Yajnavalkya Upanishad

Aus Yogawiki

Die Yajnavalkya Upanishad behandelt den Übergang in Sannyasa, die Lebensführung des Entsagenden und die Unterscheidung von äußerem Zeichen und innerer Erkenntnis. Sie wird dem Shukla Yajurveda zugeordnet. Im ersten Teil unterweist Yajnavalkya den König Janaka; mehrere Passagen stehen der Jabala Upanishad nahe. Der Sanskritname lautet याज्ञवल्क्योपनिषत् (yājñavalkyopaniṣat).

Sammlung und das Studium der Upanishaden ergänzen sich auf dem Weg der Selbsterkenntnis.

Sanskrittext mit Übersetzung und Wort-für-Wort-Erläuterung

Zur Textgestalt: Diese deutsche Studienübersetzung folgt der unten verlinkten Sanskritfassung. Der Prosateil wird in Sinnabschnitte gegliedert. Im anschließenden Versteil werden die beiden Hälften von Vers 1 zusammengeführt und alle nummerierten Verse einzeln behandelt. Merkverse, Friedensgebete und Kolophone werden als eigene Textbestandteile kenntlich gemacht. In der Worterklärung sind Sandhi-Verbindungen und Zusammensetzungen nach Möglichkeit aufgelöst. Offenkundige Schreib- und Trennfehler sind berichtigt; sinnrelevante Unsicherheiten werden angegeben. Die Devanagari- und IAST-Volltexte geben denselben redaktionellen Sanskritstand wieder.

Vorangestellter Merkvers

saṃnyāsajñānasampannā yānti yadvaiṣṇavaṃ padam |
tadvai padaṃ brahmatattvaṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||

Ich verehre den Stand Ramachandras, die Wirklichkeit Brahmans, jenen Stand Vishnus, den die mit Entsagung und Erkenntnis Ausgestatteten erreichen.

Wort für Wort: saṃnyāsa-jñāna-sampannāḥ – mit Entsagung und Erkenntnis ausgestattet; yānti – gelangen; yat vaiṣṇavam padam – zu jenem Vishnu-Stand; tat padam – jener Stand; brahma-tattvam – Brahmans Wirklichkeit; rāmacandra-padam – Stand Ramachandras; bhaje – ich verehre.

Shanti-Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Wort für Wort: oṃ – Om; pūrṇam – Fülle, vollständig; adaḥ – jenes; idam – dieses; pūrṇāt – aus der Fülle; udacyate – geht hervor; pūrṇasya – der Fülle; pūrṇam ādāya – die Fülle genommen habend; eva – allein, wahrlich; avaśiṣyate – bleibt zurück.

Friedensruf

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Wort für Wort: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal.

Anrufung

hariḥ oṃ ||

Hari. Om.

Wort für Wort: hariḥ – Hari, Name des Göttlichen; oṃ – Om.

1a. Janakas Frage

atha janako ha vaideho yājñavalkyamupasametyovāca bhagavansaṃnyāsamanubrūhīti kathaṃ saṃnyāsalakṣaṇam |

Janaka von Videha trat zu Yajnavalkya und bat: „Ehrwürdiger, unterweise mich über Entsagung. Was kennzeichnet sie?“

Wort für Wort: atha – nun; janakaḥ vaidehaḥ – Janaka von Videha; upasametya – herangetreten; uvāca – sagte; bhagavan – Ehrwürdiger; saṃnyāsam anubrūhi – erkläre Entsagung; katham saṃnyāsa-lakṣaṇam – welches Kennzeichen hat Entsagung.

1b. Der Schüler und der Haushälter

sa hovāca yājñavalkyo brahmacaryaṃ samāpya gṛhī bhavet |

Yajnavalkya antwortete: „Nach dem Abschluss des Schülerstandes werde man Haushälter.“

Wort für Wort: sa ha uvāca – er antwortete; brahmacaryam samāpya – den Schülerstand vollendet habend; gṛhī bhavet – werde Haushälter.

1c. Waldleben und Wanderschaft

gṛhādvanī bhūtvā pravrajet |

Nach dem Hausleben werde man Waldeinsiedler und ziehe dann als Entsagender fort.

Wort für Wort: gṛhāt – vom Hausstand aus; vanī bhūtvā – Waldeinsiedler geworden; pravrajet – ziehe fort.

1d. Direkte Entsagung

yadi vetarathā brahmacaryādeva pravrajedgṛhādvā vanādvā |

Man kann auch unmittelbar aus dem Schülerstand, aus dem Hausleben oder aus dem Waldleben entsagen.

Wort für Wort: yadi vā itarathā – oder auch anders; brahmacaryāt eva – unmittelbar aus dem Schülerstand; pravrajet – ziehe als Entsagender fort; gṛhāt vā – oder aus dem Hausleben; vanāt vā – oder aus dem Waldleben.

1e. Reife zur Entsagung

atha punarvratī vāvratī vā snātako vā'snātako vā utsannāgniranagniko vā yadahareva virajettadahareva pravrajet |

Ob mit oder ohne eingehaltenes Gelübde, mit oder ohne Abschlussbad, mit erloschenem Opferfeuer oder ohne Feuer: An dem Tag, an dem Leidenschaftslosigkeit entsteht, soll man entsagen.

Wort für Wort: vratī vā avratī vā – mit oder ohne Gelübde; snātakaḥ vā asnātakaḥ – mit oder ohne Abschlussbad; utsanna-agniḥ – mit erloschenem Feuer; anagnikaḥ – ohne Feuer, hier elektronisch entstellt; yat ahaḥ eva virajet – am Tag, an dem man leidenschaftslos wird; tat ahaḥ eva pravrajet – an eben diesem Tag entsage man.

1f. Das Prajapati-Opfer

tadeke prājāpatyāmeveṣṭiṃ kurvanti |

Manche vollziehen dafür ein Opfer an Prajapati.

Wort für Wort: tat – dafür; eke – manche; prājāpatyām iṣṭim – Prajapati-Opfer; kurvanti – vollziehen.

1g. Das Agni-Opfer

atha vā na kuryādāgneyyāmeva kuryāt |

Er kann darauf verzichten und stattdessen ein Agni-Opfer vollziehen.

Wort für Wort: atha vā – oder; na kuryāt – vollziehe nicht; āgneyyām eva kuryāt – vollziehe gerade das Agni-Opfer.

1h. Agni ist Prana

agnirhi prāṇaḥ |

Denn Agni ist der Lebenshauch.

Wort für Wort: agniḥ – Feuer, Agni; hi – denn; prāṇaḥ – Lebenshauch.

1i. Das innere Opfer

prāṇamevaitayā karoti |

Durch dieses Opfer verwirklicht er den Bezug zum Lebenshauch.

Wort für Wort: prāṇam eva – eben den Lebenshauch; etayā – durch dieses Opfer; karoti – macht, verwirklicht.

1j. Das dreifache Opfer

traidhātavīyāmeva kuryāt |

Er soll das Opfer der drei Bestandteile vollziehen.

Wort für Wort: traidhātavīyām – Opfer mit drei Bestandteilen; eva – gerade; kuryāt – soll vollziehen.

1k. Die drei Gunas und der Ursprung des Feuers

etayaiva trayo dhātavo yaduta sattvaṃ rajastama iti ayaṃ te yonirṛtvijo yato jāto arocathāḥ |

Diese drei Bestandteile sind Sattva, Rajas und Tamas. Die Formel beginnt: „Dies ist dein Ursprung, aus dem du geboren wurdest und leuchtetest.“

Wort für Wort: etayā eva – durch dieses; trayaḥ dhātavaḥ – drei Bestandteile; yat uta – nämlich; sattvam rajaḥ tamaḥ – Klarheit, Aktivität, Trägheit; ayam te yoniḥ – dies ist dein Ursprung; ṛtvijaḥ – des Opferpriesters, unsicher überliefert; yataḥ jātaḥ – aus dem geboren; arocathāḥ – leuchtetest du.

1l. Die Opferformel

taṃ jānannagna ārohāthāno vardhayā rayimityanena mantreṇāgnimājighret |

„Ihn kennend, steige ein, Agni, und mehre unseren Reichtum.“ Mit diesem Mantra soll er am Feuer riechen.

Wort für Wort: tam jānan – ihn kennend; agne āroha – Agni, steige ein; atha naḥ vardhaya rayim – dann mehre unseren Reichtum; anena mantreṇa – mit diesem Mantra; agnim ājighret – soll am Feuer riechen.

1m. Feuer und Wasser

eṣa vā agneryoniryaḥ prāṇaṃ gaccha svāṃ yoniṃ gaccha svāhetyevamevaitadāgrāmādagnimāhṛtya pūrvavadagnimājighret yadagniṃ na vindedapsu juhuyādāpo vai sarvā devatāḥ sarvābhyo devatābhyo juhomi svāheti sājyaṃ haviranāmayam |

Dies ist der Ursprung des Feuers: „Gehe zum Lebenshauch, gehe zu deinem eigenen Ursprung, Svaha!“ Nachdem er aus dem Dorf Feuer geholt hat, rieche er daran wie zuvor. Wenn er kein Feuer findet, opfere er in Wasser: „Die Wasser sind alle Gottheiten; allen Gottheiten opfere ich, Svaha!“ Die mit geklärter Butter versehene Gabe gilt als heilsam.

