Lakshmi Sharanagati nach dem Lakshmi Tantra

Aus Yogawiki

Lakshmi Sharanagati nach dem Lakshmi Tantra führt durch acht zusammenhängende Gebetsverse zur Sharanagati, der Zufluchtnahme bei der Göttin. Wohlwollen gegenüber allen Wesen und das Eingeständnis begrenzter eigener Kraft eröffnen die Hingabe.

Lakshmi als göttliche Lehrerin und Zuflucht.

Umfang der Anleitung: Vollständige Gebetsfolge 50.214–221 mit Vorbereitung, stiller Betrachtung und Abschluss; keine umfassende Lakshmi-Puja.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Geeignet als tägliche Gebetsandacht oder in einer Zeit persönlicher Neuorientierung. Ein ruhiger Sitz genügt; ein Lakshmi-Bild ist möglich. Der Text enthält keine geheime Bija-Rezitation. Wer eine formelle Prapatti nach einer bestimmten Pancharatra-Überlieferung vollzieht, folgt deren Unterweisung; diese Anleitung beschreibt die Gebetsandacht, keine institutionelle Aufnahme oder Einweihung.

Die Lakshmi Puja verbindet dieselbe Hingabe an Lakshmi mit äußeren Gaben. Für eine weitere Rezitation bietet sich das Shri Sukta an. Beide Artikel erschließen eigene Formen der Verehrung; die acht Verse dieser Sharanagati werden hier als zusammenhängendes Gebet ausgeführt.

1. Wohlwollen als Voraussetzung

Setze dich ruhig vor ein Bild von Lakshmi oder vergegenwärtige sie im Herzen. Lass die Hände auf den Oberschenkeln ruhen. Prüfe ehrlich: Gegen wen hege ich Feindseligkeit? Wo kann ich heute ein schädigendes Verhalten aufgeben? Entscheide dich für eine konkrete wohlwollende Handlung. Die Verse setzen diese Hinwendung zu allen Wesen voraus; bloßes Aufsagen ersetzt sie nicht.

2. Die Grenzen der eigenen Kraft anerkennen

Richte die Aufmerksamkeit auf Lakshmi als göttliche Zuflucht. Stelle dir vor, das schwer zu tragende Eigene zu ihren Füßen abzulegen: Stolz, Sorge um das Ergebnis und die Vorstellung, alles allein leisten zu müssen. Selbsthingabe bedeutet hier nicht, notwendige Entscheidungen oder Verantwortung abzugeben. Die persönlichen Beispiele dienen der heutigen Ausführung des Gebets.

3. Die acht Verse vollständig beten

Führe die Hände vor dem Herzen zusammen. Rezitiere die acht Verse einmal in der folgenden Reihenfolge. Lies beim ersten Vollzug jeweils auch die deutsche Bedeutung; später kann die Bedeutung innerlich mitklingen. Die Verse 6 und 7 bilden einen zusammenhängenden Satz.

Vers 1 · Lakshmi Tantra 50.214

prātikūlyaṃ parityaktam ānukūlyaṃ ca saṃśritam |
mayā sarveṣu bhūteṣu yathāśakti yathāmati ||

Ich habe Feindseligkeit aufgegeben und mich der wohlwollenden Haltung gegenüber allen Wesen zugewandt, nach meiner Kraft und meinem Verständnis.

Vers 2 · Lakshmi Tantra 50.215

apāyebhyo nivṛtto’smi pātakebhyo bhavodadhau |
tathāpy atra pravṛttir yā tvatsmṛteḥ sāpi naśyatu ||

Ich habe mich von den verderblichen Wegen und Verfehlungen im Ozean des Werdens abgewandt. Welche Neigung dazu dennoch bleibt, möge durch die Erinnerung an dich schwinden.

Vers 3 · Lakshmi Tantra 50.216

alasasyālpaśakteś ca yathāvac cāvijānataḥ |
upāyāś coditāḥ śāstrair na me syus tārakās trayaḥ ||

Für mich, der ich träge bin, nur geringe Kraft habe und nicht richtig verstehe, vermögen die drei in den Schriften gelehrten Mittel nicht die rettende Überfahrt zu bewirken.

