Indriyatattva
indriyatattva: (Sanskrit: indriyatattva n.) = die Wirklichkeit; das mit den Sinnen Erfassbare
Der Ausdruck „indriyatattva“ setzt sich aus zwei Sanskrit-Wörtern zusammen: „indriya“ und „tattva“.
- „Indriya“ bezeichnet traditionell die Sinnesorgane oder die Fähigkeiten, die Wahrnehmung und Handlung ermöglichen — dazu zählen bei klassischer indischer Theorie die fünf Wahrnehmungssinne (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten) sowie oft auch der Sprech- und Handlungssinn und der Verstand als instrumentelle Kräfte.
- „Tattva“ heißt wörtlich „Wesenheit“, „Prinzip“ oder „Wahrheit“ und wird verwendet, um die grundlegende Natur oder den ontologischen Status eines Phänomens zu beschreiben. Zusammengenommen bedeutet „indriyatattva“ also etwa „das Prinzip der Sinnesorgane“ oder „die Wesensart der Indriyas“.
In philosophischen und yogischen Kontexten bezeichnet indriyatattva die Untersuchung, Klassifikation und Auffassung dessen, wie die Sinne funktionieren, wie sie mit dem Geist und dem Objekt der Wahrnehmung verknüpft sind und welche Rolle sie im Prozess von Erkenntnis, Handeln und Bindung spielen. Manche Traditionen verwenden den Begriff, um die sinnlichen Vermögen als eine eigene Kategorie der Wirklichkeit zu beschreiben, mit spezifischen Eigenschaften, Aufgaben und Begrenzungen: sie vermitteln Informationen, können aber auch Täuschung und Anhaftung verursachen. In ethisch-praktischer Perspektive führt die Analyse des indriyatattva zu Empfehlungen für Selbstdisziplin, Unterscheidungsvermögen und die Zurückhaltung der Sinne, um geistige Klarheit und Befreiung zu fördern.