Wort für Wort: agneḥ yoniḥ – Ursprung des Feuers; prāṇam gaccha – gehe zum Lebenshauch; svām yonim gaccha – gehe zu deinem Ursprung; svāhā – Opferanrufung; grāmāt agnim āhṛtya – Feuer aus dem Dorf geholt; pūrvavat ājighret – rieche wie zuvor; agnim na vindet – kein Feuer findet; apsu juhuyāt – opfere ins Wasser; āpaḥ sarvāḥ devatāḥ – Wasser sind alle Gottheiten; sarvābhyaḥ devatābhyaḥ juhomi – allen Gottheiten opfere ich; sa-ājyam haviḥ – Gabe mit Butter; anāmayam – heilsam.

1n. Der Befreiungsmantra

mokṣamantrastrayyevaṃ veda tadbrahma tadupāsitavyam |

Der Befreiungsmantra wird mit dem dreifachen Veda verbunden: Dies ist Brahman, darüber soll meditiert werden. Die Sanskritfügung ist knapp und textlich unsicher.

Wort für Wort: mokṣa-mantraḥ – Befreiungsmantra; trayī – dreifacher Veda; evam veda – so weiß man; tat brahma – dies ist Brahman; tat upāsitavyam – darüber ist zu meditieren.

1o. Die Entsagungsformel

śikhāṃ yajñopavītaṃ chittvā saṃnyastaṃ mayeti trivāramuccaret |

Nach dem Abschneiden von Haarknoten und Opferfaden spreche er dreimal: „Ich habe entsagt.“

Wort für Wort: śikhām yajñopavītam chittvā – Haarknoten und Opferfaden abgeschnitten; saṃnyastam mayā iti – von mir ist entsagt; trivāram – dreimal; uccaret – spreche.

1p. Abschluss der Unterweisung

evamevaitadbhagavanniti vai yājñavalkyaḥ || 1 ||

„So verhält es sich, Ehrwürdiger“, lautet der Abschluss der Unterweisung Yajnavalkyas.

Wort für Wort: evam eva etat – genau so ist es; bhagavan – Ehrwürdiger; iti – so; vai yājñavalkyaḥ – Yajnavalkya, Schlusszuschreibung.

2a. Atris Frage zum Opferfaden

atha hainamatriḥ papraccha yājñavalkyaṃ yajñopavītī kathaṃ brāhmaṇa iti |

Atri fragte Yajnavalkya: „Wie ist jemand ohne Opferfaden ein Brahmane?“ Das „ohne“ wird durch die Parallelstelle der Jabala Upanishad gestützt; im vorliegenden elektronischen Text fehlt die Verneinung.

Wort für Wort: atha – darauf; atriḥ papraccha – Atri fragte; yājñavalkyam – Yajnavalkya; yajñopavītī – mit Opferfaden; ayajñopavītī – ohne Opferfaden, kontextgestützte Lesart; katham brāhmaṇaḥ – wie ein Brahmane.

2b. Om und Selbst als heiliger Faden

sa hovāca yājñavalkya idaṃ praṇavamevāsya tadyajñopavītaṃ ya ātmā |

Yajnavalkya antwortete: „Om allein ist sein Opferfaden, denn es ist das Selbst.“

Wort für Wort: sa uvāca – er antwortete; idam praṇavam eva – eben dieses Om; asya – sein; tat yajñopavītam – jener Opferfaden; yaḥ ātmā – welcher das Selbst ist.

2c. Reinheit und Einfachheit

prāśyācamyāyaṃ vidhiratha vā parivrāḍvivarṇavāsā muṇḍo'parigrahaḥ śuciradrohī bhaikṣamāṇo brahma bhūyāya bhavati |

Nach dem Trinken und rituellen Mundspülen gilt folgende Ordnung: Der Wanderasket trägt unauffällige Kleidung, ist geschoren, ohne Besitzergreifen, rein und ohne Feindseligkeit; von Almosen lebend, wird er Brahman.

Wort für Wort: prāśya – getrunken habend; ācamya – rituell den Mund gespült; ayam vidhiḥ – diese Ordnung; parivrāṭ – Wanderasket; vivarṇa-vāsāḥ – mit entfärbtem Gewand; muṇḍaḥ – geschoren; aparigrahaḥ – besitzlos; śuciḥ – rein; adrohī – ohne Feindseligkeit; bhaikṣamāṇaḥ – Almosen sammelnd; brahma-bhūyāya bhavati – gelangt zum Brahmansein.

2d. Historische Formen des Lebensendes

eṣa panthāḥ parivrājakānāṃ vīrādhvani vā'nāśake vāpāṃ praveśe vāgnipraveśe vā mahāprasthāne vā |

Als überlieferte Wege nennt der Text den Weg des Helden, das Fasten bis zum Tod, das Eingehen in Wasser oder Feuer und den großen Aufbruch. Hier werden historische asketische Vorstellungen wiedergegeben.

Wort für Wort: eṣaḥ panthāḥ – dieser Weg; parivrājakānām – der Wanderasketen; vīra-adhvani – Heldenweg; anāśake – Nichtessen bis zum Tod; apām praveśe – Eingehen ins Wasser; agni-praveśe – Eingehen ins Feuer; mahā-prasthāne – großer Aufbruch; – oder.

2e. Der erkannte Weg

eṣa panthā brahmaṇā hānuvittasteneti sa saṃnyāsī brahmaviditi |

Dieser Weg ist durch Brahma erkannt worden. Der Entsagende geht ihn als Brahman-Kenner.

Wort für Wort: eṣaḥ panthāḥ – dieser Weg; brahmaṇā anuvittaḥ – durch Brahma erkannt; tena eti – darauf geht er; sa saṃnyāsī – dieser Entsagende; brahma-vit – Brahman-Kenner.

2f. Bestätigung

evamevaiṣa bhagavanniti vai yājñavalkya |

„So ist es, Ehrwürdiger“, lautet die Bestätigung bei Yajnavalkya.

Wort für Wort: evam eva eṣaḥ – eben so ist es; bhagavan – Ehrwürdiger; iti – so; yājñavalkya – Yajnavalkya.

2g. Die Paramahamsas

tatra paramahaṃsā nāma saṃvartakāruṇiśvetaketudūrvāsaṛbhunidāghadattātreyaśukavāmadevahārītakaprabhṛtayo'vyaktaliṅgā'vyaktācārā anunmattā unmattavadācarantaḥ parastrīpuraparāṅmukhāstridaṇḍaṃ kamaṇḍaluṃ bhuktapātraṃ jalapavitraṃ śikhāṃ yajñopavītaṃ bahirantaścetyetatsarvaṃ bhūḥ svāhetyapsu parityajyātmānamanvicchet |

Paramahamsas sind Samvartaka, Aruni, Shvetaketu, Durvasas, Ribhu, Nidagha, Dattatreya, Shuka, Vamadeva, Haritaka und andere. Ohne festgelegte äußere Zeichen und Verhaltensformen wirken sie wie Verrückte, obwohl sie klar bei Verstand sind. Von fremden Frauen und Städten abgewandt, legen sie Dreifachstab, Wassergefäß, Essschale, Wasserfilter, Haarknoten und Opferfaden – innerlich wie äußerlich – mit „Bhuh Svaha“ ins Wasser und suchen das Selbst.

Wort für Wort: prabhṛtayaḥ – und andere; avyakta-liṅgāḥ – ohne fest erkennbare Kennzeichen; avyakta-ācārāḥ – ohne festgelegtes Verhalten; anunmattāḥ unmattavat ācarantaḥ – nicht verrückt, doch wie Verrückte handelnd; para-strī-pura-parāṅmukhāḥ – fremden Frauen und Städten abgewandt; tridaṇḍa – Dreifachstab; kamaṇḍalu – Wassergefäß; bhukta-pātra – Essschale; jala-pavitra – Wasserfilter; śikhā – Haarknoten; yajñopavīta – Opferfaden; bahiḥ antaḥ ca – außen und innen; apsu parityajya – ins Wasser abgelegt; ātmānam anvicchet – soll das Selbst suchen.

2h. Heimatlos und gleichmütig

yathā jātarūpadharā nirdvandvā niṣparigrahāstattvabrahmamārge samyaksampannāḥ śuddhamānasāḥ prāṇasandhāraṇārthaṃ yathoktakāle vimukto bhaikṣamācarannudarapātreṇa lābhālābhau samau bhūtvā karapātreṇa vā kamaṇḍalūdakapo bhaikṣamācarannudaramātrasaṃgrahaḥ pātrāntaraśūnyo jalasthalakamaṇḍalurabādhakarahaḥsthalaniketano lābhālābhau samau bhūtvā śūnyāgāradevagṛhatṛṇakūṭavalmīkavṛkṣamūlakulālaśālāgnihotraśālānadīpulinagirikuharakoṭarakandaranirjharasthaṇḍileṣvaniketanivāsyaprayatnaḥśubhāśubhakarmanirmūlanaparaḥ saṃnyāsena dehatyāgaṃ karoti sa paramahaṃso nāmeti |

Unbekleidet wie bei der Geburt, frei von Gegensätzen und Besitz, auf Brahmans Weg gegründet und reinen Geistes, sammelt der Befreite zur festgelegten Zeit nur lebensnotwendige Almosen. Bauch oder Hände sind seine Schale; Wasser trinkt er aus seinem Gefäß, Vorräte häuft er nicht an. Gewinn und Ausbleiben einer Gabe sind ihm gleich. Ohne andere Gefäße, mit einfachem Wassergefäß und ohne andere zu bedrängen, verweilt er an abgeschiedenen Orten: in leeren Häusern, Tempeln, Grashütten, bei Ameisenhügeln, Baumwurzeln, Töpfer- und Feuerhütten, an Sandufern, in Berghöhlen, Höhlungen und Schluchten, bei Wasserfällen oder auf freiem Boden. Ohne festes Heim und Erwerbsstreben entwurzelt er gutes und schlechtes Karma und legt in Entsagung den Leib ab. So heißt er Paramahamsa.

