Bhuvaneshvari Gebetsandacht mit vier Versen

Aus Yogawiki

Bhuvaneshvari Gebetsandacht mit vier Versen führt durch vier aufeinanderfolgende Verse der Bhuvaneshvari-Stuti des Prapanchasara Tantra. Das Lob entfaltet eine weite Sicht der Göttin: Sprache, kosmische Prinzipien und Elemente werden als ihre Erscheinungsweisen verehrt. Vier Blüten geben der Rezitation eine schlichte rituelle Form.

Shri-Yantra als thematisches Begleitbild zur Shakti-Verehrung; für diese Gebetsandacht wird kein Yantra vorausgesetzt.

Umfang: Vier vollständig ausgeschriebene Lobverse mit je einer Blütengabe und stiller Betrachtung.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Benötigt werden vier Blüten, ein Teller oder eine kleine Gabenschale und ein ruhiger Sitz. Ein Bild der Göttin kann die Hinwendung unterstützen. Plane fünfzehn bis zwanzig Minuten ein. Die Andacht rezitiert die vier ausgeschriebenen Lobverse; ein besonderer Bija-Mantra oder Nyasa gehört nicht zu diesem Ablauf.

Zur Vertiefung passen Devi Puja, Devi Archanam, Kameshvari Puja. Alle für die hier beschriebene Sitzung erforderlichen Schritte sind unten ausgeschrieben.

1. Den Platz und die innere Haltung bereiten

Stelle gegebenenfalls ein Bild der Göttin auf und lege vier Blüten bereit. Ohne Bild dient die innere Vorstellung der Göttin als Bezugspunkt. Setze dich aufrecht. Nimm dir Zeit, jeden Vers zunächst vollständig zu rezitieren und seine Bedeutung anschließend innerlich nachklingen zu lassen. Die deutsche Übersetzung ist eine Verständnishilfe und muss nicht zusätzlich gesprochen werden.

2. Die Göttin in der Sprache erkennen

Nimm eine Blüte. Sprich den Vers einmal vollständig und lege die Blüte dar. Verweile danach beim Klang deiner eigenen Stimme und bei der Stille, in die er zurückkehrt.

stutir vākyabaddhā padātmaiva vākyaṃ
padaṃ tv akṣarātmākṣaras tvaṃ maheśi |
dhruvaṃ tvāṃ tvam evākṣarais tvanmayais toṣyasi
tvanmayī vākpravṛttir yataḥ syāt ||

Ein Lob ist aus Sätzen gefügt, ein Satz besteht aus Wörtern und ein Wort aus Lauten. Du selbst bist der Laut, o höchste Göttin. So erfreust du dich selbst durch die aus dir bestehenden Laute, denn alles Entfalten der Rede ist von dir erfüllt.

3. Das Geheimnis der göttlichen Gestalt ehren

Nimm die zweite Blüte. Sprich den Vers einmal und lege sie dar. Betrachte das Bild der Göttin als eine Hilfe der Hinwendung zu einer Wirklichkeit, die das Bild übersteigt.

ajādhokṣajatrīkṣaṇāś cāpi rūpaṃ
paraṃ nābhijānanti māyāmayaṃ te |
stuvantīśi tāṃ tvām amī sthūlarūpāṃ
tad etāvad ambeha yuktaṃ mamāpi ||

Auch Aja, Adhokshaja und der Dreiäugige erkennen deine höchste, von Maya erfüllte Gestalt nicht. Sie preisen dich, o Herrin, in deiner sichtbaren Gestalt. Darum, o Mutter, ist auch mein Lob in dieser Weise angemessen. Aja bezeichnet hier Brahma, Adhokshaja Vishnu und der Dreiäugige Shiva.

4. Die Göttin als Ursprung der Entfaltung verehren

Nimm die dritte Blüte. Sprich den Vers einmal und lege sie dar. Betrachte still, wie sich aus einem ersten Impuls Klang, Gedanke und Ichbewusstsein entfalten. Diese Betrachtungsfrage überträgt die kosmologischen Begriffe in die persönliche Meditation.

namaste samasteśi bindusvarūpe
namaste ravatvena tattvābhidhāne |
namaste mahattvaṃ prapanne pradhāne
namaste tv ahaṅkāratattvasvarūpe ||

Verehrung dir, Herrin des Ganzen, deren Gestalt Bindu, der Ursprungspunkt, ist. Verehrung dir als Klang und als benanntem Wirklichkeitsprinzip. Verehrung dir, ursprüngliche Natur, die in das große Prinzip Mahat eingeht. Verehrung dir, deren Gestalt das Prinzip des Ichbewusstseins ist. Die zweite Zeile über Klang und Wirklichkeitsprinzip ist in dieser Textfassung sprachlich unsicher; die Übersetzung gibt ihren erkennbaren Sinn vorsichtig wieder.

5. Die Göttin in den Elementen ehren

Nimm die vierte Blüte. Sprich den Vers einmal und lege sie dar. Vergegenwärtige anschließend nacheinander Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde als Erscheinungsweisen der Göttin.

namaḥ śabdarūpe namo vyomarūpe
namaḥ sparśarūpe namo vāyurūpe |
namo rūpatejorasāmbhaḥsvarūpe
namaste'stu gandhātmike bhūsvarūpe ||

Verehrung dir in Gestalt des Klanges, Verehrung dir in Gestalt des Raumes. Verehrung dir in Gestalt der Berührung, Verehrung dir in Gestalt des Windes. Verehrung dir in Gestalt von sichtbarer Form und Feuer, Geschmack und Wasser. Verehrung dir, deren Wesen Duft und deren Gestalt die Erde ist.

6. Die Andacht in Stille abschließen

Betrachte die vier Blüten als eine zusammengehörige Gabe. Falte die Hände vor dem Herzen und verneige dich. Verweile anschließend zwei bis drei Minuten in Stille. Nimm wahr, dass Hören, Denken und Empfinden in einem gemeinsamen Bewusstseinsraum erscheinen. Beende die Andacht mit einem stillen Dank.

Vertiefung

Yoga-Vidya-Vortrag zu Mantra Chaitanya, der Bewusstseinskraft des Mantras. Das Video ist eine thematische Ergänzung; der konkrete Ablauf richtet sich nach dieser Anleitung.

Siehe auch

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Quellen und redaktionelle Hinweise

Prapanchasara Tantra, Sanskrit-IAST-Projektfassung; angegeben werden Kapitel und Vers. 10.50–53 werden vollständig wiedergegeben. Sie gehören zu der in 10.48 angekündigten Bhuvaneshvari-Stuti. Die vorliegende Andacht ist eine Auswahl aus dem längeren Stotra; sie beansprucht nicht dessen Vollständigkeit. Worttrennung und Zeilenfall wurden für die Rezitation angepasst. Insbesondere wird das über eine Druckzeile getrennte Wort toṣyasi in 10.50 wieder zusammengeführt. Die ungewöhnliche Fügung ravatvena tattvābhidhāne in 10.52 bleibt im Sanskrit unverändert. Ihre deutsche Wiedergabe ist eine vorsichtige Sinnannäherung an die Verbindung von Klang und benanntem Wirklichkeitsprinzip; eine abschließende Klärung dieser Lesart wird nicht beansprucht. Die vier Blütengaben, die Betrachtungsfragen und die abschließende Stille sind eine redaktionelle Praxisanordnung.