Brahman Sandhya nach dem Mahanirvana Tantra

Aus Yogawiki

Brahman Sandhya nach dem Mahanirvana Tantra ist eine kurze tägliche Andacht mit Meditation, 108 Wiederholungen der Brahma-Gayatri und abschließender Verneigung. Sie richtet das Bewusstsein auf Brahman, die höchste Wirklichkeit, und gibt dem Übergang zwischen Morgen, Tagesmitte und Abend einen geistigen Mittelpunkt.

Ein ruhiger Beginn des Tages unterstützt die regelmäßige Meditation.

Der Ablauf ist im dritten Kapitel des Mahanirvana Tantra ausdrücklich als eigener Sandhya-Vollzug beschrieben. Es werden weder Feueropfer noch äußere Opfergaben benötigt. Die hier verwendete Brahma-Gayatri ist von der bekannten Savitri-Gayatri „tat savitur vareṇyam“ zu unterscheiden.

Wozu, wann und für wen?

Die Quelle nennt als Ziel die Läuterung des inneren Organs, des Antahkarana, und die Hinwendung zu Brahman. Sie schreibt Morgen, Mittag und Abend als drei Zeiten vor. Richte morgens, zur Tagesmitte und am Abend jeweils eine ruhige Zeit für die Rezitation ein. Das ist eine praktische Tagesgestaltung auf Grundlage der drei im Text genannten Zeiten. Für diese Sandhya nennt der Abschnitt keine minutengenauen Sonnenzeiten.

Die Anleitung richtet sich an Sanskritkundige in der Brahman-Mantra-Praxis. Das Kapitel ordnet diese Praxis in die Unterweisung durch einen Guru ein. Sitz und Ort können nach den Umständen gewählt werden; für eine volle Tagespraxis wird die gesamte folgende Folge dreimal täglich durchgeführt. Eine einzelne Abendandacht ist eine mögliche Anwendung, ersetzt aber nicht die vom Text genannte dreifache Tagesfolge.

Rechne praktisch mit ungefähr 10 bis 20 Minuten je Sitzung. Benötigt wird nur ein ruhiger Sitz. Eine Mala mit 108 Zählperlen erleichtert das Zählen; sie ist kein zusätzliches Pflichtglied dieses Abschnitts.

Zur Vertiefung: Brahman – das Absolute
Dieses Yoga-Vidya-Video erläutert den geistigen Hintergrund. Die konkrete Ritualfolge mit ihren Mantras steht in den folgenden Schritten.

1. Ankommen und ausrichten

Setze dich aufrecht und bequem. Lege die Hände auf die Oberschenkel oder vor dem Herzen zusammen. Lasse einige Atemzüge ruhig kommen und gehen. Fasse innerlich den Entschluss: „Ich widme diese Sandhya der Erkenntnis Brahmans.“ Die Formulierung ist eine praktische Hilfe, kein Sanskritzitat aus dem Tantra.

2. Meditation im Herzlotus

Schließe die Augen. Stelle dir in der Herzmitte einen offenen Lotus vor und vergegenwärtige darin klares, unbegrenztes Bewusstsein. Die Sandhya-Stelle verweist auf die zuvor erklärte Meditation; deshalb steht deren vollständiger Vers hier:

hṛdayakamalamadhye nirviśeṣaṃ nirīhaṃ hariharavidhivedyaṃ yogibhirdhyānagamyam |
jananamaraṇabhītibhraṃsi saccitsvarūpaṃ sakalabhuvanabījaṃ brahma caitanyam īḍe ||

Ich preise Brahman als Bewusstsein: inmitten des Herzlotus, ohne unterscheidende Eigenschaften und ohne Begehren; von Vishnu, Shiva und Brahma erkannt und den Yogis durch Meditation zugänglich; die Furcht vor Geburt und Tod auflösend, von der Natur des Seins und Bewusstseins, der Same aller Welten.

Lasse den Sinn einen Moment nachklingen. Ein bestimmtes Götterbild muss nicht visualisiert werden: Das Meditationsthema ist das eigenschaftslose Brahman.

3. Brahma-Gayatri 108-mal rezitieren

Sprich den folgenden Mantra vollständig; beide Zeilen zusammen zählen als eine Wiederholung:

parameśvarāya vidmahe paratattvāya dhīmahi |
tan no brahma pracodayāt ||

Mögen wir den höchsten Herrn erkennen; über die höchste Wirklichkeit wollen wir meditieren. Möge Brahman uns dazu anregen und erleuchten.

