Vibhuti Dvadashi Vrata – zweijähriges Blütengelübde für Befreiung aus leidvoller Verstrickung

Aus Yogawiki

Vibhuti Dvadashi Vrata – zweijähriges Blütengelübde für Befreiung aus leidvoller Verstrickung

Vibhuti Dvadashi Vrata bittet Vishnu, den Menschen aus dem „Schlamm“ leidvoller Verstrickung herauszuheben. Das Matsya Purana kennt dafür neben aufwendigen Gold- und Landgaben ausdrücklich eine zweijährige Form für Menschen mit sehr geringen Mitteln: Verehrung mit Blüten. Diese Fassung verbindet monatliches Fasten, eine Nacht der Gotteserinnerung und ein anschließendes gemeinsames Mahl. Ihr Ausgangspunkt ist Hingabe, die auch ohne kostbare Gegenstände vollständig geübt werden kann.

Anlass und Vorbereitung

Beginne an einer hellen Dashami in Kartika, Chaitra, Vaishakha, Margashirsha, Phalguna oder Ashadha. Die nachfolgende Ekadashi ist Fasten- und Verehrungstag; an Dvadashi endet die Folge mit Gabe und Mahlzeit. Wiederhole den Ablauf monatlich über zwei Jahre, also 24 Mal. Es handelt sich um ein häusliches puranisches Vishnu-Gelübde. Die Quelle setzt für die Savitri-Rezitation vedische Übung voraus; wer diese Form traditionell hält, lässt sich Aussprache und Praxis entsprechend vermitteln.

Benötigt werden ein vorhandenes Vishnu-Bild, weiße Blüten, etwas Duft, Wasser, eine Frucht und nach Möglichkeit eine kleine Mahlzeit für den eingeladenen Brahmanen beziehungsweise seinen Haushalt. Verwende für die jeweilige Erscheinungsform eine Blüte vor dem vorhandenen Bild; eine goldene Monatsfigur gehört zur kostbaren Fassung und ist hier nicht erforderlich. Wasserkrug und Sesam-Jaggery-Schale können als einfache Gaben hinzukommen, soweit verfügbar.

Durchführung

1. Den Vorabend widmen
Iss an der Dashami leicht und verrichte dein gewöhnliches Abendgebet. Fasse danach den im Kapitel überlieferten Vorsatz:

ekādaśyāṃ nirāhāraḥ samabhyarcya janārdanam |
dvādaśyāṃ dvijasaṃyuktaḥ kariṣye bhojanaṃ vibho ||
tadavighnena me yātu saphalaṃ syācca keśava |

„An Ekadashi will ich ohne Nahrung sein und Janardana verehren; an Dvadashi werde ich mit einem Brahmanen essen, Allgegenwärtiger. Möge dies für mich ungehindert verlaufen und Frucht tragen, Keshava.“

Beim Zubettgehen sprich:

namo nārāyaṇāya |

„Verehrung Narayana.“

2. Am Morgen die Savitri rezitieren
Stehe am Ekadashi-Morgen auf, wasche dich und wiederhole die Savitri 108 Mal. Der vollständige Vers lautet:

tatsaviturvareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi |
dhiyo yo naḥ pracodayāt ||

„Wir betrachten den erwählenswerten Glanz des göttlichen Savitar. Er möge unsere Einsichten anregen.“

Halte anschließend den gewählten Fastentag. Eine notwendige Erleichterung des Nahrungsverzichts ist eine persönliche Anpassung; die Quelle selbst nennt hier Nahrungsfasten.

3. Vishnu mit weißen Blüten verehren
Lege etwas Duft und weiße Blüten vor das Bild. Richte bei den folgenden Anrufungen deine Aufmerksamkeit auf die genannte Stelle und lege jeweils eine Blüte dazu. Die abschließende Anrufung gilt Vishnu als dem Träger seiner göttlichen Zeichen.

Ort oder Handlung Anrufung Bedeutung
Füße vibhūtaye namaḥ
Verehrung der göttlichen Herrlichkeit.
Knie aśokāya namaḥ
Verehrung dem Leidfreien.
Oberschenkel śivāya namaḥ
Verehrung dem Gütigen.
Hüfte viśvamūrte namaḥ
Verehrung dir, dessen Gestalt die Welt ist.
Geschlechtsbereich des Bildes kandarpāya namaḥ
Verehrung dem Liebesgott.
Eine Frucht als Gabe nārāyaṇāya namaḥ
Verehrung Narayana.
Bauch dāmodarāya namaḥ
Verehrung Damodara.
Brüste vāsudevāya namaḥ
Verehrung Vasudeva.
Brustraum mādhavāya namaḥ
Verehrung Madhava.
Hals utkaṇṭhine namaḥ
Verehrung dem Sehnsuchtsvollen.
Gesicht śrīdharāya namaḥ
Verehrung dem Träger der Shri.
Haar keśavāya namaḥ
Verehrung Keshava.
Rücken śārṅgadharāya namaḥ
Verehrung dem Träger des Sharnga-Bogens.
Ohren varadāya namaḥ
Verehrung dem Segengeber.
Kopf sarvātmane namaḥ
Verehrung dem Selbst aller.
Vishnu mit seinen göttlichen Zeichen śaṅkhacakrāsigadājalajapāṇaye namaḥ
Verehrung dem, der Muschelhorn, Rad, Schwert, Keule und Lotus in den Händen hält.

