Sakalasiddhida Bhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara

Aus Yogawiki

Sakalasiddhida Bhairavi Puja nach dem Brihat Tantrasara beschreibt eine Ritualpraxis des Brihat Tantrasara, um Sakalasiddhida Bhairavi in ihrer eigenen Vidya zu verehren.

Voraussetzungen

Vorausgesetzt sind die Kenntnis von Puja und Sanskritrezitation sowie der zu dieser Gottheitsform gehörenden Reinigung, Nyasas und Mudras. Wo die Quelle auf die allgemeine Paddhati verweist, gehört diese Vorbereitung zur Durchführung. Die Besonderheiten und die konkret belegten Formeln folgen unten.

Vorbereitung und Ritualmittel

Das zur jeweiligen Form beschriebene Yantra, Arghya-Gefäß, Wasser, Blumen, Duftstoff, Räucherwerk, Licht und Speise.

Umfang und Überlieferung

Die Quelle beschreibt die Bildung durch Wegfall von ra im ersten und letzten Teil. Diese knappe Verschlüsselung wird nicht als ausgeschriebener Rezitationstext ausgegeben.

Durchführung

  1. Lege die für diese Göttinnenform bezeichnete Vidya fest. Die Lautbildung und die Unterschiede zu benachbarten Formen stehen im eigenen Quellenbeleg.
  2. Bereite das im Abschnitt beschriebene Yantra und den Kultsitz vor. Vollziehe die Morgenhandlungen und genau die angegebenen Nyasas; bei einem ausdrücklichen Rückverweis gilt der beigefügte Bezugsabschnitt.
  3. Vergegenwärtige die beschriebene Gestalt der Göttin. Bringe die Gaben geistig dar, stelle das Arghya auf und vollziehe die äußere Sitzverehrung.
  4. Rufe die gewählte Göttinnenform an, reiche die Verehrungsgaben und führe ihre eigene Avarana-Folge aus. Die Zahlen des anschließenden Purascharana werden erst für eine dafür übernommene Gesamtpraxis verwendet.

Sanskrit und deutsche Übersetzung

P2-0694 · 72
atha sakalasiddhid⠖ bhairavī
jñānārṇave:
etasyā eva vidyāyā ādyante rephavarjite |
tadeyaṃ parameśāni nāmnā sakalasiddhidā |
sampatpradābhairavīvaddhyānapūjādikaṃ |
asyārthaḥ:
kauleśa - bhairavī ādyante rephavarjitā cettadā sakalasiddhidā -
bhairavī bhavati dhyānapūjādikantu sampatpradāvat
|| 72 ||

Nun Sakalasiddhidā Bhairavī. Im Jñānārṇava heißt es: Wenn bei dieser Vidyā im ersten und letzten Teil ra entfernt wird, heißt sie Sakalasiddhidā, höchste Herrin. Meditation und Verehrung erfolgen wie bei Sampatpradā Bhairavī. Die Erläuterung bestätigt: Kauleśabhairavī ohne ra im ersten und letzten Teil wird Sakalasiddhidā Bhairavī; Meditation, Verehrung und das Weitere entsprechen Sampatpradā.


Ergänzungen zu ausdrücklichen Rückverweisen

Die folgenden Stellen erläutern die im Ablauf vorausgesetzten Mantras oder Teilhandlungen. Sie bilden hier keine zusätzliche, vollständig zu wiederholende Puja.

P2-0686 · 64
atha sampatprad⠖ bhairavī
jñānārṇave:
yatheyaṃ tripurā bālā tathā tripurabhairavī |
sampatpradā nāma tasyāḥ śṛṇu nirmalamānase |
śivacandrau vahnisaṃstho vāgbhavaṃ tadanantaram |
kāmabījaṃ tathā devi śivacandrānvitaṃ tataḥ
pṛthvībījāntavahyāḍhyaṃ tārtīyaṃ śṛṇu vallabhe |
śakti bīje maheśāni śivavahnī niyojayet |
kumāryāḥ parameśāni hitvā sargantu vaindavam |
tripurābhairavī devī mahāsampatpradā matā ||
asyārthaḥ:
tripurābhairavī visargarahitā cet sampatpradā bhavati
|| 64 ||

Nun Sampatpradā Bhairavī. Im Jñānārṇava heißt es: Wie Tripurā Bālā, so ist Tripurabhairavī; höre, rein Gesinnte, von ihrer Form namens Sampatpradā. Śiva und Mond auf Feuer, danach Vāgbhava; das Liebesbīja mit Śiva und Mond sowie Erde und Feuer; für das dritte setzt man im Śaktibīja Śiva und Feuer ein. Bei Kumārī lässt man Visarga weg und nimmt Bindu. So gilt Tripurabhairavī als Spenderin großen Wohlstands. Die Erläuterung lautet: Ohne Visarga wird Tripurabhairavī zu Sampatpradā.


