Brahman Puja nach dem Mahanirvana Tantra
Brahman Puja nach dem Mahanirvana Tantra ist eine Verehrung des einen, allgegenwärtigen Brahman. Sie verbindet Nyasa, innere Gaben, äußere Opfergaben, Japa, einen vollständigen Lobgesang und das schützende Kavaca. Das Ritual führt von der bewussten Sammlung zur Einsicht, dass Gebender, Gabe und Empfänger in derselben höchsten Wirklichkeit gründen.

Die Anleitung enthält die zusammenhängende Puja aus Kapitel 3. Ein Gottheitsbild ist dafür nicht erforderlich: Im Mittelpunkt steht Brahman als Sein und Bewusstsein, nicht der viergesichtige Schöpfergott Brahma.
Zweck, Anlass und Voraussetzungen
Die Puja dient nach der Schrift der Hinwendung zu Brahman und schließlich der Vereinigung mit Brahman. Im Alltag kann sie Dankbarkeit, geistige Sammlung und die Hingabe des eigenen Handelns ausdrücken. Sie eignet sich für die tägliche Andacht sowie für einen bewusst gewählten Beginn oder Abschluss eines Lebensabschnitts. Die letztgenannten Anlässe sind praktische Anwendungen, keine vom Tantra vorgeschriebenen Festtermine.
Für die traditionelle Mantra-Sadhana setzt das Kapitel den Empfang des Mantras von einem Guru voraus. Puja- und Sanskritkundige können den Ablauf mit der für sie geltenden Unterweisung durchführen. Die Anleitung vermittelt den Vollzug, sie ist keine Diksha. Das Kapitel erlaubt die Brahman-Verehrung zu jeder Zeit und unabhängig davon, ob man zuvor gebadet oder gegessen hat; Reinheit der inneren Haltung steht im Vordergrund.
Plane für die unten gewählte Ausführung ungefähr 25 bis 40 Minuten ein; dies ist eine praktische Zeitangabe. Benötigt werden ein ruhiger Sitz, gegebenenfalls eine Mala, ein kleiner Teller mit essbarer Gabe und Trinkwasser. Für die äußere Puja können Duftstoff, Blüte, Räucherwerk und eine Lampe hinzukommen. Stelle zum Ablegen der Gaben eine saubere Schale bereit. Ein Bild oder eine brennende Lampe kann der Sammlung dienen, ist aber kein notwendiger Aufenthaltsort Brahmans.
Zur Vertiefung: Das unvergängliche Brahman
Dieses Yoga-Vidya-Video erläutert den geistigen Hintergrund. Die konkrete Ritualfolge mit ihren Mantras steht in den folgenden Schritten.
1. Sitzen, Absicht und Hauptmantra
Setze dich aufrecht und bequem. Lege die Hände zusammen und werde dir deiner Absicht bewusst, etwa: „Ich verehre Brahman und bringe mein Denken, Sprechen und Handeln dar.“ Ein ausführlicher gesprochener Sankalpa ist hier nicht nötig; das Tantra nennt ausdrücklich den geistigen Sankalpa.
Der während dieser Puja verwendete Hauptmantra lautet:
oṃ saccidekaṃ brahma
Om. Brahman ist das eine Sein und Bewusstsein.
Sat ist Sein, cit Bewusstsein, ekam das Eine. Durch Sandhi wird daraus saccidekam; vor brahma steht in der Rezitationsschreibung saccidekaṃ. Sprich den Mantra zunächst dreimal ruhig, um dich zu sammeln. Diese dreifache Einstimmung ist eine redaktionelle Durchführungshilfe.
2. Seher, Versmaß und Anwendung vergegenwärtigen
Berühre nacheinander Scheitel, Mundbereich und Herz; sprich jeweils die zugehörige Formel. Halte danach beide Hände als offene Schale vor dem Herzen und benenne die Ausrichtung.
| Ort | Rezitation | Übersetzung |
|---|---|---|
| Scheitel | sadāśivāya ṛṣaye namaḥ | Verehrung Sadashiva, dem Seher. |
| Mund | anuṣṭupchandase namaḥ | Verehrung dem Versmaß Anushtubh. |
| Herz | paramabrahmaṇe devatāyai namaḥ | Verehrung dem höchsten Brahman als Gottheit. |
| Hände als Schale | caturvargaphalāvāptyai viniyogaḥ | Die Anwendung dient dem Erlangen der Früchte der vier Lebensziele. |
Die vier Lebensziele sind Dharma, Artha, Kama und Moksha: rechte Lebensführung, Lebensunterhalt und Gedeihen, erfülltes Leben und Befreiung. Die Angaben zu Seher, Versmaß, Gottheit und Anwendung stammen aus dem Tantra; die kurzen Namah-Formeln setzen diese Angaben als aussprechbaren Nyasa um.