Wort für Wort: yathā jāta-rūpa-dharāḥ – wie bei der Geburt unbekleidet; nirdvandvāḥ – frei von Gegensätzen; niṣparigrahāḥ – besitzlos; tattva-brahma-mārge sampannāḥ – auf dem Weg zu Brahmans Wirklichkeit gegründet; śuddha-mānasāḥ – reinen Geistes; prāṇa-sandhāraṇa-artham – zum Lebenserhalt; yathokta-kāle – zur festgesetzten Zeit; bhaikṣam ācaran – Almosen sammelnd; udara-pātreṇa kara-pātreṇa vā – mit Bauch oder Hand als Schale; lābha-alābhau samau – Gewinn und Nichtgewinn gleich; kamaṇḍalu-udaka-paḥ – Wasser aus dem Gefäß trinkend; udara-mātra-saṃgrahaḥ – nur für den Bauch sammelnd; pātra-antara-śūnyaḥ – ohne weitere Gefäße; abādhaka – nicht bedrängend; rahaḥ-sthala-niketanaḥ – an abgelegenem Ort wohnend; śūnyāgāra-devagṛha – leeres Haus, Tempel; tṛṇakūṭa-valmīka-vṛkṣamūla – Grashütte, Ameisenhügel, Baumwurzel; kulālaśālā-agnihotraśālā – Töpfer- und Feuerhütte; nadī-pulina – Sandufer; girikuhara-koṭara-kandara – Berghöhle, Höhlung, Schlucht; nirjhara-sthaṇḍila – Wasserfall, freier Boden; aniketa – heimatlos; aprayatnaḥ – ohne Erwerbsbemühung; śubha-aśubha-karma-nirmūlana-paraḥ – gutes und schlechtes Karma entwurzelnd; deha-tyāgam karoti – legt den Körper ab.

2i. Der freie Wanderer

āśāmbaro na namaskāro na dāraputrābhilāṣī lakṣyālakṣyanirvartakaḥ parivrāṭ parameśvaro bhavati |

Mit den Himmelsrichtungen als Gewand, ohne förmliche Verneigung und ohne Wunsch nach Frau oder Kindern, bringt der Wanderasket Sichtbares und Unsichtbares zur Ruhe und wird zum höchsten Herrn.

Wort für Wort: āśā-ambaraḥ – Himmelsrichtungen als Gewand; na namaskāraḥ – ohne förmlichen Gruß; na dāra-putra-abhilāṣī – ohne Wunsch nach Frau und Sohn; lakṣya-alakṣya-nirvartakaḥ – Sichtbares und Unsichtbares zur Ruhe bringend; parivrāṭ – Wanderasket; parameśvaraḥ bhavati – wird höchster Herr.

Einleitung der Verse

atraite ślokā bhavanti |

Dazu werden folgende Verse überliefert.

Wort für Wort: atra – dazu; ete – diese; ślokāḥ – Verse; bhavanti – stehen, werden überliefert.

Vers 1. Achtung unter Entsagenden

yo bhavetpūrvasaṃnyāsī tulyo vai dharmato yadi |
tasmai praṇāmaḥ kartavyo netarāya kadācana || 1 ||

Wer früher entsagt hat und einem in seiner Lebensführung gleichsteht, dem soll man sich verneigen, keinem anderen.

Wort für Wort: yaḥ bhavet pūrva-saṃnyāsī – wer früher Entsagender geworden ist; tulyaḥ dharmataḥ yadi – wenn in der Lebensführung gleich; tasmai praṇāmaḥ kartavyaḥ – ihm ist Verneigung zu erweisen; na itarāya kadācana – niemals einem anderen.

Vers 2. Der äußere Stand genügt nicht

pramādino bahiścittāḥ piśunāḥ kalahotsukāḥ |
saṃnyāsino'pi dṛśyante devasaṃdūṣitāśayāḥ || 2 ||

Auch unter Entsagenden sieht man Unachtsame, nach außen Gerichtete, Verleumder und Streitlustige mit verdorbenem Inneren. Die Wendung mit „deva“ bleibt textlich auffällig.

Wort für Wort: pramādinaḥ – Unachtsame; bahiḥ-cittāḥ – nach außen gerichtet; piśunāḥ – Verleumder; kalaha-utsukāḥ – streitlustig; saṃnyāsinaḥ api – auch Entsagende; dṛśyante – werden gesehen; deva-saṃdūṣita-āśayāḥ – mit durch „deva“ verdorbenem Inneren, unklare Fügung.

Vers 3. Freiheit jenseits äußerer Formen

nāmādibhyaḥ pare bhūmni svārājye cetsthito'dvathe |
praṇametkaṃ tadātmajño na kāryaṃ karmaṇā tadā || 3 ||

Wenn der Selbstkenner im unermesslichen, selbstherrlichen Zustand jenseits von Namen und Bezeichnungen ruht, wem sollte er sich verneigen? Dann gibt es nichts mehr, das er durch Handeln erwerben müsste.

Wort für Wort: nāma-ādibhyaḥ pare – jenseits von Namen und Weiterem; bhūmni – im Unermesslichen; svārājye – in Selbstherrschaft; cet sthitaḥ – wenn gegründet; ātma-jñaḥ – Selbstkenner; praṇamet kam – wem sollte er sich verneigen; na kāryam karmaṇā – nichts durch Handeln zu bewirken; tadā – dann.

Vers 4. Das Göttliche in jedem Wesen

īśvaro jīvakalayā praviṣṭo bhagavāniti |
praṇameddaṇḍavadbhūmāvāśvacaṇḍālagokharam || 4 ||

Weil der Herr als Lebensfunke in alle eingegangen ist, verneige man sich bis zur Erde vor jedem – bis hin zu Hund, gesellschaftlich Ausgegrenztem, Kuh und Esel.

Wort für Wort: īśvaraḥ – Herr; jīva-kalayā – als Anteil des Lebens; praviṣṭaḥ – eingegangen; bhagavān iti – als göttlicher Herr; praṇamet – man verneige sich; daṇḍavat bhūmau – wie ein Stab auf die Erde; ā-śva-caṇḍāla-go-kharam – bis hin zu Hund, Chandala, Kuh, Esel.

Vers 5. Asketische Entzauberung des Körpers

māṃsapāñcālikāyāstu yantraloke'ṅgapañjare |
snāyvasthigranthiśālinyaḥ striyaḥ kimiva śobhanam || 5 ||

Der Text fragt aus der Perspektive männlicher Entsagung: „Was ist an der Frau schön, an dieser Fleischpuppe, diesem mechanischen Gefüge von Gliedern, Sehnen, Knochen und Gelenken?“

Wort für Wort: māṃsa-pāñcālikāyāḥ – der Fleischpuppe; yantra-loke – in der mechanischen Anordnung; aṅga-pañjare – im Gliederkäfig; snāyu-asthi-granthi-śālinyāḥ – mit Sehnen, Knochen und Gelenken versehen; striyaḥ – der Frau; kim iva śobhanam – was wäre daran schön.

Vers 6. Die Bestandteile der Erscheinung

tvaṅmāṃsaraktabāṣpāmbu pṛthakkṛtvā vilocane |
samālokaya ramyaṃ cetkiṃ mudhā parimuhyasi || 6 ||

„Betrachte das Auge, wenn Haut, Fleisch, Blut und Tränenwasser getrennt sind. Wenn du es dann noch schön findest, warum lässt du dich vergeblich verblenden?“

Wort für Wort: tvak-māṃsa-rakta-bāṣpa-ambu – Haut, Fleisch, Blut, Tränenwasser; pṛthak kṛtvā – getrennt habend; vilocane – im Auge beziehungsweise beide Augen; samālokaya – betrachte; ramyam cet – wenn schön; kim mudhā parimuhyasi – warum verblendest du dich vergeblich.

Vers 7. Das Bild der Perlenkette

meruśṛṅgataṭollāsi gaṅgājalasyopamā |
dṛṣṭā yasminmune muktāhārasyollasaśālitā || 7 ||

„Weiser, an jener Brust erschien der Glanz der Perlenkette wie das Wasser des Ganges, das an Merus Gipfelhang leuchtet …“

Wort für Wort: meru-śṛṅga-taṭa-ullāsi – am Gipfelhang Merus leuchtend; gaṅgā-jalasya upamā – dem Gangeswasser vergleichbar; dṛṣṭā – gesehen; yasmin – woran; mune – Weiser; muktā-hārasya – der Perlenkette; ullasa-śālitā – strahlender Glanz.

Vers 8. Vergänglichkeit

śmaśāneṣu diganteṣu sa eva lalanāstanaḥ |
śvabhirāsvādyate kāle laghupiṇḍa ivāndhasaḥ || 8 ||

„… dieselbe Frauenbrust wird einst auf entlegenen Leichenstätten von Hunden gefressen wie ein kleiner Bissen Nahrung.“

Wort für Wort: śmaśāneṣu – auf Verbrennungsstätten; diganteṣu – in fernen Gegenden; sa eva lalanā-stanaḥ – dieselbe Frauenbrust; śvabhiḥ – von Hunden; āsvādyate – wird verzehrt; kāle – zu seiner Zeit; laghu-piṇḍaḥ iva andhasaḥ – wie ein kleiner Speisebissen.