P2-0687 · 65
tantrāntare:
sampatpradā - bhairavī yā tatra tārtīya bījake |
sargaṃ hitvā tato vinduṃ nikṣipet surasundari
|| 65 ||

In einem anderen Tantra heißt es: Götterschöne, bei Sampatpradā Bhairavī entfernt man im dritten Bīja den Visarga und setzt stattdessen Bindu ein.


P2-0688 · 66
asyā dhyām:
ātāmrārkasahasrābhāṃ sphuraccandrakalājaṭām |
kirīṭaratnavilasaccitracitritamauktikām |
sravadrudhirapaṅkāḍhya muṇḍamālāvirājitām |
nayanatrayaśobhāḍhyāṃ purṇenduvadanānvitām |
muktāhāralatārājatpīnonnataghaṭastanīm |
raktāmbara - parīdhānāṃ yauvanonmattarūpiṇīm |
pustakañcābhayaṃ vāme dakṣiṇe cākṣamālikām |
varadānapradāṃ nityāṃ mahāsampatpradāṃ smaret |
nyāsapūjādikañca pūrvavat
|| 66 ||

Ihre Meditation: Man vergegenwärtigt sich die ewige Spenderin großen Wohlstands, deren Glanz tausend kupferroten Sonnen gleicht. Ihre Haarflechte strahlt mit der Mondsichel; Edelsteine und vielfältige Perlen leuchten an ihrer Krone. Eine Girlande von Köpfen, bedeckt mit fließendem Blut, schmückt sie. Drei Augen machen sie schön; ihr Gesicht gleicht dem Vollmond. Perlenketten leuchten über ihren vollen, hohen, gefäßgleichen Brüsten. Sie trägt rotes Gewand und ist von Jugend überwältigt. Links trägt sie ein Buch und zeigt Furchtlosigkeit, rechts trägt sie die Gebetskette und gewährt Gaben. Nyāsa und Verehrung erfolgen wie zuvor.


P2-0689 · 67
aṅgamantre tu viśeṣaḥ |
dviruktaistu tribhirbījaiḥ karāṅganyāsakalpanā
|| 67 ||

Bei den Gliedermantras besteht eine Besonderheit: Hand- und Gliedernyāsa werden mit den drei Bījas gebildet, die zweimal in Folge gesprochen werden.


P2-0690 · 68
asya puraścaraṇaṃ trilakṣajapaḥ |
jñānārṇave:
bālāvadasyāḥ pūjādi kuryātsādhakasattamaḥ |
guṇalakṣaṃ japenmantraṃ juhuyāttaddaśāṃśataḥ
|| 68 ||

Das Puraścaraṇa beträgt drei Lakh, also 300.000 Wiederholungen. Im Jñānārṇava heißt es: Der vorzügliche Praktizierende vollzieht ihre Verehrung und die übrigen Handlungen wie bei Bālā, wiederholt das Mantra 300.000-mal und opfert ein Zehntel.


P2-0691 · 69
tantrāntare:
nyāsapūjādikaṃ sarvaṃ kumāryā iva suvrate |
ekalakṣaṃ japenmantraṃ siddhaye sādhakottamaḥ |
iti vacanādekalakṣajapapuraścaraṇamiti kecit |
siddhavidyātvāt
|| 69 ||

In einem anderen Tantra heißt es: Nyāsa, Verehrung und alles Übrige sind wie bei Kumārī, du mit guten Gelübden. Zur Vollendung soll der vorzügliche Praktizierende das Mantra 100.000-mal wiederholen. Nach diesem Ausspruch verstehen einige das Puraścaraṇa als 100.000 Wiederholungen, da es sich um eine bereits vollendete Vidyā handelt.


Sanskrit in Devanagari

Die Schriftfassung deckt dieselben ausgewählten Textstellen wie die IAST-Fassung ab.

