Asyavamiya Upanishad

Aus Yogawiki

Die Asyavamiya Upanishad (redaktioneller Sanskrittitel: अस्यवामीयोपनिषत्, Asyavāmīyopaniṣat; Name der vedischen Hymne: अस्य वामस्य सूक्तम्, Asya Vāmasya Sūktam), auch Asyavamiya Sukta genannt, ist die im Rigveda 1.164 überlieferte Rätselhymne des Sehers Dīrghatamas Aucathya. Der gebräuchlichere vedische Name Asya Vāmasya Sūkta stammt aus den Anfangsworten asya vāmasya, „dieses Freundlichen/Schönen“. „Asyavamiya Upanishad“ ist dagegen keine eigenständige Upanishad der Muktika-Liste, sondern eine spätere beziehungsweise redaktionelle Bezeichnung, die den ausgeprägt upanishadischen Erkenntnisgehalt des vollständigen Sūkta hervorhebt.

Die 52 Verse der Asyavamiya Upanishad entfalten kein lineares Lehrgespräch. Sie stellen kosmische Rätsel: ein Rad der Zeit mit zwölf Speichen, sieben Pferde und sieben Schwestern, Vater Himmel und Mutter Erde, die heilige Kuh, den göttlichen Vogel und die vier Ebenen der Rede. Zwei besonders einflussreiche Bilder sind die zwei Vögel auf demselben Baum und die Aussage: „Das Seiende ist eines; die Weisen benennen es auf vielerlei Weise.“ Beide wurden zu Grundmotiven späterer Upanishaden und des Vedanta.

Die Asyavamiya Upanishad verbindet vedische Dichtung, kosmologische Schau und Selbsterkenntnis.

Der Text verlangt langsames Lesen. Seine Wörter sind bewusst mehrdeutig; Sonne, Feuer, Opfer, Sprache, Atem und Bewusstsein spiegeln einander. Die Übersetzung gibt daher zunächst den sprachlich möglichen Sinn wieder und nennt wichtige Deutungen getrennt. Wo die alte Rätselsprache keine eindeutige Auflösung erlaubt, behauptet der Artikel keine Scheinsicherheit.

Asyavamiya Upanishad – Sanskrit (IAST), Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Die folgende Fassung gibt das vollständige Sūkta Ṛgveda 1.164 in akzentloser IAST-Umschrift wieder. Unter jedem einzelnen Vers folgen unmittelbar eine deutsche Übersetzung und eine vollständige Worterklärung nach dem vedischen Padapāṭha. Die Worterklärungen lösen Sandhi und wichtige Komposita auf; bei unsicheren alten Bedeutungen werden die sachlich vertretbaren Möglichkeiten genannt.

Verse 1–10 – Kosmische Verwandtschaft und Erkenntnisfragen

Vers 1 – Die drei Brüder
asya vāmasya palitasya hotustasya bhrātā madhyamo astyaśnaḥ |
tṛtīyo bhrātā ghṛtapṛṣṭho asyātrāpaśyam viśpatim saptaputram || 1 ||

Von diesem freundlichen, ergrauten Hotṛ-Priester ist der mittlere Bruder der Verzehrende. Sein dritter Bruder hat Ghee auf dem Rücken. Hier schaute ich den Herrn der Gemeinschaft, der sieben Söhne hat.

Wort-für-Wort-Erläuterung: asya – dieses; vāmasya – freundlichen, schönen; palitasya – ergrauten, alten; hotuḥ – des Hotṛ-Priesters, des Anrufers; tasya – dessen; bhrātā – Bruder; madhyamaḥ – mittlerer; asti – ist; aśnaḥ – essend, verzehrend; tṛtīyaḥ – dritter; bhrātā – Bruder; ghṛta-pṛṣṭhaḥ – mit Ghee auf dem Rücken; asya – dieses; atra – hier; apaśyam – ich sah; viśpatim – Herrn der Siedlung oder Gemeinschaft; sapta-putram – mit sieben Söhnen.

Vers 2 – Das eine Rad
sapta yuñjanti rathamekacakrameko aśvo vahati saptanāmā |
trinābhi cakramajaramanarvam yatremā viśvā bhuvanādhi tasthuḥ || 2 ||

Sieben spannen den Wagen mit dem einen Rad an. Ein einziges Pferd mit sieben Namen zieht ihn. Das Rad mit drei Naben altert nicht und wird durch nichts aufgehalten; auf ihm ruhen alle diese Welten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sapta – sieben; yuñjanti – sie spannen an; ratham – Wagen; eka-cakram – einrädrig; ekaḥ – einer, ein einziger; aśvaḥ – Pferd; vahati – trägt, zieht; sapta-nāmā – sieben Namen tragend; tri-nābhi – dreinabig; cakram – Rad; ajaram – nicht alternd; anarvam – unaufhaltsam, unbehindert; yatra – worauf, wo; imā – diese; viśvā – alle; bhuvanā – Welten, Wesenbereiche; adhi – darauf; tasthuḥ – sie stehen, ruhen.

Vers 3 – Sieben auf dem Wagen
imam rathamadhi ye sapta tasthuḥ saptacakram sapta vahantyaśvāḥ |
sapta svasāro abhi sam navante yatra gavām nihitā sapta nāma || 3 ||

Sieben stehen auf diesem Wagen; sieben Pferde ziehen den Wagen mit sieben Rädern. Sieben Schwestern rufen gemeinsam, dort, wo die sieben Namen der Kühe verborgen sind.

Wort-für-Wort-Erläuterung: imam – diesen; ratham – Wagen; adhi – auf; ye – welche, die; sapta – sieben; tasthuḥ – standen; sapta-cakram – siebenrädrig; sapta – sieben; vahanti – ziehen, tragen; aśvāḥ – Pferde; sapta – sieben; svasāraḥ – Schwestern; abhi – herzu, ringsum; sam – gemeinsam; navante – sie rufen, ertönen; yatra – wo; gavām – der Kühe; ni-hitā – niedergelegt, verborgen; sapta – sieben; nāma – Namen.

Vers 4 – Der Erstgeborene
ko dadarśa prathamam jāyamānamasthanvantam yadanasthā bibharti |
bhūmyā asurasṛgātmā kva svitko vidvāṃsamupa gātpraṣṭumetat || 4 ||

Wer sah den Erstgeborenen, als die Knochenlose den Knochenbewehrten trug? Wo sind Atem, Blut und Selbst der Erde? Wer geht zu einem Wissenden, um dies zu erfragen?

Wort-für-Wort-Erläuterung: kaḥ – wer; dadarśa – sah; prathamam – den ersten; jāyamānam – geboren werdenden; asthan-vantam – mit Knochen versehen; yat – als, wenn; anasthā – die Knochenlose; bibharti – trägt; bhūmyāḥ – der Erde; asuḥ – Lebensatem; asṛk – Blut; ātmā – Selbst, Lebensprinzip; kva – wo; svit – wohl, eigentlich; kaḥ – wer; vidvāṃsam – einen Wissenden; upa – zu, heran; gāt – möge gehen, geht; praṣṭum – um zu fragen; etat – dies.

Vers 5 – Die Spuren der Götter
pākaḥ pṛcchāmi manasāvijānandevānāmenā nihitā padāni |
vatse baṣkaye’dhi sapta tantūnvi tatnire kavaya otavā u || 5 ||

Unreif und im Geist noch ohne Erkenntnis frage ich nach den verborgenen Spuren der Götter. Über dem einjährigen Kalb spannten die Seher sieben Fäden aus, um daran zu weben.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pākaḥ – unreif, unerfahren; pṛcchāmi – ich frage; manasā – mit dem Geist; avi-jānan – nicht erkennend; devānām – der Götter; enā – diese, danach; ni-hitā – niedergelegt, verborgen; padāni – Schritte, Spuren, Stätten; vatse – am Kalb; baṣkaye – am einjährigen; adhi – darüber, auf; sapta – sieben; tantūn – Fäden; vi – auseinander, aus; tatnire – sie spannten; kavayaḥ – Seher, Dichter; otavai – zum Weben; ūṃ iti – bekräftigende vedische Partikel.

Vers 6 – Die Frage nach dem Einen
acikitvāñcikituṣaścidatra kavīnpṛcchāmi vidmane na vidvān |
vi yastastambha ṣaḷimā rajāṃsyajasya rūpe kimapi svidekam || 6 ||

Selbst unerfahren frage ich hier die erfahrenen Seher, um zu erkennen, obwohl ich nicht wissend bin: Was ist jenes Eine in der Gestalt des Ungeborenen, das diese sechs Räume auseinandergestützt hat?

Wort-für-Wort-Erläuterung: acikitvān – unerfahren, unwissend; cikituṣaḥ – die Erfahrenen, Wissenden; cit – sogar, eben; atra – hier; kavīn – Seher; pṛcchāmi – ich frage; vidmane – zum Erkennen; na – nicht; vidvān – wissend; vi – auseinander; yaḥ – welcher; tastambha – stützte; ṣaṭ – sechs; imā – diese; rajāṃsi – Räume, Luftbereiche; ajasya – des Ungeborenen; rūpe – in der Gestalt; kim – was; api – etwa, irgendein; svit – wohl; ekam – das Eine.

Vers 7 – Die Spur des Vogels
iha bravītu ya īmaṅga vedāsya vāmasya nihitam padam veḥ |
śīrṣṇaḥ kṣīram duhrate gāvo asya vavrim vasānā udakam padāpuḥ || 7 ||

Wer wirklich die verborgene Spur dieses freundlichen Vogels kennt, soll hier davon sprechen. Von seinem Haupt melken die Kühe Milch; in eine Hülle gekleidet haben sie mit dem Fuß Wasser getrunken.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iha – hier; bravītu – soll sprechen; yaḥ – wer; īm – ihn, dies; aṅga – wahrlich, doch; veda – weiß; asya – dieses; vāmasya – freundlichen, schönen; ni-hitam – verborgen; padam – Spur, Stätte; veḥ – des Vogels; śīrṣṇaḥ – vom Haupt; kṣīram – Milch; duhrate – sie melken; gāvaḥ – Kühe; asya – seines; vavrim – Hülle, Körper; vasānāḥ – tragend, bekleidet; udakam – Wasser; padā – mit dem Fuß; apuḥ – sie tranken, erlangten.

Vers 8 – Mutter und Vater
mātā pitaramṛta ā babhāja dhītyagre manasā sam hi jagme |
sā bībhatsurgarbharasā nividdhā namasvanta idupavākamīyuḥ || 8 ||

Die Mutter ließ den Vater an der kosmischen Ordnung teilhaben; am Anfang vereinigte sie sich in schöpferischer Einsicht und mit dem Geist. Von der Frucht des Leibes durchdrungen, empfand sie Scheu; die Ehrfürchtigen traten mit ihrem Anruf herzu.

Wort-für-Wort-Erläuterung: mātā – Mutter; pitaram – den Vater; ṛte – an der Ordnung, im Ṛta; ā – heran, Anteil; babhāja – teilte zu; dhītī – durch Einsicht, schöpferisches Denken; agre – am Anfang; manasā – mit dem Geist; sam – zusammen; hi – denn, gewiss; jagme – sie kam, vereinigte sich; – sie; bībhatsuḥ – scheu, abgeneigt; garbha-rasā – mit der Fruchtessenz des Keimes; ni-viddhā – durchbohrt, durchdrungen; namasvantaḥ – die Ehrfürchtigen; it – eben; upa-vākam – zum Anruf, Zuspruch; īyuḥ – sie gingen, kamen.

Vers 9 – Mutter, Keim und Kalb
yuktā mātāsīddhuri dakṣiṇāyā atiṣṭhadgarbho vṛjanīṣvantaḥ |
amīmedvatso anu gāmapaśyadviśvarūpyam triṣu yojaneṣu || 9 ||

Die Mutter war an die Deichsel der Opfergabe gespannt; der Keim stand im Innern der kraftvollen Räume. Das Kalb brüllte, blickte der Kuh nach und schaute ihre allgestaltige Erscheinung in den drei Verbindungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yuktā – angespannt, verbunden; mātā – Mutter; āsīt – war; dhuri – an der Deichsel, am Joch; dakṣiṇāyāḥ – der Opfergabe beziehungsweise rechten Unterscheidung; atiṣṭhat – stand; garbhaḥ – Keim, Embryo; vṛjanīṣu – in den kraftvollen Räumen; antar – innen; amīmet – brüllte; vatsaḥ – Kalb; anu – nach, hinterher; gām – Kuh; apaśyat – sah; viśva-rūpyam – Allgestaltigkeit; triṣu – in drei; yojaneṣu – Verbindungen, Anschirrungen.

Vers 10 – Drei Mütter und drei Väter
tisro mātṝstrīnpitṝnbibhradeka ūrdhvastasthau nemava glāpayanti |
mantrayante divo amuṣya pṛṣṭhe viśvavidam vācamaviśvaminvām || 10 ||

Der Eine steht aufrecht und trägt drei Mütter und drei Väter; sie lassen ihn nicht ermüden. Auf dem Rücken jenes Himmels beraten sie über die allwissende, doch nicht von allen erfasste Rede.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tisraḥ – drei; mātṝḥ – Mütter; trīn – drei; pitṝn – Väter; bibhrat – tragend; ekaḥ – der Eine; ūrdhvaḥ – aufrecht, oben; tasthau – stand; na – nicht; īm – ihn; ava – herab, nieder; glapayanti – sie lassen ermüden, schwächen; mantrayante – sie beraten, besprechen; divaḥ – des Himmels; amuṣya – jenes; pṛṣṭhe – auf dem Rücken, in der Höhe; viśva-vidam – allwissend; vācam – Rede; aviśva-minvām – nicht von allen erfasst oder erreicht.

