Shivadrishti
Shivadrishti, Sanskrit शिवदृष्टि Śivadṛṣṭi f., bedeutet "Sicht Shivas" bzw. Blick des Wohlwollens". Shivadrishti ist ein bedeutendes Werk des Kashmirischen Shaivismus, vermutlich verfasst im 9. Jahrhundert von Somananda.
Shivadrishti lädt dazu ein, im gewöhnlichen Erkennen etwas Ungewöhnliches zu entdecken: Was sieht, was gesehen wird und die Kraft des Sehens gehören für Somananda einer einzigen lebendigen Wirklichkeit an. Er nennt sie Shiva. Das Studium kann die Frage vertiefen, was im eigenen Erleben bereits gegenwärtig ist, bevor man es durch eine besondere Erfahrung erreichen möchte. Wer Yoga und Meditation übt, findet hier eine anspruchsvolle Einladung, Erfahrung, Einsicht und Hingabe zusammenzudenken. Das Werk gehört zur Vorgeschichte jener Philosophie des Wiedererkennens, die später auch Abhinavagupta entfaltete; sein Verfasser ist Somananda.
Sein Ausgangspunkt ist kühn: Das Bewusstsein steht der Welt nicht als unbeteiligter Zuschauer gegenüber. Es erscheint selbst als Welt, ohne dabei seine Kraft zu verlieren. Wille, Erkenntnis und Handeln bilden eine untrennbare Einheit. Darum richtet sich die Untersuchung ebenso auf den Tonkrug und die Erinnerung wie auf Befreiung und Verehrung. Gerade die geduldigen Einwände und Antworten schützen davor, die Aussage ‚Alles ist Shiva‘ nur als schönen Gedanken zu wiederholen.
Diese Ausgabe erschließt den gesamten identifizierten Grundtext der Druckausgabe von 1934: sieben Āhnikas, also Kapitel, mit 721 vollständigen Originalstrophen, vier zusätzlichen unnummerierten Halbversen, sieben Kapitelüberschriften und neun Abschlussvermerken. Fortlaufende Lehrprosa gehört in dieser Vorlage zum Kommentar, nicht zum Grundtext. Die Sanskrittexte und deutschen Übersetzungen werden vollständig zugeordnet; Lesungs- und Deutungsfragen sind markiert. Bei 25 Strophen sind Teilunsicherheiten ausdrücklich bezeichnet, darunter drei offen gelassene Teilwendungen. Die Ausgabe gibt damit den erschlossenen Druckbestand wieder, beansprucht aber keine endgültige Rekonstruktion des ursprünglichen Werkes.

Für Aspiranten siehe
108 Verse für die spirituelle Praxis und Gebet
Für Sanskrit Kenner siehe Sanskrit Text in Devanagari
Hintergrund und Aufbau des Shivadrishti
Titel, Autor und Überlieferung. Śivadṛṣṭi bedeutet etwa ‚Shivasicht‘ oder ‚Schau Shivas‘. Gemeint ist eine Sicht, in der die Wirklichkeit als Shiva verstanden wird. Die Schreibweise Shivadrishti dient hier als einheitlicher Seitentitel. Der Verfasser nennt sich am Ende selbst Somananda und sein Werk ausdrücklich Śivadṛṣṭi. Die Zuschreibung wird vom Titel und den Abschlussvermerken des Druckes bestätigt. Es handelt sich weder um den Tantraloka noch um dessen Zusammenfassung Tantrasara von Abhinavagupta. Die im Auftrag damit verbundenen Angaben zu Prosa und Kapitelzusammenfassungen treffen auf dieses Werk nicht zu.
Somananda gehört zu den frühen Denkern des nichtdualen Kashmir Shaivismus, im 10. Jahrhundert; John Nemec setzt seine Wirkungszeit ungefähr 900–950 an. Seine genauen Lebensdaten sind nicht gesichert. Sein Schüler Utpaladeva kommentierte die Shivadrishti und entwickelte die Pratyabhijna, die Philosophie des Wiedererkennens, weiter. Abhinavagupta steht in der späteren Entfaltung dieser Überlieferung. Diese Verbindung erklärt die Nähe der Namen, begründet aber keine gemeinsame Verfasserschaft. Die Herkunftserzählung am Ende des siebten Kapitels führt die Lehre auf Shiva, Durvasas und geistgeborene Lehrer zurück. Sie wird hier als religiöse Überlieferung übersetzt und nicht in eine gesicherte historische Chronologie umgerechnet. Die historische Einordnung folgt insbesondere John Nemecs Untersuchung zur Geschichte der Pratyabhijna, Absätze 1–3.
Die Leitquelle enthält den Grundtext zusammen mit Utpaladevas Vṛtti, einer erläuternden Auslegung. Dieser Kommentar ist im Druck nur für die ersten drei Kapitel und einen Teil des vierten erhalten. Seine Sätze, zitierten Fremdverse und die Fußnoten des Herausgebers gehören nicht zur fortlaufenden Grundtextausgabe. Die Kapitelüberschriften und Kolophone werden dagegen als überlieferte Begleittexte sichtbar bewahrt. Wenn dort der Kommentator genannt wird, ist das eine Angabe über die kommentierte Ausgabe.

Eine Einheit, die Unterschiede trägt. Somanandas Nichtdualität bedeutet nicht, dass die Erscheinungen einfach verschwinden oder zu wertlosen Täuschungen erklärt werden. Ein Krug hat eine bestimmte Form und Verwendung; sein Bestehen ist zugleich Ausdruck derselben Wirklichkeit, die als Wahrnehmender erscheint. Die Bilder von Gold und Schmuck, Wasser und Welle dienen der Untersuchung dieses Verhältnisses. Dabei unterscheidet der Text zwischen alltäglicher Benennung und bleibendem Wesen. Auch eine ungebräuchliche Benennung verwandelt die Natur einer Sache nicht.
Shakti, die Kraft Shivas, ist kein zweites, von ihm unabhängiges Wesen. Wollen, Wissen und Wirken lassen sich begrifflich unterscheiden, bleiben aber ungetrennt. Selbst das ruhige Verweilen im Bewusstsein wird daher nicht als kraftlose Starre beschrieben. Umgekehrt bedeutet die Rede vom Willen der Dinge nicht ohne Weiteres, ein Stein habe menschliche Gedanken. Sie folgt Somanandas These, dass jedes Wirken im gemeinsamen bewussten Grund steht. Diese Sicht ist eigenständig; sie wird weder mit dem späteren Advaita Vedanta noch mit modernen Chakra- oder Kundalini-Systemen gleichgesetzt.
| Kapitel | Originalpositionen | Leseorientierung |
|---|---|---|
| 1 | 1–49 | Grundlegung: Shiva, Bewusstsein und die Einheit von Wille, Erkenntnis und Handlung; Entfaltung der Welt. |
| 2 | 1–90 | Auseinandersetzung mit der Sprachphilosophie: Kann das schauende Wort als höchste Wirklichkeit gelten? Die Stellung von Rede, Erkenntnis und Willen. |
| 3 | 1–99 | Kraft und Kraftträger; Wirklichkeit der Erscheinungen, Veränderung und die Freiheit Shivas. |
| 4 | 1–124; zweimal 70; zusätzlicher Halbvers | Argumente für Einheit und Bewusstheit der Dinge; Prüfung getrennter Substanzen, Ursachen, Wahrnehmungen und Erinnerungen. |
| 5 | 1–110 | Ausarbeitung der gleichen Shiva-Natur aller Dinge und ihrer wechselseitigen Verbundenheit. |
| 6 | 1–126; zusätzlicher Halbvers | Prüfung konkurrierender Erklärungen von Welt, Erkenntnis und Selbst; zuletzt Einheit und Vielheit der Befreiten. |
| 7 | 1–122; zwei zusätzliche Halbverse | Erkenntnis und Übung, traditionelle Wirkungslehren, innere Verehrung und Alltag des Erwachten; Herkunftserzählung und Werkabschluss. |
Heutige geführte Meditation von Yoga Vidya: ‚Erfahre dich selbst als reines Bewusstsein‘. Ergänzende Praxis aus einem modernen Lehrzusammenhang.
Shivadrishti - Sanskrit Text und Übersetzung
Die Übersetzung folgt der Argumentation, einschließlich der Einwände anderer Schulen. ‚Einwand‘ und ‚Antwort‘ sind erläuternde Rollenangaben, keine zusätzlich überlieferten Sprecherzeilen. Manche Sätze reichen über mehrere Strophen; sie sollen zusammen gelesen werden. Ein † kennzeichnet einen erläuterten textlichen oder sprachlichen Vorbehalt. Ausführliche Nachweise stehen nach dem Grundtext. Die im siebten Kapitel beschriebenen außergewöhnlichen Wirkungen und Rituale sind historische Lehraussagen; ihre Wiedergabe behauptet keine nachgewiesene heutige Wirksamkeit. Eckig gesetzte Versnummern sind redaktionell ergänzt; Details stehen am Ende.
Kapitel 1: überlieferte Überschrift
śrīśivadṛṣṭiḥ
śrīmatsomānandaviracitā
śrīmahāmāheśvarotpaladevācāryaracitayā vṛttyopetā |
prathamamāhnikam
Übersetzung: Die ehrwürdige Shivadrishti, verfasst von Somananda, versehen mit der Erklärung des großen Maheshvara-Verehrers und Lehrers Utpaladeva. Erstes Kapitel.
1.1
asmadrūpasamāviṣṭaḥ svātmanātmanivāraṇe |
śivaḥ karotu nijayā namaḥ śaktyā tatātmane || 1 ||
Übersetzung: Möge Shiva, der unsere Gestalt angenommen hat, durch sein eigenes Selbst und mit seiner eigenen Kraft seinem allumfassenden Selbst Verehrung erweisen, um die Hemmnisse aufzuheben, die ebenfalls sein Selbst sind.
1.2
ātmaiva sarvabhāveṣu sphurannirvṛtacidvibhuḥ |
aniruddhecchāprasaraḥ prasaraddṛkkriyaḥ śivaḥ || 2 ||
Übersetzung: Das Selbst allein leuchtet in allen Erscheinungen auf: Shiva, allgegenwärtiges Bewusstsein in vollkommener Erfülltheit, dessen Wille sich ungehindert entfaltet und dessen Erkennen und Handeln hervorströmen.
1.3
sa yadāste cidāhlādamātrānubhavatallayaḥ |
tadicchā tāvatī tāvajjñānaṃ tāvatkriyā hi sā || 3 ||
Übersetzung: Wenn er ganz in der Erfahrung der Freude des Bewusstseins ruht, ist sein Wille genau dies, sein Erkennen genau dies und sein Handeln ebenso genau dies.
1.4
susūkṣmaśaktitritayasāmarasyena vartate |
cidrūpāhlādaparamo nirvibhāgaḥ parastadā || 4 ||
Übersetzung: In der völligen Übereinstimmung der drei äußerst feinen Kräfte besteht er dann als der Höchste, ungeteilt und ganz der Freude hingegeben, die Bewusstsein ist.
1.5
na paraṃ tadavasthāyāṃ vyavasthaiṣā vyavasthitā |
yāvatsamagrajñānāgrajñātṛsparśadaśāsvapi || 5 ||
Übersetzung: Diese Ordnung besteht keineswegs nur in jenem Zustand. Sie reicht vielmehr bis in die Zustände hinein, in denen der Erkennende mit der gesamten Erkenntnis und ihrem Gegenstand in Berührung kommt.
1.6
sthitaiva lakṣyate sā ca tadviśrāntyā tathā phale |
evaṃ na jātucittasya viyogastritayātmanā || 6 ||
Übersetzung: Auch dort ist sie vorhanden; durch das Ruhen in ihr lässt sie sich ebenso am Ergebnis erkennen. So ist er niemals von der dreifachen Kraft getrennt,
1.7
śaktyā nirvṛtacittvasya tadabhāgavibhāgayoḥ |
yadā tu tasya ciddharmavibhavāmodajṛmbhayā || 7 ||
Übersetzung: weder im ungeteilten noch im gegliederten Zustand seines erfüllten Bewusstseins. Wenn nun durch das freudige Aufblühen der Herrlichkeit seines Bewusstseinswesens
1.8
vicitraracanānānākāryasṛṣṭipravartane |
bhavatyunmukhitā cittā secchāyāḥ prathamā tuṭiḥ || 8 ||
Übersetzung: das Bewusstsein sich der Hervorbringung vielfältiger Gestaltungen und verschiedenartiger Wirkungen zuwendet, ist diese Hinwendung der allererste Augenblick des Willens.
1.9
sā ca dṛśyā hṛduddeśe kāryasmaraṇakālataḥ |
praharṣāvedasamaye darasandarśanakṣaṇe || 9 ||
Übersetzung: Sie lässt sich im Bereich des Herzens wahrnehmen, wenn man sich einer Aufgabe erinnert, beim Hereinbrechen großer Freude oder in dem Augenblick, in dem etwas Erschreckendes sichtbar wird,
1.10
anālocanato dṛṣṭe visargaprasarāspade |
visargoktiprasaṅge ca vācane dhāvane tathā || 10 ||
Übersetzung: beim unvermittelten Anblick, beim Einsetzen des Samenergusses, beim Aussprechen des Hauchlauts Visarga, ebenso beim Lesen und beim Laufen.
1.11
eteṣveva prasaṅgeṣu sarvaśaktivilolatā |
kutsite'kutsitasya syātkathamunmukhateti cet || 11 ||
Übersetzung: Gerade in solchen Situationen geraten alle Kräfte in Bewegung. Einwand: Wie könnte sich das Untadelige etwas Tadelnswertem zuwenden?
1.12
rūpaprasārarasato garhitatvamayuktimat |
pañcaprakārakṛtyoktiśivatvānnijakarmaṇe || 12 ||
Übersetzung: Antwort: Angesichts der Freude an der Entfaltung seiner Gestalt ist der Vorwurf des Tadelnswerten unbegründet. Da Shiva durch sein in fünf Formen beschriebenes Wirken gekennzeichnet ist und seiner eigenen Tätigkeit nachgeht,
1.13
pravṛttasya nimittānāmapareṣāṃ kva mārgaṇam |
gacchato nistaraṅgasya jalasyātitaraṅgitām || 13 ||
Übersetzung: wo sollte man da noch nach anderen Ursachen suchen? Wenn ruhiges Wasser in einen stark bewegten, wellenreichen Zustand übergeht,
1.14
ārambhe dṛṣṭimāpātya tadaunmukhyaṃ hi gamyate |
vrajato muṣṭitāṃ pāṇeḥ pūrvaḥ kampastadekṣyate || 14 ||
Übersetzung: wird jene erste Hinwendung erkannt, indem man auf den Beginn blickt. Ebenso sieht man die erste Regung einer Hand, die sich zur Faust schließt.
1.15
bodhasya svātmaniṣṭhasya racanāṃ prati nirvṛtiḥ |
tadāsthāpravikāso yastadaunmukhyaṃ pracakṣate || 15 ||
Übersetzung: Das in sich selbst ruhende Bewusstsein empfindet Erfülltheit angesichts des Gestaltens. Das Aufblühen seiner Bereitschaft dazu nennt man die Hinwendung.
1.16
kiñciducchūnatā saiva mahadbhiḥ kaiściducyate |
tasyecchā kāryatāṃ yātā yayā secchaḥ sa jāyate || 16 ||
Übersetzung: Einige große Lehrer nennen dasselbe ein geringes Anschwellen. Sein Wille ist das daraus hervorgegangene Ergebnis, durch das er als Wollender erscheint.
1.17
aunmukhyasya ya ābhogaḥ sthūlaḥ secchā vyavasthitā |
na caunmukhyaprasaṅgena śivaḥ sthūlatvabhāk kvacit || 17 ||
Übersetzung: Die deutlich ausgeprägte Entfaltung dieser Hinwendung ist der Wille. Doch durch den Zusammenhang mit der Hinwendung nimmt Shiva selbst niemals eine grobe Beschaffenheit an.
1.18
goḥ stanātpātataḥ kṣīre vikārastata eva hi |
na ca na kṣīramityeṣa vyapadeśo'sti tatkṣaṇam || 18 ||
Übersetzung: Schon an der Milch, die aus dem Euter einer Kuh herabfällt, findet eine Veränderung statt; dennoch bezeichnet man sie in diesem Augenblick nicht als „keine Milch“.
1.19
yata icchati tajjñātuṃ kartuṃ vāhecchayā kriyām |
tasyāḥ pūrvāparau bhāgau kalpanīyau purā hi yā || 19 ||
Übersetzung: Weil er etwas erkennen oder willentlich eine Handlung ausführen möchte, sind am Willen ein vorausgehender und ein nachfolgender Teil zu unterscheiden. Was zuvor
1.20
tatkarmanirvṛtiprāptiraunmukhyaṃ tadvikāsitā |
anantaraṃ hi tatkāryajñānadarśanaśaktitā || 20 ||
Übersetzung: als Erfülltheit hinsichtlich jener Tätigkeit erfahren wird, ist die Hinwendung und deren Entfaltung. Unmittelbar danach besteht die Fähigkeit, die betreffende Wirkung zu erkennen und zu sehen:
1.21
jñānaśaktistadarthaṃ hi yo'sau sthūlaḥ samudyamaḥ |
sā kriyāśaktiruditā tataḥ sarvaṃ jagatsthitam || 21 ||
Übersetzung: das ist die Erkenntniskraft. Der deutliche Einsatz, der auf diese Wirkung gerichtet ist, heißt Handlungskraft. Daraus besteht die gesamte Welt.
1.22
evaṃ sarvasamutpattikāle śaktitrayātmatā |
na nivṛttā, nacaunmukhyaṃ nivṛttaṃ, nāpi nirvṛtiḥ || 22 ||
Übersetzung: So hören beim Entstehen aller Dinge weder die Einheit der drei Kräfte noch die Hinwendung noch die Erfülltheit auf.
1.23
yadekataraniryāṇe kāryaṃ jātu na jāyate |
tasmātsarvapadārthānāṃ sāmarasyamavasthitam || 23 ||
Übersetzung: Wenn auch nur eine von ihnen ausfiele, käme niemals eine Wirkung zustande. Deshalb besteht die innige Einheit aller Dinge.
1.24
ghaṭādigrahakāle'pi ghaṭaṃ jānāti sā kriyā |
jānāti jñānamatraiva niricchorvedanakṣatiḥ || 24 ||
Übersetzung: Auch beim Wahrnehmen eines Kruges gilt: „Er erkennt den Krug“ bezeichnet eine Tätigkeit; „er erkennt“ bezeichnet zugleich Erkenntnis. Ohne Wollen wäre das Erkennen ausgeschlossen.
1.25
aunmukhyābhāvatastasya nivṛttirnirvṛtiṃ vinā |
dveṣye pravartate naiva na ca vetti vinā citam || 25 ||
Übersetzung: Ohne Hinwendung käme es zum Stillstand, ebenso ohne Erfülltheit: Dem Verhassten wendet man sich nicht zu. Und ohne Bewusstsein erkennt man überhaupt nichts.
1.26
buddhiṃ vinā kathaṃ bodhaḥ sā buddhiḥ prakṛteḥ prajā |
na ca tasya tayā yoga iti cedaparasthitau || 26 ||
Übersetzung: Einwand: Wie wäre Erkenntnis ohne den unterscheidenden Verstand möglich? Dieser Verstand geht aus der Urnatur hervor, mit der Shiva aber nicht verbunden ist. Antwort: Das gilt für die niedere Ebene.
1.27
sā buddhiryat punaḥ sūkṣmaṃ sarvadikkaṃ vyavasthitam |
jñānaṃ bodhamayaṃ tasya śivasya sahajaṃ sadā || 27 ||
Übersetzung: Dort gibt es jenen Verstand. Die feine, nach allen Richtungen gegenwärtige Erkenntnis aus Bewusstsein hingegen ist Shiva immer schon angeboren.
1.28
nyāyādibhirna tulyatvaṃ tairhi yā prākṛtī matiḥ |
tasyā evātmadharmatvamiṣṭaṃ na parabodhake || 28 ||
Übersetzung: Dies ist den Auffassungen des Nyaya und anderer Schulen nicht gleichzusetzen. Sie betrachten den aus der Urnatur hervorgegangenen Verstand als Eigenschaft des Selbst; das gilt hier nicht für das höchste Erkennen.
1.29
eṣa eva hi vijñeyo nyāya icchāṃ prati sphuṭam |
tadevaṃ prasṛto devaḥ kadācicchaktimātrake || 29 ||
Übersetzung: Genau dieselbe Begründung ist auch hinsichtlich des Willens zu verstehen. So entfaltet sich der Gott: Zuweilen nimmt er, seinem Willen gemäß, lediglich in der Kraft
1.30
bibharti rūpamicchātaḥ kadācijjñānaśaktitaḥ |
sadāśivatvamudrekātkadācidaiśvarīṃ sthitim || 30 ||
Übersetzung: Gestalt an; zuweilen als Sadashiva, wenn die Erkenntniskraft hervortritt; zuweilen den Zustand des Herrschers, Ishvara,
1.31
kriyāśaktisamābhogātkadācitsthūlavedanāt |
vidyātvavidyeśānatvamantramantreśvarātmatām || 31 ||
Übersetzung: aufgrund der vollen Entfaltung der Handlungskraft. Zuweilen nimmt er durch gröberes Erkennen die Gestalt der reinen Erkenntnis, der Herren dieser Erkenntnis, der Mantras und der Mantra-Herren an.
1.32
ātmapracchādanakrīḍāṃ kurvato vā kathañcana |
māyārūpamitītyādi ṣaṭtriṃśattattvarūpatām || 32 ||
Übersetzung: Oder er spielt auf irgendeine Weise damit, sein eigenes Selbst zu verhüllen, und nimmt die Gestalt der Maya an. So trägt er die Formen der sechsunddreißig Wirklichkeitsebenen,
1.33
bibhradbibharti rūpāṇi tāvatā vyavahārataḥ |
yāvatsthūlaṃ jaḍābhāsaṃ saṃhataṃ pārthivaṃ ghanam || 33 ||
Übersetzung: und im entsprechenden Weltgeschehen trägt er immer weitere Gestalten, bis hin zum groben, scheinbar unbewussten, zusammengefügten und festen Irdischen.
1.34
tathā nānāśarīrāṇi bhuvanāni tathā tathā |
visṛjya rūpaṃ gṛhṇāti protkṛṣṭādhamamadhyamam || 34 ||
Übersetzung: Nachdem er verschiedenartige Körper und Welten auf je eigene Weise hervorgebracht hat, nimmt er die höchsten, niedrigsten und mittleren Gestalten an.
1.35
sthānānurūpato dehāndehākāreṇa bhāvanāḥ |
ādadattena tenaiva rūpeṇa pravibhāvyate || 35 ||
Übersetzung: Er nimmt Körper entsprechend ihren Aufenthaltsorten und Vorstellungen entsprechend der Körpergestalt an; jeweils in genau dieser Gestalt wird er wahrgenommen.
1.36
krīḍayā duḥkhavedyāni karmakārīṇi tatphalaiḥ |
sambhatsyamānāni tathā narakārṇavagahvare || 36 ||
Übersetzung: Spielend nimmt er Körper an, die Schmerz erfahren, Handlungen vollbringen und deren Früchten entgegengehen, und die im Abgrund des Höllenmeeres
1.37
nivāsīni śarīrāṇi gṛhṇāti parameśvaraḥ |
yathā nṛpaḥ sārvabhaumaḥ prabhāvāmodabhāvitaḥ || 37 ||
Übersetzung: wohnen: Solche Körper nimmt der höchste Herr an. Wie ein Weltherrscher, von der Freude seiner Macht erfüllt,
1.38
krīḍankaroti pādātadharmāṃstaddharmadharmataḥ |
tathā prabhuḥ pramodātmā krīḍatyevaṃ tathā tathā || 38 ||
Übersetzung: im Spiel die Aufgaben eines Fußsoldaten übernimmt und sich dessen Eigenart entsprechend verhält, so spielt auch der Herr, dessen Wesen Freude ist, auf diese und jene Weise.
1.39
itthaṃ śivo bodhamayaḥ sa eva paranirvṛtiḥ |
saiva conmukhatāṃ yāti secchājñānakriyātmatām || 39 ||
Übersetzung: So ist Shiva Bewusstsein; er selbst ist höchste Erfülltheit. Eben diese geht in Hinwendung über und wird zu Wollen, Erkennen und Handeln.
1.40
saiva śāktaśarīrādinārakāntaṃ hi bhūtatā |
prasūyate svacidrūpapramukhaṃ pārthivāntakam || 40 ||
Übersetzung: Eben sie ist das Dasein der Wesen, vom Körper der Kraft bis hinab zu den Höllenbewohnern. Sie bringt alles hervor, vom eigenen Bewusstseinswesen angefangen bis zum Irdischen.
1.41
padārthatvena bhagavānsarvatraiva tadātmatā |
svaśivatvamivājānanpaśvātmavyapadeśataḥ || 41 ||
Übersetzung: Als jeglicher Gegenstand tritt der Erhabene hervor; überall ist er dessen Selbst. Als ob er sein eigenes Shiva-Sein nicht kennte, erhält er die Bezeichnung eines gebundenen Einzelwesens.
1.42
tadrūpatvena vā paśyansthitaḥ śānta iva kvacit |
kevaleśadṛḍhatvena kvacitkevalaśambhutā || 42 ||
Übersetzung: Anderswo ruht er, als wäre er still geworden, indem er sich in jener Gestalt erkennt; anderswo erscheint er durch die feste Beschränkung auf ein bloßes Herrscher-Sein als der „alleinige Shambhu“.
1.43
aprabuddho niṣkalaśca kvacitpralayakevalī |
ātmabodhī vikalavatkvacidvijñānakevalī || 43 ||
Übersetzung: Anderswo ist er unerwacht und ohne entfaltete Teile, ein beim Weltuntergang vereinzeltes Wesen; anderswo erkennt er sich selbst, ist aber gleichsam unvollständig: ein in Erkenntnis vereinzeltes Wesen.
1.44
yogināmicchayā yadvannānārūpopapattitā |
nacāsti sādhanaṃ kiñcinmṛdādīcchāṃ vinā prabhoḥ || 44 ||
Übersetzung: Wie bei Yogins vielfältige Formen durch den Willen entstehen, so gibt es für den Herrn außer seinem Willen kein weiteres Mittel wie etwa Ton.
1.45
tathā bhagavadicchaiva tathātvena prajāyate |
dṛśyante'tra tadicchāto bhāvā bhītyādiyogataḥ || 45 ||
Übersetzung: Ebenso wird der Wille des Erhabenen selbst zu der jeweiligen Gestalt. Auch hier sieht man, dass Erscheinungen infolge des Willens auftreten, etwa in Verbindung mit Furcht und anderen Zuständen.
1.46
tatra mithyāsvarūpaṃ cetsthāpyāgre satyatedṛśām |
evaṃ sarveṣu bhāveṣu yathā sā śivarūpatā || 46 ||
Übersetzung: Einwand: Dort haben sie doch nur ein unwirkliches Wesen! Antwort: Die Wirklichkeit solcher Erscheinungen wird später begründet. Ebenso wird später dargelegt, wie in allen Dingen jenes Shiva-Wesen,
1.47
nīrūpatā nirvṛtirvā śaktitritayayogitā |
sacitvaṃ saṃsthitaṃ nityaṃ kathanīyaṃ tathāgrataḥ || 47 ||
Übersetzung: Formlosigkeit oder Erfülltheit, die Verbindung mit den drei Kräften und das Bewusst-Sein beständig gegenwärtig sind.
1.48
evaṃ sarvapadārthānāṃ samaiva śivatā sthitā |
parāparādibhedo'tra śraddadhānairudāhṛtaḥ || 48 ||
Übersetzung: So ist das Shiva-Sein in allen Dingen gleich. Unterscheidungen in höher, niedriger und dergleichen sind hier von den jeweiligen Anhängern aufgestellt worden.
1.49
evaṃ bhedātmakaṃ nityaṃ śivatattvamanantakam |
tathā tasya vyavasthānānnānārūpe'pi satyatā || 49 ||
Übersetzung: So ist das Shiva-Prinzip ewig und unbegrenzt und trägt die Unterschiede in sich. Weil es gerade so besteht, ist auch seine vielfältige Gestalt wirklich.
Kapitel 1: Abschlussvermerk 1
iti śrīśivadṛṣṭau śrīmadutpaladevaprabhupādanirmitāyāṃ vṛttau
prathamamāhnikam || 1 || †
Übersetzung: Hier endet das erste Kapitel der Shivadrishti-Erklärung, verfasst vom ehrwürdigen Utpaladeva.
Kapitel 2: überlieferte Überschrift
atha
śrīśivadṛṣṭau
dvitīyamāhnikam |
Übersetzung: Nun das 2. Kapitel der ehrwürdigen Shivadrishti.
2.1
athāsmākaṃ jñānaśaktiryā sadāśivarūpatā |
vaiyākaraṇasādhūnāṃ paśyantī sā parā sthitiḥ || 1 ||
Übersetzung: Was für uns die Erkenntniskraft in der Gestalt Sadashivas ist, gilt den gelehrten Grammatikern als Paśyantī, als der höchste Zustand des „schauenden Wortes“.
2.2
ityāhuste paraṃ brahma yadanādi tathākṣayam |
tadakṣaraṃ śabdarūpaṃ sā paśyantī parā hi vāk || 2 ||
Übersetzung: Sie sagen: „Das höchste Brahman, anfangslos und unvergänglich, ist das unzerstörbare Wortwesen. Es ist Paśyantī, die höchste Rede.
2.3
sa evātmā sarvadehavyāpakatvena vartate |
antaḥpaśyadavasthaiva cidrūpatvamarūpakam || 3 ||
Übersetzung: Eben dieses Selbst durchdringt alle Körper. Sein nach innen schauender Zustand ist formloses Bewusstsein,
2.4
tāvadyāvatparā kāṣṭhā yāvatpaśyatyanantakam |
akṣādivṛttibhirhīnaṃ deśakālādiśūnyakam || 4 ||
Übersetzung: bis zur höchsten Grenze, soweit es das Unbegrenzte schaut, frei von der Tätigkeit der Sinne, von Raum, Zeit und dergleichen,
2.5
sarvataḥkramasaṃhāramātramākāravarjitam |
brahmatattvaṃ parā kāṣṭhā paramārthastadeva saḥ || 5 ||
Übersetzung: lediglich vollständige Aufhebung jeder Abfolge, ohne Gestalt: das Brahman-Prinzip, die höchste Grenze, die höchste Wirklichkeit selbst.
2.6
āste vijñānarūpatve sa śabdo'rthavivakṣayā |
madhyamā kathyate saiva bindunādamarutkramāt || 6 ||
Übersetzung: Dieses Wort besteht zunächst als Erkenntnis. Mit der Absicht, eine Bedeutung auszudrücken, heißt dieselbe Rede Madhyamā, die mittlere Rede. Durch die Folge von Bindu, dem Lautkeim, Nāda, dem Klang, und Atem
2.7
samprāptā vaktrakuharaṃ kaṇṭhādisthānabhāgaśaḥ |
vaikharī kathyate saiva bahirvāsanayā kramāt || 7 ||
Übersetzung: gelangt sie in den Mundraum, verteilt auf die Lautbildungsorte wie die Kehle; dann heißt sie Vaikharī, die ausgesprochene Rede. Durch die nach außen gerichtete Prägung wird sie allmählich
2.8
ghaṭādirūpairvyāvṛttā gṛhyate cakṣurādinā |
yasmāttairucyate sadbhirevaṃ vastupravṛttaye || 8 ||
Übersetzung: in Gestalten wie Krügen unterschieden und von Auge und anderen Sinnen erfasst.“ Denn zur Erklärung der Entfaltung der Dinge sagen jene Gelehrten:
2.9
anādinidhanaṃ brahma śabdatattvaṃ yadakṣaram |
vivartate'rthabhāvena prakriyā jagato yataḥ || 9 ||
Übersetzung: „Das Brahman ohne Anfang und Ende, das unvergängliche Wortprinzip, entfaltet sich als Gegenstandswelt; aus ihm geht der Aufbau der Welt hervor.“
2.10
na so'sti pratyayo loke yaḥ śabdānugamādṛte |
śabdabrahmaṇi niṣṇātaḥ paraṃ brahmādhigacchati || 10 ||
Übersetzung: „Es gibt in der Welt keine Erkenntnis, die nicht vom Wort begleitet wäre.“ Und: „Wer im Wort-Brahman ganz bewandert ist, gelangt zum höchsten Brahman.“
2.11
avibhāgā tu paśyantī sarvataḥ saṃhṛtakramā |
ityādivākyaracanaistairevaṃ pratipāditam || 11 ||
Übersetzung: „Paśyantī aber ist ungeteilt; jede Abfolge ist in ihr aufgehoben.“ Mit solchen und ähnlichen Sätzen haben sie ihre Lehre dargelegt.
2.12
tadvicārāya rādhāntaḥ sampratyeṣa vidhīyate |
ādau tāvadindriyatve sthitā vākkarmasañjñite || 12 ||
Übersetzung: Um dies zu untersuchen, wird nun die folgende Erwiderung entwickelt. Zunächst gehört die Rede zu den sogenannten Handlungsorganen.
2.13
tasyātmatā brahmatā vā vaktuṃ śakyā na sādhubhiḥ |
indriyatve'pi sāmānye pāṇyāderbrahmatā na kim || 13 ||
Übersetzung: Dass sie das Selbst oder Brahman sei, können Verständige deshalb nicht behaupten. Wenn das Organ-Sein gemeinsam ist, weshalb sollten dann nicht auch Hand und andere Organe Brahman sein?
2.14
tatra cetsūkṣmakalanā sarvatra kalanāgrataḥ |
antaḥ kramo hṛdādeścetprāṇādeḥ kiṃ na satyatā || 14 ||
Übersetzung: Einwand: Bei ihr gibt es eine feine innere Regung. Antwort: Solche Regung geht überall voraus. Wenn die innere Folge vom Herzen her entscheidend wäre, weshalb sollte dann nicht auch dem Lebensatem höchste Wirklichkeit zukommen?
2.15
sarvasyāntaḥparāmarśapūrṇatāsti pravartane |
atropāsanayā siddhirdevatāyogiteti cet || 15 ||
Übersetzung: Bei jeglicher Betätigung gibt es ein erfülltes inneres Erfassen. Einwand: Durch Verehrung der Rede erlangt man Vollkommenheit und Verbindung mit der Gottheit.
2.16
yogaśāstreṣu sarveṣāṃ devatāsiddhiyogitā |
tasmāddhiraṇyagarbhādiyogasāṅkhyetihāsatām || 16 ||
Übersetzung: Antwort: In den Yoga-Lehren wird allen Organen die Möglichkeit zugesprochen, göttliche Vollkommenheit zu erlangen. Daher wird eine Lehrdarstellung, die die von Hiranyagarbha und anderen überlieferten Lehren des Yoga, Samkhya und der Geschichte
2.17
vihāya śāstraracanā jātucinna virājate |
pāṇyādīndriyavannaitadbrahma vāgindriyaṃ bhavet || 17 ||
Übersetzung: außer Acht lässt, niemals überzeugen. Das Redeorgan kann ebenso wenig wie Hand und andere Organe allein das Brahman sein.
2.18
athocyate prakiryāsau sāṅkhyādiracitā na sā |
tattvonmeṣaprasaraṇe bhavetsambandhabhāginī || 18 ||
Übersetzung: Einwand: Die von Samkhya und anderen entworfene Ordnung betrifft nicht die Entfaltung der Wirklichkeit,
2.19
vimarśānubhavenaiṣā yathā vāk prathamaṃ śritā |
lakṣyate bodharūpeṇa na tathā caraṇādikam || 19 ||
Übersetzung: denn in der Erfahrung des inneren Erfassens lässt sich die ursprünglich hervortretende Rede als Bewusstsein wahrnehmen, nicht ebenso Fuß und andere Organe.
2.20
iti ceccaryatāṃ tāvatpaśyantī yujyate yathā |
vartamānasamārūḍhā kriyā paśyantyudāhṛtā || 20 ||
Übersetzung: Antwort: Dann wollen wir zunächst prüfen, ob der Begriff Paśyantī zutrifft. „Die Schauende“ bezeichnet eine Tätigkeit, die in der Gegenwart vollzogen wird.
2.21
dṛśiḥ sakarmako dhātuḥ kiṃ paśyantīti kathyatām |
yadyābhāsānbahirbhūtāṃstatsato'pyasato'pi vā || 21 ||
Übersetzung: Die Wurzel „sehen“ verlangt einen Gegenstand. Sagt also, was sie sieht! Wenn es nach außen getretene Erscheinungen sind: Sind diese wirklich oder unwirklich?
2.22
satyatve darśanabhraṃśo hyasatye satyatā katham |
gṛhṇātyathāvidyayā vā sāpyasyāḥ kathamāsthitā || 22 ||
Übersetzung: Sind sie wirklich, scheitert eure Lehre; sind sie unwirklich, wie könnte ihr Erkennen wahr sein? Oder erfasst sie diese durch Nichtwissen? Wie könnte dieses dann in ihr bestehen?
2.23
satyā hyasāvasatyā vā satyatve darśanakṣatiḥ |
asatyayāpi satyasya sambandho'tīva durghaṭaḥ || 23 ||
Übersetzung: Ist jenes Nichtwissen wirklich oder unwirklich? Ist es wirklich, scheitert eure Lehre. Doch auch die Verbindung des Wirklichen mit Unwirklichem ist höchst schwer zu erklären.
2.24
asatyā yadi paśyantī paśyantī brahma citratā |
bahirbhāvānvisṛjyādau paścātpaśyati sātha kim || 24 ||
Übersetzung: Soll Paśyantī selbst unwirklich sein, wäre es sonderbar, sie Brahman zu nennen. Oder bringt sie zunächst äußere Dinge hervor und sieht sie erst danach?
2.25
satyā sṛjatyasatyāni vicitramabhidhīyate |
jñātānsṛjatyasau tānvā neti jñāteṣvadarśanam || 25 ||
Übersetzung: Dass eine wirkliche Wesenheit Unwirkliches hervorbringt, ist eine erstaunliche Behauptung. Bringt sie jene Dinge als bereits erkannte oder als unerkannte hervor? Sind sie bereits erkannt, bedarf es keines erneuten Sehens.
2.26
ajñāteṣu na sṛṣṭiḥ syādiṣṭaṃ krīḍādikaṃ naca |
tāni dṛṣṭvānusṛjati sṛṣṭvā vānuprapaśyati || 26 ||
Übersetzung: Sind sie unerkannt, wäre ihre Hervorbringung unmöglich; auch ein beabsichtigtes Spiel oder dergleichen wäre ausgeschlossen. Erschafft sie sie nach dem Sehen, oder sieht sie sie nach dem Erschaffen?
2.27
paśyantyāḥ satyarūpāyāstatsatyatve na darśanam |
asatye satyadṛṣṭyaiva paśyantyāṃ malinātmatā || 27 ||
Übersetzung: Sind jene Dinge wirklich wie die wirkliche Paśyantī, hält die Lehre nicht stand. Sind sie unwirklich, wäre Paśyantī gerade durch ihr vermeintlich wahres Sehen verunreinigt.
2.28
asatyānsatyarūpānvā kathaṃ sṛjati kalpyatām |
avidyāsyāḥ svadharmaḥ kiṃ paradharmo'thavā bhavet || 28 ||
Übersetzung: Man erkläre also, wie sie Unwirkliches oder Wirkliches hervorbringt. Ist das Nichtwissen ihre eigene Eigenschaft oder die Eigenschaft eines anderen?
2.29
svadharmatve'syā mālinyaṃ paradharme'pi kasya sā |
parasya śāstrāniṣṭasya svatantrā vā tathāpi sā || 29 ||
Übersetzung: Als eigene Eigenschaft würde es sie verunreinigen. Als fremde Eigenschaft: Wem gehörte es dann? Ein anderes Wesen lässt eure Lehre nicht zu. Oder ist das Nichtwissen selbstständig? Auch dann
2.30
svātantryāddurnivāraiva svatantraḥ kena vāryate |
tatvānyatvairavācyā vā yadyavidyābhidhīyate || 30 ||
Übersetzung: wäre es wegen seiner Selbstständigkeit nicht abzuwehren; wer könnte das Selbstständige hindern? Vielleicht sagt ihr, Nichtwissen sei weder als identisch noch als verschieden beschreibbar.
2.31
paśyantyā lakṣitāsau vā navā yadi na lakṣitā |
paśyantī jāḍyamāyāti lakṣitā tarhi lakṣitā || 31 ||
Übersetzung: Wird es nun von Paśyantī wahrgenommen oder nicht? Wird es nicht wahrgenommen, wird Paśyantī zu etwas Unbewusstem. Wird es wahrgenommen, dann ist es eben wahrgenommen.
2.32
avācyatvena bhavatāṃ tasyā rūpaṃ gatam |
alakṣitasvarūpāyā avidyātvaṃ kathaṃ sthitam || 32 ||
Übersetzung: Sein Wesen gilt euch als unbeschreibbar. Wie aber steht fest, dass etwas Nichtwissen ist, dessen Wesen überhaupt nicht wahrgenommen wird?
2.33
bhedabuddhyanumānāccellakṣitā tarhi lakṣitā |
nacānumānamiṣṭaṃ te'pyavasthetyādidūṣaṇāt || 33 ||
Übersetzung: Einwand: Man erschließt es aus dem Unterscheidungsbewusstsein. Antwort: Dann wird es eben doch erkannt. Zudem lasst ihr selbst das Schlussfolgern nicht gelten, da ihr es mit Einwänden über wechselnde Zustände und dergleichen kritisiert.
2.34
satyā vā syādasatyā vā na madhyāyāḥ samanvayaḥ |
vidyā na bhavatītyevaṃ tattulyā kācidāpatet || 34 ||
Übersetzung: Es müsste wirklich oder unwirklich sein; eine mittlere Möglichkeit lässt sich nicht einordnen. Bedeutet Nichtwissen lediglich „kein Wissen“, ergäbe sich etwas dem Wissen Vergleichbares,
2.35
satyaiva yadi vidyānāmabhāvastarhi śūnyatā |
śūnyayā bādhyate citraṃ paśyantī darśanātmikā || 35 ||
Übersetzung: das durchaus wirklich wäre. Bedeutet es dagegen das Fehlen von Wissen, wäre es Leere. Erstaunlich, dass die ihrem Wesen nach schauende Paśyantī durch etwas Leeres behindert werden sollte!
2.36
pāṇyādeśceddharādyātmā vāco vāyvātmatā na kim |
sindhuśabdādivacchabdo na paśyantyādito bhavet || 36 ||
Übersetzung: Wenn Hand und andere Organe aus Erde und den übrigen Elementen bestehen, warum sollte Rede nicht aus Luft bestehen? Ein Laut müsste nicht aus Paśyantī hervorgehen, wie auch das Rauschen eines Flusses zeigt.
2.37
atha madhyamayā bāhyā bhāvā grāhyā hyavidyayā |
tasyā eva hi saṃyogo buddhyā saṅkalpanātmanā || 37 ||
Übersetzung: Einwand: Äußere Dinge werden aufgrund von Nichtwissen durch Madhyamā erfasst; sie allein steht mit dem vorstellenden Verstand in Verbindung.
2.38
tatrāpi madhyamā kasya kāryaṃ paśyantyavasthayā |
sā janyā hetunā kena śabalāṃ janayedasau || 38 ||
Übersetzung: Antwort: Auch dann: Wessen Wirkung ist Madhyamā? Soll sie aus dem Zustand Paśyantī entstehen, aus welchem Grund würde diese etwas Gemischtes hervorbringen?
2.39
nahi tasyā nimittaṃ vā kāraṇaṃ samavāyi vā |
nimittattve pṛthaktvaṃ syātsamavāye tadātmatā || 39 ||
Übersetzung: Denn Paśyantī ist weder deren bewirkende noch deren innewohnende stoffliche Ursache. Als bewirkende Ursache wäre sie von ihr getrennt; als stoffliche Ursache wäre sie deren eigenes Wesen.
2.40
tathāpyavidyayā yogaḥ paśyantyātmānameva cet |
andhamūkaṃ jagadbāhye sarvameva bhaviṣyati || 40 ||
Übersetzung: Auch dabei bliebe die Verbindung mit Nichtwissen bestehen. Einwand: Paśyantī schaut lediglich sich selbst. Antwort: Dann wäre die gesamte äußere Welt blind und stumm.
2.41
indriyādermanovṛtteḥ sarvasyā eva lopitā |
paśyantī kiṃ śarīre'ntarbahiḥ sarvatra vā sthitā || 41 ||
Übersetzung: Alle Tätigkeiten der Sinne und des Denkens fielen fort. Ist Paśyantī innerhalb des Körpers, außerhalb oder überall vorhanden?
