Kognitive Psychologie

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Die Kognitive Psychologie, auch Kognitionspsychologie genannt, ist ein Teilbereich der Allgemeinen Psychologie und untersucht die Art und Weise, in der sich Menschen Wissen aneignen und dieses anwenden, um Erfahrungen in der Welt zu verstehen und neue Erfahrungen zu kreieren.

Bewusstseinsvorstellung aus dem 17. Jahrhundert von Robert Fudd

Kognitive Psychologie kann auch als „Wissenschaft der menschlichen Informationsverarbeitung“ bezeichnet werden und ist ein Sammelbegriff für alle Theorien und Befunde, die sich damit beschäftigen, was Menschen zur Erkenntnis über ihre Umwelt und den Umgang damit befähigt. Dabei werden kognitive Prozesse sowohl unter theoretischen Aspekten als auch im Hinblick auf ihre praktische Bedeutung untersucht. (Zum Beispiel: Welche kognitiven Strategien werden zum Erreichen von Handlungszielen eingesetzt? Wie wirken sich die Denkprozesse des Menschen auf sein Handeln und die Umwelt aus?)

Kognition

Der Begriff der Kognition kommt aus dem lateinischen von cognoscere und bedeutet „kennenlernen, erkennen, wissen“. Zur Kognition zählen verschiedene intellektuelle Leistungen, wie z.B. das Wahrnehmen, Erkennen, Vorstellen, Urteilen, aber auch Problemlösen sowie Lernprozesse im Allgemeinen. (Siehe auch Kognition)

Entstehung/Geschichte

Der Kognitivismus entstand ab den 60er und 70er Jahren aus der Kritik durch den Zweig des Behaviorismus, der Lernprozesse und Verhalten vor allem als außen-gesteuert, passiv und sehr funktionell beschrieb. In der kognitiven Psychologie steht im Gegensatz dazu die Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt im Vordergrund. Diese Konzentration auf innere Prozesse im Menschen wird in der Psychologie auch als „kognitive Wende“ bezeichnet (William Dember 1974).

Mit Fortschritten in den Bereichen der Computertechnologie, Informatik und künstliche Intelligenz (KI) entwickelte sich der Informationsverarbeitungsansatz in der Kognitiven Psychologie (Computermetapher). Forschung in diesem Bereich beschränkte sich jedoch meist auf Experimente im Labor.

Später, in den 70er Jahren, nahm das Interesse für Kognitionen in realen Situationen, an übergreifenden Theorien und an neurophysiologischen Mechanismen zu und es entstanden konnektionistische Theorien, bei denen Verarbeitungsprozesse eher in Aktivierungsmustern im Gehirn ablaufen. Um neuronale Muster zu erkennen werden u.a. bildgebende Verfahren der Medizin eingesetzt.Insgesamt befindet sich die kognitive Psychologie noch am Anfang der Forschung.

Definitionen/Grundannahmen

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„Die Kognitive Psychologie befasst sich mit kognitiven Prozessen. Kognitive Prozesse basieren auf physikalischen Ereignissen im Nervensystem und im Gehirn bei denen Informationen physisch übertragen werden“ (Wessels, 1990 zit. in Preim & Dachselt, 2010, S 31).

Kognitive Prozesse werden also unter dem Blickwinkel der Informationsverarbeitung betrachtet. In der Computermetapher werden analog zur Hardware eines Computers verschiedene Speicher- und Verarbeitungskomponenten des Gehirns postuliert, so z.B. das Arbeits- und das Langzeitgedächtnis mit den entsprechenden prozeduralen Inhalten.

Konnektionistische Modelle nehmen dagegen an, dass kognitive Prozesse im Gehirn innerhalb von Netzwerken ablaufen, die ständig ummoduliert werden können. Sogenannte Hybridmodelle versuchen beide Ansätze zu vereinen. Hierzu gehört zum Beispiel das Modell der Theorie Adaptive Control of Thought (ACT) von John R. Anderson.

Kognitive Prozesse können nach Simon (1979) auf drei verschiedenen Ebenen untersucht werden: als elementare Grundoperationen (z.B. Abfrage von Gedächnisinhalten), als höhere geistige Prozesse (z.B. Sprachverstehen, Problemlösen) und als neurophysiologische Prozesse. Mit letzteren beschäftigt sich auch das Fachgebiet der Neurokognitiven Psychologie.

Methoden/Untersuchungsansätze

In der kognitiven Psychologie kommen vielfältige experimentelle und statistische Methoden zum Einsatz, so zum Beispiel Computersimulationen, Reaktionszeitmessungen, Messungen der Hirnaktivität, Blickbewegungserfassungen und lautes Denken, aber auch bildgebende Verfahren der Medizin, wie MRT ( Magnetresonanztomografie) und PET (Positronen-Emissions-Tomografie).

