Rajopachara
Rajopachara (Sanskrit: राजोपचार rājopacāra m.) bedeutet „königliche Ehrerweisung“ oder „Verehrung wie einem König“. Rajopachara bezeichnet eine Reihe von Gaben und Ehrbezeugungen, die in einer ausführlichen Puja einer Gottheit dargebracht werden, so wie man einen König oder Herrscher ehrt: mit Schirm, Fächer, Spiegel, Musik, Gesang, Tanz und anderen Zeichen königlicher Würde. Die Rajopacharas folgen meist auf die grundlegenden Gaben der Shodashopachara Puja (Verehrung mit sechzehn Gaben) und machen die Puja zu einem festlichen Ausdruck von Liebe und Ehrfurcht.
Etymologie
- Raja (राजन्, राज): König, Herrscher; von der Wurzel rāj = herrschen, glänzen.
- Upachara (उपचार): Dienst, Aufwartung, Ehrerweisung; in der Puja eine einzelne Gabe oder Handlung der Verehrung. Von upa (nahe, hin zu) und der Wurzel car (gehen, sich bewegen) – „sich jemandem dienend nähern“.
Die königlichen Gaben
Welche Rajopacharas dargebracht werden, ist je nach Tradition, Tempel und Anlass verschieden. Häufig gehören dazu:
- Chhatra (छत्र): Schirm, Ehrenschirm – Zeichen königlicher Würde und des Schutzes.
- Chamara (चामर): Fliegenwedel aus Yakschwanzhaar, mit dem der König sanft befächelt wird.
- Vyajana (व्यजन): Fächer zur Kühlung.
- Darpana (दर्पण): Spiegel, in dem die Gottheit ihr Bild betrachten kann.
- Gita (गीत): Gesang, etwa Hymnen, Bhajans oder Kirtan.
- Vadya (वाद्य): Instrumentalmusik, etwa Glocke, Trommel, Muschelhorn (Shankha) oder Flöte.
- Nritya (नृत्य): Tanz als Opfergabe.
- Andolika (आन्दोलिका): Schaukel – die Gottheit wird auf einer Schaukel gewiegt, besonders in der Krishna-Verehrung.
- Ashvarohana / Gajarohana: symbolisches Darbringen von Pferd und Elefant als königliche Reittiere.
- Rathārohaṇa: Darbringen eines Wagens, wie bei Tempelprozessionen (Rathayatra).
- Paduka (पादुका): Sandalen.
- Tambula: Betelblätter und -nüsse, wie sie Gästen und Herrschern angeboten wurden.
Bei jeder Gabe wird etwa gesprochen:
- chatraṃ samarpayāmi | cāmaraṃ samarpayāmi | gītaṃ samarpayāmi | nṛtyaṃ samarpayāmi | vādyaṃ samarpayāmi ||
- „Ich bringe einen Schirm dar, einen Fächerwedel, Gesang, Tanz, Instrumentalmusik.“
Häufig wird zusammenfassend gesagt:
- samasta rājopacārān samarpayāmi ||
- „Ich bringe alle königlichen Ehrerweisungen dar.“
Stehen die Gegenstände nicht zur Verfügung, werden sie symbolisch mit etwas Reis (Akshata) oder Blumen dargebracht oder innerlich vorgestellt (Manasa Puja).
Rajopachara im Ablauf der Puja
In der vollständigen Verehrung mit 64 Gaben (Chatushshashti Upachara) bilden die Rajopacharas einen eigenen Abschnitt. In der verbreiteten Form mit 16 Gaben folgen sie meist nach Naivedya (Speiseopfer) und Tambula und vor bzw. um das Arati, gefolgt von Mantrapushpa, Pradakshina, Pranama und Kshamapana.
Spirituelle Bedeutung
- Das Göttliche als höchster König: Gott ist der Herrscher des Universums. Die Rajopacharas drücken aus, dass der Gläubige das Göttliche als höchste Autorität und Quelle aller Herrlichkeit anerkennt.