2.42
antaravyāpitā tasyā bāhye kiṃ madhyamādinā |
prasarennādabindvādisāpekṣā cedanīśvarī || 42 ||
Übersetzung: Ist sie innen, fehlt ihr die Allgegenwart; ist sie außen, wozu bedarf es Madhyamās und der weiteren Stufen? Breitet sie sich erst unter Abhängigkeit von Klang, Lautkeim und dergleichen aus, ist sie keine souveräne Herrin.
2.43
pratidehaṃ pṛthakkiṃ sā sarvatraikyena vā sthitā |
nānātvaṃ tatpṛthaktvena tadaikyātsamaśabdatā || 43 ||
Übersetzung: Ist sie in jedem Körper gesondert vorhanden oder überall als Einheit? Durch Getrenntheit ergäbe sich Vielheit; durch Einheit müssten alle dieselben Laute hervorbringen.
2.44
śarīraiḥ pravibhāgaścettānyasatyāni te sthitiḥ |
avibhāgetyādikena lakṣaṇena sulakṣitā || 44 ||
Übersetzung: Einwand: Die Körper bewirken die Unterteilung. Antwort: Nach eurer Auffassung sind diese unwirklich. Wenn Paśyantī durch Merkmale wie „ungeteilt“ genau bestimmt
2.45
paśyantī yadi varṇyeta lakṣaṇaṃ tadvilakṣaṇam |
avibhāgā kathaṃ sā syādyataḥ paśyantyasau smṛtā || 45 ||
Übersetzung: beschrieben wird, passt diese Bestimmung nicht zu ihr. Wie könnte sie ungeteilt sein, wenn sie doch „die Schauende“ genannt wird?
2.46
yāni paśyati kiṃ svākyarūpadikkālabhāgaśaḥ |
atathā yadi paśyantī mithyā paśyantyudāhṛtā || 46 ||
Übersetzung: Sieht sie die Dinge entsprechend deren jeweiliger Gestalt, Richtung und Zeit? Wenn sie sie anders sieht, wird Paśyantī als falsch schauend beschrieben.
2.47
yathārūpeṇa paśyantī nirvibhāgā kathaṃ bhavet |
bhaviṣyantaṃ vartamānaṃ kathaṃ paśyantyanāgatam || 47 ||
Übersetzung: Sieht sie sie entsprechend ihrer Gestalt, wie könnte sie ungeteilt sein? Wie könnte sie Zukünftiges als gegenwärtig sehen, obwohl es noch nicht eingetreten ist?
2.48
anyadigdeśagenānyadigdeśe satyadarśanam |
atha sādhāraṇaṃ jñānaṃ tādṛkkiñcana paśyati || 48 ||
Übersetzung: Wie wäre eine Wahrnehmung wahr, wenn sie etwas an einer anderen Richtung und einem anderen Ort Befindliches hier sieht? Einwand: Sie schaut eine Art allgemeiner Erkenntnis.
2.49
tathāpi tadvibhedana bhedatā tadabhedataḥ |
na kiñcana gṛhītaṃ syāttathānyā saṃhṛtakramā || 49 ||
Übersetzung: Antwort: Auch dann ergäbe sich durch deren Unterschiede Unterschiedenheit. Ohne solche Unterschiede wäre überhaupt nichts erfasst. Ebenso problematisch ist die weitere Bestimmung „in der die Abfolge aufgehoben ist“.
2.50
saṃhṛtaḥ krama ityasyāṃ saṃhartā jāyate paraḥ |
yayā kramaḥ saṃhṛto vā kimātmanyaparatra vā || 50 ||
Übersetzung: Wurde die Abfolge in ihr aufgehoben, ergäbe sich ein anderer, der sie aufhebt. Oder hat sie selbst die Abfolge aufgehoben: in sich selbst oder anderswo?
2.51
ātmanaḥ sakramatvaṃ syādanyatrāparasaṅgamaḥ |
kiṃ pūrvaṃ sakramābhūtsā rūpadvitvaṃ prasajyate || 51 ||
Übersetzung: Im ersten Fall wäre ihr eigenes Wesen mit Abfolge verbunden; im zweiten Fall bestünde eine Verbindung mit einem anderen. War sie vorher mit Abfolge versehen, ergäben sich zwei verschiedene Naturen.
2.52
athātmanā sā svātmānaṃ paśyantī nirvibhāgaśaḥ |
bhāge karaṇarūpatvātpāratantryaṃ jaḍātmatā || 52 ||
Übersetzung: Einwand: Paśyantī schaut durch sich selbst ihr eigenes Selbst ungeteilt. Antwort: Bei einer Unterteilung wäre sie als Erkenntniswerkzeug abhängig und unbewusst.
2.53
ātmānamātmanā hanti devadatto yathā yathā |
bhaviṣyatyatra tatrāsya svāṅgaireva vibhāgitā || 53 ||
Übersetzung: Wenn etwa Devadatta sich selbst schlägt, besteht die Unterteilung jeweils durch seine eigenen Glieder.
2.54
hastādeḥ karaṇatvaṃ hi mastakādeśca karmatā |
kartā manaḥ svāvayavī nāmūrtāyā idaṃ punaḥ || 54 ||
Übersetzung: Die Hand ist dabei Werkzeug, der Kopf Gegenstand der Handlung; der Handelnde ist das Denken beziehungsweise der Besitzer der Glieder. Auf die formlose Paśyantī lässt sich das nicht übertragen.
2.55
paśyantyadṛṣṭamātmānaṃ dṛṣṭaṃ vā dṛṣṭatā katham |
paśyantyā darśanaṃ dṛṣṭe na ca vā hyupapadyate || 55 ||
Übersetzung: Schaut Paśyantī ihr zuvor ungesehenes Selbst oder ein bereits gesehenes? Wie kam im zweiten Fall das Gesehen-Sein zustande? Und ein erneutes Sehen des bereits Gesehenen erklärt Paśyantī nicht.
2.56
paśyantaṃ sā kimātmānaṃ paśyantī jaḍameva vā |
jaḍe jaḍatvamevāsyāḥ paśyato hyanavasthatā || 56 ||
Übersetzung: Sieht sie ihr Selbst als sehend oder als unbewusst? Im zweiten Fall wäre sie selbst unbewusst. Sieht sie es wiederum als sehend, führt dies zu einem endlosen Rückgang.
2.57
kiññcitpaśyati vā sūkṣmaṃ tadasmaddarśanānvayaḥ |
karmatve pāratantryaṃ syāttasyā eva nijātmani || 57 ||
Übersetzung: Oder sieht sie etwas Feines? Dann stimmt dies mit unserer Lehre überein. Als Gegenstand wäre sie in ihrem eigenen Selbst jedoch abhängig.
2.58
sphoṭa eva hi paśyantī tadanyā vā dvayaṃ bhavet |
tadanyatve tadaikye vā tadaṅgulyagrarūpayā || 58 || †
Übersetzung: Ist Paśyantī identisch mit Sphoṭa, dem ungeteilten sprachlichen Bedeutungsträger, oder davon verschieden? Im zweiten Fall ergäbe sich eine Zweiheit. Ob nun verschieden oder identisch: Bei einer Aussage, die wie eine deutende Fingerspitze
2.59
vākyagatyātra satyatvaṃ labhyate na viśeṣatā |
āptānāptavicāro vā sarvathaiva nivartate || 59 || †
Übersetzung: auf etwas hinweist, wird die Wahrheit des Bezeichneten erreicht; ein Unterschied ergäbe sich nicht. Die Untersuchung, ob ein Sprecher zuverlässig oder unzuverlässig ist, würde dann vollständig entfallen.
2.60
sphoṭasyāsatyarūpairhi padādyairvyaṅgyatā katham |
paśyantyāḥ satyarūpāyā asatyairvyaṅgyatā na ca || 60 ||
Übersetzung: Wie könnte Sphoṭa durch unwirkliche Wörter und dergleichen offenbar werden? Ebenso wenig kann die wirkliche Paśyantī durch Unwirkliches offenbar werden.
2.61
tādṛgvyañjanasāpekṣā sā na kiñcana jāyate |
paśyantī vā pramāṇena kenāsau pratipādyate || 61 ||
Übersetzung: Hängt sie von einem solchen Offenbarwerden ab, ist mit ihr nichts gewonnen. Durch welches Erkenntnismittel wird Paśyantī überhaupt nachgewiesen?
2.62
pratyakṣasyāgocaratvādanumānaṃ pradūṣitam |
bhavadbhireva nāptasyānanubhūtārthavaktṛtā || 62 ||
Übersetzung: Sie ist der Wahrnehmung unzugänglich; das Schlussfolgern habt ihr selbst kritisiert. Auch ein zuverlässiger Sprecher kann keinen Gegenstand aussprechen, den er nicht erfahren hat.
2.63
atha svānubhavenaiva paśyantīṃ paśya yuktitaḥ |
evaṃ tarhyaparasyāsau paśyantī karmatāṃ gatā || 63 ||
Übersetzung: Einwand: Schau Paśyantī durch eigene Erfahrung, wie es sich vernünftig ergibt. Antwort: Dann wird diese Paśyantī zum Gegenstand eines anderen.
2.64
yo hi paśyati paśyantīṃ sa devaḥ paramo mataḥ |
pratibhā kathitā yā vā sānumānaṃ na tacca te || 64 ||
Übersetzung: Wer Paśyantī schaut, gilt als der höchste Gott. Oder jene sogenannte intuitive Eingebung: Sie wäre ein Schlussfolgern, das ihr selbst nicht anerkennt.
2.65
na cāpi pratipādyasya kādācitkapratīkṣaṇam |
svātmanātmānamatha cetpaśyantī sā bhaviṣyati || 65 ||
Übersetzung: Auch kann der zu Belehrende nicht darauf verwiesen werden, auf ein zufälliges Eintreten zu warten. Einwand: Paśyantī schaut eben durch sich selbst ihr eigenes Selbst.
2.66
tadānīṃ pratipādyasya kimāyātaṃ svavīkṣaṇāt |
vaktavyameva tasyāpi paśyantīṃ paśya yā svayam || 66 ||
Übersetzung: Antwort: Was wäre dem zu Belehrenden durch ihr Selbstschauen gewonnen? Auch ihm müsste man weiterhin sagen: „Schau Paśyantī, die selbst
2.67
ātmānameva jānāti tathāpyasyāsti karmatā |
asatyaḥ pratipādyo'sminnasatyaḥ pratipādakaḥ || 67 ||
Übersetzung: nur sich selbst erkennt!“ Dann bliebe sie sein Gegenstand. Nach dieser Lehre wären der zu Belehrende und der Belehrende unwirklich.
2.68
asatyasyopadeśatvamasatyena parīkṣyate |
yena sā vā pramāṇena sthāpyate tasya satyatā || 68 ||
Übersetzung: Die Belehrung eines Unwirklichen durch einen Unwirklichen wird hier untersucht. Und das Erkenntnismittel, durch welches Paśyantī festgestellt wird: Ist dieses wirklich?
2.69
tatsatyatve dvisatyatvamasatyatve na kiñcana |
sādhuśabdasamuccārātkasya svargādiyogitā || 69 ||
Übersetzung: Ist es wirklich, gibt es zwei Wirklichkeiten; ist es unwirklich, ist nichts erwiesen. Wem kommt durch das Aussprechen sprachlich richtiger Wörter der Himmel oder ein entsprechender Lohn zu?
2.70
paśyantyāścedavidyātvaṃ tadbhogaunmukhyayogataḥ |
madhyamāderjaḍāyāḥ kiṃ bhogena śabalātmanā || 70 ||
Übersetzung: Paśyantī? Dann käme ihr Nichtwissen zu, weil sie sich jenem Genuss zuwendet. Was wiederum hätten die unbewusste Madhyamā und die weiteren Stufen von einem gemischten Genuss?
2.71
tasmādasādhuḥ sādhuḥ syācchabdavidyāphalapradaḥ |
evaṃ vyākaraṇasyāpi samuccheda upaiti te || 71 ||
Übersetzung: Dann müsste vielmehr das sprachlich Unrichtige richtig sein, da es die Frucht der Sprachwissenschaft gewährt. So geriete bei euch auch die Grammatik selbst zur Auflösung.
2.72
vaiyākaraṇatāṃ tyaktvā vijñānānveṣaṇena kim |
bhavatāmaprastutena na kevalamihoditam || 72 ||
Übersetzung: Warum gebt ihr euer Gebiet als Grammatiker auf und sucht nach Bewusstsein, das nicht euer eigentliches Thema ist? Nicht nur hier ist dies erörtert worden;
2.73
vijñānābhāsanaṃ yāvatsamīkṣāyāmudāhṛtam |
svānubhūtirvartamānakālenāsya vibhāvyate || 73 || †
Übersetzung: auch bei der Untersuchung wurde das Erscheinen von Bewusstsein behandelt. Seine Selbsterfahrung wird durch eine gegenwärtige Zeitform bezeichnet.
2.74
evaṃ kālānavacchedaḥ kathamasyodito hi taiḥ |
anantasyānubhūtiḥ kā paricchedaṃ vinātmanaḥ || 74 || †
Übersetzung: Wie können jene Lehrer dann sagen, es sei nicht durch Zeit begrenzt? Was wäre die Erfahrung des Unbegrenzten ohne eine Bestimmung des eigenen Selbst?
2.75
anante'vagamaḥ kutra tejastve śāntatā katham |
asarvagapramāṇaṃ hi mūrtirno lakṣyate citaḥ || 75 || †
Übersetzung: Worauf wäre das Erkennen im Unbegrenzten gerichtet? Wie wäre es still, wenn es als strahlende Energie verstanden wird? Ein nicht allgegenwärtiges Erkenntnismittel reicht nicht aus; eine körperliche Gestalt des Bewusstseins lässt sich nicht wahrnehmen.
2.76
atraiva śabdanityatvavādino rūḍhatāṃ gatāḥ |
anādinātha tenaiva śabdatattvena tulyatā || 76 ||
Übersetzung: An eben diesem Punkt haben sich die Vertreter der Ewigkeit des Wortes festgesetzt. Mit dem anfangslosen Wortprinzip wäre alles gleichgestellt:
2.77
āptānāptabhāṣitatve viśeṣo nāsti śabdagaḥ |
nityatve śabdatattvasya vyaṅgyatvaṃ dhvanibhirna ca || 77 ||
Übersetzung: Zwischen Aussagen zuverlässiger und unzuverlässiger Sprecher gäbe es aufseiten des Wortes keinen Unterschied. Und wenn das Wortprinzip ewig ist, wird es nicht durch Laute offenbar gemacht.
2.78
vyomavaccenna tulyatvaṃ sadā vyomnyanumeyatā |
bhavatpakṣe na kiṃ nyāya eṣa āyāti cecchive || 78 ||
Übersetzung: Einwand: Es verhält sich wie der Raum. Antwort: Der Vergleich trifft nicht zu; Raum ist stets nur erschließbar. Einwand: Trifft diese Begründung in eurer Lehre nicht auch Shiva?
2.79
tathā rūpānurūpatvātprasūteḥ śivarūpataḥ |
satyatvācca na tulyatvamato'smātpraviramyatām || 79 ||
Übersetzung: Antwort: Weil seine Hervorbringungen seiner eigenen Natur entsprechen, weil sie aus Shiva hervorgehen und wirklich sind, besteht keine Gleichheit der Fälle. Daher lasse man von diesem Einwand ab.
2.80
atha nāmnaiva paśyantī sphuṭameva jaḍā tataḥ |
jñānaśaktiḥ smṛtā bhaṅgyā strīliṅgavyapadeśataḥ || 80 ||
Übersetzung: Wenn Paśyantī lediglich so heißt, ist sie damit offensichtlich noch etwas Unbewusstes. Indirekt wird sie durch die weibliche Bezeichnung als Erkenntniskraft bezeichnet.
2.81
śabdasya viṣayākhyasya miśratvenendriyasya tu |
sarvadarśanavijñānaśūnyatā padavedinām || 81 || †
Übersetzung: Weil die Wortkundigen den als Sinnesgegenstand bezeichneten Laut mit dem Organ vermengen, fehlt ihnen die Einsicht in die verschiedenen philosophischen Sichtweisen.
2.82
yasmādanādinidhanaṃ śabdatattvaṃ parā hi vāk |
paśyantyā varṇyamānatve haste grāhyaikatā patet || 82 ||
Übersetzung: Wenn das anfangs- und endlose Wortprinzip als höchste Rede, als Paśyantī beschrieben wird, müsste ebenso die Hand mit dem Greifbaren identisch werden.
2.83
paśyantī hi kriyā tasyā bhāgau pūrvāparau sthitau |
na taddraṣṭavyamityetadvimarśaḥ pūrvato bhavet || 83 ||
Übersetzung: Paśyantī ist nämlich eine Tätigkeit; an ihr bestehen ein vorausgehender und ein nachfolgender Abschnitt. Geht ihr nicht die Besinnung „Dies ist zu sehen“ voraus?
2.84
yathā kartuḥ kulālāderghaṭaḥ kārya itīdṛśaḥ |
vimarśa icchārūpeṇa tadvadatrāpi saṃsthitam || 84 ||
Übersetzung: Wie ein Handelnder, etwa der Töpfer, denkt: „Ein Krug soll hergestellt werden“, so ist auch hier ein inneres Erfassen in Gestalt des Willens vorhanden.
2.85
sā sthitā pūrvatastasyā icchāyāḥ prasaraḥ katham |
yāvanna sūkṣma ullāsaścitaḥ kāryonmukhaḥ sthitaḥ || 85 ||
Übersetzung: Dieses steht vor ihr. Wie könnte sich seinerseits der Wille entfalten, solange nicht ein feines, auf die Wirkung gerichtetes Aufleuchten des Bewusstseins besteht?
2.86
tasyā api sāmarasye vyavasthāvān sthitaḥ śivaḥ |
evaṃ bhavaprakriyāyā api sūkṣmatarā sthitiḥ || 86 ||
Übersetzung: In dessen völliger Einheit besteht Shiva als tragender Grund. So ist selbst gegenüber der Entfaltung des Daseins eine noch feinere Stufe vorhanden.
2.87
sthitā sā na punaḥ satyā vāco vāyugamātmanaḥ |
iṣyate brahmarūpatvaṃ ghaṭāderapi kathyatām || 87 ||
Übersetzung: Diese besteht; die mit der Luftbewegung verbundene Rede ist dagegen nicht als solche die höchste Wirklichkeit. Soll ihr dennoch Brahman-Sein zugesprochen werden, dann sage man dasselbe auch vom Krug und anderen Dingen.
2.88
yathā sarvapadārthānāṃ bhagavacchivarūpatā |
tadvadvāgindriyasyāpi na punaḥ sā parā daśā || 88 ||
Übersetzung: Wie alle Dinge die Gestalt des erhabenen Shiva sind, so ist es auch das Redeorgan. Doch es ist nicht allein der höchste Zustand.
2.89
kaṇṭhādau vadane vāyau vyāpāro vāgrutasya sā |
karaṇaṃ, nādarūpādiśabdasyāsti śivātmatā || 89 ||
Übersetzung: Die Tätigkeit in Kehle, Mund und Luft ist das Werkzeug des Sprechlauts. Auch dem Wort in Gestalt von Klang und seinen weiteren Formen kommt Shiva-Sein zu.
2.90
tasyāpi kathitā pañcatattvadīkṣāvidhau kvacit |
na vāca iṣyate tadvattastmātsarvaṃ śivātmakam || 90 ||
Übersetzung: Dies wird ihm andernorts auch beim Einweihungsverfahren mit fünf Wirklichkeitsebenen zugesprochen. Doch der Rede wird damit keine ausschließliche Vorrangstellung eingeräumt. Daher ist alles seinem Wesen nach Shiva.
Kapitel 2: Abschlussvermerk 1
iti śrīmadutpaladevapādakṛtau śrīśivadṛṣṭivṛttau dvitīyamāhnikam || 2 || †
Übersetzung: Hier endet das zweite Kapitel der Shivadrishti-Erklärung, dem Werk des ehrwürdigen Utpaladeva.

Kapitel 3: überlieferte Überschrift
atha
śrīśivadṛṣṭau
tṛtīyamāhnikam |
Übersetzung: Nun das 3. Kapitel der ehrwürdigen Shivadrishti.
3.1
atha śakteḥ parāvasthā yairbhaktyā parigīyate |
yuktyā prakāśito devastataḥ śaktidaśā yataḥ || 1 ||
Übersetzung: Nun zu jenen, die voller Hingabe die höchste Stellung der Kraft preisen: Durch Begründung ist der Gott als dasjenige aufgezeigt worden, aus dem die Stufe der Kraft hervorgeht.
3.2
tathā tadvyapadeśaścedvyapadeśaḥ śivātmakaḥ |
na śivaḥ śaktirahito na śaktirvyatirekiṇī || 2 ||
Übersetzung: Wenn die Benennung entsprechend erfolgt, bezeichnet sie etwas seinem Wesen nach Shiva. Shiva ist nicht ohne Kraft, und die Kraft besteht nicht getrennt von ihm.
3.3
śivaḥ śaktastathā bhāvānicchayā kartumīhate |
śaktiśaktimatorbhedaḥ śaive jātu na varṇyate || 3 ||
Übersetzung: Shiva ist der Mächtige und geht daran, nach seinem Willen die Dinge hervorzubringen. In der Shiva-Lehre wird niemals eine Trennung von Kraft und Kraftträger behauptet.
3.4
śaktereva svatantratvātkartuṃ bhāvānvicitrakān |
sāmarthyaṃ yadi kalpyeta tannāmānantyameva vā || 4 ||
Übersetzung: Wenn man allein der Kraft Selbstständigkeit und das Vermögen zuschreibt, die vielfältigen Dinge hervorzubringen, ist damit nur eine unbegrenzte Vermehrung der Namen erreicht.
3.5
bhede hi śaktiḥ kiṃ kāryaṃ karotyuta ca śaktimān |
śaktimāneva śaktiḥ syācchivavatkaraṇārthataḥ || 5 ||
Übersetzung: Bei einer Trennung wäre zu fragen: Bewirkt die Kraft die Wirkung, oder bewirkt sie der Kraftträger? Wegen ihres Vermögens zum Wirken wäre die Kraft selbst ein Kraftträger wie Shiva.
3.6
śakteḥ svātantryakāryatvācchivatvaṃ na kvacidbhavet |
muñcato'pi nijāṃ śaktiṃ svātantrye jñānamāpatet || 6 ||
Übersetzung: Weil das Wirken der Kraft dann selbstständig wäre, bliebe für Shiva kein Shiva-Sein übrig. Soll er sogar beim Abgeben seiner eigenen Kraft selbstständig bleiben, müsste ihm dabei Erkenntnis zukommen.
3.7
na himasya pṛthak śaityaṃ nāgnerauṣṇyaṃ pṛthagbhavet |
mantrastambhanatāyāṃ hi nāsau vahnistadocyate || 7 ||
Übersetzung: Die Kälte besteht nicht getrennt vom Schnee, die Hitze nicht getrennt vom Feuer. Wird es durch einen Mantra zum Stillstand gebracht, spricht man in diesem Zustand nicht von Feuer,
3.8
hemādivadbhāsvaraṃ taddravyaṃ tairvyabhicāritam |
yadyauṣṇyāvyatirekatve dṛṣṭānto dāhakāśrayāt || 8 ||
Übersetzung: sondern von einer leuchtenden Substanz wie Gold. Mit diesem Fall wollen jene den Zusammenhang widerlegen. Doch der Vergleich für die Untrennbarkeit von Feuer und Hitze stützt sich auf das Brennende.
3.9
śaivaiḥ sadbhirvāca eva paśyantyādikrame sthitāḥ |
kalpitāstairaśaivatvamātmanaḥ pratipāditam || 9 ||
Übersetzung: Wenn verehrungswürdige Shiva-Anhänger die Rede allein in Stufen wie Paśyantī zum höchsten Prinzip erklären, haben sie damit ihre Abweichung von der Shiva-Lehre dargelegt.
3.10
śaive vāca indriyatvamatha nādādinoditā |
tadabhyāse phalāvāptiḥ sūkṣmamantrasvarūpatā || 10 ||
Übersetzung: In der Shiva-Lehre ist Rede ein Organ. Zwar wird sie als Klang und in weiteren Formen beschrieben; deren Einübung führt zu einem Ergebnis, und die feine Natur des Mantras
3.11
kathitā kālapādādau nādākhyaṃ yatparaṃ tviti |
parāparādibhedaśca tatraiva pratipāditaḥ || 11 ||
Übersetzung: wird etwa im Kālapāda mit den Worten „was als höchstes Nāda heißt“ erklärt. Auch die Unterscheidung in höher und niedriger wird dort dargelegt.
3.12
ityanena varṇitātra vāca eva parātmatā |
naitanna vācaḥ kathitaṃ patiśabdasya varṇitam || 12 ||
Übersetzung: Einwand: Damit wird hier doch gerade der Rede das höchste Selbst-Sein zugesprochen. Antwort: Nein. Dies wurde nicht von der Rede gesagt, sondern vom Wort für den Herrn.
3.13
śabdasya viṣayākhyasya na kadācidudāhṛtam |
tathā cāha kheṭapālaḥ śabdarāśerviśeṣatām || 13 ||
Übersetzung: Vom Laut als Sinnesgegenstand wurde es niemals ausgesagt. Auch der Lehrer Khetapala erklärt die besondere Stellung der Lautgesamtheit,
3.14
svāyambhuvasya ṭīkāyāṃ bāḍhamityādinā guruḥ |
tathā mataṅgaṭīkāyāṃ vyākhyāniguruṇoditam || 14 ||
Übersetzung: und zwar in seinem Kommentar zum Svayambhuva mit der Wendung „gewiss“ und den folgenden Worten. Entsprechendes sagt der ehrwürdige Erklärer im Kommentar zum Matanga.
3.15
mantrāṇāṃ paraśabdānāmuktaṃ vāco na jātucit |
tatra vā tadupāyatvātparatvenopacāritā || 15 ||
Übersetzung: Es wird von den Mantras als höchsten Worten ausgesagt, niemals von der gewöhnlichen Rede. Oder diese wird dort übertragen als höchste bezeichnet, weil sie ein Mittel dazu ist.
3.16
kiraṇeṣu tathā coktaṃ nādavindvādinedṛśam |
tadupāyātparatvaṃ ceddīpāderapyupāyatā || 16 ||
Übersetzung: So wird es auch im Kirana mit Bezug auf Klang, Lautkeim und dergleichen ausgesprochen. Sollte schon das Mittel zum Höchsten selbst das Höchste sein, wären auch Lampe und andere Hilfsmittel so zu nennen.
3.17
tasmātsamagrākāreṣu sarvāsu pratipattiṣu |
vijñeyaṃ śivarūpatvaṃ svaśaktyāveśanātmakam || 17 ||
Übersetzung: Deshalb soll man in sämtlichen Gestalten und in allen Erkenntnisvorgängen das Shiva-Wesen erkennen, das im Durchdringen durch seine eigene Kraft besteht.
3.18
svaniṣṭhe śivatā deve pṛthivyādāvapidṛśam ||
piṇḍe vā kaṭikāyāṃ vā kiṃ suvarṇatvamiṣyate || 18 ||
Übersetzung: Im in sich selbst ruhenden Gott besteht Shiva-Sein; ebenso besteht es in der Erde und den übrigen Dingen. Soll etwa Gold-Sein nur im Goldklumpen oder im Stückchen Gold gelten,
3.19
na bhūṣaṇe kuṇḍalādau yathā tatra svaśaktitaḥ |
rūpakatvaṃ gataṃ hema na śaktyaiva svatantrayā || 19 ||
Übersetzung: nicht aber im Schmuck, etwa im Ohrring? Wie Gold dort durch seine eigene Kraft eine Gestalt annimmt und nicht durch eine selbstständig daneben bestehende Kraft,
3.20
tathecchayā samāviṣṭastathā śaktitrayeṇa ca |
tathā tathā sthito bhāvairataḥ sarvaṃ śivātmakam || 20 ||
Übersetzung: so ist er vom Willen und von der Dreiheit seiner Kräfte erfüllt und besteht in den Dingen auf diese oder jene Weise. Deshalb ist alles seinem Wesen nach Shiva.
3.21
ityukte'tra samākṣepaḥ pakṣasyāsya vidhīyate |
ādau tāvadvikāritvaṃ śivatattvasya jāyate || 21 ||
Übersetzung: Gegen diese Darstellung wird nun der folgende Einwand erhoben: Zunächst würde das Shiva-Prinzip dadurch veränderlich.
3.22
nānāvikārarūpeṇa jaḍataivamavasthitā |
tathā sāvayavatvaṃ ca parādhīnatvameva ca || 22 ||
Übersetzung: Indem es die Gestalt verschiedenartiger Veränderungen annimmt, würde es unbewusst. Ebenso wäre es aus Teilen zusammengesetzt und von anderem abhängig.
3.23
kṣīravatpariṇāmitve śuddhāśuddhaparāparanyūnatvādi vināśitvaṃ tathollaṅghananiṣkṛtiḥ || 23 || †
Übersetzung: Bei einer Umwandlung wie der von Milch ergäben sich Reinheit und Unreinheit, Höheres und Niederes, Minderwertigkeit und dergleichen, ebenso Vergänglichkeit; außerdem die Forderung nach Sühne für Übertretungen.
3.24
yatropari na hastādi neyamīśvarasannidhau |
tatra pādavihārādeḥ sphuṭameva niṣiddhatā || 24 ||
Übersetzung: Wo in der Gegenwart des Herrn nicht einmal die Hand über ihn hinweggeführt werden darf, wäre das Herumgehen mit den Füßen darüber offensichtlich verboten.
3.25
evaṃ sati samagrasya vyavahārasya bhaṅgitā |
tathaivaṃ sampravṛttau tu nimittakalanāpatet || 25 ||
Übersetzung: Dann würde der gesamte alltägliche Umgang zusammenbrechen. Ebenso müsste für seine derartige Betätigung eine Ursache angenommen werden.
3.26
nānāvādaiḥ svasiddhāntaiḥ sākamatra virodhitā |
sarvabhāvaśivatvena nāstitā bandhamokṣayoḥ || 26 ||
Übersetzung: Es entstünde ein Widerspruch zu den unterschiedlichen eigenen Lehrsätzen. Da alle Dinge Shiva wären, gäbe es weder Bindung noch Befreiung.
3.27
tadabhāvāddevaguruśāstrocchedo bhavettarām |
nirarthakatvaṃ śāstrasya karaṇe tannirūpaṇe || 27 ||
Übersetzung: Wenn diese fehlen, wären Gott, Lehrer und Schrift erst recht überflüssig. Das Verfassen einer Lehrschrift und die Darlegung ihres Inhalts wären sinnlos.
3.28
sarveṣāmeva muktatve sthite kasyopadeśyatā |
dharmādharmau nasaṃ baddhau śivasya na tayoḥ kṛtiḥ || 28 ||
Übersetzung: Wenn alle bereits befreit sind, wer wäre dann zu belehren? Verdienst und Schuld haften Shiva nicht an; er erzeugt sie auch nicht.
3.29
tataśca śivadharmādervedāderakṛtārthatā |
nimittasamavāyyādikāraṇeṣu samānatā || 29 ||
Übersetzung: Daher wären die Shiva-Pflichten, der Veda und weitere Lehren ohne Zweck. Bewirkende, stoffliche und andere Ursachen wären gleichgestellt.
3.30
pṛthivyādikalpanayā kalpanāvān śivo bhavet |
śivatattve sānubhave paśyantītulyatā tadā || 30 ||
Übersetzung: Durch die Vorstellung von Erde und anderen Dingen wäre Shiva mit begrifflichen Vorstellungen versehen. Wenn das Shiva-Prinzip eine Erfahrung vollzieht, wäre es dann Paśyantī gleich.
3.31
icchāvatkāryaniṣpattyā punaricchāntarodgame |
śivasya heturvaktavyo yadarthaṃ sā navodgatā || 31 ||
Übersetzung: Wenn nach der Verwirklichung einer gewollten Wirkung ein neuer Wille hervortritt, muss ein Grund dafür angegeben werden, weshalb dieser neue Wille in Shiva entsteht.
3.32
viśvasyāsatyarūpatvaṃ yairvākyairvarṇitaṃ kvacit |
śivoktaistairvirodhaḥ syātsarvasatyatvavādinaḥ || 32 ||
Übersetzung: Auch geriete der Vertreter der Wirklichkeit von allem in Widerspruch zu Aussagen Shivas, in denen die Welt als unwirklich beschrieben wird.
3.33
ityākṣeparakṣaṇārthamatra pratividhīyate |
cidātmano hi sthūlasya sūkṣmasyātha vikāritā || 33 || †
Übersetzung: Um dieser Reihe von Einwänden zu begegnen, wird nun geantwortet: Soll sich etwa das grobe oder das feine, seinem Wesen nach bewusste Sein verändern,
3.34
kṣīramāyāprakṛtivadtasya cecchaiva yādṛśī |
parasya tādṛgātmamutpadyetātra yogivat || 34 || †
Übersetzung: wie Milch, Maya oder Urnatur? Vielmehr entsteht entsprechend dem jeweiligen Willen des Höchsten eine entsprechende Gestalt, wie bei einem Yogin.
3.35
icchayā sarvabhāvatvamanekātmatvameva ca |
nātra svātmavikāreṇa janayedbhāvamaṇḍalam || 35 ||
Übersetzung: Durch seinen Willen ist er alle Dinge und von vielfältiger Gestalt. Er bringt die Gesamtheit der Dinge nicht durch eine Veränderung seines eigenen Wesens hervor.
3.36
tadicchāsāmanantarye tathābhūtātmatā yataḥ |
yathā na yogino'stīha nānāsainyaśarīrakaiḥ || 36 ||
Übersetzung: Denn unmittelbar auf seinen Willen hin besteht die jeweilige Gestalt. Wie ein Yogin durch die vielfältigen Körper seiner hervorgebrachten Heerscharen
3.37
vibhāgastadvadīśasya madhyotkṛṣṭanikṛṣṭakaiḥ |
bhāvairnāsti vibhedatvamathavāmbudhivīcivat || 37 ||
Übersetzung: nicht geteilt wird, so wird auch der Herr durch mittlere, höchste und niedrigste Dinge nicht geteilt. Oder man denke an das Meer und seine Wellen.
3.38
tatra vīcitvamāpannaṃ na jalaṃ jalamucyate |
na ca tatrāmburūpasya vīcikāle vināśitā || 38 ||
Übersetzung: Dort wird das Wasser, das Wellenform angenommen hat, nicht mehr „Wasser“ genannt. Doch während des Wellenseins geht seine Wassernatur nicht zugrunde.
3.39
niścalatve'pi hi jalaṃ vīcitve jalameva tat |
vīcibhistadviśiṣṭaṃ cettannaiścalyaviśeṣakam || 39 ||
Übersetzung: Im unbewegten Zustand ist es Wasser; als Welle ist es ebenso Wasser. Wenn es durch Wellen näher bestimmt wird, wird es im anderen Fall durch Unbewegtheit bestimmt.
3.40
ata eva parecchāto na jaḍatvamavasthitam |
pṛthivyāditattvagaṇe jaḍatvaṃ cetpratīyate || 40 ||
Übersetzung: Gerade deshalb folgt aus dem Willen des Höchsten kein Unbewusst-Sein. Einwand: In der Gruppe der Wirklichkeitsebenen von Erde an wird doch Unbewusstheit wahrgenommen.
3.41
na tathā jaḍatā kvāpi tathāgre suvicāritaiḥ |
varṇayiṣyāma evātra na ca sāvayavaḥ kvacit || 41 ||
Übersetzung: Antwort: Eine solche Unbewusstheit gibt es nirgends; das werden wir später durch eingehende Untersuchungen erklären. Auch gibt es hier überhaupt nichts,
3.42
kaścidastīha vakṣyāma etadapyagrataḥ sphuṭam |
svecchāto bhāvarūpatve parādhīnā kutaḥ sthitiḥ || 42 ||
Übersetzung: das aus Teilen bestünde; auch dies werden wir später deutlich darlegen. Wenn die Gestalt der Dinge aus seinem eigenen Willen besteht, woher käme eine Abhängigkeit von anderem?
3.43
kṣīravadyadi vocyeta parādhīnaṃ jaḍaṃ bhavet |
etayaiva diśā śodhyaṃ śuddhanyūnādidūṣaṇam || 43 ||
Übersetzung: Nur wenn von einer Veränderung wie bei Milch die Rede wäre, wäre es etwas Unbewusstes und Abhängiges. Auf demselben Weg sind auch die Einwände über Reinheit, Minderwertigkeit und dergleichen zu klären.
3.44
abhagne'sya svarūpatve śuddhanyūnādikaṃ kutaḥ |
patadgrahādike hemni hematvaṃ mukuṭādike || 44 ||
Übersetzung: Wenn sein eigenes Wesen unversehrt bleibt, woher kämen Reinheit, Minderwertigkeit und dergleichen? Ob Gold als Spuckgefäß oder als Krone gestaltet ist: Das Gold-Sein
3.45
sthitameva na hemno'sya kācidasti vibheditā |
caṇḍālasadmago vahnirna vahniriti kathyate || 45 ||
Übersetzung: bleibt bestehen; am Gold selbst gibt es keine Trennung. Feuer im Haus eines Chandala wird als „kein Feuer“ bezeichnet.
3.46
tathaiva syādathocyeta vahneḥ saṃskāracodanā |
śāstreṣu varṇitā kasmātkāryārthaṃ kāryameva tat || 46 ||
Übersetzung: Es wäre weiterhin Feuer. Einwand: Warum ordnen die Schriften dann eine rituelle Aufbereitung des Feuers an? Antwort: Diese ist selbst eine Handlung für einen bestimmten Zweck.
3.47
na svarūpavibhāgo'tra tathā tasya vyavasthiteḥ |
sañjñākaraṇamātraṃ tadvyavahārāya kalpitam || 47 ||
Übersetzung: Es gibt dabei keine Trennung des eigenen Wesens, das auf diese Weise besteht. Lediglich eine Benennung wird für den praktischen Umgang festgelegt.
3.48
vyavahāro'pyavidyā no tathātveneśvarasthitiḥ |
tenaiva vā tathā kḷptastathā tadanuvartanam || 48 ||
Übersetzung: Auch der praktische Umgang ist kein Nichtwissen: Der Herr selbst besteht auf diese Weise. Oder er hat diese Ordnung so eingerichtet, und ihr entsprechend verhält man sich.
3.49
na tatsvarūpabhedāya śāstraṃ yadvyavahāragam |
hemapiṇḍe hemataiva syāccenna mukuṭādike || 49 ||
Übersetzung: Eine Schrift über den praktischen Umgang bezweckt keine Trennung seines Wesens. Wäre Gold-Sein nur im Goldklumpen vorhanden, nicht aber in der Krone,
3.50
yujyate vaktumetattadanityatvaṃ ca yatsthitam |
satkṛtau tadvinirṇeyaṃ yā collaṅghanacodanā || 50 ||
Übersetzung: dann ließe sich jener Einwand vertreten. Was aber die angesprochene Vergänglichkeit betrifft, ist dies bei der Untersuchung des Wirkens zu bestimmen. Die Vorschrift gegen Übertretungen
3.51
niyamānupraveśāya śive collaṅghanena kim |
evaṃ pravartane tasya na nimittasamudgamaḥ || 51 ||
Übersetzung: dient dem Eintritt in eine verbindliche Ordnung. Was könnte eine Übertretung Shiva selbst anhaben? Für sein Wirken auf diese Weise entsteht auch keine zusätzliche Ursache.
3.52
yadi svarūpavibhraṃśācchāktarūpādikalpanā |
tadvaktavyaṃ nimittatvaṃ kimarthaṃ rūpamūjjhati || 52 ||
Übersetzung: Nur wenn die Gestalt der Kraft und die weiteren Gestalten durch einen Verlust seines eigenen Wesens zustande kämen, müsste eine Ursache angegeben werden: Warum verlässt er seine Gestalt?
3.53
yāvatā sarvarūpāṇāṃ tatsvarūpasvarūpitā |
śaktitrayasvarūpatvaṃ sarvaṃ yatrāstyavasthitam || 53 ||
Übersetzung: Doch alle Gestalten haben gerade sein eigenes Wesen zum Wesen. Alles besteht als die Dreiheit seiner Kräfte.
3.54
nimittaṃ kalpyate tatra nimittaṃ tatra kalpyatām |
atathātve tathābhāvo yatra syādatha codyate || 54 ||
Übersetzung: Wo eine Ursache angenommen werden muss, möge man sie annehmen: dort, wo etwas, das zuvor nicht so war, so wird. Einwand:
3.55
purā śāntasvarūpatvaṃ paścāttādṛgavasthitiḥ |
śānte śivatvaṃ sthūle'pi śivatvaṃ yatra varṇitam || 55 ||
Übersetzung: Zuvor war er von stiller Natur, danach besteht er in jener anderen Weise. Antwort: Wenn sowohl im Stillen als auch im Groben Shiva-Sein ausgesagt wird,
3.56
tatra kā śāntatā brūhi śakteḥ kiṃ vastutā na te |
vastutā cettathābhūtaśaktitritayasaṅgamaḥ || 56 ||
Übersetzung: was bedeutet dort „still“? Sage es! Hat die Kraft für dich keine Wirklichkeit? Wenn sie wirklich ist, besteht auch dort die Verbindung mit der entsprechend beschaffenen Dreiheit der Kräfte.
3.57
aṅgārarūpe kiṃ vahnau vahnitā na kriyātmake |
jvālādike'tha sāvasthā na kriyā jñānarūpiṇī || 57 ||
Übersetzung: Ist etwa im Feuer als Glut Feuer-Sein vorhanden, nicht aber in seiner tätigen Form als Flamme? Oder wäre jener Zustand kein Tätigsein und ohne Erkenntnis?
3.58
niricchā na ca śakyeta vaktumevaṃ kadācana |
asti sthito'sāvetasyāmavasthāyāṃ śivo yadi || 58 ||
Übersetzung: Man kann auch niemals sagen, er sei ohne Willen. Wenn Shiva in diesem Zustand vorhanden ist und besteht,
3.59
naiṣā kriyā bhavati kiṃ niricche kiṃ kriyā bhavet |
nirjñāne vā tato jñeyaṃ nāśaktiḥ kācana sthitiḥ || 59 ||
Übersetzung: ist das nicht selbst eine Tätigkeit? Könnte Tätigkeit ohne Willen oder ohne Erkenntnis bestehen? Daher ist zu erkennen: Es gibt keinen Zustand ohne Kraft.
3.60
atha citratvamatrāsti bhāvapuñje na tacchive |
śivasya tatsvarūpatvaṃ vaicitryaṃ yatparasparam || 60 ||
Übersetzung: Einwand: Die Vielfalt liegt in der Menge der Dinge, nicht in Shiva. Antwort: Die Dinge haben Shivas Wesen. Ihre Verschiedenheit ergibt sich im Verhältnis zueinander.
3.61
apekṣya bhāvavaicitryaṃ tasya tebhyo vicitratā |
sarvaṃ śivātmakaṃ yadvatkathanīyamihāgrataḥ || 61 ||
Übersetzung: Die Vielfalt der Dinge wird gegenseitig bestimmt; durch sie erscheint auch seine Vielfalt. Wie alles seinem Wesen nach Shiva ist, wird später hier noch erläutert.
3.62
jalāharaṇaśaktaśca ghaṭo yadi na bhaṇyate |
ghaṭaḥ kevala evātra tadevaṃvidhamucyatām || 62 ||
Übersetzung: Wenn jemand einen zum Wasserholen fähigen Krug nicht als solchen bezeichnet, sondern nur als Krug, möge man auch die soeben genannte Aussage entsprechend verstehen.
3.63
nānāvādairno virodhaḥ kathanīyamihāgrataḥ |
uktaṃ vā kālapādādāvāgopālāṅganādinā || 63 ||
Übersetzung: Es besteht kein Widerspruch zu den verschiedenen Lehren; das wird später erläutert. Schon im Kālapāda und andernorts ist dies mit Aussagen bis hin zu den Hirtenfrauen ausgesprochen worden.
3.64
tadaikyaṃ kheṭapālo'pi prāha yā kācana sthitā |
śaktiḥ padārtha jātasya devadevasya sākhilā || 64 ||
Übersetzung: Auch Khetapala lehrt diese Einheit: Welche Kraft immer in irgendeinem Ding besteht, sie ist ganz die Kraft des Gottes der Götter.
