Shatkuta Bhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara
Shatkuta Bhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um die sechs Kuta-Kräfte Bhairavis in einer Puja zu verehren.
Voraussetzungen
Vorausgesetzt sind die Kenntnis von Puja und Sanskritrezitation sowie der zu dieser Gottheitsform gehörenden Reinigung, Nyasas und Mudras. Wo die Quelle auf die allgemeine Paddhati verweist, gehört diese Vorbereitung zur Durchführung. Die Besonderheiten und die konkret belegten Formeln folgen unten.
Vorbereitung und Ritualmittel
Das zur jeweiligen Form beschriebene Yantra, Arghya-Gefäß, Wasser, Blumen, Duftstoff, Räucherwerk, Licht und Speise.
Umfang und Überlieferung
Das Yantra unterscheidet Rati und die übrigen im Dreieck, Dakini und die übrigen im Sechseck sowie die Blattgöttinnen. Die sechs Kutas gehören zu einem Ritual.
Durchführung
- Lege die für diese Göttinnenform bezeichnete Vidya fest. Die Lautbildung und die Unterschiede zu benachbarten Formen stehen im eigenen Quellenbeleg.
- Bereite das im Abschnitt beschriebene Yantra und den Kultsitz vor. Vollziehe die Morgenhandlungen und genau die angegebenen Nyasas; bei einem ausdrücklichen Rückverweis gilt der beigefügte Bezugsabschnitt.
- Vergegenwärtige die beschriebene Gestalt der Göttin. Bringe die Gaben geistig dar, stelle das Arghya auf und vollziehe die äußere Sitzverehrung.
- Rufe die gewählte Göttinnenform an, reiche die Verehrungsgaben und führe ihre eigene Avarana-Folge aus. Die Zahlen des anschließenden Purascharana werden erst für eine dafür übernommene Gesamtpraxis verwendet.
Sanskrit und deutsche Übersetzung
P2-0704 · 83
atha ṣaṭkūṭābhairavī
jñānārṇave:
ḍākinī rākiṇī jīje lākinī kākinī yugam |
śākinī hākinī bīje āhṛtya surasundari |
ādyamaikārasaṃyuktamanyadīkāramaṇḍitam |
śatrusvarānvitaṃ devi tārtīyaṃ bījamālikhet |
vindunādakalākrāntaṃ tṛtīyaṃ śailasambhave |
tṛtīyaṃ bījaṃ savisargamiti kecit
|| 83 ||
Nun Ṣaṭkūṭābhairavī. Im Jñānārṇava: Nimm die Bījas von Ḍākinī und Rākiṇī, das Paar Lākinī und Kākiṇī sowie die Bījas von Śākinī und Hākinī, o Schöne unter den Göttern. Das erste ist mit dem Vokal ai verbunden, das andere mit ī geschmückt. Das dritte Bīja zeichne mit dem Vokal Śatras, o Göttin. [„śatru“ ist hier eine unsichere Lesart des verschlüsselten Vokalnamens.] Das dritte ist mit Bindu, Nāda und Kalā versehen, o Tochter des Berges. Manche sagen, das dritte Bīja habe Visarga.
P2-0705 · 84
tantrāntare:
urau kṣmāmādanaṃ bījaṃ śivamatra tridhālikhet |
arkeṇa māyāśakrābhyāṃ krama tanmaṇḍitaṃ kuru |
vindunādānvitañcādyayugmamantyaṃ visargavat
|| 84 ||
In einem anderen Tantra: Schreibe das Bīja [der Anfang „urau kṣmāmādanaṃ“ ist beschädigt und nicht sicher deutbar] und Śiva hier dreimal. Schmücke es der Reihe nach mit Arka, Māyā und Śakra. Das erste Paar ist mit Bindu und Nāda verbunden, das letzte mit Visarga. [Die verschlüsselten Lautnamen werden aufgrund der beschädigten Vorlage nicht zu einem vermeintlich gesicherten Mantra ergänzt.]
P2-0706 · 85
dhyānamasyāḥ pravakṣyāmi sarvabhūtanikṛntanam |
bālasūryaprabhāṃ devīṃ javākusumasannibhām |
muṇḍamālāvalīrabhyāṃ bālasūryasamāṃśukām |
suvarṇakalasākārapīnonnatapayodharām |
pāśāṃkuśau pustakañca tathā ca japamālikām |
dadhatīmiti śeṣaḥ
|| 85 ||
Ich will ihre Meditation erklären, die alle Wesen niederstreckt: Die Göttin leuchtet wie die junge Sonne und gleicht einer Hibiskusblüte. Sie ist herrlich durch die Reihen ihrer Schädelgirlande; ihr Gewand gleicht der jungen Sonne. Ihre vollen, hohen Brüste haben die Gestalt goldener Krüge. Sie trägt Schlinge und Stachel, ein Buch und eine Gebetskette. „Sie trägt“ ist als Ergänzung des Satzes zu verstehen.