Ein typischer Untersuchungsansatz der kognitiven Psychologie ist es, kognitive Phänomene getrennt von anderen Bereichen der menschlichen Existenz und menschlichen Verhaltens zu betrachten. Der Vorteil liegt hierbei darin, dass einzelne Phänomene gut beschrieben werden können, zu Ungunsten des Praxisbezuges. Die kognitive Psychologie beschäftigt sich im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtungsweise jedoch auch mit Interaktionen zwischen kognitiven und nicht-kognitiven Variablen. So zum Beispiel in Verbindung mit motivations- und sozialpsychologischen Ansätzen. Hierbei wird der Einfluss z.B. von Motivation, Emotion, direkten sozialen Einflüssen und sozialisationsbedingten Einflüssen untersucht.

Einer der Pioniere der kognitiven Psychologie war u.a. der Psychologe Albert Bandura (*1927), der sich ausführlich mit dem Lernen am Modell und den damit verbundenen Unterscheidungen zwischen Verhaltenserwerb und Verhaltensnutzung beschäftigte und hierfür z.B. die berühmten die BoBo-Doll-Studien (1963) durchführte. Er beschäftigte sich mit der Bedeutung von Selbstwirksamkeits- und Ergebniserwartungen bei der Verhaltensregulation und fand vier Quellen der Selbstwirksamkeit:

  1. eigene positive Erfahrungen,
  2. Lernen am Modell,
  3. Verbale Überzeugung und
  4. eigene körperliche und affektive Reaktionen.

Zum Thema der Selbstregulierung, also der Kontrolle des eigenen Verhaltens, schlägt Bandura drei Schritte vor:

  1. Selbstbeobachtung,
  2. Beurteilung und
  3. Rückmeldung.

Ist letztere negativ greift der Mensch zu Mechanismen der Selbstbestrafung, z.B. zu Kompensation eigener Unzulänglichkeiten über übertriebene Erhabenheitsgefühle, zu Untätigkeit in Form von z.B. Apathie oder Depression oder flüchtet z.B. in den Alhoholkonsum oder andere übertriebene Konsumverhaltensweisen. Zur Korrektur für Menschen, die an eher negativen Selbstkonzepten leiden schlägt Bandura drei Empfehlungen zur Selbstregulierung vor:

  1. Selbstbeobachtung – Erkenne Dich selbst,
  2. innere Standards überprüfen und ggfls. regulieren und
  3. Veränderung der Rückmeldung in Form von Belohnung erfolgreichen Verhaltens anstatt selbstbestrafenden Maßnahmen.

Kognitive Verhaltenstherapie

Ananda - ein Begriff aus dem Sanskrit und bedeutet Freude. Diese ist durch Yoga zu erreichen.

Parallel zur Kognitiven Psychologie entwickelte sich in den 60er Jahren die kognitive Verhaltenstherapie, in deren Mittelpunkt Kognitionen stehen. Therapieschwerpunkte sind das Bewusst-machen und Überprüfen von Kognitionen sowie deren Korrektur über Veränderung von Einstellungen und Verhalten. Als Begründer gelten A.T. Beck und A. Ellis.

Hierzu gibt es zum Beispiel eine Längsschnittstudie von 2010 zum Zusammenhang von MBTC (Mindful-Based Cognitive Therapie) und der Verbesserung von Depressionen in Zusammenhang mit der Übungshäufigkeit, bei der belegt werden konnte, dass die Patienten, die nicht rückfällig wurden, in den 6 Monaten nach Therapierende signifikant häufiger das Achtsamkeitstraining MBTC durchführten.

Wichtige Vertreter der Kognitiven Psychologie

Vertreter der Kognitiven Psychologie sind unter anderem:

  • Jean Piaget,
  • Robert M. Gagne,
  • Jerome S. Bruner,
  • Davis Paul Ausubel,
  • Albert Bandura,
  • Jerry Fordor,
  • Dietrich Dörner.

Siehe auch

Quellen

Literatur

  • Brander, Sylvia, Ain Kompa, and Ulf Peltzer. Denken und Problemlösen: Einführung in die kognitive Psychologie. Springer-Verlag, 2013.
  • Engelkamp, Johannes, and Hubert D. Zimmer. Lehrbuch der kognitiven Psychologie. 2007.
  • Hecht, Heiko und Wolfgang Desnizza. Psychologie als empirische Wissenschaft: Essentielle wissenschaftstheoretische und historische Grundlagen. Spinger-Verlag, 2012
  • John R. Anderson: Kognitive Psychologie. Heidelberg ; Berlin : Spektrum Akademischer Verlag, 2001 (3. Aufl.) Originaltitel: Cognitive psychology and its implications. ISBN 3-8274-1024-X

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