Varaha Nyasa und Japa
Varaha Nyasa und Japa verehrt Vishnu als Varaha, die Ebergestalt, welche die Erde trägt. Die überlieferte Mantraform enthält eine Bitte um Herrschaft. Für die persönliche Betrachtung kann damit die Frage verbunden werden, wie anvertrauter Lebensraum und eigene Handlungsmacht verantwortlich genutzt werden.

Umfang: Abgeschlossene innere Sitzung mit Dhyana, ausgeschriebenem Nyasa, 108 Japa und Darbringungsgebet.
Anlass, Voraussetzungen und Material
Für Praktizierende, die in diesen Mantra und den hier beschriebenen Nyasa unterwiesen sind. Die persönliche Diksha und die Anleitung des Guru bleiben maßgeblich. Bereite einen sauberen Sitz und eine Mala oder andere Zählhilfe vor; ein Bild der Gottheit ist möglich. Plane etwa 15 bis 25 Minuten ein.
Zur Vertiefung passen Bhumi Puja, Narayana Sukta, Panchayatana Puja. Alle für die hier beschriebene Sitzung erforderlichen Schritte sind unten ausgeschrieben.
1. Vorbereitung und Ausrichtung
Wasche die Hände und setze dich aufrecht und bequem. Vergegenwärtige Varaha. Widme die Sitzung der Hingabe und geistigen Sammlung. Führe diese Sitzung am Tage aus. Benenne innerlich einen Bereich, für den du Verantwortung trägst, und verbinde damit die Bereitschaft zu sorgfältigem Handeln.
2. Handlungen des Nyasa
Sprich jede Formel einmal vollständig bei der angegebenen Handlung. Die Schlusswörter bezeichnen rituelle Akte; ihre Funktionen werden unmittelbar erläutert.
Handweihung
Berühre bei den Daumen zunächst den rechten Daumen mit dem rechten Zeigefinger und dann den linken Daumen mit dem linken Zeigefinger. Bei den übrigen Fingerpaaren berührt jeweils der Daumen derselben Hand den genannten Finger. Führe die Berührungen rechts und links nacheinander aus und sprich die vollständige Formel einmal für das Paar.
| Handlung | Vollständige Formel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Daumen | ekadaṃṣṭrāya aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ | Dem mit dem einen Fangzahn. Den Daumen: Verehrung. |
| Zeigefinger | vyomolkāya tarjanībhyāṃ svāhā | Dem Himmelsfeuer. Den Zeigefingern: Darbringung. |
| Mittelfinger | tejo'dhipataye madhyamābhyāṃ vaṣaṭ | Dem Herrn des Glanzes. Den Mittelfingern: Weihe und Bekräftigung. |
| Ringfinger | viśvarūpāya anāmikābhyāṃ huṃ | Dem, dessen Gestalt das All ist. Den Ringfingern: Schutzbekräftigung. |
| Kleine Finger | mahādaṃṣṭrāya kaniṣṭhābhyāṃ phaṭ | Dem mit dem großen Fangzahn. Den kleinen Fingern: Abgrenzung. |
Körperweihung
Berühre die genannten Körperstellen mit den Fingerspitzen der rechten Hand; für die schützende Hülle kreuze beide Arme. Die ruhige Handbewegung beim Astra konkretisiert hier die Vorstellung eines geschützten Übungsraumes.
| Handlung | Vollständige Formel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Herzraum | ekadaṃṣṭrāya hṛdayāya namaḥ | Dem mit dem einen Fangzahn. Dem Herzen: Verehrung. |
| Scheitel | vyomolkāya śirase svāhā | Dem Himmelsfeuer. Dem Haupt: Darbringung. |
| Hinterer Scheitel, Shikha-Stelle | tejo'dhipataye śikhāyai vaṣaṭ | Dem Herrn des Glanzes. Der Shikha: Weihe und Bekräftigung. |
| Gekreuzte Hände auf die gegenüberliegenden Schultern | viśvarūpāya kavacāya huṃ | Dem, dessen Gestalt das All ist. Der schützenden Hülle: Schutzbekräftigung. |
| Eine ruhige Handbewegung nach außen | mahādaṃṣṭrāya astrāya phaṭ | Dem mit dem großen Fangzahn. Der rituellen Schutzwaffe: Abgrenzung. |
3. Die göttliche Gestalt betrachten
Rezitiere den folgenden Dhyana-Vers einmal und vergegenwärtige anschließend die beschriebene Gestalt still.
sajalāmbuvāhanibham uddhatadoḥparighaṃ dharādharasamānatanum |
sitadaṃṣṭrikādhṛtabhavaṃ tv atha vā pravicintayet sapadi kolamukham ||
Oder man vergegenwärtige unmittelbar den Ebergesichtigen: regenwolkengleich, mit mächtigen Armen wie Riegeln und einem Körper wie ein Berg; auf seinem weißen Fangzahn trägt er die Welt.