P2-0707 · 86
dvirāvṛttyā ṣaḍaṅgāni vidhāya parameśvari |
yantramasyāḥ pravakṣyāmi trikoṇaṃ tatpuṭaṃ likhet |
bahiraṣṭadalaṃ padmaṃ ravipatraṃ tato likhet |
caturasraṃ caturdvāramevaṃ maṇḍalamālikhet
|| 86 ||
Nachdem man durch zweimalige Wiederholung die sechs Glieder vollzogen hat, o Parameśvarī, will ich ihr Yantra erklären: Man zeichne ein Dreieck und dessen Umfassung [„tatpuṭam“ ist nicht näher erläutert], außen einen achtblättrigen Lotus und danach zwölf Blütenblätter. Man zeichne ein Viereck mit vier Toren; so zeichne man das Maṇḍala.
P2-0708 · 87
(citra 29)
ṣaḍaṅgāvaraṇaṃ devi pūrvavat pūjayet śive |
ratyāditritayaṃ devi trikoṇaṃ paripūjayet |
ḍākinyādyastu ṣaṭkoṇe vasupatre tataḥ param |
brāhmyādiyugalaṃ paścāt ravipatre tataḥ param |
bālāyāḥ pīṭhaśaktistu vāmādyaḥ pūjayet kramāt |
caturasre lokapālān sāyudhān parameśvari |
anenaiva vidhānena nityākhyāṃ bhairavīṃ yajet
|| 87 ||
[Abbildung 29.] Verehre die Umfassung der sechs Glieder wie zuvor, o Göttin, o Śivā. Verehre im Dreieck die Dreiheit Rati und die übrigen, o Göttin. Ḍākinī und die übrigen befinden sich im Sechseck; danach [erfolgt die Verehrung] im achtblättrigen Lotus. Anschließend [verehre man] die Paare mit Brāhmī und den übrigen und danach den zwölfblättrigen Lotus. Verehre der Reihe nach die Kräfte des Kultsitzes von Bālā, Vāmā und die übrigen. Im Viereck verehre man die Weltenhüter mit ihren Waffen, o Parameśvarī. Nach eben dieser Vorschrift verehre man auch die Bhairavī namens Nityā. [Die elliptische Zuordnung der beiden Blütenkränze bleibt in der Vorlage unvollständig.]
Sanskrit in Devanagari
Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.
P2-0704 · 83
अथ षट्कूटाभैरवी
ज्ञानार्णवे:
डाकिनी राकिणी जीजे लाकिनी काकिनी युगम् ।
शाकिनी हाकिनी बीजे आहृत्य सुरसुन्दरि ।
आद्यमैकारसंयुक्तमन्यदीकारमण्डितम् ।
शत्रुस्वरान्वितं देवि तार्तीयं बीजमालिखेत् ।
विन्दुनादकलाक्रान्तं तृतीयं शैलसम्भवे ।
तृतीयं बीजं सविसर्गमिति केचित्
॥ ८३ ॥
P2-0705 · 84
तन्त्रान्तरे:
उरौ क्ष्मामादनं बीजं शिवमत्र त्रिधालिखेत् ।
अर्केण मायाशक्राभ्यां क्रम तन्मण्डितं कुरु ।
विन्दुनादान्वितञ्चाद्ययुग्ममन्त्यं विसर्गवत्
॥ ८४ ॥
P2-0706 · 85
ध्यानमस्याः प्रवक्ष्यामि सर्वभूतनिकृन्तनम् ।
बालसूर्यप्रभां देवीं जवाकुसुमसन्निभाम् ।
मुण्डमालावलीरभ्यां बालसूर्यसमांशुकाम् ।
सुवर्णकलसाकारपीनोन्नतपयोधराम् ।
पाशांकुशौ पुस्तकञ्च तथा च जपमालिकाम् ।
दधतीमिति शेषः
॥ ८५ ॥
P2-0707 · 86
द्विरावृत्त्या षडङ्गानि विधाय परमेश्वरि ।
यन्त्रमस्याः प्रवक्ष्यामि त्रिकोणं तत्पुटं लिखेत् ।
बहिरष्टदलं पद्मं रविपत्रं ततो लिखेत् ।
चतुरस्रं चतुर्द्वारमेवं मण्डलमालिखेत्
॥ ८६ ॥
P2-0708 · 87
(चित्र २९)
षडङ्गावरणं देवि पूर्ववत् पूजयेत् शिवे ।
रत्यादित्रितयं देवि त्रिकोणं परिपूजयेत् ।
डाकिन्याद्यस्तु षट्कोणे वसुपत्रे ततः परम् ।
ब्राह्म्यादियुगलं पश्चात् रविपत्रे ततः परम् ।
बालायाः पीठशक्तिस्तु वामाद्यः पूजयेत् क्रमात् ।
चतुरस्रे लोकपालान् सायुधान् परमेश्वरि ।
अनेनैव विधानेन नित्याख्यां भैरवीं यजेत्
॥ ८७ ॥
Quellen und Textstand
- Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
- Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
- Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
- Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-0704–P2-0708
Siehe auch
- Brihat Tantrasara Ritualartikel Übersicht
- Tripurabhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Nityabhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Kameshvari Bhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Rudrabhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara
- Chaitanyabhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara
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