- Liebe in festlicher Form: Wie man einen geliebten, verehrten Menschen mit allem Schönen beschenkt, so schenkt man der Gottheit Musik, Tanz und Pracht. Die Puja wird zu einem Fest der Freude.
- Weihe der Künste: Gesang, Musik und Tanz werden dem Göttlichen dargebracht. So werden die Künste zu einem Weg der Hingabe – ein Gedanke, der die indische Musik- und Tanztradition tief geprägt hat.
- Weihe der Sinne: Jede Gabe spricht einen Sinn an – das Sehen, Hören, Fühlen. Indem man sie dem Göttlichen darbringt, heiligt man die eigenen Sinne.
- Das Göttliche im Herzen: In der Manasa Puja (innere Verehrung) stellt man sich vor, das Göttliche im eigenen Herzen mit all diesen königlichen Gaben zu ehren. Der Shankaracharya zugeschriebene Shiva Manasa Puja-Hymnus beschreibt eine solche innere Verehrung mit Schirm, Fächer, Spiegel, Musik und Tanz.
Rajopachara bei Yoga Vidya
Bei festlichen Pujas in den Yoga Vidya Ashrams werden Elemente der Rajopacharas einbezogen: Die Gottheit wird mit Chamara und Fächer geehrt, es wird Kirtan gesungen, Glocken und Muschelhorn erklingen, und manchmal wird auch getanzt. An Festen wie Krishna Janmashtami wird die Krishna-Murti auf einer kleinen Schaukel gewiegt. Auch die innere Verehrung mit allen königlichen Gaben wird in Meditationsanleitungen geübt.
Praxistipps
- Bereichere deine Puja zu Hause mit Gesang oder Musik als Gabe an das Göttliche.
- Befächle das Bild oder die Murti einige Momente sanft mit einem Fächer oder einer Feder und spüre dabei Liebe und Fürsorge.
- Stelle dir in der Meditation vor, wie du das Göttliche in deinem Herzen wie einen König ehrst – mit Schirm, Fächer, Musik und Tanz.
- Betrachte jede Form von Kunst, die du ausübst, als mögliche Opfergabe an das Göttliche.
Rajopachara , Sanskrit राजोपचार rājopacāra, Fürstendienst oder -huldigung. Rajopachara ist in der Sanskrit Sprache ein Substantiv männlichen Geschlechts und kann ins Deutsch übersetzt werden mit Fürstendienst oder -huldigung.

Verschiedene Schreibweisen für Rajopachara
Sanskrit Wörter werden in Indien auf Devanagari geschrieben. Damit Europäer das lesen können, wird Devanagari transkribiert in die Römische Schrift. Es gibt verschiedene Konventionen, wie Devanagari in römische Schrift transkribiert werden kann Rajopachara auf Devanagari wird geschrieben " राजोपचार ", in IAST wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen " rājopacāra ", in der Harvard-Kyoto Umschrift " rAjopacAra ", in der Velthuis Transkription " raajopacaara ", in der modernen Internet Itrans Transkription " rAjopachAra ".
Video zum Thema Rajopachara
Rajopachara ist ein Sanskritwort. Sanskrit ist die Sprache des Yoga . Hier ein Vortrag zum Thema Yoga, Meditation und Spiritualität
Siehe auch
Ähnliche Sanskrit Wörter wie Rajopachara
- Rajapumans
- Rajadhina
- Rajopasevin
- Rajapreshya
- Rajanyribandhu
- Rajavansha
- Rajjumaya
- Rajjupithika
- Rajopakarana
- Rajopaseva
- Rajopasevin
Siehe auch
Quelle
- Carl Capeller: Sanskrit Wörterbuch, nach den Petersburger Wörterbüchern bearbeitet, Strassburg : Trübner, 1887
Zusammenfassung Deutsch Sanskrit - Sanskrit Deutsch
- Deutsch Fürstendienst oder -huldigung. Sanskrit Rajopachara
- Sanskrit Rajopachara Deutsch Fürstendienst oder -huldigung.