3. Hand- und Körpernyasa
Die Hände weihen
Berühre die genannten Finger beider Hände; sprich jede Formel einmal. Die folgende Handhabung macht die im Grundtext genannten Nyasa-Stellen praktisch ausführbar.
| Handlung | Rezitation | Bedeutung |
|---|---|---|
| Beide Daumen mit den Zeigefingern berühren. | oṃ aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ | Den beiden Daumen wird Om zugeordnet; Abschluss: namaḥ. |
| Beide Zeigefinger mit den Daumen berühren. | sat tarjanībhyāṃ svāhā | Den beiden Zeigefingern wird Sein zugeordnet; Abschluss: svāhā. |
| Beide Mittelfinger mit den Daumen berühren. | cit madhyamābhyāṃ vaṣaṭ | Den beiden Mittelfingern wird Bewusstsein zugeordnet; Abschluss: vaṣaṭ. |
| Beide Ringfinger mit den Daumen berühren. | ekam anāmikābhyāṃ hūṃ | Den beiden Ringfingern wird das Eine zugeordnet; Abschluss: hūṃ. |
| Beide kleinen Finger mit den Daumen berühren. | brahma kaniṣṭhikābhyāṃ vauṣaṭ | Den beiden kleinen Fingern wird Brahman zugeordnet; Abschluss: vauṣaṭ. |
| Mit jeder Hand über Innenfläche und Rücken der anderen Hand streichen. | oṃ saccidekaṃ brahma karatalakarapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ | Den Handflächen und Handrücken wird der ganze Brahman-Mantra zugeordnet; Abschluss: phaṭ. |
Den Körper weihen
Führe anschließend dieselbe Folge an den sechs Körperstellen aus, jeweils mit der folgenden vollständigen Formel:
| Handlung | Rezitation | Bedeutung |
|---|---|---|
| Mit den rechten Fingerspitzen die Herzmitte berühren. | oṃ hṛdayāya namaḥ | Zuordnung von Om zu dem Herzen; Abschluss: namaḥ. |
| Den Scheitel berühren. | sat śirase svāhā | Zuordnung von Sein zu dem Kopf; Abschluss: svāhā. |
| Den hinteren oberen Kopfbereich berühren, den Ort der Shikha. | cit śikhāyai vaṣaṭ | Zuordnung von Bewusstsein zu der Shikha; Abschluss: vaṣaṭ. |
| Die Arme vor der Brust kreuzen und mit den Händen die gegenüberliegenden Oberarme berühren. | ekam kavacāya hūṃ | Zuordnung von dem Einen zu dem Schutzpanzer; Abschluss: hūṃ. |
| Rechten Mittelfinger zur Stirnmitte, Zeige- und Ringfinger behutsam neben das rechte und linke Auge bringen. | brahma netratrayāya vauṣaṭ | Zuordnung von Brahman zu den drei Augen; Abschluss: vauṣaṭ. |
| Mit rechtem Zeige- und Mittelfinger einmal auf die linke Handfläche tippen und einen schützenden Umkreis vergegenwärtigen. | oṃ saccidekaṃ brahma astrāya phaṭ | Zuordnung von dem ganzen Brahman-Mantra zu der Schutzwaffe; Abschluss: phaṭ. |
Namaḥ bedeutet Verehrung. Svāhā, vaṣaṭ und vauṣaṭ sind rituelle Übergabe- und Bekräftigungsrufe; hūṃ und phaṭ sind schützende beziehungsweise abgrenzende Mantralaute. Sie sind hier keine zusätzlichen Sätze, die sich wörtlich ins Deutsche übersetzen ließen.
4. Atemsammlung
Lasse den Atem zunächst ruhig fließen. Wer die im Tantra beschriebene Atembindung bereits gelernt hat, kann an dieser Stelle die folgende ursprüngliche Folge ausführen: Verschließe mit Mittel- und Ringfinger der rechten Hand die linke Nasenöffnung und atme rechts ein. Verschließe dann zusätzlich mit dem rechten Daumen die rechte Nasenöffnung und halte den Atem. Öffne anschließend nur rechts und atme langsam rechts aus. Für die zweite Runde bleibt rechts mit dem Daumen verschlossen: links einatmen, beide Seiten schließen und halten, links wieder öffnen und ausatmen. Die dritte Runde erfolgt wie die erste rechts. Ein- und Ausatmung geschehen somit innerhalb einer Runde auf derselben Seite; diese besondere Anweisung wird hier nicht in eine gewöhnliche Wechselatmung umgewandelt. Die inneren Mantrazahlen betragen beim Einatmen acht, beim Halten zweiunddreißig und beim Ausatmen sechzehn; als Zählmantra erlaubt die Quelle oṃ oder den Hauptmantra.