3.65
śaktiśaktimatāmuktā sarvatraiva hyabheditā |
eko rudra itītyādi śrūtāvuktaṃ tathā paraḥ || 65 ||
Übersetzung: Überall wird die Ungetrenntheit der Kraft und ihres Trägers gelehrt. „Rudra ist einer“ und Ähnliches sagt die Offenbarung. Ebenso wird der höchste
3.66
puruṣaḥ sarva evedamitihāsādiṣūditam |
maheśasyāṣṭamūrtitvaṃ yāvatpārthivamūḍhatā || 66 ||
Übersetzung: Purusha als dieses gesamte All beschrieben, in den Geschichtswerken und andernorts. Die achtfache Gestalt Maheshas reicht bis zum dumpf erscheinenden Irdischen.
3.67
sā'rodīditi vede'sti nārthavādo nirarthakaḥ |
vidhyaṅgatvena cetsattā nāsatyasyāṅgatā sthitā || 67 ||
Übersetzung: Im Veda steht: „Sie weinte.“ Eine solche erläuternde Aussage ist nicht bedeutungslos. Soll ihre Geltung darin bestehen, Bestandteil einer Vorschrift zu sein, kann Unwirkliches nicht deren Bestandteil sein.
3.68
arthavādādapi phalaṃ rātrikratuṣu darśitam |
bandhamokṣau na vidyete sarvatraiva śivatvataḥ || 68 ||
Übersetzung: Auch aus einer erläuternden Aussage wird bei den mehrnächtigen Opfern eine Frucht gezeigt. Bindung und Befreiung bestehen nicht als eigene Wirklichkeiten, da überall Shiva-Sein ist.
3.69
vijñānamīdṛksarvasya kasmānna syādvimohitā |
saivaiṣā sā ca saṃsāro bandhamokṣāvataḥ sthitau || 69 ||
Übersetzung: Einwand: Warum hat dann nicht jeder eine solche Erkenntnis? Antwort: Gerade dies ist die Verblendung, und sie ist der Kreislauf des Daseins. In diesem Sinn bestehen Bindung und Befreiung.
3.70
vibhinnaśivapakṣe tu satye dārḍhyaṃ paratra no |
pratītimātramevātra tāvatā bandhamokṣatā || 70 || †
Übersetzung: Wenn man Shiva als getrennt annimmt, besteht Festigkeit in jener als wahr gesetzten Seite, nicht in der anderen. Hier handelt es sich dagegen um die jeweilige Erkenntnisweise; so weit reichen Bindung und Befreiung. [Der Satzanschluss ist in dieser knappen Lesung unsicher.]
3.71
nāsatye satyabuddhitvakhaṇḍanātrāsti kācana |
kathanaṃ sarvasāmyāya vivādihananāya ca || 71 ||
Übersetzung: Hier wird nicht etwa ein Für-wahr-Halten des Unwirklichen widerlegt. Die Darlegung dient dazu, die Gleichheit von allem aufzuzeigen und widersprechende Auffassungen zu entkräften.
3.72
tathā tathā śivāvasthā svecchātaḥ sa tadātmakaḥ |
tadātmatve nāsti bandhastadabhāvānna mokṣaṇam || 72 ||
Übersetzung: Shiva besteht nach seinem eigenen Willen in diesem oder jenem Zustand und ist dessen Wesen. Weil alles sein Wesen hat, gibt es keine Bindung; wo sie fehlt, gibt es auch keine Befreiung von ihr.
3.73
kimarthaṃ guruśāstrādi cettathā tadavasthiteḥ |
devasya śāstrādbodhena kiṃ prayojanameva ca || 73 ||
Übersetzung: Einwand: Wozu dienen dann Lehrer und Schrift? Antwort: Weil der Gott auf diese Weise besteht. Einwand: Was wäre dann überhaupt durch Erkenntnis aus einer Schrift gewonnen?
3.74
kimarthaṃ bhavatārabdhaṃ śāstraṃ bodhāya kasya vā |
sa evetthaṃ svecchayāste tatkartṛtvena bodhyataḥ || 74 ||
Übersetzung: Warum hast du die Schrift begonnen, und wen soll sie zum Erkennen führen? Antwort: Er selbst besteht aus eigenem Willen so: als ihr Verfasser und als derjenige, der belehrt wird.
3.75
sa eva buddharūpatve tathā bhavati tatkṣaṇam |
sa eva samprajāyeta tadanuṣṭhānatatparaḥ || 75 ||
Übersetzung: Er selbst wird in eben jenem Augenblick zum Erkennenden. Er selbst wird auch zu dem, der sich ganz der Ausübung widmet.
3.76
phalaṃ vā tadanuṣṭhāne sa eva hi tadā bhavet |
vāditvaprativāditve kasmāccettasya tatsthite || 76 ||
Übersetzung: Und wenn die Ausübung eine Frucht trägt, ist er selbst auch diese Frucht. Einwand: Warum gibt es Behauptung und Gegenbehauptung? Antwort: Weil er in beiden Weisen besteht.
3.77
vyavahārāya vā sarvaṃ vyavahāro na vastugaḥ |
svarūpaṃ vastugaṃ viddhi vyavahāro na jātucit || 77 ||
Übersetzung: Oder all dies dient dem praktischen Umgang. Dieser Umgang ist nicht das Wesen der Sache selbst. Erkenne das eigene Wesen als die Wirklichkeit; der praktische Umgang ist niemals damit gleichzusetzen.
3.78
tadīśvaravyavasthānādavastvābhāsarūpataḥ |
sarvamekena rūpeṇa yadvicāryaṃ tathāgrataḥ || 78 ||
Übersetzung: Denn durch die jeweilige Ordnung des Herrn erscheinen die Dinge in Formen, die keine selbstständige Wirklichkeit sind. Dass alles eine einzige Natur hat, ist später noch zu untersuchen.
3.79
dharmādharmaiśca sambandhastathā tacchivasaṃsthiteḥ |
tatphalāphalayogena yuktatā tasya tatsthiteḥ || 79 ||
Übersetzung: Auch die Verbindung mit Verdienst und Schuld besteht, weil Shiva auf diese Weise gegenwärtig ist. Die Verbindung mit entsprechenden Früchten oder deren Ausbleiben ergibt sich aus seinem jeweiligen Bestehen.
3.80
nimittasamavāyyādivaicitryāttadvicitratā |
kāraṇasyaikarūpatve na doṣastritayātmatā || 80 ||
Übersetzung: Aus der Unterscheidung von bewirkender, stofflicher und weiteren Ursachen ergibt sich jene Vielfalt. Da die Ursache ihrem Wesen nach eine ist, liegt in ihrer Dreiheit kein Fehler.
3.81
na rājājñā samādiṣṭā svayaṃ vā sa nimittakam |
samavāyī tadicchaiva tadyogaḥ sahakāraṇam || 81 || †
Übersetzung: Das Beispiel eines königlichen Befehls wurde nicht als völlig gleichartig angeführt. Oder: Er selbst ist die bewirkende Ursache, sein Wille die stoffliche Ursache und deren Zusammenwirken die mitwirkende Ursache.
3.82
tasyaiva vā trirūpatvaṃ vyapadeśāttathāvidham |
na pṛthivyādike tasmin kalpanā sampravartate || 82 ||
Übersetzung: Oder ihm selbst wird entsprechend diesen Benennungen eine dreifache Natur zugesprochen. In ihm als Erde und den übrigen Dingen liegt keine bloße Einbildung vor.
3.83
tathātvenaiva kḷptatvāttadetatkalpanā bhavet |
tadeva tatkalpitaṃ kiṃ satye nāmāstu kalpanā || 83 || †
Übersetzung: Weil es gerade als das betreffende Ding hergestellt ist, soll es deshalb eine Einbildung sein? Was genau wäre daran eingebildet? Dann mag eben auch am Wirklichen „Vorstellung“ zugelassen werden. [Die Lesung dieser Strophe ist nicht abschließend geklärt.]
3.84
kaṭake'sti suvarṇatvaṃ kuṇḍale kalpanāsti kim |
citravahnāvaśokādau kalpanā rājate kvacit || 84 || †
Übersetzung: Im Armreif ist Gold-Sein vorhanden; ist der Ohrring deshalb eine bloße Einbildung? Beim gemalten Feuer oder beim Ashoka-Baum mag eine solche Benennung übertragen zutreffen.
3.85
kḷptikalpanayorbhedaṃ ye na jānanti naumi tān |
śivatattve sānubhave paśyantyā na samānatā || 85 ||
Übersetzung: Ich verneige mich vor denen, die den Unterschied zwischen Herstellung und Einbildung nicht kennen! Wenn das Shiva-Prinzip Erfahrung vollzieht, ist es Paśyantī nicht gleich,
3.86
yato gāndhikasaugandhyavatpaśyannavikalpakaḥ |
satyāni svātmarūpāṇi paśyato na samānatā || 86 || †
Übersetzung: denn es schaut wie ein Duftkundiger den Duft, ohne begriffliche Konstruktion. Wer wirkliche Gestalten seines eigenen Selbst sieht, ist Paśyantī nicht gleich.
3.87
paśyantyātho śivāvasthā kriyāphalasamāptitaḥ |
kriyāyā vātha prārambhe kalpanīyā praśāntatā || 87 ||
Übersetzung: Oder nach dem Abschluss einer Handlung und ihrer Frucht, beziehungsweise vor dem Beginn einer Handlung, mag ein stiller Shiva-Zustand angenommen werden.
3.88
astu sāpi na bhedāya yathātattvaṃ viniścitam |
na ca vāstyantarāle'tra sā daśā yāhi kevalā || 88 || †
Übersetzung: Auch dieser mag bestehen; er begründet aber keine Trennung, wie hinsichtlich der Wirklichkeit festgestellt wurde. Oder ein solcher bloß für sich bestehender Zwischenzustand gibt es hier gar nicht,
3.89
prākkriyāphalaniṣpatteḥ samanantarameva yat |
prasarpatyaparecchaiva punaranyā tathāvidhā || 89 ||
Übersetzung: weil unmittelbar auf die Vollendung der Frucht einer Handlung ein anderer Wille hervorströmt und danach wiederum ein entsprechender weiterer.
3.90
na kadācana tasyāsti kaivalyaṃ śaktiśūnyakam |
yatrātmānubhavāniṣṭhā tatrecchā ca na kiṃ bhavet || 90 ||
Übersetzung: Niemals gibt es bei ihm ein Alleinsein ohne Kräfte. Wo er ganz in der Erfahrung des eigenen Selbst ruht, wäre dort nicht ebenfalls Wille vorhanden?
3.91
athānubhavanaṃ nāsti jaḍā sā na prasajyate |
upalāderjaḍatve'pi śivatvaṃ te kathaṃ sthitam || 91 ||
Übersetzung: Wenn dort keine Erfahrung wäre, würde jener Zustand dann nicht unbewusst? Einwand: Wie kann nach deiner Auffassung auch bei der Unbewusstheit eines Steines Shiva-Sein bestehen?
3.92
yathā na tatra jaḍatā tathāgre pravicāryate |
saphalāyāṃ samāptāyāṃ kriyāyāṃ samanantaram || 92 ||
Übersetzung: Antwort: Wie es auch dort keine Unbewusstheit gibt, wird später untersucht. Dass nach dem Abschluss einer Handlung samt ihrer Frucht unmittelbar
3.93
kriyāntarecchāsambhūtau tannimittamanantatā |
yato'sti śivaśaktīnāṃ tāśca nityamavasthitāḥ || 93 ||
Übersetzung: der Wille zu einer anderen Handlung entsteht, hat seinen Grund in der Unbegrenztheit der Kräfte Shivas. Diese bestehen immer
3.94
sarantyeva svabhāvena tatsaratprakṛtiḥ śivaḥ |
īśvarasya svatantrasya kenecchā vā vikalpyate || 94 ||
Übersetzung: und strömen ihrer eigenen Natur gemäß hervor. Shiva ist von Natur aus ihr Hervorströmen. Wer könnte dem selbstständigen Herrn seinen Willen vorschreiben?
3.95
vibhavāmodabāhulyamathavoktā nimittatā |
viśvatucchatvavākyānāṃ vairāgyādyarthavādinām || 95 ||
Übersetzung: Oder die Fülle der Freude an seiner Herrlichkeit wurde als Grund genannt. Aussagen über die Nichtigkeit der Welt dienen als erläuternde Aussagen der Loslösung und ähnlichen Zielen.
3.96
tātparyeṇa na doṣo'sti nānācittvaṃ na kalpate |
ekasminneva dehe tu vibhedātparamāṇugāt || 96 ||
Übersetzung: Aufgrund dieser Absicht liegt kein Widerspruch vor. Eine Vielheit von Bewusstseinen wird nicht angenommen. Selbst in nur einem Körper ergäbe sie sich sonst aus der Unterschiedlichkeit der Atome.
3.97
ekatvācchivarūpasya doṣo'yaṃ bhedavādinām |
ekādhiṣṭhānato vāpi teṣāmapi na dūṣaṇam || 97 ||
Übersetzung: Da Shivas Natur eine ist, trifft dieser Einwand die Vertreter der Getrenntheit. Oder auch sie vermeiden ihn, wenn sie einen einzigen tragenden Grund annehmen.
3.98
āntare kṛmicaitanye citratā svāmibhṛtyavat |
tāvadekacitsvarūpaśivaprasaraṇena vā || 98 || †
Übersetzung: Die Bewusstseine der im Inneren lebenden Würmer erzeugen keine solche Zerrissenheit, wie auch Herr und Diener unterschieden bleiben. Oder all dies besteht durch das Hervorströmen Shivas, dessen Natur ein einziges Bewusstsein ist.
3.99
pātañjalādīśvareṇa na sāmyamavibhedataḥ |
iha tadvanna vijñeyaṃ tasmātsarvaṃ sthitaṃ śivaḥ || 99 ||
Übersetzung: Mit dem Ishvara Patanjalis und entsprechender Schulen besteht keine Gleichheit, weil hier keine Trennung angenommen wird. Man soll ihn hier nicht in jener Weise verstehen. Somit steht fest: Alles ist Shiva.
Kapitel 3: Abschlussvermerk 1
iti śrīśivadṛṣṭivṛttau śrīmadutpaladevapādanirmitāyāṃ
tṛtīyamāhnikam || 3 || †
Übersetzung: Hier endet das dritte Kapitel der Shivadrishti-Erklärung, verfasst vom ehrwürdigen Utpaladeva.
‚Licht-Meditation mit Sukadev‘: eine heutige ergänzende Meditation, keine rekonstruierte Übung der Shivadrishti.
Kapitel 4: überlieferte Überschrift
atha
śrīśivadṛṣṭau
caturthamāhnikam |
Übersetzung: Nun das 4. Kapitel der ehrwürdigen Shivadrishti.
4.1
athedānīṃ pravaktavyaṃ yathā sarvaṃ śivātmakam |
nāśakto vidyate kaścicchaktaṃ vastveva te'pi no || 1 ||
Übersetzung: Nun ist darzulegen, wie alles seinem Wesen nach Shiva ist. Es gibt nichts völlig Unfähiges; auch für dich ist ein Ding gerade etwas, das wirken kann. Doch viele voneinander unabhängige Wirkmächtige
4.2
iṣyante bahavaḥ śaktāḥ sarvasvātantryamāpatet |
athaikasyādhikā śaktirnyūnaśaktinibandhinī || 2 ||
Übersetzung: werden nicht zugelassen, denn daraus folgte die Selbstständigkeit aller. Einwand: Die größere Macht eines Einzelnen bindet die geringere Macht anderer.
4.3
svakāryaviṣaye sarvaḥ śakta eva nibandhanam |
śaktasya śakyate kartumevaṃ cennānyaśaktatā || 3 ||
Übersetzung: Antwort: In Bezug auf seine eigene Wirkung ist jedes mächtig. Einwand: Ein Mächtiger kann dennoch gebunden werden. Antwort: Dann bleibt keine selbstständige Macht des anderen bestehen.
4.4
nṛpādisādhanāpekṣā svakarmaphalatā bhavet |
sarvaḥ śakto'pi sāpekṣa īśavanmohasāmyayoḥ || 4 || †
Übersetzung: Das Ergebnis der eigenen Handlung wäre von den Hilfsmitteln eines Königs und dergleichen abhängig. Jeder Mächtige wäre zugleich abhängig, wie der Herr bei Verblendung und Gleichgewicht. [Die beiden abschließenden Bezüge sind in der Vorlage nicht eindeutig auflösbar.]
4.5
tasmādanekabhāvābhiḥ śaktibhistadabhedataḥ |
eka eva sthitaḥ śaktaḥ śiva eva tathā tathā || 5 ||
Übersetzung: Daher besteht durch die Kräfte, die als viele Dinge erscheinen, und durch seine Ungetrenntheit von ihnen nur ein einziger Mächtiger: Shiva selbst, jeweils auf diese oder jene Weise.
4.6
tathā yatra sadityevaṃ pratītistadasatkatham |
yatsattatparamārtho hi paramārthastataḥ śivaḥ || 6 ||
Übersetzung: Ferner: Wo eine Erfahrung „Es ist“ lautet, wie könnte das Erfahrene nicht sein? Was ist, ist höchste Wirklichkeit; höchste Wirklichkeit ist deshalb Shiva.
4.7
sarvabhāveṣu cidvyakteḥ sthitaiva paramārthatā |
mithyājñānavikalpyānāṃ sattvaṃ cidvyaktiśaktatā || 7 ||
Übersetzung: Da sich Bewusstsein in allen Dingen offenbart, besteht ihre höchste Wirklichkeit. Auch bei dem, was in Irrtum oder Vorstellung erscheint, liegt das Sein im Vermögen, Bewusstsein offenbar werden zu lassen.
4.8
vidyate tattadatrāpi śivatvaṃ kena vāryate |
iti cedeṣu satyatvaṃ sthitameva cidudgamāt || 8 ||
Übersetzung: Dieses Vermögen besteht auch dort. Wer könnte dann sein Shiva-Sein ausschließen? Wenn so gefragt wird, ist zu antworten: Gerade durch das Hervortreten von Bewusstsein steht die Wirklichkeit auch dieser Erscheinungen fest.
4.9
tathā śivodayādeva bhedo mithyādikaḥ katham |
vyavahārāya satyatvaṃ naca vā vyavahāragam || 9 ||
Übersetzung: Da alles aus Shiva hervortritt, wie könnte ein Unterschied in „falsch“ und dergleichen bestehen? Einwand: Wirklichkeit gibt es für den praktischen Umgang; anderes gehört nicht zu diesem Umgang.
4.10
tathā ca deśe kvacana rājājñā jāyate yathā |
vyavahāro'stu dīnārairetairavyavahāragaiḥ || 10 ||
Übersetzung: So ergeht etwa in einem Land der königliche Befehl: „Der Handel soll mit diesen Dinaren erfolgen, die bisher nicht im Umlauf waren.“
4.11
pravartate tathābhūtairanyatrāpi tathānyathā |
vyavahārasya satyatve sarvatrāsatyataiva te || 11 ||
Übersetzung: Daraufhin erfolgt er mit solchen Münzen; anderswo wiederum anders. Wenn der praktische Umgang die Wirklichkeit ausmacht, ergäbe sich bei dir überall Unwirklichkeit.
4.12
satyatve tasya hāniḥ syātpakṣe'bhyupagate kila |
tasyāpi kiṃ śivāvāptiḥ kathamuktā hyasatyatā || 12 ||
Übersetzung: Wäre der Umgang wirklich, würde deine angenommene These beeinträchtigt. Warum sollte nicht auch ihm Shiva-Sein zukommen? Wie kann seine Unwirklichkeit behauptet werden?
4.13
vyavahāratayaivāsti satyatvaṃ na nibandhanāt |
vikalpādeḥ samutpattiḥ sata eva prajāyate || 13 ||
Übersetzung: Er ist als praktischer Umgang wirklich, nicht aufgrund einer zusätzlichen Festsetzung. Auch Vorstellung und dergleichen entstehen aus etwas Seiendem.
4.14
nābhāṣya vyavahārārthamevaṃ vastviti niścitam |
tathaivāstu śivāvasthā kenāsau vinivāritā || 14 ||
Übersetzung: Ohne sich darüber auszusprechen, steht das Ding für den praktischen Umgang doch in dieser Weise fest. Ebenso möge sein Shiva-Zustand gelten; wer könnte ihn ausschließen?
4.15
mithyātvaṃ kriyate kasya kiṃ kāle yatra tadbhavet |
kāla eva sa na bhavediti cennaiva kutracit || 15 ||
Übersetzung: Wessen Unwirklichkeit wird festgestellt? Etwa zu der Zeit, in der es besteht? Einwand: Jene Zeit hätte es gerade nicht gegeben. Antwort: Niemals
4.16
akāle jananaṃ kiñcidbādhyate vā janikriyā |
kṛtvā kāryaṃ kriyā yātā gatāyāṃ kiṃ prabādhyate || 16 ||
Übersetzung: entsteht etwas außerhalb von Zeit. Oder wird der Vorgang des Entstehens aufgehoben? Die Tätigkeit hat ihre Wirkung vollbracht und ist vergangen; was wird an ihr noch aufgehoben, wenn sie vergangen ist?
4.17
athānubhavagā bādhā nānubhūto'nyathā bhavet |
athendriyasya bādhyatvaṃ tatkālaṃ yādṛgindriyam || 17 ||
Übersetzung: Oder trifft die Widerlegung die Erfahrung? Das Erfahrene wird dadurch nicht nachträglich anders. Oder soll das Sinnesorgan widerlegt werden? Wie das Sinnesorgan damals beschaffen war,
4.18
tadāndhyaṃ janyate kena tasya kālāntarasthiteḥ |
sarvaiḥ samatvaṃ bādho vā sambandhe jananaṃ katham || 18 || †
Übersetzung: wodurch würde ihm nachträglich Blindheit beigelegt, da es nun zu einer anderen Zeit besteht? Es gilt dasselbe wie für alles andere. Oder betrifft die Widerlegung die Verbindung? Wie würde dadurch etwas hervorgebracht? [Der letzte Satz ist in der überlieferten Fassung unklar.]
4.19
vyavahārasya bādhā cedvyavahāre yatheṣṭatā |
kvacitsatyasuvarṇasya pratyante vyavahāritā || 19 ||
Übersetzung: Soll der praktische Umgang widerlegt werden, richtet sich dieser doch nach dem jeweils Gewollten. In einer Grenzregion wird mitunter selbst echtes Gold als Zahlungsmittel gebraucht,
4.20
kūṭakārṣāpaṇādau vā vyavahāro'pi dṛśyate |
tāvatā vyavahāro vā yadātmāhlādamātrakam || 20 ||
Übersetzung: und auch mit gefälschten Münzen sieht man Handel stattfinden. So weit reicht der praktische Umgang, oder er besteht lediglich in der Befriedigung des eigenen Selbst.
4.21
arthakriyāsamarthatvametadevāsya vāstavam |
atha ceddeśabādho vā taddeśe rajataṃ nahi || 21 ||
Übersetzung: Gerade dieses Vermögen, eine Wirkung hervorzubringen, ist seine Wirklichkeit. Einwand: Vielleicht wird der Ort widerlegt: An jener Stelle ist kein Silber.
4.22
yatra kāle sarajato deśo'bhūtsa gatastadā |
kālāntareṇa deśo'sau kā bādhā bhinnakālayoḥ || 22 ||
Übersetzung: Antwort: Die Zeit, in der jener Ort mit Silber erschien, ist damals vergangen. Nun ist es jener Ort zu einer anderen Zeit. Welche Widerlegung sollte zwischen zwei verschiedenen Zeiten bestehen?
4.23
jñānāntareṇa jñānaṃ tadvirodhādatha bādhyate |
na bādho bhinnakālatvātprāktanasyāpyabhāvataḥ || 23 ||
Übersetzung: Einwand: Die frühere Erkenntnis wird durch eine andere wegen ihres Widerspruchs widerlegt. Antwort: Es gibt keine solche Aufhebung, da die Zeiten verschieden sind und die frühere Erkenntnis bereits nicht mehr besteht.
4.24
sahānavasthitirnāsti virodhaḥ prāgvināśataḥ |
anyonyaparihāro vā jñānājñānātmakaḥ sthitaḥ || 24 ||
Übersetzung: Ein Widerspruch als Unmöglichkeit gleichzeitigen Bestehens liegt nicht vor, weil das Frühere bereits vergangen ist. Oder der gegenseitige Ausschluss soll in Erkenntnis und Nichterkenntnis bestehen.
4.25
ajñānatve parijñāte tadā syātsvavirodhitā |
ajñānatve svabhāvena virodhaḥ kena vāryate || 25 ||
Übersetzung: Wird die Nichterkenntnis erkannt, widerspricht sie sich damit selbst. Wenn sie ihrem eigenen Wesen nach Nichterkenntnis ist, wodurch wird dann dieser Widerspruch beseitigt?
4.26
naivamatra svabhāvatve virodho bādhanātmakaḥ |
sa vivekadṛśā jñeyo na svabhāvena kutracit || 26 ||
Übersetzung: So liegt hier im eigenen Wesen kein widerlegender Widerspruch. Er ist durch unterscheidende Betrachtung zu verstehen, niemals als etwas, das im Wesen selbst liegt.
4.27
tathā sarvavikalpānāṃ satyarūpatvadarśanāt |
garuḍādiśarīreṣu viṣabhūtāpahārataḥ || 27 ||
Übersetzung: Auch sieht man die Wirklichkeit aller Vorstellungen, etwa an der Abwehr von Gift und Geistereinflüssen mittels vorgestellter Körper Garudas und anderer Gottheiten,
4.28
pratiṣṭhādevakarmādidhyānādiphalayogataḥ |
satye'pi na phalaṃ dṛṣṭaṃ kvacidajñānisevitāt || 28 ||
Übersetzung: an den Ergebnissen von Einsetzung, Gottesdienst, Meditation und entsprechenden Handlungen. Selbst etwas Wirkliches bringt zuweilen keine Frucht, wenn ein Unkundiger es anwendet.
4.29
tasmādavasthitaṃ sarvaṃ sattvaṃ cidvyaktiyogitā |
yatra yatra tatra tatra satyatvaṃ viśvarūpatā || 29 ||
Übersetzung: Daher steht fest: Überall, wo Sein mit dem Offenbarwerden von Bewusstsein verbunden ist, bestehen Wirklichkeit und die allumfassende Gestalt.
4.30
vyatireke na yujyeta vijñānaṃ hi ghaṭādiṣu |
mūrtāmūrtadharmayogo ghaṭastasya na gocaraḥ || 30 ||
Übersetzung: Bei völliger Getrenntheit wäre Erkenntnis von Krügen und anderen Dingen unmöglich. Wie kämen die Eigenschaften des Körperlichen und des Unkörperlichen zusammen? Der Krug wäre nicht ihr Gegenstand.
4.31
amūrtā na ca vāṇūnāmantareva praveśitā |
pratipattuḥ kathaṃ vetti ghaṭo'yaṃ pravibhedataḥ || 31 ||
Übersetzung: Das ungestaltete Erkennen tritt auch nicht in das Innere der Atome ein. Wie könnte der Erkennende bei solcher Getrenntheit wissen: „Dies ist ein Krug“?
4.32
vinaikakatvaṃ ca na bhavetkārakatvaṃ kadācana |
śaśaśṛṅgādike nāpi syādvibhaktyā samanvayaḥ || 32 ||
Übersetzung: Ohne Einheit könnte es auch niemals eine Mitwirkung an einer Handlung geben. Selbst bei einem Hasenhorn und dergleichen wäre die Verbindung mit den grammatischen Fallbeziehungen unmöglich.
4.33
sarvathābhāvaśabdasya nāstyabhāvātmakaṃ kvacit |
ito'pi sarvaśivatā sata utpattiyogataḥ || 33 ||
Übersetzung: Der Ausdruck „vollständiges Nichtsein“ hat nirgends etwas seinem Wesen nach Nichtseiendes zum Gegenstand. Auch daraus ergibt sich das Shiva-Sein von allem: Alles entsteht aus Seiendem.
4.34
sa evāste purā tādṛkśaktirūpasvarūpakaḥ |
sa eva kāryarūpeṇa bhagavānavakalpate || 34 ||
Übersetzung: Er allein besteht zuvor in jener Gestalt seiner Kraft; er selbst, der Erhabene, gestaltet sich zur Wirkung.
4.35
satkāryaṃ nopapannaṃ cetsataḥ kiṃ karaṇena yat |
abhivyaktirathāsyātra kriyate sāpi kiṃ satī || 35 ||
Übersetzung: Einwand: Die bereits bestehende Wirkung ist nicht schlüssig: Was soll an Seiendem noch hervorgebracht werden? Antwort: Sein Offenbarwerden wird bewirkt. Einwand: Ist auch dieses Offenbarwerden bereits seiend,
4.36
kriyate hyasatī vātha satyāḥ kiṃ nopalabdhatā |
vyaktyabhāvādathānantyamasatyā hānisambhavaḥ || 36 ||
Übersetzung: oder wird es als zuvor Nichtseiendes hergestellt? Wenn es seiend ist, warum wird es nicht wahrgenommen? Fehlt ihm noch ein Offenbarwerden, führt dies ins Endlose; ist es nichtseiend, würde die eigene These preisgegeben.
4.37
svayamevāśrite pakṣe tadvadvā vastvasadbhavet |
naivaṃ yasmāttāṃ vihāya sarvatrānyatra satkriyā || 37 ||
Übersetzung: Oder das Ding müsste ebenso nichtseiend sein. Antwort: So verhält es sich nicht. Abgesehen von jener einen Ausnahme nehmen wir überall ein Hervorbringen des Seienden an.
4.38
ityabhyupagamo'smākaṃ naikenānyatra tulyatā |
kalpyā vaiśeṣikāṇāṃ hi kartṛtaiveśvare sthitā || 38 ||
Übersetzung: Dies ist unsere Auffassung. Aufgrund eines einzelnen Falles darf man nicht alles andere gleichsetzen. Auch die Vaisheshikas schreiben das Schöpfersein nur Ishvara zu:
4.39
tadvanna kiṃ pṛthivyāderbauddhe jñānamavasthitam |
svānyaprakāśakaṃ nānyattadvadanyanna kiṃ bhavet || 39 ||
Übersetzung: Warum nicht ebenso Erde und den übrigen Dingen? Bei den Buddhisten erhellt Erkenntnis sich selbst und anderes, nicht etwas anderes; warum sollte nicht auch anderes diese Fähigkeit haben?
4.40
bāhyaṃ rūpādi jalpanti pramāṇaṃ codanaiva te |
niyamāddharmaviṣaye tasmānnaikena tulyatā || 40 ||
Übersetzung: Sie sprechen dabei von äußeren Formen und dergleichen. Für dich wiederum ist nur die Vorschrift Erkenntnismittel hinsichtlich der Pflicht. Deshalb darf nicht ein einzelner Fall mit
4.41
bahūnāṃ kalpanīyātra naca vā vyatirekataḥ |
vyaktiḥ sthitā padārthānāṃ ghaṭo vyakto'bhidhīyate || 41 ||
Übersetzung: vielen anderen gleichgesetzt werden. Überdies besteht das Offenbarwerden der Dinge nicht als etwas Getrenntes. Man sagt: „Der Krug ist offenbar.“
4.42
tasmātsa eva vyaktātmā na vyaktervyatiriktatā |
dīpena kriyate vyaktirghaṭādeḥ sata eva vā || 42 ||
Übersetzung: Daher ist er selbst von offenbarer Natur; Offenbarwerden ist nicht davon getrennt. Oder durch eine Lampe wird der bereits bestehende Krug offenbar gemacht.
4.43
yathā sataḥ kriyāvyaktirvyakteḥ sattve tathā kṛtiḥ |
ekenāparatulyatvānnaca vā'sata udbhavaḥ || 43 ||
Übersetzung: Wie dabei das Seiende durch eine Tätigkeit offenbar wird, so wird auch das bestehende Offenbarwerden bewirkt. Aus einem einzigen Fall folgt keine Gleichheit anderer Fälle. Zudem kann aus Nichtseiendem nichts entstehen:
4.44
kimāśritya pravartante tadabhāvasvarūpataḥ |
ghaṭāntaraṃ pūrvadṛṣṭamākalayyātha ceṣṭanam || 44 ||
Übersetzung: Worauf gestützt würden die Handelnden tätig, wenn die Wirkung ihrem Wesen nach nicht ist? Einwand: Sie stellen sich einen anderen, zuvor gesehenen Krug vor und handeln dann.
4.45
anyenānyasya kalanāsambhavādaticitratā |
aṅkuro jāyata iti na bhavetkārakātmatā || 45 ||
Übersetzung: Antwort: Dass durch die Vorstellung eines anderen etwas ganz anderes erfasst würde, wäre höchst sonderbar. Auch in „Der Keim entsteht“ könnte kein Mitwirken an einer Handlung vorliegen.
4.46
asattve kārakāṇaṃ hi samūho na bhavettadā |
karmākhyasya hyasatyatvāttatsambandho'satā katham || 46 ||
Übersetzung: Wenn der Gegenstand nicht besteht, gibt es zu dieser Zeit keine vollständige Gesamtheit der mitwirkenden Faktoren. Denn das sogenannte Handlungsobjekt wäre unwirklich; wie bestünde eine Verbindung mit Nichtseiendem?
4.47
tasmātsa eva bhagavānsvayameva prakalpate |
tathātathābhāvarūpaiḥ sanneva parameśvaraḥ || 47 ||
Übersetzung: Deshalb gestaltet sich der Erhabene selbst in dieser oder jener Gestalt der Dinge; der höchste Herr besteht dabei schon.
4.48
svayam ca na prajāyeta kenānyena prajanyate |
vyatiriktena kartrādyā yadi syuste tadātmakāḥ || 48 ||
Übersetzung: Wenn etwas sich nicht selbst hervorbringt, durch welchen anderen wird es hervorgebracht? Soll es durch getrennte Faktoren wie den Handelnden entstehen: Sind diese sein eigenes Wesen,
4.49
tattasya janmitā yuktā vyatiriktaiḥ kathaṃ bhavet |
janmakāle ghaṭābhāvātsambandho naiva kārakaiḥ || 49 ||
Übersetzung: dann ist sein Entstehen daraus verständlich; wie aber wäre es aus getrennten Faktoren möglich? Da der Krug im Augenblick seines Entstehens noch nicht vorhanden wäre, hätte er keine Verbindung mit den mitwirkenden Faktoren.
4.50
nāsambaddhasya karaṇaṃ satkāryāccetsa vidyate |
sannapyasāvasaṃvedyo vyañjakasyāpyabhāvataḥ || 50 ||
Übersetzung: Etwas Unverbundenes kann nicht hergestellt werden. Einwand: Aufgrund der bereits bestehenden Wirkung ist er doch vorhanden. Antwort: Auch als vorhandener bleibt er unerkannt, solange auch das ihn Offenbarende fehlt.
4.51
tasmātsvayaṃ svabhāvena bhāvairbhāvī bhavedbhavaḥ |
ito'pi viddhi satkāryaṃ mṛtpiṇḍātkiṃ ghaṭaḥ pṛthak || 51 ||
Übersetzung: Daher wird Bhava, Shiva, durch seine eigene Natur selbst in den Dingen gegenwärtig. Erkenne auch daraus die bereits bestehende Wirkung: Ist der Krug vom Tonklumpen verschieden
4.52
apṛthagvā pṛthaktve tu paṭādeḥ karaṇaṃ na kim |
anupādānataiva syādapṛthaktve sa eva saḥ || 52 ||
Übersetzung: oder nicht verschieden? Ist er verschieden, warum wird dann nicht ebenso ein Tuch hergestellt? Der Ton wäre gar nicht seine stoffliche Ursache. Ist er ungetrennt, so ist er eben dieser Ton.
4.53
nāmasaṃsthānabhedaśceddhaste muṣṭyādyabheditā |
sthitameva hi satkāryamata evāvināśitā || 53 ||
Übersetzung: Einwand: Name und Anordnung unterscheiden sich. Antwort: Hand und Faust sind dennoch nicht verschieden. So steht die bereits bestehende Wirkung fest; daraus folgt auch die Unvergänglichkeit
4.54
śivasya bhāvanāśe'pi maulināśe'pi hemavat |
nāśaḥ kaṭakarūpeṇa sadbhāvaḥ kuṇḍalādinā || 54 ||
Übersetzung: Shivas selbst beim Vergehen der Dinge, wie das Gold beim Zerstören einer Krone bleibt. Das Vergehen als Armreif ist das Bestehen als Ohrring oder eine andere Form.
4.55
suvarṇatve'pi na bhraṃśaḥ saṃsthāne'pi vicāryatām |
kiṃ śivatvena tadvyāptamavyāptaṃ vābhidhīyatām || 55 ||
Übersetzung: Auch dabei gibt es keinen Verlust des Gold-Seins. Man untersuche ebenso die Anordnung: Ist sie von Shiva-Sein durchdrungen oder nicht? Das möge man sagen.
4.56
vyāpitve tadvināśitvamavyāptau syātpradeśitā |
naivaṃ yato hi bhāvānāṃ vināśe'smāsu neṣṭatā || 56 ||
Übersetzung: Einwand: Bei Durchdringung wäre auch Shiva zerstörbar; ohne Durchdringung wäre er örtlich begrenzt. Antwort: Nein, denn wir nehmen ein völliges Vergehen der Dinge nicht an.
4.57
aṃśābhivyaktitā nāśo na nāśaḥ sarvalopitā |
abhivyaktervināśitve tathāpyānantyamāpatet || 57 ||
Übersetzung: „Vergehen“ bedeutet, dass ein Teil offenbar wird, nicht die vollständige Auslöschung. Wenn auch das Offenbarwerden wiederum verginge, führte dies erneut ins Endlose.
4.58
indriyāṇāmasāmarthyamātramatra vināśitā |
asāvevānabhivyaktiḥ sa pracchannastadā sthitaḥ || 58 ||
Übersetzung: Was hier Vergehen heißt, ist lediglich das Unvermögen der Sinne. Eben dies ist das Nicht-Offenbarsein; das betreffende Ding besteht dann verhüllt.
4.59
ito'pi nāśo nāstyasya ghaṭasya karaṇātpunaḥ |
nābhāvaprāptarūpasya karaṇaṃ yujyate punaḥ || 59 ||
Übersetzung: Auch deshalb gibt es kein völliges Vergehen des Kruges: Er kann erneut hergestellt werden. Für etwas, dessen Natur ins Nichtsein übergegangen wäre, wäre eine erneute Herstellung unmöglich.
4.60
tasmādbhāvavināśe'pi śivatattvāvināśitā |
itaśca sarvaśivatāvayavebhyo na kutracit || 60 ||
Übersetzung: Daher bleibt das Shiva-Prinzip auch beim Vergehen der Dinge unvergänglich. Auch aus Folgendem ergibt sich das Shiva-Sein von allem: Nirgends besteht das Ganze
4.61
vyatireko'vayavinastadevedaṃ vicāryatām |
bhinneṣvaikyamabhedaśca yathā tatra vyavasthitam || 61 ||
Übersetzung: getrennt von seinen Teilen. Man untersuche gerade dies: wie Einheit und Ungetrenntheit in unterschiedlichen Teilen bestehen.
4.62
tathā tatra parijñeyaṃ patyuḥ sāmarthyamīdṛśam |
abhinne bhedatā yena bhinneṣvapyastyabhedatā || 62 ||
Übersetzung: Daran ist diese Macht des Herrn zu erkennen: Durch sie gibt es Unterschied im Ungeteilten und Ungeteiltheit im Unterschiedenen.
4.63
yathāvayavagaṃ rūpaṃ tathā sarvapadārthagam |
kva pāṇipādaṃ kva śiro yathaikyaṃ bhinnadeśagam || 63 ||
Übersetzung: Wie eine Gestalt in ihren Teilen gegenwärtig ist, so ist sie in allen Dingen gegenwärtig. Wo ist die Hand, wo der Fuß, wo der Kopf? Dennoch besteht ihre Einheit an verschiedenen Orten.
4.64
tadvatsarvapadārthānāṃ jagatyaikye sthitaḥ śivaḥ |
śabdādergrahaṇaṃ nāsti pūrvāparasahoditaiḥ || 64 ||
Übersetzung: So besteht Shiva in der Einheit aller Dinge der Welt. Laut und weitere Gegenstände könnten nicht erfasst werden, wenn ihr Erscheinen davor, danach oder zugleich mit dem Erkennen stattfände.
4.65
manasaḥ preraṇaṃ kasmātprāgjñānena vinā sthitā |
sarvaikatāta evātra tathā sauṣuptabodhanam || 65 ||
Übersetzung: Wodurch würde das Denken ohne vorherige Erkenntnis angetrieben? Gerade deshalb steht die Einheit von allem fest. Ebenso: Wie wäre das Erwachen aus dem Tiefschlaf
4.66
ghaṭate kathaṃ nimittasya prāgyogāyogacoditaiḥ |
yoge jāgradavasthaiva tasmātsarvaṃ śivātmakam || 66 ||
Übersetzung: möglich, wenn man prüft, ob zuvor eine Verbindung mit seinem Anlass bestand oder nicht? Bei Verbindung bestünde bereits der Wachzustand. Deshalb ist alles seinem Wesen nach Shiva.
4.67
sāmānyarūpatā vāsti sā cābhinnā viśeṣataḥ |
bhinnābhinnātmakaḥ kvāpi padārthastādṛgiṣyate || 67 ||
Übersetzung: Oder es gibt eine gemeinsame Natur, die vom Besonderen nicht getrennt ist. Ein Ding, das zugleich verschieden und unverschieden ist, wird andernorts durchaus angenommen.
4.68
bauddhasya cenna sāmānyamanumānaṃ nivartate |
yathā suvarṇabhāṇḍeṣu na tathā hematāmrayoḥ || 68 ||
Übersetzung: Wenn der Buddhist kein Allgemeines anerkennt, entfällt das Schlussfolgern. Bei Goldgefäßen besteht ein Zusammenhang, der zwischen Gold und Kupfer nicht in gleicher Weise besteht.
4.69
suvarṇamānayetyukte śūnyatā kiṃ pratīyate |
viśeṣasparśavirahātkadācidapi yujyate || 69 ||
Übersetzung: Wird mit „Bring Gold!“ etwa Leere verstanden? Wäre dies jemals möglich, ohne etwas Besonderes zu berühren?
4.70a
tattvasyaikyaṃ vinā na syādekasyaiva viruddhatā |
sāmānyena viśeṣeṇa kathamekasya yogitā || 70a ||
Übersetzung: Ohne die Einheit der Wirklichkeit wäre es unmöglich. Es wäre widersprüchlich, wenn eines zugleich mit Allgemeinem und Besonderem verbunden sein sollte: Wie käme diese Verbindung zustande?
4.70b
ekatattvaṃ vinaitacca vyavahāro na jāyate |
śabdārthayorna sambandho bhinnayorbhinnadeśayoḥ || 70b ||
Übersetzung: Ohne die eine Wirklichkeit könnte auch der praktische Umgang nicht entstehen. Zwischen einem Wort und seinem Gegenstand bestünde bei Getrenntheit und verschiedenen Orten keine Verbindung.
4.71
viruddharūpayorbhinnakaraṇagrāhyayorapi |
mukhe hi śabdo bhūmau ca vidyate'rthaḥ kva saṅgamaḥ || 71 ||
Übersetzung: Sie haben unterschiedliche Natur und werden durch unterschiedliche Organe erfasst. Das Wort befindet sich im Mund, der Gegenstand auf der Erde: Wo wäre ihre Verbindung?
4.72
amūrta eko mūrtaśca dvitīyo yogitā katham |
tathātmāderadṛṣṭasya tacchabdairyogitā katham || 72 ||
Übersetzung: Das eine ist unkörperlich, das andere körperlich. Wie wären sie verbunden? Wie wären außerdem das ungesehene Selbst und ähnliche Dinge mit ihren Worten verbunden?
4.73
asataḥ śaśaśṛṅgādeḥ śaśaśṛṅgādinānvayaḥ |
ghaṭate jātucinnaivamasatāṃ vyavahāryatā || 73 ||
Übersetzung: Bei einem nichtseienden Hasenhorn wäre die Verbindung mit „Hasenhorn“ niemals möglich. So könnten nichtseiende Dinge überhaupt nicht Gegenstand sprachlichen Umgangs sein.
4.74
śabdena cettadevaṃ hi sarvasaṃsāranāśatā |
asatyavyavahāreṇa tādṛgeva jagadbhavet || 74 ||
Übersetzung: Wenn das durch Worte doch geschieht, würde auf diese Weise die gesamte Welt verschwinden; durch unwirklichen Umgang wäre auch die Welt ebenso unwirklich.
4.75
tathābhinavajātasya tānāmnā saṅgamaḥ katham |
tatsaṅgamasyāsatyatve yantravaśyādikaṃ katham || 75 ||
Übersetzung: Wie kommt ferner ein Neugeborenes mit seinem Namen in Verbindung? Wenn diese Verbindung unwirklich wäre, wie wären dann Wirkungen von Yantras und Unterwerfungsritualen zu erklären?
