Na shreyo niyamam vina

Na shreyo niyamam vina (Sanskrit: na shreyo niyamam vinā wörtl.) = "Kein Wohlstand ohne Maß"; "Kein Fortschritt ohne Zügelung".
Der Sanskrit-Ausdruck “Na shreyo niyamam vina” ist ein prägnanter und tiefsinniger Satz, der dir auf deinem spirituellen Weg als eine Art Kompass dienen kann. Übersetzt bedeutet er so viel wie: “Ohne Disziplin (Niyama) gibt es kein höchstes Wohl (Shreyas)” oder “Ohne Selbstkontrolle und Regeln gelangst du nicht zum wahren Glück”. Das Wort “Na” verneint, “Shreyas” bezeichnet das höchste Gut, das wahre, dauerhafte Glück oder die spirituelle Vollendung – ganz im Gegensatz zu “Preyas”, dem flüchtigen, sinnlichen Vergnügen. “Niyamam” ist der Akkusativ von “Niyama”, was im Yoga die zweite Stufe des achtgliedrigen Pfades nach Patanjali ist und für feste Regeln, Selbstdisziplin, Rituale und eine bewusste Lebensführung steht. “Vina” bedeutet “ohne”. Der Satz stammt ursprünglich aus den alten indischen Schriften, insbesondere aus dem Mahabharata oder den Dharma Shastras, und bringt eine zeitlose Weisheit auf den Punkt: Ohne einen Rahmen, ohne Übung und ohne die Bereitschaft, dich immer wieder an bestimmte Prinzipien zu halten, wirst du das tiefe, innere Glück nicht finden.
In der Yogapraxis begegnet dir diese Wahrheit jeden Tag. Stell dir vor, du rollst morgens deine Matte aus. Vielleicht hast du keine Lust, vielleicht bist du müde. Der Verstand sucht das Preyas – die warme Decke, das bequeme Liegenbleiben. Aber du erinnerst dich an dein Niyama, zum Beispiel an “Santosha” (Zufriedenheit) oder “Tapas” (Disziplin). Du entscheidest dich für die Übung. Das ist der Moment, in dem du “Na shreyo niyamam vina” lebendig machst. Ohne diese innere Regel, ohne den Entschluss, dich immer wieder für die Praxis zu entscheiden, würdest du das Shreyas – die tiefe Ruhe nach der Asana-Praxis, die Klarheit im Geist, das Gefühl der Lebendigkeit – niemals erfahren.
Ein klassisches Beispiel aus der Yogapraxis findest du in der Vorbereitung auf eine tiefe Meditation. Du setzt dich hin, aber der Geist schweift ab. Du erinnerst dich an das Niyama “Svadhyaya” (Selbststudium) – das ist die Disziplin, immer wieder zu dir selbst zurückzukehren. Oder an “Ishvara Pranidhana” (Hingabe an das Höhere). Du lässt nicht locker, du bleibst dran. Und irgendwann, nach vielen Minuten vielleicht, öffnet sich ein Raum der Stille. In diesem Moment weißt du: Ohne diese Disziplin, ohne das ständige Zurückkommen, wäre dieser Moment des Friedens nie möglich gewesen. Der Ausdruck “Na shreyo niyamam vina” wird zur lebendigen Erfahrung.