Verse 11–19 – Das Rad der Zeit und die verborgene Ordnung

Vers 11 – Zwölf Speichen und 720 Kinder
dvādaśāram nahi tajjarāya varvarti cakram pari dyāmṛtasya |
ā putrā agne mithunāso atra sapta śatāni viṃśatiśca tasthuḥ || 11 ||

Das Rad der kosmischen Ordnung mit zwölf Speichen dreht sich um den Himmel und altert nicht. In ihm stehen, Agni, siebenhundertzwanzig Söhne paarweise zusammen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dvādaśa-aram – zwölf Speichen habend; nahi – nicht, keineswegs; tat – jenes; jarāya – zum Altern; varvarti – es dreht sich wiederholt; cakram – Rad; pari – rings um; dyām – Himmel; ṛtasya – der kosmischen Ordnung; ā – in, herzu; putrāḥ – Söhne; agne – o Agni; mithunāsaḥ – paarweise verbunden; atra – hier, darin; sapta – sieben; śatāni – Hunderte; viṃśatiḥ – zwanzig; ca – und; tasthuḥ – stehen.

Vers 12 – Der Vater mit zwölf Gestalten
pañcapādam pitaram dvādaśākṛtim diva āhuḥ pare ardhe purīṣiṇam |
atheme anya upare vicakṣaṇam saptacakre ṣaḷara āhurarpitam || 12 ||

Man nennt ihn den fünf-füßigen Vater mit zwölf Gestalten, reich an Wasser im höheren Halbteil des Himmels. Andere nennen ihn den Weitschauenden, der auf dem Rad mit sieben Rädern und sechs Speichen befestigt ist.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pañca-pādam – fünffüßig; pitaram – Vater; dvādaśa-ākṛtim – zwölfgestaltig; divaḥ – des Himmels; āhuḥ – sie nennen, sagen; pare – im höheren; ardhe – Halbteil; purīṣiṇam – wasserreich, fruchtbar; atha – nun, dagegen; ime – diese; anye – anderen; upare – oben, auf dem höheren; vi-cakṣaṇam – weitblickend; sapta-cakre – auf dem Siebenrad; ṣaṭ-are – mit sechs Speichen; āhuḥ – sie sagen; arpitam – befestigt, eingesetzt.

Vers 13 – Die unzerbrechliche Achse
pañcāre cakre parivartamāne tasminnā tasthurbhuvanāni viśvā |
tasya nākṣastapyate bhūribhāraḥ sanādeva na śīryate sanābhiḥ || 13 ||

Auf dem sich drehenden Rad mit fünf Speichen stehen alle Welten. Seine schwerbeladene Achse wird nicht heiß; seit alters bricht sie mitsamt der Nabe nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pañca-are – mit fünf Speichen; cakre – im Rad; pari-vartamāne – sich rings drehend; tasmin – in ihm; ā – hinein, darauf; tasthuḥ – stehen; bhuvanāni – Welten; viśvā – alle; tasya – seine; na – nicht; akṣaḥ – Achse; tapyate – wird heiß, leidet; bhūri-bhāraḥ – viel Last tragend; sanāt – seit alters; eva – wahrlich; na – nicht; śīryate – zerbricht; sa-nābhiḥ – mitsamt der Nabe, dieselbe Nabe habend.

Vers 14 – Sonnenauge und zehn Zugkräfte
sanemi cakramajaram vi vāvṛta uttānāyām daśa yuktā vahanti |
sūryasya cakṣū rajasaityāvṛtam tasminnārpitā bhuvanāni viśvā || 14 ||

Das Rad mit seiner Felge dreht sich unverbraucht. Zehn Angespannte ziehen es an der ausgestreckten Deichsel. Das Auge der Sonne wandert, vom Raum umhüllt; in ihm sind alle Welten befestigt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sa-nemi – mit der Felge; cakram – Rad; ajaram – nicht alternd; vi – auseinander, weithin; vavṛte – dreht sich; uttānāyām – an der ausgestreckten, nach oben gekehrten; daśa – zehn; yuktāḥ – Angespannte; vahanti – tragen, ziehen; sūryasya – der Sonne; cakṣuḥ – Auge; rajasā – durch den Raum, vom Dunst; eti – geht; ā-vṛtam – umhüllt; tasmin – in ihm; ārpitā – befestigt; bhuvanāni – Welten; viśvā – alle.

Vers 15 – Der siebte Einzelgeborene
sākaṃjānām saptathamāhurekajam ṣaḷidyamā ṛṣayo devajā iti |
teṣāmiṣṭāni vihitāni dhāmaśaḥ sthātre rejante vikṛtāni rūpaśaḥ || 15 ||

Von den gemeinsam Geborenen nennt man den siebten einen Einzelgeborenen. Sechs sind Zwillinge, heißt es, gottgeborene Seher. Ihre erwünschten Bereiche sind nach ihrem Ort geordnet; feststehend erbeben sie und verändern ihre Gestalt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sākam-jānām – der gemeinsam Geborenen; saptatham – den siebten; āhuḥ – sie nennen; eka-jam – allein geboren; ṣaṭ – sechs; it – eben; yamāḥ – Zwillinge, Paare; ṛṣayaḥ – Seher; deva-jāḥ – gottgeboren; iti – so; teṣām – ihre; iṣṭāni – erwünschte Bereiche oder Güter; vi-hitāni – angeordnet, verteilt; dhāma-śaḥ – je nach Ort, Bereich für Bereich; sthātre – im Feststehenden, für den Bestand; rejante – sie erbeben, bewegen sich; vi-kṛtāni – verwandelt; rūpa-śaḥ – Gestalt für Gestalt.

Vers 16 – Frauen und Männer
striyaḥ satīstām̐ u me puṃsa āhuḥ paśyadakṣaṇvānna vi cetadandhaḥ |
kaviryaḥ putraḥ sa īmā ciketa yastā vijānātsa pituṣpitāsat || 16 ||

Obwohl sie weiblich sind, nennt man sie mir gegenüber männlich. Wer Augen hat, sieht; der Blinde erkennt es nicht. Der Sohn, der ein Seher ist, hat sie begriffen; wer sie unterscheidend erkennt, wird zum Vater seines Vaters.

Wort-für-Wort-Erläuterung: striyaḥ – weibliche; satīḥ – seiende, obwohl sie sind; tān – diese; ūṃ iti – bekräftigende Partikel; me – mir; puṃsaḥ – männliche; āhuḥ – sie nannten; paśyat – er sieht; akṣaṇ-vān – Augen habend; na – nicht; vi – unterscheidend; cetat – erkennt; andhaḥ – der Blinde; kaviḥ – Seher; yaḥ – welcher; putraḥ – Sohn; saḥ – er; īm – sie; ā – völlig; ciketa – erkannte; yaḥ – wer; – sie; vi-jānāt – unterscheidend erkennt; saḥ – er; pituḥ – des Vaters; pitā – Vater; asat – möge sein, wird.

Vers 17 – Die Kuh zwischen Oben und Unten
avaḥ pareṇa para enāvareṇa padā vatsam bibhratī gaurudasthāt |
sā kadrīcī kam svidardham parāgātkva svitsūte nahi yūthe antaḥ || 17 ||

Unterhalb des Höheren und oberhalb dieses Niederen erhob sich die Kuh, die das Kalb mit dem Fuß trägt. Wohin ist sie gewandt? Zu welcher Hälfte ist sie fortgegangen? Wo gebiert sie? Gewiss nicht innerhalb der Herde.

Wort-für-Wort-Erläuterung: avaḥ – unterhalb; pareṇa – des Höheren; paraḥ – oberhalb; enā – dieses; avareṇa – Niederen; padā – mit dem Fuß; vatsam – Kalb; bibhratī – tragend; gauḥ – Kuh; ut – auf; asthāt – sie stand, erhob sich; – sie; kadrīcī – wohin gewandt; kam – welchen; svit – wohl; ardham – Teil, Bereich; parā – fort, jenseits; agāt – ging; kva – wo; svit – wohl; sūte – gebiert; nahi – gewiss nicht; yūthe – in der Herde; antar – innerhalb.

Vers 18 – Der Ursprung des göttlichen Geistes
avaḥ pareṇa pitaram yo asyānuveda para enāvareṇa |
kavīyamānaḥ ka iha pra vocaddevam manaḥ kuto adhi prajātam || 18 ||

Wer den Vater dieses Wesens kennt – unterhalb des Höheren und oberhalb dieses Niederen –, wer könnte hier als Seher verkünden, woher der göttliche Geist hervorgeboren wurde?

Wort-für-Wort-Erläuterung: avaḥ – unterhalb; pareṇa – des Höheren; pitaram – den Vater; yaḥ – wer; asya – dieses; anu-veda – wirklich kennt, nacherkennt; paraḥ – oberhalb; enā – dieses; avareṇa – Niederen; kavi-yamānaḥ – sich als Seher erweisend; kaḥ – wer; iha – hier; pra – hervor; vocat – möge verkünden; devam – göttlich; manaḥ – Geist; kutaḥ – woher; adhi – darüber, daraus; pra-jātam – hervorgeboren.

Vers 19 – Kommen und Gehen
ye arvāñcastām̐ u parāca āhurye parāñcastām̐ u arvāca āhuḥ |
indraśca yā cakrathuḥ soma tāni dhurā na yuktā rajaso vahanti || 19 ||

Die Herankommenden nennt man Fortgehende, und die Fortgehenden nennt man Herankommende. Was ihr beide, Indra und Soma, geschaffen habt, das tragen sie wie an eine Deichsel gespannt durch den Raum.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ye – welche; arvāñcaḥ – herwärts gehend; tān – diese; ūṃ iti – bekräftigende Partikel; parācaḥ – fortgehend; āhuḥ – sie nennen; ye – welche; parāñcaḥ – fortgehend; tān – diese; ūṃ iti – bekräftigende Partikel; arvācaḥ – herwärts gehend; āhuḥ – sie nennen; indraḥ – Indra; ca – und; – welche; cakrathuḥ – ihr beide habt gemacht; soma – o Soma; tāni – diese; dhurā – durch die Deichsel, das Joch; na – wie; yuktāḥ – angespannt; rajasaḥ – des Raumes; vahanti – sie tragen.

Verse 20–25 – Die zwei Vögel, die Metren und Unsterblichkeit

Vers 20 – Die zwei Vögel
dvā suparṇā sayujā sakhāyā samānam vṛkṣam pari ṣasvajāte |
tayoranyaḥ pippalam svādvattyanaśnannanyo abhi cākaśīti || 20 ||

Zwei schönbeflügelte Vögel, eng verbundene Freunde, umschlingen denselben Baum. Der eine von ihnen isst die süße Feige; der andere isst nicht und schaut nur zu.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dvā – zwei; su-parṇā – schönbeflügelt; sa-yujā – zusammengefügt, verbunden; sakhāyā – Freunde; samānam – denselben; vṛkṣam – Baum; pari – ringsum; sasvajāte – sie umarmen, umschlingen; tayoḥ – von beiden; anyaḥ – der eine; pippalam – Feige, Frucht; svādu – süß; atti – isst; anaśnan – nicht essend; anyaḥ – der andere; abhi – darauf, zugewandt; cākaśīti – schaut aufmerksam.

Vers 21 – Der Hüter des Weltseins
yatrā suparṇā amṛtasya bhāgamanimeṣam vidathābhisvaranti |
ino viśvasya bhuvanasya gopāḥ sa mā dhīraḥ pākamatrā viveśa || 21 ||

Wo die schönbeflügelten Vögel unermüdlich ihren Anteil an der Unsterblichkeit und die Erkenntnisse besingen, dort ist der mächtige Hüter des ganzen Weltseins. Er, der Weise, ist zu mir, dem Unreifen, eingegangen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yatra – wo; su-parṇā – die schönbeflügelten Vögel; amṛtasya – der Unsterblichkeit; bhāgam – Anteil; ani-meṣam – ohne Blinzeln, unermüdlich; vidathā – Erkenntnisse, heilige Versammlungen; abhi-svaranti – sie besingen, tönen zu; inaḥ – der Mächtige, Herr; viśvasya – des ganzen; bhuvanasya – Weltseins; gopāḥ – Hüter; saḥ – er; – zu mir; dhīraḥ – der Weise, Standhafte; pākam – den Unreifen; atra – hier; ā – herein; viveśa – trat ein.

Vers 22 – Die süße Frucht
yasminvṛkṣe madhvadaḥ suparṇā niviśante suvate cādhi viśve |
tasyedāhuḥ pippalam svādvagre tannonnaśadyaḥ pitaram na veda || 22 ||

Auf dem Baum, auf dem die schönbeflügelten Vögel Süßes essen, sich niederlassen und alle Wesen hervorbringen, soll an der Spitze die süße Feige sein. Wer den Vater nicht kennt, erreicht sie nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yasmin – auf welchem; vṛkṣe – Baum; madhu-adaḥ – Süßes essend; su-parṇāḥ – schönbeflügelte Vögel; ni-viśante – sie lassen sich nieder; suvate – sie bringen hervor, gebären; ca – und; adhi – darauf, darüber; viśve – alle; tasya – dessen; it – eben; āhuḥ – sie sagen; pippalam – Feige, Frucht; svādu – süß; agre – an der Spitze; tat – diese; na – nicht; ut – hinauf; naśat – erreicht, erlangt; yaḥ – wer; pitaram – Vater; na – nicht; veda – kennt.