4.76
tasmādaikyena tattvasya sarvaṃ tadapi yujyate |
vyatiriktena śabdena mantreṇānatirekiṇā || 76 || †
Übersetzung: Durch die Einheit der Wirklichkeit lässt sich all dies erklären. Wie könnte ein vom Gegenstand getrenntes Wort wirken, selbst wenn es sich um einen davon nicht verschiedenen Mantra handelt?
4.77
kathaṃ na devadattasya yajñadattavadākhyayā |
atra saṅketitatvāccet saṅketenātra kiṃ kṛtam || 77 ||
Übersetzung: Warum nicht auch durch den Namen Yajñadatta auf Devadatta? Einwand: Weil hier eine Benennung vereinbart wurde. Antwort: Was hat diese Vereinbarung hier bewirkt?
4.78
saṃyogaścenna dūreṣu mūrtāmūrteṣu yujyate |
śabdasyoccāritadhvaṃsānnaṣṭānaṣṭadvaye naca || 78 ||
Übersetzung: Wenn eine Verbindung gemeint ist, ist diese bei räumlich Getrenntem sowie Körperlichem und Unkörperlichem unmöglich. Weil das Wort nach dem Aussprechen vergeht, kann sie auch nicht zwischen einem vergangenen und einem nicht vergangenen Ding bestehen.
4.79
vācyavācakarūpaścetsa eṣa niyamaḥ kutaḥ |
yattasya vācakatvaṃ hi vācyatvamaparasya tu || 79 ||
Übersetzung: Wenn es sich um die Beziehung von Bezeichnetem und Bezeichnendem handelt, woher kommt diese Festlegung, dass das eine bezeichnet und das andere bezeichnet wird?
4.80
vācyavācakarūpatve vācyavācakatānvayaḥ |
itaścāsti jagatyaikyaṃ pratyakṣāgrahaṇādapi || 80 ||
Übersetzung: Bei Bezeichnetem und Bezeichnendem ist gerade ihre Verbindung zu erklären. Auch daraus ergibt sich die Einheit der Welt, dass Wahrnehmung unter Annahme der Trennung nichts erfassen könnte.
4.81
svalakṣaṇena yogitvādvyavahārasya sarvataḥ |
loke cānupapatteśca pramā ca vyavahāragā || 81 ||
Übersetzung: Denn jeder praktische Umgang müsste mit dem jeweils einzelnen Eigenmerkmal verbunden sein; dies lässt sich im gewöhnlichen Leben nicht durchführen. Auch gültige Erkenntnis steht im praktischen Umgang.
4.82
bālamūkādivijñānasadṛśī kidṛśī kriyā |
savikalpasya yogitvādyathāvastu grahaḥ katham || 82 ||
Übersetzung: Welche Tätigkeit wäre mit einer Erkenntnis möglich, die der eines kleinen Kindes oder eines Stummen ähnelt? Und wie könnte begrifflich bestimmte Erkenntnis den Gegenstand erfassen, wie er ist?
4.83
tena jñeyamekameva vastu bhinne grahaḥ kutaḥ |
tathānumānaṃ na bhaveddhūmāgnyoranvaye kvacit || 83 ||
Übersetzung: Daher ist zu erkennen, dass die Wirklichkeit eine ist. Wie wäre bei Getrenntheit ein Erfassen möglich? Ebenso käme beim Verhältnis von Rauch und Feuer kein Schlussfolgern zustande.
4.84
apūrvayorgṛhīte'pi tatkālaṃ gatayordvayoḥ |
agṛhīte na gṛhītaḥ sambandho'gniḥ pratīyate || 84 ||
Übersetzung: Selbst wenn die Verbindung zweier zuvor unbekannter Dinge einmal erfasst wurde, sind beide zu jener Zeit vergangen. Bei den jetzt nicht gemeinsam erfassten Dingen ist die Verbindung nicht wahrgenommen: Wie wird das Feuer erkannt?
4.85
sāmānyamaviśeṣaṃ cedaviśeṣātkutaḥ pramā |
viśeṣasyāpyapūrvatve kathaṃ cāsti samanvayaḥ || 85 ||
Übersetzung: Einwand: Durch das Allgemeine ohne Besonderheit. Antwort: Woher käme eine gültige Erkenntnis ohne Besonderheit? Wenn auch das Besondere jeweils neu ist, wie besteht dann der Zusammenhang?
4.86
sādṛśyādatha cennāsti yāthātmyena samāgamaḥ |
naca vātrānumānatvaṃ dhūmataḥ kevalādbhavet || 86 ||
Übersetzung: Einwand: Aufgrund von Ähnlichkeit. Antwort: Dann liegt keine Verbindung mit dem wirklichen Wesen vor. Außerdem entsteht aus bloßem Rauch allein noch kein Schlussfolgern.
4.87
tatsambandhādathocyeta sambandhe dviṣṭhatā naca |
dviniṣṭhatvādekataragrahaṇānnāpi tadgrahaḥ || 87 ||
Übersetzung: Einwand: Aufgrund seiner Verbindung mit Feuer. Antwort: Diese Verbindung müsste in beiden bestehen. Weil sie beide betrifft, kann sie nicht durch das Erfassen nur eines von ihnen erfasst werden.
4.88
dhūmadṛṣṭyātha kalpyeta vahnistadyogitāpi ca |
itaretaradoṣo'tra durnivāraḥ prasajyate || 88 ||
Übersetzung: Einwand: Beim Sehen des Rauches werden Feuer und seine Verbindung mitgedacht. Antwort: Daraus ergibt sich ein schwer vermeidbarer Zirkelschluss.
4.89
yāvanna vahnikalanā na yogakalanā bhavet |
yāvadvā yogakalanā na vahnikalanākṣamā || 89 ||
Übersetzung: Solange das Feuer nicht erfasst ist, kann die Verbindung nicht erfasst werden. Und solange die Verbindung nicht erfasst ist, kann das Feuer nicht erschlossen werden.
4.90
nāptavākyādathāstīha tatsatyatve'dṛḍhā matiḥ |
vārān śataṃ hi yo vaktā satyabhāṣī kadācana || 90 || †
Übersetzung: Auch aus der Aussage eines zuverlässigen Menschen ergibt sich dies hier nicht; das Urteil ist selbst bei dessen Wahrhaftigkeit nicht fest. Denn ein Sprecher, der hundertmal die Wahrheit sagt, kann irgendwann …
4.91
so'pyanyathā pradarśyetākṣayato rāgadveṣayoḥ |
pitrāderapyasatyatvaṃ tatrānyatra na niścayaḥ || 91 ||
Übersetzung: … auch anders lehren, solange Zuneigung und Abneigung nicht erloschen sind. Selbst Vater und andere Angehörige können Unwahres sagen; weder hier noch anderswo besteht unbedingte Gewissheit.
4.92
tasmānna bhede bhāvānāṃ tadgrahādyapi yujyate |
kṣaṇabhaṅgaparāmarśādapyetadupapadyate || 92 ||
Übersetzung: Deshalb sind bei einer Trennung der Dinge ihr Erfassen und die weiteren Vorgänge nicht zu erklären. Dasselbe ergibt sich auch bei der Untersuchung der Augenblicklichkeit.
4.93
śaktāśaktavikalpairhi dīpajvālādyudāhṛtaiḥ |
sthiratā nopapannā te pratyakṣeṇāpica sthitā || 93 ||
Übersetzung: Durch die Erwägungen über Fähigkeit und Unfähigkeit, die etwa an der Lampenflamme entwickelt werden, gilt dir Beständigkeit als unbegründet; dennoch ist sie durch unmittelbare Wahrnehmung festgestellt.
4.94
sthiratvaṃ kṣaṇikatvaṃ ca pramāṇāṃ cintayā sthitam |
apyasaṃvādarūpaṃ ca viruddhaṃ tatkathaṃ bhavet || 94 ||
Übersetzung: Beständigkeit und Augenblicklichkeit werden anhand von Erkenntnismitteln erwogen. Wie könnte sich dabei eine widersprechende, nicht übereinstimmende Erkenntnis ergeben,
4.95
yāvanna sarvabhāvānāmekatvena vyavasthitiḥ |
pareṇa kṣaṇabhaṅgasya parāmarśāgamaḥ kutaḥ || 95 ||
Übersetzung: wenn nicht alle Dinge in Einheit bestünden? Wie könnte ein anderer die Augenblicklichkeit eines Dinges erfassen?
4.96
tato'pyetacchivātmatvaṃ bhāvānāmupapadyate |
tathārthāvagatirvākyātpadādvā nopapadyate || 96 ||
Übersetzung: Auch daraus lässt sich das Shiva-Wesen der Dinge begründen. Ebenso wäre ein Verstehen von Bedeutung aus einem Satz oder Wort unmöglich,
4.97
kṣaṇikatvena śabdānāmanabhivyaktito'pivā |
sphoṭābhivyaṅgyapakṣe tu tatrāpi kramatā katham || 97 ||
Übersetzung: weil Laute nur einen Augenblick bestehen oder weil ein vollständiges Offenbarwerden fehlt. Auch bei der Lehre, dass Sphoṭa offenbar gemacht wird: Wie käme dort eine Abfolge zustande?
4.98
nirbhāgatvātsphoṭatattve sphoṭatattvātmakātkatham |
ābhāsarūpavastūnāṃ śābdikānno bhavedgrahaḥ || 98 || †
Übersetzung: Denn das Sphoṭa-Prinzip ist ungeteilt. Wie könnten aus dem sprachlichen Sphoṭa-Prinzip Gegenstände in Gestalt von Erscheinungen erfasst werden? [Die Negations- und Frageverknüpfung der zweiten Hälfte bleibt unsicher.]
4.99
tasmādevaṃvidhe'rthe'pi yuktatā syādihaikyataḥ |
tathātmecchāvaśānnākṣagrāme ceṣṭopapadyate || 99 ||
Übersetzung: Daher ist auch ein solcher Vorgang hier durch Einheit erklärbar. Ebenso wäre eine Bewegung der Sinnesschar nach dem Willen des Selbst bei Trennung unmöglich,
4.100
mūrtacodakavaikalyānmanaścetpreritāsya no |
ekatve punarīdṛk syātsarvatraiva hi yuktatā || 100 ||
Übersetzung: weil ein körperlicher Antrieb fehlt. Einwand: Das Denken wird von ihm bewegt. Antwort: Auch das ist so nicht möglich. Bei Einheit dagegen lässt sich eine solche Erklärung überall durchführen.
4.101
nacāpi bhede bhāvānāṃ grahaṇaṃ jñānameva vā |
saṃyogenopapadyeta yadi dṛṣṭyādinā bhavet || 101 ||
Übersetzung: Auch Erfassung oder Erkenntnis der Dinge käme bei ihrer Getrenntheit nicht durch bloße Verbindung zustande. Wenn sie durch Sehen und andere Sinne erfolgen soll,
4.102
naivamakṣārthasaṃyogamātrāt kiṃ boddhurudyamaḥ |
saṃyoge'nyasya sañjāte kathamanyasya boddhṛtā || 102 ||
Übersetzung: so nicht allein durch die Verbindung von Sinn und Gegenstand. Wozu wäre dann die Zuwendung des Erkennenden nötig? Wenn bei einem etwas in Verbindung tritt, wie könnte dadurch ein anderer zum Erkennenden werden?
4.103
manaso'bhinnakālatvāt smṛtijñānamathocyate |
prārabdhaścāsamāptaśca vartamānaḥ kriyāmanu || 103 || †
Übersetzung: Man spricht dann von Erinnerungswissen, weil das Denken nicht einer anderen Zeit angehört. „Gegenwärtig“ heißt bei einer Handlung: begonnen und noch nicht abgeschlossen. [Der Anschluss des ersten Halbsatzes ist unsicher.]
4.104
prakriyāmātramevaitadyataḥ pūrvāparātmatā |
kriyāyāḥ kārakāṇāṃ hi kramo'styeva svakarmaṇi || 104 ||
Übersetzung: Dies ist lediglich eine begriffliche Einteilung. Denn eine Handlung besitzt einen früheren und einen späteren Abschnitt; auch die mitwirkenden Faktoren vollziehen ihre jeweilige Tätigkeit in einer Abfolge.
4.105
yatra pūrvāparau śabdau kālaikyaṃ tatra yujyate |
manasā nīyate tasya kiṃ padārthasvarūpatā || 105 ||
Übersetzung: Wo die Wörter „früher“ und „später“ verwendet werden, ist eine Einheit der Zeit vorausgesetzt. Was wird durch das Denken herangebracht? Etwa die eigene Natur des Gegenstandes?
4.106
sāśakyā mūrtarūpatvādrūpaṃ cenna kathaṃ guṇaḥ |
guṇino nīyate'nyatra tṛṣārtaiścākṛtiṃ prati? || 106 || †
Übersetzung: Das wäre wegen seiner körperlichen Natur nicht möglich. Wenn seine Gestalt gemeint ist: Wie könnte eine Eigenschaft von ihrem Träger anderswohin gebracht werden? [Der Schluss über Durstige und die Gestalt eines Gegenstandes ist in der Vorlage nicht zuverlässig verständlich.]
4.107
atha jñānaṃ na manasastajjñānamupapadyate |
karaṇatvājjaḍatvācca tasya cedātmanātra kim || 107 ||
Übersetzung: Einwand: Es ist Erkenntnis, die herangebracht wird. Antwort: Dem Denken kommt solche Erkenntnis nicht zu, da es Werkzeug und unbewusst ist. Wenn sie ihm doch zukommt, wozu bedarf es hier noch des Selbst?
4.108
karaṇe jñānasambandhādbāhyārthe kiṃ na kalpyate |
buddherguṇatvaṃ manasi prāpnuyādatha cetasā || 108 ||
Übersetzung: Wenn man dem Werkzeug eine Verbindung mit Erkenntnis zuschreibt, warum nimmt man sie nicht ebenso beim äußeren Gegenstand an? Erkenntnis würde dann eine Eigenschaft des Denkens. Einwand: Durch das Denken
4.109
evaṃvidho ghaṭo'trāste ityātmā pratibodhyate |
tadevaṃ pūrvadṛṣṭasya varṇanāsadṛśaṃ bhavet || 109 ||
Übersetzung: wird das Selbst unterrichtet: „Hier befindet sich ein so beschaffener Krug.“ Antwort: Dann wäre dies der Beschreibung eines zuvor gesehenen Gegenstandes vergleichbar.
4.110
varṇanena ca caitanyametāvanmanaso yadi |
svātmaśaktisamāveśādamūrtāveśatā katham || 110 || †
Übersetzung: Wenn das Denken durch Beschreiben ein derartiges Bewusstsein besitzt, wie soll dann eine eigene Kraft in etwas Unkörperliches eintreten?
4.111
tena vā sampratīte'rthe kriyate kiṃ tadātmanā |
tatsvarūpātmasaṃyogaḥ saṃyogo'bhinnadeśayoḥ || 111 ||
Übersetzung: Oder wenn der Gegenstand durch das Denken bereits erkannt ist, was wird durch das Selbst noch geleistet? Eine Verbindung des eigenen Wesens mit ihm? Verbindung besteht zwischen Dingen am selben Ort.
4.112
manasāveditārthasya taddeśitvamathocyate |
varṇite yogitā kasya yadi vā tatsvarūpataḥ || 112 || †
Übersetzung: Einwand: Das Selbst befindet sich am Ort des Gegenstandes, den das Denken mitteilt. Antwort: Womit besteht die Verbindung, wenn lediglich beschrieben wird? Oder soll das eigene Wesen des Gegenstandes
4.113
saṃskaroti tadātmānamamūrte saṃskṛtiḥ katham |
tadrūpamātmanyetadyenāśleṣo yadi cocyate || 113 ||
Übersetzung: das Selbst prägen? Wie wird Unkörperliches geprägt? Wenn man sagt, dessen Gestalt sei im Selbst, wodurch bestünde dann die Berührung?
4.114
caitanyenāpyamūrtena miśratānyasya kīdṛśī |
kiṃ svayaṃ tatprameyatvamasya cedatirekataḥ || 114 || †
Übersetzung: Wie könnte etwas anderes sich mit ebenfalls unkörperlichem Bewusstsein vermischen? Wird der Gegenstand etwa von selbst erkannt? Wenn das unabhängig geschieht,
4.115
manasā kiṃ kimakṣeṇa tena cettatparamparā |
evaṃ tadandhapāramparyatvarūpamidaṃ sphuṭam || 115 ||
Übersetzung: wozu braucht es Denken und Sinnesorgan? Wenn eines jeweils durch das andere vermittelt wird, ist dies offensichtlich eine Kette, in der Blinde von Blinden geführt werden.
4.116
kimātmapreraṇenātra jñāte'jñāte'thavā bahiḥ |
jñāte tu jñānarūpatvāt preraṇaṃ kena hetunā || 116 ||
Übersetzung: Wozu soll das Selbst antreiben, gleich ob der äußere Gegenstand bekannt oder unbekannt ist? Ist er bekannt, besteht bereits Erkenntnis; aus welchem Grund wäre dann noch ein Antrieb nötig?
4.117
ajñāte'mutra yāhīti preryate kena mānasam |
preryapreraṇatatkartṛdvayaikyādupapadyate || 117 ||
Übersetzung: Ist er unbekannt, durch wen wird das Denken mit „Geh dorthin!“ angetrieben? Das wird erst durch die Einheit des Angetriebenen, des Antreibens und der beiden daran Beteiligten erklärbar.
4.118
tasmājjñeyaṃ samagraikyavastu śaivaṃ vyavasthitam |
tathā smaraṇayogācca smaryate kiṃ tathāvidham || 118 ||
Übersetzung: Daher soll man die umfassend eine Wirklichkeit als Shiva erkennen. Dasselbe zeigt die Erinnerung: Was genau wird als solches erinnert?
4.119
yādṛgdṛṣṭaṃ dṛṣṭatā syādathavā jñānameva tat |
dṛṣṭasmaraṇayoraikye sthite tadupapadyate || 119 ||
Übersetzung: Wäre es genau so, wie es gesehen wurde, wäre es ein Sehen. Oder es wäre die damalige Erkenntnis selbst. Durch die Einheit von Gesehenem und Erinnern lässt sich dies erklären.
4.120
tathā sā pratyabhijñānātsa evāyamiti sthitiḥ |
yujyate kathamatraiva jñānayoḥ kālabhinnayoḥ || 120 ||
Übersetzung: Ebenso besteht beim Wiedererkennen das Urteil: „Dieser ist eben jener.“ Wie wäre dies hier möglich bei zwei Erkenntnissen aus verschiedenen Zeiten?
4.121
dvayoraikyamanaikyaṃ vā tadaikyaṃ bhinnayoḥ katham |
anaikye na sa evāyamiti syādghaṭadaṇḍayoḥ || 121 ||
Übersetzung: Sind beide eins oder nicht eins? Wie könnten getrennte Erkenntnisse eins sein? Sind sie nicht eins, ergäbe sich kein „Dieser ist eben jener“, wie auch Krug und Stab nicht dasselbe sind.
4.122
tasmādaikyamiha spaṣṭaṃ saṃsāre samavasthitam |
eṣaiva vārtā saṃyoge vasturūpatayā sthite || 122 ||
Übersetzung: Deshalb steht die Einheit in der Erfahrungswelt hier deutlich fest. Dasselbe gilt für die Verbindung, sofern sie als etwas Wirkliches angenommen wird,
4.123
paraspareṇa cāpyatra teṣāṃ rūpeṇa vānyathā |
tasmāt samastabhāvānāmaikyenaivāsti saṅgamaḥ || 123 ||
Übersetzung: sei es durch die Dinge gegenseitig, durch ihre Natur oder auf andere Weise. Daher ist der Zusammenhang aller Dinge nur durch Einheit möglich.
4.124
śivikodvāhakānāṃ ca nyāya eṣo'nuvartatām |
paracittaparijñānāttasmājjñeyaikyatā tataḥ || 124 ||
Übersetzung: Man wende diese Überlegung auch auf die Träger einer Sänfte an. Ebenso ist aus dem Erkennen eines fremden Geistes die Einheit des Erkennbaren zu verstehen.
Unnummerierter Halbvers nach 4.124
sārthasenāvanādyātma jagatyaikyaṃ sphuṭaṃ sthitam ||
Übersetzung: So steht die Einheit in der Welt deutlich fest, in Gestalt von Karawanen, Heeren, Wäldern und anderen Gesamtheiten.
Kapitel 4: Abschlussvermerk 1
iti śrīśivadṛṣṭau anupapatticodanālakṣaṇaṃ caturthamāhnikaṃ sampūrṇam || 4 ||
Übersetzung: Hier ist das vierte Kapitel der Shivadrishti abgeschlossen, gekennzeichnet durch die Erörterung von Einwänden der Unmöglichkeit.

Kapitel 5: überlieferte Überschrift
atha
śrīśivadṛṣṭau
pañcamamāhnikam
Übersetzung: Nun das 5. Kapitel der ehrwürdigen Shivadrishti.
5.1
atha cet sarvabhāvānāṃ na vinā tattvamekakam |
samanvayo'sti tadidaṃ kathamaikyaṃ vibheditam || 1 ||
Übersetzung: Einwand: Wenn die Dinge ohne eine einzige gemeinsame Wirklichkeit keinen Zusammenhang haben, warum wurde diese Einheit dann zuvor in Unterschiede aufgegliedert?
5.2
tadapi sarvadāstīha tadarthamiha varṇyate |
yathā sarveṣu bhāveṣu samatāstyekarūpatā || 2 ||
Übersetzung: Antwort: Auch hier besteht sie immer. Eben dafür wird nun dargelegt, wie in allen Dingen Gleichheit und Einheit der Natur vorhanden sind.
5.3
na jātucidvibheditvaṃ tathā tadupakarṇyatām |
cittvāt sarvapadārthānāṃ viśeṣaḥ kena kathyatām || 3 ||
Übersetzung: Niemals gibt es eine wesentliche Getrenntheit. Hört also zu: Wenn alle Dinge Bewusstsein sind, wodurch ließe sich ein Unterschied begründen? Man möge es sagen.
5.4
vibhedeṣvapi tadvyāptyābhedeṣvapyekatā sthitā |
icchāvantaḥ sarva eva vyāpakāśca samastakāḥ || 4 ||
Übersetzung: Auch in den Unterschieden besteht durch seine Durchdringung die Einheit, ebenso im Ungeteilten. Alle besitzen Willen; alle sind allgegenwärtig.
5.5
amūrtāśca tathā sarve sarve jñānakriyātmakāḥ |
prabhavaśca tathā sarve icchāmarśāstathākhilāḥ || 5 ||
Übersetzung: Ebenso sind alle unkörperlich, alle bestehen aus Erkenntnis und Handlung. Alle sind mächtig, und alle besitzen ein inneres Erfassen des Willens.
5.6
sarve svātmaparicchedavanto nityamavasthitāḥ |
vikāsāhlādavantaśca sarve nirvṛtiyoginaḥ || 6 ||
Übersetzung: Alle erkennen fortwährend ihr eigenes Selbst. Alle besitzen Entfaltung und Freude; alle sind mit Erfülltheit verbunden.
5.7
ghaṭādīnāṃ samastānāmicchāderalpatāsti cet |
anyatra dehe sarpādau dīpādau nāgnitālpake || 7 || †
Übersetzung: Einwand: Bei Krügen und ähnlichen Dingen sind Wille und die übrigen Kräfte nur gering. Antwort: Auch in einem anderen Körper, etwa dem einer Schlange, oder in einer Lampe ist das Feuer nicht weniger Feuer, obwohl sein Leuchten gering ist.
5.8
svalpatejasi dārḍhyādvā sarvatra śivatulyatā |
bhavedicchādiviṣaye sarvatra pravisāriṇī || 8 ||
Übersetzung: Oder aufgrund der Festigkeit seines Wesens besteht überall Gleichheit mit Shiva. Sie durchzieht überall den Bereich des Willens und der übrigen Kräfte.
5.9
duḥkhādinā viśeṣaścet tatrāpyaśivatā naca |
duḥkhe'pi pravikāsena duḥkhārthe dhṛtisaṅgamāt || 9 || †
Übersetzung: Einwand: Schmerz und andere Zustände begründen einen Unterschied. Antwort: Auch dort gibt es kein Nicht-Shiva-Sein. Selbst im Schmerz gibt es ein Sichentfalten, weil ein Festhalten am schmerzhaften Gegenstand hinzukommt.
5.10
dṛśyate bandhanaṃ teṣu dhṛtiḥ kīṭādike tathā |
nirvṛtyā yatra yogo'sti tatraiva śivatā sphuṭam || 10 ||
Übersetzung: Man sieht ihre Bindung daran, ebenso das Beharren bei Würmern und anderen Wesen. Wo eine Verbindung mit Erfülltheit besteht, dort ist das Shiva-Sein offenkundig.
5.11
atha ceccidvatāmetadvaktuṃ yuktaṃ kadācana |
pṛthivyāderhi mūrtasya ghaṭādervā na yujyate || 11 ||
Übersetzung: Einwand: Dies mag sich allenfalls von bewussten Wesen sagen lassen; für körperliche Dinge wie Erde oder Krüge passt es nicht.
5.12
naivaṃ ghaṭasya caitanyamasti jñānāt svakarmaṇi |
nājñātvā kartumiṣyeta tathācidavabodhanāt || 12 ||
Übersetzung: Antwort: Nein. Auch der Krug besitzt Bewusstsein, da er hinsichtlich seiner eigenen Tätigkeit Erkenntnis hat. Ohne Erkennen wäre ein Wirken nicht anzunehmen; so wird auch darin Bewusstsein festgestellt.
5.13
prakāśajñānajananājjanaḥ kartā jaḍe katham |
jaḍena vyajyate nāpi caitanyamajaḍātmakam || 13 || †
Übersetzung: Wie könnte im Unbewussten durch das Hervorbringen von offenbarender Erkenntnis ein Handelnder entstehen? Auch kann unbewusste Materie das seinem Wesen nach bewusste Bewusstsein nicht offenbaren. [Die Satzfügung der ersten Hälfte ist unsicher.]
5.14
cetanecchāvaśādbāhyasampatterajaḍaḥ katham |
tiṣṭhatyādikriyāyāṃ hi kartṛtvaṃ na jaḍe bhavet || 14 ||
Übersetzung: Wie könnte das Äußere unbewusst sein, wenn es nach dem Willen eines Bewussten zustande kommt? Bei Tätigkeiten wie „es steht“ gäbe es im Unbewussten kein Handelnd-Sein.
5.15
kartṛtvamupacārāccet kriyāyā apyasatyatā |
prayojyatvamathocyeta pravṛttaṃ hi pravartate || 15 ||
Übersetzung: Einwand: Das Handelnd-Sein wird nur übertragen zugeschrieben. Antwort: Dann wäre auch die Tätigkeit unwirklich. Soll das Ding lediglich in Bewegung gesetzt werden, so bewegt sich doch dasjenige, das zur Tätigkeit gebracht wird.
5.16
jānan kartāramātmānaṃ ghaṭaḥ kuryāt svakāṃ kriyām |
ajñāte svātmakartṛtve na ghaṭaḥ sampravartate || 16 ||
Übersetzung: Der Krug vollbringt seine eigene Tätigkeit, indem er sich selbst als den Handelnden kennt. Wäre ihm sein eigenes Handelnd-Sein unbekannt, würde er nicht tätig.
5.17
svakarmaṇi mamaitattadityajñānānna ceṣṭanam |
kūlaṃ pipatiṣati gorvyavahāraḥ prasiddhyati || 17 || †
Übersetzung: Ohne das Wissen „Dies ist meine eigene Tätigkeit“ gäbe es keine Regung. Der Sprachgebrauch „Der Uferhang will fallen“ ist bekannt. [Die Form gor im Sanskrit ist unklar; der Beispielsatz selbst ist lesbar.]
5.18
ghaṭāderbhavatā jñātamācaitanyaṃ kathaṃ yadi |
ceṣṭonmeṣādyabhāvāttanmūrchite kiṃ kariṣyasi || 18 ||
Übersetzung: Wie hast du das Nichtbewusstsein des Kruges erkannt? Wenn aus dem Fehlen von Bewegung und Augenaufschlagen: Was machst du dann mit einem Bewusstlosen?
5.19
prāṇādyunmeṣavirahādabhivyaktaṃ nu kasya tat |
sarvacaitanyavāde tu cārvāko'tra na siddhyati || 19 ||
Übersetzung: Wem ist jenes Fehlen von Bewusstsein allein aufgrund fehlender Lebensregungen und ähnlicher Zeichen offenbar? Aus der Lehre, alles sei Bewusstsein, folgt auch keine Bestätigung der materialistischen Charvaka-Lehre.
5.20
pratyekaṃ paramāṇau ceccaitanye'nekacetanāḥ |
ghaṭādayaḥ prasajyante paramāṇukathā nahi || 20 ||
Übersetzung: Einwand: Wenn jedes einzelne Atom Bewusstsein besitzt, wären Krüge und dergleichen mit vielen Bewusstseinen versehen. Antwort: Von selbstständigen Atomen ist hier gerade nicht die Rede.
5.21
tathā vā śivatattvasya sambhūterathavātathā |
ekaikaśo'sti caitanyamanabhivyaktarūpakam || 21 ||
Übersetzung: Ob das Shiva-Prinzip auf jene Weise hervortritt oder anders: In jedem Einzelnen besteht Bewusstsein, dessen Gestalt nicht ausdrücklich offenbar ist.
5.22
itaśca te'pi cidvantaḥ svātmani jñānayogataḥ |
svayameva na cejjñānamātmanyeṣāṃ prajāyate || 22 ||
Übersetzung: Auch deshalb sind jene Dinge bewusst, weil sie Erkenntnis ihrer selbst besitzen. Wenn Erkenntnis ihrer selbst nicht von ihnen selbst aus entstünde,
5.23
nānyathā grahaṇaṃ teṣāṃ devadattena cedbhavet |
devadatto'tra kiṃ kuryāccakṣuścet prerayedghaṭe || 23 ||
Übersetzung: könnten sie nicht anders erfasst werden. Einwand: Devadatta erfasst sie. Antwort: Was würde Devadatta hier tun? Wenn er das Auge auf den Krug richtet,
5.24
golakaṃ na prayātīha śakteravyatirekataḥ |
śaktimadbhogatāyāṃ vā tatraiva yadi vedanam || 24 ||
Übersetzung: geht der Augapfel nicht dorthin; seine Kraft ist nicht von ihm getrennt. Oder wenn der Kraftträger dorthin gelangt und die Erkenntnis dort stattfindet,
5.25
ātmano vyāpakatvena śarīre vyarthatā bhavet |
jaḍatvādathavā śaktastacchaktyā tadghaṭo bhavet || 25 || †
Übersetzung: wäre der Körper wegen der Allgegenwart des Selbst überflüssig. Oder ein unbewusstes Ding wird durch jene Kraft befähigt: Dann müsste der Krug gerade durch diese Kraft selbst befähigt sein.
5.26
purā śakterānayane cakṣuḥ śaktaṃ na veti vā |
tasyāpi śakteḥ kalpyatve bhavatyānantyasaṅgamaḥ || 26 ||
Übersetzung: War das Auge vor dem Herbeibringen seiner Kraft dazu fähig oder nicht? Muss auch für dieses Herbeibringen eine weitere Kraft angenommen werden, führt dies ins Endlose.
5.27
prākśakteratha sāmarthyaṃ śakteḥ śaktatvamāpatet |
manaso naca bāhye'sti tasyāpi prasaraḥ kvacit || 27 ||
Übersetzung: Besitzt es schon vor der Kraft ein Vermögen, wäre dieses selbst die Kraft der Kraft. Auch das Denken ist nicht draußen; es hat keine Ausbreitung nach außen.
5.28
śaktirghaṭe'tra kiṃ kuryādgṛhītvāntarathāviśet |
budhnodarādikaṃ tattu gṛhītvā naca yujyate || 28 ||
Übersetzung: Was würde die Kraft am Krug bewirken? Sollte sie ihn erfassen und dann nach innen eintreten? Doch seinen Boden, Bauch und die übrigen Teile mit sich zu nehmen ist unmöglich.
5.29
tathākāraguṇatvānna dravyācca calanaṃ pṛthak |
śakternacāpi tajjñānaṃ yena sā tannivedayet || 29 ||
Übersetzung: Denn seine Gestalt ist eine Eigenschaft; sie bewegt sich nicht getrennt von der Substanz. Auch besitzt jene Kraft keine eigene Erkenntnis, durch die sie den Krug mitteilen könnte.
5.30
antarviśati cecchaktirantarapyupalambhanam |
apraveśānna manasaḥ sambandha upapadyate || 30 ||
Übersetzung: Wenn die Kraft nach innen eintritt, müsste auch drinnen ein Erfassen geschehen. Da das Denken nicht in den Gegenstand eintritt, lässt sich keine Verbindung erklären.
5.31
vibhutvenendriyāṇāṃ te kiṃ vṛthaiva śarīratā |
cakṣuṣā cedarpitaṃ me manasātmanyathārpyate || 31 ||
Übersetzung: Wenn nach deiner Auffassung die Sinne allgegenwärtig sind, wozu dienen dann überhaupt Körper? Einwand: Was das Auge mir übermittelt, wird durch das Denken an das Selbst weitergegeben.
5.32
tadātmanyaparokṣatve bhavedāptavacaḥ sphuṭam |
ye vikalpāḥ śaktigatāste'pyāyānti manaḥ prati || [32] ||
Übersetzung: Antwort: Dann wäre das, was als unmittelbare Erkenntnis des Selbst gilt, offensichtlich eine Mitteilung aus zuverlässiger Quelle. Sollten auch Vorstellungen, die in der Kraft liegen, zum Denken gelangen,
5.33
cakṣūraśmigamatvaṃ cet sa pratyakṣo'rkaraśmivat |
bhāvānāṃ pratibimbatva ātmano'pi na yuktatā || 33 ||
Übersetzung: oder sollte ein Sehstrahl hinaustreten, müsste dieser wie ein Sonnenstrahl sichtbar sein. Auch die Annahme, die Dinge seien Spiegelbilder im Selbst, passt nicht,
5.34
pratibimbeṣvasatyatvādamūrteṣveṣvagocarāt |
tasmādghaṭaḥ svamātmānamavagacchannavasthitaḥ || 34 ||
Übersetzung: weil Spiegelbilder unwirklich sind und weil sie bei Unkörperlichem keinen Ort haben. Deshalb besteht der Krug, indem er sein eigenes Selbst erkennt.
5.35
tadaikyāttaccakṣuṣaiva prakriyā cet kathaṃ sthitā |
tathā śivasya sargādvā prakriyāyāstathātmanaḥ || 35 ||
Übersetzung: Einwand: Wenn Einheit besteht, weshalb geschieht die Wahrnehmung dann gerade durch das Auge? Antwort: Weil Shiva die betreffende Ordnung so hervorbringt, oder weil sie ihrem Wesen nach gerade so beschaffen ist.
5.36
andhāderanyadṛṣṭyātra ghaṭaḥ kiṃ prathate na cet |
śivatvasya tathā vyakterghaṭasyecchā tathāsti vā || 36 ||
Übersetzung: Einwand: Warum erscheint dem Blinden der Krug dann nicht durch das Sehen eines anderen? Antwort: Weil Shiva-Sein auf diese Weise offenbar wird; oder weil der Wille des Kruges entsprechend besteht.
5.37
icchāvattvamanenaiva nyāyenāsya nijāṃ kriyām |
anicchurna karotyevamata evāsti nirvṛtiḥ || 37 ||
Übersetzung: Durch dieselbe Begründung steht auch sein Wille fest: Seine eigene Tätigkeit vollbringt er nicht, ohne sie zu wollen. Eben deshalb besitzt er Erfülltheit.
5.38
nānirvṛtau pravarteta sphuṭe jñānakriye sthite |
karmaprabhavaṇatvāttatprabhutvamavadhāryate || 38 ||
Übersetzung: Ohne Erfülltheit würde er nicht tätig. Erkennen und Handeln sind deutlich vorhanden. Aus seiner Macht über das Wirken wird seine Herrschaft erkannt.
5.39
svecchākarmavimarśena svecchākarmatvamādṛtam |
sarve padārtharūpeṇa sāmānyenārthavattayā || 39 ||
Übersetzung: Durch das innere Erfassen des eigenen Wollens und Handelns steht fest, dass er nach eigenem Willen handelt. Alle Dinge sind aufgrund ihrer gemeinsamen Natur als Gegenstände, aufgrund ihres Gegenstands-Seins,
5.40
vyāpakā vyapadiśyante svakāryavyāpanādatha |
yadi te na svayaṅgrāhyā gṛhyante naiva cakṣuṣā || 40 ||
Übersetzung: als allgegenwärtig zu bezeichnen; oder weil sie ihre eigene Wirkung durchdringen. Würden sie sich nicht selbst erfassen, könnten sie auch durch das Auge nicht erfasst werden.
5.41
bāhyāvayavatadyogāttadantaraviyogataḥ |
paṭo gṛhītaḥ sakala iti na syāt pramā kvacit || 41 ||
Übersetzung: Da das Auge nur mit den äußeren Teilen verbunden ist und nicht mit den inneren, könnte niemals die gültige Erkenntnis entstehen: „Das Tuch ist als Ganzes erfasst.“
5.42
sarvajñatvamapraveśādvyavadhānādiyogataḥ |
nacānyāvayavatvena tadanyeṣvanumānatā || 42 ||
Übersetzung: Ein Erkennen des Ganzen wäre wegen des fehlenden Eindringens und wegen Verdeckungen unmöglich. Die anderen Teile könnten auch nicht bloß deshalb erschlossen werden, weil sie weitere Teile sind.
5.43
na cānyāvayavaiḥ sārdhaṃ sambandhagrahaṇaṃ purā |
tasmānnānyena gṛhyante pratyakṣeṇa kadācana || 43 ||
Übersetzung: Denn eine Verbindung mit den anderen Teilen wurde nicht zuvor erfasst. Daher werden Dinge niemals als völlig andere durch Wahrnehmung erfasst.
5.44
tatsthāna eva tajjñānā saṃvideṣā vimṛśyatām |
nacāpyastyanumānena pareṣāṃ grahaṇaṃ kvacit || 44 || †
Übersetzung: Man untersuche dieses Bewusstsein, das die Dinge an ihrem eigenen Ort erkennt. Auch durch Schlussfolgern werden andere Dinge niemals als völlig getrennte erfasst.
5.45
dhūmāttatra gṛhītaṃ kiṃ sāmānyaṃ naiva gṛhyate |
agrāhyatvāttasya tadā viśeṣe dūrataiva te || 45 ||
Übersetzung: Was wird dort aus Rauch erfasst? Ein Allgemeines wird nicht erfasst, da es zu dieser Zeit unzugänglich ist. Vom Besonderen wiederum bist du weit entfernt.
5.46
deśo'pi na gṛhīto'tra dhūmalekhānurūpataḥ |
nacāpi nimne hrasve vā niścayo'trāvagamyate || 46 ||
Übersetzung: Auch der genaue Ort wird nicht aus der Form der Rauchlinie erfasst; es ergibt sich keine Gewissheit darüber, ob er tief liegt oder niedrig ist.
5.47
atrāpi kvāpi vāstīti kalpanā kalpanaiva hi |
yatra yatra bhaveddhūmastatrāgnirityaniścayāt || 47 ||
Übersetzung: Die Vorstellung „Hier oder irgendwo muss es sein“ bleibt bloße Vorstellung. Aus „Wo Rauch ist, dort ist Feuer“ ergibt sich noch keine solche genaue Bestimmung.
5.48
tatrākāśe sthito dhūmo na vahneḥ kaṇamātrakam |
dhūmena vyāpito deśo bhavedagnimayo'khilaḥ || 48 ||
Übersetzung: Der Rauch steht dort im Luftraum, wo nicht das kleinste Teilchen Feuer ist. Sonst müsste der gesamte vom Rauch erfüllte Raum aus Feuer bestehen.
5.49
tadbudhnāvayavairvātha te'pi yāntyūrdhvatāṃ kṣaṇāt |
budhnastairnaca sambaddhaḥ kadāciccakṣuṣo bhavet || 49 ||
Übersetzung: Oder soll man von den untersten Teilen des Rauches ausgehen? Auch diese steigen sofort nach oben. Der unterste Bereich wäre für das Auge niemals mit ihnen verbunden,
5.50
sambandho grahakāle tu nacordhvāvayavairbhavet |
vahnerdūratarasthityā vahniśliṣṭeṣvalakṣyatā || 50 ||
Übersetzung: und im Augenblick des Erfassens bestünde keine Verbindung mit den oberen Teilen. Denn das Feuer ist weit von ihnen entfernt; die unmittelbar mit ihm verbundenen Rauchteile sind nicht erkennbar.
5.51
nacāpi vahnirjanakaḥ kāṣṭheṣveva hi darśanāt |
ata eva yatra vahnirbhāsvānno dhūmitā'tra tu || 51 ||
Übersetzung: Auch ist das Feuer nicht einfach der Erzeuger des Rauches, denn Rauch wird gerade bei Brennholz gesehen. Eben deshalb findet sich dort, wo ein Feuer hell lodert, nicht unbedingt Rauch.
5.52
sannidhānādathāgneśca cullyādeḥ sannidhirna kim |
dhūmena janyate jñānaṃ vahniratreti te yadi || 52 ||
Übersetzung: Oder soll die Nähe zum Feuer entscheidend sein? Warum dann nicht auch die Nähe zum Herd? Wenn nach deiner Auffassung aus Rauch die Erkenntnis entsteht „Hier ist Feuer“:
5.53
kutra te'nytra dṛṣṭatvāttaddṛṣṭeragnidṛṣṭatā |
atreti dharmitā kasya parvatādau samastake || 53 || †
Übersetzung: Wo genau? Weil man Rauch anderswo gesehen hat, soll sein Sehen zum Sehen des Feuers werden? Worauf bezieht sich das „hier“: auf den ganzen Berg und alles Weitere?
5.54
tatsāmastyasyāgrahaṇādadṛṣṭe dharmitā kutaḥ |
dṛṣṭaścet sarvaghaṭavattadaṅgasyāgnidarśanam || 54 ||
Übersetzung: Da dessen Ganzheit nicht erfasst wird, wie könnte Ungesehenes Träger der Bestimmung sein? Wäre es gesehen, müsste wie beim gesamten Krug auch das Feuer als sein Teil gesehen sein.
5.55
svārthānumānaṃ naivaṃ cenna śabdairantare sthitam |
agnireṣo'tra dhūmo vā darśayenna hyadarśane || 55 ||
Übersetzung: Einwand: Das Schlussfolgern für sich selbst verläuft nicht so. Antwort: Es liegt auch innerlich nicht bloß in Worten. Rauch könnte nicht „Dieses Feuer ist hier“ anzeigen, ohne dass es gesehen wird.
5.56
eṣa ityapadiśyeta tajjñānaṃ janayet katham |
karaṇatve kartrapekṣā kartṛtve tadapekṣatā || 56 ||
Übersetzung: Wie würde die Erkenntnis „dieses“ entstehen, wenn es nur hingedeutet wird? Als Werkzeug bedarf der Rauch eines Handelnden; als Handelnder bedarf er wiederum eines Werkzeugs.
5.57
vahnestu tatrāpekṣyatve janakatvaṃ vyavasthitam |
yacca yadviṣayaṃ jñānaṃ tajjanyaṃ tasya dṛṣṭavat || 57 ||
Übersetzung: Wird dafür das Feuer benötigt, steht gerade dessen Erzeuger-Sein fest. Eine auf einen Gegenstand gerichtete Erkenntnis entsteht aus diesem Gegenstand, wie beim Sehen.
5.58
dhūmādagnipratītiśca na cāyaṃ niyamaḥ sthitaḥ |
kakṣabhūrjādijo vahnirguhākāre jvalan gṛhe || 58 ||
Übersetzung: Auch gilt die Regel „aus Rauch Erkenntnis von Feuer“ nicht ausnahmslos. Ein aus trockenem Gras oder Birkenrinde entstandenes Feuer, das in einem höhlenartigen Haus brennt,
5.59
mahāntaṃ dhūmamutpādya tatkālaṃ vāriṇā hataḥ |
tatra kevaladhūmāsthā na vahniprāptirasti te || 59 ||
Übersetzung: kann viel Rauch erzeugen und sofort mit Wasser gelöscht werden. Dann bleibt nur Rauch vorhanden; das Feuer erreichst du dort nicht mehr.
5.60
tasmāttadvyapadeśe na vahniḥ svaṃ vinivedayet |
vīkṣyātmanā tathātmānaṃ vinītavadavasthitam || 60 || †
Übersetzung: Deshalb müsste das Feuer bei seiner Bezeichnung sich selbst zu erkennen geben, indem es durch sich selbst sein eigenes, entsprechend vorhandenes Wesen erfasst. [Die Schlusswendung vinītavat ist nicht eindeutig verständlich.]
