Pithasthana

Aus Yogawiki
Version vom 20. Juni 2026, 08:22 Uhr von Guido T (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Pithasthana und Girlande

Pithasthana (Sanskrit: pīthasthāna n.) = Thronplatz, Bezeichnung der 51 Orte, an denen die Körperteile von Satī nach ihrem Tod niedergefallen sind.

Der Sanskrit-Ausdruck Pithasthana setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: “Pitha” (Sitz, Thron, Altar) und “Sthana” (Ort, Platz, Stätte). Wörtlich bedeutet Pithasthana also “der Ort des Sitzes” oder “der Thronplatz”. In der spirituellen Tradition Indiens, insbesondere im Hinduismus und Tantra, bezeichnet Pithasthana einen heiligen Ort, an dem eine Gottheit oder ein Guru “thront” – also einen Ort von besonderer Kraft und Verehrung. Oft wird der Ausdruck für die sogenannten Shakti-Pithas verwendet, jene 51 (oder 108) heiligen Stätten, die über den indischen Subkontinent verstreut sind und an denen die Glieder der Göttin Sati nach ihrer Selbstopferung niedergefallen sein sollen. Jeder dieser Orte gilt als ein Pithasthana, an dem die göttliche Energie (Shakti) besonders spürbar ist.

Im Kontext von Yoga und Spiritualität bezieht sich Pithasthana aber nicht nur auf äußere Pilgerorte, sondern auch auf den eigenen Körper als Tempel. In der yogischen Anatomie wird der Körper als Mikrokosmos verstanden, in dem bestimmte Energiezentren (Chakras) als innere Pithasthanas wirken. Besonders das Muladhara Chakra (Wurzelchakra) am unteren Ende der Wirbelsäule gilt als “Sitz” der ruhenden Kundalini-Energie. Wenn du in der Yogastunde bewusst deine Aufmerksamkeit auf diesen Bereich lenkst – etwa durch tiefe Atmung, Erdungsübungen oder die Asana “Malasana” (Girlande) –, dann erschaffst du in deinem eigenen Körper ein Pithasthana: einen Ort der Stille und Kraft, von dem aus du innere Stabilität und spirituelle Verbindung erfahren kannst.

Ein Beispiel für die Yogastunde: Stell dir vor, du sitzt am Ende der Praxis im Schneidersitz (Sukhasana) auf deiner Matte. Dein Lehrer bittet dich, die Hände auf die Oberschenkel zu legen, die Wirbelsäule aufzurichten und dir vorzustellen, dass dein Becken wie ein fester Thron ist – ein Pithasthana. Du atmest tief ein und aus, und mit jedem Atemzug spürst du, wie dein Körper zu einem heiligen Ort wird, an dem du ganz bei dir selbst ankommen darfst. Die Gedanken kommen und gehen, aber du bleibst auf diesem inneren Sitz verwurzelt.

Siehe auch