Vers 23 – Metren und Unsterblichkeit
yadgāyatre adhi gāyatramāhitam traiṣṭubhādvā traiṣṭubham niratakṣata |
yadvā jagajjagatyāhitam padam ya ittadviduste amṛtatvamānaśuḥ || 23 ||

Was im Gāyatrī-Metrum als Gāyatrī gegründet ist, was aus dem Triṣṭubh-Metrum als Triṣṭubh herausgestaltet wurde, und was als bewegte Welt im Jagatī-Metrum gegründet ist – die es erkennen, haben Unsterblichkeit erlangt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yat – was; gāyatre – im Gāyatrī-Metrum; adhi – darauf; gāyatram – Gāyatrī, Gāyatrī-Vers; ā-hitam – hineingelegt, gegründet; traistubhāt – aus dem Triṣṭubh; – oder; traistubham – Triṣṭubh-Vers; niḥ-atakṣata – sie schnitzten, formten heraus; yat – was; – oder; jagat – das Bewegte, die Welt; jagati – im Jagatī-Metrum; ā-hitam – hineingelegt; padam – Versfuß, Stätte; ye – welche; it – eben; tat – dies; viduḥ – kennen; te – sie; amṛta-tvam – Unsterblichkeit; ānaśuḥ – erreichten.

Vers 24 – Das Maß der heiligen Rede
gāyatreṇa prati mimīte arkamarkeṇa sāma traiṣṭubhena vākam |
vākena vākam dvipadā catuṣpadākṣareṇa mimate sapta vāṇīḥ || 24 ||

Mit dem Gāyatrī-Metrum misst man den Preisgesang, mit dem Preisgesang den Sāman-Gesang, mit dem Triṣṭubh-Metrum den Spruch. Mit dem zwei- und vierfüßigen Spruch misst man den Spruch; mit der Silbe misst man die sieben Stimmen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gāyatreṇa – mit dem Gāyatrī-Metrum; prati – entsprechend, dagegen; mimīte – man misst; arkam – Preisgesang, Lichtlied; arkeṇa – mit dem Preisgesang; sāma – Sāman-Gesang; traistubhena – mit dem Triṣṭubh-Metrum; vākam – Spruch, Rezitation; vākena – mit dem Spruch; vākam – Spruch; dvi-padā – mit dem zweifüßigen; catuḥ-padā – mit dem vierfüßigen; akṣareṇa – mit der Silbe, mit dem Unvergänglichen; mimate – sie messen; sapta – sieben; vāṇīḥ – Stimmen, Redeweisen.

Vers 25 – Jagatī, Rathantara und Gāyatrī
jagatā sindhum divyastabhāyadrathaṃtare sūryam paryapaśyat |
gāyatrasya samidhastisra āhustato mahnā pra ririce mahitvā || 25 ||

Mit dem Jagatī-Metrum stützte man den Ozean im Himmel; im Rathantara-Sāman schaute man die Sonne ringsum. Drei Brennhölzer des Gāyatrī-Metrums, so sagt man, ließen es durch Größe und Weite hervorragen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: jagatā – mit dem Jagatī-Metrum; sindhum – Ozean, Strom; divi – im Himmel; astabhāyat – stützte; ratham-tare – im Rathantara-Sāman; sūryam – Sonne; pari – ringsum; apaśyat – sah; gāyatrasya – des Gāyatrī-Metrums; sam-idhaḥ – Brennhölzer; tisraḥ – drei; āhuḥ – sie sagen; tataḥ – daher; mahnā – durch Größe; pra – hervor; ririce – überragte; mahi-tvā – durch Weite, Größe.

Verse 26–32 – Die kosmische Kuh, Leben und der Hüter

Vers 26 – Die ergiebige Kuh
upa hvaye sudughām dhenumetām suhasto godhuguta dohadenām |
śreṣṭham savam savitā sāviṣanno’bhīddho gharmastadu ṣu pra vocam || 26 ||

Ich rufe diese ergiebige Milchkuh herbei. Der Melker mit geschickten Händen soll sie melken. Savitṛ möge für uns die beste Pressung antreiben. Die Glut ist hell entfacht – dies will ich nun gut verkünden.

Wort-für-Wort-Erläuterung: upa – herbei; hvaye – ich rufe; su-dughām – gut zu melken, ergiebig; dhenum – Milchkuh; etām – diese; su-hastaḥ – geschickthändig; go-dhuk – Kuhmelker; uta – und, nun; dohat – möge melken; enām – sie; śreṣṭham – das Beste; savam – Pressung, antreibende Erzeugung; savitā – Savitṛ; sāviṣat – möge antreiben, hat angetrieben; naḥ – für uns; abhi-iddhaḥ – hell entfacht; gharmaḥ – Glut, heißer Trank; tat – dies; ūṃ iti – bekräftigende Partikel; su – gut; pra – hervor; vocam – will ich sprechen.

Vers 27 – Die Kuh sucht ihr Kalb
hiṅkṛṇvatī vasupatnī vasūnām vatsamicchantī manasābhyāgāt |
duhāmaśvibhyām payo aghnyeyam sā vardhatām mahate saubhagāya || 27 ||

Mit dem Laut hiṅ kommt die Herrin der Güter, die über die Schätze gebietet und im Geist ihr Kalb sucht, herbei. Diese unverletzliche Kuh möge für die beiden Aśvins Milch geben; sie möge zu großem Wohlergehen gedeihen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: hiṅ-kṛṇvatī – den hiṅ-Laut machend; vasu-patnī – Herrin des Guten, der Güter; vasūnām – der Schätze; vatsam – Kalb; icchantī – suchend; manasā – mit dem Geist; abhi – herzu; ā – heran; agāt – sie kam; duhām – möge melken, geben; aśvi-bhyām – für die beiden Aśvins; payaḥ – Milch; aghnyā – die nicht zu tötende Kuh; iyam – diese; – sie; vardhatām – möge wachsen; mahate – zu großem; saubhagāya – Wohlergehen, Glück.

Vers 28 – Der Ruf zwischen Kuh und Kalb
gauramīmedanu vatsam miṣantam mūrdhānam hiṅṅakṛṇonmātavā u |
sṛkvāṇam gharmamabhi vāvaśānā mimāti māyum payate payobhiḥ || 28 ||

Die Kuh brüllte ihrem blickenden Kalb nach und ließ an seinem Kopf den hiṅ-Laut zur Mutter ertönen. Dem heißen, das Maul öffnenden Kalb zugewandt, ahmt sie seinen Laut nach und nährt es mit ihren Milchströmen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gauḥ – Kuh; amīmet – brüllte; anu – nach; vatsam – Kalb; miṣantam – blickend, die Augen öffnend; mūrdhānam – Kopf; hiṅ – hiṅ-Laut; akṛṇot – machte; mātavai – zum Ertönen, zur Mutteräußerung; ūṃ iti – bekräftigende Partikel; sṛkvāṇam – den Mundwinkel öffnend; gharmam – den heißen Trank, das heiße Kalb; abhi – zu, gegen; vāvaśānā – rufend, brüllend; mimāti – misst, ahmt nach, ertönt; māyum – Laut, Kunstkraft; payate – nährt, lässt trinken; payaḥ-bhiḥ – mit Milchströmen.

Vers 29 – Blitz und enthüllende Erkenntnis
ayam sa śiṅkte yena gaurabhīvṛtā mimāti māyum dhvasanāvadhi śritā |
sā cittibhirni hi cakāra martyam vidyudbhavantī prati vavrimauhata || 29 ||

Dieser gibt den Laut von sich, mit dem die ihn umgebende Kuh auf den Ruf antwortet, während sie sich auf die herabströmende Wolke stützt. Durch Erkenntnisse formte sie den Sterblichen; zum Blitz geworden, schlug sie die Hülle zurück.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ayam – dieser; saḥ – er; śiṅkte – gibt einen Laut; yena – durch welchen; gauḥ – Kuh; abhi-vṛtā – umgeben; mimāti – erwidert, misst; māyum – Ruf, Zauberkraft; dhvasanau – auf dem Herabstürzenden, im Niederguss; adhi – darauf; śritā – gestützt, ruhend; – sie; citti-bhiḥ – durch Erkenntnisse; ni – nieder, fest; hi – denn; cakāra – machte, formte; martyam – Sterblichen; vi-dyut – Blitz; bhavantī – werdend; prati – zurück, entgegen; vavrim – Hülle; auhata – schob weg, schlug zurück.

Vers 30 – Unsterbliches und Sterbliches
anacchaye turagātu jīvamejaddhruvam madhya ā pastyānām |
jīvo mṛtasya carati svadhābhiramartyo martyenā sayoniḥ || 30 ||

Es atmet und ruht, ist schnell gehend und lebendig, bewegt und doch beständig inmitten der Wohnstätten. Das Lebendige des Toten wandert nach seinen eigenen Gesetzen; das Unsterbliche hat mit dem Sterblichen denselben Ursprung.

Wort-für-Wort-Erläuterung: anat – atmend; śaye – liegt, ruht; tura-gātu – schnell gehend; jīvam – lebendig; ejat – sich bewegend; dhruvam – beständig; madhye – inmitten; ā – in, hinein; pastyānām – der Wohnstätten, Körper; jīvaḥ – das Lebendige, Lebensprinzip; mṛtasya – des Toten; carati – wandert; svadhābhiḥ – nach eigenen Kräften oder Gesetzen; amartyaḥ – unsterblich; martyena – mit dem Sterblichen; sa-yoniḥ – denselben Ursprung, Schoß, habend.

Vers 31 – Der niemals fallende Hüter
apaśyam gopāmanipadyamānamā ca parā ca pathibhiścarantam |
sa sadhrīcīḥ sa viṣūcīrvasāna ā varīvarti bhuvaneṣvantaḥ || 31 ||

Ich sah den Hüter, der niemals niederfällt, auf seinen Wegen hierhin und dorthin ziehen. In Wege gleicher und verschiedener Richtung gekleidet, kehrt er inmitten der Welten immer wieder.

Wort-für-Wort-Erläuterung: apaśyam – ich sah; gopām – Hüter; ani-padyamānam – nicht niederfallend, unermüdlich; ā – her; ca – und; parā – fort; ca – und; pathi-bhiḥ – auf Wegen; carantam – wandernd; saḥ – er; sadhrīcīḥ – in dieselbe Richtung laufende; saḥ – er; viṣūcīḥ – in verschiedene Richtungen laufende; vasānaḥ – tragend, bekleidet; ā – her; varīvarti – kehrt wieder, bewegt sich rings; bhuvaneṣu – in den Welten; antar – innerhalb.

Vers 32 – Der verborgene Kinderreiche
ya īm cakāra na so asya veda ya īm dadarśa hiruginnu tasmāt |
sa māturyonā parivīto antarbahuprajā nirṛtimā viveśa || 32 ||

Wer ihn geschaffen hat, kennt ihn nicht; wer ihn gesehen hat, dem entschwindet er sogleich. Im Schoß der Mutter und in ihrem Innern umhüllt, geht der Kinderreiche in Auflösung ein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – wer; īm – ihn; cakāra – machte; na – nicht; saḥ – er; asya – von ihm, ihn; veda – kennt; yaḥ – wer; īm – ihn; dadarśa – sah; hiruk – abseits, entschwindend; it – eben; nu – nun, sogleich; tasmāt – von ihm; saḥ – er; mātuḥ – der Mutter; yonā – im Schoß; pari-vītaḥ – umhüllt; antaḥ – innen; bahu-prajāḥ – viele Nachkommen habend; niḥ-ṛtim – Auflösung, Vernichtung; ā – hinein; viveśa – ging ein.

Verse 33–39 – Vater Himmel, Mutter Erde und der höchste Raum der Rede

Vers 33 – Himmel und Erde als Eltern
dyaurme pitā janitā nābhiratra bandhurme mātā pṛthivī mahīyam |
uttānayoścamvoryonirantaratrā pitā duhiturgarbhamādhāt || 33 ||

Der Himmel ist mein Vater und Erzeuger; dort ist mein Nabel. Diese große Erde ist meine Mutter und Verwandte. Zwischen den beiden aufwärts geöffneten Schalen liegt der Schoß; dort legte der Vater den Keim in die Tochter.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dyauḥ – Himmel; me – mein; pitā – Vater; janitā – Erzeuger; nābhiḥ – Nabel, Mittelpunkt; atra – dort, hier; bandhuḥ – Verwandte, Bindung; me – meine; mātā – Mutter; pṛthivī – Erde; mahī – große; iyam – diese; uttānayoḥ – der beiden aufwärts geöffneten; camvoḥ – Schalen, Gefäße; yoniḥ – Schoß; antaḥ – innen, zwischen; atra – dort; pitā – Vater; duhituḥ – der Tochter; garbham – Keim; ā – hinein; adhāt – legte.

Vers 34 – Vier kosmische Fragen
pṛcchāmi tvā paramantam pṛthivyāḥ pṛcchāmi yatra bhuvanasya nābhiḥ |
pṛcchāmi tvā vṛṣṇo aśvasya retaḥ pṛcchāmi vācaḥ paramam vyoma || 34 ||

Ich frage dich nach der äußersten Grenze der Erde. Ich frage, wo der Nabel des Weltseins ist. Ich frage dich nach dem Samen des kraftvollen Hengstes. Ich frage nach dem höchsten Raum der Rede.

Wort-für-Wort-Erläuterung: pṛcchāmi – ich frage; tvā – dich; param – äußerste, höchste; antam – Grenze; pṛthivyāḥ – der Erde; pṛcchāmi – ich frage; yatra – wo; bhuvanasya – des Weltseins; nābhiḥ – Nabel, Mittelpunkt; pṛcchāmi – ich frage; tvā – dich; vṛṣṇaḥ – des kraftvollen Stiers; aśvasya – Pferdes, Hengstes; retaḥ – Samen; pṛcchāmi – ich frage; vācaḥ – der Rede; paramam – höchsten; vi-oma – Raum, Himmel.

Vers 35 – Vier Antworten
iyam vediḥ paro antaḥ pṛthivyā ayam yajño bhuvanasya nābhiḥ |
ayam somo vṛṣṇo aśvasya reto brahmāyam vācaḥ paramam vyoma || 35 ||

Dieser Altar ist die äußerste Grenze der Erde. Dieses Opfer ist der Nabel des Weltseins. Dieser Soma ist der Samen des kraftvollen Hengstes. Dieser Brahman-Priester ist der höchste Raum der Rede.