5.61
etayaiva diśā dūṣyaṃ svabhāvādyamasaṃśayam |
parānumāne pakṣādau dharmāderbhedyabheditā || 61 ||
Übersetzung: Auf demselben Weg sind die Beweise aus Eigennatur und die weiteren Arten zu kritisieren. Beim Schlussfolgern für andere sind an der These und ihren weiteren Gliedern die Unterschiede von Bestimmung und Bestimmtem zu untersuchen.
5.62
anumānasyānyathānyairdūṣaṇā pravidhīyate |
avasthādeśakālānāmityādibhirudāhṛtaiḥ || 62 ||
Übersetzung: Andere kritisieren das Schlussfolgern auf andere Weise, mit angeführten Aussagen wie „wegen der Zustände, Orte und Zeiten“ und Ähnlichem.
5.63
yatra deśe ca kāle ca pravṛttistatra saṅgamaḥ |
tatraiva vyavahāritvasambandhāntaratāyataḥ || 63 || †
Übersetzung: An dem Ort und zu der Zeit, wo etwas wirkt, besteht der betreffende Zusammenhang. Gerade dort gilt der praktische Umgang; daraus ergibt sich ein jeweils anderer Zusammenhang.
5.64
na cāpi sthirabhāvānāṃ kvāpyasti vyabhicāritā |
sūryaḥ prakāśakaḥ kvāpi kāle deśe'nyathā bhavet || 64 ||
Übersetzung: Bei beständigen Dingen gibt es dagegen kein beliebiges Abweichen. Würde die Sonne, die Licht spendet, etwa an irgendeinem Ort oder zu irgendeiner Zeit anders sein?
5.65
śabdairarthāḥ pratīyante sarvatraivaṃ kva niścayaḥ |
sphoṭādarthapratītiśced vyajyate taiḥ kva nirṇayaḥ || 65 ||
Übersetzung: „Durch Wörter werden Bedeutungen verstanden“: Woher käme auch dafür überall Gewissheit? Soll Bedeutung durch Sphoṭa verstanden werden, wo steht fest, dass dieser durch die Laute offenbar wird?
5.66
tasyāpi sarvadeśyatvānniścayaḥ kena labhyate |
bhojanāderaceṣṭatve vyavahāravilopitā || 66 ||
Übersetzung: Da auch er an allen Orten gegenwärtig sein soll, wodurch gewinnt man Gewissheit? Würde man deshalb nicht mehr essen oder anderweitig handeln, bräche der praktische Umgang zusammen.
5.67
anumānaṃ na cāstīti pakṣādirnopayujyate |
gopālaghaṭikānyaiśca ghaṭitā na hyasambhavāt || 67 || †
Übersetzung: Auch wer sagt „Es gibt kein Schlussfolgern“, verwendet dafür These und andere Beweisglieder nicht folgerichtig. Der mit dem „Hirtengefäß“ und anderen Beispielen entworfene Einwand kommt wegen Unmöglichkeit nicht zustande.
5.68
na bhāṇḍe śakyate dhūmaḥ praveṣṭuṃ vahnivarjite |
tasmādvarṇanikaiveyaṃ parasyāndhyāya kalpitā || 68 ||
Übersetzung: Rauch lässt sich nicht in ein feuerloses Gefäß hineinbringen. Daher ist diese Schilderung bloß erfunden, um den Gegner irrezuführen.
5.69
yairuktaṃ siddhasādhyatvaṃ sāmānye tanna dūṣaṇam |
atreti tatprayogatvāddigdeśādyairviśeṣitā || 69 ||
Übersetzung: Der Einwand, beim Allgemeinen werde nur bereits Bewiesenes bewiesen, trifft ebenfalls nicht. Denn das „hier“ wird angewandt und durch Richtung, Ort und weitere Angaben näher bestimmt.
5.70
na sarveṣāṃ viśeṣāṇāṃ pratyakṣe'pi bhaved grahaḥ |
viśeṣapūrvatādhyakṣe'viśeṣo'styanumānataḥ || 70 ||
Übersetzung: Auch in der Wahrnehmung werden nicht alle Besonderheiten erfasst. Dass die Wahrnehmung vom Besonderen ausgeht, macht sie insofern nicht grundsätzlich anders als das Schlussfolgern.
5.71
ato nāstyanumānasya dūṣaṇādyaiḥ prabhāṣitaiḥ |
tena pūrvoktayā nītyā bhāvānāṃ svagrahaḥ sthitaḥ || 71 ||
Übersetzung: Darum gelingt mit den soeben angeführten Einwänden keine Widerlegung des Schlussfolgerns. Nach der früher dargelegten Begründung bleibt jedoch feststehen, dass Dinge sich selbst erfassen.
5.72
nāpyāptavacanagrāhyaḥ sāmānyādvā viśeṣataḥ |
sāmānyādanumānoktadūṣaṇaṃ tadviśeṣataḥ || 72 ||
Übersetzung: Auch aus zuverlässiger Aussage wird ein Gegenstand nicht als getrenntes Allgemeines oder Besonderes erfasst. Beim Allgemeinen gilt der schon beim Schlussfolgern genannte Einwand; beim Besonderen
5.73
pratyakṣatvaṃ prasajyeta tathāptatve'pyaniścayāt |
svātantryaṃ naca śabdasya racanātvena yujyate || 73 ||
Übersetzung: würde unmittelbare Wahrnehmung folgen. Zudem besteht keine unbedingte Gewissheit über die Zuverlässigkeit. Auch Selbstständigkeit des Wortes ist nicht schlüssig, da es zusammengesetzt wird.
5.74
tatrāpi vyañjakāpekṣā syāt parāyattataiva hi |
arthāpattyādinā nāpi tadanarhopayogataḥ || 74 ||
Übersetzung: Auch dort wäre ein Offenbarendes nötig; es bliebe also Abhängigkeit von anderem. Ebenso wenig leisten ergänzende Annahme und weitere Erkenntnismittel dies, weil ihre Anwendung dafür ungeeignet ist.
5.75
pratibhā ca pramāṇatve varṇyamānā na śobhate |
kākatālīyarūpatvādaśvādestaraṇādatha || 75 ||
Übersetzung: Auch die als Erkenntnismittel bezeichnete intuitive Eingebung überzeugt nicht: Sie kann wie das zufällige Zusammentreffen von Krähe und fallender Palmfrucht sein. Oder man verweist auf das Schwimmen von Pferden und anderen Tieren,
5.76
tadaharjātakasyāpi vāsanā sānyajanmajā |
tattajjātīyadharmo vā tathājñānasvabhāvatā || 76 ||
Übersetzung: selbst wenn sie erst an diesem Tag geboren sind. Das wäre eine Prägung aus einem früheren Leben, eine Eigenschaft der jeweiligen Art oder eine entsprechende angeborene Erkenntnisnatur.
5.77
vyāpakatvācchivatvasya sarvajñatvādbhavedatha |
tasmādetacca sañjñeyaṃ sarvaḥ svātmānamātmanā || 77 ||
Übersetzung: Oder es ergibt sich aus der Allgegenwart und Allwissenheit des Shiva-Seins. Deshalb ist dies zu erkennen: Jedes Ding kennt durch sich selbst sein eigenes Selbst
5.78
jānannavasthito dūre svargādau niraye'thavā |
pratyakṣādiprakriyāyāstathā śivakṛtasthiteḥ || 78 ||
Übersetzung: und besteht so, auch in der Ferne, im Himmel oder in der Hölle. Die Ordnung der Wahrnehmung und der weiteren Erkenntnismittel besteht, weil Shiva sie entsprechend eingerichtet hat.
5.79
nautarabhrāntināśādau samyagdṛṣṭisamudgamāt |
yamasainikasaddṛṣṭidharādeścalanodgamāt || 79 || †
Übersetzung: Das zeigt sich beim Aufhören einer Täuschung auf einem Boot durch das Aufkommen richtiger Sicht, beim Wahrnehmen der Boten Yamas sowie beim Auftreten einer Bewegung der Erde. [Die Verknüpfung dieser Beispiele ist in der Lesung unsicher.]
5.80
bhūkampanācca śeṣādicalanāccenna sarvataḥ |
gamāgamena vāyvādeḥ kānyā bhavati cetanā || 80 || †
Übersetzung: Einwand: Ein Erdbeben entsteht durch die Bewegung Sheshas und anderer Träger. Antwort: Dann bleibt doch durch das Kommen und Gehen von Wind und anderen Kräften überall Bewusstsein; welches andere Bewusstsein sollte es sein?
5.81
sarvatra devatātmatvājjaḍeṣvapyupavarṇitā |
potādeścedupāyena dṛṣṭe dīpādyupāyatā || 81 ||
Übersetzung: Überall wird selbst in vermeintlich unbewussten Dingen aufgrund ihrer göttlichen Natur Bewusstsein beschrieben. Einwand: Beim Boot und dergleichen wird dies nur mittels eines Hilfsmittels wahrgenommen. Antwort: Auch sonst dienen Lampen und ähnliche Dinge als Hilfsmittel.
5.82
tatra cet suprasiddhatve tathā tatra prasiddhitaḥ |
tulyakālaṃ dvayordvaidhaṃ naivaṃ yattadalakṣyatā || 82 || †
Übersetzung: Wenn dort allgemeine Bekanntheit angeführt wird, gilt auch hier die entsprechende Bekanntheit. Zwei verschiedene Wahrnehmungen zugleich ergeben keine Zweiheit des Wesens, nur weil das Gemeinsame nicht bemerkt wird. [Die Satzfügung bleibt unsicher.]
5.83
taddeśatvaṃ punaḥ kasmāditi cettattathāgrataḥ |
bhāvā mūrtāḥ sarva eva sūkṣmasūkṣmatarādinā || 83 ||
Übersetzung: Einwand: Weshalb befindet es sich gerade an jenem Ort? Antwort: Dazu später. Alle körperlichen Dinge sind über ihre feinen und immer feineren Teile
5.84
jñeyā avayavenaite yāvadyāvadadarśanāḥ |
aṇūnāmatha mūrtatvādevaṃ cet kiṃ na darśanam || 84 ||
Übersetzung: zu untersuchen, bis diese nicht mehr sichtbar sind. Wenn Atome körperlich sind, warum sind sie dann nicht sichtbar?
5.85
sūkṣmatvāttarhyadṛśyatvamaspṛśyatvamamūrtatā |
tairadṛśyairyadārabdhaṃ tattathaivātha saṃhateḥ || 85 ||
Übersetzung: Einwand: Wegen ihrer Feinheit. Antwort: Dann bedeuten Unsichtbarkeit und Unberührbarkeit eben Unkörperlichkeit. Was aus diesen unsichtbaren Teilen entsteht, müsste ebenso beschaffen sein. Oder durch ihre Zusammenfügung
5.86
dṛśyatvaṃ teṣu saṅghātāt kiṃ teṣāṃ rūpatākṣatiḥ |
svarūpamiśrībhāvo vā naivaṃ cettarhyamūrtatā || 86 ||
Übersetzung: würden sie sichtbar: Verlieren sie dann durch die Zusammenfügung ihre eigene Gestalt, oder vermischen sich ihre Naturen? Wenn beides nicht der Fall ist, bleibt Unkörperlichkeit.
5.87
ye tatra pṛṣṭhato vṛttāste pratyekamamūrtakāḥ |
amūrtatvena bhāvānāṃ darśanaṃ nānyathā bhavet || 87 ||
Übersetzung: Die auf der Rückseite befindlichen Teile wären jeder für sich unkörperlich. Daher beruht das Erscheinen der Dinge auf ihrer Unkörperlichkeit; anders ist es nicht erklärbar.
5.88
jñānasvarūpagrahāṇāṃ tadgrahāttadgrahaḥ kila |
atatsvarūparūpatve nānyasyānyagrahādgrahaḥ || 88 || †
Übersetzung: Wenn Erkenntnis und eigenes Wesen erfasst werden, soll dadurch das Ding erfasst sein. Wären sie nicht dessen eigenes Wesen, würde durch das Erfassen des einen nicht ein anderes erfasst.
5.89
evamindriyaśaktīnāṃ jñānamantaḥ praveśanāt |
sāmānyā mūrtatā vyāptā hyamūrtatvaṃ tadagrataḥ || 89 || †
Übersetzung: So verhält es sich auch mit der Erkenntnis der Sinneskräfte beim Eintritt nach innen. Die gemeinsame Körperlichkeit ist durchdrungen; jenseits davon besteht Unkörperlichkeit. [Die Verbindung der beiden Begriffe Körperlichkeit und Unkörperlichkeit ist textlich nicht abschließend geklärt.]
5.90
kathamākāraghaṭanā vyomni nityeva nīlatā |
ātmecchātaḥ sthitā bhāvāḥ sthitaivāsāvamūrtatā || 90 || †
Übersetzung: Wie entstehen dann Gestalten? Wie etwa die Bläue im Himmel. Die Dinge bestehen aus dem eigenen Willen des Selbst; dabei bleibt jene Unkörperlichkeit bestehen. [Die Vergleichswendung im ersten Halbvers ist knapp und sprachlich unsicher.]
5.91
māyīyatve jagati vā prākṛte vānyathāpivā |
amūrtakāraṇairyogāttanmūrtatvaṃ nivāryate || 91 ||
Übersetzung: Ob die Welt aus Maya hervorgeht, aus der Urnatur oder auf andere Weise: Wegen ihrer Verbindung mit unkörperlichen Ursachen wird eine selbstständige Körperlichkeit ausgeschlossen.
5.92
avidyāyogato vāpi śāktarūpatvato'pivā |
jñānasyāpi bahīrūpe śabdarūpe'pivā tathā || 92 ||
Übersetzung: Dasselbe gilt bei ihrer Verbindung mit Nichtwissen, bei ihrem Bestehen als Kraft, beim äußeren Erscheinen von Erkenntnis oder bei ihrer Natur als Wort.
5.93
etadeva hi yuktaṃ tu ghaṭāderbāhyamekataḥ |
kuḍyādinirgatāccaiva yogināṃ kvāpi darśanāt || 93 ||
Übersetzung: Gerade dies ist schlüssig hinsichtlich der äußeren Gestalt von Krügen und anderen Dingen. Auch sieht man zuweilen Yogins durch Mauern und ähnliche Hindernisse hindurchgehen.
5.94
agrakavyavadhānāderatha cetkāryanāśitā |
padārthavitprakriyayā prakriyā prakriyaiva sā || 94 ||
Übersetzung: Einwand: Das vorstehende Hindernis verhindert doch die Wirkung. Antwort: Dies ist ein Erklärungsverfahren der Gegenstandslehren; ein Erklärungsverfahren bleibt eben ein Erklärungsverfahren.
5.95
kāryasya nāśe tatkāryakārye tatkāryanāśitā |
kṣaṇalakṣāṇi jāyante kramāttattadvināśataḥ || 95 ||
Übersetzung: Wenn eine Wirkung vernichtet wird, müsste auch die Wirkung dieser Wirkung vernichtet werden. Durch die aufeinanderfolgenden Vernichtungen entstünden Hunderttausende von Augenblicken.
5.96
tathotpattau kṣaṇānantyamīśvarecchāvaśādatha |
kṣaṇa eko nacaivaṃ tacceśvarecchāvirodhakṛt || 96 ||
Übersetzung: Ebenso ergäbe sich beim Entstehen eine Unendlichkeit von Augenblicken. Einwand: Nach dem Willen des Herrn genügt ein Augenblick. Antwort: Eine solche Ordnung würde den Willen des Herrn vielmehr einschränken.
5.97
ekakṣaṇatvaṃ lakṣyasya bahukālasya nārhatā |
kṣaṇabhaṅgānnacaivaṃ hi sa nivārya ihāgrataḥ || 97 ||
Übersetzung: Ein lange beobachteter Vorgang lässt sich nicht auf einen einzigen Augenblick beschränken. Auch hilft die Lehre vom augenblicklichen Vergehen hier nicht; sie wird später widerlegt.
5.98
svaśaktyā ghanarūpatve śiva āste kvacittathā |
sthitaṃ sarvamamūrtatve sarveṣāṃ samatā sphuṭā || 98 ||
Übersetzung: Durch seine eigene Kraft besteht Shiva zuweilen in verdichteter Gestalt. Alles bleibt in seiner Unkörperlichkeit gegründet; die Gleichheit aller Dinge ist deutlich.
5.99
sarvajñatvādaśeṣasya tadaharjātadārake |
kṣīrādike nigalanāttadā kāle'pyaśikṣite || 99 ||
Übersetzung: Aufgrund der Allwissenheit von allem schluckt ein Kind noch am Tag seiner Geburt Milch und dergleichen, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nicht unterrichtet worden ist.
5.100
udarasthasya ca grāsagrahaṇānmāturantare |
aśikṣitānāṃ taraṇāt prāṇināṃ nimnagājalāt || 100 ||
Übersetzung: Ebenso nimmt das Kind im Mutterleib Nahrung auf, und Tiere durchqueren das Wasser eines Flusses, ohne es erlernt zu haben.
5.101
sarvajñatve na kiṃ sarve sarvajñāḥ syuḥ śarīriṇaḥ |
sarva eva hi sarvajñā manaḥsaṅkalpanāvaśāt || 101 ||
Übersetzung: Einwand: Wenn Allwissenheit besteht, müssten dann nicht alle verkörperten Wesen allwissend sein? Antwort: Alle sind tatsächlich allwissend kraft der Fähigkeit ihres Geistes, Vorstellungen zu bilden.
5.102
saṅkalpakena cittena tattajjñānamasaṃśayam |
saṅkalpānāṃ ca satyatvaṃ purastātpratipāditam || 102 ||
Übersetzung: Durch den vorstellenden Geist besteht die jeweilige Erkenntnis ohne Zweifel. Die Wirklichkeit der Vorstellungen wurde zuvor dargelegt.
5.103
sarvabhāvagrahaṇatāyogyatvādvā kramasthiteḥ |
pratyakṣādyairupāyairvā nirupāyatayāpivā || 103 ||
Übersetzung: Oder sie sind allwissend aufgrund der Fähigkeit, sämtliche Dinge nach und nach zu erfassen, mit Mitteln wie Wahrnehmung oder auch ohne ein solches Mittel,
5.104
tattadrūḍhivaśādvāpi sarvajñatvapravartanāt |
sarve sarvātmabhāvena sarvajñā vā vyavasthitāḥ || 104 ||
Übersetzung: oder aufgrund der jeweiligen gefestigten Verwirklichung, durch welche Allwissenheit wirksam wird. Oder alle bestehen als allwissend, weil alle das Selbst von allem sind.
5.105
sarve bhāvāḥ svamātmānaṃ jānantaḥ sarvataḥ sthitāḥ |
madātmanā ghaṭo vetti vedmyahaṃ vā ghaṭātmanā || 105 ||
Übersetzung: Alle Dinge bestehen überall, indem sie ihr eigenes Selbst erkennen. Durch mein Selbst erkennt der Krug; oder ich erkenne durch das Selbst des Kruges.
5.106
sadāśivātmanā vedmi sa vā vetti madātmanā |
śivātmanā yajñadatto yajñadattātmanā śivaḥ || 106 ||
Übersetzung: Durch das Selbst Sadashivas erkenne ich, oder er erkennt durch mein Selbst. Yajñadatta erkennt durch Shivas Selbst; Shiva durch Yajñadattas Selbst.
5.107
sadāśivātmanā vetti ghaṭaḥ sa ca ghaṭātmanā |
sarve sarvātmakā bhāvāḥ sarvasarvasvarūpataḥ || 107 ||
Übersetzung: Durch das Selbst Sadashivas erkennt der Krug, und jener durch das Selbst des Kruges. Alle Dinge haben das Wesen aller, weil jedes die eigene Natur aller besitzt.
5.108
sarvasya sarvamastīha nānābhāvātmarūpakaiḥ |
madrūpatvaṃ ghaṭasyāsti mamāsti ghaṭarūpatā || 108 ||
Übersetzung: Alles ist hier in jedem vorhanden, in den Gestalten der verschiedenartigen Dinge. Der Krug besitzt mein Wesen; ich besitze das Wesen des Kruges.
5.109
nānābhāvaiḥ svamātmānaṃ jānannāste svayaṃ śivaḥ |
cidvyaktirūpakaṃ nānābhedabhinnamanantakam || 109 ||
Übersetzung: Shiva selbst besteht, indem er in den vielfältigen Dingen sein eigenes Selbst erkennt: als Offenbarwerden von Bewusstsein, unendlich und in mannigfaltige Unterschiede entfaltet.
5.110
evaṃ sarveṣu bhāveṣu sarvasāmye vyavasthite |
tena sarvagataṃ sarvaṃ śivarūpaṃ nirūpitam || 110 ||
Übersetzung: Wenn so die Gleichheit aller Dinge in allen Dingen feststeht, ist damit alles als alldurchdringend und als Gestalt Shivas dargelegt.
Kapitel 5: Abschlussvermerk 1
iti śrīśivadṛṣṭau śrīmatsomānandaprabhupādaviracitāyāṃ
samatāpratipādakaṃ nāma pañcamamāhnikam || 5 ||
Übersetzung: Hier endet in der vom ehrwürdigen Somananda verfassten Shivadrishti das fünfte Kapitel namens „Darlegung der Gleichheit“.
Kapitel 6: überlieferte Überschrift
atha
śrīśivadṛṣṭau
ṣaṣṭhamāhnikam
Übersetzung: Nun das 6. Kapitel der ehrwürdigen Shivadrishti.
6.1
atha śakteḥ śaktimato na bhedo dravyakarmavat |
sthāpito dravyato bhinnā kriyā no naca nāsti sā || 1 ||
Übersetzung: Dass Kraft und Kraftträger nicht getrennt sind, wurde anhand von Substanz und Tätigkeit begründet. Tätigkeit ist nicht von der Substanz getrennt; dennoch ist sie nicht nichtvorhanden.
6.2
evaṃ tathā śaktimataḥ śaktasya samavasthitā |
jagadvicitratā śaive na punardarśanāntare || 2 ||
Übersetzung: So besteht in der Shiva-Lehre die Vielfalt der Welt im mächtigen Kraftträger selbst. In anderen philosophischen Auffassungen ist dies nicht ebenso begründet.
6.3
yathā prakalpitā citrā citrabrahmādivāditā |
nānātmavāditāṃ yāvattatsarvaṃ pravicāryatām || 3 ||
Übersetzung: Man untersuche deshalb all die unterschiedlich entworfenen Lehren, von einem vielfältigen Brahman bis zur Lehre von vielen Selbstwesen.
6.4
yatra brahmocyate citraṃ kaiścidvedāntavādibhiḥ |
ekasya citratā kena hetunā brahmaṇo bhavet || 4 ||
Übersetzung: Einige Vedanta-Vertreter nennen Brahman vielfältig. Aus welchem Grund könnte das eine Brahman vielfältig werden?
6.5
tathāvidhā vibhinnāste sarvadā nijabhāvataḥ |
vibhinnā eva te naikyaṃ mṛtpiṇḍāt prāgavasthiteḥ || 5 ||
Übersetzung: Wenn die Dinge von ihrer eigenen Natur her immer so verschieden sind, bleiben sie verschieden und bilden keine Einheit. Dass der Tonklumpen zuvor besteht,
6.6
ghaṭādīnāṃ dvirūpatvaṃ na ghaṭādeḥ sadāsthiteḥ |
nimittakalpanā kalpyā tarhyavidyā tadudgamāt || 6 ||
Übersetzung: begründet keine ewige doppelte Natur von Krügen und anderen Dingen, da der Krug nicht stets besteht. Dann müsste eine Ursache angenommen werden, etwa Nichtwissen; aus dessen Auftreten
6.7
bhāvā bhaveyustatprāptā hyasmākaṃ sarvasatyatā |
avidyāderayogaścettenaitadatiriktatā || 7 ||
Übersetzung: würden die Dinge entstehen. Damit wäre unsere Auffassung erreicht, dass alles wirklich ist. Wenn die Verbindung mit Nichtwissen und dergleichen ausgeschlossen wird, worin läge dann noch ein Unterschied zu unserer Lehre?
6.8
ye'nye vedāntavidvāṃsa ātmabrahmaiva viśvatām |
yātyupādānarūpatvāttathānye bhrāntirūpatām || 8 ||
Übersetzung: Andere Vedanta-Gelehrte sagen, das Selbst-Brahman werde zur Welt, weil es deren stoffliche Ursache sei. Wieder andere betrachten die Welt als Irrtum,
6.9
viśvaṃ na satyarūpatvaṃ tathānye tvātmavādinaḥ |
bhūtajīvaparātmatvaṃ ye cānye netivādinaḥ || 9 ||
Übersetzung: und nicht als wirklich. Andere Selbst-Lehren sprechen vom Selbst der Elemente, vom lebendigen Selbst und vom höchsten Selbst. Wieder andere vertreten das „Nicht dies“:
6.10
yasyāṃ pratītau netyasya prasaro na pravartate |
tadbrahmeti vadantyeka ye sphuliṅgātmavādinaḥ || 10 ||
Übersetzung: Brahman sei jene Erfahrung, auf die sich das Verneinen nicht mehr erstreckt. Andere lehren Selbstwesen wie Funken,
6.11
pratibimbatayā cānye ye vā sargamukhe svayam |
brahmaiva gṛhṇātyātmānaṃ tato bhedopapādanam || 11 ||
Übersetzung: andere wie Spiegelbilder. Oder sie sagen, Brahman erfasse beim Beginn der Schöpfung sich selbst und daraus entstünden die Unterschiede.
6.12
ityāhurye'pi krīḍārthamevamātmā vyavasthitaḥ |
ityūcurye'prabuddhatvaṃ paścādbrahma prabuddhyate || 12 ||
Übersetzung: Andere sagen, das Selbst bestehe so zum Zweck des Spiels. Wieder andere lehren, Brahman sei zunächst unerwacht und erwache später.
6.13
dehe dehe pṛthaktve tu tathā bhedo bhavātmakaḥ |
jaladhārāṃśumannyāyo yeṣāṃ vā samavasthitaḥ || 13 ||
Übersetzung: Bei einer Trennung von Körper zu Körper gäbe es wirkliche Verschiedenheit. Andere verwenden den Vergleich mit der Sonne in Wasserströmen.
6.14
avidyāṃ vettyavidyaiva badhnātyātmānameva vā |
saiveti vādo yeṣāṃ vā teṣāṃ vedāntavādinām || 14 ||
Übersetzung: Wieder andere sagen: Nichtwissen erkennt Nichtwissen, oder es bindet nur sich selbst. Bei all diesen Vedanta-Vertretern
6.15
sarveṣāmapyavidyaiva kalpyā brahmaṇi saṅgatā |
tathā bhāveṣvasatyatvamityavaśyamavasthitam || 15 ||
Übersetzung: müsste Nichtwissen als mit Brahman verbunden angenommen werden; ebenso wäre die Unwirklichkeit der Dinge unvermeidlich festgelegt.
6.16
pāñcarātravidaścānye vadanti pariniṣṭhitam |
brahmāsti vāsudevākhyaṃ sa eva jagadīśvaraḥ || 16 ||
Übersetzung: Andere, die Kenner des Pancharatra, sagen: „Es gibt das vollkommene Brahman namens Vasudeva. Er allein ist der Herr der Welt.
6.17
vidyāvidye dvayaṃ cāsya sādhanaṃ samavasthitam |
avidyayā jagatkuryādvidyayā mokṣayetpaśūn || 17 ||
Übersetzung: Wissen und Nichtwissen sind seine beiden Mittel. Mit Nichtwissen erschafft er die Welt; mit Wissen befreit er die gebundenen Wesen.
6.18
tābhyāṃ nacāsyoparāgaḥ prabuddhatvātprabhutvataḥ |
tathānyeṣāṃ svātmanaiva vidyayā jagadātmatā || 18 ||
Übersetzung: Von beiden wird er nicht beeinträchtigt, weil er erwacht und souverän ist.“ Nach anderen wird er durch sein eigenes Wissen selbst zur Welt.
6.19
na cāvidyā bādhikāsya yataḥ sādhanamasya sā |
proktaṃ bhagavato vīryeṇetyādyaistattvadarśanaiḥ || 19 ||
Übersetzung: Nichtwissen behindere ihn nicht, da es sein Werkzeug sei. Diese Sicht werde durch Aussagen wie „durch die Kraft des Erhabenen“ dargelegt.
6.20
gītāsu viśvarūpatvamata eva pradarśitam |
dvayorapyanayoryuktiḥ pakṣayornopapadyate || 20 ||
Übersetzung: Gerade deshalb sei in der Gita seine Weltgestalt gezeigt. Doch bei keiner dieser beiden Auffassungen ist die Begründung schlüssig.
6.21
avidyā vasturūpā cedvidyayā sākamekatā |
avastu vā nahyasatyaṃ satyarūpasya sādhanam || 21 ||
Übersetzung: Ist Nichtwissen etwas Wirkliches, besteht Einheit mit Wissen. Ist es unwirklich, kann Unwirkliches kein Werkzeug des seinem Wesen nach Wirklichen sein.
6.22
tathā jaghanyarūpāyāḥ sambandho'sya virudhyate |
tathā jagatsamutpattau nimittāntarakalpanā || 22 ||
Übersetzung: Auch widerspricht die Verbindung mit etwas Niedrigem seiner Natur. Zudem müsste für die Entstehung der Welt eine weitere Ursache angenommen werden.
6.23
avidyādernimittatve vedāntaiḥ sāmyamāgatam |
pakṣe dvitīye tādrūpyaṃ jaḍatvādiha tasya kaḥ || 23 || †
Übersetzung: Wenn Nichtwissen oder Ähnliches Ursache ist, ergibt sich Gleichheit mit den Vedanta-Lehren. Bei der zweiten Auffassung wiederum: Wer bewirkt aufgrund der angenommenen Unbewusstheit
6.24
karoti vidyāsaṃyogaṃ tarhyanyeśvarakalpanā |
ārhatāstu jino devo jīvāḥ santi pṛthak pṛthak || 24 ||
Übersetzung: die Verbindung mit Wissen? Dann müsste ein weiterer Herr angenommen werden. Die Jainas dagegen sagen: „Jina ist der Gott; es gibt einzelne, voneinander getrennte Lebewesen,
6.25
pratidehaṃ na vibhavaḥ te prabuddhāstu tanmayāḥ |
ityevamāhusteṣāmapyavidyāyogakalpanam || 25 ||
Übersetzung: jeweils in einem Körper, nicht allgegenwärtig. Erwachen sie, werden sie von seiner Natur.“ Auch bei ihnen muss eine Verbindung mit Nichtwissen angenommen werden.
6.26
svāvidyāprakṣayādarhandevo bhavati niścitam |
yeṣāṃ devo nirākāraḥ śūnya eva kimucyate || 26 ||
Übersetzung: Durch die völlige Vernichtung des eigenen Nichtwissens werde man gewiss zum göttlichen Arhat. Für jene, deren Gott ohne jede Gestalt ist: Warum sollte er nicht einfach leer genannt werden?
6.27
ye sāṅkhyā ātmasvātantryavādino ye'pyanīśvarāḥ |
tatrāpyastyavivekākhyo malo bandhavimokṣatā || 27 ||
Übersetzung: Bei den Samkhya-Vertretern, die die Selbstständigkeit der Selbstwesen lehren, und bei den Gottesleugnern besteht ebenfalls ein Makel namens Nichtunterscheidung; daraus werden Bindung und Befreiung erklärt.
6.28
pṛthaktvamīśvarasyāsti sarvātmabhyaḥ pṛthakkutaḥ |
nyāyavaiśeṣikāṇāṃ tu bandhamokṣau pṛthaksthitī || 28 ||
Übersetzung: Bei anderen ist Gott von allen Selbstwesen getrennt. Woher kommt seine Getrenntheit? Bei Nyaya und Vaisheshika bestehen Bindung und Befreiung als verschiedene Zustände.
6.29
prakṛtyādīśvaratvena sarvadaiva tadātmatā |
saṃvittiśūnyabrahmatvavādināṃ jaḍataiva sā || 29 || †
Übersetzung: Wo Urnatur und Ähnliches den Rang des höchsten Herrn erhalten, bleibt dessen Natur entsprechend beschaffen. Wer ein Brahman ohne Bewusstsein lehrt, setzt damit Unbewusstheit.
6.30
vadanti te hi sakalametannāradasaṅgrahāt |
kālakāraṇikānāṃ tu nāmatā jaḍatāthavā || 30 ||
Übersetzung: All dies wird unter Berufung auf den Naradasamgraha gesagt. Bei denen, die Zeit als Ursache lehren, bleibt entweder nur eine Benennung oder etwas Unbewusstes.
6.31
avyāptirantaḥkṛtyāderbhavetṣaḍdhāmavādinām |
tatra citpakṣapātaścet prāpnuyāt satataṃ grahaḥ || 31 || †
Übersetzung: Bei den Vertretern der sechs Bereiche fehlt die umfassende Erklärung innerer Vorgänge und weiterer Tätigkeiten. Wird dort dem Bewusstsein der Vorrang gegeben, müsste ein beständiges Erfassen folgen.
6.32
svargamuktivādināṃ tu bandhamokṣau vyavasthitau |
ye bāhyavādino bauddhāste bhedaṃ samupāśritāḥ || 32 ||
Übersetzung: Bei denen, die den Himmel als Befreiung lehren, bleiben Bindung und Befreiung bestehen. Buddhisten, die äußere Gegenstände annehmen, stützen sich auf Getrenntheit.
6.33
vijñānavādināṃ jñānaṃ satyaṃ pratyetyasatyatām |
bahiḥ kathaṃ nahyasatyaṃ satyādbhavitumarhati || 33 ||
Übersetzung: Bei den Vertretern einer reinen Erkenntnislehre ist Erkenntnis wirklich. Wie könnte sie nach außen zur Unwirklichkeit werden? Unwirkliches kann nicht aus Wirklichem entstehen.
6.34
kāmināṃ kathametacceduktā prāgasya satyatā |
jñānasya karaṇatvena kartrapekṣā prasajyate || 34 ||
Übersetzung: Einwand: Wie ist es dann mit den Vorstellungen Liebender? Antwort: Deren Wirklichkeit wurde zuvor erklärt. Als Werkzeug würde Erkenntnis einen Handelnden benötigen.
6.35
kartṛtve jñaptimātratve ākāṅkṣā karaṇe bhavet |
dvirūpatve viruddhatvasaṅkramatvaṃ pravartate || 35 ||
Übersetzung: Als Handelnder, wenn sie bloßes Erkennen ist, würde sie ein Werkzeug benötigen. Besäße sie beide Naturen, müsste ein Übergang zwischen widersprechenden Zuständen eintreten.
6.36
akramatve'smanmatatvaṃ tadaikyaṃ pariniṣṭhayā |
nacāpi kṣaṇabhaṅgitve yuktā vaināśikī sthitiḥ || 36 ||
Übersetzung: Ohne zeitliche Abfolge wäre damit unsere Lehre erreicht: ihre feststehende Einheit. Auch die buddhistische Auffassung augenblicklichen Vergehens ist nicht schlüssig.
6.37
ahaṃ vedmi sa māṃ vetti na kartṛkaraṇāditā |
jñānasyaikakṣaṇe yuktā taddvitvena kṣaṇakṣayaḥ || 37 ||
Übersetzung: „Ich erkenne; er erkennt mich“: Handelnder, Werkzeug und die weiteren Rollen können in der Erkenntnis nicht auf einen einzigen Augenblick beschränkt werden. Bei zwei solchen Momenten wäre die Augenblicksthese aufgehoben.
6.38
vibhāgakālagrahaṇakālayorbhinnakālatā |
vinaṣṭatvāt phalaṃ kasya kramātkarmaphale yataḥ || 38 ||
Übersetzung: Die Zeit der Gliederung und die Zeit des Erfassens sind verschieden. Wem käme das Ergebnis zu, wenn der frühere Moment schon vergangen ist? Handlung und Frucht folgen zeitlich aufeinander.
6.39
bhedavāniti lakṣyatve dṛṣṭānto'sti na tādṛśaḥ |
grāhyagrāhakasaṃvitterbhedavāniva lakṣyate || 39 ||
Übersetzung: Für etwas, das als wirklich geteilt erscheinen soll, gibt es kein passendes Beispiel. Aufgrund des Erkannten, des Erkennenden und des Erkennens erscheint es gleichsam geteilt.
6.40
naca śuddhasya bāhyārthābhāsatā cedavidyayā |
vāsanārūpayā śuddhe nāśuddhā vāsanā bhavet || 40 ||
Übersetzung: Einwand: Reine Erkenntnis erscheint durch Nichtwissen in Gestalt eingeprägter Eindrücke als äußere Gegenstände. Antwort: Im Reinen könnte keine unreine Prägung bestehen.
6.41
netrādivyāpṛteḥ pūrvaṃ ghaṭaṃ paśyāmi tādṛśī |
jāyate prathamaivecchā nāmājātasya yādṛśī || 41 ||
Übersetzung: Noch vor der Tätigkeit des Auges und der übrigen Sinne entsteht zuerst der Wille: „Ich will einen solchen Krug sehen.“ Wie könnte dieser bei etwas entstehen, das noch gar nicht entstanden ist?
6.42
jñānātpūrvamicchājāte jñātṛkalpanamujjvalam |
na ghaṭo nirviśeṣo'sti grahe yajjñātṛśuddhatā || 42 || †
Übersetzung: Wenn vor der Erkenntnis Wille entsteht, ist die Annahme eines Erkennenden deutlich begründet. Der Krug besteht beim Erfassen nicht ohne Besonderheiten; dadurch wird die behauptete Reinheit des bloßen Erkennens fraglich.
6.43
utpattikāle svātmānaṃ kimādau vetti vā bahiḥ |
pratibhāsasya vaicitryādyugapadgrahaṇaṃ katham || 43 ||
Übersetzung: Erkennt die Erkenntnis bei ihrem Entstehen zuerst sich selbst oder etwas Äußeres? Wie wäre wegen der Vielfalt des Erscheinenden ein gleichzeitiges Erfassen möglich?
6.44
krameṇa vā paricchede kṣaṇāntaramavasthitiḥ |
dṛṣṭvā tāṃ samparicchede kṣaṇadvaidhamathocyate || 44 ||
Übersetzung: Wenn das Bestimmen nacheinander erfolgt, müsste sie einen weiteren Augenblick bestehen. Wenn sie erst sieht und dann bestimmt, werden damit bereits zwei Augenblicke angenommen.
6.45
utpadyamāne vijñāne nārthaniṣpannatā matā |
nacārthajāte'vastutvaṃ nāvastugrahaṇādaraḥ || 45 ||
Übersetzung: Beim Entstehen der Erkenntnis gilt der Gegenstand noch nicht als hervorgebracht. Ist er aber entstanden, kann er nicht als unwirklich gelten; ein Erfassen von völlig Unwirklichem ist nicht anzuerkennen.
6.46
prakāśamaprakāśaṃ vā jñānaṃ tasya prakāśate |
vidyārūpādanāśitvaṃ nahi tattvaṃ vinaśvaram || 46 || †
Übersetzung: Ob Erkenntnis selbst offenbar oder nicht offenbar ist: Sie wird für ihn offenbar. Aufgrund ihrer Erkenntnisnatur ist sie unvergänglich; die grundlegende Wirklichkeit ist nicht vergänglich.
6.47
atha dīpaprakāśatve na nityatvaṃ na kartṛtā |
kartṛtā tatra dīpādeḥ karaṇatvaṃ tadīkṣaṇe || 47 ||
Übersetzung: Einwand: Wenn sie wie das Licht einer Lampe ist, besitzt sie weder Ewigkeit noch Handelnd-Sein. Antwort: Dort liegt das Handelnd-Sein bei der Lampe; beim Sehen ist das Licht Werkzeug.
6.48
prakāśatātmanyacale saca prokto'pyanaśvaraḥ |
jñānasya karaṇatvena bhaveccedanavasthitiḥ || 48 ||
Übersetzung: Das Licht-Sein ist in seinem eigenen Wesen unbewegt und wurde auch als unvergänglich bezeichnet. Einwand: Wenn Erkenntnis Werkzeug ist, droht ein endloser Rückgang.
6.49
dīpacakṣuḥ kramaphaladarśanāttadabādhakam |
bhāve kathaṃ vināśitvaṃ syādvinā kāraṇāntaram || 49 ||
Übersetzung: Antwort: Die aufeinanderfolgende Mitwirkung von Lampe und Auge beim Sehergebnis widerlegt sie nicht. Wie könnte ein Ding ohne eine weitere Ursache vergehen?
6.50
atha naśvararūpatvāttadrūpasyodbhavaḥ katham |
udbhavo naśvaratvaṃ ca dvau svabhāvau kathaṃ tathā || 50 ||
Übersetzung: Einwand: Weil es von vergänglicher Natur ist. Antwort: Wie entsteht dann diese Natur? Wie könnte es zwei Naturen besitzen: Entstehen und Vergänglichkeit?
6.51
naca naśyadavasthāyāṃ svākāryaṃ tasya yujyate |
kṛtvā kāryaṃ vinaśyeccet kṣaṇāntaramavasthitiḥ || 51 ||
Übersetzung: Auch im Zustand des Vergehens könnte es seine eigene Wirkung nicht hervorbringen. Vergeht es erst, nachdem es die Wirkung hervorgebracht hat, besteht es einen weiteren Augenblick.
6.52
kurvadvā cārthakāryatvaṃ kuto naśvararūpatā |
kāraṇāntarajanyatve kāraṇāntarasaṅgatā || 52 ||
Übersetzung: Oder es vollbringt währenddessen seine Wirkung: Woher käme dann seine notwendig vergehende Natur? Wenn dies durch eine weitere Ursache hervorgebracht wird, ist gerade eine weitere Ursache beteiligt.
6.53
bhāvasya bhāvajanane yuktatvaṃ na kṣaṇasthiteḥ |
na ghaṭādghaṭasambhūtiḥ samavāyādyapekṣayā || 53 ||
Übersetzung: Dass ein Ding ein Ding hervorbringt, lässt sich nicht durch ein bloßes Bestehen für einen Augenblick erklären. Aus einem Krug entsteht kein weiterer Krug, auch wenn man stoffliche und weitere Ursachen heranzieht.
6.54
naṣṭasya samavāyitvamanaṣṭasya ghaṭasya vā |
naṣṭasya tadakartṛtvamanaṣṭasya svarūpitā || 54 ||
Übersetzung: Soll der vergangene oder der noch nicht vergangene Krug die stoffliche Ursache sein? Der vergangene kann nicht handeln; der nicht vergangene besteht in seiner eigenen Gestalt.
6.55
yatsattatkṣaṇikatve'pi sattvamapyakṣagocaram |
sādṛśyādbhrāntamakṣaṃ cedaduṣṭaṃ prāggrahe yathā || 55 ||
Übersetzung: Auch bei „Alles Seiende ist augenblicklich“ ist das Sein den Sinnen zugänglich. Einwand: Die Sinne werden durch Ähnlichkeit getäuscht. Antwort: Beim ersten Erfassen gelten sie doch ebenso als ungestört.
6.56
dṛṣṭānte'pi hi sādṛśye pratyakṣeṇa kṣaṇagrahaḥ |
dīpajvālāsamūheṣu kampanaṃ na vināśitā || 56 ||
Übersetzung: Auch im Beispiel müsste die Augenblicklichkeit trotz Ähnlichkeit durch Wahrnehmung erfasst werden. Bei aufeinanderfolgenden Lampenflammen sieht man Bewegung, kein vollständiges Vergehen.
6.57
nāpi kramayaugapadyavikalpāḥ sahakāriṇām |
sannidhau kṛtaśaktitvādanekeṣāṃ tathāsthiteḥ || 57 ||
Übersetzung: Auch die Alternativen „nacheinander“ und „gleichzeitig“ widerlegen die mitwirkenden Ursachen nicht: In ihrer Zusammenkunft besitzen viele die entsprechende Wirkkraft.
6.58
bhāvānāṃ citraśaktīnāmabhedo hemabhedavat |
vailakṣaṇyamapūrvatvaṃ bāhyābhāsakriyodgamāt || 58 || †
Übersetzung: Die Dinge mit ihren vielfältigen Kräften sind ungetrennt wie die verschiedenen Goldformen. Besonderheit und Neuheit ergeben sich aus dem Auftreten einer Tätigkeit, die nach außen erscheint.
6.59
arthakriyāsamarthatve vastutā śuktikādike |
tatra sthitāvastutā cennoktatvādeṣu vastutā || 59 ||
Übersetzung: Wenn Wirklichkeit im Vermögen besteht, Wirkungen hervorzubringen, ist sie auch beim Muschelstück vorhanden. Soll dort dennoch Unwirklichkeit sein, lautet die Antwort: Ihre Wirklichkeit wurde bereits begründet.
