजादिकान् न्यसेत् ।
तथा च निबन्धे:
पञ्चह्रस्वाढ्य बीजेन पञ्चमूर्तीः प्रविन्यसेत् ।
अंगुष्ठादिकनिष्ठान्तमंगुलीषु क्रमादिमाः ॥
सूर्यस्तु भास्करो भानुस्ततो रविर्दिवाकरौ ।
शिरोवदनहृद्गुह्य पाददेशेषुतान् पुनः ॥
ततः कराङ्गन्यासः:
ठ्रां अंगुष्ठाभ्यां नमः ।
ठ्रीं तर्जनीभ्यां स्वाहा ।
ठ्रूं मध्यमाभ्यां वषट् ।
ठ्रैं अनामिकाभ्यां हुं ।
ठ्रौं कनिष्ठाभ्यां वौषट् ।
ठ्रः करतलपृष्ठाभ्यां फट् ।
एवं ठ्रां हृदयाय नमः इत्यादि ॥
तथा च निबन्धे:
व्यापकं मूलबीजेन कुर्वीत तदन्तरम्
॥ ५४ ॥

P2-0364 · 55
ततो धायनम्:
हेमाम्भोज प्रवालप्रतिमनिजरुचिंचारुखट्टाङ्ग चापौ चक्रं
शक्तिं सपाशं सृणुमतिरुचिरामक्षमालां कपालम् ।
हस्ताम्भोजैर्दधानं त्रियनयनविलसद्वेदवक्त्राभिरामं,
मार्त्तण्डं वल्लभार्द्ध मणिमयमुकुटं हारदीप्तं
भजामः ॥
एवं ध्यात्वा मानसैः सम्पूज्य अर्घ्यस्थापनं कुर्यात्
॥ ५५ ॥

P2-0365 · 56
ततः पूर्वोक्तक्रमेण पीठमन्वन्तं सम्पूज्य पूर्वादिषु
कर्णिकायां ॐ ऊषायै नमः ।
एवं प्रज्ञायै प्रभायै सन्ध्यायै इति सम्पूज्य मूर्ति मूलेन
कल्पयेत् ।
ततः पुनर्ध्यात्वा आवाहनादिपञ्चपुष्पाञ्जलिदानपर्यन्तं
कर्म विधाय आवरणपूजामारभेत् ।
तथा च निबन्धे:
पीठे दिप्तादिभिर्युक्ते कर्णिकायामुषादिकाः ।
पूर्वादिदिक्षु सम्पूज्य मूर्ति मूलेन कल्पयेत् ।
ततः पूर्वादि दिक्षु सूर्यं भास्करं भानुं रविञ्च पूजयेत् ।
कोणेषु दिवाकरम् ।
ततोऽग्निनिर्-ऋतिवायव्यीशानकोणेषु ठ्रां हृदयाय नमः इत्यादि ।
ईशाने ठ्रौं नेत्रत्रयाय वौषट् ।
शारदायाम्:
सूर्यादीन् चतुरो दिक्षु विदिक्ष्वन्यं समर्चयेत् ।
अङ्गपूजा यथा पूर्वं नेत्रमीशादिदिग्गतमिति ।
ततः पूर्ववच्चन्द्रादि अष्टग्रहान् सम्पूज्य भूगृहेषु लोकपालान्
पूजयेत् ।
तथा च निबन्धे:
ग्रहानष्टौ तथा वाये लोकपालांस्ततः परम् ।
ततो धूपादिविसर्जनान्तं कर्म समापयेत्
॥ ५६ ॥

P2-0366 · 57
अस्य पुरश्चरणजपो लक्षत्रयसंख्यः ।
त्रिमधुरोपेतैः पद्मैर्दशांशहोमः ।
तथा च:
लक्षत्रयं जपेन्मन्त्रं विम्बबीजपुटीकृतम् ।
दक्षांशं कमलैः फुल्लैर्जुहुयान्मधुरोक्षितैः
॥ ५७ ॥

P2-0367 · 58
इमं मन्त्रं जपेन्मर्त्त्यः कान्तिं पुत्रान् धनं द्युतिम् ।
वाक्सिद्धिमतुलां लक्ष्मीं सौभाग्यमपि साधयेत्
॥ ५८ ॥