Wort-für-Wort-Erläuterung: iyam – dieser; vediḥ – Altar; paraḥ – äußerste; antaḥ – Grenze; pṛthivyāḥ – der Erde; ayam – dieses; yajñaḥ – Opfer; bhuvanasya – des Weltseins; nābhiḥ – Nabel; ayam – dieser; somaḥ – Soma; vṛṣṇaḥ – des kraftvollen Stiers; aśvasya – Hengstes; retaḥ – Samen; brahmā – Brahman-Priester, Sprecher des heiligen Wortes; ayam – dieser; vācaḥ – der Rede; paramam – höchster; vi-oma – Raum.

Vers 36 – Die sieben Keimräume
saptārdhagarbhā bhuvanasya reto viṣṇostiṣṭhanti pradiśā vidharmaṇi |
te dhītibhirmanasā te vipaścitaḥ paribhuvaḥ pari bhavanti viśvataḥ || 36 ||

Sieben halbe Keimräume, der Same des Weltseins, stehen nach Viṣṇus Weisung in der verteilenden Ordnung. Durch Einsichten und Geist sind sie erkennend; die alles Umfassenden entstehen ringsum nach allen Seiten.

Wort-für-Wort-Erläuterung: sapta – sieben; ardha-garbhāḥ – halbe Keimräume, Schoßhälften; bhuvanasya – des Weltseins; retaḥ – Same; viṣṇoḥ – Viṣṇus; tiṣṭhanti – sie stehen; pra-diśā – durch Weisung, in Richtungen; vi-dharmaṇi – in der verteilenden Ordnung; te – sie; dhīti-bhiḥ – durch Einsichten; manasā – mit dem Geist; te – sie; vipaḥ-citaḥ – unterscheidend erkennend; pari-bhuvaḥ – ringsum seiend, alles umfassend; pari – ringsum; bhavanti – entstehen, werden; viśvataḥ – nach allen Seiten.

Vers 37 – Anteil an der Rede
na vi jānāmi yadivedamasmi niṇyaḥ saṃnaddho manasā carāmi |
yadā māganprathamajā ṛtasyādidvāco aśnuve bhāgamasyāḥ || 37 ||

Ich weiß nicht klar, was ich eigentlich bin. Im Verborgenen und vom Denken gebunden wandere ich. Als der Erstgeborene der kosmischen Ordnung zu mir kam, da erhielt ich Anteil an dieser Rede.

Wort-für-Wort-Erläuterung: na – nicht; vi – klar, unterscheidend; jānāmi – ich weiß; yat-iva – wie beschaffen wohl; idam – dieses; asmi – ich bin; niṇyaḥ – verborgen, geheim; sam-naddhaḥ – gebunden; manasā – durch den Geist; carāmi – ich wandere; yadā – als, wenn; – mich, zu mir; ā – heran; agan – kam; prathama-jāḥ – Erstgeborener; ṛtasya – der kosmischen Ordnung; āt – dann; it – eben; vācaḥ – der Rede; aśnuve – ich erlange; bhāgam – Anteil; asyāḥ – an dieser.

Vers 38 – Die beiden gleichen Ursprungs
apāṅ prāṅeti svadhayā gṛbhīto’martyo martyenā sayoniḥ |
tā śaśvantā viṣūcīnā viyantā nyanyam cikyurna ni cikyuranyam || 38 ||

Rückwärts gewandt geht es vorwärts, durch die eigene Gesetzmäßigkeit ergriffen: das Unsterbliche, das mit dem Sterblichen denselben Ursprung hat. Die beiden gehen fortwährend auseinander; den einen erkennt man, den anderen erkennt man nicht.

Wort-für-Wort-Erläuterung: apāṅ – rückwärts gewandt; prāṅ – vorwärts gewandt; eti – geht; svadhayā – durch eigene Gesetzmäßigkeit; gṛbhītaḥ – ergriffen, gehalten; amartyaḥ – Unsterblicher; martyena – mit dem Sterblichen; sa-yoniḥ – gleichen Ursprungs; – diese beiden; śaśvantā – fortwährend; viṣūcīnā – voneinander weg gerichtet; vi-yantā – auseinandergehend; ni – hinein, genau; anyam – den einen; cikyuḥ – sie erkannten; na – nicht; ni – genau; cikyuḥ – sie erkannten; anyam – den anderen.

Vers 39 – Die Ṛcs im Unvergänglichen
ṛco akṣare parame vyomanyasmindevā adhi viśve niṣeduḥ |
yastanna veda kimṛcā kariṣyati ya ittadvidusta ime samāsate || 39 ||

Die Ṛc-Verse ruhen in der höchsten unvergänglichen Weite, in der alle Götter ihren Sitz haben. Wer das nicht kennt – was soll er mit dem Ṛc-Vers anfangen? Die aber dies kennen, sitzen hier in Einheit beisammen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: ṛcaḥ – Ṛc-Verse, Hymnen; akṣare – im Unvergänglichen; parame – höchsten; vi-oman – Raum, Himmel; yasmin – in welchem; devāḥ – Götter; adhi – darauf, darin; viśve – alle; ni-seduḥ – sich niedersetzten; yaḥ – wer; tat – das; na – nicht; veda – kennt; kim – was; ṛcā – mit dem Ṛc-Vers; kariṣyati – wird er tun; ye – welche; it – eben; tat – das; viduḥ – kennen; te – sie; ime – diese hier; sam – zusammen; āsate – sitzen.

Verse 40–46 – Die Kuh der Rede und das eine Seiende

Vers 40 – Bitte an die heilige Kuh
sūyavasādbhagavatī hi bhūyā atho vayam bhagavantaḥ syāma |
addhi tṛṇamaghnye viśvadānīm piba śuddhamudakamācarantī || 40 ||

Mögest du, auf guter Weide grasend, reich an Anteil sein; dann mögen auch wir reich an Anteil werden. Friss zu jeder Zeit Gras, du unverletzliche Kuh, und trinke reines Wasser, wenn du herankommst.

Wort-für-Wort-Erläuterung: suyavasa-at – gute Weide fressend; bhaga-vatī – Anteil, Glück besitzend; hi – gewiss; bhūyāḥ – mögest du sein; atho iti – sodann; vayam – wir; bhaga-vantaḥ – Anteil, Glück besitzend; syāma – mögen sein; addhi – friss; tṛṇam – Gras; aghnye – o unverletzliche Kuh; viśva-dānīm – allezeit; piba – trinke; śuddham – reines; udakam – Wasser; ā-carantī – herankommend, umhergehend.

Vers 41 – Die tausendsilbige Rede
gaurīrmimāya salilāni takṣatyekapadī dvipadī sā catuṣpadī |
aṣṭāpadī navapadī babhūvuṣī sahasrākṣarā parame vyoman || 41 ||

Die rötlich-weiße Kuh ließ ihren Laut erschallen und formte die Wasserströme: einfüßig, zweifüßig, vierfüßig, achtfüßig und neunfüßig geworden, mit tausend Silben in der höchsten Weite.

Wort-für-Wort-Erläuterung: gaurīḥ – rötlich-weiße Kuh, Gaurī; mimāya – ließ ertönen, maß; salilāni – Wasserströme; takṣatī – formend; eka-padī – einfüßig; dvi-padī – zweifüßig; – sie; catuḥ-padī – vierfüßig; aṣṭā-padī – achtfüßig; nava-padī – neunfüßig; babhūvuṣī – geworden; sahasra-akṣarā – tausendsilbig; parame – im höchsten; vi-oman – Raum, Himmel.

Vers 42 – Die Meere aus der Rede
tasyāḥ samudrā adhi vi kṣaranti tena jīvanti pradiśaścatasraḥ |
tataḥ kṣaratyakṣaram tadviśvamupa jīvati || 42 ||

Von ihr strömen die Meere aus; durch sie leben die vier Himmelsrichtungen. Aus ihr fließt das Unvergängliche hervor; von ihm lebt das ganze All.

Wort-für-Wort-Erläuterung: tasyāḥ – von ihr; samudrāḥ – Meere; adhi – darüber, daraus; vi – auseinander; kṣaranti – strömen; tena – dadurch, durch jenes; jīvanti – leben; pra-diśaḥ – Himmelsrichtungen; catasraḥ – vier; tataḥ – daraus; kṣarati – fließt; akṣaram – das Unvergängliche, die Silbe; tat – jenes; viśvam – das All; upa – davon, dazu; jīvati – lebt.

Vers 43 – Rauch und der bunte Stier
śakamayam dhūmamārādapaśyam viṣūvatā para enāvareṇa |
ukṣāṇam pṛśnimapacanta vīrāstāni dharmāṇi prathamānyāsan || 43 ||

Von fern sah ich Rauch aus Kuhdung, mitten jenseits dieses unteren Raumes. Die Helden kochten den bunten Stier. Dies waren die ersten heiligen Ordnungen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: śaka-mayam – aus Dung bestehend; dhūmam – Rauch; ārāt – von fern; apaśyam – ich sah; viṣu-vatā – in der Mitte, am Wendepunkt; paraḥ – jenseits; enā – dieses; avareṇa – Niederen; ukṣāṇam – Stier; pṛśnim – bunten, gesprenkelten; apacanta – sie kochten; vīrāḥ – Helden, Männer; tāni – diese; dharmāṇi – Ordnungen, Bräuche; prathamāni – ersten; āsan – waren.

Vers 44 – Die drei Langhaarigen
trayaḥ keśina ṛtuthā vi cakṣate saṃvatsare vapata eka eṣām |
viśvameko abhi caṣṭe śacībhirdhrājirekasya dadṛśe na rūpam || 44 ||

Drei Langhaarige zeigen sich gemäß den Zeiten. Einer von ihnen wird im Jahreslauf geschoren; einer überschaut mit seinen Kräften das All; vom einen sieht man die Geschwindigkeit, nicht aber die Gestalt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: trayaḥ – drei; keśinaḥ – Langhaarige; ṛtu-thā – gemäß den Zeiten; vi – auseinander, deutlich; cakṣate – sie zeigen sich; saṃvatsare – im Jahr; vapate – wird geschoren, schert; ekaḥ – einer; eṣām – von ihnen; viśvam – das All; ekaḥ – einer; abhi – ringsum; caṣṭe – schaut; śacībhiḥ – mit Kräften; dhrājiḥ – Lauf, Geschwindigkeit; ekasya – des einen; dadṛśe – wurde gesehen; na – nicht; rūpam – Gestalt.

Vers 45 – Die vier Bereiche der Rede
catvāri vākparimitā padāni tāni vidurbrāhmaṇā ye manīṣiṇaḥ |
guhā trīṇi nihitā neṅgayanti turīyam vāco manuṣyā vadanti || 45 ||

Die Rede ist in vier begrenzte Bereiche gegliedert. Diese kennen die nachdenkenden Brahmanen. Drei liegen in der Höhle verborgen und werden nicht hervorgebracht; den vierten Bereich der Rede sprechen die Menschen.

Wort-für-Wort-Erläuterung: catvāri – vier; vāk – Rede; pari-mitā – abgegrenzt, abgemessen; padāni – Bereiche, Viertel; tāni – diese; viduḥ – kennen; brāhmaṇāḥ – Brahmanen, Kenner des Brahman; ye – welche; manīṣiṇaḥ – nachdenklich, weise; guhā – in der Höhle, im Verborgenen; trīṇi – drei; ni-hitā – niedergelegt, verborgen; na – nicht; iṅgayanti – sie setzen in Bewegung, äußern; turīyam – das vierte; vācaḥ – der Rede; manuṣyāḥ – Menschen; vadanti – sprechen.

Vers 46 – Das eine Seiende mit vielen Namen
indram mitram varuṇamagnimāhuratho divyaḥ sa suparṇo garutmān |
ekam sadviprā bahudhā vadantyagnim yamam mātariśvānamāhuḥ || 46 ||

Man nennt es Indra, Mitra, Varuṇa und Agni; es ist auch der himmlische, schönbeflügelte Garutmān. Das Seiende ist eines; die inspirierten Weisen benennen es auf vielerlei Weise: Agni, Yama und Mātariśvan nennen sie es.

Wort-für-Wort-Erläuterung: indram – Indra; mitram – Mitra; varuṇam – Varuṇa; agnim – Agni; āhuḥ – sie nennen; atho iti – ferner; divyaḥ – himmlisch; saḥ – er, es; su-parṇaḥ – schönbeflügelt; garutmān – Garutmān, der mächtige Vogel; ekam – eines; sat – das Seiende; viprāḥ – inspirierte Weise; bahudhā – auf vielerlei Weise; vadanti – sprechen, benennen; agnim – Agni; yamam – Yama; mātariśvānam – Mātariśvan, den im Raum wirkenden Wind beziehungsweise Agni; āhuḥ – sie nennen.

Verse 47–52 – Regenkreislauf, Zeitrad und Sarasvatī

Vers 47 – Die Wasserträger
kṛṣṇam niyānam harayaḥ suparṇā apo vasānā divamutpatanti |
ta āvavṛtrantsadanādṛtasyādidghṛtena pṛthivī vyudyate || 47 ||

Auf dunklem Pfad fliegen die goldfarbenen, schönbeflügelten Träger des Wassers zum Himmel empor. Vom Sitz der kosmischen Ordnung kehren sie wieder; dann wird die Erde mit Ghee – sinnbildlich mit dem befruchtenden Regen – benetzt.