6.60
ghaṭo naśyatyātmaneti kiñcitkurvan kimātmanā |
naśyatyātmanyakurvan vā tadevaṃ sthita eva saḥ || 60 ||
Übersetzung: „Der Krug vergeht von selbst“: Vergeht er, indem er selbst etwas tut, oder indem er nichts tut? Wenn er nichts tut, bleibt er auf diese Weise eben bestehen.
6.61
kurvan vā kiṃ tadā kurvan na bhāvaṃ tadghaṭādikāt |
ananyaṃ vyatiriktaṃ vā yarhyananyastathāvidhaḥ || 61 || †
Übersetzung: Wenn er etwas tut: Was tut er dann? Bringt er etwas hervor, das vom Krug nicht verschieden oder verschieden ist? Ist es nicht verschieden, bleibt es entsprechend dasselbe.
6.62
anyatve'nyasamutpattau ghaṭasyāyātamatra kim |
ātmanā parato vāpi vināśe'trāpi tādṛśāḥ || 62 ||
Übersetzung: Ist es verschieden, was hat der Krug davon, dass etwas anderes entsteht? Beim Vergehen durch sich selbst oder durch anderes ergeben sich wiederum dieselben
6.63
vikalpā athavā naśyedasāvetāvadeva sat |
tatrāpi kiñcitkurvankiṃ sa naśyati tathāvidhāḥ || 63 ||
Übersetzung: Alternativen. Einwand: Er vergeht einfach, mehr gibt es nicht. Antwort: Vergeht er dabei, indem er etwas tut? Dann kehren dieselben
6.64
vikalpāḥ punarāyānti nacābhāvakriyāṃ prati |
ghaṭa eva karaṇatve sāmagrī janiketi te || 64 ||
Übersetzung: Alternativen wieder. Soll der Krug selbst Werkzeug für die Erzeugung seines Nichtseins sein? Nach deiner Lehre ist es doch die Gesamtheit der Bedingungen, die erzeugt.
6.65
darśanaṃ yadyabhāvasya tucchasya karaṇaṃ katham |
bahubhistarhi tucchaṃ hi ghaṭo'pi janayetkatham || 65 ||
Übersetzung: Wenn dies deine Auffassung ist: Wie könnten viele Faktoren ein nichtiges Nichtsein hervorbringen? Wie könnte auch der Krug etwas Nichtiges erzeugen?
6.66
nāśaṃ ghaṭasya janayettatsambandhitayā sthitam |
mṛtpiṇḍasya ghaṭotpattau sati tajjananātmake || 66 ||
Übersetzung: Einwand: Er erzeugt sein Vergehen, das als mit ihm verbunden besteht. Antwort: Wenn der Tonklumpen beim Entstehen des Kruges eine hervorbringende
6.67
rūpe hetvantarāpekṣā yatra tatra tathā kṛtā |
ghaṭasya naśvarātmatve mudgarāderapekṣaṇam || 67 ||
Übersetzung: Natur besitzt, wird dennoch eine zusätzliche Ursache benötigt. Ebenso muss man beim vermeintlich von Natur aus vergänglichen Krug auf einen Hammer und andere Ursachen warten.
6.68
kiṃ vā nāśyaṃ na mṛtpiṇḍaṃ ghaṭasya janakaṃ bhavet |
tadanāśe na kiñcitsyādghaṭa eva na jāyate || 68 || †
Übersetzung: Was sollte auch zerstört werden? Sollte der Tonklumpen nicht den Krug erzeugen? Wenn er nicht vergeht, geschieht nichts; ein Krug entstünde dann gar nicht.
6.69
vināśe kāraṇānāṃ hi vināśaḥ kāraṇātmanā |
svayaṃ vinaśyenmṛtpiṇḍa evaṃ cetsa vinaśyati || 69 ||
Übersetzung: Beim Vergehen von Ursachen geschieht das Vergehen in der Natur der Ursache. Einwand: Der Tonklumpen vergeht von selbst. Antwort: Wenn er vergeht,
6.70
kiṃ vidhāya ghaṭaṃ no vā sa mṛtpiṇḍo'bhidhīyatām |
akṛtvākaraṇaṃ kumbhe kṛtvā tasya svarūpitā || 70 ||
Übersetzung: hat er dann zuvor einen Krug hergestellt oder nicht? Man möge es sagen. Ohne Herstellung ist er keine Ursache des Kruges; nach der Herstellung besteht er in dessen Gestalt.
6.71
kuto ghaṭasya jananākāranāmāvadhāraṇam |
yāvatā prāgdaśānaṣṭā na pravṛttirathānyathā || 71 || †
Übersetzung: Woher käme dann die Bestimmung des Kruges als Entstandenes und die Benennung seiner Ursache? Solange der frühere Zustand nicht vergangen ist, gibt es keinen Übergang; andernfalls wäre es anders.
6.72
virodhe daṇḍaghaṭayordṛṣṭānto'sti na te kvacit |
tejasā tamaso yasmānna vināśastvayeṣyate || 72 ||
Übersetzung: Für einen Widerspruch zwischen Stock und Krug besitzt du kein geeignetes Beispiel. Denn du nimmst nicht an, dass Licht die Dunkelheit als ein vorhandenes Ding vernichtet.
6.73
akāryatvādvināśasya pratibandho nacāpi te |
sthirasya pratibandhyatvāt kṣaṇikasya na yujyate || 73 ||
Übersetzung: Da Vergehen keine hervorgebrachte Wirkung sein soll, gibt es nach deiner Auffassung auch kein Hindernis dagegen. Nur Beständiges kann gehindert werden; bei Augenblicklichem passt dies nicht.
6.74
kapālādikajanyatvamabhāvastasya saṅgatā |
satyasya kāraṇāpekṣā ghaṭādijanane yathā || 74 ||
Übersetzung: Wenn statt dessen Tonscherben und dergleichen hervorgebracht werden, ergibt sich damit das Nichtsein des Kruges. Wirkliches bedarf einer Ursache, wie beim Hervorbringen eines Kruges.
6.75
naśvarānaśvaratve'pi svabhāve pravikalpanāḥ |
atra naiva pravartante hetusannidhinaśvarāḥ || 75 ||
Übersetzung: Auch hinsichtlich vergänglicher oder unvergänglicher Natur treffen jene Alternativen hier nicht zu: Die Dinge sind von Natur aus so, dass sie in Gegenwart der entsprechenden Ursache vergehen.
6.76
svabhāvatvātsthitaṃ tasmādekaṃ tattvaṃ tathāsthiteḥ |
bhedena vāpyabhedena yadi vā naikarūpatā || 76 ||
Übersetzung: Daher steht eine einzige Wirklichkeit fest, weil ihre Natur so besteht. Wenn dagegen bei Verschiedenheit oder Unverschiedenheit überhaupt keine gemeinsame Natur vorhanden wäre,
6.77
sāmānyābhāvatastarhi bhavato nānumānatā |
sā bhaviṣyatyapohena so'pi kenopapadyate || 77 ||
Übersetzung: gäbe es für dich wegen des Fehlens eines Allgemeinen kein Schlussfolgern. Einwand: Es wird durch Ausschluss möglich. Antwort: Wodurch wird auch dieser begründet?
6.78
ghaṭamānayaśabdasya pratiṣedhena vācyatā |
aghaṭāderapohena kiṃ ghaṭaṃ pratipadyase || 78 ||
Übersetzung: Soll die Bedeutung von „Bring den Krug!“ durch Verneinung bestimmt werden? Erkennst du den Krug durch den Ausschluss von Nicht-Krug und anderen Dingen,
6.79
śūnyatāṃ vā śūnyatāyāṃ vyarthatā śabdagocare |
yugapadvā ghaṭādyarthā jagatyānantyamāgatāḥ || 79 ||
Übersetzung: oder erkennst du Leere? Bei Leere wäre der Bereich der Wortbedeutung zwecklos. Oder würden zugleich unendlich viele Dinge wie Krüge in der Welt erfasst?
6.80
nivṛtte vācyasambandhe pradveṣo vidhigaḥ param |
aghaṭatvaṃ na sāmānyaṃ kiṃ na vā hyaviśeṣakam || 80 || †
Übersetzung: Wenn die Beziehung zum Bezeichneten aufgehoben wird, bleibt nur die Abneigung gegen eine positive Aussage. Ist Nicht-Krug-Sein kein Allgemeines? Oder warum nicht, wenn es doch ohne besondere Bestimmung ist?
6.81
tasyāpyavasturūpatve na kiñcitkathitaṃ bhavet |
etāvān vācyasambandho yadantaḥsphuraṇātmatā || 81 ||
Übersetzung: Wenn auch dieses unwirklich ist, wäre überhaupt nichts ausgesagt. So weit reicht die Beziehung zum Bezeichneten: Sie besteht im inneren Aufleuchten.
6.82
upalabdhiḥ punarjñeyā pramāṇāntaragocarā |
dhūmātsambandhato vahneḥ parokṣe sphuraṇaṃ na kim || 82 ||
Übersetzung: Das eigentliche Erfassen dagegen ist als Bereich eines weiteren Erkenntnismittels zu verstehen. Leuchtet das nicht unmittelbar gesehene Feuer nicht aufgrund der Verbindung mit Rauch auf?
6.83
apratyakṣo'kṣasambandho dūrasthaḥ śaktirūhyate |
tasmānna jñānaśūnyatvaṃ na śūnyaṃ copapadyate || 83 || †
Übersetzung: Eine nicht unmittelbar wahrgenommene Verbindung der Sinne mit dem Fernen wird als Kraft erschlossen. Deshalb ist weder eine Leere an Erkenntnis noch das Leere als solches schlüssig.
6.84
śūnyasya bodhābhāvatvāt kaḥ kenātra vibodhyate |
nahi śūnyasya śūnyena bodhanaṃ na ca bādhanam || 84 ||
Übersetzung: Wenn Leere das Fehlen von Erkennen ist, wer erkennt hier wen und womit? Ein Leeres kann durch ein Leeres weder erkannt noch widerlegt werden.
6.85
śūnyatve sati yujyeta pramāṇaṃ vopapadyate |
saṃvṛtyaiva saṃvṛtirhi nivāryā cedasaṅgamaḥ || 85 ||
Übersetzung: Wie könnte bei völliger Leere ein Erkenntnismittel möglich sein oder Geltung haben? Einwand: Konvention wird durch Konvention aufgehoben. Antwort: Eine solche Verbindung ist nicht möglich,
6.86
śūnyatve sati tasyāḥ syāttasmādbauddhamayuktimat |
anyatra yujyate'pohaḥ śabdārthānāmasaṅgamāt || 86 ||
Übersetzung: wenn auch die Konvention leer sein soll. Deshalb ist diese buddhistische Auffassung nicht schlüssig. In anderen Lehren mag Ausschluss erklärbar sein, weil Worte und Bedeutungen nicht ineinander enthalten sind.
6.87
sarvasya sarvabhāvatvādihāsau nopapadyate |
carmopamaścedityādi yadbauddhaiḥ samudāhṛtam || 87 || †
Übersetzung: Hier aber, wo alles das Wesen von allem besitzt, passt er nicht. Auch die von Buddhisten vorgebrachten Aussagen, die mit „Wenn es wie Haut wäre“ und Ähnlichem beginnen,
6.88
sarvatra sarvasaṃvittestatsarvaṃ vinivāritam |
vikalpā ye'pi cārvākairuktāste'pi na bādhakāḥ || 88 ||
Übersetzung: werden durch das Bewusstsein von allem in allem widerlegt. Ebenso sind die Einwände der Charvakas nicht hinderlich.
6.89
sarvatra sārabhūtatvātsarvatraivājaḍatvataḥ |
sarvabhāvasvabhāvatvādabhāvasyāpi bhāvataḥ || 89 ||
Übersetzung: Denn überall besteht ein wesentlicher Grund, überall Bewusstheit; alles besitzt das Wesen aller Dinge. Auch das Nichtsein hat ein Sein,
6.90
ghaṭātmakakaṭātmādeḥ padārthapadayogataḥ |
abhāvasya kapālādirūpatvādvastutā sthitā || 90 ||
Übersetzung: weil Krug, Matte und die weiteren Gegenstände unter „Gegenstand“ fallen. Das Nichtsein des Kruges besitzt als Tonscherben und dergleichen Wirklichkeit.
6.91
abhāvasyāpi vastutve na vināśo'sti kasyacit |
abhāvasyapi karaṇe sampattirnopapadyate || 91 ||
Übersetzung: Wenn auch Nichtsein wirklich ist, gibt es kein vollständiges Verschwinden von irgendetwas. Auch das Hervorbringen eines bloßen Nichtseins ist nicht schlüssig.
6.92
kuṇḍalādiṣu bhāveṣu sarvathaiva suvarṇatā |
vyāpterakhaṇḍitaivāste śivatā sarvagāminī || 92 ||
Übersetzung: Wie in Ohrringen und anderen Formen durch und durch Gold-Sein besteht, so bleibt das alldurchdringende Shiva-Sein wegen seiner Allgegenwart ungeteilt.
6.93
sarvajñānātirekatve sthite vakṣyasi kiṃ svake |
darśane yatra nānātvaṃ bandhamokṣāvudāhṛtau || 93 || †
Übersetzung: Einwand: Wenn feststeht, dass diese Erkenntnis alle anderen umfasst, was sagst du dann zu deiner eigenen Lehre, in der Vielheit, Bindung und Befreiung beschrieben werden?
6.94
malitvamātmanāṃ proktaṃ sarvabhāveṣu bheditā |
satyamuktamārurukṣostatkramapratipattaye || 94 ||
Übersetzung: Dort wird doch von der Beflecktheit der Selbstwesen und von Unterschieden unter allen Dingen gesprochen. Antwort: Richtig; das wird dem aufsteigen Wollenden gelehrt, damit er die Stufen nacheinander versteht.
6.95
anyathā hyekarūpatve vicikitsā pravartate |
vinā bodhaṃ prāthamike niryatnaśca bhavedasau || 95 ||
Übersetzung: Andernfalls entstünde bei einem Anfänger ohne Einsicht angesichts der Lehre von nur einer Wirklichkeit Zweifel; zudem würde er sich nicht mehr bemühen.
6.96
bandhamokṣādyabhāvena nirmalo'tra karoti kim |
naca vā pratyayaṃ gacchet jhaṭityekoktimātrataḥ || 96 ||
Übersetzung: „Wenn weder Bindung noch Befreiung besteht, was hätte ich als Unbefleckter hier noch zu tun?“ Oder er würde nicht plötzlich allein durch eine einzige Aussage zu Gewissheit gelangen.
6.97
tadarthamuktamīśena na parārthavivakṣayā |
anekeṣāmaṇūnāṃ ca kathamekatra saṃsthitiḥ || 97 ||
Übersetzung: Dafür hat der Herr jene Lehren ausgesprochen, nicht um eine andere höchste Wirklichkeit zu meinen. Wie könnten außerdem viele einzelne Selbstwesen an einem einzigen Ort bestehen?
6.98
amūrtatvādyadi bhavedamūrtatve'pi vastutā |
vastutve saṅkarotyeva nānāsattānuyogataḥ || 98 || †
Übersetzung: Einwand: Weil sie unkörperlich sind. Antwort: Auch als Unkörperliche wären sie wirkliche Wesen. Aufgrund der Verbindung vieler Existenzen ergäbe sich dann Vermischung. [Die Form saṅkarotyeva ist sprachlich unsicher.]
6.99
vyāpyaḥ sa deśa ekena vyāpyate'pyaparaiḥ katham |
paraspareṇa vyāpyatvādvyāpyavyāpakatā bhavet || 99 ||
Übersetzung: Wenn ein Ort von einem vollständig durchdrungen wird, wie könnte er auch von anderen durchdrungen werden? Bei gegenseitiger Durchdringung ergäbe sich zugleich Durchdringendes und Durchdrungenes.
6.100
vartate yadi tatrānyo na vyāpto'sau purāparaiḥ |
ākāśabuddhicittādeḥ kathamekatra cet sthitiḥ || 100 ||
Übersetzung: Wenn dort ein anderes hinzukommt, war der Ort zuvor nicht von den übrigen vollständig durchdrungen. Einwand: Wie bestehen dann Raum, Verstand, Denken und Ähnliches an einem Ort?
6.101
doṣo'yaṃ bhavatāmeva naivamasmāsu tādṛśaḥ |
sarvasya sarvadeheṣu vyāpakatvavyavasthiteḥ || 101 ||
Übersetzung: Antwort: Dieser Fehler trifft gerade eure Auffassung, nicht unsere. Denn bei uns steht fest, dass alles alle Körper durchdringt.
6.102
sarveṣāṃ sarvadehasthā saṃvitkena nivāryate |
karmaṇāmānurūpyāccet saṃvidbādhā na karmabhiḥ || [102] ||
Übersetzung: Wodurch könnte das Bewusstsein aller in allen Körpern verhindert werden? Einwand: Durch die jeweiligen Handlungen. Antwort: Handlungen können Bewusstsein nicht aufheben.
6.103
akarmahetuke'pyasti yogino'nyaśarīrake |
na śavatvaṃ śarīre syādanyātmasphuraṇasthiteḥ || 103 ||
Übersetzung: Auch ein Yogin ist in einem anderen Körper gegenwärtig, ohne dass dies durch dessen Karma verursacht wäre. Bei vielen Selbstwesen dürfte ein Körper zudem niemals zum Leichnam werden, da das Bewusstsein anderer Selbstwesen darin weiter aufleuchten müsste.
6.104
tatra karma nimittaṃ cedyogenāpyatra saṅkramaḥ |
ekabodho bodhaśatairabhibhūto bhavettadā || 104 ||
Übersetzung: Soll Karma dort die Ursache sein, erfolgt ein Eintritt doch auch durch Yoga. Ein einzelnes Bewusstsein würde dann von Hunderten anderer Bewusstseine überwältigt.
6.105
tadbādhe na paravyāptirna vāvyāptestadātmatā |
mokṣe'pi śivabāhulyānnānānāyakatā bhavet || 105 ||
Übersetzung: Wird jenes behindert, kann es keine Durchdringung durch die anderen geben; ohne Durchdringung besitzen sie aber nicht die behauptete Natur. Auch in der Befreiung gäbe es wegen der Vielheit von Shivas viele Herrscher.
6.106
tasyādhikamaheśitve mokṣe nyūnādhike sthitiḥ |
bahūnāṃ nāyakatve'pi nāyakatvaṃ vihanyate || 106 ||
Übersetzung: Wenn einer über größere Herrschaft verfügte, bestünden in der Befreiung Minderes und Höheres. Bei vielen Herrschern würde das Herrscher-Sein selbst beeinträchtigt.
6.107
tathā pañcavidhekṛtye nānātvādakriyā bhavet |
yānanyasadṛśī bhūmiḥ sā parā prāntabhūmikā || 107 || †
Übersetzung: Auch das fünffache Wirken würde aufgrund der Vielheit nicht zustande kommen. Jene Stufe, die keiner anderen gleicht, heißt die höchste abschließende Stufe.
6.108
yā punaḥ sarvasadṛśī sānusāryā kimucyate |
sarvajñatvena sarveṣāmekakāryānuvartanāt || 108 ||
Übersetzung: Warum sollte dagegen eine Stufe, die allen anderen gleicht, als zu erstrebende bezeichnet werden? Einwand: Aufgrund ihrer Allwissenheit folgen alle einer einzigen Tätigkeit,
6.109
saṃsārasyānupālyatvāddveṣādimalahānitaḥ |
athavā svātmavibhavaparamānandatṛptitaḥ || 109 ||
Übersetzung: um die Weltordnung aufrechtzuerhalten, da Makel wie Abneigung beseitigt sind. Oder sie sind durch die höchste Freude an der eigenen Herrlichkeit erfüllt,
6.110
tanniṣṭhatvāt pañcavidhakṛtyasyonmukhataiva no |
bhavenmuktātmabhede'pi sā tvanādau śive sthitā || 110 ||
Übersetzung: und ganz darin gegründet; deshalb wenden sie sich dem fünffachen Wirken nicht zu. Selbst bei einer Vielheit befreiter Selbstwesen bliebe dieses Wirken beim anfangslosen Shiva.
6.111
anuvṛttiḥ kimādhikyādrāgād vā tarhi dūṣaṇam |
anādiśivatattvasya svāmodaṃ kiṃ na vidyate || 111 ||
Übersetzung: Antwort: Folgen sie ihm wegen seiner Überlegenheit oder aus Zuneigung? Dann ergibt sich ein Fehler. Besitzt das anfangslose Shiva-Prinzip etwa keine eigene Freude?
6.112
tadapyasti kartṛtā cetteṣāṃ tattādṛśaṃ na kim |
atha rājño yathā rājyakarma vidadhataḥ sukham || 112 ||
Übersetzung: Einwand: Es besitzt sie und ist dennoch tätig. Antwort: Warum sollten dann jene nicht ebenso tätig sein? Einwand: Wie ein König bei der Ausübung seiner Regierungsgeschäfte
6.113
nijaṃ tasya na hīyeta tadvat paramakāraṇe |
yadi tattarhi mokṣe'pi viśeṣaḥ kiṃ nivāryate || 113 ||
Übersetzung: seine eigene Freude nicht verliert, so verhält es sich mit der höchsten Ursache. Antwort: Wenn das so ist, weshalb sollte ein entsprechender Unterschied in der Befreiung ausgeschlossen sein?
6.114
tathā tasya yathānyeṣāṃ yathānyeṣāṃ tathāsya tu |
tasmādanekātmatayā doṣā āyānti tādṛśāḥ || [114] ||
Übersetzung: Wie bei ihm, so bei den anderen; wie bei den anderen, so bei ihm. Deshalb entstehen solche Schwierigkeiten aus der Annahme vieler Selbstwesen.
6.115
tasmādekaśivatve'tra sthite naikasya bandhatā |
mokṣatā copapadyeta nirmalaṃ samalaṃ tathā || 115 ||
Übersetzung: Einwand: Wenn hier nur ein Shiva besteht, wären bei ein und demselben weder Bindung noch Befreiung erklärbar; ebenso wären eine reine und eine befleckte
6.116
rūpadvayaṃ yuktimatsyājjanmāderyugapanna ca |
sambhavaḥ syāttathārūpaśivatvādanyadarśane || 116 ||
Übersetzung: Gestalt nicht zugleich schlüssig. Auch Geburt und andere Vorgänge könnten nicht gleichzeitig bestehen. Antwort: Weil Shiva gerade so beschaffen ist, würde dieser Einwand andere Lehren treffen,
6.117
dūṣaṇaṃ samprasajyeta na tatheha kadācana |
ekatve bandhatādyasti dviṣaḥ kādiṣu te yathā? || 117 || †
Übersetzung: niemals aber unsere. In der Einheit bestehen Bindung und weitere Zustände ebenso wie bei deinen unterschiedlichen Fällen. [Die Vergleichswörter dviṣaḥ kādiṣu sind in der Vorlage unklar.]
6.118
ekasyaivātmano yadvadaṅgabhedo vicitratā |
yugapadbandhapīḍādistadvannānāśarīratā || 118 ||
Übersetzung: Wie bei einem einzigen Selbst durch die Verschiedenheit der Glieder Vielfalt und zugleich Fesselung, Schmerz und weitere Zustände bestehen können, so verhält es sich mit vielen Körpern.
6.119
sthite'pi vātra nānātve kaivalye na viśeṣatā |
eko'pi tatra vairūpo bahavo'pyekarūpiṇaḥ || 119 ||
Übersetzung: Selbst wenn Vielheit angenommen wird, besteht im befreiten Alleinsein kein wesentlicher Unterschied. Einer mag dort verschieden erscheinen; viele können dieselbe Natur besitzen.
6.120
sarvajñatvādirūpeṇa sarva eva śivāḥ sthitāḥ |
vyāpakāśca tathā sarve sarva evātmasaṃvidaḥ || 120 ||
Übersetzung: Alle bestehen aufgrund ihrer Allwissenheit und der übrigen Eigenschaften als Shivas. Alle sind allgegenwärtig, und alle erkennen ihr eigenes Selbst.
6.121
etasyāmapyavasthāyāṃ nāmabhedo na vidyate |
hataṃ kenaikarūpatvaṃ sāmānye'pi vyavasthite || 121 ||
Übersetzung: Auch in diesem Zustand gibt es keinen Unterschied der Bezeichnung. Wodurch wäre ihre Einheit aufgehoben, wenn selbst die gemeinsame Natur feststeht?
6.122
śivatve na viśeṣo'sti śāvaleyādivadyathā |
tāsu vyaktiṣu rūpādisanniveśādibhedataḥ || 122 ||
Übersetzung: Im Shiva-Sein gibt es keinen wesentlichen Unterschied. Bei einzelnen Kühen wie einer gescheckten und anderen bestehen zwar Unterschiede in Farbe, Anordnung der Merkmale und dergleichen,
6.123
vailakṣaṇyaṃ gavādīnāṃ na tathehāsti kiñcana |
mukteṣu nirviśeṣatvāt kenaikyaṃ tatra vāryate || 123 ||
Übersetzung: woraus ihre Verschiedenartigkeit entsteht. Hier aber gibt es nichts Entsprechendes. Da zwischen den Befreiten kein solcher Unterschied besteht, wodurch könnte ihre Einheit ausgeschlossen werden?
6.124
yugapatsarvakāryādvā sammatatvādamatsarāt |
tāvatā viśvasampatteḥ sarvajñatvādacitratā || 124 ||
Übersetzung: Oder weil sie alle Tätigkeiten gleichzeitig vollziehen, übereinstimmen und ohne Missgunst sind: Schon dadurch kommt die Welt zustande. Wegen ihrer Allwissenheit gibt es keine widerstreitende Vielfalt.
6.125
nānātmabhāve śaive vā śaive vābhedavādini |
sarvasya sarvarūpatvaṃ sarvātmatvamavāritam || 125 ||
Übersetzung: Ob in einer Shiva-Lehre vieler Selbstwesen oder in einer Shiva-Lehre der Ungetrenntheit: Dass alles alle Gestalten und das Selbst von allem besitzt, bleibt unabweisbar.
6.126
anantaśaktiyogitvādaluptatvāt svaśaktiṣu |
sthitaṃ śivatvaṃ sarvatra viśeṣācchaivavādinām || [126] ||
Übersetzung: Weil es mit unendlichen Kräften verbunden ist und seine Kräfte niemals verliert, besteht Shiva-Sein überall; gerade die Shiva-Lehrer haben dies besonders deutlich gemacht.
Unnummerierter Halbvers nach 6.126
ekatvena tato jñeyā śivatā sarvagocarā ||
Übersetzung: Daher ist das Shiva-Sein, das alles umfasst, als Einheit zu erkennen.
Kapitel 6: Abschlussvermerk 1
iti śrīsamadarśanānatirekaṃ nāma ṣaṣṭhamāhnikam || 6 || †
Übersetzung: Hier endet das sechste Kapitel namens „Kein Hinausgehen über die gleiche Sicht“. [Die genaue Wortgliederung des Kapiteltitels bleibt unsicher.]
‚Sukadev spricht über Samadhi und den Weg dorthin‘: ein heutiger Vortrag zur Vertiefung spiritueller Praxis aus dem Lehrkontext von Yoga Vidya.

Kapitel 7: überlieferte Überschrift
atha
śrīśivadṛṣṭau
saptamamāhnikam
Übersetzung: Nun das 7. Kapitel der ehrwürdigen Shivadrishti.
7.1
atha sthite sarvadikke śivatattve'dhunocyate |
tasmiñjñāte'thavājñāte śivatvamanivāritam || 1 ||
Übersetzung: Nachdem das Shiva-Prinzip als nach allen Richtungen gegenwärtig festgestellt ist, wird nun gesagt: Ob es erkannt wird oder unerkannt bleibt, das Shiva-Sein lässt sich nicht aufheben.
7.2
vahnirjñāto'thavājñātaḥ prakāśaṃ janayenna kim |
ajñātaṃ na suvarṇaṃ kiṃ tadā kimupalaṃ bhavet || 2 ||
Übersetzung: Erzeugt Feuer nicht Licht, ob es erkannt ist oder nicht? Ist unerkanntes Gold etwa kein Gold? Würde es deshalb zu einem Stein?
7.3
satyamevaṃ tathāpīha suvarṇaṃ jñātamātrakam |
mūlyādinopabhogāya dānārthamupayujyate || 3 ||
Übersetzung: Das ist richtig. Dennoch wird Gold, sobald es erkannt ist, aufgrund seines Wertes und seiner weiteren Eigenschaften zum Gebrauch und zum Verschenken verwendet.
7.4
cintāmaṇiravijñāto bhaveccintāmaṇiḥ sphuṭam |
tathāpi kāryabhogārthaṃ sa jñātaḥ kena vāryate || 4 ||
Übersetzung: Ein unerkannter Wunschedelstein ist gewiss ein Wunschedelstein. Dennoch: Wer könnte bestreiten, dass sein Erkennen zur Erlangung seiner Wirkungen nützlich ist?
7.5
sakṛjjñāte suvarṇe hi bhāvanā karaṇaṃ vrajet |
ekavāraṃ pramāṇena śāstrādvā guruvākyataḥ || 5 ||
Übersetzung: Bedarf es, wenn Gold einmal erkannt ist, noch einer vertiefenden Vorstellung als Mittel? Wenn durch ein Erkenntnismittel, die Schrift oder das Wort des Lehrers ein einziges Mal
7.6
jñāte śivatve sarvasthe pratipattyā dṛḍhātmanā |
karaṇena nāsti kṛtyaṃ kvāpi bhāvanayāpivā || 6 ||
Übersetzung: das in allem gegenwärtige Shiva-Sein mit fester Einsicht erkannt ist, bleibt weder durch ein weiteres Mittel noch durch vertiefende Vorstellung etwas zu tun.
7.7
jñāte'pi tarubhūmyādidārḍhyānna karaṇādikam |
bhūtale pratyayaṃ yāti na bhāvaḥ karaṇaṃ naca || 7 || †
Übersetzung: Auch nach dem Erkennen besteht angesichts der Festigkeit von Bäumen, Erdboden und dergleichen eine Überzeugung hinsichtlich der Erde; Gegenstand und Mittel [lassen sich im Satzanschluss dieser Strophe nicht sicher bestimmen].
7.8
tasmācchive'pyavijñāte jñāte vā śiva eva te |
sarva evāta evaitadbhāvanākaraṇāccyutam || 8 ||
Übersetzung: Deshalb sind alle jene Dinge Shiva, ob Shiva unerkannt oder erkannt ist. Eben darum hängt dies nicht davon ab, durch vertiefende Vorstellung erst hergestellt zu werden.
7.9
vijñātaṃ jāyate puṃsāṃ yadyapyevamavasthitam |
tathāpi citrakarmārthamupāyo vācya ādarāt || 9 ||
Übersetzung: Obwohl es so besteht und von Menschen erkannt wird, sollen dennoch Mittel zur Vollbringung mannigfaltiger Wirkungen sorgfältig erklärt werden.
7.10
tajjñānasphuṭatāhetau cintāratnasuvarṇavat |
vahniryadyapi vijñātaḥ prakāśādi karotyasau || 10 ||
Übersetzung: Sie dienen dazu, jene Erkenntnis deutlich werden zu lassen, wie beim Wunschedelstein und beim Gold. Feuer erzeugt zwar Licht und weitere Wirkungen, auch wenn es bereits erkannt ist;
7.11
tathāpi yojito yuktyā prakāśamadhikaṃ gṛhe |
dīpenānyatamenāpi na tathā vahnirāśinā || 11 ||
Übersetzung: doch richtig eingesetzt spendet es im Haus durch eine einzelne Lampe mehr Licht als durch einen bloßen Feuerhaufen.
7.12
tasmādupāyo vaktavyo dṛṣṭakāryaprasiddhaye |
tataḥ svātmakriyaunmukhyamicchāprathamakodgamaḥ || 12 ||
Übersetzung: Deshalb ist ein Mittel zu erläutern, um eine sichtbare Wirkung zu erreichen. Zunächst besteht die Hinwendung zur eigenen Tätigkeit, das erste Hervortreten des Willens.
7.13
samastacitrakāryāntargarbhiṇī śimbikākṛtiḥ |
svarūpāhlādanirmuktirahitecchodayodgamaḥ || 13 ||
Übersetzung: Wie eine Samenhülse trägt es sämtliche vielfältigen Wirkungen in sich. Es ist das Aufsteigen des Willens, ohne dass dabei die Freude am eigenen Wesen verlassen wird.
7.14
śavalā citirucyeta parasya pararūpiṇī |
sā śaktiḥ parameśasya saṃsthitā dravyakarmavat || 14 ||
Übersetzung: Dies heißt das vielfältig gefärbte Bewusstsein, die höchste Gestalt des Höchsten. Es ist die Kraft des höchsten Herrn und besteht wie Tätigkeit zur Substanz.
7.15
na dravyavyatiriktāsti kriyā naca na vidyate |
na tayāpi vinā kāryaṃ kiñcanāpi hi jāyate || [15] ||
Übersetzung: Tätigkeit ist nicht von der Substanz getrennt, und dennoch ist sie vorhanden. Ohne sie entsteht auch nicht die geringste Wirkung.
7.16
nacāpi kevalāddravyāt kiñcanāpi pravartate |
tasmāditthamiha jñeyaṃ śāktaṃ rūpabhedavat || 16 ||
Übersetzung: Ebenso geht aus bloßer Substanz allein nichts hervor. Daher ist die Gestalt der Kraft hier als Trägerin der unterschiedlichen Formen zu verstehen.
7.17
prathamodaya icchāyāḥ sarvabhāvaikyadeśyatā |
sa eva śāktabodhātmasvacchāvayavarūpavān || 17 ||
Übersetzung: Im ersten Aufgehen des Willens sind alle Dinge an einem Ort vereint. Dieser Zustand besitzt eine klare Gliederung, deren Wesen das Bewusstsein der Kraft ist.
7.18
svānandaikarasāhlādī svakāryārthaśarīravān |
tathāsthitasya dhyānena bodhādvā tatsvarūpabhāk || [18] ||
Übersetzung: Er erfreut sich einzig am Geschmack der eigenen Glückseligkeit und trägt die Gegenstände seiner Wirkungen als seinen Leib. Wer über diesen Zustand meditiert oder ihn erkennt, erhält Anteil an seiner Natur.
7.19
tasyecchāspandanaṃ pūrvanyagbhāvo hlādasaṅgamaḥ |
bhūpabhūpatiśaktyābhamagnyaṃ tatpūrṇacillayāt || 19 || †
Übersetzung: Seine Willensregung tritt zunächst zurück und verbindet sich mit Freude; sie gleicht der Kraft eines Herrschers und eines Oberherrschers. [Die Wendung agnyaṃ ist nicht sicher verständlich.] Durch das Aufgehen im vollen Bewusstsein
7.20
yāti vyāptiṃ tathābhūtāṃ śāmyadāmodasatkriyām |
śāntānandavapuḥ svaccha urarīkṛtadṛkkriyaḥ || 20 ||
Übersetzung: gelangt er zu einer solchen allumfassenden Gegenwart, in der die Tätigkeit der Freude zur Ruhe kommt: klar, von stiller Glückseligkeit und mit aufgenommenem Erkennen und Handeln.
7.21
madhyavyomaśāntabodhabharalabdhodayaḥ śivaḥ |
tasyāpi vidyudālokavadabhedavatī calā || 21 ||
Übersetzung: Shiva tritt in der Fülle stillen Bewusstseins im Raum der Mitte hervor. Seine Kraft wiederum ist beweglich wie das Aufleuchten eines Blitzes und dennoch ungetrennt,
7.22
bhāvisvabhedatatkṛtyajñānapraunmukhyavartinī |
nijabhāvakṛtasṛṣṭitadanugrahacetanā || 22 ||
Übersetzung: gerichtet auf das Erkennen der kommenden eigenen Unterschiede und ihrer Tätigkeiten; sie ist das Bewusstsein, durch die eigene Natur zu erschaffen und den Erscheinungen Gnade zuzuwenden.
7.23
bhāsate'vasthitā śaktiḥ śaivī śaivārthadāyikā |
tataḥ saiva svayaṃ bāhyakāryaprākkalanātmikā || 23 ||
Übersetzung: So leuchtet die Shiva-Kraft auf, die Shivas Wesen verleiht. Danach ist sie selbst das Vorentwerfen der äußeren Wirkungen,
7.24
nyagbhūtecchā jñānamayī spandanāvitatāṅginī |
vidyāmantrakalākalpyadehasampiṇḍitodbhavā || 24 ||
Übersetzung: erkenntnishaft, während der Wille zurücktritt; ihr Leib entfaltet sich als Regung. Sie tritt verdichtet in einem Körper hervor, der durch Vidyas, Mantras und Wirkkräfte gestaltet ist.
7.25
tejaḥkaṇaprasaravadupalabhyā viyatyalam |
sthitiḥ sādāśivī cāsāvadhikārābhimānatā || [25] ||
Übersetzung: Sie ist deutlich im Raum wahrnehmbar wie das Ausstrahlen von Lichtteilchen. Dies ist der Zustand Sadashivas. Durch das Bewusstsein eines besonderen Wirkungsbereichs
7.26
samalā tatsamāśleṣāt sarveśitvasamudgamaḥ |
tasya śaktipradīpasya kiraṇābhodyamapradā || 26 ||
Übersetzung: ist er mit einer Begrenzung verbunden; durch ihre Aufnahme entsteht die Herrschaft über alles. Seine Kraftlampe verleiht einen Aufschwung wie das Hervortreten von Strahlen.
7.27
tataḥ sthūlairmantramayairaṅgaiḥ sarvakriyāparā |
bhavatīśvararūpeṇa svakāryākhilarūpiṇī || 27 ||
Übersetzung: Dann ist sie mit gröberen, aus Mantras bestehenden Gliedern allen Tätigkeiten zugewandt und wird in der Gestalt Ishvaras zur gesamten Gestalt ihrer Wirkungen.
7.28
tasyāpi śaktirmṛtpiṇḍaghaṭavadviśvatāṃ gatā |
yāvadyāvattaredvidyāmāyādighanapārthivam || 28 ||
Übersetzung: Auch seine Kraft geht in die Welt über wie der Tonklumpen in den Krug, bis hin zu den Ebenen von Erkenntnis und Maya und zum festen Irdischen.
7.29
tattvaṃ devastathā tāvadbhāvaśaktyā ghaṭādike |
nijaśaktisamāviṣṭerāyānti śivasampadaḥ || 29 ||
Übersetzung: So weit das Prinzip reicht, so weit ist auch der Gott durch die jeweilige Kraft in Krügen und anderen Dingen gegenwärtig. Durch das Eingehen in die eigene Kraft kommen die Vollkommenheiten Shivas hervor.
7.30
kriyāśaktiparātmatve kvacitpiṇḍaśivātmatā |
kvacidantaḥkṛtau jñānādbhavetpadaśivātmatā || 30 || †
Übersetzung: Im höchsten Wesen der Handlungskraft besteht zuweilen Piṇḍa-Shiva, Shiva als verdichtete Gestalt; bei innerem Wirken durch Erkenntnis zuweilen Pada-Shiva, Shiva als gegliederter Ausdruck.
7.31
icchāmātre rūpaśivastaraṅge tadatītatā |
kartṛmātre sarvabhāvavyatītaśivabhāvatā || 31 || †
Übersetzung: Im bloßen Willen besteht Rūpa-Shiva, Shiva als Form; in der Regung das Darüberhinaus. Im reinen Handelnden besteht das Shiva-Sein jenseits aller Erscheinungen.
7.32
dṛḍhāṅguliniveśena dṛḍhasthūlanirīkṣaṇāt |
bhramato bhāvacalanāt plavācca prekṣaṇākṣateḥ || [32] ||
Übersetzung: Durch festen Fingerdruck, durch festes Betrachten grober Gegenstände, durch Drehen, durch Bewegung eines Gegenstandes, durch Springen und durch eine Beeinträchtigung des Sehens
7.33
puro'ṇupuñjabhrāntyāptyā cittvalābho jaḍeṣvapi |
sarvacitkṣepataḥ sāmyātsarvatrecchātra īdṛśī || 33 ||
Übersetzung: erscheint davor eine wirbelnde Menge kleinster Teilchen; so wird Bewusstheit selbst im vermeintlich Unbewussten erkannt. Durch das Hineintragen von Bewusstsein in alles besteht Gleichheit; überall ist der Wille in dieser Weise gegenwärtig.
7.34
pratītyudgamakāle tu sārvabhāvyādasau vibhuḥ |
sṛṣṭānubhavado rūḍheramūrtajñānacillayāt || 34 || †
Übersetzung: Beim Aufgehen einer Erfahrung ist er allgegenwärtig, weil er das Wesen aller Dinge besitzt. Durch gefestigte Erfahrung gewährt er die Erfahrung des Hervorgebrachten und das Aufgehen im unkörperlichen Erkennen und Bewusstsein. [Die Satzfügung ist unsicher.]
7.35
jñānayogasamudyuktilīnatvena kriyāgamaḥ |
icchātaḥ kāntitejobhistatkartṛtvamaheśatā || 35 || †
Übersetzung: Durch das Aufgehen im Aufschwung der Verbindung mit Erkenntnis wird Handlung erreicht; durch Wille, Glanz und Energie erscheinen Handelnd-Sein und große Herrschaft.
7.36
saṃviddehatadgatatve saṃvitsvātantryamāpatet |
toṣe nirvṛtiyogo vā dārḍhyāt svātantryametayoḥ || [36] ||
Übersetzung: Wenn der Leib und das darin Befindliche als Bewusstsein erkannt werden, ergibt sich die Freiheit des Bewusstseins. Oder in Zufriedenheit besteht die Verbindung mit Erfülltheit; durch Festigung zeigt sich in beiden Freiheit.
7.37
duḥkhāsaktyānyathāsaktyā sukhe nirvṛtibhūmitā |
jaḍakāyāṅganicaye maddārḍhyocitacintayā || 37 || †
Übersetzung: Durch Hinwendung zum Schmerz oder zu anderem und durch Glück zeigt sich der Grund der Erfülltheit. In der Ansammlung der Glieder eines vermeintlich unbewussten Körpers geschieht dies durch eine Betrachtung, die dem festen Bewusstsein „mein“ entspricht.
7.38
jaḍāśeṣapadārthātmarūḍhestadbodhapūrṇatā |
nijābhimānasaṃsṛṣṭe svaśarīre mahodayāt || 38 ||
Übersetzung: Durch die Verwurzelung im Selbst aller vermeintlich unbewussten Gegenstände entsteht die Fülle ihrer Erkenntnis, wie durch das machtvolle Aufgehen im eigenen Körper, der mit der eigenen Selbstzuschreibung verbunden ist.
7.39
anyadehe tathāvṛttestathā buddhiviśiṣṭatā |
bhāvanātītanirmūlasatkāryādivisargavat || 39 || †
Übersetzung: Entsprechendes Wirken in einem anderen Körper führt zu einer besonderen Erkenntnis. Wie ein Hervorbringen wirklicher Wirkungen, das über bloße Vorstellung hinausgeht und keinen äußeren Grund benötigt,
7.40
tattadbhāvabharāsaktestattannirmāṇamānatā |
lasadagrasphurattejaḥ kaṇasattodbhavo mahān || 40 ||
Übersetzung: so ergibt sich durch volle Hinwendung zum jeweiligen Ding das Maß seiner Hervorbringung. Groß ist das Auftreten aufleuchtender Lichtteilchen, die sich vor einem zeigen.
7.41
devatāhemanirmāṇasannidhānasphuṭārthatāḥ |
sāmmukhyavṛttidehāntaratirāgamahāguṇāḥ || 41 || †
Übersetzung: Dazu gehören das Hervorbringen und die Gegenwart von Gottheiten und Gold, das deutliche Erscheinen von Gegenständen, das Sichzuwenden sowie bedeutende Eigenschaften von Zuneigung und Verlangen in anderen Körpern. [Die Gliederung der Aufzählung ist unsicher.]
7.42
dehāntareṣu saṅkrāntiḥ parityāgo'pareṣvapi |
antarmukhamukhākṣyādikramagocaracidgateḥ || 42 ||
Übersetzung: Es gibt das Eintreten in andere Körper und das Verlassen von Körpern. Wenn Bewusstsein nach innen gerichtet den Bereich von Mund, Augen und weiteren Gliedern durchläuft,
7.43
saṃsparśatastadudbodha anyatrāpi tathā sthitiḥ |
svadehe devadṛḍhatā nāgādidamanārhatā || 43 ||
Übersetzung: wird durch Berührung deren Bewusstsein geweckt; ebenso kann dies anderswo bestehen. Durch die Festigkeit der Gottheit im eigenen Körper entsteht das Vermögen, Nagas und andere Wesen zu bändigen.