Vers 4 · Lakshmi Tantra 50.217

tathāpy atra pravṛttir yā tvadājñāpālanaṃ tu tat |
tato’ham anupāyatvāt kṛpaṇo’kiṃcano’gatiḥ ||

Was ich dennoch in diesen Wegen tue, geschieht als Befolgen deines Geheißes. Weil mir ein aus eigener Kraft tragendes Mittel fehlt, bin ich hilfsbedürftig, besitzlos und ohne Zuflucht.

Vers 5 · Lakshmi Tantra 50.218

chāyām āśritya varte’haṃ tvadīyāṃ tāpahāriṇīm |
nirupādhiḥ svatantrā ca svāminī naḥ kṛpānidhiḥ ||

Ich lebe, indem ich in deinem kühlenden, das Brennen stillenden Schatten Zuflucht nehme. Du bist unsere uneingeschränkte, freie Herrin, ein Schatz des Mitgefühls.

Vers 6 · Lakshmi Tantra 50.219

tvam eva sarvaśāstreṣu śaraṇatvena gīyase |
ātmātmīyaṃ ca yat kiṃcid dustyajaṃ durbharaṃ matam ||

Du allein wirst in allen Schriften als Zuflucht besungen. Das Selbst und alles Eigene, was schwer loszulassen und schwer zu tragen erscheint …

Vers 7 · Lakshmi Tantra 50.220

tat sarvaṃ tava vinyastaṃ śubhayoḥ pādapadmayoḥ |
upeyāyās tava prāptyai tvām upāyaṃ tathā vṛṇe ||

… all das ist zu deinen beiden heilvollen Lotusfüßen niedergelegt. Um dich, das ersehnte Ziel, zu erreichen, wähle ich ebenso dich als den Weg.

Vers 8 · Lakshmi Tantra 50.221

upāyo bhava me devi śaraṇaṃ bhava me’mbuje |
pluṣya me duritaṃ sarvaṃ puṣya me tvadgatāṃ dhiyam ||

Sei mein Weg, o Göttin; sei meine Zuflucht, o Lotusgeborene. Verbrenne alle meine Verfehlung und nähre meine auf dich gerichtete Einsicht.

4. In der Zuflucht verweilen

Löse die Hände und bleibe still. Vergegenwärtige Lakshmi als Ziel und tragenden Weg zugleich. Du brauchst keinen weiteren Mantra anzuschließen. Die „drei Mittel“ des dritten Verses werden im Gebet der eigenen begrenzten Fähigkeit gegenübergestellt; die Bitte richtet sich auf die göttliche Gnade. Selbstbezeichnungen wie „hilfsbedürftig“ gehören zur Sprache der Hingabe und sind keine Aufforderung zur Selbstverachtung.

5. Die Hingabe im Handeln fortsetzen

Verneige dich und beende die Andacht. Führe, wenn möglich, noch am selben Tag die im ersten Schritt gewählte wohlwollende Handlung aus. Die Quelle verbindet Zuflucht und innere Ausrichtung; die konkrete Tageshandlung ist eine redaktionelle Hilfe, dies praktisch zu leben.

Vertiefung

Yoga-Vidya-Video zur Hinwendung an Lakshmi. Das Video begleitet das Thema; die konkrete Ritualfolge steht vollständig in diesem Artikel.

Siehe auch

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Quellen und redaktionelle Hinweise

Lakshmi Tantra, Kapitel 50, Verse 212–222, insbesondere der hier vollständig wiedergegebene Gebetsabschnitt 214–221. Textgrundlage: Sanskrit-IAST-Projektfassung. Vers 220 führt den in 219 begonnenen Satz fort. Die Sanskritformen bleiben erhalten; Wortgrenzen und Apostrophe sind zur Lesbarkeit verdeutlicht. Die zeitliche Gliederung in fünf Schritte, persönliche Reflexionsfragen und der praktische Tagesbezug sind redaktionelle Ausarbeitung. Es wird keine vom Text nicht genannte verpflichtende Wiederholungszahl angesetzt.