Apramanata

Apramanata (Sanskrit: अप्रमाणता apramāṇatā f.) = Unermesslichkeit
Der Begriff “Apramanata” stammt aus dem Sanskrit und setzt sich zusammen aus “a” (nicht, ohne) und “pramana” (Maß, Erkenntnismittel, Autorität). Wörtlich bedeutet er daher “Unermesslichkeit” oder “das, was jenseits jedes Maßes und jeder Begrenzung liegt”. In der spirituellen Praxis, besonders im Yoga und Hinduismus, beschreibt Apramanata einen Bewusstseinszustand, der frei von jeder Einschränkung durch Raum, Zeit oder persönliche Vorlieben ist. Es ist eine Qualität des Geistes, die über das dualistische Denken hinausgeht – du bewertest, vergleichst oder misst nichts mehr, sondern nimmst die Wirklichkeit in ihrer grenzenlosen Fülle wahr.
Im Kontext des Yoga wird Apramanata oft mit der Praxis der bedingungslosen Liebe und des Mitgefühls verbunden. Wenn du in einem Zustand von Apramanata verweilst, liebst du nicht nur bestimmte Menschen oder Dinge, sondern du strahlst eine universelle, unermessliche Freundlichkeit aus, die keine Grenzen kennt. Dies entspricht dem yogischen Ideal der “Maitri” (liebende Güte) gegenüber allen Wesen, ohne Ansehen der Person. In den Yoga Sutras von Patanjali wird dies als eine der vier göttlichen Haltungen (Brahma Viharas) gelehrt: Du kultivierst Freundlichkeit gegenüber den Glücklichen, Mitgefühl für die Leidenden, Freude an den Tugendhaften und Gleichmut gegenüber den Unreinen – aber Apramanata geht noch einen Schritt weiter: Es ist die Essenz hinter all diesen Haltungen, die unendliche Weite des Herzens, die niemanden ausschließt.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Stell dir vor, du sitzt in der Meditation und ein Gefühl von Ärger oder Abneigung gegen eine Person steigt in dir auf. Anstatt diesem Gefühl nachzugeben oder es zu unterdrücken, erinnerst du dich an Apramanata. Du atmest tief ein und stellst dir vor, wie dein Herz sich öffnet – weit, weiter, bis es keine Grenzen mehr gibt. Du hältst diese Person in diesem unermesslichen Raum, ohne sie zu beurteilen oder zu messen, was sie dir angetan hat. Du lässt einfach die Energie der Weite fließen. Nach einigen Atemzügen spürst du, wie die Enge des Ärgers sich auflöst, und du trittst in einen Zustand innerer Freiheit ein, der nicht von äußeren Umständen abhängt. Diese Übung kannst du auch im Alltag anwenden, wenn du dich in einem Konflikt oder in einer angespannten Situation befindest.
Swami Sivananda, unser Meister, hat die Essenz dieses unermesslichen Bewusstseins in einem einfachen, aber tiefgründigen Satz zusammengefasst: “Sei weit wie der Himmel. Lass nichts deinen inneren Frieden stören. Liebe alle, denn in allen wohnt der Eine.”