Wort-für-Wort-Erläuterung: kṛṣṇam – schwarzen, dunklen; ni-yānam – Weg, Bahn; harayaḥ – die Goldfarbenen, Falben; su-parṇāḥ – schönbeflügelt; apaḥ – Wasser; vasānāḥ – tragend, bekleidet mit; divam – zum Himmel; ut – hinauf; patanti – sie fliegen; te – sie; ā – her; avavṛtran – kehrten zurück; sadanāt – vom Sitz; ṛtasya – der kosmischen Ordnung; āt – dann; it – eben; ghṛtena – mit Ghee, Fettglanz; pṛthivī – Erde; vi – weithin; udyate – wird benetzt, quillt auf.

Vers 48 – Das Rad mit 360 Pflöcken
dvādaśa pradhayaścakramekam trīṇi nabhyāni ka u tacciketa |
tasmintsākam triśatā na śaṅkavo’rpitāḥ ṣaṣṭirna calācalāsaḥ || 48 ||

Zwölf Felgen, ein einziges Rad und drei Naben – wer hat dies erkannt? Darin sind zugleich dreihundertsechzig Pflöcke befestigt, beweglich und unbeweglich.

Wort-für-Wort-Erläuterung: dvādaśa – zwölf; pra-dhayaḥ – Felgen, Radkränze; cakram – Rad; ekam – eines; trīṇi – drei; nabhyāni – Naben; kaḥ – wer; ūṃ iti – bekräftigende Partikel; tat – das; ciketa – erkannte; tasmin – darin; sākam – zusammen; tri-śatāḥ – dreihundert; na – wie; śaṅkavaḥ – Pflöcke; arpitāḥ – befestigt; ṣaṣṭiḥ – sechzig; na – wie; calācalāsaḥ – beweglich und unbeweglich.

Vers 49 – Sarasvatīs nährende Brust
yaste stanaḥ śaśayo yo mayobhūryena viśvā puṣyasi vāryāṇi |
yo ratnadhā vasuvidyaḥ sudatraḥ sarasvati tamiha dhātave kaḥ || 49 ||

Die unerschöpfliche, wonnespendende Brust, mit der du alles Begehrenswerte nährst, die Schätze trägt, Reichtum findet und reichlich spendet: Sarasvatī, lass sie uns hier zum Trinken bereit sein.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yaḥ – welche; te – deine; stanaḥ – Brust; śaśayaḥ – unerschöpflich, immer ruhend; yaḥ – welche; mayaḥ-bhūḥ – Wonne schenkend; yena – mit welcher; viśvā – alle; puṣyasi – du nährst; vāryāṇi – begehrenswerte Güter; yaḥ – welche; ratna-dhāḥ – Schätze tragend; vasu-vit – Reichtum findend; yaḥ – welche; su-datraḥ – reichlich spendend; sarasvati – o Sarasvatī; tam – diese; iha – hier; dhātave – zum Trinken, Saugen; kaḥ – mache bereit, gewähre.

Vers 50 – Opfer durch Opfer
yajñena yajñamayajanta devāstāni dharmāṇi prathamānyāsan |
te ha nākam mahimānaḥ sacanta yatra pūrve sādhyāḥ santi devāḥ || 50 ||

Durch das Opfer opferten die Götter dem Opfer. Dies waren die ersten heiligen Ordnungen. Durch ihre Größe gelangten sie zum Himmel, wo die früheren Sādhyas, die vollendeten Götter, sind.

Wort-für-Wort-Erläuterung: yajñena – durch das Opfer; yajñam – das Opfer; ayajanta – sie verehrten durch Opfer; devāḥ – Götter; tāni – diese; dharmāṇi – Ordnungen; prathamāni – ersten; āsan – waren; te – sie; ha – wahrlich; nākam – Himmelshöhe; mahimānaḥ – die Großen, durch Größe; sacanta – erlangten, verbanden sich mit; yatra – wo; pūrve – frühere; sādhyāḥ – Sādhyas, Vollendete; santi – sind; devāḥ – Götter.

Vers 51 – Der Kreislauf des Wassers
samānametadudakamuccaityava cāhabhiḥ |
bhūmim parjanyā jinvanti divam jinvantyagnayaḥ || 51 ||

Dasselbe Wasser steigt empor und kommt im Lauf der Tage wieder herab. Die Regengötter beleben die Erde; die Feuer beleben den Himmel.

Wort-für-Wort-Erläuterung: samānam – dasselbe; etat – dieses; udakam – Wasser; ut – hinauf; ca – und; eti – geht; ava – herab; ca – und; aha-bhiḥ – im Lauf der Tage; bhūmim – Erde; parjanyāḥ – Regengötter, Regenwolken; jinvanti – beleben; divam – Himmel; jinvanti – beleben; agnayaḥ – Feuer.

Vers 52 – Anrufung Sarasvants
divyam suparṇam vāyasam bṛhantamapām garbham darśatamoṣadhīnām |
abhīpato vṛṣṭibhistarpayantam sarasvantamavase johavīmi || 52 ||

Den himmlischen, schönbeflügelten, großen Vogel, den sichtbaren Keim der Wasser und der Pflanzen, Sarasvant, der herbeieilt und mit Regen sättigt, rufe ich um Beistand an.

Wort-für-Wort-Erläuterung: divyam – himmlischen; su-parṇam – schönbeflügelten; vāyasam – Vogel; bṛhantam – großen, erhabenen; apām – der Wasser; garbham – Keim, Kind; darśatam – sichtbaren, herrlichen; oṣadhīnām – der Pflanzen; abhīpataḥ – herbeieilend, von allen Seiten kommend; vṛṣṭi-bhiḥ – mit Regenfällen; tarpayantam – sättigend; sarasvantam – Sarasvant, den Wasserreichen; avase – um Beistand; johavīmi – ich rufe wiederholt an.

Rezitation des vollständigen Asya Vāmasya Sūkta (Ṛgveda 1.164)

Asyavamiya Upanishad: Einordnung, Datierung, Inhalt und Bedeutung

Name, Textart und Stellung im Veda

Der Name der Asyavamiya Upanishad ist aus den ersten Worten des ersten Verses gebildet: asya vāmasya. In der vedischen Forschung heißt der Text gewöhnlich Asya Vāmasya Sūkta, „Hymne [beginnend mit] ‚dieses Freundlichen‘“, oder die Rätselhymne des Dīrghatamas. Überliefert ist er als Sūkta 164 im ersten Mandala des Rigveda. Der Seher ist Dīrghatamas Aucathya. Die Verse 1–41 richten sich nach der vedischen Anukramaṇī überwiegend an die Viśvedevas; in den Schlussversen wechseln die angesprochenen Kräfte, unter anderem zu Vāc, Sonne, Sarasvatī und Sarasvant.

Die Bezeichnung „Upanishad“ beschreibt hier den Inhalt, nicht die ursprüngliche Textgattung. Das Sūkta ist älter als die klassischen Upanishaden und gehört weder als selbständiger Titel zum vedischen Kanon der Hauptupanishaden noch zu den 108 Texten der Muktika-Liste. Es ist dennoch sachlich sinnvoll, von der Asyavamiya Upanishad zu sprechen, sofern diese Einordnung offen benannt wird: Mehrere Verse fragen bereits in der später für die Upanishaden typischen Weise nach dem einen Grund hinter Welt, Leben, Sprache und Bewusstsein.

Der Text steht überwiegend im Metrum Triṣṭubh. Die Verse 12, 15, 23, 29, 36 und 41 sind Jagatī, Vers 42 ist Prastārapaṅkti und Vers 51 Anuṣṭubh. Die wechselnden Metren sind nicht bloßer Schmuck. Die Verse 23–25 behandeln die Versmaße selbst als kosmische Maße, durch die Sprache, Gesang und Welt miteinander verbunden sind.

Datierung und Überlieferung

Eine jahresgenaue Datierung ist unmöglich. Der Rigveda entstand in einer langen mündlichen Überlieferung ungefähr im zweiten Jahrtausend v. Chr.; Buch 1 enthält neben altem Material auch relativ späte Schichten des rigvedischen Korpus. Sprachform, spekulative Dichte und die Nähe zu anderen späten rigvedischen Schöpfungs- und Einheitsfragen sprechen dafür, Ṛgveda 1.164 in die spätere rigvedische Zeit einzuordnen, grob in die Zeit um 1200–1000 v. Chr. Diese Spanne ist eine wissenschaftliche Annäherung, kein gesichertes Entstehungsdatum.

Der Text wurde mit außerordentlicher Genauigkeit mündlich bewahrt. Der fortlaufende Saṃhitā-Text verbindet Laute nach den Regeln des Sandhi. Der Padapāṭha trennt sie wieder und bewahrt damit eine frühe Wortanalyse. Für die Wort-für-Wort-Erläuterung ist diese zweite Überlieferungsform entscheidend. Manche Wörter bleiben dennoch dunkel, weil der Dichter absichtlich mit Doppelbedeutungen arbeitet und weil einzelne vedische Ausdrücke später ungebräuchlich wurden.

Inhalt und Leitmotive

Das Rad der Zeit
Die Verse 2, 11–15 und 48 beschreiben ein Rad, das nicht altert. Seine zwölf Speichen beziehungsweise Felgen werden gewöhnlich als zwölf Monate gelesen; die 720 paarweise stehenden Kinder entsprechen 360 Tagen und 360 Nächten. Die drei Naben und die Gruppen von fünf, sechs, sieben oder zehn Kräften zeigen, dass ein einziges Bild mehrere kalendarische, rituelle und kosmische Ordnungen zugleich trägt. Die Asyavamiya Upanishad macht Zeit nicht zu einer bloßen Zahl: Zeit ist die tragende Ordnung, auf der „alle Welten“ ruhen.

Die zwei Vögel
Vers 20 stellt zwei eng verbundene Vögel auf demselben Baum dar. Einer kostet die süße Frucht, der andere schaut zu, ohne zu essen. Die Mundaka Upanishad 3.1.1 und die Shvetashvatara Upanishad 4.6 greifen das Bild nahezu wörtlich auf. In der späteren Vedanta-Deutung steht der essende Vogel für den Jiva, der die Früchte des Karma erfährt, und der nicht essende Vogel für das reine, bezeugende Selbst. Im rigvedischen Kontext bleibt das Bild offener; gerade diese Offenheit ermöglichte seine lange Wirkungsgeschichte.

Rede und Offenbarung
Die Verse 23–25 und 39–46 bilden ein Zentrum der Hymne. Vers 39 erklärt, die Ṛc-Verse hätten ihren Sitz im höchsten unvergänglichen Raum; ohne dessen Erkenntnis bleibe die bloße Rezitation unfruchtbar. Vers 45 unterscheidet vier Bereiche der Rede, von denen Menschen nur den vierten aussprechen. Spätere Traditionen verbanden diese vier Bereiche mit Parā, Paśyantī, Madhyamā und Vaikharī. Diese Namen stehen noch nicht im Vers selbst, sind aber eine einflussreiche Auslegung seiner Grundintuition: Hörbare Sprache ist nur die äußerste Schicht einer tieferen Bewusstseins- und Bedeutungsbewegung.

Einheit und göttliche Namen
Vers 46 enthält die berühmte Aussage ekaṃ sad viprā bahudhā vadanti: „Das Seiende ist eines; die inspirierten Weisen benennen es auf vielerlei Weise.“ Der Vers leugnet die vedischen Gottheiten nicht. Er sieht Indra, Mitra, Varuṇa, Agni, Yama und Mātariśvan als verschiedene Namen oder Erscheinungsweisen einer Wirklichkeit. Darin liegt kein vollständig ausgearbeiteter späterer Monismus, wohl aber eine klare Bewegung von der Vielheit der Namen zur Einheit des Seins.

Opfer, Natur und inneres Wissen
Altar, Soma, Kuh, Kalb, Regen, Sonne und Feuer gehören zur konkreten vedischen Opferwelt. Zugleich werden sie zu Erkenntnisbildern. Die Antwort in Vers 35 identifiziert Altar, Opfer, Soma und Brahman-Priester mit den vier in Vers 34 gesuchten kosmischen Orten. Das Ritual wird damit nicht verworfen, sondern als Abbild einer umfassenderen Ordnung gelesen. Die abschließenden Verse verbinden diese Ordnung mit dem Wasserkreislauf: Wasser steigt auf, kehrt als Regen zurück und nährt Erde und Pflanzen.

Bedeutung für Upanishaden und Vedanta

Die Asyavamiya Upanishad steht an einer historischen Schwelle. Der Dichter beginnt nicht mit einer fertigen metaphysischen Lehre, sondern mit Fragen: Wer sah den Anfang? Wo ist der Lebensatem der Erde? Was ist das Eine? Wo liegt der höchste Raum der Rede? Diese fragende Haltung wird später zu einem Kennzeichen upanishadischer Lehrgespräche.

Besonders deutlich ist die Wirkung in den beiden Vogelversen. Muṇḍaka- und Śvetāśvatara-Upanishad verwenden das Bild für das Verhältnis von gebundenem und freiem Selbst. Auch die Verbindung von akṣara, dem Unvergänglichen, mit dem höchsten Raum der heiligen Rede weist auf spätere Lehren von Brahman, Om und Shabda Brahman voraus. Vers 46 gab schließlich unterschiedlichen hinduistischen Schulen eine klassische Formulierung für Einheit, die sich in vielen göttlichen Namen zeigt.

Die Bedeutung des Textes liegt zugleich darin, dass er einfache Etiketten widersteht. Er ist weder nur Naturdichtung noch nur Kalenderkunde, weder bloße Ritualallegorie noch schon ein systematischer Advaita-Traktat. Seine Bilder tragen mehrere Ebenen. Ernsthafte Auslegung hält deshalb Wortlaut, vedischen Ritualkontext, Naturbeobachtung und spirituelle Deutung zusammen.

Bedeutung heute

Für heutige Leser kann die Asyavamiya Upanishad eine Schule geistiger Bescheidenheit sein. Der Seher sagt offen: „Ich weiß nicht klar, was ich bin.“ Unwissenheit wird nicht versteckt, sondern in ernsthafte Frage verwandelt. In einer Zeit schneller Meinungen erinnert der Text daran, dass tiefe Erkenntnis aus geduldigem Hören, Prüfen und Fragen erwächst.