Vers 9. Ein drastisches Bild des Begehrens

keśakajjaladhāriṇyo duḥsparśā locanapriyāḥ |
duṣkṛtāgniśikhā nāryo dahanti tṛṇavannaram || 9 ||

„Frauen mit geschmücktem Haar und Kajal, dem Auge angenehm, doch gefährlich zu berühren, verbrennen den Mann wie Gras als Flammen verfehlten Handelns.“ Dies ist die polemische Sprache einer männlichen Askeseschrift.

Wort für Wort: keśa-kajjala-dhāriṇyaḥ – Haarzier und Kajal tragend; duḥsparśāḥ – gefährlich zu berühren; locana-priyāḥ – den Augen lieb; duṣkṛta-agni-śikhāḥ – Flammen unheilsamen Handelns; nāryaḥ – Frauen; dahanti – verbrennen; tṛṇavat naram – den Mann wie Gras.

Vers 10. Verlockung und Bindung

jvalanā atidūre'pi sarasā api nīrasāḥ |
striyo hi narakāgnīnāmindhanaṃ cāru dāruṇam || 10 ||

Selbst aus der Ferne brennend, reizvoll und doch ohne bleibenden Saft, sind Frauen der schöne und furchtbare Brennstoff der Höllenfeuer.“

Wort für Wort: jvalanāḥ – brennend; ati-dūre api – selbst sehr fern; sarasāḥ api nīrasāḥ – reizvoll und doch saftlos; striyaḥ – Frauen; naraka-agnīnām – der Höllenfeuer; indhanam – Brennstoff; cāru – schön; dāruṇam – furchtbar.

Vers 11. Das Netz des Begehrens

kāmanāmnā kirātena vikīrṇā mugdhacetasaḥ |
nāryo naravihaṅgānāmaṅgabandhanavāgurāḥ || 11 ||

„Der Jäger namens Begehren hat Frauen als Netze ausgeworfen, welche die Glieder der Männer wie die von Vögeln fesseln und ihren Geist verwirren.“

Wort für Wort: kāma-nāmnā kirātena – vom Jäger namens Begehren; vikīrṇāḥ – ausgestreut; mugdha-cetasaḥ – verwirrten Geistes; nāryaḥ – Frauen; nara-vihaṅgānām – der Männervögel; aṅga-bandhana-vāgurāḥ – gliederfesselnde Netze.

Vers 12. Der Angelköder

janmapalvalamatsyānāṃ cittakardamacāriṇām |
puṃsāṃ durvāsanārajjurnārībaḍiśapiṇḍikā || 12 ||

„Für Männer, die wie Fische im Sumpf der Geburt und im Schlamm des Geistes schwimmen, ist schlechtes Verlangen die Angelschnur und die Frau der Köder.“

Wort für Wort: janma-palvala-matsyānām – der Fische im Geburtstümpel; citta-kardama-cāriṇām – im Geistesschlamm schwimmend; puṃsām – der Männer; durvāsanā-rajjuḥ – Schnur unheilsamer Neigung; nārī – Frau; baḍiśa-piṇḍikā – Angelköder.

Vers 13. Der Wunsch nach Loslösung

sarveṣāṃ doṣaratnānāṃ susamudgikayānayā |
duḥkhaśṛṅkhalayā nityamalamastu mama striyā || 13 ||

„Genug sei mir für immer von der Frau, dieser schönen Schatulle aller Fehler und dieser Kette des Leidens.“

Wort für Wort: sarveṣām doṣa-ratnānām – aller als Juwelen bezeichneten Fehler; su-samudgikayā – mit der schönen Schatulle; anayā – dieser; duḥkha-śṛṅkhalayā – Leidenskette; nityam – für immer; alam astu mama – genug sei mir; striyā – von der Frau.

Vers 14. Verzicht auf Bindung

yasya strī tasya bhogecchā nistrīkasya kva bhogabhūḥ |
striyaṃ tyaktvā jagattyaktaṃ jagattyaktvā sukhī bhavet || 14 ||

„Wer eine Frau hat, hat Verlangen nach Genuss. Wo bleibt der Genussgrund für den Frauenlosen? Wer die Frau aufgibt, hat die Welt aufgegeben; wer die Welt aufgegeben hat, wird glücklich.“

Wort für Wort: yasya strī – wer eine Frau hat; tasya bhoga-icchā – dessen Genussverlangen; nistrīkasya – für den Frauenlosen; kva bhoga-bhūḥ – wo der Genussgrund; striyam tyaktvā – die Frau aufgegeben; jagat tyaktam – Welt aufgegeben; sukhī bhavet – werde glücklich.

Vers 15. Sorgen um Nachkommen

alabhyamānastanayaḥ pitarau kleśayecciram |
labdho hi garbhapātena prasavena ca bādhate || 15 ||

„Ein ausbleibender Sohn quält die Eltern lange; kommt eine Schwangerschaft zustande, sorgen Fehlgeburt und Geburt für weiteres Leid.“

Wort für Wort: alabhyamānaḥ tanayaḥ – nicht erlangter Sohn; pitarau – beide Eltern; kleśayet ciram – quält lange; labdhaḥ – erlangt; garbha-pātena – durch Fehlgeburt; prasavena ca – und Geburt; bādhate – bedrängt.

Vers 16. Weitere elterliche Sorgen

jātasya graharogādi kumārasya ca dhūrtatā |
upanīte'pyavidyatvamanudvāhaśca paṇḍite || 16 ||

„Nach der Geburt drohen Besessenheit und Krankheit; in der Kindheit Unart. Nach der Einweihung bleibt vielleicht Unwissenheit, und selbst der Gebildete findet keine Heirat.“

Wort für Wort: jātasya – des Geborenen; graha-roga-ādi – Besessenheit, Krankheit und Weiteres; kumārasya dhūrtatā – Unart des Knaben; upanīte api – selbst nach Einweihung; avidyatvam – Unwissenheit; anudvāhaḥ – Ausbleiben der Heirat; paṇḍite – beim Gebildeten.

Vers 17. Sorgen ohne Ende

yūnaśca paradārādi dāridryaṃ ca kuṭumbinaḥ |
putraduḥkhasya nāstyanto dhanī cenmriyate tadā || 17 ||

„Beim jungen Mann kommen Beziehungen zu fremden Frauen, beim Familienvater Armut hinzu. Die Sorgen um den Sohn enden nicht; ist er reich, stirbt er vielleicht.“

Wort für Wort: yūnaḥ – des jungen Mannes; para-dāra-ādi – fremde Frauen und Ähnliches; dāridryam – Armut; kuṭumbinaḥ – des Familienvaters; putra-duḥkhasya na asti antaḥ – Sorgen um den Sohn haben kein Ende; dhanī cet – wenn reich; mriyate tadā – dann stirbt er.

Vers 18. Ruhe der Sinne

na pāṇipādacapalo na netracapalo yatiḥ |
na ca vākcapalaścaiva brahmabhūto jitendriyaḥ || 18 ||

Der Entsagende ist weder mit Händen und Füßen noch mit Augen oder Sprache rastlos. Als Brahman verwirklicht, hat er seine Sinne bezwungen.

Wort für Wort: na pāṇi-pāda-capalaḥ – nicht mit Händen und Füßen unruhig; na netra-capalaḥ – nicht mit Augen unruhig; yatiḥ – Entsagender; na vāk-capalaḥ – nicht geschwätzig; brahma-bhūtaḥ – Brahman geworden; jita-indriyaḥ – Sinne beherrschend.

Vers 19. Einheit lässt Zorn schwinden

ripau baddhe svadehe ca samaikātmyaṃ prapaśyataḥ |
vivekinaḥ kutaḥ kopaḥ svadehāvayaveṣviva || 19 ||

Wer im Feind, im Gebundenen und im eigenen Körper dasselbe Selbst sieht, wie könnte dieser Unterscheidende zürnen – so wenig wie seinen eigenen Körpergliedern?

Wort für Wort: ripau – im Feind; baddhe – im Gebundenen, möglicherweise entstellte Lesart für Verwandten; sva-dehe – im eigenen Leib; sama-ekātmyam prapaśyataḥ – gleiche Selbst-Einheit schauend; vivekinaḥ – des Unterscheidenden; kutaḥ kopaḥ – woher Zorn; sva-deha-avayaveṣu iva – wie gegenüber eigenen Gliedern.

Vers 20. Der Zorn als Hindernis

apakāriṇi kopaścetkope kopaḥ kathaṃ na te |
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ prasahya paripanthini || 20 ||

Wenn du dem zürnst, der dir schadet, warum zürnst du nicht dem Zorn selbst? Er stellt sich Dharma, Wohlergehen, erfülltem Leben und Befreiung gewaltsam in den Weg.

Wort für Wort: apakāriṇi kopaḥ cet – wenn Zorn auf den Schädigenden; kope kopaḥ katham na te – warum kein Zorn auf den Zorn; dharma-artha-kāma-mokṣāṇām – gegenüber den vier Lebenszielen; prasahya – gewaltsam; paripanthini – als Wegversperrer.

Vers 21. Vom Zorn lernen

namo'stu mama kopāya svāśrayajvāline bhṛśam |
kopasya mama vairāgyadāyine doṣabodhine || 21 ||

Verehrung sei meinem Zorn, der seinen eigenen Träger heftig verbrennt, mir dadurch die Fehler des Zorns zeigt und Leidenschaftslosigkeit schenkt.

Wort für Wort: namaḥ astu mama kopāya – Verehrung meinem Zorn; sva-āśraya-jvāline – den eigenen Träger verbrennend; bhṛśam – heftig; kopasya doṣa-bodhine – die Fehler des Zorns zeigend; mama vairāgya-dāyine – mir Leidenschaftslosigkeit gebend.

