Harihara Nyasa und Japa der göttlichen Einheit

Aus Yogawiki

Harihara Nyasa und Japa der göttlichen Einheit verehrt Shiva und Vishnu in einer Gestalt. Harihara lädt dazu ein, unterschiedliche Ausdrucksformen des Göttlichen als zusammengehörig zu betrachten und die eigene Hingabe durch Weite zu vertiefen.

Die Harihara-Betrachtung richtet sich auf die Einheit der göttlichen Gegenwart.

Umfang der Anleitung: Redaktionell abgegrenzte Sitzung aus Hand- und Körper-Nyasa, Dhyana, innerer Verehrung und Japa. Sie beschreibt keine vollständige äußere Puja und keine Purashcharana.

Anlass, Voraussetzungen und Material

Für Puja- und Sanskrit-Kundige, die in die Praxis dieses Mantras und der genannten Nyasas unterwiesen sind. Diksha und bestehende Gelübde richten sich nach der eigenen Überlieferung; der Artikel erteilt keine Einweihung. Bereitlegen: gereinigter Sitz und Mala oder andere Zählhilfe; ein Bild von Harihara ist hilfreich, aber nicht notwendig. Wähle eine ruhige Tageszeit, die zu deiner überlieferten Praxisordnung passt. Die angegebenen Wirkziele sind traditionelle spirituelle Anliegen, keine garantierten äußeren Resultate.

1. Vorbereitung und Entschluss

Wasche Hände und Gesicht beziehungsweise beginne nach deiner täglichen Körperreinigung. Sitze aufrecht, bequem und mit freiem Atem. Lege die Zählhilfe bereit und fasse still den Entschluss: „Ich widme diese Sitzung der Verehrung und der Sammlung des Geistes.“ Äußere Pujageräte sind für diese Sitzfolge nicht nötig.

2. Der Mantra und seine Bedeutung

Lies zunächst den vollständigen Mantra; genau diese Fassung wird später wiederholt:

oṃ hrīṃ hauṃ śaṅkaranārāyaṇāya namaḥ hauṃ hrīṃ oṃ

Om; hrīṃ und hauṃ. Verehrung Shankara-Narayana, der vereinten Gestalt Shivas und Vishnus; hauṃ, hrīṃ, om. Die umrahmenden Bijas tragen ihre rituelle Klangfunktion und werden nicht wörtlich übersetzt.

3. Seher, Versmaß und Gottheit einsetzen

Berühre jeweils die angegebene Stelle und sprich die zugehörige Formel einmal. Die Dativformen sind nach den Zuordnungen des Quellabschnitts ausgeschrieben.

Berührung Vollständige Formel Bedeutung
Scheitel nāradāya ṛṣaye namaḥ Verehrung Narada, dem Seher dieses Mantras.
Mundbereich anuṣṭupchandase namaḥ Verehrung dem Versmaß Anushtubh.
Herzraum hariharāya devatāyai namaḥ Verehrung Harihara, der Gottheit dieses Mantras.

Bija und Shakti vergegenwärtigen

Die Quelle nennt außerdem zwei Zuordnungen. Vergegenwärtige den Beckenbereich beziehungsweise die Füße, bei Bedarf ohne Berührung, und sprich:

hauṃ bījāya namaḥ

Verehrung dem Bija hauṃ.

Am Beckenbereich.

hrīṃ śaktaye namaḥ

Verehrung der Shakti hrīṃ.

An den Füßen. Die Ausführung ohne körperliche Berührung ist eine praktische Anpassung.

4. Nyasa ausführen

Handweihung

Führe jede Tabellenzeile an beiden Händen aus und sprich die zugehörige Formel einmal für das Fingerpaar. Berühre zuerst die beiden Daumen jeweils mit dem Zeigefinger derselben Hand. Bei den folgenden vier Fingerpaaren berührt der Daumen jeweils den genannten Finger derselben Hand. Die Bewegungen können an beiden Händen gleichzeitig erfolgen. Bei der letzten Zeile berühre nacheinander die linke Handfläche und den linken Handrücken mit der rechten Hand sowie die rechte Handfläche und den rechten Handrücken mit der linken Hand; die ganze Formel wird dabei insgesamt einmal gesprochen. Diese Handhabung konkretisiert die überlieferten Fingerzuordnungen.