Vers 46 bietet außerdem ein anspruchsvolles Modell religiöser Vielfalt. Wenn das Seiende eines ist und Weise es verschieden benennen, sind Unterschiede weder bedeutungslos noch ein Grund zu Feindschaft. Die Namen und Formen verdienen sorgfältiges Verstehen; zugleich dürfen sie nicht mit der ganzen Wirklichkeit verwechselt werden.

Auch die Lehre von den vier Bereichen der Rede ist aktuell. Ein Mensch kann vor dem Sprechen die noch unausgesprochene Absicht, das innere Bild und die gedankliche Form wahrnehmen. So wird Sprache bewusster und weniger verletzend. Das Zeitrad und der Wasserkreislauf schließlich verbinden spirituelle Einsicht mit ökologischer Aufmerksamkeit: Leben beruht auf Rhythmen und Kreisläufen, die der Mensch nicht beliebig beherrscht.

Asyavamiya Upanishad – vollständiger Text in Devanagari

Vers 1
अस्य वामस्य पलितस्य होतुस्तस्य भ्राता मध्यमो अस्त्यश्नः ।
तृतीयो भ्राता घृतपृष्ठो अस्यात्रापश्यं विश्पतिं सप्तपुत्रं ॥१॥

Vers 2
सप्त युंजंति रथमेकचक्रमेको अश्वो वहति सप्तनामा ।
त्रिनाभि चक्रमजरमनर्वं यत्रेमा विश्वा भुवनाधि तस्थुः ॥२॥

Vers 3
इमं रथमधि ये सप्त तस्थुः सप्तचक्रं सप्त वहंत्यश्वाः ।
सप्त स्वसारो अभि सं नवंते यत्र गवां निहिता सप्त नाम ॥३॥

Vers 4
को ददर्श प्रथमं जायमानमस्थन्वंतं यदनस्था बिभर्ति ।
भूम्या असुरसृगात्मा क्व स्वित्को विद्वांसमुप गात्प्रष्टुमेतत् ॥४॥

Vers 5
पाकः पृच्छामि मनसाविजानन्देवानामेना निहिता पदानि ।
वत्से बष्कयेऽधि सप्त तंतून्वि तत्निरे कवय ओतवा उ ॥५॥

Vers 6
अचिकित्वाञ्चिकितुषश्चिदत्र कवीन्पृच्छामि विद्मने न विद्वान् ।
वि यस्तस्तंभ षळिमा रजांस्यजस्य रूपे किमपि स्विदेकं ॥६॥

Vers 7
इह ब्रवीतु य ईमंग वेदास्य वामस्य निहितं पदं वेः ।
शीर्ष्णः क्षीरं दुह्रते गावो अस्य वव्रिं वसाना उदकं पदापुः ॥७॥

Vers 8
माता पितरमृत आ बभाज धीत्यग्रे मनसा सं हि जग्मे ।
सा बीभत्सुर्गर्भरसा निविद्धा नमस्वंत इदुपवाकमीयुः ॥८॥

Vers 9
युक्ता मातासीद्धुरि दक्षिणाया अतिष्ठद्गर्भो वृजनीष्वंतः ।
अमीमेद्वत्सो अनु गामपश्यद्विश्वरूप्यं त्रिषु योजनेषु ॥९॥

Vers 10
तिस्रो मातॄस्त्रीन्पितॄन्बिभ्रदेक ऊर्ध्वस्तस्थौ नेमव ग्लापयंति ।
मंत्रयंते दिवो अमुष्य पृष्ठे विश्वविदं वाचमविश्वमिन्वां ॥१०॥

Vers 11
द्वादशारं नहि तज्जराय वर्वर्ति चक्रं परि द्यामृतस्य ।
आ पुत्रा अग्ने मिथुनासो अत्र सप्त शतानि विंशतिश्च तस्थुः ॥११॥

Vers 12
पंचपादं पितरं द्वादशाकृतिं दिव आहुः परे अर्धे पुरीषिणं ।
अथेमे अन्य उपरे विचक्षणं सप्तचक्रे षळर आहुरर्पितं ॥१२॥

Vers 13
पंचारे चक्रे परिवर्तमाने तस्मिन्ना तस्थुर्भुवनानि विश्वा ।
तस्य नाक्षस्तप्यते भूरिभारः सनादेव न शीर्यते सनाभिः ॥१३॥

Vers 14
सनेमि चक्रमजरं वि वावृत उत्तानायां दश युक्ता वहंति ।
सूर्यस्य चक्षू रजसैत्यावृतं तस्मिन्नार्पिता भुवनानि विश्वा ॥१४॥

Vers 15
साकंजानां सप्तथमाहुरेकजं षळिद्यमा ऋषयो देवजा इति ।
तेषामिष्टानि विहितानि धामशः स्थात्रे रेजंते विकृतानि रूपशः ॥१५॥

Vers 16
स्त्रियः सतीस्ताँ उ मे पुंस आहुः पश्यदक्षण्वान्न वि चेतदंधः ।
कविर्यः पुत्रः स ईमा चिकेत यस्ता विजानात्स पितुष्पितासत् ॥१६॥

Vers 17
अवः परेण पर एनावरेण पदा वत्सं बिभ्रती गौरुदस्थात् ।
सा कद्रीची कं स्विदर्धं परागात्क्व स्वित्सूते नहि यूथे अंतः ॥१७॥

Vers 18
अवः परेण पितरं यो अस्यानुवेद पर एनावरेण ।
कवीयमानः क इह प्र वोचद्देवं मनः कुतो अधि प्रजातं ॥१८॥

Vers 19
ये अर्वांचस्ताँ उ पराच आहुर्ये परांचस्ताँ उ अर्वाच आहुः ।
इंद्रश्च या चक्रथुः सोम तानि धुरा न युक्ता रजसो वहंति ॥१९॥

Vers 20
द्वा सुपर्णा सयुजा सखाया समानं वृक्षं परि षस्वजाते ।
तयोरन्यः पिप्पलं स्वाद्वत्त्यनश्नन्नन्यो अभि चाकशीति ॥२०॥

Vers 21
यत्रा सुपर्णा अमृतस्य भागमनिमेषं विदथाभिस्वरंति ।
इनो विश्वस्य भुवनस्य गोपाः स मा धीरः पाकमत्रा विवेश ॥२१॥

Vers 22
यस्मिन्वृक्षे मध्वदः सुपर्णा निविशंते सुवते चाधि विश्वे ।
तस्येदाहुः पिप्पलं स्वाद्वग्रे तन्नोन्नशद्यः पितरं न वेद ॥२२॥

Vers 23
यद्गायत्रे अधि गायत्रमाहितं त्रैष्टुभाद्वा त्रैष्टुभं निरतक्षत ।
यद्वा जगज्जगत्याहितं पदं य इत्तद्विदुस्ते अमृतत्वमानशुः ॥२३॥

Vers 24
गायत्रेण प्रति मिमीते अर्कमर्केण साम त्रैष्टुभेन वाकं ।
वाकेन वाकं द्विपदा चतुष्पदाक्षरेण मिमते सप्त वाणीः ॥२४॥

Vers 25
जगता सिंधुं दिव्यस्तभायद्रथंतरे सूर्यं पर्यपश्यत् ।
गायत्रस्य समिधस्तिस्र आहुस्ततो मह्ना प्र रिरिचे महित्वा ॥२५॥

Vers 26
उप ह्वये सुदुघां धेनुमेतां सुहस्तो गोधुगुत दोहदेनां ।
श्रेष्ठं सवं सविता साविषन्नोऽभीद्धो घर्मस्तदु षु प्र वोचं ॥२६॥

Vers 27
हिंकृण्वती वसुपत्नी वसूनां वत्समिच्छंती मनसाभ्यागात् ।
दुहामश्विभ्यां पयो अघ्न्येयं सा वर्धतां महते सौभगाय ॥२७॥

Vers 28
गौरमीमेदनु वत्सं मिषंतं मूर्धानं हिङ्ङकृणोन्मातवा उ ।
सृक्वाणं घर्ममभि वावशाना मिमाति मायुं पयते पयोभिः ॥२८॥

Vers 29
अयं स शिंक्ते येन गौरभीवृता मिमाति मायुं ध्वसनावधि श्रिता ।
सा चित्तिभिर्नि हि चकार मर्त्यं विद्युद्भवंती प्रति वव्रिमौहत ॥२९॥

Vers 30
अनच्छये तुरगातु जीवमेजद्ध्रुवं मध्य आ पस्त्यानां ।
जीवो मृतस्य चरति स्वधाभिरमर्त्यो मर्त्येना सयोनिः ॥३०॥

Vers 31
अपश्यं गोपामनिपद्यमानमा च परा च पथिभिश्चरंतं ।
स सध्रीचीः स विषूचीर्वसान आ वरीवर्ति भुवनेष्वंतः ॥३१॥

Vers 32
य ईं चकार न सो अस्य वेद य ईं ददर्श हिरुगिन्नु तस्मात् ।
स मातुर्योना परिवीतो अंतर्बहुप्रजा निर्ऋतिमा विवेश ॥३२॥

Vers 33
द्यौर्मे पिता जनिता नाभिरत्र बंधुर्मे माता पृथिवी महीयं ।
उत्तानयोश्चम्वोर्योनिरंतरत्रा पिता दुहितुर्गर्भमाधात् ॥३३॥

Vers 34
पृच्छामि त्वा परमंतं पृथिव्याः पृच्छामि यत्र भुवनस्य नाभिः ।
पृच्छामि त्वा वृष्णो अश्वस्य रेतः पृच्छामि वाचः परमं व्योम ॥३४॥

Vers 35
इयं वेदिः परो अंतः पृथिव्या अयं यज्ञो भुवनस्य नाभिः ।
अयं सोमो वृष्णो अश्वस्य रेतो ब्रह्मायं वाचः परमं व्योम ॥३५॥

Vers 36
सप्तार्धगर्भा भुवनस्य रेतो विष्णोस्तिष्ठंति प्रदिशा विधर्मणि ।
ते धीतिभिर्मनसा ते विपश्चितः परिभुवः परि भवंति विश्वतः ॥३६॥

Vers 37
न वि जानामि यदिवेदमस्मि निण्यः संनद्धो मनसा चरामि ।
यदा मागन्प्रथमजा ऋतस्यादिद्वाचो अश्नुवे भागमस्याः ॥३७॥

Vers 38
अपाङ् प्राङेति स्वधया गृभीतोऽमर्त्यो मर्त्येना सयोनिः ।
ता शश्वंता विषूचीना वियंता न्यन्यं चिक्युर्न नि चिक्युरन्यं ॥३८॥

Vers 39
ऋचो अक्षरे परमे व्योमन्यस्मिन्देवा अधि विश्वे निषेदुः ।
यस्तन्न वेद किमृचा करिष्यति य इत्तद्विदुस्त इमे समासते ॥३९॥

Vers 40
सूयवसाद्भगवती हि भूया अथो वयं भगवंतः स्याम ।
अद्धि तृणमघ्न्ये विश्वदानीं पिब शुद्धमुदकमाचरंती ॥४०॥

Vers 41
गौरीर्मिमाय सलिलानि तक्षत्येकपदी द्विपदी सा चतुष्पदी ।
अष्टापदी नवपदी बभूवुषी सहस्राक्षरा परमे व्योमन् ॥४१॥

Vers 42
तस्याः समुद्रा अधि वि क्षरंति तेन जीवंति प्रदिशश्चतस्रः ।
ततः क्षरत्यक्षरं तद्विश्वमुप जीवति ॥४२॥

Vers 43
शकमयं धूममारादपश्यं विषूवता पर एनावरेण ।
उक्षाणं पृश्निमपचंत वीरास्तानि धर्माणि प्रथमान्यासन् ॥४३॥

Vers 44
त्रयः केशिन ऋतुथा वि चक्षते संवत्सरे वपत एक एषां ।
विश्वमेको अभि चष्टे शचीभिर्ध्राजिरेकस्य ददृशे न रूपं ॥४४॥

Vers 45
चत्वारि वाक्परिमिता पदानि तानि विदुर्ब्राह्मणा ये मनीषिणः ।
गुहा त्रीणि निहिता नेंगयंति तुरीयं वाचो मनुष्या वदंति ॥४५॥

Vers 46
इंद्रं मित्रं वरुणमग्निमाहुरथो दिव्यः स सुपर्णो गरुत्मान् ।
एकं सद्विप्रा बहुधा वदंत्यग्निं यमं मातरिश्वानमाहुः ॥४६॥

Vers 47
कृष्णं नियानं हरयः सुपर्णा अपो वसाना दिवमुत्पतंति ।
त आववृत्रन्त्सदनादृतस्यादिद्घृतेन पृथिवी व्युद्यते ॥४७॥

Vers 48
द्वादश प्रधयश्चक्रमेकं त्रीणि नभ्यानि क उ तच्चिकेत ।
तस्मिन्त्साकं त्रिशता न शंकवोऽर्पिताः षष्टिर्न चलाचलासः ॥४८॥

Vers 49
यस्ते स्तनः शशयो यो मयोभूर्येन विश्वा पुष्यसि वार्याणि ।
यो रत्नधा वसुविद्यः सुदत्रः सरस्वति तमिह धातवे कः ॥४९॥

Vers 50
यज्ञेन यज्ञमयजंत देवास्तानि धर्माणि प्रथमान्यासन् ।
ते ह नाकं महिमानः सचंत यत्र पूर्वे साध्याः संति देवाः ॥५०॥

Vers 51
समानमेतदुदकमुच्चैत्यव चाहभिः ।
भूमिं पर्जन्या जिन्वंति दिवं जिन्वंत्यग्नयः ॥५१॥