Vers 22. Wachheit des Weisen

yatra suptā janā nityaṃ prabuddhastatra saṃyamī |
prabuddhā yatra te vidvānsuṣuptiṃ yāti yogirāṭ || 22 ||

Wo die Menschen beständig schlafen, ist der Selbstbeherrschte wach. Wo sie wach sind, ruht der wissende König der Yogis wie im Tiefschlaf.

Wort für Wort: yatra suptāḥ janāḥ – wo Menschen schlafen; nityam – stets; prabuddhaḥ tatra saṃyamī – dort ist der Beherrschte wach; prabuddhāḥ yatra te – wo sie wach sind; vidvān – Wissender; suṣuptim yāti – geht in Tiefschlaf; yogi-rāṭ – König der Yogis.

Vers 23. Alles ist Bewusstsein

cidihāstīti cinmātramidaṃ cinmayameva ca |
cittvaṃ cidahamete ca lokāściditi bhāvaya || 23 ||

Betrachte: Hier ist Bewusstsein; dies alles ist reines Bewusstsein und besteht aus Bewusstsein. Du bist Bewusstsein, ich bin Bewusstsein, und diese Welten sind Bewusstsein.

Wort für Wort: cit iha asti – Bewusstsein ist hier; cit-mātram idam – dies nur Bewusstsein; cit-mayam – aus Bewusstsein bestehend; cit tvam – du Bewusstsein; cit aham – ich Bewusstsein; ete lokāḥ cit – diese Welten Bewusstsein; iti bhāvaya – so betrachte.

Vers 24. Der höchste Stand

yatīnāṃ tadupādeyaṃ pārahaṃsyaṃ paraṃ padam |
nātaḥ parataraṃ kiñcidvidyate munipuṅgavaḥ || 24 ||

Dieser höchste Stand des Paramahamsa ist von Entsagenden anzustreben. Darüber hinaus gibt es nichts Höheres, bester der Weisen.

Wort für Wort: yatīnām – für Entsagende; tat upādeyam – dieses anzunehmen; pārahaṃsyam – Paramahamsa-Stand; param padam – höchster Zustand; na ataḥ parataram kiñcit vidyate – nichts Höheres gibt es darüber; muni-puṅgava – bester Weiser.

Schlussformel

ityupaniṣat ||

So lautet die Upanishad.

Wort für Wort: iti – so; upaniṣat – Upanishad, geheime Unterweisung.

Shanti-Mantra

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Wort für Wort: oṃ – Om; pūrṇam – Fülle, vollständig; adaḥ – jenes; idam – dieses; pūrṇāt – aus der Fülle; udacyate – geht hervor; pūrṇasya – der Fülle; pūrṇam ādāya – die Fülle genommen habend; eva – allein, wahrlich; avaśiṣyate – bleibt zurück.

Friedensruf

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||

Om. Frieden, Frieden, Frieden. Hari. Om. Das ist die Wirklichkeit.

Wort für Wort: oṃ – Om; śāntiḥ – Frieden, dreimal. hariḥ – Hari; tat – das; sat – seiend, Wirklichkeit.

Schlussvermerk

iti yājñavalkyopaniṣatsamāptā ||

Hier endet die Yajnavalkya Upanishad.

Wort für Wort: iti – so, hiermit; yājñavalkyopaniṣat – Yajnavalkya Upanishad; samāptā – beendet.

Datierung, Inhalt und Bedeutung

Überlieferung und Datierung

Die Yajnavalkya Upanishad ist von den umfangreicheren Lehren Yajnavalkyas in der Brihadaranyaka Upanishad zu unterscheiden. Sie gehört zur später gesammelten Literatur über Entsagung und religiöse Lebensführung. Die Berufung auf Yajnavalkya und Janaka ist Teil ihres Lehrrahmens. Für die genaue Entstehungszeit der hier verwendeten Fassung wird keine gesicherte Jahreszahl angesetzt.

Eintritt in die Entsagung

Der Dialog beginnt mit der Frage nach dem Verzicht auf das häusliche Leben. Die Reihenfolge der Lebensstadien wird dargestellt, zugleich aber der Eintritt bei wirklicher Loslösung ermöglicht. Es folgen Opferhandlungen, das Verinnerlichen heiliger Feuer und das Ablegen beziehungsweise Umdeuten religiöser Kennzeichen. Der Wortlaut ist an wenigen Stellen grammatisch oder überlieferungsgeschichtlich schwierig; diese Stellen werden kommentiert.

Eine lange Beschreibung nennt Lebensweise und innere Haltung der Paramahamsas. Anschließend folgen Verse zu Respekt, Bettelgang, Besitz, Beständigkeit der Entsagung und dem Umgang mit reizvollen Gegenständen. Die Vorschriften setzen eine bestimmte asketische Lebensform voraus. Ihre geschlechtsspezifischen Warnungen und drastischen Körperbilder sind als Aussagen dieses historischen Milieus übersetzt.

Innere Freiheit und heutige Lektüre

Der Text warnt wiederholt vor einem religiösen Status, dem keine entsprechende Lebensführung zugrunde liegt. Besitzansprüche, Geltungsbedürfnis und verborgene Wünsche können auch unter asketischen Zeichen fortbestehen. Deshalb verbindet sich die äußere Entsagung mit der Prüfung des Geistes.

Für heutige Leser ist besonders die Frage fruchtbar, was Einfachheit und Freiheit von Anhaftung konkret bedeuten. Die historischen Regeln werden dadurch nicht zu allgemeinen Pflichten für Menschen in Beruf oder Familie. Wer eine förmliche Entsagung erwägt, findet hier Gegenstände für sorgfältiges Studium und Beratung. Im Alltag lassen sich Aufrichtigkeit, maßvoller Besitz, Ruhe und Ahimsa unabhängig von einer solchen Lebensentscheidung üben.

Vollständiger Text in Devanagari

संन्यासज्ञानसम्पन्ना यान्ति यद्वैष्णवं पदम् ।
तद्वै पदं ब्रह्मतत्त्वं रामचन्द्रपदं भजे ॥

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥

हरिः ॐ ॥

अथ जनको ह वैदेहो याज्ञवल्क्यमुपसमेत्योवाच भगवन्संन्यासमनुब्रूहीति कथं संन्यासलक्षणम् ।

स होवाच याज्ञवल्क्यो ब्रह्मचर्यं समाप्य गृही भवेत् ।

गृहाद्वनी भूत्वा प्रव्रजेत् ।

यदि वेतरथा ब्रह्मचर्यादेव प्रव्रजेद्गृहाद्वा वनाद्वा ।

अथ पुनर्व्रती वाव्रती वा स्नातको वाऽस्नातको वा उत्सन्नाग्निरनग्निको वा यदहरेव विरजेत्तदहरेव प्रव्रजेत् ।

तदेके प्राजापत्यामेवेष्टिं कुर्वन्ति ।

अथ वा न कुर्यादाग्नेय्यामेव कुर्यात् ।

अग्निर्हि प्राणः ।

प्राणमेवैतया करोति ।

त्रैधातवीयामेव कुर्यात् ।

एतयैव त्रयो धातवो यदुत सत्त्वं रजस्तम इति अयं ते योनिरृत्विजो यतो जातो अरोचथाः ।

तं जानन्नग्न आरोहाथानो वर्धया रयिमित्यनेन मन्त्रेणाग्निमाजिघ्रेत् ।

एष वा अग्नेर्योनिर्यः प्राणं गच्छ स्वां योनिं गच्छ स्वाहेत्येवमेवैतदाग्रामादग्निमाहृत्य पूर्ववदग्निमाजिघ्रेत् यदग्निं न विन्देदप्सु जुहुयादापो वै सर्वा देवताः सर्वाभ्यो देवताभ्यो जुहोमि स्वाहेति साज्यं हविरनामयम् ।

मोक्षमन्त्रस्त्रय्येवं वेद तद्ब्रह्म तदुपासितव्यम् ।

शिखां यज्ञोपवीतं छित्त्वा संन्यस्तं मयेति त्रिवारमुच्चरेत् ।

एवमेवैतद्भगवन्निति वै याज्ञवल्क्यः ॥ १ ॥

अथ हैनमत्रिः पप्रच्छ याज्ञवल्क्यं यज्ञोपवीती कथं ब्राह्मण इति ।

स होवाच याज्ञवल्क्य इदं प्रणवमेवास्य तद्यज्ञोपवीतं य आत्मा ।

प्राश्याचम्यायं विधिरथ वा परिव्राड्विवर्णवासा मुण्डोऽपरिग्रहः शुचिरद्रोही भैक्षमाणो ब्रह्म भूयाय भवति ।

एष पन्थाः परिव्राजकानां वीराध्वनि वाऽनाशके वापां प्रवेशे वाग्निप्रवेशे वा महाप्रस्थाने वा ।

एष पन्था ब्रह्मणा हानुवित्तस्तेनेति स संन्यासी ब्रह्मविदिति ।

एवमेवैष भगवन्निति वै याज्ञवल्क्य ।

तत्र परमहंसा नाम संवर्तकारुणिश्वेतकेतुदूर्वासऋभुनिदाघदत्तात्रेयशुकवामदेवहारीतकप्रभृतयोऽव्यक्तलिङ्गाऽव्यक्ताचारा अनुन्मत्ता उन्मत्तवदाचरन्तः परस्त्रीपुरपराङ्मुखास्त्रिदण्डं कमण्डलुं भुक्तपात्रं जलपवित्रं शिखां यज्ञोपवीतं बहिरन्तश्चेत्येतत्सर्वं भूः स्वाहेत्यप्सु परित्यज्यात्मानमन्विच्छेत् ।