Wiederhole ihn 108-mal. Diese Zahl ist im Sandhya-Abschnitt ausdrücklich vorgeschrieben. Rezitiere in ruhigem Tempo, ohne die Worte zu verkürzen. Wenn du eine Mala verwendest, beginne neben der Meru-Perle und bewege nach jeder vollständigen Rezitation eine Zählperle weiter. Die Meru-Perle zählt nicht als zusätzliche Wiederholung. Ohne Mala kannst du 108 kleine Zählsteine verwenden oder neun Gruppen zu je zwölf Wiederholungen zählen.

Diese Fassung hat keinen zusätzlich vorgesetzten Pranava. Der Grundtext bildet den Mantra aus parameśvarāya vidmahe, paratattvāya dhīmahi und tan no brahma pracodayāt. Die vollständige Aussprache wird hier aus dieser Bildungsvorschrift ausgeschrieben.

4. Die Frucht des Japa darbringen

Lege die Mala ab. Halte die Hände vor dem Herzen zusammen und übergib die abgeschlossene Wiederholung innerlich Brahman. Du kannst dazu denken: „Ich bringe diese Rezitation und ihre Frucht Brahman dar.“ Das Tantra schreibt an dieser Stelle die Übergabe vor, nennt jedoch keinen besonderen Sanskritsatz dafür.

5. Verneigung und Rückkehr

Sprich den im Kapitel angegebenen Verneigungsvers:

namaste paramaṃ brahma namaste paramātmane |
nirguṇāya namas tubhyaṃ sadrūpāya namo namaḥ ||

Verehrung dir, höchstes Brahman; Verehrung dem höchsten Selbst. Dir, dem Eigenschaftslosen, sei Verehrung; dem, dessen Wesen Sein ist, immer wieder Verehrung.

Verneige dich, bleibe für einige Atemzüge still und öffne dann die Augen. Brahman wird nicht entlassen; eine Visarjana gehört nach dem Kapitel nicht zu dieser Verehrung. Nimm die Sammlung in die nächste Tätigkeit mit.

Ein übersichtlicher Tagesablauf

Zeitpunkt Vollzug
Morgens Meditation – 108 Brahma-Gayatri – Hingabe – Verneigung.
Mittags Dieselbe vollständige Folge; die Morgenrezitation wird nicht auf die Mittagszahl angerechnet.
Abends Dieselbe vollständige Folge; wer anschließend eine längere Andacht möchte, kann den Pancharatna-Lobgesang aus der Brahman-Puja anschließen.

Verwandte Anleitungen

Quellen und Textgestalt

Grundlage ist das Mahanirvana Tantra, Kapitel 3, in der Ausgabe Mahanirvana Tantra Sanskrit IAST. Maßgeblich für die hier angegebenen Versnummern ist diese Sanskritfassung. Sandhya-Anordnung und Zahl 108: 3.105–108; Bildung der Brahma-Gayatri: 3.109–110; vorausgesetzte Herzmeditation: 3.49–50; Verneigung: 3.73–74; keine Herbeirufung und Entlassung: 3.77. Die Hinweise zum Zählen und zum zeitlichen Einrichten des Tages sind praktische Erläuterungen; die drei Tageszeiten und die Zahl 108 stammen aus dem Text.

Zum Vergleich: Arthur Avalon (John Woodroffe), The Great Liberation (Mahānirvāṇa Tantra), 1913, Kapitel 3, englische Übersetzung. Einzelne Versnummern dieser Übersetzung weichen von der Wiki-Sanskritfassung ab. Die deutschen Mantraübersetzungen in dieser Anleitung sind neu formuliert; die rituellen Sanskrittexte stammen aus dem Grundtext. Worttrennung und Interpunktion wurden zum Rezitieren eingerichtet.

Seminare zur Vertiefung

Meditation

27.11.2026 - 29.11.2026 Atme dich frei! Yoga, Meditation & Achtsamkeit

Lade dich mit neuer Energie auf & stärke deine Selbstheilungskraft! Wir praktizieren dynamische und ausgleichende Atemübungen und bringen unseren Atem…
Adidivya Andre
29.11.2026 - 06.12.2026 Shivalaya Stille Retreat

Stille – Schweigen – Sein. In der Abgeschiedenheit des Shivalaya Retreatzentrums fühlst du dich dem Himmel ganz nah. Mit intensiver Meditations- un…
Swami Nirgunananda, Rukmini Keilbar

Bhakti Yoga

01.12.2026 - 01.12.2026 Mantra-Konzert

Aleah Gandarvika & Friends
18:45-19:45 Uhr
Aleah Gandarvika
04.12.2026 - 06.12.2026 Bhakti Yin Yoga meets Metta und Dharma

Tauche ein in eine außergewöhnliche tiefe Praxis des Bhakti Yin Yoga mit der Weisheit des Dharma und der liebenden Güte von Metta vereint. Wir laden …
Marco Büscher, Melanie Bhavani Bergweiler