Diese Zahlen sind Mantrawiederholungen, keine Sekunden. Die Atembindung gehört in die dafür erhaltene Unterweisung. Für eine Ausführung ohne erlernte Atembindung bleibe bei einigen ruhigen Atemzügen und gehe zur Meditation weiter; diese Ausführung verzichtet bewusst auf den Kumbhaka-Abschnitt. Das Kapitel lässt die Brahman-Sadhana auch ohne die erweiterten Ritualglieder zu.
5. Brahman im Herzen meditieren
Schließe die Augen. Vergegenwärtige im Herzraum einen offenen Lotus. Richte dich in seiner Mitte auf unbegrenztes, klares Bewusstsein aus. Rezitiere:
hṛdayakamalamadhye nirviśeṣaṃ nirīhaṃ hariharavidhivedyaṃ yogibhirdhyānagamyam |
jananamaraṇabhītibhraṃsi saccitsvarūpaṃ sakalabhuvanabījaṃ brahma caitanyam īḍe ||
Ich preise Brahman als Bewusstsein: inmitten des Herzlotus, ohne unterscheidende Eigenschaften und ohne Begehren; von Vishnu, Shiva und Brahma erkannt und den Yogis durch Meditation zugänglich; die Furcht vor Geburt und Tod auflösend, von der Natur des Seins und Bewusstseins, der Same aller Welten.
Bleibe danach einen Augenblick bei dem Sinn des Verses. Die Form des Lotus trägt die Sammlung; Brahman selbst wird nicht auf eine sichtbare Gestalt begrenzt.
6. Fünf innere Gaben
Führe die folgenden Darbringungen nacheinander im Geist aus. Sprich bei jeder Gabe einmal oṃ saccidekaṃ brahma. Der Grundtext nennt die fünf Elemente und Gaben, schreibt dafür aber keine fünf eigenen Sanskritsätze vor; die Wiederholung des Hauptmantras bei jeder Gabe ist die hier gewählte Durchführung.
| Gabe | Innere Handlung |
|---|---|
| Duft aus dem Erdelement | Stelle dir allen reinen Duft der Erde vor und bringe ihn im Herzlotus dar. |
| Blüten aus dem Raum | Vergegenwärtige den grenzenlosen Raum als Blütengabe. |
| Räucherwerk aus dem Luftelement | Bringe die bewegende, tragende Kraft der Luft als Räucherduft dar. |
| Licht aus dem Feuerelement | Lasse das Licht des Feuers als Lampe vor dem inneren Heiligtum leuchten. |
| Speise aus dem Wasserelement | Bringe das nährende, erfrischende Wasserprinzip als Speise dar. |
Wiederhole danach den Hauptmantra still. Für diese Anleitung sind zwölf Wiederholungen eine praktische Vorgabe; der Text bestimmt hier keine Zahl. Übergib anschließend die Frucht dieses Japa innerlich Brahman, beispielsweise mit dem Gedanken: „Auch diese Wiederholung gehört dir.“
7. Äußere Gaben darbringen
Öffne die Augen und ordne die verfügbaren Gaben vor dir. Nicht jede mögliche Gabe muss vorhanden sein; die Quelle spricht ausdrücklich von den vorhandenen Gegenständen. Sprich über ihnen den folgenden vollständigen Darbringungsvers:
brahmārpaṇaṃ brahma havir brahmāgnau brahmaṇā hutam |
brahmaiva tena gantavyaṃ brahmakarmasamādhinā ||
Brahman ist das Darbringungsgerät; Brahman ist die Opfergabe; durch Brahman wird sie im Feuer Brahmans geopfert. Brahman allein erreicht, wer ganz im Handeln als Brahman gesammelt ist.
Schließe kurz die Augen und widme alle Gaben Brahman. Für die sichere Handhabung der vorbereiteten Gaben öffne die Augen wieder; die Textanweisung zur Darbringung mit geschlossenen Augen wird so als innerer Vollzug bewahrt. Lege nun Duftstoff und Blüte in die Opferschale, zeige das Räucherwerk und die Lampe, und stelle Speise sowie Trinkwasser hin. Führe nur die Handlungen aus, für die du Gaben vorbereitet hast. Bei jeder Handlung kannst du den Hauptmantra einmal sprechen; die Quelle schreibt hier keine gesonderten Upachara-Mantras vor.