Verweile für einige natürliche Atemzüge bei dieser Gegenwart. Lege der Gottheit im Geist eine Blüte zu Füßen. Die einzelne innere Blütengabe gestaltet hier den Übergang vom Dhyana zum Japa.
4. Die vollständige Mantra-Rezitation
Rezitiere die folgende vollständige Formel 108-mal leise oder im Geist:
oṃ namo bhagavate varāharūpāya bhūrbhuvaḥsvaḥpataye bhūpatitvaṃ me dehi dadāpaya svāhā
Om. Verehrung dem Erhabenen in Ebergestalt, dem Herrn von Bhur, Bhuvah und Svah. Gib mir Herrschaft über die Erde; bewirke, dass sie mir gegeben wird. Svāhā – dir sei diese Darbringung. Die drei Weltnamen bezeichnen hier Erde, Zwischenraum und Himmelswelt.
Eine ganze Formel zählt als eine Wiederholung. Bewege danach eine Perle der Mala weiter; die Meru-Perle zählt nicht mit. Atme während der Rezitation natürlich und bleibe bei der Bedeutung der Anrufung.
5. Die Rezitation darbringen
Stelle dir die Frucht deiner Rezitation als Gabe in der rechten Hand des Gottes vor. Sprich einmal:
guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||
Du bist der Hüter des Geheimsten. Nimm unsere Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.
Falte die Hände vor dem Herzen, neige den Kopf und bleibe einen Augenblick still. Lass die bildhafte Betrachtung im Herzen zur Ruhe kommen. Damit ist diese Sitzung abgeschlossen.
Vertiefung
Yoga-Vidya-Vortrag „Japa – der Weg zu Gott“. Das Video ist eine thematische Ergänzung; der konkrete Ablauf richtet sich nach dieser Anleitung.
Siehe auch
Seminare
Hinduistische Rituale
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Diwali ist eines der wichtigsten Feste in Indien. Diwali ist das Lichterfest zur Öffnung des Herzens und der Entfaltung allumfassender Liebe. 20:00 Uhr…- Sukadev Bretz
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Quellen und redaktionelle Hinweise
Brihat Tantrasara von Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa, Sanskrit-IAST-Projektfassung, Teil 1, nach dem elektronischen Text M00013 auf Grundlage des Drucks Calcutta 1896. Die Versnummern gelten innerhalb des jeweils genannten Abschnitts. Varaha-Abschnitt, Verse 54–60: Hauptmantra 54, fünfteiliger Nyasa 56. Für den Dhyana wird ausdrücklich die alternative Varaha-Betrachtung aus Prapanchasara Tantra 22.19 verwendet; Textgrundlage ist die Sanskrit-IAST-Projektfassung. Das Wort „oder“ gehört zu deren Quellensatz. Die Herrschaftsbitte bhūpatitvaṃ me dehi wird wörtlich übersetzt; die Anwendung auf verantwortliche Fürsorge ist eine heutige Deutung, keine Ersetzung dieses Wortlauts. Der gewählte Zeitpunkt am Tage folgt der am Ende des Vishnu-Mantrakapitels zitierten Regel in Vers 60; daraus wird keine allgemeine Regel für alle Vaishnava-Traditionen abgeleitet.
Die Sitzung mit 108 Wiederholungen ist eine redaktionell begrenzte Praxisform. Ihr allgemeiner Japa-Rahmen folgt Mantramahodadhi 21.166–170, besonders 21.169; das Darbringungsgebet folgt 22.151–152. Die weibliche Form des Gebets ist auch im Brihat Tantrasara, allgemeine Puja-Paddhati, Vers 6, belegt. Die größere Purashcharana und die äußeren Avarana-Pujas des jeweiligen Gottheitenkapitels sind nicht Bestandteil dieser Sitzung.