Handlung Formel Sinn und rituelle Funktion
Daumen hrāṃ aṅguṣṭhābhyāṃ namaḥ Einsetzung der angegebenen Klangfolge; Verehrung.
Zeigefinger hrīṃ tarjanībhyāṃ svāhā Einsetzung der angegebenen Klangfolge; Darbringung.
Mittelfinger hrūṃ madhyamābhyāṃ vaṣaṭ Einsetzung der angegebenen Klangfolge; Bekräftigung.
Ringfinger hraiṃ anāmikābhyāṃ huṃ Einsetzung der angegebenen Klangfolge; Schutz.
Kleine Finger hrauṃ kaniṣṭhābhyāṃ vauṣaṭ Einsetzung der angegebenen Klangfolge; Bekräftigung.
Handflächen und Handrücken hraḥ karatalapṛṣṭhābhyāṃ phaṭ Einsetzung der angegebenen Klangfolge; Schutzabschluss.

Körperweihung

Führe die Zeilen der Reihe nach aus und sprich jede Formel einmal. Berühre Herzraum, Scheitel und Shikha-Stelle jeweils mit den Fingerspitzen der rechten Hand. Beim Kavacha kreuze die Arme so, dass jede Hand die gegenüberliegende Schulter berührt. Bei der Schutzgeste genügt eine ruhige, nach außen gerichtete Handbewegung; diese praktische Ausführung wird redaktionell festgelegt. Berühre bei der Augenzeile nacheinander die geschlossenen Lider und den Punkt zwischen den Brauen nur leicht; sprich die Formel einmal für alle drei Stellen. Bijas und Abschlusslaute werden nicht mit erfundenen deutschen Wortbedeutungen versehen.

Handlung Vollständige Formel Bedeutung beziehungsweise Funktion
Herzraum hrāṃ hṛdayāya namaḥ Dem Herzen Verehrung.
Scheitel hrīṃ śirase svāhā Dem Haupt: Svaha, Darbringung.
Hinterer Scheitel beziehungsweise Shikha-Stelle hrūṃ śikhāyai vaṣaṭ Der Shikha: Vashat, Bekräftigung.
Beide Schultern: Arme vor der Brust kreuzen hraiṃ kavacāya huṃ Der schützenden Hülle: Hum.
Rechtes Auge, linkes Auge und Punkt zwischen den Brauen sanft berühren hrauṃ netratrayāya vauṣaṭ Den drei Augen: Vaushat, Bekräftigung.
Mit einer nach außen gerichteten Handbewegung den Raum um dich als geschützt vergegenwärtigen hraḥ astrāya phaṭ Der rituellen Schutzkraft: Phat.

Yoga-Vidya-Vortrag „Brahman – das Absolute“ als Hintergrund zur Betrachtung göttlicher Einheit.

5. Die göttliche Gestalt betrachten

Führe diese aus dem Quellabschnitt übersetzte Beschreibung still aus. Sie ist hier eine Meditationsanweisung, kein zusätzliches Sanskritmantra:

Vergegenwärtige eine einzige Gottheit, deren Körperhälften die eigenen Kennzeichen Shivas und Vishnus tragen. Die Hände halten Dreizack, Diskus und die Panchajanya-Muschel; eine weitere Hand gewährt Furchtlosigkeit. Halte beide Seiten als eine Gegenwart im Bewusstsein. Diese Eigenschaften werden im Meditationsvers des Abschnitts ausdrücklich genannt.

Verweile einen Moment bei der Gestalt. Stelle dir sodann, ohne weitere gesprochene Formel, fünf Gaben vor: reinen Duft, eine Blüte, duftendes Räucherwerk, eine helle Lampe und eine saubere vegetarische Speise. Biete sie der Gottheit nacheinander im Geist dar. Diese einfache Fünferfolge konkretisiert die im Text genannte geistige Verehrung; die vorliegende Sitzfolge fügt dafür keine fremden Bija-Mantras ein.

6. Japa

Rezitiere 108-mal die ganze Formel:

oṃ hrīṃ hauṃ śaṅkaranārāyaṇāya namaḥ hauṃ hrīṃ oṃ

Om; hrīṃ und hauṃ. Verehrung Shankara-Narayana, der vereinten Gestalt Shivas und Vishnus; hauṃ, hrīṃ, om. Die umrahmenden Bijas tragen ihre rituelle Klangfunktion und werden nicht wörtlich übersetzt.