यथा जातरूपधरा निर्द्वन्द्वा निष्परिग्रहास्तत्त्वब्रह्ममार्गे सम्यक्सम्पन्नाः शुद्धमानसाः प्राणसन्धारणार्थं यथोक्तकाले विमुक्तो भैक्षमाचरन्नुदरपात्रेण लाभालाभौ समौ भूत्वा करपात्रेण वा कमण्डलूदकपो भैक्षमाचरन्नुदरमात्रसंग्रहः पात्रान्तरशून्यो जलस्थलकमण्डलुरबाधकरहःस्थलनिकेतनो लाभालाभौ समौ भूत्वा शून्यागारदेवगृहतृणकूटवल्मीकवृक्षमूलकुलालशालाग्निहोत्रशालानदीपुलिनगिरिकुहरकोटरकन्दरनिर्झरस्थण्डिलेष्वनिकेतनिवास्यप्रयत्नःशुभाशुभकर्मनिर्मूलनपरः संन्यासेन देहत्यागं करोति स परमहंसो नामेति ।

आशाम्बरो न नमस्कारो न दारपुत्राभिलाषी लक्ष्यालक्ष्यनिर्वर्तकः परिव्राट् परमेश्वरो भवति ।

अत्रैते श्लोका भवन्ति ।

यो भवेत्पूर्वसंन्यासी तुल्यो वै धर्मतो यदि ।
तस्मै प्रणामः कर्तव्यो नेतराय कदाचन ॥ १ ॥

प्रमादिनो बहिश्चित्ताः पिशुनाः कलहोत्सुकाः ।
संन्यासिनोऽपि दृश्यन्ते देवसंदूषिताशयाः ॥ २ ॥

नामादिभ्यः परे भूम्नि स्वाराज्ये चेत्स्थितोऽद्वथे ।
प्रणमेत्कं तदात्मज्ञो न कार्यं कर्मणा तदा ॥ ३ ॥

ईश्वरो जीवकलया प्रविष्टो भगवानिति ।
प्रणमेद्दण्डवद्भूमावाश्वचण्डालगोखरम् ॥ ४ ॥

मांसपाञ्चालिकायास्तु यन्त्रलोकेऽङ्गपञ्जरे ।
स्नाय्वस्थिग्रन्थिशालिन्यः स्त्रियः किमिव शोभनम् ॥ ५ ॥

त्वङ्मांसरक्तबाष्पाम्बु पृथक्कृत्वा विलोचने ।
समालोकय रम्यं चेत्किं मुधा परिमुह्यसि ॥ ६ ॥

मेरुशृङ्गतटोल्लासि गङ्गाजलस्योपमा ।
दृष्टा यस्मिन्मुने मुक्ताहारस्योल्लसशालिता ॥ ७ ॥

श्मशानेषु दिगन्तेषु स एव ललनास्तनः ।
श्वभिरास्वाद्यते काले लघुपिण्ड इवान्धसः ॥ ८ ॥

केशकज्जलधारिण्यो दुःस्पर्शा लोचनप्रियाः ।
दुष्कृताग्निशिखा नार्यो दहन्ति तृणवन्नरम् ॥ ९ ॥

ज्वलना अतिदूरेऽपि सरसा अपि नीरसाः ।
स्त्रियो हि नरकाग्नीनामिन्धनं चारु दारुणम् ॥ १० ॥

कामनाम्ना किरातेन विकीर्णा मुग्धचेतसः ।
नार्यो नरविहङ्गानामङ्गबन्धनवागुराः ॥ ११ ॥

जन्मपल्वलमत्स्यानां चित्तकर्दमचारिणाम् ।
पुंसां दुर्वासनारज्जुर्नारीबडिशपिण्डिका ॥ १२ ॥

सर्वेषां दोषरत्नानां सुसमुद्गिकयानया ।
दुःखशृङ्खलया नित्यमलमस्तु मम स्त्रिया ॥ १३ ॥

यस्य स्त्री तस्य भोगेच्छा निस्त्रीकस्य क्व भोगभूः ।
स्त्रियं त्यक्त्वा जगत्त्यक्तं जगत्त्यक्त्वा सुखी भवेत् ॥ १४ ॥

अलभ्यमानस्तनयः पितरौ क्लेशयेच्चिरम् ।
लब्धो हि गर्भपातेन प्रसवेन च बाधते ॥ १५ ॥

जातस्य ग्रहरोगादि कुमारस्य च धूर्तता ।
उपनीतेऽप्यविद्यत्वमनुद्वाहश्च पण्डिते ॥ १६ ॥

यूनश्च परदारादि दारिद्र्यं च कुटुम्बिनः ।
पुत्रदुःखस्य नास्त्यन्तो धनी चेन्म्रियते तदा ॥ १७ ॥

न पाणिपादचपलो न नेत्रचपलो यतिः ।
न च वाक्चपलश्चैव ब्रह्मभूतो जितेन्द्रियः ॥ १८ ॥

रिपौ बद्धे स्वदेहे च समैकात्म्यं प्रपश्यतः ।
विवेकिनः कुतः कोपः स्वदेहावयवेष्विव ॥ १९ ॥

अपकारिणि कोपश्चेत्कोपे कोपः कथं न ते ।
धर्मार्थकाममोक्षाणां प्रसह्य परिपन्थिनि ॥ २० ॥

नमोऽस्तु मम कोपाय स्वाश्रयज्वालिने भृशम् ।
कोपस्य मम वैराग्यदायिने दोषबोधिने ॥ २१ ॥

यत्र सुप्ता जना नित्यं प्रबुद्धस्तत्र संयमी ।
प्रबुद्धा यत्र ते विद्वान्सुषुप्तिं याति योगिराट् ॥ २२ ॥

चिदिहास्तीति चिन्मात्रमिदं चिन्मयमेव च ।
चित्त्वं चिदहमेते च लोकाश्चिदिति भावय ॥ २३ ॥

यतीनां तदुपादेयं पारहंस्यं परं पदम् ।
नातः परतरं किञ्चिद्विद्यते मुनिपुङ्गवः ॥ २४ ॥

इत्युपनिषत् ॥

ॐ पूर्णमदः पूर्णमिदं पूर्णात्पूर्णमुदच्यते ।
पूर्णस्य पूर्णमादाय पूर्णमेवावशिष्यते ॥

ॐ शान्तिः शान्तिः शान्तिः ॥
हरिः ॐ तत्सत् ॥

इति याज्ञवल्क्योपनिषत्समाप्ता ॥

Vollständiger Text in IAST

saṃnyāsajñānasampannā yānti yadvaiṣṇavaṃ padam |
tadvai padaṃ brahmatattvaṃ rāmacandrapadaṃ bhaje ||

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||

hariḥ oṃ ||

atha janako ha vaideho yājñavalkyamupasametyovāca bhagavansaṃnyāsamanubrūhīti kathaṃ saṃnyāsalakṣaṇam |

sa hovāca yājñavalkyo brahmacaryaṃ samāpya gṛhī bhavet |

gṛhādvanī bhūtvā pravrajet |

yadi vetarathā brahmacaryādeva pravrajedgṛhādvā vanādvā |

atha punarvratī vāvratī vā snātako vā'snātako vā utsannāgniranagniko vā yadahareva virajettadahareva pravrajet |

tadeke prājāpatyāmeveṣṭiṃ kurvanti |

atha vā na kuryādāgneyyāmeva kuryāt |

agnirhi prāṇaḥ |

prāṇamevaitayā karoti |

traidhātavīyāmeva kuryāt |

etayaiva trayo dhātavo yaduta sattvaṃ rajastama iti ayaṃ te yonirṛtvijo yato jāto arocathāḥ |

taṃ jānannagna ārohāthāno vardhayā rayimityanena mantreṇāgnimājighret |

eṣa vā agneryoniryaḥ prāṇaṃ gaccha svāṃ yoniṃ gaccha svāhetyevamevaitadāgrāmādagnimāhṛtya pūrvavadagnimājighret yadagniṃ na vindedapsu juhuyādāpo vai sarvā devatāḥ sarvābhyo devatābhyo juhomi svāheti sājyaṃ haviranāmayam |

mokṣamantrastrayyevaṃ veda tadbrahma tadupāsitavyam |

śikhāṃ yajñopavītaṃ chittvā saṃnyastaṃ mayeti trivāramuccaret |

evamevaitadbhagavanniti vai yājñavalkyaḥ || 1 ||

atha hainamatriḥ papraccha yājñavalkyaṃ yajñopavītī kathaṃ brāhmaṇa iti |

sa hovāca yājñavalkya idaṃ praṇavamevāsya tadyajñopavītaṃ ya ātmā |

prāśyācamyāyaṃ vidhiratha vā parivrāḍvivarṇavāsā muṇḍo'parigrahaḥ śuciradrohī bhaikṣamāṇo brahma bhūyāya bhavati |

eṣa panthāḥ parivrājakānāṃ vīrādhvani vā'nāśake vāpāṃ praveśe vāgnipraveśe vā mahāprasthāne vā |

eṣa panthā brahmaṇā hānuvittasteneti sa saṃnyāsī brahmaviditi |

evamevaiṣa bhagavanniti vai yājñavalkya |

tatra paramahaṃsā nāma saṃvartakāruṇiśvetaketudūrvāsaṛbhunidāghadattātreyaśukavāmadevahārītakaprabhṛtayo'vyaktaliṅgā'vyaktācārā anunmattā unmattavadācarantaḥ parastrīpuraparāṅmukhāstridaṇḍaṃ kamaṇḍaluṃ bhuktapātraṃ jalapavitraṃ śikhāṃ yajñopavītaṃ bahirantaścetyetatsarvaṃ bhūḥ svāhetyapsu parityajyātmānamanvicchet |

yathā jātarūpadharā nirdvandvā niṣparigrahāstattvabrahmamārge samyaksampannāḥ śuddhamānasāḥ prāṇasandhāraṇārthaṃ yathoktakāle vimukto bhaikṣamācarannudarapātreṇa lābhālābhau samau bhūtvā karapātreṇa vā kamaṇḍalūdakapo bhaikṣamācarannudaramātrasaṃgrahaḥ pātrāntaraśūnyo jalasthalakamaṇḍalurabādhakarahaḥsthalaniketano lābhālābhau samau bhūtvā śūnyāgāradevagṛhatṛṇakūṭavalmīkavṛkṣamūlakulālaśālāgnihotraśālānadīpulinagirikuharakoṭarakandaranirjharasthaṇḍileṣvaniketanivāsyaprayatnaḥśubhāśubhakarmanirmūlanaparaḥ saṃnyāsena dehatyāgaṃ karoti sa paramahaṃso nāmeti |