Hier wird keine Avahana vorgenommen. Die Schrift schließt eine Herbeirufung und spätere Entlassung Brahmans ausdrücklich aus: Das Allgegenwärtige kommt nicht erst in einen Gegenstand und verlässt ihn anschließend wieder.
8. Japa und Hingabe der Wiederholung
Wiederhole mit geöffneten oder gesenkten Augen:
oṃ saccidekaṃ brahma
Om. Brahman ist das eine Sein und Bewusstsein.
Die Quelle sagt „nach eigener Kraft“. Wähle daher vorab eine angemessene Zahl. Eine Runde mit 108 Wiederholungen ist für diese Anleitung eine konkrete, redaktionell gewählte Möglichkeit, keine bindende Zahl dieser Puja. Bei einer Mala zählt jede Perle einen ganzen Mantra. Nach der Runde halte inne und übergib die Frucht des Japa Brahman. Ein frei formulierter innerer Hingabegedanke genügt; der Grundtext nennt hier keine eigene Übergabeformel.
9. Vollständiger Pancharatna-Lobgesang
Lege die Hände zusammen. Der Text empfiehlt diesen Lobgesang auch als tägliche Abendrezitation, besonders am Montag (3.65); innerhalb der hier beschriebenen Puja steht er nach dem Japa. Rezitiere die fünf Strophen einmal, mit einer kurzen Pause zwischen den Strophen. Bei einer gemeinsamen Puja kann eine Person vorsprechen und die Gruppe folgen.
Strophe 1
namaste sate sarvalokāśrayāya namaste cite viśvarūpātmakāya |
namo’dvaitatattvāya muktipradāya namo brahmaṇe vyāpine nirguṇāya ||
Verehrung dir, dem Sein, der Grundlage aller Welten; Verehrung dir, dem Bewusstsein, dessen Wesen die Gestalt des Alls ist. Verehrung der nichtdualen Wirklichkeit, die Befreiung gewährt; Verehrung Brahman, allgegenwärtig und ohne Eigenschaften.
Strophe 2
tvam ekaṃ śaraṇyaṃ tvam ekaṃ vareṇyaṃ tvam ekaṃ jagatkāraṇaṃ viśvarūpam |
tvam ekaṃ jagatkartṛpātṛprahartṛ tvam ekaṃ paraṃ niścalaṃ nirvikalpam ||
Du allein bist Zuflucht, du allein das Erwählenswerte; du allein bist Weltursache und allgestaltig. Du allein erschaffst, erhältst und löst die Welt auf. Du allein bist das Höchste, unbewegt und ohne gedankliche Unterscheidung.
Strophe 3
bhayānāṃ bhayaṃ bhīṣaṇaṃ bhīṣaṇānāṃ gatiḥ prāṇināṃ pāvanaṃ pāvanānām |
mahoccaiḥpadānāṃ niyantṛ tvam ekaṃ pareṣāṃ paraṃ rakṣakaṃ rakṣakāṇām ||
Du bist die Furcht der Ängste, der Schrecken des Schrecklichen, das Ziel der Lebewesen und das Läuternde der Läuternden. Du allein lenkst die höchsten Mächte, bist das Höchste des Hohen und der Beschützer der Beschützer.
Strophe 4
pareśa prabho sarvarūpāprakāśin anirdeśya sarvendriyāgamya satya |
acintyākṣara vyāpakāvyakta tattva jagadbhāsakādhīśa pāyād apāyāt ||
Höchster Herr, Mächtiger, in allen Gestalten unoffenbar; unaussprechliche Wahrheit, allen Sinnen unzugänglich! Dem Denken unzugängliche, unvergängliche, alldurchdringende, unmanifestierte Wirklichkeit, erhabener Erheller der Welt: Mögest du vor Unheil schützen.
Strophe 5
tad ekaṃ smarāmas tad ekaṃ japāmaḥ tad ekaṃ jagatsākṣirūpaṃ namāmaḥ |
sad ekaṃ nidhānaṃ nirālambam īśaṃ bhavāmbhodhipotaṃ śaraṇyaṃ vrajāmaḥ ||
Dieses Eine vergegenwärtigen wir, dieses Eine wiederholen wir im Japa; diesem Einen, dem Zeugen der Welt, verneigen wir uns. Zu dem einen Seienden, dem Urgrund, der selbst keiner Stütze bedarf, zum Herrn, zum Schiff über den Ozean des Werdens, nehmen wir Zuflucht.
