Speisenweihe an Brahman

Aus Yogawiki

Speisenweihe an Brahman ist ein kurzes Darbringungsritual vor dem Essen oder Trinken. Es verbindet die konkrete Mahlzeit mit der Erkenntnis, dass Nahrung, Lebenskraft, Empfangender und Gebender in Brahman gründen. Aus gewöhnlichem Essen wird eine bewusst empfangene Gabe, Prasad.

Darbringung und Prasad gehören zur lebendigen Puja-Tradition.

Das Mahanirvana Tantra beschreibt die Weihe von Speisen und Getränken im Rahmen seiner Brahman-Verehrung. Es nennt außerdem ausdrücklich die kurze Formel brahmārpaṇam astu für Essen und Trinken. Hier sind die ausführlichere Darbringung und diese Alltagsform getrennt beschrieben, damit beide ohne weitere Anleitung vollzogen werden können.

Zweck, Gelegenheit und Voraussetzungen

Die Darbringung dient Dankbarkeit, Hingabe und dem bewussten Empfangen der Nahrung. Sie kann vor jeder Mahlzeit, vor einem gemeinsamen Essen oder nach einer Puja vollzogen werden. Der Text setzt keine besondere Tageszeit und keine bestimmte Speise voraus.

Die ausgearbeitete Mantraform gehört zur Brahman-Sadhana des Kapitels und wird von jemandem geleitet, der den Mantra entsprechend seiner Unterweisung verwendet. Alle Anwesenden können die dargebotene Mahlzeit gemeinsam annehmen. Der Abschnitt wendet sich ausdrücklich gegen eine Abwertung des Prasad aufgrund der sozialen Herkunft derjenigen, die es zubereitet oder gebracht haben.

Benötigt werden die fertige, essbare Mahlzeit und gegebenenfalls ein Getränk. Stelle beides vor dich; du brauchst keine weitere Opferausstattung. Die Weihe ist eine geistige und rituelle Handlung. Für das tatsächliche Essen gelten weiterhin die üblichen Anforderungen an genießbare Lebensmittel.

Zur Vertiefung: Prasad – Gabe und Gnade
Dieses Yoga-Vidya-Video erläutert den geistigen Hintergrund. Die konkrete Ritualfolge mit ihren Mantras steht in den folgenden Schritten.

Ausführliche Speisenweihe

1. Die Mahlzeit bereitstellen

Richte die Speise und das Getränk an. Setze dich und sammle dich kurz. Bei einer gemeinsamen Mahlzeit warte, bis alle sitzen. Die Leitung legt die Hände zusammen; die anderen können dies ebenfalls tun.

2. Brahman vergegenwärtigen

Richte die Aufmerksamkeit auf die eine Wirklichkeit, die Nahrung, Körper, Bewusstsein und Handlung trägt. Sprich einmal den Hauptmantra:

oṃ saccidekaṃ brahma

Om. Brahman ist das eine Sein und Bewusstsein.

Die einmalige Rezitation ist hier die gewählte kurze Durchführung; für diese Speisenweihe verlangt der Quellentext keine Zählserie.

3. Die Darbringung rezitieren

Sprich über der bereitgestellten Nahrung:

brahmārpaṇaṃ brahma havir brahmāgnau brahmaṇā hutam |
brahmaiva tena gantavyaṃ brahmakarmasamādhinā ||

Brahman ist das Darbringungsgerät; Brahman ist die Opfergabe; durch Brahman wird sie im Feuer Brahmans geopfert. Brahman allein erreicht, wer ganz im Handeln als Brahman gesammelt ist.

Schließe kurz die Augen und bringe Speise und Getränk innerlich Brahman dar. Es braucht keine Vorstellung, dass Brahman erst herbeigerufen werden müsse. Bei einer gemeinsamen Mahlzeit können die Anwesenden den Vers mitsingen oder im Geist folgen.

4. Die Gabe bestätigen und empfangen

Öffne die Augen und sprich:

brahmārpaṇam astu

Es sei Brahman dargebracht.

Beginne danach mit dem Essen und teile die Gabe mit den Anwesenden. Wer eine gesonderte kleine Opferportion aufgestellt hat, kann sie jetzt als Prasad verteilen. Eine solche zusätzliche Portion ist für diese Darbringung nicht vorgeschrieben. Der Dank drückt sich auch darin aus, die Nahrung achtsam zu behandeln und nichts unnötig zu verschwenden.

Die kurze Form im Alltag

Wenn kein ausführliches Ritual stattfindet, halte unmittelbar vor dem ersten Bissen oder Schluck kurz inne. Vergegenwärtige die Mahlzeit als Gabe an Brahman und sprich:

brahmārpaṇam astu

Es sei Brahman dargebracht.

Iss oder trinke anschließend bewusst. Genau diese kurze Formel nennt 3.103 für Essen und Trinken. Sie ist daher eine eigenständig belegte Alltagsform; die übrigen Schritte müssen nicht bei jeder Mahlzeit hinzugefügt werden.

Nach einer Brahman-Puja

Wenn die Nahrung schon in der Brahman Puja nach dem Mahanirvana Tantra geweiht wurde, empfange sie nach dem Abschluss der Puja als Prasad. Eine zweite vollständige Weihe ist nicht erforderlich. Die Verbindung zwischen Verehrung und gemeinsamem Essen gehört ausdrücklich zum Ritual des Kapitels.

Verwandte Anleitungen

Quellen und Textgestalt

Grundlage ist das Mahanirvana Tantra, Kapitel 3, in der Ausgabe Mahanirvana Tantra Sanskrit IAST. Maßgeblich für die hier angegebenen Versnummern ist diese Sanskritfassung. Darbringungsvers und äußere Gaben: 3.54–56; gemeinsame Annahme des Prasad: 3.76; Speisenweihe und Freiheit von sozialen Speisetabus: 3.79–92; kurze Mahlzeitenformel: 3.103. Die Verbindung der ausführlichen Darbringung mit der kurzen Abschlussformel ist eine redaktionelle Zusammenstellung dieser beiden ausdrücklich belegten Vollzüge. Der Vers 3.56 entspricht auch Bhagavad Gita 4.24. Arpaṇa bezeichnet im Bild des Opferrituals das Darbringungsgerät beziehungsweise den Opferlöffel; die umfassendere Deutung als Darbringen ist ebenfalls verbreitet. Der Vers ist hier eine Rezitation über Speise und Getränk und verlangt kein zusätzliches Feueropfer.

Zum Vergleich: Arthur Avalon (John Woodroffe), The Great Liberation (Mahānirvāṇa Tantra), 1913, Kapitel 3, englische Übersetzung. Einzelne Versnummern dieser Übersetzung weichen von der Wiki-Sanskritfassung ab. Die deutschen Mantraübersetzungen in dieser Anleitung sind neu formuliert; die rituellen Sanskrittexte stammen aus dem Grundtext. Worttrennung und Interpunktion wurden zum Rezitieren eingerichtet.

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