āśāmbaro na namaskāro na dāraputrābhilāṣī lakṣyālakṣyanirvartakaḥ parivrāṭ parameśvaro bhavati |

atraite ślokā bhavanti |

yo bhavetpūrvasaṃnyāsī tulyo vai dharmato yadi |
tasmai praṇāmaḥ kartavyo netarāya kadācana || 1 ||

pramādino bahiścittāḥ piśunāḥ kalahotsukāḥ |
saṃnyāsino'pi dṛśyante devasaṃdūṣitāśayāḥ || 2 ||

nāmādibhyaḥ pare bhūmni svārājye cetsthito'dvathe |
praṇametkaṃ tadātmajño na kāryaṃ karmaṇā tadā || 3 ||

īśvaro jīvakalayā praviṣṭo bhagavāniti |
praṇameddaṇḍavadbhūmāvāśvacaṇḍālagokharam || 4 ||

māṃsapāñcālikāyāstu yantraloke'ṅgapañjare |
snāyvasthigranthiśālinyaḥ striyaḥ kimiva śobhanam || 5 ||

tvaṅmāṃsaraktabāṣpāmbu pṛthakkṛtvā vilocane |
samālokaya ramyaṃ cetkiṃ mudhā parimuhyasi || 6 ||

meruśṛṅgataṭollāsi gaṅgājalasyopamā |
dṛṣṭā yasminmune muktāhārasyollasaśālitā || 7 ||

śmaśāneṣu diganteṣu sa eva lalanāstanaḥ |
śvabhirāsvādyate kāle laghupiṇḍa ivāndhasaḥ || 8 ||

keśakajjaladhāriṇyo duḥsparśā locanapriyāḥ |
duṣkṛtāgniśikhā nāryo dahanti tṛṇavannaram || 9 ||

jvalanā atidūre'pi sarasā api nīrasāḥ |
striyo hi narakāgnīnāmindhanaṃ cāru dāruṇam || 10 ||

kāmanāmnā kirātena vikīrṇā mugdhacetasaḥ |
nāryo naravihaṅgānāmaṅgabandhanavāgurāḥ || 11 ||

janmapalvalamatsyānāṃ cittakardamacāriṇām |
puṃsāṃ durvāsanārajjurnārībaḍiśapiṇḍikā || 12 ||

sarveṣāṃ doṣaratnānāṃ susamudgikayānayā |
duḥkhaśṛṅkhalayā nityamalamastu mama striyā || 13 ||

yasya strī tasya bhogecchā nistrīkasya kva bhogabhūḥ |
striyaṃ tyaktvā jagattyaktaṃ jagattyaktvā sukhī bhavet || 14 ||

alabhyamānastanayaḥ pitarau kleśayecciram |
labdho hi garbhapātena prasavena ca bādhate || 15 ||

jātasya graharogādi kumārasya ca dhūrtatā |
upanīte'pyavidyatvamanudvāhaśca paṇḍite || 16 ||

yūnaśca paradārādi dāridryaṃ ca kuṭumbinaḥ |
putraduḥkhasya nāstyanto dhanī cenmriyate tadā || 17 ||

na pāṇipādacapalo na netracapalo yatiḥ |
na ca vākcapalaścaiva brahmabhūto jitendriyaḥ || 18 ||

ripau baddhe svadehe ca samaikātmyaṃ prapaśyataḥ |
vivekinaḥ kutaḥ kopaḥ svadehāvayaveṣviva || 19 ||

apakāriṇi kopaścetkope kopaḥ kathaṃ na te |
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ prasahya paripanthini || 20 ||

namo'stu mama kopāya svāśrayajvāline bhṛśam |
kopasya mama vairāgyadāyine doṣabodhine || 21 ||

yatra suptā janā nityaṃ prabuddhastatra saṃyamī |
prabuddhā yatra te vidvānsuṣuptiṃ yāti yogirāṭ || 22 ||

cidihāstīti cinmātramidaṃ cinmayameva ca |
cittvaṃ cidahamete ca lokāściditi bhāvaya || 23 ||

yatīnāṃ tadupādeyaṃ pārahaṃsyaṃ paraṃ padam |
nātaḥ parataraṃ kiñcidvidyate munipuṅgavaḥ || 24 ||

ityupaniṣat ||

oṃ pūrṇamadaḥ pūrṇamidaṃ pūrṇātpūrṇamudacyate |
pūrṇasya pūrṇamādāya pūrṇamevāvaśiṣyate ||

oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ ||
hariḥ oṃ tatsat ||

iti yājñavalkyopaniṣatsamāptā ||

Vollständige deutsche Übersetzung

Vorangestellter Merkvers

Ich verehre den Stand Ramachandras, die Wirklichkeit Brahmans, jenen Stand Vishnus, den die mit Entsagung und Erkenntnis Ausgestatteten erreichen.

Shanti-Mantra

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden.

Anrufung

Hari. Om.

1a. Janakas Frage

Janaka von Videha trat zu Yajnavalkya und bat: „Ehrwürdiger, unterweise mich über Entsagung. Was kennzeichnet sie?“

1b. Der Schüler und der Haushälter

Yajnavalkya antwortete: „Nach dem Abschluss des Schülerstandes werde man Haushälter.“

1c. Waldleben und Wanderschaft

Nach dem Hausleben werde man Waldeinsiedler und ziehe dann als Entsagender fort.

1d. Direkte Entsagung

Man kann auch unmittelbar aus dem Schülerstand, aus dem Hausleben oder aus dem Waldleben entsagen.

1e. Reife zur Entsagung

Ob mit oder ohne eingehaltenes Gelübde, mit oder ohne Abschlussbad, mit erloschenem Opferfeuer oder ohne Feuer: An dem Tag, an dem Leidenschaftslosigkeit entsteht, soll man entsagen.

1f. Das Prajapati-Opfer

Manche vollziehen dafür ein Opfer an Prajapati.

1g. Das Agni-Opfer

Er kann darauf verzichten und stattdessen ein Agni-Opfer vollziehen.

1h. Agni ist Prana

Denn Agni ist der Lebenshauch.

1i. Das innere Opfer

Durch dieses Opfer verwirklicht er den Bezug zum Lebenshauch.

1j. Das dreifache Opfer

Er soll das Opfer der drei Bestandteile vollziehen.

1k. Die drei Gunas und der Ursprung des Feuers

Diese drei Bestandteile sind Sattva, Rajas und Tamas. Die Formel beginnt: „Dies ist dein Ursprung, aus dem du geboren wurdest und leuchtetest.“

1l. Die Opferformel

„Ihn kennend, steige ein, Agni, und mehre unseren Reichtum.“ Mit diesem Mantra soll er am Feuer riechen.

1m. Feuer und Wasser

Dies ist der Ursprung des Feuers: „Gehe zum Lebenshauch, gehe zu deinem eigenen Ursprung, Svaha!“ Nachdem er aus dem Dorf Feuer geholt hat, rieche er daran wie zuvor. Wenn er kein Feuer findet, opfere er in Wasser: „Die Wasser sind alle Gottheiten; allen Gottheiten opfere ich, Svaha!“ Die mit geklärter Butter versehene Gabe gilt als heilsam.

1n. Der Befreiungsmantra

Der Befreiungsmantra wird mit dem dreifachen Veda verbunden: Dies ist Brahman, darüber soll meditiert werden. Die Sanskritfügung ist knapp und textlich unsicher.

1o. Die Entsagungsformel

Nach dem Abschneiden von Haarknoten und Opferfaden spreche er dreimal: „Ich habe entsagt.“

1p. Abschluss der Unterweisung

„So verhält es sich, Ehrwürdiger“, lautet der Abschluss der Unterweisung Yajnavalkyas.

2a. Atris Frage zum Opferfaden

Atri fragte Yajnavalkya: „Wie ist jemand ohne Opferfaden ein Brahmane?“ Das „ohne“ wird durch die Parallelstelle der Jabala Upanishad gestützt; im vorliegenden elektronischen Text fehlt die Verneinung.

2b. Om und Selbst als heiliger Faden

Yajnavalkya antwortete: „Om allein ist sein Opferfaden, denn es ist das Selbst.“

2c. Reinheit und Einfachheit

Nach dem Trinken und rituellen Mundspülen gilt folgende Ordnung: Der Wanderasket trägt unauffällige Kleidung, ist geschoren, ohne Besitzergreifen, rein und ohne Feindseligkeit; von Almosen lebend, wird er Brahman.