Vers 52
दिव्यं सुपर्णं वायसं बृहंतमपां गर्भं दर्शतमोषधीनां ।
अभीपतो वृष्टिभिस्तर्पयंतं सरस्वंतमवसे जोहवीमि ॥५२॥

Asyavamiya Upanishad – vollständiger Text in IAST

Vers 1
asya vāmasya palitasya hotustasya bhrātā madhyamo astyaśnaḥ |
tṛtīyo bhrātā ghṛtapṛṣṭho asyātrāpaśyam viśpatim saptaputram || 1 ||

Vers 2
sapta yuñjanti rathamekacakrameko aśvo vahati saptanāmā |
trinābhi cakramajaramanarvam yatremā viśvā bhuvanādhi tasthuḥ || 2 ||

Vers 3
imam rathamadhi ye sapta tasthuḥ saptacakram sapta vahantyaśvāḥ |
sapta svasāro abhi sam navante yatra gavām nihitā sapta nāma || 3 ||

Vers 4
ko dadarśa prathamam jāyamānamasthanvantam yadanasthā bibharti |
bhūmyā asurasṛgātmā kva svitko vidvāṃsamupa gātpraṣṭumetat || 4 ||

Vers 5
pākaḥ pṛcchāmi manasāvijānandevānāmenā nihitā padāni |
vatse baṣkaye’dhi sapta tantūnvi tatnire kavaya otavā u || 5 ||

Vers 6
acikitvāñcikituṣaścidatra kavīnpṛcchāmi vidmane na vidvān |
vi yastastambha ṣaḷimā rajāṃsyajasya rūpe kimapi svidekam || 6 ||

Vers 7
iha bravītu ya īmaṅga vedāsya vāmasya nihitam padam veḥ |
śīrṣṇaḥ kṣīram duhrate gāvo asya vavrim vasānā udakam padāpuḥ || 7 ||

Vers 8
mātā pitaramṛta ā babhāja dhītyagre manasā sam hi jagme |
sā bībhatsurgarbharasā nividdhā namasvanta idupavākamīyuḥ || 8 ||

Vers 9
yuktā mātāsīddhuri dakṣiṇāyā atiṣṭhadgarbho vṛjanīṣvantaḥ |
amīmedvatso anu gāmapaśyadviśvarūpyam triṣu yojaneṣu || 9 ||

Vers 10
tisro mātṝstrīnpitṝnbibhradeka ūrdhvastasthau nemava glāpayanti |
mantrayante divo amuṣya pṛṣṭhe viśvavidam vācamaviśvaminvām || 10 ||

Vers 11
dvādaśāram nahi tajjarāya varvarti cakram pari dyāmṛtasya |
ā putrā agne mithunāso atra sapta śatāni viṃśatiśca tasthuḥ || 11 ||

Vers 12
pañcapādam pitaram dvādaśākṛtim diva āhuḥ pare ardhe purīṣiṇam |
atheme anya upare vicakṣaṇam saptacakre ṣaḷara āhurarpitam || 12 ||

Vers 13
pañcāre cakre parivartamāne tasminnā tasthurbhuvanāni viśvā |
tasya nākṣastapyate bhūribhāraḥ sanādeva na śīryate sanābhiḥ || 13 ||

Vers 14
sanemi cakramajaram vi vāvṛta uttānāyām daśa yuktā vahanti |
sūryasya cakṣū rajasaityāvṛtam tasminnārpitā bhuvanāni viśvā || 14 ||

Vers 15
sākaṃjānām saptathamāhurekajam ṣaḷidyamā ṛṣayo devajā iti |
teṣāmiṣṭāni vihitāni dhāmaśaḥ sthātre rejante vikṛtāni rūpaśaḥ || 15 ||

Vers 16
striyaḥ satīstām̐ u me puṃsa āhuḥ paśyadakṣaṇvānna vi cetadandhaḥ |
kaviryaḥ putraḥ sa īmā ciketa yastā vijānātsa pituṣpitāsat || 16 ||

Vers 17
avaḥ pareṇa para enāvareṇa padā vatsam bibhratī gaurudasthāt |
sā kadrīcī kam svidardham parāgātkva svitsūte nahi yūthe antaḥ || 17 ||

Vers 18
avaḥ pareṇa pitaram yo asyānuveda para enāvareṇa |
kavīyamānaḥ ka iha pra vocaddevam manaḥ kuto adhi prajātam || 18 ||

Vers 19
ye arvāñcastām̐ u parāca āhurye parāñcastām̐ u arvāca āhuḥ |
indraśca yā cakrathuḥ soma tāni dhurā na yuktā rajaso vahanti || 19 ||

Vers 20
dvā suparṇā sayujā sakhāyā samānam vṛkṣam pari ṣasvajāte |
tayoranyaḥ pippalam svādvattyanaśnannanyo abhi cākaśīti || 20 ||

Vers 21
yatrā suparṇā amṛtasya bhāgamanimeṣam vidathābhisvaranti |
ino viśvasya bhuvanasya gopāḥ sa mā dhīraḥ pākamatrā viveśa || 21 ||

Vers 22
yasminvṛkṣe madhvadaḥ suparṇā niviśante suvate cādhi viśve |
tasyedāhuḥ pippalam svādvagre tannonnaśadyaḥ pitaram na veda || 22 ||

Vers 23
yadgāyatre adhi gāyatramāhitam traiṣṭubhādvā traiṣṭubham niratakṣata |
yadvā jagajjagatyāhitam padam ya ittadviduste amṛtatvamānaśuḥ || 23 ||

Vers 24
gāyatreṇa prati mimīte arkamarkeṇa sāma traiṣṭubhena vākam |
vākena vākam dvipadā catuṣpadākṣareṇa mimate sapta vāṇīḥ || 24 ||

Vers 25
jagatā sindhum divyastabhāyadrathaṃtare sūryam paryapaśyat |
gāyatrasya samidhastisra āhustato mahnā pra ririce mahitvā || 25 ||

Vers 26
upa hvaye sudughām dhenumetām suhasto godhuguta dohadenām |
śreṣṭham savam savitā sāviṣanno’bhīddho gharmastadu ṣu pra vocam || 26 ||

Vers 27
hiṅkṛṇvatī vasupatnī vasūnām vatsamicchantī manasābhyāgāt |
duhāmaśvibhyām payo aghnyeyam sā vardhatām mahate saubhagāya || 27 ||

Vers 28
gauramīmedanu vatsam miṣantam mūrdhānam hiṅṅakṛṇonmātavā u |
sṛkvāṇam gharmamabhi vāvaśānā mimāti māyum payate payobhiḥ || 28 ||

Vers 29
ayam sa śiṅkte yena gaurabhīvṛtā mimāti māyum dhvasanāvadhi śritā |
sā cittibhirni hi cakāra martyam vidyudbhavantī prati vavrimauhata || 29 ||

Vers 30
anacchaye turagātu jīvamejaddhruvam madhya ā pastyānām |
jīvo mṛtasya carati svadhābhiramartyo martyenā sayoniḥ || 30 ||

Vers 31
apaśyam gopāmanipadyamānamā ca parā ca pathibhiścarantam |
sa sadhrīcīḥ sa viṣūcīrvasāna ā varīvarti bhuvaneṣvantaḥ || 31 ||

Vers 32
ya īm cakāra na so asya veda ya īm dadarśa hiruginnu tasmāt |
sa māturyonā parivīto antarbahuprajā nirṛtimā viveśa || 32 ||

Vers 33
dyaurme pitā janitā nābhiratra bandhurme mātā pṛthivī mahīyam |
uttānayoścamvoryonirantaratrā pitā duhiturgarbhamādhāt || 33 ||

Vers 34
pṛcchāmi tvā paramantam pṛthivyāḥ pṛcchāmi yatra bhuvanasya nābhiḥ |
pṛcchāmi tvā vṛṣṇo aśvasya retaḥ pṛcchāmi vācaḥ paramam vyoma || 34 ||

Vers 35
iyam vediḥ paro antaḥ pṛthivyā ayam yajño bhuvanasya nābhiḥ |
ayam somo vṛṣṇo aśvasya reto brahmāyam vācaḥ paramam vyoma || 35 ||

Vers 36
saptārdhagarbhā bhuvanasya reto viṣṇostiṣṭhanti pradiśā vidharmaṇi |
te dhītibhirmanasā te vipaścitaḥ paribhuvaḥ pari bhavanti viśvataḥ || 36 ||

Vers 37
na vi jānāmi yadivedamasmi niṇyaḥ saṃnaddho manasā carāmi |
yadā māganprathamajā ṛtasyādidvāco aśnuve bhāgamasyāḥ || 37 ||

Vers 38
apāṅ prāṅeti svadhayā gṛbhīto’martyo martyenā sayoniḥ |
tā śaśvantā viṣūcīnā viyantā nyanyam cikyurna ni cikyuranyam || 38 ||

Vers 39
ṛco akṣare parame vyomanyasmindevā adhi viśve niṣeduḥ |
yastanna veda kimṛcā kariṣyati ya ittadvidusta ime samāsate || 39 ||

Vers 40
sūyavasādbhagavatī hi bhūyā atho vayam bhagavantaḥ syāma |
addhi tṛṇamaghnye viśvadānīm piba śuddhamudakamācarantī || 40 ||

Vers 41
gaurīrmimāya salilāni takṣatyekapadī dvipadī sā catuṣpadī |
aṣṭāpadī navapadī babhūvuṣī sahasrākṣarā parame vyoman || 41 ||

Vers 42
tasyāḥ samudrā adhi vi kṣaranti tena jīvanti pradiśaścatasraḥ |
tataḥ kṣaratyakṣaram tadviśvamupa jīvati || 42 ||

Vers 43
śakamayam dhūmamārādapaśyam viṣūvatā para enāvareṇa |
ukṣāṇam pṛśnimapacanta vīrāstāni dharmāṇi prathamānyāsan || 43 ||

Vers 44
trayaḥ keśina ṛtuthā vi cakṣate saṃvatsare vapata eka eṣām |
viśvameko abhi caṣṭe śacībhirdhrājirekasya dadṛśe na rūpam || 44 ||

Vers 45
catvāri vākparimitā padāni tāni vidurbrāhmaṇā ye manīṣiṇaḥ |
guhā trīṇi nihitā neṅgayanti turīyam vāco manuṣyā vadanti || 45 ||

Vers 46
indram mitram varuṇamagnimāhuratho divyaḥ sa suparṇo garutmān |
ekam sadviprā bahudhā vadantyagnim yamam mātariśvānamāhuḥ || 46 ||

Vers 47
kṛṣṇam niyānam harayaḥ suparṇā apo vasānā divamutpatanti |
ta āvavṛtrantsadanādṛtasyādidghṛtena pṛthivī vyudyate || 47 ||

Vers 48
dvādaśa pradhayaścakramekam trīṇi nabhyāni ka u tacciketa |
tasmintsākam triśatā na śaṅkavo’rpitāḥ ṣaṣṭirna calācalāsaḥ || 48 ||

Vers 49
yaste stanaḥ śaśayo yo mayobhūryena viśvā puṣyasi vāryāṇi |
yo ratnadhā vasuvidyaḥ sudatraḥ sarasvati tamiha dhātave kaḥ || 49 ||

Vers 50
yajñena yajñamayajanta devāstāni dharmāṇi prathamānyāsan |
te ha nākam mahimānaḥ sacanta yatra pūrve sādhyāḥ santi devāḥ || 50 ||

Vers 51
samānametadudakamuccaityava cāhabhiḥ |
bhūmim parjanyā jinvanti divam jinvantyagnayaḥ || 51 ||

Vers 52
divyam suparṇam vāyasam bṛhantamapām garbham darśatamoṣadhīnām |
abhīpato vṛṣṭibhistarpayantam sarasvantamavase johavīmi || 52 ||

Asyavamiya Upanishad – vollständige gut verständliche deutsche Übersetzung

Vers 1
Von diesem freundlichen, ergrauten Hotṛ-Priester ist der mittlere Bruder der Verzehrende. Sein dritter Bruder hat Ghee auf dem Rücken. Hier schaute ich den Herrn der Gemeinschaft, der sieben Söhne hat.

Vers 2
Sieben spannen den Wagen mit dem einen Rad an. Ein einziges Pferd mit sieben Namen zieht ihn. Das Rad mit drei Naben altert nicht und wird durch nichts aufgehalten; auf ihm ruhen alle diese Welten.

Vers 3
Sieben stehen auf diesem Wagen; sieben Pferde ziehen den Wagen mit sieben Rädern. Sieben Schwestern rufen gemeinsam, dort, wo die sieben Namen der Kühe verborgen sind.

Vers 4
Wer sah den Erstgeborenen, als die Knochenlose den Knochenbewehrten trug? Wo sind Atem, Blut und Selbst der Erde? Wer geht zu einem Wissenden, um dies zu erfragen?

Vers 5
Unreif und im Geist noch ohne Erkenntnis frage ich nach den verborgenen Spuren der Götter. Über dem einjährigen Kalb spannten die Seher sieben Fäden aus, um daran zu weben.

Vers 6
Selbst unerfahren frage ich hier die erfahrenen Seher, um zu erkennen, obwohl ich nicht wissend bin: Was ist jenes Eine in der Gestalt des Ungeborenen, das diese sechs Räume auseinandergestützt hat?

Vers 7
Wer wirklich die verborgene Spur dieses freundlichen Vogels kennt, soll hier davon sprechen. Von seinem Haupt melken die Kühe Milch; in eine Hülle gekleidet haben sie mit dem Fuß Wasser getrunken.

Vers 8
Die Mutter ließ den Vater an der kosmischen Ordnung teilhaben; am Anfang vereinigte sie sich in schöpferischer Einsicht und mit dem Geist. Von der Frucht des Leibes durchdrungen, empfand sie Scheu; die Ehrfürchtigen traten mit ihrem Anruf herzu.