Jede vollständig gesprochene oder gedachte Formel zählt als eine Wiederholung. Lass Klang und Bedeutung zusammenwirken. Bei einer Mala gehe nach jeder Wiederholung eine Perle weiter. Bei einer Mala mit 108 Zählperlen und zusätzlicher Guru- beziehungsweise Meru-Perle zählt die Markierungsperle nicht mit. Muss die Sitzung kurz unterbrochen werden, notiere den Stand, sammle dich erneut und fahre von dort fort. Diese organisatorische Hilfe begründet keine zusätzliche Ritualpflicht.

Die gewählten 108 Wiederholungen folgen dem allgemeinen inneren Japa in Mantramahodadhi 21.169. Ihre Verbindung mit diesem besonderen Mantra ist eine redaktionelle Sitzungsform.

7. Die Rezitation darbringen

Vergegenwärtige ihre Frucht als lichte Gabe in der rechten Hand der Gottheit. Diese Sitzung vollzieht die Übergabe rein geistig. Sprich:

guhyātiguhyagoptā tvaṃ gṛhāṇāsmatkṛtaṃ japam |
siddhir bhavatu me deva tvatprasādāt tvayi sthitiḥ ||

Du bist der Hüter des Geheimsten. Nimm die von uns vollzogene Rezitation an. Durch deine Gnade möge mir Vollendung zuteilwerden: das Ruhen in dir.

Lege die Hände vor dem Herzen zusammen, neige den Kopf und verweile kurz still. Lass das äußere Vorstellungsbild in der Gegenwart des Herzens ruhen. Öffne die Augen und beende die Sitzung. Es wurde keine dauerhafte Bild- oder Tempelweihe durchgeführt.

Verhältnis zur umfangreichen Sadhana

Der Quellabschnitt nennt für die volle Purashcharana 100.000 Japa und Homa mit Ghee und Milchspeise. In der äußeren Puja folgen weitere Göttinnen und Richtungshüter. Dieser Artikel beansprucht ausschließlich den erläuterten Nyasa, die vereinte Gestalt und die tägliche Japa-Sitzung.

Siehe auch

Seminare

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Gruppe Mudita
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Lerne, Harmonium zu spielen! Wenn vorhanden, bitte eigenes Harmonium mitbringen. Keine Vorkenntnisse nötig.
Alisa Yakhontova

Quellen und redaktionelle Hinweise

Brihat Tantrasara, Kṛṣṇānanda Āgamavāgīśa; verwendete IAST-Projektfassung Brihat Tantrasara Sanskrit 1, nach der elektronischen Textgrundlage M00013 (Druck Calcutta 1896). Die Versnummern der Gottheitenabschnitte sind lokale Nummern. Abschnitt „atha hariharamantraḥ“, lokale Verse 48–53. Hauptmantra nach der ausdrücklichen Formel „tāro māyā prāsādaṃ … prāsādaṃ māyā tāraḥ“ und dem im anschließenden Nyasa genannten hauṃ. Die sechs verlängerten hr-Bijas folgen der tatsächlich ausgeschriebenen Anfangsform hrāṃ in Vers 50. Die beiden zusätzlichen Zuordnungen von Bija und Shakti stehen in Vers 49. Die Anrufung Nāradāya schreibt den Sehernamen als selbstständigen Dativ aus; die Vorlage verbindet „nārada-ṛṣaye“. Der Dhyana wird wegen der fehleranfälligen digitalen Verbindung im zweiten Halbvers nicht als ungesichert geglätteter Sanskrittext gedruckt.

Der Sitzungsrahmen verbindet den genannten besonderen Mantra-Abschnitt mit der allgemeinen inneren Verehrung und Japa-Anleitung in Mantramahodadhi 21.166–170 und dem Darbringungsgebet 22.152. Die geistigen fünf Gaben konkretisieren den allgemeinen Auftrag „mānasaiḥ sampūjya“ beziehungsweise die geistige Verehrung. Die Zuordnungen und Lautgruppen des ausgewählten Nyasa sind vollständig ausgeschrieben; zusätzliche Nyasa-Systeme, die der große Puja-Kontext voraussetzt, werden hier nicht als vollzogen behauptet. Praktische Berührungs- und Zählhinweise sind redaktionell.