2d. Historische Formen des Lebensendes

Als überlieferte Wege nennt der Text den Weg des Helden, das Fasten bis zum Tod, das Eingehen in Wasser oder Feuer und den großen Aufbruch. Hier werden historische asketische Vorstellungen wiedergegeben.

2e. Der erkannte Weg

Dieser Weg ist durch Brahma erkannt worden. Der Entsagende geht ihn als Brahman-Kenner.

2f. Bestätigung

„So ist es, Ehrwürdiger“, lautet die Bestätigung bei Yajnavalkya.

2g. Die Paramahamsas

Paramahamsas sind Samvartaka, Aruni, Shvetaketu, Durvasas, Ribhu, Nidagha, Dattatreya, Shuka, Vamadeva, Haritaka und andere. Ohne festgelegte äußere Zeichen und Verhaltensformen wirken sie wie Verrückte, obwohl sie klar bei Verstand sind. Von fremden Frauen und Städten abgewandt, legen sie Dreifachstab, Wassergefäß, Essschale, Wasserfilter, Haarknoten und Opferfaden – innerlich wie äußerlich – mit „Bhuh Svaha“ ins Wasser und suchen das Selbst.

2h. Heimatlos und gleichmütig

Unbekleidet wie bei der Geburt, frei von Gegensätzen und Besitz, auf Brahmans Weg gegründet und reinen Geistes, sammelt der Befreite zur festgelegten Zeit nur lebensnotwendige Almosen. Bauch oder Hände sind seine Schale; Wasser trinkt er aus seinem Gefäß, Vorräte häuft er nicht an. Gewinn und Ausbleiben einer Gabe sind ihm gleich. Ohne andere Gefäße, mit einfachem Wassergefäß und ohne andere zu bedrängen, verweilt er an abgeschiedenen Orten: in leeren Häusern, Tempeln, Grashütten, bei Ameisenhügeln, Baumwurzeln, Töpfer- und Feuerhütten, an Sandufern, in Berghöhlen, Höhlungen und Schluchten, bei Wasserfällen oder auf freiem Boden. Ohne festes Heim und Erwerbsstreben entwurzelt er gutes und schlechtes Karma und legt in Entsagung den Leib ab. So heißt er Paramahamsa.

2i. Der freie Wanderer

Mit den Himmelsrichtungen als Gewand, ohne förmliche Verneigung und ohne Wunsch nach Frau oder Kindern, bringt der Wanderasket Sichtbares und Unsichtbares zur Ruhe und wird zum höchsten Herrn.

Einleitung der Verse

Dazu werden folgende Verse überliefert.

Vers 1. Achtung unter Entsagenden

Wer früher entsagt hat und einem in seiner Lebensführung gleichsteht, dem soll man sich verneigen, keinem anderen.

Vers 2. Der äußere Stand genügt nicht

Auch unter Entsagenden sieht man Unachtsame, nach außen Gerichtete, Verleumder und Streitlustige mit verdorbenem Inneren. Die Wendung mit „deva“ bleibt textlich auffällig.

Vers 3. Freiheit jenseits äußerer Formen

Wenn der Selbstkenner im unermesslichen, selbstherrlichen Zustand jenseits von Namen und Bezeichnungen ruht, wem sollte er sich verneigen? Dann gibt es nichts mehr, das er durch Handeln erwerben müsste.

Vers 4. Das Göttliche in jedem Wesen

Weil der Herr als Lebensfunke in alle eingegangen ist, verneige man sich bis zur Erde vor jedem – bis hin zu Hund, gesellschaftlich Ausgegrenztem, Kuh und Esel.

Vers 5. Asketische Entzauberung des Körpers

Der Text fragt aus der Perspektive männlicher Entsagung: „Was ist an der Frau schön, an dieser Fleischpuppe, diesem mechanischen Gefüge von Gliedern, Sehnen, Knochen und Gelenken?“

Vers 6. Die Bestandteile der Erscheinung

„Betrachte das Auge, wenn Haut, Fleisch, Blut und Tränenwasser getrennt sind. Wenn du es dann noch schön findest, warum lässt du dich vergeblich verblenden?“

Vers 7. Das Bild der Perlenkette

„Weiser, an jener Brust erschien der Glanz der Perlenkette wie das Wasser des Ganges, das an Merus Gipfelhang leuchtet …“

Vers 8. Vergänglichkeit

„… dieselbe Frauenbrust wird einst auf entlegenen Leichenstätten von Hunden gefressen wie ein kleiner Bissen Nahrung.“

Vers 9. Ein drastisches Bild des Begehrens

„Frauen mit geschmücktem Haar und Kajal, dem Auge angenehm, doch gefährlich zu berühren, verbrennen den Mann wie Gras als Flammen verfehlten Handelns.“ Dies ist die polemische Sprache einer männlichen Askeseschrift.

Vers 10. Verlockung und Bindung

Selbst aus der Ferne brennend, reizvoll und doch ohne bleibenden Saft, sind Frauen der schöne und furchtbare Brennstoff der Höllenfeuer.“

Vers 11. Das Netz des Begehrens

„Der Jäger namens Begehren hat Frauen als Netze ausgeworfen, welche die Glieder der Männer wie die von Vögeln fesseln und ihren Geist verwirren.“

Vers 12. Der Angelköder

„Für Männer, die wie Fische im Sumpf der Geburt und im Schlamm des Geistes schwimmen, ist schlechtes Verlangen die Angelschnur und die Frau der Köder.“

Vers 13. Der Wunsch nach Loslösung

„Genug sei mir für immer von der Frau, dieser schönen Schatulle aller Fehler und dieser Kette des Leidens.“

Vers 14. Verzicht auf Bindung

„Wer eine Frau hat, hat Verlangen nach Genuss. Wo bleibt der Genussgrund für den Frauenlosen? Wer die Frau aufgibt, hat die Welt aufgegeben; wer die Welt aufgegeben hat, wird glücklich.“

Vers 15. Sorgen um Nachkommen

„Ein ausbleibender Sohn quält die Eltern lange; kommt eine Schwangerschaft zustande, sorgen Fehlgeburt und Geburt für weiteres Leid.“

Vers 16. Weitere elterliche Sorgen

„Nach der Geburt drohen Besessenheit und Krankheit; in der Kindheit Unart. Nach der Einweihung bleibt vielleicht Unwissenheit, und selbst der Gebildete findet keine Heirat.“

Vers 17. Sorgen ohne Ende

„Beim jungen Mann kommen Beziehungen zu fremden Frauen, beim Familienvater Armut hinzu. Die Sorgen um den Sohn enden nicht; ist er reich, stirbt er vielleicht.“

Vers 18. Ruhe der Sinne

Der Entsagende ist weder mit Händen und Füßen noch mit Augen oder Sprache rastlos. Als Brahman verwirklicht, hat er seine Sinne bezwungen.

Vers 19. Einheit lässt Zorn schwinden

Wer im Feind, im Gebundenen und im eigenen Körper dasselbe Selbst sieht, wie könnte dieser Unterscheidende zürnen – so wenig wie seinen eigenen Körpergliedern?

Vers 20. Der Zorn als Hindernis

Wenn du dem zürnst, der dir schadet, warum zürnst du nicht dem Zorn selbst? Er stellt sich Dharma, Wohlergehen, erfülltem Leben und Befreiung gewaltsam in den Weg.

Vers 21. Vom Zorn lernen

Verehrung sei meinem Zorn, der seinen eigenen Träger heftig verbrennt, mir dadurch die Fehler des Zorns zeigt und Leidenschaftslosigkeit schenkt.

Vers 22. Wachheit des Weisen

Wo die Menschen beständig schlafen, ist der Selbstbeherrschte wach. Wo sie wach sind, ruht der wissende König der Yogis wie im Tiefschlaf.

Vers 23. Alles ist Bewusstsein

Betrachte: Hier ist Bewusstsein; dies alles ist reines Bewusstsein und besteht aus Bewusstsein. Du bist Bewusstsein, ich bin Bewusstsein, und diese Welten sind Bewusstsein.

Vers 24. Der höchste Stand

Dieser höchste Stand des Paramahamsa ist von Entsagenden anzustreben. Darüber hinaus gibt es nichts Höheres, bester der Weisen.

Schlussformel

So lautet die Upanishad.

Shanti-Mantra

Om. Jenes ist Fülle; dieses ist Fülle. Aus der Fülle geht Fülle hervor. Nimmt man von der Fülle die Fülle, bleibt Fülle allein zurück.

Friedensruf

Om. Frieden, Frieden, Frieden. Hari. Om. Das ist die Wirklichkeit.

Schlussvermerk

Hier endet die Yajnavalkya Upanishad.

Anregungen für die spirituelle Praxis

  • Prüfe die Motive großer Lebensentscheidungen geduldig und ehrlich.
  • Unterscheide religiösen Status von tatsächlichem Loslassen.
  • Übe einen maßvollen Umgang mit Besitz und Anerkennung.
  • Lies historische Askeseregeln im Zusammenhang ihrer Lebensform.

Quellen und Textgrundlage

  • Die deutsche Studienübersetzung und die Worterklärungen dieser Fassung wurden neu für diesen Artikel ausgearbeitet. Es handelt sich nicht um die Übernahme einer bestehenden deutschen Übersetzung und nicht um eine kritische Handschriftenedition.

Siehe auch

Weblinks

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