Nenne anschließend deinen eigenen Namen und verneige dich vor Vishnu.

4. Die Erscheinungsform des Monats ehren
Verehre im ersten Monat Matsya, dann monatlich Kurma, Varaha, Narasimha, Vamana, Parashurama, Rama, Balarama, Buddha, Kalki, Dattatreya und Vyasa. Die ersten zehn bilden hier die Dashavatara-Reihe mit Buddha; diese Folge ist auch in Matsya Purana 54 erkennbar. Lege eine weitere Blüte als Verehrung der jeweiligen Gestalt nieder. Wiederhole dieselbe Zwölferfolge im zweiten Jahr.

5. Die Nacht der Erinnerung halten
Bleibe in der Nacht gesammelt wach. Erzähle oder höre eine Geschichte von Vishnu; die Quelle nennt Itihasa-Erzählungen ohne einen verbindlichen Einzeltext. Für Matsya kannst du beispielsweise erzählen, wie der kleine Fisch bei Manu Schutz sucht, beständig wächst und schließlich Manu durch die Flut führt. An den anderen Terminen wähle eine dir vertraute Erzählung zur jeweiligen Gestalt. Die Geschichten sind Inhalt der Nachtwache und kein zusätzliches Pflichtmantra.

6. Am Dvadashi-Morgen geben und essen
Überreiche dem eingeladenen Gast die vorbereitete Blütengabe und, soweit möglich, Speise oder den einfachen Wasserkrug. Sprich dabei:

yathā na mucyase deva sadā sarvavibhūtibhiḥ |
tathā māmuddharāśeṣaduḥkhasaṃsārakardamāt ||

„Wie du, Gott, niemals von all deinen Herrlichkeiten getrennt bist, so hebe mich heraus aus dem Schlamm des Samsara und all seines Leids.“

Bewirte den Gast und beende dann das Fasten mit deiner Mahlzeit.

7. Nach zwei Jahren abschließen
Vollziehe am 24. Termin denselben Ablauf und dasselbe Gebet. Bedanke dich bei den Gästen und schließe das Gelübde in eigenen Worten ab. Die kostbare Einjahresfassung endet mit Salzberg, Bett, Kühen und weiteren Vermögensgaben; sie wird durch die ausdrücklich erlaubte zweijährige Blütenverehrung ersetzt und ist nicht zusätzlich nachzuholen.

Sinn und Abschluss

„Vibhuti“ bezeichnet die göttliche Entfaltung und Fülle. Die Blütenfassung legt den Akzent auf die Beständigkeit der Zuwendung: Zwei Jahre lang kehrt die Bitte um Befreiung wieder und verbindet persönliche Sammlung mit einem gastfreundlichen Abschluss.

Rezitationen in Devanagari

Die Reihenfolge entspricht den Gebeten und Anrufungen im Ablauf.

Vorsatz
एकादश्यां निराहारः समभ्यर्च्य जनार्दनम् ।
द्वादश्यां द्विजसंयुक्तः करिष्ये भोजनं विभो ॥
तदविघ्नेन मे यातु सफलं स्याच्च केशव ।

Abendformel
नमो नारायणाय ।

Savitri – Rigveda 3.62.10
तत्सवितुर्वरेण्यं भर्गो देवस्य धीमहि ।
धियो यो नः प्रचोदयात् ॥

Anrufungen der Körperverehrung
विभूतये नमः
अशोकाय नमः
शिवाय नमः
विश्वमूर्ते नमः
कन्दर्पाय नमः
नारायणाय नमः
दामोदराय नमः
वासुदेवाय नमः
माधवाय नमः
उत्कण्ठिने नमः
श्रीधराय नमः
केशवाय नमः
शार्ङ्गधराय नमः
वरदाय नमः
सर्वात्मने नमः
शङ्खचक्रासिगदाजलजपाणये नमः

Gebet vor dem Mahl
यथा न मुच्यसे देव सदा सर्वविभूतिभिः ।
तथा मामुद्धराशेषदुःखसंसारकर्दमात् ॥

Quellen und Weiteres

Die zweijährige Blütenverehrung wird in 99.18 ausdrücklich erlaubt. Die Savitri steht vollständig in Rigveda 3.62.10. Für die Zehn-Avatara-Folge wird ergänzend Matsya Purana 54 herangezogen. Die im Quellentext einzeln beziehungsweise verkürzt genannten Namensanrufungen sind als ausführbare Namaskara-Formeln ausgeschrieben.

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