P2-0694 · 72
अथ सकलसिद्धिद्⠖ भैरवी
ज्ञानार्णवे:
एतस्या एव विद्याया आद्यन्ते रेफवर्जिते ।
तदेयं परमेशानि नाम्ना सकलसिद्धिदा ।
सम्पत्प्रदाभैरवीवद्ध्यानपूजादिकं ।
अस्यार्थः:
कौलेश - भैरवी आद्यन्ते रेफवर्जिता चेत्तदा सकलसिद्धिदा -
भैरवी भवति ध्यानपूजादिकन्तु सम्पत्प्रदावत्
॥ ७२ ॥

P2-0686 · 64
अथ सम्पत्प्रद्⠖ भैरवी
ज्ञानार्णवे:
यथेयं त्रिपुरा बाला तथा त्रिपुरभैरवी ।
सम्पत्प्रदा नाम तस्याः शृणु निर्मलमानसे ।
शिवचन्द्रौ वह्निसंस्थो वाग्भवं तदनन्तरम् ।
कामबीजं तथा देवि शिवचन्द्रान्वितं ततः
पृथ्वीबीजान्तवह्याढ्यं तार्तीयं शृणु वल्लभे ।
शक्ति बीजे महेशानि शिववह्नी नियोजयेत् ।
कुमार्याः परमेशानि हित्वा सर्गन्तु वैन्दवम् ।
त्रिपुराभैरवी देवी महासम्पत्प्रदा मता ॥
अस्यार्थः:
त्रिपुराभैरवी विसर्गरहिता चेत् सम्पत्प्रदा भवति
॥ ६४ ॥

P2-0687 · 65
तन्त्रान्तरे:
सम्पत्प्रदा - भैरवी या तत्र तार्तीय बीजके ।
सर्गं हित्वा ततो विन्दुं निक्षिपेत् सुरसुन्दरि
॥ ६५ ॥

P2-0688 · 66
अस्या ध्याम्:
आताम्रार्कसहस्राभां स्फुरच्चन्द्रकलाजटाम् ।
किरीटरत्नविलसच्चित्रचित्रितमौक्तिकाम् ।
स्रवद्रुधिरपङ्काढ्य मुण्डमालाविराजिताम् ।
नयनत्रयशोभाढ्यां पुर्णेन्दुवदनान्विताम् ।
मुक्ताहारलताराजत्पीनोन्नतघटस्तनीम् ।
रक्ताम्बर - परीधानां यौवनोन्मत्तरूपिणीम् ।
पुस्तकञ्चाभयं वामे दक्षिणे चाक्षमालिकाम् ।
वरदानप्रदां नित्यां महासम्पत्प्रदां स्मरेत् ।
न्यासपूजादिकञ्च पूर्ववत्
॥ ६६ ॥

P2-0689 · 67
अङ्गमन्त्रे तु विशेषः ।
द्विरुक्तैस्तु त्रिभिर्बीजैः कराङ्गन्यासकल्पना
॥ ६७ ॥

P2-0690 · 68
अस्य पुरश्चरणं त्रिलक्षजपः ।
ज्ञानार्णवे:
बालावदस्याः पूजादि कुर्यात्साधकसत्तमः ।
गुणलक्षं जपेन्मन्त्रं जुहुयात्तद्दशांशतः
॥ ६८ ॥

P2-0691 · 69
तन्त्रान्तरे:
न्यासपूजादिकं सर्वं कुमार्या इव सुव्रते ।
एकलक्षं जपेन्मन्त्रं सिद्धये साधकोत्तमः ।
इति वचनादेकलक्षजपपुरश्चरणमिति केचित् ।
सिद्धविद्यात्वात्
॥ ६९ ॥

Quellen und Textstand

  • Krishnananda Agamavagisha: Brihat Tantrasara. Grundlage ist die gespeicherte deutsche Gesamtausgabe mit den zugehörigen IAST- und Devanagari-Dateien, Bearbeitungsstand 4. Oktober 2026.
  • Die Kennungen P1 bis P5 mit vierstelliger Nummer bezeichnen die Fundstellen der Gesamtausgabe. Die daneben stehende Verszählung einschließlich Zusatznummern bleibt erhalten.
  • Lokale Hinweise in eckigen Klammern kennzeichnen Lesarten, Textlücken und Übersetzungsprobleme. Ein neuer Vergleich mit einer gedruckten Sanskritedition wurde für diese Ritualredaktion nicht vorgenommen.
  • Brihat Tantrasara Übersetzung 2: P2-0694; ergänzend P2-0686–P2-0691


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