Vers 9
Die Mutter war an die Deichsel der Opfergabe gespannt; der Keim stand im Innern der kraftvollen Räume. Das Kalb brüllte, blickte der Kuh nach und schaute ihre allgestaltige Erscheinung in den drei Verbindungen.

Vers 10
Der Eine steht aufrecht und trägt drei Mütter und drei Väter; sie lassen ihn nicht ermüden. Auf dem Rücken jenes Himmels beraten sie über die allwissende, doch nicht von allen erfasste Rede.

Vers 11
Das Rad der kosmischen Ordnung mit zwölf Speichen dreht sich um den Himmel und altert nicht. In ihm stehen, Agni, siebenhundertzwanzig Söhne paarweise zusammen.

Vers 12
Man nennt ihn den fünf-füßigen Vater mit zwölf Gestalten, reich an Wasser im höheren Halbteil des Himmels. Andere nennen ihn den Weitschauenden, der auf dem Rad mit sieben Rädern und sechs Speichen befestigt ist.

Vers 13
Auf dem sich drehenden Rad mit fünf Speichen stehen alle Welten. Seine schwerbeladene Achse wird nicht heiß; seit alters bricht sie mitsamt der Nabe nicht.

Vers 14
Das Rad mit seiner Felge dreht sich unverbraucht. Zehn Angespannte ziehen es an der ausgestreckten Deichsel. Das Auge der Sonne wandert, vom Raum umhüllt; in ihm sind alle Welten befestigt.

Vers 15
Von den gemeinsam Geborenen nennt man den siebten einen Einzelgeborenen. Sechs sind Zwillinge, heißt es, gottgeborene Seher. Ihre erwünschten Bereiche sind nach ihrem Ort geordnet; feststehend erbeben sie und verändern ihre Gestalt.

Vers 16
Obwohl sie weiblich sind, nennt man sie mir gegenüber männlich. Wer Augen hat, sieht; der Blinde erkennt es nicht. Der Sohn, der ein Seher ist, hat sie begriffen; wer sie unterscheidend erkennt, wird zum Vater seines Vaters.

Vers 17
Unterhalb des Höheren und oberhalb dieses Niederen erhob sich die Kuh, die das Kalb mit dem Fuß trägt. Wohin ist sie gewandt? Zu welcher Hälfte ist sie fortgegangen? Wo gebiert sie? Gewiss nicht innerhalb der Herde.

Vers 18
Wer den Vater dieses Wesens kennt – unterhalb des Höheren und oberhalb dieses Niederen –, wer könnte hier als Seher verkünden, woher der göttliche Geist hervorgeboren wurde?

Vers 19
Die Herankommenden nennt man Fortgehende, und die Fortgehenden nennt man Herankommende. Was ihr beide, Indra und Soma, geschaffen habt, das tragen sie wie an eine Deichsel gespannt durch den Raum.

Vers 20
Zwei schönbeflügelte Vögel, eng verbundene Freunde, umschlingen denselben Baum. Der eine von ihnen isst die süße Feige; der andere isst nicht und schaut nur zu.

Vers 21
Wo die schönbeflügelten Vögel unermüdlich ihren Anteil an der Unsterblichkeit und die Erkenntnisse besingen, dort ist der mächtige Hüter des ganzen Weltseins. Er, der Weise, ist zu mir, dem Unreifen, eingegangen.

Vers 22
Auf dem Baum, auf dem die schönbeflügelten Vögel Süßes essen, sich niederlassen und alle Wesen hervorbringen, soll an der Spitze die süße Feige sein. Wer den Vater nicht kennt, erreicht sie nicht.

Vers 23
Was im Gāyatrī-Metrum als Gāyatrī gegründet ist, was aus dem Triṣṭubh-Metrum als Triṣṭubh herausgestaltet wurde, und was als bewegte Welt im Jagatī-Metrum gegründet ist – die es erkennen, haben Unsterblichkeit erlangt.

Vers 24
Mit dem Gāyatrī-Metrum misst man den Preisgesang, mit dem Preisgesang den Sāman-Gesang, mit dem Triṣṭubh-Metrum den Spruch. Mit dem zwei- und vierfüßigen Spruch misst man den Spruch; mit der Silbe misst man die sieben Stimmen.

Vers 25
Mit dem Jagatī-Metrum stützte man den Ozean im Himmel; im Rathantara-Sāman schaute man die Sonne ringsum. Drei Brennhölzer des Gāyatrī-Metrums, so sagt man, ließen es durch Größe und Weite hervorragen.

Vers 26
Ich rufe diese ergiebige Milchkuh herbei. Der Melker mit geschickten Händen soll sie melken. Savitṛ möge für uns die beste Pressung antreiben. Die Glut ist hell entfacht – dies will ich nun gut verkünden.

Vers 27
Mit dem Laut hiṅ kommt die Herrin der Güter, die über die Schätze gebietet und im Geist ihr Kalb sucht, herbei. Diese unverletzliche Kuh möge für die beiden Aśvins Milch geben; sie möge zu großem Wohlergehen gedeihen.

Vers 28
Die Kuh brüllte ihrem blickenden Kalb nach und ließ an seinem Kopf den hiṅ-Laut zur Mutter ertönen. Dem heißen, das Maul öffnenden Kalb zugewandt, ahmt sie seinen Laut nach und nährt es mit ihren Milchströmen.

Vers 29
Dieser gibt den Laut von sich, mit dem die ihn umgebende Kuh auf den Ruf antwortet, während sie sich auf die herabströmende Wolke stützt. Durch Erkenntnisse formte sie den Sterblichen; zum Blitz geworden, schlug sie die Hülle zurück.

Vers 30
Es atmet und ruht, ist schnell gehend und lebendig, bewegt und doch beständig inmitten der Wohnstätten. Das Lebendige des Toten wandert nach seinen eigenen Gesetzen; das Unsterbliche hat mit dem Sterblichen denselben Ursprung.

Vers 31
Ich sah den Hüter, der niemals niederfällt, auf seinen Wegen hierhin und dorthin ziehen. In Wege gleicher und verschiedener Richtung gekleidet, kehrt er inmitten der Welten immer wieder.

Vers 32
Wer ihn geschaffen hat, kennt ihn nicht; wer ihn gesehen hat, dem entschwindet er sogleich. Im Schoß der Mutter und in ihrem Innern umhüllt, geht der Kinderreiche in Auflösung ein.

Vers 33
Der Himmel ist mein Vater und Erzeuger; dort ist mein Nabel. Diese große Erde ist meine Mutter und Verwandte. Zwischen den beiden aufwärts geöffneten Schalen liegt der Schoß; dort legte der Vater den Keim in die Tochter.

Vers 34
Ich frage dich nach der äußersten Grenze der Erde. Ich frage, wo der Nabel des Weltseins ist. Ich frage dich nach dem Samen des kraftvollen Hengstes. Ich frage nach dem höchsten Raum der Rede.

Vers 35
Dieser Altar ist die äußerste Grenze der Erde. Dieses Opfer ist der Nabel des Weltseins. Dieser Soma ist der Samen des kraftvollen Hengstes. Dieser Brahman-Priester ist der höchste Raum der Rede.

Vers 36
Sieben halbe Keimräume, der Same des Weltseins, stehen nach Viṣṇus Weisung in der verteilenden Ordnung. Durch Einsichten und Geist sind sie erkennend; die alles Umfassenden entstehen ringsum nach allen Seiten.

Vers 37
Ich weiß nicht klar, was ich eigentlich bin. Im Verborgenen und vom Denken gebunden wandere ich. Als der Erstgeborene der kosmischen Ordnung zu mir kam, da erhielt ich Anteil an dieser Rede.

Vers 38
Rückwärts gewandt geht es vorwärts, durch die eigene Gesetzmäßigkeit ergriffen: das Unsterbliche, das mit dem Sterblichen denselben Ursprung hat. Die beiden gehen fortwährend auseinander; den einen erkennt man, den anderen erkennt man nicht.

Vers 39
Die Ṛc-Verse ruhen in der höchsten unvergänglichen Weite, in der alle Götter ihren Sitz haben. Wer das nicht kennt – was soll er mit dem Ṛc-Vers anfangen? Die aber dies kennen, sitzen hier in Einheit beisammen.

Vers 40
Mögest du, auf guter Weide grasend, reich an Anteil sein; dann mögen auch wir reich an Anteil werden. Friss zu jeder Zeit Gras, du unverletzliche Kuh, und trinke reines Wasser, wenn du herankommst.

Vers 41
Die rötlich-weiße Kuh ließ ihren Laut erschallen und formte die Wasserströme: einfüßig, zweifüßig, vierfüßig, achtfüßig und neunfüßig geworden, mit tausend Silben in der höchsten Weite.

Vers 42
Von ihr strömen die Meere aus; durch sie leben die vier Himmelsrichtungen. Aus ihr fließt das Unvergängliche hervor; von ihm lebt das ganze All.

Vers 43
Von fern sah ich Rauch aus Kuhdung, mitten jenseits dieses unteren Raumes. Die Helden kochten den bunten Stier. Dies waren die ersten heiligen Ordnungen.

Vers 44
Drei Langhaarige zeigen sich gemäß den Zeiten. Einer von ihnen wird im Jahreslauf geschoren; einer überschaut mit seinen Kräften das All; vom einen sieht man die Geschwindigkeit, nicht aber die Gestalt.

Vers 45
Die Rede ist in vier begrenzte Bereiche gegliedert. Diese kennen die nachdenkenden Brahmanen. Drei liegen in der Höhle verborgen und werden nicht hervorgebracht; den vierten Bereich der Rede sprechen die Menschen.

Vers 46
Man nennt es Indra, Mitra, Varuṇa und Agni; es ist auch der himmlische, schönbeflügelte Garutmān. Das Seiende ist eines; die inspirierten Weisen benennen es auf vielerlei Weise: Agni, Yama und Mātariśvan nennen sie es.

Vers 47
Auf dunklem Pfad fliegen die goldfarbenen, schönbeflügelten Träger des Wassers zum Himmel empor. Vom Sitz der kosmischen Ordnung kehren sie wieder; dann wird die Erde mit Ghee – sinnbildlich mit dem befruchtenden Regen – benetzt.

Vers 48
Zwölf Felgen, ein einziges Rad und drei Naben – wer hat dies erkannt? Darin sind zugleich dreihundertsechzig Pflöcke befestigt, beweglich und unbeweglich.

Vers 49
Die unerschöpfliche, wonnespendende Brust, mit der du alles Begehrenswerte nährst, die Schätze trägt, Reichtum findet und reichlich spendet: Sarasvatī, lass sie uns hier zum Trinken bereit sein.

Vers 50
Durch das Opfer opferten die Götter dem Opfer. Dies waren die ersten heiligen Ordnungen. Durch ihre Größe gelangten sie zum Himmel, wo die früheren Sādhyas, die vollendeten Götter, sind.

Vers 51
Dasselbe Wasser steigt empor und kommt im Lauf der Tage wieder herab. Die Regengötter beleben die Erde; die Feuer beleben den Himmel.

Vers 52
Den himmlischen, schönbeflügelten, großen Vogel, den sichtbaren Keim der Wasser und der Pflanzen, Sarasvant, der herbeieilt und mit Regen sättigt, rufe ich um Beistand an.


Die fünf wichtigsten Empfehlungen der Asyavamiya Upanishad für ernsthafte Aspiranten

1. Verwandle Nichtwissen in eine genaue Frage.
Der Seher bekennt, dass er den Ursprung nicht kennt, und fragt die Wissenden. Formuliere vor Studium oder Meditation eine wirkliche Frage, etwa: „Was in mir nimmt Erfahrung wahr?“ Halte sie offen, ohne vorschnell eine gelernte Antwort einzusetzen. Prüfe mögliche Antworten an Erfahrung, Vernunft und Schrift.

2. Übe die Schau der zwei Vögel.
Beobachte täglich einige Minuten lang Empfindungen, Wünsche und Gedanken. Der „essende Vogel“ erlebt ihre angenehmen und unangenehmen Früchte; der „schauende Vogel“ ist die Fähigkeit, all dies bewusst wahrzunehmen. Benutze das Bild nicht zur Verdrängung, sondern für Sakshi Bhava: vollständig gegenwärtig sein, ohne von jeder Regung fortgetragen zu werden.

3. Führe die hörbare Rede zu ihrer stillen Quelle zurück.
Bevor du ein wichtiges Wort sprichst, spüre die Absicht, aus der es entsteht. Ist sie wahr, notwendig und wohlwollend? Eine kurze tägliche Zeit des Schweigens, verbunden mit ruhiger Mantra-Wiederholung, schärft das Gespür für die verborgenen Ebenen der Rede.

4. Ehre die Einheit, ohne die Vielfalt einzuebnen.
Meditiere über ekaṃ sat – „das Seiende ist eines“. Begegne anderen religiösen Namen und Formen zuerst mit dem Wunsch zu verstehen. Einheit bedeutet nicht, alle Lehren für identisch zu erklären; sie bedeutet, hinter begrenzten Benennungen dieselbe unerschöpfliche Wirklichkeit zu suchen und daraus Ahimsa und Respekt zu entwickeln.

5. Richte deine Praxis nach tragenden Rhythmen aus.
Das Rad der Zeit und der Kreislauf des Wassers lehren Beständigkeit. Wähle eine realistische tägliche Zeit für Meditation, Studium und selbstloses Handeln. Ein kleiner, verlässlicher Rhythmus trägt weiter als seltene Überanstrengung. Beziehe auch den achtsamen Umgang mit Wasser, Nahrung und Natur in deine spirituelle Disziplin ein.

Literatur und Quellen

Siehe auch

Weblinks

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