P2-0344 · 34
अस्य पूजा:
सामान्यपूजापद्धत्युक्त प्रातःकृत्यादिप्राणायामान्तं
विधाय पीठन्यासं कुर्यात् ।
तत्र विशेषः:
स्वहृदयस्य पूर्वादिदिक्षु मध्ये च प्रभूतं विमलं सारं
समाराध्यं परमसुखं विन्यस्य आधारशक्त्यादि अं
सूर्यमण्डलाय द्वादशकलात्मने नमः इत्यन्तं न्यसेत् ।
तथा च निबन्धे:
पीठे कॢप्ते प्रथमं दिक्षु मध्ये च संयजेत् ।
प्रभूतं विमलं सारं समाराध्यमनन्तरम् ।
परमादिसुखं पीठं स्वविद्यान्तं प्रकल्पयेत् ।
ततः केशरेषु मध्ये च रां दीप्तायै नमः, रीं सूक्ष्मायै
नमः, रूपं जयायै, रें भद्रायै, रैं विभूत्यै, रों
विमलायै, रौं अमोघायै, रं विद्युतायै, रः सर्वतोमुख्यै नमः
।
तदुक्तं निबन्धे:
दीप्ता सूक्ष्मा जया भद्रा विभूतिर्विमला पुनः ।
अमोघा विद्युता सर्वतोमुखी पीठशक्तयः ।
दीप्तदीपशिखाकारा बीजन्यासं विद्युः क्रमात् ।
अक्लीवह्रस्वत्रितयस्वरान्विन्द्वग्निसंयुतान् ॥ तदुपरि ॐ
ब्रह्मविष्णुशिवात्मकाय सौराय योगपीठाय नमः ।
तथा च शारदायाम्:
वदेत्पदं चतुर्थ्यन्तं ब्रह्मविष्णु शिवात्मकम् ।
सौराय योगपीठाय नमः पदमनन्तरम् ॥
पीठमन्त्रोऽयमाख्यातो दिनेशस्य जगत्पतेः
॥ ३४ ॥

P2-0345 · 35
ततः ऋष्यादिन्यासः:
शिरसि देवभाग-ऋषये नमः, मुखे गायत्रीच्छन्दसे नमः, हृदि
आदित्याय देवतायै नमः ।
तथा च निबन्धे:
देवभागो मुनिःप्रोक्तो गायत्रीच्छन्द ईरितम् ।
आदित्यो देवता प्रोक्तो दृष्टादृष्टफलप्रदः
॥ ३५ ॥

Quellen und Textstand

  • Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
  • Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
  • Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
  • Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-0360–P2-0367; ergänzend P2-0344–P2-0345


Siehe auch

Seminare

Kundalini Yoga

06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung

Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…
Arjuna Wingen
13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Manuel Hirning

Indische Schriften

26.12.2026 - 02.01.2027 Indische Rituale Ausbildung

Du interessierst dich für indische Rituale? Du hast die einzigartige Gelegenheit, in dieser Rituale Ausbildung bei Yoga Vidya die kleine Puja, große P…
Sukadev Bretz, Shankari Winkelbauer
01.01.2027 - 10.01.2027 Yogalehrer Weiterbildung Intensiv A1 - Jnana Yoga und Vedanta

Kompakte, vielseitige Weiterbildung für Yogalehrer rund um Jnana Yoga und Vedanta.
Tauche tief ein ins Jnana Yoga und Vedanta, studiere die indischen S…
Vedamurti Dr Olaf Schönert

Chakras

20.11.2026 - 22.11.2026 Heilreise durch die Chakren

Tauche ein in eine transformative Reise durch die sieben Hauptchakren und erfahre, wie du deine Energiezentren aktivieren, ausbalancieren und für dein …
Nese Niekrens, Gajendra Sebastian Niekrens
26.12.2026 - 01.01.2027 Kundalini Yoga Intensiv Praxis - Live Online

Intensives Praktizieren der im Mittelstufen-Seminar gelernten Übungen für noch tiefere Erfahrung und Erweiterung des Bewusstseins ohne viel Theorie. L…
Sukadev Bretz, Shaktipriya Vogt, Radharani Birkner

Energiearbeit

06.11.2026 - 08.11.2026 Kundalini Yoga Einführung

Gründliche Einführung in die Theorie und Praxis des Kundalini Yoga, Yoga der Energie. Die praktischen Übungen des Kundalini Yoga umfassen Pranayama (…
Arjuna Wingen
13.11.2026 - 15.11.2026 Kundalini Yoga Mittelstufe

Intensives Kundalini Yoga Seminar zur Erweckung der inneren Kundalini Energie, Erweiterung des Bewusstseins und Entfaltung des vollen Potentials. Yoga A…
Manuel Hirning