Shavasakti

Shavasakti (Sanskrit: shavasakti f.) = Kraft des Leichnams
Der Begriff shavasakti setzt sich aus zwei Sanskrit-Elementen zusammen:
Wörtlich übersetzt heißt shavasakti also „die Kraft des Leichnams“ oder „Energie des Toten“. In spirituellen und tantrischen Kontexten wird der Ausdruck aber nicht rein makaber verstanden; er verweist auf eine spezifische Qualität von Energie, die mit Stillstand, Passivität, Loslassen und der Schwelle zwischen Leben und Tod zu tun hat.
Shavasakti kann auf mehreren Ebenen gedeutet werden. Einerseits steht sie für die transformative Kraft, die im Ende oder in der Auflösung liegt: wenn etwas stirbt oder vergeht, eröffnet sich der Raum für Umwandlung und Neuentstehung. Andererseits bezeichnet der Begriff eine Art ruhende, inaktive Energie — nicht negativ gemeint, sondern als notwendige Gegenkraft zu aktiver, dynamischer Energie. In tantrischen Übungen und in bestimmten meditativen Praktiken wird diese Ruhe- oder Todeskraft manchmal bewusst aufgesucht, um Anhaftungen zu lösen, tiefe Reinigung zu erfahren oder die Polaritäten von Leben und Tod zu integrieren.
Psychologisch kann shavasakti das Loslassen alter Identitäten, Gewohnheiten oder Schmerzen meinen: erst wenn die „alte Form“ symbolisch stirbt, kann etwas Neues aus der Stille entstehen. Körperlich wird der Begriff gelegentlich mit der Asana shavasana (Totenstellung) assoziiert, weil in der völligen Entspannung und dem Zulassen von Passivität eine heilsame, regenerierende Kraft wirksam wird.
Kurzes Beispiel aus der Mythologie
In manchen Geschichten der hinduistischen Mythologie begegnet ein Held nach einem scheinbaren Scheitern oder gar nach dem Tod einer Metamorphose: durch das Durchschreiten des Todeszustands oder durch das Zurücklassen einer ehemaligen Identität entsteht eine neue, stärkere Gestalt. Dieses Motiv — dass durch das symbolische Sterben altes Karma oder begrenzte Selbstbilder aufgelöst werden und neue Macht erwächst — veranschaulicht, wie shavasakti als schöpferische Kraft des Endes verstanden werden kann.