10. Jaganmangala-Kavaca
Für das Kavaca nennt die Quelle dieselben Zuordnungen: Sadashiva als Seher, Anushtubh als Versmaß, das höchste Brahman als Gottheit und die vier Lebensziele als Anwendung. Wiederhole den kurzen Rishi-Nyasa aus Schritt 2. Sprich dann beide Schutzverse. Vergegenwärtige jeweils den genannten Körperbereich im allgegenwärtigen Bewusstsein; eine zusätzliche Berührung ist für die Rezitation nicht vorgeschrieben.
paramātmā śiraḥ pātu hṛdayaṃ parameśvaraḥ |
kaṇṭhaṃ pātu jagatpātā vadanaṃ sarvadṛgvibhuḥ ||
Das höchste Selbst möge den Kopf schützen, der höchste Herr das Herz. Der Hüter der Welt möge die Kehle schützen, der allsehende, allgegenwärtige Herr das Gesicht.
karau me pātu viśvātmā pādau rakṣatu cinmayaḥ |
sarvāṅgaṃ sarvadā pātu paraṃ brahma sanātanam ||
Das Selbst des Alls möge meine Hände schützen; der aus Bewusstsein Bestehende behüte die Füße. Den ganzen Körper möge jederzeit das höchste, ewige Brahman schützen.
11. Verneigung, Prasad und Abschluss
Rezitiere den folgenden Vers und verneige dich danach mit zusammengelegten Händen oder körperlich, soweit es für dich passend ist:
namaste paramaṃ brahma namaste paramātmane |
nirguṇāya namas tubhyaṃ sadrūpāya namo namaḥ ||
Verehrung dir, höchstes Brahman; Verehrung dem höchsten Selbst. Dir, dem Eigenschaftslosen, sei Verehrung; dem, dessen Wesen Sein ist, immer wieder Verehrung.
Bleibe kurz still. Empfange die dargebotene Speise als Prasad und teile sie gegebenenfalls mit den Anwesenden. Das Tantra hebt hier ausdrücklich die gemeinsame Annahme der Gabe hervor. Lösche anschließend die Lampe und räume die verwendeten Gegenstände achtsam auf. Eine Visarjana-Formel wird bei dieser Brahman-Puja nicht gesprochen.
Die innere Haltung soll in den Alltag weitergehen: Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und das Wohl anderer gehören im selben Kapitel zur Brahman-Praxis. So wird die Gabe am Altar zum Ausgangspunkt bewussten Handelns.
Verwandte Anleitungen
- Übersicht der Ritualanleitungen
- Brahman Sandhya nach dem Mahanirvana Tantra – die kurze tägliche Meditation mit 108 Brahma-Gayatri-Rezitationen.
- Speisenweihe an Brahman – die eigenständige Darbringung vor einer Mahlzeit.
- Brahman Kavaca Schutzritual – die ausgearbeitete Schutzrezitation.
- Mahaganapati Tarpana nach dem Nityotsava – eine Wassergabe aus einem anderen tantrischen Ritualsystem.
Quellen und Textgestalt
Grundlage ist das Mahanirvana Tantra, Kapitel 3, in der Ausgabe Mahanirvana Tantra Sanskrit IAST. Maßgeblich für die hier angegebenen Versnummern ist diese Sanskritfassung. Hauptmantra und Bedeutung: 3.12–16 und 3.31–36; Zuordnungen und Nyasa: 3.39–43; Atemfolge: 3.44–48; Meditation und innere Gaben: 3.49–53; äußere Verehrung und Japa: 3.54–57; vollständiges Stotra: 3.59–63; Kavaca und Abschluss: 3.67–77; Alltagsethik: 3.99–104; Erleichterungen und geistiger Sankalpa: 3.117–120. Die angegebenen zwölf inneren und 108 äußeren Japa-Wiederholungen sind eine ausführbare Auswahl innerhalb der im Text offengelassenen Zahl. Der Rishi-Nyasa und die konkreten Berührungsweisen setzen die Textangaben praktisch um. In 3.62 folgt die Lesung sarvarūpāprakāśin der angegebenen IAST-Fassung; abweichende Übersetzungen deuten diese Wortverbindung anders.
Zum Vergleich: Arthur Avalon (John Woodroffe), The Great Liberation (Mahānirvāṇa Tantra), 1913, Kapitel 3, englische Übersetzung. Einzelne Versnummern dieser Übersetzung weichen von der Wiki-Sanskritfassung ab. Die deutschen Mantraübersetzungen in dieser Anleitung sind neu formuliert; die rituellen Sanskrittexte stammen aus dem Grundtext. Worttrennung und Interpunktion wurden zum Rezitieren eingerichtet.
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