7.44
tathā sakalarūpāṇāṃ bhāvanaiva tathā svayam |
nijāntaḥ sṛṣṭibāhyasthasthūlasannidhiyogataḥ || 44 ||
Übersetzung: Ebenso erfolgt die Vergegenwärtigung sämtlicher Gestalten von selbst, weil inneres Hervorbringen und die Gegenwart grober äußerer Gegenstände miteinander verbunden sind.
7.45
ātmano mahimā jñeyastataḥ sṛṣṭeranantatā |
sthūlabhāvādavibhrāntadṛṣṭipātāttadekatām || 45 ||
Übersetzung: Darin ist die Herrlichkeit des Selbst zu erkennen; deshalb ist die Schöpfung unbegrenzt. Durch einen unverwirrten Blick auf einen groben Gegenstand wird man zu dessen Einheit
7.46
prāpito jagadaikyaṃ ca samantādavakalpate |
yatra tatrāpi viśrāntilīnaṃ śakticatuṣṭaye || [46] || †
Übersetzung: geführt und stellt ringsum die Einheit der Welt fest. Wo immer das Weltall ruhend in der Vierheit der Kräfte aufgeht,
7.47
viśvamekasvarūpeṇa rūpeṇa pratipadyate |
śivabhāvanayauṣadhyā baddhe manasi saṃsṛteḥ || 47 ||
Übersetzung: wird es in einer einzigen eigenen Gestalt erkannt. Wird der Geist durch das Heilmittel der Shiva-Vergegenwärtigung gebunden und aus dem Daseinskreislauf heraus
7.48
kāṣṭhakuḍyādiṣu kṣipte rasavacchivahematā |
tattattattvabalāveśāt sarvavastvekarūpiṇam || 48 ||
Übersetzung: auf Holz, Mauern und andere Dinge gerichtet, entsteht das Shiva-Gold wie bei Quecksilber. Durch das Eingehen in die Kraft der jeweiligen Wirklichkeit gestaltet man das Selbst als eines mit allen Dingen,
7.49
sthairyeṇābhāvabhāvānāmātmānaṃ nirmiṇoti saḥ |
svaśarīre dṛḍhā śaktiḥ prāptākṣyādividheyatām || 49 ||
Übersetzung: fest in Seiendem und Nichtseiendem. Im eigenen Körper besteht eine gefestigte Kraft, der Augen und andere Organe folgen.
7.50
tadvadanyatra bhāvādau svātmaśaktyā kilādhipaḥ |
sarvabhāveṣu sadyogātsatyatve śivatā sthitā || 50 ||
Übersetzung: Ebenso ist man durch die Kraft des eigenen Selbst Herr über andere Dinge. Weil in allen Dingen ein wirklicher Zusammenhang besteht, ist in ihrer Wirklichkeit Shiva-Sein gegründet.
7.51
sarvakāmadughā sādhvī śivatā prasarennṛṇām |
padasyārthaḥ padārthatvamitthamarthavyavasthitau || 51 ||
Übersetzung: Das gute Shiva-Sein, das alle Wünsche erfüllt, entfaltet sich bei den Menschen. Wenn die Bedeutung so bestimmt ist, bedeutet „Gegenstand“ das, was ein Wort bezeichnet.
7.52
yasmātpadārthatā tulyā cittābhāvodbhavo muhuḥ |
sarvatra cittābhāvena satyākāratayā sthiteḥ || 52 || †
Übersetzung: Da dieses Gegenstands-Sein gleich ist, tritt immer wieder ein Bewusstseinszustand hervor; überall besteht das Bewusstseinswesen als wirkliche Gestalt. [Die Lesung cittābhāva ist mehrdeutig.]
7.53
sarvatrānubhavāvasthāprasaraḥ sārato bhavet |
sarvasyaiva sthiraṃ rūpaṃ sarvākāratadātmanā || 53 ||
Übersetzung: Überall entfaltet sich Erfahrung aufgrund dieses Wesenskerns. Das beständige Wesen aller Dinge besteht darin, die Natur sämtlicher Gestalten zu haben.
7.54
sarvākāre mahākāraracanā rucirācirāt |
sarvatraikye sthirā rūḍhirjanyā rāgādināhatā || [54] ||
Übersetzung: Im Allgestaltigen entsteht bald die ansprechende Gestaltung einer großen, umfassenden Form. Es ist eine feste Verwurzelung in der Einheit von allem hervorzubringen, die durch Anhaftung und dergleichen nicht verletzt wird.
7.55
sarvasya śreyaso nūnaṃ satyānnirgatatā matā |
mūle samarthatāveśo madhye tulyatvametayoḥ || 55 || †
Übersetzung: Alles Heilsame gilt gewiss als aus der Wahrheit hervorgehend. An der Wurzel ist in das Vermögen einzugehen, in der Mitte in die Gleichheit beider.
7.56
kāryo mūlasamāveśa iti jñātvā tathodayaḥ |
sarvāmūrtatvatattvāsthābuddhidṛṣṭiprasaktitaḥ || 56 ||
Übersetzung: Man soll erkennen: Das Eingehen in die Wurzel ist zu vollziehen; daraus ergibt sich ein entsprechendes Aufgehen. Durch die feste Hinwendung von Einsicht und Schau zur Wirklichkeit der Unkörperlichkeit von allem
7.57
samyagutpadyate'ntardhirūpaṇaṃ bhaktinirgatiḥ |
matirmamatvanirmāṇamanasāṃ mahatāṃ tarām || 57 || †
Übersetzung: entstehen das Verschwinden, das Gestalten und das Hervortreten von Hingabe. Bei den Großen entfaltet sich besonders die Einsicht der Geister, welche die Vorstellung des Mein-Seins hervorbringen. [Die Satzfügung dieser Aufzählung ist unsicher.]
7.58
prasaratyasti vijñānaṃ sarvadikkamabādhitam |
mamatvamānase sādhu sādhūnāṃ saktimāgate || 58 ||
Übersetzung: Erkenntnis entfaltet sich nach allen Richtungen ungehindert. Wenn die Rechtschaffenen im Bewusstsein des Mein-Seins fest verwurzelt sind,
7.59
saṅkalpaprabhavaṃ sarvaṃ jagadetadanantakam |
sarvaṃ mameti nirvyūḍhe syāttadekamayo bhavaḥ || 59 ||
Übersetzung: ist diese ganze unbegrenzte Welt aus schöpferischer Vorstellung hervorgegangen. Ist „Alles ist mein“ vollständig verwirklicht, wird das Dasein von dieser einzigen Natur.
7.60
abhimānāttathaivaiṣāṃ bhāvasargaḥ pravartate |
pratyekadevagrāmasya mamatābhiniveśataḥ || 60 ||
Übersetzung: Durch eine solche Selbstzuschreibung entfaltet sich auch ihre Hervorbringung der Dinge, weil jede einzelne Göttergruppe im Mein-Sein aufgeht.
7.61
divyāni tānyayatnena prasaranti samantataḥ |
sāmastyena prasarpanto nirviśeṣā hi kevalāḥ || 61 ||
Übersetzung: Ihre göttlichen Hervorbringungen entfalten sich mühelos überall. Wenn sie sich in der Gesamtheit entfalten, sind sie rein und ohne besondere Abgrenzung.
7.62
sadā krīḍāvaśādeva kāmāḥ syuḥ sarvagocarāḥ |
viśeṣamamatāveśapraveśavaśato mahān || 62 ||
Übersetzung: Immer entstehen Wünsche allein im Spiel und umfassen alle Bereiche. Durch das Eingehen in ein besonderes Mein-Sein tritt eine große
7.63
tanusvarūpanirmāṇāparimāṇabhavodayaḥ |
śivatattve tridhābhūte svacchākālakalākale || 63 || †
Übersetzung: und unbegrenzte Entfaltung beim Hervorbringen von Körpergestalten auf. Wenn man im dreifach gegliederten Shiva-Prinzip verweilt, im reinen Akala, im Kalakala
7.64
sakale ca samāsaktastattadrūpoparūpaṇam |
sāmarthye'khaṇḍasāmarthyaṃ satate jñānavīryatā || 64 ||
Übersetzung: und im Sakala, erfolgt die Gestaltung der jeweiligen Form. Im Vermögen entsteht ungeteiltes Vermögen, im beständigen Prinzip die Kraft der Erkenntnis.
7.65
īśe samagrakartṛtvaṃ sarasvatyā manūttamaḥ |
prameye mamatāveśānnirmiṇoti navaṃ jagat || 65 || †
Übersetzung: Im Herrn besteht umfassendes Handelnd-Sein, bei Sarasvati der höchste Mantra. Durch das Aufgehen im Mein-Sein hinsichtlich des Erkennbaren bringt man eine neue Welt hervor.
7.66
kalane cidghanatvaṃ syādvedane sarvacidgamaḥ |
snehe tu sarvakāmatvaṃ kālātsarvartuvartanam || 66 ||
Übersetzung: Im Gestalten besteht verdichtetes Bewusstsein, im Erkennen das Eingehen in alles Bewusstsein; in Zuneigung das Umfassen aller Wünsche, durch die Zeit das Wirken aller Jahreszeiten.
7.67
niyame sarvayamanaṃ kaivalyaṃ pralayākale |
svātmano hyaniruddhārthā nirupādhivibhūtikā || 67 ||
Übersetzung: In der Ordnung besteht das Lenken von allem, beim Pralayakala das vereinzelte Ruhen. Die Herrlichkeit des eigenen Selbst ist in ihren Zielen ungehindert und ohne Begrenzung.
7.68
sarvākārābhimānena mametidṛḍhasaktinā |
sarvākārasamāpattiranantaivopajāyate || 68 ||
Übersetzung: Durch die Selbstzuschreibung aller Gestalten und das feste Verweilen in „mein“ entsteht ein unbegrenztes Einswerden mit sämtlichen Gestalten.
7.69
naitacchāstraṃ vinā proktaṃ kāyākāreṇa kāyikam |
jalena jalarūpaṃ syādityādyairvacanaiḥ smṛtam || 69 ||
Übersetzung: Dies wurde nicht ohne Schriftbeleg gesagt. Es wird durch Aussagen wie „Durch die Körpergestalt entsteht Körperliches, durch Wasser die Wassergestalt“ und ähnliche Worte überliefert.
7.70
sarvavyāptyā snehapūrṇaṃ stryādikāyātmacintanāt |
jagadvidheyatāmeti kimutaikaśarīrakam || 70 ||
Übersetzung: Durch allumfassende Gegenwart und eine von Zuneigung erfüllte Vorstellung des eigenen Selbst als Körper einer Frau oder anderer Personen soll die Welt gefügig werden – umso mehr ein einzelner Körper.
7.71
sarvamasmīti ruciraṃ rūpamātmani cintayan |
ahameva matparo na bhavedākarṣaṇakramaḥ || 71 || †
Übersetzung: Indem man im eigenen Selbst die anziehende Gestalt betrachtet: „Ich bin alles; ich allein bin es …“ [Der folgende Satz über matparaḥ und das Verfahren der Anziehung enthält eine Verneinung, deren Anschluss nicht sicher verständlich ist. Eine sichere Gesamtübersetzung ist hier nicht möglich.]
7.72
sarvasmin mayi kasyāpi kāyaṃ dhyāyan jugupsitam |
mamaivāsau ca vidveṣyo vidviṣṭo jāyate tataḥ || 72 ||
Übersetzung: Wer in seinem allumfassenden Selbst den Körper eines anderen als verabscheuungswürdig betrachtet – „Er gehört zu mir und ist mir verhasst“ –, soll dadurch Feindschaft hervorrufen.
7.73
vyāpakatve śatrudehaṃ svaṃ bhramantaṃ vicintayet |
vidrutaṃ karabhārūḍhaṃ viśvamucāṭitaṃ bhavet || 73 ||
Übersetzung: Für die Vertreibung wird beschrieben, im Zustand allumfassender Gegenwart den Körper des Feindes als eigenen, umherirrenden, fliehenden und auf einem Kamel sitzenden Körper zu betrachten; dadurch werde die ganze Welt vertrieben.
7.74
vyāptaṃ kiñcidripordehaṃ madīyaṃ saṃharāmyaham |
jaḍarūpo bhavāmīti cintayā maraṇaṃ sthitam || 74 || †
Übersetzung: Als Tötungsritus wird die Vorstellung beschrieben: „Den durchdrungenen Körper des Feindes, der mein ist, ziehe ich ein; ich werde unbewusst.“ [Das erste Wort ist auch im Druck und in dessen Korrekturverzeichnis problematisch.]
7.75
vyāptidārḍhye naktamekaṃ candraṃ vātmānamutthitam |
vicintya prasravantaṃ ke kasyāpyāpyāyanaṃ bhavet || [75] || †
Übersetzung: Bei gefestigter allumfassender Gegenwart wird nachts der Mond oder das aufgestiegene Selbst als ausströmend in ke betrachtet; dadurch soll jemand gestärkt werden. [Die genaue Bedeutung von ke, hier möglicherweise Wasser oder Raum, bleibt offen.]
7.76
cittattvaṃ cintayan rūpaṃ vyāpakaṃ vākhilātmasu |
avināśyekapiṇḍe vā sa bhavedajarāmaraḥ || 76 ||
Übersetzung: Wer das Bewusstseinsprinzip als alle Selbstwesen durchdringende Gestalt oder als unvergängliche Einheit betrachtet, soll frei von Alter und Tod werden.
7.77
sravatkṛṣṇāmṛtaṃ meghamātmopari nijātmakam |
dhyāyato bālamātmānaṃ sā jarā sampralīyate || 77 ||
Übersetzung: Wer über sich eine Wolke als eigenes Selbst betrachtet, aus der schwarzer Unsterblichkeitsnektar strömt, und sich selbst als Kind, dessen Alter soll sich auflösen.
7.78
dhyānaṃ nāmātra yatsarvaṃ sarvākāreṇa lakṣyate |
bhāvanācakṣuṣā sādhvī sā cintā sarvadarśinī || 78 ||
Übersetzung: Meditation heißt hier, alles mit dem Auge der inneren Vergegenwärtigung in sämtlichen Gestalten zu erkennen. Dies ist die treffende Betrachtung, die alles schaut.
7.79
yena yenendriyeṇārtho gṛhyate tatra tatra sā |
śivatā lakṣitā satyā taddhyānamapi varṇyate || 79 ||
Übersetzung: Mit welchem Sinn auch immer ein Gegenstand erfasst wird: Wenn darin das wirkliche Shiva-Sein erkannt wird, wird auch dies Meditation genannt.
7.80
yasyāṃ yasyāṃ pratītau tu śivo'smīti manogamaḥ |
tasyāṃ tathaiva cintāyāṃ taddhyānamapi jalpitam || 80 ||
Übersetzung: Bei welcher Erfahrung auch immer der Gedanke aufkommt „Ich bin Shiva“: Das entsprechende Verweilen in dieser Einsicht wird ebenfalls Meditation genannt.
7.81
yasminnarthe sadātyāgo gacchatastiṣṭhato'pivā |
dhāvataḥ khādato vāpi sa yogaḥ parayoginaḥ || 81 ||
Übersetzung: Das ununterbrochene Verweilen bei diesem Sinn, beim Gehen oder Stehen, beim Laufen oder Essen, ist der Yoga des höchsten Yogin.
7.82
bhāvite'bhāvite vāpi śivatve śivataiva me |
sarvadā pitṛmātrāditaulyadārḍhyena yogitā || 82 ||
Übersetzung: Ob das Shiva-Sein vergegenwärtigt wird oder nicht: Mein Shiva-Sein bleibt Shiva-Sein. Yogin-Sein besteht in einer ebenso festen Gewissheit wie der hinsichtlich Vater, Mutter und anderer vertrauter Beziehungen.
7.83
tathāhi kośahemādisādṛśyaṃ yogasatyatā |
śivo'smīti madicchātaḥ sarvabhāvapravartanam || 83 ||
Übersetzung: So entspricht die Wirklichkeit des Yoga dem Vergleich mit Gold im Schatz und ähnlichen Beispielen: „Ich bin Shiva; aus meinem Willen entfalten sich alle Dinge.“
7.84
ata eva śivaḥ sarvamiti yogo'tha cetasi |
santataṃ śaktisantānaprasareṇa sadaiva me || 84 ||
Übersetzung: Daher besteht Yoga im Bewusstsein: „Shiva ist alles.“ Durch das beständige Hervorströmen der Folge meiner Kräfte
7.85
aniruddho japo'styeva sarvāvasthāsvasau japaḥ |
nānākāraiḥ sadā kurvannudayan sarvavastugaḥ || 85 ||
Übersetzung: besteht für mich immer ungehinderter Japa, wiederholendes inneres Vollziehen. In allen Zuständen ist dies Japa: fortwährend in verschiedenen Formen wirkend, aufgehend und in allen Dingen gegenwärtig.
7.86
abhyāsenāsmi so'pyatra japaḥ parama ucyate |
saṅkalpāñjanayannasmi sthitaḥ śabdānatho mukhe || 86 ||
Übersetzung: Durch Einübung bin ich dies; auch das wird hier höchster Japa genannt. Ich bestehe, indem ich Vorstellungen hervorbringe und dann Worte im Mund.
7.87
so hi nāma japo jñeyaḥ satyādistrividho hi saḥ |
name bandho na me mokṣastau malatvena saṃsthitau || 87 || †
Übersetzung: Eben dies ist als Japa zu verstehen; er ist dreifach, beginnend mit dem wirklichen. „Für mich gibt es keine Bindung und keine Befreiung; beide stehen als Begrenzungen da.“
7.88
pratipattyānayā snānaṃ nirmalīkaraṇaṃ matam |
duḥkhe vāpi sukhe vāpi sarvāsu pratipattiṣu || 88 ||
Übersetzung: Durch diese Einsicht wird das Bad als Reinigung verstanden. In Schmerz oder Glück, in sämtlichen Erfahrungen
7.89
śivo'smītimanohlādo jalasnānaṃ paraṃ matam |
cinnirmalā tanmayaṃ hi jagadasmi tathāvidhaḥ || 89 ||
Übersetzung: gilt die Freude des Geistes „Ich bin Shiva“ als höchstes Wasserbad. „Bewusstsein ist rein; die Welt besteht daraus, und von eben dieser Natur bin ich.“
7.90
ityāsthājalaśaucena śuddhisnānaṃ tathoditam |
sarvabhāvāḥ śivākārā antarbhūtāḥ śivānale || 90 ||
Übersetzung: So wird die Reinigung durch das Wasser dieser Gewissheit als reinigendes Bad bezeichnet. Alle Dinge haben Shivas Gestalt und sind im Feuer Shivas enthalten.
7.91
so'haṃ śivaḥ sutṛpto'smi homa ityuditaḥ paraḥ |
atrākāre na yanme'sti tadākārāntare'sti me || 91 ||
Übersetzung: „Ich bin jener Shiva; ich bin vollkommen erfüllt“: Dies wird höchstes Feueropfer genannt. „Was mir in dieser Gestalt fehlt, habe ich in einer anderen Gestalt.
7.92
tasmādasmi nirākāṅkṣastṛptyānyo homa īdṛśaḥ |
pūjanānnāsti me tuṣṭirnāsti khedo hyapūjanāt || 92 ||
Übersetzung: Daher bin ich frei von Verlangen.“ Ein solches Erfülltsein ist ein weiteres Feueropfer. „Durch Verehrung entsteht in mir keine zusätzliche Zufriedenheit; durch ausbleibende Verehrung kein Kummer.“
7.93
pūjakairavibhedena sadā pūjeti pūjanam |
atrākāre ca me pūjā yā syāt sādāśivātmani || [93] ||
Übersetzung: Aufgrund der Ungetrenntheit von den Verehrenden ist immer Verehrung da: Das ist Verehren. „Die Verehrung, die mir hier in dieser Gestalt als Sadashiva
7.94
liṅgādike pūjito'smi sadā pūjeti vā sthitā |
pūjakaḥ pūjanaṃ pūjyamiti sarvaṃ śivaḥ sthitaḥ || 94 ||
Übersetzung: im Linga und in anderen Formen zuteilwird, gilt mir; ich werde immer verehrt.“ So kann Verehrung verstanden werden. Verehrender, Verehrung und Verehrtes: Alles besteht als Shiva.
7.95
kimetenātmabhāvena tṛptyā vā parapūjanam |
sarvākāreṣu bhogyena yajanaṃ mama vartate || 95 ||
Übersetzung: Was bedarf es angesichts dieses Selbst-Seins noch einer Befriedigung oder der Verehrung eines anderen? In allen Gestalten geschieht meine Verehrung durch das jeweils Erfahrene.
7.96
bhuñje'haṃ yatra tatrāpi bhogalagnaḥ pratītitaḥ |
śivo'smi sādhanāviṣṭaḥ śivo'haṃ yājako'pyaham || [96] ||
Übersetzung: Wo immer ich genieße, bin ich der Erkenntnis nach mit dem Genuss verbunden. Ich bin Shiva, in den Mitteln gegenwärtig; ich bin Shiva und auch der Opfernde.
7.97
śiva evānayā sthityā satyayā yāga uttamaḥ |
yena yena yatra yatra yairyairyadiha cejyate || 97 ||
Übersetzung: Shiva allein besteht: In dieser wahren Haltung liegt das höchste Opfer. Welches Opfer hier auch immer, wo auch immer, von wem und mit welchen Mitteln vollzogen wird,
7.98
sa mayā kriyate yāgaḥ śivatvādyāga uttamaḥ |
śivaṃ yāmi śivo yāmi śivena śivasādhanaḥ || 98 ||
Übersetzung: dieses Opfer wird von mir vollzogen; aufgrund des Shiva-Seins ist es das höchste Opfer. „Ich gehe zu Shiva; als Shiva gehe ich, durch Shiva und mit Shiva als Mittel.“
7.99
bhinno'pyabhinna evāsmi śiva itthaṃ viceṣṭanam |
śivo bhoktā śivo bhojyaṃ śiveṣu śivasādhanaḥ || 99 ||
Übersetzung: „Auch wenn ich verschieden erscheine, bin ich ungetrennt: Shiva.“ So geschieht jede Bewegung. Shiva ist der Genießende, Shiva das Genossene; unter Shivas und mit Shiva als Mittel
7.100
bhuktvodeti śivāvasthā sthitetthaṃ bhoktṛrūpatā |
śivaḥ kartā śivaḥ karma śivo'smi karaṇātmakaḥ || [100] ||
Übersetzung: geht nach dem Genießen der Shiva-Zustand auf. So besteht das Genießend-Sein. „Shiva ist der Handelnde, Shiva die Handlung beziehungsweise ihr Gegenstand, und ich bin Shiva als Werkzeug.“
7.101
śiva eva phalāvasthā vyāpāra iti sādhuṣu |
bhāvanākaraṇābhyāṃ kiṃ śivasya satatoditeḥ || 101 ||
Übersetzung: Auch der Zustand der Frucht ist Shiva: So besteht das Wirken bei den Verständigen. Wozu bedarf es vertiefender Vorstellung oder eines Mittels, wenn Shiva ununterbrochen hervortritt?
7.102
yathā tathā pratiṣṭhāmaḥ prabuddhasyeti vartanam |
yaddṛśyaṃ yacca saṃspṛśyaṃ yadghreyaṃ rasyameva yat || 102 ||
Übersetzung: „Wie auch immer wir uns befinden, so sind wir gegründet“: Das ist die Lebensweise des Erwachten. Was gesehen, berührt, gerochen und geschmeckt werden kann,
7.103
yacchrāvyaṃ tacchivavyaktestacchivatvena saṃśritaḥ |
gamye grāhye tathā vācye sukhādāvapi sarvadā || 103 ||
Übersetzung: und was gehört werden kann, ist Offenbarwerden Shivas; darin ruht er als Shiva. Auch beim Gehen, Greifen, Sprechen und in Glück und anderen Zuständen
7.104
sthite śivatve baddhāstho bhavet sarvagataḥ śivaḥ |
mantavye cābhimātavye boddhavye dhṛtisaṅgamāt || 104 ||
Übersetzung: ist Shiva-Sein immer gegenwärtig. Wer darin feste Gewissheit besitzt, wird als allgegenwärtiger Shiva gegenwärtig; ebenso durch festes Verweilen beim Denken, beim Selbstzuschreiben und beim Erkennen.
7.105
sukhe duḥkhe vimohe ca sthito'haṃ paramaḥ śivaḥ |
pratipāditametāvat sarvameva śivātmakam || 105 ||
Übersetzung: In Glück, Schmerz und Verblendung bin ich der höchste Shiva. So viel ist dargelegt: Alles ist seinem Wesen nach Shiva.
Unnummerierter Halbvers vor 7.106
na svabuddhyā śivo dātā śivo bhokteti śāstrataḥ ||
Übersetzung: Nicht aus eigener Erfindung, sondern aus der Schrift stammt die Lehre: Shiva ist der Gebende; Shiva ist der Genießende.
7.106
iti kathitamaśeṣaṃ śaivarūpeṇa viśvaṃ
jagaduditamaheśāṅghryājñayā svapnabhājā |
yadadhigamabalena prāpya samyagvikāsaṃ
bhavati śivamayātmā sarvabhāvena sarvaḥ || 106 || †
Übersetzung: So ist die gesamte Welt, das ganze All, als Shiva-Gestalt dargelegt, auf die Weisung des Herrn hin, die im Traum empfangen wurde. Durch die Kraft dieses Verstehens erlangt jeder vollständige Entfaltung und wird in seinem ganzen Sein, in allen Dingen, von Shiva erfüllt.
7.107
śaivādīni rahasyāni pūrvamāsanmahātmanām |
ṛṣīṇāṃ vaktrakuhare teṣvevānugrahakriyā || 107 ||
Übersetzung: Einst ruhten die Geheimnisse der Shiva-Lehre und verwandter Lehren im Mund der großen Seher; auf sie selbst beschränkte sich die Weitergabe aus Gnade.
7.108
kalau pravṛtte yāteṣu teṣu durgamagocare |
kalāpigrāmapramukhe samucchinne ca śāsane || [108] ||
Übersetzung: Als das Kali-Zeitalter begonnen hatte, waren sie in schwer zugängliche Gegenden, vor allem zum Dorf Kalapi, gegangen, und die Lehre war abgebrochen.
7.109
kailāsādrau bhraman devo mūrtyā śrīkaṇṭharūpayā |
anugrahāyāvatīrṇaścodayāmāsa bhūtale || 109 ||
Übersetzung: Da wandelte der Gott auf dem Kailasa-Berg in seiner Gestalt als Shrikantha. Um Gnade zu erweisen, stieg er zur Erde herab und beauftragte
7.110
muniṃ durvāsasaṃ nāma bhagavānūrdhvaretasam |
nocchidyeta yathā śāstraṃ rahasyaṃ kuru tādṛśam || [110] ||
Übersetzung: den ehrwürdigen Seher namens Durvasas, dessen Zeugungskraft aufwärts gerichtet war: „Sorge dafür, dass die geheime Lehre nicht abreißt.“
7.111
tataḥ sa bhagavān devādādeśaṃ prāpya yatnavān |
sasarja mānasaṃ putraṃ tryambakādityanāmakam || 111 ||
Übersetzung: Nachdem der Ehrwürdige den Auftrag des Gottes empfangen hatte, brachte er mit entschlossenem Bemühen einen geistgeborenen Sohn namens Tryambakaditya hervor.
7.112
tasmin saṅkramayāmāsa rahasyāni samantataḥ |
so'pi gatvā guhāṃ samyak tryambakākhyāṃ tataḥ param || [112] ||
Übersetzung: Ihm übertrug er sämtliche Geheimnisse. Dieser ging daraufhin in die Höhle namens Tryambaka und brachte dort
7.113
tannāmnā cihnitaṃ tatra sasarja manasā sutam |
khamutpapāta saṃsiddhastatputro'pi tathā tathā || 113 ||
Übersetzung: durch den Geist einen Sohn hervor, der durch denselben Namen gekennzeichnet war. Als Vollendeter erhob er sich in den Himmel. Auch sein Sohn verfuhr entsprechend:
7.114
siddhastadvatsutotpattyā siddhā evaṃ caturdaśa |
yāvatpañcadaśaḥ putraḥ sarvaśāstraviśāradaḥ || 114 ||
Übersetzung: Er wurde vollendet und brachte ebenso einen Sohn hervor. So gab es vierzehn Vollendete, bis der fünfzehnte Sohn erschien, kundig in sämtlichen Lehrschriften.
7.115
sa kadācillokayātrāmāsīnaḥ prekṣate tataḥ |
bahirmukhasya tasyātha brāhmaṇī kācideva hi || 115 ||
Übersetzung: Als dieser eines Tages das Weltgeschehen betrachtete und seine Aufmerksamkeit nach außen gerichtet war, kam eine Brahmanin
7.116
rūpayauvanasaubhāgyabandhurā sā gatā dṛśam |
dṛṣṭvā tāṃ lakṣaṇairyuktāṃ yogyāṃ kanyāmathātmanaḥ || [116] ||
Übersetzung: von anziehender Schönheit, Jugend und Anmut in sein Blickfeld. Er sah die mit guten Merkmalen versehene junge Frau als für ihn geeignete
7.117
sadharmacāriṇīṃ samyaggatvā tatpitaraṃ svayam |
arthayitvā brāhmaṇīṃ tāmānayāmāsa yatnataḥ || 117 ||
Übersetzung: Gefährtin im gemeinsamen religiösen Leben an, ging selbst zu ihrem Vater, bat um sie und führte sie nach sorgfältigem Bemühen heim.
7.118
brāhmaṇena vivāhena tato jātastathāvidhaḥ |
tena yaḥ sa ca kālena kaśmīreṣvāgato bhraman || [118] ||
Übersetzung: Aus dieser nach brahmanischem Ritus geschlossenen Ehe wurde ihm ein entsprechender Sohn geboren. Dieser kam später auf seiner Wanderschaft nach Kashmir.
7.119
nāmnā sa saṅgamādityo varṣādityo'pi tatsutaḥ |
tasyāpyabhūt sa bhagavānaruṇādityasañjñakaḥ || 119 ||
Übersetzung: Sein Name war Sangamaditya; sein Sohn war Varshaditya. Dessen Sohn war der ehrwürdige Arunaditya.
7.120
ānandasañjñakastasmādudbabhūva tathāvidhaḥ |
tasmādasmi samudbhūtaḥ somānandākhya īdṛśaḥ || 120 ||
Übersetzung: Aus ihm ging ein ebenso beschaffener Sohn namens Ananda hervor. Von diesem stamme ich, der Somananda genannt wird, in entsprechender Weise ab.
7.121
karomi sma prakaraṇaṃ śivadṛṣṭyabhidhānakam |
evameṣāṃ tryambakākhyā terambā deśabhāṣayā || 121 ||
Übersetzung: Ich habe diese Abhandlung mit dem Namen Shivadrishti verfasst. So besteht ihre nach Tryambaka benannte, in der Landessprache Teramba genannte
7.122
sthitā śiṣyapraśiṣyādyairvistīrṇā maṭhikoditā |
tadevametadvihitaṃ mayā prakaraṇaṃ manāk || 122 ||
Übersetzung: Schulstätte, ausgebreitet durch Schüler, Schülerschüler und weitere Nachfolger. So habe ich diese kleine Abhandlung verfasst.
Unnummerierter Halbvers nach 7.122
prārthyante'smin prayukte'pi guravo grahaṇaṃ prati ||
Übersetzung: Auch nachdem diese Schrift dargelegt ist, werden die Lehrer gebeten, sie anzunehmen.
Kapitel 7: Abschlussvermerk 1
iti samāptisañjñakaṃ nāma saptamamāhnikam || 7 ||
Übersetzung: Hier endet das siebte Kapitel namens „Abschluss“.
Kapitel 7: Abschlussvermerk 2
samāptā śivadṛṣṭiriyam |
Übersetzung: Diese Shivadrishti ist abgeschlossen.
Kapitel 7: Abschlussvermerk 3
kṛtiḥ śrīmahāmāheśvarācāryavaryasomānandaprabhupādānām ||
Übersetzung: Ein Werk des ehrwürdigen Somananda, des ausgezeichneten Lehrers und großen Verehrers Maheshvaras.
Spirituelle Bedeutung

Erkennen und Vertiefen. Das siebte Kapitel beginnt mit einer sorgfältigen Unterscheidung: Gold bleibt Gold, auch wenn es unerkannt ist. Erst das Erkennen ermöglicht aber einen bewussten Umgang damit. Entsprechend erzeugt Erkenntnis das Shiva-Sein nicht neu. Sie verändert, wie es verstanden und gelebt wird. Die Aussage, dass danach nichts mehr zu vollbringen sei, gilt ausdrücklich für feste Einsicht in das überall gegenwärtige Shiva-Sein. Sie sollte nicht mit bloßem Fürwahrhalten verwechselt werden.
Damit werden Unterricht und Übung nicht pauschal verworfen. Der Text nennt Erkenntnismittel, Schrift und Lehrerwort als Zugänge; er behandelt auch die Festigung einer noch nicht sicheren Einsicht. Die Unterscheidung zwischen einem bereits vorhandenen Wesen und seiner bewussten Verwirklichung ist für erfahrene Praktizierende besonders fruchtbar: Woran erkenne ich den Unterschied zwischen einer begrifflichen Zustimmung und einer tragfähigen Erkenntnis? Diese Frage ist eine heutige Betrachtung zum Text, keine übersetzte Übungsanweisung.
Gnade und eigenes Bemühen. Bereits der Eingangsvers lässt Shiva selbst durch die menschliche Gestalt hindurch Verehrung vollziehen. Am Ende erscheint die Weitergabe der Lehre als Gnadenhandlung. Zugleich ringt Somananda über viele Kapitel um verständliche Begründung. Ein schlichtes Gegeneinander von Gnade und Denken würde diesem Werk daher nicht gerecht. Die abschließende Herkunftserzählung verbindet empfangenen Auftrag, bewusste Weitergabe und persönliches Bemühen; sie liefert jedoch keine systematische Rangliste von Gnadenstufen.
Innere Verehrung und gewöhnliche Erfahrung. In den Schlussabschnitten des siebten Kapitels werden Japa, Verehrung und rituelle Vollzüge vom gemeinsamen Shiva-Sein her gedeutet. Entscheidend ist die Einsicht, dass Verehrender, Verehrtes, Mittel und Frucht derselben Wirklichkeit angehören. Das ist mehr als eine Geringschätzung äußerer Formen: Ihr innerer Zusammenhang wird sichtbar gemacht. Der Text endet seine eigentliche Lehre beim Sehen, Hören, Gehen, Greifen, Denken, bei Glück und Schmerz. Gerade dort soll das gemeinsame Wesen erkannt werden.
Eine heutige Annäherung. Für die eigene Meditation kann das Studium Anlass sein, die vertraute Trennung zwischen einem inneren Beobachter und einer äußeren Welt genauer zu untersuchen. Im Alltag kann es anregen, Wahrnehmen und Handeln mit größerer Aufmerksamkeit zu verbinden. Solche heutigen Betrachtungen ersetzen weder die genaue Lektüre noch die Unterscheidungen des Werkes. Der Gedanke gleicher Shiva-Natur darf dabei zu Achtung vor anderen Wesen einladen; eine moderne Ethik wird hier nicht als wörtliche Lehre einer einzelnen Strophe ausgegeben.
Die Shivadrishti lässt Hingabe und begründetes Nachdenken nebeneinander bestehen. Wer ihre Fragen langsam durchgeht, begegnet Shiva als der Wirklichkeit, die auch das Fragen, Zweifeln und Erkennen trägt. Ihre besondere Einladung liegt darin, die Suche nach Befreiung mit einer sorgfältigeren Wahrnehmung des bereits gegenwärtigen Lebens zu verbinden.
‚Klangmeditation mit Heidrun‘: heutige ergänzende Meditationspraxis; keine historische Aufführung von Formeln der Shivadrishti.
Anmerkungen und Quellen
Leitquelle ist die von Madhusudan Kaul Shastri herausgegebene Druckausgabe, Kashmir Series of Texts and Studies 54, 1934, gedruckte Seiten 1–221. In der verwendeten 238-seitigen PDF-Datei entspricht die PDF-Seite jeweils der Druckseite plus 11. Der elektronische Muktabodha-Text M00081 in der Wiedergabe von Vishvasa diente zur Erfassung und Kontrolle; er ist kein unabhängiger Handschriftenzeuge. Die deutsche Fassung ist eine für diese Ausgabe erstellte Übersetzung. Neuere kritische Ausgaben von John Nemec konnten bibliografisch berücksichtigt, aber nicht als vollständig eingesehene Sanskritgrundlage verwendet werden. Ergänzend wurden einzelne Seiten der Ausgabe von Radheshyam Chaturvedi (1986) am Scan verglichen. Seine Erläuterungen zu den hier nachgeprüften späteren Strophen sind moderne Deutungen. Für 4.90 wurde eine Lesung aus indexierten Auszügen von Nemecs Forschungsaufsatz (2019) übernommen; die Einzelanmerkung nennt Wörter, Quellenzugang und abweichende Nummerierung.
Die vollständige technische Zuordnung von Sanskrit und Übersetzung ist von der Prüfung am Quellenbild zu unterscheiden. Das Druckbild wurde an Werk- und Kapitelgrenzen, bei den zusätzlichen Halbversen, Nummerierungsproblemen und zahlreichen schwierigen Lesungen kontrolliert; das ist keine durchgehende buchstabengetreue Kollation sämtlicher Seiten. Alle übersetzten Einheiten wurden im Kapitelzusammenhang sprachlich eigengeprüft. Eine externe Fachbegutachtung fand nicht statt. Besonders unsicher bleiben Teile von 4.106, 7.7 und 7.71; die dort nicht sicher auflösbaren Teilwendungen werden offen bezeichnet. Für 4.90 wird eine abweichende, bei Nemec 2019 dokumentierte Lesung offen ausgewiesen und in beiden Sanskritfassungen verwendet; die ursprüngliche KSTS-Lesung steht im Einzelhinweis.
Nummerierung und Zusatztexte. Kapitel 4 enthält zwei verschiedene Strophen mit der gedruckten Nummer 70; 70a/70b beziehungsweise ७०क/७०ख sind redaktionelle Unterscheidungen. 721 ist daher die tatsächliche Strophenzahl, nicht die Summe nur der höchsten Kapitelnummern. Die vier zusätzlichen Halbverse werden nicht als vollständige Strophen gezählt. Eckig gesetzte Nummern wurden nach ihrer Stellung ergänzt. Die überlieferten Hinweise auf Utpaladeva gehören zum Paratext der kommentierten Druckausgabe; sie schreiben ihm nicht Somanandas Grundtext zu.
Zeichen und Prüfgrenzen. Ein † markiert 78 Strophen mit verbliebenen textlichen oder sprachlichen Vorbehalten sowie den unsicheren Titel im Abschluss des sechsten Kapitels. Bei 25 dieser Strophen ist die Teilunsicherheit ausdrücklich in der Übersetzung bezeichnet. Die Hinweise benennen unterschiedliche Arten von Unsicherheit; sie behaupten nicht, alle 78 Strophen seien unlesbar. Vokallängen, Anusvara (ṃ), Visarga (ḥ), Avagraha (’) und die übrigen Lautzeichen werden in beiden Schriftfassungen aus demselben Arbeitstext bewahrt. Der vollständige technische Abgleich umfasst 741 Einheiten einschließlich Paratext; er beweist für sich allein keine philologische Richtigkeit.
Einzelhinweise zu Lesungen und Nummern.
| Position | Hinweis |
|---|---|
| 1.17 | Druckabgleich: naicānmukhya → na caunmukhya. Errata, Druck S. 16 Z. 4; PDF 234 |
| 1.18 | Druckabgleich: na ca kṣīram → na ca na kṣīram. Druck S. 16 / PDF 27 zeigt नच न क्षीरमित्येष; zweite Negation im E-Text ausgefallen. |
| 1.19 | Druckabgleich: vā secchayā kriyā → vāhecchayā kriyām. Errata, Druck S. 17 Z. 4; PDF 234, Seite PDF 28 eingesehen |
| 1.36 | Druckabgleich: tatphaleḥ → tatphalaiḥ. Druck S. 28 / PDF 39, am Bild |
| 1.42 | Druckabgleich: dṛdhatvena → dṛḍhatvena. Druck S. 30 / PDF 41, am Bild |
| Kapitel 1: Abschlussvermerk 1 | Kapitel 1–3: Kolophon der kommentierten Ausgabe, nicht Somananda zugeschriebene neue Strophe. |
| 2.34 | Druckabgleich: tattalyā → tattulyā. Errata, Druck S. 57 Z. 2; PDF 234 |
| 2.58 | Dicht verkürzte Argumentation; deutsche Satzergänzung aus dem unmittelbaren Zusammenhang, keine abschließende philologische Klärung. |
| 2.59 | Dicht verkürzte Argumentation; deutsche Satzergänzung aus dem unmittelbaren Zusammenhang, keine abschließende philologische Klärung. |
| 2.73 | Dicht verkürzte Argumentation; deutsche Satzergänzung aus dem unmittelbaren Zusammenhang, keine abschließende philologische Klärung. |
| 2.74 | Dicht verkürzte Argumentation; deutsche Satzergänzung aus dem unmittelbaren Zusammenhang, keine abschließende philologische Klärung. |
| 2.75 | Dicht verkürzte Argumentation; deutsche Satzergänzung aus dem unmittelbaren Zusammenhang, keine abschließende philologische Klärung. |
| 2.81 | Dicht verkürzte Argumentation; deutsche Satzergänzung aus dem unmittelbaren Zusammenhang, keine abschließende philologische Klärung. |
| Kapitel 2: Abschlussvermerk 1 | Kapitel 1–3: Kolophon der kommentierten Ausgabe, nicht Somananda zugeschriebene neue Strophe. |
| 3.19 | Druckabgleich: kuḍalādau → kuṇḍalādau. Druck S. 106 / PDF 117, Quellenbild zeigt कुण्डलादौ E-Text schreibt 11; Druck S. 106 zeigt 19. Am Bild korrigiert. Druck S. 106 / PDF 117 erneut angesehen: kuṇḍalādau. Satzfolge 3.18–20 samt Utpaladevas Kommentar bestätigt den Vergleich von Gold, seiner Gestalt und seiner eigenen Kraft. |
| 3.23 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. |
| 3.33 | Druckabgleich: tadātmano → cidātmano. Errata, Druck S. 110 Z. 12; PDF 235 Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.34 | Druckabgleich: yāvataścaiva yāvatī → tasya cecchaiva yādṛśī. Errata, Druck S. 111 Z. 1; PDF 235 Druckabgleich: śivasya → parasya. Errata, Druck S. 111 Z. 2; PDF 235 Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.38 | Druckabgleich: vicitvam → vīcitvam. Druck S. 113 / PDF 124 zeigt वीचित्वम् Die ursprüngliche Einzelunsicherheit ist durch den Bildabgleich vīcitvam (Druck 113 / PDF 124) geklärt. Die Negation na ... jalam ucyate wird vollständig bewahrt: Benennung als Welle, kein Verlust der Wassernatur. |
| 3.44 | Druckabgleich: abhagne svasya rūpatve → abhagne'sya svarūpatve. Errata, Druck S. 114 Z. 12; PDF 235 |
| 3.68 | Druckabgleich: na bhidyete → na vidyete. Errata, Druck S. 125 Z. 3; PDF 236 |
| 3.70 | Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.78 | Druckabgleich: tadeśvara → tadīśvara. Errata, Druck S. 129 Z. 15; PDF 236 |
| 3.80 | Druckabgleich: vaicitryaṃ tadvicitratā → vaicitryāttadvicitratā. Errata, Druck S. 130 Z. 12; PDF 236 |
| 3.81 | Druckabgleich: sahakāraṇamm → sahakāraṇam. Druck S. 131 / PDF 142; digitales überschüssiges m entfernt. Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.83 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.84 | Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.86 | Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.88 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.98 | Übersetzung folgt dem Argumentationszusammenhang; lexikalische oder syntaktische Verdichtung nicht abschließend geklärt. Für isolierte Praxisauswahl nicht verwenden. |
| 3.99 | Druckabgleich: tasmātsarvaṃ sthitaḥ śivaḥ → tasmātsarvaṃ sthitaṃ śivaḥ. Errata, Druck S. 142 Z. 3; PDF 236 |
| Kapitel 3: Abschlussvermerk 1 | Kapitel 1–3: Kolophon der kommentierten Ausgabe, nicht Somananda zugeschriebene neue Strophe. |
| 4.4 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.10 | Druckabgleich: vyavahārastu → vyavahāro'stu. Errata, Druck S. 150 Z. 1; PDF 236 |
| 4.18 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.57 | Druckabgleich: vināśaḥ sarvalopitā → na nāśaḥ sarvalopitā. Errata PDF 236 zu Druck S. 172 Z. 15; Grundtexthalbvers am Bild PDF 183 abgegrenzt. Die gedruckte Errata-Lesung na nāśaḥ sarvalopitā ist übernommen. Die Verneinung des vollständigen Verlustes wird bewahrt; keine freie Rekonstruktion. |
| 4.70a | Druck wiederholt die Zahl 70 auf S. 176 und 177; a/b sind redaktionelle Unterscheidungszeichen, keine zusätzlichen Originalziffern. |
| 4.70b | Druck wiederholt die Zahl 70 auf S. 176 und 177; a/b sind redaktionelle Unterscheidungszeichen, keine zusätzlichen Originalziffern. |
| 4.76 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.90 | Lesungsübernahme: āptavākyād … na rājate hyayovaktā → nāptavākyād … vārān śataṃ hi yo vaktā. Nemec, Somānanda on the Meaningfulness of Language, Indo-Iranian Journal 62/3 (2019), 227–268, DOI 10.1163/15728536-06203002, Sanskritzitat zu 4.91–92 und zugehöriger Apparat. Dort nāptavākyād, vārān śataṃ und hi yo vaktā jeweils mit Sigle T; KSTS dagegen āptavākyād, na rājate und hy ayovaktā. T bezeichnet nach Nemecs Verzeichnis die Trivandrum-Handschrift 5854-H. Über indexierte Originalanbieter-Auszüge geprüft; kein eigener Handschriftenbefund. Der Arbeitstext folgt hier ausdrücklich der von John Nemec 2019 für seine Strophe 4.91 angeführten Lesung; die KSTS-Nummer 4.90 bleibt erhalten. Die abweichenden Wörter sind in den KSTS-Druckzeilen nicht enthalten. Der Zugang erfolgte über indexierte Auszüge der Verlags- und JSTOR-Seite, nicht über eine vollständig eingesehene kritische Ausgabe oder eigene Handschriftenautopsie. Satzfortsetzung in 4.91. KSTS S. 180 / PDF 191 bestätigt die schwierige Drucklesung. Chaturvedi 1986 S. 161 / PDF 211 bietet den geklammerten Vorschlag dvayor vaktā. Im Arbeitstext wird stattdessen die von Nemec ausgewiesene Lesung verwendet. Unveränderte Leitquellenfassung: āptavākyādathāstīha tatsatyatve'dṛḍhā matiḥ / na rājate hyayovaktā satyabhāṣī kadācana. |
| 4.91 | Deutscher Satzanschluss an die neu übersetzte 4.90 angepasst. Sanskrit unverändert. |
| 4.98 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.100 | Druckabgleich: preryatāsya → preritāsya. Errata, Druck S. 181 Z. 1; PDF 237 |
| 4.103 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.106 | Druckabgleich: śāśakyā → sāśakyā. Druck S. 181 / PDF 192, sa statt śa. Worttrennung sā aśakyā aus Syntax erschlossen und unsicher. Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. Zusätzlicher Vergleich: Chaturvedi 1986, S. 168 / PDF 218, Strophe 4.107. Er bietet amūrtarūpatvāt und ergänzt in Klammern tṛṣārtaṃ cātakaṃ; damit deutet er die Stelle auf unkörperliche Zeit und einen durstigen Vogel. Diese moderne Rekonstruktion wird nicht als gesicherter Grundtext übernommen. |
| 4.110 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.112 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| 4.114 | Satzfügung oder Lesung bleibt im angegebenen Teil unsicher; für isolierte Praxisauswahl ausgeschlossen. Keine ergänzte Sanskritrekonstruktion. |
| Kapitel 4: Abschlussvermerk 1 | Druckabgleich: caturtha- māhnikaṃ → caturthamāhnikaṃ. Rein typographischer Wortumbruch des Drucks aufgelöst. |
| 5.7 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.9 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.13 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.14 | Druckabgleich: na jaḍo bhavet → na jaḍe bhavet. Errata, Druck S. 185 Z. 12; PDF 237 |
| 5.17 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.20 | Druckabgleich: pramāṇukathā → paramāṇukathā. Druck S. 186 / PDF 197, am Quellenbild abgeglichen. Druck S. 186 / PDF 197 erneut angesehen: paramāṇukathā. Konditionalsatz, Einwand und abschließende Verneinung sind nach der bereits vorgenommenen Erfassungskorrektur verständlich. |
| 5.25 | Druckabgleich: ghaṭo ghavet → ghaṭo bhavet. Druck S. 186 / PDF 197, am Quellenbild abgeglichen. Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. |
| 5.28 | Druckabgleich: kuryāgṛhitvā → kuryādgṛhītvā. Errata, Druck S. 186 Z. 19; PDF 237 |
| 5.30 | Druckabgleich: antarviṃśati → antarviśati. Druck S. 187 / PDF 198, am Quellenbild abgeglichen. Druck S. 187 / PDF 198 erneut angesehen: antarviśati. Bedingung des Eintretens und Verneinung einer Verbindung bei fehlendem Eintreten ergeben einen verständlichen Satz. |
| 5.32 | Ziffer im Druck nicht gesetzt; 32 nach Stellung zwischen 31 und 33 ergänzt. |
| 5.38 | Druckabgleich: karmaprabhavanatvāt → karmaprabhavaṇatvāt. Errata, Druck S. 187 Z. 28; PDF 237 |
| 5.39 | Druckabgleich: svacchākarmavimarśena → svecchākarmavimarśena. Errata, Druck S. 188 Z. 1; PDF 237 |
| 5.44 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.53 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.57 | Druckabgleich: jajjanyaṃ → tajjanyaṃ. Druck S. 189 / PDF 200 zeigt तज्जन्यम्. Druck S. 189 / PDF 200 erneut angesehen: tajjanyaṃ. Gegenstand und daraus entstehende Erkenntnis sind grammatisch zuzuordnen; der allgemeine Erfassungsvorbehalt ist erledigt. |
| 5.60 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.63 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.67 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.79 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.80 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.82 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.88 | Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.89 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.90 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Einzelne Satzbezüge der älteren Fassung sprachlich unsicher; im Zusammenhang übersetzt, keine gesicherte isolierte Praxisstelle. |
| 5.108 | Druckabgleich: gahṭarūpatā → ghaṭarūpatā. Druck S. 194 / PDF 205, am Quellenbild abgeglichen. Druckbild zeigt ghaṭarūpatā statt digitalem gahṭarūpatā. Syntaktisch vollständige wechselseitige Identitätsaussage; kein verbleibender Vorbehalt an dieser Auswahlübersetzung. |
| 6.23 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.29 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.31 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.42 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.46 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.58 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.61 | Druckabgleich: ananyṃ → ananyaṃ. Druck S. 202 / PDF 213, am Bild geprüft. Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. |
| 6.68 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.71 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.80 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.83 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.87 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.93 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.98 | Druckabgleich: saṃskārotyeva → saṅkarotyeva. Druck S. 206 / PDF 217, am Bild; im Druck saṅkarotyeva, Syntax unsicher Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.102 | Zahl im Druck nicht gesetzt; Zählung nach Stellung zwischen den benachbarten Versen ergänzt. |
| 6.107 | Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.110 | Druckabgleich: muktātmabhe'pi → muktātmabhede'pi. Druck S. 207 / PDF 218, am Bild geprüft. Druck S. 207 / PDF 218 erneut angesehen: muktātmabhede'pi. Anschluss an 6.109 und Gegensatz zur Hinwendung des anfangslosen Shiva zum fünffachen Wirken nachvollzogen. |
| 6.114 | Zahl im Druck nicht gesetzt; Zählung nach Stellung zwischen den benachbarten Versen ergänzt. |
| 6.117 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Sprachlich verkürzte oder beschädigte Teilwendung; sinngemäßer Satzanschluss markiert bzw. im Kontext erläutert; keine isolierte Praxisauswahl. |
| 6.119 | Druckabgleich: vāra nānātve → vātra nānātve. Druck S. 208 / PDF 219, am Bild geprüft. Druck S. 208 / PDF 219 erneut angesehen: vātra nānātve. Der erste Halbvers ist nach der bereits dokumentierten Korrektur grammatisch verständlich; ein zusätzlicher Lesungsvorbehalt ist unbegründet. |
| 6.121 | Druckabgleich: yvavasthite → vyavasthite. Druck S. 208 / PDF 219, am Bild geprüft. Druckbild bestätigt vyavasthite statt yvavasthite. Bedingung mit api und rhetorische Frage vollständig bewahrt; Bezug auf befreite Selbstwesen aus 6.118–126. |
| 6.124 | E-Text hat ein fehlerhaftes Schlusszeichen; Druck S. 208 mit Zahl 124 abgeglichen. |
| 6.126 | Zahl 126 im Druck nicht gesetzt; nach Vers 125 wie im E-Text zugeordnet. |
| Kapitel 6: Abschlussvermerk 1 | Wortgliederung des Kapiteltitels unsicher; vorläufig als „Kein Hinausgehen über die gleiche Sicht“ verstanden. |
| 7.7 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. Zusätzlicher Vergleich: Chaturvedi 1986, S. 261–262 / PDF 311–312. Sein moderner Kommentar versteht die Stelle als Beispiel dafür, dass nach gefestigter Erkenntnis von Baum oder Erde kein weiteres Handeln nötig sei. Er bestätigt jedoch keine bessere Grundtextlesung; der schwierige Anschluss von bhāvaḥ und karaṇam bleibt offen. |
| 7.8 | Druckabgleich: sarva evāt evaitad → sarva evāta evaitad. Druck S. 210 / PDF 221; digitales ausgelassenes a ergänzt. |
| 7.15 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.18 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.19 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.25 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.29 | Druckabgleich: ghaṭādika → ghaṭādike. Errata, Druck S. 212 Z. 3; PDF 237 |
| 7.30 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.31 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.32 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.34 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.35 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.36 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.37 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.39 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.41 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.46 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.52 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.54 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.55 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.57 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.63 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.65 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.71 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. Zusätzlicher Vergleich: Chaturvedi 1986, S. 286 / PDF 336. Sein moderner Kommentar verbindet die Verneinung mit einer Anziehung außerhalb des eigenen Selbst. Diese erklärende Ergänzung sichert die schwierige Syntax von matparaḥ nicht; deshalb bleibt der zweite Halbvers vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. |
| 7.74 | Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.75 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.83 | Druckabgleich: tathāpi → tathāhi. Errata, Druck S. 217 Z. 11; PDF 237 |
| 7.86 | Druckabgleich: śabdānato → śabdānatho. Errata PDF 237 zu S. 217 Z. 18; Worttrennung śabdān atho Druck S. 217 / PDF 228 und dokumentierte Errata PDF 237: śabdān atho statt śabdān ato. Worttrennung und Satzanschluss zu 7.85–87 erneut geprüft; kein verbleibender Erfassungsfehler festgestellt. |
| 7.87 | Genaue Bedeutung oder Satzfügung eines bezeichneten Teilstücks unsicher; keine isolierte Praxisauswahl. Der Zusammenhang wurde sprachlich geprüft, keine vollständige Rekonstruktion behauptet. |
| 7.93 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.96 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.100 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.106 | Druckabgleich: kathitāmaśeṣaṃ → kathitamaśeṣaṃ. Druck S. 219 / PDF 230; कथितमशेषं, keine Länge nach ta. Vor der langen Strophe steht ein unnummerierter Halbvers, separat als SD-A07-HV01 erfasst. Einzelne Form oder syntaktische Verbindung in der älteren Druck-/Digitalfassung problematisch; keine stillschweigende Konjektur. Die Übersetzung wurde am Kapitelzusammenhang geprüft; die Einzeldeutung bleibt vorbehaltlich weiterer philologischer Klärung. |
| 7.108 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.110 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.112 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.116 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| 7.118 | Zahl im Druck nicht gesetzt; nach Position zwischen den benachbarten Nummern wie in der Digitalfassung ergänzt. Kapitel 7 im Druckbild hinsichtlich Absatz- und Nummernfolge durchgesehen. |
| Kapitel 7: Abschlussvermerk 1 | Druckabgleich: sañjñakaṃ saptamam → sañjñakaṃ nāma saptamam. Druck S. 221 / PDF 232 enthält nāma, im E-Text ausgelassen. |
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| Position / Teil | Druckseite | PDF-Seite |
|---|---|---|
| Kapitel 1: überlieferte Überschrift | 1 | 12 |
| 1.1 | 2 | 13 |
| 1.2 | 4 | 15 |
| 1.3 | 6 | 17 |
| 1.4 | 6 | 17 |
| 1.5 | 7 | 18 |
| 1.6 | 7, 9 | 18, 20 |
| 1.7 | 9 | 20 |
| 1.8 | 10 | 21 |
| 1.9 | 11 | 22 |
| 1.10 | 11 | 22 |
| 1.11 | 11, 13 | 22, 24 |
| 1.12 | 13 | 24 |
| 1.13 | 13, 15 | 24, 26 |
| 1.14 | 15 | 26 |
| 1.15 | 15 | 26 |
| 1.16 | 16 | 27 |
| 1.17 | 16 | 27 |
| 1.18 | 16 | 27 |
| 1.19 | 17 | 28 |
| 1.20 | 17 | 28 |
| 1.21 | 17 | 28 |
| 1.22 | 18 | 29 |
| 1.23 | 18 | 29 |
| 1.24 | 19 | 30 |
| 1.25 | 19 | 30 |
| 1.26 | 20 | 31 |
| 1.27 | 20 | 31 |
| 1.28 | 21 | 32 |
| 1.29 | 21, 22 | 32, 33 |
| 1.30 | 23 | 34 |
| 1.31 | 23 | 34 |
| 1.32 | 23 | 34 |
| 1.33 | 23 | 34 |
| 1.34 | 27 | 38 |
| 1.35 | 28 | 39 |
| 1.36 | 28 | 39 |
| 1.37 | 28, 29 | 39, 40 |
| 1.38 | 29 | 40 |
| 1.39 | 29 | 40 |
| 1.40 | 29 | 40 |
| 1.41 | 29, 30 | 40, 41 |
| 1.42 | 30 | 41 |
| 1.43 | 30 | 41 |
| 1.44 | 32 | 43 |
| 1.45 | 32, 33 | 43, 44 |
| 1.46 | 33 | 44 |
| 1.47 | 33 | 44 |
| 1.48 | 34 | 45 |
| 1.49 | 35 | 46 |
| Kapitel 1: Abschlussvermerk 1 | 35 | 46 |
| Kapitel 2: überlieferte Überschrift | 36 | 47 |
| 2.1 | 36 | 47 |
| 2.2 | 39 | 50 |
| 2.3 | 40 | 51 |
| 2.4 | 40, 41 | 51, 52 |
| 2.5 | 41 | 52 |
| 2.6 | 41 | 52 |
| 2.7 | 42 | 53 |
| 2.8 | 42, 43 | 53, 54 |
| 2.9 | 43, 44 | 54, 55 |
| 2.10 | 44 | 55 |
| 2.11 | 44 | 55 |
| 2.12 | 45 | 56 |
| 2.13 | 46 | 57 |
| 2.14 | 46, 47 | 57, 58 |
| 2.15 | 47 | 58 |
| 2.16 | 47, 48 | 58, 59 |
| 2.17 | 48 | 59 |
| 2.18 | 48 | 59 |
| 2.19 | 49 | 60 |
| 2.20 | 49 | 60 |
| 2.21 | 49, 50 | 60, 61 |
| 2.22 | 50 | 61 |
| 2.23 | 50 | 61 |
| 2.24 | 51 | 62 |
| 2.25 | 51 | 62 |
| 2.26 | 51, 52 | 62, 63 |
| 2.27 | 52 | 63 |
| 2.28 | 52, 53 | 63, 64 |
| 2.29 | 53 | 64 |
| 2.30 | 53, 54 | 64, 65 |
| 2.31 | 54 | 65 |
| 2.32 | 55 | 66 |
| 2.33 | 55, 56 | 66, 67 |
| 2.34 | 57 | 68 |
| 2.35 | 57 | 68 |
| 2.36 | 58, 59 | 69, 70 |
| 2.37 | 59 | 70 |
| 2.38 | 60 | 71 |
| 2.39 | 61 | 72 |
| 2.40 | 62 | 73 |
| 2.41 | 62, 63 | 73, 74 |
| 2.42 | 63 | 74 |
| 2.43 | 64 | 75 |
| 2.44 | 64 | 75 |
| 2.45 | 65 | 76 |
| 2.46 | 65, 66 | 76, 77 |
| 2.47 | 66, 67 | 77, 78 |
| 2.48 | 67, 68 | 78, 79 |
| 2.49 | 68 | 79 |
| 2.50 | 69 | 80 |
| 2.51 | 69 | 80 |
| 2.52 | 70 | 81 |
| 2.53 | 71 | 82 |
| 2.54 | 71 | 82 |
| 2.55 | 71, 72 | 82, 83 |
| 2.56 | 72 | 83 |
| 2.57 | 73 | 84 |
| 2.58 | 73 | 84 |
| 2.59 | 74, 75 | 85, 86 |
| 2.60 | 76 | 87 |
| 2.61 | 76 | 87 |
| 2.62 | 76, 77 | 87, 88 |
| 2.63 | 77 | 88 |
| 2.64 | 77, 78 | 88, 89 |
| 2.65 | 78, 79 | 89, 90 |
| 2.66 | 79 | 90 |
| 2.67 | 80, 81 | 91, 92 |
| 2.68 | 81 | 92 |
| 2.69 | 81 | 92 |
| 2.70 | 81 | 92 |
| 2.71 | 82 | 93 |
| 2.72 | 82, 83 | 93, 94 |
| 2.73 | 83, 85 | 94, 96 |
| 2.74 | 85, 86 | 96, 97 |
| 2.75 | 86 | 97 |
| 2.76 | 87 | 98 |
| 2.77 | 87 | 98 |
| 2.78 | 87, 88 | 98, 99 |
| 2.79 | 88 | 99 |
| 2.80 | 89 | 100 |
| 2.81 | 89 | 100 |
| 2.82 | 90 | 101 |
| 2.83 | 91 | 102 |
| 2.84 | 91 | 102 |
| 2.85 | 91 | 102 |
| 2.86 | 91 | 102 |
| 2.87 | 91 | 102 |
| 2.88 | 92 | 103 |
| 2.89 | 92 | 103 |
| 2.90 | 92 | 103 |
| Kapitel 2: Abschlussvermerk 1 | 93 | 104 |
| Kapitel 3: überlieferte Überschrift | 94 | 105 |
| 3.1 | 94 | 105 |
| 3.2 | 96 | 107 |
| 3.3 | 96 | 107 |
| 3.4 | 96, 97 | 107, 108 |
| 3.5 | 97, 98 | 108, 109 |
| 3.6 | 98, 99 | 109, 110 |
| 3.7 | 100 | 111 |
| 3.8 | 100, 101 | 111, 112 |
| 3.9 | 101 | 112 |
| 3.10 | 102 | 113 |
| 3.11 | 102 | 113 |
| 3.12 | 102, 103 | 113, 114 |
| 3.13 | 103 | 114 |
| 3.14 | 103 | 114 |
| 3.15 | 103, 104 | 114, 115 |
| 3.16 | 104 | 115 |
| 3.17 | 105 | 116 |
| 3.18 | 106 | 117 |
| 3.19 | 106 | 117 |
| 3.20 | 106 | 117 |
| 3.21 | 107 | 118 |
| 3.22 | 107 | 118 |
| 3.23 | 107 | 118 |
| 3.24 | 107 | 118 |
| 3.25 | 107 | 118 |
| 3.26 | 108 | 119 |
| 3.27 | 108 | 119 |
| 3.28 | 108 | 119 |
| 3.29 | 108 | 119 |
| 3.30 | 109 | 120 |
| 3.31 | 109 | 120 |
| 3.32 | 109 | 120 |
| 3.33 | 110 | 121 |
| 3.34 | 111 | 122 |
| 3.35 | 111 | 122 |
| 3.36 | 112 | 123 |
| 3.37 | 112 | 123 |
| 3.38 | 113 | 124 |
| 3.39 | 113 | 124 |
| 3.40 | 113 | 124 |
| 3.41 | 113 | 124 |
| 3.42 | 113, 114 | 124, 125 |
| 3.43 | 114 | 125 |
| 3.44 | 114 | 125 |
| 3.45 | 114 | 125 |
| 3.46 | 114 | 125 |
| 3.47 | 114 | 125 |
| 3.48 | 115 | 126 |
| 3.49 | 115, 116 | 126, 127 |
| 3.50 | 116, 117 | 127, 128 |
| 3.51 | 117 | 128 |
| 3.52 | 118 | 129 |
| 3.53 | 118 | 129 |
| 3.54 | 118 | 129 |
| 3.55 | 118 | 129 |
| 3.56 | 118 | 129 |
| 3.57 | 119 | 130 |
| 3.58 | 119 | 130 |
| 3.59 | 119 | 130 |
| 3.60 | 120 | 131 |
| 3.61 | 120 | 131 |
| 3.62 | 121 | 132 |
| 3.63 | 121 | 132 |
| 3.64 | 121 | 132 |
| 3.65 | 121, 122 | 132, 133 |
| 3.66 | 122 | 133 |
| 3.67 | 122 | 133 |
| 3.68 | 122, 125 | 133, 136 |
| 3.69 | 125 | 136 |
| 3.70 | 126 | 137 |
| 3.71 | 127 | 138 |
| 3.72 | 127, 128 | 138, 139 |
| 3.73 | 128 | 139 |
| 3.74 | 128, 129 | 139, 140 |
| 3.75 | 129 | 140 |
| 3.76 | 129 | 140 |
| 3.77 | 129 | 140 |
| 3.78 | 129, 130 | 140, 141 |
| 3.79 | 130 | 141 |
| 3.80 | 130 | 141 |
| 3.81 | 130, 131 | 141, 142 |
| 3.82 | 131 | 142 |
| 3.83 | 131 | 142 |
| 3.84 | 133 | 144 |
| 3.85 | 133 | 144 |
| 3.86 | 134, 136 | 145, 147 |
| 3.87 | 136 | 147 |
| 3.88 | 136 | 147 |
| 3.89 | 136, 137 | 147, 148 |
| 3.90 | 137 | 148 |
| 3.91 | 137, 138 | 148, 149 |
| 3.92 | 138 | 149 |
| 3.93 | 138 | 149 |
| 3.94 | 138, 139 | 149, 150 |
| 3.95 | 139, 140 | 150, 151 |
| 3.96 | 140 | 151 |
| 3.97 | 141 | 152 |
| 3.98 | 141, 142 | 152, 153 |
| 3.99 | 142 | 153 |
| Kapitel 3: Abschlussvermerk 1 | 142 | 153 |
| Kapitel 4: überlieferte Überschrift | 143 | 154 |
| 4.1 | 144 | 155 |
| 4.2 | 144, 146 | 155, 157 |
| 4.3 | 146 | 157 |
| 4.4 | 147 | 158 |
| 4.5 | 147 | 158 |
| 4.6 | 148 | 159 |
| 4.7 | 148 | 159 |
| 4.8 | 148 | 159 |
| 4.9 | 148, 149 | 159, 160 |
| 4.10 | 149, 150 | 160, 161 |
| 4.11 | 150 | 161 |
| 4.12 | 150 | 161 |
| 4.13 | 150, 151 | 161, 162 |
| 4.14 | 151 | 162 |
| 4.15 | 152 | 163 |
| 4.16 | 152 | 163 |
| 4.17 | 153 | 164 |
| 4.18 | 153 | 164 |
| 4.19 | 155 | 166 |
| 4.20 | 155 | 166 |
| 4.21 | 155, 156 | 166, 167 |
| 4.22 | 156 | 167 |
| 4.23 | 156 | 167 |
| 4.24 | 157 | 168 |
| 4.25 | 157 | 168 |
| 4.26 | 157 | 168 |
| 4.27 | 157 | 168 |
| 4.28 | 158 | 169 |
| 4.29 | 158 | 169 |
| 4.30 | 158 | 169 |
| 4.31 | 158 | 169 |
| 4.32 | 158, 159 | 169, 170 |
| 4.33 | 159, 160 | 170, 171 |
| 4.34 | 160 | 171 |
| 4.35 | 161 | 172 |
| 4.36 | 161 | 172 |
| 4.37 | 161, 162 | 172, 173 |
| 4.38 | 162 | 173 |
| 4.39 | 163 | 174 |
| 4.40 | 163 | 174 |
| 4.41 | 163 | 174 |
| 4.42 | 163, 164 | 174, 175 |
| 4.43 | 164 | 175 |
| 4.44 | 164, 166 | 175, 177 |
| 4.45 | 166, 167 | 177, 178 |
| 4.46 | 167 | 178 |
| 4.47 | 167 | 178 |
| 4.48 | 168 | 179 |
| 4.49 | 168, 169 | 179, 180 |
| 4.50 | 169 | 180 |
| 4.51 | 169, 170 | 180, 181 |
| 4.52 | 170 | 181 |
| 4.53 | 171 | 182 |
| 4.54 | 171, 172 | 182, 183 |
| 4.55 | 172 | 183 |
| 4.56 | 172 | 183 |
| 4.57 | 172, 173 | 183, 184 |
| 4.58 | 173 | 184 |
| 4.59 | 173 | 184 |
| 4.60 | 173, 174 | 184, 185 |
| 4.61 | 174 | 185 |
| 4.62 | 174 | 185 |
| 4.63 | 174, 175 | 185, 186 |
| 4.64 | 175 | 186 |
| 4.65 | 175 | 186 |
| 4.66 | 175 | 186 |
| 4.67 | 176 | 187 |
| 4.68 | 176 | 187 |
| 4.69 | 176 | 187 |
| 4.70a | 176 | 187 |
| 4.70b | 177 | 188 |
| 4.71 | 177 | 188 |
| 4.72 | 177 | 188 |
| 4.73 | 177 | 188 |
| 4.74 | 178 | 189 |
| 4.75 | 178 | 189 |
| 4.76 | 178 | 189 |
| 4.77 | 178 | 189 |
| 4.78 | 178 | 189 |
| 4.79 | 178 | 189 |
| 4.80 | 178 | 189 |
| 4.81 | 179 | 190 |
| 4.82 | 179 | 190 |
| 4.83 | 179 | 190 |
| 4.84 | 179 | 190 |
| 4.85 | 179 | 190 |
| 4.86 | 179 | 190 |
| 4.87 | 179 | 190 |
| 4.88 | 179 | 190 |
| 4.89 | 179 | 190 |
| 4.90 | 180 | 191 |
| 4.91 | 180 | 191 |
| 4.92 | 180 | 191 |
| 4.93 | 180 | 191 |
| 4.94 | 180 | 191 |
| 4.95 | 180 | 191 |
| 4.96 | 180 | 191 |
| 4.97 | 180 | 191 |
| 4.98 | 180 | 191 |
| 4.99 | 180 | 191 |
| 4.100 | 181 | 192 |
| 4.101 | 181 | 192 |
| 4.102 | 181 | 192 |
| 4.103 | 181 | 192 |
| 4.104 | 181 | 192 |
| 4.105 | 181 | 192 |
| 4.106 | 181 | 192 |
| 4.107 | 181 | 192 |
| 4.108 | 181 | 192 |
| 4.109 | 181 | 192 |
| 4.110 | 182 | 193 |
| 4.111 | 182 | 193 |
| 4.112 | 182 | 193 |
| 4.113 | 182 | 193 |
| 4.114 | 182 | 193 |
| 4.115 | 182 | 193 |
| 4.116 | 182 | 193 |
| 4.117 | 182 | 193 |
| 4.118 | 182 | 193 |
| 4.119 | 182 | 193 |
| 4.120 | 183 | 194 |
| 4.121 | 183 | 194 |
| 4.122 | 183 | 194 |
| 4.123 | 183 | 194 |
| 4.124 | 183 | 194 |
| Unnummerierter Halbvers nach 4.124 | 183 | 194 |
| Kapitel 4: Abschlussvermerk 1 | 183 | 194 |
| Kapitel 5: überlieferte Überschrift | 184 | 195 |
| 5.1 | 184 | 195 |
| 5.2 | 184 | 195 |
| 5.3 | 184 | 195 |
| 5.4 | 184 | 195 |
| 5.5 | 184 | 195 |
| 5.6 | 184 | 195 |
| 5.7 | 184 | 195 |
| 5.8 | 184 | 195 |
| 5.9 | 185 | 196 |
| 5.10 | 185 | 196 |
| 5.11 | 185 | 196 |
| 5.12 | 185 | 196 |
| 5.13 | 185 | 196 |
| 5.14 | 185 | 196 |
| 5.15 | 185 | 196 |
| 5.16 | 185 | 196 |
| 5.17 | 185 | 196 |
| 5.18 | 185 | 196 |
| 5.19 | 186 | 197 |
| 5.20 | 186 | 197 |
| 5.21 | 186 | 197 |
| 5.22 | 186 | 197 |
| 5.23 | 186 | 197 |
| 5.24 | 186 | 197 |
| 5.25 | 186 | 197 |
| 5.26 | 186 | 197 |
| 5.27 | 186 | 197 |
| 5.28 | 186 | 197 |
| 5.29 | 187 | 198 |
| 5.30 | 187 | 198 |
| 5.31 | 187 | 198 |
| 5.32 | 187 | 198 |
| 5.33 | 187 | 198 |
| 5.34 | 187 | 198 |
| 5.35 | 187 | 198 |
| 5.36 | 187 | 198 |
| 5.37 | 187 | 198 |
| 5.38 | 187 | 198 |
| 5.39 | 188 | 199 |
| 5.40 | 188 | 199 |
| 5.41 | 188 | 199 |
| 5.42 | 188 | 199 |
| 5.43 | 188 | 199 |
| 5.44 | 188 | 199 |
| 5.45 | 188 | 199 |
| 5.46 | 188 | 199 |
| 5.47 | 188 | 199 |
| 5.48 | 188 | 199 |
| 5.49 | 189 | 200 |
| 5.50 | 189 | 200 |
| 5.51 | 189 | 200 |
| 5.52 | 189 | 200 |
| 5.53 | 189 | 200 |
| 5.54 | 189 | 200 |
| 5.55 | 189 | 200 |
| 5.56 | 189 | 200 |
| 5.57 | 189 | 200 |
| 5.58 | 189 | 200 |
| 5.59 | 190 | 201 |
| 5.60 | 190 | 201 |
| 5.61 | 190 | 201 |
| 5.62 | 190 | 201 |
| 5.63 | 190 | 201 |
| 5.64 | 190 | 201 |
| 5.65 | 190 | 201 |
| 5.66 | 190 | 201 |
| 5.67 | 190 | 201 |
| 5.68 | 190 | 201 |
| 5.69 | 191 | 202 |
| 5.70 | 191 | 202 |
| 5.71 | 191 | 202 |
| 5.72 | 191 | 202 |
| 5.73 | 191 | 202 |
| 5.74 | 191 | 202 |
| 5.75 | 191 | 202 |
| 5.76 | 191 | 202 |
| 5.77 | 191 | 202 |
| 5.78 | 191 | 202 |
| 5.79 | 192 | 203 |
| 5.80 | 192 | 203 |
| 5.81 | 192 | 203 |
| 5.82 | 192 | 203 |
| 5.83 | 192 | 203 |
| 5.84 | 192 | 203 |
| 5.85 | 192 | 203 |
| 5.86 | 192 | 203 |
| 5.87 | 192 | 203 |
| 5.88 | 192 | 203 |
| 5.89 | 193 | 204 |
| 5.90 | 193 | 204 |
| 5.91 | 193 | 204 |
| 5.92 | 193 | 204 |
| 5.93 | 193 | 204 |
| 5.94 | 193 | 204 |
| 5.95 | 193 | 204 |
| 5.96 | 193 | 204 |
| 5.97 | 193 | 204 |
| 5.98 | 193 | 204 |
| 5.99 | 194 | 205 |
| 5.100 | 194 | 205 |
| 5.101 | 194 | 205 |
| 5.102 | 194 | 205 |
| 5.103 | 194 | 205 |
| 5.104 | 194 | 205 |
| 5.105 | 194 | 205 |
| 5.106 | 194 | 205 |
| 5.107 | 194 | 205 |
| 5.108 | 194 | 205 |
| 5.109 | 195 | 206 |
| 5.110 | 195 | 206 |
| Kapitel 5: Abschlussvermerk 1 | 195 | 206 |
| Kapitel 6: überlieferte Überschrift | 196 | 207 |
| 6.1 | 196 | 207 |
| 6.2 | 196 | 207 |
| 6.3 | 196 | 207 |
| 6.4 | 196 | 207 |
| 6.5 | 196 | 207 |
| 6.6 | 196 | 207 |
| 6.7 | 196 | 207 |
| 6.8 | 197 | 208 |
| 6.9 | 197 | 208 |
| 6.10 | 197 | 208 |
| 6.11 | 197 | 208 |
| 6.12 | 197 | 208 |
| 6.13 | 197 | 208 |
| 6.14 | 197 | 208 |
| 6.15 | 197 | 208 |
| 6.16 | 197 | 208 |
| 6.17 | 197 | 208 |
| 6.18 | 198 | 209 |
| 6.19 | 198 | 209 |
| 6.20 | 198 | 209 |
| 6.21 | 198 | 209 |
| 6.22 | 198 | 209 |
| 6.23 | 198 | 209 |
| 6.24 | 198 | 209 |
| 6.25 | 198 | 209 |
| 6.26 | 198 | 209 |
| 6.27 | 198 | 209 |
| 6.28 | 199 | 210 |
| 6.29 | 199 | 210 |
| 6.30 | 199 | 210 |
| 6.31 | 199 | 210 |
| 6.32 | 199 | 210 |
| 6.33 | 199 | 210 |
| 6.34 | 199 | 210 |
| 6.35 | 199 | 210 |
| 6.36 | 199 | 210 |
| 6.37 | 199 | 210 |
| 6.38 | 200 | 211 |
| 6.39 | 200 | 211 |
| 6.40 | 200 | 211 |
| 6.41 | 200 | 211 |
| 6.42 | 200 | 211 |
| 6.43 | 200 | 211 |
| 6.44 | 200 | 211 |
| 6.45 | 200 | 211 |
| 6.46 | 200 | 211 |
| 6.47 | 200 | 211 |
| 6.48 | 201 | 212 |
| 6.49 | 201 | 212 |
| 6.50 | 201 | 212 |
| 6.51 | 201 | 212 |
| 6.52 | 201 | 212 |
| 6.53 | 201 | 212 |
| 6.54 | 201 | 212 |
| 6.55 | 201 | 212 |
| 6.56 | 201 | 212 |
| 6.57 | 201 | 212 |
| 6.58 | 202 | 213 |
| 6.59 | 202 | 213 |
| 6.60 | 202 | 213 |
| 6.61 | 202 | 213 |
| 6.62 | 202 | 213 |
| 6.63 | 202 | 213 |
| 6.64 | 202 | 213 |
| 6.65 | 202 | 213 |
| 6.66 | 202 | 213 |
| 6.67 | 202 | 213 |
| 6.68 | 203 | 214 |
| 6.69 | 203 | 214 |
| 6.70 | 203 | 214 |
| 6.71 | 203 | 214 |
| 6.72 | 203 | 214 |
| 6.73 | 203 | 214 |
| 6.74 | 203 | 214 |
| 6.75 | 203 | 214 |
| 6.76 | 203 | 214 |
| 6.77 | 203 | 214 |
| 6.78 | 204 | 215 |
| 6.79 | 204 | 215 |
| 6.80 | 204 | 215 |
| 6.81 | 204 | 215 |
| 6.82 | 204 | 215 |
| 6.83 | 204 | 215 |
| 6.84 | 204 | 215 |
| 6.85 | 204 | 215 |
| 6.86 | 204 | 215 |
| 6.87 | 204 | 215 |
| 6.88 | 205 | 216 |
| 6.89 | 205 | 216 |
| 6.90 | 205 | 216 |
| 6.91 | 205 | 216 |
| 6.92 | 205 | 216 |
| 6.93 | 205 | 216 |
| 6.94 | 205 | 216 |
| 6.95 | 205 | 216 |
| 6.96 | 205 | 216 |
| 6.97 | 205 | 216 |
| 6.98 | 206 | 217 |
| 6.99 | 206 | 217 |
| 6.100 | 206 | 217 |
| 6.101 | 206 | 217 |
| 6.102 | 206 | 217 |
| 6.103 | 206 | 217 |
| 6.104 | 206 | 217 |
| 6.105 | 206 | 217 |
| 6.106 | 206 | 217 |
| 6.107 | 206 | 217 |
| 6.108 | 207 | 218 |
| 6.109 | 207 | 218 |
| 6.110 | 207 | 218 |
| 6.111 | 207 | 218 |
| 6.112 | 207 | 218 |
| 6.113 | 207 | 218 |
| 6.114 | 207 | 218 |
| 6.115 | 207 | 218 |
| 6.116 | 207 | 218 |
| 6.117 | 207 | 218 |
| 6.118 | 208 | 219 |
| 6.119 | 208 | 219 |
| 6.120 | 208 | 219 |
| 6.121 | 208 | 219 |
| 6.122 | 208 | 219 |
| 6.123 | 208 | 219 |
| 6.124 | 208 | 219 |
| 6.125 | 208 | 219 |
| 6.126 | 208 | 219 |
| Unnummerierter Halbvers nach 6.126 | 208 | 219 |
| Kapitel 6: Abschlussvermerk 1 | 208 | 219 |
| Kapitel 7: überlieferte Überschrift | 209 | 220 |
| 7.1 | 209 | 220 |
| 7.2 | 209 | 220 |
| 7.3 | 209 | 220 |
| 7.4 | 209 | 220 |
| 7.5 | 209 | 220 |
| 7.6 | 209 | 220 |
| 7.7 | 209 | 220 |
| 7.8 | 210 | 221 |
| 7.9 | 210 | 221 |
| 7.10 | 210 | 221 |
| 7.11 | 210 | 221 |
| 7.12 | 210 | 221 |
| 7.13 | 210 | 221 |
| 7.14 | 210 | 221 |
| 7.15 | 210 | 221 |
| 7.16 | 210 | 221 |
| 7.17 | 210 | 221 |
| 7.18 | 211 | 222 |
| 7.19 | 211 | 222 |
| 7.20 | 211 | 222 |
| 7.21 | 211 | 222 |
| 7.22 | 211 | 222 |
| 7.23 | 211 | 222 |
| 7.24 | 211 | 222 |
| 7.25 | 211 | 222 |
| 7.26 | 211 | 222 |
| 7.27 | 211 | 222 |
| 7.28 | 212 | 223 |
| 7.29 | 212 | 223 |
| 7.30 | 212 | 223 |
| 7.31 | 212 | 223 |
| 7.32 | 212 | 223 |
| 7.33 | 212 | 223 |
| 7.34 | 212 | 223 |
| 7.35 | 212 | 223 |
| 7.36 | 212 | 223 |
| 7.37 | 212 | 223 |
| 7.38 | 213 | 224 |
| 7.39 | 213 | 224 |
| 7.40 | 213 | 224 |
| 7.41 | 213 | 224 |
| 7.42 | 213 | 224 |
| 7.43 | 213 | 224 |
| 7.44 | 213 | 224 |
| 7.45 | 213 | 224 |
| 7.46 | 213 | 224 |
| 7.47 | 213 | 224 |
| 7.48 | 214 | 225 |
| 7.49 | 214 | 225 |
| 7.50 | 214 | 225 |
| 7.51 | 214 | 225 |
| 7.52 | 214 | 225 |
| 7.53 | 214 | 225 |
| 7.54 | 214 | 225 |
| 7.55 | 214 | 225 |
| 7.56 | 214 | 225 |
| 7.57 | 214 | 225 |
| 7.58 | 215 | 226 |
| 7.59 | 215 | 226 |
| 7.60 | 215 | 226 |
| 7.61 | 215 | 226 |
| 7.62 | 215 | 226 |
| 7.63 | 215 | 226 |
| 7.64 | 215 | 226 |
| 7.65 | 215 | 226 |
| 7.66 | 215 | 226 |
| 7.67 | 215 | 226 |
| 7.68 | 216 | 227 |
| 7.69 | 216 | 227 |
| 7.70 | 216 | 227 |
| 7.71 | 216 | 227 |
| 7.72 | 216 | 227 |
| 7.73 | 216 | 227 |
| 7.74 | 216 | 227 |
| 7.75 | 216 | 227 |
| 7.76 | 216 | 227 |
| 7.77 | 216 | 227 |
| 7.78 | 217 | 228 |
| 7.79 | 217 | 228 |
| 7.80 | 217 | 228 |
| 7.81 | 217 | 228 |
| 7.82 | 217 | 228 |
| 7.83 | 217 | 228 |
| 7.84 | 217 | 228 |
| 7.85 | 217 | 228 |
| 7.86 | 217 | 228 |
| 7.87 | 217 | 228 |
| 7.88 | 218 | 229 |
| 7.89 | 218 | 229 |
| 7.90 | 218 | 229 |
| 7.91 | 218 | 229 |
| 7.92 | 218 | 229 |
| 7.93 | 218 | 229 |
| 7.94 | 218 | 229 |
| 7.95 | 218 | 229 |
| 7.96 | 218 | 229 |
| 7.97 | 218 | 229 |
| 7.98 | 219 | 230 |
| 7.99 | 219 | 230 |
| 7.100 | 219 | 230 |
| 7.101 | 219 | 230 |
| 7.102 | 219 | 230 |
| 7.103 | 219 | 230 |
| 7.104 | 219 | 230 |
| 7.105 | 219 | 230 |
| Unnummerierter Halbvers vor 7.106 | 219 | 230 |
| 7.106 | 219 | 230 |
| 7.107 | 220 | 231 |
| 7.108 | 220 | 231 |
| 7.109 | 220 | 231 |
| 7.110 | 220 | 231 |
| 7.111 | 220 | 231 |
| 7.112 | 220 | 231 |
| 7.113 | 220 | 231 |
| 7.114 | 220 | 231 |
| 7.115 | 220 | 231 |
| 7.116 | 220 | 231 |
| 7.117 | 221 | 232 |
| 7.118 | 221 | 232 |
| 7.119 | 221 | 232 |
| 7.120 | 221 | 232 |
| 7.121 | 221 | 232 |
| 7.122 | 221 | 232 |
| Unnummerierter Halbvers nach 7.122 | 221 | 232 |
| Kapitel 7: Abschlussvermerk 1 | 221 | 232 |
| Kapitel 7: Abschlussvermerk 2 | 221 | 232 |
| Kapitel 7: Abschlussvermerk 3 | 221 | 232 |
Literatur und zugängliche Quellen.
- Somānanda: The Sivadristi of Sri Somanandanatha with the Vritti by Utpaladeva. Herausgegeben von Madhusudan Kaul Shastri. Kashmir Series of Texts and Studies 54, 1934. Vollständiger Scan der Leitquelle.
- Muktabodha Digital Library, Textkennung M00081: Śivadṛṣṭi. Elektronische Wiedergabe bei Vishvasa. Die zusätzlich dort angebotenen Kapitelkopien wurden zur Kontrolle herangezogen.
- John Nemec: The Ubiquitous Śiva: Somānanda’s Śivadṛṣṭi and His Tantric Interlocutors. Oxford University Press, 2011. Kritische Edition und Übersetzung der ersten drei Kapitel mit Utpaladevas Auslegung; hier nur bibliografisch berücksichtigt.
- John Nemec: The Ubiquitous Śiva, Volume II: Somānanda’s Śivadṛṣṭi and His Philosophical Interlocutors. Oxford University Press, 2021. Zum vierten Kapitel und seiner Auslegung. Gespräch mit dem Autor, 1. Oktober 2021. Die Beschreibung dieses Bandes ist nicht als Aussage zu verstehen, das Gesamtwerk habe nur vier Kapitel.
- John Nemec: „On the contributions of the Śivadṛṣṭi of Somānanda to the Intellectual History of the Pratyabhijñā“. In: Annuaire de l’École pratique des hautes études, Section des sciences religieuses 124 (2017), S. 15–23. Volltext. Für die historische Einordnung und die Eigenständigkeit von Somanandas philosophischen Argumenten eingesehen.
- Radheshyam Chaturvedi (Hg.): Śivadṛṣṭiḥ, mit Utpaladevas Vṛtti und Chaturvedis ergänzenden Sanskrit- und Hindi-Erläuterungen. Varanaseya Sanskrit Sansthan, Varanasi 1986. Scan. Titelblatt sowie S. 161, 168, 261–262 und 286 gezielt eingesehen; kein unabhängiger alter Handschriftenzeuge.
- John Nemec: „Somānanda on the Meaningfulness of Language“. In: Indo-Iranian Journal 62/3 (2019), S. 227–268. DOI und Verlagsnachweis; JSTOR-Nachweis. Das Sanskritzitat zu 4.91–92 entspricht hier 4.90–91. Die relevanten Lesungen und Apparatangaben waren in indexierten Auszügen zugänglich; der vollständige Aufsatz wurde nicht eingesehen.
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